Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 130. - Telephon: Nr. 362. Vierzig Jabre Reichsland. aus Die„ Nordd. Allgem. 3tg." veröffentlicht einen süddeutscher Feder stammenden Artikel„ Vierzig Jahre Reichsland", der an die Tatsache anknüpft, daß am 3. Juni 1871 der erste Deutsche Reichstag dem ihm vorgelegten Gesetz über die Vereinigung von Elsaß und Lothringen mit dem Deutschen Reiche zugestimmt hat, und daß somit die Reichsgeschichte in diesen Tagen eine Art Jubiläum feiert. Der Artickel skizziert im Anschluß an die damaligen Reden des Fürsten Bismarck die Verhältnisse, unter denen die Vereinigung sich vollzog und die ungeahnten Schwierigkeiten, die dabei innerlich zu überwinden waren und die nur deshalb überraschend kamen, weil man die Bedeutung der beiden Jahrhunderte, in denen Elsaß- Lothringen vom Reiche getrennt war, unterschätzt hatte. Der Artikel gedenkt sodann der mühevollen Arbeit, die der endgültigen Zustimmung des Reichstages zu dem Reformwerk vorangegangen ist und fährt fort: Was ist nun eigentlich das Gefährliche an der Reform, wie sie in diesen Tagen nach langen Mühen Gesetz geworden ist? Die Stellung des Kaisers und des Statthalters ist nicht geschwächt, vielmehr verstärkt worden. Soll es etwa das Oberhaus sein, das zur Hälfte aus vom Kaiser ernannten Mitgliedern besteht und in das die politisch reissten Elemente eintreten werden? Oder das Wahlrecht für die zweite Kammer, das doch leine wesentlich anderen Zustände hervorbringen wird, als sie dasselbe Wahlrecht im ganzen übrigen Süddeutschland, in Baden, Württemberg und Bayern geschaffen hat, und das nebenbei ganz gewiß nicht im französischen Sinne wirken wird, weil es die französisch beeinslußte Oberschicht zu Gunsten der breiten, zweifellos deutschen Schichten der Bevölkerung zurüddrängt. Die Alterspluralstimmen waren ja als gewisser Schutz gegenüber den unreifen jugendlichen Elementen gedacht und hätten sicherlich so gewirkt; auf der anderen Seite aber wären sie zunächst gerade der absterbenden Generation zugute gekommen, die noch mehr unter französischem Einsluß steht als die auf dem Boden des Reiches geborene. Oder endlich die Bundesratsstimmen? An der historisch begründeten, auf die mächtigsten Realitäten der Welt gestützten Machtstellung Preußens im Reich werden sie tatsächlich nichts ändern. der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. sowie vieler anderer Es bleibt in Wahrheit nur die Frage, ob die elsaßlothringischen Stimmen dem Reiche schaden können oder nicht. Die verbündeten Regierungen haben die Unterscheidung zwischen wirtschaftlichen und politischen Fragen abgelehnt, weil es unmöglich erschien, mit Sicherheit zu jagen, wenn eine wirtschaftliche Frage anfange oder aufhöre politisch zu sein. Tatsächlich werden aber doch die Fälle, in denen der Statthalter von dem ihm erteilten Rechte Gebrauch macht, die drei Stimmen anders zu instruieren, als der Kaiser und König die Stimmen Preu Bens instruiert, nur bei Entschließungen über wirtschaftliche Angelegenheiten vorkommen. Oder glaubt man, daß in einer hochpolitischen Frage der Statthalter, der doch ein Vertrauensmann des Kaisers und des Reichsfanzlers sein muß, seinen eigenen Weg gehen konnte? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Jedenfalls steht einer seltenen und auf wirtschaftliche Interessen beschränkten Oppositionsmöglichkeit der ungeheuere moralische und erzieherische Wert der verantwortlichen Mitarbeit an der Leitung der Reichsgeschäfte gegenüber, die sicherlich wie laum etwas anderes geeignet ist, das Band, daß Elsaß Lothringen mit dem Reiche verbindet, fester, stärker und inniger zu machen und so deutsch und verdeutschend zu wirken. Diese Stimmen bedeuten die Mündigkeit des Reichslandes. Mit ihrer Verleihung sprechen ihm der Kaiser, die verbündeten Regierungen und die Vertretung des deutschen Volkes ihr Vertrauen aus, daß es den guten Willen und die Kraft haben werde, das unzertrennliche Wohl des Landes und des Reiches in einem zu pflegen und zu fördern. Die Frage, ob das in den neuen Gesetzen zum Ausdruck kommende Vertrauen betechtigt ist oder nicht, rückhaltlos zu bejahen, erfordert allerdings einen gewissen Optimismus. Aber ohne ein gewisses Maß von Optimismus läßt sich überhaupt nicht regieren. Und es bleibt dabei, daß Fürst Bismarc sich auch durch schmerzliche Erfahrungen in diesem Optimismus nicht hat irre machen lassen und daß die jetzt durchgeführten Reformen die logische Weiterführung seines Werkes sind. Eine Verewigung des jetzigen, höchst unerfreulichen Zustandes war ohne schweren Schaden für das Reich ebenso unmöglich, wie die Rückkehr zum Annexionsge danken oder zum Glacisstandpunkt. So blieb nur ein emtschlossenes Vorwärts. Daß dabei zunächst noch nicht ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag, den 6. Juni 1911. | alles ganz nach Wunsch gehen wird wer sollte es anders erwarten? Da heißt es eben, auch jetzt wieder Geduld haben. Aber die innere Notwendigkeit der Dinge wird aus dem vollberechtigten Glied des Deutschen Reiches auch ein lebendiges Glied des Reichskörpers machen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 6. Juni. Nach dem Feste. Das war ein wahres rechtes Pfingstfest. Tausende und abertausende hat es hinausgezogen in die lachende Welt. Auf allen Landstraßen, Stegen und Wegen, im Wald und auf den Fluren herrschte ein reges Leben und Treiben und trotz den ewig eilenden Radlern, Motor- und Autofahrern ein harmonisch schönes Volksbild von frohen, aus des Zimmers Enge der schönen freien Natur, dem Sonnenlicht und dem Lenzesgrün zueilenden Wanderern. Wer es nicht vorzog, größere und weitere Ausflüge zu unternehmen, der erging sich in den Anlagen oder in der nächsten Umgebung der Stadt, und hier fand der aufmerksame Pfingstspaziergänger auch Erholung und Erbauung die Fülle. Unzählige Andere aber zog es weiter in den Westerwald, den Taunus und an den grünen Rhein. Demzufolge war der Pfingstverkehr auf den Eisenbahnen, ein außerordentlich starker. Trotzdem wickelte sich alles glatt ab. Unsere Bahnverwaltungen, und noch mehr das Personal, sind auf solche Fälle schon genügend„ geeicht". Was das Pfingstwetter anlangt, so hatten die Meteorologen richtig prophezeit. Es herrschte eine ungemein warme Hochdruckwitterung. Am Nachmittage des zweiten Feiertages fühlte ein Gewitter die geradezu tropische Hitze etwas ab. | ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pig.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Bestrebungen der Gesellschaft in den beteiligten Kreisen verständnisvoller Anerkennung begegnen und daß Ihre Erfolge dem Gemeinsinn und dem sozialen Empfinden der deutschen Kaufmannschaft ein neues glänzendes Zeugnis ausstellen werden." Des weiteren wurde auf der Hauptversammlung des Deutschen Verbandes Kaufmännischer Vereine am 28. Mai folgende Resolution einstimmig angenommen:„ Der Deutsche Verband kaufmännischer Vereine spricht seine Freude über die Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Errichtung von Kaufmanns- Erholungsheimen aus. Er sagt der Gesellschaft um so freudiger seine Unter= stützung zu, als die Errichtung von Kaufmanns- Erholungsheimen geeignet ist, eine fühlbare Lücke in unseren sozialen Fürsorgebestrebungen auszufüllen. Der Deutsche Verband kaufmännischer Vereine beschließt daher, der Deutschen Gesellschaft zur Errichtung von Kaufmanns- Erholungsheimen als Mitglied beizutreten und fordert alle ihm angeschlossenen Kaufmännischen Vereine auf, diesem Beispiel zu folgen und in den Kreisen ihrer Mitglieder für den Anschluß an die Deutsche Gesellschaft zur Errichtung von Kaufmanns- Erholungsheimen zu= werben." Die längsten Tage und die kürzesten Nächte haben wir vor uns. In den Tagen vom 20.- 23. Juni aber geht die Sonne bereits 3 Uhr 39 Minuten auf und erst 8 Uhr 14 Minuten unter. Am 24. Juni verkürzt sich die Tageslänge schon um eine volle Minute und am 30. Juni ist der Tag bereits drei Minuten fürzer. -)(= Dutenhofen, 6. Juni. Bei der kürzlich erfolgten Zwangsversteigerung ist das Gasthaus„ Ja g d= schlößchen" für den Preis von zirka 43 000 Mari in den Besitz des Brauereibesitzers Bichler in Gießen übergegangen. * Aus dem Vogelsberg, 6. Juni. Selbstseiner Borſtentiere und bot durch die Schelle das Pfund zum Preise von 60 Pfg. an. Auch in Lauter schlachteten Züchter, die ihre Schweine nicht los werden konnten, in voriger Woche 2 Stück und verkauften das Fleisch an die Ortseinwohner zu 60 Pfg. das Pfund. So ist die brausende Pfingstsymphonie wieder verstummt, und heute ist sie nur noch eine angenehme Er- hilfe. In Grünberg schlachtete ein Schweinezüchter eines innerung, abgesehen von denen, die in der glücklichen Lage sind, nach dem alten Grundsatz, daß alle guten Dinge drei sind, noch einen weiteren Feiertag zu begehen. Aber schließlich schlägt auch diesen Glücklichen eine Stunde, und zwar nicht zu ihrem Nachteil; denn: alles kann der Mensch ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen. einen * Wohltätigkeits- Konzert. Zum Besten des Invalidendanks fand am Samstag abend in Steins- Garten ein Konzert von der Kapelle unseres Infanterieregiments statt, das leider nur schwachen Besuch aufzuweisen hatte. Es war ja etwas gewagt, eine derartige Veranstaltung auf den Vorabend des Pfingstfestes zu verlegen. Viele Leute, die sicher das Konzert besucht hätten, waren schon auf der Pfingstferienreise, während ein anderer Teil den Ausflug für die nächsten Tage vorbereitete und die paar Pfennige, die der Besuch des Konzertes gekostet hätte, für die Reise zurücklegte. Die Kapelle wartete mit einem trefflichen Programm auf. Der Hochzeitsmarsch a. d. Sommernachtstraum v. Mendelssohn- Bartholdy leitete das Konzert mächtig und eindrucksvoll ein. Ihm folgte die Overture zur Oper " Zar und Zimmermann" v. Lortzing. Der zweite Teil brachte„ Wotans Abschied von Brünhilde und Feuerzauber aus Walküre" v. Wagner. Der letzte Teil enthielt den Walzer aus dem Rosenkavalier v. R. Strauß. Daß die Kapelle sämtliche Stücke vorzüglich wiedergab, brauchen wir wohl nicht besonders zu erwähnen. Den Freunden guter Musik brachte der Abend volle Befriedigung und ließ keine unerfüllten Erwartungen zurück; aber im Interesse der guten Sache wäre es wünschens wert gewesen, wenn auch nach der pekuniären Seite hin ein voller Erfolg erzielt worden wäre. -sch Friedberg, 6. Juni. Die Erbauung eines neuen Schlachthauses steht bevor. Es soll in die Nähe des neuen Güterbahnhofs, in die Gemarkung Fauerbach gelegt werden. * Darmstadt, 6. Juni. Jm Restaurant ,, Schießhaus" fand der diesjährige Bezirkstag der alt kath 0- lischen Gemeinden von Hessen und Nassa u statt. Er war zahlreich beschickt, auch aus badischen Gemeinden waren Abgesandte erschienen, ferner waren viele Freunde des Altkatholizismus zugegen. An den Großherzog und an den Bischof der Altkatholiken Deutschlands in Bonn wurden Begrüßungstelegramme gesandt. *) Mainz, 6. Juni. Rechtsanwalt Justizrat Börthel, der Führer der Fortschrittlichen Volkspartei, ist einem Schlaganfall erlegen. * Mainz, 6. Juni. 3um großen Festzug beim Katholikentag sind vom Festzugsfomitee die sämtlichen hiesigen Militärkapellen sowie eine Anzahl Privatkapellen, im ganzen 18 Korps, engagiert worden. Hierzu kommen noch zahlreiche Kapellen, die von auswärtigen Vereinen mitgebracht werden. *) Frankfurt, 6. Mai. Der Eisenbahnbetrieb auf dem hiesigen Hauptbahnhofe stand an den Pfingsttagen im 3eichen eines Massenverkehrs, wie ihn Frankfurt seit Jahren nicht erlebt hat. Sämtliche verjügbaren Verkehrsmittel mußten ausgeboten werden, um den enormen Ansprüchen gerecht zu werden. Insgesamt wurden an den letzten 3 Tagen 119 Vor- und Nachkauf allein auf dem Hauptbahnhofe dürften 1 Million Mark erreichen, wenn nicht gar noch überschritten. * Das Landeskomitee der hessischen 3 e n- 3üge gefahren. Die Einnahmen aus dem Fahrkartenvertrumspartei tritt am Mittwoch, den 21. Juni, in Mainz zu einer Sitzung zusammen. Die Tagesordnung lautet u. a.: Die politische Lage in Hessen und im Reich, das neue Wahlgesetz und hessischer Parteitag. * Der Beigeordnete, Kommerzienrat Ludwig Georgi, ist Samstag abend 10% Uhr im Alter von 71 Jahren gestorben. = * Marburg, 6. Juni. Die Fleischerinnung setzte den Preis für Schweinefleisch her a b. Gewöhnliches Schweinefleisch kostet das Pfund jetzt 60 Pfg. * Koblenz, 6. Juni. Die fgl. Regierung hat die weitere Benutzung des Stadttheaters endgülvon bestimmten Umbauten abhängig gemacht. Um die Schließung des Theaters zu verhindern, bewilligte die Stadtverordnetenversammlung hierfür 50 000 Mark. Bei dem Wegfall der Schlachtsteuer im Betrage von mehr als 200 000 Mark und noch bevorstehenden großen Anforderungen bedeutet diese Summe eine sehr fühlbare Belastung der Stadt. * Der Deutschen Gesellschaft für Kauftig manns Erholungsheime ist seitens des „ Von Reichskanzlers folgendes Schreiben zugegangen: der Errichtung der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime habe ich mit besonderem Interesse Kenntnis genommen. Bei der hohen sozialen Bedie deutung des Werkes zweifle ich nicht daran, daß Der Zusammenbruch. Skizze aus dem amerikanischen Tagesleben von A. Kovacs. uchitabierend lief Gesundheit. Er war in den pennsylvanischen Gruben beschäftigt Aluf ber Jago bes wilben So. Seilanb. Den Sauber des Elelescho" nennt Schillings in ſeinem Wer über das Wild und die Jagd Südafrikas jenes eigenartige Elefanten. Tier herrührte, sie war von anderen Spuren so verwischt und ertreten do fich nichts Bengueres feststellen ließ, vor allem an einer Stelle zeigte sich eine Fährte, die von einem stärteren Das Jukrafttreten der Reichsversicherungsordnung. Ein Zeitpunkt für das Inkrafttreten von Bestimmungen des neuen Gesetzes ist bekantlich nur für die Hinterbliebenenversicherung festgelegt, die mit dem 1. Januar n. J. zur Durchführung gelangt. Die Vorberettungen hierzu erstrecken sich im wesentlichen auf die Verhandlungen mit der Reichspostverwaltung über die Her= stellung und den Verkauf der neuen Versicherungsmarken. Im übrigen ist das Inkrafttreten des Gesetzes oder seiner einzelnen Teile kaiserlicher Verordnung überlassen. erfährt die„ Neue Frete Presse", daß die Beziehungen in der letzten Zeit besonders vertrauensvoll geworden sind. Der Verkehr ist sehr intim und rege, die gegenseitige Stimmung sehr warm. Die Gerüchte, daß der Kaiser einen Teil seiner Regierungsgeschäfte abgegeben habe, sind vollständig unrichtig. Patriotische Kundgebungen in der italienischen Kammer. In der gestrigen Kammersizung gestaltete sich die Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Pensionen für die Veteranen zu einer erhebenden patriotischen Kundgebung. Der Deputierte Carcano schlug der Kammer vor, den Gesehentwurf einstimmig im ganzen anzunehmen, das sei die beste Feier des Todestages Garibaldis, der heute sei. Der Kammterpräsident schloß sich dem an und dankte Carcano, daß er den Namen Garibaldis erwähnt habe, dessen Angedenken doppelt hochgehalten werden müsse in einer Zeit, wo es Jtaliener gebe, die unwürdig dieses Namens seien und sich nicht schämten, die großen Errungenschaften des Vaterlandes zu verleugnen. Die Minister und die Deputierten hatten sich erhoben und begleiteten die Ausführungen des Präsidenten mit lebhaftem Beifall. Die Vorlage wurde darauf angenommen. Die umfangreichsten Vorarbeiten werden die Neurege= lung der Krankenversicherung notwendig machen, an denen die Reichsbehörden, der Bundesrat und auch die Landesbehörden beteiligt sind. Auf die letzteren entfällt in erster Linie die Umbildugn der Krankenkassen, Bildung der Allgemeinen Ortskrankenkassen, Zulassung bestehender Kaffen usw. Außerdem ist die Einrichtung der neuen Versiche= rungsbehörden Sache der Landesregierungen. Da für diese Behörden eine ganze Nethe neuer Ausgaben ntstehen, für welche Mittel nicht vorhanden sind, so wird die Einrichtung der Behörden jedenfalls erst mit dem Etatsfahre 1912 zur Durchführung gelangen. Der Bundesrat hat für die in die Krankenversicherung neu einzubeziehenden Kreise, ins besondere für die Hausgewerbetreibenden, bei denen noch eine ganze Rethe schwieriger Fragen zr lösen ist, die allgemeinen Bedingungen für die Versicherung festzustellen. Außerdem dürfte die Errichtung eines neuen Normalstatuts für Krankenkassen erforderlich werden. Auf Grund dieses Normalstatuts werden dann die Krankenfassen nach ihrer Neuorganisation thre Statuten aufzustellen haben, die der Genehmigung der oberen Verwaltungsbehörde oder aber bereits des Oberversicherungsamts bedürfen. Erst wenn alle diese Vorarbeiten zum Abschluß ge= bracht sind, wird es möglich sein, die Krankenversicherung in ihrem neuen Umfange nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung in Kraft zu setzen. Daß dies vor Mitte des nächsten Jahres möglich sein wird, läßt sich kaum annehmen. Der Reichstag und die Reform der Justizgesetze. Die Revolution in Südchina. Nach amtlichen Meldungen besiegten die chinesischen kaiserlichen Truppen die Revolutionäre in Südchina. 300 Personen wurden getötet und viele Gefangene gemacht und hingerichtet. Die Aufständischen bilden neue Banden, um die Provinzen Kwantung und Kwangsü abzuschneiden und selbständig neue Republiken zu schaffen. Nach der Mongolei gingen Truppen ab, um dort den Aufstand niederzuwerfen. Auch Artillerie wurde abgesandt. Je näher das Ende der Legislaturperiode heranrückt, Je größer die Zahl der den. Reichstag immer noch obliegenden Arbeiten ist, je mehr auf der anderen Seite die Ueberzeugung sich durchringt, daß die im Reichsjustizamt tagende Kommission zur Reform des Strafrechts auf dem besten Wege sich befindet, eine durchgreifende Reform des Straf gesetzbuches zu schaffen, desto mehr ist die Frage berechtigt, welches das Schicksal der Reform der Strafprozeßordnung und des Gerichtsverfassungsge= sebes sein wird. Reichstagsabgeordneter Landgerichtsrat Dr. Müller- Meiningen meint in der Deutschen Juristen- Zeitung" über die parlamentarischen Aussichten der Justizgesetze, daß eine nervös überhastete Durchpeitschung des Gerichtsverfassungsgesetzes und der Strafprozeßordnung schädlich sei; sie widerspräche den berechtigten Ins tereffen des Parlaments, des Richterstandes, vor allem aber des rechtsuchenden Publikums selbst; er hofft dagegen, daß die bekannte kleine Strafgesetzbuch novelle noch in diesem Reichstag zustande gebracht wird, während er nicht nur seine persönliche Ansicht, sondern, wie er bemerkt, zugleich die einflußreicher Mitglieder des Reichstags, auch anderer Fraktionen, und die Meinung anderer Mitglieder der Justizkommiffion des Reichstags dahin zum Ausdruck bringt, daß die Novelle zur Strafprozeßordnung nicht mehr zustande kommen möchte, ein Wunsch dem bei der großen Arbeitslast des Reichstags wohl Crfüllung zutell werden wird. Rundschau vom Cage. Politismes. Kleine Nachrichten. gerettet wurde, ist jetzt bei der Huckkehr aus dem Kranken Haus von ihrem Mann durch Revolverschüsse getötet worden. Auf einer Hochzeit erschossen. In Mayfen bet Babinis in Schlesien bajonettierte ein zur Hochzeit der Tochter des Hausbesitzers Hanulock als Gast geladener Grenzbeamter zum Scherz mit dem Vater des Bräutigams, Bogiel, wobei er sein geladenes Gewehr benutte. Dabet entlud sich das schlecht gesicherte Gewehr, und Bogiel stürzte tot zu Boden. Eine ganze Familie vergiftet. In Groß- Solt in Schleswig- Holstein erkrankte eine zehnköpfige Familie nach Einnahme des Mittagessens unter Vergiftungserscheinun gen. Der herbeigeholte Arzt konnte die Ursache der Vergiftung nicht feststellen. Drei Personen starben am Donnerstag unter furchtbaren Schmerzen. Die Behörde hat eine Untersuchung eingeleitet. 20 Millionen bayerische Jubiläumsmarken, die zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums des Prinzregenten ausgegeben sind wurden innerhalb zwei Tagen im voraus bestellt. Mar rechnet auf einen Umsatz von mindestens 30 Millionen Marken im Monat Junt. Der Göthetag in Weimar, zu dem Literaturfreunde aus ganz Deutschland und Deutsch- Desterreich eingetroffen sind, wurde gestern abend durch eine eindrucksvolle Darstellung von Göthes Drama„ Die natürliche Tochter" eingeleitet. Ein neues Waisenhaus der Reichsfechtschule soll im Taunus demnächst errichtet werden. Der Fonds zum Bau ist bereits auf 85 000 Mark angewachsen. Für die erfte Sigung des preußischen Abgeordnetenhauses nach den Ferien, die Freitag, den 16. Juni, nachmittags 2 Uhr stattfindet, ist nunmehr die Tagesordnung ausgegeben worden. Sie enthält an erster Stelle Wahlprüfungen und dann eine Reihe von Anträgen und Pe= titionen. Das Herrenhaus wird am 16. Juni seine Sigungen wieder aufnehmen, es dürften vier bis fünf Sigungen hintereinander stattfinden, in denen: nebst zahlreichen kleinen Vorlagen die Zweckverbandsgesetze und die Feuerbestat= tungsvorlage beraten werden. Ein Grab aus der Zeit der Völkerwanderung ist in der Nähe von Mühlhausen t. Th. aufgedeckt worden. Gefunden wurden in ihm ein Beigabegefäß, ein Knochentamm und eine eiserne Schnalle. len Stode und Straße liegen. mtlichen Geg Selnen und geftern fein Ausbefferungen Jellte, die Aufe auf den Anabe Geniter lief un ner hat fich tr mit Selbstmor franthafte Vera vor furzer Set Damals die Mu gleichfalls aus Knaben ist hoff Folgenschwerer Einsturz eines Neubanes. Von einem Neubau in Kiew in Rußland stürzte gestern das sechste Stockwerf ab, fiel auf das hölzerne Nebenhaus und zerstörte es. Ein Student wurde getötet, fteben weitere Personen erhielten schwere Verlegungen. Unterbrochene Amerikafahrt. Die Kriminalpolizei verhaftete Donnerstag nacht in einem Hotel in Essen den Bäcker Leibenceder aus Nürnberg, der nach Unterschlagung von 30 000 M auf der Fahrt nach Amerika war. Am elektrischen Leitungsdraht verbrannt. In der Apparatefabrik der Allg. Elektrizitätsgesellschaft zu Berlin trat ein Anstreicher fehl, ftel auf die 10 000 Bolt starke Leitung und blieb mit den Füßen daran hängen. Um ihn zu befreien, mußte der Strom ausgeschaltet und der ganze Betrieb stillgelegt werden. Dem Verunglückten waren beide Beine und der linke Arm ganz verbrannt. Ein Opfer des Spiels. Ein in Berliner Anwaltkreisen bekannter junger Rechtsanwalt hat sich seit einiger Zeit unter Hinterlassung einer Schuldenlast von 150 000 bis 200 000 Mart ins Ausland begeben. Er hat in einem Spielklub in Berlin sein ganzes bedeutendes Vermögen verlo ren. Hierzu meldet das B. T., daß die Summe nicht so hoch sein soll. Der erste Reichsdeutsche Mittelstandstag wird am 23., 24. und 25. September in Dresden abgehalten. Am 23. September finden neben dem Begrüßungsabende Delegiertenversammlungen und Sondertagungen beteiligter Verbände statt, am 24. September wird die Hauptversammlung abgehalten und am 25. September wird die Tagung mit einem Dampferausflug nach Meißen ihren Abschluß finden. Gegenüber den Gerüchten von einer Entfremdung zwischen dem Kaiser Franz Joseph und dem Thronfolger 3wei Kirschen an einem Stengel. 22) Roman von A. von Lilteneron. ( Nachdruck verboten.) Aus den Gerichtssälen. Frau Eine neue ogel ift foeben ( Gefchäftsstelle: Sufel Hiddenfee heulich war bis ven, Seefchwalb feitens fchießwit Bogelmaffenmor nationale Jagdpächtern ab ben, jedermann fen zu verweige fes Jahres auf ahl besonders Jahr hindurch gelwärter find fimmungen zu fall unnachficht! onders arg g dem„ Gellen" fo nung eines au tere errichtet für Vogelschutz Bogelfreunde di Fonds für Unte he zum Schube Ehrenvorsitzende ben überwies de Anlaß des ersten fend( 1000) Mar ihrem Beispiele. Verurteilung berüchtigter Geldschrankknacker. Drei der gefährlichsten Geldschrankknacker, die lange Zeit in Berlin und in der Provinz viele Einbrüche begangen hatten, standen gestern vor der 3. Straffammer des Landgerichts Berlin 1. Der Arbeiter Gustav Krebs wurde zu 8 Jahren, der Arbeiter Theodor Jugend zu 6 Jahren und der Arbeiter Gustav Klowacek zu Jahren Zuchthaus und zu je 10 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht verurtellt. Außerdem wurde beschlossen, die zahlreichen Einbre cherwerkzeuge mit Beschlag zu belegen. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Lieber, wies in der Urteilsbegründung darauf hin, daß die Angeklagten lange Zeit eine große Gefahr für die öffentliche Sicherheit gewesen seien. Ein riesiger Heuschreckenschwarm ging am Donnerstag in der Nähe von Boulogne sur mer nach einem heftigen Gewitter nieder. Die Heuschreden ließen sich auf einer Wiese nieder, wo sie an einzelnen Stellen so dicht lagen, daß man fie fortschaufeln konnte. Bligschlag in eine Truppenabteilung. In der Nähe des Badeortes Uriage bet Grenoble schlug der Blitz in eine Abteilung der dort übenden Artillerie ein. Ein Unteroffizier wurde getötet, ein Offizier und sechs Mann wurden verwundet. Rindel, prüfe Dich, ob Du auch wirklich für den Vetter die rechte Liebe hast, die aushält in guten und bösen Tagen, die mit dem andern durch dick und dünn geht," hatte er ihr gesagt. Verhängnisvoller Ringkampf. Auf der Schiffswerft von Blohm& Voß in Hamburg führten während der Arbeitspause zwei Arbeiter im Scherz einen Ringkampf auf. Sie famen dabet der Ufermauer zu nahe und stürzten in ein dort vertautes Boot. Der eine war sofort tot, der andere erlitt schwere Verlegungen. Vermischtes. Die wiedergefundenen Diamanten des Maharadscha. Die Diamanten des Maharadscha von Bikanir, die vor furzem in London verschwunden sein sollten, sind nicht, wie anfangs vermutet wurde, amerikanischen Gaunern in die Hände gefallen, sondern haben sich wiedergefunden: Ein Knabe namens Duffin fand sie auf der Straße, und als er von dem Verlust in den Zeitungen las, erschien er im Hause des Maharadscha und gab sie zurück. Das wenigstens ist die Geschichte, die der indische Fürst der Presse als Erklärung gegeben hat. Sir Ganga Sing Bahadur, der Maharadscha von Bikanir, Oberst der indischen Armee, ist ein Mann von 31 Jahren; sein Land gilt als eines der reichsten in Indien. Er soll sich an dem Tage, da er den ungeheuer wertvollen Schmuck verlor, London einmal gründlich angesehen haben. Der Knabe Duffin wurde für seine Ehrlichkeit reichlich beJohnt. Raubmordversuch. In der Reinickendorferstraße in Berlin versuchte gestern mittag der 17 Jahre alte stellungslose H. Knoblauch den Messerschmied Baumann in seinem Laden durch drei Revolverschüsse zu töten um dann die Ladenkasse auszurauben. Baumann wurde an der Brust, am Unterarm und an der linken Seite verletzt. Der Attentäter wurde festgenommen. Dem Mädchen war heiß geworden bei seinen Worten, aber sie hatte mit fester Stimme geantwortet:„ Ich will thm a treues Weib sin, und so wie Du minst, wüll ich allweil mit ihm gahn, ob die Sünn schint, oder obs graupeln tät, ich bliem tapfer als sin gauder Kamerad. Er hätts um mi verdient, weil er nie nit anders als fründzu mir wast und nu so'n arm Madel zu sin Wib macht, wo er doch ganz andre funnt friege." Lebendig verbrannt ist in Spandau ein Dienstmädchen. Das Mädchen goß auf einen brennenden Spirituskocher Spiritus nach. Hierbei schlug plößlich eine hohe Stichflamme auf und setzte die Kleider des Mädchens in Brand. Lichterloh brennend ellte das Mädchen auf die Straße, wo von Passanten das Feuer gelöscht wurde. Seinen schweren Verlegungen ist es alsbald erlegen. Letzteres leuchtete dem Onkel wohl ein, und die Tatsache, daß der Julius gar nicht nach Geld gefragt, sondern allein nach der Tüchtigkeit und ein einfaches, braves Mädchen allen anderen vorgezogen hatte, achtete er an dem jungen Manne, von dem er sonst weder Gutes noch Schlechtes wußte. Daß die Kathi so klipp und klar erklärte, wie fte in Treue alle Lebenserfahrungen mit ihm teilen würde, geftel ihm, und er übersah dabei, daß das Mädchen nicht mit einer Silbe von ihrer Liebe gesprochen hatte. Schwerer Antomobilunfall. Gestern nacht hat sich am Ausgange des Ortes Wannsee auf der Straße nach Potsdam ein schweres Automobilunglück ereignet. Der Chauffeur Trieb unternahm spät abends mit dem Auto seines Herrn, der gegenwärtio verreist ist, eine Fahrt nach Potsdam. In seiner Begleitung befand sich sein Freund Bethmann. Die beiden fuhren mit dem schweren Reisewagen in rasender Fahrt durch Wannsee und wollten an einem Möbelwagen vorbeifahren, der in der Mitte der Straße hielt. Triet verlor jedoch die Herrschaft über das Auto, das mit voller Wucht in den Möbelwagen hineinfuhr. Der Zusammenstoß hatte die schlimmsten Folgen. Trieß, der am Steuer saß, wurde arg zugerichtet. Man mußte ihn aus den Trümmern, zwischen denen er bewußtlos eingefeilt lag, hervor holen. Sein Freund Bethmann war herausgeschleudert worden und hatte außer verschiedenen Knochenbrüchen noch erhebliche innere Verlegungen erlitten. Das Auto ist zertrümmert, auch der Möbelwagen ist stark beschädigt. Die beiden Verunglückten wurden noch in der Nacht in das Kreiskrankenhaus Groß- Lichterfelde eingeliefert. Das Martyrium einer Frau. Die Arbeitersfrau Ahlmann in Bochum, die sich vor einigen Tagen wegen Mißhandlungen durch ihren Mann zu ertränken versuchte, aber So wurde nun die Hochzeit für den Monat Mai festgesetzt. Auf den Brief der Lene hatte Kathi nur mit der furzen Mitteilung geantwortet: Wannst Fruhjahr kummt, und de Kuckuck schrit, mach ich Hort mit min Cousin, wat a grotes Glüd is, dat kunnst nu alle Welt vertelle. Die Kathi is a Städtsche geworde." ich kenn mich hier nit aus," tam wohl jeden Tag ein Dutzendmal über ihre Lippen. Kathi hatte sie mit einer fast stürmischen Freude empfangen, gelacht und geweint hatte das Mädchen in einem Atem und„ Mutterle, mein Herzensmutterle," dazwischen gejauchzt. Der Frau Amrum war dabei ganz weich ums Herz geworden, sie hatte ihr Kind zärtlich umarmt und ihr frohbewegt gestanden:„ Weißt, daß Du bi all Din grotes Glück doch noch so an Din Mutterle hangen tust, is for mi a grote, grote Früd." Frau Amrum tam zur Hochzeit nach Friedenau, denn Schwester Röschen ließ es sich nicht nehmen, daß sie die Sochzeit bei sich ausrichten wollte, und das Jettchen war es auch zufrieden, denn sie hätte nicht gewußt, wie sie es den Städtern zu paß gemacht. Etwas ängstlich und unbehaglich war es ihr doch zu Mute in Friedenau, und das Trinkfeste Hausfrauen. In einem Gingesandt im Cofalblatt von Oberweißbach unweit Rudolstadt ist zu lesen: " Daß nun die Männer einmal ein Stündchen länger sizzen und eins übern Durst trinken, ist wohl eine erbliche Be lastung von unseren Vorfahren, den alten Germanen, und mithin zu verzeihen. Daß aber einige Frauen, sei es Sonnoder Wochentags, immer bis um 3 bezw. 4 Uhr kneipen, das ist wohl eine ganz neue Tugend der soviel gepriesenen deutschen Hausfrau und steht jedenfalls auch nur vereinzelt da." Und die Mutter brauchte sich nicht zu beklagen, das ,, Käthchen der Stadt" war womöglich noch aufmerksamer, noch herziger in ihrem Umgange mit dem Mutterle, als die Kathi vom Lande es gewesen war. Aber etwas Fremdes steckte doch in dem Kinde, das fühlte die einfache Frau heraus. Es war nicht nur die städtische Kleidung, und daß sie jetzt versuchte, etwas hochdeutsch zu sprechen, sondern es war anderes, das tiefer lag. Blaß war sie gewor= den und schwächlicher, aber von Ermüdung merkte man ihr nichts an, sie tummelte sich noch ebenso flink wie immer. Selbstmord eines Achtjährigen in der Schule. Unter ganz eigenartigen Umständen hat in Wien ein achtjähriger Schüler Selbstmord begangen. Die Tat ereignete sich um 11 Uhr vormittags in einer Volksschule des 19. Wiener Bezirks. Der achtjährige Schüler Bernhard Gtebner stürzte sich vor seinem Lehrer und vor allen seinen Klassens fameraden aus einem Fenster des Schulzimmers des zwet,, Das Mädchen rackert sich zu toll ab," erklärte Röschen. Seitdem sie Braut ist, hat sie es auch mir zu arg getrieben mit dem Arbeiten. Sie gönnte sich kaum Zeit für den Julius." kam auch dorthin. Wie sie nun beide vor dem Lehnstuhle standen, auf dem der Onkel in seinem Sonntagsstaate saß, sprach er zu ihnen schlichte, aber gar bewegliche Worte. Er legte ihnen die Pflichten an das Herz, die sie als Gott wohlgefällige Eheleute zu erfüllen hätten, einander in Liebe zu tragen, gegenseitig miteinander zu arbeiten und sich zu stützen auf dem Pilgerwege zur ewigen Heimat. Miteinander arbeiten, miteinander beten und treu beieinander aushalten bis zuletzt, das ist, was man eine Gott und Menschen wohlgefällige Ehe nennt," schloß er seine Ansprache. Das Stübchen von Onkel Leberecht wurde für Frau Amrum das Friedensasyl, wohin sie flüchtete, wenn das laute Treiben im Gasthaus ihr den Kopf verwirrte. Die beiden schlichten Leutchen vom Lande konnten sich gut verstehen und hatten einander viel zu erzählen. Zu Frau Amrums und Kathis Leidwesen wollte es immer noch nicht so recht mit der Gesundheit des Onfels gehen, so daß gar nicht davon die Rede sein konnte, daß er zur Hochzeit käme. Dieser festliche Tag war nun angebrochen, strahlender Sonnenschein, herrliches Maienwetter. Kathi ging in früher Morgenstunde zu Onkel Leberecht, das hatte der alte Herr sich erbeten, ihr Bräutigam Der Bräutigam hatte mit schlecht verhohlener Unruhe zugehört, oder richtiger gesagt, daneben gestanden, Kathi aber war kein Wort verloren gegangen. Ein paar helle Tränen hingen an ihren Wimpern und rollten jetzt lang= sam über ihre Backen. ,, Onkel," bat sie ,,, gib uns Deinen Segen." Sie kniete vor seinem Lehnstuhle nieder, den Kopf in ihre Hände vergraben. Unbeholfen und nur widerwillig folgte der Bräutigam ihrem Beispiele. at an. Der Regen en Zwischenfa finnen entlarot, dine größere Anz Man tonnte die housfuchungen in miniums führten adedt. Anderer Der alte Herr richtete sich auf, seine zitternden, abgemagerten Hände berührten leicht die Häupter der Knienden.„ Gott geleite und behüte Euch in Ewigkeit. Sein Segen sei mit Euch und stärke Euch zu Eurem Tagewerte," sagte er. Ein warmer Blick aus Kathis Braunaugen dankte, als Sie sich erhob, Onkel Leberecht für seine Worte. Gleich da rauf war das junge Paar auf dem Heimwege. „ Na, das wäre überstanden! Es war eine endlose Salbaderei," murrte der Bräutigam. Das Mädchen sah ihn erstaunt, fast erschrocken an, während er fortfuhr: Lange macht der es nicht mehr, in den nächsten Monaten wird er schon ins Gras beißen, das steht fest." Beileibe nicht," warf Kathi das Wort dazwischen, was sie immer gebrauchte, wenn sie sich mit aller Macht gegen irgend etwas auflehnte.( Fortsetzung folgt.) sie die Säde ve fie alle das 3 arer Schwarzer& Fide folgenderma 7 Run ereign man von jegt an n hingt es an den s an den Tag". tben. 3u fein Salsarbeiter. An Strömen. Um gig zu macher muerzuge mitgin elten bauschigen onten fie ihre S atbehren. 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Giebner war Vorzugsschüler und wies in mtlichen Gegenständen die Note" fehr gut" auf, nur selchnen und Schönschrift waren seine schwache Seite. Als gestern sein Fachlehrer Erlinger in seinem Hefte einige usbesserungen machte und dem Knoben den Auftrag erleilte, die Aufgaben noch einmal zu schreiben, wirkte dies auf den Knaben so deprimierend, daß er blitzschnell zum fenster lief und vom zweiten Stockwerf hinabsprang. Giebner hat sich troß seiner Jugend schon seit längerer Zeit mit Selbstmordabsichten getragen. Es liegt unbedingt hanthafte Veranlagung vor. Der ältere Bruder machte box furzer Zeit einen ähnlichen Selbstmordversuch. Als Jamals die Mutter von dem Unglücksfall hörte, wollte sie leichfalls aus dem Fenster springen. Der Zustand des knaben ist hoffnungslos. Eine neue Freistätte für Wasser, Strand: und Sumpf: ögel ist soeben vom Intern. Frauenbund für Vogelschutz ( Geschäftsstelle: Charlottenburg. Sefenheimerstr. 87) auf der Insel Hiddensee westlich von Rügen geschaffen worden. Abheulich war bis jetzt das Niederknallen der herrlichen Möven, Seeschwalben, Kampfläufer und anderer Strandvögel feitens schießmütiger Badegäste und Fremder, die solchen Bogelmaffenmord zum Sport machten. Nun hat der Internationale Frauenbund für Vogelschutz Verträge mit den Jagopächtern abgeschlossen, wonach diese sich verpflichtet haben, federmann die Erlaubnis zum Eiersammeln und Schiefen zu verweigern und selbst die Jagd einen großen Teil des Jahres auf alle Arten und auch auf eine große Anjahl besonders namhaft gemachter Arten sogar das ganze Jahr hindurch ruhen zu lassen. Zwei ortsansässige Vogelwärter sind verpflichtet, auf Innehaltung der Schutzbe= timmungen zu achten und jeden etwaigen Uebertretungsfall unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Auf dem be= fonders arg gefährdeten unbewohnten Süden Hiddensees, dem„ Gellen" soll im nächsten Jahre ein Blockhaus als Wohnung eines ausschließlich mit der Aufsicht betrauten Wärtere errichtet werden. Der Internationale Frauenbund für Bogelschutz richtet an alle Natur- und besonders an alle Bogelfreunde die herzliche Bitte um Beiträge zu einem Fonds für Unterhaltung zweier Vogelwärter auf Hiddenlee zum Schuße der dortigen Wasser- und Sumpfvögel. Die Ehrenvorsitzende des Vereins, Frau Gräfin von der Grö ben überwies dem Fonds für Hiddensee die von thr aus Anlaß des ersten deutschen Vogelschußtages gestifteten taufend( 1000) Mark. Hoffentlich folgen viele Naturfreunde ihrem Beispiele. Die Geschäftsstelle nimmt jede Gabe dankbar an. Der Regen bringt es an den Tag. Durch einen töstlichen Zwischenfall wurden vor einigen Tagen einige Diebinnen entlarvt, die auf einem Rittergute im Schlesischen eine größere Anzahl non Getreidesäden entwendet hatten. Man tonnte die Diebe nicht ausfindig machen, und auch haussuchungen in den Häusern der Angestellten des Dominiums führten zu feinem Ziel. Die Diebe blieben unentdedt. Andererseits aber konnte man nicht begreifen, wie die Säde verkauft oder verwendet werden konnten, da fie alle das Zeichen des Rittergutes in weithin sichtbarer schwarzer Farbe trugen. Dazu war die Zahl der Säde folgendermaßen vermerkt:„ Dominium M... Nr. 27". Nun ereignete sich ein eigenartiger Umstand, daß man von jetzt an nicht nur wird sagen fönnen:„ Die Sonne bringt es an den Tag", sondern auch:„ Der Regen bringt s an den Tag". Es war nämlich ein Gutsbeamter ge= torben. Zu seiner Beerdigung tamen alle Frauen der Gutsarbeiter. An dem Beerdigungstage regnete es aber in Strömen. Um thre schön gestärkten Kleider nicht hmuzig zu machen, nahmen nun die Frauen, die in dem rau erzuge mitgingen, nach schlesischer Bauernsitte ihre breiten bauschigen Röde über den Kopf. Auf diese Weise honten sie ihre Kleider und können einen Regenschirm entbehren. Der Direktor des Dominiums, der am Ende des Juges mitging, hatte nun einen seltsamen Anblick, der ihn trotz des Trauerzuges zum Lachen brachte. Auf den nun fichtbaren Unterröcken der Arbeiterfrauen, die vor ihm in tiefer Trauer einherschritten, las er zu seinem Erstaunen: Dominium M... Nr. 27" und alle die anderen Num= mern der Säcke, die bei dem jüngsten Diebstahl abhanden gelommen waren. Sie hatten einfach die Säcke zu Untertiden verarbeitet, und aus diesem Grunde fonnten sie nicht gefunden werden, da niemand auf den Gedanken kam, hh die verschwundenen Säcke zu Toilettegegenständen verarbeitet worden seien. Nach der Rückkehr ließ er alle auen zu sich kommen und ersuchte sie, die Oberkleider ablegen, was nach einigem Sträuben geschah. So brachte s der Regen an den Tag. Die größten Passagierdampfer. Für kurze Zeit nur wird England den Triumph genießen, den größten Ozeanampser zu besitzen, denn der am Sonntag der öffentlichen Besichtigung auf den. Docs in Belfast übergebene neue Lurusdampfer ,, Olympic" von der White Star Linie wird furzer Zeit, trotz seiner schon ungeheuren Dimensionen Such von dem Imperator", dem in Stettin seiner VollenCung entgegengehenden Dampfer der Hamburg- AmerikaLinie, überholt werden. Der englische Olympic" hat 5000 Tons, d. h. 12 000 Tons mehr wie die bisher größte Mauretania". Das Schiff hat 9 Deds, ist mit einem Epimmbad von 33 Fuß Länge und 17 Fuß Breite auf om Mittelded ausgestattet und besitzt sogar ein türkisches b. Daß ein Tennisplatz und ein mit allem Raffinement sgestatteter Saal für Gymnastik vorhanden ist, ist selbstständlich. Eine besondere Neuheit ist aber der höchst gant eingerichtete Salon für die Kammerjungfern und Herren Kammerdiener, welche von den 730 Passagieren ter Klasse, zu denen ja die amerikanischen Millionäre mmer den Hauptanteil stellen, mitgeführt werden. Auadem besitzt das Schiff 560 Betten zweiter Klasse und 130 dritter Klasse, und gewährt mit der Bemannung 46 Personen Unterkunft. Das Eintrittsgeld für die Betigung des Schiffes am legten Sonntag ergab 40 000 M, The dem Seemannshaus in Belfast zugute kommen. Die Olympic" wird ihre erste Reise nach Neuyork von Soumpton am 14. Juni antreten, ihr Schwesterschiff wird sbald nach seinem Stapellauf fertiggestellt werden. Ein Salsband der Maria Stuart für zwölf Mart. Eine merkwürdige Geschichte wird dem„ Pariser Journal" England berichtet. Eine junge Frau, die auf dem Zweia das nördliche England berekste, trat vor einigen Moten in den Laden eines kleinen Kurzwarenhändlers in ent Dorfe, um die Kette ihres Augenglases, die bei nem Sturz zerrissen war, ausbessern zu lassen. Der Kaufann suchte vergebens in seinem kleinen Lager nach einem enden Ersaz, bis er schließlich ein altes schwarzes Perhal sband mit einer feinen Kette fand und es der Dame 12% Mart zum Kauf anbot. Die Radfahrerin war gebracht über den übertriebenen Preis, aber da ste keien amderen Ersatz fand, kaufte ste das Halsband. Bei ge1 terem Zusehen erwies es sich, daß die schwarzen Perlen besonderer Schönheit waren, daß die Dame einen Antiteen händler aufsuchte. Dieses bot thr ohne weiteres 200000 Mart. Es war auf welche Beweisgründe sich Annahme stützt, wird nicht verraten das Hals1 - - band der Maria Stuart, das feit über 300 Jahren verfchollen war und das die unglüdliche Königin an dem Morgen ihrer Hinrichtung getragen hatte. Jetzt ist es für 320 000 Mart weiter verfauft worden. Von einer Reise durch das dunkelste Afrika ist Miß Oliv- Macleod, die Tochter des früheren Unterstaatssekre tärs für Schottland, wieder nach England zurückgekehrt, nachdem sie rund 4000 Meilen in den schwer zugänglichsten Teilen Mittelafrikas zurückgelegt hat. Das Ziel der gefährlichen Reise war Maifrei und ihr ausschließlicher 3wed galt dem Wunsche Miß Macleods auf das dort befindliche Grab ihres Bräutigams, des Leutnants Bond Alexander, der bei einer Forschungsreise von verräterischen Eingeborenen ermordet worden war, einen Kranz niederzulegen. Miz Macleod, die im vergangenen August England verlassen hatte, landete in Plymouth in Begleitung von zwei Löwenbabys, die sie dem Zoologischen Garten zum Geschent machen will. Wie ste den sie empfangenden Berichterstattern erzählte, hat sie den Tschadsee, den Niger und Brunn im Kanoe befahren, das mit halbwilden Negern bemannt war. Nach der Durchquerung von Süd- und Nordnigera zog sie durch Nordkamerun und gelangte im Oftober nach Französisch Ubangi. Hier gelang es der wagemutigen jungen Dame auch die geheimnisvollen Fälle des Maotabi, die bisher noch niemand gesehen, zu entdecken, denen die französischen Behörden mit Bewilligung der Entdeckerin den Namen„ Macleodfälle" beilegten. Vier Monate durchzog die Expedition, die sich aus Miß Macleod, dem englischen Ehepaar Talbot and acht eingeborenen Trägern zusammensette, unbekanntes, von englischen Reisenden bisher noch nicht betretenes Gebiet, und sechs Monate hielt sie sich in Gegenden auf, in die bisher noch keine weiße Frau gekommen war. Des Königs Tiere. Der Londoner Zoologische Garten hat eine neue Sehenswürdigkeit erhalten: Die„ Allee der Tiere des Königs". Dieser neue Weg mit den stattlichen Käfigen, die ihn zu beiden Seiten einfassen, ist nötig geworden durch eines der zahllosen Geschenke, die für den König Georg zur Krönung aus allen Teilen der Welt zusammenströmen. Die Südafrikanische Union, d. h. der Bund der Länder unter englischer Hoheit in Südafrika, hat König Georg zur Huldigung eine vollständige Sammlung aller Tiere, die in Südafrika leben, gesandt. Die stattliche Sammlung umfaßt etwa fünfhundert Tiere: Löwen, Elefanten, Antilopen, Adler, Leoparden, Zebras, Bären usw. 8000 Mart für ein Paar Tanzschuhe. In Paris gibt es einen Schuhmacher, richtiger gesagt: einen Schuhkünstler, der, ohne Beihilfe eines Lehrlings oder Gesellen, jedes Paar Schuhe mit seinen eigenen Händen anfertigt; dabei stellt er nur Tanzschuhe oder Pantöffelchen für den Hausgebrauch her. Jedes Paar, das er ausstellt, ist ein Meisterwert. Dieser Schuster trägt zwar beim Arbeiten sein Schurzfell, aber sonst erinnert den Besucher in seinem Atelier nichts an sein Gewerbe. Doch steht man in einem großen Glaskasten zahlreiche Wunderwerke seiner Kunst ausgestellt. Kein Paar ist darunter, das für weniger als 160 bis 200 Mark verkauft wurde. Es ist der furze Rod, dem er seinen großen Ruhm verdankt, denn die Pariser Damen und noch mehr die Amerikanerinnen legen unter dem Zwang dieser Mode einen übertrieben hohen Wert auf ihr Schuhwerk. Jüngst hat sich eine Südamerikanerin bei ihm ein Paar Schuhe anfertigen lassen, die er ihr mit 8000 Mark berechnet hat. Etwa 200 Kolibribrüste hat der Schuhmacher sich verschaffen müssen, um diese Schühchen herzustellen. Die Seltenheit dieser Vögel, wie die Mühe, ste zu fangen, verursachte den hohen Preis. Der Künstler behandelte das Gefieder so zart, daß, als die Schuhe fertig waren, sie so aussahen, als beständen sie aus starker und reicher schillernder Seide. Die Täuschung wird noch gesteigert dadurch, daß die Absätze zu dem tiefsten Ton des Gefieders passen. Kleine Federn, die rund um das Schühchen befestigt sind, vollenden das Meisterwerk, das ganz schnallenlos ist. Ein zweites Paar ebenso kostbarer Fußbekleidung besteht aus Gold- und Silbergewebe, das mit echter Spize besetzt ist; diese Spize ist natürlich sehr alt und von hohem Wert. Winzige Schnallen, besetzt mit imitierten Edelsteinen, und der Einsatz einer einzigen Brust eines Kolibris, deren Farbe das ganze bestimmt, frönen das Werk. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die Eitelkeit und Gedankenlosigkeit des Menschen verwüstend und zerstörend in der Natur haust. Damit eine eitle Dame mit einem Paar außergewöhnlich teuerer Schuhe ihre Nebenbuhlerinnen ausstechen und ärgern kann, müssen 200 der seltensten und schönsten Vögel ihr Leben lassen. Eine empörende Roheit. Fräulein Räuberhauptmann. Die Petersburger Zeitung meldet: Am 2. Mai hatte man im Dorfe Beketowskaja des Jegorjewster Kreises ein Pferd gestohlen. Die Bauern verfolgten die Spur des Diebes und trafen auf ein junges Mädchen, das das Pferd geraubt hatte und gerade im Begriff war, es im Dorfe Staro- Spas zu verkaufen. Die Pferdediebin wurde festgenommen und erwies sich, zu neuer Ueberraschung, als eine ehemalige Novize des Jewlewski- Klosters. Durch das weitere Verhör wurde ermittelt, daß die ehemalige Klosternovize Führerin einer gut organisierten Bande von Einbrechern und Pferdedieben ist. Die Bande hat im Kreise Jegorjewsk und anderen Kreisen ihr Unwesen getrieben. Die verhaftete Diebin gibt alle ihre Genossen an, unter denen sich wohlfituierte Personen befinden sollen. Auf ihre Hinweise werden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Wie man Taubstummen- Simulanten entlarvt. Bei der Feststellung des Hörvermögens ist der Ohrenarzt nach dem heutigen Stande der Wissenschaft fast ausschließlich auf die Angaben des zu Untersuchenden angewiesen. Infolgedessen ist jeder Fortschritt zu begrüßen, der uns auch nur einigermaßen von den Angaben des Untersuchten, von seiner Intelligenz und seinem guten Willen unabhängig macht. Eine sehr interessante Neuerung bringt nun Dr. Richard Müller in der Frankfurter Zeitschrift„ Die Umschau" in Vorschlag. Sie besteht darin, daß im Ohr des Patienten plöglich durch eine kleine Lärmtrommel ein starter Lärm hervorgebracht wird, wodurch das Ohr völlig taub wird. Macht man nun nach diesem Verfahren bei einem regelmäßig Hörenden, der mittellaut aus einem Buche vorliest, plötzlich beide Ohren taub, so spricht der Vorleser alsbald merklich lauter, ohne sich dessen bewußt zu sein. Dagegen liest ein Tauber, der den Lärm nicht vernimmt, mit gleicher Stimme weiter. Eine bewußte Reaktion des Patienten, Simulation ist also unmöglich. Die Kochtüle. Es ist noch nicht lange her, daß die Kochtiste eine Revolution in der Küche verursacht hat und von allen Seiten die glänzendsten Erfahrungen mit diesem Rochinstrument mitgeteilt wurden. Jetzt ist es darüber wieder still geworden, aber eine neue Revolution in der Küche wird von England aus vorbereitet, wo eine große Zeitung die Methode der Kochtüte verkündet. Diese Tüte ist aus einem wasser- und fettdichten Papier gefertigt und in den verschiedensten Größen zu haben. Die zu kochenden Speisen tommen mit den nötigen Zutaten in die Tüte, dann wird diese geschlossen, wie man bei uns Drudsachenfuverts schließt, mit Drahtpinnen. Auf dem Herd, der vorher stark geheizt ist, wird die Tüte auf ein Drahtgestell oder ein Blech gelegt. Die Vorzüge der Tüte gegenüber dem Topf sind: die Speisen behalten ihren spezifischen Geschmack, ihren vollen Nährwert, es entwickelt sich beim Kochen kein Rauch und der Herd bleibt sauber. Man kann auf einem und demselben Blech die verschiedensten Speisen in den Tüten nebeneinander zubereiten, die bedeutend schneller als in Töpfen gar werden, so daß Gas- und Kohlenverbrauch geringer sind. Ob die Kochtüte, deren Erfinder ein Londoner Küchenchef- Mr. Soyer ist, sich über den Leserfreis der betreffenden Zeitung hinaus Geltung verschaffen wird, kann man noch nicht sagen. Diese Leser wenigstens, die gegen Einsendung der Abonnementsquittung je eine Tüte gratis zugesandt erhalten, interessieren sich lebhaft dafür und berichten bereits von den glänzendsten Erfolgen ihrer neuen Kochmethode. Viele die das lasen, sagten allerdings: Nicht in die Tüte!" - Der Zauntönig als Wetterprophet. Auf diese vielleicht wenig bekannte Eigenschaft des niedlichen Sängers macht Prof. Dr. Gustav Jägers ,, Monatsblatt" aufmerksam.„ Ein Landschneidermeister", so schreibt darin ein Leser ,,, behauptete von ihm, und ich habe es durch eigene Beobachtung bestätigt gefunden, daß der kleine Vogel jeden Witterungswechsel, fel es vom Sonnenschein zum Regen oder umgekehrt, durch sein schmetterndes Lied fünf bis sechs Stunden vorher, ja manchmal noch früher, ankündigt, wäh= rend er sich bei Fortdauer des herrschenden Wetters schweigsam verhält. Gewiß ein gutes Beispiel dafür, mit welch feinem Empfindungsvermögen die Tiere ausgestattet sind." Aehnliches gilt von vielen Vögeln, besonders von denen, die man deshalb„ Regenpfeifer" heißt. Jm Zeichen der Luftschiffahrt. Der 2. 3. 10", das 10. Luftschiff Zeppelins, das voraussichtlich den Ersatz für die zerstörte„ Deutschland" bilden und als Passagierluftschiff nach Baden- Baden gehen wird, ist, wie der Korrespondenz„ Heer und Politik" aus Luftschiffer= freisen geschrieben wird, kurz vor seiner Fertigstellung und dürfte in nächster Zeit den ersten Aufstieg unternehmen. Es werden darum einige Angaben über die Bauweise dieses Luftschiffes von Interesse sein. Das Luftschiff hat im Gegensatz zu dem 2. 3. 9" eine Länge von 148 Meter und einen Durchmesser von 14 Meter, der der Normaldurchmesser der Zeppelin- Luftschiffe ist. Der Inhalt des Luftschiffes beträgt 19 300 Rubifmeter. Von besonderem Interesse sind die Motore des Luftschiffes. Es sind die in der etgener Motorwerkstatt des Luftschiffbau Zeppelin hergestellten Maybach- Motore. Insgesamt werden an dem Luftschiff 3 Motore tätig sein. die über eine Leistung von440 Pferdekräften verfügen. Bisher waren die Zeppelin- Luftschiffe bekanntlich nur mit 360 Pferdefrästen ausgestattet. Zur Führung und Bedienung des Luftschiffes sind 9 Personen notwendig. In der Passagierfabine können 24 Personen als Fahrgäste Platz finden, sodaß die gesamte Personenbe fazung des Luftschiffes sich auf 33 beläuft. Das Luftschiff wiro mit Hilfe der neuen Motore eine Eigengeschwindig feit von 16,5 bis 17 Metern in der Sekunde erreichen, wird also die Durchschnittsgeschwindigkeit der früheren ZeppeItne bedeutend übertreffen. Die Kraftübertragung findet durch Stahlrohren auf Schrauben statt, die einen Durchmesfer von 4,4 Meter haben. Die Steuerung wird von dem verbesserten Typ der Steuerung des L. 3. 8" sein. Das Luftschiff hat eine Tragfähigkeit von 5500 Kilogramm Nutzlast in Meereshöhe. Der Nußauftrieb n'mmt um 200 Nilogramm bet je 80 Meter Höhe über dem Meeresspiegel ab. Im übrigen hat das Luftschiff dieselbe Ausstattung wie die bisherigen Luftschiffe aufzuweisen und gleicht darin dem früheren Passagierluftschiff„ Deutschland". Man nimmt an, daß die ersten Passagierfahrten schon in wenigen Wochen unternommen werden können. Ein Wettbewerb um den größten Pfingstkuchen. die Aus Paris wird der Inf." geschrieben: In der Provence herrscht ein eigenartiger Pfingstbrauch, der vor einigen Tagen zum Austrag gekommen ist Alljährlich wird dort ein Wettbewerb um den größten Pfingstkuchen der Welt veranstaltet. Vorher wird feierlichst ein Preisrichterkollegium aus zwei Dorfschulzen und 15 erfahrenen Hausfrauen ausgewählt, das über Größe und Beschaffenheit des Kuchens entscheidet. Sind zwei Kuchen von gleicher Größe dann erhält derjenige den Preis zuerkannt, der am schmack haftesten zubereitet ist. Können sich was bei der Verschiedenheit der Geschmäcker nicht selten vorkommt- die Preisrichter über den Vorzug des einen Kuchens vor dem anderen nicht einigen, dann werden Kostproben an Leute des Dorfes, in dem die Entscheidung fällt, verteilt und eine Volksabstimmung muß den Preis zuerkennen. Einige Tage vor Pfingsten backen also alle Hausfrauen ungeheure Kuchen, um vor den Preisrichtern zu bestehen. Jede bäckt ihn zuhause und geheim, damit die Konkurrentir nicht erfährt, wie groß er ist und mit welchen Kostbarkeiten er zubereitet wurde. Am Tage des Preisgerichtes ziehen nach dem Dorfplatz wunderliche Karawanen, die ungeheuere schwankende Türme aus Kuchenteig tragen. Das Gejohle der Menge begleitet sie, und der Jubel des Volfes wird immer größer, je größer die Kuchenungetüme werden, die zur Schau ausgestellt werden. Es wird interes= fieren, einige Einzelheiten über den Kuchen zu erfahren, der in der diesjährigen Woche vor Pfingsten den Preis davontrug. Der Kuchen hat eine Höhe von 3,25 Meter und einen Durchmesser von 1,15 Meter. Die Verfertigerin diefes preisgekrönten Kuchens muß auch ziemliche Bildhauerkünste besitzen, da sie in einer Säulenhalle aus Kuchenteig die ziemlich gut getroffene Porträtbüste des Präsidenten angebracht hat. Es ist eine junge Bäuerin im Alter von 21 Jahren, deren Name Emily Bédier hiermit der Mitwelt verkündet sei. Sie ging aus einem Wettbewerb von 5 Dörfern als Siegerin hervor, da sich immer mehrere Dörfer zu einem großen Preis- Kuchenbaden" zusammentun. Bei ihrer Preiskrönung gab es keinerlei Zwiespalt und Meinungsverschiedenheiten, denn sie erhielt, was nicht sehr oft der Fall ist, den Preis einstimmig zuerkannt. Mit diesem Preisfuchenbacken ist auch ein wohltätiger 3wed verbunden, der des schönen Festes durchaus würdig ist. Alle Hausfrauen, die sich an dem Wettbewerb beteiligen, verzichten von vornherein auf das weitere Anrecht an dem Erzeugnis ihrer Backkunst. Die Riesenkuchen werden zerschnitten und den Armen der Dörfer umsonst als Feiertagskuchen überwiesen. Will jemand den Kuchen, der den Preis erhalten hat, wegen seiner Schönheit und Schmackhaftigkeit erwerben, dann steht es ihm frei: das Geld wird dann den Armen zugeteilt. Sind mehrere Bewerber vorhanden, dann wird eine Auftion veranstaltet und der Ru= chen versteigert. Der preisgekrönte Kuchen dieses Jahres hatte wegen seiner Schönheit und Kostbarkeit mehrere Bewerber aufzuweisen, so daß eine Versteigerung stattfand. Es beteiligten sich an ihr 21 Mitbieter, unter ihnen Graf de Moir, der sich an dem Wettbewerb seiner Dorfbewohner beteiligte und den Kuchen endlich für den Preis von 2974 Francs erstehen konnte. Vergebung. Für die Klinik für psychische und nervöse Krankhei ten in Gießen soll die Lieferung von Bett- Leib und Tischwäsche auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Stein's Garten:: Giessen Bes. C. Stein Hotel Restaurant und 1. 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Heinrich Schmiermund, Dienstknecht, 75 Jahre. 29. Friedrich Heinrich Naßauer, Kaufmann, 60 Jahre alt. " 29. Emilie Georg, geb. Diehl, 64 Jahre alt. " für strebsame Personen gleich welchen Berufes. Versandstellen, monatlich 400 Mt. einbringend, sollen in jedem Juni Bezirk errichtet werden. Kapital, Laden u. Berufsaufgabe nicht netig. ( 275/1 Deutsche Spezialitäten- Industrie Köln a. Rh. 343.| 31. Friederike Luise Emilie Lipfert, geb. Heydebreck, 31 Jahre alt. 1. Karoline Böttger, geb. Becker, 37 Jahre alt. 1. Johannes Margraf, Metzger, 58 Jahre alt. " " 2. Konrad Heinrich Spamer, Realgymnasialleh rer i. P., 88 Jahre alt. Eigentum u. Berlag der Gießener Zeitung G. m. b. S. Berantwortlich für die Schriftleitung Otto Heinede, für Reflame und Anzeigen Robert Roller, beide in Gießen. bemüht, hier blagen abid Im Gege entwurf ferne den Verbrech den weitesten Sachbeschädig Der Ansicht, Deres find langit aus d denen Polize hweren Feh fer Beziehun den Rechtes genentwurf i die Verbreche einem besond ebenfalls in ( freilich nur Besondere Strafeninitem ungen gelegt. Der Vorentw Destrafe hab gebenen Um werden tann fentlich einge bilden im G gefchiedenen brechen, das geltende Red Höchstmaß dejtmaß des die beiden e Höchstmaß 3dthaujes