Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Pfg. monatlich Enthält alle amil. Bekanntmachungen - - olerteljährlich 1,20 wt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen viertelfährlich 90 Pfg. Erscheint Dienstage, Dounerstags, Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nit verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 193. - Telephon: Nr. 362. Giessen der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amfes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. I ( Haus Brüder Schmidt.) Dienstag, den 5. September 1911. Die neue Heil- und Pflege Anstalt zu bibat Reallehrer Böhm- Gernsheim aufgestellt. den Wahlkreis Gernsheim- Pfungstadt wurde als Kan= Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei stellten den seitherigen Vertreter des Bezirks Alzen, Bürgermeister Edm. Diehl in Gau- Odernheim, einstimmig zum Kandidaten auf. hat gestern am 3. September 1911 die ersten Kranken Es aufgenommen. wird weiteste Kreise sicherlich interessieren, von dieser ganzen Anlage etwas zu lesen, die mit ihren schmucken Gebäuden, umgeben von Wald und Gärten, bei den Insassen und auch den Fremden das größte Vertrauen zu wecken, sehr geeignet ist. Mit der Erbauung hat es lange gewährt; schon 1906 ist das Pförtnerhaus errichtet worden, dann tam 1908 eine Bauunterbrechung, weil in diesem Jahre die Jrren- Anstalt in Alzen eröffnet wurde, bis 1910 eigentlich mit der Fertigstellung des Ganzen in schnellerem Tempo Ernst gemacht wurde. Die Baukosten mit Einrichtung belaufen sich auf rund 2 000 000 Mark; das Gelände wurde von der Stadt kostenlos gestellt. Kommt man von Gießen, so steht vornan zuerst das Wohngebäude für den Direktor, dann das für den Oberarzt, beide in villenartigem Stil gebaut. Nahe bei dem Eingang ist das Verwaltungsgebäude mit der Verwalterwohnung und Wohnungen für die Assistenzärzte, mit dem Bibliothekszimmer, dem Kasino, dem Magazin usw., dicht dahinter befindet sich das Kesselhaus, die Dampfwaschküche und die Kochküche. Der Kochküche zunächst liegen an der Licherstraße zu die 5 Gebäude für die Frauenabteilung, seitwärts die Kirche und zwischen der Frauenabteilung und dem alten Schiffenberger Weg, die aus 6 Gebäuden bestehende Männerabteilung. Das sog. Plocksystem, wie es beim Bau solcher Anstalten bisher meist angewandt wurde, hat man hier nicht durchgeführt, sondern von dem Grundsatz ausgehend, den Kranken die eigene Häuslichkeit möglichst zu ersetzen, ist das lose Pavillonsystem gewählt worden. In der Frauenwie in der Männer- Abteilung ist je ein großes in etwas hufeisenform gehaltenes Gebäude für die wachbedürftigen Kranken. Dort befindet sich auch je ein Operations zimmer. Je 2 Häuser sind für die halbruhigen Patienten und weitere 2 in jeder Abteilung für die unruhigen Kranken. In der Männerabteilung ist außerdem noch ein sog. festes Haus für ganz schwerkranke gefährliche Insassen, das mit einer hohen Mauer umgeben ist und im Innern die größten Vorsichtsmaßregeln enthalten. Mit Ausnahme des letztgenannten festen Hauses sind die Wohn- und Schlafräume der Kranken in den einzelnen Gebäuden recht wohnlich, praktisch und man fönnte fast sagen, sehr gemütlich eingerichtet. Ein Jedes hat ein Bett mit Roßhaarmatratze und Sprungrahmen, einen Nachttisch, im Regal den eigenen Platz für WasBeserglas, Zahnbürste, Seife, Schuhe, Handtuch 2c. queme Tische und Bänke machen den Aufenthalt in den Tagräumen angenehm und bei schönem Wetter sind Verandas leicht zu benutzen. Selbst Blumentische und Bilder fehlen nicht. Im Winter wird eine vom Kesselhaus ausgehende Zentral- Niederdruckheizung für die erforderliche Erwärmung der gesamten Räume sorgen. Das Wärterpersonal hat Wohnung neben den Wohnund Schlafsälen der ihm anvertrauten Kranken. Neben der ärztlichen Behandlung werden die leichtkranken Frauen für Haus- und Küchenarbeiten und die leichtkranken Männer für Feld- und Gartenarbeiten verwendet, da festgestellt ist, daß Arbeit günstig auf den Zustand der Kranken einwirkt. Diese Beschäftigungen haben aber auch noch den ökonomischen Wert, daß für die ganze Anstalt die Gemüse 2c. selbst gebaut werden und mancherlei Arbeiten erledigt werden können, wozu sonst zu bezahlende Arbeiter eingestellt werden müßten. Vorläufig ist Raum für 200 Betten resp. Pfleglinge. Die Anstalt ist für die Provinz Oberhessen gebaut, d. h. es sollen ihre Geisteskranken hier zuerst untergebracht werden. Ist Platz vorhanden, so können aber auch Kranke aus den anderen beiden hessischen Provinzen nach hier verbracht werden, wie umgekehrt auf Wunsch Geisteskranke aus Oberhessen nach Goddelau- Heppenheim oder Alzey kommen können. eine In vielen Familien hat man vor sog. Jrrenanstalten große Abscheu. Das ist falsch. Wie gesagt, solche Anstalt ist nicht allein das Asyl für tobsüchtige Kranke, sondern auch für Leichterkrankte, die dort unter aufmerksamer Behandlung und Beobachtung, Wartung und Pflege erhalten, wie solche in den meisten Familien zu geben es unmöglich ist. Aus Stadt und Cand. Gießen, den 5. September 1911. * Landtagswahlen. In einer Vertrauensmänner- Versammlung der nationalliberalen Partei für Verband evangelischer firchlicher Frauenvereine im Großherzogtum Hessen. Auf die am 7. September in Darmstadt im Gemeindehause stattfindende Hauptversammlung sei nochmals hingewiesen. Das Referat von Pfarrer Sch w a b e- Gießen über„ Nothelferinnen in der Landkrankenpflege" nicht allein für die Mitglieder der angeschlossenen Vereine, sondern auch für alle, die ein warmes Herz für Kranke und Leidende haben, von Interesse sein. dürfte *) Büdingen, 4. Sept. Prinzessin Anna zu Isenburg- Büdingen, die 25jährige Tochter des im Jahre 1906 verstorbenen Fürsten Bruno zu Isenburg- Büdingen, hat sich mit dem 41jährigen Grafen Ernst zur Lippe- Weißenfels verlobt. Der Graf steht als Major in sächsischen Diensten. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfs.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50$ 18. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung odor bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b.§. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. | den umliegenden Fachwerksgebäuden, welche durch die anhaltende Hitze ausgetrocknet sind, fand das Feuer reichliche Nahrung. Aber durch das tatkräftige, energische Eingreifen der Feuerwehrleute wurde gar bald ein weiteres Umsichgreifen des Feuers verhindert. Wie verlautet, ist der Schaden, den das Feuer anrichtete, nicht sehr groß. Allseitiger Dank wurde den Feuerwehrleuten für die energische Hilfeleistung zu teil. -d- Rodheim a. d. Bieber, 4. Sep. Hier wurde ein Mann wegen des dringenden Verdachtes der Blutschande verhaftet. -)(- Marburg, 4. Sept. Gestern früh ½ 5 Uhr ist zwischen Bahnhof Marburg- Süd und Nieder- Weimar ein Automobil mit dem Schnellzug 104 3 usam me n gestoßen. Das Automobil war auf der Fahrt von Bielefeld nach Gießen. Insassen des Automobils waren Peter Kronenberg Gießen, der den Wagen in Bielefeld eben erst gekauft hatte, sowie Werkmeister Kühn und die Tochter Kronenbergs. Kühn ist tot, die beiden anderen Insassen blieben unverletzt. Ueber das Unglüd geht uns noch folgender BeVom Vogelsberg, 4. Sep. Den Anschlußricht zu: an die projektierte elektrische Zentrale zu Wölfersheim haben nicht nur zahlreiche Orte der Wetterau beschlossen, sondern auch die Gemeinden des Vogelsbergs wollen die Vorteile dieses Kulturfortschrittes nicht entbehren. So haben bis jetzt außer mehreren Dörfern Grünberg, Or tenberg, Schotten, Gedern, Laubach und Hungen den Anschluß an Wölfersheim genehmigt. * Wetzlar. 70jähriges Jubiläum des Männergesangverein. Die Feier wurde am Sams tag abend durch einen Kommers eingeleitet, an dem außer den auswärtigen Vereinen eine große Anzahl Gesangsfreunde teilnahmen. Stadtv. Frohn, der Vorsitzende des Vereins, hieß die zahlreich erschienenen Gesangsfreunde herzlich willkommen. Die Festrede hielt Friedrich Heinzenberg, der einen geschichtlichen Ueberblick über das Wachsen und Gedeihen des Vereins gab; seine trefflichen Ausführungen schloß er mit einem Hoch auf den Kaiser! Der Vorsitzende des Lahntal- Sängerbundes, Hauptlehrer Storch- Buzzbach, überbrachte die Glückwünsche des Bundesvorstandes, sowie des Männerge Bürgermeister v. 3engen sangvereins Butzbach. sprach im Namen der Stadtvertretung und der Bürger schaft dem Jubelverein seine herzlichsten Glückwünsche aus und brachte zum Schluß ein dreifaches Hoch auf das deutsche Lied. Der Männergesangverein Liederkranz Dillenburg überreichte ein schönes Bild seiner Heimat= stadt, während die Liedertafel Marburg ein schönes Gruppenbild ihres Vereins stiftete. Dem offiziellen Teile folgten musikalische Darbietungen der einzelnen Männergesangvereine und der verstärkten Stadtkapelle, die ein beredtes Zeugnis von der trefflichen Schulung ablegten. Am Sonntag vormittag fand in der Alten Post" der Sängertag des Lahntal- Sängerbundes statt, bei dem dem Dirigenten des Männergesangvereins Wetzlar das Diplom der Ehrenmitgliedschaft überreicht wurde. Außerdem wurden noch die Gesamtchöre für das nächste Bundesfest, das im Sommer 1912 in Hungen abgehalten wird, festgesetzt. Es sind: 1.„ Der Wald" von Häser, 2.„ Einkehr“ von Zöllner, 3.„ Heinrich der Vogler", Chor mit Orchester von Fromm. Nachmittags fand ein Festzug vom Obertor nach dem Schützengarten statt, an dem sämtliche Gesangvereine von Wetzlar, der Turnverein, Liederkranz- Weilburg, Liederkranz- Dillenburg und der Gesangverein Jugendgrund- Wieseck teilnahmen. Frl. Frohn überreichte mit einer sinnigen Deklamation eine neue Fahnenschleife, während von einem Vertreter des Gesangvereins Kirchhain eine schöne Weinkanne gestiftet wurde. Nun sangen sämtliche Gesangvereine Wetzlars unter Begleitung des Orchesters„ Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Der Liederkranz- Weilburg sang: ,, Wie hab' ich sie geliebt" von Möhring. Für den durch Krankheit seines Dtrigenten am Singen verhinderten Liederkranz- Dillenburg trat der Jugendgrund- Wiesec mit dem„ Waldruf“ von Schauß ein. Dazwischen die verstärkte Stadtkapelle ansprechende Stücke. wurde das Konzert gegen 7 Uhr durch Feuerlärm gestört. Am Abend fand ein Festball im Schützengarten statt, wobei ein schöner Glockenreigen von den Jungfrauen des Vereins aufgeführt wurde. spielte Leider *- Wetzlar. Die Bewohner unseres mittleren Stadtteiles wurden gestern abend gegen 7 Uhr durch Alarmsignale der Feuerwehr in Aufregung versetzt. Wie angenommen wird, ist das Feuer im Schlafzimmer des Walterschen Hauses am Eisenmarkt ausgebrochen. Bei Gießen, den 3. Sept. Der Automobilhändler P. Kronenberg fuhr mit seiner Tochter sowie mit dem Werkmeister Kühn der Dürkopp- Werke- Bielefeld, mit dem erst von der Fabrik abgenommenen 8-20 PS- Wagen nach Gießen. Zwischen Marburg- Süd und Nieder- Weimar kreuzt die Eisenbahn die Fahrstraße. Kurz vor der ge schlossenen Schranke plate ein Reifen des Automobil s; der Wagen kam durch scharfes Brem sen ins Schleudern und zertrümmerte die Schranke. Der Werkmeister Kühn sprang hinaus oder wurde hinausgeschleudert was nicht genau feftsteht und erhielt wahrscheinlich durch den gerade durchkommenden Schnellzug Marburg- Gießen, der über eine halbe Stunde Verspätung hatte, einen tödlichen Stoß in den Rücken. Kronenberg und Tochter, die während der Katastrophe im Wagen geschlafen hatte, blie ben unverletzt. Der Zug hielt sofort und nahm die In fassen des Wagens nach Gießen mit; unterwegs verschied der schwerverlette Werkmei. ster Kühn. -r= Marburg, 4. Sept. Bei Frohnhausen fuhr Samstag ein Güterzug in eine Schafherde. 19 Schafe wurden zermalmt. Eine Anzahl mußten geschlachtet werden. Jm nahen Odershausen sind sechs Typhusfälle amtlich festgestellt worden, zwei ver liefen tödlich. In Rölbe hat ein Kaufmann eine sogenannte„ Auto fall e" errichtet. Er hat in furzer 3eit 70 Automobile wegen zu schnellen Fahrens zur Anzeige gebracht. - Diez, 4. September. Infolge der in hiesiger Gegend stattfindenden Manöver find alle Lebensmittel rar und teuer geworden. Das nervöse Zeitalter. Nervös ist heutzutage die Mehrzahl der Menschen, set es durch Ueberarbeitung, Herger Schidsalsschläge oder durch ernste Krankheiten. Durch die Nervosität altern die Menschen viel rascher und verlieren frühzeitig ihr frisches Aussehen; die Haut wird runzelig, die Haare grau, der Körper verliert seine Schönheit und Frische. Nervosität hängt intim mit dem Blutzustande zusammen; dadurch, daß das Blut nicht seine normale Bu sammensetzung hat, werden die Nerven nicht genügend gespeist, folglich ist gesundes, normales Blut die erste Grundbedingung. Leciferrin ist das hervorragendste Präparat um Nerbofität zu beseitigen, gesundes Blut zu schaffen und da durch Lebensfrische und Energie wieder zu erzielen. Bei überreizten oder überarbeiteten Personen, welche an Schlaflosigkeit leiden, tritt durch den Gebrauch von Leciferrin ein guter, träftigender Schlaf ein. Leciferrin( Ovo LecithinEisen) ist von hervorragenden Aerzten und Professoren begutachtet und flinisch erprobt. Die günstige Wirkung macht sich in ganz kurzer Zeit bemerkbar. Man achte beim Einkauf genau auf den Namen Leciferrin. Preis Mt. 3.-, in Apotheken zu haben, ganz sicher von: Universitäts Apotheke Gießen und Engel- Apotheke in Frankfurt a. Main. Am Strande der Oftfee. Am Strande ber free. Wem gelten die belgischen Rüftungen? Bereit fein, ist alles, denkt der belgische Kriegsminister und läßt Kanonen und Maschinengewehre auf Eisenbahnzüge verladen, um das Kriegsmaterial schnell an die Grenzen des Landes befördern zu können. Die Infanteriefafernen werden mit scharfen Batronen verfehen, Granaten werden in die Forts an der Marne gebracht, Generalstäbe und Hauptquartiere werden verlegt, als ob man furz vor der Mobilmachung stände. Nach den deutsch- englischen Kanonaden der jüngsten Zeit fann man es den Belgiern faum verübeln, wenn ste fich auf alle Möglichkeiten vorbereiten, denn der Boden, auf dem Wellington vor bald hundert Jahren rief:„ Ich wollte es wäre Nacht, oder die Preußen fämen", fönnte leicht zum Tummelplage der Verbündeten werden, die Napoleon 1. bet Belle alliance vernichteten. Die Entente cordiale" peitscht wilde Wogen gegen englisches und deutsches Gestade. Der Termin der nächsten Kaisermanöver. Wie der " Inf." auf eine Anfrage an zuständiger Stelle mitgefeilt wird, ist die Nachricht, daß die nächstjährigen Kaisermanöver in Torgau vor der Einweihung eines Denfmals Friedrichs des Großen durch den Kaiser stattfinden werden, unzutreffend. Bisher sind noch teinerlei Bestimmungen über Zeit und Ort der nächsten Kaisermanöver getroffen worden, da spätere Bestimmung darüber erst zu einem viel späteren Termin erfolgt. Will Belgien seine Neutralität für den Kriegsfall schüßen, oder will es in einem etwaigen Kampfe Bartet ergreifen? Gegen ersteren Fall würde man in DeutschIand nichts einzuwenden haben, sollte das Königreich indes den englischen Lockungen folgen und für einen westeuropäischen Staatsbund Stellung nehmen, dann würden deutsche Armeekorps in einer Nacht die flandrischen Lande liberschwemmen. Die politische Tendenz der belgischen Blätter ist auf eine Entente hollando= belge" gerichtet, die sich England und Franf= reich anschließt. Die englischen Bestrebungen, die belgische Stimmung zu gewinnen, sind nicht ohne Erfolg gewesen. Seit dem Besuche des Deutschen Kaisers in Brüffel ist unaufhörlich an der Verhebung der Belgier gegen Deutschland gearbeitet worden. Der Londoner " Daily Expreß" brachte jüngst einen Artikel, in dem es hieß: Belgien würde in einem Kriege zwischen Deutschland einerseits und England und Frankreich andrerseits eine außerordentlich wichtige Rolle spielen. Nach der Kriegserflärung würden die Heere des Kaisers sofort in Frankreich einfallen, aber aller Voraussicht nach gezwungen sein, den Weg über belgisches Gebiet zu wählen, da der an Deutschland grenzende Teil Frankreichs überaus start befestigt ist. Dieser Feldzugsplan würde zwar eine Verlegung der Neutralität Belgiens darstellen, die durch ein internationales Abkommen ge= fichert ist, aber fleinliche Erwägungen dieser Art und Verpflichtungen, die nur auf dem Papier stehen, wür den die Deutschen in einem so fritischen Augenblick nicht zurückhalten. Nach dem Einfall in Frankreich würde bie belgische Küste von Antwerpen bis zur französischen Grenze zweifellos als Operationsbasis für Unternehmungen gegen England benutzt werden. Alle diese Feldzugspläne find bereits in Berlin ausgearbeitet worden und befinden sich in den Stahlkammern des deutschen Generalstabes." Bei solchen Aufreizungen vergessen die Engländer offenbar ganz, daß Deutschland Belgien niemals bedroht hat, während Frankreich im Lauf der Geschichte Belgien nicht weniger als 112 Mal angegrif= fen, einverleibt oder einzuleiben versucht hat. Möge man sich in Brüssel die Folgen einer feindlichen Haltung gegen Deutschland doppelt und dreifach überlegen. Aller Voraussicht nach wird der belgische Kriegsmintfter Kanonen und Maschinengewehre wieder ungenutt abladen lassen tönnen, wei in England die Vernunft noch stegen ditrfte, aber die Eile, die Belgien entwickelt, ist immerhin ein Zeichen der bewegten Belt. Rundschau vom Cage. Politisches. Der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Großberlins veranstaltete Sonntag mittag im Treptower Part eine öffentliche Volksversammlung unter freiem Himmel, für deren Besuch Tage lang vor= her im„ Vorwärts" und durch Flugblätter große Propaganda gemacht worden war. An der Versammlung nahmen unter zahlreicher Beteiligung auch von Frauen und Kindern etwa hunderttausend Personen teil. Pünktlich um 1 Uhr sprachen von 10 Tribünen sozialdemokratische Redner über das Thema„ Gegen die Kriegsheßerei, für den Völkerfrieden!" zu der dichtgedrängten Volksmasse, nachdem durch ein Trompetenfignal lautlose Stille eingetreten war. Der Anmarsch der Massen erfolgte in Abteilungen von 200 bis 1000 Personen unter Führung von Ordnern, die durch eine rote Armbinde fenntlich gemacht waren. Um 2 Uhr wurde einstimmig eine gleichlautende Resolution angenommen. Dann erfolgte der Abzug der Massen. Der Reichskanzler wird nach seiner Rückkehr aus Kiel, wo er am 5. September der großen Flottenparade beiwohnt, noch einige Zeit zur Erledigung bringender Geschäfte in Berlin verweilen. Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand reiste am Sonntag abend mittels Hofsonderzuges von Salzburg zu den Flottenmanövern nach Kiel ab, wo er heute nachmitag gegen 5 Uhr eintreffen wird. Im Gefolge des Erzherzogs befinden sich Marinefommandant Graf Montecuccoli, Vizeadmiral Haus und einige Marineoffiziere. Mehr deutsche Kriegsschiffe nach Aaadir? Einer Meldung der Köln. 3tg." zufolge erflärte in einer alldeutschen Versammlung in Alsterdorf der über die Marottofrage referierende Redner Dr. Wirth aus München, er habe von einer dem Staatssekretär von Riderlen- Wächter befreundeten Seite gehört, die deutsche Negierung erwäge, noch mehrere Kriegsschiffe nach Agadir zu senden. Der Papit als Genner der Todesstrafe? Wie römische Blätter, die gewöhnlich über die Vorgänge im Batitan gut unterrichtet sind, zu melden wissen, hat der Papst ein Dofument vorbereitet, in dem er sich gegen die Todesstrafe ausspricht. Es heißt, der Papst werde an alle Staatsoberhäupter und geseßgebenden Körverschaften herantreten, damit die Idee der Abschaffung der Todesstrafe immer weitere Unterstübung und Verbreitung finde. Das Befinden des Papstes soll sich neuerdings wieder verschlechtert haben. Der türkische Thronfolger besichtigte am Sonntag vormittag das Hohenzollernmuseum. Abends folgte er einer Einladung der Majestäten zur Tafel nach dem Neuen Palais. Heute frith ist der Prinz nach Essen abgereist. Er hat an den Sultan eine Depesche gerichtet, in der er mit Anerkennung betont, daß der Kaiser, dié Behörden und die Bevölkerung große Hochachtung fitr den Sultan hegten. Wefter hebt der Thronfolger hervor, daß der Kaiser bet ieder Unterredung aufrichtaste Freundschaft für den Sultan und die Türket befundet hätte. Der erste Sekretär des Sultans antwor tete, daß der Sultan über die Freundschaftsbezeugungen äußerst befriedigt set, weil diese einen neuen Beweis bilden für die zwischen den beiden Ländern bestehenden innigen Beziehungen. 9) Wetterwolken. Roman von M. v. But ch. ( Nachdruck verboten.) Die Furcht vor fremben Svionen ist in England augenblicklich so groß, daß zur Bewachung wichtiger miIttärischer Gebäude größere Truppenverbände aufgeboten werden. So ist die Wache des Munitionsma gazins in Southampton um zwei auf Kriegsstärke gebrachte Kompanien verstärft worden, und jetzt sollen noch weitere Maßregeln für die Sicherheit des Magazius getroffen werden. Die Wachen haben Auftrag, fede Person, die sich nähert, anzuhalten und, wenn verdäch fig, zu verhaften. Kleine Dachrichten. während der Lokomotivführer mit dem bloßen Schrecken davonkam. Unterschlagungen eines Briefträgers. Der Briefs träger Westerop vom Postamt Kohlscheide im Rheinland ist seit dem 30. August mit 4000 Mart amtlichen Geldern flüchtig. Auf seine Ergreifung und die Wie dererlangung des Geldes ist eine Belohnung von 300 Mart ausgejetzt. In der Familie des deutschen Kronprinzen steht ein freudiges Ereignis in Aussicht. Infolgedessen wird die für Mitte September beabsichtigte Uebersiedlung der Kronprinzenfamilie nach Danzig vorläufig unterbleiben. Die Kronprinzessin legt sich bereits die nötige Schonung auf und stieg auch bei der gestrigen Kaiserparade entgegen den sonstigen Gewohnheiten nicht zu Pferde, sondern fuhr in einer Equipage. 3m Bolareis verhungert. Eine von einem Pelzhändler in Tromsö ausgerüstete Belzjägererpedition, die in Spitzbergen überwinterte, fonnte im vorigen Sommer wegen Bereifung des Fjords nicht abgeholt werden. Jetzt wurde sie von einem Schiff aufgefunden, aber von fünf Mann waren drei bereits verhungert. Ein Telegramm Richters. Die Familie Richters hat Sonnabend früh ein in Saloniki am Abend des 1. September aufgegebenes Telegramm folgenden Inhalts erhalten:" Bin gesund hier. Brief unterwegs. Eduard." Ich hörte von einer Schlacht bei Kesselsdorf erzähTen, in der das österreichisch- sächsische Heer geschlagenworden war, überall sprach man von dem Preußenkönig als von einem Ungeheuer, einem Witterich. Wir hatten eine alte Kindermusme, die wahrscheinlich, well sie annahm, mich besser im Brett und im Baume zu halten, von dem Könige Sachen erzählte, die mich in Angst hielten, und diese Furcht wirfte wie Gift auf meinen Körper. Ich war ein fräftiges Kind, allein seit jenem Fieberanfall habe ich mich nie recht wieder erholt, das fühle ich, auch die Spuren tener Zeit nie wieder ganz verwunden. Meine Kindermuhme handelte töricht, das weiß ich, aber die Hauptschuld trägt sie doch nicht an meiner Krankheit, die trägt die Kriegszeit und im Grunde Ihr König. Und nun Sie das wissen, können Sie beim besten Willen nicht verlangen, daß er mir in angenehmer Erinnerung steht, oder daß ich mich gar für ihn begeistern kann." Wissenschaft, Kunst und Litteratur. ter 1,50 M rate nähr ftens bret Breife vo prachlos ber Bauer trollte fich geben bem bm wohl Berha gen veran nach dem ber Galfe aufgefunde Hazien in senden Fo wei Bean der Mord Eine willkürliche Gestaltung des Säuglingsschäs dels? Ein Stuttgarter Arzt will gefunden haben, daß man die Form des Säuglingsschädels durch ganz einfache Methoden willkürlich gestalten kann. Wie er in der Münchener medizinischen Wochenschrift mitteilt, nimmt der Schädel des Säuglings bei dauernder Rüf fenlage Rundform an, bei dauernder Seitenlage Langform. Selbst bei Zwillingen soll sich der Schädel ganz verschieden gestalten, wenn der eine in Rücken-, der andere in Seitenlage gebettet wird. Bekanntlich galt bisher der Unterschied zwischen Rundschädel und Langschädel in der Anthropologie als ein wichtiges Rassen merkmal. Wenn wirklich der Schädel willkürlich ge staltet werden kann, so wäre es natürlich mit diesem Merkmal vorbei. Aber noch weitere Ausblicke gestattet die angebliche Entdeckung. Schädelentwicklung und Ge hirnentwicklung gehören bekanntlich eng zusammen. Den Langschädeln wird besondere Intelligenz zuge schrieben. Also müßten alle Eltern, die recht intelligente Kinder haben wollen, sie vom frühesten Alter an in dauernder Seitenlage liegen lassen. Mehr noch freilich als bei sonstigen sensationellen Meldungen muß es bei dieser medizinischen Entdeckung beißen: Bestätigung bleibt abzuwarten. Es wäre ja merkwürdig, wenn die tausendfährige Erfahrung der Völker einen solchen Vorgang übersehen hätte. 14 Millionen für ein Wasserwert. Der Berliner Stadtverordnetenversammlung ist eine sehr umfangreiche Magistratsvorlage über die Errichtung eines Wasserwerkes in der Wuhlheide zugegangen, mit allen Entwürfen und Kostenanschlägen in Höhe von rund 14 Millionen Mark. Das Werf soll eine Leistungsfähigfeit von 16 Millionen Kubikmeter Trinkwasser erhalten. Malzahn hatte aufmerksam zugehört. Nun ergriff er in plößlicher Aufwallung Beates Hand und drückte Nie herzhaft. „ Es tut mir leid um Ste, Komtesse, mehr, als ich sagen kann. Ich beklage aufrichtig dieses unselige Zufammentreffen, das Walten des Zufalles, wodurch der König Friedrich zu einer unheilvollen Rolle in Ihrem Beben verurteilt worden ist, aber aber Sie sind noch jung, Komtesse, lassen Sie uns hoffen, daß Ste Die schlimmen Eindrücke fener Zeit über kurz oder lang bald gänzlich überwinden. Ste schitttelte das dunkle Köpfchen. Der Nordpolfahrer Gook fündigt nach einer Meldung aus Neuvort die Veröffentlichung der Beweise an, wonach er den Nordpol erreicht hat und leugnet, ein genenteiliges Geständnis abgelegt zu haben. In Peterhof fand gestern nachmittag die Vermählung der Prinzessin Selene von Serbien mit dem Großfürsten Johann Konstantinowitsch von Rußland statt. " Ste sprechen vom Zufall Baron, nun, wer weiß, Eine Explosion flüssigen Brennstoffes ereignete sich Sonntag mittag auf einem in der Wifer Bucht liegenden Torpedoboot. Dabei wurden von der Besatzung dret Mann erheblich und zwet leichter verletzt. Die Berunglückten wurden sofort in das Marinelazarett zu Kiel gebracht. Explosion auf einer Lokomotive. Auf der Maschine des München- Nürnberger Eilzuges explodierten bei der Durchfahrt durch Obereichstädt beim Schüren des Kesfels die in einem Kasten verwahrten Signalkapseln und Magnesiafackeln. Der Heizer wurde schwer verletzt, vielleicht war es mein Schicksal, daß der Preußenkönig diese Rolle in meinem Leben zu spielen hatte. Kein glückliches Schicksal, muß ich sagen." Vermischtes. Ein weiblicher Sonderling starb unlängst in Bat tersea, einem Londoner Stadtteil, unter ganz merkwilr digen Umständen. Die 70jährige Dame hatte ſett Jahr zehnten das Leben einer Einsiedlerin geführt. Niemand fam zu ihr. Sie lebte ganz allein, und ihre einzigen Gesellschafter waren vier Kazen. Sie verließ ihr Haus niemals. Besorgungen ließ sie durch Nachbarn machen, die sie reichlich belohnte. Als die Nachbarn der Polizei mitteilten, daß sich die Greisin seit mehreren Tagen nicht mehr gezeigt habe, drang man ins Haus ein und fand die Alte, von den Leichen ihrer vier Katzen umgeben, tot auf dem Boden liegend vor. Das Haus befand sich in einem Zustande vollständiger Berwahrlosung. inter Rumpen und Unrat fand man eine Anzahl verbrannter Banfnoten. „ Mein Himmel, Komtesse, was sind das alles für Gedanken!" rief Malzahn, in das jäh erblaßte Gesicht seiner Nachbarin schauend, deren Augen mit so unverhohlener Bewunderung und Liebe in die seinen schauten. Heiß stieg es in seinem Herzen auf. War es Mitleid, war es Liebe? Eine weiche Stimmung hatte sich seiner bemächtigt; er füßte die Hand, die er in der seinen hielt. In dem Moment wurde ein Schritt hörbar. Auf dem Fußpfad erschten die Gestalt Sr. Erzellenz des Herrn Ministers. Uhr nachts fibriger ve Widerstand Geständnis Tragö tag machte Seit trant Knaben d von der bes intenfi röchelnd in Frau ins Berlaufe Das Verdienst, nenn Menschenleben gerettet zu ha ben, gebührt einer Katze, die während des jüngsten Brandes in London eine Magd durch Kraßen und BeiBen weckte. Das Mädchen lag in tiefem Schlafe, aus dem sie durch die allzu heftigen Liebkosungen der Katze geriffen wurde. Es war 4 Uhr morgens, und außer den Wunden, die ihr das Tier beigebracht hatte, bemerkte das Mädchen sofort, daß der Raum voll Rauch war. Zu ihrem Schrecken fand die Magd, als sie auf den Flur des Hauses ellte, daß das ganze Gebäude in Flamment stand. Eiligst weckte sie die acht Personen, die in benachbarten Zimmern schliefert. Die herbeigeeilte Feuerwehr fonnte sämtliche Infassen des lichterloh brennen den Hauses aus höchster Lebensgefahr erretten. Als er das junge Baar erblickte, huschte ein aut friedenes Lächeln über sein Gesicht, allein dies Lächeln war es, was Malzahn sofort um die Stimmung brachte. Er erhob sich, um den Grafen mit Kühler Höflichkett zu begrüßen und sagte: " Ich stand eben im Begriff, mich von der Komtesse zut verabschieden. Die Sonne finkt, es ist also Zeit für den Helmritt, in Kößschenbroda wartet mein Pferd und der Diener auf mich. Komtesse, tausend Dank und under stockie unwillkürlich. In der Gegenwart des Herrn Grafen war es ihm unmöglich, ein herzliches Wort hinzuzufügen. Schmerzhaft, aber wahr. Eine drollige Begebenheit, die wie ein Scherz anmutet, aber Tatsache sein soll, wird der rff. 3tg." aus Göttingen berichtet. Ein dortiger Althändler fündigt durch Inserat felt langem regelmäßig an, daß er für Zähne und ganze Gebisse die höch sten Tagespreise zable. Ihm ist es dabei natürlich nicht so sehr um die Zähne zu tun, als um den kleinen Platinstift, der in jedem fünstlichen Zahn zu dessen Befestig ung fitzt und dessen Weiterverfauf sich bei dem hohen Platinpreise immer noch lohnt. Kommt nun dieser Tage zu dem Althändler ein Bauer aus der Adelebser Gegend und bietet ihm dreizehn Zähne zum Kauf an. Als der Allthändler auf die Frage des Bauern nach dem höchsten Tagespreise fünfundzwanzig Pfennige pro Zahn bietet, meint der Bauer, der inzwischen seine tadellosen dret zehn Zähne auf den Ladentischch aufgezählt hat, ganz entrüstet, zu einem solchen Schundpreise tönne er mit dem Althändler fein Geschäft machen. Ihm set erzählt worden, der Althändler zahle für jeden Menschenzahn zwei Mark, deshalb habe er sich ja beim Dorfbader die dreizehn Zähne ausziehen lassen, um sie zu Gelde zu machen. Er habe allein für das Ausziehen fünfzig Pfennige pro Stück an den Bader gezahlt, für die ausgestandenen Schmerzen müsse er doch auch etwas haben. Un„ Nun, nun, mein lieber Baron, was haben Ste meinem kleinen Mädchen getan, daß es so blaß und unglücklich aussieht?" versuchte Erzellena recht mal à propos zu scherzen.„ Wirklich ganz fatiguiert, Rind!" „ Ich bedaure, wenn meine Unterhaltung die Komteffe angegriffen hat," meinte Malzahn, und der Ton feiner Stimme flang unwillkürlich härter, als er eigentItch beabsichtigte." Indeffen," und er zuckte die Achseln, „ die Schuld an dem Besuche tragen Sie, bitte ich zu bemerken, Ste schickten mich." „ Aber Papa," rief Beate, förmlich gekränkt,„ Baron Malzahn hat mich angenehm und anregend unterhalten, allein Du mußt wissen, daß ich kränklich und wenig an Gesellschaft gewöhnt bin." Drei warfen am den Begin ver, bet de ften Roller und der L Merodrom Aber Tron terwegs d Nabe von farb nach Bom gen, ist de Kind, Kind, ich wollte Dir mit meiner Bemerkung nicht zu nahe treten," sagte Brühl und wandte sich mit Itebenswürdigem Lächeln an Malzahn.„ Entschuldigen Sie mich, lieber Baron; übrigens, wenn Sie wirklich im Aufbruch sind, wie Sie sagen, mache ich Ihnen den Vorschlag, mich zu begleiten. Auf halber Höhe wartet mein Wagen. Sie steigen mit mir ein, und der Diener fann Ihrem Reitfnechte Bescheid sagen." Erzellenz fahren nach Dresden?" erkundigte sich Malzahn. " Ja, ja, leider, habe ich dort zu tun," meinte Brühl, und sich von neuem an seine Tochter wendend, fuhr er fort: Ich erhielt soeben einen Brief. Deine Mutter ist bereits von Karlsbad abgereist, ich glaube sogar, daß wir sie bald zurüderwarten fönnen." Schon jetzt?" fragte Beate erstaunt.„ Bekommen thr die Bäder nicht?" " Daran liegt es nicht; um offen zu sein, Kind, Karlsbad ist ihr durch eine unangenehme Episode_verIeidet worden. Dente Dir, ihre Kammerjungfer Anna hat sich plötzlich das Leben genommen." „ Das Annchen, das blonde, lustige, funge Ding sich das Leben genommen?" rief die komtesse erschreckt, ,, wie entsetzlich das ist, wie furchtbar! Und weiß man nicht, aus welchem Grunde das geschehen ist?" setzte sie nach einer kleinen Bause hinzu. Erzellenz lächelte etwas zynisch. namens& reichisch- Un einem Los gehaltenen bamit eine Beim und Klaue tommnts, bat. Ein betreibt, w mit denfelt me, auch z Maul- un Unvorsichti " Aus welchem Grunde? Kind, danach fragen junge Damen nicht... Adieu, Beate, schone und pflege Dich." Damit füßte er feiner Tochter leicht die Wangen, Malzahn verneigte sich mit einem Ietse gemurmelten Abschiedsworte. So schieden die Herren... te der Ang noch nicht die Fabrit Am ander anaug, we Sabrit, zu derer Leut Roose Nebenbuh dentliche Großvater Sohn Ther onore Bu von der G vater hat die Wiege Die Räu Ueber genfchaft n betten mit balts bet Stelle Ite vertrieben ben Sch len. Als Richters al techer, die Korpstom äußerte er durch auf die letzten Sauses in 31 In d Berliner feines Dea Beate berlhrt d mit denen wundert. fißte thn. Arm Und d Vorhe flanden, ut traurig hi fich von de berührt. Mädchen lein Ende Dann benswürdi einent Ma begehren Beftlichfett weilen zut gültig fei, Und dann ber in jet conterte Bahl fein Im Hinb BeatesUnd Bu Bügeln Malzahn! To start, f mit einem Start fein Beate tauft, b. E Beale mu follte! en Schreden Der Brief im Rhein tamtlichen d die Wie ng von 300 inem Belz rexpedition, m vorigen ht abgeholt ufgefunden, thungert. eratur. glingsfchas haben, daß ganz ein Wie er in t mitteilt, Inder Nut lage Lang chadel ganz üden-, der intlich galt und Lang es Raffen itürlich ge mit diesem de gestattet ng und Ge zusammen. ценз заде intelligente ( fter an in noch freilich muß es bei Bestätigung , wenn die olchen Vorast in Bat merkwür fett Jahr ührt. Nied ihre einverließ ihr Nachbarn achbarn der t mehreren ins Haus threr vier vor. Das diger Verd man eine ettet zu ha s jüngsten n und BetSchlafe, aus In der Kaze außer den e, bemerkte ich war. Zu f den Flur i Flammen die in beellte Feueroh brennenent. Begebenheit, n soll, wird Sin dortiger gem regel ise die höch türlich nicht nen Platinen Befestig dem hohen dieser Tage ofer Gegend m. Als der dem höchsten Bahn bietet, Mosen dreit hat, ganz Snne er mit fet erzählt enschenzahn orfbader die ut Gelde zu infzig Pfene ausgestanhaben. Uninft,„ Baron unterhalten, und wenig Bemerkung tdte sich mit Entschuldigen Ste wirklich Ihnen den Höhe wartet 5 der Diener fundigte sich einte Brühl, end, fuhr er eine Mutter laube sogar, „ Bekommen sein, Kind, Episode ver gfer Anna ge Ding fich fe erfchredt, weiß man ft?" feßte fle fragen funge pflege Dich." die Wangen, gemurmelten ter 1,50 tonne er das Stück nicht verkaufen, die Zahn, ärzte nähmen boch für jeden eingefeßten Bahn mindestens drei Mart, also verdiene der Althändler bei einem Breise von 1,50 M. noch genug. Der Althändler war sprachlos. Ehe er wieder Worte finden fonnte, hatte der Bauer seine Zähne schon wieder eingepackt und trollte fich von dannen, um sie, wie er noch im Weggehen bemerkte, einem Bahnarzte direkt anzubieten, der ihm wohl mehr für die guten Zähne bezahlen werde. Verhaftung eines Frauenmörders. Seit fünf Tagen veranstaltete die Spandauer Polizet, auf der Suche nach dem Mörder der am Sonntag vor acht Tagen an der Falkenberger Chaussee von Berliner Radfahrern aufgefundenen erschossenen Frau Wolfcheck, allabendlich Razien in dem an die Falkenberger Chaussee angrenzenden Forst. In der Nacht auf Montag gelang es zwei Beamten der Kriminalpolizet, die sich in der Nähe der Mordstelle auf die Lauer gelegt hatten, gegen 12 Uhr nachts den Mörder festzunehmen. Es war ein 18fähriger verwahrlost aussehender Bursche, der sich ohne Widerstand zur Polizeiwache führen ließ und dort ein Geständnis ablegte. Tragödie einer Witwe. In der Nacht zum Sonntag machte in Berlin eine junge Witwe, die seit längerer Beit tränkelte, den Versuch, sich und ihren achtjährigen Knaben durch Leuchtgas zu vergiften. Beide wurden von der Polizei, die von den Hausbewohnern wegen des intensiven Gasgeruches herbeigerufen worden war, röchelnd in dem Bett liegend gefunden. Es gelang, die Frau ins Leben zurückzurufen, während der Knabe im Verlaufe des gestrigen Tages starb. Drei Opfer der Aviatik. Dret tödliche Flugunfälle warfen am Sonnabend den Schatten der Trauer über den Beginn der diesjährigen großen französischen Manöver, bet denen der militärischen Aviatik eine der wichtig= ften Rollen augedacht ist. Der Hauptmann De Camine und der Leutnant Grailln, die auf Rep- Eindeckern das Aerodrom von Buc bei Versailles verlassen hatten, um über Troyes zu den Manövern abzugehen, fanden unterwegs durch furchtbare Abstürze den Tod. In der Nähe von Chartus stürzte der Aviatiker Marron ab und starb nach furzer Zeit. Bom Bankdiener zum Bantdirektor emporzuſtetgen, ist der Ehrgeiz eines Gewinners in der Lotterie namens Gabriel Schuster. Er ist Diener der Desterreichisch- Ungarischen Bank in Großwardein und hat mit einem Los der Hypothekenbank in der am 15. Jult abgehaltenen Biehung 500 000 Sronen gewonnen. Er will bamit eine Bank gründen und Bankdirektor werden. Beim Wort genommen. Zu was die leidige Maulund Klauenfeuche führen kann, das beweist ein Vortommnis, das sich in Altenstadt an der Jller zugetragen hat. Ein Fabrikarbetter, der auch etwas Landwirtschaft betreibt, wurde von einem Nachbarn angezeigt, daß er mit denselben Kleidern, in denen er aus dem Stall komme, auch zur Fabrifarbeit nach lereichen gehe, wo die Maul- und Klauenseuche herrsche, die er durch seine Unvorsichtigtett verschleppen fönne. Erbittert erwiderte der Angezeigte, er habe nur einen Anzug, mit dem er noch nicht im Stall gewefen fet. Ob er den vielleicht in die Fabrik anziehen sollte. Allerdings, war die Antwort. Am andern Morgen marschterte der Brave im Frackanzug, weißer Binde und Zylinder zur Arbeit in die Fabrit, zum großen Ergößen seiner Kameraden und anderer Leute, die thit sahen. Roosevelt Großvater. Zu einer Würde, die ihm ketn Nebenbuhler streitig macht und die ihm außerordentliche Freude berettet, tst Roosevelt gelangt: er ist Großvater geworden. Am Sonnabend machte ihm sein Sohn Theodor Roosevelt, der sich im Vorjahre mit Eleonore Butler- Alerander verheiratete, die Mittellung von der Geburt eines Töchterchens. Roosevelt- Großvater hat der Enkelin ein bedeutendes Geldgeschenk in die Wiege gelegt. Richters Erlebnisse. Die Räuber beint Kartenspiel.- Richter im Keller. Ueber Richters Erlebnisse während seiner Gefangenschaft weiß der„ Berl. Lokal- Anz." allerlei Einzelhetten mitzuteilen: Richter hat während seines Aufenthalts bet den Räubern in seinem Versteck an gleicher Stelle Itegend zubringen müssen. Die Räuber vertrieben sich die Zeit mit Kartenspiel und ro= hen Scherzen. Sie bedienten sich der Landkarte Richters als Tischdecke. Ste hatten ausgezeichnete Feldstecher, die sie türkischen und griechischen Offizieren stahlen. Als Richter nach seiner Ankunft in Saloniki dem Korpskommandanten Hassan- Pascha vorgestellt wurde, äußerte er zu ihm, er sei ungefähr zwet Monate hindurch auf türkischem Boden verborgen gehalten worden, die letzten 16 Tage habe er in einem eller eines Hauses in der Nähe von Tyrnavo zubringen müssen. 3m Kampf mit Einbrechern. In der Nacht zum Sonnabend überraschten der Berliner Kriminalkommissar Weiland mit acht Beamten feines Dezernats fünf gefährliche und wiederholt vorbe= Beate ging allein ins Haus. Der Jmbiß stand unberührt da. Die Blumen, die sie vorher gepflückt, und mit denen sie das Zimmer geschmückt, hatte niemand bewundert. Das tat ihr leid; sie nahm den Strauß und füßte ihn. „ Arme Nelken, arme Blumen," flüsterte sie. Und dann trat sie ans Fenster. Vorher hatte sie dort mit frohen Erwartungen ge= standen, und jetzt, nach wenigen Stunden blickte sie fast traurig hinaus in den dunkelnden Abend. Ste fühlte sich von dem Todesfalle, von dem sie soeben gehört, eigen berührt. Vor einigen Wochen noch hatte sie mit dem Mädchen gesprochen, und nun hatte das junge Leben sein Ende erreicht... Wie traurig! Dann dachte sie an Malzahn. Bodo war sehr Ite= benswürdig und aufmerksam gewesen, aber jetzt mit einem Male durchzuckte sie das Gefühl, daß er sie nie begehren würde, niemals. Im lezten Jahre, bet den Festlichketten in der Dresdener Gesellschaft hatte sie zuweilen zu empfinden geglaubt, daß sie ihm nicht gleichgültig sei, aber, aber, ste hatte sich doch wohl getäuscht! Und dann kam noch eins hinzu. Ein Mann wie er, der in seiner Stellung als Gesandter eine gewisse erponierte Stellung in der Welt einnahm, mußte bei der Wahl seiner Gattin Rücksicht auf sein Land nehmen. Im Hinblick auf solche Rücksichten aber war thr Beates- Besitz ausgeschlossen, das wußte ste! - Und Malzahn gehörte zu denen, die auch ihr Herz zu zügeln verstehen, Herz und Schicksal! Glücklicher Malzahn! Wer das doch auch könnte, wer doch auch so stark, sicher, ruhig und leidenschaftslos feinen Weg mit einem festen 3tele vor Augen wandern könnte! Start sein ist Glück. Beate von Brühl seufzte. Man hatte ste Beate getauft, d. h. dte Glückliche, fte und glücklich! Und Beate wußte nicht, ob fte darüber weinen oder lachen follte! noch harmlosen Anfang macht eine Jeremiade über das Salzburger Schloß, deffen halb verfallene Mauern und blätternde, vno der Feuchtigkeit beschädigte Tapete in düsteren Farben geschildert werden. Dann kommt der ewige Zwang" an die Reihe, dem die Prinzessin wäh rend ihrer Kindheit unterworfen war, wobei die Era zählerin berichtet, wie sie als Kind eines Tages nabe bet Salzburg mit ihren Brüdern und ihrer Gouver nante Kahn gefahren sei und plößlich die Frage gestellt babe: Wie wäre es, wenn ich jetzt ein Bad nehme?" Die Gouvernante, pompös und steif wie ein„ Standbild der leibhaftigen Verantwortlichkeit", habe ein entsetztes Gesicht gemacht und sie vor Extravaganzen gewarnt. Da fei sie, die Prinzessin, fura entschlossen mit ihren Kleidern ins Wasser gesprungen und habe zur Verzweiflung ihrer Erzieherin und zum nicht geringen Erstaunen des zahlreich anwesenden Publikums eine Schwimmtour um den Kahn herum gemacht, um dann wieder an Bord zu klettern und triefend von Wasser ins Schloß zurückzukehren, wo sie den Erzherzog Ludwig Vittor, den Bruder des Kaisers, getroffen habe, der sie lachend zur Rede gestellt und die Sache leicht genommen habe. Geistiger und körperlicher 3wang set überhaupt die Signatur der prinzlichen Erziehung, zumal der ihrer eigenen gewesen. Ins Theater und Konzert ging es selten, in die Kunstausstellungen niemals. Immer witrde sie darauf hingewiesen, wie sie sich zu benehmen hätte. Die ganze Dressur" habe darauf abgezielt, fie für ihren fünftigen Beruf als Herrscherin vorzubereiten oder vielmehr, sie zur Figurantin zu erziehen, auf der die Blicke des Volkes ruben. Dabei gibt die Prinzessin aber unwillkürlich, vielleicht auch absichtlich und mit einer unverkennbaren Stofetterie zu, daß sie allezeit darauf bedacht gewesen sei, ihren Erziehern und vor allen Dingen ihrer berüchtigten Goit vernante ein Schnippchen zit schlagen. Ihr Temperament ſet immer wieder zum Durchbruch gekommen, so 3. B. auch bei einer Geschichtsprüfung in Salzburg, bet der sie, nach Maria Theresia gefragt, dreift geantwortet habe: Maria Theresia hatte, meiner Ansicht nach, ganz recht, einen Mann zu nehmen, den sie liebte, anstatt sich vom ersten besten heiraten zu lassen, denn so etwas ist idtottsch." Man kann sich das Entsetzen ausmalen, das fich auf den Gesichtern der Graminatoren bet diefer Antwort malte. Zum Schlusse kommen die prächtigen Haare der Kaiserin von Oesterreich an die Reibe, und die Erzählerin berichtet in der Tat haarklein, in welcher Weise sich die Kaiserin kämmen und frisierent Iteß, und wie sie die Kammerzofe fchroff angefahren habe, wenn diese ihr zu viel Haare ausgefämmt hatte. Denn alle die in der Bürste und dem Kamme zuritckgebliebenen Haare feten Tag für Tag genau gezählt worden. strafte Einbrecher in den Geschäftsräumen der Baufirma Kuhn, als sie die drei Geldschränke erbrachen. Die gefährlichen Burschen waren schon längere Zeit von der Kriminalpolizet beobachtet worden. Die Beamten erfuhren dabei, daß die Verbrecher für diese Nacht einen größeren Coup geplant hatten, es sollten die drei Kuhnschen Geldschränke erbrochen und ausgeraubt werden. Kriminalkommissar Weiland begab sich gegen 1 Uhr in Begleitung von acht seiner Beamten nach der Müllerstraße, wo sie sich in der Privatwohnung des Kuhnschen Hauses einquartierten Bald nach 2 Uhr nachts erschie= nen denn auch fünf Männer, die vorsichtig in den ersten Hof kletterten und von dort in den Kassenraum ein drangen. Die Beamten beobachteten vom Hof aus, daß die Verbrecher mit fabelhafter Sicherheit und Schnelligkeit bereits einen der Geldschränke erbrochen hatten und mit dem Knacken des zweiten be= schäftigt waren. Von Zeit zu Zeit fab einer der Einbrecher aus dem Fenster in den Hof hinab, dabei erblickte er den unten stehenden Kommissar. Er alarmierte schleunigst seine Genossen und nun stürzten diese alle fünf an die Fenster und eröffneten ein lebhaf tes Schnellfeuer auf Kommissar Weiland und feine Beamten. In wenigen Sekunden mochten sie wohl 10 bts 12 Schiffe abgegeben haben, die aber sämtlich thr Biel verfehlten, da die Beamten, die sich vorsichtigerweise in den dunklen Ecken des Hofes verborgen hielten, fein Bielobjekt boten. Die Beamten riffen nun gleichfalls ihre Brownings aus den Taschen und schossen rasch hintereinander auf die Verbrecher, die in den erleuchteten Fenstern standen. Zwet von diesen sanfen nun getroffen hintenüber, aber schon nach wenigen Augenblicken standen sie wieder auf und setzten ihr Feuer fort. Inzwischen waren mehrere Beamten nach oben geeilt und drangen in den Raum, wo sich die Einbrecher befanden. Mit vorgehaltenem Browning stürzten sich die Beamten auf die Verbrecher und als diese sahen, daß sie durch die Türen nicht mehr entkommen fonnten, sprangen fie alle fünf durch die Glasscheiben auf den Hof hinab. Beim Durchschlagen der ster erlitten sie mehr oder minder schwere Schnittwunden. Das hinderte die stark blutenden Verbrecher aber nicht, im Hofe sofort wieder zu ihren Revolvern zu greifen und auf die im Hofe ihrer harrenden Beamten zu schießen. Auch hier wurden die Schüsse von den Beamten erwidert. Dabet fanten abermals zwei der Verbrecher zu Boden. Rasch waren die Schußleute bei th= nen, überwältigten sie und legten sie in Fesseln. Zweien der Verbrecher war es inzwischen gelungen, über den Stacheldrahtzaun in den Nachbarhof zu entkommen. Der Kommissar verfolgte sie mit zwet Beamten und traf sie, als sie nach der Straße übersetzen wollten. Wiederum zogen die Verbrecher ihre Revolver und feuerten auf dte Beamten, die daruf gleichfalls schossen. Endlich sahen die beiden Verbrecher ein, daß sie nicht entkommen fonnten, sie warfen ihre Waffen fort und versuchten zum letztenmal, zu entfliehen. Sie wurden aber von den sie verfolgenden Beamten ergriffen und in Fesseln gelegt. Den fünften der Burschen fand man schließlich in einem Schranke im assenzim= mer zusammengefauert vor. Als man die Türe aufriß, bat er um Gnade und ließ sich willig die Sandschellen anlegen. Alle fünf Verbrecher bluteten aus Schuß- und Schnittwunden ebenso zwei Kriminalschußleute, die durch Schiffe verlegt waren. Die fünf verhafteten Verbrecher sind sämtlich schwer vorbestraft und der Polizet sett Jahren als gefährliche Geldschranktna f= fer bekannt. Sie haben in den letzten Monaten eine Rethe schwerer Einbrüche verübt. Frau Tosellis Memoiren. enDie frühere Kronprinzessin von Sachsen hat, was in letzter Beit vielfach bestritten wurde, Memoiren herausgegeben. Lange hatte sie damit gezögert, und sie hätte vielleicht besser daran getan, sie, wenn auch nicht ungeschrieben, so doch wenigstens unveröffentlicht zu lassen, denn thre Berühmtheit, wenn man das Wort überhaupt bet ihr anwenden kann, verdankt sie einem Standal, wie ihn die Geschichte zum Glück nicht oft fennt. Es wäre besser gewesen, sie hätte all diese triben Erinnerungen begraben sein lassen. Niemand sprach mehr von den Montignofo- Skandalen. Und nun ruft sie sie selbst wieder wach. ,, Aus der Geschichte meines Lebens." von Lutse von Toskana veröffentlicht der Partser Matin" das erste Kapitel. Es befaßt sich lediglich mit der Kindheit der ehemaligent Kronprinzessin von Sachsen, aus der einige Episoden geschildert werden, mit denen dargetan sein soll, daß die Prinzessin schon von früher Jugend an eine revolutionäre Natur hatte. Gezeichnet ist der Artikel: Luise von Sachfen. Damit sich die Leser einen Begriff von der Güte der Memoiren machen können, set hier eine furze Inhaltsangabe wiedergegeben: Die frühere Prinzessin beflagt sich fast auf jeder Belle über das harte 20s der Fürstinnen im allgemeinen und über ihr eigenes, angeblich unverschuldetes Los im besonderen. Den verhältnismäßig Die Herren befanden sich unterdes auf dem Wege nach Dresden, beide in ziemlich schweigsamer Stimmung. Brühl tam noch einmal auf die unangenehme Episode zurück, die der Gräfin den Aufenthalt in Karlsbad verleidet hatte. ,, Meiner Gemahlin ist die Sache höchst fatal. Ste hat es gut mit dem Mädchen gemeint, darum hat ste Ste mutterlose Waise ins Haus genommen, hat sie al= Terlet lernen lassen, und nun wie lohnt man thr? Das Mädchen nimmt sich in ihrer exaltterten Stim= mung das Leben und verdirbt meiner Gemahlin den im übrigen recht genußreichen Aufenthalt. Schauderhaft! Aber die Gräfin ist die Güte selbst, sie hat mich beauftragt, sogleich den Vater des Mädchens zu benachrichtigen. Mein Himmel, die Leute sind jetzt alle so verwöhnt und beanspruchen allerlei Rücksicht." Malzahn entsann sich der Promenade mit der Gräfin im Brühlschen Garten und der erregten Unterhaltung, die Erzellenz mit dem alten Manne gehabt. Indessen seine Gedanken beschäftigten sich doch mehr mit Beate, dem reizenden Kinde, dessen Liebe für sich er wieder einmal nachdrücklich erkannt hatte.. Da war man in Dresden, und der Wagen hielt vor dem Brühlschen Palats. Das erste, was der Herr Minister den ihm entgegenstürzenden Lakaten zurief, war ein Auftrag. Er wünschte den Sekretär Menzel zu sprechen, und zwar sofort. „ Kanzletsekretär Menzel!" Immer und immer schlug der Name an sein Ohr. Es war fast, als wolle ihn das Schicksal auf den Namen aufmerksam machen. 5. Kapitel. Malzahn stand in seinem Arbeitszimmer. Er hatte Briefe aus Berlin bekommen, allein die erhaltenen Nachrichten mußten für den Empfänger Drahtnachrichten und Deuestes. Der Kaiser in Kiel. Kiel, 4. September. Der Kaiser, der gestern abend 11 Uhr Berlin im Sonderzug verlassen hatte, ist heute früh 7,30 Uhr hier eingetroffen und hat Wohning an Bord der Hohenzollern genommen. Morgen nehmen die Flottenmanöver mit einer Parade vor dem Kaiser thren Anfang. Ordensauszeichnungen durch den türkischen Sultan. Konstantinopel, 4. September. Der Sultan hat dem Reichskanzler von Bethmann Hollmeg den Ds= manje- Orden mit Brillanten verliehen, dem Staatsse= kretär des Auswärtigen von Kiderten- Wächter, dem preußischen Kriegsminister von Heeringen, dem Staats= sekretär des Reichsmarineamts von Tirpitz und dem Chef des Großen Generalstabes von Moltke das Großkreuz desselben Ordens. Berheerende Schadenfeuer. Rudolstadt, 4. September. Gestern abend brach in dem Dorfe Wittgenstein ein großes Schadenfeuer aus, das in kurzer Zeit neun Wohnhäuser und sieben Nebengebäude einäscherte. Ein beim Löschen tätig gewefener Knecht wurde heute früh vollständig verkohlt als Leiche unter den Trümmern hervorgezogen. Das Krausesche Ehepaar hat schwere Brandwunden davongetragen. Neben vielem Geflügel sind auch mehrere Stitch Großvieh in den Flammen umaekommen. Das Feuer ist durch Kinder, die mit Streichhölzern spielten, verursacht worden. Landsberg a. W., 4. September. In den Forsten von Rettenstein und Königswalde sind gestern vormittag etwa 3000 Morgen Wald in Brand geraten. Auch mehrere Gebäude sind dem Fener, das um Mitternacht noch nicht gelöscht war, zum Opfer gefallen. Die Cholera tu der Türket fordert nene Opfer. Saloniki, 4. September. In den letzten 48 Stun den sind in den Kafernen in der Nähe von Konstanti= nopel fünf Cholerafälle, in der Gendarmerteschule ein Cholerafall festgestellt worden. Konstantinopel, 4. September. Die Cholera breitet sich unter den aus Albanten zurückkehrenden Truppen, die an dem asiatischen Ufer des Bosporus lagern, aus. Es verlautet, während der letzten Tage feien mehrere hundert Soldaten gestorben. nicht sehr erbaulich gewesen sein; Bodo von Malzahn sah sehr ernst aus, und um den energischen Mund mit den festen Lippen lag ein bitterer Bug. Ja, man sprach es in dem Schreiben nicht deutlich aus, allein man Iteß es durchblicken, daß man Allerhöchsten Ortes mit seiner Tätigkeit nicht ganz einverstanden set. Man hatte von seinem Eifer mehr erwartet, man hatte gemeint, es würde ihm gelingen, Beweise über das Bündnis zu erhalten. Beweise? Nun ja, er wußte schon, worauf man hinzielte: auf den geheimnisvollen Vertrag zwischen Desterreich und Frankretch... Aergerlich ging Malzahn in seinem Zimmer auf und ab. Die Diplomatte ist keine leichte Kunst, und vollends um den Posten eines Gesandten in Dresden tft's eine schlimme Sache. Ja, es gab Betten, wo er es bereute, die diplomatische Karriere eingeschlagen zu haben. Er hätte wie so viele seiner Standesgenoffen in Nuhe und Frieden seinen Kohl bauen, sein Feld bestellen und das Treiben der Welt behaglich aus seinen vier Pfählen betrachten sollen. Oder er hätte es so machen sollen wie setne Brüder und zum Degen greifen. Im Kriege und im Dienste tat man einfach seine Pflicht und Schuldigkeit und grübelte nicht. - Nun hatte er studiert und der König, der ihm wohlwollte, hatte ihn in verhältnismäßig Jungen Jahren auf verantwortungsreichen Posten gestellt. Veranwortung verpflichtet... Er pfiff letse vor sich hin 44 Da begann der Jagdhund, der unter dem Tische lag, etn wüstes Gekläffe. ( Fortsetzung folgt.) Hansa- Sali liefern. müssen Sie verlangen, wenn Sie ein unbedingt sicheres, einfaches und billiges Mittel zur Frischhaltung alles Eingemachten haben wollen. Auch die bekannten prachtvollen Hansa- Kuchen und Puddings kann Ihnen nur allein das echte Hansa- Backpulver und Hansa- Puddingpulver Nährmittelfabrik Hansa", Hamburg 6. 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Klasse Georg Philipp Spatz Infanteri Uebunger " 11 29. Taglöhner Friedrich Flick eine Tochter, Minna Auguste. eriten Ve März 19 wie folg gabe 157 Einnahm betrag 8 waltungs nen Mit oder für ein Sohn. 30. Kaufmann Hubert Heinz ein Sohn. Aufgebote. Aug. 28. Heinrich Momberger, Schutzmann in Bad" Technikum Bingen " Maschinenbau, Elektrotechnik, Automobilbau,-Brückenbau. Chauffeurkurse. Er beeilt sich, Im nächsten Laden Vellchenseifenpulver ,, Goldperle" zu holen, well solches so schöne Geschenke enthält. Achten Sie bitte beim Einkauf genau auf den Namen, Goldperie und Schutzmarke Kaminfeger. Allein. Fabr.: Carl Gentner, Göppingen. - 9 Nauheim, mit Anna Heilmann in Gießen. 29. Konrad Kruppert, Postbote in Offenbach, mit Margarete Bohländer in Schlitz. 30. Louis Brunöhler, Musiker, mit Anna Emilie Elisabeth Bertrams, beide in Norderney. 30. Karl Roll, Kaufmann in Gießen, mit Berta Serresse in Neuwied. 30. Heinrich Otto Gustav Freundlieb, Finanzaspirant in Gießen, mit Ottilie Katharine Marie Loth in Alsfeld. . 31. Dr. Jafob Horn, Lehramtsassessor in Worms, Imit Luise Seibel in Gießen. 31. Otto Neuer, Kanzleigehilfe, mit Elise Habicht, beide in Gießen. Sep. 1. Johannes August Stein, Finanzaspirant in Gießen, mit Anna Maria Wilhelmine Rauch in Frankfurt a. M. 1. Heinrich Wajsem, Postbote in Gießen, mit Maria Katharina Fasold in Assenheim. Eheschließungen. Aug. 26. Karl Bed, Sanitätssergeant in Frankfurt a. M., mit Mathilde Bechthold in Gießen. 30. Friedrich Göbel, Kaufmann in Wetzlar, mit Marie Balfer in Gießen. , 30. Dr. Hubert Ruegenberg, praktischer Arzt in Buttlingen, mit Elfriede Mende in Gießen. Gestorbene. Aug. 29. Elisabethe Bellof, geb. Kahn, 65 Jahre alt. 29. Marie Helfenbein, geb. Rodenhausen, 71 3. 99 30. Elise Margarete Leinberger, 2 Monate alt. Eigentum und Verlag der Gießener Zeitung G. m. b. H. Verantwortlich: Otto Heinede. 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