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Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 38. Telephon: Nr. 362. Aus dem Reichstag. Spezialbericht von unserem()-Mitarbeiter. Die Verhandlungen der vergangenen Woche waren der zweiten Lesung des Gerichtsverfassungsgesetzes gewidmet. An den Debatten beteiligten sich fast ausschließlich die Juristen, denen die Einzelheiten ja auch besonders interessierten. Die Wirtschaftliche Vereinigung wurde durch die Abgg. Graef und Kölle rednerisch vertreten. Die§§ 77 und 99 erforderten namentliche Abstimmungen über die Anträge des Dr. Mül ler- Meiningen. Zu§ 77 handelte es sich darum, ob die Strafkammern als Berufungsinstanz über Urteile der Schöffengerichte in einer Besetzung von drei Schöffen neben zwei Berufsrichtern verhandeln, und entscheiden sollen. Bei§ 99 handelte es sich ebenfalls darum, ob bei der durch dieses Gesetz neu zur Einführung gelangende Berufung gegen Straffammerurteile von drei Schöffen und zwei Berufsrichter für die Hauptverhandlung besetzt sein soll. Die namentliche Abstimmung zu§ 77 ergab folgendes Resultat: nein 44 fehlten enthalten ja Konservative 12 Reichspartei 6 18 Wirtschaftl. Bereinigung 1 Zentrum 18 2 34 50 Nationalliberale 7 - 27 Fortschrittliche Volkspartei 11 - 38 4 47 Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amfes = Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag den 14. Februar 1911 in Aus dem Wahlkreise Giessen. Die freisinnigen Frankfurter Zeitungen stellen ihren Versammlungsberichten es so dar, als ob der freisinnige Kandidat, Herr Pfarrer Korell, seine Gegenredner, die Herren Dr. Werner und Hesse glänzend abgeführt hätte. Nichts ist wahr davon. Der größte Teil der Zuhörer in Bleichenbach und besonders in Langsdorf, wo Herr Dr. Werner Herrn Pfarrer Korell unter großem Beifall entgegentrat, wird mit uns der Meinung sein, daß diese falschen Siegesberichte nur zur Täuschung der Wähler in die Zeitungen gesetzt werden. Viel Geschrei, aber wenig Wolle. So erschienen zu der großen freisinnigen Versammlung in Wei dartsha in nur 2 Besucher aus dem Orte. Herr Korell sprach infolgedessen gar nicht. In Ranstatt und Ober- Bessingen erntete der Gegenredner des Pfarrer Korell, Parteisekretär Hesse, lebhaften Beifall. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reflameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. gen direkte Speise für den Körper sei, gehe er nackend im strömenden Regen. Diese Lebensweise halte er schon 15 Jahre ein und habe damit die besten Erfolge gehabt. Vor Er empfahl dieselbe darum auch den Zuhörern. allem sollte man auch das Rauchen einstellen und viel Db st anbauen. Dann sprach er von seiner Jerusalem= reise und seiner Schreibweise. Inbezug auf letztere erflärte er, daß er, da sein ganzes Leben Natürlichkeit heiße, sich auch in der Schreibweise der Natürlichkeit bediene, indem er so schreibe wie er spreche. Im Leben fange alles klein an und so sollten auch in seiner Schreibart alle Worte mit kleinen Buchstaben beginnen. In dem Vortrag gab er seine streng religiöse Anschauung zur Kenntnis und schaltete den Gesang einiger Lieder ein. Mit Dank an die Erschienenen schloß er um ½ 11 Uhr seine Ausführungen. - Weylar, 14. Febr. Gerichtsassessor& ink wurde von hier nach Ehrenbreitstein versetzt. a= Wetzlar, 13. Febr. 45 Studenten der Darmstädter Technischen Hochschule besichtigten letzten SamsJung& Co., den Dom und die Stadt im Allgemeinen. = 5= Wetzlar, 12. Febr. Die" Rh.- W.- 3tg." bringt die Mitteilung, daß eine Reihe von rheinischen Zen= trumsabgeordneten beabsichtigen, die Regierung zu er suchen, eine Wegeordnung für die Rheinprovinz auszuarbeiten und sie möglichst noch in dieser Session dem Landtage vorlegen zu lassen. Den größten Reinfall erlebten wohl die Freitag die Buderus'schen Eisenwerke, die Schraubenfabrik sinnigen am letzten Sonntag in Trais a. d. Lda., wo für die Kandidatur Kore II eine freisinnige Größe aus Frankfurt a. M. sprach. Der Mann erklärte u. a., daß die Kaprivische Politik in den 1890er Jahren sehr richtig gewesen sei. Deutschland würde doch ein reiner Industriestaat werden, daran könnten die rechtsstehenden Parteien mit ihrer Politik nichts ändern. Außerdem betonte der freisinnige Redner, daß die Industrie allein das Mark unserer deutschen Volkswirtschaft sei. Dann kam das alte, schon längst widerlegte Lied wider zum Vorschein, daß die deutsche Landwirtschaft nicht mehr fähig 3u§ 99 ergab die Abstimmung folgendes Resultat: sei, uns mit genügenden Lebensmitteln versorgen zu könnein Sozialdemokraten Konservative Reichspartei Wirtschaftl. Vereinigung Zentrum Nationalliberale Fortschrittliche Volkspartei Sozialdemokraten 1216584 - fehlen enthalten ja 42 9 1 15 15 40 11 14 30 6222167 18 44 5721 37 24 - Da die Ja- Stimmen bedeutend überwiegen, so ist in beiden Gerichten die Hinzuziehung von drei Schöffen nach dem Antrage Müller beschlossen. Man beachte aber, daß wieder in beiden Abstimmungen die Wirtschaftliche Vereimgung fast vollzählig versammelt war und völlig geschlossen für die Schöffen stimmten. Die Nationalliberalen, waren wieder wie Kraut und Rüben durchein ander und von den Freisinnigen fehlten wieder, wie gewöhnlich, ein sehr großer Teil, trotzdem es sich um freisinnige Anträge handelte. Die Sozialdemokraten hatten sogar beantragt, die Schöffen durch allgemeine geheime Wahlen aller volljährigen( vom 21. Jahre ab) Männlein und Weiblein wählen zu lassen und auch die Frauen wählbar zu machen. Der Antrag wurde jedoch unter Heiterkeit abgelehnt. Eine längere, zum Teil heftige Debatte entstand um die Frage der Zulassung der Lehrer zum Schöffenamt. In der Kommission war aus schultechnischen Gründen diese Zulassung abge= lehnt worden. Die Wirtsch. Vereinigung hatte in der Kommission für die Zulassung gestimmt. Nunmehr hatten sich auch die Konservativen eines besseren besonnen. Anträge auf Zulassung der Lehrer zum Schöffenamt lagen von der Wirtsch. Vereinigung, den Konservativen und Nationalliberalen vor. Die Zulassung der Lehrer wurde dann mit allen gegen eine konservative und den Stimmen der Polen beschlossen. Am Samstag wurde die Interpellation Kanitz verhandelt. Politische Pastoren- Partei. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die„ Fortschrittliche Volkspartei" scheint sich völlig zu einer politischen Pastorenpartei auszuwachsen. Bis jetzt hat diese Partei folgende Pastoren als Reichstagskandidaten aufgestellt: Pfarrer a. D. Naumann- Heilbronn, Pastor Schmidt- Mansfeld, Pastor HeynStralsund, Pfarrer Knuspe- Meißen, Pfarrer Ende- Glogau, Pfarrer Dr. Runze- Berlin, Pfarrer Krüger- Kreuznach- Simmern, Pfarrer Korell- Gießen, Pfarrer Keck- Holzminden, Pfarrer Spieß- Siegen. Eine Reihe anderer Pfarrer u. a. Lic. Traub warten noch auf eine freisinnige Kandidatur. Die Freisinnigen erstreben bekanntlich die Trennung von Staat und Kirche, Beseitigung des christlichen und konfessio nellen Charakters der Volksschule. Also etwa die französischen Zustände. solche Kirchen- und Schulpolitik wäre ein Unglück für unser Volk. Wie stehen jetzt die Liberalen zu dem befannten Kaiserwort:„ Politische Pastoren sind ein Unding"? Jm letzten Wahlkampf haben sie es ja so reichlich gegen die Christlich- Sozialen angewandt. Eine nen. Einen solch einseitigen Standpunkt kann auch nur ein freisinniger Großstadtpolitiker vertreten. Die Zuhörer aus Trais haben aus dem Gehörten ihre Schlüsse gezogen und spendeten dem Gegenredner, Herrn Partei sekretär Hesse, der unter lebhafter Zustimmung fast der ganzen Versammlung in scharfer aber sachlicher Weise die wahre freisinnige Volkspolitik" beleuchtete, lebhaften Beifall. Der Kandidat Dr. Werner, den der Redner empfahl, stelle sich im Gegensatze zu dem freisinnigen Referenten auf den Standpunkt, daß neben einer star fen gutgehenden Industrie auch eine tüchtige kauffräftige Landwirtschaft vorhanden sein müsse. Nur so könne der Volkskörper bei uns im Vaterlande als Ganzes gut gedeihen. Lebhaftes Bravo! Nun sprach noch ein EinRedner eine ganze Anzahl harte Nüsse zum Beißen vorwohner aus Trais, Herr Büttner, der dem freisinnigen legte. Diese Arbeit mochte dem Jünger Korells wohl zu schwer gewesen sein, denn ehe der einheimische Bewohner zu Ende war mit seinen Ausführungen, verließ der freisinnige Apostel fluchtartig das Lokal eilte dem Bahnhofe zu. Es war ein großer Reinfall des Freisinns. Ob die Frankfurter Freisinnigen Zeitungen doch noch die Meldung bringen werden: Großer Sieg für Herrn Korell in Trais, völlige Niederlage für Herrn Dr. Werner? Aus Stadt und Land. und Gießen, den 14. Februar. - Frachtpreisermäßigung für Frachtals gut. Für Sendungen von Saatkartoffeln, die Frachtgut bis Ende April d. Js. auf den Stationen der preußisch- hessischen Staatsbahnen aufgeliefert werden, ist mit sofortiger Gültigkeit die tarifmäßige Fracht um die Hälfte ermäßigt worden. * Gießen. Die Wahl des Kommerzienrats Louis Emmelius zum Beigeordneten wurde vom Großherzog bestätigt. Gießen. Der außerordentliche Professor Dr. med. Karl von Eicken hat den an ihn ergangenen Ruf nach Erlangen als Nachfolger des nach Halle berufenen Professors Alfred Denker abgelehnt. * Gießen. Der verstorbene Kommerzienrat 2. Heyligenstaedt vermachte auch der Kleinkinder= schule zu Gießen einen Betrag von 5000 Mark. Gießen. Der hiesige Lokomotivheizer Pfaff wurde zum Lokomotivführer befördert. Gießen. Im Großherzogtum gibt es nach der letzten Steueraufstellung 242 Millionäre. Unserer Stadt ist es beschieden, hiervon 16 zu ihren Bürgern zu zählen. == Gießen, 14. Febr. Der„ naturmensch gustaf nagel" hielt gestern abend seinen angekündigten Vortrag in Steins Garten. In demselben schilderte er zunächst, was ihn zu seiner jezigen Lebensweise Anlaß gegeben, daß er sehr frank gewesen sei und nur durch die Natur Heilung gefunden hätte. Er nähre sich von rohem Gemüse, Früchten und Nüssen, gehe Sommer wie Winter barfuß, überhaupt möglichst unbekleidet und setze sich oft nackend den Sonnenstrahlen aus. Da Re== Herborn, 13. Febr. Auf dem heute abgehaltenen ersten diesjährigen Markt waren aufgetrieben 205 Stück Rindvieh und 535 Schweine. Fettvieh war nicht aufgetrieben. Auf dem Schweinemarkte fosteten Ferkel 40-60 Mt., Läufer 70-90 Mark und Einlegeschweine 100-120 Mark das Paar. Der nächste Markt findet am 9. März d. Js. statt. * Buzzbach. Die Absicht der Regierung, die Orte Oberhörgern, Holzheim, Trais- Münzenberg und Münzenberg vom Amtsgerichtsbezirk Butzbach abzutrennen und Lich zuzuteilen, hat lebhafte Erregung hervorgerufen. Stadt und Vereine protestieren dagegen. * Darmstadt. Wirklicher Geheimer Rat Dr. Buchner, der frühere Präsident des Oberkonsistoriums, ist am Sonntag abend im 82. Lebensjahre gestorben. Heute Limburg, 14. Febr. Das Schwurgericht verhandelte gestern gegen den Knecht Johann Georg Walter und den Arbeiter Alban Stegmann, die zuletzt in Audenschmiede bei Weilmünster beschäftigt waren. Beide sind wegen Notzucht angeklagt. Schwarz aus Stahlhofen wegen Brandstiftung und gesteht die Verhandlung gegen den Steinbruchbesitzer Th. gen den Arbeiter Luigi Valbusa aus Herborn wegen Sittlichkeitsverbrechen und Raub vor. - Wiesbaden. Am 7. Mai werden der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise zu zweiwöchentlichem Aufenthalt hier eintreffen. Mainz, 11. Febr. Der Großherzog traf gestern furz nach 8 Uhr zur Karnevalsigung ein und wurde vom Präsidenten Glotzbach begrüßt. * Hus der Arbeiterbewegung. Soziale Wahlsiege fann die christliche Arbeiterbewegung in letzter Zeit eine ganze Anzahl verzeichnen. Bei Ortstrantenfassenwahlen siegten die christlichen Kandidaten in Koniz( Westpreußen), Bruchsal, Wattenscheid, Mettmann, Mülheim a. RuhrBroich, St. Ingbert und bei der Ortskrankenkasse 1 118 ( Textilgewerbe) in Aachen. In Koblenz wurden christliche und 67 sozialdemokratische Vertreter gewählt; in Schönlante 19 christliche und 15 sozialdemokratische. Einen bemerkenswerten Erfolg erzielten die christlichorganisierten Lederarbeiter in Hechingen bei den Fabrikfrankenkassenwahlen, wo sie in allen drei Klassen siegten und die in einer Klasse bisher dominierenden SoGlänzend gesiegt hazialdemokraten hinaus wählten. ben auch die christlichen Arbeiter bei der Gewerbegerichtswahl in Worms, wo sie mit 1628 Stimmen gegen 1424 die bisherigen sozialdemokratischen Beisitzer ablösten. Bei den Knappschafts- und Arbeiterausschußwahlen in Amberg( Oberpfalz) siegten die Kandidaten des GewerkBei der vereins christlicher Bergarbeiter mit 2085 resp. 811 ge= gen 500 resp. 5 Stimmen einer Gegenliste. Vertreterwahl zum Ausschuß der Landesversicherungsanstalt Württemberg wurden vier Kandidaten der christeinen Sig. Jm Bezirk Unterelsaß der Landes- Verlichen Arbeiter gewählt. Bisher verfügten sie nur über sicherungsanstalt Elsaß- Lothringen wurden bei der Ausschußwahl, anstelle der bisherigen sozialdemokratischen Vertreter, die Kandidaten der christlichen Arbeiter ge= Alles in allem beweisen diese Wahlerfolge, wählt. daß die christliche Arbeiterbewegung feste Wurzeln geschlagen hat und im Vormarsch begriffen ist. - Deutscher Reichstag. ein Antak zu vergleichen und Berufungen der einen Arbeitergruppe auf die andere gegeben werden. Die oft unverständlichen Sprünge, die bei der Feststellung der ortsüblichen Tagelöhne vorgekommen felen, wolle die Eisenbahnverwaltung nicht mehr machen. Eine genügende Sicherung hätten länger beschäftigte Arbetter schon jetzt. Inbezug auf die Arbeiterausschüsse erklärte der Minister, daß ste erforderlichenfalls auch mehr als zweimal im Jahre zusammentreten könnten und schon jetzt befugt seien, sich über Den Direktionen allgemeine Lohnfragen auszusprechen. besondere Ausschüsse zur Seite zu stellen, halte er nicht für geraten. Die in letzter Zeit vorgenommenen Lohnerhöhungen seien nicht allgemein, sondern nur je nach hervorgetretenem Bedürfnis vorgenommen worden und teilweise über 10 und 20 erheblich hinausgegangen. Der Netchstag beschäftigte sich am Sonnabend mit der tonservativen Interpellation betr. Maßnahmen zur VerHinderung der Ueberschwemmung des deutschen Geldmark les mit fremden Wertpapieren und der Abwanderung deutfchen Kapitals nach dem Auslande. Mit anerkennenswerter Mäßigung und Sachlichkeit begründete Graf Kanig dte Interpellation. Er betonte, daß seine Partet durchaus keine feindseltge Gesinnung gegen die Börse hege, daß aber nach den Mitteilungen des preußischen Finanzministers in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses in diesem Jahre Staatsanleihen nicht ausgegeben worden seien, um die Kurse nicht zu drücken. Das sei schon ein Zeichen der Furcht vor den fremden Emisstonswerten, an denen die Banthäuser mehr verdienen. Graf Kanis verlangte zum Schluß etne Kontrolle der ausländischen Papiere, womöglich von einer Zentralinstanz aus. Staatssekretär Delbrück, der die Interpellation sofort beantwortete, wog die verschiedenen in Betracht zu ziehenden Argumente gegeneinander ab, und fügte das Bedenken hinzu, daß es schlechterdings keine Möglichkeit gebe, dem Kapital auch unwillkommenen Abfluß ins Ausland zu wehren. Er schilderte die Schußeinrichtungen gegen die Ueberschwemmungen des deutschen Marktes und betonte sodann, daß der Reichskanzler dte Verantwortung für die Handhabung des Börsengesebes trage. Wenn auch auf der einen Seite anerkannt werden müsse, daß im Interesse einer aktiven Handelsbilanz und einer steten Kriegsbereitschaft die Aufnahme fremder Werte notwendig ist, so bestimme doch das Börsengeseß, daß solche Werte, die dem Publikum Schaden bringen, nicht zugelassen werden dürfen. Mit dem Grundgedanken dieser Maßnahme müsse man einverstanden sein, namentlich wenn sich die geschilderte Wirkung auf unsere eigene Anleihe zeige. Bum Schluß gab der Redmer eine Statistik über die deutschen und ausländischen Wertpaptere, die an der Berliner Börse zugelassen sind. Eine Erhöhung der Titelsteuern und Breslau. Auch vort werve in aller Grille der Eid geschworen. Ein hoher Kurialprälat hat dem Gewährsmann der„ Voss. 3tg." weiter erklärt, in Rom herrsche die Ueberzeugung vor, die Fakultäten seien wegen ihrer Zugehörigkeit zur modernen Universität eine wachsende Gefahr. Man halte es für besser, beizeiten eine Trennung herbeizuführen, als sich von der modernen Wissenschaft überraschen zu lassen, deren Entwicklung der kirchlichen Autorität entzogen sei. ist in Württemberg geplant. Dort soll ein Teil der Kosten für die Gehaltsaufbesserung der Beamten durch eine Ausgestaltung des Sportel- und Gebührenwesens aufgebracht werden. Nach den Vorschlägen der Regierung soll die Ermächtigung zur Aenderung des Namens statt 5 bis 20 M fünftig 800 bis 3000 M fosten. Für nachgefuchte Standeserhöhungen wird folgender Tarif aufgestellt: Der FürstenHtel, bisher 20 000 M foll fünftig 40 000 M kosten, der Grafentitel ftatt 10 000 M fünftig 20 000 M, der Freiherrntttel ftatt 6000 M fünftig 10 000 M und der gewöhnliche Adelstitel statt bisher 4000 fünftig 6000 M. Titelverleihungen an Privatpersonen werden mit 100 bis 3000 M Gebühren be= legt, nichtwürttembergische Titel werden mit 60 bis 500 M statt bisher 60 bis 120 M besteuert. Die Erlaubnis zur Anlegung nichtwürttembergischer Orden wird von 60 bis 120 auf 60 bis 500 M hinaufgesetzt. Aus Persien wird abermals ein politisches Attentat gemeldet. Der russische Generalkonsul in Ispahan wurde am Sonnabend in einem Brunnen auf dem Konsulats= grundstück ertrunken aufgefunden. Angesichts der großen Erregung, die der kürzlich auf den Gouverneur von Teheran verübte Anschlag und der Umstand hervorgerufen hat, daß das russische Konsulat den Tätern, die russische Untertanen sind, Zuflucht gewährte, liegt der Verdacht nahe, daß der Generalkonsul feines natürlichen Todes ge= storben ist. Nach einer neueren Meldung gilt es, da keinerlei Spuren von Gewalttätigkeit an der Leiche gefunden wurden, für wahrscheinlich, daß ein Unglücksfall vorliegt. Die Verwendbarkeit des Aeroplans im Kriege ist jetzt im merikanischen Bürgerkriege erprobt worden. Der ame= rikanische Aviatiker Hamilton ist am Freitag über die merikanische Grenze geflogen, trotzdem er gewarnt worden war, daß die Merikaner auf ihn feuern könnten, und hat somit die erste Erkundung in Kriegszeiten von einem Aeroplan aus unternommen. Er umkreiste die von den merikanischen Aufrührern hart bedrängte Stadt Juarez über der Verteidigungslinie und berichtete, was er gesehen, an das amerikanische Grenzbewachungsdetachement. Auch in Preußen sind die Gebühren für die Verlethung von Titeln durch die Stempelsteuer vom 30. Juni 1909 erhöht worden. In Preußen beträgt gegenwärtig der Stempel für die Verleihung der Herzogswürde 10 000 M ( früher 5000 M). der Fürstenwürde 6000 M( früher 3000 M), der Grafenwürde 3600 M( früher 1800 M), der Freiherrn= würde 2400 M( früher 1200 M), und des einfachen Adelstitels 1200 M( früher 600 M). Ferner werden gezahlt an Stempeln für den Titel Geheimer Kommerzienrat 5000 M, Kommerzienrat 3000 M, Geh. Kommissionsrat 1000 M, Kommissionsrat 500 M. Die Besprechung der Interpellation trug das Gepräge der Sonnabendssitungen: ein leeres, teilweise sehr leeres Haus. Abg. Speck vom Zentrum machte den Anfang. Er Hatte den Ausführungen des Grafen Kanit kaum etwas Neues hinzuzufügen, höchstens das Verlangen nach Ausbant des Beschwerdeverfahrens gegen die Zulassungsstelle. Dr. Frank spielte als sozialdemokratischer Redner die internationale Entwickelung der Syndikatspolitik gegen die Interpellation aus und stellte dabei Betrachtungen über den Welfrieden an. Internationale Kapitalanlagen sicherten die Friedensaussichten. Uebrigens verlangte auch dieser Redner gleich dem Grafen Kanitz ein Aufsichtsamt für das Bankwesen. Der Volksparteiler Dove nahm sich der Berliner Zulassungsstelle an und will die Beweglichkeit des Kapials nicht unnötig beschränkt sehen. Frhr. v. Gamp( Rp.) malte die Schattenseiten der Kapitalsanlage in ausländtschen Werten so schwarz, daß Stresemann( ntl.) auf die gro= Be positive Bedeutung, die ihr innewohnen kann, und auf den gerade auf diesem Wege ausgeübten bedeutenden Einfluß Englands und Frankreichs hinwies. Es sei für dte weltpolitische Rollenverteilung nicht unwichtig, daß die eng lischen Kapitalisten in ausländischen Werten heute 65 Milliarden stecken haben, die französischen ähnliche Summen, die deutschen vielleicht 20 Milliarden. Abg. Raab( w. Vg.) erflärte sich mit der Warnung der Regierung einverstanden 1: nd betonte, man sollte auch gegen andere amerikanische Papiere wie der Eisenbahnwerte, in gleicher Weise vorge= hen. Nachdem Abg. Hahn( fons.) noch seine Freude über die entgegenkommende Erklärung des Staatssekretärs über die Interpellation Ausdruck gegeben hatte, schloß die Aussprache. Lohnfragen beim Eisenbahnetat. Rundschau vom Cage. Politisches. Das Befinden des Kaisers ist auch am Sonntag zufriedenstellend gewesen. Der Kaiser hat das Bett verlassen, muß sich aber noch einige Tage Schonung auferlegen, so daß auch der für kommenden Mittwoch angesetzt gewesene Hofball nicht stattfinden wird. Eine Stiftung des Mitado. Der Kaiser von Japan hat eine Verfügung erlassen, die auf die Wichtigkeit hinweist, daß die Politik der Regierung sich den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anpaßt. Ferner hat der Kaiser eine Stiftung von eineinhalb Millionen en ges macht zur Unterstützung Unbemittelter, die ärztlicher Behandlung bedürfen. Zu der Erholungsfahrt des Kaisers nach Korfu meldet ein Berliner Telegramm der„ Köln. Ztg.": Alle an diese Retje getnüpften politischen Kombinationen werden hinfällig, wenn man sich den einfachen Sachverhalt vergegenwärtigt. Der Kaiser macht keine offizielle Auslandsreise nach Italien. Er berührt nur auf der Ausreise nach Korfu österreichisches und italienisches Gebiet. Auf österreichischem Boden findet keine besondere Begrüßung des Kaisers statt, und auch während des furzen Aufenthalts in Vene dig ist nach dem bisherigen Reiseprogramm eine Zusam menkunft mit dem Könige von Italien nicht in Aussicht genommen. Dem Wunsch, der Reise des Katsers nach Korfu den Charakter einer reinen Erholungsfahrt zu wahren, entspricht es, wenn politische Begegnungen mit dieser Reise nicht ins Auge gefaßt sind. In der fortgefeßten Beratung des Eisenbahmetats in der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses wurde am Sonnabend von konservativer Seite beantragt, die königliche Staatsregierung aufzufordern, die nicht beabsichtigten Härten, die durch die verschiedenartige Festsetzung der Gehaltssäße der Eisenbahnasst= stenten in Preußen und im Reiche geschaffen sind, durch geeignete Maßregeln unter Festhaltung an den Bestimmungen der Besoldungsordnung auszugleichen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Vom Regierungsseite Iwurde bemerkt, daß man bereit sei. Mittel und Wege zu prüfen, um einen Ausgleich für die Zukunft zu schaffen. Auch der Eisenbahnminister hatte den Antrag als außer= ordentlich sympathisch bezeichnet und hinzugefügt, daß die preußischen Eisenbahnassistenten mit der bei der allgemeinen Gehaltsaufbesserung getroffenen Regelung unzufrieden feien. Bezüglich der Löhne der Eisenbahnarbeiter wünschte ein Vertreter der fortschrittlichen Volkspartei eine genauere Statistik über Arbeiteröhne, sowie über die Regelung des gesamten Arbeitsverhältnisses der in den staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter. Ferner verlangte er, daß seitens der Eisenbahnverwaltung nicht unter die ortsüblichen Tagelöhne heruntergegangen werde, und endlich, daß den Arbeitern nach längerer Beschäftigung eine gewisse Sicherung ihres Arbeitsverhältnisses geboten werden möge. Der Eisenbahnminister bezeichnete eine weitere Spezialisierung der Lohnstatistik insbesondere nach den Di= reftionsbezirken als zu kostspielig; es könnte dadurch auch Der Familienschmuck der Wallutjeffs. Kleine Nachrichten. Die deutsche Südpolarexpedition tritt am 2. Mat ihre Ausreise von Hamburg aus an. Die Kosten des Unterneh mens werden auf 1 400 000 M geschätzt, die zum Teil durch eine Lotterie sichergestellt sind. Der Hamburger Staat bes antragt die Bewilligung von 20 000 M zu den Kosten der Expedition. Ein neuer Admiralstabschef. Wie es heißt, ist Vizeadmiral von Heeringen als Nachfolger des Admirals von Fischel als Chef des Admiralstabes der Marine in Aussicht genommen. Eine neue Großstadt vor den Toren Berlins? Nach etner Meldung Berliner Blätter finden Verhandlungen zwtschen den beiden Berliner Vorstädten Schöneberg und Wilmersdorf statt, die einen kommunalen Zusammenschluß der beiden Orte bezwecken. Schöneberg hat nach der Volkszähhlung vom 1. Dezember 1910 eine Einwohnerzahl von 172 672 Einwohnern, Wilmersdorf 109 023. Beide Orte zu sammen würden also 281 695 Einwohner zählen. Junt v. 3 Rage einen Desember und deren 3 bewohnte G Tode veruri Silfsweichen nes Rollege war und ihn Von den Geretteten des„ U 3" ist jetzt auch der letzte, der Oberheizer Ruda, als völlig geheilt aus dem Kieler Marinelazarett entlassen worden, wo er nach dem Unglück am 17. Januar aufgenommen worden war. Die Erhebung Elsaß- Lothringens zum Bundesstaat, ganz einerlei in welcher Form, soll, wie die„, Straßburger Neue Post" feststellt, für den gegenwärtigen Zeitpunkt vollständig ausgeschlossen sein. Sicherlich sei der Bundesrat bereit, einer Vorlage für Elsaß- Lothringen zuzustim= men, die unter Wahrung der Reichsinteressen dem Lande eine wesentlich größere Selbständigkeit verleihe und dabei die Möglichkeit einer zufünftigen Entwicklung zum Bundesstaate offen halte. Aber alle Anträge, und wenn sie mit noch so großer Mehrheit angenommen würden, die an der Stellung des Kaisers als Träger der Staatsgewalt rütteln wollen, seien nur geeignet, das ganze Verfassungswerk zu Fall zu bringen. Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. 31) ( Nachdruck verboten.) White trat näher, auch er wollte setzen. Vorher ließ er sich dem Banthalter vorstellen. Mit einem unangenehm jüßen Lächeln streckte Sarner die Hand aus. Freut mich außerordentlich. Ihre werte Bekanntschaft zu machen," näselte er, ist Ihnen ein Spielchen gefällig Mr. pardon, ich überhörte Ihren Namen." Robert White, Agent bei der Versicherungsgesellschaft Equitable", sagte der Geheimpolizist, der es für gut hielt, gleich seine Beschäftigung zu erwähnen. - „ Spielen Sie, meine Herren," forderte Sarner auf, " Sie sehen, ich habe heute Pech." Zeppeli Der Vertrag Luftfreuzers preußischen Seppelin"-6 wird der färbehörde i 3- Shiffen ber 1908 un nommene niert ift. nommene 1910 bei 20 rifden Ueb Maffent Blidhen St abend vormi Kuraldluffes Gleifen auf finden, elett biefer Blöde trijden Schl maren auf d man fich gez es Schaden Taufe d glidten Ver Luftschiff vo fen Plan di genommen, ten will. Zwei gefährliche Anarchisten, die nach Verübung mehrfacher strafbarer Handlungen aus Meran entflohen, wurden binnen weniger Tage glücklich hinter Schloß und Riegel gebracht. Bei der Gerichtsbehörde in Meran hatte man siche= re Beweise dafür gesammelt, daß beide auf Kosten und Rech nung einer geheimen Gesellschaft sich von Meran nach Italien begeben wollten, um ein Attentat auf den König zu versuchen. Es gelang jedoch, den einen Anarchisten, Franz Zarel. in Bozen, den andern. August Doleschal, in Riva zu verhaften. Ueber die Modernisteneidangelegenheit erhält die „ Voss. Ztg." von„ genau unterrichteter Seite" aus Rom ein längeres Schreiben, in dem unter anderem gesagt wird, es sei bei der Kurie die bestimmte Nachricht eingelaufen, daß schon in den allernächsten Tagen der Eid entweder von den einzelnen Professoren in Münster oder von allen zusammen nachgeholt werde. Ebenso stehe es mit Bonn Ihren Heldenmut mit dem Leben bezahlt haben in Mecklenburg zwei Schulknaben, die zwet auf dem Eise des Ostorfer Sees bei Schwerin eingebrochene Kameraden retten wollten. Obwohl sie selber einbrachen, gelang ihnen das Rettungswerk Darauf verließen sie die Kräfte und beide ertraufen. Das palastartige Haus Mr. Fred Brooks erstrahlte am Abend des Ballfestes in magischem Licht. Alles, was der große Reichtum des vielfachen Millionärs seinen Gästen bieten konnte, vereinigte sich heute, um den Abend genußreich zu gestalten. Opfer hungriger Wölfe. Während der letzten Tage herrschte in Russisch- Polen außerordentlich strenge Kälte. Zahlreiche hungrige Wölfe umschleichen die Dörfer. In der Umgebung des Dorfes Kristowodzk traten sie scharenweise auf. Nach Sosnowicer Meldungen werden dort gegen 150 Personen vermißt. Man vermutet, daß sie den Wölfen zum Opfer gefallen sind. Es würde zu weit führen, die Pracht der Räume, den Blumenflor, die Toiletten der Damen zu beschreiben. Selbst Robert White, der von London und Paris her ähnliche Gesellschaften kannte, war davon geblendet. Solchen Lurus, solche Pracht konnten in Europa selbst die Reichsten nicht aufbieten. Er legte eine neue Taille auf. Seine großen Hände schlugen die Karten um. Im Gegensatz zu dem dunklen Haar lag ein rötlicher Flaum auf den Fingergelenken; das fonstatierte White zu seiner Befriedigung, denn wenn noch ein Zweifel über die Persönlichkeit des gesuchten Gauners bestanden hätte, die genannte Wahrnehmung hätte ihn vollends beseitigt. Das Spiel wurde immer lebhafter. Man setzte höher; Sarner gewann, er gewann viel. Am meisten hatte der heute eingeführte Gast verloren; White zahlte die recht beträchtliche Summe aus. Man ging in die vorderen Zimmer zurück; dort wurde Champagner bestellt. Bis zum Tagesgrauen saken White, Sarner und noch dre andere Herren beim Wein zusammen. ,, Gie, Gie gefallen mir," lallte Sarner, der halbtrunken war ,,, wir müssen uns öfter sehen." " -- „ Ja, ich hoffe es, ich werde Sie hier treffen, Herr Baron," versetzte White verbindlich,„ Sie schulden mir Revanche." Eine furchtbare Familientragödie hat sich in Geppersdorf bei Mährisch- Schönberg abgespiel. Dort erschoß der Bahnbeamte Urban feine ihm erst fürzlich angetraute Frau, schlitzte sich dann den Unterleib auf und erschoß sich schließlich. Aus den Gerichtssälen. Zwei Todesurteile. Das Schwurgericht in Baußen hat den 25 Jahre alten Arbeiter Süßmann aus Ruppersdorf, der wegen Mordes in zwei Fällen, versuchten Mordes, Raubes und Brandstiftung angeklagt war, zum Tode und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Süßmann hatte im White war nun schon ziemlich bekannt in der ameri= tanischen Gesellschaft. Durch seinen Posten bei der Lebensversicherungs- Gesellschaft Equitable war er mit sehr vieler Leuten in Berührung gekommen, und bei Brooks war er mehrfach zum Fünf- Uhr- Tee gewesen, hatte dort mehrfach Mabel getroffen und manche angenehme Bekanntschaft angeknüpft. Mit der dem jungen Schweizer eigenen Leichtigkeit bewegte er sich auch heute frei und sehr ge= wandt in der Gesellschaft. Sie trennten sich, nachdem sie sich die Hand geschüttelt hatten. Ich glaube, ich kann mit meinem Tag zufrieden sein," dachte der Geheimpolizist, als er sich zu Bett legte, „ der Kerl kommt mir nicht mehr aus den Augen." ., Nun. Mr. White, ich hoffe, Si tanzen gern," sagte Mrs. Brook lachend,„ den dritten Walzer habe ich für Sie aufgehoben. Schreiben Sie Ihren Namen auf meine Tanzkarte." „ Ja, Mrs. Brook, ich bin Kenner," entgegnete der Detektiv. Wenn Sie mir gestatten wollten, das Kollier näher zu beschen, wäre ich Ihnen dankbar." Mit einem liebenswürdigen Lächeln löste die junge Frau das Kollier von ihrem Halse und reichte es White. Sie standen in einer tiefen Fensternische. Amy wurde in diesem Moment von einer alten Dame angeredet. Der Geheimpolizist wandte der Gesellschaft den Rücken und zog die Lupe aus der Brusttasche seines Fraces.„ Es ist richtig," murmelte er, die beiden Striche befinden sich auf der Rückseite der kostbaren Steine." White warf einen schnellen Blick auf die liebliche Erscheinung Amys, die ganz in weißer Seide, von Spizen überrieselt, vor ihm stand. Die Augen des Geheimpolizisten erweiterten sich. Um den schlanken Frauenhals lag ein Perlenfollier, das aus drei Reihen fast haselnukgroßer Perlen bestand, die von einem großen, gelblichen Diamanten geschlossen waren. Mrs. Brook, ich danke Ihnen; es ist in der Tat ein unschätzbares Kleinod, das sie da besitzen," sagte White, mit einer höflichen Verbeugung das Geschmeide seiner Eigentümerin zurückgebend. Ja, es muß der Familienschmuck sein," dachte White. Könnte ich ihn doch nur für die Dauer eines Augenblickes in der Hand haben!" Amy hatte den bewundernden Blick des jungen Mannes bemerkt, sie freute sich darüber und war stolz darauf. Sie finden meine Perlen schön?" fragte sie. Und wieder lagen die Perlen schimmernd um den Hals der jungen, schönen Frau. Möchte es ihr fein Unglück bringen," dachte White, Honsluftfchif eins für M näfften Mi I die Taufe de niger Probe biff abmon bracht, um an die düstere Prophezeiung denkend, die ienen mit Unheil drohte, die den Familienschmuck der Grafen Wallutjeff trugen, ohne zu ihrem Geschlecht zu gehören. Mrs. Lionel und ihre Tochter traten eben in den Ballsaal. Sie wurden von einem Schwarm von Herren umringt. Mabels Blicke schweiften durch den Raum, sie schien etwas zu suchen. Ein zartes Rot färbte ihr schö= ne sGesicht, als sie ihren Freund" auf sich zukommen sah. White begrüßte sie und bat um einige Tänze. Er gab sich Mühe, seine Bewunderung zu unterdrücken. Noch nie war die junge Amerikanerin ihm so reizend erschie= nen, wie heute, in der Toilette aus silberweißem Brokat. Mabel zeigte auch heute wieder ihre Vorliebe für ihren Reisebegleiter, sehr zum Aerger der anderen Verehrer, die sich eifrig um die Gunst der reichen Erbin bewarben. Der Ball war in vollem Zuge, es wurde munter getanzt. Besonders Mrs. Amy Brook schien unermüdlich zu sein; ste flog von einem Arm in den andern. ( Fortsetzung folat.) glaubt, daß eds Tage d ionen teilne Cine G I fonnte als 1 bahnangeste i in Bamber vor wenige ftandes En 38. Lebensi ausgemacht fam zu ver terlassen. 1 liche Kirch I bayerische I denanstalt Juwele I der Fürstin ften Mar abend ein naten bega hemgebalter tehers des ihr Mann, wollte vor Festlichkeit halben Mil ferziehen un gebrochen u Didierte nu daß bei zwe Ergebnis d Frau des T Ehmud lag Wiffen ihre ten durch to le die Bri brochen und habe fie 16 und daraus verursachte balten. nen. Im Eine S der Nähe und Freun hon nach den Schritt Staualtar Bräutigam Mufit Spiel gefellſchaft Bauernhody fehlten. Der U wie gemeld Deutichen M nigt jo fa Es ist nur lette Keri teinerlei V einen Briv auf eigene Igen Banil Majchinena waltigen G ausgeftellt, ablegten vo en Masch regte allger offiziellen belgische A igen Pavil tete und b Der König erjucht, au und in ein betten. Es Eid ährss Triche ihrer fende Tren iffen: fitch= entaf Ourde lats: Coßen Te Cufen Tische dacht ges teis nden Tiegt. jezt ame= me orden hat Tero ritader das apan hin nders der ges Be thre rneh durch t be. der cheta awt. Wil der szäh von e alla Tetzte, Heler glüd mehrurden el ges fidje Rech Itag zu Franz va zu in e des retihnen und Lage älte. In aren t gee den opers ß der Frau, 3 fich en hat sdorf, ordes, e und tte im te der Rollier junge White. wurde t. Der nd zog it rich chauf Cat ein White, feiner n den White, it UnBallut n den Herren um, fie r Schö en fah. e. Cr 1. Noch erichies Brofat. ihren rer, die en. Der zt. Be ein; fie Junt v. J. gegen die 62jährige Matertalwarenhändlerin Räge einen Raubmordversuch unternommen und am 8. Dezember die 69jährige Materialwarenhändlerin Gedlich und deren 37jährige Tochter ermordet sowie das von ihnen bewohnte Grundstück in Brand gesteckt. Gleichfalls zum Tode verurteilt wurde vom Schwurgericht in Gleiwit der Silfsweichenſteller Kempa, der nachts in die Wohnung seines Kollegen, des Weichenstellers Bialla, eingedrungen war und ihn ermordet und beraubt hatte. Vermischtes. Zeppelinschiffe für die Militärverwaltung. Nachdem ber Bertrag wegen Lieferung eines weiteren ,, Zeppelin": Luftfreuzers für die Militärverwaltung zwischen dem preußischen Kriegsministerium und der LuftschiffbauBeppelin"-Gesellschaft in Friedrichshafen perfekt geworden ist, wird demnächst das dritte 3"-Luftschiff an die Militärbehörde übergeben. Von den beiden bisher gelieferten 3"-Schiffen steht freilich nur noch eins, der im November 1908 unter der Bezeichnung 3 1" vom Reich übernommene Luftkreuzer, zur Verfügung, der in Metz stationiert ist. Das andere, im August 1909 als„, 3 2" übernommene Luftschiff verunglückte bekanntlich am 25. April 1910 bei Weilburg auf der Rückkehr von einer militärifchen Uebungsfahrt von Homburg nach Köln. Massentod von Pferden durch Elektrizität. Auf der östlichen Strecke der Pariser Straßenbahn gab es Sonnabend rormittag ein Massensterben von Pferden. Infolge Kurzschlusses wurden die Stahlblöcke, die sich zwischen den Gleisen auf eine Entfernung von 50 bis 100 Meter be= finden, elektrisch geladen. So oft nun ein Pferd einen biefer Blöde mit den Hufen berührte, sant es vom elet trischen Schlage getroffen tot zu Boden. In furzer Zeit waren auf diese Weise zwölf Pferde getötet worden, so daß man fich gezwungen sah, die Straßen bis zur Beseitigung des Schadens für den Verkehr zu sperren. Taufe des deutschen Ozeanluftschiffes. Nach dem mißglückten Versuch Wellmanns, den Atlantischen Ozean im Luftschiff von Amerita nach Europa zu überfliegen, hat diefen Plan die transatlantische Flugerpedition wieder aufgenommen, die den Flug in umgekehrter Richtung ausführen will. Die Gesellschaft läßt gegenwärtig das Expeditionsluftschiff„ Suchard" in der Luftschiffhalle des„ Vereins für Motoruftschiffahrten" in Kiel montieren. Am nächsten Mittwoch wird Prinzessin Heinrich von Preußen die Taufe des Luftschiffes vollziehen. Nach Ausführung einiger Probefahrten in der Umgebung Kiels wird das LuftSchiff abmontiert und nach den Kap- Verdischen Inseln ge= bracht, um von dort seinen Ozeanflug anzutreten. Man glaubt, daß die Fahrt von Madeira bis Amerika fünf bis lechs Tage dauern wird. An der Fahrt werden sechs Perjonen teilnehmen. Eine Sparkünstlerin, und zwar eine, die es noch besser fonnte als die in England verstorbene Frau eines Trambahnangestellten, von der wir fürzlich berichteten, ist jetzt in Bamberg gestorben. Es ist die 81jährige Witwe des vor wenigen Jahren verstorbenen früheren BahnhofsvorStandes Enzler in Lichtenfels. Die Frau, die seit ihrem 38. Lebensjahr erblindet ist, hatte mit ihrer Wirtschafterin ausgemacht, täglich nicht mehr als 76 Pfennig gemeinJam zu verbrauchen und hat jetzt eine halbe million hinterlaffen. Der größte Teil des Geldes geht an die katholische Kirche. Die Erblasserin hat jedoch auch bedürftige bayerische Bahnbeamte mit einem Legat und auch die Blindenanstalt mit einer Zuweisung bedacht. Juwelendiebstahl in einem Wiener Palais. Jm Hause der Fürstin Leontine Fürstenberg, der Gemahlin des Fürten Mar Egon Fürstenberg in Wien, wurde am Sonnabend ein großer Diebstahl entdeckt, der schon vor Monaten begangen war und durch geschickte Fälschungen ge= hemgehalten wurde. Die Diebe sind die Frau des Türtehers des fürstlichen Palais, Johanna Markowski und ihr Mann. Beide sind bereits verhaftet. Die Fürstin wollte vor einiger Zeit aus Anlaß einer bevorstehenden Festlichkeit ihr Brillantdiademt, das einen Wert von einer halben Million Kronen repräsentiert, einer Prüfung unterziehen und entdeckte dabei, daß drei Brillanten herausgebrochen und durch falsche Steine ersetzt waren. Sie re vidierte nun ihre übrigen Schmudgegenstände und fand, daß bei zwei Ohrgehängen und zwei Ringen die Brillanten durch täuschende Imitationen ersetzt waren. Nach dem Ergebnis der geheim betriebenen Nachforschungen hat die frau des Türstehers die Schlüssel zu der Kasse, in der der Schmud lag, und die ihr Mann in Verwahrung hatte, ohne Wissen ihres Mannes an sich genommen. Sie gestand, daß le die Brillanten aus dem Schmudgegenstand herausge brochen und durch Nachahmungen ersetzt habe. Insgesamt habe sie 16 Solitäre aus dem Diadem herausgenommen und daraus Broschen machen lassen, die sie versetzte. Der terursachte Schaden beträgt fünfundzwanzigtausend Kroen. Im Versatzhause hatte die Diebin 6000 Kronen erhalten. Eine Hochzeit ohne Brautpaar wurde dieser Tage in der Nähe von Vilshofen in Bayern gefeiert. Verwandte und Freunde waren der Einladung zahlreich gefolgt, aber hon nach der standesamtlichen Trauung bereute die Braut en Schritt und weigerte sich, am andern Morgen zum raualtar zu schreiten, worauf sich auch der beschämte Bräutigam aus dem Staube machte. Aber der Wirt ließ Musik spielen, bald war die Verstimmung der Hochzeitsesellschaft überwunden und eine richtige niederbayerische Bauernhochzeit im Gang, wenn auch die Hauptbeteiligten fehlten. Der Unfall auf der Brüsseler Weltausstellung, der, bie gemeldet, sich am Sonnabend durch den Einsturz der deutschen Maschinenhalle ereignete, ist in seinen Folgen nicht so schwer gewesen, wie zuerst angenommen wurde. Es ist nur ein Arbeiter getötet worden, während drei leichte Verlegungen erlitten. Die deutsche Regierung trifft feinerlei Verantwortung für den Unfall, da die Halle an einen Privatunternehmer verkauft war, der den Abbruch auf eigene Rechnung und Gefahr vornimmt. In dem deuten Panillon der Brüsseler Weltausstellung nahm die Maschinenabteilung den größten Raum ein. In zwei ge= walltigen Sälen waren die Kolosse aus Stahl und Eisen ausgestellt, die stumm, aber doch sehr beredtes Zeugnis abl egten von der großartigen Leistungsfähigkeit der deuthen Maschinenindustrie. Dieser Teil der Ausstellung ertegte allgemeine Bewunderung. Als zwei Tage nach der offiziellen Eröffnung der Brüsseler Weltausstellung das belgische Königspaar dem zuerst fertig gewordenen deuten Pavillon einen mehrstündigen Spezialbesuch abstattete und dabei in die große Maschinenhalle fam, wurde der König von dem deutschen Kommissar Geheimrat Albert nsucht, auf einen Knopf zu drücken. Der König tat dies unt in einem Moment begannen alle Maschinen zu ar= betrten. Es war ein überwältigender Eindruck. So stark wirkte insbesondere ein Riesentran, der in der Höhe durch den ganzen Saal lief, auf die Königin, daß sie unbedingt eine Luftfahrt mit diesem Kran unternehmen wollte. Es fostete Mühe, ihr diesen Plan auszureden. Demonstrationen gegen eine Stiefmutter. Der traurige Fall der kleinen Rosa Schettat, den wir am Sonnabend veröffentlichten, hat in Berlin großes Aufsehen und insbesondere im Osten Berlins, wo das Ehepaar Schettat wohnt eine nicht geringe Erregung hervorgerufen. Die Erregung hat ein ungewöhnlicher Fall sogar zu Straßendemonstrationen gegen das Schettatsche Ghepaar geführt. Freitag in den Abendstunden sammelte sich eine auf sechshundert Personen geschätzte Menge vor dem Hause Frankfurter Allee 197, wo Schettat wohnt, an und machte Miene, in die Schettatsche Wohnung einzudringen. Die Stiefmutter, die die kleine Rosa beinahe zu Tode gemartert hat, wäre fast das Opfer einer Lynchjustiz geworden, wenn nicht aus den zwei nächsten Polizeirevieren Schutzleute herbeigeeilt wären und den Hauseingang besetzt hätten. Bis zehn Uhr abends dauerten die Demonstrationen an und die Verwünschungen, mit denen das Ehepaar bedacht wurde, waren nicht wenige. In allen Geschäften der Nachbarschaft wurde über Frau Sch. der Bontott verhängt und fast einmütig erklärten die Kunden, daß sie in den Geschäften nichts mehr kaufen würden, wo an Frau Sch. Ware verabfolgt werden würde. Auch die Nachbarn der Schettat sind über die Vorgänge derartig empört, daß die Frau sich nicht mehr auf den Treppen oder auf dem Hofe sehen lassen durfte. Gründung einer Keuchhustenkolonie. Einer Anregung des preußischen Gesundheitsamtes zufolge hat sich in Erkenntnis der großen Gefahr, die der Besuch feuchhustenfranker Kinder den Kur- und Badeorten bringt, eine An= zahl von Sachverständigen und Förderern der Wohlfahrtspflege zusammengefunden, um die Einrichtung einer Keuchhustenkolonie in die Wege zu leiten. Diese ist, wie das ,, Berl. Tgbl." meldet, am Ostseestrande, fernab von jedem Badeverkehr und unter Benutzung anderer Zufahrtsstra= Ben, geplant. Die Anlage soll in der Form fleiner, durch Anpflanzungen von einander abgegrenzter, oder mit Liegehallen und Spielplägen versehener Familienhäuser errichtet werden. Der Wirtschaftsbetrieb wird von einem Zentralgebäude aus erfolgen. Die vorbereitenden Arbeiten liegen in der Hand des Dr. med. Helwig im Ostseebad Zinnowitz. Der Streit um das zweite Frühstück der französischen Kanoniere. Die Mannschaft einer Batterie des zwölften Artillerieregiments in Versailles weigerte sich, zur Dienstleistung anzutreten, weil das für das zweite Frühstück bestimmte Geld seit einiger Zeit nicht diesem Zwecke zugeführt wurde, sondern in der Regimentstasse blieb. Die übrigen Kanontere in der Kaserne schlossen sich dieser Kundgebung an. Als erste Folge der eingeleiteten Untersuchung ist die Bestrafung des dienstführenden Menageunteroffiziers zu betrachten, der bei der Meldung von der begangen hatte, indem er sie nicht weiter gab. Der Quarttermeister hat seit Eintritt der Rekruten Ersparnisse von Dienstverweigerung einen Verstoß gegen das Reglement über 700 Francs gemacht, die auf die Verminderung der Morgenmahlzeit zurückzuführen sind. Er wurde ebenfalls in Haft genommen. Aus dem Leben Albert Rothschilds. Der Chef des bekannte ner Bankhauses Rothschild, Baron Albert von Rothschild, ist am Sonnabend einem Herzschlage erlegen. Aus seinem Leben dürf= ten einige Angaben von allgemeinem Interesse fein. Das mit Albert von Rothschild verstorbene Wiener Haupt der Finanzfamilie Rothschild ist am 29. Oktober 1844 in Wien geboren. Der Reichtum der Rothschilds ist sprichwörtlich geworden in allen Ländern; Baron Albert Rothschild war vielleicht der reichste unter allen. Zweifellos war er der reich ste Mann in Europa. Und diesen Reichtum in seinem heutigen Umfange hatte er nicht etwa ererbt. Als er im Jahre 1874 nach dem Tode seines Vaters Anselm Freiherr von Rothschild die Leitung des Wiener Hauses übernahm, wurde das Vermögen auf nicht mehr als 400 Mill. Kronen geschätzt. Heute beziffert sich der Bestand des Hauses auf über eine Milliarde. Die Gebäude dieses fann onormen Aufschwunges sind mannigfach. Erstens Rothschild kaum den zehnten Teil seines Vermögens aufge= zehrt haben, so daß dauernd Zinsen zum Kapital geschlagen wurden. Und dann hat Baron Albert die größten Erbschaften vielleicht der ganzen Erde gemacht. Sein verstorbener Bruder Nathaniel hatte den ältesten Sohn Alberts, Georg, zum alleinigen Erben eingesetzt und somit das Wiener Vermögen um etwa 100 Millionen Kronen erhöht. Und beim Tode seines Schwiegervaters, des Chefs des Pariser Hauses, Baron Alfonse Rothschild, find gleichfalls Unsummen nach Wien gewandert. So kam es, daß das Haus Rothschild in letzter Zeit um neue Geschäfte nicht mehr warb; weder im industriellen Leben noch an der Börse. Das Vermögen war eben zu enorm geworden, setne Verwaltung verlangte die volle Zeit und die ganze Tatfraft des Barons. Ein Bankgeschäft besteht wohl, aber ein böses Witwort hat davon behauptet, daß sich Albert Rothschild dieses Bankgeschäft gehalten habe, wie etwa ein reicher Kavalier seinen Marstall. Also zur Zerstreuung, nicht aber zum Gewinn. Baron Albert Rothschild war selbstverständlich auch einer der größten Grundbesther Oesterreich 3. Er hinterließ herrliche, ausgedehnte Waldungen, landwirtschaftliche Dekonomien und Paläste und Schlösser in großer Zahl. Die Frage seiner Nachfolgerschaft als Haupt des Wiener Hauses dürfte vielleicht testamentarisch geregelt sein. Der Verstorbene hinterläßt fünf Kinder. Vier Söhne und eine Tochter. In dieser Beziehung war der Verstorbene, dem sein Vermögen fast über den Kopf wuchs, vom Unglüd verfolgt. Sein ältester Sohn Georg ist seit vielen Jahren als irrsinnig in einer Heilanstalt, sein jüngster Sohn Oskar ist vor zwei Jahren plötzlich gestorben; es hieß damals, er habe sich erschossen. Zu allem Unglück ist die einzige Tochter Noemi unheilbar taub. In Betracht als Leiter der Firma und Haupt des Hauses dürfte eigentlich nur der jezt 30 Jahre alte Baron Louis Rothschild kommen, der in lezter Zeit schon stets von seinem Vater zu allen wichtigen war. Viel finanziellen Beratungen zugezogen worden Aufsehen erregte, wie erinnerlich, vor Monaten der Besuch des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand bei dem Baron. Es hieß damals, dieser Besuch müsse ganz besondere politische oder andere Gründe haben. Denn gerade der Thronfolger ist dem Hause Rothschild niemals gewogen gewesen, zumal der früher verstorbene Bruder Freiherr Nathanael, mit dem Vater des Thronfolgers, dem verstorbenen Erzherzog Karl Ludwig, dem ältesten Bruder des Kaisers Franz Josef in offener Feindschaft lebte. Daß der verstorbene Baron große Summen für Wohltätigkeitszwecke gestiftet hat, ist allbekannt. Und in den meisten Fällen suchte er es zu verhindern, daß die Oeffentlichkeit von diesen seinen Wohltaten etwas erfuhr. So man cher Mensch- namentlich die Witmen und Waisen- werden dem Verstorbenen eine ehrliche Träne nachweinen. Die Erbschaftssteuer, die die Erben des Verstorbenen an den österreichischen Staat zu entrichten haben, beträgt etwa 20 Millionen Kronen. Pest- Nachrichten. Die Seuche auf dem Wege nach Europa. Nach einer Meldung aus Petersburg rückt die Pest dem europäischen Rußland schon bedenklich näher. In der 11m gegend von Blagowjeschtschenst an der sibirischen Grenze sind die ersten drohenden Anzeichen der Epidemie erschienen. Mehrere Sterbefälle haben sich dort ereignet. Die Grenze wurde abgesperrt und der Handelsverkehr WladiwostokCharbin endgültig eingestellt. In einem aus Schanghai an die Frtf. 3tg." gelangten Briefe von Ende Januar heißt es: Wir scheinen hier aus den Aufregungen nicht herauskommen zu sollen. Als ob wir an der von Süden her drohenden Beulenpest nicht genug hätten erscheint jetzt im Norden das Gespenst eines noch viel fürchterlichen Würgengels, der Lungenpest. Es set jedoch gleich bemerkt, daß es sich hierbei nicht um ver schiedene Seuchen handelt, sondern nur um zwet Arten einer und derselben Krankheit. Soweit es sich aus den bisher vorliegenden Meldungen ersehen läßt, handelt es sich in der Mandschurei ausschließlich um die Lungenpest in ihrer schauerlichsten Form. Man wird an die Zeit des schwarzen Todes im 14. Jahrhundert erinnert, wenn man von den Zu ständen in der Mandschurei hört. Nur ein einziges Beispiel set davon angeführt: in einem Hause war fein Lebenszeichen zu entdecken, und als es gewaltsam geöffnet wurde, fand man dessen sämtliche Bewohner, elf an der Zahl, als Leichen vor. Der entsetzliche Würgengel hatte hter also seine Arbeit besonders gründlich getan. Sobald einmal die Lunge ergriffen ist, scheint keine Hoffnung mehr da zu sein. Der Kranfe beginnt dann stark zu husten und Blut zu speien, worauf das Gesicht eine schwarze Farbe annimmt, und dann ist auch bald das Ende da. Oft tritt schon wenige Stunden nach dem Beginne des Anfalles der Tod ein. Die Theorie, Luft und Licht seien das oberste Erfordernis zur Bekämpfung der Pest, steht mit den jetzigen Erfahrungen in der Mandschurei vortrefflich im Einklange. Während des Winters ist die Kälte dort nämlich so grimmig, daß die ärmeren Leute gezwungen sind, ihre Wohnungen monatelang hermetisch verschlossen zu halten, was den besten Nährboden für das Weiterwuchern des Pestbazillus abgibt, sobald er einmal in einem Hause erschienen ist. Vor dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit wird man deshalb dort der Seuche wohl ziemlich machtlos gegenüberstehen. Drabtnachrichten und Deuestes. Von der Reise des Kronprinzen. Kalkutta, 13. Februar. Der von der deutschen Kolonie zu Ehren des Kronprinzen veranstaltete Empfang nahm einen glänzenden Verlauf. Um die getroffenen Arrangements nicht zu stören, hatte der Kronprinz doch noch sein Erscheinen zugesagt. Er ließ sich sämtliche Mitglieder der Kolonie vorstellen und rerweilte während des Abends in zwanglosem Gespräch im Kreise der hiesigen Deutschen. Vor dem Empfang hatte bei dem Generalkonsul Prinzen Heinrich III. von Reuß ein Diner stattgefunden, zu dem dte Spitzen der Kolonie eine Einladung erhalten hatten. Stadtrechte für die Berliner Vorortdörfer. Berlin, 13. Februar. Im Rathaus von Weißensee bet Berlin findet heute eine Konferenz der Bürgermeister und Gemeindevorsteher aller Vororte Berlins statt, die über 15 000 Einwohner haben und moch die Bezeichnung„ Dorf" tragen. Aufgabe der Konferenz soll es sein, über Maß-> nahmen zu beraten, wie alle diese Gemeinden das Stadtrecht erlangen können. Auf Wache erfroren. Krakau, 13. Februar. Die große Kälte, die gegenwärtig' in Galizien herrscht, hat auch unter der Garnison der Grenz festung Przemysl Todesopfer gefordert. Mehrere Soldaten des 9. und 10. Infanterieregiments, die bei den äußersten Forts Wache standen, sind erfroren. Holland protestiert. Gölu, 13. Februar. Wegen eines angeblichen Uebergriffs eines preußischen Gendarmen hat die holländische Reichsregierung Vorstellungen bei der preußischen Behörde erhoben und Genugtuung verlangt. Der Gendarm soll den berüchtigten Schmuggler Kersten, auf dessen Ergreifung 300 M Belohnung ausgesetzt war, bet Grafwegen, 50 Meter jenseits der Grenze, auf holländischem Gebiet verhaftet habem. Kersten setzte der Verhaftung großen Widerstand ent gegen, wobei er sowohl als der Gendarm verlegt wurden. Schließlich wurde Kersten auf einem Handkarren nach Kranenburg, später in das Gefängnis nach Cleve geschafft. Die Beschwerde Hollands richtet sich gegen die Verhaftung eines holländischen Staatsbürgers auf holländischem Boden und gegen die gewaltsame Verschleppung eines Schwerverletzten auf preußisches Gebiet. Verhaftung eines Postanweisungsschwindlers. 0 Berlin, 18. Februar. Durch die Verhaftung eines vor zehn Jahren aus dem Dienst entlassenen aus Danzig gebürtigen Postassistenten, ist ein abgefeimter Postanwel sungsschwindel aufgeklärt worden, bei dem dem Schwind-> Ier 8500 Mark zur Beute fielen. Auf der Straße vom Tode ereilt. Berlin, 18. Februar. Von einem jähen Tode wurde gestern nachmittag der Oberst du Plessier, der in Prenzlau stand und sich besuchsweise in Berlin aufhielt, auf offener Straße ereilt. Als der alte Herr den Potsdamer Plat überschritt, brach er plötzlich infolge eines Herzschlages tot zusammen. Die Leiche wurde nach dem Garnisonlazarett gebracht. Der Anstifter des Gladbecker Raubüberfalls. Effen, 13. Februar. Bezüglich des Raubüberfalles auf den Geldwagen der königlichen Schächte von Bottrop tst jetzt festgestellt, daß der vor einiger Zeit aus dem Buchthaus entsprungene Räuberhauptmann Straßmann den ganzen Ueberfall geleitet und die Rollen verteilt hat. Straßmann war auch derjenige, der die Schüsse abgegeben hat. Die drei verhafteten Personen, darunter ein Bruder und ein Neffe des Anführers, haben zugegeben, von dem beabfichtigten Anschlage unterrichtet gewesen zu sein. Straß mann selbst ist entkommen. Der ganze Anschlag ist da burch fehlgegangen, daß einige der Genossen des Räubera micht rechtzeitig erschienen. Eine neue Ballonfahrt über den Ozean. Nennort, 18. Februar. Eine neue Lentballonfahrt über den Atlantischen Ozean vlant Wellmans Ingenieur Vaniman. Er will Anfang Juli von Cincinnatti aus zur 11eberqueruna des Ozeans abfliegen. Die Kosten schätzt er auf 280 000 Mart, die von einer Gruppe von Finanzlenten garantiert werden. Banif bei einem Warenhansbrand. Renport, 18. Februar. In der Nacht zum Sonntag geriet ein Kaufhaus in Brooklyn in Brand. Taufende von Frauen und Verkäuferinnen stürzten in wilder Haft die Treppen hinunter und rollten, zu Knäuelu geballt, auf die Straße. Ob Verluste au Menschenleben zu beflagen sind, ist noch nicht festgestellt. Handel und Verkehr. Cassel, 11. Februar. Weizen( 100 Kilogramm) 19,30 bis 19,70 M. Roggen( 100 Kilogramm) 15,50 bis 16,00 M.. Gerste( 100 Kilogramm) 00,00-00,00 M. Hafer( 100 p gramm) 15,25 bis 10,75 M. Hen( Zentner) 2,70 bis 3,30 M Stroh( Zentner) 1,6 bis 2,40 M. Vermischtes. * Vom Hinterländer„ Bauhewe". Jm nördlichsten Teil des Kreises Biedenkopf, dem sogenannten„ Hinterland", werden an verschiedenen Orten, wenn ein Bau aufgeschlagen ist, vom Zimmermeister kleine Reden gehalten. Folgenden„ Meisterspruch", sagt E. M. im Wiesbadener„ Landboten", habe ich mir gemerkt: „ Gott, der die ganze Welt mit seinem Wink regieret, Hat alles auch gemacht durch seine starke Hand; Er hat den großen Bau der Erde aufgeführet, Damit sein Name werd' gepriesen und erkannt. Der Himmel, Erde, Meer, Luft, Berg, kurz zu sagen, Die ganze weite Welt uns durch sein Allmachtswort So fünstlich aus dem Nichts gerufen in sechs Tagen, Derselbe Gott regiert die Welt noch immer fort. Er lenkt der Sonne Lauf, er heißt die Winde wehen, Er ordnet Tag und Nacht und teilt die Zeiten ein, Er ruft den Wolken zu hoch in den luft'gen Höhen, Er sendet Regen her und hellen Sonnenschein. Jm Donner redet er mit uns und sendet Blitze, Der Bach schwillt an zum Strom und überschwemmt das Land, Der Blitz berührt im Nu der Häuser höchste Spitze, Verzehrend wälzt sich fort der ungeheuere Brand. Gott stürzet Häuser um durch Wasser und durch Flammen, Wenn er uns strafen will für unser Sünden Schuld. Es sinken Stadt und Dorf in Asch und Schutt zusammen, Wenn er sein Antlitz uns verbirgt und seine Huld. Der Wächter wacht umsonst, wenn Gott den Ort nicht hütet, Wenn er nicht baut, so baut der Zimmermann umsonst. An Gottes Segen liegt's und geht's, wie er's gebietet, Drum flehen heute wir um seine Gnad' und Gunst. Da also Gott durch uns dies Haus hat aufgerichtet, Und ich hier oben kann auf seinem Gipfel steh'n, So ist es an der Zeit, daß man auch Wünsche dichtet, Die zu dem großen Gott hinauf zum Himmel geh'n. Er schütte seine Gnad' und reichen Vatersegen Von seinem Himmelszelt auf dieses Haus herab Als einen Himmelstau, als einen Silberregen; Er sei des Bauherrn Schild und Schirm und fester Stab. Und jedem, der im Haus pflegt aus- und einzugehen, Geb er des Glückes viel und seinen guten Geist, Der den Besitzer führt, daß Engel ihn umstehen, Wenn er zu Hause ist und in die Ferne reist. Wenn er zu Bette geht und wenn er früh erwacht, Wenn er in dem Beruf sein Brot im Schweiß empfäht; Kurz, was er denkt und tut und redet, was er macht, Das alles segne Gott, daß es von statten geht. Vivat hoch, hoch, hoch!" Friedberger FrühjahrsPferdemarkt findet Dienstag den 28. Februar und Mittwoch deu 1. März 1911 statt. Dienstag den 28. Februar findet Prämiierung selbstgezüchtet. Fohlen statt und werden hierzu von dem Landes Pferdezuchtverein, dem Landw.- Kammer- Ausschuß, dem Pferdemarkt- Komitee und der Stadt Friedberg ansehnliche Beträge bewilligt. D Mittwoch den 1. März Vieh- und Krämer- Markt. Zur Benutzung unserer Pferdeställe wolle man sich rechtzeitig an das unterzeichnete Komitee wenden. Futter und Streu wird zu ermäßigten Preisen abgegeben. Am 1. März, nachmittags 4 Uhr, Verlosung von 6 schönen Arbeits- Pferden ( auf dem Markte angekauft) sowie von sonstigen Haus- u. landw. Gegenständen, im ganzen 200 Ge winne. Lose à 1 Mk. sind zu beziehen durch die Herren J. Hirsch u. Wilh. Trapp in Friedberg. Das Pferdemarkt Komitee. Ia. Torfmull, 100 k- Ballen M. 3.20 Nachn. Torf streu, Wagg. frco. bill. Kalisilikat- Peru Guano Füllhorn- Marke. Melasse- Torfmehl- Futter" 75 kg Sack M. 7.-. N. Kett, Eltville a. Rb. Für Vielfach haben sich diese Reden überlebt, die jünge ren Zimmerleute halten sie nicht mehr, nur die älteren. Den Neubau mit einem mit bunten Bändern oder Papierstreifen versehenen Tannenbäumchen zu schmücken, Zur ist nicht nur hier, sondern auch sonstwo üblich. Feier des„ Bauhewetages" wird dem Bier und Schnaps schon am Vormittag tüchtig zugesprochen. Das Mittag= essen ist sehr einfach, es besteht nur aus Reisbrei. Nachmittags gibt's Raffee und Kuchen, abends Suppe und Fleisch mit Gemüse. Bis spät in die Nacht hinein wird noch gezecht und gesungen. Auch beim Grundmauer= 300 lederne Teppichgurten legen gibt's eine kleine Feier. Alle Nachbarn und Bekannte fahren unentgeltlich je einen Wagen voll Steine. 500 Der Dank besteht in einem gemeinsamen Adendessen. Holzverkäufe u. Versteigerung. Bürgermeisterei Langsdorf: Freitag, 17. Februar, im Gemeindewald. Zusammenkunft am Bahnüber gang auf der Straße nach Nonnenroth. Bürgermeisterei Be uern: Freitag, den 17. Februar, in den Distrikten Kleetrisch und Mark. 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