ligh bereits gestellt gestellt klichen er von enjtbo 1, werihrer Ilein 1911 , am fie eburts. teilge vorzu r Geldrei Taausge ung 2c. Melde sind Fabrif m 3 u nd§ Behrord zubrin ung. Jan. Ifb. follen im Iter wea 11 Sofas, 2 Kla Pferde und werden. nomelfter. ingen otechnik, ckenbau. all, Nachn. Torf bill. Kalisill horn- Marke, tter" 75 kg wville a. Rh. alt. Beeriedhof. alt, Be in Benen. Januar, Bitwe in eld. vormit., in der n., fommt holz zur in Gießen. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag früh. Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 11. - - Telephon: Nr. 362. um Der bessische Staatsbaushalt stand letzten Dienstag im Finanzausschuß der Zweiten Kammer zur Beratung. Abg. Dr. Gutfleisch erstattete das Referat. Kap. 88, Ministerium, erfordert eine Ausgabe von 62 714 Mark gegen 68 294 Mr. im Vorjahre. Bei Kap. 89, Gericht, betragen die Gesamtausgaben 3 509 221 Mark und die Einnahmen Mark 1 990 660; hierbei wurde angeregt, die Regierung um nähere Auskunft über den Ausgang der eingestampften resp. verkauften Gießener Aften zu ersuchen. Im allgemeinen wurde im Ausschuß die enorme Steigerung für Schreibhilfe sehr bemerkt. Die Regierung soll Auskunft darüber ersucht werden, welche Art von Kontrolle über die Schreibhilfe ausgeübt wird. Von anderer Seite wurde der Vorschlag gemacht, zu erwägen, ob nicht durch Gewährung einer Schreibgebühr der Fleiß der Schreibgehilfen angespornt werden könnte. Der vorletzte Posten mußte infolge der am 1. April 1910 in Kraft getretenen Novelle zur Zivilprozeßordnung und der darin vorgeschriebenen Vermehrung der Zustellungen von Amtswegen ein um 30 000 Mark gegen das Vorjahr höherer Betrag eingestellt werden. Dagegen fonn ten infolge der am 1. Juli 1910 erfolgten ortoablösung bei letztgenanntem Posten 15 400 Mt. weniger angesetzt werden. Im Anschluß an den Justizetat wurde auch der geplante Neubau eines Amtsgerichtsgebäudes in Gießen zur Sprache gebracht. Zur kommenden Reichstagswahl. *) Frankfurt a. M. Die Sozialdemokraten haben den Stadtv. Dr. Quard als Kandidaten für die Reichstagswahlen aufgestellt, der im Jahre 1907 mit 30 778 Stimmen gegen Deser( 33 659 Stimmen) unterlegen ist. Für den Reichstagswahlkreis Höchst- Homburg Usingen wurde von der sozialdemokratischen Partei der bisherige Vertreter des Reichstagswahlkreises, Schuhmachermeister Friedrich Brüh ne- Frankfurt, wieder in Vorschlag gebracht. Brühne hat die Kandidatur angenommen. Marburg. Abg. Dr. Böhme hat sich der Nationalliberalen Fraktion zuzählen lassen. Aus der Heimat. Gießen, den 13. Januar. * Der Großherzog hat den von dem Prinzen Friedrich zu Solms- Braunfels als Vormund des minderjährigen Fürsten auf die evangelische Pfarrstelle zu Muschenheim präsentierten Pfarrverwalter Heinrich Döring daselbst für diese Stelle bestätigt. Der früher * Aus dem Militärwochenblatt. der 25. Division als Oberst und Kommandeur des Inf.Regiments Nr. 113 und danach als Generalmajor und Kommandeur der 50. Infanterie- Brigade angehörige Beneralleutnant v. Dietlein, Kommandeur der 19. Division in Hannover, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension zur Disposition gestellt. * Die Bevölkerung Hessens zählt nach einer vorläufigen Zusammenstellung der Zentralstelle für die Landesstatistik, die im Darmstädter Regierungsorgan veröffentlicht wird, nach der letzten Volkszählung 1910 1 282 109 Personen gegen 1 209 175 im Dezember 1905. Die Zunahme beträgt also nur 72 934 oder 5,7 Proz. gegen 90 196 oder 8,1 Prozent im vorhergehenden Jahr fünft, und 80 870 oder 7,8 Prozent von 1895 auf 1900. Am stärksten sind die beiden industriellen Kreise Offenbach und Groß- Gerau gewachsen, nämlich um 12,7 und 10,9 Prozent, doch hat auch die Bevölkerungsvermehrung im Kreis Offenbach gegenüber den beiden vorhergehenden Jahrfünften erheblich nachgelassen. Im Kreis Groß- Gerau hat sie sich auf der Höhe gehalten. Am geringsten war die Zunahme in Rheinhessen, besonders in den Kreisen Oppenheim( hier sogar eine Abnahme von 8 Personen), Alzen und Bingen je 0,9 Prozent), was wohl auf die schlechten Weinjahre zurückzuführen ist. Eine sehr geringe Zunahme( 0,6 Prozent) hat auch Büdingen aufzuweisen. *) Gießen. Das Ministerium der Justiz hat durch Verfügung vom 6. d. Mts. den 12. Januar 1911 als den Tag bestimmt, an dem mit der Anlegung des Grundbuchs für die Flur 1 der Gemarkung GieBen zu beginnen ist. - Gießen, 12. Jan. Die heutige Stadtver= ordnetensitzung, die erste in diesem Jahr, war Stadtschnell beendet. Die meisten Mitglieder unseres parlamentes waren im schwarzen Anzug erschienen, denn die Tagesordnung meldete ja die feierliche Einführung der alten wiedergewählten Stadträte und die durch Eid auf das Gesetz zu verpflichtenden neugewählten an. Es Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Freitag den 13. Januar 1911 ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. § Eine aktuelle Steuerfrage hat das Gr. Finanzamt Friedberg für das ganze deutsche Reich aufgerollt. Dem im Juni v. J. neu gewählten Reichstagsabgeordneten Busold in Friedberg ist jetzt nämlich die übliche Steuerdeklaration mit der Anfrage zugegangen, wie hoch sich sein Einkommen inklusive der Diäten als Reichstagsabgeordneter belaufen. Da Busold nun erst fast mit Ende des Steuerjahres zum erstenmal im Reichstage erscheint und es sehr fraglich ist, ob derselbe in diesem Jahre wieder gewählt wird, könnte ja eigentlich die ganze Sache mit Stillschweigen übergangen werden, wenn es nicht der erste Fall, seit Einführung der Reichstagsabgeordnetendiäten wäre, daß einem Mitgliede des Reichstages in Deutschland eine derartige Anfrage gestellt wurde. Unseres Wissens nach sind Reichstagsdiäten ebenso wenig versteuerbar als Renten und Ehrensolde jeder Art. Um in dieser Hinsicht Klarheit zu schaffen, hat Reichstagsabgeordneter Busold den Staatssekretär des Innern um Auskunft darüber ersucht, ob nach der deutschen Reichsverfassung Tagegelder der Reichstagsabgeordneten versteuer- oder verpfändbar sind. * Bad Nauheim. Die Badedirektion hat das AnStreichen von 219 Badewannen, 101 Strandkörben, 853 Bänken im Submissionswege ausgeschrieben. fehlten entschuldigt die Stadtv. Dr. Gutfleisch, Dr. Schäfer, Heichelheim, Helm, Krumm und der neugewählte Prof. Dr. Sommer; unentschuldigt die Stadtv. Faber und Orbig. Nach Worten der Begrüßung des Herrn Oberbürgermeister Mecum im neuen Jahr nahm er von den wiedergewählten und soweit anwesenden Stadtverordneten Huhn, Grünewald, Emmelius, Eichenauer, Helfrich und Jann den Handschlag entgegen und die anwesenden neuen Stadträte Max Friedberger, Profes= for Dr. Urstadt und Redakteur Vetters wurden durch Eidesleistung verpflichtet. Damit war dieser feierliche Aft beendet und Oberbürgermeister Mecum machte noch verschiedene Mitteilungen. Die Prozeßfache betr. 3uschuß zu dem Bahnbau Lollar- Grünberg ist in höchster Instanz ganz nach der letzten Entscheidung des Provinzialausschusses beurteilt worden, die Stadt muß nun einen Teil der Baukosten tragen. Es kamen dann Dank schreiben zur Kenntnis von Frau Prof. Biermann für einen überlassenen Raum im alten Rathaus für die Rechtsschutzstelle für weibliche Angestellte, des Polizeisekretär Pfeffer für dessen Anstellung und des Oktroir- Aufseher Roloff für dessen Gehalts- Erhöhung. Justizrat Grünewald fragt nachdem an, wann endlich die bekannte Baracke in der Neustadt beseitigt wird, wozu er von seinen Kollegen Habe= nicht, Löber, Plank und Troß sehr unterstützt wird. Der Besitzer Schön sei nicht in Gießen, es müsse doch ein Weg gefunden werden, damit dieselbe- vielleicht gleich mit dem Schneider'schen Hause abgebrochen wird. In nichtöffentlicher Sitzung wurde darüber weiter verhandelt. Die Stadtv. Plank und Troß verlangen, und das mit Recht, daß der Gießener Viehmarkt endlich wieder abgehalten werde, da sonst der ganze Markt noch vollständig zurückgeht, während die in den Städten Kirchhain, Hanau 2c. emporblühen. Es solle eine Eingabe an das Ministerium gemacht werden, daß die Handhabung des Viehseuchengesetzes auch für Gießen nicht hinterlich ist. Schluß der Sitzung 6 Uhr. - * Gießen. Die Kreisstraßen des Kreises Gießen lieferten im letzten Herbst zirka 3000 Zentner Obst. Es wurde dafür ein Preis von rund 16 000 M. erzielt, eine Summe, wie sie kaum bisher erreicht wurde. Die erzielten Preise gingen meistens über die Schätzung hinaus, nur an den Straßen Lich- Nieder- Bessingen, Nieder- Bessingen- Münster- Kreuz und Hungen- Inheiden blieben sie zurück. Auf letzterer Strecke waren die Gebote so niedrig, daß der Kreis die Versteigerung nicht genehmigte und das erstklassige Obst selbst erntete. *) Gießen, 12. Jan. Der Oberhessische Verein für innere Mission veranstaltet jetzt fast jeden Sonntag auf dem Lande Lichtbildervorträge, die sich großer Beliebtheit erfreuen. )( Gießen. Am letzten Samstag veranstaltete der Eisenbahn- Fahrbeamtenverein im Cafe Leib eine recht schöne Weihnachtsfeier. Neben mehreren Vorträgen„ Weihnachten in 4 Etagen“,„ Rodelheil" und „ Aber der Mann" haben die beiden Theaterstücke„ Die Jahreszeiten der Liebe“ und„ Der Militärengel" großen Beifall gefunden. Natürlich war am Schlusse die Verlosung und dann der Tanz noch die weitere Ursache zu einer recht gemütlich- familiären Ausnutzung des ganzen Festes, um das sich der Vereinsvorstand recht verdient gemacht hatte. = 0= Gießen. Bei dem am 11. Januar stattgefundenen Schweinemarkt waren aufgetrieben: 21 Schweine. Der nächste Schweinemarkt findet am 25. Januar statt. Händlerschweine sind ausgeschlossen und nur Schweine von Züchtern aus dem Kreis Gießen zugelassen. * Buzzbach. 590 Jahre sind es, daß Butzbach von König Ludwig 4. Stadtrechte erhielt und 170 Jahre, daß die gesamte Stadt Butzbach zum Hause Hessen Darmstadt gehört. Obbornhofen. Der Pachtvertrag des hiesigen Hofgutes mit dem Pächter Bornemann läuft demnächst ab. Wie verlautet, soll es nicht mehr zu einer Verpachtung kommen, es soll vielmehr verkauft werden. Die Gesamtgröße des Gutes beträgt zirka 630 Morgen. Die ganze Gemarkung Obbornhofen hat 566 Hektar bewirtschaftete Fläche; das Hofgut bildet also zirka 30 Prozent der Gesamtfläche. Bekanntlich hat das Solms- Laubach, die Eigentümerin des Gutes, schon früher mehrere Hofgüter eingehen lassen und an klein= bäuerliche Besitzer oder an die Gemeinden verpachtet. Haus Ober- Hörgern. Wichtige Altertumsfunde wurden in unserer Gemarkung gemacht. Es handelt sich um Gräber aus der Bronzezeit, die etwa ein Alter von 3000 Jahren haben. * Homberg a. d. O. In diesen Tagen werden es 600 Jahre, daß unserem Städtchen Stadtgerechtsam keit verliehen wurde. *) Hungen. Hier wird am 28. Mai das Verbandsfest der hessischen Kirchengesangvereine abgehalten. Darmstadt. In der Sitzung des Finanzaus= schusses gab Geheimrat Willbrand bezüglich des Braunkohlenbergwerks„ Ludwigshoffnung" dahin Auskunst, daß eine Brikettfabrik mit einem Elektrizitätswerk dort errichtet werden solle, dann werde das Bergwerk rentabler werden. Das Elektrizitätswerk werde durch Bürgschaft mit der Provinz Oberhessen gestützt und das von der Provinz Oberhessen in Aussicht genommene Elektrizitätswerk in Lißberg dann fal len gelassen werden. Die Verhandlungen mit der Provinz Oberhessen seien dem Abschluß nahe, und dann werde eine Vorlage dem Landtage zugehen. * Mainz. Der 13jährige Schüler Faund ist auf der dünnen Eisdecke des Festungsgrabens eingebrochen und ertrunken. *) Mainz. Der sozialdemokratische Redakteur Adelung von der„ Mainzer Volkszeitung" ist in den Kreistag als Abgeordneter gewählt und bestätigt worden. * Mainz. Die von der Stadt Mainz geplante Billettsteuer findet in allen Schichten der Bevölferung eine einmütige Verurteilung. Man prophezeit weiteren Niedergang der davon betroffenen Unternehmen. * Worms. Auf der Landstraße nach Weinsheim wurde die Leiche eines etwa 30 Jahre alten, gutgekleideten Mannes an einem Baume aufgehängt vorgefunden. Alle Umstände lassen auf Mord schließen. -5= Wetzlar. Der eine Zeit lang als nationallib. Kandidat für die nächsten Reichstagswahlen genannte Kommerzienrat Jung ist im Alter von 52 Jahren in Jungenthal, wo er eine große Lokomotivfabrik hat, g e- storben. der * Rodheim a. d. B. Unter Anwesenheit Schreinermeister Karl Schlierbach- Rodheim, G. WagnerFellingshausen und Philipp Crombach- Bieber, des Gesellen- Prüfungsausschusses im Schreinerhandwerk, wurden folgende Schreiner geprüft: Wilhelm Heinrich- Naunheim, Karl Raabe- Waldgirmes, Philipp Hörr- Fellingshausen und Heinrich Lepper- Königsberg. Sämtliche Prüflinge bestanden die Prüfung mit„ gut“. )( Wißmar. Der als gewalttätig bekannte Ludwig Stroh hatte am letzten Sonntag wieder seine Frau mißhandelt, die dann zu ihrem Vater, den Maurer Fray, geflüchtet war. Stroh wollte dort gewaltsam eindringen, worauf er von seinem Schwiegervater eine Schrotladung in der in Brust und Unterleib erhielt, sodaß er nun Gießener Klinik hoffnungslos darniederliegt. *) Garbenheim. Das Allg. Ehrenzei= chen hat mit Uebertritt in den Ruhestand der hiesige Rangiermeister Bamberger erhalten. und *) Ehringshausen( Wetzlar). Am 18. 19. Juni d. Js. feiert die hiesige Feuerwehr ihr 30jähriges Stiftungsfest. -5= Altenkirchen( Wetzlar). Die Kaiserin hat unserem Pfarrer Nacke, als Geschäftsführer des Verbandes der Frauenhilfe im Kreise, ein Dankschreiben gesandt für die Neujahrsgratulation und für die Mitarbeit der Frauenhilfe. * Vom Taunus. Die Holzversteiger. ungen der letzten Wochen haben fast alle die Genehmigung nicht erhalten. Die Gebote blieben nicht selten die beträchtlich hinter der Taxe zurück, so daß kaum Werbungskosten gedeckt werden konnten.- Eine ähnliche Erscheinung tritt auch bei Versteigerungen auf dem Westerwald zutage. Deutscher Reichstag. Im Reichstage wurde am Mittwoch zunächst noch die Aussprache über die volkspartetliche Zündwarenftenerinters pellation fortgesetzt. Ste trug, da zur Sache selbst nichts Neues mehr gesagt werden konnte, zumeist den Charakter der Polemit. Die Regierung fand daher auch keine Veranlaffung, nochmals in die Debatte einzugreifen. Den Reigen der Redner eröffnete der sozialdemokratische Abgeordnete Schöpflin mit etner anfangs recht humorvollen Polemik gegen die Väter" der Zündwarensteuer. Wer ist denn et gentlich schuld an dieser verderblichen Steuer? so fragte der Redner. Keiner will's gewesen sein. Auch hier zetge sich wieder die Wahrheit des Wortes: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr! Wir haben keinen Teil an dem mißratenen Kinde. Das Zentrum trägt die Haupt schuld daran, daß die armen Zündwarenarbeiter, die arbeitslos geworden sind, keine Entschädigung erhalten haben. Der reichsparteiliche Abgeordnete Gamp bemühte sich etnen Weg zu zeigen, auf dem Abhilfe zu erreichen ist. Er wies darauf hin, daß die Mitglieder seiner Fraktion nie beson= dere Freunde der Zündholzsteuer gewesen sind, vielmehr eine Besteuerung der Genußmittel wünschten. Eine Remedur der Schädigungen in der Zündholzindustrie kann dadurch geschaffen werden, daß man das Kontingent wie beim Branntweinsteuergesetz an den vorhergehenden Bedarf an= schließt. Auch müssen die Ersatzmittel mehr belastet werden. Darauf stimmte der Pole Kulerski ein Loblted auf seine Partet an, die stets gegen die Streichholzsteuer gewesen set. Herr Lattmann von der Wirtschaftlichen Vereinigung sah allein bei den Liberalen den Sündenbock. Wer eine Steuer aufheben will, muß auch für den dadurch eintretenden Ausfall Ersaz schaffen. Damit haben sich aber die Interpellanten gar nicht befaßt. Die Vorschläge der Industrie zur Besserung ihrer Lage sollte man prüfen. Die Nationalliberalen hätten die Zündholzsteuer angenommen, wenn eine ausreichende Besitzsteuer mit zur Annahme gelangt wäre. Nach einer kurzen Erklärung des Volksparteilers Heckscher war Gott sei dank die Rednerliste erschöpft und das Haus wandte sich anderen Dingen zu, die aber auch nur von geringem allgemeinem Interesse waren. Es waren Denfschriften und Rechnungsfachen. Bet der Besprechung wurden auch der Schatzsekretär Wermuth und der preußische Kriegsminister von Heeringen auf den Plan gerufen, um die Vorwürfe zurückzuweisen, daß die Regierung die Veteranen im Stiche lasse und die Militärverwaltung bei den Pensionen die Offiziere den Mannschaften vorziehe.- Am Donnerstag kommt die zweite Lesung der Novelle zum Strafgesetzbuch an die Reihe. Das Urteil im Moabiter Prozeß. Im Moabiter Landgerichtsprozeß wurde am Mittwoch nachmittag das Urteil verkündigt. Die auf 2 Uhr zu diesem Zwecke anberaumte besondere Sitzung wurde erst um 4 Uhr eröffnet. In den Korridoren und im Gerichtssaale machte fich eine fieberhafte Erregung bemerkbar. Die Pressettsche retchten für die zahlreichen Bericherstatter nicht aus. Im Buschauerraum und im Saale hielten sich zahlreiche Kriminalbeamte auf. Die Anklagebänke waren von uniformierten Schußleuten flankiert. Als endlich kurz vor 4 Uhr die verhafteten Angeklagten in den Saal geführt wurden und zu gleicher Zeit die Staatsanwälte thre Plätze einnahmen, stteg die Spannung aufs höchste. Als das Gericht erschien, erhielten noch einige Angeklagte das letzte Wort. Hierauf zog sich das Gericht nochmals zur Beratung zu= rück und verkündete nach kurzer Zeit das Urteil. Es wurden verurteilt Bock, der Schutzleute durch Messerstiche verlegt hatte, zu 8½ Jahren Gefängnis, Tiedemann zu 1% Jahren Gefängnis, Meyer, Heide und Wandt zu je 9 Monaten Gefängnis und Raschtut 8 8 Monaten Gefängnis. Pilz wurde im Hauptfalle freigesprochen, im Nebenfalle zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von einem bis zu sechs Monaten, einige andere Geldstrafen von 40 und 50 M. Sämtlichen Verurteilten wurden erhebliche Teile der Untersuchungshaft angerechnet; bei mehreren wurde die Gesamtstrafe als durch die Untersuchungshaft berbüßt erachtet. Insgesamt wurden 31 Angeklagte verurteilt, drei, darunter zwei Frauen, freigesprochen. Die Urteilsbegründung führt u. a. aus: Die Straftaten, deren die Angeklagten schuldig sind, stehen sämtlich in unmittelbarem Zusammenhange mit dem Streif bei Kupfer u. Co., und die Ereignisse in Moabit wiederum sind veranlaßt worden durch diesen Streif. Es ist nicht Aufgabe des Gerichts, zu entscheiden, ob der Streif berechtigt war oder nicht, es muß aber festgestellt werden zugunsten der Angeklagten, daß diese und die Bevölkerung von Moabit davon ausgehen konnten, der Anspruch der Kupferschen Arbeiter auf Lohnerhöhung sei be= rechtigt. Das Gesetz gibt den Arbeitern das Recht, sich zu vereinigen zur Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbe dingungen; das Gesetz verlangt aber, daß sie dabei die Rech= te der anderen achten, und das ist hier nicht geschehen. Die Urteilsbegründung gibt dann eine ausführliche Begründung des Tatbestandes, wie er sich auf Grund der Beweisaufnahme ergeben hat, und gelangt dabei zu folgenDer Familienschmuck der Wallutjeffs. Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. Nachdruck verboten. 4) Er prüfte scharf die Häuser in der Nachbarschaft. „ Ah, dort wird es gut sein," murmelte er und ging quer über die schmale Straße. Eine bescheidene Gastwirtschaft lag dort. Einen Schoppen Wein und einen Imbiß, Frau Wirtin", rief er der behäbigen Inhaberin des düsteren Lokals zu. In die dunkelste Ecke setzte er sich und holte eine elegante Börse hervor, ihren Inhalt zählend. Unzufrieden schüttelte er den Kopf. Erst als er einen in Papier gewickelten fleinen Gegenstand herausholte, glätteten sich seine Züge. Ich muß es noch heute besorgen", sagte er leise zu sich selbst,„ gut, daß ich die Adresse des Italieners lenne, der mir den Ring abkauft. Unter uns Brüdern ist er seine 300 M wert. Natürlich werde ich nicht so viel dafür erhalten; einerlei, es wird immerhin genug sein, um mich neu auszustaffieren. So schäbig darf ich mich nirgends zeigen. Gierig aß und trank er. Dabei behielt er das Fenster, durch das man den Juwelierladen sehen konnte, immer im Ange. Ungefähr eine halbe Stunde mochte vergangen sein, da erhob der Fremde sich plötzlich, zahlte seine Zeche und ging. Er blieb im Schatten des vorspringenden Schweizerdaches stehen und beobachtete scharf, was auf dem jenseitigen Bürgersteig vor sich ging. Die Riesengestalt eines Mannes war soeben an den Laden des Juweliers herangetreten. Er mochte etwa 50 Jahre alt sein. Grau meliertes, einst blondes Haar kräuselte sich um seinen Kopf, ein nach russischer Sitte verschnittener mächtiger Vollbart umgab das Kinn. Er trug eine dunkelgrüne mit Goldligen verbrämte Livree, auf den Knöpfen war die neunzintige Grafenkrone zu be= .merten den Ergebnissen: Daß die Poltzet zu scharf vorgegangen fet, ist durch die Beweisaufnahme nicht erwiesen. Es mag als erwiefen gelten, daß scharfe Maßnahmen vorgekommen find, es ist aber vor allen Dingen die Frage, ob diese Fälle pereinzelt vorgekommen find oder nicht, und das war für pie Strafbemeffung zu beachten. Der Vorsitzende führt dann weiter aus, daß im Laufe der Verhandlungen oft bte Zeugen sich in Widersprüche verwickelt hätten. Bei der langen Dauer des Prozesses aber set das verständlich. Natürlich habe jeder Zeuge ein Anspruch darauf, vor Gericht vernommen zu werden. Ueber die Stellungnahme der Bürger zu den Krawallen, sagt der Vorsitzende, daß bei dem Bekanntwerden dieser Krawalle eine große Uebereinstimm ung in der Verurteilung bestanden habe. Der Gerichtshof hat die Ueberzeugung gewonnen, daß Mißgriffe fettens der Polizeibeamten vorgekommen sind, und daß die Polizisten thre Befugnisse überschritten haben. Der Gerichtshof hat aber nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß bet den Polizetbeamten Rohheit vorlag. Die Zeugen haben nur einen Tell der Vorgänge beobachtet, sie wußten also zumeist nicht, weshalb die Schläge erfolgt sind. Es ist aber außerdem zu be= rücksichtigen, daß ste in großer Erregung waren und einen Haß gegen die Polizei in sich trugen. Dazu ist noch zu beachten, daß die Vorgänge eine Bettlang zurückliegen, und daß nicht genau auseinander gehalten werden konnte, was in den Werkstätten, in den Wirtshäusern oder in den Wohnungen geredet, oder was wahrgenommen worden war. Der Gerichtshof ist sich klar, daß die Polizeibeamten eine sehr schwere Arbeit in solchen Tagen haben, und daß sie ges nötigt waren, das Eigentum zu schüßen, die Ordnung und die Staatssicherheit aufrecht zu erhalten. Von diesem Gefichtspunkte aus sind die Strafen verhängt worden. Bei der Strafzumeffung ist erwogen worden, daß die Angeklagten fich in großer Erregung befanden, und daß sie zumeist noch jugendlich find, ferner, daß sie den weniger gebildeten Klasfen angehören, anderseits mußte aber berücksichtigt werden, daß die Staatssicherheit und der öffentliche Friede fast eine ganze Woche lang gefährdet waren im Stadtteil Moabit, und daß viel Eigentum beschädigt wurde. Der Vorsitzende erwähnt sodann noch die Behauptung, nach der in Moabit etn polizeiliches Lockspitelsystem bestanden haben soll. Es mag dahingestellt sein, ob dies in früheren Jahren der Fall ge wesen ist, erwiesen sei es nicht. Völlig haltlos dagegen fet die Behauptung, daß die Gesamtleitung der Polizei die Vors gänge gewünscht oder gar provoziert hätte. Hier müsse darauf hingewiesen werden, daß in den Tagen der Vorfälle alle Zeitungsberichterstatter, sowohl solche, die ihre Berichte dem Vorwärts", wie an die Kreuzzeitung" liefern, dieser Ansicht völlig fernstanden. Im weiteren Teile der Begründung werden alsdann die einzelnen Fälle besprochen. Rundschau vom Cage. Politisches. Der erste Vizepräsident des Reichstags Abg. Dr. Spahn ( 3entrum) ist nach einer Meldung der Köln. Volksztg." erkrankt und bis zu seiner Wiederherstellung beurlaubt worden. Auf Anordnung des Arztes muß er zunächst das Bett hüten. Herr Spahn hat sich die Infektion durch eine fleine Wunde am Fuße, die durch das Scheuern des Strum= pfes entstanden war und anfänglich nicht beachtet wurde, zugezogen. Durch den Tod des Reichstagsabgeordneten KöhlerLangsdorf, der der Deutschen Reformpartei angehörte und zugleich Mitglied des hessischen Landtags war, wird eine Ersahwahl im Reichstagswahlkreise Gießen- Nidda, den er von 1893 bis 1903 und wieder seit 1907 vertrat, nötig. 1903 gelang es dem Nationalliberalen Heyligenstädt, Köhler aus dem Mandat zu verdrängen. Das Mandat ist ein start umstrittenes. Bei der letzten Reichstagswahl erhielt Köhler als deutsch- sozialer Kandidat 9017 Stimmen, während der nationalliberale Gegenkandidat Heyligenstädt 7484 und der Sozialdemokrat Krumm 6396 Stimmen bekamen. In der Stichwahl siegte dann Köhler mit 11 543 Stimmen über Heyligenstädt, der 10 575 Stimmen auf sich vereinigte. Die Entscheidung lag bei der Sozialdemokratie. Unter den heutigen politischen Verhältnissen haben die Nationalliberalen einige Aussicht, das Mandat wieder zu erobern. Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages feierte am Mittwoch den vierzigjährigen Gedenktag ihres Bestehens. Unter dem 11. Januar 1871 veröffentlichte nämlich die einen Monat vorher begründete Zentrums= fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses einen Aufruf zu den Reichstagswahlen, der bereits das Programm der Zentrumsfraktion des Reichstages enthielt. Am 3. März 1871 fanden die Wahlen zum ersten Deutschen Reichstage statt. Am 21. März 1871 trat der Reichstag in Berlin zusammen. Sofort versammelten sich im Reichstage 67 Mitglieder und bildeten die Fraktion des Zentrums im Reichstage. Gegen die Wanderlager sollen gesetzliche Bestimmungen erlassen werden. Die konservative Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses beantragte, die königliche Der Fremde ging unbefangen an dem Diener der Gräfin Wallutjeff vorbei, als solchen hatte er den Hünen sofort erkannt. Einen Moment stand Andrei im Anschauen des Familienschmudes vertieft, dann trat er in den Laden Häuserlings ein. Mit weit vorgestrecktem Halse_beobachtete der Mann mit dem coten Bart die Türe. Ein Vorübergehender streifte ihn hart, der Passant hatte den Regenschirm aufgespannt und eilte sehr." Pardon", sagte er höflich. Das Licht der Bogenlampe fiel voll auf das Gesicht des Kotbärtigen. Zwei scharfe Augen musterten es eine kurze Weile, dann trat der Herr mit dem Regenschirm ebenfalls in Häuserlings Laden. „ Wahrscheinlich ein später Käufer," dachte der Rotbart. Wahrscheinlich lugte er nach dem Fenster hin, der Schmuck war fortgenommen worden. ,, Aha, er wird verpackt und dem Diener eingehändigt," so dachte der Rotbärtige folgerichtig. Soll ich es heute schon wagen, oder soll ich bis morgen warten?" Grübelnd zog er die buschigen Brauen zusammen. ,, Leicht wird es nicht sein," fuhr er in seinem Selbstgespräch fort.„ Der Russe ist sehr stark, und ich komme nicht gegen ihn auf; es bedarf anderer Mittel. Aha! da ist er, er wird fahren." Andrei war auf die Straße getreten. Er rief eine vorüberfahrende Droschke an und stieg ein. Ueber die Schulter des Dienes lief ein starker Riemen, an dem eine Tasche aus rotem Juchtenleder befestigt war; sie mußte den Schmuck der Grafen Wallutjeff bergen. Hotel National," rief Andrei dem Kutscher mit stark russischer Aussprache zu. „ Ich dachte es," murmelte der Rotbart, der im Schatten eines Torweges stand. Seine Katzenaugen funkelten lüstern. Häuserling und der Herr mit dem Regenschirm waren jetzt in die Ladentür getreten. ., Glüdliche Reise," rief der Juwelier dem Diener Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung einen Gesezentwurf über Ergänzung der Gewerbeordnungsbe stimmungen betreffs der Wanderlager anzuregen. Im we fentlichen handelt es sich um eine Beschränkung der Aufenthaltsdauer und um ein Genehmigungsrecht der Ortsbehörden. Die Feindschaft zwischen Deutschtum und Polentum ist in Beuthen( Oberschlesien) während eines Gottesdienstes start hervorgetreten. Obwohl deutsche Messe angesagt war, fang die Menge polnisch. Als der Geistliche wiederholt vom Altar rief:„ Es ist deutscher Gottesdienst, bitte deutsch zu singen," da verließen sämtliche Polen ostentativ die Kirche. An der serbisch- bosnischen Grenze ereignete sich kürzlich abermals ein Zwischenfall. Bauern wurden auf bosnischem Gebiete von serbischen Grenzsoldaten gewaltsam am Holzfällen gehindert. Ein Bataillon österreichischer Infanterie mit einer Maschinengewehrabteilung wurde herbeigerufen und schlug die Serben in die Flucht. Auf Seite der Serben waren mehrere Verwundete zu verzeichnen. In der portugiesischen Republik sind neue Schwierigkeiten entstanden. In einer Versammlung der Eisenbahnangestellten, denen die Verwaltung einen Teil ihrer Forderungen bewilligt hatte, wurde beschlossen, die bisher ge machten Zugeständnisse abzulehnen und in den Ausstand zu treten. Der Verkehr der internationalen Züge soll je< doch nicht verhindert werden. In Lissabon sind auch die Handlungsgehilfen in den Ausstand getreten, um eine Besserung ihrer Lage zu erzwingen. Zahlreiche Geschäfte mußten deshalb geschlossen bleiben. Der Minister des Innern verhandelte mit den Ausständigen, bisher aber ohne Erfolg. Persien will jetzt Hilfe bei Amerika suchen. Die Neuyorker Blätter melden, Persien suche in Amerika Hilfe gegen England und Rußland in Gestalt einer Anleihe von 70 Millionen, um die englischen und russischen Schulden abzulösen und dadurch den beiden Mächten den. Vorwand zur Einmischung zu nehmen. Kleine Nachrichten. Prinz August Wilhelm von Preußen hat Mittwoch vormittag seine Tätigkeit als Gerichtsreferendar am Potsdamer Amtsgericht aufgenommen. Er wohnte mehreren Verhandlungen bei. Das deutsch- brasilianische Kabel steht vor der Vollendung. Der Kabeldampfer„ Stephan" der Norddeutschen Seekabelwerke Nordenham ist am Mittwoch in See gegangen, um die dritte und letzte Tetlstrecke nach Monrovia- Pernambuko der deutsch- brasilianischen Kabelverbindung von 3460 Kilometer Länge zu legen. Der Betrieb des Kabels wird wahrscheinlich Ende März aufgenommen werden. Für die Goldbohrungen in der Eifel ist bei dem Eifelort Iveldingen mit der Aufstellung einer Bohrmaschine im Werte von 200 000 M begonnen worden. Mit dieser Maschine sollen die unteren Schichten auf ihren Goldgehalt untersucht werden. Der verstorbene amerikanische Senator Elkins hat ein auf 20 Millionen Dollars geschäßtes Vermögen hinterlassen. Fünf Jahre nach seinem Tode darf der Nachlaß erst zur Verteilung kommen. Die Witwe des Senators hat eine fährliche Rente von 25 000 Dollars zu erhalten, während die übrigen Einkünfte den Kindern zufallen. Ein großer Erdeutsch ist gegenwärtig in Mölsheim bei Worms im Gange. Es sind große Erdspalten entstanden, und die Weinberge haben sich völlig zusammengeschoben. Insge sam sind 8 Morgen Weinberggelände und 100 Meter des Weges fortgerutscht. Das Gelände, eine gute Weinberglage, ist völlig zerstört. Auf die Spur eines Millionenschwindels mit wertlosen Anteilscheinen einer böhmischen Goldminengesellschaft ist die Dresdener Polizei gekommen. Die Scheine werden durch eine Anzahl Agenten vertrieben und dafür verschiedene Liegenschaften und Hypotheken erworben. In diese Sache sind Agenten in Prag, Schlesien und Dresden verwickelt. Eine große Rattenplage herrscht in der Stadt Tilsit. Die Polizeiverwaltung hat daher angeordnet, daß am 17. Januar in jedem Hause der Stadt und der Vororte gleichzeitig Phosphorlatwerge ausgelegt werde, um die gefräßigen Nager auf einmal gründlich zu beseitigen. Ein Opfer seines Berufs wurde in Hannover vor einigen Tagen der am städtischen Krankenhause angestellte Assistenzarzt Dr. med. Kühne. Er starb an den Folgen einer Diphtherie- Infektion, die er sich bei einer Operation im Krankenhause zugezogen hatte. Eine Hochzeit unter merkwürdigen Umständen fand im Zuchthause zu Sonnenburg in der Neumark statt. Ein Gefangener aus Elberfeld, der noch vier Jahre zu verbüßen hat, wurde mit seiner Braut, die gleichfalls aus Elberfeld stammt, mit ministerieller Genehmigung in der Anstalt ge= traut, und zwar wurde dem Bräutigam gestattet, Zivilkleid= ung anzulegen. Die Hochzeitsfeier kann also erst in vier Jahren stattfinden. nach; dann fügte er zu dem Herrn, der neben ihm stand, gewendet, hinzu: Ich bin recht froh, den Schmuck los geworden zu sein. Es ist eine große Verantwortung, ein solches Stück, das viele Tausende von Rubeln wert ist, in Verwahrung zu haben. „ Warum stelltest Du den Schmuck aus?" fragte der Herr. Es lag etwas wie Tadel in den Worten. ,, Warum sollte ich es nicht? Wir tun es immer." ,, Und doch würdet ihr es besser unterlassen; die Beute gier irgend eines Strolches könnte dadurch gereizt wer*.n." „ Ah! Du siehst überall Diebe und Mörder, lieber Junge, das liegt Dir so im Blut," versetzte Häuserling lachend.„ Du siehst jeden Menschen darauf hin an." Der Verspottete erwiderte nichts. Ueber sein kluges Gesicht glitt ein seltsamer Ausdruck. Sobald die beiden Sprechenden im Laden verschwunden waren. trat die Gestalt des Mannes im unscheinbaren grauen Anzuge aus dem Torwege. ,, Glückliche Reise", dachte auch er und ein böses Lächeln teilte seine Lippen. Eilig ging er davon unter dem strömenden Regen, der ihn durchnäßte. II. Luzern, 24. Oktober 1900. Mein geliebter Sohn! Morgen tritt unser treuer Diener Andrei die Reise nach Rußland an, um Dir den Familienschmuck der Wallutjesss zu bringen. Ich habe ihn hier von einem sehr tüchtigen, mir warm empfohlenen Juwelier umfassen lassen. Soeben hat Andrei ihn abgeholt. Er liegt vor mir und ich freue mich über das herrliche Feuer der Steine, über den edlen Glanz der Perlen. Der Anblick des Geschmeides ruft tausend lichte Erinnerungen in mir hervor. Damals lebte mein treuer Gatte, Dein guter Vater noch. ( Fortsetzung folgt.) Cin Beteiligt bte fich hiftifchen len belaf Wis Ein zöfifche Montag ne Lev deffen He Herrscher ihn von Aber er Schwester Babe Häl Der bei Neap Carito g Elifabet Jahren ging da helms I Zige eines Gi richt in zu veran Treptow allem Ba Zigeuner de verfte bie Vern fedoch no rollbeam die Verf len, daß geflagter Vier Die Fal Stieftoch wurde v Gefängni Befti befaßte Burschen Dienstma burtstag vergewa und rau wurden Urteilsb flagten im Geri rregt Cin der an erinnert der Bre achtet, de mehrere dann ma Straße dächtiger Briefträ lizeirevi mann Schachtel Bengs m tlären. 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Beute ern." lieber Ling lafluges schwuninbaren ſes Lä= ter dem 900. 00 e Reise Walluthr tüchnir und laffen. über ben chmeides Damals h₁ Ein Anarchistennest wurde in München ausgehoben. Beteiligt find 28 Personen im Alter von 20-30 Jahren, bie fich in einer Gastwirtschaft zur Abhaltung einer anarchistischen Versammlung zusammengefunden hatten. Es sollen belastende Schriftstücke gefunden worden sein. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Ein Sohn Tolstois als Dramatiker. Die ruffisch- französische Vereinigung an der Pariser Universität führte am Montag das zweiaftige Schauspiel Marr" von einem Sohne Leo Tolstois auf. Das Stüd ist ein Revolutionsdrama, deffen Held von seinen Genossen den Auftrag empfängt, den Herrscher zu töten. Seine Schwester und Frau versuchen ihn von der Ausführung seines Planes zurückzuhalten. Aber er geht über die Liebe der Frau und der Leiche der Schwester dem Stele entgegen, das er für seine Lebensaufgabe hält. Der Erbauer des Achilleion gestorben. In Boscotrecase bei Neapel ist der bekannte italienische Baumeister Raffaele Carito gestorben. Garito hatte im Auftrage der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich das Achilleion auf Korfu in den Jahren 1889 bis 1891 erbaut. Nach dem Tode der Kaiserin ging das Achilleion bekanntlich in den Besitz Kaiser Wilhelms II. über. Aus den Gerichtssälen. Zigeuner als Eisenbahnattentäter. Wegen Gefährdung eines Eisenbahnzuges hatte sich gestern vor dem Schwurgericht in Stargard in Pommern eine Anzahl von Zigeunern zu verantworten. Die Angeklagten hatten versucht, zwischen Treptow an der Rega und Kolberg einen Eilzug, der vor allem Badegäste beförderte, zum Entgleifen zu bringen. Die Zigeuner hatten sich in dem an der Strecke liegenden Walde versteckt, um nach der Katastrophe sofort den Zug und bie Verwundeten plündern zu fönnen. Das Attentat konnte jedoch noch im letzten Augenblick von einem Streckenfontrollbeamten verhindert werden. In der Verhandlung war die Verständigung mit den Zigeunern, die sämtlich erklär= len, daß sie kein Deutsch verständen, sehr schwierig. Die Angeklagten wurden zu je vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Bier Jahre Gefängnis für eine Kindesmißhandlung. Die Fabrikarbeiterin Marie Krebs, die ihre achtjährige Etteftochter derartig mißhandelt hatte, daß das Kind starb, wurde vom Schwurgericht in Schweidnitz zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Bestien in Menschengestalt. Das Kölner Schwurgericht befaßte sich mit einem scheußlichen Verbrechen, das acht Burschen, meist im Alter von 20 Jahren, an einem jungen Dienstmädchen verübt hatten, indem sie das von einer Geburtstagsfeier nach Hause eilende Mädchen überfielen und vergewaltigten. Alsdann bedrohten sie es mit Totstechen und raubten das Halbtote Mädchen aus. Die Burschen wurden zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß die den Ange= klagten zur Last gelegte Tat derart roh sei, daß sie sogar im Gerichtssaal, wo man viel gewohnt sei noch Entsetzen erregt habe. Vermischtes. Ein mißlungener Ueberfall auf einen Geldbriefträger, der an den Ueberfall auf den Geldbriefträger Eulenburg erinnert, beschäftigt jetzt die Berliner Kriminalpolizei. In der Breslauer Straße in Berlin wurde ein Mann beobachtet, der dem Geldbriefträger Lemme vom Postamt 17 in mehrere Häuser folgte. Standen Leute vor der Haustür, dann machte er sich in scheinbar harmloser Weise auf der Straße zu schaffen. Einige Passanten folgten dem Verdächtigen und nahmen ihn in einem Hause fest, als er dem Briefträger gerade auf den Fersen folgte. Auf dem Polizeirevier entpuppte er sich als ein 23 Jahre alter Kaufmann Karl Bengs. In seinen Taschen fand sich eine Schachtel mit gemahlenem Pfeffer und ein Brecheisen. Bengs machte den Versuch, alles in harmloser Weise zu ertlären. Er gab an, daß er in der Breslauer Straße eine Geliebte gesucht habe, von der er nicht genau wisse, in welchem Hause sie wohne. Daß er sich im Besitz von Pfeffer befand, will er damit erklären, daß er für einen Freund Pfeffer verkaufen wollte, von dem er einige Proben rhalten habe. Das Brecheisen will er zum Oeffnen von Kisten benutzt haben. Diese Angaben haben bei der Polizei wenig Glauben gefunden, sa daß Bengs vorläufig in Haft behalten wurde. Kaufmann oder Handlungsgehilfe. Die Frage, ob eir faufmännischer Angestellter sich als Kaufmann bezeich nen darf, oder ob dieses Prädikat nur die ein Geschäft selbständig betreibenden Kaufleute führen dürfen, ist schon oft aufgeworfen worden. In Düsseldorf wurde sie vor einiger Zeit dadurch aktuell, daß der Magistrat auf Veranlassung der Handelskammer die Standesamtsbeamten anwies, nur bei selbständigen Kaufleuten die Bezeichnung ,, Kaufmann" in die standesamtlichen Bücher einzutragen. Es wurden infolgedessen Handlungsgehilfen entweder als solche oder je nach ihrer Stellung als Prokuristen, Kassierer, Buchhalter, Verkäufer eingetragen. während jedem kleinen Detaillisten, der ein Geschäft betrieb, die Bezeichnung Kaufmann" zugestanden wurde. Auf eine Beschwerde an den Minister des Innern hat dieser jetzt die Verfügung des Magistrats aufgehoben und angeordnet, daß von den Standesbeamten die Spezialbezeichnung bei kaufmännischen Angestellten nicht mehr zu verlangen sei, sondern jede berufsmäßig kaufmännische Person, wenn sie sich dem Standesbeamten gegenüber als Kaufmann bezeichne, unter dieser Bezeichnung in das Standesamtsregister eingetragen werden müsse. Das Skelett Johann Orths? Das Neuyorker Blatt ,, Gun" enthielt an: Montag folgende Anzeige:„ Zu vertaufen das Stelett des Erzherzogs Johann Orth, Bruder des Kaisers Franz Josef von Oesterreich. Echt und in bestem Zustande. Man adressiere die Briefe an Brieffasten 46 des Postamtes in Denver( Illinois, nicht Colorado.}"- Denver in Jllinois ist ein kleiner Ort von einigen hundert Einwohnern, und der Inserent ist ein Dr. Siegfried, der sich in dem Orte als praktischer Arzt niedergelassen hat. Er will das Gerippe vor 12 Jahren erworben haben. Das gerichtliche Verfahren, das, wie gemeldet, vor den Wiener Gerichten zwecks Regelung der Hinterlassenschaft anhängig gemacht worden ist, hatte ihn veranlaßt, mit den österreichischen Behörden in Verhand= lung zu treten, die jedoch offenbar zu keinem Resultat geführt haben. Er weigert sich den Vertretern der Presse gegenüber, das Geheimnis, wie er in den Besitz des Gerippes gekommen ist und wie er seine Echtheit nachweisen werde, zu enthüllen. Ein Mann, der Vertrauen zur Obrigkeit hat, ist, wie aus München geschrieben wird, zweifellos der frühere Jmpresario Julius Höfeld. Im August klagte er nachts in einem Münchener Lokal seinen Tischgenossen, er habe kein Nachtquartier. Aus Ult riet ihm ein Gast doch den Münchener Oberbürgermeister v. Borscht anzutelephonieren; der werde ihm schon ein Quartier besorgen. Und richtig, Höfeld Ilinaelte nachts 2 Uhr den Oberbürgermeister aus dem Bett. Ein Nachtquartier bekam er zwar nicht, wohl aber vor dem Schöffengericht 70 Mark Geldstrafe. Für das Geld hätte er im feinsten Hotel übernachten und sich obendrein etliche Ferngespräche leisten können. Das Eine italienische Dorftragödie. In Senerchia bei Neapel ereignete sich eine Bluttat von fast antiker Tragik. Fast gleichzeitig waren nach langer Kerkerhaft ein junger Bauer und eine junge Bäuerin aus dem Kerfer entlassen worden. Der junge Mann hate aus Eifersucht seinen Vater, der seine Frau verführt hatte, und seine verführte Frau ermordet. Die fast gleichzeitig entlassene, sechsundzwanzigjährige Bäuerin hatte ihrer Schwiegermutter, die fie allzusehr überwachte, den Kopf abgeschnitten. Paar, das sich durch Zufall fand, und durch Schicksalsfügung aufeinander angewiesen war, trat zum Entsetzen des ganzen Dorfes in ein Liebesverhältnis. Am meisten entrüstet darüber war die alte Mutter der Bäuerin, die vergebens den Liebhaber ihrer Tochter zu veranlassen suchte, das Verhältnis aufzugeben. Als keine Mahnung fruchtete, erwartete die alte Frau den Liebhaber in der Kirche beim Hochamt und schlug den am Altar Knienden von hinten mit einer Art nieder. Während alles floh, stellte sich die Mörderin den Gendarmen. Ein deutscher Pfadfinderbund. Der Verein„ Jugendsport in Feld und Wald" hielt Dienstag abend in Berlin unter der Leitung seines ersten Vorsitzenden Fabrikbesizers Georg Baschwitz eine Vorstandssigung ab, an der auch Vertreter der auswärtigen Vereine der Pfadfinderbewegung teilnahmen. Alle berichteten von einem Anwachsen der Bewegung, die namentlich in den Kreisen der Boltsschüler Eingang gefunden habe. Auch die in Betracht tommenden Behörden Preußens und Bayerns hätten Interesse für die Sache bekundet und Förderung zugesagt. Es wurde die Gründung eines„ Deutschen Pfadfinderbundes" beschlossen, dem sämtliche auswärtigen Vereine beitraten. Der neue Bund zählt bereits über 1000 Mitglieder aus allen Bevölkerungsfreisen. Eine deutliche Ausdrucksweise. In einem Orte der Rheinpfalz hat ein Hausierer erklärt, die Gemeinderäte seien alle Efel, weil sie, wie er behauptete, ihre Namen nicht schreiben könnten. Das Schöffengericht zu Neustadt a. d. Haardt hat ihn deshalb zu 20 M Geldstrafe verurteilt. In einem anderen rheinpfälzer Orte hat ein Bürger geäußert, die Hälfte der Gemeinderäte seien Esel, worauf er zum Widerruf angehalten wurde. Da erklärte er, die Hälfte der Gemeinderäte seien keine Esel. - 3m Harem eines indischen Fürsten. Eine amerikanische Schriftstellerin, die vor wenigen Wochen ein fesselndes Werk über Indien herausgegeben hat, fann sich rühmen, zwei Wochen lang im Harem eines indischen Fürsten gelebt zu haben. In einem interessanten Aufsatz schildert sie ihre Beobachtungen und zerstört die phantastischen Vorstellungen, die der uneingeweihte Europäer gewöhnlich mit dem Begriffe eines orientalischen Harems verbindet. Der Harem ist alles andere, als sozusagen eine SammIung schöner, liebenswerter Frauen; in den streng von der Außenwelt abgeschlossenen Gemächern Hausen mehr alte häßliche Frauen als schöne Geschöpfe, und der Sinn der Bewohnerinnen ist keineswegs darauf gerichtet, die Gunst des Herrn auf sich zu konzentrieren; es gibt ja fast gar keine Rivalität. Der Harem ist einfach die Familie des Maharadscha, die Familie, die sein Vater ihm vererbt hat und die er hinnehmen muß als etwas Gegebenes, nichts anderes als etwa der Thron und die Herrschaft. Er kann wohl, wenn die Laune ihn dazu treibt, die Zahl der Haremsfrauen vergrößern, aber es ist ihm versagt, auch nur eine einzige jener Bewohnerinnen der Frauengemächer zu entfernen, die ihm unbequem oder unsympathisch ist. So kommt es, daß die Gemahlinnen des orientalischen Fürsten gewöhnlich nur eine kleine Minderzahl des Harems bedeuten, der sich in viel größerem Maße aus Tanten, Verwandten, aus den Müttern seiner Halbschwestern und schließlich der eigenen Mutter und Großmutter zusammensetzt. Die alten Zeiten, da die Feldherrn die schönsten Frauen des besiegten Feindes als Trophäen mit heim brachten und ihren Fürsten als Beute darboten, sind längst vorüber, und die Art, wie heute hin und wieder eine junge Frau in einen Harem aufgenommen wird, hat gar nichts mehr von jener fernen Romantik, die einst um diese Frauengemächer spielte. Nur eines ist geblieben: die strenge Abgeschiedenheit der Haremsbewohnerinnen und die träge Untätigkeit ihres Lebens. Die Pflege ihres eigenen Körpers ist der einzige Inhait des Tages. Das Morgenbad, der wichtigste Teil des Tagewerks, wird zu einer umständlichen Zeremonie ausge= baut, die wenigstens zwei Stunden dauert; dann beginnt die Toilette. Ihre Hauptarbeit liegt in den Händen einer Masseuse, aber ein Europäer vermag sich keine Vorstellung davon zu machen, zu welcher Vollendung gerade der Orient diese Art der Körperpflege entwickelt hat. Die Abreibung erfolgt mit Hilfe von parfümierten, kostbaren Delen, die die Gemächer in einen schweren Dunst von Wohlgerüchen hüllen; wie die europäische Frau sich vielleicht am Abend zum Erscheinen in einer Gesellschaft rüstet, so bereitet sich die Orientalin für die tatenlose Leere des Alltags vor. Kann die Orientalin die Früchte ihrer Körperpflege zeigen? Es ist niemand da, der sie bewundert, und es bleibt nur eins, wodurch die Eintönigkeit des Tageslaufs sich unterbrechen läßt: Essen. Man ißt aus Langeweile, man ißt, weil man schlechthin nichts anderes tun kann. Denn förperliche Bewegung, Anstrengungen und Aufenthalt in frischer Luft sind den Haremsbewohnerinnen versagt; auf einem parfümierten Kissen liegend, silberne Schalen mit Leckerbissen und schwerduftende Liköre an der Seite, liegt sie da, starrt gleichmütig dem Rauche ihrer Zigarette nach oder greift allenfalls zu dem französischen Romane, der neben ihr auf einem Tabourett liegt. Nur hin und wieder unterbricht eine Ausfahrt in die Kaufläden diese stumpfe Tatenlosigkeit; doch wenn die verhängten Sänften nahen, muß der Bazarbesizer die anwesenden Kunden schleunigst entfernen, denn kein Fremder darf im Laden sein, wenn die Haremsfrauen des Maharadscha einkaufen. Die liebste Beschäftigung bleibt aber das Spiel mit Edelsteinen, mit ungefaßten Rubinen und Smaragden, die man nachlässig durch die Hand gleiten läßt und lauscht, wie sie in silberne Schalen herabfallen. Eisfiguren. Gisfiguren nennt der geübte Schlittschuhläufer die kunstvollen Spuren, die er mit der Kante feines Schlittschuhs auf die Eisfläche zu zeichnen versteht. Solcher Eisfiguren gibt es schon einige Zehntausende, so versichert uns die Sachverständigen. All diese vielen Schritte",„ Märsche", „ Rundläufe“,„ Reigen" und" Eisscherze" mußten selbstver= ständlich eine feste Benennung erhalten. Die Aufgabe der Namengebung hat man sich nun im Reiche der Eislaufkunst teils mit sachlichem Ernst und Erfinderstolz, teils aber mit frischem Humor unterzogen namentlich hat man auch die Galanterie liebenswürdigerweise recht oft zu Worte kommen lassen. Auf solche Weise entsteht dann ein„ Mizi"- oder„ Minna- Marsch", ein„ Valerien- Achter", ein„ PaulaSchritt", ein„ Berta- Zwischenbogenachter", ein„ Adiwalzer" usw. Sehr beliebt aber ist, wie schon angedeutet ward, auch die Benennung einer Eisfigur nach ihrem Erfinder oder ihrer Erfinderin. So schuf z. B. Alfred Blatter den „ Blatter- Zwischenbogenachter", Alexander Diaman.cot den " Alexander- Rebenachter", ein Fräulein Minni Sommer erfand die„ Sommer- Figur" und gemeinsam setzten zwet Wiener Eiskünstler den„ Dinstl- und Jofl- Flügelachter" in die Welt. Dann werden für die Eisfiguren namentlich auch gern sachliche Bezeichnungen gewählt die auf das auf der Eisfläche entstandene Linienbild oder auch mit auf die zur Ausführung der Figur erforderlichen Körperbewegun gen Bezug nehmen. Da kennt man z. B. einen Hornschritt, einen Schnabelschritt, einen Brillenschritt, einen Gegenschlingenwendungsschritt, einen Gegenwiegenhornschritt, ei= nen Gegendreierschritt usw. Nicht uninteressant sind auch die Namen der verschie denen hübschen" Rebenfiguren". Es gibt nämlich außer einer„ einfachen", einer doppelten", einer„ vierfachen" und einer gekreuzten vierfachen Rebe" auch eine Wiener Nebe", eine Kalifornische Rebe", eine Schnabel- Rebe" eine " Birkel- Rebe" usw. Außerdem heißt ein Eisrundlauf auch der„ Reben- Amerikaner". Aus Gesundheitsrücksichten sehr zu empfehlen scheint die Ausführung eines anderen Rundtanzes zu sein. Er soll eine massage ähnliche Wirkung auf den Körper ausüben und träg darum den Namen„ der Antihypochonder". Und während wieder ein anderer Rundtanz die melancholische Bezeichnung„ Die Dornenkrone" führt, heißt ein lieblicher Wiener Eisreigen, bei dem die Partner sich einander nähern und dann wieder fliehen, sehr charakteristisch„ Das Kokettieren". Ein anderer Reigen er hielt den interessanten Namen„ Der Unbewußte". Eine Dame erfand noch einen Schnörkel dazu und so haben wir nun außerdem noch einen unbewußten mit Schlinge". Gleichzeitig von einer Dame- einer Wienerin ward der schelmische Spitzbubenachter" ersonnen. Wienerinnen waren es auch, die sich eine Reihe„ überseeische" Figuren widmen ließen. z. B. die Figuren Bagamojo"," Timbuktu"," Uganda"," Sansibar". Schließlich gibt es auch noch eine Reihe von„ Eisscherzen". Da lernen wir Heren- und Affentänze", aber auch„ Lilienstengel" und" Fltederblüten" kennen; oder man führt uns das von Holletschek erfundene 3opfflechten" vor. Eine sehr hübsche Scherzfigur ist auch der Walfisch". Dem Umriß des Tieres werden sogar durch Wendungen auf betden Füßen zwei Linien beigefügt, die die beiden ausgestoBenen Wasserdampfstrahlen darstellen. Dieser Walfisch ist, wie Holletschef in seiner Kunstfertigkeit im Eislaufen" angibt, schwäbischer Herkunft. Er stammt aus Heidenheim in Württemberg. Drabtnachrichten und neuestes. Der Schlußakt einer Familientragödie. Berlin, 12. Januar. Gestern nachmittag wurden det Ruhleben aus der Unterspree die zusammengebundenen Leichen einer etwa 30jährigen Frau, eines 8-10jährigen Mädchens und eines 6jährigen Knaben geborgen. Die Leichen waren mit einem Kilogrammstück beschwert. Die Personalien konnten noch nicht festgestellt werden. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. Verhaftung eines Postdefraudanten. Berlin, 12. Januar. Der nach Unterschlagung von etwa 95 000 Mark von Bonn geflüchtete Obertelegraphenassistent Hutanus soll gestern abend in einer hiesigen Restauration in der Chauffeestraße verhaftet worden sein. Ausschreitungen der streikenden Berliner Fensterreiniger. Berlin, 12. Januar. Bei der Fensterreinigungsanstalt Berliner Glaserinnungsmeister im Südosten Berlins ist ein Streit ausgebrochen, und von den streikenden Angestellten find schwere Ausschreitungen verübt worden. Etwa zwanzig Arbeitswillige sind von diesen schwer verletzt worden. Arbeitswillige wurden von den Streifenden mit Schlagringen und Stöcken mißhandelt. Einige erhielten auch schwere Messerstiche. Die Ursache des Streiks soll darin zu suchen sein, daß die Arbeiter eine Lohnerhöhung gefordert haben, welche insgesamt 35 000 Mark für die Firma ausmachen würde. Einsturz einer Fabrikwand. Mainz, 12. Januar. Gestern nachmittag stürzte in der Delfabrik von Röder in Budenheim plöblich eine Wand ein, wodurch die in den oberen Etagen in Säcken lagernden Delbohnen nachstürzten und einige am Deltrichter im Parterre beschäftigten Arbeiter unter den Trümmern begruben. Der 50jährige verheiratete Wirt und Fabrikarbeiter Heinrich Schmidt wurde von den herabfallenden Steinen und Säden getötet, während der 22jährige Fabrikarbeiter Schläfer schwer verletzt wurde. Verhaftung eines flüchtigen Stadtrats. Kaiserslautern, 12. Januar. Der nach bedeutenden Unterschlagungen flüchtig gewordene sozialdemokratische Stadtrat Wolf ist in Hamburg verhaftet worden. Verdorbene Konserven für die russische Armee. Petersburg, 12. Jan. Der Hauptfonservenlieferank des Kriegs- und Marineministeriums in Wladiwostok, Valenti, hat sich beim Beginn der Revision der Konservenliefe rungen erhängt. Es wurde festgestellt, daß die von Valentt gelieferten Konserven seit langen Jahren verdorben waren und zahlreiche Erkrankungen unter dem Militär hervor riefen. Die Revision wird abermals ein„ Panama" aufdecken, bei dem wiederum viele Beamte der beteiligten Ref= forts schwer fompromittiert sind. Racheakt verführter Frauen. Krakau, 12. Januar. In Galizisch- Stanislowo verübten drei Frauen ein Bombenattentat auf einen steinreichen Einwohner, einen berüchtigten Frauenverführer, und verletzten thn tödlich. Die Opfer der Cholera in der Türkei. Konstantinopel, 12. Januar. Nach einer amtlichen Statistik sind seit dem 13. September insgesamt 1309 Cholerafälle vorgefommen, wovon 785 tödlich verliefen. Spanien befürchtet einen Eisenbahnerausstand. Madrid, 12. Januar. Der Minister des Innern hat die spanischen Eisenbahndirektionen aufgefordert, ihn unverzüglich zu benachrichtigen, falls eine ungewöhnliche Bewegung unter dem Eisenbahnpersonal beobachtet werden sollte. Alle Gouverneure wurden ersucht, Mitteilung zu machen, falls die spanischen Bahnangestellten versuchen sollten, ihre ausständigen portugiesischen Kollegen zu unterſtützen. Ein neues Goldland. London, 12. Januar. Wie aus Georgetown( Britisch Guiana) gemeldet wird, ist in dem Grenzgebiet von BritischGuiana und Venezuela ein neues Goldland entdeckt worden in einem Distrikt namens Wonamu. Verschiedene hundert Goldsucher find bereits auf dem Wege dorthin und Berichte von außerordentlich reichen Goldfunden sind in Georgetown eingetroffen. Es war Gefahr vorhanden, daß Streitigkeiten zwischen den Bewohnern der englischen Kolonie und den Venezolanern entstehen könnten. Infolgedessen entsandte der Gouverneur von Britisch- Guiana ein starkes Polizeiaufgebot in jenen Distrikt, aber die letzten Nachrichten melden, daß bis jetzt alles ohne Zwischenfall verlaufen ist. Allerdings ist der neue Golddistrikt nur unter größten Schwie rigkeiten zu erreichen, und die bittersten Entbehrungen sind gewöhnlich das Resultat der Reise. Wie ferner gemeldet wird, sind Nahrungsmittel sehr knapp. Bandel und Verkebr. 18 Milliarden Postscheckverkehr. Der Postüberwei fungs- und Scheckverkehr der Reichspost hat im abgelau fenen Jahre 1910, dem zweiten seines Bestehens, einen Uma satz von nahezu 18% Milliarden Merreicht. Es ist dies fast das Doppelte des ersten Jahres 1909. Damals hatte der Umsatz 9821 Millionen, im letzten Jahre dagegen fast 18460 Millionen betragen. Danksagung. Für die uns bei dem jähen Hinscheiden unseres geliebten Toden so ausserordentlich zahlreich dargebrachten Beweise wohltuender Teilnahme sagen wir an dieser Stelle innigsten Dank. 1. N. d. frauernden Hinterbliebenen: Wigand Gernhardt, Musiklehrer. Giessen, Diezstr. 11, den 13. Januar 1911. 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Abends 7½ Uhr: Versammlung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, den 18. Jan., abends 8 Uhr: Missionsstunde im Johannessaal. Pfarrer Ausfeld. Heute Freitag, den 13. Jan., nachm. 5½ Uhr: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde. Freitag, den 20. Januar, abends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung des Gesamt- Gemeinde- Frauenvereins. Vortrag von Pfarrer Stock aus Nieder- Ramstadt über kirchliche Krankenpflege und Organisation. Batholische Gemeinde Samstag, den 14. Januar. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 15. Januar. 2. Sonntag nach Epiphanie. Vorm. von 6½ Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. um 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vorm. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: Heilige Messe mit Predigt. Militäe= gottesdienst. Nachm. 5% Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruderschaftsandacht. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Klein& Fischer. Verantwortlich für die Redaktion i. V.: Albin Klein, für Reflame u. Anzeigen: W. Schmidt, sämtl. in Gießen. Didierte, Stimmen der bevor wohl w dem sie wirfen v ficht gen noch nich wirt Wi Wahlkrei Mitglied mofratie KrummSozialder Nach chriftlich- f didat fü Nidda in verordnet abgeordn Craue Heute und Lan worden. zimmer Bahlreich