Riecht nicht! Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Pfg. monatlich sierteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Redaktion: Dienstage, Donnerstags, Samstags. Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 210. - ( 2. Blatt.) Heffische Landtagswablen 1911. Jeder Wähler Wo kann man wählen? wählt dort, wo er in die Wählerliste eingetragen ist, das ist nun dort, wo er seinen Wohnsitz hat resp. wo er die ganze oder den größten Teil seiner Gemeindesteuer zu zahlen hat. Wie wird gewählt? Geheim und direkt. Wer das 50. Lebensjahr zurückgelegt hat, hat zwei Stimmen. Wer kann wählen? Wer unter 500 Mt. Einkommen hat, und also nicht zur Staatssteuer veranlagt ist, dagegen über 200 Mark und somit zur Gemeindesteuer veranlagt ist, oder doch veranlagt werden kann, ist wahlberechtigt, auch wenn in seiner Einkommensklasse Gemeindesteuer nicht erhoben wird. Er muß in die Wählerliste eingetragen werden. Wählen kann schließlich jeder, der in die Wählerlifte eingetragen ist, wenn dies auch vielleicht zu Unrecht erfolgt ist. Eine Wahl kann auf Grund von Jrrtümern in der Wählerliste nicht mehr angefochten werden. Das ist eine Neuerung von weittragendster Bedeutung. Darum ist eine Jneinsichtnahme in die Wählerliste für jeden die heiligste Pflicht. Diese Wählerliste bildet die wichtigste Grundlage der Wahl. In ihr muß jeder Wahlberechtigte stehen mit Namen und mit Tag und Jahr der Geburt( wegen des 50. Lebensjahres). Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Samstag, den 14. Oftober 1911. bei ? Eigener Herd ist Goldes wert. Prak-| tische Familienhäuser auf dem Lande und in Vororten schon für 3500 Mt. aufwärts. Ein Wegweiser für alle diejenigen, die auf dem Lande im eigenen Hause gesund und billig wohnen wollen. Herausgegeben von M. Spindler, Amtsbaumeister a. D. 96 Seiten mit 150 Abbildungen. 3. Auflage. Preis Mt. 1.50, gebunden 2 Mt.( Porto 20 Pfg.) Westdeutsche Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 35. Wenn wir hier sehen, daß man zweckmäßigster Raumausnüßung Familienhäuser mit 3 und 4 Zimmern nebst Küche 2c. bei 280 und 360 Abm. umbautem Raum( je 12-15 Mk.) für 3-4000 bezw. 4-5000 Mt. bauen kann, so zeigt sich, daß man auch im Eigenheim billig wohnen wird. Idyllisch ist das Leben im Eigenhause, in jeder Beziehung ist es ideal. Zur Verbesserung der Lebenshaltung dient der Ertrag des Gartens und die Kleintierzucht, denn 1 Ar Gartenland mit Obstbäumen und Beerenkulturen bringt einen Durchschnittsertrag von 100 Mt. jährlich, andere Kulturen ebenfalls. Aus Hühnerzucht ist nach Abzug aller Unkosten pro Huhn 8-10 Mt., aus einem Bienenstock 20 Mt., von einer Milchziege 240 Mk. zu er= zielen, durch Kaninchenzucht 2c. sind weitere wirtschaftliche Vorteile geboten, sodaß man den Ausführungen des Verfassers nur beistimmen kann. - In Sturm und Notim Lenkballon. Von Otto Promber. Mit 18 Vollbildern Mt. 3.-. Der Autor schildert die Entstehung und die Fahrt eines lenkbaren Luftschiffes, dessen Zweck es sein soll, den Kanal und die Nordsee zu überfliegen. Das kühne Wagdie nis mit all seinen Gefahren, die Annäherung an englische Küste, die eintretende Katastrophe, die Strandung auf einer Doggerbank, das moderne Robinsohngeprüften Ueberlebenden, bei denen sich auch ein junger deutscher Kaufmann befindet, bietet unendlich viel frische und farbenreiche Schilderungen. Das Stimmrecht ruht für: 1. Personen, gegen die ein Hauptverfahren eingeleitet ist wegen eines Vergehens oder Verbrechens, bei welchen auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bezw. der Fähigkeit, öffent- leben, die schließliche Rettung und Heimkehr der schwerliche Aemter zu bekleiden, erkannt werden kann. Das Stimmrecht ruht bis zur Beendigung des Verfahrens. 2. Personen, über die Untersuchungs- oder Strafhaft verhängt ist. 3. Mitglieder der ersten Kammer. Wer darf nicht wählen? Kein Stimmrecht haben 1. Personen, über die eine Zuchthausstrafe verhängt ist; ihr Stimmrecht ruht von dem Tage, an welchem das Urteil rechts giltig geworden ist, bis zum Ablauf von 5 Jahren nach Verbüßung, Erlaß oder Verjährung der Strafe. - 2. Personen, über deren Vermögen der Konkurs verhängt ist, solange bis das Konkursverfahren beendet ift. 3. Personen, die auf rechtskräftiges Urteil hin die bürgerlichen Ehrenrechte verloren haben, oder denen die Fähigkeit öffentliche Aemter zu bekleiden, abgesprochen ist, solange der Verlust dauert. 4. Personen, die unter Polizeiaufsicht stehen. 5. Personen, die der Landespolizeibehörde überwiefen sind; bezüglich der Dauer des Verlustes gilt das unter 1 Gelagte. 6. Personen, die früher öffentliche Aemter bekleideten resp. Rechte auf Grund öffentlicher Wahlen ausübten, denen diese Aemter bezw. Rechte durch rechtskräftiges Urteil entzogen sind. Dauer des Verlustes wie bei 1. 7. Personen, die unter Vormundschaft oder Pfleg= chaft stehen. 8. Personen, die am Tag der Wahl mit der Entrichtung der direkten Staats- oder Gemeindeſteuern mehr als zwei Monate im Rückstand sind. 9. Personen, die gerade eine nicht bloß vorüber= gehende Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln beziehen, oder in den letzten 12 Monaten vor der Wahl bezogen haben. - Zum Punkte Armen unterstützung ist zu bemerken: Als Armenunterstützung gelten nicht: 1. Ar2. Kran menunterstützungen, die zurückerstattet sind. fenunterstützung. 3. Anstaltspflege, die wegen förperlicher oder geistigen Gebrechen gewährt wurde. 4. Unterstützungen, die nur einmalig in augenblicklicher Notlage gegeben sind. - Literarisches. ? Faber's Kursbuch für Mittel- und Nord= deutschland ist in seiner vom 1. Oftober 1911 bis zum 30. April 1912 gültigen Winterausgabe soeben rechtzeitig erschienen, um seinen vielen Freunden bei gute ihren Reisen nach dem Winterfahrplan wieder Dienste zu tun. Eine Eisenbahnkarte vervollständigt den Snhalt, des praktischen Büchleins, das für den außerodentlich mäßigen Preis von 25 Pfg. durch sämtliche Buchhandlungen zu beziehen ist. Eventuell wende man fich an die Faber'sche Verlagsbuchhandlung in Magdeburg, Breiteweg 6. - Kein Glüd Romantische Liebe. Von Carl Bleibtreu. Illustriert von Chr. Speyer. In farbigem Umschlag geh. 1 Mt., eleg. geb. 2 Mark. Carl Krabbe Verlag Erich Gußmann in Stuttgart. Bleibtreu wendet sich hier dem intimen Privatleben Napoleons 1. zu. Die bekannte Liebesgeschichte mit der polnischen Gräfin Walewska gibt ihm Anlaß dazu. In der anderen Novelle werden geistreich verknüpft der junge St. Croix, den inmitten glänzender Laufbahn als Günstling Napoleons 1. ein jäher Tod wegraffte, und der geheimnisvolle Oudet, Haupt der republikanischen Philadelphen, der bei Wagram auf verdächtige Weise ums Leben fam. Beide Novellen gehören zum Bedeutendsten, was Bleibtreu je geschaffen hat. - ? Robert Walter: Götterdämmerung. Eine Geschichte vom Untergange Wotans, mit Bildern von Franz Stassen( Mainzer Volks- und Jugendbücher, Band 14). 192 Seiten. Gebunden 3 Mt. Verlag von Seitdem die alten Volkssagen Jos. Scholz, Mainz. vom Sachsenherzog Wittekind durch Wilhelm Kozzde neu erzählt und herausgegeben wurden, haben sich die Blicke wieder stärker auf diese Heldengestalt gelenkt, die in ihrer Tragik und unerschütterlichen Größe zu den erhabendsten in der deutschen Geschichte gehört. Es ist die Tragödie eines Volkes, die im Schicksal dieses Helden sich verkörpert. Dieses immer erneute Aufbäumen gegen den überlegenen Frankentönig, um Glaube und Freiheit zu wahren, es lehrt unsere oft schwachmütige Zeit, was es heißt, sein Alles für die hohen Güter seines Volkes hingeben. Kathuninnus Malzlaffen. Der bewährte Zusatz zum Bohnenkaffen. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. - Stellen die 44 mm breite Inseratenzeile. gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bet Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Ein Triumph der Wissenschaft. Beseitigung der chronischen Stuhlverstopfung ohne Abführmitttel. Der einzig richtige Weg zur Blutreinigung". Blut ist ein ganz besonderer Satft", sagt Goethe.„ Blut iſt flüssiges Leben", sagt der Arzt. Blue ist das Del der Lebensflamme, der Bekämpfer, aber auch dr Urheber zahlreicher Erfrankungen. Wie bekannt, liegt die Quelle des Blutes im Darm. Von dorther stammen mithin schon die Krankheitskeime, die von dem Blut durch den ganzen Körper verschleppt werden. Wenn daher der Darm nicht richtig funktioniert, ist auch der ganze Organismus in Unordnung. Neuere Forschungen haben nun nachgewiesen, daß die bei mangelhafter Darmfunktion sich bildenden Krankheitskeime sehr häufig von gewissen in Darm schmarotze den Kleinlebewesen ( Bakterien) herrühren, und in diesen letzterennsieht jetzt die Wissenschaft die Hauptursache zahlreicher schwerer, sowohl afuter wie chronischer Leiden. So, um nur eines der wichtigsten herauszugreifen, die der chronischen Stuhlverstopfung in zahlreichen Fällen. Mit der Erkenntnis der wahren Ursache dieses Allerweltleidens sind natürlich jetzt auch die Wege zu seiner radikalen Beseitigung gegeben. Wenn man die chronische Stuhlverstopfung bislang mit Abführmitteln zu beseitigen suchte, so war man dabei, wie dies jeder bestätigen kann, der schon einmal längere Zeit daran gelitten, ganz und gar auf dem Jrrwege. Mit Abführmitteln läßt sich wohl das Leiden für den Augenblick, nicht aber seine Ursache bekämpfen. Im Gegenteil, je länger Abführmittel genommen werden, desto schlimmer wird die Sache. Die Ursache des Uebels liegt eben sehr häufig in den genannten Fäulnisbakterien, und erst dadurch, daß man diese unschädlich macht, kann man das Leiden mit seinen oft furchtbaren Folgen mit der Wurzel ausrotten. Bakterien lassen sich nun aber nicht durch Abführmitel aus dem Darm vertreiben. Zu ihrer Vernichtung müssen ganz andere Wege eingeschlagen werden, dun die führen uns zu den Desinfektionsmitteln. Durch sie muß der Nährboden ber Mikroben, der doch ihr Wachstum und ihre Vermehrung allein ermöglicht, so beeinflußt werden, daß ihre Lebensbedingungen aufhören. Als ein solches Mittel, das eine ganz enorme Darmdesinfektion ohne jede schädliche Nebenwirkung ermöglicht, empfiehlt der Direktor des weltberühmten Pasteur- Instituts zu Paris, der für seine genialen Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Bakteriologe und Arzt Professor Dr. E. Metschnikoff, die bulgarische Sauermilch den Yoghurt. Dieses seit Jahrhunderten im Orient als lebenverlängerndes Mittel in hohem Ansehen stehende Milchpräparat, das ähnlich wie Kefir zubereitet wird, enthält ein heseartiges Ferment, Majamia genannt, das die merkwürdige Eigenschaft besitzt, erst im Darm große Mengen Milchsäure zu erzeugen. Und Milchsäure in ihrem Entwickelungsstadium ist der grimmigste Feind der schädlichen Darmbakterien, weil durch sie deren Nährboden so versäuert" wird, daß ein Weiterwachstum aufhört. Mit Hilfe von Majamin, welches wir unter der ständigen Kontrolle des Bakteriologischen Instituts Dr. Piorkowski in Berlin aus bulgarischer Yoghurt- Milch isolieren lassen, ist heute jeder in der Lage, nach einem ganz einfachen Rezept sich Yoghurt für wenige Groschen selbst herzustellen. Neuerdings lassen wir aber auch aus Majamin ein äußerst wohlschmeckendes Dessert- Gebäck, Majapan genannt, herstellen und geben so denjenigen Patienten, denen die Zubereitung des Yoghurt zu umständlich sein sollte, oder die fürchten durch längeren Genuß von Yoghurt an Gewicht zuzunehmen, eine neue Darreichungsform des Wajamin- Fermentes für sich allein. Der Gehalt eines einzigen Stüdchens Majapan an wirksamer Yoghurt- Substanz entspricht dem einer großen Tasse Yoghurt; es besitzt mithin die gleiche darmdesinfizierende Wirkung und ist dabei noch wesentlich billiger. Bequemer kann man dem Menschen, der Yoghurt anzuwenden genötigt ist, aber aus dem einen oder anderen Grunde Milch nicht gerne nimmt, seine, Bille", in diesem Falle ein feines Dessert, gar nicht verabreichen, In Majapan ist jetzt endlich das Ideal eines ebenso unschädlichen, wie angenehm zu nehmenden Mittels zu einer gründlichen Desinfektion des Darmes geschaffen worden, das auch dann noch hilft, wenn Abführmittel versagt haben. Da bei besitzt Majapan keinerlei abführende Wirkung und kann auch Kindern, die es gerne nehmen, monatelang als Dessert zu den üblichen Mahlzeiten gegeben werden. Es sollen Majapan nicht nur Patienten nehmen, die an chron. Stuhlverstopfung leiden, oder die an einem anderen Darmleiden ( Durchfall, Brechdurchfall, Blähungen, Verdauungsschwäche, Hämorrhoiden), an einem Leberleiden( Anschoppung), Gallenleiden ( Gallensteinen), Nierenleiden( Eiweiß, Zucker, Wassersucht, Nierengries und Blasensteinen), an Gicht oder Rheumatismus erkrankt sind, oder die eine Disposition zur Blinddarmentzündung befizzen, sondern auch Bleichsüchtige, Nervöse, Korpulente usw. Alle diese Leiden haben eben mehr oder weniger ihren Ursprung in einer ungeregelten Darmtätigkeit. Dann soll aber auch Majapan bei keiner Mahlzeit jener Patienten fehlen, bei denen die im Blut zirkulierenden schädlichen Stoffe sich als Hautausschlag, Flechten, Pustelu, Geschwüre, Furunkel usw. abzulagern pflegen. Hier wirkt Majapan ganz anders als die sogenannten Blutreinigungstees, als Seifen usw., mit denen immer nur ein Symptom des Leidens, niemals aber dieses selbst getroffen wird. Wer sich für den Gegenstand interessiert, lasse sich von uns cine Probe kommen, die wir bereitwilligst kostenlos und franko jedem zusenden, der uns den hier angehängten Bestellzettel ausgefüllt einsendet und ihm 20 Pfennig für Porto usw. beifügt. Wir legen der Sendung eine, aus der Feder eines praktischen Dar. Gehalt macht' 61 Arztes stammende, hochintereſſant geſchriebene Broschüre bei, in der zahlreiche Aeußerungen hervorragender Professoren und Mediziner über die darm- und blutreinigende Wirkung des Yoghurt und des Majamin- Fermentes abgedruckt sind. Yoghurt- Centrale Dr. J. Schaffner& Co., Berlin- Grunewald. Spufgeschichten von Gustav Klitscher. Illustriert von Raphael Kirchner. In farbigem Umschlag geh. 2 Mt., in Leinen gebunden 3 Mt. Carl Krab- - ? Vom fahrenden Volf, vom grotesken Humor der Schmierenkomödianten und der Löwenbändiger, der Karusselbesitzer und der lebendigen Seejungfrau erzählt in Wort und Bild die neue, prächtig ausgestattete Sondernummer der„ Meggendorfer Blät= te r", die soeben erschienen ist. Wir empfehlen sie unseren Lesern, die einem kernhaften Humor zugänglich sind, auf das angelegentlichste. Das Quartalsabonnement kostet 3 Mk., bei direktem Bezug unter Kreuzband be Verlag, Erich Gußmann, Stuttgart. Es sind keine Spufgeschichten für Küche und Hintertreppen, sondern es sind Spukgeschichten für die behagliche Kaminecke eines modernen Damensalons. In dem vorliegenden Bändchen schlägt der Novellist mehrmals wuchtige Atforde an. Die Geschichte vom römischen Wein„ Fra Beone" hat den stärksten dramatischen Atem. Geheimnis-| 3.25 Mark. voller, ein leichtes Gruseln schaffend, ist die Novelle „ Madonna von Disentis", die Hüttengeschichte aus den Hochalpen„ Der Gottes sucher" und die Weihnachtsgeschichte„ Heimfehr". Der sehr liebenswürdige Plauderer, der auf hellere Töne gestimmt ist, verrät sich in den ansprechenden Erzählungen„ Das Erlebnis des Reverend Jefferson“ und„ Wie der Oberlehrer Lotterhos sich beinahe vergessen hätte". Geschäftliches. )( Hippokrates, der größte Arzt des Alter= tums, kannte die Nerven noch nicht. Das Gehirn war ihm nur ein Organ zur Schleimabsonderung. Diese erstaunliche Unkenntnis des berühmten Heilkünstlers, die im schroffen Gegensatz steht zu seinen ausgezeichneten Kenntnissen auf anderen Gebieten der Medizin, beweist jedenfalls, daß die alten Griechen sehr wenig mit den Nerven zu tun hatten, daß sie nicht nervös waren, wie wir heutigen Menschen. Das kam wohl hauptsächlich daher, daß die Alten eine viel vernünftigere Lebensweise als wir führten. Sie bewegten sich fast den ganzen Tag in freier Luft, machten sich viel förperliche Bewegung und waren einfach und mäßig im Trinken und Essen. Wie ganz anders leben wir heute? Wie viel unvernünftiger! Wir hoden im Zimmer und untergraben unsere Gesundheit durch den Genuß schädlicher nervenerregender Getränke. Die Ausrede,„ daß dies unsere modernen Kulturverhältnisse so mit sich bringen", ist nur zum geringen Teil stichhaltig. Die immer mehr zunehmende allgemeine Pflege des Sports im Sommer und Winter ermöglicht es jedem, bei einigermaßen gutem Willen jeden Tag mehrere Stunden im Freien zu zubringen, um seinen Körper zu stählen. Und für die nervenerregenden Getränke findet man z. B. in dem befannten und gesunden Kathreinerschen Malzkaffee den denkbar besten Ersatz. Drucksachen für Behörden Formulare, tabellarische Arbeiten, Voranschläge, Mahn- u. Steuerzettel Quittungen, Berichtsbogen etc. etc. Jahresberichte schnell und billig. Drucksachen für Geschäftsbedarf wie: Briefbogen, Geschäftskarten Kuverts Rechnungen Avise, Mitteilungen, Postkarten, Notas etc. Albin Klein, Giessen Seltersweg 83. Drucksachen für Private Geburt- und Todesanzeigen, Visit-, Verlobungs- u. 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Ob wohl es kaum drei Tagereisen von einer Hochburg internationalen Handels und Verkehrs entfernt ist, schläft das Märchen für die große Welt den alten Schlaf, und nur wenige Wissende singen sein Lob. Vor nun etwa 13 Jahren ist ein etwas wilder Prinz in die Dornröschenhecke gedrungen der Amerikaner. Aber auch er hat nicht viel über die Stille vermocht. Zwar hat er durch die alten Straßen elektrische Schnellbahnen ge= legt, die nach New Yorker Muster weit ins flache Land hinaussausen, hat ein Kanalisationssystem, Hafenbauten, eine famose Trinkwasserversorgung, Schulen und öffentliche Gebäude, Parks und alles mögliche andere gebaut die finstere IntramurosStadt aber liegt unbemerkt wie einst, da die spanischen Padres über Leben und Tod geboten und die meterdicken Klostermauern schaurige Geheimnisse raunten. - Manila ist eine Gründung der Spanier. - es Jahren 1863 und 1880 eingestellt. Das ist der Grund für eine oftmals seltsame Ausführung mancher Gebäude. So gibt es eine große Kirche, die ein Unikum auf Erden ganz und gar aus Gußeisen konstruiert ist, um den irdischen Senkungen besser widerstehen zu können. Im Jahre 1762 fielen die Inseln war zur Zeit des Französisch- Englischen Kolonialkrieges, in den auch Spanien verwickelt worden war ohne Widerstand in die Hände der englischen Flottenoffiziere. Nach zwei Jahren wurden die Philippinen an die alten Besitzer zurückgegeben. Die neue Zeit hat dann nach einer endlosen Reihe blutiger Revolutionen und Schilderhebungen der Filippinos gegen die Spanier 1898 begonnen. Die tiefen Mauertore von Intramuros öffneten sich nach der Seeschlacht von Cavite dem Amerikaner. Diese Tore sind metertief. Sie durchbrechen die langen Mauerzüge, die den Stadtteil der„ Altstadt" umwallen. Heute errichtet man auf ihrer Krone breite Promenadenwege und verbirgt die Kugelspuren unter üppigen Anpflanzungen von Grün. Es gibt nichts Schöneres, als aus dem Lärm der jüngeren Geschäftsstadt in die kalte, steinerne Ruhe dieser engen Gassen zu tauchen, die mit einem Schlag die Erinnerung nach Spanien, dem Mutterlande, führen. Die Fronten der Häuser sind finster und verschlossen. Kaum, daß sich schwer vergitterte Fenster öffnen, hinter denen ab und zu leiſes Lachen von Frauen oder ein weißer Schimmer von einem Mädchenantlig ist. Ganz eng sind diese Gassen, so daß die Sonne nur wenige Stunden am Tage sie wärmen Eine Manila- Schönheit. Ein halbes Jahrhundert nach der Entdeckung der Inseln durch Magellan, der auf einer der südlicheren Inseln ermordet wurde und begraben liegt, sechs Jahre nach der Annexion der Philippinen durch die spanische Krone sind hier die Steine zu dem dreihundertjährigen Zentrum spanischer Macht im fernen Osten gelegt worden. Die Stadt hat eine ganze Reihe von Heimsuchungen zu erdulden gehabt. 1645 wurde sie fast ganz durch ein furchtbares Erdbeben zerstört. Ähnliche Katastrophen haben sich dann wenn auch im kleineren Umfang, in den 1911. mstag, den 13. nft im Schul hr. nehmen. brauchen. Bei nigt, welche die hmäßig billigit Derfelben, mit und Spiel erfandhaus in hulhoff in isliste für M. König. igen itsfeminar essen. Ε - und zavqun da na Боразил иш 9 2 Manila. kann. Schöne architektonische Bilder von Säulen, Toren, geschwungenen Fenstern und üppigen Kirchenfassaden geben sich manchmal. Dort befindet sich in schöner Schwingung ein überdeckter Mauergang von einer Straßenseite zu dem Haus auf der anderen. Ab und zu öffnet sich vor einem ein Riesendom, ein großer Plaz. Spanien vor dreihundert Jahren, das ist diese Welt. In den Riesenhallen der Kirchen drängt sich das Volk und küßt wohltätige Bilder der Madonna und der Heiligen... Klänge aus uralten Orgeln schwingen durch den Raum, und die Sonnenstrahlen werfen feltsame Lichtkringeln über die betenden Scharen... Zurück zu den Klosterpforten über die Hallenden Steinplatten der Straße. ... Ich habe die Namen vergessen von all diesen Hochburgen der streitEinfachheit mit Ehrfurcht erfüllen. Es öffnen sich Höfe, von Kreuzgängen umstanden, von springenden Wassern gekühlt und von Palmen und Tropenblumen erfüllt, die den Frieden der Entsagung malen. Ungeheure Hallen nehmen uns auf, Prunksäle oder Bibliotheken mit uralten, kostbaren Folianten und Skulpturen, die oft genug den Weg nach Spanien und Wasserboot in Manila. baren Brüder. Recoletes heißen die einen, Dominikaner sind die anderen, und noch eine lange Reihe weiterer sind da und betrauern die vergangene Zeit. Wenn man durch das Tor solch eines finsteren Quaderzurück gemacht haben, wenn die Not der Zeit sie gefährdete und ihre Sicherstellung erheischte. Kapellen und schweigende Kirchen öffnen unvermutete Tore und glitzern in der unerhörten Welle ihrer im halben Licht aufglitzernden Kostbar= keiten. Alles ist hier voll von Vergangenheit. Furchtbares hat sich hier einstmals in den Verliesen tief unter der Erde zugetragen. Die Folter tat ihr blutiges Werk, und das Feuer röstete die verstockten Naturkinder, die von den grausamen Padres und ihren Lehrern nichts wissen wollten. Es wäre dankbar, um dieser Chroniken willen durch die Archive zu stöbern. Die Geschäftsstadt, am andern Ufer des Pasigflusses Marokkanisches. ==War einst der Hochsitz deutschen Handels im Scherifat! Sitz deutscher Kulturpioniere, nun halb aus Schutt und Trümmern entstanden, französische Garnison, dito Straßenbenennungen usw. Südlich von Casablanca ändert sich der landschaftliche Charakter des Landes. Bisher Mittelmeerflora und-fauna; von nun an tritt die Dattelpalme in den Vordergrund, und statt des Maultieres besorgen Kamele den Verkehr nach dem Gefäß, Behälter, in Marokko Landesinnern. Weiter kommt Masagan( von Machsen besonders Regierung) ebenfalls von portugiesischen Kaufleuten gegründet, mit vorzüglichem Hafen. Dann kommt Saffi( Asfi= die Gelbe), woher das berühmte Saffianleder seinen Namen hat, wichtig durch mächtigen Getreideerport. Zuletzt Mogador, von Mulai Mohammed im 17. Jahrhundert erbaut. Hierher führt die neuerdings durch die algerische Saharabahn dem Verfall entgegengehende uralte Karawanenstraße über den ewig schneebedeckten Hohen Atlas nach dem alten Handelsemporium Timbuktu am Niger. Heute noch sieht man trotzige Talamit, Bewohner des Tafilelt, in blaue Tücher gehüllt, ernste Gestalten, mit denen man möglichst jede Berührung vermeide. Zu leicht kommt bei ihnen der leise schlummernde Fanatismus zum Ausbruch; ich selbst hatte zweimal ernste Händel mit den Leuten auszufechten, denen die Franzosen höchst respektvoll den Namen les hommes bleux gaben! Von hier wie von Saffi führen Karawanenstraßen nach Marrakesch, der südlichen Hauptstadt des Landes. Südlich davon liegt nur noch Agadir, das aber seit 1775 europäischem Handel verschlossen ist, daher von Dampfern nicht angelaufen wird. Die Städte an der Nordküste sind spanisch, nämlich Ceuta und Melilia, von deren Besuch ist abzuraten, absolut nicht lohnend. Besonders vor der Sträflingskolonie Ceuta, der südlichen Säule des Herkules, warne ich dringend! Dagegen gibt es für denjenigen, der Marokkos landschaftliche Reize bewundern will und 3-4 Tage Zeit hat, eine äußerst lohnende Tour nach Tetuan. In Tetuan Hotel Viktoria, 6-7 spanische Peseten pro Tag. Nicht Hotel Calpe nehmen; unrein und teuer. Großer Marktplay, Fadan genannt, deutsches Postamt nördlich in belebter Gasse, vis- à- vis das französische Der Rars el kbir am Mittwoch, Freitag und Sonntag hochinteressant, voll K'mils( Ausrufer, Versteigerer alter Sachen), zu beiden Seiten Händler von alten Waffen, alten Kleidern, Teppichen usw Vielleicht einer der Sanja bei El Ksar. 7 sehenswertesten Winkel längs beider Küsten. Nördlich der Stadt, am Bab es mkabar, ein alter aufgelassener und ein im Gebrauch befindlicher Friedhof. Ersterer mit zahlreichen uralten Denkmälern, an denen man genau die maurische Kulturgeschichte der letzten fünf Jahrhunderte verfolgen kann. Etwas weiter der jüdische Cimetière, auf dem, besonders weiter oben am Berghang, Steine zu finden sind, die von vertriebenen Juden aus Spanien mitgebracht wurden. Tetuan liegt 11 km vom Meer und hat sich vielleicht gerade deswegen den rein maurischen Anstrich bewahrt. Allsonntäglich fährt ein englischer Dampfer von Gibraltar und Tanger und wieder zurück, jeden zweiten Dienstag ein französischer von Oran kommend nach Tanger. Man kann eventuell mit dem Engländer kommen und mit dem Franzosen fortfahren, wenn man nicht zwei Tage im Sattel sein will. D D D 4827 O D D Hafen von Manila. palastes getreten ist, der wie eine starre Festung unnahbare und tahle Fronten nach der Außenwelt reckt, ist man wie auf einer andern Insel des Lebens. Tiefste Stille... Der Padre geht voran... Seine Rutte weht hinter ihm her, wie er energisch, selbstbewußt und gebieterisch Schritt nach Schritt weitersetzt. Es geht Treppen hinauf, die in ihrer großzügigen gelegen, zeigt reges Leben. Ihre Hauptverkehrsader ist die Eskolta, eine nicht allzu breite Straße, in der sich Laden an Laden drängt, alle Güter von Ost und West feilgeboten werden, und um die wie Steine in der Brandung stehenden, baumlangen amerikanischen Polizisten ein ewiges Gedränge, ein nicht endender Lärm ist. In einem gewissen Teil der Unter einem Ölbaum. ana gapur avg 2436 6 Versiegelt. Am letzten Erntetag. blick lang ist diese Frage auf allen Lippen. Da, die scharfe, schneidende Stimme des, langen Phantoms:„ Aber was war sie vor ihrer Heirat, Herr Soret? Man sagt, sie war nichts Gutes!" Ein Gemurmel erhebt sich, ein ungehaltenes, empörtes. Herr Soret kraut sich den Hinterkopf und zieht die Schultern in die Höhe.„ Ich bedauere, Madame Pitou, ich könnte Ihnen nichts darüber sagen." Aber ich, ich könnte es Ihnen sagen, Madame", erhebt sich zornig die Frau mit den Kindern; jedoch wozu? Wir wissen, was sie in Paris gewesen ist, aber wir wissen auch, Madame, daß niemand vollkommen ist. Wir haben alle unsere Fehler, Madame, aber nicht alle haben ein Herz, Madame Pitou. Marokkanisches. " " Adieu, Herr Soret, ich komme morgen sie sitzt und starrt den kalten Herd an... ich will zu ihr gehen." " Ich komme mit Ihnen."„ Und ich.„ Und ich." Blasser Himmel und nasse Straße. Die Allerseelenblumen hängen die regenschweren Häupter, und von dem wilden Wein flattern die letzten Blätter, taumelnde, blutrote Schmetterlinge, durch die Luft. Die Kinder sind in die Schule zurückgekehrt, das Apothekerlein in sein Ambulatorium. Er sitzt vor dem Mörser und stampft und denkt an Tonkin, an Tokio, an die japanischen Siege, an die Abstinenzbewegung und an die Kundinnen, die fortgegangen sind. Heute abend, Médor, heute abend, werden sie wiederkommen und deinen armen alten Herrn mit den unleserlichen Rezepten quälen, ach ja." . Das ist die tiefste Stunde, Wenn rings der Tag verglimmt, Wenn hinter fernen Gipfeln Die Sonne Abschied nimmt, Wenn überm Erdgetriebe Die Dämm'rung Schleier webt, Wenn das geschäft'ge Tosen Sich leise ausgelebt. Am letzten Erntetag! Da in der bangen Stille Wacht meine Sehnsucht auf, Sie ruft aus fernen Gründen Was längst zerfiel, herauf; Es kommen alle alle, - Die Schatten goldner Zeit, Die heißgeliebten Bilder Aus der Vergangenheit. Sie treten stumm mir näher, Sehn lieb mir ins Gesicht, Ich breite meine Hände: O bleibt verlaßt mich nicht. Da hör ich leisen Vorwurf: Wie bist du klein und zag-, Wir finden einst uns wieder Am letzten Erntetag! H. M. Marokkanisches. Wie man am besten reiſt in Marokko? Wenn man den Durchschnittstouristen im Auge hat, gibt es nur eine Antwort: In Marokko reist man am besten gar nicht. Man begnüge sich, gemütlich um dasselbe herumzufahren. Reisen im Innern fordern für jeden der Landessprache Unkundigen viel Troß und große Ausgaben, kosten auch mehr Zeit, als verhältnis. mäßig dafür geboten wird. Zuerst, wie komme ich nach Marokko? Entweder benutze ich einen der Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd, die nur nach Gibraltar fahren, und wir setzen dann von dort nach Tanger über, oder wir uns vertrauen einem der Schiffe der Adenburg- Portugiesischen Dampfer in Hamburg bzw. Antwerpen an. Diese Dampfer berühren auch die Häfen der marokkanischen Westküste. Die Dampfer treffen stets gegen Morgen an und lichten erst abends die Anker, so daß man nicht nur ruhig überall an Land gehen kann und in Muße all das bunte Treiben, die Unberührtheit dieses westlichen Bollwerks starrsten Iſlams an erster Quelle betrachten kann, sondern auch in den verschiedenen spanischen Fondas für billiges Geld gute Verpflegung finden tann. Dazu hat diese Methode den nicht zu unterschätzenden Vorteil, beliebig viel Gepäck mitführen zu können. Nach der Abfahrt von Tanger halten die Schiffe zuerst in el Arnisch, allgemein Larasch genannt, einer alten Portugiesengründung aus dem 13. Jahrhundert, mit hochinteressanten Stadttoren; tags darauf Rabat, das alte Piratennest, vor dem der österreichische Admiral Bandiera 1836 eine Schlappe erlitt. Es ist nach Fes die vornehmste Stadt des Landes. Hier, in Fes In einem Maurenheim. und in Tetuan wohnen noch jene alten vornehmen Maurengeschlechter, die einst von fanatischen Christenkönigen auf Spaniens Throne von der Jberischen Halbinsel vertrieben worden waren, eine Maßregel, die dem Lande unheilbare Wunden schlug. Zwei Kilometer gegen Südost befinden sich die Ruinen von Schellah, einer Phöniziergründung mit mauriſchen Trümmern, darunter den 56 m hohen Hassanturm, der zwei ganz gleiche Pendants hat: die berühmte Giralda von Sevilla und die Katubia zu Marrakesch. Gegenüber dieser hochinteressanten Stadt liegt Sla( von Sala die Gebetszeit). Nächste Station is Casablanca( Dar el baida die weiße Stadt), = = hat allen maurischen Charakter verloren, ist heute, nach der Beschießung durch die Gallier nach französischem Schnitt wieder aufgebaut. v Auf den Pilippinen- Inseln. Wochenmarft. Auf den Philippinen- Inseln. Straßenszene. Fruchtverkäuferinnen, Lastträger. Ländliche Schönheit. Fährboot. Eingeborenenhütte. 4 Manila. - Straßen sind die Chinesenläden. Die Zahl der Zopfmänner hat heute in der Stadt schon fast das zwanzigste Tausend erreicht und steigt durch alle möglichen Paßmanipulationen trotz aller Sperrmaßregeln der Regierung noch immer. Den Hauptstock der Bevölkerung bilden die Filippinos, vielfach mit spanischem Blut untermischt und, in der Stadt, mit mancher spanischen Gewohnheit in Kleidung und Lebensweise. Bei einer Gesamtbevölkerung von nicht ganz einer Viertelmillion zählen sie fast 200000. Amerikaner gibt es über 5000, Europäer etwas weniger als 1000. Es wäre unendlich viel zu erzählen von der seltsamen Mischung im Leben und Treiben der großen Stadt, die sich durch das anstürmende Erneuern der rische Leben zu Wasser ab, das eines der reizvollsten Kapitel für den Besucher Luzons ist. In kühner Wölbung überdeckte lange Boote ziehen träg mit den Wellen auf dem Pasig, in den Kanälen spiegeln sich die leis bewegten Palmenwipfel, die regungslosen Hütten, das ganze kleine Leben des Filippinotags. Es ist nicht Raum, von allen Schönheiten zu sprechen. Da ist der ungeheure Hafen der Manila Bai, durch den der größte Dampfer stundenlang fährt, da sind die denkwürdigen Inseln mit ihren Forts, da liegt Cavite, die alte Schutz- und Trußfeste, die gegen die Amerikaner so schmählich versagt hat. Da ruht auch im seichten Wasser, ein trübes Zeichen von Vergangenheit, das Wrack des spanischen Admiralschiffes, der ,, Reina Christina", die im Angriff vor dem übermächtigen Feuer der Unionpanzer versant. Die Bai- Barkassen streifen fast das zermorschte Deck, da sie es passieren. So sinkt alle Herrlichkeit, denkt man. Wie wird es dieser ganzen weißen Größe mit jedem Schritt in eine andere Zeit. Man wechselt von heute im Osten einst ergchen... Nahe der Stadt, an die Jahrhunderte nach Willkür und zitiert die Gegen der Laguna, liegt, durch die elektrische Tram erreichbar, das sätze, wie es sonst kaum anders im Märchen ist. Neben Truppenlager Fort William Mc. Kinley. Es ist nach diesem uralten Europa und zeitlos jüngsten Amerika Aldershot daß größte der Welt. Mit seinen Baracken steht das Milieu der Eingeborenen. Sie wohnen vor zwischen Gärten, den Bungalows und Klubhäusern an den nehmlich in den Vorstädten. Dort hausen sie, halb im Ur- gepflegten Wegen sieht es mehr einer Villenvorstadt ähnlich zustand, in ihren Hüttchen, die aus Nipapalmblättern ge- als einem Truppenbiwak. Vor allem aber mag man nicht flochten sind und auf Stäben stehen, zwischen denen, im versäumen, sich einen Hahnenkampf anzusehen. Die AmeriSchlamm, die dunklen Kinder und die schwarzen Schweine kaner haben diese schrecklichen Kämpfe sehr eingeschränkt. Heute in zärtlichem Vereine wühlen. Dort spielt sich das träume- dürfen sie nur mehr an Sonn- und Festtagen abgehalten werden. Amerikaner ergeben hat und dem Widerstand der alten Mauern und der alten Art, die vielfach ihren Platz mehr als behauptet hat. Und das ist wohl der Hauptreiz dieses Stückchens Menschenerde. Man tritt Philippinisches Landschaftsbild. Am Pasigsluß( Manila). Versiegelt. Versiegelt. Aus dem breiten weißen Schulhause, das mit seinem braunen Solztürmchen wie ein Schloß auf der Dorfstraße steht, rennen mit hellem Geschrei die lustigen Buben und Mädel heraus zur Frühstückspause. Das Apothekerlein, gerade gegenüber, hört den Lärm in seinem Laboratorium. Schnell schiebt er den Mörser beiseite und stapft auf den kurzen, rheumatischen Beinchen durch die Apotheke bis dicht an die blanken Fenster der Auslage. Dort, hinter der Blechdose mit der Inschrift„ Suste nicht!" stellt er sich auf, um zu beobachten. Schon einmal haben sie ihm eine Scheibe eingeschlagen, und nachher war es niemand gewesen. Merkwürdig, was für eine Anziehungskraft die buntbeklebten Flaschen und Schachteln im Ladenfenster auf die Schelme ausüben. Es sieht furchtbar gefährlich aus, das Apothekerlein, wie es so dasteht und droht. Ganz wie eine Ratte, mit trummem Rücken und roten, hurtigen Äugelchen, eine hellgraue Ratte, die auf dem Schwanze steht. Dabei reibt er langsam die kleinen, kalten, bläulichen Hände. Schlechtes Wetter! Man hat zu lange im Auslande gelebt, man kann sich nicht wieder an diese Temperatur gewöhnen. Dreißig Jahre in Tonkin und vorher gar in Tokio, wo er die kleinen Japaner in der europäischen Kriegskunst unterrichtete... da war's bedeutend wärmer! Freilich, fürs Geschäft wär' das Wetter recht gut... die Influenza macht Fortschritte.„ Warte, du langbeiniger Bursche da draußen, mit deinem Stock! Was fuchtelst du so nah an dem Ladenfenster, Aimé? Man hat seine Not mit den lieben Kindern!" Wauwauwau!" tönt es unter dem Petrolöschen, das mit seiner roten Flamme gegen das nasse Wetter ankämpfen soll, und ein zottiges, altes Affenpinscherchen stößt mit dem buschigen Ropfe gegen die kalten Beine seines Herrn.„ Médor, was willst du? Es kommt niemand, siehst du? All die guten Frauen und schönen Fräulein stecken in ihren Häusern. Aber wenn's Nacht wird, dann kommen sie angelaufen, alle auf einmal, und jede ist pressiert, und jede bringt ein unleserliches Rezept, daß dein armer, alter Herr den Kopf verliert und kaum einmal Zeit hat, ein Wörtchen zu plaudern." Ah, da ist jemand. Die Tür geht auf. Das Apothekerlein fährt sich freudig mit den bläulichen Fingern über die bläuliche Nase. „ Guten Tag, Madame Duplessis, ich bin entzückt, sie zu sehen. Was darf ich Ihnen geben? Emulsion Scott, nicht wahr? Eine Flasche? Zwei Flaschen? Eine? Ich sage Ihnen im Vertrauen, daß ich mich bald gezwungen sehen werde, dies treffliche Präparat teuerer zu verkaufen. Alles steigt, alles, Madame. Was gibt es Neues, Madame?" „ Nichts Erfreuliches, Herr Soret... es ist soweit!" And den grauen Kopf mit dem hochbefiederten Hut über den Laden tisch beugend, flüstert Madame Duplessis:„ Der, Häusliche Herd ist geschlossen." Der Apotheker läßt beide Hände auf die Glasplatte des Tisches sinken. Seine bläuliche Nase sucht schnuppernd nach mehr Luft.„ Sind Sie sicher, Madame?" " Oh, vollkommen sicher, Herr Soret, die Haustür ist zu, die Fensterladen fest verriegelt ,, Aber das ist traurig, Madame!" 5 Dem Apothekerlein geht der Atem aus, als er all die Köpfe sieht. Vier Kundinnen auf einmal, und der Bursche, der ihm die Kommissionen besorgt, kommt nicht. Die zornige, rotbackige Madame Bouvier, die ihr Kind auf den Ladentisch gesetzt hat, um mit beiden Armen gestikulieren zu können, macht ihn nervös. Er lächelt versöhnlich:" Wegen der Schulden, Madame, wegen der Schulden." Madame Bouvier streift ihn mit einem vernichtenden Blicke. „ Ja, ja, uns Armen zieht man die Haut über die Ohren!" Wieder geht die Tür auf.„ Sie sprechen über die Wirtin vom, Häuslichen Herd, meine Damen?" fragt eine scharfe Stimme, die Stimme einer sehr langen, mageren, jungen Frau, die sich unhöflich Plaz macht. Es soll ihr kein Centime geblieben sein. Sie hat alles verbraucht. In fünf Jahren ist sie mit einem hübschen Vermögen fertig geworden... so geht's, so geht's. Abstinenz! Temperenz! Firlefanz! Wo ein Cafe beim andern ist!" „ Ja, das war verfehlt," bestätigte Madame Duplessis;„ eine Temperenzwirtschaft im Dorfe, das war verfehlt." Der Apotheker hüstelt verzweiflungsvoll.„ Meine Damen, die Abstinenzbewegung ist die gesündeste Bewegung unserer Zeit." " Ja!" schreit die Frau mit den zwei Kindern;„ die Abstinenz ist unsere Rettung!" Das, lange Phantom( alle Nachbarinnen nennen im geheimen Madame Pitou bei diesem Beinamen) lacht spöttisch. Aber Ihr Mann, Madame Bouvier, ist anderer Meinung!" Die zwei Gegnerinnen sehen sich nicht gerade freundlich an.„ Die Wirtschaft, Zum häuslichen Serd war der letzte Versuch- da hatte sie ja schon kein Geld mehr." - ,, Reinen Centime! Mit nichts hat sie angefangen! Wie eine Heldin hat sie gekämpft!" Madame Bouvier schleudert diese Worte dem„ langen Phantom" ins Gesicht, aber das Phantom lacht, indem es ſeine wunderschönen, spißen Zähne zeigt.„ Um so schlimmer. Ein ganzes Vermögen hat sie aufgegessen!" „ Die Wirtin vom, Säuslichen Herd' aufgegessen?" " Wahrhaftig! Sie hatte den Mann krank. Sie fuhr zu den Ärzten, sie führte ihn in die Kurorte, wie eine Rapitalistin, wie eine Person, die den Kopf verloren hat, wie ein Mensch, der im Traume handelt," sagt Madame Roux, die sich nicht entschließen kann, den Laden zu verlassen, obgleich sie ihre Venuscreme schon längst in der Hand hält. „ Wenn man kopflos handelt, trägt man selbst die Schuld; das" kommt davon", zischelt das„ lange Phantom"." Aber, Madame! Wenn man liebt?", Wenn man liebt?" Drei, vier Stimmen haben gefragt, leise, eindringlich, mit einem Ton der Aufrichtigkeit, der tiefen Überzeugung, der die Gegnerin einen Augenblick stumm macht.„ Meine Damen," begütigt der Apotheker,„ Sie haben das richtige Wort gesprochen. Als die zwei Leute, der kranke Mann und die Frau, hier antamen, da hatten sie ja noch so ziemlich Geld, und der Mann- der brauchte eigentlich nichts mehr, er hatte die Krankheit, die kein Erbarmen kennt, er war im letzten Stadium der Tuberkulose. Aber die Frau konnte das nicht glauben, wollte das nicht glauben. Und ich, sehen Sie, ich war selbst in einer recht peinlichen Lage. Sie ging zu den teuersten Ärzten, und wenn einer ihr die Wahrheit sagte, dann bat sie ihn um ein Rezept wie um eine Gnade! Und dann kam sie mit einem Rezept an, acht Franks, Sehr traurig, mein Herr. An der Tür ist ein Anschlag..." zehn Franks jeden Tag, manchmal zwei an einem Tage. Ich " Aha!" " Vom Gericht. Mit Siegel." " Oweh!" Der Apotheker kraut sich bedenklich den Hinter topf, plötzlich fährt er herum. Aimé! Aimé Breland! Verzeihen Sie, Madame, aber diese lieben Kinder mit ihren Stöcken es ist dieses neue Spiel, dieses Diabolo jeden Augenblick erwarte ich, daß man mir die Scheibe einschlägt." Er macht ein ganz kleines Fäustchen, gerade, als sich von neuem die Ladentür öffnet. Ah, guten Tag, Madame Rour! Madame wird alle Tage hübscher. Und jünger! Ein Töpfchen Venuscreme? Mit Vergnügen, Madame. Ein vorzügliches Mittel, nicht wahr? Aber wie mir soeben Madame Duplessis mitteilt, der Häusliche Herd ist geschlossen?" ,, Versiegelt, Herr Scret." " Ach, die arme Frau! Die Unglückliche! Sie ist sehr zu bedauern!" klingt es dreistimmig durcheinander. „ Es ist eine Brutalität! Ein Skandal!" schreit eine neue Kundin, die eben mit einem Kinde auf dem Arme und einem zweiten, das an ihren Röcken hängt, in das beengte Lädchen tritt. Was will man eigentlich? Sie sitzt in der Küche und starrt den kalten Ofen an. Zuschließen? Warum zuschließen? Was für eine Welt! Was für ein Leben! Sie will arbeiten, und man schließt ihr die Bude zu! Warum?" sah, man handelte nicht ehrlich gegen diese Frau; man nahm ihr das Geld ab für Dinge, die nicht halfen, weil an Rettung überhaupt nicht mehr zu denken war. Sie ruinierte sich und hatte keinen Gedanken an sich selber und an ihre Zukunft." „ Wenn man liebt!" wiederholte der Chor der Frauen. Madame Bouvier weint schon und küßt stürmisch ihr Kind. „ Wenn man liebt!" wiederholt das alte Apothekerlein feierlich, wie eine Beschwörung. Oft versuchte ich es so mit ihr: ich sagte, ich werde Ihnen ein Mittel geben, das nur zwei oder vier Sous kostet, und das Ihrem Manne ebensoviel helfen wird, wie diese Mixtur für zwölf Franks. Sie schüttelte den Kopfso einen schönen blonden Kopf hatte sie damals noch-, ihren hübschen blonden Kopf, sie wollte doch lieber das kostspielige Mittel anwenden. Sie begreifen, meine Damen, daß ich ein schlechtes Gewissen dabei hatte, aber was konnte ich tun? Ein Frauenherz, meine Damen, hofft bis zum letzten Augenblick. Es half alles nichts, natürlich. Und der arme Mann ist vielleicht nur um so eher gestorben. Dann hatte sie den, Säuslichen Herd übernommen, ohne Geld, alles auf Borg, ohne Kräfte, ohne Hoffnung, und jetzt ist auch das zu Ende. Ach!" Ein Seufzer zieht durch den Raum; alle stehen nachdenklich, betroffen durch das Bild dieses Schicksals, das der Alte vor sie hingestellt hat. Was soll sie nun anfangen?" Einen Augen