It ge mp CHT in l. rheid kör! kamp. wissen Rustin ht 4. La7. Geo hichte. re. 12. Buchsophie. hichte. 21. Pänie. 24, thropoErfolge franko. m.so druckerei her Gießen. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen - vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mf. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 3. - Telephon: Nr. 362. Die deutsche auswärtige Politik 1910. Die innere Politik des Reiches litt in dem verflossenen Jahre unter den Nachwirkungen der Finanzreform. Die Gegensätze unter den bürgerlichen Parteien haben sich eher verschärft als gemildert. Diesem Bilde der Erregung, der Unruhe, des bunten Aufmarsches für den nächsten Wahlkampf steht in der auswärtigen Politik eine sehr erfreuliche, einmütige Anerkennung ihrer Erfolge gegenüber. Unsere auswärtige Lage hat sich unleugbar günstiger gestaltet. Wer spricht heute noch von der Jolierung, der Einkreisung Deutschlands? Damit war es allerdings schon seit dem festen Auftreten der deutschen Politik an der Seite Desterreich- Ungarns in der bosnischen Frage vorbei. Aber dieses Auftreten hat weiterhin viel zur Festigung des Dreibundes beigetragen. von Ein sehr wichtiges Ereignis des abgelaufenen Jahres war ferner der Besuch des Zaren in Potsdam und die Aussprache des neuen russischen Ministers des Aus= wärtigen Sosanow mit dem Kanzler von Bethmann Hollweg und dem neuen deutschen Staatssekretär Riderlen. Nach der Jswolskischen Periode des Anschlusses Rußlands an England und unruhiger Rivalitäten mit Desterreich- Ungarn ist sein Nachfolger Sosanow zu der alten traditionellen Politik guter Nachbarschaft zwi schen Rußland und Deutschland zurückgekehrt. In den Potsdamer Besprechungen wurde ausgemacht, daß feiner von beiden Teilen sich in Verbindungen einlassen werde, die ihre Spitze gegen den anderen Teil richten. Was unser Verhältnis zu den beiden anderen Gliedern der sogn. Triple- Entente, Frankreich und England betrifft, so gibt uns auch hier das Jahr 1910 Grund zur Befriedigung. Das deutsch- französische Abkommen über Marokko vom Jahre 1909 hat sich bewährt. Der beträchtliche Anteil, den es für Deutschland an wirt= Frankreich bei den Verhandlungen über die Vergebung schaftlichen Unternehmungen in Marokko festsetzt, ist von öffentlicher Arbeiten, Bildung von Syndikaten 2c. respektiert worden, so daß keine ernsten Reibungen mehr entstanden. Die deutsch- englischen Beziehungen sind äußerlich auf demselben Fleck geblieben wie vor dem Tode König Eduards; es ist zu keinen amtlichen Verhand lungen spezieller oder allgemeiner Art gekommen. Aber es bleibt doch zu verzeichnen, daß sich die Voraussetzungen zu einem besseren Einvernehmen ganz erheblich verbessert haben. In dem schweren inneren Kampfe, von dem das vereinigte Königreich heimgesucht ist, spielte noch zu Anfang des Jahres die„ deutsche Gefahr" eine große Rolle; bei den Wahlen zu Ende dieses Jahres war dieses Gespenst fast ganz verschwunden. Die englische Volksstimmung ist auf dem Wege, sich mit dem deutschen Flottengesetz abzufinden und es richtig zu verstehen. In dem Maße, wie diese Einsicht sich vertieft, verbessert sich die Aussicht auf eine amtliche Verständig ung über beiderseitige praktische Interessen, wie eine solche fürzlich zwischen Deutschland und Rußland getroffen worden ist. Möge es unserer auswärtigen Politik im neuen Jahre gelingen, die Frucht einer nützlichen deutschenglischen Verständigung zu ernten, die allmählich unter der ruhigen Sicherheit, die Regierung und öffent= liche Meinung in Deutschland gegenüber den englischen Treibereien gegen uns beobachten, herangereift ist. 27) Der Schuldschein. Eine Bauern- Geschichte aus dem Taunus ( Nachdruck verboten. Das Deffnen der Haustür und ein auf die Schneefläche des Hofes fallender Lichtschein machte seinen Zweifeln ein Ende. Auf der Schwelle stand, das Gesicht von Lampenschein umflossen, die Gestalt seiner Träume und musterte wie zweifelnd die beiden jetzt in den Hof tretenden Gestalten. „ Des Kunze Christian?" stammelte sie verwirrt und helle Röte überflog ihre Wangen. „ Er hot mich vun der Kerch haamgebrocht; do will er Dir nur guten Owend sage un Dei Bäämche e Mol betrachte", erwiderte ihr Vater.„ Du därsst ihm ruhig die Hand gewe, Lenche, wir sinn jetzt aanig, gelle?" Wie es gekommen war, sie wußten es nicht. Christian hielt Magdalen in den Armen, die sich weinend an seine Brust schmiegte und seinem tröstenden Zureden: ,, Sei mir net mer bös, Lenche", unter Schluchzen immer wieder entgegnete:„ Ich hob Dich jo so lieb, Christian, ich wär jo gestorwe, wenn Du nit fumme wärst!" Dann standen sie droben in der Wohnstube, in welcher die Lichter des kleinen Tannenbaumes strahlten und ließen die Glückwünsche der guten Frau Krautner und ihres Mannes über sich ergehen. Auch die alte Lisbeth war von Lips herbeigeholt worden und wurde nicht müde, Magdalen für ihr früheres abweisend fühles Wesen um Verzeihung zu bitten und ihr zu versichern, wie der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch den 4. Januar 1911 Aus der Heimat. Gießen, 4. Januar. * Vom Hofe. Montag abend 7 Uhr fand im Kaisersaal des Residenzschlosses Neujahrstafel zu 87 Gedecken statt. Nach Schluß der Tafel unterhielten sich die Großherzoglichen Herrschaften bis gegen 10 Uhr mit ihren Gästen. An der Tafel nahmen u. a. teil: Provinzialdirektor Dr. Usinger, Präsident Kullmann, Geh.- Rat Dr. Breidert, Frau Dr. Usinger, Rektor Dr. Biermann und Oberst v. Müller. * Der oberhessische Schäferverein hält seine diesjährige Versammlung am nächsten Sonntag in der Wirtschaft zum grünen Baum in Garbenteich ab. ** Zu der Basvergiftung in der Steinstraße wird uns mitgeteilt, daß Herr Belz sich, ohne in die Klinik gebracht zu werden, völlig wieder erholt hat. Der Vorfall, der durch die starke Kälte hervorgerufen wurde, bietet durchaus keinen Grund zur Beunruhigung. * amten- Verein hält am Samstag im Saale des„ Cafe Weihnachtsfeier. Der Eisenbahn- Fahrbe Leib" seine Weihnachtsfeier ab. * Darmstadt. Aus Berlin kommt die betrübende Nachricht, daß dort gestern vormittag der Großherzoglich Hessische außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am Kgl. Preuß. Hofe und Hessischer Bevollmächtigter zum Bundesrat, Exzellenz Maximilian Freiherr von Gagern, gestorben ist. * Landwirtschaftliche Kurse. Die von stalteten Vortragskurse wurder in Anwesenheit von über der hess. Landwirtschaftskammer in Darmstadt veran= 400 Landwirten aus dem ganzen Großherzogtum er= öffnet. Prof. Backhaus- Berlin hielt einen Vortrag über die Landwirtschaft in Südamerika. Aus dem andert= Backhaus auf Grund seiner mehrjährigen Beobachtunhalbstündigen Vortrag ist zu entnehmen, daß Professor gen und Erfahrungen in Südamerika einem deutschen Landwirt mit etwas Vermögen die Ansiedelung in Südamerika empfehlen kann. Hierauf folgte ein Referat des Sekretärs der Landwirtschaftskammer, Dr. Hamann Darmstadt, über das Thema:„ Welche Maßnahmen kommen zur Förderung der Pflanzenproduktion auf Grund für die Zukunft in Betracht?" der im Großherzogtum Hessen gegebenen Verhältnisse * Krofdorf. In das Genossenschaftsregister betr. Strofdorf- Gleiberger Darlehenskassenverein e. G. m. u. H. ist als Zweck und Gegenstand des Vereins einge tragen worden: Beschaffung der zu Darlehen und Krediten an die Mitglieder erforderlichen Geldmittel und die Schaffung weiterer Einrichtungen zur Förderung der wirtschaftlichen Lage der Mitglieder, insbesondere 1. der gemeinschaftliche Bezug von Wirtschaftsbedürfnissen; 2. die Herstellung und der Absatz der Erzeugnisse des landwirtschaftlichen Betriebs und des ländlichen GewerbefleiBes auf gemeinschaftliche Rechnung; 3. die Beschaffung von Maschinen und sonstigen Gebrauchsgegenständen auf gemeinschaftliche Rechnung zur mietweisen Ueberlassung an die Mitglieder. * Lich. Der hiesige Frauenverein hielt zum Besten der Armen eine Wohltätigkeitsveranstaltung ab. Bei willkommen sie ihr als Tochter sei, denn wohl hätte sie die ganze Zeit gemerkt, daß Christians ganzes Sinnen und Denken ihr, Magdalen, allein gehöre. Vom Kirchturm flangen die Weihnachtsglocken zur Bescherung, und vom nachbarlichen Schulhause hörte man aus der Wohnung des Lehrers zu den dünnen Tönen eines alten Klaviers von frischen Kinderstimmen gesungen das alte Weihnachtslied:„ Es ist ein Ros' entsprungen, aus einer Wurzel zart". Mit glückseligem Lächeln auf dem faltigen Angesichte lauschte der alte Hankunrad den lieben Weihnachtsklängen. Noch konnte er die beiden kräftigen Gestalten in dem Lichte des Christbaumes eng aneinander geschmiegt gewahren, und mit langsamen Schritten und geöffneten Armen an sie herantretend, schloß er die Glücklichen mit dem Worte an die Brust: „ Kinner, des is die schönste Weihnachte, wo meim ganze Lewe mitgemacht hab!" 13. Kapitel. ich in Es war fast ein und ein halbes Jahr später. Wieder war der Lenz mit stürmischen Wehen in die Taunusberge gezogen und hatte schon längst mit seinem warmen Hauche die Schneekappen von den Gipfeln geleckt. In tiefem Smaragdgrün lagen die Täler und hell schimmerte das junge Laub der Buchen an den Gehängen des Weilsbergs, wo die mächtige Felsengruppe des „ Emser Zackens" sich wie ein verwirrtes Riesenschloß in die blauen Lüfte erhebt. Auf dem steilen Waldwege, der vom Emsbachtal | = ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. einem gut in Szene gegangenen Kinderstück wirkten auch die Prinzessinnen des fürstlichen Hauses mit. Zu der Veranstaltung hatte die Fürstin Emma zu Solms- HoHensolms- Lich die Anregung gegeben. * Grünberg. Unter der Vorspiegelung, Konzertmeister zu sein, gelang es einem geriebenen Gauner, den hiesigen Musikverein um zwei Klarinetten und eine Viola zu prellen. Vor Ankauf der Instrumente wird gewarnt. Bad Nauheim. Der gestrige Literarische Abend mußte ausfallen, da der Vortragende, Dr. Streder, einen längeren Urlaub angetreten hat. * Friedberg. Der hiesige Gewerbeverein hat von der Stadtverordnetenversammlung einen großen Bauplatz zur Erbauung eines Gewerbeschulgebäudes überwiesen bekommen. Ein hiesiger reicher Bürger hat dem Verein 50 000 Mt. zu geringem Zinsfuße als Baufonds übergeben. * Lauterbach. In Dirlammen wurde Landwirt Heinrich Ziegenhain 1. zum Bürgermeister gewählt. Alsfeld. Mit einer abscheulichen Tierquälerei hat sich das Gericht zu beschäftigen. Ein hiesiger Bäckermeister setzte seinen Hund, dessen er überdrüssig war, in den heißen Backofen. Durch einen Bäckergesellen kam die Sache an die Deffentlichkeit. * Frankfurt a. M. Gegen den verantwortlichen Redakteur der sozialdemokratischen„ Frankfurter Volks= stimme" ist Anklage wegen Majestätsbeleidigung erhoben worden. Die Majestätsbeleidigung wird erblickt in einer Rede, die bereits Gegenstand einer Reichstagsdejahrs nacht wurden 26 Personen sistiert, davon drei batte war, und in der Veröffentlichung einer Broschüre, die diese Rede wörtlich wiedergibt. In der Neuwegen schwerer Körperverletzung. Der 42jähr. Mechaniker Landau wurde verhaftet, da er sich durch gefälschte Unterschriften das Guthaben eines Schulfreundes in Höhe von 13 300 Mt. verschafft hatte. - * Worms. Für die Fortschrittliche Volkspartei wird im Reichstagswahlkreis Worms Heppen= heim Wimpfen Rechtsanwalt Dr. Sold an in Mainz kandidieren. Gestorben: Christine Bender Witwe geb. Heß, 76 Jahre alt, Leihgestern. Beerdigung 4. Jan., 1 Uhr. Margareta Fink geb. Azbach, 66 Jahre alt, Hausen. Beerdigung 4. Jan., 2 Uhr. Justus Rau, 33 Jahre alt, Alten- Buseck. Beerdigung 4. Jan., 2 Uhr. - Holzverkäufe und Versteigerungen. Oberförsterei Haiger. Submissionsverkauf aus Schutzbezirk Steinbach auf 263 Rm. Buchenscheiter. Näheres auf der Oberförsterei oder Förster Reinhardt Forsthaus Steinbach. Gute Abfuhr nach Station Würgendorf, Strecke Köln- Gießen ca. 4 Km. Schriftl. Gebote bis Montag, 9. Jan., an die Oberförsterei. Bürgermeisterei Groß- Rechtenbach. Am Samstag, den 7. Jan., Brennholzversteigerung im Gemeindewald von Lüzellinden: Eichen 6680 Wellen, Kiefern 1600 Wellen. nach dem„ roten Kreuz" hinauf führt, schritt eine hohe, etwas gebeugte Gestalt mit langen, gemessenen Schritten aufwärts. An den verstaubten Schuhen des Mannes sah man, daß derselbe schon einen weiten Weg zurückgelegt hatte, doch ließ der feste, bedächtige Schritt keine Ermüdung erkennen und keinen Augenblick stockte der gleichmäßig weiterschreitende Fuß auf dem steilen, von Baumwurzeln überzogenen Pfad, bis die Höhe erreicht war. Hier blieb Hankunrad Ferber stehen und schaute mit etwas zusammengefniffenen Lidern in das weite Emsbachtal hinab, um bei dem Anblick der von der Maiensonne beschienenen, herrlich grünenden Wälder, der schmucken Dörfchen mit den roten Ziegeldächern wie zu inbrünstigem Dankgebet die Hände zu falten. Ja, er konnte wieder sehen; die Kunst des Arztes hatte Schleier von seinen Augen genommen, der ihm den Lebensmut geraubt, seine Seele mit unheimlich beängstigendem Grauen vor der ewigen Nacht erfüllt hatte. Golden strömte ihm wieder die Fülle des Lichtes entgegen und Iteß neue Kräfte durch seine Adern rinnen, neue Hoffnungen in seiner Seele sprießen. ( Schluß folgt.) Bestbewährte gesunde und magendarmkranke -Kindermehl Kuteke -Krankenkost Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder. den Der preußische Marschallstab. Zu der Ernennung der drei neuen preußischen Genealfeldmarschälle wird uns von militärischer Seite geschrieen: Die Kennzeichnung der Generalfeldmarschälle durch en Marschallstab ist merkwürdigerweise schon viel älter, Is ihre Unterscheidung durch die Uniform. Die Offiziere nterschieden sich früher untereinander nur sehr wenig. rst am 23. Oftober 1808 erhielten sie Rangabzeichen auf en Achselklappen, die damals noch keine Nummern und lamenszüge trugen. Die Leutnants hatten eine silberne Cresse von oben quer über die Mitte der Achselllappe, ie Hauptleute und Rittmeister 2 Tressen auf jedem der jeiden äußeren Ränder der Achselklappen, und die Maore und Obersten hatten Tresseneinfassung auf allen vier Seiten der Achselklappen. Die Generale unterschieden sich außerdem durch Rangsterne. Bis dahin trugen die Generale meist die Uniform ihrer Regimenter mit Abweichungen, die sich nur an den Kopfbedeckungen fanden. Die eigentliche Generalsuniform besteht also erst seit dem Jahre 1808 und wurde im Jahre 1830 besonders ausgebaut. Der Generalfeldmarschall dagegen unterschied sich schon im 17. Jahrhundert durch den sogenannten„ Marschallstab", der ihm verliehen wurde, und den er als Zeichen seiner Würde trug. Merkwürdigerweise wissen wir über den eigentlichen Ursprung des Marschallstabes sehr wenig. Ein bestimmtes Gründungsjahr ist nicht anzugeben, da eine offizielle Gründung, wie sie heute stattgefunden haben würde, sicher nicht erfolgt ist, sondern die Führung der Marschallstäbe ist nur ein allmählicher Gebrauch geworden. Er ist aus dem„ Feldherrnstab" entstanden, den die Heerführer früherer Jahrhunderte trugen, und der auf vielen alten Kupferstichen berühmter Feldherren zu finde ist. Der erste„ Marschallstab", der als solcher geschichtlich erwiesen ist, und noch jetzt im Zeughause aufbewahrt ist, ist der des Generalfeldmarschalls Georg Frhr. v. Derfflin= ger, der auch kurz als der alte Derfflinger bezeichnet wird. Derfflinger wurde vom Großen Kurfürsten im Jahre 1670 zum Generalfeldmarschall ernannt, nachdem er sich bei der Schlacht von Fehrbellin und bei der Eroberung von Rügen Kriegsruhm und Lorbeeren geholt hatte. Ein Kupferstich vom Jahre 1674 zeigt den alten Derfflinger in der einfachen und schlichten Uniform der damaligen Soldaten ohne Rangabzeichen und nur mit einigen Tressen verziert, die mehr phantastisch als vorschriftsmäßig angebracht waren. Auf diesem Kupferstich hat Derfflinger aber ganz ostentativ einen Stab in der Hand, den wir als„ Marschallstab" bezeichnen müssen. Auf den Bildern der späteren Generalfeldmarschälle findet sich stets dieser Stab wieder. Es ist daraus zu entnehmen, daß der Marschallstab zwar schon im 16. Jahrhundert bei den Feldherren im Gebrauch war, daß er aber erst unter dem Großen Kurfürsten das eigentliche Kennzeichen der Generalfeldmarschälle und ein Symbol ihrer Würde geworden ist. Der Schatz für Lebensretter. Pittsburger Spinnereien mit zwei Dollars Wochenlohn fetne Laufbahn begann. Nobel und Carnegie sind gute Vorbilder, nicht nur dafür, wie man Geld macht, sondern auch, wie man's wieder auf vornehme Weise seinen sozialen Zwecken zurückgibt. Rundschau vom Cage. Politisches. Beim Kaiserpaar fand Montag abend 7 Uhr im Elisabethsaale des föniglichen Schlosses zu Berlin eine Tafel für die kommandierenden Generale statt. Prinz Rupprecht von Bayern führte die Kaiserin zu Tisch. Ueber die diplomatischen Neujahrsglückwünsche wird ergänzend aus Berlin gemeldet: Wie mit dem italienischen Minister des Aeußern hat der Reichskanzler auch mit dem Grafen Aehrenthal aus Anlaß der Jahreswende herzliche Telegramme gewechselt. Ferner erhielt der Reichskanzler ein Glückwunschtelegramm von dem russischen Minister des Aeußern Sassonoff. Die Frage der Versorgungsheime für pensionierte alleinstehende preußische Lehrer ist ihrer Lösung einen Schritt näher gerückt. Wie die Deutsche Journalpost" hört, hat sich ein Komitee gebildet, das die notwendigen Mittel für solche Heime aufbringen will. Das Komitee steht unter dem Protektorate des preußischen Kultusministers und verfügt bereits über so viel Geld, daß der Bau von vier Anstalten gesichert ist. Zwei von solchen Heimen sollen in Schreiberhau, eines in Blankenburg am Harz und eines in Budow in der Mark errichtet werden. Das Eintrittsgeld soll nicht einheitlich normiert, sondern den Vermögensverhältnissen entsprechend abgestuft werden. Die Verweigerung des antimodernistischen Eides durch einige Münchener hervorragende Geistliche wird, wie der römische Korrespondent des ,, B. L.-A." meldet, in vatikanischen Kreisen lebhaft besprochen. Diese betrachten jedoch das, was in Deutschland geschieht, als Sieg der päpstlichen Politik, weil durch die Auferlegung des Eides Pius X. gerade feststellen wolle, wer Modernisten seien, und diese aus der Kirche heraushaben wolle. Man habe jetzt den Eindruck bekommen, daß in Deutschland der Modernismus organisiert und mächtig sei und er unzweideutige Kundgebungen seines Bestehens gebe. Wenn es nun dem Papst gelinge, die Kirche von solchen Elementen zu reinigen, so sei dies ein erster Sieg. „ Ich will arm sterben, wie ich arm geboren bin." Wenn man Milliardär ist, dann faßt sich ein solcher Vorsatz leichter, als er sich ausführt. Eine runde Milliarde, in riesigen Stahlwerfen gut angelegt, hat eine unglaubliche Zeugungsfraft. So hat denn Andrew Carnegie der große Menschenund Friedensfreund, schon weit über eine halbe Milliarde für humanitäre und kulturelle Zwecke gespendet, hat Uninerfitäten, gegründet, Wohlfahrtsanstalten gestiftet, gewaltige Sonderfonds ausgestattet, aber er hat noch lange nicht in seinem Scheckbuch den letzten Schein ausgefüllt. Er scheint noch nicht einmal eine Abnahme seiner Mittel zu merfen Bei seinen 73 Jahren wird er sich ordentlich heranhalten müssen, wenn er doch noch zum Ziel kommen will. Als ein kleiner Schritt näher zum Ziel ist die Gründung des deutschen Lebensretterschazes zu betrachten, womit er unser Reich zu Neujahr überrascht hat. Er ist dem„ Heroenfonds" nachgebildet, der in Amerika durch Carnegies Freigebigkeit schon länger besteht, dort aber mit der vierfachen Summe, also mit 20 Millionen, ausgestattet ist. Der erste Stipendiat des Fonds wurde ein Italiener, der bei einer Katastrophe auf hoher See 52 Menschenleben rettete. Er erhielt 20 000 M. Ein anderer Aft doppelter Selbstverleugnung wurde sogar mit 50 000 M gelohnt. Diese erhielt ein Schmied, der in einen mit tödlichen Gasen erfüllten Schacht hinabgestiegen war, um seinen erbittertsten Feind zu retten. Sehnlich wird es wohl auch bei uns gehalten werden, und fin zwölfköpfiges, wie schon gemeldet, unabhängig dastehendes Kuratorium dürfte schon dafür sorgen, daß jeder AnSpruch sorgsam geprüft wird. Alle Hochachtung vor der unerschütterlichen Menschenliebe des amerikanischen Milliardärs. Trog der bitteren Erfahrungen, die keinem erspart find, any le das Geschick die Gaben des Reichtums verschwenderisch häuft, ist ihm das Herz frisch und teilnehmend geblieben. Auch heute sieht er noch den Mitmenschen nicht anders an wie damals, als der schottische Haspeljunge in Das Bild vom Königsstuhl. 2) Skizze von Else Krafft. ( Nachdruck verboten.) „ Aber nein, so enorm ist es ja nun gerade nicht mit dem Verkauf der Karten. Vier Stück habe ich noch für sie reservieren können. Und dann noch eins, meine verehrten Damen. So ein paar Liebesgaben für den Verkauf,- eine Handarbeit, eine überflüssige Nippes figur, alles ist willkommen." Der französische Botschafter in Konstantinopel hielt beim Neujahrsempfange in der französischen Kolonie eine Rede, die bemerkenswert ist, weil sie offen das Liebeswerben Frankreichs um die Türkei erkennen läßt. Der französische Botschafter betonte, wie zu allen Zeiten zwischen der Türkei und den Franzosen Bande der Sympathie bestanden hätten, diese Banden könnten durch finanzielle Unstimmigkeiten nicht ernstlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie hätten ganz andere Proben ausgehalten. Frankreich, das mit Vertrauen das Werk der Regeneration des ottomanischen Reiches begleite, bleibe auch für die Zufunft bereit, wenn es gewünscht werde, der Türkei Beistand zu leisten, sei es zu ihrer nationalen Wiederbelebung, sei es zur Entwicklung ihres Volkswohlstandes und natürlichen Reichtums. Rose Marie überlegte, rechnete im stillen. Nun würde man dem Bruder in der Kadettenschule die geplante Geburtstagsüberraschung verfürzen müssen. Auch der seidene Blusenstoff vom Weihnachtsfeste, den der Onkel geschickt hatte, durfte noch nicht zur Modiftin. Die erfparten zwölf Mark vom legten Monat gingen gerade für die Basarbilletts auf. Die Mutter spendete das Geld fürs erste aus der Wirtschaftskasse, und Lenchen stand mit hochroten Wangen por der Gräfin und versprach, dem Komitee ein Viertel dußend eigenhändig gestickler Tablettdeckchen einzusenden. , Sie müssen fich mit meiner Tochter assoziieren beim Verkauf, Kleines", meinte der Besuch bittend.„ Melanie hat unter anderm den Bücher- und Bilderkiosk über nommen. Gestatten Sie, Frau Oberst, daß Ihr Töchterchen uns hilft?" Alter von 75 Jahren gestorben. Der Verstorbene, der sein Vermögen durch Viehlieferungen in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 erworben hatte, stiftete noch fürzlich drei Min. Mark für humanitäre Zwecke. Der Fall Durand scheint in Frankreich doch noch zu unliebsamen Weiterungen zu führen. Der allgemeine Arbeiterverband hat gestern beschlossen, auf vollständige Befreiung des zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren begnadigten Syndikatssekretärs Durand zudringen, und hat seinen Generalstreikausschuß beauftragt, die allgemeine Be: wegung der organisierten Arbeiter in die Wege zu leiten. Die Hausfrau nickte geschmeichelt. Selbstverständlich, wenn das Kind überhaupt schon irgendwie nüßlich sein kann." Apropos, Bilder! wandte sich die Gräfin an Nose Marie. Da kommt mir ja Ihr wunderbares Beichentalent wie gerufen. Bilder werden am liebsten auf einem Basar gekauft. In Ihrem Besiz befindet sich gewiß dieses oder jenes, was in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt, zu edelster Verwendung käme." Eine neue Station für drahtlose Telegraphie ist in Danzig errichtet worden, die insbesondere der Kriegs- und Handelsmarine, dann speziell auch den Fischereifahrzeugen zur Uebermittlung von Sturmwarnungssignalen dienen soll. Neben Nordeich und Bülk ist dies die dritte Station an der deutschen Seefüste Ueber die Lage in Portugal meldet der offiziöse Draht aus Lissabon: In ganz Portugal herrscht vollkommene Ordnung. Die vorläufige Regierung hielt Sonntag nachmittag einen Neujahrsempfang ab, bei dem Tausende von Personen an den Mitgliedern der Regierung vorbeidefilierten. Lenchen griff die Schwester aufmunternd beim Arme. her ia. Mafe Mariel Das alte Bild vom KönigsPrinz Georg von Serbien- französischer Offizier? Wie verlautet, hat die serbische Regierung ihrem Pariser Gesandten den Auftrag erteilt, mit der französischen Regierung Verhandlungen einzuleiten, damit Prinz Georg von Serbien in die französische Armee aufgenommen werde. Der Prinz soll am 1. Februar nach Frankreich abreisen. Ein schweres Automobilunglück hat sich in Vaihingen in Württemberg ereignet Dort stieß abends das Automobil eines Arztes, in dem dessen Kinder und sein Dienstmäd= chen saßen, gegen einen mutwilligerweise auf die Straße ge= legten Baumstamm Dem Chauffeur wurde der Brustkorb eingedrückt, ein Kind wurde tödlich, die anderen leichter und das Dienstmädchen schwer verletzt. Im Gegensatz hierzu bestätigen Lissaboner Privatdepe= schen die alarmierenden Meldungen. Noch herrscht Ruhe, aber jeden Augenblick kann die im Volke gärende Bewe= gung durchbrechen und die Regierung zum Sturze bringen. Die scheinbare Ruhe in Armee und Flotte täuscht. Die Offiziere wagen faum, ihren Mannschaften einen Befehl zu erteilen, da der geringste Anlaß zum Ausbruch einer Meuterei führen kann. Zwei Regimenter sollen bereits wegen des ihnen verabreichten schlechten Essens den Gehorsam verweigert haben. Auch unter den Arbeitern und Kleinbürgern wächst die Erregung. Die Unzufriedenheit ist allgemein. Kleine Dachrichten. Vor den Augen der Polizei erschossen hat sich in Trier der Handlungsgehilfe Hoffmann, als er wegen Unterschlag= ung verhaftet werden sollte Ein Schneepflug entgleiste gestern auf der Station Bludenz der Arlbergbahn. Acht Arbeiter wurden herabgeschleudert; drei wurden von der Maschine überfahren und sind tot; zwei sind lebensgefährlich verletzt. Alle Betroffenen sind Familienväter. Durch Plaken eines Dampfrohres wurden auf dem deutschen Dampfer Liebenfels", der sich auf der Fahrt von Kalkutta nach Hamburg befand, vier indische Heizer getötet. Ein fünfter wurde unterwegs schwer verletzt an Land ge= bracht und ist bald darauf ebenfalls gestorben. Breslaus reichster Bürger, der durch viele Stiftungen weitbekannte Rittergutsbesitzer Julius Schottländer. ist im stuhl bei Stubbenkammer,- du weißt ja, das über deinem Bett in unserem 8immer hängt."- Dunkle Glut färbte das blasse Gesicht. Das sonst so starfe Mädchen begann zu zittern. Nein, ach nein, das ist nicht schön genug", stammelte sie verwirrt. Die Gräfin lächelte fein. „ Aber mein liebes Fräulein, nur deshalb keine Angst! Ich bin überzeugt, Ihre allzugroße Bescheidenheit betrügt Sie selbst. Darf ich das Bildchen sehen?" Sechs Personen von einem Wolf getötet. Nach einer russischen Meldung wurden in Lodetnoje sechs Personen von einem Wolf totgebissen. Bei der auf das Raubtier veran= stalteten Jagd wurde ein Bauernbursche durch einen Flin tenschuß getötet. Der Wolf fonnte schließlich zur Strecke gebracht werden. Lenchen lief diensteifrig zur Tür hinaus, während die Gräfin weitersprach. Ein graufiger Leichenfund ist am Neujahrsmorgen in einem Londoner Vorort gemacht worden. Man entdeckte den Leichnam eines Mannes, deffen Kopf vollständig mit den Füßen zertreten war. Der Körper, der eine Strecke weit auf dem Boden geschleift worden war, lag hinter eis nem Gebüsch verborgen. Der Mord ist noch nicht aufgeklärt. Rose Marie stand unbeweglich. Die eine Hand auf der Lischkante, die andere in jäher hilfloser Angst am Gürtel zusammengepreßt. Sie hörte faum, was der Besuch mit der Mutter sprach und beriet. Ein lichter Sommertag am Meer stieg vor ihr auf. Jung und froh und reich und selig war sie damals noch. Die Wellen der Ostsee umspülten Boot und Ruder, und der AbendSonnenschein unifloß zwei Menschenkinder im Boot, die fich Kumm und glücklich in die Augen sahen. Die Gräfin stand test mitten im Bimmer. Sie hielt das Bild in der Hand und nickte befriedigt. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Eine Universität für internationales Recht im Haag. Schon lange plant man die Errichtung einer Universität für internationales Recht in der holländischen Residenzstadt Haag. Während an den Universitäten der verschiedenen Länder das internationale Recht vom nationalen Standpunkt aus gelehrt wird, will man an der internationalen itniversiät das internationale Recht von unparteiischem, objektivem Standpunkt dozieren. Ein internationales Komitec, bestehend aus weltberühmten Juristen, ha schon verschiedene Pläne in dieser Beziehung ausgearbeitet. Der Gedanke stammt von Carnegie und anderen reichen Amerikanern, die ähnlichen Anschauungen huldigen wie er, und wurde schon während der ersten Friedenskonferenz geäuBert. Später kam Professor Nippold mit einem ausgearbeiteten Borschlag.- Nach einer Mitteilung an die„ B. 3. a. M." ist die Vorbereitung so weit gefördert, daß dem nächst der Entschluß zur Gründung der Universität öffent lich bekannt gegeben wird. „ Aber das ist ja ganz reizend, meine Damen! Das bringt uns ja mindestens dreißig Mark im Verkauf. Der Königsstuhl über dem Rügener Walde, das Boot im Abendsonnenschein, eine einzige exquisite Farbenbarmonie. Schade, daß nur allein das Antsiz des jungen Offiziers im Boote sichtbar ist. Die junge Dame hätten Sie auch en face hinfegen müssen. Sonst aber die Lichtreflege über dem Blondhaar, wirklich exquisit, mein Fräulein. Wenn Sie gestatten, nehme ich Ihre liebenswürdige Gabe sogleich mit zur Baronin Hanau,- sie hat bereits prächtige Beiträge zum Verkauf. Auf Wiedersehen also, meine Damen!" Sie war gegangen, es wurde still im Zimmer. Mit kläglicher Miene sab die Hausfrau von einer Tochter zur anderen. Lenchen strahlend. bealüft und erregt. Rose Marie Aus den Gerichtssälen. Im Moabiter Krawallprozeß hat am Montag die achte Verhandlungswoche ihren Anfang genommen. Die Zeugenvernehmung ist jetzt nahezu abgeschlossen, so daß am näch sten Verhandlungstage, am Mittwoch, die Plädoyers werden beginnen können. Verurteilung eines Heiratsschwindlers. Vor der Straftammer des Landgerichts in Nürnberg wurde am Sonnabend nach dreitägiger Verhandlung der Prozeß gegen den dreißigjährigen Kandidaten der Medizin Erich Christin beendet. Christin, der Sohn eines gutfituierten Apothekers in Gmünden, hatte in den letzten drei Jahren durch schwindelhafte Heiratsannoncen eine ganze Reihe von jungen Mädchen aus guten Familien angelockt und durch Heiratsversprechungen zur Hergabe von Geldsummen bewogen. Der Angeklagte, der schon als Gymnasiast einen eigenartigen Hang zum luxuriösen Leben gezeigt hatte, kam in seinen Studtenjahren bald mit einem Monatswechsel von 200 bis 300 M nicht mehr aus und begann Schulden zu machen. Er hielt sich mehrere Reitpferde, Equipage und Diener und geriet schließlich in die Hände von Bucherern. Als ihm die Wogen über dem Kopf zusammenzuschlagen drohten, steilte er sich Damen, die sich auf seine Annoncen meldeten, als ein im Staatsexamen befindlicher Arzt vor, der auch schon eine sehr gute Praxis in Fürth in Aussicht habe, und wußte sich durch diese und ähnliche Schwindeleien immer von neuem Geldmittel zu verschaffen. Dabei fam es vor, daß er gleichz zeitig in verschiedenen Städten mehrere Bräute nebeneinItumm, blaẞ, mit felt geschlossenen Wippen. War, war die Gräfin nicht reizend, Kinder? Benchen nidte enthusiastisch. Ein weißes Kleid muß ich anziehen, Mamachen, und weiße Lederstiefel zum Basar. Lotte oon Tres cerkauft Bose, wie sie heute in der Schule erzählte, gebt auch ganz in weiß. Und denkt doch blok, mit Komtes Melanie an einem Tisch! Und du, Rose Marie? Biehst du dein hellblaues Seidenfleid--?" Das Mädchen schüttelte hastig den Kopf. „ Ich gehe nicht init, mich braucht man ja nicht,- und dann, ich habe ja meine Schuldigkeit bereits ge tan." Die Billetts find doch nun einmal da", wandte die Mutter ein. " Schadet nichts, Mamachen. Ich müßte all den be tannten Damen etwas abfqufen." In Frau Oberst von Diefenbach regte sich das Standesbewußtsein. „ Mein Gott, wir haben doch Pflichten, Rose Marie. Dein Vater steht vor dem General,- er würde niemals seinen Abschied als Oberst überleben, niemals." Nose Marie nahm der Mutter Hand. Ja, Mamachen, ich weiß und verstehe das alles. Und doch, die Erkenntnis unserer unfreiheit tut oft so weh." Sie zwang fich zu einem scherzhaften Lächeln. Start bleibe ein Soldatenkind, feststehn im Feld der Ehre", sunimte sie unwillkürlich. Ein strablend Licht- und Farbenmeer. In den Sälen brängten fich die Menschen. Lenchen fonnte von ihrem erhöhten Verkaufspläßchen bis zu der tleinen improvisierten Bühne hinüberbliden, auf der Damen und Herren aus der Gesellschaft thre Künste barboten. ( Schluß folgt.) ander Reihe Jungen ftellt, 63800 betrog bezeich lich. fünf 3 len I C die fid Schlefi zahl in den wachs selbit aus de hier S Bevor in der ben& ben un 1 aus at ben fie und n ein gu Im bai Jum G nen B fenen Wertit und di ein ge in die Ach 6 gichtor Lönnte Landto ling ji in Neu boren rer, de zogen Köllni nischer Tage gender sollten Ahnun ling m stehe. viellei Schneid vergni tunde nehme legte rers u tändn Zeit a ben Stand bas 3 bas a führt, lagert jes en ren G nen 13 „ Stan in die beruft zu sei allen wäre zudte noch nicht „ Abfa motin dert bote, wurde ariff „ Salt feste! führe Damp hielt Händ Brief bung mütig erspar S vermi Führ aufge Bajiag rift S nen awei Fahrt aufge guit u verha erite einer tündi ses S judhu Dof währ Fürst Rußl gegan Teil fchlag minst ften 9 mater G Schnur aus eln 866 Cill. alt= An Sur oll. der r? fer ers Jon Der Ten 110äd= ge= orb ter Cier ng= ( ut= ellind en Dem Dont Stet, ge= ner von an lin ede in dte mit ede etärt aag. für tadt nen andalen em, KoverGecitaund eäuearDems Fents achte gens näch wer trafonnden ciftin fers winngen ratsogen. artis fei200 chen. und die tellte 6 ein eine fich enem leich nein Der? 4 und fauft ganz ie an hell = ge bie 7 Бел δαβ Marie. würde Und web." der Salen ischen liden, thre ander hatte. Neben den Bräuten" hatte er ferner auch eine Reihe von Liebschaften, die er mit dem Gelde der betrogenen Jungen Damen aushielt. Der Konkursverwalter hat festge= stellt, daß sich die Schulden des Angeklagten auf insgesamt 63800 M belaufen. Davon kommen gegen 36000 M auf die betrogenen Mädchen. Die medizinischen Sachverständigen bezeichneten Christin als erblich belastet, aber verantwortlich. Das Arteil lautete auf fünf Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von sechs Monaten Untersuchungshaft. Vermischtes. Ein Chinesenviertel in Berlin. Die chinesische Kolonie, die sich vor mehr als einem Jahre in der Umgegend des Schlesischen Bahnhofs gebildet hatte, und deren Mitgliederzahl in der letzten Zeit merklich zurückgegangen war, hat In den Wochen vor Weihnachten wieder einen großen 3uwachs erhalten. Männliche Personen aller Altersstufen sind aus dem Himmlischen Reich" nach Berlin gekommen, um hier Handel mit ihren selbstgefertigten Waren zu treiben. Bevorzugt wird von den Chinesen die Breslauer Straße, in deren Häusern man hier und da vier bis sechs der gelben Fremdlinge antrifft. Sie wohnen in möblierten Stuben und hausen meist zu zweien. Ihr Essen bereiten sie sich selbst und holen sich dazu alles Nötige vom Schlächter und aus anderen Geschäften. Während der Weihnachtszeit haben sie durch den Verkauf ihrer Waren, die sie in Läden und namentlich in Gastwirtschaften feilzubieten pflegen, ein gutes Geschäft gemacht. Eine Höllenfahrt. In der Umgegend von Neckarsteinach im badischen Nedartal fand dieser Tage früh morgens ein zum Eisenwerk gehender Arbeiter auf der Landstraße einen Betrunkenen liegen; der Arbeiter lud den Betrun fenen kurzerhand auf den Rücken und schleppte ihn mit zur Werkstätte. Als dort der Bacchuspriester später aufwachte und die rotglühende Esse sah mit dem halbnackten, rußigen, ein gewaltiges Schüreisen schwingenden Mann, da fiel er in die Knie und stotterte:„ Liewer Deiwel! Herr Deiwel! Ach Gott, ach Gott! Ich bin scheint's geschtern im Rausch gschtorwe!" „ Atlas" oder ein ergögliches Mißverständnis.- so könnte man die Geschichte betiteln, die der jetzt 73jährige Landtagsabgeordnete und Berliner Stadtverordnete Kreitling jüngst am ,, Köllneraner- Abend" erzählte. Kreitling ist in Neu- Zittau bei Schmödwitz als Sohn eines Schiffers ge= boren und erhielt den Anfangsunterricht durch einen Lehrer, der zugleich Leineweber war. Als er neun Jahre zählte, zogen seine Eltern nach Berlin, und der Junge tam auf das Köllnische Gymnasium, das sich damals noch im alten Köllnischen Rathaus in der Breiten Straße befand. Am zweiten Tage sagte der Ordinarius der Serta, daß die Schüler folgenden Tages zur Geographiestunde den Atlas mitbringen sollten. Der junge Kreitling und seine Eltern hatten keine Ahnung davon, was damit gemeint war. Mutter Kreitling meinte aber, daß ihr altes Brautkleid aus Atlas be= stehe. Es sei zwar schon sehr altersschwach, aber ein Stück, vielleicht wie die Schulmappe groß, lasse sich noch herausschneiden. Gesagt, getan! Der junge Kreitling stedte darauf vergnügt den Stoff in seine Mappe. Als die Geographiestunde herankam, befahl der Ordinarius, den Atlas vorzunehmen. Kreitling nahm sein Stüd Atlaszeug heraus und legte es vergnügt auf den Tisch, zum Staunen des Lehrers und der Mitschüler. Natürlich klärte sich das Mißverständnis zu allgemeiner Heiterfeit rash auf. Seit dieser Zeit aber hatte Kreitling den Spitznamen„ Atlas". Ein Kleinbahnidyll. Aus der Provinz Sachsen wird den ,, L. N. N." das folgende Eisenbahnidyll mitgeteilt: Stand da an einem nebligen, naßtalten Dezembermorgen bas Züglein der Wolmirstedt- Kolbitz- Kleinbahn, die durch bas alte Jagdrevier des Kaisers, den Leylinger Forst, führt, zur Abfahrt an der Anfangsstation bereit. Schwer lagerte sich der dicke Qualm, der dem Schlot des Dampfrosses entqquoll, auf das kleine Bahnhofsgebäude; im unsiche= ren Schein der Morgendämmerung brannten die Gaslaternen noch trüber als sonst. Nur wenige Reisende, fast alles Stammgäste", waren auf den hohen, unbequemen Stufen in die Abteile geklettert; aber diese wenigen wurden durch berufliche Pflichten gezwungen, auf Pünktlichkeit bedacht zu sein. So wurde der alte Herr mit der roten Tasche von allen Seiten bestürmt, warum es nicht losginge".„ Es wäre doch schon fünf Minuten zu spät" usw. Der Alte zudte mit den Achsein:„ Uns fehlt die Post, müssen halt noch ein bissel warten." Aber der Jünger Stephans fam nicht und kam nicht, so daß schließlich doch das langersehnte ,, Abfahren!" erscholl. Aechzend und pustend zog die Lokomotive die drei Wagen aus dem Bahnhof, fuhr einige hundert Meter, als gerade oben an der Wegebiegung der Postbote, wild in die Pedale seines Dreirades tretend, sichtbar wurde. Und selbst den pünktlichsten Bureaumenschen ergriff jetzt das Mitleid. Man schrie zur Lokomotive hinauf: " Salt, halt!" und ermunterte durch verschiedene„ Feste, feste!" den schnellen Radler, und siehe da, auch den Zugführer ergriff ein menschliches Rühren. Schrill ertönte die hielt der Zug auf freiem Felde. Unter dem begeisterten Händeklatschen und Bravorufen des„ Volks" holte jetzt der Briefträger den Zug ein und übergab seine kostbare Sendung dem Beamten. Für diesmal war ihm dank der Gutmütigkeit unseres wackeren Zugführers eine tüchtige„, Nase" erspart worden. - geleistet, dem Oberbürgermeister Habermehl in edelmütigr Absicht zehn Mark zu übersenden mit der Bestimmung, diese Summe auf Zinsen und Zinseszinsen bis zum Jahre 2300 anzulegen, um die hierdurch gewonnene Summe zu wohltätigen Zwecken zu verwenden. Den klugen Stadtvätern von Pforzheim schien aber das gegenwärtige Wohl und Wehe ihrer Stadt mehr am Herzen zu liegen als eine so verwegene Wirtschaftspolitik, und so forderten sie denn den Anonymus in öffentlicher Erklärung auf, feine Einwilligung dazu zu geben, daß das Geld schon jetzt einer wohltätigen Stiftung zugeführt werde. Falls er binnen vierzehn Tagen eine Gegenerklärung abgebe, werde demgemäß verfügt werden. Damit war aber der edle Menschenfreund durchaus nicht einverstanden, und er machte geltend, daß das Stiftungsfapital, Zinsen und Zinseszinsen nur zu 3½ Prozent jährlich gerechnet, schon im Jahre 2000 auf 120 M, bis zum Jahre 2100 auf 3300 M, im Jahre 2200 auf nahezu 90000 M und im Jahre 2300 auf rund 2% Millionen Mangewachsen sei, so daß also vom Jahre 2301 an alljährlich die stattliche Summe von rund 100 000 M zur Verteilung gelangen könnte. Der erste große militärische Ueberlandflug. Der bekannte Aviatiker Hauptmann Mackentun und Leutnant Förster ( als Passagier) stiegen Montag nachmittag auf einem Aviatif- Doppeldecker( mit 50pferdigem Motor) auf demlebungsplate in Döberitz auf und landeten in Magdeburg auf dem Kracauer Anger. Die Veranstaltung der Fahrt wurde geheim gehalten. Der Aviatiker Brunhuber begleitete den Aeroplan im Automobil und kam eine Viertelstunde später an, als die beiden Flieger. Kurz nach der Landung des Aviatikers Mackentun landete noch ein zweiter Militäraeroplan, der gleichfalls die Strecke Döberitz- Magdeburg zurückgelegt hatte. Es ist dies der erste große militärische Ueberlandflug. Der Gipfel der Sparsamkeit. Unter dieser Spitzmarke teilt der„ Duisburger Generalanzeiger" eine köstliche Blüte des Bureaukratismus mit. Bei einem größeren Postamt sei die Bestimmung getroffen, daß die Beamten, die Blauſtifte geliefert erhalten, die nicht mehr verwendbaren Stümpfe ab= zuliefern haben. Es wurde nun fürzlich ein Beamter von diesem Amt nach einem anderen Ort versetzt. Er vergaß die Ablieferung seines völlig wertlosen Blaustumpfes. Bald darauf wurde er durch sein früheres Amt aufgefordert, unverzüglich den Blaustumpf einzusenden. Da er diesen nicht mehr beitragen konnte und weitere Unannehmlichkeiten vermeiden wollte, schnitt er einen Stumpf von einem anderen Blaustift ab und sandte ihn gut verpackt und ver= siegelt an sein früheres Amt ab, wo der Stumpf dann vernichtet wurde. Wahrscheinlich hat das ganze mehr gekostet, als der Beamte in einem Jahr an Blauſtiften verbrauchen fonnte. Ausrede.( Im Restaurant.) Gast( zum Kellner):„ Wie fönnen Sie mir nur so eine schmutzige Serviette geben?" Kellner:„ Entschuldigen Sie mein Herr, die ist nur falsch zusammengelegt." Der Festtag der Pariser Bettler. Der Neujahrstag verlief in Paris sowie in den Provinzen in gewohnter Ruhe. Die große, vom allgemeinen französischen Arbeiterbund und der Vereinigung der Syndikate angekündigte Demonstration zugunsten des zum Tode verurteilten Kohlenverladers Durand in Havre hat nicht stattgefunden, weil der Präsident der Republik ein reichliches Maß von Gnade über das Haupt des Mannes ausgoß, An dessen Prozeß nun schleunigst revidiert werden soll. Stelle der gefürchteten Manifestanten ergossen sich nur wie an jedem Neujahrstage dichte Schwärme berufsmäßiger Bettler durch die eleganten Straßen des Pariser Westens und hingen sich gleich Kletten an die Rockschöße der ihre Neujahrsbesuche machenden oberen Zehntausend. Diese Bettler und Bettlerinnen, die für diesen Festtag das Schlechteste anziehen, das sie besitzen, und niemals versäumten, sich mit dem durch alte Gewohnheit geheiligten Jammerkinde zu versehen, dem die Rolle eines Mitleiderregers zufällt, kommen mit den Vergnügungszügen aus allen vier Ecken Frankreichs nach der Hauptstadt, die regulär abgegraft wird. Da sieht man Unglückliche, die einen kunstvoll errichteten Buckel mit sich herumschleppen, Einarmige und Beinlose, die ein oder mehrere Gliedmaßen unterschlagen, und hin und wieder sogar Aussäßige, wie man sie schöner selbst nicht am japanischen Nationalfeiertag in den Straßen Tokios beobachten kann. Einige von diesen auf die Pariser Mildtätigfeit spekulierenden Gewerbetreibenden sind Privatunternehmer und handeln auf eigene Rechnung und Gefahr. Die weitaus meisten dagegen sind, wie der Rapport eines Polizeiinspektors. lehrt, von Großunternehmern in der Provinz, zumal in der Bretagne, dann aber auch im schönen Spanien, geheuert und per Extrazug nach Paris verfrachtet worden, und wer über kein mitleiderregendes Jammerfind verfügt, bekommt von seinem Impresario ein auf den Mann dressiertes geliefert! Die Bettler erhalten freie Fahrt hin und zurück, die nötigen Subsistenzmittel und erforderlichenfalls auch einige besonders abschreckende Lumpen. Dafür müssen sie einen gewissen Prozentsaz ihres Reingewinns an den Unternehmer abliefern, der in der Regel ausgezeichnete Geschäfte macht. Von dem ihnen verbleibenden Reste leben die Leute dann bis zum 14. Juli, dem franzö= sischen Nationalfeiertag, an dem ebenfalls Freibettel besteht und der sie ein zweites Mal im Jahre nach Paris führt. Dampfpfeife, und nach etlichem Schwenken und Schaukeln Der sprechende Hand vor der Prüfungskommiſſion. Keine Nachricht vom Ballen„ Hildebrandt". Von dem vermißten Ballon Hildebrandt", der am Donnerstag unter Führung des Rechtsanwalts Dr. Kohrs in Schmargendorf aufgestiegen ist, liegt noch immer keine Nachricht vor. Der Passagier, der mit dem Hildebrandt" mitfuhr, war Profurist Keidel. Rechtsanwalt Dr. Kohrs, der am Silvester sei= nen 30. Geburtstag feiern wollte, hatte sich seit ungefähr zwei Jahren dem Ballonsport gewidmet. Es war seine 5. Fahrt, die erste als Ballonführer, zu der er am Donnerstag aufgestiegen war. Bei einer früheren Fahrt, die er im August unternommen hatte, war er in Rußland gelandet und verhaftet worden. Keidel, der im 32. Jahre steht, hatte seine erste Fahrt mit Dr. Kohrs unternommen. Riesenunterschleife beim russischen Roten Kreuz. Nach einer Petersburger Meldung des B. L.-A." fand eine zehn= stündige Haussuchung bei der Präsidentin des Roten Kreuzes der Fürstin Lobanow Rostowsky, durch den Untersuchungsrichter statt. In Alexandrowo wurden massenhaft Dokumente über Spenden aus Jetonverkäufen, besonders während des russisch- japanischen Krieges, beschlagnahmt. Die Fürstin Lobanow hatte eine Menge Agenten im Innern Rußlands mit Jetonverkäufen beauftragt. Die dafür ein= gegangenen großen Summen flossen nur zum geringsten Teil dem Roten Kreuz zu. Der größte Teil wurde unterschlagen. Gleichzeitig fand eine Haussuchung bei dem nächsten Mitarbeiter der Fürstin, dem Eisenbahnagenten Radominski statt. Auch hier wurde ein enormes Dokumentenmaterial beschlagnahmt. Eine Millionenstiftung" von – zehn Mark. Eine schnurrige Geschichte wird einer Berliner Korrespondenz aus Pforzheim erzählt.. Ein Anonymus hatte sich den Scherz Der sprechende Hund" Don" des Hegemeisters Hermann Ebers in Theerhütte( Leylinger Heide) hat jetzt vor einer wissenschaftlichen Prüfungskommission sein Eramen abge= legt und, wie wir gleich vorausnehmen wollen, glänzend bestanden. Seitdem dieses Genie der Hundewelt entdeckt worden ist und in der ganzen Welt Aufsehen erregte, hat man natürlich fleißig mit dem Tier geübt, und es spricht seine Worte fetzt in geradezu verblüffender Klarheit. Auch hat sich der kluge Hund ganz aus sich selbst bemüht, neue Worte, die er im Hause bäufig hört, nachzusprechen, so daß sein Repertoire sich erweitert hat. Vor einigen Tagen, so berichtet das Hamburger Fremdenblatt", begaben sich, mit Phonographen- und Photogra= phicapparat ausgerüstet, einige Herren zu dem Zweck nach Theerhütte, Don" wissenschaftlich zu untersuchen. In diefer Kommission befand sich u. a. der bekannte Tierpsychologe Dr. Pfungst vom Psychologischen Institut der Berliner Uni versität sowie Prof. Dr. Vosseler, Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg. Mehrere einwandfreie Privatlente befanden sich in der Begleitung der Gelehrten, um die aufzunehmenden Protokolle mit zu unterzeichnen. Gleich nach der Ankunft der Kommission in Theerhütte führte Herr Ebers seinen Hund vor, der zum größten Staunen der Bejucher, insbesondere auch der wissenschaftlichen Kritiker, gleich beim ersten Versuch laut und deutlich seine Antworten gab, ohne zu zögern oder sich zu irren. Der Hegemeister fragt: Wie heißt du?" Der Hund antwortet mit tiefem Kehllaut:" Don." Zweite Frage: " Was hast du?" Antwort:„ Hunger," wobei die zweite Silbe besonders afzentuiert wird. ,, Was wolltest du?" " Don" rufi:„ Haben, haben!" Jetzt hält der Hegemeister ein Stückchen Kuchen hoch und fragt: Was ist dies?" Wie ein Jubelruf klingt es: Kuchen!" Neuerdings hat" Don" noch ein Wort hinzugelernt. Wenn die anderen Hunde, die im Hause sind, draußen Skandal machen, ruft der Hausherr häufig das Wort„ Ruhe!" Als nun kürzlich die Hunde draußen wiederum kläfften, erhob„ Don" sich und rief zum Erstaunen der Anwesenden ebenfalls aanz deutlich Rvbe!" Seitdem hat man auch dieses Wort mit ihm geübt, und er antwortet nun auf das Kommando:„ Was bittest du dir aus?" fiets das Wort: Ruhe". Außerdem sagt er noch: " Ja" und„ Nein", aber undeutlicher. Nachden der Hund auch von Frl. Martha Ebers mit demselben schönen Resultat vorgeführt worden war, nahm Dr. Pfungst Notizen und ein Protokoll auf; auch wurden alle Bunkte im Leben und in der Entwicklung„ Dons" festgestellt, dann fanden mehrfache körperliche Untersuchungen statt. Am Nachmittag, als der Hund mehr als zehnmal ohne Ermüdung und ohne Widerwillen sein Pensum heruntergesagt hatte, arbeiteten Prof. Dr. Vosseler und Dr. Pfungst ganz allein im geschlossenen Raum mit dem Hund, der sich den beiden wildfremden Herren gegenüber ebenso willig zeigte wie seinem Herrn. Alsdann wurden etwa zehn phonographische Aufnahmen gemacht; die Walzen befinden sich jetzt im Psychologischen Institut der Universität Berlin. Ausdrücklich wurde festgestellt, daß das phänomenale Tier weder knurrt noch bellt, sondern daß man die Hervorbringung seiner artikulierten Worte nur mit„ Sprechen" bez zeichnen kann. Ganz seltsam nehmen sich die Stimmen der Menschen und des Hundes nebeneinander im Phonograph aus. Da der Hund viel lauter spricht", so scheinen die Stimmen von Mensch und Tier in der Wiedergabe wie verwechselt. Nachdem Prof. Vosseler noch eine Anzahl photographischer Aufnahmen von dem Wundertier, der Familie und dem Haus, in dem es lebt, gemacht hatte, wurde die Sigung geschlossen. Während die Apparate eilig zusammengepackt wurden, begab sich etwas Ergötzliches." Don", der von einem zum andern ging, begann seiner Gewohnheit nach ohne Aufforderung zu sprechen. Hunger- haben- Kuchen." Niemand hätte sich gewundert, wenn der Hund „ Adieu" gesagt hätte. Tr. Pfungst arbeitet über seine Untersuchungen und Beobachtungen ein Attestat aus, aus dem wohl demnächst das Hauptsächlichste veröffentlicht werden wird. Gelehrte und Laien schieden aus Theerhütte hochbefriedigt und mit der Anerkennung, daß sie die ersten Zeitungsberichte durchaus bestätigi fanden. Das Wundertier wird übrigens demnächst in einer Reihe erster wissenschaftlicher Institute öf= fentlich vorgeführt werden. Die Erkrankung Kaiser Franz Josefs wird in Wiener Hoffreisen nach wie vor optimistisch beur teilt. Man legt ihr gar keine Bedeutung bei und glaubt, der Kaiser werde bald wieder völlig gesund sein. Bei dem hohen Alter des Monarchen verdient die Erkrankung indessen die größte Beachtung. In einem längeren Telegramm wird uns dazu aus Wien gemeldet: Wien, 3. Januar. Die Nachrichten aus Hoffreisen besagen, daß die ganze Woche vergehen wird, ehe der Kaiser Schönbrunn zu einer Ausfahrt verlassen kann. Sein Allgemeinbefinden fann als ein gutes bezeichnet werden, doch verlangt sein Zustand alle mögliche Schonung. Seine Krankheit besteht, wie eine am Abend aus Schönbrunn kommende Nachricht besagt, in einem Rachen- und Kehlkopfkatarrh, der von einem starken Schnupfen begleitet ist. Namentlich beim Schlucken treten einige Beschwerden auf, auch hat sich der Appetit des Kaisers etwas verringert. Man nimmt in Hoffreisen an, daß sich der Kaiser die Erkältung bei einer der letzten Ausfahrten zugezogen hat, bet denen er entgegen den Vorstellungen des Leibarztes einen offenen Wagen benußte. Die Umgebung des Kaisers weiß ganz genau, daß der Zustand des Monarchen trotz der Unbedenklichkeit der Krankheit angesichts des hohen Alters des Patienten die größte Vorsicht gebietet. Für den Optimismus, mit dem man den Zustand des Kaisers beurteilt, ist es charakteristisch, daß der Leibarzt des Kaisers keinen permanenten Dienst hält. Eine hochstehende Persönlichkeit, die gestern längere Zeit mit dem Kaiser zusammen war, gibt folgende Erklärung über das Befinden: Zu einer Beunruhigung ist auch nicht die Spur vorhanden, um so weniger als das System Herrscht, dem Publikum alles mitzuteilen und nicht das geringste zu verschweigen. Der Gewährsmann kann bestätigen, daß von einem Unwohlsein nicht gesprochen werden kann, höchstens von Unpäßlichkeit. Der Kaiser neigt zu fatarrhalischen Erscheinungen und der Leibarzt Dr. Kerzel beobachtete mit großer Freude, daß im Jahre 1910 der übliche Schnupfen des Kaisers ausblieb. Alle Vorsichtsmaß= regeln gelten der Verhinderung, daß sich der Katarrh auf die Bronchien ausdehnt. Der Kaiser war gestern nachmittag guter Laune, es verstimmt ihn nur, wenn von Inachtnehmen die Rede ist. Wien, 3. Januar. Der Kaiser hat gestern ein in warmen Worten gehaltenes Telegramm von Kaiser Wilhelm erhalten, in welchem sich dieser nach seinem Befinden erkundigt und ihm baldige Genesung wünscht. Kaiser Franz Josef hat Auftrag gegeben, das Telegramm sofort in beru= higendem Sinne zu beantworten. Drabtnachrichten und neuestes. Tod eines Diplomaten. Berlin, 3. Januar. Der hessische Gesandte in Berlin, Maximilian Freiherr von Gagern, ist heute hier ge= storben. Die Berliner Frauen protestieren. Berlin, 3. Januar. Eine Frauenprotestversammlung, die gestern zu den Vorkommnissen in Mieltschin Stellung nahm, war zahlreich besucht. Schließlich wurde Siß und Stimme in den Stadtverordnetenversammlungen sowie in Allen Deputationen und Körperschaften verlangt, die mit der Durchführung des Fürsorgegesebes betraut sind. Der Ballon Hildebrand bleibt verschollen. Berlin, 3. Januar. Vom Ballon Hildebrand und seinen Insassen, dem Rechtsanwalt Dr. Kohrs und dem Prokuri= ften Reidel aus Berlin war auch gestern bis spät nachts noch keinerlei Nachricht eingetroffen. Somit schwindet die Hoffnung, ein Lebenszeichen von den Luftschiffern zu er halten, immer mehr, zumal schon fünf Tage vergangen sind, seitdem der Ballon verschollen ist. Schwere Straßenbahnzusammenstöße. Berlin, 3. Januar. In der Chausseestraße fam es gestern zu einem Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Kraftomnibus. Der Anprall war so hef= tig, daß die linke Seitenwand des Omnibusses zertrümmert und der Vorderperron des Motorwagens eingedrückt wurde. 3 Personen wurden schwer verletzt. Ein zweiter 8usammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Omnibus ereignete sich gestern abend an der Ecke Oranien= straße und Moritzplatz. Der Vorderperron des Straßens bahnwagens und das Vorderteil des Omnibusses wurden erheblich beschädigt. Eine ganze Anzahl Personen wurden verletzt, darunter besonders schwer der Omnibusschaffner und eine Frau. Die Bewegung unter den russischen Studenten. Petersburg, 3. Januar. Studententrupps durchfluteten gestern die Hauptstraßen Petersburgs. Die hier eintreffenden Züge brachten zahlreiche auswärtige Studenten, die sich den akademischen Demonstranten anschlossen. Aus Odessa kommen ebenfalls beunruhigende Nachrichten. Der Prästdent des Odessaer Lehrbezirks beurteilt die Lage an der Universität äußerst pessimistisch. Er erklärte einem Interviewer:„ Ich komme mir vor wie ein Mann, der mit rauchender Pfeife auf einem Bulverfaß sitzt und jeden Augenblick gewärtig sein muß, in die Luft zu fliegen." Die gestohlenen türkischen Geheimdokumente. Saloniki, 3. Januar. In eingeweihten Kreisen wird behauptet, unter den in der türkischen Gesandtschaft in Sofia gestohlenen Dokumenten befinde sich auch eine wichtige Korrespondenz des jungtürkischen Komitees mit dem Gez fandten, wodurch eventuell Verwicklunaen entstehen könnten. Bekanntmachung. Der Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Landmannstraße und Lärchenwäldchen ist festgestellt und kann von jedermann auf unserem Tiefbauamte eingesehen werden. Zu diesem Bebauungsplan ist die nachstehende Ortsbausatzung erlassen worden. Gießen, den 22. Dezember 1910. Großh. Bürgermeisterei. Mecum. Ortsbausatzung. Auf Grund der Bestimmungen in Artikel 2, 13, 20, 29, 37, 44 und 59 des Gesetzes vom 30. April 1881, die allgemeine Bauordnung betreffend, und in§ 3-5, 7, 9, 66 und 78 der Verordnung vom 1. Februar 1882 die Ausführung der allgemeinen Bauordnung betreffend, wird auf Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung, nach Anhörung des Oberbürgermeisters und Begutachtung durch den Kreisausschuß mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 3. November 1910 zu Nr. M. d. J. 13 045 zu dem Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Landmannstraße und Lärchenwäldchen folgende Ortsbausatzung erlassen. § 1. Gewerbebetriebe, die durch schädliche Dünste, starken Rauch oder ungewöhnliches Geräusch Nachteile, Gefahren oder Belästigungen für die Umgebung herbeiführen, sind verboten. Art. 29 allgemeine Bauordnung. § 2. Die Gebäude dürfen mit dem Dachgesims nicht mehr als 10 Meter über dem Bürgersteig sich erheben; oberhalb dieser Höhe dürfen die Dächer eine Neigung von 45 Grad gegen die Wagrechte nicht übersteigen. Art. 59 A. B. O. und§ 78 Ausführungsverordnung zur allgemeinen Bauordnung. § 3. Das an der Straße CD gelegene Gebiet ist der villenmäßigen Bebauung vorbehalten. Es wird deshalb bestimmt: a) Jeder Bauplatz muß eine Größe von mindestens 600 Quadratmeter haben.- Art. 13 allgemeine Bauordnung. b) Die Grundstücke dürfen nur zur Hälfte ihrer Gesamtfläche bebaut werden. Außer den Vorderhäusern sind nur zu diesen gehörige, nicht gewerbsmäßig zu benutzende Stallungen, Remisen für Wagen und Kraftfahr= zeuge und Kutscherwohnungen gestattet. Die Errichtung anderer Neben- oder Hintergebäude ist verboten.- Artifel 37, 59 allgemeine Bauordnung und§ 78 Ausführungsverordnung zur allgemeinen Bauordnung. c) Die Gebäude müssen von den Nachbargrenzen mindestens 3 Meter und von anderen Gebäuden auf demselben Grundstück mindestens 6 Meter entfernt sein. Jedoch sind Doppelhäuser mit gemeinschaftlicher Brandmauer oder Scheidemauer erlaubt. Art. 37, 59 allgem. Bauordnung und§ 78 Ausführungsverordnung zur allgemeinen Bauordnung. § 4. Gefuft auf sofort kräftiges Hausmädchen wegen Erkrankung des vorigen. Dr. Fritz Rörig, Bad Wildungen. 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