E fe Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. -Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Seltersweg 83. - Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. des Nr. 6. 1. eine : 5 offer, ein drei nder, aus - ein Sechs kerei nias, vabe. 5-6einnli VerMat I im Herrn jionsVerMar3 Uhr Apoeinde. 7 weibjammDer Jo jammBibelmer. jamminde. mierten r: Geeicht. on. acht mit ießen. Cagtäglich Erstes Blatt von kann ein Abonnement auf unser Blatt begonnen werden. Der Roman„ Der Schuldschein", dem in heutiger Nummer der Schluß enthalten ist, wird neu eintretenden Abonnenten auf be= sonderen Wunsch, solange der Vorrat reicht, gratis geliefert. Probenummern der„ Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürften. Wochen- Rundschau. An der Jahreswende richtet sich der Blick unwill= fürlich auf den Gesamtraum des verflossenen Jahres zurück. Es ist nicht gerade viel Erfreuliches, was uns die innere Politik des Jahres 1910 gebracht hat. Unerfreulich bleibt vor allem der leidige Bruder 3 w i st der bürgerlichen Parteien, dessen Ende noch immer nicht abzusehen ist. Dazu aber gesellt sich das bedrohliche Wachstum der Umsturzbewegung, deren Boden durch den gegenseitigen Hader der bürgerlichen Parteien so reichlich wie kaum je zuvor gedüngt wird. Mit einer Offenheit, die nichts zu wünschen übrig läßt, haben sich gerade während des abgelaufenen Jahres die Führer der deutschen Sozialdemokratie zur Republik und zum Kampfe gegen die Monarchie bekannt, und zwar besteht in dieser Hinsicht nicht der mindeste Unterschied zwischen Radikalen und Revisionisten, auf den ja von bürgerlichen Jdeologen leider noch immer so viel Wert gelegt wird. Gerade ein Revisionist, der Abg. Noske, hat auf dem letzten Parteitage der Sozialdemokratie in unverblümtester Form den republikanischen Standpunkt hervorge= tehrt, und im Reichstage ward dieses Geschäft mit glei cher Deutlichkeit von dem Radikalen Ledebour besorgt. Das sind drohende Wetterzeichen, die wohl beachtet werden wollen. In unserem Nachbarlande Desterreich- Un= garn sind die deutsch- tschechischen Aus= gleichsverhandlungen leider wiederum ge= scheitert. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß man an maßgebender Stelle auf keinen Fall gewillt ist, den Forderungen der Tschechen nach der Bildung eines parlamentarischen Ministeriums, in welchem sie mehrere Ministerposten für sich beanspruchen, nachzugeben. In der Konferenz, die hinsichtlich dieser Angelegenheit zwischen dem tschechischen Abgeordneten Fiedler und dem Ministerpräsidenten Baron von Bienerth stattfand, hat der Ministerpräsident dem Tschechenführer über die ablehnende Stellung der Regierung keinerlei Zweifel, ge= lassen. Daraufhin erklärten die Tschechen die Verhandlungen für gescheitert. In der Oeffentlichkeit aber schieben sie natürlich den Deutschen die Schuld in die Schuhe und behaupten, diese seien mit neuen Forderungen aufgetreten. Dies entspricht jedoch in keiner Weise den Tatsachen. Nach dem Scheitern der Ausgleichsverhandlungen in Prag ist leider wohl als sicher anzunehmen, daß uch die Verhandlungen im Parlamente, das demnächst wieder zusammentreten soll, keinen günstigen Verlauf nehmen werden. Außerordentlich interessant wird es sein, die weitere Entwicklung der innerpolitischen Verhältnisse in England zu verfolgen. Wahrscheinlich kommt doch noch ein Kompromiß zwischen den beiden großen und alten Parteien zustande. Denn es kann kaum noch bezweifelt werden, daß die Unionisten bereit sind, die Erblichkeit der Lords preiszugeben und die Finanzrechte des Unterhauses anzuerkennen, und ebenso sicher scheint es zu sein, daß ein Persschub in größerem Umfange dem Wider spruche des Königs begegnet. Was die Jren betrifft, so dürfte die Verständigung zwischen Liberalen und Konservativen sich vielleicht auf ihre Kosten vollziehen, in dem das Homerule Jrlands nur ein wirtschaftliches, fein politisches wird. Auf alle Fälle aber bleibt die irische Frage weit mehr als die Frage der Reform des Oberhauses der schwierige Punkt im Verfassungsleben == der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Samstag den 7. Januar 1911 Großbritanniens, zumal eine Formel gefunden werden soll, mit der nicht nur die Anhänger Redmonds, sondern auch die sogenannten unabhängigen Jren sich zufrieden geben. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. in der Rhythmik und Harmonisierung viele der neuzeitlich entstandenen Lied- Kompositionen. Unter den Klavierwerken Regers verdienen diejenigen für 2 Klaviere eine ganz besondere Beachtung, so die BeethovenIn Belgien gewinnt der Lütticher Bergarbeiter- Variationen. Gerade hier zeigt sich Reger als Meiausstand weitere Ausdehnung, und es wird, falls keine Einigung zwischen Streifleitung und Zechen zustande kommen sollte, der Ausbruch des Generalstreiks befürchtet. Aus der Heimat. Gießen, den 7. Januar. * Von den 85 Oberförsterstellen in Hes sen sollen diejenigen von Friedberg, Schaafheim, Trebur, Wieseck und Worms in längstens 5 Jahren auf gehoben werden. * Ein christlich und deutsch- sozialer Parteitag für Hessen und Hessen- Na- sau findet am 22. Januar d. Js. in Frankfurt a. M. statt und zwar im Kompostellhofsaal( Dominikanergasse, Straßenbahnlinie 18 und 18a). Für die nachmittags 22 Uhr beginnenden Verhandlungen haben die Reichstagsabgeordneten Behrens und Bindewald, außerdem der Reichstagskandidat für Erbach- Bensheim, Stadtv. Rippel- Hagen, Oberlehrer Dr. Werner- Butzbach und Schuster- Hering als Redner zugesagt. Auch eine Anzahl hessische Landtagsabgeordnete werden an der Tagung teilnehmen. Es sollen Beschlüsse gefaßt werden über die bevorstehenden Reichstagswahlen, bei denen die beivorgehen wollen. Bis jetzt sind in Hessen und Nassau den Parteien bekanntlich in allen Bezirken gemeinsam und dem 6. Agitationsbezirk der christlich- sozialen Partei folgende Kandidaten aufgestellt: Behrens in Wetzlar- Altenkirchen, Bindewald in Alsfeld- Lauterbach- Schotten, Dr. Burckhardt in Herborn- Dillenburg, Köhler in Gießen- Grünberg- Nidda, Rippel in Erbach- Bensheim. Außerdem sind Kandidaten in den meisten übrigen Kreisen des Bezirks in Aussicht genommen, über die der Parteitag Beschlüsse fassen soll. * Der 3 weiten Kammer liegt folgender Antrag des Abg. Raab zu Kapitel 10 des Hauptvoran" Ich beantrage den Betrag von 5000 Mt. in Ausgabe schlags für 1911, betreffend Staatseisenbahnen, vor: mehr einzustellen, zum Zwecke der Gewährung des Wohnungsgeldzuschusses an die Beamten der ehemaligen Main- Neckar- Eisenbahn, wie er den Staatsbeamten nach Antrag desselben Abgeordneten lautet:„ Ich beantrage: dem Gesetz vom 10. März 1907 zusteht." Ein weiterer für öffentliche und gemeinnützige Zwecke, ist seitens der von dem der Regierung zur Verfügung stehenden Fonds Regierung jährlich die Summe von 5000 Mt. zur Förderung der Volksbibliotheken zu verwenden." Das 32. Hessische Kirchengesang vereinsfest wird nicht am Sonntag Trinitatis, sondern am 28. Mai( Exaudi) in Hungen stattfinden. *) Mutterschuß war der Gegenstand eines Vortrages von Frl. Salomon, der gestern Abend in der neuen Universitätsaula stattfand. Fräulein Salomon legte dar, wie das Erwerbsleben der Gegenwart die Frauen der niederen Stände vielfach aus der Familie herausführe und es ihnen in Verbindung mit ihrer Armut schwer mache, ihre Mutterpflichten zu erfüllen. Die Gesetzgebung gewährt ja zwar solchen Frauen Schutz, aber noch nicht in ausreichendem Maße. Der Bund für Mutterschutz" will besonders den unehelichen Müttern Schutz und Hilfe geben, aber er setzt sich mit seiner Verherrlichung dieser und mit seiner Predigt der freien Liebe über die Moral hinweg, bringt zudem keine Lösung des Problems. Unmoralisch ist auch die Auffassung der„ doppelten" Moral, die bei dem Manne das verzeiht, ja erlaubt, was dem Mädchen Unehre bringt, nämlich den außerehelichen Geschlechtsverkehr. () Konzertverein. Zu dem Max RegerAbend im Konzertverein, welcher Sonntag, 8. Jan., 5 Uhr, in der großen Aula stattfindet, wird uns ge= schrieben: Max Reger ist derjenige Komponist, welcher neben Richard Strauß augenblicklich am produktivsten und als Vertreter der absoluten Musik wohl die markanteste Erscheinung der Neuzeit ist. Das Regerfest in Dortmund im Juni 1910 hat den Beweis erbracht, daß seine Kompositionen auch bei denen, die der mordener Richtung etwas ferner stehen, Anerkennung gefunden haben! Unter den Ausführenden verdient erster Linie die vortreffliche Sängerin, Frau FischerMarezky aus Berlin genannt zu werden, die wohl als die beste Interpretin Reger'scher Lieder gelten darf. Leider sind gerade die Reger'schen Lieder noch nicht ge= nügend gewürdigt, und auch noch nicht genügend benügend gewürdigt, da noch nicht genügend beders in den sog.„ schlichten Weisen" einen bedeutsamen Beitrag dar und überragen an Einfachheit, andererseits in - ster der Variation und schließlich, wie in allen größeren Werken, als der allererste Meister der Fuge unter den Modernen! Gerade auf zwei Klavieren kommen die Reger'schen Kompositionen, außer der Beethoven- Variation sei noch an die Passacaglia erinnert, zu mächtiger, grandioser Wirkung. Der Klavierpart wird von zwei vortrefflichen Vertretern des Klavierspiels gemeistert werden. Herrn Trautmann's Klavierspiel ist ja zur Genüge bekannt und als unübertrefflich in der Klangfarbe schon oft gewürdigt von Reg er weiß derjenige es zu erzählen, welcher im vorigen Winter ihn mit seinem Freunde Marteau spielen hörte! Alles in Allem wird das nächste Konzert einen Kunstgenuß allerersten Ranges bieten, auf das Musikfreunde von Gießen und weiterer Umgebung nochmals hingewiesen seien. Karten sind bei Ernst Challier, sowie Abends an der Kasse zu haben. * Hungen. Die hiesigen Standesamtsregister verzeichnen für das Jahr 1910 38 Geburten( lebend Geborene), 12 Eheschließungen und 24 Todesfälle( darunter 4 totgeborene Kinder). * Friedberg. Zusammengebrochen ist vor dem hiesigen Postschalter ein fremder Mann. Er hatte noch am Pulte einen Brief geschrieben, brach aber dann vor Schwäche zusammen. Nachdem man ihn mit Brot und Wein gestärkt hatte, wurde er nach dem Hospital ge= bracht. Hier findet am 20. Januar eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises statt. - * Butzbach. Beim Rodeln am Schrenzerberg verunglückten mehrere Kinder. Ein 14jähriges Mädchen erlitt einen Beinbruch und zog sich verschiedene Verletzungen am Kopfe zu. * Maar( Kr. Lauterbach). Durch einen Oberfeuerwerker aus Fulda, der schon zirka 14 Tage mit der Untersuchung der von dem Scharfschießen im September vorigen Jahres herrührenden Munition beschäftigt ist, wurden die vorgefundenen 16 nicht vollständig krepierten Geschosse gesprengt. * Groß- Umstadt. Der hiesige Verein für Vogel- und Geflügelzucht veranstaltet am 4. und 5. März dieses Jahres im Lokale der Zuckerfabrik seine 3. allg. Geflügelausstellung. Büdingen. Die Aufhebung der infolge der Maul- und Klauenseuche für die Gemeinde Düdesheim verfügte Gemarkungssperre und der übrigen für den Kreis Büdingen angeordneten Schutzmaßnahmen wird in den nächsten Tagen erfolgen. * Biedenkopf. In der Nacht zum Mittwoch wurde in unserer Stadt an zwei Stellen eingebrochen. Von dem Einbrecher, der mit den örtlichen Verhältnissen sehr vertraut gewesen sein muß, fehlt bis jetzt jede Spur. Der Polizeihund konnte die Fährte nur bis zum Bahnhof verfolgen. Offenbach a. M. Hier stand heute vor dem Gericht die Verhandlung gegen den sozialdemokratischen Redakteur Kaul an, der bekanntlich den Radaudemonstrationszug im November angeführt und dabei Schluß noch große Reden geredet hatte. Er wurde zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt. * зит Limburg a. 2. Der nach Unterschlagung von 150 Mark flüchtige Direktor der Wach- und Schließ- Gesellschaft, Georg Schenk, wurde in Frankfurt verhaftet. Mainz- Mombach. Am Donnerstag mußten die 7 unteren Klassen der hiesigen Volksschule bis auf weiteres wegen starken Auftretens der Diphtherie geschlossen werden. * Bingerbrück. Für bedrängte Winzer der Rheinprovinz stiftete die Rheinische Provinzial- Feuerversicherungsanstalt in Düsseldorf aus Anlaß ihres 75jähr. Jubiläums eine Summe von 50 000 Mt. = * Ober Ingelheim. Jn besorgniserregender Weise verbreitet sich hier die Diphtherieseuche mit Masern und Scharlach unter den Kindern. Dem unheim= lichen Würgengel der Jugend sind leider schon mehrere Kinder zum Opfer gefallen. Gestorben: Margareta Löber geb. Gilbert, 56 Jahre alt, Heuchelheim. Beerdigung 8. Jan., 1 Uhr. Richard Schäfer, 23 Jahre alt, Gießen. Holzverkäufe und Versteigerungen. Bürgermeisterei Waldhausen: Mittwoch, 11. Jan., vorm. 10 Uhr, im Gemeindewald, Distr. Birkenstück, Die Studien des Kronprinzen. Gegenüber einigen kritischen Zeitungsbemerkungen. die die Reise des Kronprinzen und die angeblich vernachlässigten Studien betreffen, wird uns von unterrichteter Seite folgendes mitgeteilt: Es werden hier und da Stimmen laut, daß der Kronprinz auf seiner Reise zu wenig Studien mache, da die Telegramme mitfahrender Zeitungsberichterstatter in der Hauptsache Jagd- und Sportereignisse zu melden wissen. Die Auffassung, die sich auf derartig dürftige Mitteilungen aufbaut, ist nicht nur ungerecht, sondern sie geht auch von ganz faschen Voraussetzungen aus. Alle Mitteilungen, die schon jetzt über die Kronprinzenreise in die Presse dringen fönnen, können sich naturgemäß nur auf rein äußerliche Ereig= nisse beziehen, die jedem Mitreisenden ins Auge fallen, und die durch den prägnanten Umriß einen abgerundeten Inhalt für ein kurzes Telegramm ergeben. ist leicht möglich, daß die Parteien überrascht werden. Viel wird die Entscheidung abhängen von dem Verlauf der Schlußsession. In manchen Regierungskreisen ist man der Ueberzeugung, daß es taktisch zweckmäßig ist, die Reichstagswahlen im späten Frühjahr stattfinden zu lassen, damit der Reichstag noch zu Anfang des Sommers zu einer turzen Session zusammentreten kann, und dann eine längere Pause eintritt, in der die Parteien vor Beginn der Herbstsession zur Ruhe kommen können. Man hält es für bedenklich, daß der nächste Reichstag alsbald unter dem frischen Eindruce des Wahlkampfes zu größerer Tätigkeit einberufen werde.. solle. Die Art der Studien, soweit sie in dem furzem Zeitraum weniger Tage möglich gewesen sind, die Erweiterung des Gesichtskreises, die Kenntnis fremder Menschen und Erdteile, die ersten großen Eindrücke eines Weltverkehrs, furz, die Erweiterung der Kenntnis aller für den künftigen Herrscher eines großen Reiches durchaus notwendigen Dinge. lassen sich von außenstehenden Männern weder erkennen noch abschätzen. Wenn man einsichtsvoll ist, und alles von einer höher gelegenen Warte aus betrachtet, wird man sagen müssen, daß diese Fragen. die auch bei privaten Weltreisenden einen Hauptmoment ihrer Kenntniserweiterung bilden, vom Kronprinzen selbst jetzt noch nicht richtig verarbeitet und abgeschätzt sein können. Eine große Reihe von Auszeichnungen, die an Polizeioffiziere und Schuyleute verliehen worden sind, die wäh= rend der Moabiter Unruhen Dienst getan haben, wird im „ Reichsanzeiger" veröffentlicht. Die Nachfolgerschaft des deutschen Botschafters in Totio. Die ,, Nordd. Allg. 3tg." schreibt:„ Eine Berliner Zeitungskorrespondenz bezeichnet als den Nachfolger des Botschafters Frh. Mumm v. Schwarzenstein den Gesandten von Treutler. Diese Angabe ist unzutreffend. Wir hatten da= von von Anfang an teine Notiz genommen, weil uns befannt war, daß Herr von Treutler zunächst auf seinen bisherigen Posten zurückkehren wird. Für den Botschafterposten in Tokio soll bereits eine andere Persönlichkeit in Aussicht genommen sein." Was ein positives Studium anbetrifft, so muß bemerkt werden, daß der Kronprinz tatsächlich schon jetzt von den deutschen Konsuln und anderen amtlichen Stellen über die Verhältnisse der Deutschen im Auslande, über ihre Beziehungen zu den Herrenvölkern, über Umfang des Handels und des Verkehrs, sowie über diplomatische und militärische Fragen eingehender unterrichtet worden ist. Aber selbst wenn man diese sachlichen und positiven Studienmomente ganz beiseite läßt, erscheinen die kritischen Stimmen durchaus unberechtigt. Bei dem zukünftigen Herrscher eines Staates ist der Eindruck, den er persönlich auf fremde Völfer macht, durchaus nicht belanglos und gehört gewissermaßen auch zu einer Abteilung der Studienreise, die ja von den Kritikern schon mehrfach fatalogisiert und in bestimmte Fächer eingeteilt worden ist. Bisher scheint dieser Teil der Reise nicht erfolglos. Diese Punkte sind die Hauptsache. Antimilitaristische Flugblätter in Baden. schleudert. Ein Student erlitt einen Schädelbruch und starb sofort, drei weitere Personen wurden schwer verletzt. Einer, der den Hungertod sterben wollte. Aus Furcht vor einer geringfügigen Strafe schloß sich vor einigen Tagen ein Hausdiener in Magdeburg in den Keller des Hauses ein, um Hungers zu sterben. In hilflosem Zustande wurde er bewußtlos aufgefunden und dem Krankenhause zuge= führt, wo er sich bald wieder völlig erholte. Gouverneur a. D. v. Schuckmann Bruhns Gegenkandidat? Wie gemeldet wird, beschlossen die Konservativen im Wahlkreis Arnswalde- Friedeberg den Gouver neur a. D. von Schuckmann als Reichstagskandidaten aufzustellen. Der Wahlkreis wird bekanntlich durch Herrn Bruhn, den Herausgeber der Wahrheit“, vertreten, der auch sicher wieder kandidieren wird. Der Wahlkampf verspricht also dort sehr spannend zu werden. Gewaltige Stürme wüten seit mehreren Tagen in Triest. Zahlreiche Personen in der Stadt wurden durch den Orkan zu Boden geschleudert. 13 Personen wurden mit schweren Verletzungen, zumeist Knochenbrüchen, ins Spital gebracht. Auch von verschiedenen Orten Oberitaliens wird starfer Schneefall gemeldet, der zahlreiche Verkehrsstörun= gen zur Folge hatte. Die Wahlen zum Präsidium des Hansabundes haben folgendes einstimmige Ergebnis gehabt: 3u Präsidenten wurden gewählt Geheimer Justizrat Professor Dr. Rießer, Landrat a. D. Roetger, Ehrenobermeister Richt sen., zu Vizepräsidenten Kaufmann Rudolf Crasemann- Hamburg, Fabrikbesitzer Dr. Albert Steche- Leipzig, Ingenieur HirthCannstatt. Zum Vorsitzenden des Präsidiums wurde Ge-= heimrat Nießer, zu seinem Stellvertreter Landrat a. D. Roetger gewählt. Schneeverwehungen riefen in der Po- Ebene schwere Störungen hervor. Viele Orte sind vom Zugverkehr abgeschnitten. Die Verbindung Mailand- Bologna- Florenz war unterbrochen. 150 Reisende lagen 20 Stunden lang im ungeheizten Schnellzuge ohne Nahrung fest. Umfangreichen Unterschlagungen ist man auf der Güterabfertigungsstelle Blittersdorf bei Saarbrücken auf die Spur gekommen. Der Vorsteher ist seit einigen Tagen flüchtig. Die Lage im Ruhrgebiete ist wieder einmal beunruhigend. Da am nächsten Sonntag etwa 100 Belegschaftsversammlungen im gesamten Industrierevier stattfinden sollen, so ist zu befürchten, daß es auf einzelnen Zechen zu übereilten Schritten fommen wird. Der christliche Bergarbeiterverband gibt in öffentlicher Erklärung bekannt, daß er es ablehne, den Belegschaftsversammlungen bei Lohnbewegungen die Organisationen bindende Beschlüsse zuzugestehen. Jm Bezirke des 14. Armeekorps sind, wie gemeldet, in den Kasernen verschiedene Flugblätter eingeschmuggelt worden, in denen den Soldaten zugemutet wird, am Kaifersgeburtstage den Gehorsam zu verweigern und den Parademarsch nicht mitzumachen.„ Rache für 1849 und 1866, das Volk steht auf unserer Seite!" Weiter ist in den Flugblättern ausgeführt: Für Offiziere und Unteroffiziere seien infolge der allgemeinen Teuerungen die Löhnungen erhöht worden, selbst Kaiser Wilhelm habe zweieinhalb Millionen erhalten. Nur für die Musketiere, die nur ererzieren und beten sollten, sei nichts übrig. Vom Reichstanzler und Reichstage sei nichts zu erwarten, man müsse den Gehorsam verweigern und die Herrschaft der Hohenzollern abschütteln." In den einzelnen Garnisonen ist man eifrig bemüht, die Urheber des Flugblattes aufzuspüren, weshalb überall Stuben- und Spindrevisionen stattfinden. Die Vermutung, daß es sich um sozialdemokratische Solbaten handele, die nach dem Weihnachtsurlaub diese Blätter in die Kasernen einführten, gibt der sozialdemokratischen Presse Veranlassung, diese Unterstellung zurückzuweisen, wobei sogar behauptet wird, daß es sich um einen ,, plumpen Schurkenstreich" handele, der von„ Werkzeugen des Reichsverbandes" oder einer anderen Korporation, die die Sozialdemokratie ausrotten wolle, unternommen worden sei. An amtlicher Stelle in Berlin ist der badischen Flugblattgeschichte aber jedenfalls besondere Aufmerksamfeit beigemessen worden, denn der Kriegsminister hat, wie es heißt, dem Kaiser persönlich Vortrag darüber erstattet und weiter angeordnet, daß nachgeforscht werde, ob auch in anderen Armeekorps ähnliche Flugblätter zur VerteiTung gelangt seien. Gegen die unbekannten Verfasser des Standalösen Aufrufes ist auch bereits ein staatsanwalt= liches Einschreiter erfolgt. doplo Rundschau vom Cage. Politisches. Ein Mord aus heroischen Motiven beging in einer Sommerfrische unweit Paris ein 15jähriger Schlosserlehr= ling, indem er den Liebhaber seiner Mutter, einen Gärtner, mit einem Beil erschlug. Der Bursche erklärte, daß er den Mord begangen habe, weil er es nicht mehr mit ansehen konnte, wie der Mann seine Mutter mishandelt habe. Jahres m um ber wohl aud nig oder gelangten Tuya: die glüdlich als plögl und ein eröffnete heim zwe Mühe au und so u Lage und waren, tr Durft und Mann he litärpofter felbst zu denlegion neigt, ha Mitleid deftftrafe Ein bam mitg 19jährige Ben, fehr nur Theor probt. Pr apparates lerhandwe Holzteile nellen Te eingebaut. einen Ra unermüdli Frühjahr dell für Alle Teil ben. Einer Die Londoner Anarchisten. Nach einer Meldung aus Neuvork sind die beiden von der Londoner Polizei bei dem Straßenkampf am Dienstag erschossenen Anarchisten der Neuyorker Polizei wohl bekannt. Es sollen internationale Ginbrecher sein, die u. a. in Neuyork im März v. J. ein Juweliergeschäft ausplünderten. Die Diebe wurden damals gefaßt und verhaftet, aber schließlich gegen eine Kaution von 160 000 Mark freigelassen. Sie sind dann aus Amerika verschwunden. Keine Berechtigungen für die Mittelschulen. Das preußische Kultusministerium hat die Verleihung des Rechtes zum Einjährig- Freiwilligendienst an die Mittelschulen abgelehnt. Maßgebend für die ablehnende Haltung der Regierung scheint vor allem der Grund zu sein, daß durch Zulassung der Mittelschüler zur Einjährig- Freiwilligenprüfung die Zahl der Freiwilligen noch um ein Bedeutendes vermehrt werden würde. Ueber der Termin für die nächsten Reichstagswahlen wird in der Presse weiter orafelt. Gewisses über den Wahltermin weiß natürlich niemand. Wie sich die ,, Köln. Volkszeitung" neuerdings aus Berlin berichten läßt, lehnt es der Reichskanzler mit Entschiedenheit ab, irgend einen festen Zeitpunt. für die Reichstagswahlen zu bestimmen. Er behält sich in dieser Hinsicht völlig freie Hand vor. Es Die schwarze Roszika. Das Erdbeben in Turkestan ist, Meldungen aus Mosfau zufolge, eine furchtbare Katastrophe. Die Stadt Prschemalsk sei vom Erdboden verschwunden, an ihrer Stelle habe sich ein See gebildet. Die Telegraphenleitungen seien Erdstöße größtenteils zerstört. In Taschkent dauern die fort. Um Abdul Hamids Millionen. Der türkische Kriegsminister sandte dem Ersultan durch einen Offizier das Dofument, welches Abdul Hamid unterschreiben muß, damit seine Depots bei der Deutschen Reichsbank von der Regierund erhoben werden können. Das Dokument, das der Exsultan bisher noch nicht unterschrieb, soll durch den türfischen Botschafter in Berlin bei der Reichsbank präsen= tiert werden. Ungarische Dorfgeschichte von Adolf Stark. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) Noszika dachte nur an die Gefahr, in welcher der Beliebte schwebte. Sie flog mehr als sie ging den Abhang enpoc. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Ein vertikaler Kompaß. Aus Neunork wird berichtet, daß Alexander Ges einen vertikalen Kompaß erfunden hat, der gleichzeitig die Zeit angibt. Der Kompaß, der namentlich für die Luftschiffahrt von unschätzbarem Nutzen sein dürfte, bricht vollständig mit der Art, die seit zweitausend Jahren von Seefahrern benutzt wurde. Der Erfinder hat Thomas Edison und William R. Hearst, den amerikanischen Zeitungskönig", für seine Erfindung interessiert. Er ist sicher, daß mit der Benutzung seines Kompasses Flügen über weite Seestrecken und bet leichtem Nebel keine bedenklichen Hindernisse mehr im Wege stehen werden. Die österreichische Kabinettstrise hat sich verschärft. Die Prager Ausgleichsverhandlungen sind abgebrochen und das Kabinett Bienerth wird sich in kürzester Frist als Beamtenkabinett neu konstruieren. Bis zum letzten Augenblich hat sich Bienerth die Möglichkeit offengehalten, ein parlamentarisches Ministerium zu bilden. Da aber Deutsche und Tschechen in Prag sich nicht verständigen konnten, hätte diesem die parlamentarische Grundlage gefehlt. Am Fuße einer mächtigen Tanne sah sie deutlich eine Vännergestalt ausgestrect am Boden liegen, halb verBraben unter einer dunklen Masse. Mit geschwungener Fet eilte sie darauf zu. Aber sie brauchte nicht einBugreifen. Janko, der sie von weitem gesehen, jauchzte ihr schon entgegen. Seine Kugel hatte das Tier sicher getroffen, aus nächster Nähe, denn der Bär war underutet dicht neben ihm aufgetaucht. Noch im Todeskampfe hatte das Tier den Jäger niedergerissen. Roszika half den schweren Leichnam beiseite wälzen. Janko war unverlegt, doch sein Fuß war durch die darauf gestürzte Masse start gequetscht, so daß er, von seiner Braut gestüßt, nur mühsam vorwärts fam. Kleine Nachrichten. Stimmbandlähmung durch Elektrizität geheilt. Straubing hatte ein vom Lehrer beim Abschreiben ertappter Schüler vor Schrecken die Stimme verloren. Nachdem er im Straubinger Krankenhaus zehn Tage lang vergeblich behandelt worden war, ist die Stimmbandlähmung nunmehr in Ingolstadt auf elektrischem Wege behoben worden. Das kleinste Dorf in Deutschland ist trotz einer Bevölkerungszunahme von rund hundert Prozent seit der letten Volkszählung Dürrerbach im Odenwald. Bei der vorletzten Volkszählung hatte es zwei, bei der letzten vier Einwohner aufzuweisen. Ein schweres Rodelunglück hat sich in Oberbayern er= eignet. Auf der Rodelbahn in Garmisch geriet gestern ein mit vier Herren und einer Dame besetzter Schlitten an einer Kurve aus der Bahn, stürzte einen steilen Abhang hinunter und wurde mit voller Wucht gegen eine Buche geSo hatten fie etwa fünfzig Schritte talabwärts gemacht, als plößlich zu ihrer Linken das Gehölz krachte und ein zweiter Bär auf der Bildfläche erschien. Niemand batte von dem Vorhandensein zweier Tiere Kenntnis gehabt; daß die Einbrüche in derselben Nacht oft an weit entfernten Orten erfolgten, das hatten die Bauern in ihrer abergläubischen Weise gedeutet. Die Lage war furchtbar. Jankos Flinte war nicht geladen, und das Beil hatte Roszika am Latorte zurückgelaffen. Instinktiv warfen sich beide zu Boden und hielten den Atem an. Die Ansicht, baß der Bär Tote nicht angreife, ist überall auch in den Karpathen allgemein verbreitet. unbekümmert um die Folgen, auf und flog zu der Stelle hin, wo das Beil lag. Vermischtes. reiche Fra Morgen d geunerin die Karte die von ih Wirtlichte die drei m nen Tag fönne. G viele von gefallen. G In eine golde nate mit chen der übergaben Cine hagen wi Mittwoch ganäs( S fetzte die licher Rid passierte, ihn gerich etwa 20 9 Nach Aust Zu den Unterschlagungen bei der Spar- und Leihtasse in Geesthacht, worüber wir gestern berichteten, wird noch gemeldet: Der verhaftete Vorsitzende Schweigmann der Spar- und Reihtasse in Geesthacht genoß bei den vorsich= tigen Geschäftsleuten ein unbegrenztes Vertrauen. Die Unterschlagungen gehen bis zum Jahre 1904 zurück und erreichen den für ländliche Verhältnisse ganz enormen Betrag von 180 000 Mart. Für den 13. Januar ist eine Generalversammlung einberufen, die darüber entscheiden soll, ob die sechs Aufsichtsratsmitglieder für die Fehlbeträge mit ihrem Privatvermögen zu haften haben. Jedenfalls haben 48 Mitglieder. die mit je 2000 Mart hafteten und außerdem je 300 Mark einzahlten, ihr Geld verloren. Die in Hannover befindliche Direktion wird die ungefähre Restsumme von 100 000 Mart vor der Hand übernehmen, um für den einstweiligen Verlust Deckung zu schaffen. Echweigemann besaß in Geesthacht ein gutgehendes La= dengeschäft, das von der Kasse weiter betrieben wird. Das plöbliche Auftauchen der menschlichen Gestalt mochte die Bärin- denn es war das Weibchen des Ges töteten, wie sich später zeigte erschreckt haben. Sie pacte Janko mit dem mächtigen Gebisse bei den Kleidern und begann in wiegendem Trab davonzulaufen. Eine wilde Jagd folgte. Das blizende Beil in der Rechten flog Roszika dem Tiere nach. Wohl 10 Minuten und länger ging es so über den schneebedeckten Waldboden dahin. Dann änderte das Tier plößlich seine Taktik. E3 ließ den Körper Jankos fallen, machte kehrt und erwartete die Verfolgerin. Das Tier fam heran, begann den ausgestreckten Beib Jankos zu beschnuppern und mit den Pfoten hin und her au wälzen. Inzwischen arbeitete das Hirn Roszikas Reberhaft. Sie hatte nur einen Gedanken: die Art. Etwa 10 Schritte troch sie auf dem Boden bin, dann sprang fie Roszita erzählte später, daß in diesem Augenblick feine Spur von Furcht in ihrem Herzen war. Ihre Gedanken waren klar und scharf. Ein Ausspruch des alten Dorfschäfers fiel ihr ein, daß der Schädel der Bären steinhart sei und selbst für eine Flintenkugel undurchdringlich. Wolle man sie töten, so müsse man sie zwischen die Augen treffen. Sie blieb stehen und, den linken Fuß vorgestreckt, das Beil mit beiden Händen hochschwingend, erwartete fie den Gegner. Als das Tier ganz nahe war, schlug ste mit aller Wucht zu, gerade zwischen die Augen; dann sprang fie beiseite. Wie vom Blige gefällt, stürzte die Bestie nieder. geschlossen, Ballon ftens Con 11 Der I 1. Klaffe. gonerregin Kreuz 1. Schreiben Torps v. Mein lie Hebertritt fagen, Th und erspri re hindur Ihnen sche Brust das zeichnung, Shnen no freuen uni zubliden, gewidmet Heel General d Die Leiden eines Fremdenlegionärs. Von dem französischen Kriegsgericht in Udjda in Ostmarckfo wurden gestern verschiedene Soldaten der Fremdenlegion wegen Desertion, Komplott und Veruntreuung staatlicher Ausrüstungsgegenstände zu Gefängnisstrafen von fünf bis zwanzig Jahren und zum Aufenthaltsverbot von gleicher Dauer verurteilt. Dabei tam auch der Fall eines Soldaten Heel Eilheim zur Sprache, der nach den Aussagen des Angeklagten besonders dramatisch war. Eilheim, anscheinend ein Deutscher, fakte im August dieses Janko und Roszifa waren die Helden des Tages. Da sie zwei Bären erlegt hatten, wurde die Belohnung verdoppelt. Der Gutsherr spendete den gleichen Betrag, und als er von der Armut und dem Herzensroman der beiden erfuhr, gab er ihnen die Gutsschenfe in Pacht. Die Bauern der ganzen Umgegend, von einem Alp befreit, ließen es sich angelegen sein, die schöne Roszika aus zustatten, als wäre sie die reichste Bauerntochter, und die Bärenschenke, wie das Heim des jungen Paares noch heute heißt, ist das beliebteste Wirtshaus der ganzen Gegend, dem es nie an Gästen fehlt. Alter und Geschlecht bei Erkrankungen. Eine interessante Statistik über die Häufigkeit von Erfrankungen bei den beiden Geschlechtern und in den verschiedenen Altersstufen veröffentlicht der Glasgower Arzt Andrew auf Grund eines an 42 603 Kranken innerhalb der letzten zehn Jahre gesammelten Materials. Die größere Zahl der Erkrankten gehört dem männlichen Geschlecht an, nämlich 61 Prozent. Erkrankungen der Lunge treten bei den Männern bedeutend häufiger auf als bei den Frauen, und zwar in dem Verhältnis von% zu%. Unter den von einer akuten Lungenentzündung Befallenen befanden sich 82 Prozent Männer, unter den Lungenschwindsüchtigen 67 Prozent, unter den an Bronchitis Erkrankten 71 Prozent, unter den von Rippenfell- und eitriger Brustfellentzündung Ergriffenen waren 74 Prozent Männer. Die Zahl der cr= frankten Frauen überwog nur bei den an Asthma Leidenden, von denen 64 Prozent aufs weibliche Geschlecht kamen. Die größte Zahl von Krankheiten der Lunge wurde zwischen 20 und 30 Jahren festgestellt. In dieser Altersperiode wurden die meisten Fälle von akuter Lungenentzündung beobachtet und auch die Fälle von akuter Rippenfellentzündung waren häufiger als in irgend einem anderen Alter. Auch Lungenentzündung trat in der Zeit vom 20. bis 30. Jahre häufiger auf als in allen anderen Jahrzehnten des Lebens. Ebenso Asthma. Die vorherrschende Krankheit während des 40. bis 50. Jahres war chronische Bronchitis; auch akute Lungenentzündung trat in dieser Zeit häufiger auf als vorher; doch läßt sich dann im höheren Alter ein beständiges Sinfen dieser Krankheit konstatieren ebenso bei derLungentuberkulose. Nächst den Lungenkrankheiten kamen diekrankheiten des Magens, die vier Prozent der Gesamterkrankungen ausmachten. Sie traten bei Frauen häufiger auf als bei Männern, und zwar im Verhältnis von% zu%. Die größte Zahl der magenkranken Frauen, nämlich 90 Prozent, litt an Magengeschwüren; die größte Anzahl fand sich in der letzten Zeit zwischen 20 und 30 Jahren. Unter den 42 603 Fällen befanden sich 1474 Erkrankungen des Herzens, zu denen die Männer ein größeres Kontingent stellten als die Frauen. Auch Erkrankungen der Blutgefäße waren betin männlichen Geschlecht häufiger als beim weiblichen. Leben Sipung gemacht. eins wur find näml Şenbelag Die erst se tondecken Schicht über gelegt war Estrich ale böden ang von Chlor In dem die Böden meisten G waren. sagt, daß Wenn der nicht zu m eine geme magnesium anders geb Gine neller wie Magiftrats handelt fid auftalt, Si überflünig Ergebnis Dagegen Zurn oo des Gebän mit Waffe Stadttells stellt würd schen Freit heit für di Projeftes gelegenheit wohl in se Magiftrat einrichtung Dex freien t, = n δ It It r r ch 1= 1. () er e d es e= I, де Is d 1. те It, 11. α= 11= en en 15: is i- es 15: zel es e t e = 1 It t e n 3. it ד = 1 e 1 t 3 e = t t = 1. Fr er= rat Der ere an, bei eit, fich 67 nt, ing cr= en= en. jen ur= obing uch hre 118. δεξ Cute Jorges gent= antmt= Die 3rofich den ens, als aren chen. Jahres mit zwei Kameraden den Entschluß, zu entweichen, um der Schlechten Behandlung zu entgehen, dann aber wohl auch, weil die Ruhe der Marokkaner den Leuten wenig oder feine friegerische Beschäftigung gab. Die drei gelangten in forcierten Märschen bis zum Grenzflusse Muluya: diesen hatten sie unter Aufbietung der letzten Kräfte glücklich durchwatet und sie glaubten sich bereits gerettet, als plötzlich eine Schar berittener Marokkaner auftauchte und ein lebhaftes Gewehrfeuer gegen die drei Flüchtlinge eröffnete. 3wei von diesen wurden bald getötet, Heel Eilheim zweimal verwundet, so daß er sich nur mit größter Mühe auf den dichtbelaubten Gipfel eines Baumes retten und so unsichtbar machen konnte. Dort blieb er zwei Tage und Nächte lang, bis die Marokkaner verschwunden waren, trotz der furchtbaren Qualen, die ihm Hunger, Durst und seine Wunden verursachten. Dann letterte der Mann herunter und hinkte, so gut es ging, nach dem Militärposten zurüd, auf dem seine Kompanie stand, um sich felbst zu stellen. Das Kriegsgericht, das sonst den Fremdenlegionären gegenüber in der Regel nicht zur Nachsicht neigt, hatte mit dem bedauernswerten Manne doch einiges Mitleid und verurteilte ihn daher zu der gesetzlichen Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis. Ein Prinz als Flugmaschinen- Erbauer. Wie aus Potsbam mitgeteilt wird, interessiert sich Prinz Sigismund, der 19jährige Sohn des Prinzen Friedrich Leopold von PreuBen, sehr für die Flugkunst. Allerdings ist er vorläufig nur Theoretiker und hat seine Ideen noch nicht praktisch erprobt. Prinz Sigismund hat mit dem Bau eines Flugapparates begonnen. Bekanntlich ist der Prinz im Tischlerhandwerk ausgebildet und hat infolgedessen auch die Holzteile für sein Flugzeug selbst angefertigt. Die mashinellen Teile werden unter zuziehung eines Fachmannes eingebaut. Der Prinz hat sich im alten Glienicker Schloß einen Raum als Werkstatt eingerichtet und arbeitet mit unermüdlichem Eifer an seinem Flugzeug. Im kommenden Frühjahr will er es praktisch erproben lassen. Das Modell für die Maschine hat sich bei der Prüfung bewährt. Alle Teile sollen aus deutschem Material hergestellt wer= ben. Einer„ zaubernden" Zigeunerin sind in Berlin zahl= reiche Frauen zum Opfer gefallen. Im Westen erschien am Morgen des 1. Januar eine hübsche, etwa 20jährige 3igeunerin bei Arbeiterfrauen und Dienstmädchen, denen sie die Karten legte. Dabei erklärte die Wahrsagerin, daß die von ihr geweissagten schönen Zukunftsbilder nur dann Wirklichkeit werden würden, wenn ihr die Betreffenden die drei wertvollsten Gegenstände ihres Eigentums auf ei nen Tag überließen, damit sie diese zu Hause ,, bezaubern" fönne. So plump dieser Schwindel auch ist, so sind doch viele von denen, die ,, nicht alle werden", darauf hineingefallen. So vertraute ein Dienstmädchen der Schwindlerin eine goldene Uhr, eine seidene Bluse und ein Portemonnate mit 20 Mark an, während andere Frauen und Mädchen der Zigeunerin Broschen, Ringe, Armbänder usw. übergaben. Eine Spur vom Ballon„ Hildebrandt"? Aus Kopenhagen wird gemeldet: Ein großer Luftballon überflog Mittwoch abend in ziemlich geringer Höhe die Stadt Höganäs( Schweden). Er schien von Südosten zu kommen und setzte die Fahrt über Mölle und Kullaberg in nordwestlicher Richtung nach dem Meere zu fort. Als er Mölle passierte, wurde der Scheinwerfer der Hafenbehörde auf ihn gerichtet. Soweit man erkennen konnte, flog er in etwa 20 Meter Höhe mit ziemlicher Geschwindigkeit dahin. Nach Auskunft von sachverständiger Seite erscheint es ausgeschlossen, daß es sich um den seit Donnerstag vermißten Ballon„ Hildebrandt" handelt, da dieser sich bis allerhöhstens Conntag früh hat in der Luft halten können. Der letzte aktive Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse. Der Wachtmeister Kettlig vom Schwedter Dragonerregiment, dem letzten Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, ist bei seinem Abschied aus dem Heer ein Schreiben des fommandierenden Generals des 3. Armeetorps v. Bülow zugegangen, das folgenden Wortlaut hat: Mein lieber Herr Wachtmeister Kettlig! Am Tage Ihres Webertritts in den Ruhestand möchte ich es mir nicht versagen, Ihnen meinen Dank auszusprechen für die treuen und ersprießlichen Dienste, die Sie dem Vaterlande 44 Jahre hindurch in Krieg und in Frieden geleistet haben. Mit Ihnen scheidet der letzte Unteroffizier aus der Front, dessen Brust das Eiserne Kreuz 1. Kl. schmückt, die schönste Auszeichnung, die dem Soldaten zuteil werden kann. Möge es Ihnen noch viele Jahre vergönnt sein, sich ihrer zu er= freuen und in wohlverdienter Muße auf ein Leben zurückzublicken, das der Arbeit und der strengsten Pflichterfüllung gewidmet mar. In aufrichtiger Wertschäzung v. Bülow, General der Infanterie und fommandierender General." Lebensgefährlicher Fußbodenbelag. In der letzten Stadtverordnetenversammlung um ihre prinzipielle Zu- prozeßordnung nicht gewesen, dann würden vielleicht nur stimmung zu dem Projekt, das nur etwa 20 000 Mart Kosten verursachen würde. Yorids Schädel. In schallende Heiterkeit löste sich jüngst bei einer Aufführung des Hamlet in dem piemontesischen Orte Graglia die Darstellung der berühmten TotengräberSzene auf. Eben hielt der melancholische Dänenprinz seine tiefsinnige 3wiesprache mit Yorics Schädel, als ein strammer Karabiniere die Bühne betrat und im Namen des Gesetzes den aus den Wolfen fallenden Musenjünger um die Auslieferung des besagten Schädels ersuchte. Wie sich herausstellte, hatte der für naturalistische Inszenierung schwärmende Regisseur den freundlichen Totengräber des Ortes um die Ueberlassung der notwendigen Requisiten gebeten, worauf dieser gegen ein gutes Trinkgeld echt shakespearisch feine Bedenken getragen hatte, sich an dem seiner Obhut unterstellten fremden Gut und Eigentum zu vergreifen. Der schweigsame Gatte. Das Verhalten eines Ehemannes, der ein ganzes Jahr hindurch seiner Gattin gegen= über vollständige Schweigsamkeit bewahrt hat, bot den AnIaß zu einem Ehescheidungsverfahren, das seine Gattin vor dem Londoner Polizeigerichtshof eingeleitet hat. Der Richter fragte die trostlose Frau, ob sie wünsche, daß er ihren Mann zum Sprechen bringe, worauf die Gattin erwiderte, daß sie gerne auf das Vergnügen verzichte, alles, was sie wünsche, sei eine Scheidung von ihrem Gatten, der die Eintönigkeit seines Stillschweigens durch wiederholte Prügeleien unterbreche. Wenn sie sich auch nichts aus dem Schweigen machen würde, die Prügel könne fie aber nicht länger ertragen. Der Richter gab der Frau den Rat, den Mann zu verlassen und sodann ein Scheidungsverfahren wegen fortgesetzter Mißhandlung einzuleiten. „ Vater Gregors" Tod. Krankheit und Nahrungssorgen haben den 70 Jahre alten Droschkenfutscher Franz Gregor in Berlin in den Tod getrieben. Der alte Mann saß 39 Jahre lang auf dem Kutscherbock und war allen seinen Berufsgenossen als„ Vater Gregor" bekannt. Die letzten sechs Jahre mußte er sich als Witwer sein Hauswesen selbst besorgen, dazu kam, daß er seit 13 Wochen wegen eines Fußleidens erwerbsunfähig war. Als er am 2. Januar die Miete bezahlte. legte er sie der Hausverwalterin mit den Worten hin:„ Das ist das letzte Geld". Die Ersparnisse waren aufgebraucht und Krankengeld gab es nicht mehr. In dieser Lage griff Vater Gregor zum Strick und erhängte sich am Bettpfosten. Als eine Arbeiterin, die bei ihm wohnte, am Abend nach Hause fam, war er tot. Dänische Zuchthäusler. Aus Kopenhagen wird geschrieben: Der frühere Justizminister Alberti ist bekanntlich wegen Urkundenfälschung, Betrugs und strafbarer Zuwiderhandlung gegen das Sparfassengesetz zu einer Gesamtstrafe von acht Jahren Zuchthaus, der gesetzlichen Höchststrafe, verurteilt worden. E8 wird von Interesse sein, etwas näheres von dem Schicksal zu erfahren, dem der einstige oberste Hüter der Gerechtigfeit" in Dänemark entgegengeht. Die Buchthausstrafe wird in Dänemark, wenn sie, wie hier, die Dauer von 6 Jahren überschreitet, immer im Zuchthause zu Horsens( Jütland) verbüßt; Verbrecher, gegen die eine Zuchthausstrafe von unter 6 Jahren verhängt ist, können dem sogenannten„ Verbesserungshause" zugewiesen werden, wo das Einzelhaftsystem herrscht. Im Zuchthause zu Horsens, dessen Insasse Alberti ist ist ein progressives System" durchgeführt, das sich hauptsächlich außer durch Zwangsarbeit, auch durch gemeinsame Beschäftigung der Zuchthäusler charakterisiert. Alberti wird nach dem Horsener Zuchthausreglement fol= gende sogenannte„ Strafstadten" im Zuchthause durchzumachen haben: Das erste Stadium, das sogenannte Vorbereitungsstadium dauert drei Monate und dient wohl hauptsächlich da= zu, den neuen Insassen zu„ afklimatisieren". In diesem Stadium darf sich der Zuchthäusler entweder in einer ge= meinsamen Arbeitsstube oder in Einzelhaft befinden( nach seiner eigenen Wahl). Jede Extraverpflegung ist hier schon ausgeschlossen. Der Arbeitstag dauert mit den Unterbrechungen, welche die Mahlzeiten und die Spaziergänge im Zuchthause mit sich führen, von 5% oder 6½ Uhr früh bis 8 Uhr abends. In den beiden hierauf folgenden Stadien wird die Strafe immer in gemeinsamen Arbeitsstuben, in Arbeitsfolonnen verbüßt. Das erste dieser beiden Stadien ist das eigentliche Zwangsstadium"; dies Stadium hat wiederum 4 Klassen, der Zuchthäusler bekommt eine durch genaue Bensuren gekennzeichnete Beurteilung seines Benehmens und seiner Führung; hiernach wird wiederum sein Aufrücken in die höheren Klassen bestimmt; fede höhere Klasse zeichnet sich gegenüber den niedrigeren durch eine etwas weniger strenge Aufsicht aus; die Freiheiten und das Arbeitsverdienst werden allmählich etwas größer. Das nächste dritte Stadium wird im besten Falle nach 4 Jahren erreicht. Es heißt das Uebergangsstadium" und ist dazu bestimmt, eine Art Uebergang zur Freiheit zu bilden. Das letzte Stadium ist dasjenige der„ bedingten Begnadigung". Dies Stadium wird im besten Falle nach 6 Jahren erreicht und setzt voraus, daß der betreffende Zuchthäusler durch sein Betragen im Zuchthause zu der Hoffnung berechtigt, daß er fortan ein nübliches Mitglied der Gesellschaft werden kann. Das Stadium wird Alberti frithestens im Jahre 1916, als 65jähriger erreichen. die 150 Zeugen der Anklage vernommen worden sein und die der Angeklagten gar nicht. Wenn irgend ein Prozeß, so hat es dieser bewiesen, wie dringend notwendig gerade diese Bestimmung der Strafprozeßordnung ist, wenn nicht ein ganz schiefes Bild erzeugt werden soll. Es ist überhaupt interessant, welche Wandlung in den bürgerlichen Kreisen von Moabit im Verlaufe der Unruhen eingetreten ist. Zuerst war die Entrüstung über das Verhalten der Menge natürlich, aber dann entrüstete man sich über die Polizei. Die Bekundungen unserer Zeugen sind hier mit einer Ruhe und Objektivität gemacht worden, daß man ſa= gen muß, diese Zeugen haben absolute Glaubwürdigkeit für sich. Diese Aussagen kann man mit ein paar wohlfeilen Redensarten nicht aus der Welt schaffen. Wo wir auch nur das geringste Bedenken hatten, da haben wir die Zeugen gar nicht in unsere Sammlung aufgenommen, die im übrigen 675 3eugen umfaßt. Unsere Zeugen haben posi= tive Tatsachen befundet. Auffällig sei auch, daß die Polizeioffiziere von den massenhaften Mißhandlungen nicht das geringste gesehen haben wollen. Es haben Zeugen bekundet, daß die Mißhandlungen in nächster Nähe der Offiziere, ja vor den Augen der Offiziere vorgekommen sind. Ich habe das volle Recht, in diesem Falle zu sagen: Ich glaube nicht, daß die Polizeioffiziere es nicht gesehen haben. Es kommt ja auch vor, daß Beamte mit Absicht etwas nicht sehen wollen. Es ist gesagt worden, daß die Polizeioffiziere sich um= drehten und daß dann ein Schritt hinter ihnen die Leute niedergeschlagen wurden. Dann müssen die Offiziere es aber doch wenigstens gehört haben. Wenn sich die Polizet übrigens nicht einmal im Falle der englischen Journalisten zu einer offenen, rückhaltlosen Entschuldigung bereit ge= funden. sondern auch hier versucht hat, das Vorgehen der Beamten zu rechtfertigen und ihre Erklärung einzuwickeln in Redensarten, um es erscheinen zu lassen, als ob die Journalisten die Schuldigen wären, dann kann sich doch keiner wundern, wenn die unteren Polizeiorgane es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber mit erregter Stimme: Ich muß es als durchaus unzulässig erklären, daß Sie hier in ziemlich deutlicher Weise dem Polizeipräs fidcuten unwahrheiten vorwerfen, noch dazu in einem Falle, dessen Erörterung das Gericht ausdrücklich abgelehnt hat. Bald darauf bricht Rechtsanwalt Heine sein Plädoyer ab, um es Freitag fortzusehen. Drabtnachrichten und neuestes. Ein Jagdansflug des Kaisers. Berlin, 6. Januar. Der Kaiser hat sich heute vormittag auf einige Tage nach dem Jagdschloß Hubertus stock bei Eberswalde begeben. Unfall eines D- 3uges. Berlin, 6. Januar. Der gestern 9 Uhr abends auf dem Stettiner Bahnhof fällige D- Bug Kopenhagen- Berlin hatte fahrplanmäßig 5 Minuten vor 8 Uhr die Station Gransee verlassen. Etwa 10 Minuten später wurden die Insassen durch einen furzen, kräftigen Ruck, dem bald darauf weitere Stöße folgten, durcheinandergeworfen. Es bemächtigte sich der Mehrzahl der Reisenden eine große Bestürzung. Sie spraugen aus dem Zuge, der sich in der Nähe der kleinen, fürzlich eröffneten Station Buberow befand. Es bot sich ihnen ein aufregender Anblick. Die Lokomotive des D- Zuges war in einen Güterwagen, in dem sich 8 bis 10 Ochsen befanden, mit solcher Wucht hineingefahren, daß sie sich tief in den Wagen hineingebohrt hatte und mit den Vorderrädern hoch in die Luft ragte. Die Tiere lagen teils tot, teils schwer verletzt auf den Schienen. Das Zugpersonal des D= Zuges und die Insassen famen glücklicherweise mit leichten Kontusionen und Hautabschürfungen davon. Anseinend war der Zusammenstoß durch ein Versehen beim Rangleren des Güterwagens entstanden. Vom D- Zuge sind die Lokomotive und der Gepäckwagen völlig zertrümmert. Die Beförderung der Reisenden wurde durch Umsteigen bewerkStelligt. Offizierstragödie. Berlin, 6. Januar. Eine Offizierstragödie hat sich gestern abend im Nordwesten Berlins abgespielt. In seiner Wohnung im Hause Luisenstraße 24a verübte der 27jährige Leutnant Walter vom Dragonerregiment Königin Olga von Württemberg Selbstmord, indem er sich eine Kugel in den Kopf jagte. Die Tat wurde erst einige Stunden später entdeckt, als der Bursche des Offiziers feinen Einlaß in die Wohnung fand. Die Ursache zum Selbstmord ist noch nicht aufgeklärt doch wird angenommen, daß der Leutnant die Tat in einem Anfalle von Nervenüberreizung begangen hat. Durch flüssiges Eisen verbrannt. Berlin, 6. Januar. In einer Eisenfabrik in Köpenick spritzte, als Altmaterial sich im Schmelzofen befand, ein Teil des kochenden Eisens aus dem Kessel und floß einem Schmelzer auf den Rücken. Der Verunglückte mußte sofort lebensgefährlich verletzt nach dem Krankenhaus gebracht werden. Raubüberfall auf einem Postamt. Berlin, 6. Januar. In einem Berliner Bostamt verübte gestern abend ein junger Mann einen Raubüberfall auf einen Hausdiener einer Handlungsfirma. Er streute dem Hausdiener, der ein Wertpaket über mehrere hundert Mark aufgeben wollte, Pfeffer in die Augen, riß Sigung des Düsseldorfer Architekten- und Ingenieuver Staatsanwalt und Verteidiger in Moabit. faenen nahmen verschiebene Personen die Verfolgung des eins wurden die Anwesenden mit einer Tatsache bekannt gemacht, welche die weiteste Kenntnisnahme verdient: Es find nämlich sehr unangenehme Erfahrungen mit Fußbodenbelag und Gasröhren in Neubauten gemacht worden, die erst seit wenigen Jahren vollendet waren. Ihre Betondecken waren mit einer 6 Zentimeter starken Bimsbetonschicht überdeckt, in welche eiserne Nohre für die Gasleitung gelegt waren. Ueber dem Bimsfies war eine Schicht KorkEstrich als Unterlage für Linoleum oder fugenlose Fußböden angebracht. Dieser Estrich besteht aus einer Mischung von Chlormagnesium, Magnesit und Abfallstoffen von Kork. In dem Hause machte sich starker Gasgeruch bemerkbar; die Böden wurden aufgehoben, und es zeigte sich, daß die meisten Gasrohre zerfressen, stellenweise sogar verschwunden waren. Das Gutachten eines chemischen Sachverständigen sagt, daß zuviel Chlormagnesium verwendet worden sei. Wenn der Bimsboden einen Kalfzusatz erhalten hätte, oder nicht zu mager und durchlässig, sondern von oben her durch eine Zementschicht geschützt gewesen wäre, hätte das Chlor= magnesium nicht eindringen können, oder es wäre chemisch anders gebunden gewesen. Eine Gasanstalt als Schwimmbad. Ein ebenso origineller wie praktischer Vorschlag ist von seiten des Breslauer Magistrats dem Stadtverordnetenkollegium zugegangen. Es handelt sich um die Nutzbarmachung einer städtischen Gasanstalt, die nach Erbauung mehrerer neuer Gasanstalten überflüssig geworden ist. Der Magistrat ist aber zu dem Ergebnis gekommen, daß die Kosten des Ausbaues zu einer Turn- oder Reithalle unverhältnismäßig hoch sein würden. Dagegen ließe sich der wertvolle Wasserbehälter im Grunde des Gebäudes wohl noch ausnuten, wenn er im Sommer mit Wasser gefüllt und der Jugend des dicht bevölkerten Stadtteils zum Baden und Schwimmen zur Verfügung ge= stellt würde. Bei dem stetig zunehmenden Besuch der städtischen Freibäder und der hohen Bedeutung der Badegelegen heit für die Volksgesundheit erscheint die Ausführung des Projektes erwägenswert. Der Vorzug einer solchen Badegelegenheit gegenüber einem Hallenschwimmbade beruht fo= wohl in seiner Größe als auch in seiner freien Lage. Der Magistrat will das Bad im wesentlichen als Wohlfahrts= einrichtung betrachtet wissen und es daher zeitweilig auch der freien Benupuna zugänglich machen. Er bittet dté Im Moabiter Krawallprozeß, der jetzt, wie gemeldet, in das letzte Stadium gerückt ist, fuhr der Erste Staatsan= walt Steinbrecht am Donnerstag in der Stellung der Strafanträge fort. Gegen den Angeklagten Bock, der zwei Schubleute mit einem Messer gestochen hatte, beantragte er 2½ Jahre Gefängnis; im übrigen variierten die Strafanträge im Maße von 2 Monaten für die leichten Vergehen, wie aufreizende Zurufe usw.- bis zu einem Jahr 3 Monaten Gefängnis. - Sodann nahm das Wort Staatsanwalt Stelzner. Er bespricht die Vorgänge nach dem 26. Dezember. Es hat sich, ganz außerhalb der vorgekommenen Gewalttätigkeiten ein geradezu ungeheuerer Terrorismus gegenüber den Arbeitswilligen gezeigt. Bezeichnend dafür ist, daß die Arbeitswilligen hier vor Gericht als Zeugen über das Vorgehen der Streifleitung in Ausdrücken gesprochen haben, wie sie sonst nur inbezug auf die Staatsgewalt angewendet werden. Im einzelnen beantragt der Staatsanwalt für die Angeklagten, die wegen Vergehens nach dem 26. September angeklagt sind, Strafen von 2 Monaten bis zu 1 Jahr 6 Monaten. Die schärfste Bestrafung beantragt er für den Gastwirt Pilz, dessen Lokal in der Beweisaufnahme eine so große Rolle gespielt hat. Hierauf ergreift Verteidiger Rechtsanwalt Heine das Wort: Man müsse staunen über die Fülle des Materials, die dieser Prozeß ergeben habe, und müsse bedauern, im Plädoyer nicht noch einmal das gesamte Material an sich vorüberpassieren lassen zu können. Auch der Erste Staatsauwalt, sagte er, stehe auf dem Standpunkt des Gerichs, daß alle Zeugen nach Erledigung des speziellen Teils überflüssig gewesen wären. Ich weiß nicht, ob das Gericht auch heute noch der Meinung ist. Wären die an sich vielleicht wenig beträchtlichen Einzelfälle für sich einzeln behandelt worden, so wäre es nicht möglich gewesen, ein Gesamtbild in solchen Umfange zu bekommen. Wir haben von der Staatsanwaltschaft gehört, daß die Aussagen der Zeugen der Verteidigung keine Bedeutung hätten. Ich kann noch 200 Zeugen bringen, die öffentlich befunden werden was hier vorgeführt wurde. Es ist weiter die Strafprozeßordnung verantwortlich gemacht worden, daß die Beweisaufnahme einen solchen Umfang angenommen hat. Wäre die Straf= Verbrechers auf. Dieser floh in das Nebenhaus und wurde dort auf dem Boden ergriffen. Das Wertpaket wurde der Firma zugestellt. Ein glücklicher Finder. Charlottenburg, 6. Januar. Ein hiesiger Chauffeur fand im Dezember 1909 in seiner Autodroschfe eine Tasche enthaltend 40 000 Rubel in bar und für 50 000 Mark Diamanten, Perlen und Goldgeschmeide. Da der Eigentümer sich bis= her nicht gemeldet hat, wurde der Chauffeur jetzt von der Behörde aufgefordert, den ganzen Fund abzuholen. Gefährliches Treiben eines Brandstifters. Lübeck, 6. Januar. Ein Brandstifter äscherte in def drei letzten Nächten in den lübeckischen Dörfern Gronsforde, Reecke und Moorgarten fünf Häuser ein. Bisher konnte er nicht entdeckt werden. Aus einem fahrenden Zuge gestürzt. Aöln, 6. Januar. Auf der Eisenbahnstrecke Troisdorfs Köln fiel eine Frau mit ihrem 12jährigen Mädchen aus dem fahrenden Zuge. Das Mädchen geriet unter den Zug und wurde überfahren. Entdeckung eines geplanten ruchlosen Attentats. Amsterdam, 6. Januar. Auf einer Dampfstraßenbahn in Nordholland wurden zwei Flaschen Nitroglyzerin mit einer Lunte gefunden. Ein Mann aus Amsterdam, der der Tat dringend verdächtig ist, wurde verhaftet. Was im franzöfifchen Heere alles möglich ist. Toulon 6. Januar. Eine Handwerkerkompanie des 10. Artillerieregiments hat heute wegen schlechter Nahrung die Arbeit verweigert und die Abendmahlzeit abgelehnt. Nach Intervention des Obersten war um 9 Uhr abends die Ordnung wieder hergestellt. Reformen der portugiesischen Regierung. Lissabon, 6. Januar. Das Ministerium wird demnächst eine Anzahl in demokratischem Sinn gehaltener Reformen in straft treten lassen, die später der konstituierenden Versammlung unterbreitet werden sollen. Es handelt sich dabet um die Einrichtung eines wöchentlichen Ruhetages, Erlaß cines Wahlgesetes, staatlichen Schutz des Greisen- und Kin desalters sowie den Mutterschub, Verbesserung des Elementarunterrichts, Entwickelung des Hochschulunterrichts, na= mentlich des medizinischen, und Verwaltungsreformen. Bekanntmachung. Es sind folgende Stiftungszinsen zu vergeben: 1. 12 Gaben von je 20 Mt. an hiesige Arme aus der Hofgerichtsrat v. Krug- Stiftung, 2. 8 Gaben von je 20 Mt. an hiesige Arme aus der Friedrich Lony- Stiftung. Meldungen nimmt das Armenamt, Asterweg 9, bis 20. Januar entgegen. Gießen, den 4. Januar 1911. Großh. Bürgermeisterei. J. V.: Keller. Bekanntmachung. Warnung vor unlauteren Darlehens= Vermittlern. Wir haben schon wiederholt vor dem unlauteren Geschäftsgebahren gewisser Darlehensvermittler gewarnt, die in Zeitungen sich zur Vermittelung oder Beschaffung von Darlehen unter anscheinend günstigen Bedingungen erbieten, denen es aber vielfach weniger um die Beschaff= ung der Darlehen zu tun ist, als um die Erzielung von Gewinn dadurch, daß sie entweder die Behandlung der Darlehensgesuche von der Vorauszahlung eines die wirklichen Auslagen übersteigenden Kostenvorsch u s- ses für Einholung einer Auskunft über die Kreditwürdigkeit des Nachsuchenden 2c. abhängig machen, oder auf Grund von zur Jrreführung geeigneten Zeitungsannoncen und Prospekten den Darlehensuchenden eine sogenannte Geldoffertenliste, d. i. ein umfangreiches Verzeichnis von Darlehensvermittlern und Darlehensgebern, gegen Bezahlung einer Gebühr, die meist durch Nachnahme erhoben wird, übersenden. Wie berechtigt diese Warnung ist, beweist die Tatsache, daß fortwährend Verurteilungen derartiger Personen wegen Betrugs zu empfindlichen Strafen bekannt werden. Da auch hiesige Einwohner durch das unlautere Geschäftsgebahren derartiger Personen zu Schaden gekommen sind, können wir unsere Mahnung zur Vorsicht gegenüber unbekannten, Darlehensvermittlern nur wiederholen. Gießen, 2. Januar 1911. Großh. Polizeiamt. Gebhardt. Bekanntmachung. Die Lieferung: 1. der Kleider und Wäsche für stadtarme Pflegefinder und Zwangszöglinge, 2. der Schuhe nach Maß und der Anfertigung der Schuhreparaturen, 3. des fertigen Schuhwerks und 4. des Brotes für Stadtarme für die Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 ist zu vergeben. Angebote sind bis spätestens 31. Januar 1911 beim Städtischen Armenamt, Asterweg 9, wo auch die Bedingungen eingesehen werden können und die Angebotsformulare erhältlich sind, einzureichen. Gießen, den 4. Januar 1911. Die Armendeputation der Stadt Gießen. Keller. Bekanntmachung. Die hier ansässigen Ehepaare, welche im laufenden Jahre das Fest der goldenen Hochzeit begehen und Anspruch auf Zuwendung der Gabe aus der im Jahre 1879 anläßlich der goldenen Hochzeit des Deutschen Raiserpaares errichteten Stiftung erheben wollen, werden hierdurch aufgefordert, sich alsbald bei der Bürgermeisterei zu melden. Gießen, 4. Januar 1911. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die nachstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 6. Januar 1911. Großh. Bürgermeisterei. J. V.: Keller. Bekanntmachung. Die Arbeiten zur Aenderung der Anlage einer Feldbahn mit Lokomotiv betrieb zwischen der Gail'schen Dampfziegelei und Tonwarenfabrik zu Gießen sind nunmehr fertiggestellt. Einwendungen gegen die planmäßige Ausführung des Projektes sind in der Zeit vom 9. bis 16. Januar 1911 bei Großherzoglicher Bürgermeisterei Gießen zu erheben. Gießen, den 3. Januar 1911. Großherzogliches Kreisamt Gießen. gez.: Dr. Usinger. Dück der Gießener Verlagsdruckerei, Klein& Fischer. Steinkohlen- Bezugs- Gesellschaft Giessen. Ordentliche Hauptversammlung Montag, den 23. Januar 1911 abends 8 Uhr, im Saale des Gasthauses ,, 8um Löwen", Nenenweg 28. Tagesordnung: 1. Berichterstattung. 2. Rechnungsablage. 3. Erfagwahl des Vorstandes. 5. Wahl des Rechnungs- Prüfungs Ausschusses. 5. Verschiedenes. Gießen, den 6. Januar 1911. Der Vorstand. Die Rechnung liegt bei dem Vorsitzenden, Herrn A. Dickoré, Schanzenstraße 8, vom 13. ds. Mte. 8 Tage zur gefl. Einsicht der Mitglieder offen. SparsameFrauen Stricker nur Sternwolle Beste Strumpf- und Sockengarne für Hand und Maschine! Orangestern und Blaustern feinste Sternwollen Rotstern und Violetstern hochfeine Sternwollen Grünstern, Gelbstern und Braunstern sind die besten Konsum- Sternwollen! Bezugsquellen werden auf Wunsch direkt oder unter der Anzeige genannt. 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