$ 19 Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen - Erscheint oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Mittags 3 Uhr. Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 113. der Großherzoglichen des Großherzoglichen Polizei Amtes Die„ Illuftr. Weltrundschau Bürgermeisterei sowie vieler anderer- Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) - Telephon: Nr. 362. Vom Parteileben. Mehr als es ehedem der Fall war, tritt seit der letzten Finanzreform im Reiche die Erscheinung hervor, daß sich die Parteien als Selbstzweck betrachten. Man hat sich in blutlose Schemen hineingebohrt und sieht von diesen aus die Zeitnotwendigkeiten in einer vollkommenen Verzerrung. Wie Bismarck voraussah, hat sich das Parteiwesen dahin entwickelt, daß sich immer mehr Wirtschaftsinteressen dahinein verschmolzen haben. Bismarc selbst allerdings hat gemeint, die wirtschaftlichen Körperschaften würden schließlich das politische Parteitum überhaupt ablösen. Das hat sich nicht bestätigt; das Parteientum stützt sich vielmehr auf die wirtschaftlichen Bewegungen und erhält sich dadurch an der Macht. Aber was früher verhältnismäßig reinlicher politischer Geisteskampf immerhin ein Kampf um Ideale! war, das wird jetzt nur noch als ein Kampf um Sonderinteressen betrachtet. Wir bestreiten keineswegs, daß die alten Jdeale noch vorhanden sind und in einzelnen Personen sogar noch fräftigen Ausdruck finden; aber niemand glaubt mehr an das Ideal des andern, sondern nur noch an dessen Vorteilsgedanken. Das ist die Folge der bezeichneten Entwicklung, und diese Folge wird aus unserem parlamentarischen Getriebe nicht mehr auszumerzen sein. Dabei ist richtig, daß sich die Parteien mehr oder minder alle weit in die wirtschaftlichen Vorteilsbestrebungen hinein verloren haben. Es ist kein erbauliches Bild, das unser deutsches die Parteiwesen gegenwärtig bietet. Man hat ja auch schon früher davon geredet, daß die unheilvolle deutsche Kleinstaaterei und Kirchturmpolitik, die in dem Verhältnis der deutschen Bundesstaaten zueinander immer mehr schwindet, im Parteiwesen ihre neue, nicht weniger gefährliche Auferstehung gefeiert habe. So groß die Gefahr war, die in diesem Parteipartikularismus lag, ihr wurde doch durch den natürlichen Fluß zwischen den Parteien, durch neue, unter starkem, beherrschenden Hervortreten nationaler Parolen entstehende Parteikonstellationen, durch die Wandlungen der Parteien selbst der schlimmste Stachel genommen. Aber immer deutlicher treten Umrisse einer neuen Entwickelung hervor, die sich zwar an die Parteien anlehnt, aus den Tiefen des Parteilebens sich emporringt, die aber allmählich den Parteien über den Kopf zu wachsen beginnt: die politische Gliederung unseres Volkes nach wirtschaftlichen Interessen= gruppen. Entweder die Parteien beugen sich diesen Interessengruppen oder sie laufen Gefahr, von ihnen ge= sprengt zu werden. Keine Partei kann mehr an ihnen vorbei; hier liegen in der Gegenwart die stärksten StüBen des Parteilebens, aber auch zugleich seine gefähr lichsten Klippen. Ob wir die Organisation des Bundes der Landwirte, die wuchtige Masse der Gewerkschaften, den Hansabund, den neuen Bauernbund, den Bund der Festbesoldeten, an der Arbeit sehen es gibt keine Partei mehr, die nicht zu irgend einer dieser Gruppen nähere Beziehungen suchen müßte, wenn sie nicht politische Selbstentleibung begehen will. Diese wirtschaftl. politischen Kampforganisationen aber sind heute bereits zum Teil besser einexerziert, diszipliniert und finanziert als die politischen Parteien selbst. Nun rüstet sich auch noch der Zentralverband deutscher Industrieller zu energischem Eingreifen in die Wahlbewegung. Wer mit der Kriegskasse dieser mächtigen Gruppe den Wettlauf unternehmen will, dem wird wahrscheinlich bald der Atem ausgehen. Ueberall Kapitalisation und Amerikanisierung unseres politischen Lebens. Da wendet sich sogar die„ Frankfurter Zeitung" mit Grausen und fragt besorgt: Wohin treibt unsere parteipolitische Entwickelung? Die Geister, die sie rief, wird sie nun nicht los. Die parlamentarischen Kämpfe drohen unter diesen Einwirkungen zu Scheinfämpfen zu werden. Das deutsche Volk ist nahe daran, die Zusammenhänge zu begreifen und deshalb den ganzen Parlamentarismus in seiner heutigen Artung oder vielmehr Ausartung dahin zu wünschen, wo der Pfeffer wächst. Kein Parteigerede will mehr ziehen; die Leute glauben nicht mehr daran. Sie glauben nur noch positiven Versprechungen zu Einzelfragen, und darum bemühen sich alle Kreise, Mandatsbewerber auf bestimmte Forderungen festzunageln. Und wer in solche Forderungen nicht mit eingeschlossen wird, tritt zur Seite und läßt den Wahlkampf toben. Er hat einen Ekel daran, der durchaus begreiflich ist, und wir werden noch dahin kommen, daß Wahlenthaltung und Parteilosigkeit als Kennzeichen idealen Sinnes gelten. Und unsere vaterländische Erneuerung wird sicherlich nicht aus dem Parteitum erwachsen, sondern höchstens dem Parteitum aufgezwungen werden. Aus sich selber Montag, den 15. Mai 1911. und ohne Not rührt das nicht an die großen völlischen Fragen. Denken wir nur an die Frage, ob ferner in deutschen Landen römisches Recht herrschen soll oder germanisches, ob der Boden Schacherware bleiben solf oder nicht und ob der Zinsertrag dem Arbeitsertrag gegenüber dauernd den Vorrang genießen soll. Das sind nur einige der großen Fragen, die dring lich ihrer Lösung entgegenreifen. Wie sich schließlich der Barlamentarismus dazu stellt, davon wird auf deut schem Boden seine Zukunft abhängen. Und nach den bisherigen Erfahrungen muß man annehmen, daß er, erwähnten stillschweigenden Ringes willen, der die Parso lange das irgend möglich ist, versagt, um des schon tei in den Parteien bildet und im Laufe der Jahre notwendigerweise immer schärfer in Erscheinung treten wird. Aus Stadt und Land. Gießen, den 15. Mai 1911. * Ein wissenschaftlicher Lehrgang in der Bienenzucht für Wanderlehrer, Vereinsvorstände und andere fortgeschrittene Imker findet unter der Leitung Pfarrer Gerstungs aus Oßmannsted und unter freundlicher Mitarbeit der Herren Professor Dr. Windisch, Dr. Ebertz, Oberlehrer Mangler und Oberlehrer Herter an der Landwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim bei Stuttgart in der Pfingstwoche ds. Js. ( 6.- 10. Juni) statt. Der Lehrgang steht für jeden deutschen und ausländischen Imker offen, welcher die moderne Betriebsweise Pfarrer Gerstungs theoretisch und praktisch im Zusammenhang fennen lernen will. Der Kursus ist kostenlos, doch haben die Teilnehmer für Kost und Wohnung selbst aufzukommen. Meldungen nimmt bis zum 20. Mai Herr Oberlehrer Herter in Hohenheim entgegen. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher. Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. im Interesse des Fleischergewerbes, wenn bald normale Preise eintreten würden. Der jetzige Zustand führe zweifellos bei den weniger bemittelten Konsumenten zur Unterernährung. Nachdem man über den Ausbau des Genossenschaftswesens und über die Pflichten gegen die soziale Gesetzgebung, insbesondere gegen die Fleischerei= Berufsgenossenschaft gesprochen hatte, verbreitete man sich über den Handel nach Sch I a cht- und Lebendgewicht. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: , Gegenüber den Bestrebungen der Landwirtschaft, den Handel nach Lebendgewicht immer mehr einzubürgern, ihn obligatorisch zu machen und der Geneigtheit der gesetzgebenden Körperschaften, diesen zu entsprechen, darf das Metzgergewerbe mit Recht auf die Notwendigkeit verweisen, daß es durch Erlaß entsprechender Wiegeordnungen vor Uebervorteilung so geschützt wird, wie es das Interesse einer reellen Geschäftsgebahrung erheischt. Als Grundlage für die zu erlassenden Verordnungen muß die Beschaffung einwandfreier und genau kontrollierter Wagen und namentlich die Einführung von Nüchterungsst ä l- I en gefordert werden, in denen die Tiere die festgesetzte Hungerzeit verbringen müssen." Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder: Falk- Mainz, Schnell- Kassel und Weidmann- Wiesbaden. Gegen 6 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. Am Abend fand ein Konzert der Infanteriekapelle statt unter freundlicher Mitwirkung von Frau Flimm- Gießen und des Münch'schen Soloquartetts- Wetzlar. Verschiedene Firmen hatten Maschinen und sonstige Einrichtungen für das Metzgergewerbe im Garten und auf der Veranda ausgestellt. Vertreten waren: Haas& Sohn, Neuhoffnungshütte bei Sinn, Ehringshauser Maschinenfabrik von Gebr. Moritz- EhringsR. Heike, Berlin- Mühlhausen a. Rh. aus. * Feuer brach gestern morgen gegen 8 Uhr in dem oberhalb des Bootshauses der Rudergesellschaft ge= legenen Eisschuppen des Bierverlegers Schmall Der größtenteils aus Holz bestehende Bau wurde vollständig zerstört, während von dem angrenzenden massiven Vorratshaus nur der Dachstuhl vernichtet wurde. Die Entstehungsursache ist unbekannt. * Erziehliche Bedeutung der Turn- hausen, Kr. Wetzlar, Lettermann, Ludwigshütte und vereine. Ueber dieses Thema wurde auf der zweiten Hauptversammlung der hess. Jugendhelfervereinigung in Friedberg auf Grund einer von Pfarrer Marx- Walldorf veranstalteten Umfrage referiert. Es wurden bei aller Anerkennung des idealen Kerns und der Wichtigkeit der Turnsache doch auch, neben begeisterter Zustimmung, Bedenken laut, die sich namentlich gegen die häufige Verquickung der Turnsache und Wirtshausleben richteten. Auch wurde stark betont: der Jugendhelfer dürfe bei seiner Stellungnahme nie vergessen, daß die körperliche Ertüchtigung der Jugendlichen eben doch nur eine Seite seiner Aufgabe darstellt. Die geistigen, religiösen und sittlichen Erziehungskräfte müssen auch zu ihrem Recht kommen. Es bleibt von Fall zu Fall zu entscheiden, inwieweit das im Bunde mit dem Turnverein geschehen kann. Die anstößige Blumentags- Post karte. Am hessischen Blumentag sind von der Großherzogin von Hessen gestiftete offizielle Postkarten allenthalben vertrieben worden. Auf einer der Karten lächelt dem Käufer ein reizendes geflügeltes Engelchen an, das einen Korb Blumen trägt und dabei man höre und erschaudere völlig nadt ist. Das erregte das sog. Sittlichkeitsgefühl eines frumben Mannes in einem oberhessischen Dörflein so sehr, daß er, um die verderblichen Folgen einer solchen Darbietung von seinen Mitbürgern abzuwenden, die unteuschen Postkarten der Ausgabestelle, dem Kreisamt, schleunigst zurücksandte. Bezirkstag. Der Bezirksverein beider Hessen und Nassau des deutschen Fleischerverbandes hielt gestern im festlich ge= schmückten Saale in Steins Garten seinen 25. Bezirkstag ab. Zur Feier des Tages hatte die Stadt reichen Flaggenschmuck angelegt. Nachmittags 3 Uhr wurde in Anwesenheit von Vertretern der Stadtverwaltung und vielen anderen geladenen Gästen die imposante Ver= sammlung durch den Vorsitzenden Carl Laut= Darmstadt eröffnet. Der Obermeister der hiesigen Jnnung, L. Sack, sowie der Vorstand des Bezirksvereins ſprachen Worte der Begrüßung. Darauf ergriffen die Ehrengäste das Wort, um der Tagung guten Erfolg zu wünschen. Auf der Tagesordnung standen nicht weniger als 8 Referate, die teilweise einen politischen Anstrich hatten. Die beiden Vorträge„ Fürsorge für die gewerbliche Jugend“ und„ Der Arbeitgeberschutzverband für das Fleischergewerbe" wandten sich scharf gegen den zersetzenden Einfluß der Sozialdemokratie. Auch die übrigen Punkte der Tagesordnung boten viel Interessantes. So wurde eine Resolution einstimmig angenommen, daß die Kosten der Vieh- und Fleischbeschau vom Reiche oder von den Bundesstaaten übernommen werden möchten. Man wehrte sich ferner gegen die Auffassung, daß die Metzger an der Fleischteuerung mit schuldig seien. Es läge auch - Vom Vogelsberg, 12. Mai. Vorgestern schlug der Blitz bei dem hier vorbeiziehenden Gewitter in das Anwesen des Herrn J. Baumbach 3. zu Crainfeld und äscherte dasselbe vollständig ein. Gestern entstand nun in der an dem Brandplatz anstoßenden Nachbarhofreite abermals Feuer, dem eine Scheuer zum Opfer fiel. Der Straßenwart Beyer von Mezlos erhielt von seinen Bienen am 9. d. Mts. den ersten Schwarm. Dieselbe Erscheinung hatte der Bienenstand eines Bewohners von Rainrod zu verzeichnen. Hirzenhain, 12. Mai. Gestern starb in der Gießener Klinik unser Bürgermeister Herr J. Gußmann in einem Alter von 74 Jahren. Im Herbste vorigen Jahres war er zum fünften Male zum Ortsoberhaupt einstimmig gewählt worden. =)(= Darmstadt, 15. Mai. Zur Abänderung des § 48 des hessischen Fischereigesetzes, durch die die Anglerfreiheit in Hessen aufgehoben wird, hat der hessische Anglerbund an die hessische Staatsregierung eine Petition gerichtet, in der gebeten wird, die Ausführungsbestimmungen des von den Landständen verabschiedeten neuen Fischereigesetzes so zu gestalten,„ daß den Sportanglern im Großherzogtum Hessen, gleich wie in anderen Staaten, die Ausübung der Fischerei mit der einfachen Handangel auch an Sonn- und Feiertagen ge stattet wird". Begründet wird die Eingabe damit, daß es die Tätigkeit dieser Beamten, Arbeiter, Geschäftsleute usw. nur zuläßt, an Sonn- und Feiertagen sich dem Angelsport zu widmen. Dieser durchaus berechtigte Wunsch wird hoffentlich bei der Regierung ein freundliches Ohr führen. Denn es besteht wirklich kein vernünftiger Grund, finden und zur Abänderung der veralteten Bestimmung dem Angler am Sonntag seinen Sport zu verbieten, umsomehr, als die meisten Angler Leute sind, die nur an Sonntagen freie Zeit haben. Weilburg, 14. Mai. Ein Ort, in dem der Freund Storch wenig zu Hause zu sein scheint- so schreibt das„ Weilb. Tgbl."- existiert im Oberlahnkreis. In diesem Ort werden in drei Jahren keine Kinder in die Schule neuaufgenommen und in 6 Jahren haben sich nur 6 neue Erdenbürger eingestellt. Der Ort ist allerdings auch nur klein, doch ist obige Statistik selbst bei einem Orte von rund 40 Haushaltungen mit 200 Einwohnern in Deutschland etwas ungewöhnliches. Paezha. Eine indianische Liebesgeschichte. Mir waren von der Jagd zurückgekehrt und faßen nun in Mechabpes Wigwam und rauchten unsere Pfeifen. Mein ich eingeschlafen. neben mir. Er blickte mich teilnahmsvoll an und sagte:„ Ich Als ich erwachte, saß der Weiße Schwan" hich a11 bassilt 1 Deutscher Reichstag. validen fond 3 561 Millionen und Invalidenpensionen bis Ende 1872 30% Millionen, Dotattonen an Heerführer und Staatsmänner 12 Milonen, Unterstützung für Landwehrleute 12 Millionen, Beihilfe an aus Frankreich vertriebene Deutsche 6 Millionen, Kriegsschadenersatz an Reeder 17 Millionen, Ersatz von Kriegsschäden und Kriegsleistungen 116 Millionen, Vergrößerungen der Betriebsfonds der Reichskasse 84 Millionen, ReichstagsgebäudeFonds 24 Millionen, Ausbau und Ausrüstung der Reichseisenbahnen 172 Millionen. Die oben erwähnten, für den Reichskriegsschatz verwendeten 120 Millionen sind bekanntlich im Spandauer Juliusturm in barem Gelde niedergelegt. Der Berufsschutz der jugendlichen Arbeiter. das Kommando des 1. Armeekorps, und am 1. Oftober 1907 wurde er zum Generalinspekteur der 6. Armeeinspektion ernannt. Am 18. September 1908 erhielt er den Rang eines Generalobersten. Im Jahre 1895 hatte ihn der Sul tan der Türkei bei seinem Abschied zum türkischen Mars schall ernannt. Von anderen Ehren, die er erhielt, sei die Verleihung des philosophischen Ehrendoktortitels erwähnt, den er im Jahre 1903 von der Universität zu Königsberg erhielt. Er ist außerdem Ritter des Ordens Pour le més rite für Kunst und Wissenschaften. Endlich hat er, was allgemein bekannt ist, den Rang eines Generalfeldmarz schalls erhalten. Die Gesellschaft für soziale Reform eröff= nete Freitag vormittag in Berlin ihre 5. Generalversammlung mit dem Thema:„ Die gewerblichen Lohnarbeiten beiderlei Geschlechts im Alter von vierzehn bis achtzehn Jahren." Für das Interesse, das der Behandlung dieser Frage die Reichs- und Staatsbehörden entgegenbringen, spricht es, daß fünf Reichsbehörden, das Reichsamt des Innern, das Reichsjustizamt, das Reichsmarineamt, das Kaiserl. Gesundheitsamt und das Reichsversicherungsamt, vertreten sind. Staatsminister a. D. Frhr. v. Berlepsch eröffnete die Verhandlungen mit einer Ansprache, in der er u. a. sagte: Der kritische Moment im Leben der lohnarbeitenden Klassen ist der, in welchem der Knabe und das Mädchen die Schule verlassen hat und, obwohl noch im zartesten Alter, die Erwerbsfrage für sie doch das entscheidendste ist. Wie ist es dazu gekommen, daß das heranwachsende Geschlecht der lohnarbeitenden Schichten von so vielen Gefahren umdroht ist? Klagen über die Verrohung der lohnarbeitenden Jugend hört man genug, und sie sind auch berechtigt. Aber sind sie allein die Schuldigen? Staat und Gesellschaft haben ein schweres soziales Unrecht hier auf sich geladen, und auch unklug haben sie gehandelt. Es steht unser aller Zukunft hier mit in Frage: die 3 u= kunft des deutschen Volkes, aber es scheint, als ob sich das öffentliche Gewissen zu regen beginnt. Im Reichstage wurden am Freitag bei der Beratung der Reichsversicherungsordnung die Erörterungen über die Organe der Krankenkassen fortgeführt. Die Abgg. Heinze( natl.) und Behrens( wirtsch. Vgg.) traten für die Kommissionsbeschlüsse ein. Ihre Ausführungen gipfelten darin, daß durch die nunmehr vorgesehene Regelung eine Beeinträchtigung der Selbstverwaltung der Kassen da, wo die materiellen Interessen der Arbeiterschaft in Frage kommen, nicht Plaz greift, denn letztere hat immer noch die 8weidrittel- Mehrheit, aber die Krankenkassen garantieren durch die künftigeBesetzung der Verwaltungsstellen nicht nach rein partetpolitischen Gesichtspunkten, sondern durch tüch= ttge Männer ein ebenso gutes Funktionieren in Bezug auf Ihre eigentliche Aufgabe, die Krankenfürsorge. Der sozialbemokratische Abgeordnete Schmidt bekämpfte die KommisHonsbeschlüsse. Mit den Krankenkassenbeamten wolle man die Geschäfte der sogenannten staatserhaltenden Parteien besorgen. Man wolle konservative Agitatoren in die Kassen bringen, um ihren Ausbau aufzuhalten. Auch der Pole Rulerski wandte sich gegen die Beschlüsse der Kommission. Abg. Cuno( fortschr. Vp.) befürwortete einen Antrag, dem= zufolge die Mitglieder des Krankenkassenvorstandes aus ihrer Mitte den Vorsitzenden wählen sollen, ohne die wet= tere Vorschrift der Kommissionsbeschlüsse, daß in getrennter Abstimmung sowohl bei Arbeitgebern und Arbeitneh= mern die Mehrheit haben muß. Zum Schlusse verteidigte der Abg. Heine( Soz.) das bisherige Krankenkassenwesen. Der Block von Cuno bis Westarp sei jetzt glücklich wieder beisammen. Alle Aufklärung pralle an der ehernen Stirn der Verleumder ab.( Unruhe.) Redner erörterte einen vom Grafen Westarp zur Sprache gebrachten Freiberger Fall, in dem er, Heine, als Rechtsanwalt Vertreter der Ortsfrankenkasse war. Der Vorsitzende des Freiberger Gerichts set durchaus voreingenommen gewesen. Auch hier hätte der Reichslügenverband" gewirkt. Vizepräsident Schulz, rügte diese Art des Angriffs gegen den Reichsverband zur Betämpfung der Sozialdemokratie, die eine Kränkung sei. Es erfolgte darauf ein scharfer Zusammenstoß des Präsidenten mit den in tosenden Lärm ausbrechenden Sozialdemofraten. Schließlich war die Rednerliste erschöpft und man konnte in die vier aufeinanderfolgenden namentlichen Abstimmungen hineinsteigen, die die Sozialdemokraten, den Entwurf vor dem ganzen Lande festzunageln", wie fie erklärten, für notwendig hielten. Die Kommissionsbeschlüsse wurden, wie vorauszusehen war, in allen Punkten bestätigt. Zunächst stimmten die Fretsinnigen und Polen mit den Sozialdemokraten; bei der wichtigsten Frage aber, der Dienstordnung für die Angestellten, waren die Soztaldemokraten in der Opposition allein. Auch der§ 412, der die Drittelung der Beiträge zu den Krankenkassen nach dem bisherigen System beläßt, wurde sogar ohne namentliche Abstimmung angenommen. Am Sonnabend will man bereits um 10 Uhr anfangen, wohl um den Durchschnitt der Paragraphen, der in den letzten beiden Tagen stark zurückgeblieben ist, wieder etwas in die Höhe zu treiben. um Ueber die Aussichten der Reichsversicherungsordnung wird uns aus Berlin geschrieben: Die Mehrheit des Reichstags hat den ernsten Willen, das große Werk zustande zu bringen. Dieser Wille genügt auch, um eine Erledigung der Vorlage zu sichern, denn die Opposition gegen diesen Gefeßentwurf ist geringer, als man allgemein glaubt. Es ist eine kompakte Mehrheit, aus der ganzen Rechten, dem Zentrum und den Nationalliberalen bestehend, für die Kommissionsbeschlüsse vorhanden. Das sind rund 250 Stimmen. Die anderen 150 Stimmen gehören aber nicht ohne weite= res nur Gegnern der Vorlage. Die fortschrittliche Volks= partet und die Polen erkennen den allgemeinen Nuzen, den die Neugestaltung der Dinge bringen würde, wohl an; fodaß als Oppofition eigentlich nur die Sozialdemokraten mit einigen Fortschrittlern gelten können. Das sind noch Teine 60 Stimmen! Aber auch die Sozialdemokraten sind nicht einig. Es ist also die begründete Erwartung vorhanden, daß das Werk erledigt wird. 40% In Ale onen an Stefe Gr des zur Die in wurd ahren. Aber den Arat berb lepte fein Geme Unter den Straffam Oberfchlef Nachtwäch baftet. Kinde dete ein f 1% fährige Brandwu Todes in Lüttich erstieg da den an d Geräusch Namen. Hef in de Graf Posadowsky, über die reichsländische Verfassungs reform. Der ehemalige Staatssekretär des Innern Graf v. Posadowsky hat im„ Tag" zwei Aufsätze über die Vera fassung Elsaß- Lothringens veröffentlicht. Er glaubt, daß die Hoffnung, durch den Verfassungsentwurf werde in El saß- Lothringen ein glüdlicher Zustand der Zufriedenhell eintreten, sich schwer erfüllen werde. Die Regierung, die jetzt dem Lande eine Verfassung gibt, durch welche ihm ei wesentlich höheres Maß von Selbständigkeit eingeräumt wird, übernimmt vor dem deutschen Volke, vor unserer ges schichtlichen Vergangenheit und unserer politischen Zukunft eine dauernde Verantwortung, die durch keinen Mehrheitss beschluß des Reichstags abgenommen werden kann." Mit diesem auffälligen Sage schließt der frühere Staatssekretär seine Betrachtungen. Darauf ergriff der Referent des Tages, Obermedizinalrat Professor Dr. v. Gruber( München), das Wort zu ſet= nem Vortrage über„ Berufsschuß der jugendli= chen Arbeiter". Der Redner stellte folgende Forderungen an die Gesetzgebung: Die arbeitenden Jugendlichen sollen beständig unter ärztliche Kontrolle gestellt werden. Das Schußalter sollte bis zum 20. Lebensjahre, mindestens aber bis zum 18. Lebensjahre ausgedehnt werden. Weiter hätte ein Verbot der Nachtarbeit auch für männliche fu= gendliche Arbeiter einzutreten. Die Fortbildungsschulzeit soll in den Maximalarbeitstag eingeschlossen werden. Es muß Gelegenheit zu ausgedehnten körperlichen Uebungen gegeben werden. Aeußerst unheilvoll sind auch die schlechten Wohnungsbedingungen der arbeitenden Jugend, zum Betfptel das Schlafstellenwesen. Aber schließlich sind ohne Mitwirkung der Bevölkerung selbst und insbesondere ohne Selbstbeherrschung der Jugendlichen alle gesetzlichen Maßregeln nuplos. Sehr wichtig ist die Erhaltung des Familiensinns und die Bekämpfung des kulturfeindlichen Herrenbewußtseins. Das Höchste ist und bleibt die Familie. Rundschau vom Cage. Politisches. Kein sozialdemokratisches Stadtoberhaupt in Stutts gart. Bei der am Freitag erfolgten Stadtschultheiß- Wahl in Stuttgart wurde der nationalliberale Regierungssat Lautenschlager mit 13 154 Stimmen gewählt. Dr. Linde mann( Soz.) erhielt 12 236 Stimmen. Gegenüber den beunruhigenden Nachrichten über den Gesundheitszustand des Papstes wird aus Rom versichert, daß sich der Papst eines normalen Gesundheitszustandes erfreue. In den päpstlichen Audienzen esi keine Aenderung eingetreten. Gestern habe der Papst sogar 60 Personen die Kommunion erteilt. Das Huldigungstelegramm des Deutschen Handelstages an den Kaiser lautet:„ Am Vorabend der Feier seines 50jährigen Bestehens in Heidelberg versammelt, bringt der Deutsche Handelstag, die Zentralvertretung von Deutschlands Industrie und Handel, Eurer Majestät seine ehrfurchtsvolle Huldigung dar. Für die gnädige Fürsorge Eurer Majestät für das wirtschaftliche Gedeihen des Reiches sagen wir unseren ehererbietigsten Dank und geloben, auch in Zukunft für die Förderung von Industrie und Kräften zu wirken." Die Milliarden der französischen Kriegsentschädigung. Sandel zum Wohle des gesamten Vaterlandes nach besten Die Kriegskostenentschädigung Frankreichs an das Deutsche Reich vor vierzig Jahren betrug bekanntlich fünf Milliarden Franken, die in den Jahren 1870-73 in Teilbeträgen gezahlt wurden, und wozu für die Stundung an Zinsen noch 301 400.000 Franken hinzukamen. Ferner hatte Frankreich noch etwa 260 Millionen Franken örtliche Kriegsschahungen, davon 200 Millioner von Parts, zu zahlen. Die Zahlungen erfolgten überwiegend in Noten und Wechseln. Der Gesamtbetrag machte rund 4459 Millionen Mark, wovon 260 Millionen Mark für die abgetretenen Eisenbahnen in Elsaß- Lothringen in Abzug kamen. Ueber mehr als 2 Milliarden wurde im Wege der Reichsgesetzgebung verfügt, der größere Teil zwischen dem Nordbunde und den Südstaaten verteilt, wobei auf ersteren 1940 Millionen Mark fielen. Die Hauptverwendungen aus der Summe, über die reichsgeseßlich verfügt wurde, sind: 207 Millionen Kriegskosten, seit Mitte 1870, Reichstriegsschab 120 Millionen, Umbau der Festungen 216 Millionen, Wiederherstellungskosten der bewaffneten Macht 126 Millionen, Marine 95 Millionen, Kriegsdenkmünze 900 000 Mart, In5) Zwei Kirschen an einem Stengel. Roman von A. von Liliencron. Nachdruck verboten. Das Mädchen stand vor der Türe, sie konnte von dort aus die Dorfstraße übersehen und spähte eifrig nach thren Gästen aus. ,, Mutter, se fumme!" rief sie jetzt freudig erregt in das offene Fenster hinein. Ein spanischer Appell an Deutschland in der Maroffo: frage. Das Mißtrauen gegen die französische Marokkopolitik kommt jegt in der spanischen Presse aller Parteirichtungen zum Ausdruck. Das Blatt" ABC" veröffentlicht einen vielbemerkten Artikel mit der Ueberschrift., Marokko für Frankreich!", in dem der spanische Patriotismus zur Betätigung in Marokko herausgefordert wird. Das Blatt schiebt auch Deutschland nach seinen Erklärungen vom Jahre 1909 die Verpflichtung zu, die Besitznahme Marokkos durch Frankreich zu verhindern. Ueber die Kriegslage in Megito wird aus Neuvork gemeldet: Die merikanische Regierung gab den Auslänbern in der Stadt Merito die Erlaubnis, sich zu bewaffnen. Allenthalben werden dort Vorbereitungen ähnlicher Art getroffen; die Schaufenster der Läden werden mit Brettern zugenagelt. Es heißt, 1500 Aufständische seien in der Stadt zur Erhebung bereit. Gestern preßten Rebellen im Weichbild der Hauptstadt drei Automobile zur Waffenbeförderung nach einer Ortschaft draußen im Lande. Das Kabinett drang vergeblich in Diaz, zurückzutreten. Nach richten aus dem Hauptquartier der Aufständischen bestätigten die bereits gemeldeten Versuche, neue Friedensverhandlungen anzuknüpfen. Madero richtete eine notdürftige Verwaltung in Juarez ein und ernannte ein Kabinett. Er soll auch um Anerkennung der Insurgenten als friegführende Macht nachgesucht haben, die jedoch nicht gewährt werden wird. Generalfeldmarschall Colmar Freiherr von der Golf fann am 14. Mai das 50jährige Jubiläum seiner militärischen Laufbahn feiern, da er- am 12. August 1843 zu Bielkenfeld bei Labiau in Ostpreußen geboren am 14. Mai 1861 als Leutnant zum Infanterieregiment Nr. 41 in Tilsit kam. Als preußischer Oberstleutnant ging er 1886 nach der Türkei, wo er die Organisation des türki schen Heeres nach deutschem Muster durchführte. Trotz seines Ausscheidens aus der preußischen Armee als etatsmäßiger Offizier wurde Freiherr von der Goltz aber in den Listen der Armee noch weiter geführt und avancierte vollkommen regelmäßig. Er wurde im Jahre 1887 Oberst, im Jahre 1890 Generalmajor und im Jahre 1895 Generalleutnant. Nach seiner Rückkehr aus der Türkei wurde er Kommandeur der 5. Division in Frankfurt a. O. Am 27. Januar 1900 ernannte ihn der Kaiser zum General der Infanterie. Im Jahre 1902 erhielt Freiherr von der Golz Frau Amrum fuhr noch einmal glättend mit der Hand über das blaugewürfelte Tuch, das sie zur Feier des Tages über den Kaffeetisch gebreitet hatte, und blickte sich prüifend im Stübchne um, ob auch alles i nordnung sei. Obgleich sie diese Inspizierung heute schon wiederholt vorgenommen hatte, so fand sie es doch durchaus nötig, das in diesem Augenblicke noch einmal zu tun." Se fumme in a richtige Glaskutsch," telegraphierte Kathi hinein, Jochens Albert und Karline lopen hinterdrin! O, und nu fümme noch mehr hinterdrin. Ja, so wat sehe se of nit alle Tag!" Wirklich, in einer Glaskutsche war noch keiner der Kirmesgäste nach Hennigbach gekommen, und daß dies von der Dorffugend bewunderte und umjubelte Gefährt seine Insassen in ihr kleines Häuschen bringen sollte, das erfüllte nicht nur das Mädchen, sondern auch die Mutter mit Stolz. Auch sie trat vor die Tür, als die beiden lebensmüden Braunen unter Peitschenknall und Hü und Hott die kleine Anhöhe zu dem Hause der Witwe herauftrabten. Röschen! Liebe Schwester!" Frau Amrum rief es ganz bewegt. Kleine Nachrichten. Der Referendar Prinz August Wilhelm von Preußen weilte Freitag vormittag im Reichsgericht zu Leipzig und nahm unter Zeitung des Präsidenten Freiherrn v. Seckendorff und des Oberreichsanwalts Dr. Zweigert an verschiedenen Sizungen des Straf- und Zivilsenats teil. Ueberfluß schwankte auf Frau Rosas wohlfristertem Haupt ein mächtiger runder Hut, der, trotz alles rechts und links Biegens thres Kopfes, durchaus feine Lust zu verspüren schien, sich dem erstaunten Publikum draußen näher zu zeigen, denn er schob sich beharrlich in den Wagen zurück bet den Versuchen seiner Trägerin, auszusteigen. ,, Das ist ja ein netter Affenkasten, in dem wir von der Bahn hierhergerötert sind," schalt diese und vergaß darüber die Begrüßung. Aber endlich war es ihr mit einem energischen Rud gelungen, sich samt ihrer Kopfbedeckung aus der unfreiwilligen Gefangenschaft zu befreien, nur der Vogel auf ihrem Kopfe hatte dabei eine bedenkliche Stellung be= tommen. Es dauerte aber eine kleine Weile, ehe ihre ausge= Streckte Hand die der Schwester ergreifen konnte. Das zarte Röschen hatte sich in eine recht umfangreiche Klatschtose verwandelt, die die Fülle ihrer Reize nicht so schnell aus der etwas schmalen Wagentür entwideln fonnte. Rum Das Befinden der Königin der Belgier, die, wie gemeldet, an einer Mittelohrentzündung erkrankt ist, hat sich in den letzten Tagen, nach Bekundung der beiden Spezialisten, die das Ohrenleiden behandeln, wesentlich gebessert. Man darf hoffen, daß die Königin in kurzer Frist hergestellt sein wird. „ Kiek mol, de hätt en Piepmay up de Kopp," rief Jochens Albert, und seine Schwester Karline jubelte,„ he wüll all wegfliege! It sperr em in min Käfig, wann ik det Piepmaz fange duh!" Sie machte dabei vor Vergnügen einen Luftsprung, und die Kinderschar, die dem Wagen gefolgt war und ihn neugierig umstand, wieherte vor Lachen. Dem Germanischen Museum der Universität Berlin find von einem Engländer auf zwei großen Tafeln unter Glas befestigte Handschriften Goethes und Schillers aus verschiedenen Zeiten ihres Lebens, Prosa und Verse, ge= schenkt worden in der Absicht, daß diese Reliquien der akademischen Jugend während ihrer Arbett auf dem Gebiete der deutschen Sprache und Literatur anregend vor Augen stehen sollen. Frau Rosa Grüßner, die stolze Gastwirtin, warf ihnen einen empörten Blick zu und einige nicht gerade schmetchelhafte Worte, die aber untergingen in dem allgemei= nen Stimmengewirre. Die Leiche des im Duell gefallenen Freiherrn von Gaffron ist auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft vom Amtsgericht Berlin Mitte beschlagnahmt und nach dat Schauhaus gebracht worden. mußt Dich besser herausfuttern.„ Na, Du willst uns bei Dir unterbringen? Laß nun mal sehen, ob es auch geht. Kutscher, warten Sie, bis ich Ihnen Bescheid gebe!" befahl sie diesem. Dabei fiel ihr Blick auf Kathi, die den gestickten Pompadour aufhob, der ihr entfallen war. Kathi wußte nicht recht, was sie aus der Sache machen sollte, tells tam ihr das Lachen an, teils ärgerte ste sich. Dem schwarzhaarigen Jüngling, der leichtfüßig aus dem Wagen gesprungen war, hatte sie feine Beachtung geschenkt. Die Tante, oder richtiger gesagt, deren stattöser Anzug interessierte sie mehr. Das glänzende Seidenkleid, die breiten Spigen an dem Umhang und der bebänderte Sonnenschirm, das alles dünkte ihr doch sehr großartig", und selbst der verlachte Hut mit dem reichen Blumenschmuck, in dem das Vögelchen saß, erregte ihre staunende Bewunderung. Frau Rosa hatte jetzt endlich Zeit für die Schwester gefunden, ste strich ihr in herablassend wohlwollender Weise über die Baden. ,, Du bist spitz geworden, Jette, Das Prozeß gestern Angeklag Bum Tod Jahren Arndt w Gefängnis Jaffen. Rasch trat sie an das Mädchen heran, und diese fühlte erglühend, wie ein scharf prüfender Blid ihre ganze Ge= stalt ins Auge faßte. Das Resultat mußte ein sehr befriedigendes sein, denn Frau Rosa nahm plöhlich Kathis lockigen Kopf zwischen beide Hände, füßte sie herzhaft auf den Mund und erklärte ihr lachend: Kind, Du bist viel zu schade für das Dorf, gerade so, wie ich es war." Dann wandte sie sich mit demselben wohlwollenden Lächeln an die Schwester. Auf das Mädchen darfst Du stolz sein, ich könnte sie weiß Gott, für meine Tochter aus: geben. Sie hat ganz das krause Blondhaar von mir und die braunen Augen!" Frau Amrum war erfreut.„ Ja, Röschen, ich habs uftmals dacht, se sieht ut wie Du, als Du jung wärst." ,, Nun, ich meine, die Aehnlichkeit ist auch jezt nicht zu verkennen," wurde ihr geantwortet, und der Schwester voran ging Frau Rosa in das Haus. Kathi verzog ein klein wenig das Mäulchen bei dieser legten Bemerkung der Tante, aber es schmeichelte ihr doch, daß diefe sie zu schade für das Dorf gefunden hatte. ,, Na, Kleine, nu laden Sie man ab," erinnerte ste der Kutscher. neun Mo Im leutnant erlernt ha Don Darm tag erfüllt Windverha gen und b bes böigen den- Baden Ste machte sich eilig daran, Hutschachtel, Reisetasche, ein elegantes Köfferchen und noch etliches Handgepäck aus dem Wagen zu nehmen. Vetter Julius, der beschäftigt gewesen war, die zudringliche Jugend zurückzutreiben, kam jetzt herzu. ,, Cousinchen, Du wirst Dich doch nicht mit meinen Sachen beschweren," rief er,„ das darf ich nicht zugeben!" dabei griff er nach der Tasche, die sie in Händen hielt. ( Fortsetzung folgt.) In Baden woch erlau des Regen Real von brechung in 8 Uhr 10 auf der ga mittel felb falle, ohne angewiefen leutnant R bis Bern Das beim Dorf meldet, D herrn Joft ein Duell Kugelwech chwer verr Berlegung lanten wa He ftets zu Sie stande wehrabtei taillon N fte im Ka fache in G Freunden Leiten z meidlich, perlautet Jein. De westfälifo Schl Spielte Schöffen Former Deffentli tanten v nat, die Verfündi fortgefekt Weise für Start veri richt fie n wegen de Beratung Furie üb mißhande den Angr habende dung die abhalten. In eine f nommen; Körperver Eine öfterreichi tete, der als Erzhe in engen Johann S Schweiz g Bureifen u lich einen Digte. J meine gan zu beweg auf eigen Geld, 700 Ständigtei fruchteten flog taj blag. De Titel ein Teutnants die Gren 1. Oftober 1907 Armeeinspektion It er den Rang tte ihn der Gub türtischen Mar r erhielt, fei die rtitels erwähnt, zu Königsberg ns Pour le me ich hat er, was Generalfeldmar he Verfassungs Innern Graf über die Ver Er glaubt, daß f werde in El Zufriedenhell Regierung, di welche ihm ein eit eingeräumi vor unserer ge Etischen Zukunft men Mehrheitss en tann." Mit Staatsfefretär upt in Stutt Schultheiz- Wahl Regierungssat It. Dr. Linde chten über den Rom versichert, dheitszustandes fi teine Men fogar 60 Per nder Maroffo: che Marottopo ller Parteirich veröffentlicht erschrift„ Ma Patriotismus rt wird. Das Erklärungen efignahme Maaus Neuport den Auslän zu bewaffnen. ähnlicher Art den mit Bret he seien in der n Rebellen im zur WaffenLande. Das treten. Nach indischen bestä e Friedensver eine notdürf nte ein Rabi nsurgenten als edoch nicht ge von Preußen u Leipzig und rrn v. Seden cigert an ver tats teil. , die, wie ge nkt ist, hat sich ziden Speziali tlich gebeffert. Frift hergestellt Jerfität Berlin Tafeln unter Schillers aus nd Verse, ge quien der akadem Gebiete nd vor Augen Freiherrn von waltschaft vem nd nach dat willst uns bel Ses auch geht. eid gebe!" be Rathi, ble den llen war. nd diese fühlte hre ganze Ge e ein sehr be löglich Kathis e herzhaft auf Du bist viel war." wohlwollenden then darfst Du e Tochter aus von mir und schen, ich habs ung wärft." jezt nicht zu der Schwefter ulchen bei die chmeichelte ihr efunden hatte nerte fie der et, Reisetasche, Sandgepäd aus der beschäftigt zutreiben, fam mit meinen nicht zugeben!" inden hielt. 40 Personen unter Bergiftungserscheinungen erkrankt. In Klein- Auheim im Kreise Offenbach sind etwa 40 Peronen an Vergiftungserscheinungen erkrankt. Man führt tefe Erkrankungen auf den Genuß verdorbenen Hackflets ches zurüd. Die Gattin eines Arztes vom Kottbuserdamm in BerJin wurde gestern nachmittag von einem Omnibus überfahren. Die Räder gingen ihr kurz unterhalb des Halses aber den Körper. Man rief einen in der Nähe wohnenden Arzt herbet, der zu seinem Entsetzen feststellte, daß die Verletzte seine Frau war. Gemeindevorsteher, Schöffe und Nachtwächter verhaftet. Unter dem Verdacht des wissentlichen Meineids wurden im Straftammerfizungssaale des Landgerichts Ratibor in Oberschleften der Gemeindevorsteher, der Schöffe und ber Nachtwächter, sämtlich aus dem Dorfe Leng bei Ratibor verhaftet. Der Affäre Itegt eine Wilderergeschichte zugrunde. Kinder ohne Aufsicht. In Altena( Westfalen) entzün dete ein fünffähriges Kind einen Kinderwagen, in dem sein 1½jähriges Brüderchen schlief. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es bald darauf starb. Todessturz einer Nachtwandlerin. Eine 34jährige Frau in Lüttich erhob sich in der Nacht im Schlafe aus dem Bett, erstieg das Dach und hängte sich fest schlafend mit den Händen an die Dachrinne. Eine Nachbarin erwachte von dem Geräusch, sah die Schlafwandlerin und rief fte entsetzt beim Namen. Die Unglückliche erwachte, stürzte etwa 20 Meter ttef in den Hof und starb infolge Schädelbruches. Aus den Gerichtssälen. Das Döberiger Wildererdrama. In dem Berliner Prozeß wegen der Ermordung des Gefreiten Brandt wurde gestern in später Nachtstunde das Urteil gesprochen. Der Angeklagte Arbeiter Bunde wurde wegen Ermordung zum Tode und wegen gewerbsmäßigen Wilderns zu dret Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Gärtner Arndt wurde wegen einfacher Hehlerei zu fünf Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft von neun Monaten verurteilt. Er wurde aus der Haft ent Jassen. Vermischtes. Jm Aeroplan von Darmstadt in die Schwetz. Oberleutnant Real, der bei Euler in Darmstadt das Fliegen erlernt hat, hat das seinem Lehrer gegebene Versprechen, von Darmstadt in seine Heimat zu fliegen, am Donnerstag erfüllt. Er war unter sehr ungünstigen Wetter- und Windverhältnissen Tags vorher von Darmstadt weggeflogen und brauchte bis Bensheim 20 Minuten, wo er wegen des böigen Windes glatt landete. Von Bensheim bis Baden- Baden brauchte der Eulerpilot 1 Stunde 6 Minuten. In Baden- Baden übernachtete der Flieger. Der Mittwoch erlaubte ihm infolge des Sturmes, der Gewitter und des Regens eine Wetterreise nicht. Am Donnerstag ist Real von Baden nach Basel, mit einer fleinen Unterbrechung in Heidersheim in Baden, geflogen, wo er um 8 Uhr 10 Minuten abends glatt landete. Er mußte sich auf der ganzen Strede, da, wo er landete, seine Betriebsmittel selbst beschaffen, sodaß der Flieger, wie im Ernstfalle, ohne jede vorherige Dispositionen ganz auf sich selbst angewiesen war, wo er zufällig landete. Ober leutnant Real hat die Absicht, noch weiter in die Schweiz bis Bern zu fliegen. Das Offiziersduell in Dels. Auf den Schießständen beim Dorfe Katuschke fand, wie schon telegraphisch ge meldet, Donnerstag abend zwischen den Leutnants FreiHerrn Jost von Dalwig und Freiherrn Eugen von Loë ein Duell statt, bei dem Leutnant von Loë beim ersten Kugelwechsel einen Schuß in die Brust erhielt. Er wurde schwer verwundet in das Lazarett geschafft, jedoch soll seine Verlegung nicht lebensgefährlich sein. Die beiden Duellanten waren bisher die besten Freunde gewesen, man sah fte stets zusammen, und sie schienen unzertrennlich zu sein. Sie standen als einzige Leutnants bei der Maschinengewehrabteilung Nr. 8 in Dels, die dem 2. Schles. Jägerbataillon Nr. 6 zugeteilt ist. Anfangs dieser Woche gerieten fte im Kasino des Jägerbataillons aus geringfügiger Urlache in Streit miteinander, der sich zwischen den beiden Freunden so zuspißte, daß es auf der Straße zu Tätlichfeiten zwischen ihnen tam. Nun war ein Duell unvermeidlich, das vom Ehrenrat auch gut geheißen wurde. Wie perlautet, soll Freiherr v. Dalwig der Fordernde gewesen Jein. Der verwundete Freiherr v. Loë entstammt der dem westfälischen Uradel angehörenden Familie Loë. Schläge im Gerichtssaal. Eine aufregende Szene spielte sich am Freitag im Verhandlungszimmer des Schöffengerichtes zu Hannover ab. Gegen die Eheleute Former Georg Adermann wurde unter Ausschluß der Deffentlichkeit wegen schwerer Beleidigung eines Fabritanten verhandelt. Der Ehemann wurde zu einem Monat, die Ehefrau zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Nach Verkündigung des Urteils machte die verurteilte Ehefrau fortgesezt Verbeugungen und bedankte sich in ironischer Weise für das„ gerechte Urteil". Als sie diese das Gericht start verhöhnenden Auslassungen fortsette, rief das Gericht sie nochmals vor die Anklageschranke und vernahm ste wegen der Ungebühr Während das Gericht sich dann zur Beratung zurückzog, fiel die Ehefrau Adermann wie eine Furie über den ahrungslos dastehenden Kläger her und mißhandelte diesen. Er vermochte sich gegen die wütenden Angriffe der Frau nicht allein zu wehren, der diensthabende Gerichtsdiener mußte unter voller Kraftaufwen= dung die schlagfertige Frau von weiteren Tätlichkeiten abhalten. Frau A. wurde wegen Ungebühr vor Gericht In eine sofort zu vollstreckende 24stündige Haftstrafe genommen; sie wird sich demnächst nun auch noch wegen Körperverletzung verantworten müssen. Eine Erinnerung an Johann Orth. Der verstorbene österreichische Feldmarschalleutnant Csanadi, der zur Zeit ,. als Erzherzog Johann Salvator auf seinen Rang verzichtete, der Wiener Militärkabinettskanzlei angehörte, soll in engem Kreise folgendes erzählt haben: Kaum hatte Johann Orth die Monarchie verlassen und sich nach der Schweiz gewendet, als der Kaiser mir auftrug, Orth nachzureisen und ihn zur Rückkehr zu bewegen und ihm schließlich einen Brief zu übergeben, den der Kaiser mir einhändigte. Ich holte den Erzherzog in Zürich ein und bot meine ganze Beredsamkeit auf, thn zur Rückkehr nach Wien zu bewegen, doch ohne Erfolg.„ Ich will endlich einmal auf eigenen Füßen stehen," erwiderte Orth.„ Ich habe Geld, 70 000 Gulden, nun will ich sehen, wie mir die Selbständigkeit glückt." Da ich sah, daß meine Worte nichts fruchteten, zog ich den Brief des Kaisers hervor. Orth flog rasch das Schreiben durch. Plötzlich wurde er leichenblaß. Der Kaiser schrieb ihm, daß sein Verzicht auf den Titel eines Erzherzogs und den Rang eines Feldmarschallleutnants akzeptiert sei, doch mit der Bedingung, daß er die Grenzen der österreichisch- ungarischen Monarchie nicht wieder überschreiten dürfe. Zitternd vor Erregung zeigte mir Johann Orth diesen Passus. Nach meiner Rüdfehr meldete ich mich zur Audienz beim Kaiser. Der Kaiser nahm meinen Bericht mit Spannung, doch ruhig entgegen. Bloß als ich auf die 70 000 Gulden zu sprechen fam, fiel mir der Kaiser ins Wort:„ Er muß viel mehr Mittel ha= ben." Die erwähnte Bedingung wurde genau eingehalten. Johann Orth hat seinen Fuß nie mehr über die Grenzen der Monarchie gesetzt. Von einem Regiments- Fouragewagen überfahren. Freitag vormittag ereignete sich ein schwerer Unfall auf der Chaussee nach Baumgartenbrüd bei Potsdam. Die Frau eines Bierfahrers aus Berlin befand sich mit ihrem 8 Jahre alten Sohn auf dem Heimweg nach Potsdam. Als ein Fouragewagen des Regiments Gardeduforps vorübertam, bat die Frau den Führer, thren sehr ermüdeten Kna ben mit auf den Wagen zu nehmen. Der Soldat wollte den Wunsch der Frau erfüllen und hob den Jungen zu sich auf den Wagen. In diesem Augenblid zogen die Pferde an, der Soldat stürzte vom Wagen und riß den Knaben mit sich. Die Räder des Wagens gingen über das Kind hinweg, bas nur noch als Leiche hervorgezogen werden fonnte. Der Solbat hatte eine Fußverlegung erlitten. Der Traum der Kaiserin Elisabeth. Ein französischer Schriftsteller, Emil Durer, machte, wie der Pester Lloyd berichtet, bei einem Besuche von Glion bei Montreur die Bekanntschaft einer früheren Lehrerin Mme. Amondruz. Diese erzählte ihm einst, sie habe bet ihren wiederholten Besuchen des Kirchleins von Glion die Kaiserin Elisabeth tennen gelernt, ohne zu wissen, wer die schöne, unglückliche Dame war.„ Eines Tages," so erzählt Mme. Anion= weiter, sehr verstimmt; fragte, ob Abrennen von Brandröhren, die beim Sturm auf gedeckte Räume durch vorkriechende Leute angezündet und in die Schießscharten gehalten werden, um die Leute im Innern auszuräuchern". Die Wirkung ist außerordentlich, da die brennenden Röhren so starke Rauchmassen und derartige Dünste in den Räumen verursachen, daß die Leute im Innern ausrüden müssen, um nicht zu ersticken. Hieran schloß sich eine Sprengung von Baum stammen, wobei Sprengkörper von etwa 5 Zentimeter Größe um den Baum gebunden oder als Bohrladung in den Baum gesteckt und elektrisch entzündet werden, sodaß selbst die schwersten Stämme wie dünne Stöcke abfuiden. Dann ka men Tretminen an die Reihe. Es sind das Minen, öle im Sande leicht eingegraben, sofort explodieren, sobald jemand auf fie tritt. Bei dieser Vorführung wurde natürItch an dieser Stelle scharfer Munition die Wirkung nur durch Rauchkörper zur Darstellung gebracht. Die Minen werden vom Verteidiger vor seinen Befestigungen angelegt. Sodann wurde ein Stück einer Verteidigungsstellung dargestellt: Schüßengräben mit Beobachtungsstand, Drahthindernis und Beobachtungsminen. Die Minen wurden seitens des Verteidigers gezündet, das Drahthinbernis durch den Angreifer zerstört. Letzteres war besonDers interessant. Ein Drahthindernis von 20 Meter Länge und 10 Meter Breite war vor einer Feldbefestigung angelegt; es schien absolut unzugänglich und ein starker Schutz. Da pirschte sich die Kolonne in Schleichanzügen, d. h. graugrünen Anzügen, fast unsichtbar heran, warf ihre Bomben in das Hindernis hinein und sprang in großen Säßen zurück aus dem Bereich der gefährlichen Bomben. Nach zirka einer Minute ertönte ein fürchterlicher Knall, und das gesamte Hindernis mit seinen Pfählen und dem vielen Stacheldraht war wie vom Erdboden ver schwunden, und ein zerwühltes, aber immerhin passierbares Gelände bot an seiner Stelle den angreifenden brauchbaren Weg an feindliche leiben jet. Sie erwiberte, bag ihre Gesundheit nichts au Stellung. An diese Gefechtsepiſode schloß sich eine awette, wünschen übrig lasse, daß sie aber ein merkwürdiger Traum, den sie in der Nacht gehabt habe, bebrüde. Sie wohnte ihrem eigenen Leichenbegängnisse bei, hörte die Glocken läuten und sah ihren Gatten, ihren Bruder und ihre Freunde dem Leichenwagen, der ihre Leiche trug, folgen. Am nächsten Tage sah ich sie nicht in der Kirche, erhtelt aber einen Brief von ihr, daß sie für einen Tag nach Genf gefahren sei. Wenige Stunden später war das ganze Land in Aufruhr. Man hatte in Genf die Kaiserin- königin von Desterreich- Ungarn erstochen. Ich ging ahnungslos nach dem Markte von Vevey und sah zu meinem Erstaunen in allen Schaufenstern das Bild jener Dame, der ich täglich in der Kirche begegnet war. Jch eilte mit dem Brief und einem Bildnis der Dame, das sie„ Elisabeth Wittelsbach" unterschrieben hatte, zu dem Bürgermeister, der ergriffen sagte:„ Liebe Madame, Sie sehen Ihre Freundin niemals wieder, denn sie ist es, die erstochen wurde. Gott tröste Sie." Unhonorige Zauberkünstler. In Paris existiert eine „ Gewerkschaft der Illusionisten", zu der sich die ZauberKünstler Frankreichs vereinigt haben, und die sich in letter Zeit mit den Praktiken gewiffer Spiritisten beschäftigt hat. Einer der bekanntesten französischen Taschenspieler, M. Remy, hat nun ein Buch über die spiritistische Praxis erscheinen laffen, in dem er die Vorträge zusammenfaßt, die er über dieses Thema vor der Gewerkschaft der Illusionisten ge halten hat. Er sieht in 50 Proz. aller sogenannten spirttistischen Manifestationen Betrügereten der Medien. In Neuyork besteht eine regelrechte Schule, wo angehende Medien gelehrt werden, Gegenstände mit den Zähnen zu schleudern, durch einen besonderen Mechanismus Tische tnaden zu lassen, mit Phosphor und Wafferstoff übernatürliches Licht" zu erzeugen oder mit 5 Metern feinen Stoffes, die in einer Eierschale Plaß finden, ein Gespenst zu machen. Am einfachsten machte es freilich ein Medium, das zwet Pariser Gelehrte einmal düpterte. Dte betden Herren waren sehr mißtrautsch und beffanden darauf, wäh rend der Experimente te eine Hand des Mediums zu halten. Durch einen Regtefehler leuchtete plöblich bas Licht auf, und die beiden gelehrten Herren sahen, wie ste dasaßen und sich gegenseitig die Hände drückten. Das Medtum hatte inzwischen mit ihren beiden freten Händen die allerschönsten Phänomene" hervorgerufen. Heiteres vom Wählen. Bei der Landtagsersazwahl, die Fürzlich im bayerischen Wahlkreise Straubing- Bogen- Mitterfels- Kößting stattfand, spielten sich in mehreren Fällen heitere Szenen ab. In einem Straubinger Wahlbezirk trat ein Wähler ins Wahllokal; es wurde ihm bedeutet, in den als Nebenraum bestimmten Verschlag zu treten, um seinen Wahlzettel unbemerkt ins Kuvert zu stecken; er folgt der Anweisung, setzt sich aber auf den im Verschlag befindlichen Stuhl und Harrte der Dinge, die da kommen sollten. Die übrigen Wähler kamen und gingen, nur der eine blieb ruhig fizen. Schließlich wurde thm die Sache doch zu bunt; er stieg auf den Stuhl, lehnte sich über die Brüstung des Verschlags und rief ins Wahllokal hinein: Wann tomm' denn i d'ran?"- Ein anderer Wähler trat an die Wahlurne, um seine Stimme abzugeben. Nach Durchsicht der Liste wird ihm vom Wahlvorsteher bedeutet, daß er nicht wählen könne, weil er nicht in der Liste stehe, da er vermutlich keine direkten Steuern bezahle. Was zahle ich nicht? Keine Steuern? Zahle ich doch Hundesteuer!" war die in empfindlichem Ton gegebene Antwort. In einem Wahlorte des Bayrischen Waldes tam ein einfaches Bäuerlein mit dem Wahlzettel in der Hand ins Wahllokal. Sein Name stand nicht in der Wählerliste, da er auch keine direkten Steuern bezahlte. Auf den Bescheid, daß er nicht wählen könne, erwiderte er:„ No, wenns mi do net wähl'n laff'n wollte, nachha muaß t' halt mein Wahlzettel schon dem Kandidaten nunterselber zum Plarnbauern trag'n!" Einem andern Wähler eines ländlichen Wahlortes passierte es im Eifer für die gute Sach", daß er statt des Wahlzettels eine an ihn gerichtete- Fischrechnung in die Wahlurne legte. Zum Glück fam's auf seine Stimme nicht an. - Bei Konventionalstrafe teine Strafe! Anmieter versichern, daß sie keine eigenen Kinder haben und auch fünftig soíche nicht halten wollen; im Falle der Zuwiderhandlung gegen diese Vertragsbestimmung soll der Vermieter nicht nur berechtigt sein, von dem Vertrag zurückzutreten, sondern die Mieter auch eine Vertragsstrafe von 1000 M an den Vermieter zu zahlen haben." Wer es nicht glaubt, daß eine solche Bestimmung jemals in einen Mietvertrag aufgenom= men worden ist, der lasse sich durch die Tatsache belehren, daß kürzlich in Cöln diese wörtlich wiedergegebene Vertragsklausel Gegenstand einer gerichtlichen Klage war. Der betreffende Hauswirt hatte ein junges Ehepaar auf Bahlung der Vertragsstrafe verklagt, weil es in Nichterfüllung der Vertragspflicht dem Kindersegen nicht gewehrt hatte. Der Richter erkannte selbstverständlich die Vertragsklausel als den guten Sitten widersprechend an und wies den Hauswirt mit seiner Klage ab. Die Sprengminen im Kriege. Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz fand am Donnerstag eine glänzend durchgeführte Sprengübung der Garde- Pioniere statt, bei der gezeigt werden sollte, mit welchen grausigen Mitteln im modernen Feldkriege unsere Pioniere den anderen fechtenden Truppen zur Seite stehen können, vor allem durch Zerstörung von Feldbefestigungen. Das Hochinteressante Schauspiel wurde eingeleitet durch bte nicht weniger interessant war. Eine Abteilung Pioniere hatte sich bei einem RückzugsGefecht über einen Fluß zurüdgezogen, über den eine starke Pfahljochbrücke führte. Sowie sie an die Brücke kamen, wurden Sprengpatronen an die Brücke gelegt, und kaum war der letzte Mann hinüber, da flog auch die schwere Brücke mit lautem Knall hoch in die Luft und fam in lauter kleine Stücke zerfrümmert wie ein Regen aus der Luft zurück. Der Feind mußte jenseits des Flusses zusehen, wie die fliehende Truppe einen immer größeren Vorsprung gewann. Den Schluß ber Uebung bildete ein Angriff mit Sprengungen auf ein Gehöft. In wenigen Sekunden war auch hier alles wie vom Erdboden rasiert. Bei all diesen gefährlichen Sprengexperimenten zeigte sich eines ziemlich gleichmäßig: der Pionier, der Minen fprengen und Brandröhren an Schießscharten halten will, muß ein Held sein, ein Tapferer, der mit Freuden sein Le ben für König und Vaterland in die Schanze schlägt, denn wohl in nicht ganz seltenen Fällen wird eine Kugel aus Feindeshand, manchmal wohl auch seine eigene Sprengmt. ne, ihm seine Kühnheit mit dem Leben büßen lassen. Drabtnachrichten und neuestes. Vom Kriegsschauplah in Mexiko. Nenyork, 19. Mai. Die merikanische Stadt Chthuahua ist von einer großen Schar Insurgenten, angeblich von 2000 Mann, bedrängt. Bewaffnete Banden erschienen in der Vorstadt Nombre de Dios, plünderten die Läden und führten die Pferde fort, trotzdem 1500 Mann Truppen in ber Stadt waren. In Juarez ist im Hospital der Typhus ausgebrochen. Der Ausbruch der Krankheit ist vorzugsweise darauf zurückzuführen, daß die merikanische Regterung fast gar keine Vorkehrungen für die Pflege der Verwundeten oder santtäre Maßnahmn getroffen hat. In der Nähe der Stadt Mazatlen soll der Deutsche Katerfeld bet ber Verteidigung seiner Farm von den Insurgenten er schoffen worden sein. Die beiden Hauptgewinne der preußischen Klaffen: lotterie, gezogen. Berlin, 18. Mat. Die beiden Hauptgewinne der preußischen Klassenlotterie, je 500 000 Mark, fielen auf die Nummer 12 882, Abteilung 1 und 2. übt. Blutiges Familiendrama wegen eines Erbes. Bamberg, 13. Mat. Eine schwere Bluttat wurde l Ober- Wurmbach bei Gunzenhausen in Mittelfranken ver Dort ermordete der Bauernsohn Schuster seinen Schwager, weil dieser einen Bauernhof, auf den er selbst Anspruch zu haben glaubte, geerbt hatte. Schuster überfiel seinen Schwager im Walde bei der Arbeit, schoß ihn nieder und tötete ihn vollends durch zahlreiche Messerstiche ins Genick. Darauf ertränkte er sich in einem nahen Weiher Von Darmstadt nach Bern im Aeroplan. Basel, 13. Mai. Der schweizerische Flieger Ober Ieutnant Real ist heute früh 5,35 Uhr in Basel zur Fortsegung des Fernfluges Darmstadt- Bern aufgestiegen. Auf der Höhe des Jura stieß das Fahrzeug mit dem rechten Flügel gegen einen Baum und wurde beschädigt. Real blieb unverletzt. Streifausschreitungen in Zürich. Zürich, 18. Mat. Der Maurerstreif nimmt bedenkliche Dimensionen an. Eine Polizeiabteilung, die ArbeitswilItge beschützen wollte, wurde mit Steinen beworfen und befchoffen; sie zog sich in Eile auf die Wache zurück, auf die die Volksmenge auch Steine warf. In den nachfolgenden Straßenkämpfen machte die Polizei von der Waffe Bebrauch; es gab auf beiden Seiten Verwundete. Der Regterungsrat beschloß die sofortige Aufbietung der Milizen. Englische Staatsmänner im Aeroplan. London, 18. Mai. Gestern stieg der Aviatiker Graham White auf einem Farman- Zweidecker mit Lord Bal four bis zu einer Höhe von 100 Fuß auf und umflog dreimal den Flugplatz von Hendon. Später stieg auch der erste Lord der Admiralität Mc. Kenna mit White zu einem Fluge auf. Bandel und Gerkebr. Frankfurt, Mai. Viehmarktpreise vom 11. Mai: Preise für 1 3entner Kälber; a) Doppellender feinste Mast ( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M, b) feinste Mast ( Vollm.- Mast) und beste Saugkälber( Lebendgew.) M 57 bis 60,( Schlachtgem.) M 95-100, c) mitttlere Mast- und beste Saugtälber( Lebendgew.) M 52-56,( Schlachtgem.) M 86 bis 93, d) geringere Sangfälber( Lebendgew.) M 45-50, ( Schlachtgew.) M 75-83. Schafe: A. Stallmastschafe: Mastlämmer und füngere Masthämmel( Lebendgem.) M 41-42, ( Schlachtgew.) M 86-88, 6) ältere Masthämmel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogramm Lebedgewicht( Lebendgew.) M 47-49,( Schlachtgem.) M60-62, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 46-47,( Schlachtgew.) M 59-60, c) vollfleischige Schweine von 100-120 Kilogramm Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 47-48,( Schlachtgew.) M 58-59, 6) vollfleischige Schweine von 120-150 Kilogramm Lebendgewicht( Lebend gewicht) M 45-46,( Schlachtgew.) M 56-58. Briefkasten. 28. 10. Die Beantwortung der Frage in dieser allgemeinen Form ist nicht möglich. Dazu bedarf es einer ein= gehenden Darlegung des Falles. Bekanntmachung. Betr.: Ausführung der Gewerbeordnung: hier; Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. An den zwei Sonntagen vor Pfingsten( 21. und 28. Mai lfd. Js.) dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe bis 7 Uhr abends, jedoch nicht über 10 Stunden, beschäftigt werden. Der Gewerbetrieb in den offenen Verkaufsstellen ist ebenfalls bis 7 Uhr abends gestattet. Gießen, den 10. Mai 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Polizei- Verordnung. den Verkauf von Speise- Eis auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen betreffend. Auf Grund des Art. 56 Ziffer 1 der Städteordnung wird nach Anhörung der Stadtverordneten- Versammlung mit Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 3. Mai 1911 zu Nr. M. d. J. 2 2245 für den Bezirk der Stadt Gießen verordnet, was folgt: § 1. Speiseeis darf an Kinder unter 14 Jahren auf öf= fentlichen Straßen, Wegen und Plätzen nicht verkauft werden. § 2. Wer Speiseeis feilhält, darf sich in der Ausübung dieses Gewerbes 1. Spielplätzen während der Dauer von Bewegungsspielen, 2. Schulgrundstücken während der Pausen, sowie während der Zeit von einer halben Stunde vor Beginn des Unterrichtes bis eine halbe Stunde nach seinem Schluß auf weniger als 200 Meter nicht nähern. § 3. Zuwiderhandlungen werden, insoweit nicht andere Strafbestimmungen zur Anwendung zu kommen haben, mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder im Unvermögensfalle mit entsprechender Haftstrafe geahndet. § 4. Die vorstehenden Vorschriften treten am 1. Juni 1911 in Kraft. Gießen, den 10. Mai 1911. m Großh. Polizeiamt. DEN Gebhardt. Privat- Lehr- Institut für Schnittzeichnen und Kleidermachen. Sommerkurse. aiser- Ottn bester Zusatz zum Bahnen oder Malz Kaffee Kaiser Olja Kallee kl Dah Goll Mauswald Magdeburg Ueberall zu haben. Damen und Herren ist zum Heiraten gute Gelegenheit geboten durch Frau Pfeiffer Nachf., Frant: furt a. M. Mainzerlandstr. 711 Flechten ass. and trockene Schuppenflechte skroph. 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Univ.- Prof. Dr. Johann Georg Möndeberg eine Tochter, Gisela. 8. Kaufmann Juda Rosenthal eine Tochter Ilse. 8. Möbelpacker und Dienstmann Jakob Rinder knecht eine Tochter, Auguste Margarete. 10. Schuhmacher Konrad Steber ein Sohn, Karl Konrad. Aufgebote. Mai 5. Otto Herpel, Pfarrassistent in Langen, Bez. Darmstadt, mit Martha Schmeckenbecher in Gießen. 8. Hermann Trinkaus, Oberpostschaffner in Gie ßen, mit Katharina Kraft in Guxhagen. 8. Wilhelm Rudolph, Pianofortehändler, mit Maria Rauber, beide in Gießen. 11. Karl Rockel, Kaufmann in Lauterbach, mit Berta Hedrich in Meiches. 11. Dionysius Broich, Hüttenarbeiter in Duisburg, mit Susanna Hansen in Keldenich. Eheschließungen. Mai 6. Joseph Euteneuer, Vizefeldwebel und Zah meister- Aspirant, mit Wilhelmine Eidman, beide in Gießen. 6. Wilhelm Werner 7., Installateur in Egelbach, mit Karoline Schmidt in Gießen. 6. Ludwig Sommer, Schlosser, mit Marie Frie rich, beide in Gießen. Gestorbene. Mai 6. Irmgard Olga von Hippel, 9 Jahre alt. " 8. Heinrich Bernges, Dienstknecht, 27 Jahr al 8. Johannette Volp, geb. Althaus, 77 Jahr al " " 10. Elisabeth Möhl, 42 Jahre alt. " 11. Karoline Synofczif, geb. Domnid, 27 Jahr " 12. August Lerch, Fabritarbeiter, 21 Jahre alt. Selbstätige Waschmittel! Wer seine Wäsche schonen und ihr größere Gebrauchsdauer sichern will, nehme zum Waschen nichts anderes als Persil, das bewährte, selbsttätige, unschädliche Waschmittel von Millionen Hausfrauen. Erhältlich nur in Original- Paketen. - Der Waschtag bringt Ihnen keinen Ärger mehr! Persil wäscht ganz von selbst! Die Wäsche wird eingesetzt, etwa- Stunde gekocht und gut ausgespült; sie ist dann fertig, blütenweiß wie auf dem Rasen gebleicht. HENKEL& Co., DÜSSELDORF. Alleinige Fabrikanten auch der weltberühmten Henkel's Bleich- Soda. Eigentum u. Verlag der Gießener Zeitung G. m. b. S. Verantwortlich für die Schriftleitung Otto Heinede, für Reflame und Anzeigen Robert Roller, beide in Gießen. negative, fo vermöge. nicht an tat völlige Unfä des praktisch Aus ne weis por un waukee im 375 000 Ei steht die gr - befindet ter fozialde 1910, als G fanischen G heit des Ge fee ausgeru im roten feiert, unter Zeit in ein falls aber Genosse S zu der bon Bürgerliche fäßen tom Gejagt alles, wof Stadtlicht Um die 2 möglichst jelbstverstä duftriebezi dafür vor alles ganz resse der L Augenblic waren und Schraube e zeigte sich zialistische lich und ü waltung w Verlängeru reichen Fä arbeiten, al tionsweise genug, erw ferentlaffung doner Sta zialdemokra los geword zu, daß in Soviel Not daran nur gebe ich 31 rigen Teile gut wie un Die Zuffan Schaffen ha Mit de und Ender ichieht nur Ben todt Arbeiter be