ter ten, 311 Das Der 48, MIT. che für 233. rzer wie Rock end hen izen fich rtig Bem drei eiche tel. doch 66 Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten). Bezugspreis 50 pig. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mif., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 85. - Telephon: Nr. 362. Die Frankfurter Universität. der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amtes = Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag den 10. April 1911 hensolms- Lich, Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann und Frau, Frau Kommerzienrat Louis Emmelius, Geh. Kommerzienrat Gail und Frau, Frau Geh. Justizrat Gebhardt, Chefredakteur Aug. Götz, Frau Dr. Güngefowsky, Oberleutnant Jebens und Frau, Beigeordneter Keller, Fabrikant Adolf Klingspor, Stadtv. E. Krumm, Oberbürgermeister Mecum und Frau, Architekt Hans Meyer, Bankdirektor Müller, Frau Geh. Medizinalrat Riegel, Frau Ludwig Rinn 19.- Heuchelheim, Kaufm. Karl Röhr, Bürgermeister Schomber- Wieseck, Hauptmann Schröder und Frau, Provinzialdirektor Dr. Usinger und Frau, Regierungsassessor Wolf, Eisenbahndirektor Zim mermann. Aus der Mitte des Hauptausschusses wurde ein Vorstand gewählt, der die Geschäfte des Ausschusses führen soll. Ihm gehören an: Frau Dr. Usinger als Vorsitzende, Frau Dr. Biermann, Frau Dr. Güngerich, Herr Oberbürgermeister Mecum, Herr Hauptmann Schröder, Herr Klingspor, als Geschäftsführer die Herren Regierungsassessor Wolf und Beigeordneter Keller, als Schatzmeister die Herren Bankdirektoren Heichelheim und Müller. Ferner gehören ihm an die Vorstände der Bezirksausschüsse, als welche gewählt wurden: für den 1. Bezirk: Frau Oberbürgermeister Mecum und Frau Kommerzienrat Emmelius, für den 2. Bezirk: Frau Geh. Medizinalrat Riegel und Frau Geheime Justizrat Gebhardt, für den 3. Bezirk: Frau Geh. Kommerzienrat Gail und Frau Hauptmann Schröder. In der letzten Sigung des Herrenhauses nahm Oberbürgermeister Dr. Adickes das Wort zu folgenden Ausführungen über die Frage der Universität: Die Frank- rich, Bankdirektor Heichelheim, Stadtv. Helm, M. Jasfurter Anstalt sei kein Plan, der von heute auf morgen ausgeführt werden könne oder solle. Ihre Entwickelung hat eine lange Vorgeschichte. Im übrigen berufe er sich auf den allerhöchsten Erlaß vom Jahre 1866, in dem König Wilhelm von Preußen den Anstalten für Schule, Wissenschaft und Kunst seine besondere Aufmerksamkeit zusichert. Dieses Versprechen sei eines der Fundamente, aus denen der Plan sich aufbaue. Im Jahre 1763, als auf den Universitäten die medizinische Wissenschaft darniederlag, hat der Frankfurter Arzt Dr. Senckenberg die bekannte Anstalt gestiftet zur wissenschaftlichen Fortbil dung seiner Berufsgenossen. Während der französischen Zeit sei diese Anstalt der Mittelpunkt einer medizinischen Fakultät gewesen, die nach Beseitigung des französischen Systems trotz der Bemühungen des Freiherrn v. Stein, sie zu erhalten, wieder aufgehoben worden sei. In den Jahren 1817 bis 1824 seien dann die Naturforscher Gesellschaft und der Physikalische Verein gegründet den, die mit ihren Zweiganstalten Gelegenheit zu Fortbildungskursen geboten haben. So hat sich in Frankfurt durch den unmittelbaren Zusammengang der wissenschaftlichen Anstalten mit dem praktischen Leben die Pflege der Wissenschaft zu einer ungeahnten Blüte entwickelt. Hierzu komme noch, daß Frankfurt eine Reihe von allgemeinen und Spezialkrankenhäusern besitze. Der Universitätsplan bezwecke mit einem Wort, alle diese Einzelheiten zu einem großen akademischen Ganzen zu vereinigen. Die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften sei von etwa einem halben Tausend Hörer besucht und zwei Semester würden den Hörern schon jetzt angerechnet. Redner geht nunmehr im einzelnen auf die Angriffe im anderen Hause ein und weist namentlich das Bedenken zurück, als ob die Gründung einer freien Universität in Frankfurt das wissenschaftliche Proletariat vermehren könne. Aus Stadt und Land. wor= Gießen, den 10. April 1911. L. u. Gießen, 10. April. Prof. Dr. Ludwig Schlesinger, der als Nachfolger des ordentlichen Professors der Mathematik Geh. Hofrat Dr. Pasch mit Wirkung vom kommenden Sommersemester an unsere Universität berufen ist, wird in diesem Semester folgende Vorlesungen halten: Synthetische Geometrie, 3stündig; Einführung in die Theorie der elliptischen und automorphen Funktionen, 4stündig; Uebungen des mathematischen Seminars, 1stündig. *) Gießen, 7. April. Gestern fand im Regierungsgebäude unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialdirektor Dr. Using er eine Sigung des Komitees für den Blumentag statt, das fast vollzählig erschienen war. Nach einleitenden Worten der Begrüßung gab der Vorsitzende einen Ueberblick über die beabsichtigten Veranstaltungen und die Organisation des Blumenverkaufs. Hiernach soll der Blumentag in der Stadt Gießen am 6. Mai, in den Landgemeinden, von denen nur die mit mehr als 1000 Einwohner in Frage kommen, am 7. Mai abgehalten werden. An diesen Tagen sollen junge Frauen und Mädchen möglichst aller Bevölkerungsfreise fünstliche Maßliebchen zum Preise von 10 Pfennig das Stück auf den Straßen, Plätzen, Bahn= hof und anderen geeigneten Orten verkaufen. Zur Belebung des Straßenverkehrs sind Promenadekonzerte vorgesehen. Wegen Dekoration der Schaufenster und Schmückung der Häuser sind die erforderlichen Schritte eingeleitet. Die Stadt Gießen wird zum Zwecke des Blumenverkaufs in 3 Bezirke eingeteilt, und zwar bilden der 1. und 6. Armenbezirk den 1. Verkaufsbezirk, der 2. und 3. Armenbezirk den 2., der 4. und 5. Armenbezirk den 3. Verkaufsbezirk. Jede Landgemeinde über 1000 Einwohner bildet für sich einen Bezirk. Jedem Bezirk steht ein Bezirksausschuß vor, dem die Durchführung des Blumenverkaufs innerhalb seines Bezirkes obliegt. Innerhalb jedes Bezirkes wird eine Geschäftsmit Wechselstelle eingerichtet, von der aus der Blumenverkauf geleitet wird. Die Blumen werden von den Verfäuferinnen in fleinen, ausgeschmückten Körbchen, die von den Damen selbst zu stellen sind, getragen. Eine allgemeine Aufforderung an die jungen Mädchen( über 15 Jahre) und jungen Frauen Gießens zur Uebernahme des Amtes als Verkäuferinnen wird demnächst ergehen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde alsdann aus dem Komitee ein Hauptausschuß gewählt, der Ihm die Einzelheiten des Programmes festsetzen soll. gehören an: Ihre Durchlaucht die Fürstin Solms- Ho- - An die Sitzung des Komitees schloß sich alsdann eine Besprechung des Hauptausschusses an, in der das Programm in großen 3ügen festgelegt wurde. Hierüber wird später näheres mitgeteilt werden. - * Gießen, 10. April. Gestern vormittag 12 Uhr fand in der alten Klinik die Eröffnung der Ausstellung des Verbandes Hessischer Privat- Architekten statt. In der Begrüßungsansprache bezeichnete der Vorsitzende Georg Rohr- Worms als dringlichste Aufgabe des Verbandes, die Behörden bezw. die Stadt- und Landgemeinden zu veranlassen, den Privatarchitekten zu öffentlichen Bauten heranzuziehen sei es im engeren oder offenen Wettbewerb wie dies in allen Nachbarstaaten längst der Fall sei. Ein Rundgang durch die Ausstellung, die wegen der Kürze der Zeit noch nicht ganz fertiggestellt ist, rüstig vorwärts strebt, und es ist ihm wohl zu wünlegte ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß der Verband schen, daß er das gesteckte Ziel bald erreicht. Von der Ortsgruppe Gießen hatten folgende Mitglieder ausgeſtellt: Hans Burg, Fischer& Zipp, Christian Freundlieb, Gustav Hamann, Heinrich Rockerbeck, Paul Müller & Karl Müller, Ludwig Rohrbach, Ernst Schmidt und L. Seuling. Der Besuch der Ausstellung kann wegen ihrer Reichhaltigkeit und Gediegenheit jedem Interessen ten empfohlen werden. Gießen, 8. April.( Gründung eines dung der Ortskrankenkasse Gießen waren am Donnersgemeinnügigen Bauvereins.) Auf Einlatag abend im Hotel Schütz zirka 80 Personen erschienen, um endgiltig Stellung dazu zu nehmen, ob man die Gründung eines gemeinnützigen Bauvereins E. G. m. b. H. vornehmen solle. Die Gründung wurde beschlos= sen und das vorgelegte Statut der Genossenschaft nach einigen Abänderungen genehmigt. Der Verein trägt den Namen:„ Gemeinnügige Baugenossen= schaft, E. G. m. b. H. zu Gießen". Der Zweck des Vereins ist, minderbemittelten Familien gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen zu billigen Preisen zu verschaffen, und zwar durch Ueberlassung der Häuser zum Eigentum oder Miete. Jede Person, die im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sich befindet, kann Mitglied der Genossenschaft werden. Außerdem noch juristische Personen, Stiftungen, eingetragene Genossenschaften und andere Personenvereine. Der Geschäftsanteil jedes Genossen wurde auf 200 Mt. festgesetzt, welcher entweder gleich ganz oder in monatlichen Raten von mindestens 3 Mk. einzuzahlen ist. Die Höchstzahl der Anteile, die ein Genosse nehmen kann, wurde auf 50 festgesetzt. Die Verwaltung der Genossenschaft führt der Vorstand und Aufsichtsrat, ersterer aus 5, letzterer aus 9 Personen bestehend. In den Vorstand wurden ge= wählt: Geschäftsführer Fourier als 1. Vorsitzender, Pfarrer Bechtolsheimer als 2. Vorsitzender, Bürgermeisterei- Sekretär Mosig als 1. und Spenglermeister Dahmer als 2. Schriftführer, sowie Rechner Lentz als Kassierer. In den Aufsichtsrat wurden gewählt: Fabrikant Klingspor als Vorsitzender, Oberlehrer Dr. Klein, Glaser Joseph Maier, Sekretär Scherff, Schriftsetzer Braun, Dr. med. Schäffer, Gärtner Koch, Werkführer Bräutigam und Glasermeister Bierau. Nach Genehmigung der Statuten durch das Amtsgericht wird die Genossenschaft so( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pin, auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlich! cit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. fort ihre Tätigkeit beginnen. In unserer Nachbar= stadt Wetzlar besteht ebenfalls eine Baugenossenschaft, die auf eine fruchtbringende Tätigkeit zurückblicken kann. In diesem Jahre sollen von ihr 16 Neubauten aufgeführt werden. Zu einem erheblichen Teil war das gedeihliche Wirken dieses Vereins nur dadurch möglich, daß die Stadtverwaltung in loyalster Weise dem Vereine entgegentam. Anmeldungen zu der Genossenschaft können bei dem 1. Vorsitzenden, Geschäftsführer Fou= rier, Ortskrankenkasse, bewirkt werden. - Wetzlar, 10. April. Auf der Ausstellung des Verbandes Hessischer Privat- Architekten im alten Kliniksgebäude zu Gießen ist auch unsere Stadt vertreten. So hat der Architekt Hamann ausgestellt: Ein Modell und zwei Photographien der Häusergruppe des Spar- und Bauvereins an der Nauborner Straße, ein Modell des Landhauses Weckmüller, 7 Photographien der Badeanstalt und 5 Blatt Zeichnungen zu Häusern des Sparund Bauvereins für den Baublock an der Gabelsberger Straße. == Hungen, 9. April. Der Umbau des Unter= baues der Bahnstrecke Beienheim- Hungen- Laubach ist dieser Tage durch den Unternehmer Hch. Koch in Nonnenroth vollendet worden. Da auch die Elektrizitätsanlagen am Hungener Bahnhof vollendet sind, kann nun wohl bald der Betrieb der Triebwagen vor sich gehen; es fehlt nur noch, wie man hört, an der Lieferung der Wagen. Der Umbau des hiesigen Stationsgebäudes schreitet rüstig vorwärts. == Schotten. In einem benachbarten Dorfe hatte die Hausfrau Del zum Heißwerden in den Ofen gestellt, das bald darauf Feuer fing. Eiligst fam ihr Mann, ein Schmied, mit der großen 3ange herbei, zog das Gefäß heraus und goß-Wasser in die Pfanne. Zischend stob die Glut auseinander und zerstörte dem flugen Manne den Schnurrbart. = r Schotten, 8. April. Heute nachmittag wurden beim Ausgraben des Kellers zum Druckerei- Neubau des Buchdruckers Engel zwei Arbeiter durch Einbrechen einer Erdwand verschüttet. Während der eine Arbeiter unerhebliche Verlegungen davon trug, wurde der andere Arbeiter von niedergehenden Steinen getroffen, daß er einen Arm- und Beinbruch erlitt. ** Frankfurt, 10. April. Trotzdem das Programm für das im August d. Js. stattfindende 28. Bundesfest des Deutschen Radfahrer- Bundes schon seit einianstaltung vorbereitenden Ausschüsse alles daran, in dieger Zeit in festen Umrissen feststeht, setzen die die Versem großen vaterländischen Feste noch möglichst viele Schlager einzubringen. Die großen Frankfurter sportben bereits ihre Teilnahme an dem Festzuge fest zugelichen Korporationen, die Turner und die Schützen ha sagt, auch die anderen sportlichen Vereine, Innungen usw. werden natürlich nicht fehlen. Der geschäftsführende Ausschuß ist mit der Fahrleitung der deutschen Luftschiffahrts- Gesellschaft in Verbindung getreten und man hofft, daß der neueste Luftkreuzer„ Ersatz Deutschland" aus Anlaß des 28. Bundesfestes auf dem Festplaze landen wird. * Geisa. Ueber Milchmangel und Butternot in unserer Gegend wird in der„ Eis. 3tg." Klage geführt. Danach hat fürzlich die Molkerei Günthers wegen der bestehenden Milchnot den Betrieb eingestellt. Wenn man nicht zufällig eine sichere Bezugsquelle oder besonderes Glück hat, kann man tagelang die Dörfer des Amtsbezirkes durchfragen, ohne nur ein halbes Pfund Butter aufzutreiben.(?) Wenn man nicht die sehr teure Butter, die von auswärts eingeführt wird, bezahlen will, muß man zu Ersatzmitteln greifen. Preußen, der mit dem Prinzen Sigismund zum Besuch * Darmstadt, 10. April. Prinz Heinrich von am großherzoglichen Hofe hier eingetroffen ist, wird die Osterfeiertage hier verbleiben. Die Prinzessin Heinrich von Preußen wird am Montag hier eintreffen. * Diez, 7. April. In dem zwischen hier und Linburg gelegenen Kalkwerkbetrieb der Firma Schäfer konnten dieser Tage 7 Arbeiter ihr 25jähriges Arbeiterjubiläum feiern. Von der Firma wurde jedem der Jubilare ein Geldgeschenk von 50 Mt. überreicht. Es sind dies die Steinbrecher Ph. Schupbach, Fr. Moog, Frdr. Dietrich und Wilh. Moog aus Freiendiez, ferner die Einsetzer Daniel Schutzbach aus Dietz und Gg. Reinhardt aus Freiendiez, sowie der Handarbeiter Friedr. Ernst aus Floett. Hamburg. Der Lord mayor von Lon= don, Sir Vessey Strong, der ein langjähriges Mitglied des Guttempler- Ordens ist, wird an der Jnternationalen Guttempler- Tagung in Hamburg im Juni dieses Jahres teilnehmen. Oktoberwahlen? Wenn die Halmfrüchte in den Scheuern sind, und ble Winzer sich in der Weinlese befinden, soll, wie jetzt be ftimmt" verlautet, die Schlacht bei Philippt" ausgefochten werden. So oft die Meldung auftauchte, daß dem jebigen Reichstage vor seinem gesetzmäßigen Schluffe ein Ende burch Auflösung bereitet werden würde, urd daß die Neuwahlen bereits im Herbst zu erwarten feien, erfolgte ein entschiedener Widerspruch von offiztöser Seite. Heute hüllt sich das Organ des Kanzlers, die„ Nordd. Allg. Zí.", indes in Schweigen. Dagegen bringt ein gleichfalls vielfach zu halbamtlichen Kundgebungen benuttes Berliner Lokalblatt eine Notiz, die sich mit der Nachricht von den Oktoberwahlen beschäftigt. Es wird gesagt, daß die Behauptung, der zuständige Bundesausschuß habe sich einstimmig für die Unberaumung der Reichstagswahlen im Oktober ausgesprochen, unbegründet set. Ganz zutreffend wird angeführt, daß nicht der Bundesrat, sondern allein das Bu 1- despräsidium, also der Katser, ben Termin für die Neuwahlen ansehen könne. Lediglich für die Auflöfung des Reichstages sei die Zustimmung des Bundesrates erforderlich. Von besonderer Bedeutung ist indes der Zusatz zu dieser Feststellung, der unverkennbar aus regierenden Kretsen stammt. Es heißt darin, daß die endgültige Entscheidung über eine etwaige Herbst tagung des Reichstags und über den Zeitpunkt der Neuwahlen erst zwischen Ostern und Pfingsten getroffen werden könne, wenn sich der weitere Gang der Reichstagsverhandlungen mit gröBerer Sicherheit als bisher übersehen lassen wird. Die Möglichkett, daß eine Auflösung des Reichstages erfolgen wird, wenn der weitere Gang der Dinge dem Wunsch und Willen des Kanzlers nicht mehr entinricht, wird also zugegeben. Bisher hieß es stets von offistöser Seite, der Reichstag werde alle wichtigen Vorlagen erledigen und erst nach Ablauf der fünfjährigen Dauer seines Bestehens durch eine neue Körperschaft ersetzt werden. Die Fäden verwir ren sich aber so bedenklich, daß die Regierung nur noch auf Wunder rechnen könnte, wenn sie an eine erfolgreiche Ver= abschiedung ihrer großen Vorlagen zu denken vermag. Nachdem Abg. Erzberger es all ein Verlangen nach Selbstentmannung bezeichnet hat, daß das Zentrum für die vom Reichskanzler empfohlene reichsländische Verfas sung stimmen sollte, ist auch die letzte Hoffnung geschwunden, das Werk zu vollenden. Hüben die Konservativen, drukben das Zentrum, und in der Mitte die Liberalen, die auch tein Interesse daran haben, das Kanzlerschiff flott zu machen, so wird der Gesezentwurf zu Fall gebracht werden. Soll der Kanzler auch dann die neue Niederlage mit staatsmännischer Gelassenheit und Würde ertragen, wie er das Schicksal der preußischen Wahlreform ertrug? Es wird also wohl eintreffen, daß zwischen Ostern und Pfingsten die Entscheidung über die Auflösung des Reichstags fallen wird. Rundschau vom Cage. Politisches. Eine Kandidatur Posadowsky in Frankfurt? Wie das„ B T." erfährt, hat in Frankfurt a. M. die dortige Konservative Vereinigung sich vor einiger Zeit an die nationalliberale Partei gewandt mit der Anfrage, ob ste bereit sei, bei einer eventuellen Aufstellung des Grafen Posadowsky für den Reichstagswahlkreis Frankfurt ( Main) diese Kandidatur zu unterstützen. Die nationalliberale Partei betonte in ihrer Antwort, daß sie darüber noch keine Entscheidung treffen könne, ste müsse sich erst mit der Zentralleitung in Berlin verständigen. Die Konservative Vereinigung hat deshalb eine definitive Beschlußfassung noch nicht vorgenommen. Man glaubt allge= mein, daß auch das Zentrum eine Kandidatur Posadowsky unterstützen werde. Zur elsaß- lothringischen Verfassungsfrage erfährt die " Frants. 3tg." von angeblich zuverlässiger Seite aus Straßburg, daß die Regierung ihren Gesezentwurf über die Wahlkreiseinteilung in Elsaß- Lothringen zurückziehen und den Zentrumswünschen entsprechend eine neue VorTage einbringen werde, derzufolge das Zentrum einige Size mehr erhalten soll. Das deutsch- russische Abkommen perfekt geworden? Dem Londoner Standard" wird aus Berlin telegraphiert, daß die Verhandlungen über ein Abkommen zwischen Deutschland und Rußland, welche mit der Kaiserbegegnung in Potsdam begannen, zu einem erfolgreichen Ende geführt find. Das Abkommen sei jetzt perfekt. Nur die Unterschrift sei aus Höflichkeit gegen den russischen Minister des AeuBern Sassonow bis nach dessen Wiederherstellung verschoben. Für alle praktischen Zwecke aber müsse das Abkommen zwischen den beiden Kaiserreichen als eine vollendete Tatsache gelten. Sozialdemokratische Maiumzüge werden, wie eine Berliner Korrespondenz erfährt, in Preußen auch diesmal nicht 11) Des Rätsels Lösung, Roman von Ludwig Blüm& c. Nachdruck verboten.) Doch, wo er so viel erreicht, da mußte er genügsam sein und nicht gleich noch mehr begehren, sagte sich der glückliche Bräutigam. 3. Kapiel. gestattet werden. In einzelnen kleinen Staaten hat im vorigen Jahre die Polizei den Sozialdemokraten ein Entgegenkommen gezeigt, insofern, als sie die Umzüge unter gewissen Beschränkungen erlaubte; später freilich wurde diese Erlaubnis zurüdgezogen. In Hamburg ist der Umzug der Sozialdemokraten erlaubt. Die Berliner großen Metallwerte werden malfeiernde Arbeiter für einige Zeit aussperren. Die französische Kammer beriet am Freitag das vorher zurückgestellte Kapitel des Kriegsbudgets, das die Schwarzen Truppen in Afrika betrifft. Kriegsminister Berteaux erklärte, die Versuche, die in Algier gemacht worden seien, hätten gute Ergebnisse gehabt und müßten fortgesetzt werden. Er hoffe, vom Finanzminister die Zustim= mung zu dem Gesetzentwurf zu erlangen, der die Vermehrung der schwarzen Truppen in Algier um ein Bataillon noch in diesem Jahre vorsehe. Darauf wurde das Kapitel angenommen. Die freundschaftlichen Gefühle der Japaner für Ame: rifa scheinen rapide nachzulassen. Es wird aus Tokio gemeldet: In der öffentlichen Meinung herrscht die Ansicht vor, der Handelsvertrag mit Amerika diene einseitig dem amerikanischen Interesse. Ein Blatt meldet, der Vertrag fet für Japan entehrend, fordert den Rücktritt des Kabinetts und tadelt den Minister des Aeußern scharf. Auch nach seines Freundes Abreise pflegte Hardi fäglich bei Rentmeisters vorzusprechen, um Erna wenigstens für ein paar Minuten zu sehen. Doch diese Freude sollte thm während der nächsten Tage nicht beschieden sein, denn Frau Raben, die mit Argusaugen über ihr Kind wachte, Sorgie dafür, daß ihr Töchterlein stets rechtzeitig unsichtbar wurde. Heute nun, am Tage vor Weihnachten, wo Erna Braut geworden war, streifte Hardi wieder einmal unstet in den Waldungen umher. Wohl trug er die Büchse auf der Schulter, aber er dachte nicht daran, wie überhaupt nicht in letzter Zeit, des Wildes Spur zu verfolgen und Mord und Grausamkeit zu üben. Nur draußen wollte er sein, ganz allein mit sich, fern von jeglicher menschlicher Kreatur. Kleine Nachrichten. Der Hosenrod als Kellnerinnentracht. In manchen Berliner Damenkneipen" ist der Hosenrod als Kellnerinmentracht eingeführt worden. Einzelne Kneipen mit Bedienung von zarter Hand kündigen sogar für eine bestimmte Abendstunde eine große Hosenrockparade" an! Ein neues „ Bugmittel." Wie es dann Abend wurde und die Sterne am Himmel funkelten und die Glocken vom Dorf so feierlich das Fest der Freude, die liebe Weihnacht einläuteten, da trieb es ihn zurück an die Stätte, wo auch ihm einmal eine Mutter den Christbaum geschmückt. Er mußte an die treuen Mutterhände denken, an das gute Herz, das so voll reinster Liebe für ihn geschagen und nun kalt und tot war. Im Dienste vom Tode ereilt wurde in Halle der Weichensteller Kluge. Er wurde beim Reinigen der Weichen auf der Strecke Magdeburg- Leipzig von einem Güterzug überfahren und in drei Teile zerschnitten. Ein außerordentlich frecher Einbruchsdiebstahl wurde in der Stadtkasse zu Eberbach am Neckar verübt. Die Diebe erbrachen den eisernen Kassenschrank und entwendeten daraus etwa 3000 Mark in bar. Durch einen Polizeihund wurde die Spur aufgenommen. Sie führte zum Bahnhof, woraus zu schließen ist, daß die Diebe von auswärts gekommen waren. O, wie fühlte er sich arm und verlassen, wie padte Ihn die Sehnsucht und ein Heimweh, das er sonst nie gefannt. Der Vater ist ja noch da! Mit ihm will ich den heiligen Abend feiern!" rief er aus, seine Schritte be= flügelnb. Wegen Nahrungssorgen in den Tod gegangen ist die 45 Jahre alte Frau eines Schuhmachers in der Gubener Straße in Berlin. Sie öffnete sich erst mit einem Messer die Pulsadern und erhängte sich dann. Ihr Mann fand sie bei seiner Rückkehr von einem Geschäftsgange bereits entseelt vor. Ein blutiger Kampf mit russischen Banditen, die kürzlich einen Zug der Warschau- Wiener Bahn beraubten, und den zu ihrer Verfolgung aufgebotenen Polizisten entstand am Freitag im Tuschiner Walde an der russischen Grenze. Es entwickelte sich ein heftiges Gewehrgefecht, wobei ein Polizist schwer verletzt, und ein Bandit gefangen wurde. Auch fand man im Walde noch 17 571 Rubel von dem ge= raubten Gelde. Eine Schmugglertragödie hat sich an der österreichischitalienischen Grenze am Fugazzapaß, einem Grenzpfad zwischen Südtirol und der Provinz Vicenza, abgespielt. Dort wurden 13 italienische Schmuggler, die aus Oesterreich Ta= bak und Zucker herbetholen wollten, von einer Lawine überrascht. Zehn von ihnen wurden dreihundert Meter weggeschleift und fielen dann in einen 200 Meter tiefen Abgrund, wo ste mit zerschmetterten Gltedern liegen blieben. Zur Strandung des deutschen Dampfers Prinzeß Irene" dreihundert Meter von der amerikanischen Küste wird aus Neuyork gemeldet, daß die Ausschiffung der Passagiere, für die schon alle Vorbereitungen getroffen waren, am Freitag unterbleiben mußte, da tm leßten Augenblick eine starke Brise sich erhob und die See bewegter wurde. Es herrschte starker Seegang, so daß die Wellen über das Oberdeck schlagen. Es befinden sich 2100 Personen an Bord. Aus den Gerichtssälen. Gefängnisstrafen für zwei Jenaer Studenten. Wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches und ruhestörenden Rärmes verurteilte das Schöffengericht in Jena die Studenten Rauch und Schlegel zu je 2 Wochen Gefängnis. Die beiden Angeklagten waren in der Nacht zum 11. Februar gewaltsam in die Polizetwache eingedrungen, hatten dort skandaliert und konnten erst durch mehrere SchutzIeute entfernt werden. Wegen Beleidigung einer Telephonistin war der Rechtsanwalt Emil Rothschild in München vom Schöffengericht zu 30 Mart Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte, gereizt durch wiederholt unrichtige Bedienung, seinem unmut mit einem recht draftischen Wort Luft gemacht. Im Berufungsverfahren vor der Straffammer des Landgerichts war die von der Vorinstanz abgelehnte Beweiserhebung über Mißstände im Münchener Telephonbetrieb zugelassen worden, und alle Zeugen sagten auch sehr ungünstig da= rüber aus. Das Landgericht hat jedoch die Berufung fostenfällig verworfen mit der Begründung, es fel bekannt, daß Mißstände im Telephonbetrieb vorkämen. Das berechtige aber die Teilnehmer noch lange nicht, ihrem Unmut das rüber in Schimpfworten gegen die Telephonistinnen Ausdruck zu geben, und gerade der Angeklagte habe sich als Rechtsanwalt der Tragweite seiner Handlungen bewußt sein müssen. Wissenschaft, Kunst und Literatur. - Beträge dle fich & Co. Forderu ten und nen: 4,4 General von der der Sch ufw. Die deutscher auf der ner, der tenzarz Jarett b von Sch Amerit Hand" gelang entwin Der St verlegt Besorgn Jeglicher habe ge Vo endet. ber Ge der des lentt e eignet tor des nämlid rend d primar lich: Schied nach 1 tönigli dem L Schluß Unsere deutsche Schrift. In der jetzt wieder einmal angefachten Streitfrage: Fraktur oder Antiqua dürfte ein im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" veröffentlichte Erklärung bedeutungsvoll werden. Es heißt darin: Die gegen die deutsche Schreib- und Druckschrift immer wieder vorgebrachten Anklagen halten wir für unrichtig. Insbe sondere ist eine gut geschnittene deutsche Druckschrift nicht schlechter, sondern beffer lesbar und gesunder für die Augen als eine gleich breite und hohe Antiquaschrift. Vor alTem aber ist die deutsche Schrift, seit es gedruckte Bücher gibt, diejenige Schrift, von der das deutsche Volt sich niemals trennen kann und, wie die gegenwärtige machtvolle Gegen= bewegung zeigt, sich niemals trennen wird, weil sie allein den besonderen Bedürfnissen unserer Sprache in vielhundertjähriger Entwicklung angepaßt ist. Von einem solchen Volfsgut soll man nichts abbröckeln, nicht von oben her regIementieren wollen. Und das gar Ausländern zuliebe, die angeblich es ist aber in Wirklichkeit anders zu ungeschickt sein sollen, um bei Bewältigung der schwierigen deutschen Grammatik auch deutsche Schrift zu lesen. Dabei ist Stefe deutsche Schrift, die für unsere deutsche Sprache notwendige Spielart der Weltletter, dem Anspruch des deutschen Volkes auf Weltgeltung seiner Kultur nicht nur nicht hinderlich, sondern bietet erwiesenermaßen dem Ausländer, selbst des Deutschen unkundigen Kindern keinerlei Schwierigkeiten, ist vielmehr dem Lernenden eine Hilfe zum Verständnis der schwierigen deutschen Sprache. Solche Preisgabe einer berechtigten, niemand beeinträchtigenden deutschen Eigenart lehnen wir als deutsche Verlagsbuchhändler ab. Wir werden vielmehr, ohne der lateinischen Schrift, wo sie am Plate ist, feind zu sein, in unserer Berufsarbeit helfen, die deutsche Schrift zu hüten und zu verbreiten." Diese Erklärung ist sofort von 304 Buchverlegern unterzeichnet worden, unter denen wir die bekanntesten und größten Verlagsstrmen finden. Es sind Sachverständige, die sich so geäußert haben. Kalt, grau und dunkel lag auch heute das alte Schloß da hiner den mächtigen schneebeschwerten Ulmen und Eichen. Eine gewaltige Schar schwarzer Dahlen umkreiste frächzend die hochragenden Zinnen und ließ sich auf den beeisten Zweigen der Baumriesen nieder, Hardi anschauend, als wollten sie sagen: Was willst Du junges Blut hier in unserem falten Reiche? Gehe hin, wo der Frühs ling ist, wo das Leben blüht!" Der Vater saß müde und abgespannt mit vergrämtem Gesicht in seinem uralten Sessel, dem Sorgenstuhl seines Vaters und Großvaters, am Kamin und schaute sinnend in die flackernde, das große Gemach nur sehr spärlich beleuchtende Glut. Er wollte keinen Weihnachtsbaum. Seit dem Tode seiner Gattin hatte er diesen Abend ganz für sich allein haben wollen. Darum sagte er auch sehr kurz zu dem eintretenden Hardi:„ Mein Junge, lasse mich, bitte, allein. Ich habe wieder meine Kopfschmerzen. Du sollst heute mit den Fröhlichen fröhlich sein, wie ich es in meiner Jugend auch getan. Gehe also nach drüben in den Saal, wo die Leutebescherung stattfindet. Da wirst Du viele frohe Gesichter sehen. Was ich Dir zu schenken habe, findest Du später auf Deinem Zimmer. Nun gute Nacht, mein lieber Junge." Armer Papa, tann ich Dich nicht auf andere Gedan= ken bringen? Ich möchte es so gern," erwiderte Hardi. ,, Ach, bitte, gehe ich muß allein sein! Morgen werden wir sehen," Stöhnte der alte Herr, und sein Sohn ging in traurigster Stimmung. Aus dem Reiche der Technik. Elektrische Briefzustellungsautomaten. Sett langem beschäftigt sich die Tehnik damit, einen Apparat zu konstruie ren, der es gestattet, die Brtefträger mit dem vielen Treppensteigen zu verschonen, ohne doch die Schnelligkeit in der Bestellung der Postsachen zu beeinträchtigen. In manchen Städten sind am Hause Kästen angebracht, in welche die Briefträger die für die Wohnparteien bestimmten Postsendungen legen. Doch hat dieses System der Postzustellung den Nachteil, daß die Parteten oder ihre Dienstorgane selbst Treppen steigen müssen, um zu ihren Postsendungen zu gelangen. Diesen Unzuträglichkeiten abzuhelfen, scheint nun ein Briefzustellungs- Automat berufen, der, wie das„ Neue Pester Journal" berichtet, dieser Tage in Budapest in Anwesenheit der Vertreter der Post, der Hauptstadt und der Preise vorgeführt und dem Gebrauche übergeben wurde. Dieser erste Briefzustellungs- Automat ist an dem Hause eines dortigen Advokaten aufgestellt und wird ständig zur Zustellung der Briefpost in dem genannten Hause verwendet. Er ist liftartig konstruiert und besteht aus soviel Eisenkassetten, als das Haus Stockwerke zählt. Jede dieser Kassetten ist in so viele versperrbare Boxes geteilt, als Parteten auf dem betreffenden Stockwerke wohnen. Der Brief= träger verteilt die Postsendungen in die einzelnen Boxes und setzt mittels eines elektrischen Druckknopfes den Automaten in Bewegung. Dieser geht in die Höhe, und die ein= zelnen Kassetten bleiben auf dem entsprechenden Stockwerke stehen. Die Parteien, durch das Anklingeln des Briefträgers verständigt, begeben sich zum Automaten und entnehmen ihm ihre Post. Der Briefträger hat mit dem Apparat nichts mehr zu tun, da dieser wieder automatisch in die Tiefe geht. Ein zweiter derartiger Automat, der demnächst in Betrieb genommen wird, soll nicht elektrisch, sondern hydraulisch betrieben werden und dadurch im Gebrauch billi= ger sein. Der Jubel der Kinder, die strahlenden Gesichter der in diesem Jahre besonders reich beschenkten Tagelöhner, Mägde, Knechte und vieler Armen, die aus dem Dorfe gefommen waren, fa, das ließ auch in Hardis Herz einen Schimmer von wahrer, reiner Weihnachtsfreude fallen. Aber es duldete ihn nicht lange unter diesen Genügsamen, Vermischtes. Ein 52- Millionen- Konkurs. Im Konkurs des August Thyssen junior in Berlin, über den wiederholt berichtet wurde, fand am Freitag beim Amtsgericht Berlin- Mitte der offizielle Prüfungstermin statt. Wie der Verwalter Brinkmeyer berichtete, sind zurzeit 52,439,000 Mark Forderungen angemeldet, von denen erstererer zunächst 3 466 000 Mark anerkannte, und 9 499 000 Mark bestritt. Eine Dividende steht zunächst nicht in Aussicht, indessen wird auf die Beihilfe des Herrn Thyssen senior gerechnet. Die einzelnen Forderungen schwanken von den kleinsten die sich über so geringfügige Dinge freuen konnten, daß er sie beneidete. Nach wenigen Minuten stand er wieder draußen. Eisige Kälte herrschte heute, der Schnee knisterte unter seinen Tritten, und die Sterne leuchteten so klar und hell wie nur bei starkem Frost. „ Wie Erna wohl den Abend feiert?" das war die Frage, die eben sein Hirn durchschwirrte.„ O möchte sie mit ihrer reinen, hellen Kinderstimme aus ihrem reinen Herzen ein Weihnachtslied singen, dann will auch ich fröhlich sein!" Das war der Wunsch, der ihn hintrieb über den öden Schloßhof zu dem freundlichen Häuschen, das die Familie Raben bewohnte. - Ach, da hörte er ja mit Klavierbegleitung diese füße Engelsstimme.„ O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit" schallte es an sein andächtig lauschendes Ohr. Mit Ungestüm drängte es ihn näher an das · Dochtraute Haus. Er wollte hinein. was soll das bedeuten? Die Haustür ist geschlossen. Warum nur? Das war doch sonst nie der Fall gewesen. Wollte man ihn heute nicht hineinlassen? Er, oder Woltersdorf, weiter fäme doch niemand in Betracht. Da schleicht er dicht an das Fenster, aus dem durch einen Spalt des Ladens sich ein Lichtstrahl nach draußen stiehlt. Ganz deutlich sieht er die alten Rabens mit glücklichen Gesichtern auf dem Sofa sitzen und da unter dem Christbaum da stehen Woltersdorf und Erna Arm in Arm. Woltersdorfs widerliches Gesicht glänzt in sinnlicher Lust, Ernas Antlik fann er nicht sehen der Zweig des Tannenbaumes verdeckt es. Ach, hätte der es ihm nicht verborgen! Das strahlte nicht, das war bleich und ernst, das trug die Miene einer gottergebenen Märtyrerin. ( Fortsetzung folgt.) es sche nere( würdig Schule beteili fen. ner N Gymn nem daß d hang und der N Oberp Sturz beklag Kämp Seits drüdli Ereign Jehr erhalt rechtig liches in de por e Luftf feld" gezei Mar Schiff Gelds mitte Verw büßte S die 1 Mün Gaal durd lang bark miet gelde hoher mahn fach urtei einer fani Geri delt fich v eine Als Gera trok dig f feheri Schra die a Wie Tran Man hatte in en hinzu tund Gig fann Vor in d word fahre werb bebie Schrei chwo Den foftene nt, daß rechtige mut das 11. 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Die Firma Thyssen & Co. und Thyssen senior sollen etwa 20 Millionen Mark Forderungen angemeldet haben. Von den anderen größe ren und interessanteren Forderungen sind ferner zu erwähnen: 4,43 Mill. Mart von Dr. Borchardt, dem früheren Generalbevollmächtigten von Thyssen junior, 200,000 Mart von der Volksbank in Hamburg, 7,3 Millionen Mark von der Schwester des Gemeinschuldners( wird zurüdgezogen) usw. Die Tragödie eines Schiffsarztes. An Bord des Norddeutschen Lloyddampfers„ George Washington" überfiel auf der Fahrt von Neuyork nach Plymouth ein Amerikaner, der als Passagier der zweiten Klasse reiste, den Asststenzarzt des Schiffes, Dr. Bogtherr, der ihn nach dem Lazarett bringen wollte, da er bei dem Amerikaner Ausbrüche von schwerem Verfolgungswahnsinn festgestellt hatte. Der Amerikaner glaubte sich von Agenten der„ Schwarzen Hand" verfolgt, die die Absicht hätten, ihn zu töten. Es gelang dem Amerikaner, sich den Händen des Arztes zu entwinden und ihm einen Dolch in den Rüden zu bohren. Der Stich war so heftig, daß die Lungen des Arztes schwer verletzt wurden. Das Befinden des Arztes gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Die Passagiere, die auf Deck der entJeglichen Szene beiwohnten, erzählten, der Geisteskranke habe geglaubt, er solle über Bord geworfen werden. Von Hebzehn Primanern drei durch Selbstmorde geendet. Noch sind wir nicht über den Eindrud hinweg, den der Selbstmord der beiden Ratiborer Obertertianer und der des Untertertianers aus Halle gemacht hat, und schon lenkt etwas Neues unsere Aufmerksamkeit auf sich, das ge eignet ist, noch viel mehr Unruhe zu erwecken. Der Direk tor des Königin- Karola- Gymnasiums zu Leipzig berichtet nämlich in dem„ Jahresbericht der Schule", daß sich wäh rend des letzten Schuljahres drei von den siebzehn Oberprimanern das Leben genommen haben. Er schreibt wörtlich: In der Nacht vor Beginn des neuen Schul'ahres schied der Oberprimaner Friedrich Hammer, als vierter nach 1 a versetzt, Inhaber einer vollen Freistelle und eines föniglichen Stipendiums von hundert Mart, freiwillig aus dem Leben. Was eigentlich ihn zu dem traurigen EntSchluß getrieben hat, wird wohl nie aufgeklärt werden; es scheint, als habe er durch ungeeignete Lektüre das inWir werden des liebensnere Gleichgewicht verloren. - - würdigen, begabten Schülers, an dessen Beisetzung sich die Schule auf den bestimmten Wunsch der Angehörigen nicht beteiligte, immer gern, wenn auch mit Wehmut gedenfen. Am 9. Januar 1911 starb der Oberprimaner Werner Naundorf, einer der begabtesten Schüler, die das Gymnasium bisher gehabt hat, durch elgene Hand. In elnem hinterlassenen Briefe hat er ausdrücklich bekundet, daß die Tat mit dem Schulleben in keinerlei Zusammenhang stehe. Die Aufzeichnungen ergaben, daß N. Kraft In und Mut zum Leben verloren zu haben glaubte. der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar endete der Oberprimaner Erich Pöschmann sein Leben durch einen Sturz aus dem Fenster. Nach einer Mittellung des tief beklagenswerten Vaters scheint er nach harten inneren Kämpfen den Mut zum Leber verloren zu haben", anderseits hat er in seinen hinterlassenen Abschiedsworten ausdrücklich ausgesprochen, daß die Schule an dem traurigen Ereignis durchaus unbeteiligt ist. Pöschmann war ein sehr begabter Schüler, der bei der Reifeprüfung 1 bis 2 a erhalten haben würde und zu den besten Hoffnungen berechtigte. Wir werden dem so früh Geschiedenen ein freundliches Andenker bewahren." Der Schatz im Fischernes. Holländische Fischer fanden in dem sogenannten Logger- Meer, unweit der Stelle, wo vor einigen Wochen, wie erinnerlich, die beiden deutschen Luftschiffer Kayser und Schröder mit dem Ballon„ Krefeld" verunglückten, in ihren Nezzen zwei goldene Ringe gezeichnet D. G.", und einen Reichsbankschein über 100 Mark. Die Annahme, das diese Funde den beiden LuftSchiffern gehörten, hat sich bestätigt, und zwar sind der Geldschein und die Ringe Herrn Schröder in Krefeld übermittelt worden, der bekanntlich bei dem Unfall mit einer Verwundung davon kom, während Kayser sein Leben einbüßte. Neuer Bierkrieg in München. Auf die jüngsten und die noch ausstehenden Schenkkellner- Brozesse hin sind die Münchener Wirte sehr ungemütlich geworden, und die Saalbesitzer suchen sich für das verbotenc„ Bortenmachen" durch Zuschläge aller Art zu entschädigen. Einzelne verlangen von Vereinen von jetzt ab, abgesehen von der Lustbarkeitssteuer, bis zu 50 Mark Saal- oder Nebenzimmermiete, unter Erhöhung des Bierpreises und Garderobengeldes, und fordern überdies die Garantie eines ziemlich hohen Bierabsages. Ein Teil der Münchener Presse ermahnt bereits das Publikum, die Münchener Wirte einfach sizzen zu lassen. Spiritistische Ueberführung eines Mörders. Die Verurteilung eines wegen Mordes Angeschuldigten auf Grund einer hellseherischen Vision, die soeben vor einem ameritanischen Schwurgericht Ereignis geworden, dürfte in der Gerichtspraxis bisher wohl ohne Gleichen sein. Es han= delt sich um einen Farmer namens William Strong, der sich vor dem Schwurgericht in New- Jersey auf die Anklage, Seine Frau ermordet zu haben, zu verantworten hatte. Als Belastungszeugin stand ihm das Medium Pauline Gerard gegenüber, auf deren Aussage die Geschworenen trok des Protestes des Verteidigers den Angeklagten schuldig sprachen. Strong hatte sich überreden lassen, die Hellseherin aufzusuchen, ohne zu wissen, daß hinter einem Schrank des Wohnzimmers zwei Detektivs versteckt waren, die als Zeugen dem Verlaufe der Sigung beiwohnten. Wie Frau Gerard vor Gericht bekundete, hatte sie in Trance den Mörder der Frau ihres Besuches als einen Mann beschrieben, der eine Brille trug und blonde Haare hatte. Er saß lange Zeit auf der Leiche, hatte die Frau in ersichtlichem Entsetzen über die grauenhafte Situation hinzugefügt. Bei diesen Worten war Strong nach der Befundung der beiden verborgenen Zeugen der spiritistischen Sigung zusammengebrochen und hätte aufschluchzend befannt, daß der Mörder, den sie beschrieb, er selbst gewesen. Vor Gericht behauptete Strong, daß ihm das Bekenntnis in der Hypnose, in die ihn Frau Gerard versetzte, entlockt worden war. Obwohl der Verteidiger das Anklageverfahren, das sich der fragwürdigen Beihilfe einer als ge= werbsmäßige Schwindlerin zu bezeichnenden Spiritistin bedient hatte, als die Grenzen des Erlaubten weit überschreitende Ungehörigkeit kennzeichnete, sprachen die Geschworenen den sechzigjährigen Angeklagten schuldig, den den Gerichtshof zu dreißig Jahren Gefängnis verurteilte. Flottenvereins- Sonderfahrt zur Turiner Weltaus: stellung. Um seinen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, cine größere Seereise auf einem Uebeseedampfer zu ma chen und um die Weltausstellung in Turin zu besuchen, veranstaltet der Hauptausschuß des Deutschen Flottenvereins eine Sonderfahrt, die am 8. Mai in Bremerhaven ant Bord des Lloyddampfers Yord" ihren Anfang nimmt. Auf dieser Fahrt werden Rotterdam, Antwerpen( dreitägiger Aufenthalt), Southampton, Gibraltar und Algier angelaufen. Es wird Gelegenheit sein, diese Hafenstädte unter sachfundiger Führung zu besichtigen. Am 16. Mai erfolgt die Ankunft in Genua. Nach Besichtigung dieser Stadt wird am 17. Mai die Weiterfahrt nach Turin fortgesetzt. Für den dreitägigen Aufenthalt in Turin hat der deutsche Reichsfommissar Geheimer Regierungsrat Professor Busley ein Er sehr inhaltreiches Programm in Aussicht genommen. ladet u. a. die Teilnehmer auch zu einem Frühstück im Deutschen Restaurant der Ausstellung ein. Der Preis dieser Fahrt beträgt einschließlich Verpflegung, Unterbrin= gung, Dampfer- und Eisenbahnfahrten 1. Kl., Besichtigungen, Ausflüge 425 M. Die Reise endigt in Turin. Ausführliche Programme sind vom Geschäftszimmer des Hauptausschuffes für Berlin und die Mark Brandenburg des Deutschen Flottenvereins Berlin W 85, Schöneberger Ufer 30 I, fostenlos zu beziehen. Der Anschluß unterwegs ist möglich. Auch Damen tönnen an der Reise teilnehmen. Die Anmeldungen müssen möglichst zeitig erfolgen, spätestens bis zum 19. April, da am 20. April die Plätze an Bord des Yord" belegt werden müssen. Ein Aprilscherz von Primanern. Dem B. T." wird geschrieben: In Osterode am Harz gelang es den Primanern des dortigen Realgymnasiums ihre Lehrer folgendermaßen in den April au schicken. Sie verfertigten eine le= bensgroße Puppe, setzten thr eine Brimanermüße auf und hingen dieses Monstrum während der Nacht auf dem Schulhofe hoch oben in einem Baume auf. Darunter wurde ein Brief gelegt mit den Worten: Da ich Ostern nicht versetzt werde, konnte ich nur diesen Schritt wählen." Im Lehrerkollegium herrschte am anderen Morgen beim Anblick des schwebenden Menetekels große Aufregung, man wurde aber schließlich den Scherz gewahr und am Nachmittag sah man zum Gaudium des ganzen Städtchens den Stadtpo Itzisten mit einem Polizeihund von Haus zu Haus laufen. Nach Enthüllung der Freveltat wurden die Herren Primaner vom Direktor auf vier Stunden in den Arrest ge= schickt. - Falsch aufgefaßt.( Vor Gericht.) Richter zu einem in einer Körperverletzungsfache geladenen Zeugen:„ Was hat der Angeklagte zu Ihnen gesagt?" Benge:„ Er schlägt mir das Dach ein." Richter:" Sind Sie Hauswirt?" Kindliches Spiel. Herr:„ Was spielt Ihr da, Kinder?" Klein Else: Wir spielen verkaufen! Olga ist die Verfäuferin, ich bin Käuferin... Herr:„ Und May, der dabet fibt und ein so böses Gesicht macht?" Klein Else:,... Das ist der Papa, der alles bezahlen muß." Ein Festtag in Württemberg. Zur filbernen Hochzeit bes württembergischen Königspaares. Am 8. April find es 25 Jahre, daß sich der damalige präsumtive Thronfolger, der jetzige König Wilhelm II, von Württemberg, in zweiter Che mit der Prinzessin Charlotte zu Schaumburg- Lippe vermählt hat. Jedermann wußte, daß der Prinz seine vier Jahre früher verstorbene Gemahlin, die Prinzessin Marie zu Waldeck und Pyrmont, mit der ihn die innigste Liebe verbunden hatte, noch immer aufs schmerzlichste betrauerte und sich zu einer neuen Verbindung nur im Bewußtsein entschloß, daß es eine Fürstenpflicht zu erfüllen galt. Das evangelische Württemberg wußte seinem fünftigen Könige dafür warmen Dank; war doch damit von neuem die Möglichkeit einer Fortpflanzung der evangelischen Linie des württembergischen Königshauses geboten eine Hoffnung, die sich leider nicht erfüllen sollte. Das württembergische Königspaar fühlt sich etns in der Netzung zu einer schlichten Lebensführung von bürgerlich vornehmen Zuschnitt. Das hat sich sofort beim Re gierungsantritt Wilhelm II. gezeigt, als er das riefige Kö nigsschloß zu beziehen verschmähte und in seiner vorher schon innegehabten Privatbehausung, dem sogenannten Wilhelmspalast, wohnen blieb. Die Pflichten der Reprä= sentation werden erfüllt, soweit es eben die Würde der Krone erheischt, aber von Freude an irgendwelcher Prunkentfaltung ist keine Rede. Die stattliche Erscheinung des Monarchen ist kaum einem Bewohner der Residenz fremd. Obgleich Wilhelm II. im Lande große Sympathien genießt, wird er doch auf seinen Gängen vom Publikum mehr neugierig angeſtarrt als ehrerbietig begrüßt: das ist nun einmal die formlose Art der Schwaben. Man kann dem König ohne jede Begleitung an allen Enden und Ecken der Stadt begegnen. Häufig, zumal zur Weihnachtszeit, besucht er die großen Magazine der Stadt, um selbst Einkäufe zu machen. Wenn er dabei auch keinen offiziellen Gesellschafter bei sich hat, so trotten dafür unfehlbar seine beiden weißen Spitze vor oder hinter ihm her.„ Sauspitzer" nennt sie das Volk mit gutmütiger Respektlosigkeit. Es heißt, daß die zwei reizenden, aber etwas gar zu tempe= ramentvollen Tiere schon manchmal thren hohen Herrn genötigt haben, Schadenersatz für zerriffene Hosen zu leisten. Auch die Königin, eine Freundin jeglichen Sports, mischt sich gerne, radelnd wie rodelnd, unter das Volk. Dem König ist nur ein Kind aus erster Ehe geblieben: die mit dem Fürsten Friedrich zu Wieb vermählte Prinzeffin Pauline. Der Vater hängt an seiner Tochter wie an seiner Enkelin mit außerordentlicher Zärtlichkeit, und die fürstlich Wiedsche Famille fehrt immer wieder zu Gast am württembergischen Hoflager ein. Prunkvolle Festlichkeiten werden zur silbernen Hochzeit von König Wilhelm II. und Königin Charlotte nicht veranstaltet werden. Das wäre zu wenig im Sinne des Jubelpaares. Um ihm auch einen äußeren Beweis ihrer Liebe darbringen zu können, haben sich die Württemberger etwas anderes ausgedacht. Von einem sich über das ganze Land erstreckenden Blumentag großen Stils verspricht man sich einen reichen Ertrag, der den Majestäten zu wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt werden soll. Damit wird ihnen gewiß die ihrem Geschmack am besten entsprechende Festfreude berettet werden. Die Huldigungsfahrt des Grafen Zeppelin zur Feier der silbernen Hochzeit des württembergischen Königspaares, die zunächst infolge des überaus ungünsti= gen Wetters stark in Frage gestellt war, ist am Freitag wie wir schon kurz meldeten, doch zur Ausführung gekommen und hat eine sinnige und würdige Einleitung der dem Königspaar im ganzen Lande darzubringenden Huldigungsafte gebildet. Um 8 Uhr 25 Minuten stieg das Luftschiff unter Führung des Grafen Zeppelin in Friedrichshafen empor. Kurz nach 10 Uhr wurde es in Biberach gesichtet; es hatte in der dortigen Gegend gegen einen sehr starken, wohl 6 bis 8 Sekundenmeter messenden Nordwind anzukämpfen, und kam infolgedessen ziemlich langsam vorwärts. Um 10 Uhr 45 Minuten passierte das Luftschiff Ulm und nun ging es in rascher Fahrt der Residenzstadt zu. In Stuttgart hatte sich auf dem Schloßplaße und in seiner Umge= bung, besonders aber vor dem Residenzschlosse eine große Menschenmenge eingefunden. Um 11 Uhr betrat das Königspaar mit den Mitgliedern der Königlichen Familie und den eingetroffenen Fürstlichkeiten den Balkon des Schlosses. Beim Erscheinen des Königspaares brach das Publikum in begeisterte Hochrufe aus. Um 31 Uhr tauchte der Luftkreuzer hinter den Türmen der Stiftskirche auf. Unter dem stürmischen Jubel der Menschen flog er in wunderbar schöner Fahrt über den Schloßplay in gerader Richtung auf die Jubiläumsfäule au, unmittelbar vor diefer schwenkte er ab und fuhr bei den Klängen einer MiIttärkapelle in mäßiger Höhe über den Schloßplatz hinweg, das Königspaar durch Neigen der Spizze begrüßend. Gleich zeitig wurde aus der Passagierkabine des Luftschiffes das an einem fallschirmartigen Gestell befestigte Blumenarrangement herabgeworfen, als Huldigung des Grafen Zeppe lin und der Stadt Friedrichshafen. Mit lebhaftem Interesse verfolgten das Königspaar und seine Gäste die Fahrt des Luftschaffes, das in langfamem Fluge nach Cannstatt verschwand. Das Luftschiff nahm um 1 Uhr auf den Cannstatter Wasen eine Zwischenlandung vor, wobei eine Auswechselung der Passagiere zur Weiterfahrt nach Baden- Ba den vorgenommen wurde. Nach 1% stündigem Aufenthalt des Luftschiffes stieg es um 2 Uhr unter Führung von Dr. Edner zur Fahrt nach Baden- Baden auf. Graf Seppelin verblieb in Stuttgart. In Baden- Baden landete das Luftschiff kurz nach 4 Uhr. Zur Begrüßung hatte sich der Oberbürgermeister auf dem Landungsplatz eingefunden. Zehn Passagiere hatten die Fahrt mitgemacht. Drahtnachrichten und neuestes. Wünsche der Landwirte des Rheinlandes. Cöln. 8. April. Während einer mehrtägigen Sibung des Zentralvorstandes der landwirtschaftlichen Vereine für Rheinpreußen sprach man sich für Zwangsversicherung der Viehbefizer gegen Maul- und Klauenseuche aus. Die gegenwärtigen Fleischpreise wurden als im großen Mißverhältnis zu den Viehpreisen stehend bezeichnet. Lettere seien verhältnismäßig gering. Eine regelmäßige Veröffentltchung der Vieh- und Fleischpreise wurde als erwünscht angesehen. Ausschreitungen streikender Grubenarbeiter. Siegen, 8. April. Zwischen den Ausständigen der belden Gruben Sizilta und Siegena und den Beamten ist es zu schweren Zusammenstößen gekommen, die bedrohliche Formen annahmen. Telegraphisch wurde Gendarmerie herbeigerufen. Zwischen den Ausständigen und der Polizei fam es zu einem Kampf, bet dem dte Ausständigen von ihren Revolvern Gebrauch machten. Die Villa des Direk tors der Grube wurde durch ein Steinbombardement schwer beschädigt. Verheerendes Großfeuer. Wiesbaden, 8. April. In dem Orte Frickhofen bei Hadamar entstand gestern mittag gegen 12 Uhr in der Nähe des Kriegerdenkmals Großfeuer, dem bis jetzt fünf Wohnhäuser zum Opfer gefallen sind. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Sämtliche Wehren der Umgegend sind tätig. Bis gegen ahend war es nicht möglich, des Feners Herr zu werden. 37 Personen sind obdachlos. Eine Probefahrt des neuen M. 4. Berlin, 8. April. Mit dem neuen Militärluftschiff M. 4 wurde gestern bei böigem Nordostwind eine Probefahrt unternommen. Während der 13/, stündigen Fahrt war von unbekannten Händen ein großer Heidebrand auf dem Schießplatz verursacht worden. Das alarmterte Schießplaykommando löschte das Feuer, bevor das Luftschiff wieder eintraf. Der Revolver als Spielzeng. Posen, 8. April. Aus Unvorsichtigkeit hat ein 10jähriger Schulfnabe einen verwandten gleichaltrigen Knaben erschoffen. Den eigenen Sohn erwürgt. Prag, 8. April. In Nieder- Aehrenberg in Böhmen tam der 65jährige Hausbefiber Franz Liebisch mit seinem 20jährigen Sohne wegen dessen leichtsinnigen Lebenswan= bel in Streit. Als der Sohn seinen Vater angriff, schlug ihn dieser mit einem Bell nieder und erwürgte ihn dann. Darauf stellte er sich selbst der Polizei. Ernfte Demonstrationen in Portugal. Lissabon, 8. April. Etwa 100 Angestellte und Arbetter des Marinearsenals veranstalteten vor dem Marineministerium eine Kundgebung gegen den Minister, dem sie Verzögerung der Veröffentlichung einer sie betreffenden Verfügung vorwerfen. Polizei und Bürgergarde, unterstützt von einem Kreuzer, gingen gegen die Manifestanten vor und zerstreuten sie. Einige flüchteten sich an Bord des Kreuzers Sao Gabriel", wo sie verhaftet wurden. Schweres Gruben unglück in Amerika. Nenyork, 8. April. In der Dancroffmine in Scranton ( Pennsylvanien) ist Feuer ausgebrochen. 50 bis 75 Bergleute befinden sich noch unter Tage. Es soll kaum eine Möglichkeit vorhanden sein, sie zu retten. Nach einer späteren Meldung soll der Brand im Maschinenhaus ausgebrochen sein. Zurzeit des Ausbruchs des Feuers befanden fich 300 Bergleute unter Tage. Bei der allgemeinen Verwirrung ließ sich bisher nicht feststellen, wie viele fich retten konnten. Das Feuer wütet 750 Fuß tief. Die geretteten Passagiere der Prinzek Jrene". Neuyork, 8. April. Sämtliche Passagiere des aufgelaufenen Dampfers Prinzeß Irene" wurden gestern nach einem Telegramm des Kapitäns auf dem Dampfer„ Prinz Friedrich Wilhelm" untergebracht. 0 Neuyork, 8. April. Die glückliche Ueberbringung der Reisenden des Dampfers Prinzeß Irene" auf den Dampfer Prinz Friedrich Wilhelm" innerhalb fünf Stunden bedeutet ine Refordleistung. Zunächst wurden die Zwischendeckspassagiere ausgeschifft, um bei etwa losbrechendem Sturm eine Panit zu vermeiden. Der Kapitän der Prinzeß Frene" erklärte einem Pressevertreter, in der Nacht zum Donnerstag habe dichter Nebel geherrscht, weshalb er sehr langsam gefahren sei. Gegen 2 Uhr sei der Nebel gewichen und das Schiff habe mit Volldampf seine Fahrt fortgesetzt. Gegen 4 Uhr sei der Dampfer dann aufgelaufen. Heftige Bombenexplosion. Neuyorf, 8. April. Eine heftige Bombenexplosion fand in der 45. Straße statt. Zahlreiche Hotels in der Umgebung der Explosionsstelle wurden erschüttert. Tausende von Hotelgästen stürzten erschreckt auf die Straße. Der angerichtete Schaden ist jedoch gering. Bandel und Gerkebr. Frankfurt, 6. April. Viehmarktpreise. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast( Lebendgewicht) M( Schlachtgewicht) M, 6) feinste Mast( Vollmilch- Mast) und beste Saugfälber( Lebendgewicht) M 62 bis 66,( Schlachtgewicht) M 103-110, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber( Lebendgewicht) M 55-61,( Schlachtgewicht) M 93-103, 5) geringere Saugfälber( Lebendgewicht) M 50 bis 54,( Schlachtgewicht) M 85-92. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgewicht) M41,( Schlachtgewicht) M 85-86. 6) ältere Masthämmel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe( Lebendgewicht) M( Schlachtgewicht), c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzschafe)( Lebend= gewicht) M,( Schlachtgewicht) M d) Marschschafe oder -,( Schlachtgewicht) Niederungsschafe( Lebendgewicht) M MB. Weidemastschafe: M. Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendge= wicht) M 47-49,( Schlachtgewicht) M 60-62, b) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 47-47%,( Schlachtgewicht) 60-61, c) vollfleischige Schweine von 100-120 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 46½- 49,( Schlachtgewicht) M 59-61, 6) vollffet schige Schweine von 120-150 Kilogr. Lebendgewicht( Lebend aewicht). 47-49,( Schlachtgewicht). 59-61. IVO PUHONNY Ein Sprung in's Ungewisse ift jeder Verfuch, die bewährten Marken Palmin( Pflanzen fett) und Palmona ( Pflanzen- Butter- Margarine) durch unbekannte, billige Fette zu erleben. Palmin und Palmona werden feit vielen Jahren täglich in Millionen Haushaltungen verwendet; fie find alfo erprobt und bewährt, fonft würden fie nicht den ausgezeichneten Ruf genießen, den fie von der feinften bis zur einfachsten Küche befitzen. Darin liegt eine Garantie, die bei unbekannten Marken nicht geboten wird. Kalk- u. Marmor- Werke u. Dampfziegelei Telefon 84. Aug. Gabriel jr. Giessen, Telefon 84. la. Qualitäten Massenfabrikationen Bahnanschluss 4 • Vergebung von Chaussierungsund Pflasterarbeiten. 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