sses orner esse 2 Uhr eingelade Kürze d schuss. el chäft ephon 828 tungen. Fache lack Matratze alter Polster reeller fach stermöbel Neu! h geschützt d Back schine sehen! Hey, Kessel and miede rferstr.128/ 13 fabri Kaiser- Wilhel Passage gshaus str.129 tergültigen fachster bis ng bildungen leidung Volle nwolle liegen anleitung be gratis M Sportkleidung Kinder! ockengar die billigsten or der Anneige gear a- Bahrenfeld Kreuzplay, u b. Serm. E tel Obst-, che! brikanten berühmten da famil. in Gie Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen olerteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 61. - Telephon: Nr. 362. Reichstagswahlvorbereitungen. Vertrauensmänner- Versammlung der christlich: fozialen Partei. Wetzlar, 13. März 1911. Es war eine imposante Versammlung, welche gestern nachmittag im„ Römischen Kaiser" tagte. An 200 Personen aus vielen Ortschaften des Wahlkreises WetzlarAltenkirchen waren herbeigeeilt, um Stellung zu nehmen gegen die Agitation unserer Gegner und zu den Vorgängen im„ Weklarer Anzeiger". Nachdem die Versammlung mit einem Kaiserhoch durch den Vorsitzenden Wilhelm Schmidt- Azzbach eröffnet worden war, beleuchtete Generalsekretär Wallbaum- Bielefeld in 1½ stündiger Rede die Kampfesweise des Liberalis= mus, wie er die unglaublichsten Verdächtigungen gegen den Abg. Behrens ausgestreut habe, um den bewährten Parlamentarier bei seinen Wählern in Mißkredit zu bringen. So soll Behrens für die Zündholz- und Tabaksteuer und für die Erhöhung des Kaffeezolles gestimmt haben. Das ist selbstverständlich unwahr. Das erhellt nicht nur aus den amtlichen Abstimmungen, sondern auch aus folgendem Schreiben, welches auf Ersuchen einem Gemeindevorsteher aus dem Reichstage zugegangen war und in dem es wörtlich heißt: Auf das gefällige Schreiben vom 2. d. Mts. teile ich Ihnen ergebenst mit, daß der Herr Abgeordnete Behrens in der 269. Plenarsizung vom 24. Juni 1909 bei der namentlichen Abstimmung über Art. 1§ 9a des Entwurfs eines Gesetzes wegen Aenderung des Der Erbschaftssteuergesetzes mit" Ja" gestimmt hat. Herr Abgeordnete hat ferner in der 280. Plenarsizung vom 10. Juli 1909 bei der namentlichen Abstimmung über§ 1 des Art. 4 des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend Aenderungen im Finanzwesen nach den Beschlüssen 2. Beratung) mit dem Zusazan trage Dr. Roesice u. Gen. mit„ Nein", also gegen die Erhöhung des Kaffeezolles auf 60 bezw. 85 M., ferner bei der Abstimmung über den§ 2 des genannten Artikels 4 mit„ Ja“, also für die Erhöhung des Bollsages für Tee von 25 Mt. auf 100 Mk., endlich bei der Abstimmung über§ 1 des Art. 6 des ge= nannten Gesetzes mit„ Nein", also gegen die Einführung der Zündwarensteuer gestimmt. Der Direktor beim Reichstag. Jungheim. In der letzten Zeit hat man nun einen anderen Trick erfunden. Man sagt:„ Wenn Behrens auch nicht gegen diese angegebenen Steuern gestimmt hat, so hat doch die Finanzreform diese unpopulären Steuern dem Volke aufgehalst. Behrens hat aber für die Finanzreform gestimmt, folglich ist er mitschuldig". So soll auch Herr Leitz in der Hörnsheimer Versammlung, auf die wir in einer der nächsten Nummern noch ausführlicher zurückkommen werden, argumentiert haben. Der Referent beleuchtete auch die Arbeit unseres Abgeordneten Behrens im Reichstag, wie er sich redlich abmühe für das Wohl seines Wahlkreises zu sorgen. Mit einem warmen Appell, die christlich- soziale Sache hochzuhalten, schloß der Referent seine interessanten Ausführungen. Der Vorsitzende Schmidt- Atzbach ergänzt in einigen Punkten die Ausführungen und schlägt folgende Resolution vor: ,, Die heute am 12. März 1911 im„ Römischen Kaiser" zu Wetzlar tagende Vertrauensmänner- Versamm lung der christlich- sozialen Partei spricht unserem Reichstagsabgeordneten Behrens für seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit als Reichstagsabgeordneter und besonders für seine Mitarbeit an der für unser Volk und Vaterland so dringend notwendige Reichsfinanzreform den herzlichsten Dank aus. Wir verurteilen aufs schärfste die falsche und unzutreffende Agitation unserer linksstehenden Gegner ge= gen Herrn Behrens, der nach den Grundsätzen der den christl.- soz. Partei sich zur Aufgabe gestellt hat, wirtschaftlichen Frieden zu fördern und ganz besonders für die Interessen der Landwirtschaft, des kleinen Mannes und des Mittelstandes einzutreten. Wir bedauern lebhaft, daß auch von den DeutschKonservativen Herrn Behrens ein Reichstagskandidat gegengestellt worden ist, was die gemeinsamen Interessen der rechtsstehenden Parteien schwer schädigen wird und nur den Gegnern zugute kommt. Weiter bedauern wir, daß auch die Vertrauens= männer des B. d. L. in Wetzlar- Altenkirchen sich für den konservativen Kandidaten erklärt haben, mehr als nicht allein Herr Behrens, sondern auch viele christlich- soziale Wähler Mitglieder des B. d. L. umso der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag den 13. März 1911 splitterung und Unzufriedenheit hervorgerufen werden wird. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. daten gehen ab, 5 verbleiben. Zu diesen 5 kommen Studierende. Wir bringen auch fernerhin Herrn Behrens unser * Vom Vogelsberg, 3. März. Ein größeres volles Vertrauen entgegen und werden, soviel in unGruppenwasserwerk ist im Entstehen begriffen. Die Orte seren Kräften steht, ein jeder an seinem Teil dazu bei- Meiches, Dirlammen und Frischborn haben schon ihre tragen, daß Herr Behrens bei der nächsten Reichs= tagswahl wiedergewählt wird." * Diese Resolution wird einstimmi g'angenommen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 13. März Gießen. In einem Arbeitsraum der HassiaWerke fand am Samstag eine. Benzin- Explo= sion statt. Der Arbeiter Mähler aus Klein- Linden erlitt dabei schwerere Brandwunden. * Gießen. Nach dem Jahresbericht der hessischen Handwerkskammer ist die Zahl der Gesellenprüfungsausschüsse auf 173 angewachsen. Auf Ortsgewerbevereine verteilen sich hiervon 103, auf Innungen 64, auf die Handwerkskammer sechs Gesellenprüfungsausschüsse. Die Gesellenprüfungen haben sich von 1902 bis 1909 von 1306 auf 2266 im Jahr vermehrt. Die Entwickelung der Meisterprüfungen ist ebenfalls eine gute. 1902 be= standen 112, im Jahre 1909 334 Meister. Nach den Prüfungsnoten werden unzureichende Leistungen, auch im theoretischen Teil, immer seltener. Die Leistungen der Handwerkskammer bezüglich des gemeinsamen Einkaufs von Maschinen, Werkzeugen und aller Materialien sind ebenfalls vorzügliche. Zu diesem Zweck wurde eine Zentralgenossenschaft hessischer Handwerker gegründet. Dieselbe verfügt über ein Kapital von rund 200 000 M. und gestattet den Handwerkern Ratenzahlungen. * Gießen, 13. März. Bei der Prämiierung zur Landes- Geflügelausstellung für das Großherzogtum Hessen erhielt der Züchter Rübsamen von hier den Großherzog gestifteten Ehrenpreis auf weiße Wyandottes. vom Teilnahme am Werk beschlossen, Storndorf steht noch mit seinem endgültigen Beschlusse aus. Vadenrod baut gegenwärtig ein eigenes Werk. Den gemeinsamen Wasserbezug planen auch die Orte Nösberts, Vaitshain und Weidmoos. Sie wollen sich an das Wasserwerk Grebenhain anschließen. Vom Westerwalde. Bei einer außerordentlichen Revision der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaftskasse in Langendernbach sind jahrelange Unregelmäßigkeiten und Schiebungen des Rechners aufgedeckt worden. Bis jetzt ist ein Defizit von nahezu einer halben Million festgestellt worden. Soziales. Steinarbeiter und deutsch schwedischer Handelsvertrag. war Der bevorstehende Neuabschluß des deutsch- schwedischen Handelsvertrages hat in der Pflastersteinindustrie eine lebhafte Bewegung hervorgerufen. Der im Zolltarifgesetz vor 1902 vorgesehene 3oll auf Pflastersteine beim letzten Abschluß des Handelsvertrages mit Schweden 1906 völlig außer Wirksamkeit gesetzt worden. Dank der günstigen geographischen Lage der schwedischen Steinbrüche am Meer und den billigen Wasserfrachten stieg seit dieser Zeit die Jahres- Einfuhr schwedischer Pflastersteine bis 1907 auf 500 689 Tonnen im Wert von 10 Millionen Mark. Selbst in der Periode der allgemeinen Absatzstockungen 1907-08, während welcher bedeutende deutsche Pflastersteingebiete kaum drei Viertel ihrer Erzeugung absetzen konnten, ist die schwedische Einfuhr nun der 442 848 Tonnen erreicht. Die schwedischen Kampfum 7 Prozent zurückgeblieben und hat 1910 bereits wiepreise, die in absehbarer Zeit zu erwartende Fertigſtellung neuer, im Bau befindlicher Kanäle, das sich letzter Zeit bemerkbar machende Eingreifen der internationalen Hochfinanz in die schwedischen Betriebe, Anin * Gießen. Eine preisgekrönte Mitbürgerin! In dem Wettbewerb für französische Schüleraufsätze ist die Oberprimanerin uise Spoerer der Oberrealschule in Gießen mit einer Reise nach Paris prämiiert worden. Es handelt sich um den Wettbewerb, den die inwendung der modernsten technischen Hilfsmittel 2c. lassen eine weitere rapide Ausdehnung der Pflasterstein- EinBerlin erscheinende französische Zeitung„ Journal d'Allemagne", mit dem„ Komitee für internationalen Schüler- fuhr erwarten. austausch" veranstaltet hat und bei dem die 50 besten Arbeiten mit einer kostenlosen Reise nach Paris belohnt wurden. Die Beteiligung war eine sehr große, denn es waren über 3000 Arbeiten eingegangen. Wir wünschen unserer jungen Mitbürgerin eine recht gnügte Osterreise. ver= Diese Entwickelung ist nicht allein für die Industrie, sondern namentlich auch für die Tausende von Arbeitern äußerst bedenklich. Schon jetzt werden immer mehr Betriebe wegen Mangel an Absatz stillgelegt. Wenn die Pflastersteinindustrie beim bevorstehenden Vertragsabschluß mit Schweden wiederum keinen Schutz in Form eines ausreichenden Zolles erhält, erscheinen umfang *) Gießen, 13. März. Ein hiesiger junger Mann, reiche Betriebseinstellungen unvermeidlich. Trotz dieser der so schon nervös ist, wurde durch seine kürzlich folgte Ziehung zur Infanterie noch mehr niedergeschla- schwierigen Situation hat der sozialdemokratische Steinarbeiterverband aus parteipolitischen Gründen gegen den gen. In einer heute früh angekommenen geistigen Depression sprang er aus seinem im 2. Stock gelegeneno notwendigen Schutz der Steinindustrie Stellung genommen und trägt so nun der sozialdemokratischen Par3immer auf die Straße. Die Verletzungen sind nicht schwer. - er= Wetzlar, 13. März. Der Evangelische Bund, Zweigverein Wetzlar, hielt gestern abend im Schützen= garten einen Familien- Abend ab. Pfarrer Schröder- Aß lar hielt einen interessanten Vortrag über„ Szenen aus Luthers Leben“. Das gesprochene Wort fand eine treff liche Ergänzung durch zwei mimische Darstellungen: ,, Luther in Oppenheim“ und„ Frau Holles Spinnabend". Wetzlar, 11. März. Heute Abend findet die Hauptversammlung des Wetzlarer Zweigvereins des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins statt. Wiesbaden, 11. März. Auf dem hiesigen Schlacht- und Viehhof wurde bei einem Rind die Maulund Klauenseuche festgestellt. Der Abtrieb des auf dem Markt befindlichen Viehes war infolgedessen heute verboten. Auch mußte das ganze aufgetriebene Vieh im Laufe des Tages abgeschlachtet werden. -w- Azzbach, 12. März. Das 6. Bundesturnfest des mit Lahn- Dünsberg- Turnerbundes findet, verbunden Fahnenweihe des Turnverein„ Gut Heil" am 1., 2. und 3. Juli hier statt. Friedberg. In der nächsten Zeit wird mit dem Bahnhofsneubau begonnen. Gleichzeitig wird eine Verbesserung der Bahnstrecke von Gießen nach Friedberg vorgenommen werden. Für die Arbeiten sind 740 000 Rubikmeter Erde erforderlich. Hiervon hat der Unternehmer vertraglich 200 000 Rubikme ter zu beschaffen. Diese Erdmassen werden von Unternehmer aus der Gegend des Ossenheimer Wäld= chens herbeigebracht. Der Rest wird von der Eisenbahnverwaltung geliefert werden. Die Kosten des Umbaues des Viadukts werden etwa 200 000 Mark betragen. Friedberg. Jm hiesigen Predigerseminar fin* dem sind und so auch in den Reihen des B. d. L. Zer det am 29. März die Entlassungsfeier statt. 11 Kanditeigrundsätze willen nach Kräften dazu bei, seine eigenen Mitglieder brotlos zu machen. Die im christlichen Keram und Steinarbeiterverband or= ganisierten Arbeiter haben sich nunmehr in einer Reihe von Versammlungen in den bedeutendsten Steinbruch= gebieten entschieden für die Einführung eines Pflasterſteinzolles ausgesprochen und ihren Wünschen in nachſtehender Resolution Ausdruck gegeben: „ Die zwecks Stellungnahme zur Frage des Pflastersteinzolles einberufene Versammlung christlich und nationaldenkender Steinarbeiter hält die Einführung eines ausreichenden Schutzzolles auf schwedische Pflastersteine für dringend geboten. Die Versammelten sind der Ueberzeugung, daß eine weitere zollfreie Masseneinfuhr schwedischer Pflastersteine die schwersten Schäden für die Industrie und namentlich für die Arbeiter zur Folge haben muß. Schon jetzt macht sich in vielen Pflastersteingebieten eine starke Abnahme der Arbeitsgelegenheit bemerkbar, die beim Abschluß eines neuen Handelsvertrages, ohne den notwendigen Zollschutz, noch ungleich schärfer in Erscheinung treten wird. Da in den meisten Steinbruchgebieten andere Arbeitsgelegenheit nicht vorhanden ist, andererseits aber der Besitz eines fleinen landwirtschaftlichen Anwesens die Abwanderung nach anderen Gegenden außerordentlich erschwert, erblicken die Steinarbeiter in der Frage ge= des Pflastersteinzolles eine Lebensfrage für die samte in den Steinbruchgebieten ansässige Bevölkerung. Die Versammelten geben darum der Erwartung Ausdruck, daß seitens der maßgebenden Stellen diese besonderen Verhältnisse der vielen Tausende von Pflastersteinarbeitern beim Abschluß des neuen schwedischen Handelsvertrages Berücksichtigung finden und der Industrie der so notwendige 3ollschuß gewährt wird!" Sturm im Keichstag. stürmischen Jahres 1848. Er stand 1866 im Felde gegen Preußen, das dem deutschen Süden wie ein mutwilliger Friedensstörer erscheinen mußte. Und er verschloß sich nicht grollend der Einsicht, daß dieser Bruderzwist notwen dig war, um die lang ersehnte deutsche Einheit herbeizuführen. Als vier Jahre später alle deutschen Stämme Schulter an Schulter gegen Frankreich auszogen, schloß er sich dem königlichen Oberfeldherrn an, und er war es, aus dessen Hand Wilhelm I. in Versailles den Brief empfing, durch den Ludwig II. von Bayern Preußens siegreichen König aufforderte, sich die Katserkrone aufs Haupt zu setzen. Auf die erste Seite des Werkes, das dem Prinzregenten zu seinem 90. Geburtstage von den deutschen Fürsten gewid= met ist, hat Kaiser Wilhelm II. den Spruch geschrieben: ,, Alle Zeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit!" Der gleiche Gedanken hat den Prinzen Luitpold bei jeder seiner Handlungen geleitet, seitdem er berufen wurde, die Last der Regierungsgeschäfte auf seine Schultern zu nehmen. In der Sibung am Freitag kam es zu wilden Sturmund Lärmszenen, wie man sie seit den Tagen der ZolltarifTämpfe nicht erlebt hat. An die Stelle der Sachlichkeit und Ruhe, mit der bisher im allgemeinen die Etatsberatung verlaufen ist, war plötzlich eine Kampfstimmung getreten, deren Ursache wohl in dem bei allen Parteien gleichmäßig verbreiteten Wahlagitationsbedürfnis zu suchen ist. Den Anlaß gaben Resolutionen, in denen beantragt wurde, ge= gewissen Kategorien von Post beamten Vorteile zu ge= währen. Das Zentrum hatte einen Antrag eingebracht, daß die vor dem 1. Januar 1900 in Dienst getretenen Postassistenten usw. nach 24jähriger etatsmäßiger Dienstzeit eine persönliche Zulage von 300 Mart erhalten und die nicht etatsmäßigen Unterbeamten der Reichspost die Klasse der Landbriefträger ausgenommen nach zehnjähriger Dienstzeit etatsmäßig angestellt werden. Ferner lag eine von der Budgetkommission beantragte Resolution vor, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei den verbündeten Regterungen dahin zu wirken, daß den Oberpost- und Telegraphenassiftenten, sowie den Vorstehern der Postämter 3, welche vor. dem 1. Januar 1900 in den Dienst der Reichspost- und Telegraphenverwaltung eingetreten sind, soweit sie 3 Jahre lang in dem Genusse des Höchstgehaltes gewesen sind, eine persönliche Zulage von 300 Mart gewährt werde. Um nun zu verhindern, daß das Zentrum mit seinem Antrag einen weiteren Vorsprung erreiche, nahmen die Nationalliberalen und Freisinnigen die Resolution der Budgetkommission als eigenen Antrag auf. Zur Geschäftsordnung erhob nun der Abg. Freiherr von Gamp als Vorsitzender der Budgetkommission Widerspruch dagegen, daß dieser von den Parteien gestellte Antrag, da er noch nicht drei Tage gedruckt vorliege, zur Abstimmung gebracht werde; er nannte das Vorgehen unerhört. Bediente sich schon dieser Redner starker Ausdrücke, so überboten ihn darin noch andere Redner, die sich an der nun folgenden fünfviertelstündigen Geschäftsordnungsdebatte beteiligten. Es fielen Worte wie„ illoyal", unlauterer Wettbewerb", und es hagelte persönliche Anzapfungen, wobei die Rechte mit dem Zentrum und die Linke abwechselnd sich in andauernden, lärmenden Kundgebungen der Zustimmung und des Widerspruchs ergingen. Nachdem der Sturm, wie erwähnt, mehr als eine Stunde getobt hatte, kam man schließlich auf den einfachen Ausweg, auch die Resolution der Budgetkommission, die mit dem Antrag der Nationalliberalen und Freisinnigen identisch ist, zusammen zur Abstimmung zu bringen. Das Ergebnis war folgendes: Die Zentrumsresolution wurde in einfacher Abstimmung abgelehnt. Der Antrag der Budgetkommission wurde in namentlicher Abstimmung mit 255 gegen 55 Stimmen angenommen und dadurch zugleich der Antrag der liberalen Parteien erledigt. die am Freitag stattfand, liegt folgendes vorläufige Resultat vor: Werner( Wirtsch. Vg.) 8184, Gisevius( ntl.) 2569, Korell( freis.) 5050, Bedmann( S03.) 7742 Stims men. Es ist also Stichwahl zwischen Werner und Bedmann erforderlich. Die Nachwahl war durch den Tod des deutschsozialen Abg. Köhler- Langsdorf nötig gewor den. Bei der Hauptwahl im Jahre 1907 erhielt Köhler 9017, der Nationalliberale 7484 und der Sozialdemokrat 6396 Stimmen. Köhler siegte dann in der Stichwahl mit 11 543 gegen 10 575 Stimmen. 000 Meter von 3-4 Hefe Ja malen lagern zu Durch gloffen w Arbeiter. batten, fon Sie waren Gin ra ibn getade fiffeln a einet tiefe Ohr vom Das#t ritnefocher Gefolge ge fraße in 2 nad, ohne füde der hatte, finge Ten Brand Durch gerieten in die Kleider ben wurde Mutter erh Deutschland und die merikanische Revolution. Gegen über einer Meldung, daß Deutschland für den Fall der Bedrohung deutscher Interessen in Merito die nötigen Maßregeln ergreisen würde, bemerkt ein offiziöses Bere liner Telegramm der„ Kölnischen Zeitung", daß bisher teinerlei Nachrichten vorliegen, daß Leben oder Eigentum deutscher Staatsbürger in Mexiko bedroht sei. Wenn dies eintreten sollte, würde Deutschland von seinem klaren und auch von den Vereinigten Staaten stets rückhaltslos anerkannten Rechte Gebrauch machen und Kriegsschiffe dorta hin entsenden. Aber selbst wenn die jetzigen Unruhen zu einer vollständigen Umwälzung der mexikanischen Verhältnisse führen sollten und selbst, wenn die Vereinigten Staaten von Nordamerika von Mexiko um Einverleibung ge= beten werden sollten, oder wenn die Vereinigten Staaten diese Einverleibung gegen den Willen der Mexikaner vornähmen, würde Deutschland sicher nicht der Don Quichote sein, der bei dieser Gelegenheit vom Leder zöge. Solches Schicksal hätte ihm in seiner Jugend niemand vorausgesagt. Denn aus der Ehe seiner Eltern, des Königs Ludwig I. von Bayern und der Königin Therese, einer geborenen Prinzessin von Sachsen- Altenburg, waren vier Söhne hervorgegangen, von denen zwei, König Maximilian II. von Bayern und König Otto von Griechenland, älter waren als er. Deshalb wurde er für den Soldatenberuf bestimmt. Doch ließ sein Vater ihm dennoch eine allge= meinere Ausbildung erteilen. Der Garnisondienst war es nicht allein, der den jungen Prinzen Luitpold beschäftigte. König Ludwig I., der das klassische Altertum so leidenschaftlich liebte, ließ seinen Sohn weite Reisen unternehmen, nach Italien und Griechenland, nach der Türkei und Ae= gypten, nach Spanien und Portugal. Auf einer dieser Reisen lernte er seine fünftige Gemahlin, die am 15. April 1825 geborene Prinzessin Auguste, die Tochter des Großherzogs Leopold II. von Toskana, kennen. Am 15. April 1844 fand die Hochzeit zu Florenz statt, und zwanzig Jahre, bis zu dem am 26. April 1864 erfolgten Tode der Prinzessin währte dieser glückliche, zu keiner Stunde getrübte Bund, dem vier Kinder, die Prinzen Ludwig, Leopold, Arnulf und die Prinzessin Therese, entsprossen sind. Auch dem Staatsbetriebe blieb der Prinz nicht fern. Die großjährigen bayrischen Prinzen haben Sitz und Stimme in der Kammer der Reichsräte, und Prinz Luitpold nahm an deren Verhandlungen gewissenhaft Anteil. Oft übertrug sein Bruder, der König Max, ihm den Vorsitz im Staatsrat und auch sein Neffe, König Ludwig II., beauftragte ihn häufig mit seiner Vertretung bei wichtigen Anlässen. In gewohnter Ruhe spann sich sodann die zweite Be= ratung des Postetats weiter. Für die sozialdemokratische Resolution, die eine Revision des Beamtenbesoldungsgesetzes zugunsten der Unterbeamten wollte, stimmte trotz der Warnung des Reichsschatzsekretärs auch die bürgerliche Linke, so daß 139 Stimmen zusammenkamen; auf der andern Seite stand freilich die Mehrheit mit 162. Annahme fand dagegen die Resolution der Volkspartei, die eine Ausgleichung der unbeabsichtigten Härten, die sich bei der Besoldungsregelung ergeben haben, verlangte. Die Ostmar fenzulagen wurden mit der alten nationalen Mehrheit, zu der ein Teil des Fortschritts hinzutrat, bewilligt. Die Postverhältnisse an bestimmten Orten, das weibliche Personal, die Postagenten, das Genesungsheim der Postbeamtenvereine Tarifwünsche und Arbeiterausschüsse waren Ge= genstand der weiteren Erörterung. Der Staatssekretär teilte u. a. mit, es würden in Samoa, Neu- Guinea und Yap Funkenstationen errichtet werden. Es gelang dann, den Postetat zu erledigen. Am Sonnabend beginnt die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern. Prinzregent Luitpold von Bayern. Hier ist nicht der Plab, zu schildern, wie gewissenhaft er seines Amtes fast ein Vierteljahrhundert lang waltete. Er hat sich immer nur als den Stellvertreter, nie als den Träger der königlichen Gewalt betrachtet und sein Bestreben war ständig dahin gerichtet, das ihm anvertraute Gut, Banerns Wohlfahrt, nach bestem Wissen und können zu fördern, doch niemals seine eigene Person in den Vordergrund zu stellen. Jede Anregung der öffentlichen Meinung, daß er den Königstitel annehmen möchte. erfuhr eine schnelle und scharfe Abweisung. Er hatte es anfangs nicht ganz leicht, die Anhänglichkeit der großen Massen zu gewinnen, dazu war der Unterschied zwischen der schon zu Lebzeiten sogenumflossenen glänzenden Gestalt Ludwigs II. und der einfachen, biederen Männlichkeit seines Dheims allzubedeutend. Aber sein hohes Gerechtigkeitsgefühl, sein nie versiechendes Wohlwollen und die Lauterfeit seines Cha= rafters gewannen ihm nach und nach alle Herzen. Wie ist ihm an seinem 80. Geburtstage begeistert gehuldigt worden! Zu seinem 90. Geburtstage am 12. März. Klingt es in unserer hastigen, heute schon das gestern vergessenden Zeit nicht wie ein Märchen, daß unter uns, an Körper, Geist und Seele ungebrochen, ein Mann ist, der zur Welt fam, als Napoleon noch lebte und Goethe auf der Höhe seines Ruhmes stand? Daß die Regierung des zweitmächtigsten deutschen Bundesstaates in den Händen eines Fürsten liegt, der in der Schar der Leidtragenden schritt, als man vor mehr als einem Menschenalter den Vater des ersten deutschen Kaisers zur letzten Ruhe beisetzte? Der Wunsch des Kaisers, den greisen Verbündeten und Freund an der Spitze aller übrigen deutschen Souveräne am 12. März zu beglückwünschen, wird unerfüllt bleiben müssen. Aber weit über die Grenzen Bayerns hinaus wird man an diese mTage mit Ehrfurcht und Achtung seiner gedenken. Er ist wie ein lebendiges Bindeglied zwischen der deutschen Vergangenheit und Gegenwart. Denn wenn wir auf sein Leben zurückblicken, so wird das gerade in unseren Tagen wahrlich nicht unnötige Bewußtsein in uns erweckt, welche Wandlungen Deutschland in dieser Spanne Zeit erfuhr und wie Großes erreicht ward. Prinz Luitpold, der am 12. März 1821 im Franfenlande, im alten Schlosse der Bischöfe von Würzburg, geboren wurde, sah die politische Ohnmacht des zerrissenen Deutschland. Er war Zeuge des 13) Das Familiengeheimnis. Ueber das deutsche Element in der Fremdenlegion in Algier berichtet der Pariser„ Matin" folgende Einzelheiten: Weber 1800 Deutsche seien in einem Regiment. Das zweite Regiment hat eine Stärke von 5700 Mann, davon find 1846 Deutsche. Von diesen ist nur ein ganz geringer Teil naturalisiert. Unter diesen 1846 befinden sich 300 Deserteure und unter diesen sind 200 Elsaß- Lothringer, die anderen hundert Deserteure stammen aus dem übrigen Deutschland. Diese Mannschaften hätten bei ihrem Eintritt in die Fremdenlegion erklärt, daß sie wegen Mißhandlungen(?), die sie bei ihren Regimentern erdulden mußten, desertiert seien. Die Deutschen bilden bei diesem Regiment 15 Prozent, die übrigen 85 Prozent setzen sich aus verschiedenen internationalen Elementen zusammen. Seitdem sind abermals zehn Jahre vergangen, zehn Jahre, in denen die Liebe und Treue seines Volkes ihre Wurzeln noch vertieft haben. Sie sind der schönste Lohn seines langen, in Pflichttreue vollbrachten Lebens! Roman von L. Walter. ( Nachdruck verboten.) ,, Man sagt, daß die Epidemie gräßlich wüte..." Wenn Sie das gewußt haben, hätten Sie der Stadt fern bleiben sollen... mir scheint, Sie sind vor Angst frant." " Rundschau vom Cage. Politisches. Aus Anlaß des 90. Geburtstages des bayerischen Brinzregenten hat der Kaiser eine Anzahl Ordensauszeich= nungen verliehen. U. a. erhielt der bayerische Gesandte in Berlin Graf Lerchenfeld den Schwarzen Adlerorden. Der Reichskanzler überreichte dem Grafen Freitag nachmittag persönlich die Insignien des Ordens. , Glauben Sie nicht, daß ich mich vor dem Tode fürchte; es fann ja niemand seinem Schicksale entgehen. Wie es dort oben bestimmt ist, so wird es." - Das Ergebnis der Volkszählung in Spanien hat man im ganzen Lande mit großer Spannung erwartet, da man infolge der jährlich zunehmenden Auswanderung verlassen Jahr aus Jahr ein 150-200 000 Personen ihr spanisches Vaterland sehr ungünstige Zahlen befürchtete. Diese sind nun doch besser ausgefallen, als man erwartete. Am 31. Dezember 1910 hatte Spanien 19 860 295 Einwohner, was in zehn Jahren einer Zunahme von 1039 828 Seelen gleichkommt. Da zweifellos die Volkszählungslisten manche Leute übersehen haben, so kann man wohl sagen, daß Spanien zurzeit von mehr als 20 Millionen Einwohnern bewohnt wird. Bei de lerpalais einige flei Samudgeg haben dürf geftört wo Kenntnis nehmen m Stoßende in dem e Reichstanz gemacht ha fentiert. das Ausw nommen u der verlas es innert an fchen Gefa sonen der Verha Grund ein befehls, de erfchien& wachsenen halten, ein ten. Da c beide Schm des Rechts rettors eir legung der Die republikanische Regierung in Portugal will gegenüber dem Klerus Milde walten lassen. Sie hat dem abgesetzten Bischof von Oporto mit Rücksicht auf seine in den Kolonien geleisteten Dienste und seine persönlichen Charaktereigenschaften ein Ruhegehalt bewilligt. Die Regierung wird auch gegen die Priester, die sich durch ihren Gehorsam gegen die Bischöfe zu den Gesezen in Widerspruch gesetzt hatten, Nachsicht üben. Eine Verschmelzung der Herzogtümer Koburg und Gotha? Im gemeinschaftlichen Landtag der Herzogtümer Koburg und Gotha wurde am Freitag vom Vorsitzenden des Koburger Speziallandtages folgender Antrag einge= bracht, der einstimmige Annahme fand:„ Der Landtag ersucht die Staatsregierung, darüber Erhebungen anzustellen, inwieweit die durch die Ausführung der reichsgesetzlichen Bestimmungen erwachsenen Aufgaben zur Herstellung der vollen finanziellen Gemeinschaft der beiden Herzogtümer führen können, und wie sich durch eine solche Gemeinschaft die Verhältnisse der beiden Herzogtümer gestalten." Sollte durch den Antrag eine Gemeinschaft in finanzieller Hinsicht erzielt werden, so würde die Folge ein vollständiger Zusammenschluß der beiden Herzogtümer sein. Ganz recht. Dieser Glaube an die Vorsehung, so löblich er auch sein mag, entbindet übrigens den Menschen von der Vorsicht noch nicht, die zu beachten ihm der Verstand rät." „ Ich wollte nur eine Nacht in der Stadt bleiben." „ Das war unversichtig. Wer so glücklich situiert ist, daß er seinen Aufenthaltsort nach Belieben wählen kann, Jollte der Gefahr fern bleiben. Doch es ist nußlos, über diesen Punkt zu sprechen. Als Hausarzt wollte ich Ihnen nur meine Mißbiliigung zu erkennen geben..." ,, Sie haben ganz Recht, Herr Doktor, denn Sie sind ja auch unser Freund, wie Sie bereits mehr als einmal bewiesen." Und ich werde es auch ferner sein." ,, Doktor," fragte besorgt die junge Frau, werde ich morgen reisen founen?" „ Morgen?" Ueber die Reichstagserfahwahl in Gießen- Grünberg, spieligsten... Sie wissen, wir sind reich... Sorgen Sie, daß ich reisen tann." " Ich möchte die Stadt wieder verlassen, meines Mannes wegen, den die Angst tötet und der doch nicht von mir weichen will." , Weil er Sie liebt, weil er sie anbetet." Cäcilie seufzte tief und schwer. ,, Ach ja, Wilhelm hängt mit ganzer Seele an mir... Kann ich morgen mit ihm reisen?" ,, Vielleicht." " Ich werde alles aufbieten..." ,, D, wie gut sind Sie!" " Aber ich kann nur dann die Erlaubnis zur Reise erteilen, wenn es ohne Gefahr für Sie geschehen kann." Der Arzt schrieb ein Rezept, schickte den Diener ab, rief die Kammerfrau und erteilte Verordnungen, deren pünktlichste Ausführung er zur Pflicht machte. " Doktor wenden Sie alle Mittel an, selbst die kost= Kleine Nachrichten. Ueber das Befinden des Prinzen Adalbert von Prens ßen, der, wie gemeldet, an einer Blinddarmentzündung erfranft ist, ist gestern folgender Krankheitsbericht veröffentlicht worden: Das Allgemeinbefinden des Prinzen ist den Umständen nach durchaus zufriedenstellend. Es steht zu er= warten, daß die Krankheit einen regelmäßigen Verlauf nimmt und eine operative Behandlung nicht erforderlich sein wird. Nach der ganzen Art der Erkrankung wird an genommen, daß der Prinz in etwa zehn Tagen das Bett wird verlassen können. Wilhelm Junker stand an dem Bette seiner Gattin. „ Hast Du Furcht vor mir?" fragte sie schmerzlich lä,, Nein, o nein!" chelnd. Er wollte ihre Hand ergreifen, sie zog sie hastig ,, Laß mich, laß mich, Wilhelm..." ,,, warum denn?" zurück. Die Kaiserflottille in Venedig. Die Jacht„ Hohenzol lern" und das Begleitboot Sleipner" ankern bereits im Hafen von Venedig um ihre Vorbereitungen für die Mittelmeerfahrt des Kaisers zu treffen. Der Begleitkreuzer " Königsberg" wird gegen Mitte März in Venedig eintreffen, da das Schiff erst am 8. d. M. Kiel auf der Ausreise verließ. " Ich kann es nicht dulden, daß Du Dich der Gefahr der Ansteckung aussehest. Du atmest mit mir dieselbe Luft ein, wohnst mit mir in denselben Zimmern... schon dies macht mich besorgt... Wilhelm, ich verlange einen Dienst von Dir." Der älteste deutsche Briefträger, der im 84. Lebensjahre stehende Briefträger Dvering vom Postamt 39 zu Berlin, ist jetzt in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Er war während seiner 33jährigen Dienstzeit Doering trat erst im Alter von 50 Jahren bei der Post ein das Muster eines treuen und fleißigen Unterbeamten; den nicht leichten Dienst tat er bis zuletzt troß seines hohen Alters stets mit größter Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit. „ Mit Freuden erfülle ich alles, was Du willst." So reise allein, wenn ich Dich nicht begleiten kann! Du kennst die Gefahr..." Wilhelm warf sich auf die Knie nieder, ergriff ungestüm die Hand der Kranken und rief leidenschaftlich: Die im Ban begriffene Jungfraubahn hat bis zur letzten Station Jungfraujoch( 3450 Meter Meereshöhe) noch ,, Ohne Dich soll ich reisen? Dich soll ich frank zurüdlassen? Und wäre es mein Tod, ich weiche nicht von Deinem Lager. Das Leben ist nichts, wenn Du es nicht mit mir teilst! Ich will, ich kann nicht leben ohne Dich! Cäcilie, gib den Gedanken an eine Trennung auf Liebst Du mich aufrichtig?" fragte sie zärtlich. " Ach, Du weißt es ja." Dieser Gedanke machte sie schaudern; sie bedeckte mit beiden Händen das Gesicht. Der Gemahl brach in lautes Schluchzen aus. Genug!" rief der Arzt, der herantrat.„ Szenen dieser Art darf ich nicht dulden. Noch gebe ich der Hoffnung Raum, daß die Krankheit nicht ernstlich werde. Der leichten Fälle gibt es genug, die nach einigen Tagen vorübergehen, wenn rechtzeitig Hilfe geleistet wird... und dies ist hier geschehen. Folgen Sie mir, mein Freund, daß die Krante Ruhe gewinnen und die verordneten Mittel wirfen können. Ich kann sonst für nichts einstehen." " Nun so erhalte Dich dem Leben! Der Fall ist ja möglich, daß Du schwer erkrankst, während ich genese. Und bin ich nun gesund, suche ich Dich nun auf und finde Dich nicht..." Er zog den verzweifelten Gatten in das angrenzende Zimmer, wo dieser auf einen Sessel niedersant. Der Arzt, der ruhig, aber mit Energie verfuhr, trat noch einmal an das Bett. " Doktor!" flüsterte die Kranke. Wann besuchen Sie mich wieder?" ,, Da bin ich!" " „ In aller Frühe." Gut, recht gut. Ihren ersten Besuch statten Sie mir ab." ,, Gewiß, gewiß!" ,, Verbieten Sie Wilhelm, daß er mein Zimmer bes trete; ich werde ruhiger sein." ,, Cr wird nicht kommen." " Und dann sagen Sie mir ohne Rücksicht, wenn Gefahr vorhanden ist. Ich habe Anordnungen zu treffen, die von Wichtigkeit sind." Soll geschehen, verlassen Sie sich fest darauf." Der Arzt befand sich mit dem Gemahle allein. Die Tür des Krankenzimmers blieb geschlossen und eine dritte Person war nicht vorhanden, die die nun folgende Szene hätte belauschen können. Freilassun des Eing verhaftete ,, Doktor", rief der trostlose Gatte, mich hat ein schredliches Los betroffen: O, daß ich dem Andringen Cäciliens Gehör gegeben, daß ich ihr nicht einen unbeugsamen Wi derstand entgegengesetzt! Ich selbst muß mich nun an flagen.... ( Fortsetzung folgt.) wird ein Nach fuhr im T befizer Sa haftet wor in Lichten low und Androhund 5000 Mar in seinem affare, uni Pogez in etwa einer Dampfer, legen. 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Ein rabiater Pariser Kellner warf einem Kunden, der ihn getadelt hatte, drei große, mit Speisen gefüllte Zinkschüsseln an den Kopf, so daß der Herr blutüberströmt mit einer tiefen Wunde an der Schläfe und halb abgerissenem Ohr vom Stuhl sank. Der Kellner wurde verhaftet. Das unvorsichtige Umgehen mit einem brennenden Spirituskocher hat wieder einmal ein schweres Unglück im Gefolge gehabt. Die Witwe Piejoviak aus der Invalidenstraße in Berlin füllte in der Küche einen Spirituskocher nach, ohne vorher die Flamme zu löschen. Die Kleidungsstücke der Frau sowie ihres Kindes, das sie auf dem Arme hatte, fingen Feuer. Mutter und Kind wurden mit schweren Brandwunden nach dem Krankenhaus gebracht. Durch eine herabfallende Saallampe, die explodierte, gerieten in Radom in Russisch- Polen während eines Balles die Kleider zweier Tänzerinnen in Brand. Beide Mädchen wurden so schwer verletzt. daß sie alsbald starben. Die Mutter erhängte sich aus Gram über den Tod ihrer Kinder. Vermischtes. Bei dem gemeldeten Juwelendiebstahl im Reichstanzlerpalais entwendeten die Diebe aus einem Zimmer einige fleinere. der Schwägerin des Kanzlers gehörige Schmuckgegenstände, die einen Wert von vielleicht 2000 M haben dürften. Die Diebe sind bei ihrer Arbeit entweder gestört worden, oder sie haben doch nicht eine so genaue Kenntnis der Wohnungsverhältnisse gehabt, wie man annehmen mußte, denn sonst hätten sie sich sicher in das anstoßende Boudoir der Frau v. BethmannHollweg begeben, in dem ein Schmuck sich unverschlossen befand, den der Reichskanzler erst kürzlich seiner Gemahlin zum Geschenk gemacht hat, und der einen Wert von 160 000 Mark representiert. Wie festgestellt worden ist, haben die Diebe durch das Auswärtige Amt den Weg in das Kanzlerpalais genommen und es anscheinend auch auf demselben Wege wieder verlassen. Die Art der Ausführung des Diebstahls erinnert an ähnliche Diebstähle, die vor kurzem beim badischen Gesandten, dem Fürsten Dohna und anderen Personen der Hofgesellschaft ausgeführt worden sind. Verhaftung der Zwillingsschwestern Blazet. Auf Grund eines vom Berliner Landgericht ausgestellten Haftbefehls, den ein Schausteller aus Hannover erwirkt hatte, erschien Freitag früh in der Wohnung der zusammengewachsenen Schwestern, die sich gegenwärtig in Berlin aufhalten, ein Gerichtsvollzieher, um Rosa Blazek zu verhaften. Da er Rosa nicht allein verhaften konnte, nahm er beide Schwestern mit nach Moabit. Auf die Intervention des Rechtsbeistandes des in Mitleidenschaft gezogenen Direktors eines Berliner Panoptikums erfolgte nach Hinterlegung der strittigen Summe im Laufe des Vormittags die Freilassung der Zwillingsschwestern. Es soll nun wegen des Eingriffs in die persönliche Freiheit der unschuldig verhafteten Josepha Blazek Klage angestrengt werden. Das wird ein verwidelter Fall werden. Nach dem Muster der Lichtenrader Bombenleger verfuhr im Dorfe Pogez im Fürstentum Razeburg der Hof= besizer Harms, der jetzt wegen versuchter Erpressung verhaftet worden ist. Sechs Tage nach dem Bombenattentat in Lichtenrade gingen acht Bewohnern der Dörfer Caslow und Pogez anonyme Drohbriefe zu, in denen unter Androhung von Dynamitattentaten Geldsummen bis zu 5000 Mart gefordert wurden. Der Briefschreiber nahm in seinem Schreiben Bezug auf die Lichtenrader Erpresseraffäre, und einige Tage später wurde auf dem Wege nach Pogez in der Nähe des Anwesens von Harms eine Dynaetwa einen Tag früher in Neuyork ankommen, als der Dampfer, auf dem die beiden Verbrecher die Fahrt zurücklegen. Außerdem ist auch die Neuyorker Polizei telegraphisch von der Ankunft der Mörder verständigt worden, so daß ihr Entweichen bei der Landung ausgeschlossen er= scheint, auch wenn sie in der durch täglichen Funkspruch bedienten Schiffszeitung lesen, daß man ihnen auf der Spur ist. Schuljungen mit Revolver und Luftflinte. Ein Forstgehilfe erwischte im Walde bei Hohenstein- Ernstthal in Sachsen eine Anzahl Jungen, die sich durch Schießen mit einem sechsschüssigen Revolver die Zeit vertrieben. Die Bürschchen, die mit einer einzigen Ausnahme noch alle schulpflichtig waren, bildeten eine regelrechte Schießgesellschaft und waren im Besitz einer Luftflinte, eines Revolvers und der dazu gehörigen Munition. Mit ersterer schossen sie auf Spatzen, die jedoch nur meist verwundet und dann gequält wurden. Mit dem Revolver hätte der unvorsichtige Schüze beinahe einen anderen Knaben erschossen. Die Feststellungen ergaben, daß die vielversprechenden Früchtchen die nötigen Mittel in der Hauptsache von einem 11jährigen Knaben erhielten, der das Geld wiederum seiner Großmutter aus der Ladenkasse stahl. Für Waffenanfäufe hatten sie in letzter Zeit zirka 20 Mark ausgegeben, weitere 40 Mark dienten für Näschereien. Ein Protest der Gänse während einer„ Königskinder": Aufführung. Buchstäblich einen Skandal bei offener Szene provozierte am Montag bei einer„ Königskinder"-Aufführung im Halleschen Stadttheater die Gänseherde. Anstelle der sonstigen Darstellerin der„ Gänsemagd" gastierte bertretungsweise Frl. Merrem vom Leipziger Stadttheater. Als die Künstlerin die Szene betrat, protestierten jedoch die Gänse heftig gegen diese neue Hüterin und gingen ihr mit aller Energie zuleibe, so daß der Regisseur die Künstlerin nur mit großer Mühe vor den Angriffen der wütenden Tiere schützen konnte. Die Gänse verursachten dabei einen derartigen Lärm, daß im Orchester der Dirigent abklopfen mußte. Erst als die den Gänsen bekannten Darsteller des„ Holzhacker“ und„ Besenbinder" auf der Bühne erschienen, beruhigten sie sich etwas. Der Ausspruch von der„ dummen Gans" ist hier gründlich zuSchanden geworden. Ein Sturm auf die bayerischen Postämter. Unter ungeheurem Andrange des Publikums begann am Freitag bei den Postämtern der Verkauf der aus Anlaß des Geburtsfestes des Prinzregenten herausgegebenen neuen Postwertzeichen. Die neuen Postkarten, die nur in beschränkter Auflage herausgegeben werden, waren schon nach ganz furzer Zeit eine halbe bis eine Stunde auf sämt= lichen Postämtern ausverkauft und werden jetzt in den Privatgeschäften mit erheblichem Preisaufschlag weiterverfaust, obgleich Anordnungen von der Behörde getroffen waren, jedem Käufer nur bis zu 5 Stück auszuhändigen. Die Nachfrage nach Marken war nicht ganz so rege. Auf einem Bostamt war der Zudrang des Publikums so stark, daß drei Scheiben des Schiebefensters eingedrückt wur den, wobei ein Beamter durch Glassplitter erheblich am Auge verletzt wurde. Das neue Wunderkind. Aus Berlin schreibt man den 2. N. N.": Der kleine Wolfgang Korngold aus Wien ist in einer Matinee im Saale Bechstein vor einem eingeladenen Kreise von Fachmusikern und Musikfreunden erschie= nen und hat durch seine Leistungen als Komponist und Pianist gewaltiges Staunen und große Bewunderung er= regt. Der dreizehnjährige Komponist hat sein Klaviertrio, aus der Partitur auf das Klavier übertragen, wiedergegeben, dann eine Klaviersonate und einige Märchenstizzen, die bisher noch nicht im Druck erschienen sind, vorgetragen Der Junge soll in jeder Hinsicht eine Wundererscheinung sein. Ein Testament, das aus einem einzigen Worte besteht. In Toulouse starb vor einiger Zeit ein reicher Sonderling, und seine Erbin wurde eine Nichte, mit der er ewig in Unfrieden gelebt, weil diese Nichte gegen den Willen ihres Onkels zur fortschrittlichen Frauenpartei gehörte und sich verschiedene Freiheiten nahm, mit denen der Onkel nicht einverstanden war. Als er sein Ende herannahen fühlte, ließ er diese Nichte kommen und versicherte ihr, daß sein ganzer Besitz ihr gehöre, wenn sie ihn mit einem einzigen Worte umfassen könne. Zu dieser Schenkungsurkunde hatten sich auf Veranlassung des Erblassers acht Notare eingefunden, die Zeugen sein sollten. Das junge Mädchen stuzte einen Augenblick, machte dann eine umfassende Handbewegung und sagte:„ Mein" Der Kranke war verblüfft, lächelte aber und machte die gleiche Handbewegung, indem er sagte:„ Dein." Natürlich wollten andere Erben das Testament anfechten. Die acht Notare aber, die bei dieser Schenkung dabei waren, fonnten bezeugen. daß der Sonderling durchaus im Besize seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit gewesen ist. Und so wurde das junge Mädchen, das bisher in den dürftigsten Verhältnissen gelebt und das sich durch Erteilen von Privatstunden das Studium möglichte, die Besitzerin von fast zwei Millionen, einzig und allein durch ihre Geistesgegenwart. er= Eine Briefmarkenklebemaschine. Eine Maschine. die das lästige und in Geschäftsbetrieben mit großem Briefverkehr so sehr zeitraubende Markenkleben besorgt, ist jetzt auf den Markt gekommen. Den Namen ihres Erfinders fennt man allerdings nicht. So versichert wenigstens Professor Bellet, der im„ Kosmos" den neuen Apparat beschreibt; doch scheint es, daß dieser Wohltäter der Briefmarken kle= benden Menschheit ein Engländer ist, weil die Maschine aus England auf den Weltmarkt gebracht wird. Sie gleicht in Größe und Form einer kleinen Schreibmaschine und bleibt, nachdem sie genügend mit Marken beschickt" worden ist, in einem Gehäuse verschlossen, aus dem nur ein Knopf her= ausragt. Ihre Bedienung ist überaus einfach. Mit der einen Hand wird das Drücken und Loslassen des Knopfes besorgt, während die andere für das Auflegen der Brief= umschläge oder anderer Postsachen, die mit Marken versehen werden sollen, frei bleibt. Das Fortnehmen des franfterten Briefes besorgt die Maschine selbst, indem sie ihn nach rückwärts in einen Behälter wirft. Man soll imstande sein auf diese Weise ungefähr 4000 Marken in einer Stunde aufzukleben. Diese Angabe scheint nun freilich ein wenig hoch, denn es könnten dann etwa 67 Kuverts in einer Minute beklebt werden. Man wird aber auch eine Leistung von 1200 beflebten Kuverts in einer Stunde oder 20 in einer Minute für eine ganz anständige Arbeit erachten können, die bei der Massenabfertigung von Postsachen eine erhebliche Zeit- und Personalersparnis bedeutet. Die Maschine kann 50 000. Marfen, die in sechs Reihen geordnet werden, auf einmal aufnehmen. Bekommen wir demnächst heiße Tage? Ueber die mutmaßliche Frühjahrs- und Sommerwitterung äußerte sich dieser Tage Dr. Maurer, der Leiter der meteorologischen Anstalt in Zürich. Er bezeichnete es als eine merkwürdige Erscheinung in der Witterungsgeschichte, daß die Frühlings- und namentlich die Sommermonate der letzten fünf Jahre, von 1906 bis 1910, ein ganz bedenkliches Defizit an Wärme aufwiesen. Die auffällig starken Fehlbeträge in den mittleren Temperaturen der einzelnen Monate von April bis Juli, die oft zwei bis drei Grad erreichten, erweckten völlig den Eindruck, als ob wir uns in einer andauernden Kälteperiode befänden. Ungefähr diefelbe Erscheinung, aber weniger stark, zeigte sich in den Kühlwetterjahren 1886 bis 1890; noch viel mehr aber und in ähn= lichem Grade wie jetzt in der Zeit von 1836 bis 1845. Es hat sich aber noch stets gezeigt- man kann hier aus einer bald hundertjährigen Reihe von zuverlässigen Witterungsaufzeichnungen schließen, daß solch ungewöhnlich starken und anhaltenden Temperaturrückschlägen stets wieder Wärmeerzesse folgen, und Dr. Maurer ist der Ueberzeugung, daß wir in allernächster Zeit, im Frühling, noch mehr aber im Sommer, jene Wärmeüberschüsse zu spüren bekommen werden. Wasser als neuestes Betäubungsmittel. Die von John Hopkins in Baltimore begonnenen Versuche, Wasser als Betäubungsmittel zu verwenden, sind jeßt, wie aus Neuyork gemeldet wird, von Dr. Joseph Saphir in Neuyork mit gutem Erfolg weiter fortgesetzt worden. Dr. Saphir erklärt, die Betäubung durch Wasser ist höchst einfach, vor allem aber gefahrlos. Durch unter hohem Druck einge= spritztes Wasser wird eine Pression auf die Nervenenden ausgeübt und eine lokale Betäubung erzeugt. Nach etwa zehn Minuten läßt die Betäubung nach, ohne irgendwelche Begleiterscheinungen, wie die meisten anderen Betäubungsmittel, zur Folge zu haben. Dr. Saphir hat die Wasserbetäubung im Neuyorker Volkshospital in zahlreichen Fällen erprobt und sogar bei schweren Operationen, wie Entfernung des Blinddarms angewendet. Ein Malkünstler ohne Hände. Vor einiger Zeit berichteten die Zeitungen von einem in Amerika lebenden Sekretär, der ohne Hände und Füße seine Schreibarbeit mit dem Munde verrichtet. Als Gegenstück zu dieser ge= wiß außergewöhnlichen Erscheinung lebt, wie die Straßb. Post" schreibt, in Freiburg i. Br. ein 18jähriger Krüppel, Sohn eines unteren Beamten, der ebenfalls ohne Hände und Füße zur Welt kam und sich nun seit etwa zwei Jahren mit Leidenschaft der Malerei und Zeichenkunst widmet. Er hat es auf diesen Gebieten bereits zu recht ansehnlichen Leistungen gebracht. Eine Reihe von hübschen Aquarellen und Kohlezeichnungen- Borträts und Landschaftsbilder zeugt von dem trefflichen Talent, das in dem jungen Künstler steckt. Bei seiner Arbeit hält er Pinsel und Beichenstift zwischen den Zähnen, und auf diese Weise arbeitet er mit einer Gewandtheit und Sicherheit, die ihm so mancher wohlgewachsene Mensch mit der Hand nicht so bald nachmachen wird. Auch in der Delmalerei will er sich ausbilden, was ihm bei seinem Talent hierfür wohl nicht schwer fallen wird. Aus der Schule. Lehrer:„ Wann werden denn die Tage immer länger?" Schüler( Sohn eines kleinen Beamten):„ Gegen Ende des Monats." ter Eile das auf den Tischen liegende deutsche, österreichtsche und russische Geld im Gesamtbetrage von etwa zehntausend Mark und flüchteten mit ihrem Konplicen, der vor dem Hause Schmiere" stand. über die österreichische Grenze. Sie mieteten fich einen Wagen, der sie bis Krakau bringen sollte. Bei Trzebinia brach jedoch ein Wagenrad, so daß fie schon dort den Kutscher entlohnen und entlassen mußten. Von hier an fehlte zunächst jede Spur der Verbrecher. Der Benthener Grenz kommissar, Polizeirat Mädler, nahm ihre Verfolgung auf und vermochte schließlich ihre Spur bis nach Krakau zu finden. Er stellte ferner fest, daß sich der eine der drei Verbrecher, namens Liß, nach Rußland ge= wandt hatte, während die beiden andern, der Kellner und Mechaniker Badura und der Schlosser Bednarz, nach Desterreichisch- Polen geflüchtet waren. Badura und Bednarz waren zunächst verschwunden. Vor etwa vierzehn Tagen fehrten jedoch die beiden Verbrecher, die unzertrennlich sche nen, plötzlich wieder nach Myslowitz zurück. Badura witterte alsbald die ihm drohende Gefahr und flüchtete. Als thm unten auf der Straße ein Polizeibeamter beggegnete, gab er auf diesen einen Revolverschuß ab. Der Beamte wurde am Fuß getroffen und mußte Badura entwischen las= sen. So entfam er mit seinem Freunde Bednarz, der sich in der Nähe aufgehalten hatte, zum zweiten Male. Ein Berliner Kriminalbeamter, dem inzwischen die Photographien der beiden Verbrecher vorgelegt wurden, erkannte in Badura einen der Berliner Kriminalpolizei wohlbekann= ten Taschendieb wieder und nahm die Verfolgung der Flüchtigen auf. Ihre Spuren führten nach Hannover, Hamburg und Bremen. Da sich Bednarz früher schon längere Zeit in Amerika aufgehalten hatte, lag der Verdacht nahe, daß sich beide auf einem Ozeandampfer einschiffen würden. Die Annahme hat sich, wenigstens zum Teil, als richtig erwiesen. Der Kellner Badura befindet sich, wie die Kriminalpolizei einwandfrei feststellen konnte, augenblicklich auf der Fahrt von Hamburg nach Neuyork Es wird jedoch angenommen, daß sich auch der zweite Verbre= cher Bednarz in seiner Begleitung befindet. Das Berliner Polizeipräsidium hat inzwischen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Beuthen einen Kriminalbeamten auf einem Schnelldampfer nach Neuyork entsandt, um Badura und vielleicht auch Bednarz bei der Landung zu verhaften. Der Schnelldampfer, auf dem der Kriminalbeamte reist, wird mitpatrone zur Explosion gebracht. Der zuständige Gendarm beauftragte mehrere Einheimische mit Nachforschun= gen nach dem unbekannten Verbrecher, u. a. auch den Besizer Harms. Erst durch das Schriftgutachten eines Berliner Schreibsachverständigen wurde der etwa 35 Jahre alte, verheiratete Harms als der Täter festgestellt. Drabtnachrichten und neuestes. Die elsaß- lothringische Verfassungsfrace. Berlin, 11. März. Die Konservative Korrespondenz schreibt zur elsaß- lothringischen Verfassungsfrage: Nach der Stellungnahme der einzelnen Parteien dürfte das Zustan= dekommen der Vorlage gesichert sein. Die Mehrheit wird aus dem Zentrum, den Nationalliberalen und Freisinnigen bestehen. Die konservative Partei dürfte die ganze Verfaffungsvorlage ablehnen, da sie die Zeit für eine solche radikale Aenderung der bestehenden Verhältnisse noch nicht für gekommen erachtet. Die Gießener Reichstagsersatzwahl. Gießen, 11. März. Das vorläufige amtliche Wahlresultat bei der gestrigen Reichstagserfabwahl ist: Dr. Werner( W. Vg) 7958, Beckmann( Soz.) 7976, Korell( Fortschr. Volksp.) 5059 und Gisevius( natf.) 2516 Stimmen. Zersplittert waren zwei Stimmen. Mit Ausnahme von Gießen, wo von 6000 Wahlberechtigten 5160 abstimmten, war die Wahlbeteiligung etwas schwächer als im Jahre 1907. Damals haben bei 28 230 Stimmberechtigten 22 897 abge= stimmt, dieses Mal von rund 30 000 Stimmberechtigten 23 380. Der Wahlkampf war äußerst scharf. Die einzelnen Parteien hatten ihre Hauptredner hierher beordert. Der nationalliberale Abgeordnete Paasche hatte den Ausfall der Wahl als eine sogenannte Probe für die im Herbst statt= findende Hauptwahl bezeichnet. Eine wichtige Rolle bei der Agitation spielte die Zündholzsteuer. München im Festschmuck. München, 11. März. Aus Anlaß des morgigen 90. Geburtstages des Prinzregenten trägt die Stadt reichen Flaggenschmuck. In den Hauptstraßen sind die Häuser be= sonders reich geschmückt. Der Prinzregent hat eine ganze Reihe von Ordensauszeichnugen verliehen. Eine Reihe früherer Offiziere erhielten sein Bildnis. Ferner stiftete der Prinzregent eine besondere Auszeichnung für 40jährige Dienstzeit im Hof, Staats- oder Gemeindewesen, die den Namen„ Luitpoldfrenz" trägt. Der Kulturkampf in Spanien. Madrid, 11. März. Ministerpräsident Canalejas erklärte in der Deputiertenfammer, er werde noch vor Ablauf des Monats den Entwurf eines Vereinsgesetzes vor= legen. Der Vatikan habe in der letzten Note erklärt, er werde die Verhandlungen nur unter der Bedingung wieder aufnehmen, daß das Gesetz erneut Gegenstand eines Uebereinkommens mit ihm werde. Die Regierung könne die Ausübung der nationalen Souveränität nicht von dem Ergebnis der Unterhandlungen mit dem Heiligen Stuhl abhängig machen und habe ihm eine dahin entsprechende Antwort erteilt. Niederlage der Aufständischen in Marokko. Tanger, 11. März. Von der Sultansarmee hier eingetroffene Kuriere berichten, daß diese von befreundeten Stämmen unterstützt, die Aufständischen gestern bet dem Berge Jelfat geschlagen und ihnen schwere Verluste beigebracht hat. Die Sultanstruppen umzingelten die Aufständischen, die viele Tote und Verwundete hatten. Der Adventist Naumann. Berlin, 11. März. Das Reichsmilitärgericht hat gestern über den Fall des Adventisten Naumann das entscheidende Wort gesprochen. An jedem Sonnabend weigerte sich Naumann, militärischen Dienst zu tun. Er wurde deshalb vom Kriegsgericht zu strengen Arrest- und Gefängnisstrafen verurteilt, die sich schließlich auf insgesamt 5 Jahre und 6 Monate beliefen. Er weigert sich auch heute noch im Spandauer Festungsgefängnis an jedem Sonnabend Arbeit zu verrichten. Das Reichsmilitärgericht hob lediglich das Urteil aus formalen Gründen insoweit auf, als der Angeklagte zur Ehrenstrafe der Degradation verurteilt worden ist. Nach dem entscheidenden Spruch des Reichsmilitärgerichts ist also für Naumann vorläufig feine Aussicht vorhanden, jemals das Gefängnis wieder zu verlassen. Tödlicher Sturz in einen Kellerschacht. Angermünde, 11. März. Hier fand im Kasino des 3. Bataillons des Infanterieregiments Nr. 64 zu Ehren der städtischen Behörden ein Festmahl statt. Als der Regie rungsassessor Graf von Wedel, der ebenfalls an der Feier teilgenommen hatte, seine Wohnung aufsuchte, öffnete er in der Dunkelheit eine falsche Tür, die in einen Keller Graf Wedel die Kellertreppe hinunter und erlitt einen schweren Schädelbruch. Graf Wedel starb unter den Händen des Arztes. Eine Verbrecherjagd über den Ozean, führte. In dem Glauben, in fein Zimmer zu treten, stürzte die in ihren Einzelheiten an die Verfolgung des englischen Gattenmörders Crippen und seiner Geliebten, Miß Le Neve, durch den Detektivinspektor Dem erinnert, spielt sich, wie dem B. T." aus Beuthen gemeldet wird, gegenwärtig ab. Wie erinnerlich, wurde in Myslowit am 21. Dezember vorigen Jahres der Bankier Aniol ermordet. Um die fünfte Abendstunde betraten zwei Männer die Kassenräume der Polnischen Bank in Myslowiß, um sich Geld wechseln zu laffen. Während Aniol mit ihnen sprach, gab plötzlich einer der Männer einen Revolverschuß auf den Bankier ab. Aniol sant sofort tot zu Boden. Die Verbrecher raubten in größGeheimnisvolles Verschwinden eines Kaufmanns. Krefeld, 11. März. Aufsehen erregt das geheimnisvolle Verschwinden des Kaufmanns Jirmes von hier, der am 23. Februar die Fahrt von Neuyork an Bord des Dampfers Bremen angetreten hatte. In der Nacht zum 2. März verschwand er plötzlich vor Scilly Island von dem Dampfer. Es ist unaufgeklärt, ob er Selbstmord beging oder das Opfer eines Unglücksfalls oder Verbrechens ge worden ist. IVO PUHONNY Ein Sprung in's Ungewisse. ift jeder Verfuch, die bewährten Marken Palmin( Palmona fett) und ( Pflanzen- Butter Margarine) durch unbekannte, billige Fette zu erfetzen. Palmin und Palmona werden feit vielen Jahren täglich in Millionen Haushaltungen verwendet; fie find alfo erprobt und bewährt, fonft würden fie nicht den ausgezeichneten Ruf genießen, den fie von der feinſten bis zur einfachsten Küche besitzen. Darin liegt eine Garantie, die bei unbekannten Marken nicht geboten wird. Arbeitsvergebung. Die zum Ausbau einer Straße im Orte Klein- Linden erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege des schriftlichen Angebots vergeben werden und zwar: Chaussierungsarbeiten mit Steinlieferung beranschl. zu 2469 Mt. Pflasterarbeiten 655 " " " Schriftliche Angebote wonen auf Großh. Bürgermeistere Klein- Linden bis nächsten Dienstag den 14 März d. Is., nachmittags 3 Uhr, abgegeben werden, woselbst auch der Voranschlag eingesehen werden kann Gießen, 8. März 1911. J. A.: Rohrer, Kreisstraßenmeister. Sarglager der Bestattungsgenossenschaft der freien Schreinervereinigung Gießen Fritz Rosenbaum Löwengasse 20. Telephon 692. Lignit- Flamm- Nusskohlen Welches ist die beste " 1 " " von 30 3tr. an fret vors Haus geliefert pro 3tr. 70 Pfg. 90 Einzelne Zentner fret in das Haus Einzelne Zentner( Proben) fret in das Haus, 175 Ferner empfehlen zu billigsten Tagespreisen: Ruhranthrazitkohlen, Nußkohlen, Bestmelierte( ge mischte Kohlen), Anthrazit- Eiformbrikets und Braunkohlenbrikets, sowie alle Sorten Gaskoks und Zechen( Hütten)-Koks, Brennholz. Gebrüder Kahl Telephon 87. Frankfurter Str. 51. DO Haushaltungspensionat von Frau B. Eberwein geb. Guntrum, Bensheim a. Bergstr. ( Hessen) Gründl. Ausbildung in Haushalt und Küche. Auf Wunsch: Chauffeurschule? In der Dresdner Chauffeur1 Hund ( Rehpinticher) zugelaufen. 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