Pf. ze und gen 25 an Rh. e besorgt Schmidt). brik Wilhelm ssage. Us 29 ltigen ster bis gen. n Gießen. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint - jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 7. Telephon: Nr. 362. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag den 9. Januar 1911 sksksksksksksksksksksksksksksksksk trag über„ Ringwälle und Verwandtes in Oberhessen" trag über„ Ringwälle und Verwandtes in Oberhessen" Cagtäglich kann ein Abonnement auf unser Blatt begonnen von werden. Der Roman„ Der Schuldschein", dem in heutiger Nummer der Schluß enthalten ist, wird neu eintretenden Abonnenten auf besonderen Wunsch, solange der Vorrat reicht, gratis geliefert. Probenummern der„ Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürften. Die Arbeitskämpfe des letzten Jabres. In einem Rückblicke auf das Jahr 1910 legt Dr. Tänzler im„ Arbeitgeber", Mitteilungen der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände, der mit dem 1. Januar in das dritte Jahr seines Bestehens eintrat, dar, daß das Jahr ein Kampf- und Lernjahr für die Arbeitgeberverbände gewesen sei. ver= Als Kampfjahr kennzeichnet sich das vergangene Jahr schon dadurch, das in den ersten Dreiviertel Jahren fast die vierfache Zahl der Arbeiter in Arbeitskämpfe widelt war gegenüber der gleichen Zeit des Jahres 1909, mehr aber noch durch die große grundsätzliche Bedeut ung, welche die großen Arbeitskämpfe des vergangenen Jahres für alle Teile gehabt haben. Aus diesen Kämpfen haben die Arbeitgeber und Arbeitgeberverbände zahlreiche Lehren zu ziehen und werden gegenüber dem erfolgreichen Vordringen der Gewerkschaften noch mehr darauf bedacht sein müssen, ihre Organisationen straffer und geschlossener zusammenzufassen, und die Verbände nicht nur nach der Breite, sondern durch sorgsame Kleinarbeit auch nach der Tiefe auszubauen. Daneben ist eine umfassende Aufklärungsarbeit zu leisten. Von der Arbeiterseite, so bemerkt Dr. Tänzler, wird die Deffentlichkeit mit Nachrichten geradezu über= schwemmt, von Arbeitgeberseite wird wenig dem gegenübergestellt; das ist nicht so wunderlich, wenn man erfährt, daß auf 50 geistige Arbeitskräfte, die sich schließlich der Verteidigung der Arbeiterbewegung widmen, noch nicht eine volle geistige Arbeitskraft kommt, die die Interessen der Arbeitgeber wahrnimmt. aus= Ein besonders unerfreuliches Moment bei den Arbeitskämpfen des vergangenen Jahres war das Anwachsen der Streikexzesse und des Streifterrorismus. Mit den Wahlrechts demonstrationen und-spaziergängen fing die Eroberung der Straße an, bis sie in Moabit und auf dem Wedding ihren blutigen Höhepunkt erreichte. Mit Bedrohung der Nichtorganisierten begannen zahlreiche Streifs, um mit schweren Kämpfen gegen Arbeitswillige und Polizei zu enden. Die Exzesse in Charlottenburg, Köln, Remscheid, Hamburg, Bremen 2c. stehen nach Tänzler mit blutiger Schrift auf dem Schuldkonto der Sozialdemokratie und ihrer Gewerkschaften. Solchen Exzessen und der neuerdings immer mehr beliebten Sabotage muß, so schließt er, mit den schärfsten Mitteln entgegengetreten werden. Es bedarf wohl nicht der nochmaligen Betonung, daß diese ganzen Darlegungen lediglich aus dem Gesichts punkt der Gruppe der Arbeit geber heraus gegeben worden sind. Als solche verdienen sie gleichwohl ein allgemeines Interesse, weil sie die Reibungsflächen mit der weit größeren Gruppe der Arbeit nehmer um so kla= rer erkennen lassen und einige Winke geben, nach welcher Richtung sich der soziale Kampf im Jahre 1911 weiter entwickeln wird. Aus der Heimat. Gießen, den 8. Januar. Die Bevölkerung Hessens zählt nach einer vorläufigen Zusammenstellung der Großh. Zentralstelle für die Landesstatistik nach der letzten Volkszählung 1 282 109 Personen gegen 1 209 175 im Dezember 1905. Die Zunahme beträgt also nur 72 934 oder 5,7 Prozent. Der Oberh. Geschichtsverein hält am Donnerstag abend im Cafe Ebel hier einen Vortragsabend ab. Prof. Dr. Anthes- Darmstadt wird einen Vorhalten. Der hess. Landeslehrerverein hält am 21. Januar in Frankfurt eine Obmännerversamm lung ab, welche sich mit sehr wichtigen Standesfragen beschäftigen wird, so z. B. mit den Besoldungsverhältnissen der Lehrer, der Witwen- und Waisenversorgung, Haftpflichtschutz und Lehrerwohnungsfrage. Warnung vor Schwindelkassen. Vor der„ Deutschen Krankenunterstützungskasse( einge= schriebene Hilfskasse) zu Werne" und der„ Rheinisch= Märkischen Krankenunterstützungskasse( eingeschr. Hilfs fasse) zu Bochum wird von den maßgebenden Behörden dringend gewarnt. Da diese Kassen auch in unserem Bezirk Mitglieder suchen, heißt es auch hier dring= end aufgepaßt! Die Verwaltungskosten dieser Kassen sind so hoch, daß für andere Ausgaben kein Geld übrig bleibt. * Das Verbot der Abhaltung von Vie h- märkten zieht immer weitere Kreise. Nachdem in der Rheinpfalz, in Rheinhessen und anderwärts alle Vieh- und Schweinemärkte verboten worden sind, wurde durch landespolizeiliche Verfügung nun auch für den Hunsrück und umliegende Gebiete ein solches Verbot erlassen. Die Abhaltung von Vieh- und Schweinemärkten den, Sobernheim, Meisenheim und Kirn wurde, da die zu Kastellaun, Simmern, Kirchberg, Kreuznach, GemünAusbreitung der Maul- und Klauenseuche auch für diese Gebiete zu befürchten ist, bis auf weiteres untersagt. Darmstadt. Die Bürgermeisterwahl in Großzimmern wurde durch den Provinzialausschuß der Provinz Starkenburg für ungültig erklärt. ** gutes Obbornhofen, das dem Verkauf ausgesetzt wer= Hungen. Hier wird der Erwerb des Hofden soll, durch die Gemeinde erwogen. Das Gut bildet fast ein Drittel der Gesamtfläche des bewirtschafteten Bodens der Gemeinde Hungen. * Grünberg. Die Verpachtung der hiesigen Feldund Waldjagd findet am 8. Februar statt. Büdingen( Oberhessen). Bekanntlich wurde seinerzeit durch eine Kommission für die hilfsbedürftigen Kassenmitglieder der in Konkurs befindlichen Vorschußund Kreditkasse von Obermockstadt eine Geldsammlung cingeleitet, die zirka 34 000 Mark ergab. Dieser Kommission sind nunmehr gegen 100 Gesuche um Beihilfen von solchen Kassenmitgliedern zugegangen, deren Befriedigung einen Betrag von etwa 75 000 Mt. erfor dern würde. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Nationaldenkmal zu prüfen hat, im Düsseldorfer Kunstpalast seine Arbeit. Am 15. Februar werden die Modelle zum ersten Male öffentlich ausgestellt werden und zwar im Kunstpalast zu Düsseldorf. Mit der Eröffnung dieser Ausstellung soll eine Gedenkfeier für den großen Kanzler verbunden werden. Sobernheim( Nahe). Beim Rasieren entwendete bei einem Friseur hier ein Lehrling einem Herrn eine Vorstecknadel im Werte von 150 Mt., als er dem Herrn die Serviette abnahm. Erst später wurde ermittelt, daß der Lehrling den Diebstahl begangen hatte. Er wurde verhaftet. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer. Gießen, 6. Januar 1911. Der in Breitenbach, Kreis Biedenkopf, geborene Kaufmann Leopold Sonneborn, welcher in Gießen ein Manufakturwarengeschäft betrieb, hatte keine ordnungsmäßige Buchführung, weshalb gegen ihn Anklage wegen Konkursvergehens erhoben wurde, pachdem das Konfursverfahren über sein Vermögen eröffnet worden war. Da dem Angeklagten keine betrügerische Absicht zur Last gelegt ist, er vielmehr der Ansicht war, die Buchführung sei ausreichend, kam er mit einer Geldstrafe von 20 Mark durch. Die Ehefrau des früheren Dozenten an der Gewerbeakademie zu Friedberg, Dr. Henze, ist zur Last gelegt, in einem Friedberger Geschäft ein Stück Seide und eine Einsatzgarnitur entwendet zu haben. Das Schöffengericht gelangte zum Freispruch, da nicht ausgeschlossen erschien, daß ein Irrtum oder Schabernack irgend einer Person vorlag. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, diese war aber ohne Erfolg, denn das Urteil fand seine Bestätigung. Voriges Jahr fuhr der Kaufmann Jos. Eugen Pfaff aus Cöln zu Nieder- Eschbach mit einem Automobil an der Schule vor, wo sich der frühere von ihm erzogene Neffe befand, der ihm kurz zuvor weggenommen worden war. Er gab dem Lehrer an, er wolle dem Jungen„ Adieu" sagen, weshalb man ihn hinausließ. Pfaff nahm den Jungen trok Sträubens in sein Automobil und fuhr davon; der Junge entlief ihm aber in Wiesbaden. Die gegen Pfaff erhobene Anklage wegen Kindesentführung fonnte nicht aufrecht erhalten werden, da nicht feststand, daß der Angeklagte den Jungen gegen den Willen seiner Mutter mitnahm. Es erging deshalb Freisprechung. * Marburg. Oberbürgermeister a. D. Schüler wurde anläßlich seines 75. Geburtstages zum Ehrenfritz, der bereits vielfach bestraft ist, ist Diebstahl von bürger Marburgs ernannt. Frankfurt a. M. Der Bund der Landwirte hält am 14. Januar hier im Börsensaal eine Protestversammlung„ gegen die Fleischnothetze" ab. U. a. werden Dekonomierat Lucke- Frankfurt und der pfälzische Landtagsabgeordnete Gebhardt- Lauterecken Ansprachen halten. In der Generalversammlung des Fortschrittlichen Volksvereins wurde auf Antrag des Vorstandes der bisherige Abgeordnete Rudolf Deser wieder als Kandidat aufgestellt. - ** Frankfurt a. M. Für das 28. Bundesfest des Deutschen Radfahrerbundes, das vom 5. bis 9. August 1911 hier stattfindet, sind die vorbereitenden Ausschüsse gebildet. Hochheim. An dem Bahndamm der Taunusbahn, oberhalb Hochheim, werden gegenwärtig sämtliche Bäume und Gesträuche gefällt und niedergelegt, um mit der Vertilgung der überhand genommenen Kaninchen, welche den ganzen Damm unterwühlt haben, besser beikommen zu können. * Worms. Das Vermögen der Stadt Worms betrug am 1. Oktober 1910 48 406 959 Mt., während die Ver= Schulden 25 771 683 Mt. betragen, so daß ein mögensüberschuß von 22 635 275 Mark erscheint. Herdorf. Der Bergmann Martin Nassauer, der in der Neujahrsnacht 2 Bergleute erstach, wurde hier ermittelt und in das Amtsgericht nach Daaden überführt. * Allendorf( Werra). Der Arbeiter Karl Füllgraf von hier verunglückte dadurch, baß ihm beim Steinebrechen ein eisener Keil mit großer Gewalt an den Kopf flog und ihm schwere Verletzungen im Gesicht beibrachte. * Bingen. Das 9. Mittelrheinische Sängerbundesfest wird in den ersten drei Tagen des Juli hier abgehalten. * Das Bismard National- Denkmal bei Bingerbrück. Am 23. d. Mts. beginnt das Preisgericht, das die Entwürfe für das neue deutsche Dem Taglöhner Joh. Wilh. Kehm aus Sterb Kleidungsstücken, eines Pferdezaumes und einer Peitsche zu Nieder- Rosbach und Bieber b. Offenbach zur Last gelegt. Er bestreitet die Diebstähle, doch bestand an seiner Schuld kein Zweifel. Er wurde zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein Monat Untersuchungshaft wird ihm angerechnet. Gestorben: Katharina Bonarius geb. Launspach, Witwe, GieBen- Frankfurt a. M.- Beerdigung 9. Jan., 2 Uhr. Katharine Wilhelmine Pfeil geb. Sax, Witwe, 80 J. alt, Gießen. Gustav Ehmke, Heuchelheim. 4 Uhr nachmittags. - - Beerdigung 9. Jan., Holzverkäufe und Versteigerungen. Fürstl. Oberförsterei Lich: Montag, 16. Januar, von vorm. 9½ Uhr an im Distrikt Riedwald. Zusammenkunft auf der sog. alten Laubacher Straße im Riedwald. Dienstag, 17. Jan., von vorm. 9½ Uhr an in den Distrikten Kolnhauserkopf, Fuchsstrauch und Höler. Zusammenkunft auf der Straße von Kolnhausen nach dem Höler beim Kolnhauserkopf. Kgl. Oberförsterei Krofdorf: Dienstag, 17. Jan., vorm. 10 Uhr, im Freundschen Saale in Krofdorf aus Schutzbezirk Waldhaus. Gemeinde Wi mar: Montag, 16. Jan., von 9½ Uhr ab bei Wirt Wolf aus Distr. Reizensteinerwald, Distr. 126 Kennelsheck und Distr. 14a und b. Kennelsheck. Gemeinde Oberwe 3: Fichten- Nuzholzverkauf im Submissionswege. Die Gebote sind schriftlich bis zum 12. Jan., nachm. 1 Uhr, einzureichen. Bürgermeisterei Wetzlar: Mittwoch, 11. Jan., nachmittags 2 Uhr, in der Gastwirtschaft von Fritz Henopp zu Garbenheim. 199 ftantin Der Haushalt des Reichstags. Der Reichstag sorgt, so schreibt man uns aus Berlin, für sich wie ein gütiger Vater für sein Kind. Er schmückt sein Heim und läßt es sich wohlergehen. Das beweist der Etat des Reichstags, der stets als letter der Etatssammlung zur Ausgabe gelangt. An baren Geldern- also an Diäten empfangen die Herren Reichsboten das hübsche Sämmchen von 1015 000 Mark. Das macht für jeden Herrn, der nicht allzuviel Goldstücke durch Lässigkeit einbüßt, immerhin rund 2500 Mark. Für die in der Regel sechs Monate dauernde parlamentarische Tätigkeit eine hübsche Entschädigung. Insgesamt kostet der Reichstag jährlich über 2 Millionen Mark. Die dreißig bis vierzig Beamten nehmen davon etwa 150 000 Mark in Anspruch, darunter sind allein zwölf fest angestellte Stenographen, bie recht gut entlohnt werden; von den unteren Beamten funn man das weniger sagen. Ungewöhnlich hoch sind die Geschäftsbedürfnisse, Schreibgebühren, Aufwendungen für Dienstanzüge, die Entschädigungen an den Reichstagsre-. siaurateur usw.. denn sie telaufen sich auf fast 600 000 M. Allerdings wird mit Drucksachen, Ausrüstungsgegenständen und auch Bequemlichkeiten aller Art nicht gespart. Für den Präsidenten ist besonders reichlich gesorgt. Denn allein für die Unterhaltung und Ausstattung seiner Wohnung sind 20 000 M ausgesetzt. Auch die wenigen Privateisenbahnen im Reiche erhalten ihr Scherflein für die Beförderung der Abgeordneten; es sind nur 4000 Mark. Die Bücherei ist nicht billig. Sie hat sieben Beamte, die insgesamt etwa 40 000 Mark Einkommen beziehen. Zum Ankauf neuer Bücher und Zeitschriften werden 38 000 M ausgeworfen. Aber auch Einnahmen hat der Reichstag. So werden 7000 Mark Eintrittsgelder für die Besichtigung des Reichstagsgebäudes veranschlagt. Im Laufe der Jahre wirft dieser Fonds sogar schon ein paar tausend Mark Zinsen ob. Aber wäre es wirklich nicht besser, den deutschen Staatsbürgern die Besichtigung des Reichstages unentgeltlich zu gestatten? Der Reichstag mit der Sammelbüchse Ist kein schönes Bild! Wie entsteht die Thronrede zum Landtag? Wechsel in hohen Kommandostellen? Eine Reihe von wichtigen Wenderungen in der Besetzung hoher Kommandostellen steht, wie die„ Allgem. Armee- Korresp." hört, bevor und wird vielleicht schon in nächster Zeit erfolgen. So heißt es, daß acht Divisionskommandeure, für die eine weitere dienstliche Verwendung nicht vorgesehen ist, ihren Abschied einreichen dürften. Dadurch würden naturgemäß ziemlich weitgreifende Neubesetzungen herbeigeführt werden. Mit einem neuen Helmmodell finden, wie die„, Allg. Armee- Korr." erfährt, seit einiger Zeit Versuche statt. Diese Versuche sind noch nicht abgeschlassen, denn die Frage nach einer für Kriegs- und Frissenszwecke gleichmäßig brauchbaren Kopfbedeckung ist keineswegs leicht zu entscheiden. Grundsätzlich wird jedenfalls an der historischen „ Rickeihaube" festgehalten werden; sie wird nur sozusagen ,, modernisiert" werden. Staatsminister a. D. v. Moltte als Sammlungskandidat. Die Hauptversammlung des konservativen Kreisocreins Tilsi und Niederung hat einstimmig beschlossen, für die Kandidatur des Staatsministers a. D. v. Moltke einzutreten. Der Bund der Landwirte tut das gleiche. Der Vorstand des nationalliberalen Wahlvereins hat sich ebenfalls für die Kandidatur ausgesprochen. die Die Privatbeamtenversicherung ist, wie man uns aus Berlin meldet, weiter gediehen, als bisher angenommen wurde. Sie hat, nachdem das preußische Staatsministerium über den Entwurf Beschluß gefaßt hat, dasselbe jetzt passiert und wird in den nächsten Tagen im Reichsanzeiger veröffentlicht werden, so daß sich die interessierenden Kreise mit den einschlägigen Bestimmungen demnächst werden befassen können. Der Entwurf wird dann auch dem Bundesrat zur Beratung zugehen. Die antimilitaristischen Flugblätter in Baden sind nach einer amtlichen Mitteilung der„ Karlsruher Zeitung" bei einer Zivilperson beschlagnahmt worden; eine Verteilung innerhalb des badischen Armeekorps hat nicht stattge= funden. Die Thronrede, mit der der preußische Landtag eröffnet wird, läßt mit ihrem sachlichen, nüchternen und offt= ziös geglätteten Inhalt sicherlich nicht darauf schließen, wie chaotisch und tausendmal geändert sie noch wenige Tage vorher aussah, und wieviel Konferenzen. Vorbereitungen und Entwürfe dazu nötig waren, wie viel diplomatische Arbeit und Ministerschweiß daran klebt. Trotz ihrer Nüchternheit muß sie doch das ganze Regierungsprogramm des Ministerpräsidenten enthalten, und es ist bekanntlich nicht leicht, selbst in Form bestimmter Gesetzentwürfe ein Programm aufzustellen. Bevor der erste Entwurf der Thronrede her= gestellt wird, muß jeder Minister über den Umfang der Arbeiten in seinem Ressort Bericht erstatten. Die Thronrede beziehungsweise ihr Entwurf wandert also von einer Ministerkanzlei in die andere und wird sofort stürmisch wegen der„ Unaufschiebbarkeit der Arbeit von einer dritten Kanzlet verlangt. Die Boten fliegen also zwischen den einzelnen Ministerien umher, um den Entwurf herumzutragen. Kurz vor Beginn des Landtages treten nun Messortminister unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten zu Konferenzen zusammen, um die endgültige Form" festzustellen. Am nächsten Tage zeigt sich, daß die Endgültigkeit der Form sehr fraglich war, denn sie muß aufs neue umgestoßen werden. Neue Arbeit, neue Konferenzen der Minister. Endlich erscheint das Manuskript soweit fertiggestellt, daß auch nichts mehr daran zu ändern ist, und daß kein wichtiger Plan darin unbesprochen bleibt. Nun geht es an die Redaktion der Thronrede, die vom Ministerpräsidenten selbst vorgenommen wird, bevor sie dem König vorgelegt werden kann. Zu diesem Zweck hat der Ministerpräsident einen Vortrag bei dem Monarchen, wo auch die Wünsche des Kaisers zur Geltung gebracht werden. Das Für und Wider wird zwischen Monarch und Ministerpräsident eifrig verhandelt, und dies ist die allerletzte Redafiton, die der Thronrede zuteil wird. Au sdieser Konferenz geht sie in der unabänderlichen Form hervor, die späterhin dem Landtage zur Kenntnis gebracht wird. Rundschau vom Cage. Politisches. Das Zentralschiedsgericht für das Baugewerbe ist jetzt endgültig gebildet. Die Beratungen der konstituierenden Versammlung sind gestern beendet worden. Das Schiedsgericht wird Ende des Monats Gelegenheit haben, in einer eigenen Tagung gelegentliche Streitpunkte zu verhandeln. Gegen die beabsichtigte Reichswertzuwachssteuer_sprach sich eine gestern von 2000 rheinischen Landwirten, Grundund Hausbesikern sowie Mietern in Köln abgehaltene Versammlung aus. In der Versammlung wurde erklärt, die Besteuerung des vor Inkrafttreten des Gesetzes entstandenen Wertzuwachses sei ein beispielloses Vorgehen. Das Kaisermanöver 1911 wird ziemlich kurz sein. Es beginnt am 4. September, und am 14. September soll das Gardeforrs bereits wieder in seine Standorte zurückgekehrt sein. Der Kaiser wird in der verhältnismäßig kurzen Zeit vom 1. September bis 14. September nicht weniger als drei große Paraden abnehmen, die über das Gardekorps in Berlin, die über das 2. Armeekorps bei Stettin und die über das 9. Armeekorps bei Lübeck. Dater Schröders Beförderung. Skizze von Walter Heise, Hamburg. ( Nachdruck verboten.) 16 000 streikende belgische Bergarbeiter. Der Ausstand der Bergarbetter auf dem linken Maasufer ist jetzt fast allgemein. Es befinden sich 16 000 Bergleute im Ausstand. Im Laufe des gestrigen Tages griff der Ausstand auf da rechte Maasufer über. Ein schwerer Kirchenraub ist in Niederenzen bet Gebmeiler nachts verübt worden. Die Diebe erbrachen mit Stemmeisen die Tabernakeltüren und entwendeten die ges meihten Gefäße und die Hoftien. Die Polizei glaubt den Verbrechern auf der Spur zu sein. Der Zoologische Garten in Rom wurde Donnerstag bei strömendem Regen und etstger Kälte eröffnet. Er ist der erste Zoologische dieser Art in Italten. Besondere Bewunderung erweckten die Felspartien mit Höhlen für die im Freien sich bewegenden Löwen, Tiger, Bären und Gemsen. Der" 300" ist nach dem Muster des Hagenbeckschen Tierparks in Hamburg errichtet. Nach Volkszählung und Parlament in der Schweiz. einer vorläufigen Zusammenstellung beträgt die Bevölkerung der Schweiz 3,736,685 Personen. Seit dem Jahre 1900 hat sie fid, um 421,172 Seelen vermehrt. Der Nationalrat erfährt eine Vermehrung um 21 Mitglieder. Auf je 20 000 Einwohner entfällt der Schweizer Verfassung ge= mäß ein Abgeordneter. ,, Eins!" dröhnte es von der Hauptkirche. Ein Freudenschimmer glitt über das Gesicht des alten Polizisten, ber in einem Torweg Posto gefaßt hatte, und von dort in die Regennacht hinausblickte. Gott sei Dank!" murmelte er ,,, in einer halben Stunde werde ich abgelöst." Die Cholera Hat jetzt, wenn auch nur in wenig Einzelfällen, auch in Aegypten ihren Einzug gehalten. Nach einer Mitteilung aus Tor erkrankte der Kommandant eines Pilgerschiffes an Cholera. Ein Pilger des Schiffes ist an der Cholera gestorben. Die russisch- französischen Beziehungen, die in letzter Zeit das Eorgenkind der französischen Diplomatie gewor den sind, erfahren jetzt auf kulturpolitischem Gebiete eine wesentliche Kräftigung. Wie aus Petersburg gemeldet wird, is der ehemalige französische Kammerpräsident Doumer dort eingetroffen, um die Errichtung eines französischen Instituts in Angriff zu nehmen, das gewissermaßen eine Tochteranſtalt der Universitäten Paris und Nancy darstellen solle. Die russische Regierung habe diesem Plane ihre Unterstützung zugesichert. Wenn er auch sonst recht diensteifrig war, so konnte ihm doch ein solches Hundewetter die Freude am Beruf rauben. Außerdem fühlte er sich auch gar nicht mehr so widerstandsfähig gegen die Unbilden der Witterung, seit jenem Mittwoch, jenem Unglücksmittwoch. An dem Tage, an dem ihn der Vehrherr seines Sohnes mit der Boischaft niedergeschmettert, daß sich der Leichtsinnige an der Kasse seines Prinzipals vergriffen und geflüchtet war, hatte der Alte seelisch und körperlich einen Knar" bekommen. Er war ein gebrochener Mann geworden; und sein schnell ergrautes Haar ließ ihn noch älter erscheinen, als er war. Seit jener Zeit hieß er bei seinen Kollegen Water Schröder. Kleine Nachrichten. Das Näubernnwesen in Amerika blüht. Zwei bewaffnete Banditen drangen gestern in Duluth im Staate Minnesota in einen Straßenbahnwagen ein und befahlen den Insassen, sich nicht vom Platz zu rühren. Als ein Boltzeikommissar den Wagen besteigen wollte, wurde er von den beiden Räubern meuchlings erschossen. Die Mörder ent= flohen. Volkswirtschaftliches. alten Pfeifer „ Riek, oder w Marfch ' rauszu zuhaudh mehr fchen 2 daß die Querpf marichi Flott wi Marichi der un für uns marsch Landwe Gefühl Fejfen marichi Garder langen gelernt, abgehal abgehol In fichtsber Rüdfid Auf- u rend de Verzöge gegliche eingebr poneing Schnitts jollen bur i Steige und Re Fr fter des Die Aerzte in Deutschland 1910. In der„ Deutschen medizinischen Wochenschrift" veröffentlicht San.- Rat Dr. Friedrich Prinzing in Ulm eine Uebersicht über die sta= tistischen Verhältnisse der Aerzte Deutschlands im Jahre 1910. Die Zahl der Aerzte in Deutschland betrug danach in diesem Jahre 32 449. Gs fommen auf 10 000 Einwohner 5,01 Aerzte. Ihre Zahl hat gegen das Vorjahr um 480 zugenommen. Künftig ist wieder ein Ansteigen der Verhältnisziffern der Aerzte zu erwarten, da die Zahl der Medizinstudierenden sehr gestiegen ist, so von 9239 in 1909 auf 11 125 in 1910. Die Zahl der Aerztinnen ist erheblich gestieoen; während 1908 55 und 1909 69 verzeichnet waren, sind es jetzt 102 Aerztinnen. Die Zahl der weiblichen Medizinstudierenden ist von 371 auf 512 gestiegen. Der Kaiser Pate beim 18. inde! Kürzlich ist beim Eigentümer August Zander in Schwarzbruch in der Thorner Niederung das 18. Kind angekommen. Der jüngste Sproß fand als seine unmittelbaren Vorgänger sechs Brüder vor. Jetzt hat der Kaiser bet dem neuesten Familienzuwachs Patenstelle angenommen und die Eintragung des kaiserlichen Namens in das Gemeindekirchenbuch genehmigt. Für den kleinen Täufling wurde ein auf 50 Mlautendes Sparkassenbuch überwiesen. Längst hätte er sich wohl pensionieren lassen; aber er hatte, um den Fehlbetrag zu decken, ein Darlehen aufgenommen. dessen Tilgung ihm sehr sauer wurde. Er hoffte alles von seiner Beförderung. Nicht aus Eitelkeit, soncern nur, weil er dann in eine höhere Gehaltsklasse aufrücken, die Schuld abtragen, und sich in einer fleinen Stadt zur Ruhe setzen können würde, um in Frieden seinen Lebensabend zu beschließen. Seine Beförderung war ihm fast zur fixen Idee geworden. Und der Inspektor, der dem Alten wohlwollte, hatte ühe, ihn zu vertrösten. Sowie sich die Gelegenheit bietet, werde ich für Sie sorgen", pflegte er zu sa gen. Vielleicht tritt bald ein Ereignis ein, bei dem Sie sich auszeichnen können." Das statistische Amt von Berlin hat die Ergebnisse der Volkszählung für Berlin und die 67 Vororte mit denen im Jahre 1905 zusammengestellt. Danach betrug die Einwohnerzahl für Berlin und die 67 Vororte am 1. Dezember 1910 3 702 962 gegen 3 210 447; das bedeutet eine Zunahme um 492 515 15,34 Prozent. Schröder wartete auf das Ereignis, das ihm Glück und die Beförderung bringen sollte. Man konnte wohl faum einen pflichteifrigeren Beamten finden als ihn. Aber er fand feine Gelegenheit, sich hervorzutun. Und er glaubte balo selber nicht mehr daran. Vermischtes. Aus dem Erdbebengebiet in Vorderasien treffen wei: tere Schreckensnachrichten ein: Die Moskauer Blätter bringen entsetzliche Einzelheiten über das Erdbeben, von denen sich allerdings noch nicht sagen läßt, wie weit sie den wirklichen Vorgängen entsprechen. So wird aus Taschkent ges meldet, daß die ganze Stadt Walst während des Erdbebens mit allen Bewohnern versunken sei. Jedenfalls wird von sämtlichen seismographischen Stationen gemeldet, daß ein derartiges Erdbeben von solcher Gewalt für Zentralasien noch nie zu verzeichnen gewesen ist. Sogar in Jekaterinburg zeigte die Nade! solche Schwankungen, daß sie weit über den für sie bestimmten Raum hinausschlug. In Jekaterin= burg blieben sogar die Uhren stehen. In Taschkent dauern die Erdstöße noch an. Aus verschiedenen Gegenden laufen Gerüchte über den Untergang ganzer Städte ein. Pischpek, das, wie bereits gemeldet, vollkommen zerstört sein soll, ist eine Stadt von 6000 Einwohnern; sie wurde 1887 durch Man Erdbeben zerstört und später wieder aufgebaut. spricht von Tausenden von Menschenopfern. Gegen die Gewährung von Nabattmarken durch die Fleischer macht die Kölner Schweinemeßgerinnung entschie= den Front. Eine Anzahl Fleischermeister wurden in Stra= fen von 20 M genommen, weil sie entgegen dem Beschlusse in der Generalversammlung nach Neujahr Rabattmarken an die Kundschaft abgegeben hatten. Die Strafen werden eventl. zwangsweise eingezogen. Der Regen prasselte in Strömen. Ich will noch einen Rundgang um den Häuserblock machen," sagte Schröder zu sich und trat auf die Straße hinaus. Wie ausgestorben lag sie da. Das Klatschen des Regens war das einzig Förbare Geräusch. Schröder zuckte zusammen. Er glaubte das Klirren eines eisernen Gegenstandes gehört zu haben. Er horchte auf. Er hatte sich nicht getäuscht. Aus den Parterreräumen der Versicherungsgesellschaft im Eckhause schien es zu kommen. Vorsichtig schritt er näher. Die Fensterladen des Geschäftslokals waren geschlossen. Doch dem aufmerksamen Späher konnte nicht der matte Lichtschein entgehen, der durch den mittleren Laden drang. Schröder überlegte. Angestellte der Gesellschaft waren unt diese Zeit wohl faum im Bureau tätig. Also Verbrecher? Wagemutige Burschen mußten es schon sein, die hier am Werte waren. Schröders Herz klopfte vor Aufregung. Jetzt fand er vielleicht Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Aber sollte er, der Alte, nicht lieber auf den Beistand seines Kollegen warten. Doch die Minuten waren tostbar. Wenn die Verbrecher entwischten, dann war es wohl mit der Beförderung für immer aus. Er trat auf die Haupttür zu. Sie war unverschlossen. Leise tastete er sich die Trepper hinauf. Durch die Bureautür hörte er Geflüster. Er faßte den Türgriff. Die Tür war angelehnt. Leise drückte er sie auf. In russischer Gefangenschaft. Aus Altenburg schreibt man dem„ Hannov. Cour.": Die vier Luftschiffer, die am Freitag voriger Woche von hier im Ballon Altenburg" aufstiegen und am nächsten Morgen jenseits der deutschen Grenze im Bezirk Warschau landeten, sind dort, wie bereits gemeldet, sofort in Haft genommen und zwei Tage lang festgehalten worden, obwohl sie sich als harmlose Mitglie der des Luftschiffervereins legitimieren fonnten. Sie sind schließlich wieder in Altenburg eingetroffen und haben hier über ihre Erlebnisse berichtet. Danach sind sie nicht gerade schlecht behandelt worden, doch war die Gefangenschaft für sie auch nichts weniger als ein Vergnügen. Sie waren in einem Zimmer untergebracht, in dem ihnen nur ein Bett und eine Matrage zur Verfügung standen. Die Bewachung war eine sehr strenge. Sobald sie einmal das Zimmer ver= ließen, foigten ihnen drei Bewaffnete. Die Luftschiffer wandten sich alsbald telegraphisch an den deutschen Konsul in Morschau, den russischen Konsul in Leipzig und den Großfürsten Konstantinowitsch, der eine Altenburger Prinzessin zur Frau hat Diesem ist wohl die verhältnismäßig schnelle Hastentlassung zu verdanken. Für jeden Tag der Haft sind den deutschen Herren drei Mark pro Person angerechnet worden, die sie am Ende ihrer Gefangenschaft, trotz der mangelhaften Verpflegung, mit größerem Vergnügen bezahlten als eine Rechnung in einem guten deutschen Hotel. In demselben Moment fühlte er sich an der Kehle gepackt und hörte, wie iemand rief: Das Licht aus, damit der Hallunke nichts sehen kann." Schröder suchte im Dunkeln seinen Angreifer zu packen. Doch der schien Riesenkräfte zu haben. Vergeblich versuchte fich Schröder loszuringen, und seinen Revolver in die Hand zu bekommen. Er fühlte, wie ihm der Atem verging, und mit einer letzten Krafanstrengung drängte er wieder zum Türeingang. Doch der andere zwang ihn nieder. Da, ein Ruck, Schröder warf sich gegen die Tür, die nachgab, und instinktiv faßte er seine Flöte und preßte sie sich in den Mund. Schrill gellte der Pfiff durch das Treppenhaus. Da erhielt Schröder einen Schlag über den Kopf und sant lautlos zu Boden. Schröder schlug die Augen auf. Er lag im Bett, und um den Kopf fühlte er einen Verband. Er wollte sich auf= richten. Doch eine Hand drückte ihn sanft nieder, und jemand sagte freundlich: ,, Wollen wir wohl ein wenig Geduld haben." Schröder sat, den Sprecher groß an. Seine Erinnerung tetrte langsam wieder. ,, Herr Inspektor?" fragte er. Jawohl, mein Lieber," entgegnete dieser und schob sich einen Stuhl ans Bett, fühlen Sie sich besser?" Schröder blickte seinen Vorgesetzten fragend an. Ich will Ihnen zu Hilfe kommen," sagte dieser herzlich. Sie haben gestern in der Allgemeinen Versicherungsgesellschaft zwei Geldschrankeinbrecher bei der Arbeit überrascht. Dessen entsinnen Sie fid) noch, nicht wahr? Dann sind Sie mit einem der Burschen in einen Kampf verwickelt worden. Stimmt das?" Schröder nickte. Nun, und schließlich hat er Sie niedergeschlagen. Das wissen Sie Und jeßt will ich Ihnen sagen, was Sie nicht wissen. Wil lers, der Sie ablösen wollte, hatte ihren Notpfiff gehört, diefen weitergegeben und ist Ihnen mit Wendt und Hansen zur rechten Zeit zur Hilfe gekommen... Zur rech ten Beit, sage ich, Schröder. Denn der Bursche hätte Ihnen sicher sonst das Lebenslicht ausgeblasen. Nun, er hat selber daran glauben müssen. Er hat wie ein Rasender um sich gestochen, und da hat ihn Wendt in der Notwehr mit dem Revolver erschossen. Sie selber haben wir dann verbinden und in Ihre Wohnung schaffen lassen. Doch, mein lieber Schröder, das wichtigste vergesse ich ja ganz." Und der Inspektor reichte dem Alten die Hand hin. Ich gratuliere zum Wachtmeister, Sie sind befördert worden." Schröder drückte wortlos die dargebotene Hand, und sein Auge leuchtete auf. Plößlich fragte er:„ Herr Inspektor, weiß man wohl, wie der Bursche hieß, der mir ans Leben wollte, und den Wendt erschossen hat?" ,, Auch das kann ich Ihnen sagen. Der Tote hatte in seiner Tasche einen Ausschnitt aus einer illustrierten Bei tung, die augenscheinlich seinen Steckbrief mit Bild enthält." Der Inspektor hatte seiner Brieftasche ein Beitungs blatt entnommen und reichte dies dem Alten hin. Kaun hatte dieser einen Blick darauf geworfen, als er aufschries „ Es ist mein Sohn!" - die den fämpfer wenig Zeit w hin no Quad des all die Tie berechti fönnter Jassen, wohl b pidt a Doch de entgege erträgl Die Be ben, be 23 dieser jüngste teresan nehmer ruf bes 18 p. 9 ntane. für Sp terejjan v. 5., e wirtsch Ro auf die Artikel Das V führt, aus ge Sefreti her mit Form der Ta nen fä Rauche gens fd faftes ist nich dann a gergefi das R lafsen nehmen De fürglid von 66 Gobeli Besizer fällig haujes Truhe, Bei de Die alt Schilli auf de crblidte Rumpe Diger ben M 324 tapeten hört Hellend dinals Hampt te und Teil v Fries, großen Di der Gl öffentli gendes und in in dief wir un men je cine M lelno d and nd. 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Daß dieser Marsch ein ausgezeichnetes Mittel sein muß, die ,, Beine ' rauszubringen" und dem Soldaten friegerischen Geist einzuhauchen, geht wohl am besten daraus hervor, daß nunmehr auch bei einigen Infanterieregimentern der türkischen Armee die Querpfeife eingeführt worden ist, und baß die schmucken Krieger nach dem Takte dieses beliebten Querpfeifermarsches durch die Straßen von Konstantinopel marschieren. Allerdings geht es nicht so schnell und so flott wie bei uns drüben in Deutschland, denn der türkische Marschschritt ist etwas fürzer und weniger ausholend als der unseres Heeres. Aber es geht ganz gut, und es ist für uns, die wir auch dereinst unzählige Male Parademarsch nach der altbewährten Weise„ Riez, Mutter, die Landwehr kommt!" üben mußten, ein ganz eigenartiges Gefühl, Soldaten in Khakiuniformen, Widelgamaschen und Bessen auf den Köpfen hinter Querpfeife und Trommel marschieren zu sehen. Das Trommeln haben die türkischen Garderegimenter vor einigen Jahren von einem baumlangen Tambourmajor eines preußischen Garderegiments gelernt, der zu den Trommelübungen, die im Jildiskiosk abgehalten wurden, immer in einem Hofwagen vom Hotel abgeholt wurde. Im Groß- Berliner Straßenbahnverkehr plant die Auffichtsbehörde die Einführung mehrerer Neuerungen. Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß die meisten Unfälle durch Auf- und Abspringen entstehen, sollen die Perrons während der Fahrt geschlossen bleiben. Die dadurch bedingte Verzögerung soll durch eine Beschleunigung der Fahrt ausgeglichen und durch Einziehung einiger Haltestellen wieder eingebracht werden. Diese sind jetzt 280 bis 300 Meter voneinander entfernt und sollen in Zukunft eine Durchschnittsentfernung von 450 bis 500 Meter haben. Weiter jollen auf allen wichtigen Haltestellen mit Rücksicht auf die burch ihre Verminderung erhöhte Frequenz Inselbahnsteige errichtet werden, die mit Windschutzvorrichtungen und Regendächern versehen werden sollen. Frauen als Stierfämpferinnen. Der spanische Minister des Innern hat soeben eine Verfügung erlassen, durch die den Frauen verboten wird, sich aktiv an den Stiertämpfen zu beteiligen. Es war Zeit, endlich gegen diese wenig edle Sitte einzuschreiten, denn bereits seit längerer Zeit war dieser Sport bei den Frauen sehr in Mode. Lezzthin noch schlug man sich in Madrid um die Pläze, um eine " Quadrilla" zu bewundern, deren Heldin der Gegenstand des allgemeinen Interesses war. Diese junge Frau stach die Tiere mit der elegantesten Meisterschaft ab. In der berechtigten Furcht, daß solche Beispiele ansteckend wirken tönnten, hat der Minister die erwähnte Verordnung erlassen, die er mit folgenden Erwägungen begründet:„ Obwohl die Ausübung der Stierkämpferkunst den Frauen nicht ausdrücklich durch das Gesetz verboten ist, so ist es doch dem zarten Empfinden des weiblichen Geschlechts so entgegengesetzt, daß Frauen als Stiertämpferinnen ein unerträgliches Schauspiel zu bieten scheinen. Darum werden die Behörden von nun an feinen Stierkampf mehr erlau= ben, bei dem Frauen als Toreros auftreten sollten." Welches sind die Interessengebiete der Arbeiter?-Zu dieser Angelegenheit geben die statistischen Fragebogen der jüngsten Organisation für Arbeiterkurse, Greifswald, interessante Aufschlüsse. Die Organisation zählt 150 Teilnehmer. Die Frage: Wofür haben Sie neben Ihrem Be= ruf besonderes Interesse? beantworten 29 v. H. gar nicht. 18 v. H. erklären sich für Lektüre( soll wohl heißen Romtane. D. R.), 12 v. S. für Naturwissenschaften, 10 v. H. für Sport, 9 für Technik und 8 für Musik. Besonders interessant ist an diesem Ergebnis, daß Politik nur von 4 v. H., ebenso wie Handarbeiten, Eisenbahnwesen und Landwirtschaft, als bevorzugtes Interessengebiet genannt wird. Rauchen und Verdauung. Welche Wirkung der Tabak auf die Verdauung ausübt, das untersucht ein interessanter Artikel der englischen medizinischen Wochenschrift ,, Lancet". Das Verlangen nach einer Zigarre, so wird dort ausgeführt, ist besonders nach einem reichlichen Mahle durchaus gerechtfertigt, denn der Tabak wirkt anregend auf die Sefretion des Magensaftes und die Verdauung geht daher mit Hilfe einer Zigarre in rascherer und angenehmerer Form vor sich. Unter diesem Gesichtspunkte ist jedenfalls der Tabak dem Likör vorzuziehen, den man im allgemeinen fälschlicherweise für verdauungsfördernd hält. Das Rauchen vor den Mahlzeiten ist für die Tätigkeit des Magens schädlich, denn dadurch wird die Sekretion des Magensaftes erschöpft. Das Rauchen kurz vor dem Schlafengehen ist nicht selten von Schlaflosigkeit begleitet, da der Magen dann zu viel Magensaft produziert und dadurch ein Hungergefühl erregt werden kann. Man soll daher, wenn man das Rauchen direkt vor dem Schlafengehen nicht unterlassen will, danach wenigstens einen leichten Jmbiß zu sich nehmen. Der Schatz in der Rumpelkammer. In London wurden fürzlich bei einer Versteigerung für die ansehnliche Summe von 6 600 Lstrl.( 132 000 M) zwei prächtige Stücke antifer Gobelins verkauft, von deren Vorhandensein die jetzigen Besitzerinnen jahrelang keine Ahnung hatten. Ganz zufällig entdeckten die Eigentümerinnen eines alten Landhauses in Cornwall auf ihrem Boden eine wurmstichige Truhe, die angeblich einen ausrangierten Teppich enthielt. Bei der Auktion des Nachlasses eines Verwandten hatten Die alten Damen die Truhe mitsamt ihrem Inhalt für 30 Schilling erstanden und sie dann viele Jahre unbesehen auf dem Bodenraum stehen lassen. Welchen Schaz ihre Rumpelkammer barg, erfuhren sie erst, als ein sachverständiger Besuch die endlich aufgestöberten Wandbekleidungen erblickte. Der eine Gobelin mißt über vier und einen halben Meter bei einer nur wenig geringeren Breite und gehört zu einer aus Arras stammenden Serie von Wandtapeten des 15. Jahrhunderts, die sieben Todsünden darstellend. Ursprünglich waren sie das Eigentum des Kardinals Wolsey; drei von ihnen hängen gegenwärtig im Hampton Curt Palast. Das andere dreiviertel Meter breite und fast fünf Meter lange Stück Wandbekleidung ist ein Teil von einem für den Hampton Court Palast gewirkten Fries, von dem ein paar kleinere Stücke noch dort in der großen Halle vorhanden sind. Die Franen von Schönebeck. In der zu Schönebeck an der Elbe herauskommenden Schönebecker Zeitung" ver= öffentlichen mehrere vernachlässigten Ehefrauen" ein dringendes Ersuchen an die Ehemänner, das Kneipen zu lassen und in den Schoß der Familien zurückzukehren. Es heißt in dieser Erklärung:„ Wird es nicht anders, so werden wir uns mit dem Herrn Bürgermeister ins Einverneh= men setzen. Wir werden auch zur Selbsthilfe greifen und eine Art Ehefrauenmiliz bilden. Wir werden dann abwechJelnd des Nachts geschlossen die Gastwirtschaften revidieren und mit großen elektrischen Lampen den Ehemannern, die den Heimweg nicht finden können, heimleuchten." Die nächste Nummer derselben Zeitung trägt folgende Anzeige:„ Achtung! 3weds Gründung eines Klubs mutiger Ehemänner werden solche gebeten, ihre Adressen unter„ Er soll dein Herr sein" postlagernd Großsalze niederzulegen. Sitzungsabend soll täglich von 11-6 Uhr früh stattfinden. Für vor dieser Zeit heimkehrende Mitglieder ist elektrische Beleuch tung durch die Ehefrauenmiliz vorgesehen. Junggesellen werden zu den Sizungen feinesfalls zugelassen. Mehrere Inhaber des Hausfreuzes." Die Frauen dürfen diese Sundgebung der Männer nicht unbeantwortet lassen, denn sie müssen doch immer das letzte Wort haben. Ein ungetreuer Vertrauensmann. Die Veruntreuunger des Notars und Justizrats Werner- Günter in Kempen werden, wie in der jetzt abgehaltenen ersten Gläubigerversammlung durch den Bericht des Konkursverwalters Rechtsanwalts Hörsen bekannt wurde, mindestens den Betrag von 200 000 M erreichen. Angemeldet sind bis heute über 100 000 M. Nicht mehr als 30 bis 40 v. H. werden in der Masse Itegen. Nach Abzug der vorberechtigten Forderungen und der Konkursfosten werden die Gläubiger wohl nur ein bis zwei v. S. erhalten. Die Zahlungsunfähigkeit des Notars erfolgte dadurch, daß er Unsummen für zweifelhafte Frauenspersonen ausgab, Tausende in leichtsinniger Weise mit diesen in Krefeld und Düsseldorf verjubelte und den " Damen" Geschenke bis zu 25 000 M machte. Er hat seinen Geliebten Häuser und ganze Einrichtungen geschenkt und lauge Zeit unterhalten. Alle diese Schenkungen sind bereits angefochten. Wie groß sie im ganzen sind, läßt sich heute noch nicht übersehen. Ein portugiesisches Revolutionsmuseum. In Lissabon ist vor wenigen Tagen ein Revolutionsmuseum errichtet worden. Im größten Saale dieses Museums ist das mit dichtem Flor umwundene Bild des Admirals Reis angebracht, der sich bekanntlich erschossen haben soll, als er an dem glücklichen Ausgang der Revolution verzweifelte. In einer Ecke des gleichen Saales steht die Leiter, deren sich König Manuel auf seiner eiligen Flucht bediente, um die Parkmauer seines Palastes zu übersteigen; weiterhin sieht man dort die Fahnen der meuternden Kriegsschiffe, die während des Kampfes zerfetzt und zerschossen worden sind, und an hervorragender Stelle das Geschüß, welches das Feuer auf den Palast eröffnete. Ein zweiter Saal ist mit den verschie= densten Waffen und Uniformen, ein dritter mit Maueranschlägen. Briefen, Zeitungen und dergl. angefüllt. Unter einer Zigarre und Zigarette, die man im Schlafzimmer des Königs fand, stehen die handschriftlichen Worte:" Bigarre und Zigarette, die dem Schicksal entgingen, von Dom Manuel geraucht zu werden." Auch der Erinnerung an die Ermordung des Königs Dom Carlos und seines ältesten Sohnes ist ein Saal gewidmet: auf einer mit rotem Tuch bekleideten und mit Palmen überdeckten Estrade liegen die Karabiner von Buica und der Revolver von Costa, durch deren Schüsse der König und der Kronprinz getötet wur den. Die Einrichtung dieses Museums ist eine derbe Ge= schmacklosigkeit, aber es wird schon seine Besucher haben und seien es auch nur globetrottende Dollarmissen, die nach Sensationen reisen. Das älteste diensttuende Kriegsschiff. Der älteste Schiffsveteran der deutschen Marine und zugleich das älteste noch im aktiven Dienst verwendete Kriegsschiff aller Flotten wird im Sommer abermals unter bie Flagge treten, um als Spezialschiff für Küstenkunde bei den Admiralstabsreisen sowie für andere Zwecke Verwendung zu finden. Es handelt sich um die frühere Königsund Kaiserjacht Grille". Das schmucke, nach Plänen des Admirals Prinz Adalbert von Preußen bet Normand in Havre ganz aus Mahagoniholz gebaute Fahrzeug, das am 9. September 1857 seinem Element übergeben wurde, hißte Flagge und Kommandozeichen zum ersten Male am 3. Juni 1858, also vor nunmehr 52% Jahren. Mit einer Wasserverdrängung von 850 Tonnen nur halb so groß wie unsere modernen Torpedoboote, war„ Grille" Anfang der sechziger Jahre mit ihrer Geschwindigkeit von 15 Seemeilen in der Stunde das schnellste Schiff der Welt. Die Geschichte der Grille" ist reich an interessanten Momenten; ist Grille" doch auch das letzte Schiff der deutschen Marine, das alle Flottenunternehmungen in Kriegszeiten sett Bestehen einer preußischen bezw. deutschen Marine mitgemacht hat. Mit dem Prinzen Adalbert an Bord stand fie 1864 gegen die Dänen im Feuer am 17. März und 14. April bei Jasmund und Wittow sowie 1870 am 17. August mit dem französischen Ostseegeschwader bei Hiddensee. Bis 1878 diente das Fahrzeug neben seiner Verwendung als Avisy als königliches Lustfahrzeug. Zwar für die erste ihr zugedachte Verwendung, den Prinzen Friedrich Wilhelm nach England zu bringen, als er seine Braut in die neue deutsche Heimat holte, war Grille" nicht rechtzeitig fertig geworden, aber am 5. Juni 1864 hielt König Wilhelm I. von ihr aus seine erste Flottenparade über die in der Entstehung befindliche preußische Marine ab, und auf ihr besuchte er nach der Vereinigung Schleswig- Holsteins mit Preußen die nordschleswigschen Häfen. 1869 beteiligte sie sich mit dem Kronprinzen, späteren Kaiser Friedrich III., an Bord an der Eröffnung des Suezkanals und diente auch weiterhin Kaiser Wilhelm I. und den Mitgliedern der kaiserlichen Famille als Lustfahrzeug, bis 1878 die erste H0henzollern", der nachmalige Kaiseradler", als Kaiserjacht unter die Flagge trat. Noch 1895 benutzten sie der jetzige Kronprinz sowie die Prinzen Eitel- Friedrich, Adalbert und August Wilhelm, als die Einweihung des Kaiser WilhelmKanals bevorstand. bei der dann die fremden Botschafter und Gesandten auf ihr eingeschifft waren. Seit 1899 werden an Bord der„ Grille" die jetzt als Spezialschiff für Küftenfunde dient, die sommerlichen Admiralstabsreisen ausgeführt, Uebungsreisen in den deutschen Gewässern, die die Ausbildung bezw. Vervollkommnung von Offizieren in der Küstenkunde nach Anweisungen des Chefs des Admiralstabes der Marine bezweckt. Auch im letzten Sommer galt ihre Haupttätigkeit in der Zeit vom 1. April bis 5. September, wo sie die Flagge niederholte, diesem Zweck. Im Herbst wurde behauptet, daß das Fahrzeug nunmehr keine Verwendung mehr finden sollte. Die für das Frühjahr angeordnete erneute Indienststellung unter dem Kommando des Kapitänleutnants v. Janson, des gegenwärtigen Adjutanten beim Admiralstab der Marine, widerlegt diese Annahme. In der Tat besitzt„ Grille" nach wiederholten Umbauten und Grundreparaturen noch heute eine bewundernswerte Leistungsfähigkeit, die ihre Indiensthaltung als Spezialschiff noch auf Jahre hinaus rechtfertigt. Unerfreuliches aus Moabit. Ein Zusammenstoß zwischen Staatsanwalt und Verteidiger. In dem Moabiter Krawallprozeß fam es am Freitag zu einem heftigen Zusammenstoße zwischen dem Staatsanwalt und der Verteidigung. Der Zusammenstoß führte einen Gerichtsbeschluß herbei, in dem die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung ersucht wurden, gegenseitige Angriffe zu unterlassen. Zunächst setzte der Verteidiger Rechtsanwalt Heine sein Plädoyer fort. Er wendete sich gegen die Behauptung, daß die sozialdemokratische Partei die moralische Schuld an den Ereignissen trage. Dabei fonstatierte er in längeren Ausführungen, daß die Moabiter Arbeiterschaft einen bürgerItchen, geordneten Eindruck mache. Da die Firma Kupfer zu den Firmen gehöre, die den rücksichtslosesten Kampf ge= gen die Arbeiterschaft führe, so sei es kein Wunder, wenn die Moabiter Arbeiterschaft einmütig gegen die Streifbrecher gestanden hätte. Der Haß der Arbeiterschaft gegen die Po= lizei, der in aewisiem Make vorbanden ist, sei erwachsen aus dem Gefühl, daß die Arbeiterschaft die Polizet immer auf der Seite ihrer Gegner finde, namentlich auch in den wirtschaftlichen Kämpfen. Es seien Ausschreitungen der Streifenden vorgekommen. Hätte die Polizei mit Umsicht gehandelt, hätten diese eingedämmt werden können. Durch das rücksichtslose Vorgehen einzelner Offiziere und Beamter sei auch die nicht am Streif beteiligte Bevölkerung aufge= reizt worden. Es set der sozialdemokratischen Dis= ziplin zu danken, wenn die Moabiter Bevölkerung die Brutalitäten der Polizei nicht beantwortet habe mit einer Massenerhebung, die dann im Blute hätte erstickt werden müssen. Erster Staatsanwalt Steinbrecht wandte sich hierauf scharf gegen die Ausführungen des Verteidigers Heine: Rechtsanwalt Heine hat so schwere Vorwürfe gegen die Polizeibehörde, die Schußmannschaft und den Polizeipräsidenten gerichtet, daß ich genötigt bin, sofort zu antworten. Er hat zuerst gesagt, die Verteidigung wäre der Staatsanwaltschaft dankbar dafür, daß sie aus politischen Gründen eine Verbindung der verschiedenen Sachen herbeigeführt hat. Die Verbindung ist aber nicht aus politischen Gründen erfolgt, sondern sie geschah in Uebereinstimung der Auffassung des Gerichts. Wenn hinterher die Verteidigung sich diese Verbindung zunuze gemacht hat, um Hunderte von Zeugen vorzuführen, so hat sie das nicht getan, um der Sache zu nüßen, sondern um der Polizei eins aufzuhängen.( Der Verteidiger Rechtsanwalt Heinemann ruft:„ Sollen wir uns das gefallen lassen? Diese Worte enthalten eine so schwere Beleidigung gegen die Verteidigung, daß ich sie beanstande.") Steinbrecht fortfahrend: Ich begründe meine Ausführungen damit, daß Rechtsanwalt Heine in 5 Stunden fast nur von Verfehlungen der Polizei gesprochen hat, auf die Eache selbst aber gar nicht eingegangen ist. Der Vertetdiger hat ferner angedeutet, der Behörde wäre es ganz angenehm gewesen, wenn eine Revolution entstanden wäre, danr hätte man diese Revolution im Blute ersticken und da raus Kapital schlagen können. Mit demselben Recht, mit dem die Verteidigung diesen Vorwurf gegen die Behörden erhoben hat, und zwar vom Anfang dieses Prozesses an bis zum heutigen Tage und nur, um gegen die Polizei aufzu= treten, habe ich sagen können, daß es der Verteidigung nicht darauf ankam, die Sache wirklich zu fördern, wie es die Angeklagten verlangten.( Vert. R.-A. Cohn ruft: Ich sehe mich ebenfalls genötigt, gegen diese Ausführungen zu protestieren. Es geht unter feinen Umständen, daß der Erste Staatsanwalt uns derartige Vorwürfe macht.) Vors.: Wir werden beraten. Vert. R.-A. Rosenfeld: Ich bitte vorher ums Wort. Vors.: Ich kann Ihnen das Wort nicht geben. Nach etwa halbstündiger Beratung verkündet der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Lieber, folgenden Beschluß des Gerichts: Ich kann den Ersten Staatsanwalt nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht zwingen, diese Ausführungen zu unterlassen. Ich bitte ihn aber, im einmütigen Auftrage des Gerichts, derartige Angriffe auf die Verteidigung zu vermeiden, da sie geeignet sind, die sachgemäße Erledigung dieses Prozesses zu erschweren. Anderseits bitte ich gleichfalls im einmütigen Auftrage des Gerichts, daß die Verteidigung umgekehrt solche Angriffe auf die Staatsanwaltschaft unterläßt, die dahin gehen, daß die Verbindung der Anklagen aus Gründen geschehen ist, die nicht in der Sache selbst liegen. Am Sonnabend werden die Plädoyers fortgesetzt. Das Urteil soll er stam Mittwoch gefällt werden. Der Dienstag soll für die Beratung frei bleiben. Drabtnachrichten und neuestes. Wechsel in hohen Kommandostellen der Armee. Berlin, 7. Januar. Das Militärwochenblatt meldet: General der Infanterte von Beseler, Chef des Pionierforps, ist unter Belassung a la fuite der Gardepioniere zur Disposition gestellt worden. Der Gouverneur von Met Generalleutnant Meudra ist zu seinem Nachfolger bestimmt. Großfeuer in einer württembergischen Kleinstadt. Ebingen( Württemberg), 7. Januar. In einem Warenhause brach in der vergangenen Nacht Großfeuer aus, das sich rasch weiter verbreitete und zehn Häuser zerstörte. Sieben davon sind bis auf den Grund niedergebrannt. 30 Familien sind obdachlos. Bergarbeiterfragen. Bochum, 7. Januar. Da sich der Zechenverband auf die Eingabe der Bergarbeiterorganisation nicht für kompetent erklärt hat, die Lohnfrage für die ihm angeschlossenen Zechen zu verhandeln, so sollen die abgeänderten Forderungen nunmehr durch den Arbeiterausschuß den Grubenverwaltungen eingereicht werden. Gestern fanden im Ruhrrevier 36 Belegschaftsversammlungen statt, die von den drei Verbänden gemeinschaftlich einberufen waren. Die Versammlungen waren durchschnittlich stark besucht. Für nächsten Sonntag find über 50 Versammlungen geplant. In allen Versammlungen wurde eine gleichlautende Resolution angenommen, in der in der Hauptsache 15% Lohnerhöhung gefordert wer= den. Den Führern wurde uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen. Opfer des Eissports. Regensburg, 7. Januar. Auf dem Eise des Ludwigsfanals in Kelheim sind gestern beim Schlittschuhlaufen dret Knaben eingebrochen. Nur einer konnte sich retten, die beiden andern ertranfen. Das Erdbeben in Zentralafien. Petersburg, 7. Januar. Der Bevölkerung von Turkestan hat sich abermals eine wilde Banik bemächtigt, als gestern das schwer heimgesuchte Gebiet durch neue Eröstöße erschüttert wurde. Die bemittelten Bewohner haben größtenteils die Flucht ergriffen. Die Zurückgebliebenen ver= bringen die Nächte unter freiem Himmel. In der Stadt Wjerny sind abermals mehrere Häuser eingestürzt und haben zahlreiche Bewohner unter den Trümmern begraben. Furchtbar ist der Eindruck, den man erhält, wenn man die vielen Obdachlosen in den Straßen der zerstörten Stadt um= herirren sieht, die unter dem Eindruck der Katastrophe den Verstand verloren haben. Von den Spizen des Semtretschiegebirges sind mächtige Lawinen ins Tal gestürzt und Felsblöde haben die Gebirgsbäche streckenweise verschüttet. Die Behörden sind bemüht, die Bevölkerung zu beruhigen.> Halbamtlich wird gemeldet, daß auch die Städte Tokenatsch und Nowodmitviewst durch das Erdbeben zerstört worden. Aus Wladiwostok wird berichtet, daß auch die Vulkane auf Japan eine verstärkte Tätigkeit entfalten. Unglückliche Ehe. Wien, 7. Januar. In der Nödlgasse versuchte eine Schuhmachersfrau sich und ihre drei Kinder mit Zyanfalt zu vergiften. De rMann, welcher schlief, erwachte über dem Vorhaben der Frau. Er alarmierte die Hausbewohner, welche einen Arzt herbeiholten, dem es gelang, die vier Pers fonen wieder ins Leben zurückzurufen. Das Motiv der Tat ist in häuslichen Streitigkeiten zu suchen. Ein fanatischer Tscheche. Budweis, 7. Januar. Leutnant Lewicki vom 29. Landwehrregiment, der in einem tschechischen antimilitaristischen Blatt Verleumdungen gegen sein eigenes Regiment ver= öffentlichte, wurde vom Militärgericht zur Degradation und vier Jahren Kerker verurteilt. Fenersbrunst im Neuyorker Chinesenviertel. Neuyort, 7. Januar. Durch Feuer vernichtet wurde gestern das Hauptquartier der chinesischen Vierbrüderschaftsgesellschaft. Wahrscheinlich ist der Brand von Rivalen angelegt worden. Die Aufregung war groß, als Hunderte von Chinesen aus den alten Baracken in die engen Straßen flüchteten. Die Notlettern waren von einem dichten Schwarm Chinesen und ihren Frauen bedeckt. Vermutlich liegen mehrere Tote unter den Trümmern. Collisy& Bingel Möbel- und Dekorations- Geschäft Kaplansgasse 18 Telephon 828 Spezialität: komplette Wohnungs- Einrichtungen. Reichhaltiges Lager in Einzelmöbeln- einfache lack. 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