er en heit Haß and Idgrube n Fahrrädern, eilen der ganz vogel. Leichte äder, schicke Jugendräder. eichtem, verIglockenlager. Katalog steht angen gesucht Grüttner ohhen rundg und ltlich! 1, ten da. I. in Gießen. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 8. Probenummern Telephon: Nr. 362. der„ Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürften. Aus der Heimat. Gießen, den 10. Januar. Winterpoesie. Blau- rote Nasenspitzen, halbrote Ohren und grimmi ges Kälte- Kribbeln in Händen und Füßen.. Huh, etwas arg prosaisches! Die warme Stube, Pelz und Grog kommen zu hohen Ehren. Aber der harte, eisstarre Winter selber hat auch seine Ehre. Hat sogar seine Poesie. Man muß es freilich mit poetischen Augen erst einmal ansehen. Wie hübsch, wenn's einem gelingt! Setzt allerdings wieder ein feines oder doch wenigstens freundliches Naturgefühl voraus. Mörike nennt's für diesen besonderen Fall einen„ winterfrohen Enthusias mus". In einem Briefe an seine Braut betont er, ,, welch ein reines Naturwesen doch der sonst so verpönte Winter an sich hat, wie auch er es versteht, einem das Herz weit zu machen". Dem Dichter tut sich ein plastisch- lebensvolles Bild auf.„ Die Tannen am Wald rande", heißt's in Frenssens„ Jörn Uhl“,„ standen gerade und schlank, vom Scheitel bis zu den Füßen in Silberbrokat, Bräute, bereit zur Hochzeit, und hinter ihnen in fallenden, weißen Schleiern die dichte Schar der Jungfrauen". Naturgemäß überwiegen bei der Winterpoesie die ernsteren Töne. Wenigstens in der von heimlicher Lebenssehnsucht erfüllten Lyrik. Ein Zug der Resignation macht sich bemerkbar. Karl Weitbrechts tiefempfundene„ Winterwanderung" hebt an: A O wie weit, o wie weit liegen die Berge weißbeschneit, Spinnen sich endlos die grauen Lüfte, Wälzt sich der Nebel durch Wälder und Klüfte! Tief in den Schnee versinkt der Tritt, Und das Herz will nicht weiter mit. Noch düsterer klingt's aus Friedrich Geßlers„ Schneelandschaft": Einsamkeit ist starres Weh, Starres Weh verlangt nach Schnee, Schnee, der Wunden kühlt und deckt, Schnee, der kein Erinnern weckt. Es ist eine ähnliche Stimmung wie in Lenaus träumerisch verbitterter„ Winternacht": Frost, friere mir ins Herz hinein, Tief in das heißbewegte, wilde! Daß einmal Ruh mag drinnen sein, Wie hier im nächtlichen Gefilde! Aber horch, da saust der Winter mit freudigem Halloh und übermütigem Lachen dahin! Schellengeläut, flinke Schlitten, jubelnde Kinder vor allem... Und hat nicht eben erst die goldige Weihnachtssonne den Winter verflärt? ,, Die Bauern mit den dicken Bäuchen sißen auf der ersten Bank in der Kirche", das war der prägnante Satz, mit dem der sozialdemokratische Reichstagskandidat Kremser für Kreis Wetzlar- Altenkirchen, seine Darlegungen in der Versammlung der christlich- sozialen Partei in Hochelheim einleitete. Im übrigen sprach er dann aber nicht über die Stellung seiner Partei zur Religion, sondern über das Vermieten der Kirchenstühle in seiner Heimat". Die für die Landwirte so verletzenden Sätze wurden von der Versammlung mit heftigen Unwillen zurückgewiesen. Im übrigen erging sich der sozialdemokratische sedner in einer Preispolitik für landwirtschaftliche Produkte, die zu töricht war, um auf Landwirte Eindruck zu machen. Die sonderbare„ Landwirtschaftspolitik" des sozialdemofratischen Reichstagskandidaten wurde dann von Reichstagsabgeordneten Behrens schlagfertig auf ihren wahren Wert zurückgeführt und die unrichtigen Darlegungen des Sozialdemokraten widerlegt. Abgeordneter Behrens frug den Sozialdemokraten zu dessen sichtlichen Verlegenheit, weshalb er denn den Landwirten die programmatischen Beschlüsse und Reden auf dem Breslauer sozialdemokratischen Parteitage zur Bauern= frage verschweige? Ob es denn nicht wahr sei, daß der wissenschaftliche Führer der Sozialdemo= Enthält alle amfl. Bekanntmachungen des Großherzoglichen Polizei Amtes = der Großherzoglichen Bürgermeisterei Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag den 10. Januar 1911 ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. fraten Karl Kautzky u. a. ausführte:„ Für die fördert 42 600 T., verkauft 97 T. Der größte Teil der Erhaltung des Bauernstandes einzu Rohtohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weitreten haben wir keinen Grund, denn teren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten das könnte nur geschehen, indem wir sie in ihrem Rohkohlen wurden erzeugt 3024 T. Braunkohlen- BriBesitz befestigen, also ganz entgegenge= ketts und 851 T. Naßpreßsteine. Unter Berücksichtigung setzt verfahren, wie sonst". Der Beschluß dieses Par Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben absatzfähig 63 der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des teitages war denn auch wörtlich:„ Der vorgelegte Entwurf eines Agrarprogrammes ist zu verwerfen, denn T. Rohkohlen, 6 T. Briketts und 7824 T. Naßpreß= dieses Programm stellt der Bauernschaft ſteine, zusammen 7893 T. Braunkohlen und Braunkohdie Hebung ihrer Lage, also die Stärkenprodukte im Gesamtwert von 85 520 Mr. Die Kohung ihres Privateigentums in Aussicht." lenförderung des Großherzogtums für das Jahr 1910 Also trotz aller schönen Reden sind und bleiben die Sobelief sich auf 481 582 T. Hiervon wurden 1049 T. zialdemokraten Feinde der deutschen Landbevölkerung. im Rohzustande verkauft, der Rest zu Braunkohlenbrifetts, Naßpreßsteinen und Schwelereiprodukten weiter verarbeitet. Erzeugt wurden 36 351 T. Braunkohlenbrifetts und 23 282 Naßpreßsteine. Der Gesamtwert aller im Jahre 1910 geförderten Braunkohlen einschließlich der daraus erzeugten Briketts und Naßpreßsteine beziffert sich auf 985 700 Mark. * Bestätigt wurden der von dem Fürsten zu Solms- Braunfels auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Röthges, Kreis Gießen, präsentierte Schulamtsaspirant Albert Gonder aus Nieder- Breidenbach, Kreis Alsfeld, für diese Stelle; der von dem Fürsten zu Solms- Braunfels auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nonnenroth, Kreis Gießen, präsentierte Schulamtsaspirant Jakob Welter aus Ober- Eschbach, Kreis Friedberg, für diese Stelle. ** Die Beisetzung des Freiherrn von Gagern fand am Samstag nachmittag um 3 Uhr in der Gagernschen Familiengruft auf dem städtischen Friedhof zu Darmstadt statt. Bei der Trauerfeierlichkeit in der Friedhofskapelle legten S. K. H. der Groß= her 30 g einen Kranz am Sarge nieder. ** Provinzial- Ausschuß. Samstag, 14. Januar, vorm. 9 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzial- Ausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Friedberg gegen den Ortsarmenverband Jlbenstadt wegen Unterstützung des Wilh. Lucas. 2. Beschwerde der Firma Bänninger, G. m. b. H. in Gießen gegen die Heranziehung zu den Kanalgebühren. 3. Aufbringung der Kosten des Geländeerwerbs für die Nebenbahn Grebenhain- Gedern; hier Urteilsverkündigung. 4. Antrag auf Entziehung der Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen gegen Schlossermeister Otto Ebersohn von Hungen. 5. Enteignung in Gemarkung Ober- Gleen für die Wasserleitung Kirtorf; hier: Ausspruch der Enteignung. 6. Refurs gegen einen Polizeibefehl Gr. Kreisamts Gießen bezüglich des Hofguts Utphe. Professor Dr. Kraft von Gießen ist aus einer großen Zahl von Bewerbern heraus zum Direktor der städtischen höheren Mädchenschule in Quedlinburg gewählt worden. Professor Dr. Robert Sommer von Gießen wurde von dem gegenwärtig in Petersburg tagenden Kongreß für experimentelle Pädagogik zum Ehrenpräsidenten gewählt. = Heinrich Knote Abend. Der Monat Januar wird für Gießen ein musikalisches Ereignis ersten Ranges bringen. Kammersänger Heinrich Knote, der weltberühmte Münchener Tenor, ist von der hiesigen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes eingeladen worden, einen Abend zu geben, und wird der Aufforderung Folge leisten. Der Reinertrag des Abends wird den Zwecken des Alldeutschen Verbandes zugute kommen. Der Abend findet Montag, den 30. Januar, im Stadttheater statt. ** Der Ortsgewerbeverein Gießen hält morgen abend im Gewerbehaus eine MitgliederVersammlung ab. Vortrag. Jm großen Auditorium des Kollegiengebäudes in Gießen spricht am Mittwoch abend Professor Dr. Körte über:„ Ein griechischer Romantifer". * In die Augenklinik verbracht wurde ein Holzhauer von Saasen, der beim Holzfällen im Walde am Kopf und Augen schwer verletzt wurde. * Patriotischer Hinweis. Wie bereits gemeldet, hat das bayrische Kultusministerium angeordnet, daß am 18. Januar, am 40. Gedenktage der Kaiser= proklamation in Versailles und der Gründung des Deutschen Reiches, in den Mittelschulen und in den oberen Volksschulklassen auf die Bedeutung jener Ereignisse entsprechend hinzuweisen ist. In den weitesten Kreisen ist diese Verfügung des Kultusministeriums, die es eigenem Antrieb erlassen, mit besonderer Genugtuung begrüßt worden, um so mehr, als hierin Bayern allen deutschen Bundesstaaten vorausgegangen ist. Es darf wohl als sicher angenommen werden, daß dieser schöne Gedanke auch die übrigen deutschen Kultusministerien zu ähnlichem Vorgehen veranlaßt. * ** Wieseck. Eine am Samstag abend hier stattgefundene Bürgerversammlung beschloß nach eingehender Besprechung, an den Gemeinderat die Bitte zu richten, sich mit der Bürgermeisterei Gießen ins Benehmen zu setzen, um die Weiterführung der Stra ßenbahn nach Wieseck herbeizuführen. Gleichzeitig soll auch die Lieferung von Elektrizität für Licht und Kraft angestrebt werden. ** Büdingen. Nach einem Vortrag von Professor Koeppe aus Gießen wurde hier eine Zweiglingsfürsorge errichtet. Den Vorsitz im Arbeitsausschuß und Beratungsstelle der Zentrale für Mutter- u. Säugübernahm Kreisrat Boeckmann. ** Bad Nauheim. In Nieder- Mörlen scheuten die Pferde am Gefährt des hiesigen Gastwirts Lampert. Der Wagen stürzte um, wobei Lampert einen doppelten Schädelbruch und einen Bruch der Wirbel= säule erlitt. 3wei Mitfahrende kamen mit dem Schrecken davon. ** Köddingen. Die hiesigen Waldarbeiter streiken, da ihre Forderung um Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde. Darmstadt. Unter zahlreicher Beteiligung der Delegierten aus allen Teilen des Landes tagte der N a- tionalliberale Landesausschuß im Saalbau. Er nahm nach mehrstündiger Debatte die folgende Resolution zu den Reichstagswahlen an:„ Der Landesausschuß der Nationalliberalen Partei Hessens billigt die Auffassung, die der geschäftsführende Ausschuß in seinem Schreiben vom 11. und 19. Nov. 1910 an den hessischen Landesvorstand der Fortschrittlichen Volkspartei niedergelegt hat. Er hält auch seinerseits die Zersplitterung der bürgerlichen Parteien für verderblich und die Sozialdemokratie fördernd. Der Landesausschuß würde es mit Freuden begrüßen, wenn bei der bevorstehenden Reichstagswahl über ganz Hessen eine Einigung der bürgerlichen Parteien im Kampf gegen die Sozialdemokratie als gemeinsamer Gegnerin ermöglicht werden könnte und fordert die einzelnen Wahlfreisorganisationen auf, in diesem Sinne die Verhandlungen über die Ausstellung der Kandidaten zu führen." Aus Rheinhessen. Infolge der unrentablen Weinernte haben viele Winzer ihre Weinberge aus* nur gerissen und ganze Gemarkungsstriche mit Obstanlagen bepflanzt. Frankfurt a. M. Die„ Volksstimme" meldet: „ Nachdem zu Neujahr eine Anzahl von Vorarbeitern und Beamten im Lahmeyerwerk entlassen wurde, haben am Mittwoch auch 250 Arbeiter ihre Invalidenkarte erhalten. Weitere Entlassungen sollen folgen." * Frankfurt. Die nächste Umgebung des von der Stadt angekauften, als öffentliche Anlage beſtimmten Teils des Holzhausenparkes soll mit modernen Villen bebaut werden. Die Eigenheim- Baugesellschaft in Frankfurt, welche die Bebauung des Parkes ausführt, erläßt zu diesem Zweck unter den deutschen Architekten ein Preisausschreiben, für das 10 000 Mt. vorgesehen sind. Gestorben: - Beerdigung Karl Wigand Gernhardt, Gießen. 10. Januar, 2 Uhr. aus Johann Heinrich Schädler, 72 Jahre alt, GießenGroßen- Linden. Beerdigung 11. Jan., 3 Uhr. Lina Müller, 25 Jahre alt, Wetzlar- Oberhausen. Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Großherzogtums Hessen weist für den Monat Dezember 1910 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden ge- Holzverkäufe und Versteigerungen. Gemeinde Kröffelbach. Nadelholzverkauf im Submissionswege. Die Gebote sind schriftlich an Vorsteher Bangel abcugeben und zwar bis zum 16. Ja= nuar d. Js., mittags 1 Uhr. Aus dem Leben des Fürsten Bülo Rundschau vom Cage. Politisches. Keine deutschen Antäufe aus der portugiesischen Erbschaft. Von Paris aus wurden, wie wir meldeten, am Freitag Mitteilungen in die Welt gesetzt von einem angeblichen Verkaufe ehemals portugiesischer Besizungen, die der Fürst von Monaco für drei Millionen Mark von dem ermordeten König von Portugal erworben hatte, an Deutschland. In Berliner amtlichen Stellen wird die Richtigkeit dieses Gerüchtes bestritten. Weder ist das deutsche Reich an einem Kaufgeschäft solcher Art beteiligt, noch ist an amtlicher Stelle etwas davon bekannt, daß deutsche Reichsangehörige in jenen Gegenden Ankäufe beabsichtigen. Zur Silberhochzeit des früheren Kanzlers. Fürst Bülow, der am heutigen 9. Januar mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit begeht, kennt auch jetzt wirkliche Ruhe und Zurückgezogenheit nicht. Es ist ein nicht geringer Stoß von Zeitungen und Briefen, der ihn jeden Morgen, wenn er vom Frühstückstisch aufsteht und in seinem Arbeitszimmer erscheint, erwartet. Um alles zu bewältigen, muß er zeitig das Bett verlassen. Im Sommer um 5, im Winter in der siebenten Stunde ist der Fürst auf den Beinen, oder bisweilen richtiger auf dem Pferderücken, denn der Gewohnheit des Reitens, die er schon aus Gesundheitsrücksichten beibehalten muß, ist er auch in Rom treu geblieben. Zurückgekehrt wird gemeinsam mit der Fürstin das Frühstück eingenommen, die einzige Mahlzeit, die er bis zur Mittagsstunde zu sich nimmt. Und dann geht's an die Arbeit. Lesen und Schreiben, nachschlagen und studieren. Ein nicht geringer Teil dieser Arbeit entfällt auf seinen Sekretär, einen ehemaligen Berliner Volks: ( chullehrer, der nach der Villa Malta gefolgt ist, aber viel bleibt dem Fürsten selbst. Man hat behauptet, daß er in den Morgenstunden so eifrig arbeite, weil er seine Memoiren schreibt. Das ist nun nicht der Fall. Fürst Bülow schätzt zwar den Wert der Aufzeichnungen erfahrener Dis plomaten, aber gerade er verkennt auch nicht den erheb= lichen Schaden, den die gelegentliche Veröffentlichung derartiger Dokumente anzurichten vermag. Als die Hohenloheschen Memoiren veröffentlicht wurden, die, wie noch in aller Erinnerung, großes Aufsehen hervorriesen, hat es Fürst Bülow an einer abfälligen Kritik nicht fehlen lassen. Bei dieser Gelegenheit hat er auch ausdrücklich hinzugefügt, daß er nicht die Absicht habe, Erinnerungen zu schreiben, und daß jeder Diplomat schriftlich verpflichtet wer= den müßte, eine halbe Million Reugeld" zu zahlen, wenn er seine Memoiren veröffentlicht. Am Nachmittag widmet sich Fürst Bülow ganz der Erholung und der Unterhaltung mit seiner Gattin. Bei schönem Wetter werden Spaziergänge unternommen, bei schlechtem Wetter gelesen oder gespielt. Am Abend aber sieht die Villa fast regelmäßig liebe Gäste in den geschmackvoll ausgestatteten Räumen. Die„ Nordd. Allg. 3tg." schreibt aus Anlaß der Feier: ,, Aus weiten Kreisen der europäischen Gesellschaft, vorab in der deutschen Reichshauptstadt, wird dieser Familienfeier aufrichtiger und warmer Anteil entgegengebracht werden. Wir wünschen dem fürstlichen Paare, das diesen Tag in der Villa Malta zu Rom begeht, Glück und reichen Segen." Der Fürst und die Fürstin haben aus Deutschland, namentlich aus Berlin, und aus dem Ausland viele Glückwunschdepeschen erhalten, darunter eine große Anzahl von politischen Persönlichkeiten. Heute abend findet in der Villa Malta ein großes Diner statt. Die italienische Presse bringt dem oft bewährten Freund Italiens, dessen hohe Eigenschaften als Staatsmann in der politischen, parlamentarischen und diplomatischen Welt Italiens soviel Sympathie und Bewunderung gefunden haben", die ehrerbietigsten Glückwünsche dar. Der Deutsche Holzarbeiterverband hat mehrere Tarifverträge gekündigt, um in eine allgemeine Lohnbewegung eintreten zu können. Die Arbeiter verlangen Lohnerhöh= ungen, Verkürzung der Arbeitszeit und den Abschluß von Tarifverträgen auf vier statt auf drei Jahre, ferner u. a. Lohnentschädigung beim Mangel an Material, von Maschinenarbeit, Werkzeug usw. Der Deutsche Holzarbeiterverband hat Vertragsbestimmungen ausgearbeitet, die bei den neuen Verhandlungen als Unterlage dienen sollen, bei den Arbeitgebern aber auf Widerstand stoßen. Die Arbeitgeber weisen eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit entschieden zurück. Sie sind bereit zu unterhandeln, lehnen aber die weitgehenden neuen Forderungen ange= sichts der ungünstigen Baukonjunktur, der hohen Löhne, Lasten usw. ab. Ein schuldenfreier Bundesstaat ist das Fürstentum Reuß ä. L. Aber nicht nur schuldenfrei ist Reuß ä. L., sondern es besitzt auch noch ein stattliches Vermögen, das nach der jetzt veröffentlichten Abrechnung Ende 1909 zirka 3½ Millionen Mark betrug, darunter zirka 2½ Millionen M in Kapitalien. Der Ueberschuß des Jahres 1909 betrug 117 000 Mart, die Mehreinnahme 189 000 Mark. Allein an Einkommensteuer sind 1909 mit 688 000 Mart 86 000 Mark mehr eingenommen worden, als im Voranschlag vorgesehen war. Troz dieses stattlichen Vermögens haben die Bewohner des Fürstentums recht kräftig Steuern zu bezahlen, so daß sie von der Schuldenfreiheit des Staates wenig spüren. Für das Wertzuwachssteuergeset nimmt die„ Nordd. Allg. 3tg." erneut das Wort. Das offt= ziöse Blatt betont nochmals die Wichtigkei und Dringlichkeit, die dem Gesezentwurf nach ihren Auffassungen zukommt, und schreibt: Wie wir hören, besteht die Absicht, mit der zweiten Lesung des Entwurfs etwa am 16. Januar zu beginnen. Dadurch wird die unentbehrliche Grundlage für die Weiterberatung des Etats geschaffen, denn der Ertrag der Zuwachssteuer bleibt ein entscheidender Bestand= teil der Einnahmen, welche erforderlich sind, um bei Hinzutritt der Heeresverstärkung und einer verbesserten Veteranenversorgung das Gleichgewicht des Etats zu erzielen. An dem wichtigen Grundsatze ihres Finanzprogramms, feine neue Ausgabe ohne gleichzeitige Deckung einzustellen, werden die verbündeten Regierungen unbedingt festhalten, und die Parteien des Reichstages haben sich nicht minder entschlossen gezeigt, ihn, wie für 1910, auch für den nächstjährigen und die folgenden Etats mit Strenge durchzuführen. Nachdem das Zuwachssteuergesetz jetzt in der dreimalt= gen Lesung der Kommission eine über das gewöhnliche Maß weit hinausgehende Durcharbeitung erfahren hat, und alle Einwendungen zu wiederholten Malen durchgesprochen worden sind, darf vorausgesetzt werden, daß der Reichstag dem von ihm selbst unter Zustimmung wetteste r Voltskreise angeregten Gedanken nunmehr den Charakter einer endgültigen Entschließung geben wird. Die Tragweite dieser Entschließung ist so groß, daß sie durch den Widerstand vereinzelter Gruppen und örtlicher Interessen nicht mehr wird beeinträchtigt werden können." Der Familienschmuck der Wallutjeffs. Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) 1) I. Eine Ansprache des Zaren. Der Kaiser empfing am russischen Weihnachtsfest am Sonnabend mehrere Hochschullehrer und bemerkte, er wisse, daß die Tätigkeit der Hochschullehrer schwer sei. Dienen Sie, sagte der Kaiser, wirklich und mannhaft der Wissenschaft, dem Vaterlande und mir und unterstützen Sie diejenigen, welche auf den Universitäten lernen wollen. Ich bin überzeugt, daß die Zahl dieser Lernenden wachsen wird. Truppen und der eingeborenen Polizeimannschaften ents gegen. Der König vollzog sodann die feierliche Einweihung des Denkmals für die Gefallenen aus dem Feldzug im Rif. Kleine Nachrichten. Der deutsche Kronprinz ist am Sonntag in Lahore eingetroffen. Es fand fein offizieller Empfang statt. Am Nachmittag unternahm der Kronprinz in Begleitung des Gouverneurs mit dem gesamten Gefolge auf Elefanten einer Ritt durch die Eingeborenenstadt und besichtigte das Jort und andere Sehenswürdigkeiten. Prinz August Wilhelm als Gerichsreferendar. Am Montag mittag fand im Schwurgerichtssaale des Potsdamer Landgerichts die Vereidigung des Prinzen August Wilhelm als Gerichtsreferendar statt. Der Prinz wird bet den Potsdamer Gerichten beschäftigt werden. Das Verfassungsgesetz für das Fürstentum Monaco, das den parlamentarischen Bedürfnissen seiner etwa 20 000 Einwohner entgegenkommen soll, ist soeben veröffentlicht worden. Das Fürstentum bildet einen unabhängigen Staat. Die Freiheit und die Souveränität des Fürsten bleiben, wie in den Verträgen mit Frankreich festgesetzt. Das Gesetz garantiert die persönliche Freiheit des Einzelnen, die Unverleglichkeit des Eigentums, das Versammlungsrecht und die Freiheit der Kulte. Die Regierung wird unter der Hoheit des Fürsten ausgeübt durch einen Minister unter Mitwirkung eines Staatsrates. Die Legislatur wird ausgeübt durch den Fürsten und einen Nationalrat von 21 Mitgliedern, die nach dem allgemeinen Stimmrecht auf vier Jahre gewählt werden. Das Gebiet des Fürstentums wird in drei Gemeindebezirke eingeteilt, die von Gemeindekörperschaften verwaltet werden, an deren Wahl auch Frauen mitwirken. Der Herbstabend senkte sich über Luzern herab. Wie von Blut übergossen glühten im Hintergrunde die Spitzen der schneebedeckten, eisgepanzerten Berner Alpen. Majestätisch und mächtig ragte rechts im Vordergrund das Haupt des Pilatus empor, während weiter zurück zur Linken der Rigi im letzten Strahl der untergehenden Sonne hervortrat. Der Vierwaldstättersee lag blau und durchsichtig wie ein riesengroßer Saphir da; zahlreiche Dampfer und Boote durcheilten seine langgestreckte Fläche. Aus Brunnen und Flüelen, von Küpnacht und von Alpnachstadt kehrten die Ausflügler heim, Musik und heitere Lieder ertönten überall. - Ein Männerheim der Heilsarmee ist nach dem Muster der bereits in anderen Städten bestehenden auch in Berlin eröffnet worden. Es vermag 120 Männern ein nächtliches Obdach zu bieten. Drei große Schlafsäle enthalten 86 Betten. Für ein Bett sind in der Nacht 30 Pfennig zu bezahlen. Ein Preisausschreiben für die besten Zähne. In einer, englischen Schule waren zwei Preise für die Kinder ausgesetzt worden, die nach dreimonatiger Pflege die weißesten und besten Zähne aufweisen konnten. Gestern präsentierten sich 42 Mädchen und Knaben zur Preisverteilung. Beide Preise wurden Mädchen zugesprochen. Der untersuchende Zahnarzt erklärte jedoch, daß nicht ein einziges Kind ein vollkommenes Gebiß besize. Die österreichische Ministerkrisis hat sich weiter verschärft. Frhr. v. Bienerth hat den kaum begonnenen Versuch, ein neues Kabinett zu bilden, wieder aufgegeben infolge der Erklärung der Deutschnationalen, daß sie mit Rücksicht auf die zweijährige Opposition des Tschechenklubs nicht zulassen könnten, daß- wie v. Bienerth geplant zwei Tschechen in das neue Kabinett eintreten. Sie müßten sich in diesem Fall dem neuen Ministerium gegenüber freie Hand vorbehalten. Darauf erwiderte Baron v. Bienerth, daß es ihm unter diesen Umständen nicht möglich sei, das Kabinett zusammenzustellen. Frhr. v. Bienerth wird dem Kaiser sein Rücktrittsgesuch anbieten. Man spricht bereits von Neuwahlen. Aus dem prächtigen Hotel National traten zwei weibliche Gestalten und schlugen den Promenadenweg längs der Seehalde ein. Die grauhaarige alte Dame, die sich auf den Arm ihrer Begleiterin stützte, war eine vornehme Russin, die seit vierzehn Tagen in Luzern weilte. Es mar die Gräfin Anastasia Pawlowna Wallutjeff, deren angegriffene Gesundheit ihr seit einigen Jahren den Aufenthalt in ihre: nordischen Heimat verbot. Ein ernstes Herzübel quälte die sechzigjährige Frau, deren einziger Sohn, Graf Jegor Alexejewitsch in Petersburg bei einem Garderegiment diente. Vor einigen Jahren hatte der junge, schöne Offizier sich mit der Fürstin Nikolajewna Lobanoff verheiratet, und im Sommer war dem jungen Paar der erste Sohn geboren worden, der Erbe der herrlichen Güter im Tulaschen Gouvernement, der Erbe des alten vornehmen Namens, der sich in der russischen Ge= schichte unvergeßlich gemacht hatte. Das Geschlecht der Grafen Wallutieff beruhte teht nur mehr auf vier Augen; Pferde als Erben. Ein in Budapest verstorbener Sonderling hat sein bewegliches Vermögen im Werte von 300 000 Kronen seinen zwölf alten Zugpferden vermacht und testamentarisch den Landes- Tierschutzverein mit der Durchführ ung der Nachlaßbestimmung betraut. Ein Einbruch in die Steuerkasse ist in Diedenhofen verübt worden. Die Diebe erbeuteten 20 000 Mark und entkamen unerkannt. König Alsons von Spanien wurde am Sonnabend, als er von Melilla aus sich an Land begab, lebhaft begrüßt. Nach Anhörung eines Tedeums begab sich der König in das spanishe Heerlager, wo für ihn und sein Gefolge Baraden errichtet waren. Unter den zu seiner Begrüßung Erschienenen fielen besonders die in reiche Gewänder gekleideten Abgesandten der Stämme auf. Vor seinem Einzug in das Lager nahm der König den Vorbeimarsch der Ein folgenschwerer Zugzusammenstoß ereignete sich Sonnabend abend auf der Berliner Ringbahn. Bet Stra lau- Rummelsburg fuhr infolge falscher Weichenstellung etn Personenzug auf einen andern auf, wobei fünf Wagen ent gleisten und die Stirnwände einzelner Wagen eingedrückt wurden. Von den Reisenden der beiden stark besetzten Züge wurden 35 verletzt. Beim Rodeln vom Zuge überfahren wurde in dem sächfischen Orte Plaue bet Flöha ein mit zwei Personen besetzter Schlitten. Beide Rodler wurden schwer verletzt. Jegor Alexejewitsch und sein Sohn waren die letzten männlichen Sprossen der einst blühenden Familie, die nach und nach ausgestorben war. Außerordentlich war daher die Freude der Großmutter, als ein männlicher Erbe, ein Enkel geboren wurde. Ein Brandstifter beunruhigt in den letzten Monaten die Elbdörfer. Sonnabend früh erfolgte die 22. Brandstif= tung. Das ganze Anwesen des Landmanns Ramde in Sülldorf ging in Flammen auf. Der Brandstifter konnte noch nicht ermittelt werden. In die katholische Kirche zu Mieltschin drangen Einbrecher, raubten dort sämtliche goldenen und silbernen Altargeräte im Werte von mehreren tausend Mark, darunter einen sehr wertvollen goldenen Kelch, und richteten in der Kirche große Verwüstungen an. Die Täter dürften einer russischen Einbrecherbande angehören. Bei dem Brande einer Schwefelmine in dem italienischen Dertchen Tufo wurden sieben Arbeiter getötet. Viele andere erkranften infolge des Einatmens der giftigen Gase. Mordende ungarische Gendarmen. In Elisabethstadt in Siebenbürgen lockten zwei Gendarmen ein Mädchen, das aus Rumänien zurückkehrte, in den Wald nahe der Stadt, ermordeten es und raubten 800 Frank. Ein Förster, der die Tat gesehen hatte, tat, als ob er ein Forstfrevler set, und wurde von denselben Gendarmen verhaftet. Vor der Polizeibehörde enthüllte er deren Verbrechen, worauf ihre Verhaftung erfolgte. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Ein Lehrstuhl für Kolonialpolitik. Der neue Etat des preußischen Kultusministeriums sieht die Errichtung eines Extraordinariums für Kolonialpolitik an der Berliner Universität vor. Für den Posten ist von der Regierung der zurzeit im Reichskolonialamt beschäftigte Volkswirtschaftler Regierungsrat Professor Dr. Zoepfel, ein Bayer, in Aussicht genommen. Eine russische Auszeichnung für Professor Ehrlich. Prinz Peter von Oldenburg ist, wie der B. 3." gemeldet wird, vom Zaren beauftragt worden, dem Professor die seltene Auszeichnung des Annenordens zu überreichen. Ein Mittel gegen Epilepsie? Der Arzt Latranyi in Budapest soll ein wirksames Mittel gegen die Epilepsie ge= funden haben. Er nennt es Epuratin und seine Erzeugung beruht auf der Voraussetzung, daß die Epilepsie daher stamme, daß die Unrate anstatt durch den Harn abgesondert zu werden, in den Organismus Eingang finden. Latrangi, der Arzt an einer Irrenanstalt ist, soll schon schwere Fälle, bei denen sich die Anfälle alle zwei Tage wiederholten, durch sein Mittel geheilt haben. Die Gräfin- Mutter Anastasia Pawlowna und ihre treue Kammerfrau, Jrinja Feodorowna Lukaschin, schritten an jenem Herbstabend langsam dem Seeufer entlang; sie waren im eifrigen Gespräch miteinander begriffen. Eine Menge Menschen drängte sich um diese Zeit auf der Promenade; die Spaziergänger begegneten den Russinnen oder überholten sie, denn die Gräfin fonnte nur sehr langsam gehen; ihr frankes Herz verursachte ihr fast bei jeder Bewegung Ateninot. Die berühmtesten Aerzte, die sie in Paris und Wien fonsultiert hatte, zuckten die Achseln, ste sagten, daß jede Aufregung Gift sei, und für die Kranke die schlimmsten Felgen nach sich ziehen müsse; sie rieten ihr einen Winteraufenthalt im Süden an und schärften der Kammerfrau die größte Vorsicht und Schonung der Leidenden an. Jrinja Feodorowna ging für ihre gütige Herrin durchs Feuer. Sie war von der Gräfin erzogen worden und lebte self zwanzig Jahren bei ihrer Wohltäterin, die sie wie ein höheres Wesen verehrte. In der Begleitung der beiden Frauen reiste der fünfzigjährige Diener Andrei Constantinowitsch Ossofsky, ein früherer Leibeigener, der dem gräflichen Hause ebenso treu wie Jrinja ergeben war. Früher hatte er dem Gatten der alten Gräfin als Offiziersbursche gedient und war seinem Herrn in den Krimkrieg gefolgt und hatte ihm vor Sewastopol das Leben gerettet. Mit der den russischen Dienern eigentümlichen Anhänglichkeit und Treue für ihre Herren war er seitdem im Hause der Walutjeffs geblieben. Auf Wunsch des jungen Grafen Jegor Alexejewitsch begleitete der Getreue seine Mutter, die alte Gräfin, auf ihren Retsen. Er erwies sich als vortrefflicher Kurier und ver stand es, seiner geliebten Herrin alles auf das Bequemste einzurichten. Andrei war ein großer. ungemein starker Aus den Gerichtssälen. Schmerzloses Zahnziehen unlauterer Wettbewerb? Stürzlich bestätigte das Reichsgericht mehrere Berliner Urteile, durch welche Zahnärzte und Zahntechniker wegen unMann von athletischer Gestalt. Oft sagte er lachend:„ Ich nehme es mit drei Mönnern auf; noch fühle ich nichts vom Alter. Damals, als ich meinem verstorbenen Herrn zu Hilfe eilte, fämpfte ich gegen mehrere feindliche Soldaten. Hei! es war mir eine Freude, ihn herauszuhauen. Ich möcht es keinem raten, Anastasia Pawlowna Uebles tun zu wollen; er bekäme unsanft meine Fäuste zu fühlen; und die sind hart wie Eisen." ,, Wir wollen uns hier auf die Bank setzen," sagte die Gräfin zu ihrer Zofe.„ Ich bin müde und möchte etwas ausruhen. Hier sind wir allein, meine gute Jrinja, und fönnen ungestört miteinander reden." Sie setzten sich auf eine Bank ganz am Ende der Promenade. Dichtes Gebüsch lag dahinter, und nur vereinzelte Spaziergänger tamen hin und wieder vorübr. Anastasia Powlowna atmete schwer. ,, Sie haben sich angestrengt," bemerkte Jrinja besorgt, ,, wir hätten besser nicht so weit gehen sollen." Es ist nicht das," entgegnete die alte Dame,„, aber die Sehnsucht nach der fernen, teuren Heimat und den Kindern sie reibt mich auf. Ich möchte meinen Enkel sehen und ihm die Hand segnend auf das Köpfchen legen, betend, daß Gott ihn zu einem edlen, guten Mann Heranwachsen lasse, der dem alten Namen, den er trägt, Ehre macht." ,, Wir werden im Sommer nach Rußland reisen, gnädige Fran," tröstete die Kammerfrau. Im Witer gehen wir vorerst nach Nizza; dort können Euer Gnaden sich wieder stärken und völlig gesund werden." Mit einem schwermütigen Lächeln schüttelte die Gräfin den Kopf. ung lante in 8 Tofes gen amwa teil, freige Jefti richte lojes баз idme einem fenge เปิด ง „ Ich glaube es nicht," murmelte sie. Warum? Sie fühlen sich doch nicht kränker?" rief Jrinja besorgt. ( Fortsetzung folgt.) sijon Firm haben renzt entfac geflag daß d laffen, waren ind u lannt jeistige weijen bas d täusche Buchd zeugte erfolgt G wird debran pomine Fahrt, westlid gaben ter G bort, d rig flo bel he eine f Als d Ballor ben J Landu Ballon Erde drähte ber ho flogen. 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In den letzten vier Sachen hatten die Gerichte ausdrücklich festgestellt, daß durch die Worte schmerzloses Bahnziehen" feineswegs behauptet werden sollte, daß das Zahnziehen unter allen Umständen und in allen Fällen schmerzlos fei. Dies wisse auch das Publikum. Wegen eines angeblichen Diebstahls im Werte von etwa einem halben Pfennig fand am Sonnabend vor dem Schöffengericht in Göttingen eine Verhandlung statt. Angeklagt war der Ingenieur Lesch, Mitinhaber der Göttinger Präzistonswagenfabrik G. m.b. H., der beschuldigt war, ein der Firma Wilhelm Sartorius gehöriges Kuvert gestohlen" zu haben. Die Anzeige war die Folge eines heftigen Konturrenzkampfes, den die ältere Firma Wilhelm Sartorius entfacht hat, deren früherer Konstruktionssekretär der Angeflagte Lesch war. Der Ingenieur Lesch hatte festgestellt, daß die Firma Sartorius Drucksachen hatte anfertigen laffen, die denen seiner Fabrik täuschend ähnlich nachgeahmt waren. Er vermutete unlautere Geschäftsmanipulationen, ind um dies vor Gericht zwecks Verhinderung der ihm belannt gewordenen Absicht der Firma Sartorius, sich eine der jeinigen ähnlich flingenden Firma eintragen zu lassen, beweisen zu können, reichte er dem Gericht ein Kuvert ein, das dem von ihm entworfenen Aufdruck feiner Firma täuschend ähnelte. Den Umschlag hatte er sich von einem Buchdrucker ausgebeten, was dieser auch vor Gericht bezeugte. Der Staatsanwalt beantragte selbst die dann auch erfolgte Freisprechung. Vermischtes. Spuren des Ballons„ Hildebrandt". Aus Stettin wird dem ,, B. T." gemeldet: Der Berliner Ballon ,, Hildebrandt" wurde auf seiner Unglücksfahrt an verschiedenen pommerschen Orten gesichtet. Im weiteren Verlauf der Fahrt, gleiche Windrichtung vorausgesetzt, hätte der Ballon westlich Köslin die Ostsee erreichen müssen. Genauere Angaben liegen aus Großrambin por. Etwa eine Meile hinfer Großrambin sah der Kutscher eines Gastwirtes von bort, der einen Fremden fuhr, einen Ballon, der sehr niedrig flog. In Sehweite schlang sich dann ein von der Gonbel herabhängendes Tau, vermutlich das Schleppseil, um eine kleine Kiefer, wodurch die Fahrt gehindert wurde. Als der Kutscher und der Fahrgast hinzueilten, um dem Ballon beim Landen behilflich zu sein, wurde ihnen von ben Insassen der Gondel zugerufen: Nicht anfassen, eine Landung ist nicht beabsichtigt". Gleich darauf sei der Ballon wieder losgekommen, wobei er die Kiefer aus der Erde riß und die in der Nähe befindlichen Telegraphendrähte zerriß. Nach dem Freiwerden ist der Ballon wieber hoch gestiegen und in nördlicher Richtung davongeflogen. Der Name„ Hildebrandt" war deutlich an der Ballonhülle zu lesen. Der Vorgang spielte sich in einer Entfernug von 40 Kilometern von der Ostsee ab, so daß ber Vallon aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Wasser verschlagen wurde. Wenn diese Annahme zutrifft, so darf angenommen werden, daß die Luftschiffer entweder vor einer Fahrt über die Ostsee nicht zurückscheuten, oder daß Sie sich inbezug auf die Gegend, in der sie sich befanden, einer Täuschung hingaben, als sie die Landung ablehnten. Jedenfalls dürfte dies die letzte Nachricht von dem Schicksal des Ballons sein. Die Millionen des Senators Elfins. Der am Mittwoch verstorbene nordamerikanische Senator Elkins, um dessen Tochter der Herzog der Abruzzen wirbt, hinterläßt ein Vermögen von 120 Millionen Mart, das zumeist aus Waldungen, Bergwerken und Eisenbahnunternehmungen besteht. Elkins war ein großer Glückspilz; seine Freun= de nannten ihn nur König Midas, weil alles, was er be= rührte, sich in Gold verwandelte. Elkins starb nach längerer Krankheit infolge einer Blutvergiftung. Er versuchte zu seiner Heilung eine Luftfur, indem er wochenlang nachts auf dem Dache seines Hauses in Washington schlief; dies Scheint seinen Zustand aber nur verschlimmert zu haben. Ein deutscher Dampfer mit 17 Mann verscholen. Wie aus London berichtet wird, fischte die Küstenwache von Sunderland im Norden Englands in der Rokerbucht eine versiegelte Flasche auf, die einen Zettel mit folgendem Inhalt enthielt:„ Alle Hoffnung aufgegeben. 12. November 1910. Kapitän Schmidt." Es handelt sich hier offenbar um den deutschen Dampfer„ Berlin", der am 10. November mit einer für Stettin bestimmten Kohlenladung den pafen von Sunderland verließ. Seitdem hat man feine Nachricht mehr von der„ Berlin" erhalten. Die ,, Berlin", beren Besagung aus 17 Mann bestand, lief vor 29 Jahren vom Stapel, hatte 1700 Tonnen Inhalt und galt als ein äußerst starkes Schiff. Ein Trauungsrekord. In England, dem klassischen Lande des Sports, lassen es sich auch die Geistlichen nicht nehmen, in ihrem seeisorgerischen Beruf durch Rekordleistungen zu glänzen. So gelang es, Londoner Meldungen zufolge, kürzlich dem Pastor Buckley von der St. Lukasfirche in Cunnington an einem Tage von 9 Uhr 50 Minuten bis 11 Uhr 2 Minuten, also in 72 Minuten, 37 Brautpaare zu trauen. Auf die Trauung des einzelnen Brautpaares entfällt dabei die Minimalzeit von noch nicht 2 Minuten. Damit ist der letzte englische Eheschließungsreford, der die Ziffer von 22 Trauungen in 58 Minuten erreicht, überholt. Falschspieler im Eisenbahnzuge. Im Eisenbahnzug zwischen Rotterdam und Haag wurde auf einer Strecke von zwanzig Minuten Bahnfahrt ein Deutscher von gewerbs= mäßigen Falschspielern um 2000 M betrogen. Ein anderer Deutscher zeigte der Polizei in Haarlem an, daß er in Zua zwischen Rotterdam und Haarlem beim Kartenspiel 440 Mart verloren habe, und so vergeht fast kein Tag, ohne daß Mitglieder jener Falschspielerbande irgendwo ihre Opfer ausplündern. Die Falschspieler sind im Besitz von Eisenbahnabonnementskarten, mit denen sie ganz Holland bereisen, und suchen hauptsächlich Ausländer, vorzugsweise Deutsche, zu umgarnen. Die Polizei und die Eisenbahnbeamten, denen sie übrigens wohlbekannt sind, pflegen die Reisenden zwar vor ihrer Gesellschaft womöglich zu warnen, aber leider stehen sie im übrigen jenem Treiben machtlos gegenüber, da es schwer ist, das Falschspielen nachzuweisen. Demminer Schulhumor. In Demmin hat, wie das dortige„ Tageblatt" erzählt, die liebe Jugend die Gewohn heit, einen Esel, der öfter vom Lande nach der Stadt tommt, zu hänseln. Das tat auch ein Bengel eben, als ein Lehrer ihn dabei erwischte, dem Jungen für seine Quälerei eine Ohrfeige gab und ihn zur Strafe eine Zeitlang vor der Klassentür stehen ließ. Heulend dachte das Bürschchen an der Türschwelle über sein Ungemach nach, da trat ver Rektor hinzu uno sagte ihn, warum ex denn gar so steinerweichend weine. Der Lehrer hat mich geschlagen," erwiderte der Bengel mit der Miene beleidigter Unschuld, ,, und ich habe dem Esel doch gar nichts getan!" Eine zweite Maulschelle war für den verblüfften Jungen die Strafe für diesen Frevel, doch klärte sich das Mißverständnis bald auf und heute lacht auch die ganze Schule schon darüber. Uebrigens ist die hübsche Geschichte nicht ganz neu, sie muß schon früher einmal irgendwo sich zugetragen haben. Mittel, schnell reich zu werden, bietet man in Berlin jetzt wieder einmal an. Die Vorführungen eines ,, BankSprengers" in Castans Panoptikum haben sofort Schule gemacht. Auch andere Leute erbieten sich zur Mitteilung von ,, Systemen", nach denen man an der Spielbank durchaus und totsicher gewinnen müsse. Sonderbarerweise wenden sie ihr Geheimnis nicht selbst an, sondern wollen es lediglich ihren Zeitgenossen zugänglich machen, damit diese schnell reich werden. In einzelnen Blättern erscheinen ferner noch Anzeigen folgenden Inhalts:„ Glück in der Lotterie! Gratis beantwortet die Frage: Wie gewinnt man in der Lotterie? Rückporto erbeten( folgt Name und Adresse)." Billiger kann man es wohl nicht haben. Der Menschenfreund, der hier seine Wissenschaft auf den Markt bringt, will sie fostenlos abgeben und verlangt nur das Rückporto. Vielleicht ist das die Hauptsache. Eine oft wiederkehrende Frage ist die nach dem Ursprung des Wortes Maggi". Nicht allen unseren Lesern dürfte es bekannt sein, daß Maggis seit über zwei Jahrzehnten bewährte Erzeugnisse( Maggis Würze,-Suppen, -Bouillonprodukte) nach ihrem Erfinder Julius Maggi be= nannt sind. Dieser, der Sohn eines aus Italien stammenden Großzindustriellen, der in der Schweiz mehrere bedeutende Getreidemühlen besaß, befaßte sich schon zu Beginn der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit eingehenden Versuchen auf dem Gebiete der Volksernährung, angeregt durch eine Reihe von Universitätsprofessoren und Aerzten. So schuf er nach mancherlei Schwierigkeiten die heute in jedem Haushalt geschätzten Küchenhilfsmittel, die seinen Namen tragen. Ein einträgliches Sündenbekenntnis. Daß der„ befannte" Coof nicht in der Nähe des Nordpols gewesen, ist kaum mehr zweifelhaft; ebenso zweifellos aber ist, daß er ein sehr gewandter Geschäftsmann ist. Selbst das Sündenbekenntnis, das er nun der Oeffentlichkeit abzulegen begonnen hat, muß dazu dienen, ihm ein hübsches Sümmchen einzubringen. Die Kopenhagener Zeitung„ Politiken" teilt nämlich mit, daß Cook für jeden seiner Rechenschaftsartifel 10 000 Dollars als Honorar empfängt. Da nun Cook vier Auffäße gebrauchen wird, um seine ganze Beichte abzulegen, so wird er dafür das Honorar von rund 160 000 Mark einstreichen, womit er sich dann befriedigt ins Privatleben zurückziehen kann, voll Dankbarkeit gegen die Preßorgane, die ihm auch seine letzte Sensation troß ihres höchst zweifelhaften Wertes so hoch bezahlten. Die Riesenstatne eines Indianerhäuptlings. Aus Neuyork wird berichtet: Nach drei Jahre langer Arbeit ist nun im Staate Illinois das Niesenmonument für den Indianerhäuptling Blackhawk vollendet, das oberhalb von Eagles Nest am Oregon in die Lüfte emporragt. Die Statue hat eine Größe von 16 Meter; sie erhebt sich, das Piedestal ungerechnet, auf einem natürlichen Felsen, der eine Höhe von über 80 Meter hat, so daß dies Denkmal in seiner Gesamtheit mit der Freiheitsstatue im Neuyorker Hafen rivaltfieren kann. Das Standbild ist aus Beton hergestellt, der nach der Ansicht des Bildhauers Lorade Taft das Denkmal zu dem dauerhaftesten der Welt machen wird. Der IndianerHäuptling Blackhawk, dem die Amerikaner dieses Monument errichtet haben, nahm als Häuptling der Sacs- und der Fuchs- Indianer auf englischer Seite an dem Kriege von 1812 teil. Mit allen Mitteln, mit den Waffen und durch Verträge kämpfte er gegen den Eroberungszug der weißen Rasse, aber er konnte den Gang der Geschehnisse nicht aufhalten. Aus französischen Krankenhäusern. Die französische Akademie der Wissenschaften hat dieses Jahr den sogenannten Preis Durgate an den Doktor Severin Icard in Marseille verliehen für ein von diesem verfaßtes Buch, das den Titel führt: leber die Feststellung des Todes in den Spitälern". Jcard berichtet in diesem Werke geradezu grauenvolle Dinge über die Feststellung oder vielmehr Nichtfeststellung des Todes sowohl in den bürgerlichen als auch in den milttärischen Krankenhäusern Frankreichs. Er stellt, gestützt auf unwiderlegliches Material, fest, daß ein sehr großer Teil der Kranken lebendig begraben oder in lebendem Zustande auf den Seziertisch gebracht werde, und zitiert nicht weniger als vierzig zu seiner Kenntnis gekommenen Fälle dieser Art allein in einem großen Krankenhause in Marseille, an dem er angestellt ist. In diesen vierzig Fällen ist der Irrtum erkannt worden. Wie viele Leute aber lebend begraben oder dem Seziermesser überantwortet werden, ohne daß es bemerkt wird, entzieht sich nach Doktor Jcard jeder Schäßung. Das alles fomme daher, daß der Tod in den Spitälern überhaupt niemals durch Fachleute, Doktoren oder auch nur medizinische Assistenten, festgestellt werde; man begnüge sich immer und allerorten mit der mündlichen Aussage der ungebildeten Krankenwärter oder der Laienschwestern, deren Versicherung ohne weiteres Glauben geschenkt werde. Der wachthabende Arzt oder Assistent unterzeichne, ohne den angeblichen Toten überhaupt nur gesehen zu haben, einen Totenzettel, und sofort komme das Objekt nach der Gefrierkammer oder in den Seziersaal. Einmal kam es vor, daß ein Scheintoter bei der Sektion unter dem Messer des Arztes erwachte. Ein andermal konnten Studenten das Herz eines angeblich tvten Kindes noch schlagen sehen(!), als die Brusthöyle geöffnet war. In eineu. leider nicht genannten Großstadtspital legten die Krankenwärter, um Zeit zu sparen, einen noch im Todesfampfe liegenden Kranten in den Sarg und schlossen diesen, während der Mann noch atmete. Derartige Betspiele werden von Icard noch mehrere angeführt, und be= sonders große Opfer habe der Scheintod, so heißt es, während der Marseiller Choleraepidemie gefordert, wo man ganz besonders summarisch verfuhr und bis zu 16 Leichen täglich bestattete, ohne auch nur eine vorher fachmännisch ge= prüft zu haben. Icard empfiehlt dringend die Anwendung von Methoden, durch die der Tod mit Sicherheit festgestellt werden könne, wie solche gegenwärtig überall bekannt, aber in Frankreich niemals angewandt seien. Ob die Angaben Jcards nicht etwas übertrieben sind? Erpresserfurcht amerikanischer Milliardäre. John D. Rockefeller, wie er ist", so heißt ein Büchlein, das vor kurzem in Boston erschienen ist und als dessen Versasser ein Professor Telemach Timayanis bezeichnet wird. Es heißt darin wörtlich: Weder Worte noch eine Feder ist imstande, zu schildern, welche Furcht Mr. Rockefeller vor der Leffentlichkeit hat. Er fürchtet sich sogar davor, von seiner Familie über geschäftliche Dinge befragt zu werden, er fürchtet sich vor dem Schall seiner eigenen Schritte, fürchtet sich vor seinem Schatten und vor dem Bilde seiner eigenen Gestalt im Spiegel. Das Leben von John D. Rockefeller ist eine einzige Furcht. Er fürchtet, das Wasser, das er trinkt, könne nicht rein sein, er fürchtet bei jedem Handel, betro= gen zu werden. und ich weiß aus Erfahrung, daß niemand längere Zeit mit John D. Rocefeher su tun haven fann, ohne von seiner krankhaften Furcht angesteckt zu werden. So ganz unbegreiflich ist diese Furchtsamkeit des reichsten Mannes der Welt im Grunde genommen nicht, wenn man weiß, daß gerade die amerikanischen Milliardäre fortwährend Erpressungen und Bedrohungen ausgesetzt sind. So erhielt Mr. Cudahy, der reiche Chicagoer Schweineschlächter, eines Tages von einem notorischen Erpresser etnen Brief, in dem ihm angekündigt wurde, daß er ins Jenseits befördert werden würde, wenn er nicht sofort die Sum= me von einer Million Mark zahlte. Zu diesem Opfer konnte sich Mr. Cudahy natürlich nicht entschließen. Er umgab sich auf Schritt und Tritt mit einer Leibwache. Da der Er presser auf diese Weise an der Ausführung seiner Drohung behindert war, raubte er kurzerhand den einzigen Sohn vor Mr. Cudahy, einen zwölfjährigen Jungen, und schrieb dem Vater, wenn die Million jetzt nicht ohne Verzug an ihn ausgehändigt werde, sollte dem Kinde das Augenlicht zer stört werden. Und die Million wurde bezahlt. Cornelius Vanderbilt, der den Reichtum seines Hauses begründete, pflegte der unglücklichste aller Millionäre in den Vereinigten Staaten genannt zu werden. Jede Post brachte ihm Drohbriefe, und mehr als einmal wurden in der Nähe seines Landsizes Männer, die ihm nach dem Leben trachteten, ergriffen. Einmal erschien am Haustore ein Mann und verlangte von dem öffnenden Diener Geld. Er wurde fortgewiesen, rannte jedoch nach dem zu ebener Erde gelegenen Eßzimmer, wo Mr. Vanderbilt mit den Seinigen bei Tisch saß, streckte die geballte Faust durch das Fenster und rief mit lauter Stimme:" Tod dem Vanderbilt!" Er wurde verhaftet und man fand eine wohlgefüllte Bombe bei ihm. Taß Mr. Russel Sage in seinem Bette sterben würde, hatte er zu seinen Lebzeiten niemals geglaubt. Es war ihm so oft angefündigt worden, ermordet zu werden, daß er häufig den Ausspruch tat, er würde in seinen Stiefeln aus dieser Welt gehen. Mehrmals entkam er diesem Schicksal auch nur mit knapper Not, und am 4. Dezember 1891 verlor sein Privatsekretär und drei von seinen Angestellten das Leben, als sie das seine verteidigten. Am schlimmsten erging es jedoch Jay Gould, der sein ungeheueres Vermögen auf die skrupelloseste Art angehäuft und eine Menge von Existenzen ohne Erbarmen vernichtet hatte. Nach setnem Tode fanden sich in seinem Nachlasse Quittungen, aus denen hervorging, daß er in den letzten Jahren seines Daseins nicht weniger als 9 600 000 Man Erpresser gezahlt hatte. Drabtnachrichten und neuestes. Ein Eisenbahnschlosser als Reichstagskandidat. Göttingen, 9. Januar. Die nationalliberale Vertrauensmännerversammlung des Reichstagswahlkreises Göttingen- Münden hat einstimmig beschlossen, den Eisens bahnschlosser Gustav Jckler, Vorsitzenden des Kartells deuts scher Reichs- und Staatsarbeiterverbände als Kandidaten aufzustellen. Deutschfeindliche Kundgebung in Meß. Metz, 9. Januar. Eine hiesige französische Sportvereinigung hatte für Sonnabend ein Konzert veranstalten wollen, das aber von der Polizei nicht genehmigt wurde. Als sich trotzdem mehrere Teilnehmer eingefunden hatten, schritt die Polizei ein. Gestern nachmittag fanden sich die Mitglieder zusammen und zogen durch mehrere Straßen nach dem Denkmal des Marschalls Ney. Als später die PoItzet die Menge zu zerstreuen suchte, nahm diese eine drohende Haltung an, so daß Militär requiriert werden mußte. Die Demonstration dauerte bis spät abends. Ach tPersonen wurden verletzt und ebenso viel verhaftet. Zigarrenschmuggel am Niederrhein. Köln, 9. Januar. Am Niederrhein wurde ein großer von Holländern und Deutschen betriebener Zigarrenschmuggel aufgedeckt. Die Höhe der hinterzogenen Steuer soll sich für den letzten Monat auf 15 000 Mark belaufen. Messerattentat auf einen Knaben. Berlin, 9. Januar. Ein 13jähriger Schüler wurde von einem Mann um Geld angegangen und, als er fortlief, mit einem scharfen Messer gestochen. Als Personen hinzukamen, flüchtete der Verbrecher. Der schwer verletzte Knabe wurde zu einem Arzt gebracht. Bergarbeiterversammlungen im Ruhrrevier. Essen, 9. Januar. Im Ruhrrevier fanden gestern Bergarbeiter- und Belegschaftsversammlungen statt, die sich mit der Lohnfrage beschäftigten. In einer in den christlichen Bergarbeiterversammlungen angenommenen Resolution werden die Bergarbeiter aufgefordert, sich nicht durch die Beschlüsse der Belegschaftsversammlungen beeinflussen zu lassen. In den Versammlungen der anderen Verbände wurde eine Resolution gutgeheißen, die sich für die Weiter verfolgung der aufgestellten Lohnforderungen durch Ver. mittlung der Arbeiterausschüsse ausspricht. Vor den Augen seiner Braut ertrunken. Berlin, 9. Januar. Auf der Dahme bei Grünau brach beim Ueberschreiten des Eises bei einer Partie der 35jährige Landmesser Georg Scholler vor den Augen seiner Braut ein und ertrank. Mehrere Freunde des Mannes versuchten, ihm zu Hilfe zu kommen, aber beim Betreten des Eises brach dieses Stück für Stück ab. Eine Rettung war daher nicht möglich. Die Leiche des Verunglückten ist bis jetzt noch nicht gefunden worden. Gestern nachmittag find auf dem Weißensee drei Herren und drei Damen beim Schlittschuhlaufen eingebrochen. Die Schlittschuhläufer stan= den bis zum Halse im Wasser, konnten aber alle gerettet werden. Unschädlichmachung eines Heiratsschwindlers. Berlin, 9. Januar. Der 29jährige Student der Chemis Bykerhoff ist wegen Heiratsschwindelei verhaftet worden. Er hat einer Köchin 600 Mark abgeschwindelt. Außerdem hat er eine hiesige Familie, deren Tochter er vorgab zu heiraten, veranlaßt, Wechsel zu unterschreiben mit dem Hinweis, daß er das Geld brauche, um seinen Doktor zu machen.) Bei diesen Schwindeleien hat ihm seine Mutter, eine aus Königsberg stammende Witwe eines Amtsrichters, Beihilfe geleistet. Rodelunfälle. Montreux, 9. Januar. Hier haben sich beim Rodeln mehrere schwere Unfälle ereignet. Ein Schlitten, dessen Bremse nicht funktionierte, stürzte um. Die Insassen, zwei Engländer, wurden fortgeschleudert und schwer verletzt. Einer schwebt in Lebensgefahr. Ein anderer Engländer, der allein fuhr, stürzte so unglücklich, daß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Er war bisher außer Stand seinen Namen oder früheren Wohnsitz anzugeben. Streif französischer Schulkinder. Toulon, 9. Januar. In Toulon und Umgegend beschlossen die Schulkinder wegen ungenügender Heizung der Schulräume zu streiken. An dem heute beginnenden Streik werden etwa 11 000 Kinder teilnehmen. Ausständige chilenische Bahnbeamte als Brandstifter. Santiago de Chile, 9. Januar. In der vergangenen Nacht sind die Anlagen der Bahnverwaltung mit den sämtlichen darin befindlichen Schlaf- und Speisewagen sowie' dem Salonwagen des Präsidenten ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer ist vermutlich durch ausständige Eisenbahnbeamte angelegt worden. Der Materialschaden be= trägt 150 000 fund. Handel und Verkebr. Gaffel, 7. Januar. Weizen( 100 Kilogramm) 19,00 bis 19,50 M. Roggen( 100 kilogramm) 14,75-15,50 M. Gerste ( 100 Kilogramm) 14,50-16,50 M. Safer( 100 Kilogramm) 14,75-16,50 M. Heu( 3entner) 2,60-3,20 M. 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