ige, of die eden und der echt 8/11 gelei efon 84. Schluss der Stadt = im Ret ten Mit äts- Ro r Leistung lusführung frankter zur erfolgt am Weidengale che am Sel chaften her itätstolonne soweit nicht rt nach An Führen. Hin ch nach den örigen 3 n der Stadt, rift fenntlic en erforder tt. feft. irmierten aus Schwabe Matthausge rlemmer. e. irmierten aus emmer. utasgemeinde imer. 8 Uhr: 6 eifaltigkeitsfe hl. Beicht. anion. of Feftanbad Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen - oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Selterweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. Nr. 134. - - der Großherzoglichen Bürgermeisterei Erscheint sowie vieler anderer Telephon: Nr. 362. des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Samstag, den 10. Juni 1911. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Das Jubiläum der Fortschrittspartei sin Antoinette zu Vſenburg- Birstein; Prinzessin Fried-| Großherzogin, seine zweite Ballonfahrt. Führer ist der dem Die Fortschrittliche Volkspartei hat gestern die 50. Wiederkehr des Tages feiern können, an dem unter dem Vorsitze Virchows die„ Deutsche Fortschrittspartei" begründet wurde. Die Fortschrittspartei konnte diesen Tag mit um so froherem Herzen feiern, als er unter Zeichen der nach, langen Kämpfen und Mißhelligkeiten vollzogenen Einigung der drei linksliberalen Gruppen stand. Einigkeit macht start. Und es gibt wohl nichts Besseres, was man der Fortschrittlichen Volkspartei zu dieser Fünfzigjahrfeier wünschen könnte, als daß sich der zwischen der Volkspartei, der Vereinigung und den Süddeutschen geschlossene Friede als endgültig und dauerhaft erweisen möge. Unsere Zeit verlangt mehr denn irgendeine vorangegangene die Hintanstellung der Egoismen und des kleinlichen Parteizwistes. Wenn die freisinnige Partei sonach berechtigten Anlaß hat, den großen Entscheidungen der nächsten Zeit mit Zuversicht ins Auge zu sehen, so ladet sie der Tag ihres 50jährigen Bestehens doch auch zu einer Rückschau, zu einem Blick in die Vergangenheit ein, die voller Dornen und schwerer Erfahrungen war, bis endlich der Wille zur positiven Arbeit auch dem Linksliberalismus zu Einfluß und Geltung verhalf. Wer es aber mit der Fortschrittspartei ehrlich meint, der kann ihr nur wünschen, sie möchte auf diesem Wege bleiben, weil ein Liberalismus ohne Nationalismus, weil die Demokratie nur um ihrer selbst willen schließlich doch immer wieden der auf jene abwegigen Bahnen zurückführt, die Freisinn über ein Menschenalter lang zur Ohnmacht verurteilten. Für das Verhältnis der Jubilarin zur anderen liberalen Partei, der nationalliberalen, ist es bezeichnend, daß die parteioffizielle„ Natlib. Korresp." Grüße und wärmste Glückwünsche entbietet. Aus Stadt und Land. Gießen, den 10. Juni. Trinitatis Sonntag. Der heiligen Dreifaltigkeit ist der kommende Sonntag geweiht. An ihn tnüpfen sich allerlei Volksglaube und Volksbrauch. In manchen Gegenden hält man die in der Nacht des Trinitatissonntags geborenen Kinder für Geisterseher und Nachtwandler, in anderen dagegen für Glückskinder. In vielen Orten Frankens ist sonderbarer Weise das Nähen oder Flicken an diesem Tage streng verboten, damit die Näherin nicht vom Blizz erschlagen werde. In Unterfranken erzählt man sich, ein Bäuerlein, daß am Dreifaltigkeitssonntag einen Hosenknopf angenäht hatte, sei Tod am Tage darauf beim Fischen nur dadurch vom durch Blitzschlag gerettet worden, daß es geschwind seine Hose auszog und in den Main warf, wo der Blitz sie traf. Jn Thüringen schreibt man den am Goldenen Sonntag gepflückten Kräutern besondere Heilkraft Dreifaltigkeitsblumen sind Feldstiefmütterchen, Sauerklee und der Siebenstern. Nach der Legende hat das Stiefmütterchen, das einst duftete wie das Veilchen, die heilige Dreifaltigkeit, ihm den Duft zu nehmen, damit die Menschen seinetwegen nicht das Korn zertreten möchten; sein Wunsch wurde erfüllt und es heißt seitdem Dreifaltigkeitsblümchen. 31. Verkaufstag der Großherzogin. Hunderte von fleißigen Händen waren im Verlauf dieser Woche rege beschäftigt, um dem am nächsten Diens tag stattfindenden Verkaufstag der Großherzogin einen würdigen Rahmen zu geben. Im Stand der Großherzogin wirken außer dem Großherzogspaar, die Prinzessin Marie zu senburg- Büdingen, zwei Freiinnen von Rabenau, zwei Freiinnen von Riedesel und die Damen und Herren des Hofes mit. Die großherzoglichen Herrschaften verkaufen selbstgefertigte Handarbeiten. Besondere Anziehungstraft werden ohne Zweifel auch die vielen russischen Holzwaren 2c. ausüben, die der 3 ar für den Ver= faufstag stiftete. = Jm Stand der Fürstin zu Solms- Hohensolms Lich nehmen am Verkauf nachstehende Damen teil: die Fürstin zu Solms- Hohensolms- Lich mit Tochter; die Gräfin Withelm zu Solms- Laubach; die Fürstin Stolberg- Wernigerode mit Tochter; die Fürstin Löwenstein- Wertheim mit Tochter; die Fürstin zu Leiningen mit Tochter; die Fürstin zu Vsenburg- Birstein mit Tochter; zwei Prinzessinnen zu senburg und Büdingen; Prinzessin Mathilde zu Stolberg- Roßla; Prinzesrich zu Solms- Braunfels; Prinzessin Helene zu SolmsBraunfels; die Gräfin zu Stolberg; die Freifrau von Löw zu Steinfurth und Frl. Brand. Von Interesse wird es für die Besucher des Vertaufstages sein, daß eine besondere Vorschrift wegen des Anzuges nicht besteht, sondern jedermann berechtigt ist, in beliebigem Anzug zu erscheinen.- Der of fizielle Beginn des Verkaufes ist um 3 Uhr nachmittags, während der Schluß gegen 9 Uhr erfolgen soll. In der Zeit von 5-8 Uhr wird im Garten die hiesige Regimentskapelle fonzertieren. Die Käufer erhalten die erworbenen Gegenstände im Verpackstand unentgeltlich verpackt und für ein kleines Entgelt auch aufgehoben. Auch ist ein Botendienst eingerichtet und von der Gesellschaft„ Rote Radler" übernommen worden, so daß jedermann die gekauften Gegenstände in seine Wohnung transportiert erhält, falls er hierfür 25 Pfg. entrichtet. Um die Einrichtung der Verkaufsstände und die Ausstattung der Steinschen Lokalitäten haben sich unsere Gießener Handwerksmeister sehr verdient gemacht und damit bewiesen, daß auch hier die Kunst im Handwerk gute Früchte zeitigt. Zimmermeister Gg. Schubecker und Dachdeckermeister Ph. Kröck fertigten die Hallen vor den Verkaufsständen im Garten; Schreinermeister Hahn richtete mit Herrn Schubecker das Büfett und den Vielliebchen- Stand ein; die umfangreiche Lichtanlage be= sorgte das städt. Elektrizitätswerk unter Leitung des Direktors Stolte und des Diplom- Ingenieurs Schmitz; die Malermeister L. Petri 3. und Eugen Groos bewerkstelligten die erforderlichen dekorativen Malerarbeiten, bei denen auch Theatermaler Schwedler im gelben und bunten Stand seine Meisterhand zur Verfügung stellte. Die Möbelfabriken Hoflieferant Brück und Karl Stückrath sorgten für den Aufbau der Stände und deren Stoffdekorationen. Die Einrichtung des Großherzoglichen Zimmers rührt ebenfalls von Herrn Brück her. Die Kunstgärtner Karl Becker und Karl Dietz teilten sich in die Ausschmückung mit echtem und künstlichem Grün und dem herrlichen Blütenflor. Die Leitung der gesamten künstlerischen Ausstattung besorgte Architekt Meyer, der zu allen Einrichtungen auch die nötigen Pläne fertigte. Wie eine Besichtigung der unter seiner Leitung entstandenen Stände 2c. zeigt, hat Herr Meyer seine nicht leichte Aufgabe, die eigentlich doch für andere Zwecke bestimmten Räume von Steins Garten für den Verfaufstag herzurichten, in sehr zweckentsprechender und durchaus künstlerischer Weise gelöst. ** Die Ankunft des Großbergoas paares. Eine dichte Schar hielt gestern nachmittag den Platz vor dem Schlosse besetzt. Bereits um 3 Uhr hatte sich eine größere Zahl Schaulustiger auf dem Landgraf Philipps- Platz eingefunden. Um 4 Uhr wurde der Doppelposten bezogen, und gegen 4 Uhr bog aus der Sonnenstraße das grünliche Doppelphaeton des Großherzogspaares auf den Landgraf Philipps- Platz. Ein tausendstimmiges„ Hurra" ertönt, der Doppelposten präsentiert, die schweren Eingangstüren des alten Landgrafenschlosses werden aufgerissen, ordengeschmückte Diener erscheinen auf der Freitreppe und nehmen die hohen Herrschaften in Empfang. Der Großherzog trug einen hellen Automantel und eine blaue Sportmüze, die Großherzogin ein blaues Kostüm. Ein zweites Gefährt, eine Opelmousine, folgte mit zwei Hofdamen. Darauf schlossen sich die Flügeltüren, noch ein paar Male zeigte sich der galonierte Diener mit seiner roten Weste und seinen grauen Gamaschen, und dann war es still. -m= Die 68. Hauptversammlung der Deutschen Gustav Adolfstiftung findet vom 23.- 26. September in Frankfurt a. M. statt. ** Schwurgericht. Vom 12.- 14. Juni finden die Schwurgerichts- Verhandlungen für das 2. Quartal statt. Es wird verhandelt am Montag, den 12. Juni, vorm. 9½ Uhr, gegen Marie Gottwald aus Metzingen wegen Meineid; am Dienstag, den 13. Juni, vorm. 9 Uhr, gegen Jakob Weigel aus Breitenborn und Richard Schierer aus Pirmasens wegen Totschlagsver= such und am Mittwoch, den 14. Juni, vormittags 9 Uhr, gegen Paul Becker aus Dierdorf wegen Brandstiftung. Ballonfahrt. Der Luftschiffer- Verein ternimmt am nächsten Dienstag, dem Verkaufstag der * un= bekannte Luftschiffer Dr. Elias- Berlin. -)( Friedberg, 10. Juni. Vermißt wird seit dem zweiten Pfingstfeiertag das 19 Jahre alte Dienstmädchen Auguste Meister aus Rödgen, welches in BadNauheim bei einem Fahrradhändler bedienstet war. Das Mädchen war bildhübsch, und man hat für sein Verschwinden keine Anhaltspunkte. f Friedberg, 10. Juni. Die Seminaristen, die 1859 das hiesige Lehrerseminar verließen, hielten am dritten Pfingsttage im Saalbau zu Homburg v. d. H. eine Zusammenkunft ab. 15 Lehrer des Jahrganges 1859 sind noch am Leben, von denen 9 erschienen waren, während 50 im Jahre 1857 ins Seminar eintraten. Einer der Veteranen hat noch heute den Lehrerstab in der Hand. *) Krofdorf, 10. Juni. Der erste Sekretär der hiesigen Bürgermeisterei, v. Bülow, der seit langen Jahren hier tätig war, wird nach Wald- Böckelheim( Kr. Kreuznach) übersiedeln, um die Verwaltung der dortigen Bürgermeisterei zu übernehmen. -g Limburg, 10. Juni. An dem Ausbau der 3weigleisigen Strecke Höchst- Niedernhausen- Limburg wird eifrig gearbeitet. Nach der Vollendung wird es möglich sein, auf dieser neuen Hauptstrecke einen mustergiltigen Verkehr zu schaffen, der zwischen Lahn und Main einerseits und zwischen Lahn und Rhein andererseits ganz vorzügliche Verbindungen haben wird. *) Die 3, 10. Juni. Der Sparverein, dessen Kassierer der seit einigen Tagen von hier flüchtige Stadtverordnete Streicher war, hat gestern seine Li= quidation beschlossen. Streicher betrieb hier eine Kolonialwarenhandlung, die aber seit Jahren schlecht rentierte. Ueber das Geschäft wurde der Konkurs verhängt. Ein kleinerer Schwindler versuchte am Mittwoch aus der Affäre Kapital zu schlagen, indem er zu Bekannten des spurlosverschwundenen Streicher ging und dort angab, Streicher hielte sich im Walde bei Limburg versteckt, sei halb verhungert und habe ihn beauftragt, um Geld und Nahrungsmittel zu bitten. Als der Bursche merkte, daß man sein plumpes Manöver durchschaute, flüchtete er. =)(= Kassel, 8. Juni. Eine Abteilung Kasseler Husaren hatte ein Gefecht mit Mannschaften der Langensalzaer Jäger zu Pferde. Dabei erhielt ein Pferd einen Schuß mit einer Platzpatrone. Das Tier warf seinen Reiter ab und begrub ihn unter sich. Der Mann brach einen Fuß. Ein anderer Husar wurde von einem Jäger auf drei Meter Entfernung dreimal mit einer Plazpatrone in den Arm geschossen und erlitt erhebliche Berletzungen. Die beiden Verletzten wurden in das Kasseler Garnisonlazarett geschafft. Berlin Johannisthal, 10. Juni:( Tel.) Der Flugzeuglehrer der Dornerwerke Schwendel stieg gestern abend gegen 8 Uhr mit einem Passagier auf, um seinen eigenen Höhenrekord, den er am 6. Juni mit 2010 Meter aufgestellt hatte, zu drücken. Nachdem der Aviatiker 2000 Meter erreicht hatte, flog er im Gleit= fluge ab. In der Höhe von 1500 meter tippte der Apparat um und sauste zur Erde nieder. Die beiden Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Noch ist es 3eit. Wer im Mai aus irgendeinem Grunde keinen Gebrauch von den Vorteilen machen konnte, die der Bezug von Thomasmehl bietet, versäume nicht, diese wenigstens jetzt wahrzunehmen. Bei Bezug im Juni werden immer noch im Durchschnitt 21 Mark per Doppelwaggon von 10 000 Kilogramm spart. Bei dieser Gelegenheit sei auch an die Zweckmäßigkeit der Düngung der im Herbst und Winter überschwemmt gewesenen Wiesen nach der Heuernte erinnert sowie an das Ausstreuen des Thomasmehls auf die Brache und die abgeerntelen Kleefelder. Fahren Sie SUPERIOR RAD musterhaft in Bau u Ausstattung, grösste Stabilität, vorteilhafteste Preislagel Fordern Sie illustrierte Preisliste auch über Nähmaschinen Haushaltungsgegenstände, Waffen Uhren, Musikwaren, sowie sonstigec Radfahrer- Bedarfsartikel gratis ú.franko. HANS HARTMANN A: G.EISENACH 5 GROSSTES FAHRRADHAUS MITTEL- U.SÜDDEUTSCHLAN er= in Gießen Marte Reichs- und Bundesstaatsfinanzen. Das kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht eine Darstellung der Finanzen des Reiches und der deutschen Bune desstaaten. Insgesamt betragen die Staatsausgaben nach den Voranschlägen der Bundesstaaten 5869 Millionen Mark, darunter außerordentliche 269 Millionen, für das Retch 3032, darunter außerordentliche 191 Millionen. Die Staatseinnahmen belaufen sich in den Bundesstaaten auf 5852 Millionen, im Reich auf 3032 Millionen Mark, darunter außerordentliche 334 Millionen bezw. 191 Millionen. Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten stehen die Erwerbseinkünfte mit 2848 bezw. 8742 Millionen Mark an erster Stelle. Der Hauptanteil entfällt auf die Staatsetsenbahnen mit 2082 bezw. 2718 Millionen. Die ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des Reiches an Erwersanstalten mif 756 bezw. 872 Min. Mark entfallen hauptsächlich auf Post und Telegra= phie mit 640 bezw. 702 Millionen und die Eisenbahnen mit 106 bezw. 122 Millionen. Die nächstwichtigen Einnahmequellen bilden Steuern und Zölle. Die Bundesstaaten erheben an direkten Steuern 726, an Aufwandssteuern 108, Verkehrssteuern 105 und Erbschaftssteuern 30 16 Millionen Mart. Das Retch bezieht aus Zöllen 760 Millio nen, aus Aufwandssteuern 642, aus Verkehrssteuern 208 und aus der Erbschaftssteuer 34 Millionen Mark. Die funTisdierten Staatsschulden beziffern sich zu Beginn des Rechnungsjahres 1910 für die Bundesstaaten auf 14 729 Millionen, darunter Preußen 8777, für das Reich auf 4557 Millionen Mark. Soldaten als Erntehelfer. Solz. Die Festrede hielt der bekannte Nationalökonom Prof. Dr. v. Wenckstern über„ Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie", in der er die Sozialdemokratie als eine Gefahr für die gesamte Arbeiterbewegung bezeichnete, da durch deren radikales Vorgehen bei den staatlichen und bürgerlichen Parteien der Verdacht entsteht, daß die Internationale im geeigneten Momente auch die auf staatlich- christlichem Boden stehende Arbeiterschaft mit sich reißen könne. Deshalb gipfelte seine Rede in dem Appell: Mögen die evangelischen Arbeiter Schulter an Schulter mit dem Staate die Sozialdemokratie mit ihrer irrtümlichen Auffassung der Entwicklung bekämpfen und dem Staate und Bürgertum Gerechtigkeit widerfahren lassen, um auf geordnetem Wege das ihnen zustehende Recht zu fordern innerhalb der Volksgesamtheit. Der firchlich- soziale Kongreß, der zurzeit in Nürnberg tagt, nahm die folgende Resolution an:„ Der 16. kirchlichsoziale Kongreß bezeichnet es als eine erfreuliche Erscheinung, daß unter Führung süddeutscher Staaten den Staatsarbeitern und Staatsunterbeamten weitsichtig das Orga= nisationsrecht gewährt worden ist. Der Kongreß ist der Ueberzeugung, daß die im Dienst erforderliche Disziplin dadurch nicht gebrochen wird, sondern gestärkt werden tann. Voraussetzung dazu ist, daß die Verbände durch einen christlich- nationalen Getst bestimmt werden." Die Petitionstommission des Reichstags hat in der zweiten Session der gegenwärtigen Legislaturperiode( 1909 bis 1911) im ganzen 1494 Petitionen bearbeitet. Es wurden dem Reichskanzler zur weiteren Veranlassung 378 Petitionen überwiesen, über 63 Petitionen wurde zur Tagesordnung übergegangen, 15 wurden andern Kommissionen überwiesen, 15 Petitionen für erledigt erklärt, 518 Petitionen für ungeeignet zur Erörterung im Plenum erachtet. Unerledigt sind 163 Petitionen, die von der Petitionskommission im Herbst beraten werden. Die Bestimmungen über den Urlaub, den Soldaten sid als Erntehelfer erhalten können, haben, dem Vernehmen nach, in einzelnen Punkten Abänderungen erfahren, die den beteiligten Stellen von den Generalfommandos mitgetellt worden sind. Ihre neue Fassung ist im wesentlichen folgende: Die Beurlaubung von Mannschaften zur Ernteshilfe darf nur dann erfolgen, wenn in der betreffenden Gegend Arbeitermangel herrscht, und die Landwirte sonst nicht in der Lage wären, die zur Abwickelung der Ernte notwendigen Arbeiter zu beschaffen. Ueber das tatsächliche Bestehen eines Arbeitermangels muß eine amtliche Dringlichkeitsbescheinigung eingereicht werden, die von der PoItzeibehörde des betreffenden Ortes auszustellen ist, und in 1190 der auf die Notwendigkett militärischer Erntehilfe hingewiesen wird. Liegt diese amtliche Bescheinigung über Ar beitermangel vor, dann kann Ernteurlaub bewilligt wer op den. Jeder einzelne Mann darf im Höchstfalle nur vierzehn Tage von den Truppen beurlaubt werden. Eine Verpflichtung zur Leistung von Erntebethilfe besteht für die 190 Mannschaften nicht. Es ist darum von einer Kommandiearierung von Ernteurlaubern abzusehen und nur eine Anfrage ( bilgan die Truppen zu richten, ob sie sich freiwillig dazu melben wollen. Die Gesuche um Bewilligung von ErnteurTaubern müssen durch Vermittelung der Landwirtschafts19 kammern schriftlich eingereicht werden. Die MiltärverwalDung betont, daß den Landwirten die Soldaten bet Mangel an Arbetskräften gern zur Verfügung gestellt werden. Die Landwirte müssen sich aber schon bet Einreichung ihres Anfuftrages dazu verpflichten, den Soldaten einen Tagelohn von 160 mindestens 3 Mark zu gewähren. Dazu kommt noch die Verpflegung, Wohnung und frete Hin- und Rückfahrt, so daß den Soldaten hierdurch keinerlei Unkosten entstehen. Weiter müssen sich die Landwirte verpflichten, für Unfälle, holdte während oder durch die Erntearbeit den beurlaubten Der 19 Mannschaften zustoßen sollten, voll aufzukommen. ( Heeresverwaltung dürfen durch die Beurlaubung von Ernfebethelfern keinerlei Unannehmlichkeiten oder Unkosten entstehen. Die Gesuche müssen rechtzeitig eingereicht werden, O damit über die sich freiwillig meldenden Mannschaften schon jezt sachgemäß verfügt werden kann. Man darf sich wohl puder Hoffnung hingeben, daß diese Bestimmungen in weitherziger Weise zur Ausführung gelangen. 9* unibrid Rundschau vom Cage. 1992 pulisidle on Politisches. Rennbahn von 11 Meter Brette mit erheblichen Kosten her. gestellt. Die Krönnngsfestgabe der den Vornamen der Königin führenden Frauen in den britischen Besitzungen ist der Königin Mary überreicht worden. Sie besteht in einem Scheck von 246 000 Mart. Der schnellste Eisenbahnzug in Deutschland fährt jetzt von München nach Nürnberg. Er durchmißt, 8 1hr 23 Minuten vormittags abfahrend, die 198,63 Kilometer lange Strecke mit 88,72 Kilometer Durchschnittsgeschwindigkeit und kommt um 10 Uhr 38 Min. vormittags in Nürnberg an, nachdem er streckenweise 105 Stundenkilometer gemacht hat. Das Ende des Berliner Bäckerkrieges ist gekommen. Eine außerordentliche Versammlung der Bäcker- und Konditorgehilfer von Berlin und Umgegend erklärte den Streit für beendet. Von 8400 in Betracht kommenden Bäckereien mit etwa 7000 beschäftigten Bäcker- und Konditorgehilfen haben 2220 Betriebe mit 4608 Gehilfen Tarifverträge auf Grundlage der Forderungen der Streifenden abgeschlossen. Die Firma Krupp in Essen hat dieser Tage das 50 000. Geschützrohr fertiggestellt und an das Reich abgeltefert. Aus diesem Anlaß hat der Kaiser an eine Anzahl Beamte der Kruppschen Werke Ordensauszeichnungen verliehen. Präsident Taft über die Deutsch- Amerikaner. Präsident Taft richtete an die evangelisch- lutherische Generalsynode in Washington ein Schreiben, in dem darauf hingewiesen wird, in welchem Umfange die Entwicklung Amerikas durch die evangelisch- lutherischen deutschen Staatsbürger und die Deutschen im allgemeinen gefördert worden ist. Die Deutschen, die in den Jahren 1848 und 1849 nach Amerika ausgewandert seien, waren Männer von unabhängiger Gesinnung und starkem Charakter, sie haben die Führer der Amerikaner geliefert, die im Bürgerkriege für die Freiheit gekämpft und die Sklaverei ausgerottet haben. und die daher auf ihre Geschichte mit großem Stolz zurückblicken können. 19 Die Dispositionen der Kronprinzenreise nach England dfind folgende: Der Panzerkreuzer„ v. d. Tann" wird am 18. d. M. in Vlissingen bereit liegen, um das Kronprinzens paar zur Ueberfahrt nach Port Victoria aufzunehmen. Von midort wird die Reise nach London mit der Eisenbahn fortge= Tonio legt. Die Dauer des s Aufenthalts des Kronprinzen, der sbild in offizieller Mission zur Krönung des englischen Königspaares in London weilen wird, wird durch die Ausdehnung der vorgesehenen Feierlichkeiten bestimmt. Nach Beendtgung derselben, voraussichtlich am 23. oder 24. des Monats ( b) ist die Rückkehr auf dem„ v. d. Tann" nach Kiel vorgesehen, goi wo dann die Kieler Woche stattfindet. end Eine Kabinettskrisis in Belgien. Wie aus Brüssel gedrahtet wird, hat das Kabinett seine Entlassung gegeben. Die unmittelbare Veranlassung hierzu ist der von den Liberalen und Sozialisten stark bekämpfte Schulgesetzentwurf. Der König hat die Demission des Kabinetts angenommen. Die Delegierten der evangelischen Arbeitervereine in in Deutschlands tagen gegenwärtig in Leipzig. Die sächsische und die preußische Regierung haben Vertreter entsandt. 390 H Glückwunschschreiben sandten u. a. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, die Minister Sydow, Dallwig, Trott zu 41 19 list 102 19015 iste 3wei Kirschen an einem Stengel. Feuer in einem Kurhotel. Das Kurhotel Mann" in Rhöndorf ist nach einer Meldung aus Bonn in der Nacht zum Donnerstag größtenteils niedergebrannt. Der zahlreichen Kurgäste bemächtigte sich eine Panik. Sie konnten nur notdürftig bekleidet ins Freie flüchten. Den Zechgenossen erstochen. Die Bergleute Schlanstedt undKorkowskt hatten an einer Geburtstagsfeier in Kreisfeld bet Eisleben teilgenommen. Hter hatte Schlanstedt dem Korkowskt, der ihn hänselte, eine Ohrfeige gegeben. Korkowski lauerte darauf dem Schlanstedt auf dem Nachhausewege auf und tötete ihn durch einen Stich in die Schläfe. Der antigriechische Boykott in den türkischen Häfen ist von neuem aufgeflammt infolge der beunruhigenden Meldungen von einer zunehmenden Spannung zwischen Griechenland und Montenegro einerseits und der Türkei anderseits. Die griechischen Schiffe werden nicht nur verhindert, ihre Ladungen zu löschen; türkische Händler dürfen auch keine griechischen Angestellten mehr bei sich behalten, sondern müssen diese kurzerhand entlassen, wenn sie sich nicht selbst dem Boykott ihrer fanatischen Mitbürger aussehen wollen. Ein fiebenjähriger Totschläger. Im rheinischen Orte Wickrath gerieten zwet Knaben im Alter von 6 und 7 Jahren miteinander in Streit, worauf der ältere nach Hause eilte, den Revolver seines Vaters holte, und den sechsjährtgen Knaben niederschoß. Der Junge war sofort tot. Madero als Triumphator. Madero hat einen Aufruf an die Bevölkerung gerichtet, in dem er die Hoffnung ausspricht, die mexikanische Revolution werde die Völker Süd- und Mittelameritas veranlassen, nach der politischen Freiheit zu trachten. Der Geist der Freiheit sei noch nicht befriedigt.„ Wir alle," fährt die Adresse fort,„, werden nicht glücklich sein, bevor nicht die Demokratie auf dem ganzen amerikanischen Festland zur Herrschaft gelangt ist.“ Roman von A. von LiItencron. -1926) ( Nachdruck verboten.) 1901 Das Zusammenbrechen seiner Frau war auch für den Urheber dieser Szene ein peinlicher Augenblick. Er sprang zu, hob sie auf und legte sie samt dem kleinen Flidenbün1 min del, das sie nicht aus den Armen gelassen, auf ihr Bett, dann holte er die Nachbarin, eine verständige Matrone, bow die sich der jungen Frau in ihrem Wochenbett angenom Tod men hatte. Nun aber, als er Käthe versorgt wußte, hielt tronizer den Anblick ihres Gesichts, das etwas Bersteinertes an fich trug, nicht länger aus. Er hatte sich so in die Wut hineingearbeitet über die Enttäuschung wegen des Geldes, daß er das dringende Bedürfnis empfand, seinen Gedanken im Kreise der Freunde Ablenkung zu verschaffen. 639 sid 14 Kleine Nachrichten. Selbstmord einer 92jährigen. In Wildenfels i. S. Hat die älteste Einwohnerin der Stadt, Frau Friederike Richter, im Volksmunde die„ Schmitter Riefe" genannt, sich durch Erhängen das Leben genomemn. Die Greisin feierte im Mai ihren 92. Geburtstag. Die Ueberführung des Prinzen Joachim vom Kabtnettshaus in Potsdam nach dem Neuen Palais hat gestern abend in einem Krankenwagen des königlichen Marstalls stattgefunden. Die Kaiserin hatte persönlich die vorsorgItchsten Anordnungen getroffen. In dem kleinen Privatzimmer der Restauration würde heute tüchtig gezecht, und der Gastwirt übertraf sie alle. Er ließ sich auch bereit finden, ein Spielchen zu machen, und ging wie ein Tollkühner beim Sehen darauf los. Hochgradig erregte Gemütsstimmung, Bier, Wein und Spiel, das zusammengenommen, versezten ihn in einen solchen Rausch, daß er nicht mehr wußte, was er tat. Als der fahle Morgen die Julius eine Summen vom Spieltische trieb, hatte Volkswirtschaftliches. Großstadtfinder. Der Tätigkeitsbericht der Berliner Schulärzte über das letzte Berichtsjahr 1909/10 ist von Sanitätsrat Dr. Paul Meŋer erstattet worden. Die wichtigste Angabe daraus ist folgende: 34 522 Schüler wurden zur Aufnahme in die Gemeindeschule angemeldet. Davon mußten 3024 wegen förperlicher und geistiger Gebrechen völlig zurückgestellt und 8361 sofort in ärztliche Ueberwachung genommen werden. Es ergab sich also, daß von allen Schulanfängern der dritte Teil nicht mehr gesund war. Was soll aus solchem Geschlecht werden, das doch nun erst zu leben und zu arbeiten beginnen soll? Prinz Max von Baden, Generalmajor und Kommandeur der 28. Kavalleriebrigade, ist aus dem aktiven Milt tärdienst ausgeschieden. Das Gesuch des Prinzen um Enthebung von seinen militärischen Pflichten wird mit den Aufgaben begründet, die ihm als Präsident der ersten badischen Kammer erwachsen. Zur Erinnerung an die Hundertjahrfeier des Turnplages auf der Hasenheide bet Berlin haben die Berliner Turngaue einen Granitfindling aus dem Grunewaldplay ' mit einer Inschrift vor dem Denkmal aufgestellt und eine die guten Freunde verloren, über die er sich selbst nicht tlar war.zumit schwerer Zunge verAicherte er den Fortgehenden, daß er das Geld binnen vierundzwanzig Stunden von ihnen wieder holen würde. Frau Käthe lag im Fieber, es fonnte noch Wochen dauern, che sie wieder ihren Platz im Hause ausfüllte, hatte der Arzt gesagt, und das bewog ihren Mann, die Schwiegermutter herzurufen, die nun gut oder übel die junge Frau vertrat. Aus den Gerichtssälen. nur fü etwas bak Gi berfett nicht b Was in wurde gangen. Fun fanifcher lichen N San Fr mofa, da Allomete Man ber Matl C die ohn BOOO SHI Bru 8tg." mi Brunner der über daß hift artigen tereffe e ftändige Brunne Die Margarinevergiftungen vor Gericht. Vor dem Schwurgericht in Altona begann am Donnerstag die Verhandlung gegen den Margarinefabrikanten Johann Hein rich Mohr aus Altona wegen der Margarinevergiftungen, die im November v. J. so großes Aufsehen erregten und Beunruhigung hervorriefen. Die Sachverständigen, über 20 an der Zahl, haben auf den Geschworenenbänken Plaz genommen. Zur Anklage erklärte Mohr: Ich habe einen früheren Betrieb wegen schlechter Geschäftsdispositionen aufgeben müssen, wobei Verluste von über 3 Millionen entstanden sind, die jedoch zum größten Teil bereits ge deckt sind. Ich habe auch einmal in Berlin einen Betrieb gehabt, der aber, da das Verfahren noch nicht genügend ausgebildet war, scheiterte. Mein jeziger Betrieb ist 1905 gegründet. Von 1905 an habe ich überwiegend Pflanzenfett verwandt, das ich aber schon in raffiniertem Zustande gekauft habe. Erst später bin ich dazu übergegangen, Fett selbst zu raffinieren. Seit 2 bis 3 Jahren war nicht mehr genug Kokos: und Palmkernfett vorhanden und ich mußte dazu übergehen, Ersatz zu suchen. Das Fett wurde einer Probe auf Geschmack und Geruch unterzogen und diese fiel gut aus. Es wurde nach dem gewöhnlichen Verfahren raf finiert, damit die Fettsäure entfernt werde. Vors.: Haben Sie feine Erfundigungen eingezogen, wie das neue Mit tel wirft? Das muß doch einen Fachmann interessieren. Angekl.: Ich habe nie gehört, daß raffiniertes Fett jemand schaden könnte.- Der Vorsitzende verliest darauf ein Zirtular der Firma Mohr an das Publikum. Darin wird ausgeführt, daß die Margarine nicht durch Agenten, sondern direkt vertrieben wird und daher billiger sein könne, als die der Konkurrenz. Es wird dem Publikum noch ein Gratismuster in Aussicht gestellt; insbesondere wird die in eine Stimmung geraten war, die Frau Amrum nötigte, ihm aus dem Wege zu gehen, um böse Auftritte zu vermeiden. So lange ihre Tochter noch durch starkes Fieber an das Bett gefesselt war, hütete sich die Mutter, ihr gegenüber irgend eine Bemerkung zu machen; als aber nach etwa vier Wochen Frau Käthes durch und durch gesunde Natur die Krankheit überwunden hatte, da entschlüpfte der Mutter doch ein Wort des tiefsten Mitleids. Frau Amrum, ahnungslos, wie sie die Verhältnisse hier treffen sollte, war entsetzt über die Lage der Dinge und fühlte sich völlig machtlos dem Schwiegersohn gegenüber, der durch Enttäuschung, Zechgelage und Spielverluste Min armes Kindel, hätt's nimmer denke funnt, daß der Julius so a Wüschter wär," seufzte ste und strich über den lockigen Scheitel der Tochter. In das blasse Gesicht der jungen Frau stieg ein feines Rot. Laß gut fin, min Mutterle, der Julius brukt ine, die alle Tage nach ihm sehen tut. Samstag fumm ich alline widder herunter, dann wirds besser werde." Frau Amrum ließ sich nicht beruhigen. Bruft he es denn glix so düll anzustelle," schalt sie,„ he smit jú det Geld rin ut de Fenster." Ein gequälter Ausdruck trat in die Züge der jungen Frau.„ Mutterle, Julius dät hüt mit mi spreche. In Bekannter wüll ihm de Gastwirtschaft ablöpen, und min Mann wüll sich nach iner Stelle beim Magistrat umsehe. Mir ist dat liew, sehr liew, dann is nit so vill Versuchung für ihn zum Trinte. Sie hatte die letzten Worte nur ganz leise gesprochen, aber die Mutter hatte sie doch verstanden. ,, Wannst wi das hätt wisse däten, daß he so a Minsch was, rutsmieten hätte wer thn mit sin Schönduerei," ereiferte sie sich. Leise legte die Tochter ihr die Hand auf den Arm, Mutterle, es is halt nun, wie's is. Wenn inem a Dorn im Flesch sitzen dut, süll man ihn nit noch tiefer hineindrucke, sonsten is noch a größer Wehdat. Just so geihts mi, wannst Du so spreche dust, dann druckst mi de Stachel immer tiefer in." Ein Balais nerstag bes Prin sein des lichkeiten Die Kat Taufafte ferin, P Therese Prinzessin Namen M riette Cha Die junge Frau schüttelte den Kopf.„ Onkel Leberecht seggt, uthalten möt man, tapfer bliewen und sinen Herr gott anflehen, dat er sin armet kindel beisteht." Frau Amrum sagte nichts, sie machte sich mit der Kleinen zu schaffen, damit die Tochter nicht sehen sollte, daß ihr helle Tränen über die Backen liefen. Wie brav die Kathi sprach, wie brav! Ja, wahrhaftig, die hätte einen andern Mann verdient, dachte sie bei sich. ,, Utreiße fallst dat Ding," erklärte Frau Amrum,„ sunsten schindst Dich hier noch zu Dod!" Am Samstag zeigte sich Frau Käthe wieder unten, am Sonntag wurde eine ganz stille Taufe gefeiert, und tags darauf kehrte Frau Amrum bekümmerten Herzens in ihr Dorf zurück. Gleich nach ihrer Abreise suchte Julius seine Frau auf. Wie immer, wenn es sich um den Geldpunkt handelte, war er aufgeregt und übellaunig. Er setzte sich nicht, sondern blieb an das Fensterkreuz gelehnt stehen. 2. Mai ge des 1906 früheren der 1898 burg. Di Juni 1910 mit der P Friedrich waltungsd eines Lani Von in der Nä Jagd auf d bande über und unterl durch Fuß Geld weg. der Bande und ein K Beim unglüdt. melsburg e Ein ansche fähr 50jäh nach Kauls dabei aus Sein Kopf der Zug 31 einen dopp Stelle tot. „ Studi Gin gewes Großmanns teristische durften fich deren mit. beiden Gör Liebling, ertennen g desstunde n Leichnam fen, damit bindung a Man da ein solcher Königs des Prozelf woch der A jezige Proz effin, fond den sei. einigen Ta Du weißt, daß ich bestimmt auf die 25 000 Mart rechnete," hob er an, nun wir damit reingefallen sind, bleibt nichts anderes übrig, als die Wirtschaft zu vers taufen. Weiß der Kuckuck, ich könnte dabei mehr herausSchinden, wenn ich's nicht Hals über Kopf verkaufen müßte, die Schulden müssen bezahlt werden, die Kerls warten nicht länger." Wir wülln von vorn anfange, Julius, ich werde wasche und plätte gahn," sagte sie zaghaft,„ vielleicht fann ich mir auch a Plätteret einrichte," sie dachte an das Hochs zeitsgeschenk des Onkels. Er spielte nervös mit seiner Uhrkette.„ Es wird eine nette Schinderei abgeben," murrte er. Der Kellner erschien, einer der Stammgäste, Herr Rupius, wünschte den Wirt zu sprechen. Dieser trommelte ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch.„ Kann mir's schon denken, will wohl auch noch was von mir einziehen. Na, wollen sehen, wie wir ihn zur Ruhe kriegen!" ( Fortsetzung folgt.) Briefe des im Jahre nem Tode gewachsen f mutung, da derfullbachf Ein ge erlebte ein auf einer B Mis et aus wedt wurde Adamsgew denswerten ihm nicht aud feine f Semb hatte als Retter Kleidungs lin getomm Geld nicht er die legte fehlt jebe Weber noch abgeft leugnet we geschrieben Kleider un Schiff Bur Starb an in thre Se leraberde Bajte reife lenb. Die Soften be Der Königin gen ist de t in einen fährt le 8 Uhr meter lang ndigkeit un ürnberg a gemacht b getommen Tund Ro e den Stre Bäderein bitorgehilfe verträge a abgefchloffer e das 50 000 abgeliefert zahl Beame verliehen Mann" in der Na Der za Ste tonnin Schlanite er in Arei = Schlanfte eige gegeben f dem Na Stich in di nischen Ort 3 und 7 J nach Sau en fechsjähr ct tot. els t. S. b eberite Nis enannt, Breifin feiert der Berline 9/10 ist no n. Die wi hüler wurde ldet. Davn er Gebredn che Ueberne daß von alle gesund wa doch nun ej 4. Vor den stag die Ve Johann Hein evergiftunge erregten u indigen, übe nbänken Bl ch habe eine sdispofitione 3 Milliona il bereits g einen Betrid icht genüge etrieb ist 196 end Pflanze Ertem Zustan gegangen, var nicht meh und ich mu It wurde eine und diese fi Verfahren Bors: Habe Das neue Mi intereffiers s Fett jema Darin wi Agenten, f arauf ein 3 ger fein fönn Slifum noch dere wird Onfel Leber and finen h ifteht." ce fich mit cht fehen fol Ten. Wie b aftig, die hi ei fich. wieder unt Te gefeiert, merten Ser Seine Frau It handelte, das Fenftert te 25 000 eingefallen f irtschaft zu ei mehr her verfaufen m e Keris war lius, id hte an das vielleicht f Es wird i Fammgäfte, Diefer fromme Rann mit on mir einzie friegen!" Marte ,, Luisa" als Buttererfag empfohlen und erklärt, daß nur füßer Rahm, Eigelb, Milch, bestes Rinderfett und etwas Spetseöl verwendet werde. Vors.: Es ist wesentlich, daß Sie Ihrer Kundschaft sagen, daß Sie nur bestes Rinberfett und Spetseöl verwenden. Angefl.: Ich kann doch nicht der Konkurrenz alles mitteilen, was ich verwende. Was in dem Zirkular steht, kann ich verantworten. Es wurde nun zur Verwendung des Cardamonöls übergegangen. Wissenschaft, Runst und Literatur. Funkentelegraphie über den Stillen Ozean. Der amerttanischen Funkentelegraphengesellschaft ist es, einer amtlichen Nachricht aus Neuyork zufolge, gelungen, zwischen San Franzisko und dem japanischen Küstenort Tschost Schtmosa, das entspricht einer Entfernung von mehr als 10 000 Kilometer, funkentelegraphischen Verkehr zu unterhalten. Man benutzte hierbei abwechselnd zwei Dampfer der Pacific Mail Co. als Zwischenstationen. Die größte Entfernung, die ohne Zwischenstation überbrückt wurde, betrug rund B000 Kilometer. Brunnen unter Denkmalsschutz. Wie man der„ Frankf. 8tg." mitteilt, hat das hessische Ministerium die öffentlichen Brunnen unter den Denkmalsschutz gestellt, weil infolge der überall angelegen Wasserleitungen die Gefahr besteht, daß historische Brunnen und solche, die drch ihren eigenartigen Aufbau und künstlerischen Schmuck besonderes Intereffe erregen, verschwinden. Ohne Genehmigung des zu ständigen Kreisamtes darf in Zukunft kein öffentlicher Brunnen beseitigt werden. Vermischtes. und Eine Taufe im Hohenzollernhause. Im Prinz- AlbrechtBalais in der Wilhelmstraße in Berlin wurde am Don nerstag mittag die Taufe der am 2. Mat geborenen Tochter bes Prinzenpaares Friedrich Wilhelm von Preußen im Beijein des Kaisers und der Kaiserin sowie zahlreicher FürstItchkeiten, durch den Oberhofprediger Dryander vollzogen. Die Kaiserin hielt die Prinzessin während des feierlichen Taufaktes. Unter den Paten befinden sich außer der Katserin, Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, Prinzessin Therese von Altenburg, Prinz Eduard von Anhalt Prinzessin Charlotte von Reuß. Die Prinzessin erhielt die Namen Maria Theresia, Auguste Viktoria, Friederike Henriette Charlotte Agathe. Die jetzt getaufe Prinzessin ist am 2. Mai geboren. Ihr Vater ist der dritte und jüngste Sohn des 1906 verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen, des früheren Regenten von Braunschweig, aus dessen Ehe mit der 1898 verstorbenen Prinzessin Marie von Sachsen- Altenburg. Die junge Prinzessin ist das erste Kind aus der im Juni 1910 geschlossenen Ehe des Prinzen Friedrich Wilhelm mit der Prinzessin Agathe von Natibor und Corvey. Prinz Friedrich Wilhelm ist bekanntlich in den preußischen Verwaltungsdienst eingetreten und verwaltet zurzeit das Amt eines Landrat in Frankenstein in Schlesien. Von Zigeunern überfallen. Ein Gutsbesitzer, der sich in der Nähe von Kettmannshausen in Thüringen auf der Jagd auf dem Anstand befand, wurde von einer Zigeunerbande überfallen. Ohne zu treffen, gab er einen Schuß ab und unterlag der Uebermacht. Die Zigeuner verletzten ihn durch Fußtritte und nahmen ihm das Gewehr und das Geld weg. Gendarmen nahmen die Verfolgung auf. Die der Bande angehörenden Männer entkamen. Eine Frau und ein Kind wurden durch Schüsse verletzt. Beim Aufspringen auf den Stadtbahnzug tödlich verunglüdt. Auf dem Berliner Stadtbahnhof Stralau- Rummelsburg ereignete sich gestern ein schrecklicher Unglücksfall. Ein anscheinend dem Arbeiterstande angehörender, ungefähr 50jähriger Mann wollte auf einen in der Richtung nach Kaulsdorf abgehenden Zug aufspringen, glitt aber dabei aus und wurde etwa 20 meter weit mitgeschleift. Sein Kopf schlug mehrmals gegen die Bordschwellen, ehe der Zug zum Halten gebracht wurde. Der Mann hatte einen doppelten Schädelbruch erlitten und war auf der Stelle tot. „ Studieren muß der Junge!" Jm Hammer heißt es: Ein gewesener Staatsbeamter teilt von der wahnwizigen Großmannssucht gewisser Kreise folgendes besonders charakteristische Beispiel als das traurigste von zahllosen" anderen mit. Bahnarbeiters- Leute ließen den ältesten ihrer beiden Söhne ein Handwerk lernen, den jüngsten, ihren Liebling, studieren. Weder Vater, Mutter noch Bruder durften sich ihm während dieser Zeit auf der Straße zu erkennen geben, und als er schwer erkrankte und seine Todesstunde nahte, mußten die Eltern ihm versprechen, seinen Leichnam sofort in das Leichenschauhaus überführen zu lassen, damit keiner der Kommilitonen( e gehörte einer Verbindung an) die ärmliche Wohnstätte sein Eltern erführe. Man darf wohl hinzusetzen: Wohl dem Lande, weil ihm ein solcher Mensch als Beamter erspart worden ist!" Königsbriefe im Pferdestall. In der Verhandlung des Prozesses der Prinzessin Luise in Brüssel gab am Mittwoch der Anwalt der Prinzessin die Erklärung ab, daß der jezige Prozeß nicht auf Verlangen der Gläubiger der Prinzessin, sondern auf ihren eigenen Willen angestrengt wor den sei. Des weiteren teilte der Anwalt mit, daß vor einigen Tagen im Pferdestall des Schlosses von Laeken Briefe des Königs entdeckt worden seien, wonach Leopold im Jahre 1902 einen Spezialfonds besaß, der bis zu seinem Tode im Jahre 1909 auf insgesamt 37 Millionen angewachsen sein muß. Der Anwalt knüpfte daran die Vermutung, daß dieser Fonds den Hauptbestandteil der Niederfullbachschen Gründung bildete. Eine peinliche Ueberraschung Ein gesunder Schlaf. erlebte ein Pommer, der die warme Nacht am Mittwoch auf einer Bank im Berliner Friedrichshain verbracht hatte. Als er aus seinem tiefen Schlaf von einem Schuhmann geweckt wurde, machte er die Entdeckung, daß er sich- im Adamsgewande befand. Einige Diebe hatten den beneidenswerten Schlaf des biederen Pommern dazu bnutzt, um ihm nicht nur sein gesamtes Geld und seine Uhr, sondern auch seine sämtlichen Kleider zu stehlen. Nicht einmal das Hemd hatte man ihm gelassen. Der Schuhmann erwies sich als Retter in der Not und verschaffte dem Schläfer einige Kleidungsstücke. Er erzählte, daß er zu Pfingsten nach Berlin gekommen sei, um sich Stellung zu suchen. Da er sein Geld nicht unnötig für ein Logis verausgaben wollte, habe er die letzten Nächte im Freien verbracht. Von den Dieben fehlt jede Spur. Ueber die Cholerafälle in Venedig, die amtlich immer noch abgestritten werden, wird dem B. L. A. aus Venedig geschrieben:„ Unsere Cholera, die schon nicht mehr abgeleugnet werden fann, stammt aus einer Waschanstalt, die Kleider und Wäsche von einem aus Aften angekommenen Schiff zur Reinigung übernahm. Die älteste Wäscherin starb an Ort und Stelle, die übrigen trugen die Infektion in ihre Heimstätten, so daß wir jetzt fünfundzwanzig Choleraherde haben. Vierzehn Fälle verliefen tödlich. Alle Gäste reisen aus den Hotels ab, thre Wäsche im Stich laslend. Die Patrizierfamilien gehen sämtlich in ihre Villegiaturen im Gebirge und richten sich dort für den ganzen Sommer ein. Am 1. Junt publizierte die Venezianer Aerztekammer ein Plakat, in dem sie die Behörden der Gewissenlosigkeit zeihen, weil sie nicht nur der Bevölkerung, sondern selbst den Aerzten die Cholerafälle verheimlichten.' " In Graz hat der Stadtrat, einer Drahtmeldung zufolge, nachdem seit mehr als fünf Tagen kein weiterer Cholerafall vorgekommen ist, erklärt, daß die Cholera in Graz jetzt ganz erloschen set. Tödlicher Radfahrerunfall. Der Sprachlehrer Erde in Wiesbaden, der gestern einen Ausflug nach dem benachbarten Nordenstadt unternahm, wurde auf dem Heimwege in der Nähe des Ortes auf der Landstraße von einem Radfahrer mit solcher Wucht angerannt, daß er in den Chausseegraben geschleudert wurde, das Genic brach und sofort tot war. Erde stand im 52. Lebensjahre. Der Radfahrer ist der 14jährige Karl Euler aus Delkenheim, der erst an Ostern fonfirmiert wurde und in Erbenheim als Schlosser= lehrling beschäftigt ist. Ein schweres Verbrechen wurde am Donnerstag in einem Steinbruch bei Eberbach in Baden entdeckt. Man fand dort ein 11jähriges Mädchen mit aufgeschlittem Unterleib und einen 9jährigen Knaben mit einer Schnitwunde am Halse auf. Die Verlegungen beider Kinder sind sehr schwerer Art. Die Schnittwunde des Knaben geht sehr dicht an der Halsschlagader vorbei. Man brachte die Kinder sofort ins Krankenhaus. Als Täter wurden zwei Brüder, Steinbrucharbeiter, aus dem benachbarten Neckarelz vermutet. Aus Mannheim wurden sofort mehrere Polizeibeamte mit Polizeihunden herbeigeholt, die sofort die Spur der Täter aufnahmen. Die beiden Brüder wurden verhaftet, doch leugnen sie, die Tat begangen zu haben. Die Kinder tonnten bis jetzt megen ihrer schweren Verlegungen noch nicht vernommen werden, doch steht unzweifelhaft fest, daß es sich um den Versuch eines Doppellustmordes handelt, und daß die Täter an der vollständigen Ausführung des Verbrechens verhindert worden sind. Ein sonderbarer Fund ist gestern in der Eisenbahnhauptstätte zu Potsdam bei der Revision eines D- Zuges gemacht. Im Drehgestell eines Wagens fand man einen nadten weiblichen Unterschenkel, der schon einige Zeit dort gelegen haben muß, da er vollständig eingetrocknet und schwarz war. Dieser Fund gab Anlaß zu dem Gerücht, daß man einem geheimnißvollen Frauenmorde in einem D- Juge auf die Spur gekommen war. Es hat jedoch nicht den Anschein, als ob dieser Fund mit einem Verbrechen im Zusammenhang steht. Johann Orths Testament. In Wien wurde gestern der letzte Wille Johann Orths publiziert, der aus drei Teilen aus den Jahren 1878 und 1890 besteht. Schloß Orth bei Gmunden vermachte er seiner Mutter Marie Antoinette von Toscana. Eine große Zahl von Legaten bestimmte er für Beamte und Diener, die Armen Wiens und verschiedener anderer Orte Oesterreichs und Ungarns, ferner zur Förderung der heimatlichen Kunst und Wissenschaft, sowie für das Wohl und die Entwicklung der österreichisch- ungarischen Wehrmacht. Nähere Bestimmungen bleiben den entsprechenden Ministerien überlassen, jedoch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß jede Verwendung für Zwede oder zu Händen der Kirche ausgeschlossen ist. 3u jener Zeit war Orth noch Erzherzog und Generalmajor in Bosnien. In dem dritten Kodizill, das in England abgefaßt ist, vermachte er seiner treuen Lebensgefährtin Ludmilla Stubel 100 000 Gulden und ein Haus in Wien. „ Echtes" und deutsches Pilsener. In dem soeben der Deffentlichkeit übergebenen letzten Jahresbericht der Handelskammer für das Herzogtum Anhalt in Dessau wird amtlich bestätigt, daß die Einfuhr von Pilsener Bier nach Deutschland nicht unerheblich zurückgegangen ist. Als Ursache wird angeführt, daß die einheimischen Biere infolge ihrer guten Qualitäten bei wesentlich niedrigeren Preisen den Wettbewerb mit den sogenannten echten Bieren erfolgreich aufnehmen. Der durch die Zolltarifreform gegen früher noch wesentlich in die Höhe gegangene Preis des sogenannten echten Pilsener Bieres, der für weniger Bemittelte schon lange nicht mehr erschwinglich ist, muß der deutschen Konkurrenz in der Tat zu statten kommen und ihr bei angespannten Leistungen immer mehr Terrain gegenüber dem importierten Pilsener erobern helfen. Humor in Todesgefahr. In einem großen Weberdorfe der Lausitz wurde jüngst die alte Dorffirche einer umfangreichen Renovation unterozgen. Bald stand das ehrwürdige Gotteshaus vor den froh erstaunten Augen der Landbewohner in verjüngter Gestalt schmuck und stattlich da. Nur am Turm waren noch die letzten Schieferdeckungen vorzunehmen. Mit ebensoviel Angst als Neugier verfolgten die zahlreich Umherstehenden die gefährliche Arbeit des Dachdeckers, eines im ganzen Dorfe als humorvoll bekannten Handwerkers. Da ging plöglich ein vielstimmiger Aufschrei Surch die Menge. Ein Rennen und Hasten nach dem Turme begann. Was war geschehen? Der Schieferdecker_war infolge Fehltritts vom Turme abgestürzt, ohne indes Schaden zu nehmen. Er war in einen großen weichen Sandhaufen gefallen und erhob sich vor den entsegten UmherDann stehenden ohne besondere Zeichen von Erregung. zog er faltblütig seine Uhr und meinte im Hinblick auf die nahe Mittagspause: ,,' s is in fünf Minuten um zwölfe, da verlohnt sich's nich erscht, daß ich noch amol raufflettere!" Sprach's und ging seelenruhig seiner nahen Wohnung zu. Des Tambours letzter Gruß. Ein junger Trommler des in Caterham stationierten Coldstream Garde- Regiments hatte sich, wie aus London berichtet wird, dieser Tage in Croydon wegen versuchten Selbstmordes zu verantworten. Nachdem man ihn auf der Eisenbahnstation Kenley als Deserteur festgenommen hatte, verschluckte in augenscheinlich großer Verzweiflung der Tambour- er heißt Ernest Hatchard eine Dosis Laudanum, die jedoch nicht tödlich wirkte. Der junge Mensch führte das Gift bei sich. Außerdem fand man bei ihm einen Brief an seine Braut, deffen Verlesung vor Gericht eine ergreifende Wirkung hatte. Es heißt darin: „ Meinem einzigen Liebling Alice ein paar Worte und einen lezten Gruß. Ich wünschte, ich könnte Dich neben mir ha= ben und Deine Stimme hören, aber es ist zu spät dazu. Ich kann Dich nicht länger leiden sehen und kann das Leben nicht mehr ertragen. Seit ich weiß, daß Deine Krankheit unheilbare Schwindsucht ist und Du nie mein sein wirst, ist es mir unmöglich, zu denken, einmal ohne Dich leben zu sollen. Es grüßt Dich mit gebrochenem Herzen Dein Ernest." Das Resultat dieses rührenden Schreibens wird jedenfalls sein, daß man mit dem jungen Deserteur und Selbstmordkandidaten nicht allzu scharf ins Gericht gehen wird. Die„ Brautpfade" von Aurich. Eine uralte schöne Sitte, am Himmelfahrtstage vor den Häusern sogenannte„ Brautpfade" anzulegen, herrschte früher in der alten ostfriesischen Fürstenresidenz Aurich. Tage vorher holten die Kinder aus Wiesen und Wäldern Blunen, Laub und Moos, und vor Morgengrauen wurden di jade von ihnen in aller Stille angelegt. Woher der Brauch stammt, ist mit Sicherheit nicht mehr anzugeben. Während einige Forscher eine auf uns überkommene Art der altgermanischen Maifeier darin erblicken wollen, neigen andere der Ansicht zu, daß dieser Brauch eingeführt worden sei bei der Hochzeit des letzten Fürsten von Ostfriesland, Karl Edzard, der am Himmel fahristage des Jahres 1784 seine Braut, die Prinzessin Sophie Wilhelmine von Brandenburg- Bayreuth, heim führte. Die Sitte hatte in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr abgenommen, bis sich heuer der Dürerbund für Ostfriesland ihrer Wiederbelebung warm annahm. Er hatte nämlich für die schönsten Brantpfade ein Preisausschreiben erlassen, das auch ungeahnten Erfolg hatte. Nicht allein, daß die Zahl der Pfade ungewöhnlich groß war, auch die Anlage, Form, Ausführung und Farbenwahl war mit Liebe und Sorgfalt vorgenommen, teilweise sogar künstlerisch ausgeführt. Man sah mehrfach den alten Friesenspruch Eala freya Fresena, das Auricher Wappen, große Figuren in Form von Kreuzen, Sternen, Mühlen usw. Da nur eine beschränkte Anzahl von Preisen zur Verfügung stand, hätten nur die allerhervorragendsten Arbeiten ausgezeichnet werden können, wenn der Dürerbund sich nicht entschloffen hätte, im Interesse der zu fördernden Sache die Preise erheblich zu vermehren. Das Erdbeben in Merifo hat nach neueren Meldungen 63 Menschen das Leben ge= fostet, über hundert sollen verwundet worden sein. Die Stadt Mexiko, der Hauptherd der Katastrophe, hatte sich tags vorher zu dem am Morgen erwarteten Einzuge des Nationalhelden Madero vorbereitet, dessen Anhänger die Landleute weit und breit veranlaßt hatten, nach der Hauptstadt zu pilgern. Auf diese Völkerwanderung war Mexiko nicht vorbereitet, und Tausende und aber Tausende, die kein gastliches Haus fanden, waren gezwungen, auf den Plätzen in der Nähe der Regierungsgebäude und Kirchen zu lagern. Da fam morgens bald nach drei Uhr das Erdbeben und weckte die Menschenmassen zu grausem Schrecken. Der Regierungspalast wankte und eine Maner stürzte unter lautem Getöse ein. Das galt den abergläubischen Indianern und Mischlingen, deren Tausende hier im Freien ihr Nacht lager aufgeschlagen hatten, als ein böses Omen für die neu Regierung. Ven panischer Furcht gepeitscht, stürzten sie durch die in Finsternis gehüllten Straßen. über die Trüma mer fallender Häuser hinweg und eilten schreiend, betend, fluchend und weinend aus der Stadt, soweit sie die schrekfensstarren Glieder zu tragen vermochten. Andere Taufende füllten die Kirchen und flehten den Gott der Rache an, sie zu schonen, während die ewige Lampe" infolge der erneuten Beben hin und her pendelte und die Scherben der gemalten Fenster auf die Betenden herabregneten. Poliaisten drangen in die Kirchen ein und suchten das Volk von dem trügerischen Schuß der schwankenden Mauern zu überzeugen, aber das Wort des Geistlichen auf der Kanzel übertönte die Warnung. Das Rollen der unterirdischen Gewalten vermischte sich mit den Gebeten der Menge. Eines der ersten Gebäude, das einstürzte, war die Kaserne von Cosme. Das Gefängnis von Belem fiel zu gleicher Zeit ein. Die meisten Sträflinge entflohen, mehrere aber wurden getötet. In den besseren Stadtteilen scheint das Erdbeben nicht viel Unheil angerichtet zu haben, aber in den ärmeren Vierteln liegen hunderte von Häusern in Ruinen. Hier erwachten manche Familien erst, als die Wände schon gefallen waren und von ihren Häusern nur noch die hölzernen Gerippe übrig waren. Dem unerklärlichen Umstande, daß fast alle Wände und Mauern nach außen fielen, wird es zu verdanken sein, wenn der Verlust an Menschenleben nicht tausende beträgt. Bei dem ersten Erostoß erloschen alle Lichter. Die Bevölkerung lief angsterfüllt auf die Straßen, wobei viele Personen in der Dunkelheit über die entstandenen Erdriffe stolperten und zu Schaden kamen. Als der Tag an= brach und die Erderschütterungen sich nicht wiederholten, wurde die Bevölkerung. der solche Naturerscheinungen durchaus nichts Ungewöhnliches sind, wieder ruhiger. Drabtnachrichten und neuestes. Der Besuch des Sultans in Saloniti. Saloniki, 9. Juni. Nach dem Empfang aller Departementschefs und der Chefs der verschiedenen Kultusgemeinden wurden dem Sultan die fremden Konsuln vorgestellt. Die Prinzen unternahmen eine Rundfahrt durch die Stadt, wobei sie überall lebhaft begrüßt wurden. Gegen Abend äußerte der Sultan den Wunsch. das Volk zu sehen, worauf die Bevölkerung sich scharenweise zu dem Konat begab und dort vorbeizog. Französische Eisenbahnattentäter. 0 Paris, 9. Juni Unweit der Militärschule von St. Cyre wurden sechs Telegraphenstangen mit 47 Drähten an der westlichen Staatsbahnlinie durch Dynamit zerstört. Die Täter scheinen eine Ueberraschung gefürchtet zu haben, denn sie Iteßen zwei gefüllte Dynamitbomben in der Nähe des Tatortes zurück. Die Behörden glauben, die Urheber zu kennen. Der Revolver als Spielzeug. Bern, 9. Juni. Gestern nachmittag, als die Eltern mit der Aufräumung der Wohnung beschäftigt waren, entdeckte in Bulle ein 10jähriger Knabe ein altes Terzerol. Er zielte damit auf seine 9jährige Schwester. Ein Schuß ging los und das Mädchen fiel, von einer Kugel ins Herz getroffen, sofort tot zu Boden. Der unglückliche Junge entfloh in seinem Entsetzen mit der Waffe und fonnte noch nicht gefunden werden. Opfer der Berge. Zürich, 9. Juni. Zwei deutsche Touristen wollten von der Glashütte Thierwies auf dem Säntis zum Kräzerli heruntersteigen. Einer von ihnen glitt aus, stürzte ab und zog sich dabei schwere Verlegungen zu. Ein anderer Absturz, der tödlich verlief, ereignete sich im Kanton Waadt. Ein aus Schlesien stammendes Fräulein v. Leinitz ist bei einem Ausflug auf die Rochers de Naye, den sie in Gesellschaft unternahm, abgestürzt. Die Leiche wurde geborgen. Handel und Verkehr. Der Saatenstand im Deutschen Reich am Anfang des Monats Juni 1911 betrug, wenn 2 gut und 3 mittel bedeutet, für Winterweizen 2,5, Sommerweizen 2,6, Winterspelz 2,5, Winterroggen 2,7, Sommerroggen 2,5. Sommergerste 2,4, Hafer 2,6, Kartoffeln 2,6, lee 2,9, Luzerne 2,8, Bewässerungswiesen 2,1 und andere Wiesen 2,5. Frankfurt, 8. Juni. Viehmarktspreise vom 8. Juni. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast ( Lebendgewicht) M, 6) feinfte Mast( Vollm.- Mast) und beste Saugfälber( Lebendgewicht) 60-64 M,( Schlachtgew.) 100-107 M, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber( Lebendgew.) 54-58 M,( Schlachtgew.) 92-98 M, d) geringere Saugkälber( Lebendgew.) 51-53 M,( Schlachtgew.) 86-90 M. Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80-100 Kg. Le bendgewicht( Lebendgewicht) 462-49 M,( Schlachtgewicht) 61-63 M, 6) vollfleischige Schweine unter 80 kg. Lebendgewicht( Lebendgewicht) 48-49 M,( Schlachtgew.) 60-62 M, c) vollfleischige Schweine von 100-120 kg. Lebendgewicht ( Lebendgew.) 47-49 M,( Schlachtgew.) 59-61 M, d) vollfleischige Schweine von 120-150 g. Lebendgewicht( Lebendaewicht) 47-49 M,( Schlachtgewicht) 59-61 M. Bekanntmachung. Betr.: Organisation des Rettungsdienstes in der Stadt Gießen. Wir machen darauf aufmerksam, daß die im Rettungs- und Krankenträgerdienst ausgebildeten Mitglieder der Freiwilligen Sanitäts- kolonne vom Roten Kreuz dahier zur Leistung der ersten Hilfe bei Unglücksfällen und zur Ausführung von Transporten Verletzter oder innerlich Erkrankter zur Verfügung stehen. Die Inanspruchnahme der Hilfeleistung erfolgt am besten durch Vermittelung der Polizeiwache, Weidengasse Nr. 5( Telephon Nr. 24) oder der Polizeiwache am Selterstor, von wo aus die erforderlichen Mannschaften herbeigerufen werden. Die Mitglieder der Sanitätskolonne dürfen nur erste Hilfe leisten und müssen, soweit nicht ein Arzt bereits tätig ist, den Verletzten sofort nach Anlegung eines Notverbandes einem Arzte zuführen. Hinsichtlich der Auswahl des Arztes haben sie sich nach den Wünschen des Verletzten oder seiner Angehörigen zu richten. An den nachstehend aufgeführten 4 Stellen der Stadt, die durch Schilder mit entsprechender Aufschrift kenntlich sind, wird das zur Anlegung von Verbänden erforderliche Material bereit gehalten: 1. Asterweg 2: E. Malko mesius. 2. Seltersweg 58: H. Kraushaar. 3. Neustadt 33: G. Wah I. 4. Neuen Bäue 3: H. Schmidt. Gießen, den 6. Juni 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Geschäfts- Eröffnung. Einem verehrl. Publikum mache ich hierdurch die erg. Anzeige, dass ich das Restaurant Windhof käuflich erworben habe. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, die verehrl. Besucher des ,, Windhofes" in Zukunft in jeder Weise zufrieden zu stellen durch Verabreichung von nur erstklassigen Getränken und Speisen. Zum Ausschank kommt das rühmlichst bekannte Bier aus der Gräfl. Görtz'schen Brauerei zu Schlitz in Oberhessen: hell zu 10 Pfg. 3/10 dunkel 12 Ptg. 3/10 95 Indem ich die verehrl. Einwohner Giessens und Umgegend zu recht zahlreichem Besuche einlade zeichne Hochachtend Otto Kohlheyer langjähriger Bahnhofsrestaurateur in Hungen. Technikum In Dosen à 10 und 20 Pfg. Putze nur mit Globus SCHUTZMARKE SCHUTZMARKE Putzextrakt Alein Fahr Fritz Schulz.AG.Le Grand Prix St.Louis 1904.Gold. Med. Paris Globus Putzextrakt Bester Metallputz der Welt Oelfarben Ueberall zu haben. in allen Nuancen, rasch und hart trocknend Leinölfirnis zum Einölen Bernsteinfußbodenlack Sikkativ Terpentinöl Bodenöl Parkettwachs VERKAUFSTAG IHRER KÖNIGLICHEN HOHEIT DER GROSSHERZOGIN VON HESSEN ZUM BESTEN UNBEMITTELTER TUBERKULÖSER PERSONEN 285/1 GIESSEN DIENSTAG DEN 13. JUNI NACHMITTAGS 3 UHR STEINS GARTEN Abonnements- Konzerte. „ Kaiser - Die Kapelle des Infanterie- Regiments Wilhelm"( 2. Großh. Hess.) Nr. 116 erlaubt sich zu einem Die Zyklus von Abonnements Konzerten einzuladen. Konzerte finden in Steins Garten statt. Dieselben werden mit Militärmusik bei ungünstiger Witterung mit Streichmusif im Saal ausgeführt, wozu ein musik und funftliebendes Publikum höft. eingeladen wird. Der Abonnementspreis für 6 Konzerte beträgt: Ein Familienblatt für 4 Personen 8.00 Mt. Ein Personenbillet Kaffenpreis mit Solist " ohne H 3 7.00 Mt. " " 240 Mr. 1.00 Mr. 0.75 Mr. Stein's Garten:: Giessen Bes. C. Stein Hotel Restaurant und 1. VergnügungsEtablissement mit großem Garten Mittagstisch Die Liste zirkuliert. Wie alljährlich finden die Konzerte Donnerstags statt, das erste am 15. Junt. Anfang abends 8 Uhr. - in und außer Abonnement. Elektr. Licht. - Fremdenpension Bad im Hause. Telephon Nr. 5. Gasthof 6 „ Zur Krone" Wilhelm Löber, Obermusifmeister. Abonnements und Karten im Vorverkauf sind bet, Herrn Challier, Neuenweg und beim Vorzeiger der ( 19/12) Liste zu haben. ! Neu eröffnet! Auf vielseitigen Wunsch habe ich im Solbad Salzhausen ( Promenade- Hotel), eine foschere Küche errichtet. 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