88. # 1. r. I 56) t a rätig bet eltersweg. S er Kunt en ktion, AusBlätter Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen oterteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 81. Wer Telephon: Nr. 362. die Gießener Zeitung" bisher nicht abonniert hat, kann dem Leserkreise von jetzt ab beitreten. Bestellungen werden in Gießen von den Zeitungsträgerinnen u. der Expedition, Selters, weg 83( Baden), außerhalb von allen Postanstalten entgegengenommen. Der Bezugspreis beträgt in der Stadt Gießen wie bei unseren Landagenturen 50 Pfg. den Monat frei ins Haus. Die Partei der Stimmziffer. Der alte Bebel hat in seinem Hamburger Wahlkreise seine Kandidatenrede gehalten und sich dabei auch über die bei den allgemeinen Wahlen zu befolgende Taktik der Sozialdemokratie geäußert, nicht zur Freude der freisinnigen Sozenfreunde. Denn er hat wieder einmal wie oft soll er's eigentlich noch? aufgeräumt mit Großblochoffnungen und aufgeräumt mit dem holden Wahn, die Sozialdemokratie möchte, zum größeren Schaden des„ schwarz- blauen Blocks", zwecks taktischen Zusammengehens auf Zählkandidaturen verzichten und den Sieg des entschieden Liberalen fördern. - Es ist noch immer nichts mit der nun schon reichlich lange erwarteten Mauserung der Sozialdemokratie, noch immer nichts mit dem„ Antiblock". Die Sozialdemokratie hat's eben nicht nötig, irgendwelche Rücksichten auf ihre Freunde von der entschiedenen Linken zu nehmen, die für sie ja doch letzten Endes den Bourgeoisgeruch an sich haben. Der Freisinn aber zerdrückt eine Träne im seelen= vollen Demokratenauge. Und tritt Dir einer vor den Wanst, So stöhn': es hat mir wohlgetan! Diese schönen Worte, die die Jugend den Gießener Nationalliberalen widmete, passen sie nicht in weit höherem Maße auf die Herren vom Freisinn, die entschlos= sen sind, der Sozialdemokratie den Stiefelputzer zu machen ,,, selbst wenn sie die Parole: mit Links gegen Rechts ihrerseits nicht befolgt und durch Aufstellen eigner, aussichtsloser Kandidaten den Sieg eines Schwarz- Blauen fördert?" Ob „ Vier Millionen Stimmen und 50 Mandate sind mir lieber als drei Millionen Stimmen und hundert Mandate" hat Bebel gesagt. Und er hat recht vom Standpunkt der Sozialdemokratie. Die Tatsache, Viermillionenpartei zu sein, ist für sie ein unendlich besseres Agitationsmittel als eine starke Reichstagsfraktion. Schon deshalb, weil man in der Sozialdemokratie mit den Mandaten doch nichts Rechtes anzufangen weiß. fünfzig Leute zu allem" nein" sagen, oder ob es achtzig oder hundert sind, bleibt in der Wirkung nach außen völlig gleich. Oder vielleicht: es bleibt sich insofern nicht gleich, als bei hoher Mandatsziffer doch hier und da im Kreise der Genossen der Wunsch nach praktisch wahr nehmbaren Erfolgen sich regen könnte. Und daran ist ja nicht zu denken, soll nicht gedacht werden. Denn wenn man so bewußt auf die Grundlage zur Mitwirfung an gesetzgeberischer Arbeit und auf das Mittel zur Ausübung politischer Macht verzichtet, wie Bebel es hier tut, so ist das eben wieder ein Beweis dafür, daß man in der Sozialdemokratie nach wie vor nicht an positives Schaffen denkt, und daß die links genährte Hoffnung auf ihre Erziehung zu praktischer Mitarbeit ein frommer Wunsch bleibt, wie manches andere. Wie das überdies auch aus der deutlichen Absage an die„ Hoffnungsmeier" des Großblocks hervorging. Vielleicht ist es auch noch eine andere Erwägung, die Bebels Abneigung gegen gemeinsam taktisches Vorgehen mit der Linken und gegen eine hohe Mandats= ziffer begründet: die Frage nach der Lebensdauer des nächsten Reichstages. Mit 120 Sozialdemokraten, etlicher. 60 Freisinnigen ist unter Hinzunahme der Polen, Welfen 2c. eine positive Arbeit stark gefährdet, wenn nicht unmöglich. Und damit ist die Notwendigkeit der Auflösung, des erneuten Appells an die Wähler gegeben. Das aber kann der Sozialdemokratie nicht gerade wünschenswert sein, denn der Umschwung in den Wähler-, vor allem den Mitläufermassen wird sich dann in fürzester Zeit vollziehen, und die extreme Linke wird die Zeche zu begleichen haben. Das zu vermeiden, ist vom Sozialdemokratischen Standpunkte nur taktisch flug, denn dann bewahrt sie den Nimbus der hohen Stimmen= zahl. Und wenn die Freisinnspresse nun Herrn Bebel guten Rat weiß, wie er durch Aufstellen mehrerer Kandider Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei- Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch den 5. April 1911 daten in einzelnen Kreisen die hohe Stimmziffer erreichen und dabei doch die Stärkung der gesamten Linken fördern könne, so sind wir zwar überzeugt, daß dieser Rat aus einem guten Herzen kommt, daß er aber schwerlich befolgt werden wird. Erstens aus taktischen Gründen, und zweitens, weil die Sozialdemokratie sich um ihrer freiwilligen bürgerlichen Helfer willen nicht von ihrem geraden Draufgehen ablenken lassen wird. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reflameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. | renzfalle die mündliche Befähigung für die Hauptnote ausschlaggebend sein. Die Note„ ungenügend" in einem Hauptfach wird durch eine Note 3 in einem anderen Hauptfach bei der Versetzung aufgehoben. Zum Maturum wird nur zugelassen, wer die Note„ ungenügend" in einem Hauptfach durch eine vorausgehende besondere Prüfung in diesem Fach vorher beseitigt hat. Gießen, 5. April. In einem soeben an die Eisenbahndirektion ergangenen Erlaß des Eisenbahn= Wozu soll sie's auch? Sie weiß, der entschieden liberale" Troß folgt ihr auch ohne Entgegenkommen ihrer- ministers wird darauf hingewiesen, daß die planmäßiseits. Und wenn er's nicht täte, wär's ihr auch noch gleichgültig. Ihre Parole ist einfach und klar und hat mit der Großblockidee nichts gemein: Viermillionenpartei. Der Freisinn aber ist in der Lage des betrübten Lohgerbers, dem die schönen Felle der erschlagenen Schwarz- Blauen" davonschwimmen. ,, Unentwegt" wie er ist, wird er aber weiter mit „ Manneswürde" der roten Internationale nachlaufen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 5. April 1911. Gießen, 4. April. Das Großherzogs paar, in Begleitung von Landgraf und Landgräfin Chlodwig von Hessen, Prinzessin zu Solms- Lich und Gefolge, traf gestern, von Darmstadt kommend, in Frankfurt ein und stieg im„ Engl. Hof" ab. Die Herrschaften wohnten dem Konzert des Rühlschen Gesangvereins im Saalbau bei, nahmen dann im„ Englischen Hof“ das Diner ein und kehrten hierauf nach Darmstadt zurück. - Gießen. Mit dem 1. April sind versetzt worden der berittene Wachtmeister Eichenauer von hier nach Groß- Gerau als Fußgendarm; Wachtmeister Matthes von hier nach Alsfeld und der berittene Wachtmeister Janson von Alsfeld nach Gießen. * Gießen, 5. April. Nächsten Sonntag tagt hier der Landesverband hessischer Architekten, er verbindet mit seiner diesjährigen Generalversammlung eine lusstellung von Plänen und Zeichnungen kunstgewerblicher Erzeugnisse seiner Mitglieder. Nach den zahlreich eingelaufenen Anmeldungen werden Entwürfe von Kleinwohnungs bauten ganz besonders stark vertreten sein. Die Ausstellung ist in der alten Klinik, der Verbandstag in Steins Garten. *) Gießen, 5. April. Der diesjährige Verbandstag der Gabelsberger Stenographenvereine findet hier vom 1. bis 3. Juli statt. - - * Gießen. Ausbildung von Handar beitslehrerinnen. Man schreibt uns: Wie aus dem Inseratenteile ersichtlich, beginnen die neuen Kurse der Abteilung 1 des Alice Schul- Vereins- Seminar zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen und Gewerbeschule für alle weiblichen Handarbeiten Dienstag, den 25. April. Die seitherige verdienstvolle Leiterin, Oberlehrerin Lina Moeser, legte mit Schluß des letzten Schuljahres, eines Augenleidens wegen, ihr Amt nieder, das sie 23 Jahre hindurch mit größtem Eifer und treuester Pflichterfüllung ausgeübt hat. An ihre Stelle tritt eine am Lettehaus in Berlin ausgebildete staatlich geprüfte Lehrerin, Fräulein Hedwig Hoppe, die schon einige Jahre als ausbildende Lehrerin von Handarbeitslehrerinnen tätig war. Die Leitung des Ganzen Abt. 1 wurde in die Hände von Fräulein Mathilde König, preuß. Gewerbeschullehrerin, gelegt. An diese sind alle Anfragen, Anmeldungen und Forderungen zu richten. Daß mit diesen Veränderungen zugleich auch auf verschiedenen Gebieten eine Umgestaltung verbunden ist, erscheint selbstverständlich gilt es doch mit der raschlebigen Zeit und ihren wachsenden Werten Schritt zu halten und zu bedenken, daß Rasten heißt Rosten. Besondere Erwähnung verdienen die zusammengesetzten Kurse, in denen die Grundlage für jegliche Handarbeit gelegt wird. In diesen erlernen die Schülerinnen gründliche Anleitung in Weißund Maschinennähen, Stopfen und Flicken, um dann wohl vorbereitet mit bestem Erfolge und Nutzen die Einzelkurse besuchen zu können. Verständige Mütter werden die Notwendigkeit und Nützlichkeit dieser Vorstufe sofort einsehen. Nur da, wo ein guter Grund gelegt ist, kann man ruhig und sicher aufbauen. - die Gießen, 5. April. Mit dem 1. April endete in diesem Jahre in allen hessischen höheren Lehranstal: ten das laufende Schuljahr. Für die Aufstellung der Klassenzeugnisse kam diesmal eine in den letzten Tagen erst erlassene Ministerialverfügung der obersten Schulbehörde zum ersten Male zur Anwendung, wonach bisher in Deutsch, Lateinisch, Griechisch, Französisch und Mathematik gebräuchlichen geteilten Noten für mündliche und schriftliche Befähigung nicht mehr zulässig sind. Es darf fernerhin auch für diese Hauptfächer nur noch eine Hauptnote erteilt werden und zwar soll im Diffe gen Dienstschichten des gesamten Personals höchstens 15 Stunden dauern dürfen. Nur, wenn es gilt, eine Rückfehr des Dienstpersonals zur Heimat zu ermöglichen, darf eine dienstlose Heimfahrt die Grenze der 15. Stunde um ein Mäßiges überschreiten. Soweit noch 16stündige Dienstschichten bestehen dürften, sind sie sofort zu beseitigen. Als einheitliche Höchstgrenze für die zulässige Inanspruchnahme der Eisenbahnbetriebsbeamten seien allerdings von den Bundesregierungen mit Staatsbahnbesitz 16 Stunden festgesetzt worden, für die preußisch- hessische Staatsbahnverwaltung seien aber die milderen Dienstdauervorschriften unverändert in Kraft geblieben. - Gießen, 5. April.( Bodelschwingh- Denkmal.) Am 2. April war es ein Jahr her, daß in Bethel bei Bielefeld Pastor D. v. Bodelschwingh, der Leiter der dortigen Anstalten, gestorben ist. Bekannt ist seine Tätigkeit auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge. Er hat Bethel zu der größten Anstalt für Epileptische gemacht, die es gibt. Er war der Gründer von Wilhelmsdorf, der ersten deutschen Arbeiterkolonie, und ein Bahnbre cher bei der Bekämpfung der Not der sogenannten ,, reisenden Handwerksburschen" Weniger bekannt ist, daß er auch für die deutschen Kolonien mit hingebender Liebe gewirkt hat. Er war der Vater und Leiter der Missionsgesellschaft für Deutsch- Ost- Afrika, die mit etwa 30 europäischen Missionsarbeitern in Usambara und Ruanda tätig ist. In der letzten Zeit seines Lebens weilten seine Gedanken mit Vorliebe in Ruanda, am Kiwusee, dem schönsten See Afrikas. Dort soll ihm auch ein Denk= mal gesetzt werden in Gestalt eines Motorbootes, das plötzlichen Stürmen ausgesetzt ist, denen die gebrechlichen den Namen„ Bodelschwingh" tragen soll. Da der See Fahrzeuge der Eingeborenen so leicht zum Opfer fallen, so ist ein solches Boot notwendig. Es wird nicht nur den Missionaren bei ihren Reisen dienen, sondern auch sonst zu Verkehrs- und Transportzwecken gebraucht werden. Die 3000 Kranken in Bethel bei Bielefeld haben schon angefangen, für dieses Denkmal zu sammeln. Aber vielleicht findet sich sonst noch mancher, der das Andenken des großen Mannes durch einen Beitrag zu der Sammlung ehren möchte. Gaben nimmt entgegen die Ostafrika- Mission in Bethel bei Bielefeld. Worms. Ein furchtbares Gewitter, begleitet von schwerem Hagelschlag, ging über Monsheim und Umgebung nieder. In den Weinbergen wurde durch die gewaltigen Wassermassen großer Schaden angerichtet; große Löcher wurden in den Boden gerissen und Weinstöcke stellenweise eine Viertelstunde weit fortgeführt. In Nieder- Flörsheim lagen viele Hasen und Rebhühner tot auf dem Felde. die rich Werner 3. zu Wieseck ist Milzbrand festgestellt * Wieseck, 5. April. Bei einer Kuh des Heinworden, desgleichen bei einer Kuh des Heinrich Ernst zu Bellersheim. * Lichtenberg. In unserem Städtchen regt es sich von Frühjahrsarbeiten. Das gewaltige Schloß ist bekanntlich vor 5 Jahren zu einem Erholungsheim der Beamten des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften hergerichtet worden. Jahr für Jahr ist die Zahl der Heimgäste gewachsen. Zum Teil aus den entlegensten Ostseeprovinzen des Reiches, aus Preußen und Posen waren erholungsuchende Genossenschaftler hier anwesend, um in der herrlichen Luft auf der Höhe des Lichtenbergs Lunge und Nerven zu stärken. Der stets wachsende Zudrang bringt die Inanspruchnahme neuer Räume des alten Schlosses und damit die Ausführung neuer Herstellungen. Literarisches. - Unsere Klassiker im Volksmund. Ein kleiner Zitatenschat. Herausgegeben von Richard 3003mann. Leipzig, Hesse& Becker Verlag. Preis 20 Pfennig, kartoniert 50 Pfg. Gleich ausgezeichnet durch Billigkeit, Handlichkeit, praktische Form und Inhaltsfülle bei aller Knappheit! Die alphabetische Zusammenstel= lung nach Dichtern und deren einzelnen Werken macht das Schriftchen gerade wegen seiner Uebersichtlichkeit zu einem Kompendium und Nachschlagewerk, zu einem Nimm mich mit" bei der Lektüre zu Hause, in der Tasche des Reisenden, in der Mappe des Schülers und Studenten, zu einem Ratgeber auf jedem Schreibtische. Deutscher Reichstag. worden, nämlich durch die Rede des deutschen Reichstanzler 8. Diese bemerkenswerte Rede, die von mannhaftem Empfinden und staatsmännischer Weisheit zeugt, hat bei mir Empfindungen gelöst, für die ich schwer einen Ausdruck finden kann. Nach des Reichskanzlers Ansicht und Meinung müssen die bewaffneten Streitkräfte des Reiches in bestimmten Beziehungen zu den materiellen Hilfsquellen stehen. Diese Ansicht( staatsmännisch und unwiderleglich), muß auch auf Großbritannien angewendet werden. Ich möchte sie aber dahin modifizieren, daß die Streitkräfte des Reiches nicht nur zu den materiellen Beziehungen, sondern auch zu dem Geist der Na= tion in Beziehungen stehen müssen. Leider besitzt Großbritannien eine Armee, die diesem entspricht, nicht. Der Feldmarschall kritisierte dann scharf die Territorialarmee. Die Armee müßte auch fähig sein, die ausländischen Interessen Großbritanniens zu verteidigen. Großbritannien sollte gegen die Möglichkett einer Invasion von 150 000 Mann vorberettet sein. Großbritannien brauche eine Armee von einer Million Mann. Diese Worte des englischen Generalfeldmarschalls beweisen, daß der deutsche Netchskanzler in seiner Rede das ausgedrückt hat, was auch die anderen Mächte über die „ Abrüstung" denken, daß die Rücksichten auf die Sicherheit des eigenen Landes eben wichtiger sind als internationale Vereinbarungen über die Stärke der Rüstungen. Sim Montag wurde zunächst das Reichsbestenerungsges Jeg in dritter Lesung endgiltig verabschiedet und zwar unter Wiederherstellung der Kommissionsbeschlüsse. In die kurze Debatte griff auch der Reichsschatzsekretär ein. Dann be= gann die dritte Lesung des États. Die Generaldebatte wurde durch eine lange Rede des Abg. Ledebour( Soz.) ausgefüllt, in der er alle Fragen der inneren Politik berührte. Er verlangte einen früheren Zusammentritt des Reichstages mit sofortiger Budgetberatung. Den Streit um die Stichwahlparolen habe seine Partej mit Gemütsruhe angehört. Ste entscheide sich natürlich für die Parteien, die noch am ehesten die Opposition mitmachen. Auf die Aufstellung eigener Kandidaten könne die Sozialdemokratie nicht verzichten. Kämen die Freifinnigen aus eigener Kraft in die Stichwahl, so könnten sie auf die Unterstützung der Sozialdemokratte rechnen, wie diese umgekehrt auf ihre Hilfe hoffe. Die schlimmste Antwort habe der Reichskanzler, dessen Rede wie ein falter Wasserstrahl auf alle Friedensfreunde gewirkt habe, von dem Chauvinisten Delcassee erhalten. Redner machte noch weitere stundenlange Ausführungen. Damit endete die Generaldiskussion. Abg. Werner( w. Vg.), der nengewählte Vertreter für Gießen, versuchte in persönlichen Bemerkungen zu erklären, wie sein bekannter Ausdruck über die„ nationale Schurkenpartet", den er übrigens reftifiziert habe, entstanden set. Der Präsident machte den Redner wiederholt darauf aufmerksam, daß persönliche Bemerkungen nicht angängig seien. Der Redner trat schließlich unter dem Gelächter der Sostaldemokratte ab. Der Etat des Reichstages wurde ohne Erörterung erledigt, ebenso der Etat des Reichskanzlers. 8u etwas längerem Aufenthalt führte alsdann der Etat des Auswärtigen Amts. Hier wurde eine Nachlese aus der zweiten Beratung hinsichtlich der Behandlung von Auswanderern vorgenommen. Es war damals vom Abg. David( Soz.) behauptet worden, daß die Landespo Itzeibehörden mit den großen Schiffahrtsgesellschaften Hand in Hand gingen, um letzteren Vorteile zuzuwenden. Abg. Hormann( f. Bp.) nahm sich hier der Schiffahrtsgesellschaften in sehr weitgehender Weise an. Natürlich erwiderte Abg. David, und es entspann sich ein Hin und Her zwischen diesen beiden Rednern, an dem auch der Abg. Dove( f. Vp.) fich beteiligte. Nachdem der Staatssekretär darauf hinge. wiesen hatte, daß die Fremdenpolizei zur Kompetenz der Einzelstaaten gehöre, daß aber Erwägungen schweben, in welcher Art den in Einzelfällen entstehenden Härten zu begegnen set, wurde vom Abg. Arendt( Reichspartei) scharf betont, daß tatsächlich schwere Mißgriffe vorgekommen sein müßten, indem z. B. ein Reisender, der von Wien nach London reisen wollte, als„ Auswanderer" behandelt und über Bremen geleitet sei. Immerhin könne es sich nur um Einzelfälle handeln. Abg. Prinz zu Schönaich- Garolath Rundschau vom Cage. Politisches. Abschlusses eines Handelsvertrages. Wenn diese Verhand lungen zu feinem befriedigenden Resultat führen, wird das Ministerium sich im Monat Mat zurückziehen. China reformiert. Auf Anordnung des Vizekönigs der Mandschurei sind in der Provinz Kirin Bestimmungen eingeführt, welche die Rechte der Europäer, chineftschen Firmen Kredite zu gewähren, sehr beschränken und den Chinesen durch allerhand Forderungen die Inanspruchnahme solcher Kredite sehr erschweren. So müssen die chinesischen Firmen, welche solche Kredite erlangen wollen, den Behörden zuerst ihre Bilanz vorlegen. Die Regie: rung hofft hierdurch, die Tätigkeit der chinesischen Staatsbank zu heben. Ein nationalliberal- freisinniges Wahlabkommen für Pommern ist nach langen Verhandlungen jetzt perfekt geworden. Der„ Voss. 3tg." zufolge sind danach der fortschrittlichen Volkspartei die drei gegenwärtig von ihr vertretenen Wahlkreise Stralsund, Greifswald und Stettin, sowie die beiden gegenwärtig konservativ vertretenen Wahlkreise Random- Greifenhagen und Kolberg- Köslin überwiesen worden. Die Nationalliberalen haben zuge= teilt bekommen die fünf zurzeit konservativ vertretenen Wahlkreise Belgard, Neu- Stettin, Greifenberg- Kammin, Pyriz- Saatig und Naugard- Regenwalde. Je eine nationalliberale und fortschrittliche Kandidatur sollen aufge= stellt werden in den drei Wahlkreisen Stolp- Lauenburg, Schlawe- Rummelsburg und Anklam- Demmin. In dem Wahlkreise Usedom- Wollin, der bei der Ersazwahl für den verunglückten freisinnigen Abgeordneten Delbrück an die Sozialdemokratie verloren ging, wird ein gemeinsamer wildliberaler Kandidat aufgestellt. ( natl.) hob in warmen Worten die Verdienste und die Bedeutung der Bestrebungen der Interparlamentarischen Union hervor, die sich die Förderung der schiedsgerichtlichen Bewegung angelegen sein läßt, und der Parlamentarter in aller Welt und aller Parteien angehören. Er dankte zugleich für den erstmalig eingestellten Beitrag von 5000 M. Abg. Frhr. v. Gamp( Reichspartei) unterstützte sehr lebhaft die Ausführungen des Staatssekretärs, wonach die Ausweifung des Russen Montag, eines gemeingefährlichen Menchen", wie er bezeichnet wurde, völlig gerechtfertigt war. Abg. Ledebour( Sozd.), der bei der Erörterung dieses Falles fich scharf gegen den Staatssekretär von Ktderlen- Wächter wandte, erhielt zwet Ordnungsrufe. Zum Etat des Junern hielt der Sozialdemokrat Hengsbach eine längere Rede über Arbeiterverhältnisse. Staatssekretär Delbrüd griff in die fozialpolitische Debatte ein und wies auf seine Darlegungen Bet der zweiten Lesung hin. Den Etat des Innern hatte man auch in dritter Lesung noch mit einigen Resolutionen bepackt, die zum Teil in der zweiten Lesung abgelehnt wa= ren, wie denn überhaupt die ganze Generaldebatte bei diefem Etat mehr eine kurze Nachlese von Ueberbleibseln der awetten Lesung war, während sich die Spezialdebatte zu einem Rededuell Stresemann- Röside zuspizte, wobet Abg. Stresemann die vom Abg. Röside angefochtene Produktionsstatistik des Hausabundes verteidigte. Erst in später Abendstunde gelang es den Etat des Reichsamts des Junern fertig zu stellen, so daß Aussicht vorhanden ist, daß der Reichstag fchon am Dienstag abend in die Ferien gehen kann. Kleine Nachrichten. etwa 20 vol Child Ein e um Mon Bet einer einigen T gebracht. gebracht u wandten i dann plötz am balbof Sof hinab ftürzte for ben gepfla dern liege den infol lebungen Ein swett bergstraße Etage der und zwei Verhältn Eine halbe Million mehr Einkommensteuer in Berlin Nach Mitteilung des Vorsitzenden der Berliner Einkom mensteuerveranlagungskommission ist das vorläufige Eintommensteuersoll für die Stadt Berlin nur um 400 000 bis 500 000 höher als im Vorjahre. Der Jahresbetrag der überhaupt veranlagten Steuer betrug im Vorjahre 42255307 Marf, für 1911 42 736 311 Mart, mithin mehr 481 004 Mark. Zur Charakterisierung des Zeugfeldwebels Müller, der, wie gemeldet, vom Oberkriegsgericht Frankfurt wegen Mordes an seiner Geliebten zum Tode veruteilt worden ist, wird einem Berliner Blatte mitgeteilt, daß Müller, nachdem das Verdikt ausgesprochen war, mit Erlaubnis des Gerichtsvor sitzenden selbst ein Telegramm an seine Eltern geschickt hat, worin er ihnen das Todesurteil zur Kenntnis brachte. Zur dritten Etatslesung sind im Reichstage eine Reihe neuer Resolutionen gestellt worden. U. a. beantragt das Zentrum zum Postetat, die nicht etatsmäßigen Unterbeamten, sowie die zum Aufrücken in Unterbeamtenstellen bestimmten Arbeiter und Handwerker der Reichspostverwaltung spätestens nach 10jähriger Dienstzeit etatsmäßig anzustellen. Bei der gestrigen Stichwahl zum sächsischen Landtag im Wahlkreise Leipzig- Land wurde der Sozialdemokrat Lagerhalter Möller mit 5379 Stimmen gewählt. Der freifonservative Gemeindevorstand Zeller erhielt 5172 Stimmen. Früher wurde der Wahlkreis durch den verstorbe= nen Abgeordneten Dürre vertreten. Ein Wort zur ,, Abrüstung“. Lord Roberts über Bethmann Hollwegs Rede. Der englische Generalfeldmarschall Lord Roberts brachte am Montag im Oberhause folgende Resolution ein: Angefichts der veränderten strategischen Verhältnisse in Europa betrachtet das Haus die ungenügenden militärischen Vorbe reitungen, die die Regierung für die Verteidigung des Reiches getroffen, mit schwerer Sorge. Lord Roberts sagte in Begründung seiner Resolution: Ich bin einigermaßen in Verlegenheit, daß ich diese Resolution einbringen sollte, während der Ereignisse, durch welche die Hoffnung auf eine allgemeine Abrüstung und auf einen allgemeinen Frieden wachgerufen wird, eine Hoffnung die, wie man und sagt, fehr schnell in Erfüllung gehen wird. Aber durch ein ganz unerwartetes Ereignis ist meine Verlegenheit gemindert 7) Des Rätsels Lösung. Roman von Ludwig Blümd c. ( Nachdruck verboten.) Das Eisenbahngleis als Ruhestätte. In der vergangenen Nacht legte sich ein obdachloser Mann mit einem Knaben vor der Station Schönwald bei Gleiwiß zum Schlafen auf den Eisenbahnkörper nieder. Ein Zug fuhr über beide hinweg. Der Mann wurde getötet, der Knabe blieb unverletzt. Ein tödlicher Unfall hat sich in der Artillerickaserne in Turin ereignet. Zwei Korporale und vier Soldaten beugten sich zu einem Fenster hinaus. Die Fensterbrüstung gab nach und alle sechs stürzten zwet Stockwerk hinab. Drei waren auf der Stelle tot, die anderen sind schwer verwundet. Der Gatte als Wüterich. In Obereichelsheim bet seilbronn hat der Eisengießer Merkle seine Frau durch dret Messerstiche in den Hals lebensgefährlich verletzt. Er gibt an, daß er seine Frau, seine fünf Kinder und sich selbst habe töten wollen. An der Ausführung seines Planes wurde er durch die auf das Gefchrei der Frau herbeieilenden Nachbaru gehindert. Eine tödliche Bergisinug durch Wasserschierling wird aus Danzig gemeldet. Auf einem Spaziergange fanden vier Knaben Wasserschierling und aßen von den Wurzeln. Zwei 8 und 9 Jahre alten Knaben sind gestorben; die beiden anderen konnten gerettet werden. Zur Abrüstungsfrage wird in der„, Magdeb. Zeitg." daran erinnert, daß bereits in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Frage der Abrüstung zwischen den kontinentalen Großmächten auf der Tagesordnung stand. Auf dem Wiener Kongreß 1814 bis 1815 wurde die Angelegnheit zum erstenmale erörtert, allerdings ohne praktischen Erfolg. Die Angelegenheit ruhte, bis Louis Philipp im Jahre 1830 die Sache entschieden in die Hand nahm. Frankreich war damals der Urheber und Förderer des Abrüstungsgedankens, der schließlich nach jahrelangen Berhandlungen insofern feste Gestalt annahm, als Rußland, Desterreich, Preußen und Frankreich ein Protokoll vereinbarten, das einen Termin festsetzte, von dem an die vier Mächte mit einer bestimmten Verminderung ihres Heeres beginnen sollten. Zu einer Verwirklichung dieser Vereinbarung ist es niemals gekommen, da kurze Zeit darauf Rußland seinen Krieg gegen die Türket plante, womit von selbst der Versuch, die Abrüstungsidee in die Tat umzusetzen, zunichte wurde. Man ging stillschweigend über das Protokoll hinweg und kam auf die unausführbare Jdee nicht mehr zurück. Heute hatte Hardt unbeschränkten Urlaub, er durfte Frau Rabens Einladung, bei ihnen den Tee zu trinken, Folge leisten, denn sein Vater war zum Statabend beim Forstmeister und Amtsvorsteher Ehrhardt im Dorfe. Da der alte Raben eben vom Schlosse fam seine Feierabendstunden begannen punkt sieben Uhr-, so begaben sich die drei Freunde aus Hans Stübchen, wo sie bisher geweilt, nach unten in die trauliche Wohnstube, in welcher sich um diese Zeit die Familie zu versammeln pflegte. Da Hans natürlich auch den Eltern sein großes Glück nicht verschwiegen hatte und diesen die lange gehegte Hoffnung nunmehr verwirklicht schien, so war der heutige Abend im wahrsten Sinne des Wortes ein„ Feierabend". So fröhlich wie heute hatte Hardi den ehrwürdigen Rentmeister noch niemals gesehen, und die nervöse Gattin, die sonst nur an ihre sieben Krankheiten dachte und von neuen Heilmethoden zu reden pflegte, schien völlig genesen. Ein schweres Brandunglück hat sich in dem hannoverschen Städtchen Misburg ereignet. Im Wohnhaus des Schmieds Engelfe brach nachts Feuer aus, das so schnell um sich griff, daß die Frau des Besitzers und ein sechsjähriger Enkel nicht mehr gerettet werden konnten und in den Flammen umkamen. Ministerkrisen überall. Jetzt ist auch in Japan eine Ministerkrisis ausgebrochen. Der Minister für das öffentliche Unterrichtswesen hat seine Demission eingereicht, weil im Parlament eine scharfe Kritik gegen die Organisation des Unterrichtswesens gerichtet wurde. Das gesamte Kabinett würde gern mit dem Unterrichtsminister demissio= nieren, wenn es nicht verhindert wäre durch die Verhandlungen, die Japan mit England angeknüpft hat zwecks Erna sah wie verklärt aus, denn des Bruders Glück war ihr eigenes. Zu Hardis größtem Leidwesen, aber jedenfalls zur besonderen Freude der Familie Raben, fand sich nach dem Abendbrot auch Woltersdorf wieder ein. Daß die redselige Hausfrau diesen Menschen gleich in alles einweihte, befremdete den Leutnant nicht wenig. Sollte der Papa wirklich mit seiner Andeutung von Heiratsplänen Rabens, die er nicht durchkreuzen durfte, recht gehabt haben? Ein Vater mit vier Kindern ertrunken. Bei Bergen überfuhr ein Dampfer ein Boot. Von den Insassen, einem Ehepaar mit sieben Kindern, ertranken der Vater und vier Kinder; die übrigen wurden gerettet. Eine Familientragödie wird aus Neichenberg in Böhmen gemeldet. Dort sprang der Tuchmachergehilfe Klein nach einem ehelichen Streit in die hochangeschwollene Neiße. Seine Frau, die ihn zurückhalten wollte, stürzte ihm nach. Beide verschwanden in den Fluten und ertranken. großartigen Humoristen vielleicht bald gewöhnt haben. So aber sah er in demselben einen Menschen, der ihm in Wedelstein höchst überflüssig schien. Das war ja eigentlich ungerecht. Aber Woltersdorf schien es nicht zu empfinden, er bemühte sich vielmehr mit allen Künsten der Heuchelei, auch des Leutnants Gunst zu gewinnen. Selbst Sans schien dieser zungengewandte Inspektor zu gefallen. Er verstand es ja auch so vorzüglich, sich einzuschmeicheln. Hätte ihn die Eifersucht nicht voreingenommen, so würde sich Hardi an den interessanten Gesellschafter und - - Aus den Gerichtssälen. Verurteilung wegen Mißhandlung eines Lehrers. Der Arbeiter Kritschke und Frau aus Oranienburg bei Berlin, die eines Abends auf der Landstraße dem Lehrer ihrer Kinder auflauerten und ihn mit Stöcken derart mißhandelten, daß er mehrere Wochen in ärztlicher Behandlung sein mußte, wurden von der zweiten Straffammer des Landgerichts Berlin III wegen vorsätzlicher Körperverlegung mit etnem gefährlichen Werkzeuge und zwar der Ehemann zu 9 Monaten, die Frau zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten haben den Lehrer aus Rache geschlagen, weil er sie mehrfach wegen Schulversäumnis ihrer Kinder angezeigt hatte. Vermischtes. te fich be Nervenle mehrerer wiederum fallen. G ftürzte fid mers auf del tot It Ein tungen europäti Verlages langt. B.- 3."- zur Bera geben. G beginnen Ten dieje Icher Flie reits Ver waren. Einen heftigen Zusammenstoß zwischen Zigeunern und der Polizei gab es gestern nachmittag auf dem Pferdemarkt in Frankfurt a. M. Die Zigeuner waren unter sich wegen eines Pferdehandels in Streit geraten, als ein Schußmann einschritt, um die Hauptschreier zu verhaften. Dabei fiel aber aus der Mitte der Zigeuner ein Schuß. Die Zigeuner umringten den Schuhmann und entrissen ihm den Verhaf= teten. Darauf gab der Schußmann das Notsignal, worauf brei weitere Schutzleute erschienen, die ebenfalls von den Zigeunern und ihren Weibern tätlich angegriffen wurden. Die Beamten zogen darauf blank; mehrere Zigeuner wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Bei Ja, wer war dieser Mensch eigentlich? Alle, die ihn kannten Hardi allein ausgenommen, mochten ihn gern, nicht nur die ihm Gleichgestellten und die Vornehmen, nein, auch das Gesinde, Arbeiter, Knechte und Mägde. Und dennoch täuschte den jungen Offizier sein durch die Eifersucht geschärfter Blick nicht. Es steckte fein guter Geist in diesem Manne. Lug und Trug, erbärmliche Heuchelei, schnödester Egoismus, das waren Woltersdorfs hauptsäch lichsteCharaktereigenschaften. Ach, hätte alle diese arglosen Leute, die ihn hier so hochschätzten, nur einen einzigen Blick in seine bewegte Vergangenheit werfen dürfen, sie würden sich mit Abscheu von ihm gewandt haben. Und er empfand feineswegs Reue über seine Schandtaten, setzte vielmehr seine Gaunereien ganz in der Stille in sehr raffinierter Weise fort. Bisher war es ihm hier auf Schloß Wedelstein allerdings noch nicht möglich gewesen, seinen Herrn, der ihm unbeongtes Vertrauen schenkte, um größere Beträge zu beschwindeln. Aber die Zeit, wo ihm das ein Leichtes wäre, mußte tommen, war seine Hofnfung. Wenn er Erna Raben geheiratet hätte, dann würde deren Vater sich zur Ruhe ſegen und er zweifellos Rentmeister werden. Und das wäre so ein Posten, an dem sich etwas verdienen ließe. Gut besessen, verlassen, um in Amerika sein Glück zu suchen. In Chikago machte er die Bekanntschaft einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, wußte sich deren Vertrauen zu erheucheln und verlobte sich mit der einzigen Tochter Mary, lediglich, um das Vermögen ihrer Eltern zu sehr gewagten Spekulationen zu benutzen. Da seine Unternehmungen anfänglich guten Erfolg hatten, ließen die Leute ihm völlig freie Hand. Und da betrog er sie ebenfalls in nichtswürdigster Weise, brachte sie um Hab und Gut, machte sich dann aus dem Staube, die Braut in Schande und Elend zurücklassend, und fehrte nach Europa zurück. Unterwegs erlitt er Schiffbruch, verlor alles, was er an Geld und Gut ergaunert und rettete nur mit genauer Not das nackte Leben. Ein Jahr nach seiner Heimkehr trat er hier in Wedelstein die Inspektorstelle an. Ueber Woltersdorfs Heimat wußte man nichts Bestimmtes. Er sprach nie von derselben, wie er denn überhaupt vermied, über die Vergangenheit zu reden. Daß er mehrere Jahre in Amerika gewesen, hatte er freilich öfter erwähnt. Nachdem er durch eine ganz gemeine Erbschleicherei in den Besitz eines kleinen Vermögens gelangt war, hatte er seine pommersche Heimat. in der sein Vater ein kleines Das war der interessante, liebenswürdige Herr, dessen geistreichen Gesprächen soeben die Familie Raben und Hardi lauschten. „ Es ist übrigens Zeit, daß ich aufbreche," sagte der lettere, sich erhebend. " Ich begleite Dich bis ans Schloß, habe Kopfschmerzen, und draußen ist es herrlich wie in einer Maiennacht." Damit schloß Sans sich seinem Freunde an. Woltersdorf ließ sich nicht vergebens nötigen, noch ein Viertelstündchen zu bleiben. Als die beiden eben gegangen waren, sagte er mit dem ehrlichsten Gesicht von der Welt, trotzdem er Hardi Tod und Verderben aus Herzensgrund wünschte: ,, Ein angenehmer Mensch, der junge Herr! Hat so etwas Kindliches. Ein hübsches Herrchen übrigens. Kann mir wohl denken, daß der in der Frauenweltt- pardon, meine Damen! ich spreche natürlich von einem gewissen Teil des weiblichen Geschlechts, von jenem Teil, der sich allzu leicht betören läßt! Also, ich kann mir wohl denken, daß der Herr Leutnant in den Kreisen jener Frauen gewaltiges Glück gehabt hat. Halte es durchaus nicht für übertrieben, was er hier gelegentlich von unzähligen Liebesabenteuern erzählt haben soll."( Fortsetzung folgt.) - Bedingun Einf einer fle Grenze, e tigt, 2500 er dann i erfolgte Etüde ge Gewalt an den u rung bem Fran zählung. Volkszäh den, die Frauenf ftration Keine der Bewe liberale Berwelle ftraft we rig, als fichtigt, a es aber f eine klei im Frete Resistenz mißlung wurde n Patrouil billets fo Hallen, u der Arm Der Schlecht Besuch, abstattet Spießge Richter, wurden Er hatte war, un Johann der bere gehen. allerhan macherm feiner C te. 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Bet etner im Quergebäude wohnenden Familie war seit einigen Tagen ein vierjähriger Knabe besuchsweise untergebracht. Das Kind wurde gegen 9 Uhr abends zu Bett gebracht und schlief auch bald ein, während sich seine Verwandten im Nebenzimmer aufhielten. Der Knabe erwachte dann plötzlich, kletterte aus dem Bett heraus, stieg auf einen am halboffenen Fenster stehenden Stuhl und sah auf den Hof hinab. Dabei beugte sich der Kleine zu weit hinaus und stürzte fopfüber aus der Höhe des dritten Stockwertes auf ben gepflasterten Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Glte dern liegen blieb. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur den infolge mehrfachen Schädelbruches und innerer Verlegungen auf der Stelle eingetretenen Tod feststellen. Ein zwetter Todessturz trug sich in einem Hause der Vorbergstraße in Schöneberg zu. Dort wohnt in der vierten Etage der 44jährige Kaufmann Fink mit seiner aus Frau und zwet Kindern bestehenden Familie in guten pekuntären Verhältnissen. Infolge geschäftlicher Ueberanstrengung hatte sich bei dem Kaufmann seit längerer Zeit ein schweres Nervenleiden eingestellt, gegen das er vergeblich die Hilfe mehrerer Aerzte in Anspruch nahm. In der Nacht wurde er wiederum von einem sehr heftigen Anfall seines Leidens bes fallen. Er erhob sich, fleidete sich nur notdürftig an und stürzte sich dann kopfüber aus dem Fenster des Schlafzimmers auf die Straße hinab, wo er mit zerschmettertem Schädel tot Itegen blieb. sen Draht an einem Hause zu befestigen, berührte aber mit dem anderen Ende des Drahtes die Hochspannungsleitung, so daß der Strom von 4500 Volt Spannung durch seinen Körper ging. Es dauerte eine weitere halbe Stun de, bis es gelang, den Betäubten von seinem Sitz zu entfernen. Er gab kein Lebenszeichen mehr von sich, auch nicht, nachdem man längere Zeit durch Auf- und Abwärts: bewegung der Arme eine fünstliche Atmung hervorgerufen hatte. Erst als man gewaltsam den Mund öffnete und abwechselnd an der Zunge zog, nahmen die Lungen des Scheintoten ihre Tätigkeit wieder auf und nach zwei Stunden hatte der Verunglückte seine Sprache wiedererlangt. Außer Brandwunden hatte er feinen Schaden erlitten. Ein deutsch- österreichischer Ueberlandflug. Die Beratungen über die Verwendung des ursprünglich für den europäischen Rundflug ausgesetzten 100 000 M- Preises des Verlages Ulstein sind zu einem vorläufigen Abschluß ge langt. Der Verlag hat beschlossen, die 100 000 M als B.- 3."- Preis der Lüfte dem Verein deutscher Flugtechnik zur Veranstaltung eines deutschen Ueberlandfluges zu übergeben. Es soll ein Ueberlandflug deutscher und österreichtscher Flieger über deutschen Boden werden, der in Berlin beginnen und in Berlin endigen wird. Bei der Strecke sollen diejenigen Städte berücksichtigt werden, mit denen bereits Verhandlungen eingeleitet oder zum Abschluß gebracht waren. Bei der Ausschreibung sollen nach Möglichkeit die Bedingungen der Kriegsbrauchbarkeit berücksichtigt werden. Ein furchtbarer Unglüdsfall hat sich in Esch- sur- Alzette, einer kleinen Stadt an der luxemburgisch- französischen Grenze, ereignet. Ein junger Arbeiter war damit beschäftigt, 2500 Dynamitpatronen in eine Kiste zu verpacken. Als er dann mit einem Hammer die Nägel in die Kiste einschlug, erfolgte eine kurze Explosion, die den Arbeiter in tausend Stücke zerriß und fie metlenweit fortschleuderte. Durch die Gewalt des Luftdrucks wurden zahlreiche Beschädigungen an den umliegenden Häusern angerichtet und der Bevölkerung bemächtigte sich große Bestürzung. Ein neues Berliner Riesen- Vergnügungsetablissement. Von einer Londoner Finanzgruppe wird, wie die ,, B. 3. a. M." erfährt, die Gründung eines großen Vergnügungsetablissements in Moabit geplant. Ein Vertreter dieser Gruppe hat sich ein Grundstück gesichert, das in der Nähe des Bahnhofes Tiergarten direkt an der Spree liegt. Die Ausdehnung dieses Terrains ermöglicht, das Unternehmen besonders groß und umfangreich zu gestalten. Ebenso wie der Lunapark soll das neue Unternehmen nach dem Muster amerikanischer Riesenetablissements eingerichtet werden. Ein Straßentrawall als Folge einer Verkehrsstörung. In München entstand am Montag wegen einer unbedeutenden Verkehrsstörung, bei der ein Pferd zu Fall tam, ein Auflauf. Schuyleuten gelang es nicht, den Auflauf einzudämmen und die Strecke freizumachen. Die Menge Johlte und beschimpfte die Schußleute. Diese zogen blant, mußten aber vor der wütenden Menge flüchten, bis Soldaten vom schweren Reiterregiment zu Hilfe kamen. Nach einer Stunde gelang es, die Ruhe wiederherzustellen. Es wurden zahlreiche Passanten verhaftet, von denen einige leicht verwundet waren. Ein Jagdausflug ins innerste Asien. Der Leutnant der anglo- indischen Armee P. T. Etherton, der in Chitral in Quartier lag, hatte nur eine große Sehnsucht: er wollte die weiten, unbekannten Gebiete im Herzen Afiens, die sich jenseits der Grenzen des indischen Neiches dehnten, durchstreifen und als leidenschaftlicher Jäger neue Sensationen im Erlegen seltener Tiere ausfoften. Seine höchste Sorge bestand nur darin, nun auch ein Land aufzufinden, das noch nicht von Reisenden und Jägern besucht worden sei, und das war gar nicht so leicht, denn das innerste Asien ist bereits von manchem kühnen Europäer durchquert worden. Wie er nun sein verwegenes Unternehmen schließlich durchsetzte und wenigstens einen Teil seiner Wünsche und Träume verwirklichte, hat er in einem amüsanten und inhaltsreichen Buche erzählt, daß er vor kurzem in London unter dem Titel„ Quer über das Dach der Welt, ein Jagd- und Reisebericht durch Kaschmir, Gilgit, Hunza, Pamir, Chinesisch- Turkestan, die Mongolei und Sibirten" veröffentlichte. Nachdem er seine Vorbereitungen getroffen hatte, begann er am 15. März 1909 seinen denkwürdigen Jagdausflug von Landsdowne aus, cinem Winterquartier im Himalaja, 6000 Fuß über dem Meeresspiegel. Sein einziger ständiger Begleiter war sein eingeborener Bursche, der sich während der ganzen langen Wanderung trefflich bewährte. Andere Leute nahm er während des Ausfluges" vielfach in Dienst, aber sie blieben nur vorübergehend bei ihm und leisteten ihm selten gute Dienste. Zuerst ging die Reise nach Gilgit. Der Weg war außerordentlich beschwerlich, denn in der frithen Jahreszeit drohten in dem wilden Gebirgsland von allen Seiten die Lawinen. Nach den langen Mühen dieser Gebirgswanderung tat ein Aufenthalt von zehn Tagen in Gilgit wohl. Am 20. April 1909 ging die Fahrt weiter durch das Kanjuttal, von dem aus er durch den Mintakapaß auf das„ Dach der Welt" gelangte. Bei den Pamirs angekommen, gab sich der Leutnant dem Vergnügen der Jagd hin und wandte sich dann auf einem unbekannten Wege nach dem Oberlauf des Yarkandflusses. Das eingestürzte Polizeigefängnis. Aus Wien wird den Münch. N. N. geschrieben: Das ärarische Gebäude in der Leopoldstadt, in dem das Polizeikommissariat und der Einfachheit halber auch gleich die Räume für die Polizeigefangenen untergebracht sind, ist seit Jahren schon so baufällig, daß eine private Partei aus diesem Hause schon längst wegen Einsturzgefahr ausgetrieben worden wäre. Man raunt sich gegenseitig zu, die Baufälligkeit des Hauses sei so groß, daß bei den Polizeiverhören nur mit leiser Stimme gesprochen werden dürfe und, daß der kühnste Verbrecher sich nicht getraue, dort eine einigermaßen unverschämte Lüge vorzubringen, aus Angst, die Balken könnten sich biegen oder brechen. Man vermag sich die merkwürdige Tatsache, daß der Bau überhaupt noch steht, nur dadurch zu erklären, daß der Respekt vor der Staatsgewalt ihn zusammenhält. Das gilt allerdings nicht vom Polizeigefängnis und es fonnte daher nicht weiter wunbernehmen, daß die Decke dieser traurigen Stätte ihrer Schiefen Lage endlich müde wurde und über Nacht zusam menstürzte. Vorsichtig natürlich, wie sich's für die Decke eines ärarischen Gebäudes gehört, so daß nicht einem einzigen Häftling ein Haar gekrümmt wurde. Der heilsame Schrecken, der die Gefangenen durch einen plöglichen Zusammenbruch ihre Herberge eingefagt wurde, konnte ihnen umsoweniger schaden, als damit für die meisten Verhafteten eine Art Amnestie verbunden war. Da nämlich für die thres Heimes Beraubten in der Nacht kaum eine andere Unterkunft zu beschaffen war, wurden die ,, leichteren Fälle" einfach freigelassen, während die schweren Jungen als Gäste in dem nächstgelegenen Polizeigefängnis untergebracht wurden. Frauendemonstrationen aus Anlaß der englischen Volkss zählung. Am Montag morgen fand in Großbritannien eine Volkszählung statt, wobei alle Personen aufgenommen wur den, die um Mitternacht lebten. Die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts benutzten die Zählung zu einer Demonstration gegen die Regierung. Unter dem Feldgeschret: " Keine Stimme, keine Zählung", riefen die Führerinnen der Bewegung ihre Partet auf, sich aus Opposition gegen die liberale Partet nicht zählen zu lassen. Da in einem Hause Verweilende wegen Verweigerung der Zählangaben beftraft werden, so blieb den Suffragettes nichts anderes librig, als die Nacht unterwegs zuzubringen. Es war beabfichtigt, auf der Straße und den Pläßen zu kampieren. Da es aber falt war, so fonnte man dies nicht durchführen. Nur etne kleine Zahl von Frauen verbrachte die Nachtstunden tm Freien. Der Versuch, die Volkszählung durch die passive Resistenz der Frauen unmöglich zu machen, ist also gänzlich mißlungen. Die große Armee der Heimatlosen Londons wurde mit Silfe der Heilsarmee, so gut es ging, gezählt. Patrouillen der Heilsarmee sammelten mit Eß- und Logterbillets so viel Obdachlose als möglich in mehreren großen Hallen, wo sie nach erhaltener Stärkung von den Beamten. der Armee in die Zähllisten eingetragen wurden. und arft egen ann fiel iner haf auf den den. ourBei fu= ohluen hter sehr neheute alls Sut, nde üd. an Not trat iſen und der Der gefräßige Einbrecher. Aus Berlin wird berichtet: Schlecht bekommen ist einem Einbrecher Richard Knote der Besuch, den er nachts einem Schankwirt in Schmargendorf abstattete. Knote brach dort vor einiger Zeit mit zwet Spießgesellen, den„ Arbeitern" Hugo Schmiedecke und Hugo Richter, ein und machte reiche Beute. Seine Helfershelfer wurden erwischt und festgenommen; er selbst entschlüpfte. Er hatte gesehen, daß bei dem Wirte noch mehr zu holen war, und es ließ ihm keine Ruhe, bis er in einem Schlosser Johann Hechner einen neuen Komplicen gefunden hatte, der bereit war, noch einmal mit ihm nach Schmargendorf zu gehen. Auch jetzt fand Knote außer anderen Sachen wieder allerhand Leckerbissen. Besonders tat es ihm die Hausmacherwurst an. Sie schmeckte ihm so gut, daß er davon nach seiner Schätzung gegen sieben Pfund auf der Stelle verzehr te. Diese Ueberfüllung des Magens aber bekam ihm schlecht; gleich nachdem er in Berlin eine Kaschemme erreicht hatte, wurde ihm übel. Er legte sich hin und schlief schließlich ein. Kriminalbeamte untersuchten derweil die Pakete, die er bet fich hatte, nahmen ihn fest und brachten ihn nach der Poltzetwache, wo schon sein Spießgeselle eingetroffen war. her ht." Sorf hen gte er jte: was mir ine Ceil Изи fen, geflir Diegt.) Der Mann mit den vielen Schwiegermüttern. Ein recht geplagter Mann ist ein Gastwirt S., der im Zentrum Berlins ein flottes Geschäft betreibt. Dieser Gastwirt hat besonders unter seinen vielen Schwiegermüttern zu leiden. S. ist im Laufe der letzten fünfzehn Jahre fünfmal die Ehe eingegangen. Die Frauen sind ihm meist schon nach kurzer Ehe sämtlich weggestorben, geblieben aber sind ihm die Schwiegermütter. Diese Damen sind alle sehr streitbarer Natur und da sie sich für verpflichtet hielten, das Wohlergehen ihres Schwiegersohnes und seiner Kinder zu überwahen, so tommt es, wenn einmal einige dieser Frauen zusammenkommen, zu lauter Differenzen oder auch zu Britgeleien. Drohungen, daß sie sich die Haare vom Kopfe retBen wollen, gehören beinahe zu den Alltäglichkeiten. Am schlimmsten geht es zu, wenn einmal alle fünf Schwiegermütter versammelt sind, dann regnet es Bemerkungen und Anzüglichkeiten, die selbst in einem Vokabularium Sökerfrauen nicht zu finden sind. Der bedrängte Gastwirt hat schon alle möglichen Schritte unternommen, um seine ver ehrlichen Schwiegermütter los zu werden, aber auf irgend eine Weise kommen sie ihm doch wieder auf den Hals. Aus Angst vor der sechsten Schwiegermutter will Herr S. nicht wieder heiraten. der Franen, die trinken. Bei dieser gefährlichen und anstrengenden Unterneh mung, die ihn durch ganz unbetretene Gegenden führte, kamt er über einen Paß, dem er den Namen Dogoi Dotcher gab. So seltsam wie der Name ist der Ort selbst, eine unheimliche, von phantastischen Naturformen umgebene Stelle. An diesem wunderlichen Fleck Erde passierte ihm ein Unglück, indem ein mit sehr wichtigen Gegenständen beladener Yak in einem Abgrund 2500 Fuß herabstürzte und seine wertvolle Last auf Nimmerwiedersehen mit sich nahm. Von Yarkland aus mußte Etherton wieder betretene Pfade einschlagen, aber das Glück winkte ihm in den herrlichen Jagdgegenden des Tian Schan, An den verschiedenen wichtigen Plätzen, die er berührte, trat er in voller englischer Leutnantsuniform auf, ward von den chinesischen Behörden freundlich aufgenommen, reichlich bewirtet und tatkräftig für seine Reise unterstützt. In diesen fruchtbaren Jagdgefiloen erlegte er manch seltenes Tier; so fonnte er mehrere der seltenen asiatischen Wapitis und Steinböcke erbeu ten; das längste Steinbockhorn, das er mit fort nahm, war 55 Zoll lang. Aber in diesem lustigen Treiben, dem er sich mit voller Seele hingab, überraschte ihn der Winter, und als er nun daran ging, den Altan zu übersteigen, ward er von der schlimmsten Kälte überfallen, so daß ihm und seinem wackeren Burschen Giyan mehrere Glieder erfroren. In höchst elendem Zustande schleppten sie sich schließlich bis Zaisan, einer kleinen Niederlassung der russischen Militärpost, wo fle in einem dürftigen Hospital die so notwendige Heilung und Stärkung fanden. Hier berührten sie wieder die moderne Kultursphäre, und am 17. Gebruar 1910 bestiegen sie die transsibirische Eisenbahn, die sie nach Moskau führte. Nachdem sie ein volles Jahr unterwegs gewesen waren, langten sie schließlich in London an. Der fühne Jagdausflug ist dem Leutnant ein unvergeßliches Erlebnis gewesen, von dem er in lebhaft farbiger Weise erzählt. Aber noch stärkeren Eindruck machte die Reise auf seinen Burschen, für den die Wunder und Erfahrungen der langen Wanderung ihren Höhepunkt im Anblick der Weltstadt London erreichten. Bis wir Vlissingen elfeinhalb Monate nach dem Verlassen von Lansdowne erretchten, hatte er noch niemals das Meer gesehen; nun tat fich die riesige Wasserfläche vor ihm auf, und dann stieg, ein noch größeres Wunder, vor seinen erstaunten Augen das ungeheure London empor, dessen Herrlichkeiten, beson ders die Untergrundbahn, er nicht genug bestaunen konnte." Drahtnachrichten und neuestes. Abreise des Kronprinzenpaares von Korfu. Korfu, 4. April. Die Hohenzollern mit dem Krontprinzenpaare an Bord ist heute vormittag nach Brindisi in See gegangen. 11nbestätigte Gerüchte ans Maroffo. o Paris, 4. April. Aus Tanger wird gemeldet, daß dort das Gerücht verbreitet sei, Fez sei von den aufständischen Stämmen eingenommen worden. Das Gerücht ist bisher unbestätigt. Weiter wird gemeldet, daß die dem Sultan feindlichen Stämme in Fez sich mit den Häuptlingen der Aufständischen verbunden und diesen die Tore der Stadt geöffnet haben. Der neue Muley Ismael ist auch in Fez zum Sultan ausgerufen worden. Inwieweit die Europäer durch die neue Lage betroffen sind, ist noch unbekannt. Kürzlich ist von einem amerikanischen Geistlichen be= wegliche Klage darüber angestimmt worden, daß in den Vereinigten Staaten allen Mäßigkeitsbestrebungen zum Troß alkoholische Getränke auf zarte Lippen eine immer stärkere Anziehungskraft ausüben. Schon am Beginn unseres Jahrhunderts mußten in Neuyort allein in einem einzigen Jahre nicht weniger als 800 Frauen und Töchter der oberen Gesellschaftsklassen Trinkerheilstätten überwiesen werden. Die alte Welt hat jedoch keine Ursache, in dieser betrüblichen Hinsicht phartsäerhaft nach der neuen hinüberzublicken, denn auch diesseits des großen Waffers gibt es mehr als ein Land, in welchem der Dämon Alkohol unter dem zarten Geschlecht ziemlich viele mehr oder minder leidenschaftliche Anhängerinnen findet, wobei Erscheinungen zutage treten, dte wahre Seelenrätsel bilden. So war eine junge, verwaiste Engländerin, die über ein nach Millionen zählendes Vermögen fret verfügte, schon im Alter von 20 Jahren wegen öffentlicher, in sinnloser Trunkenheit begangener Ruhestörungen fünfunddreißigmal polizeilich bestraft worden, und wenige Jahre später fonnte sie im Kreise gleichgesinnter Freundinnen ihre hundertste polizeiliche Verurteilung fetern. Als fte einst nach etnmonatlicher Saft entlassen war, schloß fie sich mit einer Anzahl Flaschen, die die stärksten geistigen Getränke enthielten, in ihr Zimmer ein und tranf fich zu Tode. Sonst haftete an threm Ruf nicht der geringste Makel. In London soll es nicht wenig Pastetenkäcker geben, die zugleich einen heimlichen Ausschank der schwersten spirituosen Flüssigkeiten für trunksüchtige Ladies betreiben. Und dazu gefellt sich das heimliche Trinken zu Hause, das jenseits des Kanals wohl nicht gerade zu den Seltenheiten gehört, denn einer der angesehensten Aerzte des besten Stadtteils Londons hat in seiner langjährigen Praris nach dieser Richtung verblüffende Erfahrungen gemacht. Eines Tages erhielt er den Besuch einer Dame der höchsten Gefellschaft, mit Tränen in den Augen bat sie ihn, sie von ihrer unseligen Leidenschaft für geistige Getränke zu heilen. Über während der Beit, da sie mit ihm sprach, trank sie wiederholt verstohlen Whisky aus einem Parfümfläschchen, das fie in ihrem Taschentuch verborgen hatte. Andere, die den Arzt aus derfelben Veranlassung konsulterten, sogen während thres Besuches mit der unschuldigsten Miene von der Welt an dem Griff thres Regenschirms, der nicht zu klein, hohl und mit dem verführerischen Naß gefüllt war. Die Frau eines Mannes der vornehmen Londoner Welt wußte sich zu dessen Verzweiflung troh der sorgfältigsten Bewach= ung immer von neuem auf die verschiedenste Art hinter fetnem Rücken Spirituosen zu verschaffen. Man hatte schon die Hoffnung aufgegeben, hinter ihre Schliche zu fommen, als der Arzt fte eines Tages ganz durch Zufall auf frischer Tat ertappte. Bei einem seiner Besuche in der Wohnung der Trunksüchtigen brachte gerade der Angestellte eines Buchhändlers für die Dame des Hauses Bücher, die ihm verdächtig vorkamen. Er untersuchte sie, wobei ihm das ungewöhnliche Gewicht eines Bandes aufftel, der sich als ein Behälter in Buchform für Flaschen herausstellte, die allerlei sehr starke spirituose Getränke enthielten. Mehr als ein Ehemann hat im Innern eines Pianos eine verschwiegene Vorratskammer seiner holden Gattin für gebrannte Wasser und ähnliche Flüssigkeiten entdeckt. Leider wissen auch wohl die Trinkerheilstätten bei uns manche traurige Geschichte von weiblicher Trunkfucht zu erzählen. Wiederbelebung vom elektrischen Strome Betäubter. Mit der zunehmenden Verbreitung der elektrischen Ueberlandzentralen und der Hochspannungsleitungen mehren fich auch die Unglücksfälle, die beim Berühren solcher Let= tungen eintreten. Es ist daher eine Erfahrung, über die In der„ Badischen Gewerbezeitung" berichtet wird, von allgemeinem Interesse. Es hat sich gezeigt, daß die Menschen, die durch starte elektrische Entladungen betäubt worden sind, durch Anwendung der fünstlichen Atmung ebenso wie Ertrunkene wieder zum Leben gebracht werden tönnen. In der elektrischen Zentrale von St. Denis war vor einiger Zeit eine Betriebsstörung durch Kurzschluß eingetreten. Die Maschine wurde daraufhin angehalten und nach der Ursache der Störung geforscht. Nach etwa einer Viertelstunde fand man einen Arbeiter, der leblos auf einem Gerüst saß und einen Telegraphendraht noch in der Hand hielt. Er war damit beschäftigt gewesen. dieMilitär und Zivil in Frankreich. Paris, 4. April. In Toulon wurde ein Sergeant vom 111. Infanterieregiment, als er einen Soldaten, der ihn nicht gegrüßt hatte, zur Rede stellte, von Vorüberge henden bedroht. Der Sergeant griff zum Revolver und verwundete einen 15jährigen Menschen schwer. Er wurde. verhaftet und soll von dem bürgerlichen Gericht abgeurteilt werden. Eine Huldigungsfahrt Zeppelins nach Stuttgart. Stuttgart, 4. April. Graf Zeppelin wird am Freitag mit seinem Luftschiff„ Ersatz Deutschland" hierher fommen, um dem König und der Königin aus Anlaß ihrer silbernen Hochzeit zu huldigen. Nachmittags erfolgt die Weiterfahrt nach Baden. Schwerer Straßenbahnunfall. Hattingen, 4. April. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen ereignete sich zwischen Winz und Linden. Ein den steilen Winzer Berg herunterkommender Wagen stieß mit voller Wucht auf einen unten am Fuß des Berges haltenden Wagen. Viele Personen wurden schwer verletzt. Rache eines abgewiesenen Freiers. Essen( Ruhr), 4. April. Ein 19jähriger Arbeiter erschoß in Osterfeld eine Bergmannsfrau, die sein Verhält nis zu ihrer 15jährigen Tochter nicht dulden wollte. Ein wahnsinniger Lokomotivführer. Wien, 4. April. Gestern abend hielt der Lokomotivführer eines Stadtbahnzuges auf offener Strecke an, stieg von der Maschine und troch unter die Lokomotive, angebItch um nachzusehen, ob sich keine Bombe darunter befinde. Die Passagiere, deren sich eine große Aufregung bemächtigt hatte, überzeugten sich, daß fie es mit einem Irrsinnigen zu tun hatten und ließen den Mann, der auf der Fahrt wahnsinnig geworden war, nach dem Krankenhause bringen. Große Bauarbeiteraussperrung in Dänemark. Kopenhagen, 4. April. Die Einigungsverhandlun= gen zwischen den Arbeiterorganisationen und den Maurern find gescheitert. Infolgedessen trat heute früh die von den Arbeitgebern beschlossene Aussperruna in Kraft, von der 11 500 Arbeiter betroffen wurden. Für jeden Geschäftsmann gibt es Kein Er muss darauf sehen, dass kein wichtigeres Moment als das, sich sein Geschäft immer mehr auszudehnen. Stillstand ist gleichbedeutend mit Rückgang. Tag Das kann aber nur erreicht werden durch unausgesetzte Aufmerksamkeit und Tätigkeit. Kann doch vergeht, in der nicht wenigsteus einige neue Kunden gewonnen werden. ohne Es ist deshalb notwendig, unausgesetzt sachgemässe Mitteilung das Publikum garnicht wissen, dass man etwas gutes und neues zu liefern hat. Reklame zu machen, wofür die Giessener Zeitung eine gute Gelegenheit bietet, pier Ab aus jed Iteg Se nic Alice- Schul- Verein Gießen. Abteilung I. Gewerbeschule. a) Fachkurse für: 1. Einfache Handarbeiten, 2. Maschinennähen und Wäscheanfertigen, 3. Schneidern, 4. 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