er. en; en. Ueberall zu haben. essen ügungs ten Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Mittags 3 Uhr. - - - Erscheint Die„ Juftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. ension Nr. 132. auſe. ie Aliceftr. 2. jesse on 9-12 arius erstag abra Mart. Auguft. Orgens und b fr. 20. N. König Krone! aschine Krone I nicht aufgehen cobsohn, ahren Lieferant -Beamten- Veren, versendet die 15, 48, 50 Mark. mit hygienisch biläums- Katalog zugspreise. stopft. en wird weiteres für perrt. Spielhand Miller: Stadttheater Gew. Pr. bei ermai u. Heim ifen Annato Beigelt: Stadttheater Bew. Pr 16. Bew. Bew. Pr. 216. Betu m 26. Gew. Br. Glaube b. Fleinen Auß. Ab. be in Gießen Telephon: Nr. 362. der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Donnerstag, den 8. Juni 1911. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Big.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. S. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Zum Streit über die Wirkungen der und verzollt, und 1910 hätten auf Grund dieser Ziffern| Es genügt dabei nicht ein einfaches Schreiben des Bürneuen Cabaksteuer. Eine kürzlich veröffentlichte Zusammenstellung der Einnahmen des Reiches aus den neuen Steuern und 3öllen im Jahre 1910, die zweifellos amtlicher Herkunft war, hat der Tabaksteuerfreundlichen Presse erneuten Anlaß zu der angeblich zahlenmäßig erwiesenen" Behauptung gegeben, daß es dem Tabakgewerbe wieder ganz gut gehe. Denn die Hereinnahme von Tabak aus den zoll- und steuerfreien Niederlagen in den freien Verfehr zum Zwecke der Herstellung von Tabakwaren habe wieder die regelmäßige Höhe erreicht und für Rohtabak würden noch nie dagewesene Preise bezahlt. Das flingt für den, der nichts von der Sache versteht, überzeugend, die Beweisführung ist aber nicht stichhaltig. Die hohen Rohtabakpreise werden nicht bezahlt, weil es dem Tabafgewerbe gut, sondern weil es ihm schlecht geht. Eine Abwälzung der Mehrbelastung von 1909 auf die Verbraucher ist bis jetzt nicht gelungen. Die Zigarrenfabrikanten stecken noch immer in den Versuchen, die Kundschaft durch neue, den Verhältnissen angepaßte Sorten wieder auf die Höhe des früheren Verbrauches zu bringen. Dies ist nur durch Verkauf guter Ware möglich, es muß also der durch den gesteigerten Weltverbrauch bei kleinen Ernten der letzten Jahre bedingten Aufwärtsbewegung der Preise für Rohtabak auf dem Weltmarkte gefolgt werden. Also weil es dem Tabakgewerbe unter der Wirkung des neuen TabaksteuergeFetzes schlecht geht, muß es höhere Preise für den Rohtabak anlegen.„ Eine Verzollung des Rohtabaks nach dem Handelswerte ist", wie die Regierung in ihrer Vorlage von 1905 sagte, in ihrer Wirkung auf die am Tabak beteiligten Kreise des Handels und der Industrie unberechenbar". Sehr richtig! nur Aber auch die behauptete Zunahme der gesteigerten Verwendung von Rohtabak in der Fabrikation und die unerwartet hohen Erträgnisse der neuen Tabaksteuer schwinden bei Lichte besehen dahin wie Butter an der Sonne. Die Eingangs erwähnte Zusammenstellung ging davon aus, daß im Jahre 1908 für das Reich 91,4 Millionen, im Jahre 1910 aber 141.6 Millionen Mark aus Tabak aufgekommen seien, sich also eine Mehreinnahme von 50.2 Millionen Mark ergeben habe, während man für die Zeit nach Ueberwindung der Schwierigkeiten des Ueberganges nur auf 43 Millionen Mark mehr gerechnet und für 1910 sogar nur 35 Millionen in den Voranschlag eingestellt habe. In der Tat sind aber 1908 im Ganzen 102.4 Millionen und 1910 im Ganzen 142.8 Mill. Mk. eingegangen, der Mehrertrag beträgt sonach nur 40.4 Mill. Mt.; es sind also 5.4 Mill. Mt. über den Voranschlag hinaus eingegangen und das Mehrerträgnis ist hinter dem für den Beharrungszustand errechneten Erträgnis um 3 Millionen Mark zurückgeblieben. Auch die 5.4 Millionen mehr über den Voranschlag verwandeln sich in sachverständiger Beleuchtung für die tabaksteuerfreundliche Beweisführung in Nichts, da sie in der Hauptsache auf die Zigaretten steuer entfallen. Diese hat im Jahre 1908 im Ganzen 15.6 Millionen, im Jahre 1910 aber 24.3 Millionen, also 8.7 Millionen Mark mehr erbracht, während sie an Mehrbelastung durch das Steuergesetz von 1909 nur 4.6 Millionen Mt. mehr erbringen sollte. Der kleine Rest des Mehrerträgnisses über den Voranschlag von 1 und ein Drittel Millionen Mark findet seine Erklärung in der bereits erwähnten großen Steigerung der Rohtabakpreise, die selbstverständlich auch in dem Ergebnis des Wertzollzuschlages ihren Ausdruck findet; denn auf rund 600 000 Doppelzentner wertzollzuschlagpflichtigen Rohtabak machen nur 2 Pfg. Preissteigerung für 1 Pfund bei dem Wertzoll von 40 Proz. nahezu eine Million Mark Mehrzoll aus. Genau so wie mit dem angeblichen Mehrertrag verhält es sich mit der behaupteten Zunahme der Versteuerung und Verzollung von Rohtabak. Jm Durchschnitt der Jahre 1904-1907, von welchem bei der Ertragsberechnung der Wertzollsteuervorlage ausgegangen worden ist, wurden 718 000 D3. verzollt und 259 000 D3. versteuert, zusammen also 977 000 D3. Rohtabak zur Fabrikation in den freien Verkehr genommen; im Jahre 1910 dagegen nur 712 000 Dz. verzollt und 216 000 Dz. versteuert, zusammen also 928 000 D3. zur FabriFation verwendet; mithin weniger an ausländischem Material 6000 D3. und an inländischem Tabak 43 000 D3., zusammen also 49 000 D3. weniger. Dazu kommt noch, baß sich unterdessen die Bevölkerung um mehrere MilLionen vermehrt hat, so daß der Minderverbrauch noch stärker wird, wenn man dies berücksichtigt. Jm Durch schnitt der Jahre 1904-1907 wurden auf den Kopf wer Bevölkerung 1.57 Kilogramm Rohtabak versteuert 1 021 000 D3. versteuert und verzollt werden müssen; es sind also 93 000 D3. weniger verbraucht worden. Einen weiteren durchschlagenden Gegenbeweis gegen die tabaksteuerfreundlichen Beschönigungsversuche bringen die chenberichten" mitgeteilten Zahlen über die Gestaltung des von Richard Calwer in ſeinen„ wirtschaftlichen WoArbeitsmarktes für Tabakbearbeitung, welche eine er= schreckende Zunahme der Arbeitslosen in den letzten Monaten ergaben. Selbst das Reichsarbeitsblatt schreibt unter dem 29. Mai 1911 wörtlich:„ Die Zigarrenfabrifation war im abgelaufenen Monat etwas besser schäftigt, was darauf zurückzuführen ist, daß während der Osterfeiertage ein lebhafterer Absatz stattfand. Trotzdem blieben die Verhältnisse, wie aus Sachsen berichtet wird, durch das große Angebot von Waren zu herabgesetzten Preisen nach wie vor schwierig. Ein Werk aus Norddeutschland weist darauf hin, daß die Nachfrage nach billigen und billigsten Sorten, die nach der Tabaksteuer zum Teil mit Verlust, zum Teil mit nur ungenügendem Verdienste hergestellt werden können, sehr stark gewachsen ist.“ beganz Mit dem von gewisser Seite so gepriesenen Wohlergehen des deutschen Tabakgewerbes ist es also„ Essig"; aber das wird gewisse Leute nicht abhalten, die" Wahrheit als„ volksverhetzende Angaben" ihrer politischen Gegner auszugeben. Wahrlich das Tabakgewerbe wurde 1909 von der Reichsgesetzgebung mit Geißeln geschlagen, um dann noch obendrein fortgesetzt von offiziöser und tabaksteuerfreundlicher Seite mit Skorpionen ge= peitscht zu werden! Aus Stadt und Land. Gießen, den 8. Juni. - Landeslehrerverein. Die Vertreterverlammlung des Landeslehrervereins war aus 107 Be zirksvereinen mit 184 Vertretern beschickt. Im Anschluß an den Jahresbericht wurde eine Entschließung des Bezirksvereins Offenbach nahezu einstimmig angenommen, worin die Regierung ersucht wird, die Stelle eines Turninspektors nur auf den Inhaber zu bewilligen. Nachdem die Rechnungsablage genehmigt und der Voranschlag mit 14 955 Mark in Einnahme und Ausgabe gutgeheißen worden war, wurde der neue Satzungs entwurf beraten. Hiernach sollen Mitglieder von katholischen Lehrervereinen, deren Ziele den Bestrebungen des hessischen Landes- Lehrervereins entgegenstehen, dem Verein nicht mehr als Mitglieder angehören können. Der Beitrag wurde von 4 auf 5 Mk. erhöht. Aus dem dadurch entstehenden Ueberschuß von 3000 Mark sollen die Lehrerwitwen unterstützt werden. Die Debatte über die Staatsschule zeitigte den Beschluß: Der Vorstand möge die Verstaatlichung der Volksschule als wichtigsten Programmpunkt behandeln. Im Anschluß an die VertreterVersammlung fand Mittwoch die Hauptversammlung statt. Lehrer Sinn- 3wingenberg sprach über die Frage: Welche Forderungen sind an ein zeitgemäßes Schulgesetz zu stellen?" Er verlangte Herabminderung der Schülerzahl in den Volksschulklassen, volle Durchführung der Simultanschule, gänzliche Abschaffung des Schulgel des, gleiche Ferienordnung mit den höheren Schulen, Beseitigung der Vorschulen, des Präsentationsrechtes, des § 50( firchliche Funktionen) und des Schulvorstandes in seiner heutigen Zusammensetzung. Lehrer Schmidt Gießen sprach dann über die Fortbildungsschule in der Stadt, deren Ausbau er in kaufmännisch- wirtschaftlicher und staatsbürgerlicher Hinsicht verlangt, während Lehrer Grüm- Weiskirchen über die Fortbildungsschule auf dem Lande referierte, deren Stundenzahl er vermehrt, und die er auf die weibliche Jugend ausgedehnt haben möchte. * Eisenbahnunfall. Der heute vormittag um 9.39 Uhr von Gelnhausen aus fällige Personenzug stieß im Bahnhof Hungen mit einer fahrenden Lokomotive zusammen, so daß zwei Wagen entgleisten, darunter ein Personenwagen. Diese und die beiden Lokomotiven wurden beschädigt und 4 Personen leicht verletzt. Der Personenzug konnte mit halbstündiger Verspätung weiterfahren. Von Gießen aus ist kurz nach 10 Uhr der Hilfs- Gerätewagen mit Hilfsmannschaften nach der Unfallstelle abgegangen. * Neuregelung des Ernteurlaubs der Soldaten. Während die Militärbehörde bisher in weitgehendster Weise den Gesuchen der Landwirtssöhne um Ernteurlaub entgegenkam, sind jetzt die Bestimmungen in der Weise verschärft worden, daß nur noch solche Soldaten Urlaub erhalten, in deren Gemeinden großer Arbeitermangel herrscht, der bei Einreichung der Gesuche durch amtliche Bescheinigung nachgewiesen werden muß. = germeisters, sondern die Polizeibehörde muß direkt die dringende Notwendigkeit der Hilfeleistung durch Soldaten bei der Ernte feststellen. Abkommandiert dürfen Soldaten zur Leistung von Feldarbeiten überhaupt nicht werden, die Arbeit ist freiwillig. Auch darf der Ernteurlaub 14 Tage nicht übersteigen. Bemerkenswert ist die neue Bestimmung, daß die Landwirte, die Soldaten wünschen( was schriftlich durch Vermittelung der Landwirtschaftskammer zu melden ist) sich verpflichten müssen, dem Manne außer freier Fahrt hin und zurück, freier Wohnung und Verpflegung, mindestens 2 Mark Tagelohn zu zahlen. Den durch Unfälle entstehenden Schaden müssen sie gleichfalls übernehmen. Die Gesuche müssen, wenn sie Erfolg haben sollen, frühzeitig genug eingereicht werden. Besichtigungsfahrt. Im vergangenen Monat wurde von etwa 50 Landwirten aus Hessen und Hessen- Nassau eine Besichtigungsfahrt ins Posensche Ansiedlungsgebiet unternommen, die so günstig ausfiel, daß die Teilnehmer entschlossen sind, noch in diesem Jahre dorthin zu ziehen. In diesem Monat findet eine zweite Besichtigungsfahrt statt. )-( Schotten, 8. Juni. Der Markt konnte in diesem Jahre nicht in dem Umfange wie in früheren Jahren abgehalten werden. Durch die in Wohnfeld ausgebrochene Maul- und Klauenseuche wurde vom hiesigen Kreisamt der Auftrieb von Rindvieh verboten, so daß nur der Krämer- und Schweinemarkt am 6. Juni stattfinden konnte. Auch die Prämiierung und Verlosung mußte infolgedessen vom Marktkomitee verschoben werden. * Beilstein. In unserem Ort ging es am 2. Pfingstfeiertag lebhaft zu. Wohl an 300 Mann aller Altersklassen marschierten mit Musik durch den Ort nach der Ruine, von wo nach kurzer Rast und nachdem abgefocht worden war, in der Richtung der Viehweide es weiter ging. Die Ausflügler waren von Friedberg ge= kommen. - Herborn. Am 24. April 1914 sind 1000 Jahre verflossen, daß Herborn durch geschichtliche Urfunde genannt wird. Der deutsche Kaiser Konrad 1., der Franke, schenkte mehrere Güter an die Kirche zu Weilburg, sowie die Kirche und seinen Hof bei Haiger, mit allen seinen dazu gehörigen Zehnten 2c. an das Chor: herrnstift daselbst, welches er 912 gegründet hatte. Der Tag soll auf Anregung des hiesigen Geschichtsvereins gefeiert werden. Herborn, 8. Juni. Am kommenden Sonntag feiert Herr Friedrich Wilhelm Deuster und seine Ehefrau Margarethe, geb. Theis, in aller Rüstigkeit und Frische das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Herborn. Unsere Turner mit denen on Sinn, Fleisbach und Merkenbach veranstalteten am 2. Pfingstfeiertag einen Eilbotenlauf zur Erinnerung an den Tag, wo vor 100 Jahren, am 19. Juni 1811 in der Hasenheide bei Berlin der erste Turnplatz durch Friedrich Ludwig Jahn errichtet wurde. Die 8½ Kilometer lange Strecke vom Rathaus Herborn über SinnMerkenbach und zurück zum Auslaufpunkt wurde in 23,58 Minuten durchlaufen. * Weilburg, 8. Juni. Der König von Sachsen hat dem Redakteur und Schriftsteller H. Oberwinter von hier, der sich durch seine Schriften und volkswirtschaftlichen Vorträge einen Namen gemacht hat, den Titel Professor verliehen. *) Limburg, 8. Juni. Nach längerem Leiden starb in der vergangenen Woche der Erste Staatsanwalt Greffrath im Alter von 53 Jahren. Der Verstorbene war seit etwa 1½ Jahren hier und vorher Erster Staatsanwalt in Kiel, wo er seiner Zei, den be fannten Werftprozeß zu führen hatte. == Haiger. In dem nahen Petersbach wurde am 1. Pfingsttag das nassauisch- bergische Jugendfest gehalten, wozu neben mehreren benachbarten Jünglingsvereinen allein aus Elberfeld 120 Jungen herbeigekommen waren. t Breitscheid, 8. Juni. Eine größere Anzahl auf einer Studienreise befindliche Bergakademiker kamen am Samstag hier durch. Nach kurzer Rast und nachdem der Ort besichtigt war, wurde der Weg nach Haiger fortgesetzt, von wo aus die Weiterreise nach Köln erfolgte. Hachenburg. Am Pfingstfamstag gab es in unserer Wasserleitung kein Wasser. Der Hochbehälter war leer gelaufen. * Frankfurt a. M., 8. Juni. Ein hier zu Besuch weilender Diplom- Ingenieur wurde an einer Straßenkurve von der Plattform der Elektrischen geschleudert und fand den Tod. Sicherung der Bauforderungen. Nachdem die öffentliche Meinung, sowett fie mittelHandsfreundlich gesinnt ist, schon lange für eine Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker und Baulieferanten eingetreten war, ist diesem Verlangen seinerzeit durch das Gesetz vom 1. Juni 1909 Genüge geschehen. Aber wie es nun einmal im menschlichen Leben geht, die unzufriedenHeit höret nimmer auf, und wenn erreicht ist, was Millionen übereinstimmend jahraus jahrein gewünscht haben, dann finden sich zum Schlusse doch stets Kritiker und NörgIer, die meinen, es sei im Grunde nichts erreicht worden. So passiert es auch dem Gesetze über die Sicherung der Bauforderungen, und damit wollen wir uns im folgenden ein wenig befassen. Das fragliche Gesetz zerfällt in zwei Abschnitte. Der erste dieser Abschnitte umfaßt allgemeine Sicherungsmaßregeln und ist bereits am 81. Juni 1909 in Kraft getreten. Diese allgemeinen Sicherungsmaßregeln bestehen in der Pflicht des Bangeldempfängers, das Baugeld für die BauBeteiligten zu verwenden, in der Pflicht des Unternehmers eines Neubaues oder Umbaues, ein Baubuch zu führen, und in der Pflicht des Bauleiters, bestimmte Tatsachen burch Anschlag auf dem Bauplatze zu veröffentlichen. Für Pflichtverletzung sind entsprechende Strafbestimmun gen festgesetzt. Die Ein Reservcarmeekorps für das Kaisermanöver. In dem diesjährigen Kaisermanöver wird, der„ Mil. Pol. Korrespondenz" zufolge, das Gardekorps aus aktiven und Reservestämmen ein Reservekorps bilden. Dieses Korps soll zusammen mit dem eigentlichen Gardekorps, als Teil der vom Generalobersten v. Kessel befehligten Armeeabteilung verwendet werden. Das Garde- Reservekorps erhält ein Generalfommando, es werden ihm technische Truppen, Trains und Kolonnen zugewiesen, und es tritt, neben anderer Feldartillerie, und schwerer Artillerie des Feldheeres, zu einer seiner beiden Divisionen das Lehrregiment der Feldartillerie- Schießschule aus Jüterbog. Sein Führer soll Generalleutnant von Below werden. Der zweite Abschnitt enthält die Bestimmungen über die dingliche Sicherung der Bauforderungen oder, um we niger juristisch und mehr laienmäßig zu sprechen, über die Eintragung einer Vorzugshypothek zur Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker und Baulieferanten. Anwendung dieses zweiten Abschnittes des Gesetzes ist lan= desherrlicher Genehmigung vorbehalten worden und soll nur in der Gemeinden stattfinden, wo ein Bedürfnis hierzu vorliegt, oder mit anderen Worten, wo der zu bekäm= pfende Bauschwindel sich zeigt. Es Itegt auf der Hand, daß dies nur in Großstädten der Fall sein wird. Bisher hat die Regierung von dieser Befugnis noch keinen Gebrauch gemacht; der zweite Abschnitt des Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen ist also bisher nicht in Kraft getreten. Hieran hat die Kritik vorzugsweise angeknüpft. Das Gesetz sollte vorbeugend wirken, oder mit anderen Worten der Bauschwindel hat schon durch die gesetzliche Androhung des Inkrafttretens unbequemer Bestimmungen eine starke Eindämmung in den Großstädten erfahren. Polnischer Preußenhaß. Deutschland und der englisch- amerikanische Schiedsvertrag. Das amerikanische Kongreßmitglied Hamill hat eine Resolution eingebracht, in der der Staatssekretär Knox ersucht wird, zu erklären, ob der vorgeschlagene englischamerikanische Schiedsgerichtsvertrag gegen Deutschland ge= richtet set. Die Resolution stützt sich auf eine Aeußerung des amerikanischen Generalkonsuls in London, die angeblich in diesem Sinne lautete. Ausweisung eines deutschen Ingenieurs aus Marotto. Zu einer Meldung der B. 3. am Mittag" über die Ausweisung des Ingenieurs Bertram der Mannesmanngesellschaft durch den General Toutée aus Debdu meldet die „ Köln. 3tg." aus Berlin, daß die deutschen Behörden in Marokko nur die Weisung erhielten, den Tatbestand festzustellen. Zu der Angelegenheit wird man erst dann Stellung nehmen, wenn das Ergebnis der Untersuchung vorliegt. wahlrechts zu einem ernsten Tumult, bei dem neun Ber sonen erschossen worden sein sollen. Kleine Nachrichten. Die Nachricht von der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Erbgroßherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg- Strelitz wurde der Rhein. Weftf. 3tg." zufolge vom Oberhofmarschall Grafen zu Eu lenburg als erfunden bezeichnet. Der 16. kirchlich- soziale Kongreß wurde am Dienstag in Nürnberg in Gegenwart von über 2000 Menschen durch Geheimrat Professor Seeberg eröffnet. Eine Stiftung für arme Kinder. Ein ungenannter Wohl täter überwies dem Bonner Oberbürgermeister 15 000 M für arme Kinder. Eine sozialistische Kinderversammlung lief am Pfingstfest in Düsseldorf auf eine Demonstration gegen die Polizet hinaus. Knaben und Mädchen in Konfirmationsanzügen im Alter von 14 und 15 Jahren riefen beim Nennen des Namens Polizei:„ Bluthunde". Das Apollotheater, wo die Versammlung abgehalten wurde, war von mehreren Tausenden gefüllt. Die Hälfte der Teilnehmer stand im Alter von 17 Jahren und darunter. Der Anarchisten tongreß in Düsseldorf. In Düsseldorf hielt während der Pfingstfeiertage die anarchistische Fö= deration Deutschlands ihren 9. Kongreß ab. Es waren 24 Delegierte aus 24 Orten vertreten, dazu kam eine Reihe ausländischer Gesinnungsgenossen. Im ganzen mögen an den Verhandlungen etwa 100 Personen teilgenommen ha= ben. Größer war dagegen die Besucherzahl bei der öffentlichen Versammlung, die der Eröffnung des Kongresses vorausgegangen war. Hier mögen es etwa 600 Personen gewesen sein. Die geschlossene Delegiertenversammlung, zu der ebenfalls überwachende Polizeibeamte erschienen waren, löste sich auf, da die Beamten der Aufforderung, die Versammlung zu verlassen, nicht Folge leisteten. Was der polnische Preußenhaß zu leisten vermag, zeigt ein Pfingstartikel des„ Dziennik Berlinski", in dem es ut. a. heißt: Die allerverwerflichste Erscheinung des gegenwär tigen Zeitalters der Zivilisation" ist die nationalistische Krankheit, d. t. ein nationaler Wahnsinn oder das moralische Erbe der Menschenfresser. Dieses menschenfresserische Erbe ist den preußischen Chauvinisten in üppigstem Maße zugefallen. In ihren Sinnen ist eine solche Trübung der Auffassung eingetreten, daß sie das Verbrechen Recht und das Recht ein Verbrechen nennen.- Wahnsinnige Menschen! Die Wahnsinnigen von ihrem eigenen Irrtum zu überzeugen, ist aber geradezu unmöglich. Gerade ihres Wahnsinns wegen bedeuten sie für uns keine ansehnliche Gefahr. Immerhin muß man stets auf der Hut sein, denn ein Wahnsinniger kann jeden Augenblick Schaden anrichten. - Ohne Hilfe des heiligen Geistes, dessen Fest wir heute begehen, können jedoch die preußischen Chauvinisten von ih= rer Krankheit nicht geheilt werden. Erheben wir daher an dem heutigen Tage unsere Gebete, damit die Gnaden des HI. Geistes auf die von Chauvinismus durchglühten preußifchen Sinne einwirken, sie erleuchten und gesund machen mögen." Bemerkenswert erscheint auch folgender Abschnitt aus dem Pfingstartikel des Kuryer Slosti":" Rings umher sehen wir nur Haß, die Menschenherzen sind von ihm erfüllt, eine fatanische Macht macht sich breit. Wir Polen flehen heute vor allem, damit der hl. Geist in den Herzen der Nation das Feuer der Liebe entfachen möge, denn mehr wie alle leiden wir infolge der sich breit machenden satanischen Regierung, von welcher der Haß gegen uns in denjenigen genährt wird, die uns schon so viel genommen haben und ihre Arme nach dem Reste unseres nationalen Besitztums, nach den teuersten Schäßen, was der Mensch auf dieser Welt bestten darf, ausstrecken." Der Banklehrling als Defraudant. Nach Unterschlagung von 35 000 Mark ist der Banklehrling Leon Kochanowsky aus Posen flüchtig geworden. Ein neuer Flugrekord. Am gestrigen dritten Tage der nationalen Flugwoche in Johannisthal bei Berlin erreichte der Flieger Hirth mit einem Passagier eine Höhe von 1580 Metern und brach damit den Weltrekord, der bisher 800 Meter betrug plat b Der Fa dem 11 Don be der dr fonen Baffagi Des Bu Det der te eine Ge bet: Gi then be wiefen Leben. batte fe Briefe Führer tretende bis zu f gaft nad Iteß, fal Schoffen Дад drom e unter d Bwische mit Tro ausglitt ten fich ein Inf schauer Borstell Ein wird g herrscht in We legt un ringe nach un daß fie fo gerin ben Kar ren. 50 gangen. Ein Versam beschloß Eingabe Raifer zu menbruch hat vom Sta Gläubige an den tung der Herren d Der Londoner Bord des fiamesische Prinzen fi glere gere fes, deren vernichtet. Rettung verunglückter Luftschiffer. Von Fischern wurden in der Nähe von Waddenserdeich an der Wesermündung dret Personen gerettet. Die Verunglückten waren Insassen eines Ballons, der am Montag abend in Berlin aufgestiegen war. Sie waren auf dem Weserwatt niedergegangen und von der Flut überrascht worden. Entgleisung des Blizzuges Mailand- Rom. Vor der Station Pistoja ist der Blizzug Mailand- Rom in einem Tunnel entgleist. Nach den bisherigen Meldungen wurde ein Passagier getötet; viele Reifende haben zum Teil schwere Verletzungen erlitten. Neue gesetzliche Maßnahmen gegen die Spionage. Die Kommission, die seit dem 4. April im Reichsjustizamt unter Vorsitz des Geh. Regierungsrats Dr. Lucas über die Reform des Strafgesetzbuches berät, wird, wie der Korrespondenz„ Heer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, auch neue gesetzliche Maßnahmen gegen den Verrat militärischer Geheimnisse festlegen und in kurzer Zeit veröffentlichen. Ueber den Charakter der neuen Gesezesmaßnahmen, wie sie die Reform des Strafgesetzbuches bringen wird, verlautet, daß es sich in erster Reihe um Beseitigung von Mißständen handeln wird, die durch ein Versehen des Reichstages bei der Beratung des Gesetzes in die Vorlage hineingekommen sind und eine juristische Unmöglichkeit darstellen. Es sind nämlich für versuchte Spionage mildernde Umstände nicht vorgesehen, während bei vollendeter Spionage mildernde Umstände vom Gericht angenommen werden können. Demgemäß fann bei vollendeter Spionage auf Festungshaft erkannt werden, während der reine Versuch unter allen Umständen mit Zuchthaus bestraft werden muß. Durch die Reform, die von der Kommission ausgearbeitet wird, wird besonders diese Frage einer Regelung unterzogen werden. In diesem Tone geht es eine ganze Spalte fort:- Die Polen das harmloseste Völkchen, die Preußen die Barbaren der Welt, das ist der Grundton der polnischen Pfingst= artifel. Rundschau vom Cage. Politisches. Ein preußischer Prinz als Landrat. Wie die„ Schlefische Zeitung" meldet, ist Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, ein Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht, mit der dauernden Verwaltung des Landratsamtes Blankenstein betraut worden. Der bisherige Landrat Freiherr v. Schirnding ist zum Oberverwaltungsgerichtsrat ernannt worden. 24) 3wei Kirschen an einem Stengel. Schwere Gewitter mit Hagelschlag haben die Umgegend von Bonn und den Westerwald an den Pfingsftagen heimgesucht. In Martenrachdorf schlug der Blizz in die Orgel der Kirche und zerstörte sie. In Kesselheim fuhr der Blizz wäh rend des Nachmittagsgottesdienstes in die Sakristet. Von den Kirchenbesuchern wurde niemand verlebt. Bon der britischen Reichstonferenz. Nach einem amtlichen Bericht über die Verhandlungen der Reichskonferenz hat diese es einmütig für wünschenswert erklärt, daß der unbillige Wettbewerb fremder subventionierter Schiffe mit der britischen Schiffahrt verhindert werde. ver= Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.) Die Krante faßte sie bei der Schulter, auch aus ihren Zügen sprach quälende Sorge.„ Kind, Du mußt stehst Du es fönnte sonst sein, daß mein Junge elendiglich zu Grunde ginge." - Ein Cholerafall in Triest. Die bakteriologische Untersuchung des in Triest an Bord des Dampfers Saxonia der Cunardlinie gestorbenen ungarischen Rückwanderers das Vorhandensein von Cholera ergeben. Brand des Londoner Lunaparkes. In London hat ein Feuer ein unter dem Namen Lunapark eröffnetes Vergnügungslokal zum Teil vernichtet. Die Boltzet war schnell zur Stelle und räumte den Lunapark in wenigen Minuten von den Besuchern. Es gelang bald, das Feuer zu löschen. Die Marottofrage ruft in Paris neuerdings Unbehagen hervor, namentlich die Haltung Spaniens, das offenkundig die Besetzung Tetuans anstrebt. Man fragt sich auch, wie sich Deutschland zu der militärischen Besetzung Marokkos bei deren längeren Dauer verhalten wird. Schließlich herrscht Unzufriedenheit über die Haltung Englands, dessen öffentliche Meinung der neuesten französischen Marokkopolitik ungünstig ist. Auch die Geldfrage bereitet der französischen Regierung Sorgen, da die Expedition schon ein paar hundert Millionen verschlungen hat. Kathi richtete sich empor, auf dem blassen Gesichte lag eine schmerzliche Entschlossenheit. Ich will tun, was ich fann ich versprechs- Gott helfe mir." Die Kranke atmete erleichtert auf, aber nach der Anstrengung und Erregung dieses Gespräches folgte eine gänzliche Abspannung, die in zeitweilige Bewußtlosigkeit überging. Kathi weckte ihren Mann, stumm saßen dann beide am Sterbebette der Mutter. - Im Maschinenhause des Reichstagsgebäudes zu Berlin ereignete sich gestern morgen ein schwerer Unfall. Bei Reparaturarbeiten stürzte der 35fährige Hetzer Karbski mehrere Meter tief in den Kesselraum hinab. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und eine Gehirnerschüterung. Die Verfassungsrevision in Griechenland. Die Kammer hat am Montag unter lebhaftem Beifall in der Gesamtabstimmung die Revision der Verfassung angenommen. Absturz in der sächsischen Schweiz. Vom Heringstein stürzten der Dresdner Seminarist Krispar und dessen Freund ab. Krispar ist schwer verlebt. Geheimnisvoller Leichenfund im Rhein, Bei Linz wurde die Leiche eines etwa 50jährigen Mannes aus dem Rhein gelandet, die mehrere Stichwunden aufwtes. Der Kleidung nach war der Tote vermutlich ein Bergmann oder ein Schiffshetzer. Die Obduktion ergab, daß der Mann zuerst totgeschlagen und dann in den Rhein geworfen worden ist Die meritanischen Wirren. Nach einer Meldung aus Tucson in Arizona sind bei Campania 28 Gegner Maderos, sogenannte Liberale, erschossen worden. Wie der Neuyorker ,, Times" aus der Stadt Mexiko gemeldet wird, führte dort gestern eine Kundgebung von Anhängerinnen des Frauenren. Die könne man hier nur an das Spülfaß stellen, und dafür kriegte sie auch ein Abwaschweib, was nicht so fostspielig sei, als das Durchfuttern der Tante Jette." Riesige Waldbrände in Schweden. Durch Schadenfeuer die an vier verschiedenen Stellen in Nord- und Mittelschwe den entstanden sind, wurden insgesamt 1200 Hektar Wall vernichtet. Aus den Gerichtssälen. Der Liliputaner als Offizier. Vor dem Amtsgericht in Kalkberge bei Berlin stand ein Zwerg, Mitglied einer jett in Weißensee auftretenden Liliputanertruppe, weil er „ durch das Tragen einer Offiziersuniform Anlaß zu Verwechslungen mit einem Offizier" gegeben haben sollte. Er war wegen dieser Missetat, die überdtes nur auf der Bühne verübt wurde, in eine Polizeistrafe genommen worden und hatte durch seine Rechtsvertreter gerichtliche Entscheidung bea anfragen lassen. Das Amtsgericht Kalfberge kam auf Grund der Beweisaufnahme der Zwerg ist 80 Zentimeter groß zu der Ansicht. daß der Angeklagte keine Veranlassung zu Verwechslungen mit einem wirklichen Offizier gegeben habe, und fällte deshalb ein freisprechendes Urteil. In gekränktem Stolze hatte sich die junge Frau bei solchen Worten abgewandt; sie war nicht mehr der kleine Brausekopf, dessen Zünglein schnurstracks durchging. Sie hatte schon so manches ertragen gelernt und erfahren, daß fie die Sache nur immer schlimmer machte, wenn sie ihrem 3orne die Zügel schießen ließ. Nur einem Punkte warf sie sich mit der ganzen Energie ihrer kleinen Persönlichkeit entgegen, das war dem Hange zum Trunke, der bei Julius, von der willensstarken und dem Sohn imponierenden Mutter gezügelt, Kathi früher nicht in die Augen gefallen war. Jetzt aber entdeckte sie ihn mehr und mehr. Ach, die Schwiegermutter hatte nur zu recht gehabt, und sie fühlte sich so unsagbar schwach diesem verderblichen Hang ihres Mannes gegenüber. Nachdem der erste Schmerz über den Verlust der Mutter vorbei war, dünkte sich der Sohn als Besitzer des Gasthauses doppelt frei, und da geschah es wiederholt, daß er nicht mehr Maß hielt und am Tische der Stammgäste sein bester Gast würde. Noch einmal fladerten deren Lebensgeister auf. Sie brückte die Hand des Sohnes, die sie in der ihren hielt. „ Julius, sei brav- Deine Käthe tritt nun- an meine Statt versprich" Sie tam nicht weiter, krampfhaft schlossen sich ihre Finger um die des Sohnes, dann suchte ihr brechendes Auge die Schwiegertochter. Ein furzer Todestamps, dann war sie aus dem Leben geschieden. Die nächsten Wochen vergingen still im gleichförmigen Alltagsleben. Es lag ein schwerer Druck auf der jungen Frau, aber sie raffte sich zusammen, um feine ihrer Pflichten zu versäumen, die jetzt durch den Tod ihrer Schwiegermutter sich für sie verdoppelt hatten, nicht nur, was die Arbeit betraf, sondern auch die Aufgabe, als Gehülfin thres Mannes. Sie hatte diesem den Vorschlag gemacht, ihre eigene Mutter zu bitten, nach Friedenau zu kommen, um ihr in der Wirtschaft helfend zur Seite zu stehen. Er aber hatte ihr unwirsch geantwortet, ob sie etwa denke, daß sie seine Mutter ersetzen könne; solche Frau, die ihr Leben lang auf dem Dorfe zugebracht, tönne man doch unmöglich tagein, tagaus seinen noblen Gästen präsentie= Vermischtes. Schnellzugsunfall auf der Strecke Dresden- Berlin Der Schnellzug 62 Bodenbach- Berlin erlitt am Dienstag mittag in der Nähe von Station Neuhof einen Unfall. Die drei letzten Wagen des Zuges, der mit Pfingstausflüglern - sie Erquicung, Aufatmen, Stärkung. Kein Wort über ihren Mann fam ihr hier über die Lippen, und der Alte fragte auch nie nach ihm. Es mochte aber doch so manches über den jungen Gastwirt auch bis zu seinen Ohren gekommen sein, denn er hatte immer ein aufmunterndes Wort für sein Patenkind.„ Verlier' den Mut nicht, wenns auch mal durch dunkle Wege geht," pflegte er ihr wohl zu sagen,„ unser Herrgott lebt noch, schütte ihm nur Dein Herz aus und halte Dich zu ihm." Oder er erzählte davon, wie eins das andere, so gut es eben könnte, erziehen müßte. damit sie beide mitsammen den Weg zur ewigen Heimat fänden. Nur nicht nachlassen dürfte man im Beten und Arbeiten, wenn es auch oft scheinen täte, als wäre alles, alles umsonst! Hin und wieder gelang es wohl seiner tapferen kleinen Frau, ihn nach einem Rausche zur Einsicht zu bringen und thn für kurze Zeit von der schiefen Bahn fernzuhalten. Aber die Rückfälle mehrten sich, und mit Entsehen wurde Kathi gewahr, daß ihre Macht über ihn sich abschwächte und ihr Einfluß schwand. Sie war zu stolz, um irgend jemand einen Einblick in ihre Lage zu gestatten, zu stolz, um zu klagen; es fonnte ihr ja doch niemand, niemand helfen! Still ging sie ihren Weg, unermüdlich in der Arbeit, aufmerksam und freundlich für alle Gäste. Aber ihr Lachen, das lustige Vogelgezwitscher, war verstummt, und wer einmal tiefer hineingesehen hätte in ihre dunkel umränderten Braunaugen, der hätte darin auch etwas lesen können von der Trostlosigkeit, die sie oft ganz niederzudrücken drohte. Hier und da ein Viertelstündchen mehr Zeit konnte sie dafür nicht erobern bei Onkel Leberecht, das war für Die junge Frau fragte nicht, was er damit sagen wolle, sie hörte still zu mit empfänglichem Herzen und bewegte die Worte in ihrem Sinne. Gebet und Arbeit wur den die Stützen bei dieser Wanderung durch das finstere Tal, und dabei gewann sie Trost und Kraft. würde. Besuch des Schläg Aufsehen tag in Sa traf auf de Brigade, licher Feir wechselten Weges zuf längere Un ihre persön terbreiten, henschaft m res ins Ge Auch gegen ihre Mutter klagte Katht nicht, sie wehrte aber deren in Aussicht gestellten Besuch ab mit dem Versprechen, später einmal selbst kommen zu wollen. Ihr Mutterle sollte nicht wissen, daß ihr Kind litt, und vor allem, ihr Mutterle wollte sie dem nicht aussehen, daß Sie von ihrem Schwiegersohn in der Tochter Haus getränkt Eine Nachricht, die Kathi gleich nach dem Tode der Schwiegermutter erhalten hatte, riß damals noch einmal in ihr mit aller Macht die alte Wunde auf und brachte zum Leben, was sie unter heißen Tränen begraben zu haben wähnte. Lene hatte ihr aus Hennigbach geschrieben: „ Wat seggst nu? Die Rosemarie hät richtig Sort makt, wannst de Kuckuck schrien dät, aberst nit mit Hans Ruland, sondern mit fin Fründ, dem Jürgen Haber mann. Schaust, da wären wie uf den Hulzweg west, und wat seggst nu?" ( Fortsetzung folgt.) einem rege ung an de Ducheres f res bereits hat einen an das Mi war einer gegen Dre dem Fürste geladjutant Fürsten a thm Gast d damals ein fer Wilhel Pretio aus einem Wohnzimm einer als tin ein fo im Gesam Tätern ist mutet, daf führten. Unterb nen. Dur riums wer nen für nen Jugen rungen der Pflege der angefchloffe Eine S In den Kai horn in B austreibung vorgenomm darauf haf trieb er fei Dorfeinwol wacht wurd Man verfte hierzu die Irgendwo e Es ist dies bung, die G gen Gegent Der ge jenige Gro Blüte steht türmischite Nachteil dar hulte der R getrieben i Ropenhagen der ihrigen der Border einen Gum Durch den der Gumm But wie ar ob auch ein Mord tal von Yo trofen Att 1 neun Be rlobung erzog do Der Abel afen zu G m Dienst nichen dur unter Boh er 15.000 am Pfing Ste Boli ionsanzüge Nennen ater, wo die hreren La 15 im Alte Untericlop Leon Kod en Tage da lin erreid She von 158 bisher 800 ischern wu Wesermün dten ware Din Berlin att niederge 1. 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Aus Halle wird gemelbet: Ein serbischer Student, der ein Polytechnikum in Cöthen besuchte, nahm sich, weil er von seiner Geliebten abge= wiesen worden war, in einer Autodroschke in Halle das Leben. Der junge Mann, der aus reicher Familie stammte, hatte seine Verhältnisse zuvor aufs genaueste geregelt und Briefe an feine Eltern und Bekannten geschrieben. Der Führer des Autos hatte den Schuß für einen plötzlich eintretenden Defekt am Radreifen gehalten und den Studenten bis zu seinem Bestimmungsort gefahren. Erst als der Fahrgast nach mehreren Minuten das Auto noch immer nicht verIteß, sah der Autofahrer nach und fand den Studenten er schossen vor. Das Pferd im Orchester. In einem Londoner Hippodrom ereignete sich beim Auftreten der Miß Anboth, die unter dem Namen Georgia Magnet spielt, ein eigenartiger 8wischenfall. Der Manager der Dampe Templeton war mit Traberpferden auf der Bühne beschäftigt, als das Pferd ausglitt und in das Orchester fiel. Die Musikanten fonnten sich durch Zurseitespringen retten. Das Pferd fiel auf ein Instrument, das vollständig zerstört wurde. Der Zu schauer bemächtigte sich eine furchtbare Erregung, und die Borstellung mußte abgebrochen werden. Eine Revolte spanischer Landarbeiter. Aus Madrid wird gemeldet, daß in der Stadt Jerez große Aufregung herrscht. Mehrere tausend landwirtschaftliche Arbeiter, die in Weinbergen beschäftigt sind, haben die Arbeit niedergelegt und wollen gegen die Stadt ziehen, um gegen ihre geringe Entlohnung zu protestieren. Ihr Tagelohn beträgt nach unserem Geld nur etwa 50 Pfennig, und sie erklärten, daß sie lieber Hungers sterben wollen, als weiter für einen so geringen Lohn ihre schwere Arbeit zu leisten. Sie wollen ben Kampf um einen höheren Lohn bis aufs äußerste führen. 500 Gendarmen sind zum Schuße der Stadt abgegangen. Ein Nachspiel zum Niederdeutschen Bankkrach. Eine Versammlung von Gläubigern der Niederdeutschen Bank beschloß nach einer Meldung des Berl. L.-A., sich mit einer Eingabe an den Landtag und mit einer Bittschrift an den Kaiser zu wenden, es möge thnen für den durch den Zusam' menbruch der Niederdeutschen Bank entstandenen Schaden vom Staate eine Entschädigung gewährt werden. Mehrere Gläubiger haben sich außerdem mit einer solchen Bittschrift an den Prinzen Heinrich gewendet und ihn um Befürwortung der Wünsche der geschädigten Gläubiger gebeten. Die Herren dürften mit ihren Wünschen wenia Erfolg haben. Der Kronprinz von Siam in Lebensgefahr. Nach einem Londoner Telegramm der Morning Post befand sich an Bord des bet Nagasakt gestrandeten Dampfers Riafan" der siamesische Kronprinz und dessen jüngerer Bruder. Beide Prinzen sind, wie auch die gesamte Besagung und alle Bassa= gtere gerettet, dagegen ist die wertvolle Ladung des Schiffes, deren Wert zwei Millionen Mark betrug, vollständig vernichtet. Inzwischen ist der Kronprinz von Stam zum Besuch des Barenhofes in Petersburg eingetroffen. Schlägerei zwischen zwei französischen Offizieren. Ein Aufsehen erregender Zwischenfall ereignete sich am Montag in Saint Germain en Laye. Der Hauptmann de Gall traf auf der Straße mit dem Kommandeur der 6. KürassterBrigade, Ducheres, mit dem er seit langer Zeit in persönlicher Feindschaft lebt, zusammen. Die beiden Offiziere wechselten ein paar kurze Worte und gingen ein Stüd Weges zusammen. Als Hauptmann Gail, der sich in keine längere Unterredung einlassen wollte, Ducheres aufforderte, ihre persönlichen Zwiftigkeiten einem Schiedsgericht zu unterbreiten, erwiderte ihm dieser: Offiziere geben sich Rechenschaft mit der blanken Waffe! Darauf schlug Gail Ducheres ins Gesicht. Beide ergriffen ihre Stöcke und es kam za einem regelrechten Handgemenge. Gail erlitt eine Verletzung an der Hand. Er schickte noch am selben Abend an Ducheres seine Zeugen, mußte aber erfahren. daß sich Ducheres bereits nach Paris begeben habe. Der Polizeikommissar hat einen ausführlichen Bericht über diesen Zwischenfall an das Ministerium des Innern gesandt. Hauptmann Gail war einer der wenigen Offiziere, dte während der Hezze gegen Dreyfus auf seiten Dreyfus' standen. Er wurde dem Fürsten von Monako auf besonderen Wunsch als Flügeladjutant zugeteilt. In dieser Stellung begleitete er den Fürsten auf seiner Reise nach Deutschland und war mit ihm Gast des Deutschen Kaisers in Potsdam. Er hatte sich damals einer besonders freundlichen Aufnahme durch Kaiser Wilhelm zu erfreuen. Pretiosendiebstahl in Karlsbad. In Karlsbad wurde aus einem offenen Kommodenkasten eines unverschlossenen Wohnzimmers in einem Logierhause an der alten Wiese einer als Kurgast dort weilenden österreichischen Aristokratin ein kostbarer Brillantschmuck und andere Kostbarkeiten im Gesamtwerte von etwa 50 000 M entwendet. Von den Tätern ist bisher keine Spur gefunden worden. Man vermutet, daß internationale Spitzbuben den Diebstahl aus= führten. Unterbringung von Jugendwandergruppen in Kasernen. Durch eine Verordnung des sächsischen Kriegsministe= riums werden die Garnisonältesten ermächtigt, den Veretnen für Wanderungen der Volksschul- und der schulentlassenen Jugend, die dem Zentralausschusse für Ferienwanderungen der Volksschuljugend und dem Landesausschusse zur Pflege der schulentlassenen Jugend im Königreich Sachsen angeschlossen sind, Unterkunft in Ererzterhäusern und auch In den Kasernen zu gewähren. Eine Herenaustreibung. In einem Orte bei Weißenhorn in Bayerisch- Schwaben wurde eine regelrechte Herenaustreibung durch einen als Herenmeister bekannten Mann porgenommen. Er wollte ein„ verhertes Haus" von dem darauf haftenden Zauber befreien. Dret Stunden lang trieb er seinen Hokuspokus im Hause, das von bewaffneten Dorfeinwohner, die die Here ergreifen sollten, scharf be= wacht wurde. Die Here ist jedoch unsichtbar entwichen". Man versteht es heutzutage mirklich nicht mehr, so bemerken Hierzu die Leipz. N. N.", wie es im deutschen Reiche noch trgendwo eine so zurückgebliebene Bevölkerung geben kann. Es ist dies ein würdiges Seitenstück zu der Teufelsaustretbung, die Ende des vorigen Jahrhunderts auch in der dortigen Gegend, in Wernding, vorgenommen wurde. Der gefesselte Strohhut. Kopenhagen ist vielleicht diefenige Großstadt Europas, in der das Radfahren in höchster Blüte steht. Kopenhagen ist aber wahrscheinlich auch die stürmischste unter den Hauptstädten unseres Erdteils. Den Nachteil davon haben namentlich zur Semmerzeit die Strohhüte der Radfahrer, die man jeden Augenblick vom Winde getrieben über das Straßenpflaster fltegen sieht. Aber die Kopenhagener sind auch erfindungsreiche Leute, und einer der ihrigen, eir: bekannter Großhändler Fritsche, bringt an der Vorderseite des in fedem Hut enthaltenen Schweißleders einen Gummiring an, ähnlich den auf Selterswasserflaschen. Durch den leichten Drud des Windes auf den Hut saugt sich der Gummiring so fest auf der Stirn an, daß dadurch der But wie angenagelt sitt. Gewiß ein einfaches Mittel, aber ob auch ein angenehmes, das ist die Frage. Mord im Hospital. In das amerikanische Marinehospttal von Yokohama waren vor furzer Zeit die beiden Matrofen Atkins und Saunders von dem nordamerikanischen Kriegsschiffe„ Saratoga" eingeliefert. Am Montag gerieten fie im Krankenſaal in Streit. Atkins sprang aus dem Bett, ergriff ein Rasiermesser, stürzte sich auf Saunders und durchs schnitt ihm die Kehle. Nach einer Stunde war dieser eine Leiche. Die Frage ist jetzt, ob Atkins sich vor einem nordamerikanischen Kriegsgericht oder vor dem japanischen Gericht in Yokohama zu verantworten haben wird. Der nordamerikanische Botschafter und das Auswärtige Amt in Tofio sind bereits in Unterhandlungen darüber getreten, ob das Marinehospital als nordamerikanischer Boden zu betrachten sei oder nicht. Wird in ersterem Sinne entschieden, dann wird Atkins noch im Hafen von Yokohama von einem Kriegsgericht an Bord der Saratoga" abgeurteilt werden. Piraten an der Elbmündung. Am Montag traf in Curhaven aus dem am holsteinischen Elbeufer gelegenen Dorfe Kaiser- Wilhelms- Koog die telegraphische Meldung ein, daß dort zwei junge Leute ein Fischerfahrzeug gestohlen und den Befizer, der in einem Motorboot die Verfolgung aufgenommen hätte, erschossen hätten. Es wurde um bie Verfolgung der beiden, die sich seewärts gewandt hat ten, gebeten. Einer der Staatsdampfer in Curhaven lief Sofort mit bewaffneten Polizisten aus und traf an der Elbmündung mit mehreren holsteinischen Fischerfahrzeugen zusammen, die die Verfolgung aufgenommen hatten, aber nicht an das Fahrzeug herankonnten, weil die beiden Insassen mit langen Flinten zu schießen drohten. Dem Dampfer gelang es nach langem Manövrieren, das Fahrzeug so zu stellen, daß sich die beiden Räuber ergeben mußten. Sie wurden gefesselt auf den Dampfer gebracht, der am Abend in Curhaven landete. Die beiden Verbrecher wurden hier festgestellt als der 17jährige Fischertnecht Ernst Voigt, aus Wilster( Holstein) gebürtig, und der 17jährige Drogist Hans Tiem aus Wittenburg in Medlenburg. Der erschossene Schiffer Schmoener aus Kaifer- Wilhelms- Koog hat von den beiden Burschen eine Schrotladung in den Unterleib erhalten, an der er bald darauf starb. - Der Erbonkel als Einbrecher verhaftet. Eine sehr amüsante Episode, die fast wie ein Witz anmutet, wird der „ Inf." aus einer kleinen Stadt Südfrankreichs geschrieben: In diesem Dertchen lebten die vielverzweigten Mitglieder einer Beamtenfamilie, bescheiden und ruhig, aber mit der Hoffnung, daß ein Erbonkel, der in jungen Jahren nach Australien ausgewandert und dort zu Geld und Wohlhabenheit gekommen war, sie dereinst als Erben einsehen würde. In dem Städtchen erschien eines Tages ein älterer gut aussehender Mann, mit etwas fremdländischem Einschlag, der bei dem Maire des Ortes Unterkunft und Penfion haben wollte. Dieser Maire Monsieur Forne, gehörte dem Familienzweige an, der auf des Erbonkels Vermächtnis geduldig und hartnädig wartete. Nun fiel es ihm auf, daß sein neuer Hausgenosse so erschöpfende Frgaen über die einzelnen Mitglieder des Stammes stellte, und vor allen Dingen noch erschöpfendere Antworten über„ Nam und Art" verlangte. Das tam dem guten Maire verdächtig vor, und er beschloß, seinen neuen Hausgenossen etwas eingehender zu beobachten. Wenn dieser sich unbeobachtet glaubte, und in seinem Zimmer weilte, war gewöhnlich die ganze Familie des Maire auf Posten, um zu kontrollieren, was der neue und seltsame Hausgenosse denn für Dinge vornehme. Sie überraschten ihn eines Morgens ganz zeitig beim Zählen großer Summen, deren Herkunft sie sich nicht erklären konnten. Sie sahen ihn eines Abends damit beschäftigt, einen Schmudgegenstand zu betrachten, der ihnen bekannt schien, und den die Frau des Maire ganz bestimmt als den Erbschmuck aus der Familie ihres Man nes erkannte. Da zögerte man nicht lange. Man holte die Polizei, um sich des Eindringlings zu entledigen, aber als dieser sich legitimieren mußte, stellte sich heraus, daß er niemand anders war, als Onkel Forne, der gekommen war, um seine Angehörigen ein wenig kennen zu lernen, ehe er ihnen sein Geld vermachte. Die Bestürzung des Maire und seiner Familie kann man sich vorstellen. - Ueber ein niedliches Kleinbahnidyll, das sich kürzlich auf der Strecke Eberswalde- Steinfurth zugetragen, wird der „ Eberswalder Zeitung" berichtet. Die Vassagiere hatten Platz genommen, die Maschine stand unter Dampf und der Train zur Abfahrt bereit. Da im letzten Moment machte sich bei einem kleinen Mädchen, das die Mutter auf dem Schoß trug, ein Bedürfnis bemerkbar, das die Kleine durch laute Ausrufe des ersten Konsonanten in unserem Abc energisch zu verstehen gab. Es half kein Vertrösten bis zur nächsten Haltestelle, und ein stilles Pläßchen im Zuge war nicht vorhanden. Nun war guter Rat teuer, denn der Zug konnte sich jeden Augenblick in Bewegung setzen. Doch Not fennt kein Gebot! Die Mutter nahm das Kind, riß ungeachtet des Protestieres des Schaffners die Wagentür auf und stiea ins Freie, und zwar gerade in dem Moment, als der Vorsteher das Signal zur Abfahrt gegeben. Angesichts dieser Situation, und um der Kleinen ihr Naturrecht nicht zu schmälern, hatte der gute Mann aber ein Einsehen. Er gab schleunigst Gegenbefehl und ließ den Zug halten. Nach wenigen Minuten bestiegen Mutter und Kind wieder den Train, der dann lustig flingelnd und mit verdoppeltem Tempo in den grünen Wald hineinfuhr. Zweierlei.„ Sie sollten doch mal was recht Gutes schreiben." ,, Kommt schon noch; erst will ich viel Geld verdienen!" ( Meggendorfer BI.) Wissenschaft, Runst und Literatur. Römische Warttürme am Rhein. In der Gegend von Laufenburg im Kanton Aargau wurde letztes Jahr am sog. Sandrain eine römische Warte festgestellt. Durch wettere Sondierungen ergab sich, daß südlich davon, in dem Einschnitt der alten Talstraße, tief unter dem heutigen Straßenbett ein altrömischer gepflasterter Wig lief. Etwas weiter unterhalb Laufenburg, bet der Einmündung des Kaiserbachs in den Rhein, erkannte man im Rheinbette die Fundamente eines zweiten Wartturmes, der bis zum Hochwasser des Jahres 1876 so gut erhalten war, daß er den Fischern als Unterschlupf dienen konnte. In Die größte juryfreie Ausstellung. In München ist im Ausstellungspark die größte furyfreie Kunstausstellung, die je veranstaltet wurde, feierlich eröffnet worden. ben zahlreichen Sälen sind Bilder und Skulpturen geschmackvoll und originell ausgestellt und bieten einen hochinteressanten Ueberblick über alles, was Maler und Bildhauer an Kuriositäten in allen Teilen der Welt zu leisten imstande find. Es finden sich aber auch viele kräftige, ernsthafte Werke. Die Nachtreiter von Kentucky und Tennessee. Unter diesem abenteuerlichen, in früheren Meldungen schon öfter erwähnten Namen hat sich seit etwa zwanzig Jahren eine verwegene Gesellschaft zur Selbsthilfe auf wirtschaftlichem Gebiet zusammengeschlossen, gegen deren Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten sich erst jüngst eine Scharfe Reaktion erhebt. Mit einem Blutschwur" fetteten Rich Tausende von Männern aneinander, und ähnlich wie bei der berüchtigten Mafia in Sizilien waren die amerikanischen Behörden machtlos gegen die Uebergriffe des Bundes, dem die gesamte Bevölkerung der beiden Untonstaaten Vorschub leistete. So fonnnte es ungestraft geschehen, dah eines Tages in Princeton eine Nachtreitertruppe von 100 bis 150 Mann, sämtlich mit Masken vor dem Gesicht, viele mit falschen Bärten, in die Stadt einbrach. Zunächst wur den Schildwachen ausgestellt, dann das Telephonamt und die Eisenbahnstation besetzt und sämtliche Drähte in die Außenwelt durchschnitten. Als nun die ganze Stadt in threm Besize war, zerstörten die Nachtreiter Lagerschuppen, die etwa 100 000 Pfund Tabak enthielten. Dann ver schwanden sie. Dieses tecke Reiterstücklein führt Dr. Ernst Schulke im Juniheft von„ Westermanns Monatsheften" neben an deren ähnlichen an. Immer haben oder hatten es die Nachtreiter auf die Lager und Fabriken des großen amea ritanischen Tabaktrusts, der britischen Tabaksgesellschaft und der europäischen Tabaksregien abgesehen. Gegen diese übermächtigen Großhändler des Tabakgeschäfts richten sich die Wut und der Haß der zahlreichen kleineren Tabakpflanzer in Kentudy und Tennessee. Die in ihrer Existenz von den Trusts aufs äußerste bedrängten Pflanzer taten sich deshalb 1890 zu einem Bund zusammen, der sich bald gezwungen sah, alle Tabakpflanzer, wenn nötig, mit Gewalt zu Mitgliedern zu werben und zu pressen, sollte er erfolg= reich wirken. So boykottierte man zunächst die widerspenstigen Farmer, dann tat man ihnen böswillig Schaden und schließlich wurden die Nachtreiter zu einer Gesellschaft, die sich selbst vor äußerster Gewalt nicht scheute. Bald gingen sie nicht nur gegen die Tabaktrusts, sondern maßten sich ein Urteil über das wirtschaftliche, politische und private Leben ihrer Mitbürger an. So war 1908 in Tennessee ein Gesetz erlassen worden, das die Fischerei auf dem Reelfoot- See betraf. Zwei richterliche Be amte, die den Auftrag hatten, das an den See angrenzende Land zu verpachten, wurden von den Nachtreitern aus dem Hotel geholt, in dem sie abgestiegen waren; diese hängten den ersten an einen Baum und durchlöcherten ihn förmlich mit Geschossen. Der zweite Richter, Mr. Taylor, entfam durch Zufall; doch hat er seine Rettung nur der nächtlichen Dunkelheit und seinem ungewöhnlichen Mute zu verdanken. Dergleichen Gewalttaten, denen bald noch schlimmere folgten, sollten freilich dieser unheiligen Feme verderblich werden. Die öffentliche Meinung wandte sich gegen sie, und es scheint, als ob jezt geordnete Zustände wiederkehren wollen. Eins freilich haben die Nachtreiter erreicht: sie haben dem Tabaktrust Schaden getan, daß dieser sich zu wesentlichem Entgegenkommen entschlossen hat. Drabtnachrichten und neuestes. Das Kaiserpaar in Neustrelit. Potsdam, 7. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute vormittag im Sonderzug von Station Wildpark nach Neustrelitz abgereist. Ein neuer Höhenrekord. Berlin, 7. Juni. Der am Montag aufgestellte Högenrekord auf dem Flugplatz Johannistal wurde heute durch den Dorner- Flieger Schendel gebrochen, der 2010 Meter erreichte. In dieser Höhe ging ihm das Benzin aus, sodaß er im Glettflug herunterkommen mußte. Er wurde bei der Landung stürmisch begrüßt. 22. Evangelisch- sozialer Kongreß. Danzig, 7. Junt. Im Artushofe, Danzigs altberühmter Festhalle, begann gestern mit einem Begrüßungsabend der 22. evangelisch- soziale Kongreß. Heute beginnen die eigentlichen Verhandlungen. Genickstarre. Cöln, 7. Junt. Bei einem Soldaten des Fußartillerieregiments Nr. 8, das zurzeit auf dem Schießplatz Wahn Uebungen abhält, ist Genickstarre festgestellt worden. Da die Leute in Baracken liegen, befürchtet man, daß bereits Ansteckungen vorgekommen sind. Der Korpsarzt ist hier eingetroffen, um eine Untersuchung einzuleiten. Nürnberg, 7. Junt. Beim 21. Infanterieregiment in Sulzbach erkrankte ein Leutnant und ein Soldat starb an Genickstarre. Im Rhein ertrunken. 0Cöln, 7. Junt. Sechs Ziegeleiarbeiter, die aus Posen zugewandert und auf einer Biegelei in Beuel beschäftigt waren, badeten Montag abend in der Mündung der Sieg in den Rhein. Drei Arbeiter wurden in den Rhein getrieben und ertranken. Es sind junge Leute im Alter von 18, 19 und 20 Jahren. Ein ganzes Dorf abgebrannt. Petersburg, 7. Juni. Das Dorf Wicszblond bet Archangel wurde fast vollständig ein Raub der Flammen. Viele Bewohner verloren dabei ihr Leben, darunter der Rabbiner mit seinen sechs Kindern. Vom Gefangenen der Balkanräuber. Saloniki, 7. Juni. Der Dragoman der deutschen Botschaft ist von Katinopli zurückgekehrt. Er äußerte, daß in der Angelegenheit des entführten Ingenieurs Richter vor 14 Tagen keine Entscheidung zu erwarten sei. Die Bauern von Kafinopli versprachen, eine Verbindung mit den Räubern herzustellen. Vielleicht gelingt eine solche durch die Vermittlung eines ehemaligen Bandenführers. Der Schlupfwinkel der Räuber soll bei Livadia sein. Von an= derer Seite wird ein griechisches Kloster oberhalb Spigi genannt. Neue Winzerunruhen in Frankreich. Bar sur Aube, 7. Juni. Die Winzer mehrerer umItegender Dörfer haben sich versammelt und marschieren auf die Stadt. Die Behörden haben sämtliche Läden schließen lassen. Vermißter französischer Flieger. Nizza, 7. Juni. Von dem Flieger Bague, der Montag früh von Nizza nach Korfifa abgeflogen ist, sind bis jett feine Nachrichten eingegangen. Da Bague Brieftauben mitgenommen hat, befürchtet man, daß der Flieger verunglückt ist und die Brieftauben nicht hat in Freiheit setzen fönnen. Bandel und Verkehr. Cassel, 6. Juni. Schlachtviehpreise: 1. Rinder. A. Ochfen: a) vollfleischige angemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben( ungejocht) Schlachtgewicht M, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bis 7 Jahren -M, c) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 80-82 M. B. Bullen: a) vollfleischige ausge-] wachsene höchsten Schlachtwertes- M, 6) vollfleischige junge 82-84 M. E. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes--M, 6) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren M, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 78-80 M, b) mä Big genährte Kühe und Färsen 70-74 M. 2. Schweine: a) Fettschweine über 150 kilogr. Schlachtgewicht-' M, h) vollfleischige von 120-150 Kilogr. 57-58 M, c) vollfletfchige von 100-120 Kilogr. 56-57 M, d) vollfleischige von 80-100 Kilogr. 55-56 M. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Straßenarbeiten wird der Aulweg vom 7. If. Mts. an bis auf weiteres für jeg= lichen Fuhrwerks- und Radfahrverkehr gesperrt. Gießen, den 2. Juni 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Heugras- Versteigerung. Das Heugras von den Domanialwiesen der Oberförstereien Wieseck und Gießen wird versteigert: 1. In der Gemarkung Alten- Buseck Donnerstag, den 15. Juni 1. J. vormittags 10 Uhr in der Wirtschaft des Herrn Otto Rabenau zu Alten- Buseck 2. In der Gemarkung Wieseck Freitag, den 16. Juni 1. J. vormittags 10 Uhr in der früheren der Feld'schen Wirtschaft zu Wieseck. 3. In der Gemarkung Gießen an demselben Tage nachmitta 82 Uhr in der früheren Leib'schen Wirtschaft im Philosophenwald bei Gießen. Gießen, den 6. Juni 1911. Gr. Oberförsterei Wieseck. Weigand. 19/8 Gr. Qberförsterei Gießen. Kochler. 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