rei hen[ 245/3 1. Mk. " 1 " 1 " " 35 " dschaft. Gießen. ann eine ter, Anna ter, Eliſe n. ter, Lina. ochter, Gereine Tochristian Be Heinrich. ein Sohn, n Gießen, Den. ann in RoNeuschaefer mit Hen cina Jacob, äcker, mit hau. tharine Her na Dauernmit Wilhel Fabrikarbei poth in WeB, mit MaJahre alt. in Gießen. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen olerteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Mittage 3 Uhr. - Erscheint Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter .. Manuskripte wird nicht garantiert... Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§. Nr. 161. Telephon: Nr. 362. Reichstagswahlvorbereitungen. e Friedberg, 12. Juli. Jm Reichstagswahltreise Friedberg Büdingen wird dem Ver= nehmen nach die Fortschrittliche Volkspartei diesmal eine eigene Kandidatur aufstellen. = 0= Schotten, 12. Juli. Jm oberhessischen Reichstagswahlkreise Alsfeld- Lauterbach- Schotten ist der seitherige Vertreter Bindewald wieder als Kandidat aufgestellt. Er wird auch die Unterstützung des Bundes der Landwirte erhalten. Die Sozialdemokraten haben Redakteur Vetters in Gießen aufgestellt. Landtagswahlvorbereitungen. der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberheffens Expedition: Seltersweg 83. neuen *) Worms, 12. Juli. In einer stark besuchten Vertrauensmännerversammlung der Nationalliberalen Partei in Worms wurde Herr Justizrat Stephan einstimmig als Kandidat für den Wormser Landtagswahlkreis aufgestellt. Die So= zialdemokraten haben für Worms den Stadt= verordneten und Parteisekretär Engelmann, für Osthofen Schreiner E. Luz aufgestellt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 12. Juli. Heute nachmittag findet im Gemeindehaus in der Kirchstraße eine wichtige Konferenz der evangel. Frauen- Vereine Oberhessens statt. Auf dieser soll nämlich beraten werden, wie sich eine zusammenfassende Organisation der Frauenvereine unserer Provinz ermöglichen läßt. Bis jetzt war es so, daß die einzelnen Frauenvereine, die in ihren Gemeinden und besonders auch hier schon viel Segen gebracht haben, für sich dastanden und einer vom andern nichts wußte, und darum kein Austausch untereinander stattfinden konnte. Außer der Beratung hierüber soll auch berichtet werden über die Fortschritte der Land- Krankenpflege, die gerade in unserer Gegend so sehr blüht und gedeiht. Hoffentlich erfüllen sich die Erwartungen, die sich an die Konferenz fnüpfen. 申 Die gestern veröffentlichte Stiftung des Herrn Geh. Kommerzienrats Heichelheim von 5000 Mark zu Gunsten der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime ist mit Rücksicht darauf ganz besonders bemerkenswert, daß durch diese Stiftung nicht nur die Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime unterstützt wird, sondern es werden den Satzungen der Gesellschaft gemäß zur freien Verfügung des Herrn Geh. Kommerzienrat Heichelheim alljährlich 50 fosten freie Verpflegungstage für Angestellte gewährt. Den Angestellten steht dabei die Auswahl unter sämtlichen Heimen der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime offen. Es wäre zu wünschen, daß dieses hochherzige Beispiel sozialen Sinnes recht lebhafte Nachahmung in weiten Kreisen der hiesigen Industriellen und Kaufleute fände. Wie sehr in ganz Deutschland die Bestrebungen der Deutschen Gesellschaft für KaufmannErholungsheime Anklang gefunden haben, geht daraus hervor, daß im Laufe der vorigen Woche allein schon für 70 000 Mt. Stiftungen erfolgten, in den letzten Tagen außer der erwähnten Stiftung des Herrn Geheimen Kommerzienrat Heichelheim noch folgende Stiftungen hinzugekommen sind: Von Herrn Feistmann- Offenbach a. M. 5000 Mt., Frau Bredenberg- Albert- Wiesbaden 10 000 Mt., Union- Fabrik chemischer Produkte in Stettin 5000 Mt., J. Schilgen- Emsdetten 5000 Mt., Carl Simon Söhne- Kirn 5000 Mt. und Metallgesellschaft& Metallbank- Frankfurt a. M. 10 000 Mt. * Die diesjährige Generalversam m- lung des Gleibergvereins findet am 29. Juli, nachmittags 4 Uhr im Nassauer Saal der Burg statt. Der Geologe Professor Dr. Kaiser von der GieBener Hochschule wird einen Vortrag über die geologischen Verhältnisse des Berges und seiner Umgebung halten, während Privatdozent Dr. Rauch über die Ge= schichte der Burg sprechen wird. Oeffentliche Arbeits- und Dienst nachweise. Jm Kreise Gießen befinden sich drei derartige Nachweise. In Gießen( städt. Arbeitsnachweis) Asterweg 9, Telephon 95; in Grünberg Neustadt 78, Telephon 45; in Hungen Neugasse 9, Telephon 43. Die Vermittelungstätigkeit erstreckt sich auf alle Arten von Arbeitern und Arbeiterinnen, sowie Dienstboten, besonders auch auf landwirtschaftliche Arbeitskräfte( landwirtschaftliche Arbeiter, Knechte, Mägde, Schweizer, Taglöhner usw.) auch Kellner und Wirt= ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch, den 12. Juli 1911. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. - die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 fg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plapvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. zirksvorsitzende Daab- Lollar sprach seine Freude über das Zusammensein preußischer und hessischer Kameraden und über ihr Zusammenstehen zum großen deutschaftspersonal. Nur außerdeutsche Saisonarbeiter sind vom Nachweis ausgeschlossen. Die Vermittlung ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer kostenlos. In erster Linie wird die Besetzung freier Stellen mit im Streise seß- schen Vaterland vor 40 Jahren aus. Seine Rede flang haften Arbeitskräften erstrebt. *) Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes der Tandw. Berufsgenossenschaft erläßt die zeitgemäße Warnung, die Sense ntlingen auf dem Wege von und zur Arbeit nicht offen, d. h. ohne die in den Unfallverhütungsvorschriften vorgeschriebenen Schutzporrichtungen zu tragen. Die Außerachtlassung der Unfallverhütungsvorschriften ist straffällig und können die Betriebsunternehmer bei Unglücksfällen, die durch das Tragen von offenen Sensen entstehen, haftpflichtig gemacht werden. 卑 Gewichtsangabe von Paketen. Wie das Reichspostamt bekannt gibt, ist es den Absendern gewöhnlicher Pakete, die über die Einlieferung eine Bescheinigung zu erhalten wünschen, fortan gestattet, in den vom Publikum auszufüllenden Posteinlieferungsschein auch das Gewicht der Sendungen anzugeben. Die Scheine werden bei der Annahme der Pakete am Postschalter auch inbezug auf die Richtigkeit der Gewichtsvermerke geprüft und, wenn das amtlich ermittelte Gewicht hiermit nicht übereinstimmt, die Gewichtsvermerke postseitig berichtigt. Auf Grund dieser Gewichtsvermerke fann der Betrag des Portos unschwer kontrolliert werden. in ein Hoch auf das geeinte deutsche Vaterland aus. Präsidialmitglied Will überbrachte beiden Bruder- Verbänden die Grüße des Präsidiums. Unter lebhaftem Beifall wies er auf das energische Eintreten der deutschen Regierung gelegentlich der Marokkowirren hin und vistengewinnung. Ein Damenreigen mit Blumengewinwandte sich schließlich zur Jugendbildung und Reser- den unter Leitung des Turnwarts Klingelhöfer und turnerischen Darbietungen füllten neben Konzert und Tanz tausendköpfige Menschenmenge. den Nachmittag aus. Auf dem Festplatz wogte eine h Lich, 10. Juli. Eine Versammlung ehemaliger oberhessischer Landwirtschaftsschüler der landw. Schulen zu Friedberg, Alsfeld, Lich und Büdingen beschloß, einen Verband ehemaliger landw. Schüler zu gründen. 3um Vorsitzenden wurde vorläufig Landtagsabgeordne= ter Fenchel von Ober- Hörgern gewählt. *) Lich, 12. Juli. Mit den Wahlkämpfen bei der Bürgermeisterwahl in Grüningen hat sich unser Schöffengericht drei Tage lang befaßt. Das Gericht gelangte schließlich zu der Ueberzeugung, daß beide Parteien gesündigt hatten und verurteilte Freund und Feind zu Geldstrafen von 20-50 mt. Die Bürgermeisterwahl ist damit noch nicht beendet, wird vielmehr nächsten Samstag den Kreisausschuß zu Gießen beschäftigen. -e- Nieder- Mörlen, 12. Juli. Die Wolf legte sofort unter heftigem Schluchzen ein volles Ge= -v- Vogelschutz. Um einen wirksamen Vogelschutz zu schaffen ist in erster Linie der unheilvollen Tätigkeit der wildernden Hauskaße Einhalt zu tun. Erfreulicherweise greift diese Erkenntnis immer weiter um sich. So haben bereits vor Jahren die sächsischen Städte Sebniz und Augustusburg die Einführungständnis ab, während Erbe alles in Abrede stellte einer Katzen ste u er beschlossen. Dazu gesellten sich neuerdings die Städte Calvörde in Braunschweig und vor allem München und Ems. In Rudolstadt wurde die Einführung einer Katzensteuer zwar abgelehnt, dagegen eine Polizeiverordnung erlassen, wonach das Freiumherlaufenlassen der Hauskate mit 30 Mark bestraft wird. Aehnliche Verordnungen sind auch bereits in, anderen Städten, wie Hamburg, Halberstadt u. a. in Kraft. Mag nun der eine oder der andere Weg bevorzugt werden, überall dringt die Erkenntnis durch, daß es unmöglich ist, Vogelschutz zu treiben, ohne der Katzenplage Einhalt zu tun. * Saaten stand. Die auf eine gute Entwickelung der Saaten und Futterpflanzen gehegten Hoffnungen sind in dem soeben abgelaufenen Monat nur stellenweise in Erfüllung gegangen. Um den 10. Juni traten beträchtliche Kälterüdfälle ein. Auch die Nieder= schläge waren nicht überall eindringend genug. Besonders soll unter den Nutzpflanzen viel Unkraut, namentlich Hederich, wuchern. Von tierischen Schädlingen sollen Mäuse mangels vernichtender Witterungseinflüsse verheerend auftreten. Der Saatenstand im Juni war infolge äußerst ungleichmäßig verteilter Niederschläge naturgemäß auch in den einzelnen Gegenden sehr verschieden. Am meisten trifft dies auf Roggen zu, der schon Ende Mai zu blühen begann und Ende Juni noch nicht überall abgeblüht hatte. Seine Halme sind im allgemeinen nicht lang, die Bestockung nur einhalmig. Obgleich Winterweizen nach einer günlichen Vorsprung anderem Getreide gegenüber hatte, stigen Durchwinterung bereits im Frühjahr einen erheb= stand er noch überall in Blüte. Ha fer soll zumeist sehr furz, nicht selten auch schlecht bestockt sein. Von Hack= früchten zeigen Kartoffeln erfreulicherweise sehr wenig Lücken, dagegen lauten die Nachrichten über 3 uk kerrüben nicht zufriedenstellend. Was Futterpflanzen, Klee und Luzerne, sowie Wiesen anlangt, wird geflagt, daß der erste Schnitt an Menge nicht die Hälfte wie im Vorjahr ergab, an Güte jedoch nichts zu wünschen übrig läßt. = Großen Linden, 10. Juli. Hier fand das Verbandsfest des Kriegerverbandes Hüttenberg und zugleich das Bezirksfest des Hassia- Bezirks Gießen statt. Es waren dazu 55 Kriegervereine erschienen, 30 aus Hessen und 25 aus dem preußischen Kreis Wetzlar. Der Festzug, der sich um 23 Uhr durch das Städtchen bewegte, umfaßte 62 Abteilungen und Vereine. Dem Zug voraus ritten Festreiter. Das Städtchen war reich geschmückt mit Fahnen, Girlanden und Tannengrün. Auf dem schön gelegenen Festplatz begrüßte Dr. Platz die Kameraden aus Preußen und Hessen und toastete auf den obersten Kriegsherrn. Beigeordneter Menges sprach namens der Gemeinde und gedachte der 40jährigen Friedenszeit. Sein Hoch galt dem Großherzog. Der Beund nur zugab, vor einigen Wochen einmal in NiederMörlen gewesen zu sein. Die Wolf bezeichnete den Erbe als den Urheber der Tat; Erbe hätte fortgesetzt an ihr und ihrem Bruder gedrängt, es müsse Geld herbei und dann habe sie ihm gesagt, in Nieder- Mörlen könnte vielleicht etwas zu machen sein. Sie habe ihm die Adresse von Möbs und Walther mitgeteilt. Er blieb bei seinem Leugnen, bis man auf der Reise nach Gießen in die Richtung der Mordstelle kam. Hier fingen die Kriminalbeamten nochmals an, mit ihm die Tat zu besprechen, wobei sie ihn zum vollen Geständnis bewegten. Erbe hat die Tat jetzt zugegeben, die sich im wesent= lichen mit den gemachten Aussagen der verhafteten Komplizen Wolf decken. Die Wolf gab an, daß sie die Liebe zu Erbe zur Mittäterschaft veranlaßt habe. Bei der Fahrt nach Gießen mußten die Kriminalbeamten die Fenster des Abteils schließen, da das Publikum auf jeder Station die Verbrecher sehen wollte und den Wagen geradezu stürmte. Aus der Wohnung des Erbe im Wasserweg beschlagnahmte die Kriminalpolizei einen Karton mit Streuseltuchen, welchen Wolf von einer Verwandten namens Jung aus Nieder- Mörlen per Post erhalten hatte, ferner zwei Kartons und zwei Schlin förbe mit alten Kleidern, einen gelben Reisekoffer, Toilettekisten, Spiegel, ein Kochbuch und ein katholisches Gebetbuch, das der Wolf gehörte. -e- Lauterbach, 12. Juli. Infolge eines Stiches einer giftigen Fliege ist ein 17jähriger Bursche aus Gunzenau im hiesigen Krankenhause an Blutver= giftung gestorben. Stadtarchiv wurden von der Bürgerschaft über 200 Friedberg, 12. Juli. Dem Friedberger feltene 3eichnungen, Stiche, Gemälde u. Photographien von Friedberg überwiesen. Sie ergeben eine fortlaufende Geschichte des Wachstums, des Lebens und Treibens der Stadt von 1646( Merian) bis 1911. Von 1870 an ist jedes Ereignis von Bedeutung für Friedberg lückenlos im Bilde vertreten. Darmstadt, 12. Juli. Einen schrecklichen Tod erlitt der 45 Jahre alte, verheiratete Bahnwärter Georg Bezz aus Egelsbach. Auf bisher unaufgeklärte Weise explodierte in seiner Wellblechbude der Petroleum- oder Delbehälter. Bis Bez zur Besinnung fam und aus dem Raume flüchtete, war er derart am Körper und an der Hand verbrannt, daß er besinnungslos zusammenbrach. Auf dem Weg zum Krankenhaus starb er. Seine in Frankfurt in Stellung gewesene Tochter ging vor acht Tagen Selbstmord. * Herborn, 12. Juli. Am Sonntag fand in Straßebersbach das 5. Sängerfest der Mitteldeutschen Vereinigung des Cchristlichen Sän= gerbundes deutscher Zunge statt, bei dem zirka 6000 Menschen anwesend waren. Die Unterhaltung über Maroffo. England als schlauer Marler. Kronprinz, Aiderlen- Wächter und Gambon. dig geblieben. Und zum Schluß haben wir uns noch immer leidlich vertragen." Er wurde Eugen Richter gerecht mit den Worten:„ Er war der Besten einer, ein guter Redner und vor allem ein Mann, der wußte, was er wollte. Er war ein Verneiner und darum mein Gegner, aber solche Männer wie Richter gibt es heute faum im Parlament."„ Es gibt heute wenig Männer," so meinte der frühere Minister, die die Sache über die Person stellen, persönlicher Ehrgeiz tſt heute das Motiv der Handlung, selten noch ist das Bestreben, dem Vaterland zu dienen." wal bem mit ma jub gen Sor bie Son Bel ber gen Tra Rec Viel der da e dert mitt Das Bub beim wur foner pitän gefpi Das Befinden des Kaisers Franz Josef hat sich in folge der Schonung während der letzten Zeit so erheb lich gebeffert, daß der greise Monarch in seinem vorbildlichen Pflichteifer wieder wichtige Repräsentationen persönlich übernehmen will. Ueber diesen Entschluß wird aus Wien gemeldet: Die offiziell angekündigte Reise des Kaisers zu den Manövern ruft in den dem Hofe nahestehenden Kretsen große Ueberraschung hervor. Sie ist auf einen ganz selbständigen Entschluß des Kaisers zurückzuführen, ebenso wie seine Absicht, den Urlaub zu unterbrechen, um den Reichsrat mit einer Thronrede zu eröffnen. Es besteht kein Zweifel, daß der Hofrat Neußer bei der letzten Untersuchung vor acht Tagen den Kaiser über seinen Gesundheitszustand dermaßen beruhigt hat, daß der Monarch die Straft in sich fühlt, allen seinen Pflichten in vollstem Maße nachzufommen. Staatsjefretär Hiderlen- Wächter erhielt in den lezten Tagen zwei Besuche, die, wie von diplomatischer Seite ge schrieben wird, beibe mit der Maroffoaffäre zusammenhängen, wenn sie auch beide grundverschiedenen Charakter haben. Es ist tein Zweifel, daß der jüngste Besuch, den der Kronprinz sofort nach seiner Rüdlehr aus dem Feldlager dem starten Leiter der Marottoangelegenheit abstattete, durch die Entfendung des Kriegsschiffes nach Agadir vet anlaßt wurde. Der Besuch war, wie es bei einem Thronfolger selbstverständlich ist, durchaus privater Natur und inoffiziell und sollte nur die warme Freundschaft zum Ausbrud bringen, die der Kronprinz für den Staatssekretär empfindet. Bei allen nationalen Angelegenheiten, die daz ganze deutsche Boll im Innersten bewegen, ſteht unser Kronprinz mit warmherziger Initiative an erster Stelle, als der erste Brivatmann Deutschlands. Es sei nur an die Begeisterung Deutschlands für den Grafen Beppelin erinnert. Auch hier war es der Kronprinz, der den Vorsitz in der Voltsipende übernahm und ber burch sein Tele gramm: Balte Ihnen die Stange" seine Stellungnahme zu Zeppelin öffentlich zum Ausbrud brachte. Der Besuch bes Kronprinzen bei Riberlen war einem Gefühl der allgemeinen deutschen Befriedigung über die erste Tat in der Maroffojache entsprungen und wird allgemein so gewertet. Der Besuch des französischen Botschafters Gambon bei Sti berlen war höchst offiziell, trotzdem er in der Privatwohnung des Staatssekretärs abgestattet wurde. Es war der erste Schritt zur frieblichen Verständigung, die unzweifelhaft erfolgen wird. Man ist auf deutscher Seite durchaus geneigt, endlich die Maroffoangelegenheit jo zu regeln, daß die Spannung zwischen Deutschland und Frankreich ein Ende nimmt, und daß beide Völker in Ruhe und Frieben leben fönnen. Die Entsendung des deutschen Kreuzers nach Agadir hat die ganze Angelegenheit erheblich be schleunigt. Daran kann man erkennen, wie berechtigt die allgemeine Befriedigung über diesen Schritt war, denn er war das Wetterleuchten einer neuen Aera in unserer auswärtigen Bolitit, die jetzt unter den Zeichen steht: start, zielbewußt und friedlich. Die Maroffoangelegenheit scheint den normalen Berlauf zu nehmen. Die erste Unterhaltung" zwischen dem Botschafter Gambon und dem Staatssekretär v. Riberlen- 23 achter hat stattgefunden, und wenn man auch die spärlichen Nachrichten, die darüber vorItegen, mit großer Vorsicht aufnehmen muß, so steht doch so viel fest, daß der Verlauf der Unterredung zu feinerlei Beunruhigung Anlaß gibt. Es werden freilich noch manche Unterhaltungen stattfinden müssen, bis man erfährt, auf welcher Basis die Einigung stattfinden foll. Wenn Diplomaten unterhandeln, so geht das nie sehr schnell. In diesem Falle wird aber der Gang der Verhandlungen noch dadurch erschwert, daß gleichzeitig an zwei Stellen verhandelt wird: in Berlin und in Paris. Der Botschafter Cambon besitzt nur eine beschränkte Bollmacht und muß sich vor jedem weiteren Schritt erst mit Barts verständigen, so heißt es. In Wahrheit dürfte die Sache allerdings umgefehrt liegen. Der französische Minister des Aeußeren de Selves fühlt fich in der Maroffoangelegenheit durch feinerlei Sachfenntnis beschwert. Dies tit für ihn umso mißlicher, als ihm in der Person des Frhrn. v. Schoen ein besonders genauer Renner der gesamten Maroffomaterie gegenabersteht. Der franzöfifche Minister hat deshalb offenbar das Bedürfnis, sich fortlaufend von Herrn Cambon der von der Sache weit mehr versteht als er felbst, Informationen zu holen, damit die Verhandlungen in Berlin und Paris stets parallel laufen. Für Herrn Cambon hat der Mangel einer weitgehenden Vollmacht überdies den großen Vorteil, daß er auf fritische Fragen die Antwort schuldig bleiben kann. Jedenfalls scheint schon dieser Anfang der Verhandlungen die Franzosen überzeugt zu haben, daß es nicht allzu schwierig ist, sich mit Deutschland über Maroffo zu einigen, und daß es vielleicht überellt war, in der ersten Bestürzung in London Himmel und Hölle in Bewegung zu sehen. Es wäre von Anfang an weit richtiger gewesen, wenn sich Frankreich auf den Standpuntt gestellt hätte, daß der ganze Marottohandel eine Interne deutsch- französische Angelegenheit sei. England hatte seinerzeit gegen den Verzicht Franfreis auf Aegypten allen seinen maroffanischen Aspirationen ent fagt. Obwohl eigentlich Frankreich bei diesem Handel der Betrogene war, well seinen maroffanischen Gelftften in Algeciras ein Riegel vorgeschoben wurde, so tönnen doch die Engländer den Gedanken nicht los werden, Maroffo zu wohlfeil verschachert zu haben. Namentlich fönnen sie es nicht verschmerzen, daß ihnen burch ihren Beratcht die Hoffmung geraubt ist, in Tanger einmal ein hübsches Gegenstück zu Gibraltar zu erhalten. Die Art, wie man jetzt in Paris alles Heil von England erwartete, mußte natürlich der britischen Eigenliebe mächtig schmeicheln, und damit stieg auch wieder die Hoffnung der Engländer, in Marotto doch noch ein Geschäft machen zu fönnen. Diese Gelegenhelf, wieder einmal den lachenden Dritten spielen zu fönnen, ist zu verlockend, und so ist John Bull natür lich gern berett, den Streit um die marottanische Nuß schlichten zu helfen: Frankreich soll die eine Schalenhälfte bekommen, Spanten und Deutschland zusammen die andere. Den süßen Kern aber fordert England für fich als Vermittlungsgebühr. Frankreich hat aber durch die Anrufung Englands bte Gefahr heraufbeschworen, daß es nun außer den Konzessionen, die es Deutsch= land machen muß, auch noch England die Maklerprovision zu zahlen hat. Was die Franzosen über die Unterredung zu wissen glauben. Rundschau vom Cage. Politisches. Kaiser Wilhelm hat zwet französischen Of= ftzteren Ordensauszeichnungen verliehen, und zwar bem Genieoberstleutnant Vignal vom französischen Großen Generalstab den Kronenorden zweiter Klasse und dem Rittmeister Cornu de la Fontaine den Roten Adlerorden dritter Klasse. Der Anlaß zu dieser Dekorierung ist nicht bekannt. Der Vorsitzende des Hansabundes, Geheimrat Nießer, hat, wie aus Cöln gemeldet wird, auf die nächsten Tage eine große Anzahl von Versammlungen im Rheinland und in Westfalen, insbesondere im rhetanberaumt. nisch- westfälischen Industriegebiet GeHeimrat Rießer wird in diesen Versammlungen über die Stellungnahme des Hansabundes zu seinen Gegnern und über die letzten Vorgänge im Industriegebiet sprechen. Eine Eingeborenenempörung in PortugiesischWestafrika. Am Flusse Kuanza in Portugiesisch- Westafrifa haben die Eingeborenen ein Burenlager überfallen und deren Wagen niedergebrannt. Eine Lissaboner Depesche sagt, daß mehrere Europäer ermordet wurden. Die Empörung soll um sich greifen, und die Lissaboner Regierung hat deshalb den Gouverneur von Angola telegraphisch angewiesen, eine Strafexpedition gegen sie auszusenden. Der nenen venezolanischen Revolution, die der plötzlich wieder aufgetauchte Castro angezettelt hat, wird in Holland mit großer Besorgnis entgegengesehen, da weder Holland noch Amerika eine neue Präsidentschaft Castros anerkennen werden. Neue internationale Verwicklungen wären nach einem Siege Castros unvermeidlich. Der Korrespondent des„ DailyExpreß" in Neuyork meldet, daß nach Depeschen aus Venezuela Erpräsident Castro sich mit einer Fleinen Armee von 2000 Mann 700 Kilometer von Caracas entfernt befinde. In der Hauptstadt hatte diese Nachricht große Banik hervorgerufen. Castros Soldaten sollen über Gewehre modernsten Kaltbers verfügen. Außerdem verfügt Castro, wie verlautet, über mehr als 25 M Itonen Franken. Es wird angenommen, daß er durch eine allgemeine Amnestie sich weitere Anhänger erwerben wird, wenn er wieder ans Ruder kommen sollte. 23 nene Einjährigenzeugnisse für Handwerker. Die Anzahl der an Handwerker für hervorragende gewerbItche Leistungen zuerteilten Zeugnisse mit der Berechtigung zum einjährig- freiwilligen Dienst hat, wie uns mitgeteilt wird, in den letzten Tagen eine ganz ungewöhnliche Zunahme in einem einzigen Armeekorps erfahren. Vom Generalfommando des 9. Armeekorps find nämlich 23 junge Handwerker auf Grund des Paragraphen 89 der Deutschen Wehrordnung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst zugelassen worden, ohne daß sie den üblichen Nachweis der wissenschaftlichen Bildung zu erbringen hatten, da ihre gewerblichen Leistungen den Ansprüchen der Gewerbekammer entsprachen. Vom Generalkommando waren der Gewerbekammer 39 Arbeiten junger Handwerker vorgelegt worden, denen die Berechtigung zum einjährig- freiwilligen Dienst zuerkannt werden sollte, es wurden aber nur 28 für würdig befunden. Diese Zahl stellt trotzdem einen Reford dar und beweist aufs neue das Entgegenkommen der milttärischen Kreise gegenüber dem Handwerk. In Pariser unterrichteten Kretsen will man wissen, daß die Unterredung zwischen Botschafter Cambon und Riberlen- Waechter in ihrem ersten Teil einen etwas frostigen Charakter getragen habe. Gambon wies mit Nachdruck auf die unangenehme teberraschung bin, welche sich so furze Zeit nach der in Kissingen so vielversprechend eingeleiteten Verständigung der Partfer leitenden Kreise durch die Demonftration Deutschlands bemächtigt habe. Freimittig babe& iderlen Waechter die Nötigung Deutschlands zu diesem Schritte gekennzeichnet, weil im Moment der Absentdung des Panther" tatsächlich keine Autorität an der atlantischen Reitste zu bestehen schien, da fa die fran zösischen Truppen im Innern des Landes mit Arbet fen überhäuft waren. Der französische Gewährsmann fagt, daß die Konversation nicht in dieser scharfen Tonart fortgeführt worden set. Die beiden Herren hätten sich vielmehr der Besprechung außermaroffantscher Fragen zugewendet. Unter den Gebietsteilen, die von Deutschland als Kompensation in Aussicht genommen werden, kommt u. a. eine Abrundung im Süden Ka meruns in Frage. Außerdem wäre es sowohl Frankreich als Deutschland erwünscht, über thre beiderseitt gen Interessensphären in der Tschadseegegend eine Etnigung au erzielen. 12) Jugendfreundschaft. Roman von G. v. Schltppenbach. ( Nachdruck verboten.) Wie viel ihre beiden ältesten Kinder der Mutter in diesen schweren Tagen bedeuteten, hat Frau Grotenbach dankbar erkannt, aber auch Eva und die jüngeren Kinder umgaben die Tiefgebeugte mit ihrer findlichen Liebe; so war sie reich gefegnet mitten in ihrer Trauer um den Gatten und die Tochter. Kleine Nachrichten. Fürst und Fürstin Bülow sind gestern abend in Norderney angekommen. Sie wurden vom Publikum herzlich begritßt. Eine herbe Kritik der Gegenwart. Der frühere Führer der Konservativen, Staatsminister a. D. von Köller, der am Samstag seinen 70 Geburtstag feterte, empfing aus diesem Anlaß einen Vertreter der Stettner Neuesten Nachrichten und sprach mit ihm von der guten alten Zeit. Dabet sagte er:„ Mein Leben ist Arbett und Mühe gewesen. Viel Haß und Gegnerschaft haben auf meinem Wege gestanden, aber auch manche Freude, mancher Erfolg. Die Liberalen haben mich mein ganzes Leben hindurch bekämpft, wir sind hart aneinandergeraten, ich bin ihnen aber auch nichts schulWas nun? Die Frage drängte sich ihnen auf, nachdem die erste Zeit vergangen war. Eine sehr bescheidene Pension war der Witwe von der Bank in Aussicht gestellt worden, aber was bedeutete das für eine große Familie? Gott wird uns nicht verlassen und uns beisteben." Dieser Gedanke tröstete Thekla Grotenbach wunderbar, thr Glaube wankte nicht. Ste mußte sehen, in irgend einer Art fitr ihre Kinder zu arbeiten, freudig wollte sie den Kampf um die Existenz aufnehmen und nicht verzagen. " Nach oben schaut, auf Gott vertrau', Nach Wolfen wird der Himmel blaut." Die Zeichnungen zur Jathospende betrugen bis zum 6. Jult insgesamt rund 130 000 Mart. In dieser Summe find fünf Beiträge zu 5000 Mark, drei zu 3000 Mart, acht zu 2000 Mart, weiter 36 bis zu 1000 Mark herab, 159 andere bis zu 100 Mark enthalten.nl hängig werden und es nicht bedauern, meinem Vorschlag Gehör geschenkt zu haben." Die Entführer des Ingenieurs Richter verlangen jetzt statt 50 000 Pfund 15 000 Pfund gleich 300 000 M. Lösegeld. Diese Summe soll in fünf Tagen nach Elassona gebracht merden. Richter teilt in einem an das deutsche Konsulat gerichteten Brief mit, er jet fräntlich. Er beschwört die Behörden, sie möchten die Zahlung des Lösegeldes beschleunigen, weil die Räuber ihn bedrohen. Da Lina und Alfred mit diesem Plan einverstanden waren, beantwortete Frau Grotenbach sofort den Brief in bejahendem Sinne. Dret Wochen später war der Haushalt in Memel aufgelöst, die besseren Sachen nach Berlin geschickt. Das blieb der Wahlspruch ihres Lebens. In dieser Bett fam ein Brief Frau Haidecks an, sie schrieb, daß die Verlobung Karlas mit Konstantin Uchatscheff nach der Prüfungszeit der Liebenden veröffentlicht sei, daß der junge Offiater bei näherer Bekanntschaft gewinne, und daß er Karla wirklich zur Iteber scheine. Zum Schluß fragte Frau Haideck ihre Freundin, ob sie geneigt wäre, nach Berlin ftberzusiedeln, es set dort eine Fremdenpension unter günstigen Bedingungen zu übernehmen. In zartfühlender Weise erbot sich die Reiche, der Ar men die erforderlichen Geldmittel vorzustrecken. Ein folgenschweres nächtliches Renkontre hat sich in Effen abgespielt. In der Nacht zum Montag versuchte der Bergmann Maluf seinen Freund, der wegen Stan dalierens verhaftet worden war, zu befreien. Maluk schlug mit einer schweren Eisenstange auf die Beamten ein und diese zogen blant. Sie verletzten ihn durch Säbelhiebe so schwer, daß er auf dem Wege zum Kranfenhause starb. Lange fniete die Witwe am Hügel der beiden Verstorbenen, ihre Tränen fielen auf die Blumen, die sie als letzten Gruß brachte. Am Abend verließen Grotenbachs die Stadt, in der sie viele Jahre gelebt hatten. Eine neue Epoche thres Lebens lag vor ihnen. Wie wird es ihnen ergehen? Wie Du weißt, bin ich eine gute Rechnerin," hieß es,„ tch rate Dir, zuzugreifen, Du wirst fret und unab „ Mit Gott voran, Mutter," sagte Alfred leise, als der Zug abfuhr. Fünftes Kapitel. Pension Grotenbach. Eine ganze Familie bei einem Brande umgekommen. In dem holländischen Orte Zaandam brach ein furchtbarer Brand aus. Eine Familie, bestehend aus Bater, Mutter und vier Kindern, verbrannten, neun Häuser fielen dem Brande zum Opfer. Im Gerichtssaal erichoffen hat sich gestern morgen in Augsburg der Masseur Musynski aus Zürich. Seine Frau hatte sich vor dem Schwurgericht wegen eines Verbrechens wider das keimende Leben zu verantworten. Als ihr Mann den Antrag des Staatsan„ Wie hübsch Du bist," sagte Klara,„ Du bist hier ganz jung geworden." „ Geb nur rubig zu Tante Anna, Mutter, das Mittagessen ist ja vorüber, ich werde für den Kaffee und fitr das Abendessen sorgen; unsere Pension ist ja augenblicklich weniger besetzt, bleibe nur recht lange fort." Die Sprecherin ist ein frisches, junges Mädchen mit freundlichen blauen Augen und schlichtem Blondhaar, fie ist groß und schlank und trägt ein gut gemachtes, dunkles Kleid, darüber ein sterliches Latzschürzchen. Es tst Klara Grotenbach, jetzt ein blühendes Mädchen von achtzehn Jahren, die ihrer Schwester Lina gleicht. Sie tst die rechte Hand threr Mutter geworden und nimmt thr gern die große Arbeitslast ab. Die ibren Broz ober menn ten jemal fann lich b med ger h beim abgen lagter bom mehr wand macht ger ber ftreit ein go rede d fich i Stage je bo nod Iditar „ Mit meinen grauen Haaren? Du übertreibst Kind." " Ja, Du stellst alle Deine Töchter in den Schatten, selbst Eva, die doch unsere Schönheit ist." Fandest Du nicht, daß Evchen gestern sehr ernst aussah?" fragte Frau Grotenbach, sich die Handschuhe zuknöpfend. Während Klara spricht, ist sie Frau Grotenbach beim Ankleiden behilflich, fie legt ihr den modischen Frühlingsumbang um die Schultern und ritckt den Kapothut mit den Beilchen zurecht, dann tritt sie etwas zurück und mustert mit liebevollen Auaen die stattliche Erscheinung der geltebten Mutter. „ Es war gewiß nur die Ermüdung von der Reise," meinte Klara.„ Hoffentlich," versette Frau Grotenbach, " sage den Brüdern, wenn sie von der Turnstunde kommen, daß sie mich abholen sollen." Als die Mutter gegangen war, eilte Klara in die Küche, streifte die Aermel ihres Kleides bis zum Ellbogen auf und griff tapfer zu. Flink ging thr die Arbeit von der Hand, sie griff alles am rechten Ende an und die Dienstboten gehorchten ihr gern; der Haushalt war in tadellosester Ordung. Frau Grotenbach hatte auch dieses Kindes Anlagen erfannt, sie hielt es für besser, Klara nicht mit Musik und Sprachstunden zu quälen, von denen sie doch wenig Vorteile gehabt hätte. Statt dessen besuchte Klara wie einst Lina eine Haushaltungsschule und in der Pension verwertete sie die dort gesammelten Kenntnisse. Ueber alles Erwarten gut war es mit dem von Frau Grotenbach gewagten Unternehmen gegangen; die Preise für die Pension waren nicht allzu hoch und das dafür Gebotene ausgezeichnet, nie waren die sauber eingerichteten freundlichen Zimmer ganz leer und oft war der Zudrang so start, daß man nicht alle Gäste aufnehmen konnte. Thekla Grotenbach ging am Reichstagsgebäude vorbei; thre Penfion lag am Ende der Dorotheenstraße. Wie ein zarter, lichtgrüner Schleier lag es über dem Tiergarten; Berlin war im Maienschmuck. ( Fortsetzung folgt.) ten 11 tuent mirlia S fegnur Sonnt Graf Grafer Geschle jow) Beamt teil. 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Auf bisher unaufgeklärte Weise entstand in seiner Wellblechbude eine Explosion, durch die die Einrichtung der Bude in Brand gerief. Hierbei erlitt Berz am ganzen Körper schwere Brandwunden und starb auf dem Transport zum Krankenhaus. Die Erderschütterungen in der ungarischen Stadt Recstemet haben sich auch gestern schwächer wiederholt, Viele Familien verlassen die Stadt. Der größte Teil der Bevölkerung famptert in Höfen oder im Freien, da er die Wohnung nicht zu betreten wagt. Viele Hun= derte liegen fnteend vor den Kirchen. Im Kontor einer Stockholmer Bant wurde gestern mittag ein Patet mit 31 000 Rubelscheinen gestohlen. Das Geld lag auf einem Tisch, der zweit Meter vom Bublifum entfernt stand. Vom Täter fehlt jede Spur. Gestrandet und wrack geworden ist der Dampfer Elbing 8", der Reederet Schichau in Elbing gehörig, beim Bortúmer Feuerschiff. Drei Mann der Besazung wurden geborgen. Der Rest der Bemannung, 8 Bersonen, sind erfrunten. Die Leichen der Frau des Kapitäne und zweier Matrosen wurden bereits an Land gespült. Aus den Gerichtssälen. " Wie man sich gegen Dauertläger" schützt. Leute, die Prozeßlust mit Vermögenslosigkeit verbinden, können ihrem Gegner durch die von ihrer Seite angestrengten Prozesse auf alle Fälle Schaden zufügen, ob sie siegen oder abgewiesen werden. Denn der Prozeßgegner wird, auch wenn er im Prozeßverfahren gewonnen hat, nur sehr selten seine berauslagten Anwaltskosten und Prozeßgebühren jemals wiedersehen. Ein sehr wirksames, wohl wenig befanntes Mittel gegen derartige ,, Dauerkläger" wurde fürz lich von einem verklagten Kaufmann vor der zweiten Sammer des Berliner Kaufmannsgerichts angewandt. Der Kläger hatte bereits vorher gegen den Beklagten einen Prozeß beim Landgericht angestrengt und war dort rechtskräftig abgewiesen worden. Noch ehe der Beklagte seine verauslagten Kosten erstattet erhielt, bekam er eine neue Slage vom Kaufmannsgericht zugestellt. Der Beklagte erhob nunmehr vor Eintritt in die materielle Verhandlung den Einwand der prozeßhindernden Einrede, indem er geltend machte, daß die Kosten des Landgerichtsprozesses vom Kläger noch nicht bezahlt seien. Der Kläger meinte zwar, daß der Prozeß vor dem Landgericht mit dem jezigen RechtsStreit gar nichts zu tun habe, da das jeßige Klageobjekt ein ganz anderes sei, das Kaufmannsgericht hielt die Einrede aber dennoch für durchgreifend. Der Beklagte braucht sich solange auf diesen Prozeß nicht einzulassen, bis der Kläger nachgewiesen hat, daß er die Kosten des Vorprozes ses vor dem Landgericht bezahlt hat. Der Vorsißende hob noch hervor, daß unvermögende Leute, die ihren Gegner schifanieren wollen, unaufhörlich Klagen anstrengen könnten und der Gegner auf alle Fälle Kosten zahlen müßte, wenn eben nicht die hier angewandte Bestimmung einen wirksamen Schuß dagegen böte. Vermischtes. Konfirmation des jüngsten Bismarck. Die Einsegnung des Grafen Nikolaus von Bismarck fand am Sonntag in der Kapelle des Schlosses Varzin statt. Graf Nikolaus ist der einzige Sohn des verstorbenen Grasen Wilhelm Bismarck und der jüngste Sproß des Geschlechts derer von Bismarck. Pastor Jäckel( Wussow) vollzog die Einsegnung. Außer den gräflichen Beamten nahmen noch zahlreiche Gäste an der Feier teil. Viele kostbare Geschenke trafen für den jungen Grafen ein, darunter auch ein Geschenk des Kaisers, seines Paten. Ein Fuhrwerk vom Zuge überfahren. Der Rendant Schütter vom Königlichen Gestüt Neustadt bet Rathenow befand sich mit Frau, Kind und Kutscher auf einer Wagenfahrt. Als das Führwerk unweit der Molkerei Rhinow den Eisenbahndamm überfuhr, wurde der Wagen von der Maschine des Rathenower Personenzuges erfaßt und völlig zertrümmert. Die Insassen des Wagens stürzten heraus und trugen schwere Verlegungen davon. Schütter, dessen Frau und der Kutscher erlitten erhebliche Kopf- und Beinwunden, dem sechsfährtgen Knaben wurde der rechte Arm abgefahren, ein Pferd auf der Stelle getötet. Todesstürze in den Schweizer Alpen. Im Laufe des vorgestrigen Tages sind in den Schweizer Bergen nicht weniger als sieben Personen zu Tode gestürzt. Am Großen Mythen bei Schwyz stürzten innerhalb einer Stunde drei Personen aus einer Höhe von fast 2000 Meterit ab. Man nimmt an, daß alle dret beint Pflücken vom Wege abgekommen und über die stellen Wände abgestürzt sind. Zwei Leichen wurden furchtbar verstümmelt aufgefunden, nach der dritten wird noch gesucht. Als viertes Opfer hat der Große Mythen einen Züricher Seminaristen gefordert. Gegenstände, die ihm gehörten, wurden bereits gefunden. Von ihm selbst hat man noch keine Spur. Auch im Säntisge= btet sind zwet tödliche Unglücksfälle vorgekommen. Dort stürzten zwei Touristen beim Edelweißpflücken bis zum Fachlensee ab. Die Bergungsarbeiten dauerten bis int die Nacht hinein. Im Kanton Waadt stürzte beim Aufstteg zum Dent de Morcles ein Soldat der Forstwache ab und war sofort tot. Furchtbarer Selbstmord eines Nervenkranken. In einer Berliner Laubenkolonie wurde Sonntag morgen ein Mann angetroffen, der vom Kopf bis zu den Füßen lichterloh brannte. Er hatte sich nicht nur ganz und gar mit Petroleum begossen und dann seine Kleider angesteckt, auch das Haar und den Mund hatte er mit Pet= roleum getränkt, sodaß thm, als man ihn auffand, eine Flamme aus dem Munde schoß. Es handelt sich um einen Nervenkranken, der aus der Charitee entlassen worden war. Weil er sein Leiden für unheilbar hielt, beschloß er, feinem Leben ein Ende zu machen. Er starb bald nach seiner Aufnahme im Krankenhaus. Eine gefahrvolle Fahrt im Luftballon hatte am Sonnabend die Luftschifferin Käte Paulus zu bestehen, dte abends 8 Uhr vom Lunapark in Berlin zu einer Freifahrt aufgestiegen war. Wegen des Sturmes wollte die Ballonführerin nahe dem Orte Neustettin niedergehen. Der Ballonkorb. überschlug sich bet der Landung mit solcher Heftigkeit, daß einer der Mitfahrenden aus dem Korb geschleudert wurde, ohne jedoch erhebliche Verlegungen zu erhalten. Der Ballon wurde, halb geleert, durch den Ballastverlust wieder in die Höhe gerissen und landete unwett der Ortschaft Fretenbrück nachts in den Kiefern eines halbstämmigen Waldes, wo die Balloninsassen an Stricken heruntergelas= sen werden konnten. Die Hülle selbst war durch den Sturm fast völlig vernichtet. Eine Fremdenlegionsaffäre. In Paris macht eine Sensationsaffäre in der Fremdenlegion einiges Aufsehen, zumal es sich um zwet Deutsche handelt. Ein ge= wisser Benit Mered nahm in Algter zwet Leute feſt, die sich für Reisende einer deutschen Kinematographenfirma ausgaben. Sie wurden jedoch als Deserteure des 2. Regiments der Fremdenlegion festgestellt. Der eine von ihnen nennt sich Dr. Friz Artenbach und gab an, Doktor der Medizin und seit mehreren Jahren im Dienste der Fremdenlegion zu sein. Sein Genosse, der sich Moritz Wagner nennt, tst erst seit kurzer Zeit bet der Fremdenlegion eingestellt. Artenbach erklärte, in Ttared, wo er in Garnison lag, hätte ihm eine Persön= Itchkeit Geld gegeben, damit er sich Zivilkleider anschaffen und nach Agter reisen könne, um von dort die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Wagner hält man für einen dentschen Offizier, der sich als Agent etner deutschen Deſertionsagentur für die Fremdenlegion habe anwerben lassen(?). Beide werden voraussichtItch wegen Desertion vor das Kriegsgericht gestellt werden. Die Sieger im Deutschen Rundflug. Das Klaffe= ment für den B.- 3.- Preis der Lüfte von 100 000 Mart tst folgendes: König 1882,5 m. 40 000 M, Vollmöller 1837,5 m. 25 000 M, Büchner 1363,75 m. 10 000 M. Die Preise von 7000 bis 3000 M entfallen auf Lindpaintner, Wittenstein, Wincziers, Schauenburg, Laitsch, Thelen, Müller und Jahnow. Falls Lattsch bis heute abend das Ziel nicht mehr erreichen sollte, würde der Preis an Thelen fallen. König erhält als Steger im Rundflug ferner den ersten Ehrenpreis des Kronprinzen und den ersten Ehrenpreis der Stadt Berlin. Der zweite Ehrenpreis Berlins für den schnellsten Flug auf der letzten Etappe fällt an Büchner, der zweite Brets des Kronprinzen für die gestrigen Abendflüge voraussichtlich an Eyring oder Hirth. Die Rothäute vor dem Grammophon. Das mit der Genehmigung der französischen Regierung in Paris gegründete Sprachenmuseum, das mit Hilfe des Grammophons der Nachwelt ein genaues Bild der Weltsprachen des 20. Jahrhunderts hinterlassen will, fann fich fett rühmen, späteren Geschlechtern auch eine indianische Beschwörung des bösen Getstes überliefern zut tönnen, für Zeiten, in denen die letzte Rothaut der Welt wahrscheinlich längst im Grabe ruhen wird. Denn in Paris weilt gegenwärtig eine Siourtruppe, deren Häuptlinge nach vielen Mühen endlich bewogen worden find, eine Probe threr Sprache dem Grammophon anzuvertrauen. Als man den roten Kriegern erklärte, daß der trompetenförmige Apparat nach 200 Jahren ferneren Geschlechtern thre Worte wiederholen würde, wollten die Häuptlinge nichts mit dieser Zaubergeschichte zu tun haben. Erst nach langen Verhandlungen erklärten sie sich berett, nachdem sie vorsichtigerwetse eine ganze Reihe von Bedingungen gestellt hatten. Ehe sie an das Grammophon herantraten, um den Teufe! zu beschwören, behängten sie sich über und über mit Amuletten und Fettschen, doch sie machten zur Bedingung, während der Aufnahme einen geladenen Revolver in der Rechten halten zu dürfen. Bei dem ersten Erperiment war der eine der Häuptlinge von dem knarrenden Geräusche des Grammophons so erschrocken, daß er glaubte, der Böse sei schon im Kommen: hastig richtete er den Revolver auf den Apparat und gab blizz= schnell sechs Schüsse in die Schalltrompete ab, die das Grammophon natürlich vollständig zerstörten. Man brachte einen neuen Apparat und nun endlich konnte die indianische Teufelsbeschwörung ordnungsmäßig aufgenommen werden. Der Tod durch Sitzschlag. Die Hißwelle, welche soeben die Vereinigten Staaten überflutete, hat viele hundert Menschen hinweggerafft: fie erlagen dem Hibschlag. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Sonnenstich. Von diesem spricht man, wenn z. B. der Schädel den Sonnenstrahlen ausgesezt ist; es braucht dabei die Außentemperatur gar nicht hoch zu sein. Der bei hoher Außentemperatur eintretende Hißschlag beruht auf einer Ueberhibung des gesamten Organismus. Dabei kann die Wärmebildung vermehrt oder die Wärmeabgabe vermindert sein; meistens wirken beide Faktoren zusammen. Sie erzeugen die plößliche Erkrankung des Körpers, wobei das Zentralnervensystem die Hauptrolle spielt. Nach den neuesten Forschungen ist der Hißschlag eine durch Ueberhitung erzeugte Selbstvergiftung. Es entstehen im Körper, wahrscheinlich infolge Berseßung des roten Blutfarbstoffes, Giftstoffe, die je nach Menge mehr oder weniger intensiv die einzelnen lebenswichtigen Organe, insbesondere das Gehirn, beeinflussen. Der plöbliche Tod ist also, populär gesprochen, fast durchweg als ein Gehirnschlag aufzufassen. In ersten Linie entsteht der Hibschlag bei Menschen und Tieren, die sich in schwüler, heißer Luft an windgeschüßten Orten aufhalten, bewegen oder arbeiten. Wie bie Lufthize im Freien, wirkt auch künstliche Htze in geschlossenen Räumen, z. B. fallen Kesselhetzer auf Schiffen, Biegelarbeiter in den Trockenkammern auch durch Hißschlag. Dafür disponiert sind von vornherein schwache und fettreiche Personen und Alkoholiker. Alle Umstände, die die natürliche Hiẞe noch erhöhen, steigern auch die Gefahr, bom Hizschlag betroffen zu werden. Die Erkrankung tommt bekanntlich beim Militär während der Uebungen und Manöver am häufigsten zum Ausbruch. Das Marschieren in engen Kolonnen, die dichte Kleidung verhindern größtenteils die natürliche Wärmeausstrahlung des Körpers; es erfolgt keine Hibabgabe, dafür aber bei hoher Außentemperatur immer mehr eine Sibsteigerung des Innern; explosionsartig äußert sich dann, allerdings individuell sehr verschieden, die Ueberhibung in der Form des Hitzschlages. Eine Segelfahrt auf zwei Weltmeeren. Vor einigen Tagen sah man im Hafen von Neuhork einer fletnen leichten Segeliacht zwei sonnengebräunte Männer entsteigen, struppige, bärtige Gesellen, denen das Haupthaar bis weit über die Schulter hinabhing. Der eine der Fremden war groß und start und schien in der Mitte der Vierziger zu stehen, der andere erschien auch nicht jünger, aber seine Gestalt war fast zart, flein und schmiegsam. Das waren die vielleicht fühnsten Seefahrer der Gegenwart: der Große, Peter Arapati, ist ein griechischer Seemann, der Kleine ist ein Engländer aus Coventry und heißt John Blythe. Sie können sich rühmen, eine der verwegenſten Seefahrten seit den Tagen des Kolumbus hinter sich zu haben, denn in ihrer kaum 12 Meter langen Segeljacht Pandora" haben sie am 3. Mai 1910 die Ausreise von Bunbury in Australien angetreten und sind jeßt nach der Umseglung des Kap Horn glücklich in Neuhork gelandet, Sie haben bei dieser Fahrt auf den beiden Weltmeeren 122 000 Seemeilen zurückgelegt. Die Furcht vor dem Blinddarm. In der ersten Nummer der neuen Bettschrift„ Die Hygiene", die, von Dr. med. Wolff- Eisner- Berlin redtgtert, im Verlage der Norddeutschen Verlagsgesellschaft m. b. H. soeben zu erscheinen beginnt, richtet Professor Dr. Albu Berlin ein Mahnwort an alle jene, die von blasser Furcht vor der gegenwärtigen Modekrankheit erfüllt sind und bei jeder Erkrankung des Wurmfortsages im Messer des Chirurgen die einzige Rettung sehen. Professor Albu führt aus, daß ohne Zweifel sehr viel Menschen von der Gefahr einer Erkrankung des Blinddarms durch die Operation gerettet worden find. Aus diesen Erfahrungstatsachen ist von Heißspor= nen, deren es naturgemäß unter den schneidigen" Chirurgen mehr gibt als unter den nach fühleren Erwägungen handelnden Medizinmännern, die Schlußfolgerung abgelettet worden, daß grundsätzlich jede Blinddarmentzündung sofort operiert werden müsse, weil ihr Ausgang stets unsicher sei und nur die ope rative Entfernung des erfranften Darmteiles die Gewähr für eine Genesung bildet. So gibt es heute nur wenig Aerzte, die es noch wagen, bei der Beobachtung einer Blinddarmentzündung die zuziehung eines Cht= rurgen zu umgehen oder abzuwarten. Diese zuziehung bedeutet aber gegenwärtig fast immer die sofortige Operation; denn nur ein fleiner Teil der Chirurgen nimmt jedem einzelnen Falle gegenüber einen fühlabwägenden und abwartenden Standpunkt etn. Professor Albu führt seit vielen Jahren einen fast vergeblichen Kampf gegen diese übertriebene Blinddarmfurcht. Er vermag die Verallgemei nerung der Operationsbedürftigkeit aller Erkrankungen dieser Art um so weniger zu billigen, je größer seine Erfahrungen auf diesem Gebiete geworden find. Nun will es scheinen, als ob nach der Hochflut des chirurgischen Vorstoßes jetzt wieder Beifen ruhigerer Erwägung kommen. Aus den Krets fen der inneren Kliniker und praktischen Aerzte wagt fich allmählich wieder eine letse Opposition gegen die Bevormundung durch die chirurgische Uebermacht hervor. Aerzte und Publikum waren eben eingeschüchtert worden durch die immer wiederholten Schauermärchen von den Schrecken dieser Erkrankung. Jeder erfahrene Arzt muß zugestehen, daß die Wurmfortsaßentzündung eine der furchtbarsten Krantheiten ist. Aber doch nicht in jedem Falle! Jeder erfahrene Arzt fennt auch noch mehr Fälle, in denen diese Erkrankung einen sehr harmlosen Charakter gehabt und behalten hat bis zu einer glatten, zuweilen recht schnellen Hellung. Selbst wenn etwa fünfzig von hundert dieser Heilungen nach Monaten oder Jahren zu Nüdfällen führen, was nicht geleugnet werden darf, so ist daraus noch nicht die Berechtigung abzuleiten, daß die anderen 50 von 100 unbedingt opertert werden müßten. Es kommt hinzu, daß vielfach, besonders den leichten Fällen gegenüber, die Diagnose so unsicher und schwierig ist, daß es zuweilen geradezu vermessen erscheint, auf einen geringen Verdacht hin den Bauch aufzuschneiden. Ein alter Grundsaß der wissenschaftlichen Medizin lautet dahin, daß ein Heilmittel nicht gefährlicher sein darf als die Krankheit, gegen die es angewandt wird. Denn in den Händen nicht genügend geschulter oder ge= schickter Chirurgen, zumal wenn sie nicht über die nötige Assistenz verfügen, ist jeder Bauchschnitt immer noch ge= fährlicher als eine leichte Blinddarmentzündung, die nachweislich nicht mehr als höchstens 1 Prozent SterbItchkett hat. Es handelt sich also nur darum, zu erkennen, ob eine Blinddarmentzündung als eine leichte oder eine schwere zu betrachten ist. Weit bedenklicher noch ist die Forderung der grundsätzlichen Operation aller Fälle der sog. chronischen Blinddarmentzündung gegenüber. Hier ist die Diagnose in der überwiegenden Mehrheit der Fälle so unsicher, daß Irrtümern Tür und Tor geöffnet sind. Die Chirurgen felbft sind in den letzten Jahren über den Begriff der chronischen Blinddarmentzündung stubig geworden. Der Lale vermag den gewaltigen Unterschied zwischen der Diagnose einer atuten und einer chronischen Blinddarmentzündung nicht zu erkennen und nicht zu beurteilen. Das Wort„ Blinddarm", vom Arzt ausgesprochen, genügt meist, um in seiner Phantaste alle Schrecken dieser gefürchteten Krankheit mach werden zu lassen. So kommt es, daß die Chirurgen oft vom Publikum zu unnötigen Operationen geradezu gedrängt werden. Die Blinddarmfurcht ist heute so groß und verbreitet wie früher die Furcht vor der Operation. Die eine ist in der Allgemeinheit ebenso unberechtigt wie die andere. In wichtigen Gesundheitsfragen soll das Publikum sein Schicksal vertrauensvoll in die Hände fritisch- geschulter, gewissenhafter und erfahrener Aerzte legen, die im Falle der Erwägung einer Operation das Für und Wider stets in die Wagschale werfen werden. Drahtnachrichten und neuestes. Großer Straßeneinbruch in Budapest. Budapest, 11. Jult. In der Ecke der sehr belebten Arenastraße ist die Erde in einer Länge von 20 Metern und einer Tiefe von 25 Metern eingestürzt. Einige Wagen, die sich im Augenblick des Einsturzes an der Stelle befanden, verschwanden in der Tiefe. Gleichzeitig barsten die Wasserleitungsrohre, die Grube fitllte sich mit Wasser und die Pferde ertranfen. Der Feuerwehr gelang es, alle Kutscher, wenn auch schwer verlegt, zu retten. Ingenieure stellten fest, daß durch die jüngsten Erdbeben ein Kanal eingestürzt sei. Durch den großen Verkehr hat die Erde sich langsam gelockert, so daß der Einsturz erfolgte. Schiffsfatastrophe in den nordischen Gewässern. Kopenhagen, 11. Jult. An der fütländischen Westküste bei Bolbjerg fanden gestern Schiffer ein Wrack, das als das Achterteil des Schooners Emma aus Aalborg erkannt wurde, der vor 10 Tagen nach Jütland in See gegangen war. Da von der Befaßung, bestehend aus Kapitän und 5 Mann bisher keine Nachricht eingetroffen ist, sind sie wahrscheinlich alle ertrunken. Verbrecherische Anschläge auf französischen Eisenbahnen. Paris, 11. Jult. Auf der Bahnltnte PartsClermont wurde von unbekannt gebliebenen Tätern ein fünf Meter langer Balken über die Gleise gelegt. Der Lokomotivführer des Expreßzuges bemerkte das Hindernis und bremste, doch fuhr die Lokomotive auf den Balken und zerschnitt ihn. In Toulouse wurde ein ähnlicher Sabotageaft turz vor der Einfahrt eines Militärzuges verübt. Es gelang jedoch, das Hindernis noch rechtzeifig aus dem Wege zu räumen. Die Prinz Heinrich- Fahrer in England. London, 11. Jult. Alle 65 Automobile der Teilnehmer an der Prinz Heinrich- Fahrt sind gestern nachmittag in Leamington eingetroffen. Abends wurde thnen ein Festmahl gegeben. Eine neue Sizeperiode in Amerika. Renyort, 11. Jult. Die Temperatur betrug gestern nachmittag 96 Grad Fahrenheit und stand dart 17 Grad über der niedrigsten Temperatur des Vormittags. Es weht ein heißer Südwestwind. Die Luftfeuchtigkeit schwantte zwischen 50 und 75 Prozent. Es ereigneten sich hunderte von Hißschlägen, davon waren 20 tödlich. Die Hizwelle reicht bis weit nach Kanada hinein, von wo fogar 98 Grad Wärme gemeldet werden. Stein's Garten.. Giessen Bes. C. Stein Westfälische Zechenkoke ( Hüttenkoke) Gaskoks Hotel Restaurant und 1. 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