Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt.- Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 107. - Telephon: Nr. 362. Der Blumentag. Der Blumentag zum Besten der Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen gehört der Vergangenheit an. Er war etwas Neues, auch für Gießen, und zwar fand diese Neuheit soviel Anklang, daß man sich ihrer noch lange erinnern wird. Schon der Gedanke an sich, in dieser liebenswürdigen Form der ganzen breiten Deffent lichkeit Gelegenheit zum Wohltun zu geben, hat etwas ungemein Sympathisches. Das hat man auch hier empfunden, und alle die ängstlichen Gemüter, die bei der Vorbereitung dieses Tages mit einer gewissen, nun einmal nicht abzuleugnenden Engherzigkeit doch ein wenig rechnen zu müssen glaubten, werden freudig erstaunt sein über das Resultat. Das konnte aber nach den sorgfäl tigen Vorbereitungen und nach dem warmen Interesse, das alle Beteiligten der Sache entgegenbrachten, nicht ausbleiben. - - es Der Opferfinn der gesamten Bürgerschaft trat legentlich dieses ungewöhnten Schauspiels flar zu Tage. Man kaufte nicht nur in den Straßen, sondern auch in den Häusern; denn die jungen Damen scheuten nicht um für einen recht flotten Abgang der zarten Maßliebchen und Postkarten zu sorgen die Treppen zu erklimmen, um die Bekannten und Verwandten zum Verkauf aufzumuntern. Auch die Fremden, die ahnungslos nach Beendigung ihrer Reise das Bahnhofsgebäude verließen, opferten willig ihr Scherflein. Es war ja auch gar nicht möglich, den Pseudoblumenmädchen zu entgehen, die jede Straßenseite besetzt hielten und flink wie ein Wiesel mit ihren Körbchen und den ominösen Sammelbüchsen von einem zum andern Bürgersteig hinüberliefen. Schon am Vormittag war der Verkauf flott vor sich gegangen, und nachmittags begann der Vertrieb auf's Neue. In der Zeit von 4-7 Uhr war das Gedränge in den Hauptstraßen geradezu lebensgefährlich. Großen Absatz fanden nicht nur die Blumen, sondern auch die Karten, und am Abend konnte man keine Karte mehr erhalten; dasselbe gilt auch von der Blumentags= zeitung. Es war ein rechtes Erntefest für die armen Mütter und Säuglinge, und stolz können alle sein, die sich so und aufopfernd der guten Sache angenommen haben, wir können nicht umhin, den Dank hier noch einmal wie wir es bereits am Samstag taten öffentlich zum Ausdruck zu bringen. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag, den 8. Mai 1911. Offenbach, 6. Mai. In unserer Stadt begann der Verkauf der Blumen schon in den frühen Morgenstunden. Kurz vor 6 Uhr tauchten die ersten Blumenverkäuferinnen in den Straßen auf. Im Verlaufe des Morgens wurde auch eine rege Hausagitation entfaltet. Die Ansichtspostkarten waren bald vergriffen, sodaß man sich genötigt sah, mit Automobilen von Darmdie Mittagsstunde, als die Arbeiter von ihren Arbeitsstadt neue zu beschaffen. Eine rege Verkaufszeit brachte stätten kamen. Jeder Arbeiter opferte bereitwillig seinen Nickel, um auch seinen Teil zu dem wohltätigen Zweck beizutragen. In den meisten Fabriken wurde am Nachmittag nicht gearbeitet. Während der Nachmittagsstun den fanden auf sämtlichen öffentlichen Plätzen Straßenkonzerte und am Abend in sieben hiesigen und 4 Bürgeler Lokalen größere Veranstaltungen statt. -!- Lauterbach, 7. Mai. Hell und klar war die Maiensonne am Samstage aufgegangen. Weißgekleidete Mädchen eilten geschäftig durch die Straßen und ließen niemand ungehindert passieren. Auf dem Marktplatz fand in der Zeit von 12½- 1 Uhr ein Konzert statt, während in der festlich dekorierten Turnhalle des Turnvereins ein„, bunter" Abend mit Restaurationsbetrieb veranstaltet wurde. Hier verkauften die Damen des Komitees allerhand süße Sachen, Zigarren 2c. Für die nötige Unterhaltung war ebenfalls Sorge getragen. An die Aufführungen schloß sich ein Tanz, der die Festteilnehmer noch lange zusammenhielt. * Darmstadt, 6. Mai. Um 8 Uhr begann der Verkauf. Im Nu waren die jungen Mädchen, die mit Geschick und unwiderstehlichem Liebreiz ihre Maßliebchen anboten, von milden Seelen umringt, und der Verfauf setzte mit aller Macht ein. Die fröhlichen Weisen, die im Herrengarten, am Bahnhof, auf dem Luisenplatz und an zahlreichen anderen Stellen der Stadt erklangen, erweichten auch die härtesten Gemüter, und Blumen, Festpostkarten und Wohltätigkeitsporzellan fanden viele Käufer. Das Großherzog spaar unternahm im offenen Wagen eine Rundfahrt. * Mainz, 6. Mai. Alle Kreise unserer Einwohnerschaft hatten sich freudig in den Dienst der Sache gestellt. In der Verkaufsbude auf dem Schillerplatz hatte die Gattin des höchsten Beamten der Zivilbehörde, Frau Provinzialdirektor Dr. Breidert, den Verkauf übernommen. Die Verkaufsbude auf der Kaiserstraße wurde von Frau Geheimrat Streder geleitet. Aber nicht nur Blumen gab es zu verkaufen, auch eine Blumentagschen", Lied von Musikdirektor Karl Kern in Frankfurt a. M.( Gedicht von Dr. Karl Pusch) beiliegt und die außerdem noch wertvolle Reproduktionen enthält, die den Großherzog, die Großherzogin und die beiden Prinzen darstellen. Eine Reihe von Gedichten und sinnigen Betrachtungen vervollständigen den Inhalt des gediegenen Blattes. Die größte Nachfrage herrschte nach den künstlerisch gezeichneten Postkarten. Bald war kein Stück mehr zu haben, und immer neue Vorräte mußten von Darmstadt herübergebracht werden. Wir lassen nun nachstehend Berichte aus der Pro- zeitung wurde für 20 Pig. ausgeboten, der Maßlieb vinz Oberhessen und andern großen Städten des Großherzogtums, soweit sie uns vorliegen, in gedrängter Kürze folgen: =)(= Wiesed, 8. Mai. Ein geschäftiges Leben und Treiben entwickelte sich gestern am Blumensonntage in unseren Straßen. Ueberall sah man die jungen Mädchen mit ihren schmucken Körbchen, wie sie Maßliebchen, Postkarten und Zeitungen verkauften. Auf der Wel= lersburg fand am Nachmittage ein stark besuchtes Konzert statt, an dem sich die hiesigen Gesangvereine und die Musikkapelle beteiligten. Der Kauf eines zarten Blümchens berechtigte zum Eintritt. == Lollar, 8. Mai. Zahlreiche weißgekleidete Mädchen eilten am Sonntag durch die Straßen, um die Aus Stadt und Land. Gießen, den 8. Mai 1911. ihnen vom Komitee ausgehändigten Blumen, WohlBei der Serie 24 der Pfandbriefe der fahrtspostkarten und Zeitungen zu verkaufen. Im Saalbau zur Linde fand am Abend ein volkstümliches Kon- hessischen Landeshypothekenbank, die nach der Bekanntzert statt. Unsere drei Gesangvereine sowie die hiesigen machung vom 12. Februar 1910 vor 1914 weder gefündigt noch verlost werden kann, ist laut BekanntmachLehrer stellten in dankenswerter Weise ihre Kraft in den ung des Großh. Finanzministeriums die Rückzahlung Dienst der guten Sache. Durch ihre vorzüglichen Darbis zum 2. Januar 1920 ausgeschlossen. bietungen brachten sie reiche Abwechselung in das umfangreiche Programm. Wer den Saal betreten wollte, mußte vorher ein Maßliebchen erwerben. Soweit sich der Verkauf jetzt schon überschauen läßt, ist ein recht guter Umsatz erzielt worden. aus h= Bad Nauheim, 8. Mai. Ein farbenpräch tiges Bild entrollte sich am Blumensonntage in unserer Stadt. Zu Dutzenden sah man die jungen blizäugigen Damen auf den Straßen, Bastkörbchen und Sammel= büchsen in den schlank- weißen Armen. Sie gingen ganz in ihrer Betätigung als Blumenmädchen auf. Naturgemäß konzentrierte sich der Verkauf an den Stellen, wo von der Kurkapelle und den weißen Dragonern Darmstadt Konzerte veranstaltet wurden: morgens am Tennis- Cafe und auf dem Burgplatz in der Altstadt, mittags auf der Terrasse und am Teich, abends auf der Terrasse und im Tennis- Cafe. Dort war ein gutes Geschäft" zu machen. Die holden Blumenverkäuferinnen schlängelten sich durch die wogenden Massen, ihre„ Ware" mit Eifer und Grazie anbietend: Bitte, noch eine Blume, noch eine Postkarte! Ach, kaufen Sie mir doch ein Mazliebchen ab! Und so ging es in wechselnden Bildern bis zum Abend, der dem Verkaufe ein viel frühes Ende setzte. * Alarmsignale der Feuerwehr ertönten gestern abend gegen 211 Uhr durch die Straßen der Stadt. Es brannte die Villa der Witwe Kempff, Marburgerstraße 65. Das Obergeschoß des Hauses wurde vom Feuer vollständig vernichtet. Jedoch gelang es dem tatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr, das weitere Umsichgreifen des mit elementarer Gewalt wütenden Feuers zu verhindern. Der übrige Teil des schon alten Gebäudes wurde aber durch die Löscharbeiten derart beschädigt, daß ein Neubau nötig sein wird. Die Entstehungsursache des Feuers ist unbekannt. * Wieseck, 8. Mai. Jhr 50jähriges Arbeitsjubiläum als Zigarrenarbeiterin bei der Firma Gg. Heinr. Schirmer in Gießen beging Helene Schäfer. Lauterbach, 6. Mai. Die finanziell am günstigsten gestellte Gemeinde in unserem Kreise ist FreienSteinau, das nur 25 Prozent Zuschlag als Gemeinde= steuer erhebt, trotzdem es in den letzten Jahren ein Wasserwerk mit einem Kostenaufwand von rund 85 000 M. ausgeführt hat. * Marburg, 6. Mai. Der des Raubanfalls an dem Bautechniker Mauß bezichtigte, in Gemünden festgenommene Maurer Ie ugnet, der Täter zu sein. Eine ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellengesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Gegenüberstellung mit Mauß, der in der Klinik liegt, konnte noch nicht erfolgen. * Bad Nauheim, 8. Mai. Eine„ Millione n"- Reklame für Bad- Nauheim hat die Großherzogliche Kur- und Badeverwaltung für diese Saison in Szene gesetzt. In der nächsten Ausgabe der 2 MarkBriefmarkenheftchen, die immer in einer Auflage von 1 Million erscheinen, ist unser Badeplatz mit einem gröBeren Inserat vertreten. Hoffentlich entspricht der Erfolg dieser Reklame der Höhe der Auflage und der Aufwendungen an Geld. -Ich Grüningen( Oberhessen), 6. Mai. Blutige Kämpfe gingen unserer bevorstehenden Bürgermeister- wahl voraus. Als am Donnerstag abend ein Anhän ger des jetzigen Bürgermeisters aus der Parteiwirtschaft heimgehen wollte, überfielen ihn 3 Gegner, verfolgten ihn bis in seine Hofraite und mißhandelten ihn mit Gummischläuchen und gefährlichen Gegenständen, bis er bewußtlos und blutüberströmt liegen blieb. Gestern traf die Gendarmerie ein und holte die 3 Täter, die sämtlich Familienväter sind, ab. -- Grebenhain, 6. Mai. Der Senior der Polizeidiener Oberhessens, Herr Merz in Dirlam= men, erhielt dieser Tage von der Gemeinde eine Ehren gabe von 50/ Mark in Anerkennung seiner langjährigen und treuen Dienste. Der Polizeiveterane tritt nunmehr in den wohlverdienten Ruhestand. Herr Merz steht im 85. Lebensjahre und war 45 Jahre lang Polizeidiener. -h Frankfurt a. M., 8. Mai. Das gestern stattgefundene Radrennen brachte der Arena neuen Massenbesuch. Die Besetzung der Steherrennen der Klassen A und B war erstklassig. Im Preis vom Niederwald, ein Stundenrennen hinter Motoren, gefahren in zwei Läufen von je 1 Stunde, siegte Walter Ebert- Leipzig vor Hoppe, Schaumburger, Dubielczyk und Jean Weiß. Das mit großer Spannung erwartete Stundenrennen um den Großen Preis von Frankfurt, das von Ryser, Stellbrinck, Theile und dem Breslauer Scheuermann, der bisher auf der Frankfurter Bahn noch nicht geschla= gen werden konnte, und der erst am 2. April auf der Frankfurter Bahn in hervorragender Weise einen neuen Weltrekord über 50 Kilometer schuf, brachte einen Ueberraschungssieg des Berliner Stellbrinck, der in einer Stunde 81 Kilometer zurücklegte. 390 Meter zurück endete Scheuermann, Theile wurde Dritter, Ryser Vierter. Preise: dem Sieger eine goldene Medaille und Mt. 1800 in bar, dem Zweiten, Dritten und Vierten Mark 1200, 800, 500. Im Hauptfahren, ein Fliegerrennen in 3 Läufen über 1000 Meter, siegte Chr. Rode- Mainz. - Stockheim, 4. Mai. Das für den Himmelfahrtstag auf der Ronneburg bei Büdingen geplante volkstümliche Festspiel( aufgeführt von Mitgliedern des V. H. Cl.) soll nicht am genannten Tag, sondern am 25. Juni stattfinden, da die Ronneburg an ersterem Termin wie alljährlich für das Publikum geöffnet bleiben soll. Gedern, 6. Mai. Die Jungviehweide Wernings eröffnete ihren diesjährigen Betrieb am 5. Mai mit 14 Fohlen und 62 Rindern. Es mußten viele angemeldeten Tiere wegen der Maul- und Klauenseuche zurückgewiesen werden. -e- Leun. Der im 71. Lebensjahre stehende Bergwerksdirektor Friedrich Staaden wurde unerwartet vom Tode ereilt. Der Verstorbene, der in Wiesbaden wohnte, war an das Krankenbett seiner im hiesigen Orte lebenden Schwester gerufen. Als er dem Zuge entstieg, erfuhr er auf eine Anfrage, daß seine Schwester gestorben sei. Diese Nachricht hat ihn so stark ergriffen, daß ein Herzschlag seinem Leben ein Ende machte. Darmstadt, 6. Mai. Die Grube Ludwigs= hoffnung bei Wölfersheim betrifft ein von dem Abg. Ulrich verfaßter, soeben erschienener Bericht des Finanzausschusses der Zweiten Kammer, der 45 Seiten stark sehr übersichtlich die Verhandlungen des Ausschusses mit der Regierung erörtert und alle hierbei in Frage kommenden Bedenken und Vorteile, welche bei Errichtung des zirka 2 Millionen Mark kostenden Werkes geldie tend gemacht wurden. Der Bericht enthält u. a. Gutachten von vier einwandfreien Sachverständigen, die sich für die Errichtung des Werkes aussprechen, außerdem eine ausführliche Rentabilitätsberechnung der gesamten Anlage und begründet dann ebenso präzis den vom Ausschuß gefaßten Beschluß für die Anlage einzutreten. * * Büdingen. Der Großherzog hat den Architekten Joseph Mockenhaupt zum Hauptlehrer ernannt. Worms, 6. Mai. Heute vormittag geriet in der Tuchfabrik W. J. D. Valckenberg ein 24 Jahre alter Arbeiter in die Transmission. Er wurde mitgerissen und gegen die Decke geschleudert. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein. Honni soit qui mal y pense. Honni soit qui mal y Bon Wilhelm Wolters. pense. rand hinunter glückstrahlend Aber mit Hobbi solt qui mal y penss. auf der Stelle heiraten!" donnerte Mr. Parker. ,, Sie haben Miß Parker umarmt, ich verlange, daß sie sie dem allergrößten Vergnügen!" rief der Doktor " Ich reise noch heute nach Deutschland und bringe alles in Im Gegenteil er ift eines Klubs zur Richtung hin zu erweitern." jedes Jahr herüber, um seine prattischen Kenntnisse nach außerordentlich rührig in diefer feiner hens ach fürt Förderung der deutsch englischen Beziehungen geworden und ist Borsigenber n'inllie den etter 3um Ehrenpräsidenten eines deutschen Deutscher Reichstag. Ruhig, sachlich, in den Formen schier akademischer ErBrterungen hat am Freitag die mit soviel gerechter Spannung erwartete Parteien So Großherzog ist bekanntlich durch seine Mutter, die verstorbene Großherzogin Alice, ein Enkel der Königin Viktoria und demnach ein Vetter des Königs Georgs V. von England. Der Prinzregent Luitpold von Bayern hat seinen Enkel, den Prinzen Rupprecht von Bayern, mit seiner Vertretung bei den Krönungsfesten beauftragt. Ais Ver= treter des Königs von Württemberg wird der Herzog Albrecht von Württemberg zur Krönungsfeier nach London gehen. Der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Stemmrich, ist auf sein Ansuchen einstweilen zur Disposition gestellt worden, unter Verleihung des Charakters eines Wirkl. Geh. Rates mit dem Titel Exzellenz. An seine Stelle tritt der Wirkt. Geh. Legationsrat Zimmermann. Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Dr. Weber, der bekannte Sprecher seiner Fraktion in der ehemaligen Kommission zur Borberatung der Reichsfinanzieform, fandidiert nicht wieder. Er hat es endgültig abgelehnt, die ihm von dem Nationalliberalen Verein des zweiten sächsischen Reichstagswahlkreises Löbau- Ebersbach wieder angebotene Kandidatur anzunehmen. Ueber die Gründe, die Weber als Direktor der Löbauer Bank veranlaßt ha= ben, sich nicht wieder um ein Reichstagsmandat zu bewerben, teilt der Vorstand des Nationalliberalen Vereins des Wahlkreises offiziell mit, daß Weber nach den bisherigen Vorkommnissen Anlaß zu der Befürchtung hatte, daß die Gegner den Wahlkampf nicht sachlich auffassen, sondern Folgen in Aussicht stellen oder ziehen für das von ihm mit vertretene Bankinstitut, dessen Interessen ihm in erster Linie am Herzen liegen müssen." Weber hatte übrigens von vornherein erklärt, daß er nur wieder kandidieren werde, wenn es zu einer Einigung der bürgerlichen Parteien kommen sollte. Diese Voraussetzung trifft leider nicht zu. zweite Beratung der Reichsversicherungsordnung begonnen, die für die nächsten Wochen nicht von der Tagesordnung verschwinden wird. Nach den Vereinbarungen im Seniorenkonvent sind Geschäftsordnungsdebatten ausgeschlossen und die Beratung soll in den üblichen Formen, Paragraph für Paragraph, vorgenommen werden. ging man mit strenger Sachlichkeit, jedenfalls ohne tiefere Gemütsbewegungen, gleich an die Besprechung des ersten Buches( gemeinsame Vorschriften für alle Versicherungszweige). Es scheint keinerlei Konfliktsstoff zwischen den bürgerlichen Parteien und den Sozialdemokraten vorhan= den zu sein. Freilich haben die Sozialdemokraten allein zu den ersten 10 Paragraphen mehr als 30 Abänderungsanträge eingebracht. Die ersten Abschnitte blieben nach den Kommissionsvorschlägen unverändert. Zu§ 20 lag ein von mehreren unterstützter Abänderungsantrag Schickert( f.) vor, wonach bet Beratung über solche Gegenstände, welche das Privatinteresse eines Mitgliedes eines Versicherungsorgans oder seiner Angehörigen berühren, sich dieses Mitglied der Teilnahme an der Beratung und Abstimmung enthalte, auch sich während der Beratung aus bem Sizungszimmer entfernen muß. Nach kurzer Debatte, an der die Abgg. Trimborn( 3.), Mugdan( f. Vp.) und Graf v. Westarp( f.) sich beteiligten, wurde dieser Antrag angenommen. Bei den die Versicherungsämter betreffenden Bestimmungen versuchten die Sozialdemokraten diese Aemter als selbständige Behörden wieder einzuführen; bekanntlich sollen sie nach dem vom Abg. Frhrn. von Gamp( Reichspartei) bereits bei der ersten Lesung unterbereiteten Vorschlage und dem Kommissionsbeschluß den besonderen Abteilungen der unteren Verwaltungsbehörden angegliedert werden. Die Antragsteller fanden Gegenliebe bei den Abgg. Cuno( f. Vp.) und Kulerski( Pole). In namentlicher Abstimmung fiel thr Antrag aber mit 224 gegen 65 Stimmen. Die Beratung der folgenden Vorschriften bot Bemerkenswertes nicht. Namentlich wurde nur noch einmal abge= stimmt: beim Paragraphen 49, der von den Versicherungsvertretern handelt. Hier verlangten die Sozialdemokraten statt der von der Kommission vorgesehenen indirekten Verhältniswahl die allgemeine, gleiche direkte und geheime Wahl. Abg. Molkenbuhr, der sonst so bedächtige, sprach in der Begründung dieses Begehrens von einer„ infamen Entrechtung der Landarbeiter", die, falls es bei den Kommissionsbeschlüssen bliebe, inbezug auf die Landkrankenkasfen statthaben müßte. Indes traten bei der namentlichen Abstimmung doch nur Fortschritt und die Polen an ihre Seite: noch immer betrug die ablehnende Mehrheit 193 Stimmen. Dann griff man noch den Abschnitt von den Oberversicherungsämtern an und förderte ihn um einige zwanzig Nummern. Dann machte man Schluß. Man hat 91 Paragraphen erledigt: das ist für den ersten Tag eine recht ansehnliche Leistung. Ob ihm noch viele gleich ertragsreiche folgen werden?.... Hoffnungsvollere Aussichten für den Reichstag. In der elsah- lothringischen Verfassungsfrage ist, wie die„ Preßzentrale" authentisch erfährt, zwischen der Regierung und den Parteiführern in geheimer Sizung eine Einigung erzielt worden. Die Majorität besteht aus dem Zentrum und den Liberalen. Der Reichskanzler hat be= reits in Karlsruhe dem Kaiser Bericht darüber erstattet. Harmon, der als demokratischer Kandidat für die Präs sidentschaft gilt, beauftragten Kriminalbeamte, verschie dene höhere Beamte zu überwachen. Es wurde festgestellt, daß die Beamten gemeinschaftlich mit großen Finanzge sellschaften die Geseze willkürlich auslegten und sie sogar abänderten. Es steht die Verhaftung mehrerer hoher Staatsbeamter bevor. Die fortschrittliche Volkspartei hat nach Mitteilung ihres Führers, des Abg. Wiemer, die Absicht, für Landwirtschaft, Mittelstand und Arbeiter besondere Lettsäge auszuarbeiten, die als Ergänzung des allgemeinen Programms die Stellung der Partei zu allen für diese Erwerbstreise in Betracht kommenden Fragen klarlegen sollen. Das Schicksal des scheidenden Reichstags hängt, so schreibt man uns aus Berlin, völlig von dem Verlaufe der Beratungen der Reichsversicherungsordnung ab. In parlamentarischen Kreisen sieht man neuerdings der Entwickelung der Dinge nicht mehr so pessimistisch) ent= gegen. Es bereitet sich anscheinend ein Kompromiß ber bürgerlichen Parteien vor. Und zwar handelt es sich dabei in der Hauptsache um die Krankenkassen. Bisher zahlten die Arbeiter dazu zwei Drittel, die Arbeitgeber ein Drittel der Kosten; entsprechend war auch der maßgebende Einfluß verteilt. Die Regierung schlug die Halbierung vor. In der Kommission ist nun die DritteTung geblieben, aber durch die neu eingeführte Ab stimmung nach Gruppen bei wichtigen Fragen ist tatsächlich eine Halbierung bei der Verteilung des Abstimmungseinflusses in den Hauptfragen erreicht worden. Man erwartet nun eine Verständigung dahin, daß auch die Beiträge halbiert werden. Würde das erreicht werden, so hätte auch die Sozialdemokratie ein großes Interesse am Gesez. Eine allgemeine Verständigung ließe fich dann erzielen, so daß die umfangreiche Vorlage tatsächlich noch bis Pfingsten erledigt werden könnte. Der Reichstag könnte dann noch die Handelsverträge, die Vorlage über die kleinen Aktien und die elsaß- lothringische Verfassungsfrage nach Pfingsten erledigen und ohne Herbstsession von der Bildfläche verschwinden. Rundschau vom Cage. Politisches. Der Deutsche Fürsten als englische Krönungsgäste. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen beabsichtigt den Krönungsfeierlichkeiten in London selbst beizuwohnen. Der 83) Des Rätsels Lösung. Roman von Ludwig Blüm ck e. Nachdruck verboten.) Die Lage in Megito. Der mexikanische Botschafter in Washington, Wilson, erklärt die Zustände in Meriko für unerträglich. Man befürchtet eine Krisis in Meriko. Es werden wahrscheinlich unverzüglich Kriegsschiffe nach Acapulco entsandt werden, wo die Lage der Amerikaner besonders bedrohlich erscheint. China reformiert. Ein soeben ergangenes Editt fors dert alle Verwaltungsbehörden auf, monatlich Bericht über ihre Ausgaben zu erstatten und diese lediglich für solche Zwecke zu verwenden, für die sie vorgesehen sind. Die an dem Zustandekommen der internationalen Anleihe beteiligten Bankiers haben den Drachenorden erhalten. Der chinesische Unterrichtsminister hat eine Verfügung erlassen, monach an den Mittelschulen und Volksschulen der Turnunterricht und der Unterricht im Ererzieren und Schießen obligatorisch eingeführt werden soll. Den Schulen soll die genügende Anzahl Flinten leichteren Typs zur Verfügung gestellt werden, der Unterricht soll durch Militärinstruks teure erfolgen. Zum Cölner Spionagefall wird heute gemeldet: Die seit vier Wochen verhaftete französische Sprachlehrerin Thirion beteuert fortgesetzt ihre Unschuld, meint aber, daß es auf die Auffassung ankomme, ob sie des ihr zur Last gelegten Deliftes schuldig oder nicht schuldig sei. Die Verhältnisse, erklärte sie, sprechen gegen mich. Fräulein Thirion war nur vorübergehend in Cöln ansässig. Sie hatte sich vor zwei Monaten nach Paris abgemeldet, um einen Erholungsurlaub bei ihrer dort in guten Verhältnissen le= benden Mutter zu verbringen und war nach Cöln zurüdgefehrt, dort wurde sie auf der Straße verhaftet. Fräulein Thirion unterhielt auch Beziehungen zu angesehenen Familien in Stuttgart, Lübeck, Düsseldorf und Berlin, und bis hierher erstreckt sich auch die Untersuchung über ihr Vorleben und ihre Verbindungen mit Militärpersonen. Trotzdem diese Worte in sehr ruhigem Tone gesprochen waren, sah Schirmer des Inspektors Angst nur zu deutlich und war seiner Sache ganz sicher. Woltersdorf bezahlte und entfernte sich, scheinbar recht gut ge= launt. Der Rentmeister hatte dem General soeben Bericht erstattet und denselben mit den Worten geschlossen: Die Abgeordnetenhauskommission für das preußische Pflichtsortbildungsschulgesetz beriet am Freitag die Paragraphen 2 bis 4, die die Pflichten der Gemeinde und die Berechtigung, in bestimmten Fällen gemeinschaftlich eine Pflichtfortbildungsschule zu unterhalten, regeln. Die Paragraphen wurden im wesentlichen nach dem Regierungsentwurf angenommen. Ein freifonservativer Anirag, wonach, land- und forstwirtschaftliche Arbeiter der Schulpflicht nicht unterliegen, fand ebenfalls Annahme. " Ich bin somit der festen Ueberzeugung, daß Schirmer mehr weiß, als er mir gesagt hat. Wenn der Mann sofort verhaftet würde, müßte ein Geständnis aus ihm herauszuloden sein. Er selber ist offenbar nicht der Dieb. Aber er kennt denselben. Es entging mir nicht, daß er seiner Frau, wie sie sich verplapperte und einräumte, daß ihr der Schein durch die Strichelchen aufgefallen wäre, mit den Augen ein Zeichen gegeben." ,, Aeußerst interessant, Herr Raben. Wir wollen den Amtsvorsteher veranlassen, Schirmer und seine Frau zu verhaften." Kleine Nachrichten. Der nationalliberale preußische Abgeordnete Dr. Haar= mann in Witten( nicht wie gemeldet, sein Bruder Haarmann- Dortmund) hat am Freitag in einem Berliner Hotel einen Schlaganfall eritten, an dessen Folgen er ge= storben ist. Er war Oberbürgermeister von Witten in Westfalen. 1884 bis 1887 und 1887 bis 1890 gehörte er dem Neichstage an. Im Abgeordnetenhause vertrat er den Wahlkreis Hattingen- Witten Eine italienische Auszeichnung für den Oberbürgermei: ster von Berlin. Der italienische Botschafter hat dem Oberbürgermeister von Berlin eine goldene Medaille überreicht, die der König von Italien der Stadt Berlin in Anerkennung der von ihr für die Opfer der Erdbeben in Sizilien und Kalabrien am 28. Dezember 1908 geleisteten Unterstützung verliehen hat. Ueber den Gesundheitszustand König Alfons werden wieder ungünstige Meldungen verbreitet. Trotz des erfolgten Dementi hält der Pariser Intransigeant seine Meldung aufrecht, daß der König von Spanien an Schwindsucht leide und sich demnächst in der Schweiz einer Kur unterziehen werde. Auch Londoner Blätter wollen aus sicherer Quelle erfahren haben, daß König Alfons tatsächlich lungenleidend set. Ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister von Stuttgart? Die Stuttgarter Sozialdemokratie hat für die am 12. Mai stattfindende Oberbürgermeisterwahl nach erregten Auseinandersetzungen innerhalb der Partei doch noch einen eigenen Kandidaten aufgestellt in der Person des Landtagsabgeordneten und früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Lindemann, der große Aussicht hat, gewählt zu werden, wenn die übrigen Parteien sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Die Nationalliberalen und die rechtsstehenden Parteien haben sich auf den Regierungsrat Lautenschlager geeinigt, dem jedoch, da er der nationalliberalen Partei angehört, die Volkspartei vorläufig noch ablehnend gegenübersteht. Gerade in diesem Augenblic trat Woltersdorf ein. Der General teilte ihm hastig mit, was man bisher ermittelt. Er nidte nur mit dem Kopf und machte eine Miene, als wollte er sagen, er wüßte das alles und noch weit mehr. Sensationelle Vorkommnisse mit politischem Hintergrund sind in der Verwaltung des nordamerikanischen Staates Ohio entdeckt worden. Freunde des Gouverneurs Jch tomme gerade von Schirmer," sprach er dann. Wenn ich mir einen Rat erlauben darf, so würde der bahin gehen, daß man die Wirtsleute einstweilen in Ruhe läßt und überhaupt möglichst wenig verlauten läßt. Jch habe mir soeben alle erdenkliche Mühe gegeben, aus Schirmer etwas herauszukriegen. An fenem Abend waren verschiedene Gäste in seinem Lokal, die nicht zu den alltägItchen Besuchern gehören. Der Herr Leutnant hielt sich auch auf ein paar Minuten dort auf." Die Einrichtung von Kinderlesehallen ist vom Kuratorium der Berliner Stadtbibliothek beschlossen worden. Es sind zuerst Lesehallen in Aussicht genommen, in denen Erwachsene keinen Zutritt haben. ,, Mein Sohn? Das glaube ich nicht! Der hat das schmuzige Lokal nie betreten!" rief der General aus, und sein Antlig verfärbte sich. Es war das allerdings auch eine freche Lüge, aber Woltersdorf hatte damit erreicht, was er erreichen wollte. Das unvorsichtige Umgehen mit einer geladenen Schußwaffe hat wieder einmal ein schweres Unglück herbeigeführt. Der Schneidergehilfe Kohl aus Berlin, der in einem Prager Hotel mit seinem Freunde übernachtete, zeig te diesem einen geladenen Revolver. Die Waffe entlud sich und traf letzteren, der aber nur leicht verletzt wurde. In der Meinung, er habe seinen Freund erschossen, tötete sich Kohl durch vier Schüsse. Ein schwerer Eisenbahnunfall hat sich Freitag nachmit tag bei Ratingen unweit Düsseldorf ereignet. Dort ent gleiste der Eilzug 78 Essen- Düsseldorf. Der Lokomotivführer wurde getötet; der Heizer und ein höherer Beamter wurden schwer und fünf Reisende leicht verleßt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Ursache ist noch nicht ermittelt. Aus den Gerichtssälen. Der Gene Schulz in Sa marschall Gra nahme an ein und die dort gefchloffen we zubeugen, hat zur Jugend be rer selbst zu ve lich die Schulf rend einiger G Die verta Landtagserfat in den Jolter bemerkt ins und setzt sich ein Duhend geht und gibt fer figt noch u Warten zu bi lehnt sich übe Wahllofal hi Mann hätten müssen, der fizungen. liber die wird noch fo jetzt einer a in die Zelle Mutter die bie Jahre im auf Rauman fehrte. Er fo dem es u. a. h Anhänger der welche von A den werden. biblischen Sch schrieben sind, ein anderes wohnheiten le biblisches Geb nicht. Ich beo Obrigkeit unte fekt. Zu den 2 hat, tommt no horfamsverweig zur Aburteilur Naumanns St Die Vorlie wie aus den fchen Amtes he sein. Es fan Das Martyrium einer Lehrerin. Die Lehrerin Ballerstedt aus Danzig war im Forsthaus Luisenhof bei Falkenberg in Pommern als Erzieherin der Töchter des Försters Franzke tätig. Frau Franzke wurde ohne Grund eifersüchtig und Hetzte die Schülerinnen gegen ihre Lehrerin auf. Ihrem Manne ließ die Förstersfrau durch die Kinder eines Tages die Mitteilung zugehen, Fräulein Ballerstedt habe sie vergiften wollen. Der Förster schleppte nun die Lehrerin in den Wald und mißhandelte sie mit Beihilfe seines Knechtes so lange, bis sie besinnungslos wurde. Die vom Förster an einen Baum gefesselte Dame wurde über und über mit Blut bedeckt aufgefunden und in ein KrankenHaus gebracht. Sie ist dauerndem Siechtum verfallen. Der Förster wurde zunächst in eine Irrenanstalt gebracht. Bet der ersten Verhandlung erklärten die Sachverständigen, daß der Angeklagte als Alkoholiker jedenfalls in epileptischem Zustande gehandelt habe. Bei der zweiten Verhandlung lautete das Gutachten des Obermedizinal- Kollegiums dahin, daß der Angeklagte möglicherweise im Wahn gehandelt haben könne. Für die Tat sei er verantwortlich zu machen. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Verurteilt wurde er zu 2½ Jahren Gefängnis. „ Mag sein," fuhr er fort.„ Ich habe das auch gar nicht von Schirmer gehört, sondern von einem anderen, der vorläufig nicht genannt werden möchte. Außerdem war an jenem Abend, wie ich bestimmt weiß, ein Schwei nehändler in der Wirtschaft, den ich wiederholt hier auf dem Schloßhofe gesehen, ohne recht zu wissen, was er wollte. Der verließ gegen Mitternacht das Lokal und könnte den Diebstahl recht wohl verübt haben. Schirmer war, wie zu später Stunde gewöhnlich, so betrunken, daß seine Aussagen von gar keinem Wert sind. Mag sein, daß er sich auf nichts klar besinnt, mag sein, daß er niemand verdächtigen will. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, den Händler, der Martini heißen soll, unter allen Umständen zu ermitteln. Es ist in N. heute Viehmarkt. Ich will mich sofort dorthin begeben, denn ich hoffe, Martini dort zu treffen. Man will ihn mit einer Schweineherde gestern in der Nähe gesehen haben." Alle Achtung, Herr Woltersdorf!" sagte der Rentmeister. Sie sind ein gewiegterer Detektiv als ich. Was Sie da in den paar Stunden alles ermittelt haben, ist ja geradezu erstaunlich." Der Inspektor schaute den alten Herrn etwas mißtrauisch an, denn er wußte nicht, ob diese Bemerkung Ironie oder Ernst sein sollte. Der General nahm ste jedenfalls sehr ernst auf und beschwor thn geradezu, doch alles daran zu sehen, den Mann ausfindig zu machen. Woltersdorf ging, nachdem er noch gesagt, man möge sich nicht wundern, wenn er sehr spät oder gar erst morgen zurückäme. Was er an Geld und Gut zur Hand hatte, ltek fich leicht in seinem Reisefoffer unterbringen. In der Kasse befand sich zurzeit keine größere Summe, nur etwas über hundert Mark. Doch auch die schienen ihm des Mitneh mens wert. Ein Petschaft mit des Generals Wappen und Namen, sowie einige andere Kleinigkeiten, die ihm gerade in die Hände fielen, hielt er ebenfalls für zweckmäßig, mit auf die Reise zu nehmen. Sein fühner Plan ging dahin, daß er auf schnellem Roß heute noch die Stadt N. erreichte, um von dort mit dem ersten Schnelldampfer in die weite Welt zu fahren. In N. beabsichtigte er, eine größere Summe für den General einzukassieren. Sovie! er wußte, hatte derselbe dort über 50 000 Mark deponiert. Der Bankier fannte ihn sehr gut und hatte ihm bereits öfters große Beträge ausgezahlt. Das Reitpferd, ein junger Vollblutrappe, stand gesattelt vor der Tür. Wenige Minuten später galoppierte Woltersdorf mit seinem Köfferchen, das er unter dem Kaisermantel wohl verborgen hatte, über die Wedelsteiner Felder dahin, auf fürzestem Wege der etwa drei Stunden entfernten Stadt zu. Dieser von ihm gewählte Weg führte nun nicht immer über ebene Felder, er war vielmehr stellenweise sehr schwer passierbar, denn es galt manches Hindernis zu nehmen, das der verwegene Reiter unter anderen Umständen ganz gewiß vermieden hätte. Nach fast zweistündigem Ritt, wie Roß und Reiter ihn noch nicht erlebt, sieht Woltersdorf die Türme der Stadt N. von ferne ragen. In einer Stunde fährt der Zug, den er erreichen mill. erreichen muß! Er drückt dem schaumbededten Pferd die Sporen tief in die Weichen, denn jede Sekunde ist kostbar. Da, ein neues Hindernis! Der Rappe bäumt sich hoch auf, ein Abgrund gähnt dort, den zu überspringen er sich nicht getraut. Unten rieselt ein silberhelles Bächlein. Es ist nicht weit bis zum jenseitigen Ufer, nur wenige Schritte, aber die Schlucht ist tief. Viel breitere Gräben hat der Vollblüter heute schon übersprungen, das rieselnde, glitzernde Wasser dort unten muß ihn scheu gemacht haben. Woltersdorf jagt ihm in wilder Wut die Sporen in die Flanken. ( Schluß folgt.) in Düsseldorf statt, zu dene wurden. Von fielen 122 000 auf Spezialitä dere Darstellun phentheater u im gleichen 3e Sauberes Mängel der n Beschwerden ü wichtiger aber mit begonnen hen. 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Der Feldmarschall versammelt täglich die Schuljugend in seinem Parte um sich, um sie während einiger Stunden zu unterrichten. Die verkannte Jolierzelle. Bei der Straubinger Landtagserfazwahl wurde einem Wähler bedeutet, ec möge in den Jolterraum treten, um dort seinen Wahlzettel unbemerkt ins Kuvert zu stecken. Er folgt der Anweisung und setzt sich auf den dort bereitstehenden Stuhl. Wohl ein Dutzend anderer Wähler kommt, tritt in den Raum, geht und gibt die Wahlzettel ab. Nur der gute erste Wäh ler sitzt noch und kommt nicht. Endlich wird ihm doch das Warten zu bunt. Er steigt im Verschlag auf den Stuhl, lehnt sich über die Brüstung desselben und rust in das Wahllofal hinein: Wann tomm denn i d'ran?" Den Mann hätten sie eigentlich zum Abgeordneten wählen müssen, der so unverkennbares Talent hat für Dauerfizungen. über die Sinnesänderung des Adventisten Naumann wird noch folgendes erzählt: Ein früherer Adventist, der jetzt einer anderen Sekte beigetreten ist, erhielt Einlaß, in die Zelle des Naumann und erzählte ihm, daß seine Mutter die größte Not leiden müsse, während er, der Sohn, die Jahre im Gefängnis verbringe. Das wirfte derartig auf Raumann ein, daß er den Adventisten den Rücken fehrte. Er schrieb an seine Angehörigen einen Brief, in dem es u. a. heißt:„ Ich bin bei gutem Gewissen nicht mehr Anhänger der Adventisten. Die Bibel birgt Geheimnisse, welche von Adventisten selbst, wie sie sagen, nicht verstanden merden, ja auch von den Propheten selbst nicht. Alle biblischen Schriften, die nicht an uns Heiden- Christen geschrieben sind, kann ich nicht zu Rate ziehen, weil sie an ein anderes Volt, unter anderen Verhältnissen und Gewohnheiten lebend, geschrieben sind. Ein geistliches oder biblisches Gebot für Beobachtung des Sonntags existiert nicht. Ich beobachte ein solches höchstens, als der weltlichen Obrigkeit untertan zu sein." Naumann gehorcht olso jezt. Zu den 2½ Jahren Gefängnis, die er noch abzubüßen hat, kommt noch die Bestrafung für etwa 50 Fälle der Gehorsamsverweigerung, die demnächst vor dem Kriegsgericht zur Aburteilung gelangen. Es ist aber wohl sicher, daß Naumanns Strafe sehr gemildert werden wird. Die Vorliebe für die Kinemathographentheater scheint, wie aus den Veröffentlichungen des Düsseldorfer statistischen Amtes hervorgeht, noch in starkem Wachsen begriffen zu sein. Es fanden im ersten Viertel des laufenden Jahres in Düsseldorf 1935 billettsteuerpflichtige Veranstaltungen statt, zu denen rund 890 000 Einzelfarten ausgegeben wurden. Von diesen steuerpflichtigen Einzelfarten entfielen 122 000 auf Theater, 110 000 auf Konzerte, 122 000 auf Spezialitätenvorstellungen, 91 000 auf verschiedene an= dere Darstellungen und rund 445 000 auf Kinemathographentheater und Lichtbildervorstellungen, gegen 283 000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Sauberes Papiergeld. Die Klagen über fünstlerische Mängel der neuen Hundertmarkscheine sind berechtigt, die Beschwerden über das unhandliche Format ebenfalls. Viel wichtiger aber ist das Verlangen, daß endlich einmal damit begonnen wird, alles unsaubere Papiergeld einzuziehen. Jahrelang wandern oft die Scheine von Hand zu Hand und befinden sich zuletzt in einem Zustande, der in hohem Grade unappetitlich ist. Sind die Scheine erst unansehnlich und beschädigt, dann verdoppelt sich die Zirkulationsschnelligkeit, denn schmutziges Papiergeld sucht jedermann gern wieder los zu werden. Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die englischen Banknoten einfach und schlicht, aber stets sauber sind, weil die Bank von England die zurückkommenden Banknoten nicht wieder ausgibt, sondern durch neue Scheine ersetzt. In England find schmutzige Banknoten unbekannt. Will oder kann man in Deutschland nicht so weit gehen wie in England, so ließe es sich doch erreichen, daß alle Reichs- und Staatskassen angewiesen würden, unter feinen Umständen unsauberes Papiergeld wieder in den Verkehr zu bringen, jondern bei den Ausgabestellen gegen neue Scheine einzutauschen. Dann würde das unsaubere Papiergeld bald aus dem Verfehr verschwinden. Die Beliebtheit des Papiergeldes kann dabei nur gewinnen. Die verhältnismäßig geringen Her Stellungskosten dürfen kein Hindernis bilden, wenn es gilt, die schmutzig gewordenen Scheine durch saubere zu ersetzen. Eine Hochzeit, die feine war, fand im Gasthaus„ Zum Hirsch" in Schwäbisch- Gmünd statt. Aus besonderen Gründen hatte die Braut am Vorabend der anberaumten Hochzeitsfeier ihre Mitwirkung abgesagt und die Eheschließung auf dem Standesamte abbestellt. Das fonnte aber nicht verhindern, daß die geladenen Gäste von auswärts und auch solche von Gmünd, die von der Abbestellung nichts wußten, zur Hochzeit erschienen und, einmal da, sich in das Unvermeidliche schickten und für sich feierten, so daß trok des Vorfalles bald eine lustige Gesellschaft beisammen war, die die Hochzeitsfeier abhielt und so den Wirt für seine Aufwendungen entschädigte. Das Heiterste an der Sache war, daß schließlich auch das Brautpaar, allerdings getrennt, bei dieser Feier erschien und sich ansah, was für Hochzeitsgäste sie gehabt hätten. Die als Hochzeitsgeschenke üblichen, in einer Schüssel gesammelten Geldgaben gingen dabei freilich in Wein und Bier auf. Auch der Aussteuerlieferant fand sich zur Gratulation mit sechs Mann ein und Holte seine Lieferung wieder ab, die ihm auch gutwillig ausgefolgt wurde. - Die Dame auf der Straßenbahn. Der„ Augsb. Post3tg." teilt ein Leser die folgende Beobachtung mit: Wie macht's eine Dame, wenn sie auf der Elektrischen fährt?" Da macht sie's so: Sie setzt sich, öffnet ihre Handtasche, nimmt das Portemonnaie heraus, schließt die Handtasche, öffnet das Portemonnaie, nimmt einen Nickel heraus, Schließt das Portemonnaie, öffnet die Handtasche, legt das Portemonnaie hinein, schließt die Handtasche und gibt den Nickel dem Schaffner. Wenn sie dann den Fahrschein ge= nommen hat, so öffnet sie die Handtasche, nimmt das Portemonnaie heraus, schließt die Handtasche, öffnet das Portemonnaie, legt den Fahrschein hinein, schließt das Portemonnaie, öffnet die Handtasche, legt das Portemonnaie hinein und schließt dann die Handtasche. Kommt nun der Kontrolleur, so öffnet die Dame die Handtasche, nimmt das Vortemonnaie heraus, schließt die Handtasche, macht das Portemonnaie auf, nimmt den Fahrschein aus dem Prtemonnaie heraus, schließt das Portemonnaie und gibt den Fahrschein dem Kontrolleur. Während der Kontrolleur prüft, öffnet die Dame die Handtasche, legt das Por temonnaie hinein und schließt die Handtasche. Der Kontrolleur ist fertig, die Dame öffnet also die Handtasche, nimmt das Portemonnaie aus der Handtasche, schließt die Handtasche, öffnet das Portemonnaie usw. unsw. Unter falschem Namen zum Tode verurteilt. Wegen Raubmordes war vom Schwurgericht in Posen der angebliche Artist Kinzle am 17. Januar d. J. zum Tode verurteilt worden. Jetzt wird bekannt, daß der Raubmörder unter falschem Namen verurteilt worden ist. Die von ihm angegebenen Personalien passen vollständig auf einen in Südwestafrika ansässigen Farmer, dem der vielgereiste Taschenspieler, der nachherige Raubmörder, die Legitimationspapiere gestohlen und zu seinem eigenen weiteren Fortfommen benutzt hat. Unter dem falschen Namen ist der Verbrecher schon mehrmals wegen Diebstahls verurteilt worden und hat zuletzt eine Gefängnisstrafe in Potsdam abgebüßt. Gesetzlich ist nicht zulässig, daß ein zum Tode Verurteilter hingerichtet wird, dessen Personalien nicht mit zuverlässiger Sicherheit festgestellt worden sind. Da sich nun der Todeskandidat hartnädig weigert, seinen Namen zu nennen, auch alle Nachforschungen der Staatsan= waltschaft ergebnislos waren, muß mit der Vollstreďung des Urteils so lange gewartet werden, bis die behördlichen Ermittelungen Erfolg haben. Aus dem Reiche der Technik. Luftpropeller für die Kanalschiffahrt. Unter der Aufsicht der französischen Gesellschaft für Luftschiffahrt haben in diesen Tagen in Joinville auf dem Kanal, der die Marne mit der Seine verbindet, Versuche darüber stattgefunden, ob die Anbringung von Luftpropellern auf Schleppkähnen der Kanalschiffahrt Nußen bringt. Auf ein großes Kraftfahrzeug von 38 Meter Länge und 5 Meter Breite wurde ein besonders konstruierter Motor von 9 Pferdekräften gesetzt, der eine Luftschraube von 2,60 Meter Durchmesser antreibt. Die Versuche brachten überraschend günstige Resultate. Es zeigte sich, daß sofort nach dem Anlassen des Motors das schwerfällige Fahrzeug sich zu bewegen begann, und nach 80 Sekunden hatte es sein gewöhnliches Fahrtempo erreicht. Nach genauen Berechnugen stellt sich die neue Beförderungsmethode um rund 50% günstiger als die bisher angewandten Mittel, die Kanalfahrzeuge durch Menschen oder durch Tiere vorwärts zu bewegen. Der Kronprinzenbesuch in Petersburg. Schon jetzt sind die Vorbereitungen für den Besuch des Kronprinzen in Petersburg in vollem Gange. Der Kronprinz kommt bekanntlich zum Geburtstag des Zaren am 6. Mai des alten Stils in die russische Residenzstadt. Die Vorbereitungen zu seinem Empfang und das Programm für die Festlichkeiten anläßlich seines Besuches sind darum schon gewissermaßen durch die Tradition vorgezeichnet, da der Geburtstag des Baren sett altersher ganz bestimmte Feste und Feierlichkeiten verlangt. Er gilt als der größte sogenannte„ Stronsfeiertag". Diese Kronsfeiertage, zu denen auch die Geburtstage der Barin, der Barin- Mutter und des Großfürsten- Thronfolger gehören, werden in ganz Rußland vollkommen wie die religiösen Feiertage feftlich gefeiert. Besonders der Geburtstag des Baren gilt natürlich als der höchste Kronsfeiertag, für den auch durch die Hofetikette ein festes Beremoniell bestimmt ist, das diesmal nur eine Erweiterung erfährt. Nach den bisherigen Bestimmungen wird der Kronprinz in Wirballen von dem Galazuge des Baren abgeholt. In Wirballen erwartet thn ferner ein militärisches Gefolge unter der Führung zweier Generaladjutanten des Baren und unter der Beteiligung der deutschen Botschaft in Petersburg. Zum Empfang am Bahnhof wird die ganze kaiserliche Familie einschließlich sämtlicher in Petersburg anwesenden Großfürsten und Großfürstinnen anwesend sein. Das Spalter wird rein militärisch sein, da dafür das erste und zweite LeibgardeSchüßenregiment mit ihren Kommandeuren befohlen tft. In dem kaiserlichen Schloß werden das Achat- Jaspts und Berlmutterzimmer renoviert und geschmückt, und man kann barum annehmen, daß dieser Teil des Schloffes, der am besten ausgestattet ist, dem tronprinzlichen Paare als Wohnug dienen wird. Ihren Namen haben die Zimmer da= her, well ihre Wände mit den Steinen ausgelegt find, nach denen sie genannt sind. Am Morgen des Geburtstages des Baren findet ein feierlicher Kirchgang statt, an den sich der große Empfang und die Gratulationscour anschließt. An beiden Feierlichkeiten wird das kronprinzliche Paar tellnehmen. Um 4 Uhr nachmittags ist das große Galadiner in dem 40 Meter langen und 16 Meter bretten Marmorsaal angesetzt. An dem Galadiner nehmen außer dem fronprinzlichen Ehepaar nur die nächsten Angehörigen der Barenfamilie teil. Die große Parade, die zu Ehren der Anwesenheit des Kronprinzen veranstaltet wird, ist auf 11 Uhr vormittags angesezt. Der Abend wird mit einer Galaoper in der Kaiserlichen Oper beschlossen. Dies sind die hauptsächlichsten Bestimmungen für das Programm des Kronprinzenbesuches, das allerdings noch durch eine Anzahl von kleineren Festlichkeiten in den Familien der Großfürsten bereichert wird. Der Nachlaß des Fürsten Georg. - Nur über ein Gebiet von 840 Quadratkilometern, das, nach der letzten Zählung, 43 132 Menschen bevölkerten, herrschte der Fürst Georg zu Schaumburg- Lippe, der jetzt an der Seite seiner Väter die letzte Ruhe fand. Aber er war reicher als mancher weit mächtigere Monarch, fa, der reichsten einer in Deutschland. Er war nicht nur der einzige deutsche Fürst, der keine 3tvilItste bezog, er steuerte sogar aus seinem Privatvermögen jährlich zu den Einkünften seines Landes eine sehr bedeutende Summe, zwischen 200 000 und 300 000 Mart, bet, die zur Erhöhung der Beamtengehälter und zu anderen, nicht wentger nüßlichen Zwecken diente. Die Entstehung dieses Vermögens zeugt von dem vaterländischen Geiste, der stets in diesem Fürstengeschlechte rege war. Zu einer Zeit, als Deutschland ohnmächtig und zerrissen niederlag, sezten der Großvater und Vater des Fürsten Georg so sichere Hoffnung auf Deutschlands Zukunft, daß sie ihre Kapitalien nicht, wie andere thres Standes es taten, im Auslande, sondern in deutschem Grund und Boden anlegten. Fret Itch rechnete man damals auch noch nicht mit einer Lostrennung Desterreichs vom übrigen Deutschland. So be= saß der Fürst Georg in Mecklenburg einige Rittergüter, deren schönstes und größtes das Schloß Vitgest bei Lalendorf ist. Zwischen Stadthagen und Rinteln gehörte ihm die Hälfte des Kohlenbergwerks Obernkirchen, dessen andere preußischer Besiz ist. In Oberösterreich nannte er die Herrschaft Stenerling, deren Ländereien sich bis weit ins Hochgebirge dehnen, sein eigen, in Ungarn die Herrschaft Darda und in Slavonien die Herrschaft Veroecze. Von dem Werte dieser lettgenannten Liegenschaften ge= winnt man eine Vorstellung, wenn man hört, daß Darda allein von Kennern auf 40 Millionen Kronen tagiert wird. Ein Teil dieses Grundeigentums ist fürstliches Privatfideikommiß. Wie hoch das Gesamtvermögen des entschla= fenen Fürsten fich beläuft, entzieht sich der Schäzung und dürfte auch, auf Mark und Pfennig, schwerlich aus den Bestimmungen seines letzten Willens ersichtlich werden. Drabtnachrichten und Deuestes. Der Kaiser in den Reichslanden. Narlsruhe, 6. Mat. Der Kaiser, der Großherzog und die Großherzogin von Baden sind heute vormittag 10 Uhr im Sonderzug nach Straßburg abgereist. Im Gefolge des Kaisers befindet sich auch der Reichskanzler. Die Heimfahrt der Kaiserin. Karlsruhe, 6. Mai. Die Kaiserin und die Prin zessin Viktoria Luise sind gestern abend 10 Uhr 40 Min. nach Wildpark abgereist, wo die Ankunft heute vormittag 11 Uhr erfolgte. Der Geburtstag des Kronprinzen. Berlin, 6. Mat. Daß der deutsche Kronprinz heute sein 29. Lebensjahr vollendet, gibt den Blättern Veranlas sung, der Beliebtheit zu gedenken, deren der Kaisersohn und seine Gemahlin sich erfreuen. Es ist Tausenden, so schreibt die Voff. Ztg., die sich von allem Byzantinismus frei fühlen, eine Freude, dieses jugendfrische Paar zu sehen. Hoffentlich werde die Trennung von Berlin durch die Uebersiedlung des Paares nach Danzig nicht von langer Dauer sein. Eröffnung der Dresdener Hygieneansstellung. Dresden, 6. Mai. Heute vormittag fand in Gegenwart des Königs, der Spizen der Behörden und der Ehrengäste die feierliche Eröffnung der internationalen Hygieneausstellung statt. Geheimrat Lingner hielt eine kurze Ansprache, worauf der sächsische Minister des Innern die Ausstellung im Namen des Königs eröffnete. Der König machte einen Rundgang durch die Ausstellung und begab sich dann nach dem Schloß zurück, wo aus Anlaß der Eröffnung der Ausstellung Frühstückstafel stattfand. Eine amerikanische Intervention in Mexiko? London, 6. Mai. Wie Reuters Bureau aus Washington gemeldet wird, soll in amerikanischen Regierungskreisen die Absicht einer Intervention in Mexiko bestehen. Es heißt, daß Präsident Taft mit den Kommissionen über die Frage, wie am besten amerikanisches und frem des Eigentum in Meriko zu schützen set, ein vollständiges Einverständnis erzielt habe. Es sei ratsamer, die amerikanische Regterung interveniere zum Schuße der ausländischen Interessen, als daß eine europäische Macht in Mexiko eingreife und die Monroe- Doktrin durchbreche. Flucht eines Schmugglers. Düsseldorf, 6. Mai. Vor einigen Wochen wurde in Duisburg ein Holländer aus Nymwegen verhaftet, der seit Jahren einen Zigarrenschmuggel nach Deutschland betreibt. Als der Verhaftete gestern dem Untersuchungsrichter in Cleve zugeführt werden sollte, gelang es ihm, seinem Transporteur zu entweichen und in einem bereit stehenden Automobil nach Holland zu entkommen. Das Eisenbahnunglück bei Ratingen. Düsseldorf, 6. Mat. Zu dem Eisenbahnunglück wird noch gemeldet: Der bei der Entgleisung des Etlzuges getötete Beamte ist der Lokomotivführer Kummer aus Dortmund. Seine schrecklich verstümmelte Leiche fand man unter dem abgerissenen Gestell des Packwagens in den Boden eingewühlt. Schwere Kopf- und Gliederverletzungen erlitt der Hetzer Padur aus Dortmund und schwer verletzt ist auch der Regierungsbaumeister Eckardt- Essen, der auf der Lokomotive als revidierender Beamter mitfuhr. Von ben Passagieren find 6 leicht verletzt. Die Unfallstelle, über die nach 3 Uhr auch das Luftschiff Deutschland" hinwegfuhr, wurde nachmittags von Tausenden von Zuschauern belagert. Cöln, 6. Mat. Zu dem Eisenbahnunglück erfährt die Kölnische Zeitung", als Ursache set zweifellos das zu schnelle Fahren in der außerordentlich scharfen Kurve, in der das Unglück geschehen, zu betrachten. Die nach Düsseldorf fahrenden Börsenbesucher erklären, daß sie jedesmal mit Zittern und Zagen diese Strecke gefahren seien. Auch gestern hatten verschiedene der Herren thr Bedenken wegen des überschnellen Tempos und äußerten, daß die Sache nicht gut abgehen könne. In demselben Augenblick erfolgte auch schon die Entgleisung. Ein Bahnhofsvorsteher vom Zuge überfahren und getötet. Trier, 6. Mai. Bei einer Inspektion des Bahnkörpers wurde der Bahnhofsvorsteher Blum von der Station Kruchten von einem luxemburger Güterzug erfaßt und auf der Stelle getötet. Das Geständnis eines Mörders. Göln, 6. Mai. Vor drei Monaten wurde in einem Steinbruch der Eifel die schrecklich zugerichtete Leiche eines Dienstmädchens gefunden. Man nahm Lustmord an. Bisher war es nicht möglich gewesen, den Täter zu ermitteln. Jetzt hat sich ein junger Landwirt aus Danzig, der auf dem benachbarten Gute als Eleve tätig ist, der Polizei gestellt und eingestanden, den Mord verübt zu haben. Tödlicher Automobilunfall. Freiburg i. Br., 6. Mai. In der Nähe von Freiburg fuhr ein Automobil, das einem Radfahrer ausweichen wollte, gegen einen Baum. Der Wagen wurde zertrümmert, ein Insasse, ein Ingenieur, getötet. Selbstmord eines Geschwisterpaares. Agram, 6. Mai. Aus Schmerz über den Tod seines Vaters, eines Gymnasiallehrers, erhängte sich ein 19jährtger Gymnasialschüler. Als seine Schwester die Leiche sah, stürzte es sich aus dem dritten Stockwerk in die Tiefe hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Schwerer Grubenunfall. Brüssel, 6. Mai. Auf dem Gelände der Grube Cockerill ist ein Eisengrüst im Gewicht von 30 000 Kilogramm zusammengebrochen. Fünf Frauen, die Kohlen suchten, wurden getötet und drei schwer verletzt. Wahlrecht für die englischen Frauen. London, 6. Mai. Im Unterhause wurde ein Antrag eingebracht, das Haus sollte in die zweite Lesung der Bill betr. Ausdehnung des Wahlrechts auf alle Frauen, die einen selbständigen Haushalt führen, eintreten. Die Bill würde etwa einer Million Frauen das Wahlrecht geben. Die zweite Lesung wurde mit 255 gegen 88 Stimmen be= Schloffen, aber man glaubt allgemein, daß der Entwurf keine Aussicht hat, Gesezeskraft zu erlangen. Bandel und Verkebr. Frankfurt, 4. Mai. Viehmarktspreise vom 4. Mat. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast ( Lebendgewicht) M 00-00,( Schlachtgewicht) 00-00, 6) feinste Mast( Vollm.- Mast) und beste Saugfälber( Lebendgewicht) M 60-64,( Schlachtgewicht) M 100-107, c) mittlere Mast und beste Saugkälber( Lebendgewicht) M 55-59, ( Schlachtgewicht) M 93-100, d) geringere Saugkälber( Lebendgewicht) M 50-54,( Schlachtgewicht) M 85-92. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgewicht) M 42,( Schlachtgewicht) M 88, b) ältere Masthämmel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe( Lebendgewicht) M 00-00,( Schlachtgewicht) 00-00. Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 47-49. ( Schlachtgewicht) M 60-62, 6) vollfleischige Schweine unter Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 46-47, ( Schlachtgewicht) M 59-60, c) vollfleischige Schweine von 100-120 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 47% bis 49,( Schlachtgewicht) M 58-60, d) vollfleischige Schweine von 120-150 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 48 bis 49%,( Schlachtgewicht) M 59-61. 80 Bauzeichnungen sowie alle ins Baufach einschlagende Arbeiten werden rasch und gewissenhaft bei billigster Berechnung ausgeführt. ( 179) H. Philippi, Giessen, Roonstr. 22. Privat- Lehr- Institut für Schnittzeichnen und Kleidermachen Sommerkurse. Eintritt jeden Montag. Gefl. Anmeldungen erbeten. Prospekte zu Verfügung. Marie Sack, akad. ausgeb.Lehrerin Schanzenstraße 22, Ecke West- Anlage. Collisy& Bingel Möbel- und Dekorations- Geschäft Kaplansgasse 18 ( 241) Telephon 828 Spezialität: komplette Wohnungs- Einrichtungen. Reichhaltiges Lager in Einzelmöbeln- einfache lack. 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Christian Groh, Hilfsweichensteller in Sprendlingen, Kreis Offenbach, mit Katharine Elisabeth Wissemann in Gießen. 29. Karl Becker, Fuhrmann, mit Katharine Walter, beide in Gießen. 29. Karl Gutbub, Schuhmachermeister, mit Karoline Schmitz, beide in Gießen. 29. Karl Christ, Bäcker in Grünberg, mit Emma Ohly in Gießen. Mai 2. Johann Stadelmann, Stationsschaffner in Neu" münster( Schleswig- Holstein), mit Anna Katharina Hartmann in Alsfeld. ist bis ins kleinste nachgeahmt in den technischen Selbst Unterrichts- Werken: 2. Heinrich Wagner, Schlosser, mit Sibille Wurm, beide in Gießen. " 3. Heinrich Friedrich Julius Gehrke, Schlosser, " " = 1. Maschinenbauschule. 2. Hoch und Tiefbauschule. 3. Bergschule. 4. Elektrotechnische Schule. 5. Schlosserschule. mit Lina Schäfer, geb. Morell, beide in Friedberg( Hessen). 4. Ludwig Phillipp Hermann Lenz, Kaufmann in Gießen, mit Katharina Pfeiffer in Heuchelheim. 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