Irisch Pfg., ssicht. ügung er. 1 te iche 5. ein i.T. ; gule [ 22/1 mitt. ei [ 245/3 FF schaft. tadt 11 GasBügelischeocken, iniumichter [ 255/1 iten. fheizung forder yen etc.) undaus gewölbe 16. Juni ms bem Itch ausunserem t gegen ent pre[ 258/1 11 Uhr, Ihr: GeBeicht. icht mit Gießener Zeitung Bezugspreis 50 Pfg. monatlich - ( Neueste Nachrichten) oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. Nr. 153. Telephon: Nr. 362. Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Die Wirkungen des Jatbo- Spruches., Angesichts der andauernden Erregung, welche die Entscheidung des Spruchfollegiums über den„ Irrgeist vom Rhein" im ganzen Lande hervorgerufen hat, ist ein Artikel der„ Natl. Bl." von Interesse, der sich mit dem Falle Jatho insbesondere mit seinen voraussichtlichen Folgewirkungen eingehend beschäftigt. Der aus hervorragender geistlicher Feder stammende Artikel verbreitet sich zunächst über die Einrichtung des Spruchkol legiums, warnt vor den Uebertreibungen, kommt dann aber zu dem Ergebnis, daß die Entscheidung ein Fehlspruch sei. Der Verfasser wird aber auch dem Spruchkollegium darin gerecht, daß er auf die großen Schwierigkeiten ausführlich verweist, die Jatho selbst einer etwaigen, milderen Auffassung durch seine rüdgratfeste Haltung bei der Verhandlung bereitete. Dann verbreitet er sich über die voraussichtliche Wirkung des Spruchs: " Ein so eigenartiger Mann wie Jatho, hätte auch nen. Aber das sind verspätete Wünsche. Der Spruch ist gesprochen. Die Folgen lassen sich noch nicht übersehen. Wir glauben nicht, daß Jatho viele Nachfolger haben wird. Es wird kaum einen Theologen in PreuBen geben, der solche theologische Struktur hat, wie Jatho. Deshalb werden Massenerklärungen von Theologen, die sich mit Jatho theologisch identifizieren und gleiche Behandlung erfordern, wohl schwerlich erfolgen. Vielleicht kann die jetzt noch unbekannte Begründung des Urteilsspruches Weiterungen bringen. Sollte sie irgend wie eine Lehrnorm als„ Bekenntnis der Kirche" festle gen, die das Gewissen zahlreicher Pfarrer beschwert, so könnten sich allerdings Verwickelungen herausstellen. Die Kirchenbehörde hat selbst keine Neigung, von sich aus " Fälle" ungeduldig herbeizuführen. Man ist sich Ernstes der Lage überall wohl bewußt und wird hoffentlich den Weg gehen, der noch am ehesten die protestantische Freiheit und evangelische Wahrheit mit der wünschenswerten Glaubenseinigkeit der Landeskirche ermöglicht, man wird den Pfarrern die Entscheidung tief in das Gewissen schieben, ob sie ihre Lehrverkündigung mit den geschichtlichen Grundlagen und der Entwicklung der Kirche der Reformation vereinbaren können. Aufrich tige Gewissenserforschung und zuversichtliche Gewißheit, daß Gott über seiner Wahrheit waltet, können unabsehbare Schädigungen des protestantischen und damit auch des nationalen Lebens hintanstellen. Eine Verknöcherung der Landeskirche und eine Verschüchterung der freier gerichteten Geister, ein Miß brauch des Spruchkollegiums zur Herrschaft einseitiger Richtungen im evangelischen kirchlichen Leben würden die Folgen herbeiführen, die jetzt schon in den Jathobetrachtungen geschildert werden: Spaltung der evangel. Kirche und Trennung von Kirche und Staat! Was das aber in unserem konfessionell zerrissenen Volke im Zeitalter der ultramontanen Machtentfaltung bedeutet, darüber wollen wir heute nicht reden. Wir beschränken uns darauf, alle Freunde der idealen religiösen Lebenswerte, die als unveräußerliche Grundlage der deutschen Kultur uns in der weltgeschichtlichen Tat der Reformation und ihren Entwickelungs= möglichkeiten gegeben sind, zu bitten, daran zu denken, daß der deutsche Protestantismus und die Landeskir chen nicht dasselbe sind, und sich deshalb die Freude an ihm, das Vertrauen zu ihm durch Spruchkollegien nicht rauben zu lassen. Weil aber evangelische Kirche und Protestantismus einander bedingen und fördern, Sarum sollte man durch regere Mitarbeit an den kirch lichen Gemeindeaufgaben und Gemeindewahlen der freiheitlichen Richtung größeren Einfluß erkämpfen, um der engherzigen Orthodoxie die Macht zu nehmen, und der innerkirchlichen Duldung und freimachenden Wahrheit den Sieg zu erringen." * Aus Stadt und Land. Gießen, den 3, Juli. Ernennung. Die Privatdozenten an der Landesuniversität: Dr. phil. Jan Versluys bei der philosophischen Fakultät, Lic. theol. Paul Glaue bei der theologischen Fakultät und Landgerichtsrat Dr. Julius Friedrich bei der juristischen Fakultät sind zu außerordentlichen Professoren ernannt. * Die Landesuniversität hielt am Samstag in der neuen Aula ihr Jahresfest ab, bei dem der Rektor, Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann die Festrede über die Gründe der Zweifelhaftigkeit rechtlicher Ergebnisse hielt. Bei der Verkündigung der Ergebnisse des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag, den 3. Juli 1911. = ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. der Preisarbeiten für 1910-11 wurden folgende Preis| einigten sich die Festteilnehmer in Steins Garten, wobei fräger mitgeteilt: In der theologischen Fakultät August Dell aus Mainz, in der medizinischen Fakultät Eduard Benninger aus Gießen und Ernst Lang aus Bingen heim, in der philosophischen Fakultät Robert Schütz aus Gießen, Ferd. Kutsch aus Groß- Gerau und Otto Jung Stiftung erhielt Robert Schütz aus Gießen. Die Preisaus Darmstadt. Das Reisestipendium der Heimburger aufgaben der theologischen Fakultät für den LendheckerPreis, der juristischen Fakultät und der philoſophiſchen der Kunstwissenschaft hatte keine Bearbeiter gefunden. Fakultät aus den Gebieten der Sprachwissenschaft und In Steins Garten fand ein Festessen statt, an dem Dofich an. zenten und Beamte teilnahmen. Ein Gartenkonzert schloß -g- Stenographentag. Unter großer Beteiligung hielt am Samstag und Sonntag der Hessisch= Nassauische Main Rheing a u- Verband Gabelsbergerscher Stenographen seinen 32. Stenographen= tag, verbunden mit der Jubelfeier des 50jährigen Bestehens des Gabelsbergerschen Stenographenvereins Gie Ben, gegr. 1861, ab. Allein über 1000 auswärtige Mitglieder waren herbeigeeilt, um in der Lahnstadt GieBen den Verhandlungen und Festlichkeiten beizuwohnen. In einer am Samstag abend abgehaltenen Vertreter= versammlung fanden nur geschäftliche Angelegenheiten Erledigung. Nach Bericht des Verbandsvorstandes zählt der Verband 195 Vereine mit 7500 Mitgliedern. Als Vorstand wurden gewählt die Herren Lehrer Müller2. Offenbach, 1. Vorsitzender; Lehrer Schöpp- Mainz, Vorsitzender; Kaufmann G. Rommeis- Frankfurt a. M., Wiesbaden, Beisitzer. Als Ort der nächsten Tagung ist Kassierer; Rechnungsrat Haupt- Kassel, Dr. Kranz- BuschHöchst a. M. bestimmt. Ein lebhaftes Treiben herrschte bereits in den Morgenstunden des Sonntages. Außer mit dem Extrazug von Frankfurt, kamen aus allen Teilen des Verbandsgebietes zahlreiche Jünger Gabelsbergers, um einerseits an dem vormittags 9 Uhr im Kollegiengebäude der Landesuniversität und Realgymnasium stattfindenden Wettschreiben teilzunehmen, andererseits um der öffentlichen Festversammlung und der abends stattfindenden Jubelfeier beizuwohnen. An dem Wettschreiben nahmen 751 Stenographen teil. Am Abend Ehrenpreise, 41 an der Zahl, in einem Gesamtwert von konnte bereits das Ergebnis bekannt gegeben und die zirka 1000 Mt., gestiftet von Behörden und der Bürgerschaft Gießens, ausgehändigt werden. Insgesamt wurden 583 Arbeiten, nämlich 292 mit 1., 105 mit 2., 122 mit 3. Preisen und 64 mit lobenden Erwähnungen ausgezeichnet und zwar bei 100 Silben 210, bei 120 Silben 124, bei 140 Silben 115, bei 160 Silben 69, bei 180 Silben 34, bei 200 Silben 9, bei 220 Silben 13, bei 240 Silben 11, bei 260 Silben 5, bei 280 Silben 1, bei 300 Silben 1 und bei 320 Silben 1 Arbeit. Herr Oberbibliothekar Dr. Ebel nahm sich in liebenswürdiger Weise den nicht am Wettschreiben beteiligten auswärtigen Kunstgenossen an, indem er ihnen bei einem Rundgange durch die Stadt die Sehenswürdigkeiten GieBens zeigte. Im Anschluß hieran hielt Herr Dr. Ebel in der Univ.- Bibliothek einen sehr interessanten Vortrag über: Die Schrift im Mittelalter. Zu diesem Zwecke hatte er daselbst eine große Anzahl alter Handschriften aufgelegt. er= Die öffentliche Festversammlung wurde Mittags um 11½ Uhr unter zahlreicher Beteiligung seitens des Verbandsvorsitzenden, Herrn Lehrer Müller- Offenbach öffnet. Nach Begrüßungsansprachen der Herren Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann, Rektor der Universität, Landgerichtspräsidenten Dr. Güngerich, Beigeordneten Keller als Vertreter der Stadt Gießen, des Regierungsrates Welder, als Vertreter des Provinzialausschusses und Kreises Gießen, des Majors Nücker seitens des hiesigen Regiments Nr. 116, des Geh. Kommerzienrats Heichelheim als Präsident der Handelskammer und Referendar Brause- Dresden als Vertreter des Kgl. Stenographischen Landamtes, hielt Herr Prof. Pfaff- Darmstadt, Vorsitzender des deutschen Stenographenbundes Gabelsberger, einen mit Begeisterung aufgenommenen Vortrag: Jm Kampf um die Einheitsstenographie". Steins Um 2 Uhr mittags fand eine Festtafel in Garten statt; während derselben ging vom Großherzog von Hessen folgendes Telegramm ein: „ Lehrer Müller, Vorsitzender des Hessisch- Najsauischen Verbandes der Gabelsberger Stenographen- Gießen, Wolfsgarten- Jagdschloß. Uebermitteln Sie bitte den zum Stenographentag Versammelten meinen Dank für die an mich gerichteten freundlichen Grüße. Ernst Ludwig." 3u der Sonntag Abend stattgefundenen Jubelfeier verdie Preisverteilung vorgenommen wurde. Den Abschluß des Festes bildet heute ein Frühschoppen und ein Ausflug nach dem Schiffenberg.. * Der Kreisschulfommission Darmstadt ist von der obersten Schulbehörde eine Verfügung zugegangen, daß die Ferien für Volks- und höhere Schulen gleiche Dauer erhalten. Mit Rücksicht auf die grundsätzlich wohlwollende Stellung der Regierung beantragt Antrag für erledigt zu erklären. der Ausschuß der Zweiten Kammer, den vorliegenden Gerichtsferien. Die Gerichtsferien beginnen am 15. Juli und endigen am 15. September 1911. Während der Ferien werden nur in Feriensachen Ter= mine abgehalten und Entscheidungen erlassen. -u= Heuchelheim, 3. Juli. Das Kreisbauamt hat jetzt eine Versuchsstraße mit Kitton, einer teerähnlichen, im Wasser löslichen Masse, hier hergestellt. Eine weitere Strecke bei Lich soll folgen. Die Kittonstraßen sollen staubfrei und äußerst dauerhaft sein. == Holzheim, 3. Juli. Von heute ab ist hier auf längere Zeit ein Gendarm stationiert, der die Befolgung der Vorschriften, die wegen der Maul- und Klauenseuche von der Behörde erlassen sind, überwachen soll. Zweifellos wird diese Maßnahme dazu beitragen, der Verbreitung der Seuche entgegenzuwirken. * Bad Nauheim, 3. Juli. Expräsident Porfirio Diaz hat sich nicht zur Kur nach hier begeben, sondern zum Besuch seines langjährigen Privatsekretärs, der dort für ein schweres Herzleiden Heilung gesucht und gefunden hat. Diaz beabsichtigt seinen Besuch in Deutschland längere Zeit auszudehnen. * Bad Nauheim, 1. Juli. Am 16. Juli findet hier ein Blumentorso statt. Es hat sich ein Ausschuß gebildet, dem die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden 2c. angehören. == Alsfeld, 3. Juli. Das Kornhaus bei Station Nieder- Gemünden, das vor einigen Monaten durch Feuer zerstört wurde, läßt jetzt die Oberhessische Kornhausgenossenschaft durch einen größeren Neubau wieder entstehen. -d- Büdingen, 3. Juli. Nachdem das am letzten Sonntag auf der Ronneburg aufgeführte Festspiel: " Im Glauben stark, in Treue fest" einen so guten Verlauf genommen hat, ist eine Wiederholung am Sonntag, 16. Juli, beschlossen worden. Da bei der Erstaufführung mit geringen Ausnahmen Karten nur an die eingeladenen Ehrengäste und an die Mitglieder der mitwirkenden Zweigvereine des Vogelsberger Höhenklubs ausgegeben werden konnten, so war diese Wiederholung unbedingt nötig, um auch den Mitgliedern der übrigen V.- H.- C.- Zweigvereine und der Bevölkerung der Umgebung Gelegenheit zu geben, sich das Festspiel anzusehen. Wegen der Eintrittskarten wolle man sich an den nächsten V.- H.- Cl.- Zweigverein wenden. * Offenbach, 1. Juli. Eine stürmische Stadtverordnetensizung fand gestern in Offenbach statt. Den Anlaß gab ein scharfer Artikel der Offenbacher Zeitung gegen den Oberbürgermeister Dr. Dullo, in dem der Vorwurf erhoben war, Dullo habe den aus den Kaiserhofäffären bekannten Bankier Wolff empfangen und mit ihm über die Anlage städtischer Gelder konferiert. Es tam zu äußerst heftigen Zusammenstößen zwischen dem Bürgermeister und dem Abg. Ulrich auf der einen, und dem Stadtv. Feistmann, dem Gewährsmann der„ Offb. 3tg." auf der anderen Seite. Die Stadtverordneten stellten sich in ihrer weit überwiegenden Mehrheit auf die Seite des Oberbürgermeisters und nahmen gegen die „ Offenb. 3tg." Stellung. -u Gau Algesheim, 3. Juli. Auf die im Laden des Kaufmanns St. angebrachte Schelle hat ein Schwalbenpaar sein Nest gebaut. Obwohl die Schelle fast unausgesetzt am Tage in Tätigkeit ist, haben sich die zutraulichen Tierchen bis jetzt nicht im geringsten an dem Geklingel gestört, sondern eifrig ihrem Brutgeschäft obgelegen, so daß jetzt bereits fünf muntere junge Tierchen in dem Neste sich ihres Lebens freuen. *) Marburg, 3. Juli. Der Stadtverordnetenversammlung liegt folgender Antrag zur Beschlußfassung vor: Jm Bezirke der Stadt Marburg dürfen studentische Verbindungshäuser und Kneipen von Korporationen oder Dritten nur an nachfolgenden Straßen gebaut oder eingerichtet werden: Lutherstraße, Hainweg, Kaffweg, Wehrdaerweg. Die Verfügung soll rückwirkende Kraft vom 1. April d. Js. haben. tegen. Die schwarze Mobilmachung. Das Schifflein des Herrn Caillaur, des neuen Mannes in Frankreich, schwankt unsicher hin und her. Die Erklärungen über seine Staatsfunt, mit der er die Samlung aller Republikaner betreiben will, haben nicht überzeugt. Die Schonzeit, die man dem„ bunten abinett" gewähren will, dürfte nicht lange bemef= sen sein. Nur ein Minister, über dessen Berufung mait anfangs erstaunt war, hebt sich mehr und mehr in seiner Bedeutung hervor, denn er versteht es, Frankreichs Butunftspläne in einer Weise zu betreiben, für die ihm bie Zustimmung sicher ist. Ueber den gestürzten General Goiran ist Wiefsimy auf den bedeutungsvollen Boften des Kriegsministeriums emporgestiegen. Was will Meffimy? fragt man verwundert, wie bessen Ernennung befannt gegeben wurde. Aber in militärischen Streifen genoß Meffimy schon als früherer Kolonialminister eine hohe Wertschäßung, und zwar wegen seiner Abhandlungen über Frankreichs afrikanische Hilfs= armee. Echon im Jahre 1907 stellte Messimy nach seiner Nudkehr aus Afrifa den Plan der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht der Eingebore nen in Algier und dem französischen Sudan auf, und jetzt bereitet der neue Artegsminister den Gefeßentwurf über die Einführung der obligatorischen Dienstpflicht in Algerien vor. Der franzöfifche Kriegsminister glaubt, daß er in wenigen Jahren für einen Arteg gegen Deutschland allein aus Algerien 90- 616 100 000 ann nach Europa hinüberschaffen fann. Für noch beträchtItcher hält Meffimy die Silfsquellen aus dem Sudan zur Bereicherung des Menschenmaterials für die franzöfifche Armee in Europa. Auch Westafrita besitzt an= fehnliche Streitfräfte. Die Gesamtbevölkerung des dorHigen franzöfifchen Gebietes beträgt mehr als 12 Millionen. In Frankreich würde einer Bevölkerung von 10 Millionen ein jährliches Refrutenfontingent von 55000 Mann entsprechen. In Westafrita plant man nicht, den allgemeinen Pflichtheeresdienst einzuführen, sonbern man will alljährlich eine gewisse Anzahl Freiwilli ger unter 25 Jahren für einen 12-15jährigen Militärbienst anwerben. Oberst Mangin empfiehlt dem Kriegsminister einen 12jährigen Beitraum, damit mehr Referven an ausgebildeten Mannschaften für einen europäischen Krieg gewonnen werden. Da der Militärbienst bet den Sudanesen sehr beliebt ist, so hofft man bort 75 000 Mann zu den Fahnen zu bekommen. Schon im Jahre 1915 will man bis zum 6. Mobilmachungstage eine Division für Europa zur Verfügung stellen, die am 14. Mobilmachungstage in Bordeaux oder Marfeille wäre. Der Generalgvirverneur Franzöftsch- Westafritas tritt für Einführung der allgemeinen Wehrpflicht auch im Suban ein. Man werde dann in wentgen Jahren für den Kriegsfall in Europa mehrere Armeekorps afrikanischer Truppen zur Verfügung haben. 28ir sehen, daß die Pläne der Franzosen bezüglich der Aufstellung einer schwarzen Armee zur Verwendung bei einem Kriege in Europa bestimmte Gestalt anzunehmen beginnen. Man spricht von einer Mobilmachung, als ob sie demnächst zu erwarten set. Delcaffee fagte fürzlich in der Kammer, er werde trachten, ble Flotte Frankreichs alsbald so schlagfertig zu machen, daß sie auf den ersten telegraphischen Ruf zur Aktion berett fet. Und diese Revanchestimmung herrscht trotz einer Versammlung der Friedensfreunde, der außer pielen fremben Botschaftern die meisten Mitglieder der franzöfifchen Regierung beiwohnten, und in der der bewaffnete Friede noch schlimmer als der Krieg selbst bezeichnet wurde. Ein Druck Itent in der politischen Atmosphäre, und zu deffen Beseitigung tragen die französischen Mobilmachungsgelitste wahrlich nicht bei. Rundschau vom Cage. Politisches. Rein neues Kaiserschloß in Wiesbaden. Wie der " Juf." mitgeteilt wird, ist in Berlin von dem angeblich beabsichtigten Bau eines neuen Kaiserschlosses in Wiesbaden ebensowenig etwas bekannt, wie von der Tatsache, daß der Statser sich angeblich in Wiesbaden in dem alten Schloß nicht wohlfühlen soll. Auch die Nachricht, daß der Bau des neuen Kaiserschlosses bereits einem Berliner Baurat übertragen worden set, ist unzutreffend. Der Bundesrat hat seine letzte Vollsitzung vor der Sommerpause am vergangenen Mittwoch abgehalten. Voraussichtlich wird die erste Sigung nach der Pause erst am 5. Oftober stattfinden. Zur Krifis im Sanfabunde wird aus Essen gemel det: Die Niederrheinisch- westfälische Bezirksgruppe des Hansabundes hat hier in einer Versammlung ihrer Vorstände nach Tebbafter dreistündiger Debatte mit 48 4) Jugendfreundschaft. Roman von G. v. SchItppenbach. ( Nachdruck verboten.) Um fünf Uhr kam eine Drahtnachricht an, fie Tautete: „ Eramen gut bestanden. Dr. med. Alfred." Alle jubelten bei dieser Nachricht, denn der älteste Bruder war ein besonderer Liebling. Die Mutter aber blickte glitchselig zum grauen Himmel empor, der wieder voll schwerer Wolfen hing, thr Auge sab sie nicht, es war bell in ibr, beiße Freude bewegte thr Herz. In mehreren Abfäßen beantwortete Thekla Groten bach den Brief threr Jugendfreundin Anna Heideck. „ Meine Itebe Anna, lange habe ich mich nicht so Herzlich gefreut, wie über Dein Schreiben, es kam völ Itg unerwartet in meine Sände. Auch mir war es schon lange ein Bedürfnis, von Dir au hören, es ist mir jetzt unbegreiflich, warum ich Dir nicht frither schrieb, die lange Trennung ist daran schuld. Denke Dir, ich habe sogar Deine Handschrift nicht mehr erkannt, fie muß sich sehr verändert baben. Mit großem Interesse habe tch Deine Zeilen gelesen, ich teile Deine Trauer um den Verklärten und Dein Glück über Deine Starla. Du sprichst mit warmen Herzenstönen von Deinem ver storbenen Gatten, auch mir ward ein volles, reiches Ebeglitek auteil. Die erste Zeit unserer Ebe lebten wir, wie Dit ja weißt, in Bromberg, wo mein Edgar an einer Bank angestellt war. Hier wurden unsere dret ältesten Rinder geboren, von denen Du leider nur Lina und Alfred kennst. Später wurde mein Mann nach Memel versetzt, wo wir seitdem wohnen. Ich bin jetzt die glückItche Mutter von dret Söhnen und vier Töchtern." Frau Grotenbach legte die Feder fort, fie fitrchtete allzuviel von ihren Sorgen zu verraten; der Stolz ist der Reichtum der Armut, es lag nicht in dem christgegen 11 Stimmen die Bildung einer selbständigen Bezirksgruppe beschlossen. Diese hat sich konstituiert unter Wahrung ihrer vollen Selbständigkeit und auf Grund der alten Richtlinien des Hansabundes. Der Beweggrund zu dieser Stellungnahme der rheinischwestfälischen Industriellen dürfte darin zu suchen sein, daß sie für die ersten fünf Jahre des Bestehens des Hansabund ihm garantierte Gelder zugesichert haben. Wie die Rh.- Westf. 3tg." erfährt, hat der Vorsitzende der Bezirksgruppe, Geheimrat Kirdorf, in einem Echreiben an Dr. Nießer seinen Austritt aus dem Sansabunde erklärt und näher begründet. Das Diref= torium des Zentralverbandes Deutscher Industrieller hat die beteiligten Unterverbände zum 5. Juli zu einer Tagung nach Hannover eingeladen mit der Tagesordnung:„ Die Krisis im Hansabund". Dem Präsidium des Bundes gingen inzwischen weitere Zustimmungserklärungen zu. Zu den Aufsehen erregenden Zeilungsmeldungen über die Beziehungen zwischen der Marinebehörde und ben Marinetechnifern in Riel wird der„ Inf." auf eine Anfrage an zuständiger Stelle folgendes mitgetellt: Von der Absicht des Deutschen Techniker- Verbandes", über die Betriebe der Marine die Sperre zu verhängen, falls am 1. Jult gekündigte Techniker aus threr Stellung entlassen werden sollten, ist hier nichts bekannt. Es ist aber eine Anfrage an die Werftdirek tion in Riel über die diesbezüglichen Gerüchte gerichtet worden, nach deren Einlauf erst eine erschöpfende Ausfunft erfolgen fann. Bisher ist hier nur so viel bekannt, daß lediglich eine Umfrage bei den Technikern veranstaltet worden ist, wie sich die einzelnen bereits beamteten Techniker zu der Frage der Umwandlung des bisherigen Dienstverhältnisses in das neue privatrechtliche Dienstverhältnis stellen. Für den Ausfall der Beamtenqualifikation, die anscheinend den Streitpunkt bildet, sollten sie ein höheres Gehalt bekommen. Die sozialdemokratischen Demonstrationen für das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht in Preußen, die am Dienstag einfeßen werden, sollen während des ganzen Jahres bis zu den Reichstagswahlen fortdauern. Sie werden sich aber ausschließlich auf VersammIungen beschränken, Umzüge werden nicht wieder veranstaltet. Die Parteileitung hat eingesehen, daß sie damit doch nichts erreicht, und muß befürchten, daß es bet Straßendemonstrationen zu Tumulten und Szenen kommt, die manche Mitläufer, auf die man diesmal bet der Reichstagswahl ganz besonders rechnet, stubig machen können. Die Gefahr einer friegerischen Berwicklung zwischen der Türkei und Montenegro scheint einstweilen geschwunden zu sein. Wohlinformierte diplomatische Kreise in Konstantinopel versichern, daß der auf Anregung Rußlands von London aus propagierte Gedanke einer internationalen Intervention zur Verhittung eines friegerischen Zusammenstoßes zwischen der Türket und Montenegro momentan bet Sette gestellt set, daß er aber sofort wieder werde aufgenommen wer den, falls eine eminente Gefahr im Verzug wäre. Der englische Seemannsstrelk nimmt in einigen Häfen wetteren Umfang an, in anderen läßt die Bewegung nach. Die Versuche, zwischen den Schiffsreederverbänden und denen der Ausständigen einen Vergleich herbeizuführen, haben bis jetzt noch nicht zu etnem Ergebnis geführt. Sie scheitern hauptsächlich daran, daß wohl einige Schiffsgesellschaften und Reederverbände die Forderungen der Arbeiter auf Lohnerhöhung zum Tell zugestehen, daß sie aber nicht gleich zeitig dem Verlangen der Arbeiter nach Anerkennung threr Organisationen als gleichberechtigte VerhandIungsfaktoren nachkommen wollen. In Liverpool hat der Ausstand der Seeleute zu großen Schwierigkeiten Hinsichtlich der Wegschaffung der aus Amerika und Kanada dort eingetroffenen Nahrungmittel geführt. Neue amerikanische Regierungspolitik gegen die Trustgesellschaften. Die Erhebung der Anklage gegen 83 einzelne Personen, unter denen sich viele bekannte Finanzters, Industrielle und Anwälte befinden, wird in Neuport als Beginn einer neuen RegierungspoltHit gegen die Trustgesellschaften angesehen, welche gegen bte Untergesellschaften anstatt gegen die Hauptforporationen gerichtet ist. Wie verlautet, führt das Justizbepartement in Washington vier voneinander unabhän gige Untersuchungen gegen die Untergesellschaften, woBet diese in vier Gruppen nach ihrer Produktionsart eingeteilt werden. Itchen Sinn Theklas zu klagen. Nur threm Gott gegenitber sprach sie sich aus und fand im Gebet die Heilquelle, die nie versiegt. " Ich will Dir nun alle meine Lieben beschreiben“, hieß es weiter. Von meinem Edgar muß ich leider sagen, daß er fast ein Greis geworden tst; er strengt sich zu viel an und arbettet über seine Kraft. Wenn ich einen Stola befize, so ist es der, die Frau dieses edlen Mannes zu sein, von dem ich nur lernen kann. Er nennt mich am liebsten auch:" Mutting", sowie es die Kinder tun; er ist oft ebenso hilfsbedürftig wie diese und in den praktischen Dingen des täglichen Lebens auf mich angewiesen. Unfere Erstgeborene heißt Lina, wie Du Dich wohl noch erinnerst; sie ist jetzt vierundzwanzig Jahre alt und ein kräftiges Mädchen, aber nicht eigentlich hübsch, ba das Vernen ihr nicht leicht fiel, haben wir sie nicht damit gequält. Sie ist sehr praktisch und tatkräftig und hat auf einem Gut in Ostpreußen die Wirtschaft er. lernt; was sie angreift, hat Hand und Fuß. Oft wundere ich mich, daß gerade mein ältestes Kind so geworden ist, so ganz anders als ich, die in der Jugend schwärmte und heimlich Gedichte machte. Lina ist die verkörperte Profa, aber eine wohltuende, stemlich herrschfichtig, aber dabei stets bilfsberett. Ste war mehrere Jahre in Stellung, augenblicklich ist sie zu Hause zum Jubel der jüngeren Geschwister, die mit großer Liebe der ältesten Schwester zugetan find. Zu wellen vergesse ich ganz, daß Lina mein Kind ist, und betrachte sie fast wie eine Freundin, mit der ich fiber Leid und Freude spreche, denn sie weiß stets einen gutten Rat, es liegt viel Selbstlosigkeit in ihrem Charakter. Unser Alfred folgt seiner Schwester, er tst dreiundzwanzig; äußerlich ist er seines Vaters Ebenbild. Er ist sielbewußt und energisch, lebhaft fühlend und sehr begabt, sein Studium als Mediziner hat er eben in Königsberg beendet und möchte gern nach Berlin und Kleine Dadrichten. Aufhebung der Luftschifferschule in Friedrichshafen. Nach einer Mitteilung der Zentrale des deutschen Lufts flottenvereins an das Stadtschultheißenamt in Fried richshafen wird die dortige Luftschifferschule tatsächlich aufgehoben. Der Moniftenbund für Jatho. Eine vom Monistenbund einberufene und von etwa 700 Personen besuchte Versammlung in Magdeburg nahm eine Protestresolution an, die sich gegen die Verlegung der Gewissensund Bekenntnisfreiheit durch das Berliner Spruchfollegium" aussprach. Die Spende für Pfarrer Jalho, die von dessen Anhängern gesammelt wurde, hat bisher 70 000 Mark ergeben. Der frühere russische Minister Graf Witte hat in Frankfurt a. M. eine schwere Operation an der Stirn höhle durchgemacht. Sein Befinden ist befriedigend. Durch giftige Gase wurden in dem RichthofenSchacht zu Schoppiniz in Oberschlesien neun Zimmers Teute betäubt. Zwei von ihnen starben, während die anderen in das Krankenhaus eingeliefert wurden. Beim Zusammenbruch eines Geristes an einem Geschäftshause in Porz bei Göln ftitraten awet Arbeiter aus einer Höhe von 12 Metern. Der eine war sofort tot, dem anderen waren Arme und Beine gebrochen. Eine vorübergehende ältere Frau und mehrere andere Personen wurden leichter verletzt. Ermordung eines Ehepaares. In dem Dorfe Sellin in der Neumark ist gestern abend ein Ehepaar, das ein einsames Gehöft bewohnte, ermordet worden. Es soll sich um einen Naubmord handeln. Bei einem Automobilnnfall auf der Straße Auschwiß- ratau wurde ein Ingenieur getötet, ein Komissar des Bezirksamts und ein Rechtsanwalt schwer verlegt. Sie wurden vollständig ausgeplündert und ihrer Klei der beraubt aufgefunden. Schwere Bauernuuruben sind wieder einmal in Galizien ausgebrochen. In mehreren Dörfern hatten die aufrührerischen Bauern Häuser in Brand gesteckt, Brücken abgebrochen, Telegraphenstangen umgeworfen und Eisenbahngleise beschädigt. Es soll zu einem gutsammenstoß zwischen dem Militär und den Bauern gekommen sein, wobei über 200 Personen verwundet und mehrere getötet worden sein sollen. Eine heftige Sikewelle hat in den letzten Tagen Neuyort und seine Umgebung schwer heimgesucht. 22 Personen wurden in schwerkrantem Zustande dem Hospital zugeführt. Von den wegen Sibfchlags eingeliefer fen Personen sind im Laufe des gestrigen Tages fünf gestorben. Große Ueberschwemmungen in Japan. Durch andauernden Sturm und Regen sind neuerdings Ueberschwemmungen verursacht worden, die in ganz Japan große Verheerungen anrichteten. Auch Menschenleben find zu beklagen. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Eine auffehenerregende medizinische Entdeckung wurde gestern vormittag in Berlin von einem jungen amerikanischen Forscher Prof. Carrel von der Rocke feller- Universität in Neuport vor einem fleineren Kreise von Aerzten in dem Auditorium der wissenschaftlichen Abteilung der chirurgischen Universitätstli nit bekanntgegeben. Es ist Prof. Carrel geglückt, Körpergewebe, die verschiedenen Organen entnommen wa ren, außerhalb des Körpers zu weiterem Wachstum anzuregen, dadurch, daß er sie auf einen besonderen Nährboden, das sog. Blutplasma, brachte. Es handelte sich dabet auch um Gewebe, das von erwachsenen Le= bewesen stammte, und zwar gesundes wie ertranttes. Die Gewebestücke wurden bei Bruttemperatur in den Nährboden gebracht, und es ergab sich, daß die Blichtung für verschiedene Gewebe im wesentlichen von der Konzentration des Blutplasmas sowie von seinem Ge halt an Wasser abhing. Geheimrat Bier, der Leiter der Klinik, und der Chemiker Geheimrat Fischer beglückwünschten den Neuvorfer Gast zu seiner außeror dentlichen Entdeckung. Prof. Stider wies ausdrücklich darauf hin, daß die Carrelsche Entdeckung ungeahnte Ausblicke auf die ganze moderne Geschwülstlehre eröffne. Aus den Gerichtssälen. Das Urteil in Leipziger Spionageprozeß. Der französische Kapitän Lug ist vom Reichsgericht wegen Spionage au sechs Jahren Festungshaft verurteilt worden. Der Angeklagte war, wie erinnerlich Leiter eines Nach richtenbureaus in Belfort und hat als solcher sich mit verschiedenen Personen in Deutschland mitndlich und schriftlich in Verbindung gefeßt, um geheime Nachrichten zu erlangen. In der Begründung des Urteils sagt das Reichsgericht, die deutschen Behörden hätten von bem Vorhaben des Lur rechtzeitig Kenntnis erhalten und hätten ihm fortwährend Material in die Hände gespielt, welches er für geheim gehalten, das aber nicht Wien gehen, um dort noch seine Kenntnisse zu erwettern. Nach Alfred kommt Eva, sie ist achtzehn. Wie soll ich sie Dir beschreiben, Liebste. Wenn Lina die verförperte Prosa ist, so ist unser Evchen die holdeste Poeste, sie ist sehr musikalisch und möchte sich gern als Klavierlehrerin ausbilden. Ich glaube, daß sie einmal sehr hlibsch werden wird mit ihren großen, dunklen Augen und feinem Gesicht. Neben viel Temperament besitzt unser Itebes Kind eine fast frankhafte Empfindsamkeit, möchte das Leben sie nicht allzu hart anfassen; Klara ist zwei Jahre jünger, ein stilles, rubiges Mädchen, die Lina gleicht, sie ist leider etwas träge und beim Lernen unlustig, ich hoffe aber, das wird mit der Zelt besser." Hier wurde der Brief unterbrochen; erst nach et nigen Tagen schrieb Frau Grotenbach weiter, es ftel thr so schwer, über die kleine Blinde zu berichten.„ Unfere zwölffährige Irma ist unser Sorgenkind; in Folge einer Gebirnentzündung vor vier Jahren erblindete sie. Sie ist sehr fränklich, sehr zart, wir fürchten oft, daß fie uns nicht erhalten bleibt. Ich kann nur beten, daß Gott sie zu sich nimmt, wo sie das ewige Licht sieht. Ich kann Dir nicht mehr schreiben über mein blindes Kind. Der Brief brach hier wieder ab, Theklas Augen standen voll Tränen. " Heute will ich endlich diese Zeilen beenden", hieß es weiter, es bleiben mir noch unsere beiden jüngsten Söhne zu beschreiben übrig; Adam ist elf, Kurt sieben Jahre alt, es find frische, fröhliche Jungen, Kurt ist begabter und lernt gern und leicht, wohingegen Adam leider etwas träge ist. Nun habe ich Dir meine ganze Familie vorgestellt. Trotz mancher Sorge bin ich glücklich und zufrieden, der Gott, der die Lilten fleidet und den Vögeln thr Brot gibt, hat auch uns nicht vergessen.( 8. f.) 16 δι Бо fa shafen. It Lufts Friedtsächlich oniftenbesuchte teftrefoofffens= Spruch en Anart er= hat in Stirn gend. thofentimerend die 1. em Gerbeiter fofort Brochen. andere Sellin Das ein Es soll Auschomiffar verlegt. r Klei mal in hatten gesteckt, worfen m Zuern ge= Det und Tagen cht. 22 m Hofelieferes fünf rch an= UeberJapan enleben ur. tdeckung jungen Rockeleineren wissenitätsfitft, Kören wa= chstum onderen Sandelte ten Le= ranftes. in den e Züch= von der em GeBetter her beußerorSrücklich geahnte hre er r frant Spiovorden. 3 Nachsich mit ich und dachrichils sagt ten von erhalten inde ge= Der nicht terwetWie soll die verste Poeals Klaeinmal dunklen Derament Empfindanfaffen; es Mädund beim der Zeit nach etes ftel n.„ Unn Folge tōete fie. oft, daß ten, daß fieht. in bltnAugen n", hteß lingsten t fleben Purt ift 1 Adam rgestellt. frieden, Jeln thr 8. f.) geheim gewesen set. Das Reichsgericht hätte die ueber-| zeugung erlangt, daß ein Teil dieses Materials von Lur an das französische Nachrichtenbureau ausgeliefert worden wäre, daher liege der Versuch des Verbrechens der Spionage gemäß§ 1 des Spionagegesebes vor. Es hätte eigentlich auf Zuchthausstrafe erkannt werden miffen, doch set berücksichtigt worden, daß Lur im Dienste feines Vaterlandes gehandelt habe. Staatsanwalt und Verteidiger. In einem Prozeß vor dem Schwurgericht in Dortmund griff der Vertetdiger, Rechtsanwalt Franti, das Zeugnis des Polizeiinspektors scharf an. Der Staatsanwalt beantragte zwar selbst die Freisprechung des Angeklagten, bemerkte aber, der Verteidiger habe den Polizeiinspektor nur angegriffen, um dem Publikum zu zeigen, wie titchtig er fet und daß er sich selbst vor der hohen PoItzet nicht fürchtet. Der Verteidiger bemerkte darauf, Jeder Mensch schiebe seinem Gegner die Gesinnungen unter, die er selber habe. Wer selber aus fachlichen Motiven handle, pflege dem Gegner feine unsachlichen un terzuschieben. Er werde sich mit dem Staatsanwalt an anderer Stelle darüber auseinandersetzen. Der Gerichtshof nahm darauf den Verteidiger in eine Ordnungsstrafe von 100 Mart. Der Verteidiger set von dem Staatsanwalt schwer angegriffen worden und er habe scharf antworten dürfen, indem er aber dent Staatsanwalt unlautere Gesinnung untergeschoben habe, set er über die Grenze des Erlaubten hinausgegangen. Dollswirtschaftliches. Die Kosten der fazialen Versicherung, mit Berücksichtigung der durch die Versicherung der Privatangetellten zu erwartenden Auflagen berechnet das Reichsarbeitsblatt" in seinem foeben erschienenen Juniheft wie folgt: Die Kosten der bestehenden sozialen Versicherung haben im Jahre 1909 zu Lasten des Reiches 51,5 der Arbeitgeber 415,6 und der Arbeitnehmer 343,6, zusamt= men 810,7 Mill. Mart, betragen. Wenn die Hinterblie benenversicherung und die Erweiterung der Krankenversicherung in Wirksamkeit treten, außerdem die Angestelltenversicherung nach dem vorliegenden Entwurf eingeführt wird, erhöhen sich die vorstehend aufgeführten Kosten für das Reich um 27,0 auf 78,5, für die Arbeitge= ber um 118,5 auf 534,1 und für die Arbeitnehmer um 138,5 auf 482,1, zusammen um 248,0 auf 1094,7 Mill. Mark oder für das Reich um 52,4, für die Arbeitgeber um 28,5 und für die Arbeitnehmer um 40,3, im Durchschnitt um 35 v. H. Da die Mehrbelastung zufolge der Ausdehnung der Krankenversicherung auf rund 60 Mill. Mart Beiträge sowie an Reichszuschuß fitr die letzere auf 27 Millonen Mark veranschlagt worden ist, wird die gesamte neue Belastung aus der Angestelltenversicherung auf etwa 150 Mill. Mark geschätzt. Vermischtes. Ein Verkehrsjubiläum. Seit der erste Reichspostdampfer seine Fahrt antrat, waren am Freitag 25 Jahre verflossen. Durch Gesetz vom 6. April 1885 war der Reichskanzler ermächtigt worden, die Einrichtung und Unterhaltung von regelmäßigen Postdampfschiffverbindungen zwischen Deutschland einersetts und Ostasien sowte Australien andererseits einem geeigneten Unternehmer gegen eine vom Reiche zu zahlende Subvention zu übertragen, ebenso zum Anschlusse an die Hauptkinte die Errichtung einer Zweiglinte von Triest nach Alepaares. Die am wärmsten zu Herzen gehende Feier der gesamten Krönungsfestlichkeiten, das vom König und der Königin 100 000 der ärmsten Schulkinder Londons gegebene Fest im Kristallpalast, begann Freitag morgen um 11 Uhr. Zug um Zug ergoß sich von allen Stadtteilen in den Bahnhof von Sydenham, aus welchem ein ununterbrochener jubelnder Strom 17 Kindern unter der Aufsicht threr Lehrer und Lehrerinnen in die schönen Anlagen des Kristallpalastes zog. Mit dem zweiundneunzigsten Zug, der gegen drei Uhr eintraf, war die Kinderschar auf 100 000 Köpfe angewachsen und sie erwarteten in vier großen Gruppen das um drei Uhr angesetzte Eintreffen des Königs, der Königin, des Prinzen von Wales und der Prinzessin Mary. Durch die Anlagen begaben sich die königlichen Herrschaften in einer offenen Equipage, um sich mit je= der der vielen kleineren Kindergruppen mehrere Minuten lang zu unterhalten, so daß jedes Kind sagen kann, daß es mit seinem König und seiner Königin gesprochen hat. Zuerst wurden in den sich rasch fütl= lenden Anlagen des Kristallpalastes, die für alle, außer den 100 000 Kindern und 6000 Lehrern, geschlossen waren, von den großen Erfrischungshallen je ein Täschchen mit Limonade und Kuchen an jedes Kind verteilt, und der Jubel war unbeschreiblich. Dann fanden allerhand Unterhaltungen statt. Die Memoiren der Toselli. Frau Tosellt, die ehemalige Kronprinzessin von Sachsen, hat sich durch Vertrag verpflichtet, den deutschen Boden und besonders den Sachsens zu meiden und nichts zu veröffentlichen, was sich gegen das sächsische Königshaus richten würde. Sollte Frau Toselli wirklich in einem Memoirenwerk die Gründe ihrer Flucht vom sächsischen Hofe veröffentItchen, so würde sie damit gegen die vertragliche Abmachung verstoßen. Der sächsische Hof könnte sie an der Veröffentlichung nicht hindern; er hätte nur das Recht, thr die Apanage von jährlich 40 000 Mark und das Recht zu entziehen ihre Kinder in bestimmten Zeiträumen zu sehen. Es wird behauptet, daß der kürz= liche Besuch des Königs von Sachsen bet der Großherzogin von Toskana, der Mutter der Frau Tosellt, im Zusammenhang stehe mit der beabsichtigten Veröffentlichung. Ob dies aber zutreffend ist, läßt sich nicht feststellen. Cine Luftschiff- Paketfahrt. Die Passagiere des Dampfers Olympic", der gestern den Hafen von Neuyork verlassen hat, konnten zum erstenmal eine Flug= maschine als Gepäckbeförderungsmittel sehen. Ein retcher Engländer hatte Waren eingekauft, die ihm jedoch nicht mehr rechtzeitig vor seiner Abfahrt nach Neuvork zugestellt werden konnten. Da wurde der Flieger Sopwith beauftragt, das Paket dem Dampfer mit dent Flugapparat nachzubringen. Rasch holte er seinen Zweidecker aus dem Schuppen hervor und verließ nach wenigen Minuten das Fluggelände. Bald hatte er den vom Hafen aus nur noch in weiter Ferne sichtbaren Dampfer überholt, umkreiste ihn, bis auf 50 Meter ntedergehend, in schönem Fluge und Iteß das Paket an Bord fallen. Sopwith kehrte ohne Unfall nach Neuyork zurück. Wenn die Geschichte nur stimmt! bekannte Graf Günther v. Königsmarck wegen Betrugs und Untreue, ferner der Kaufmann Leonhardt aus Frankfurt, der Vermittler Ernst von Arnim aus Hams burg, der Reisende Franz v. Arnim aus Steglitz bet Berlin und der in Berliner Finanzkreisen nicht unbefannie Kaufmann Domarus aus Berlin wegen Be trugs bezw. Beihülfe. Die Vorgeschichte des Prozesses ist folgende: Der Besitzer des Rittergutes Groß= Grädig im Kreise Glogau, Leutnant Lamm, hatte die Absicht, sein Gut zu verkaufen, zu welchem Zweck er den üblichen Weg der Insertion in einigen Großstadtzeitungen wählte. Zu dem Gut gehört eine Ziegelet und das Vorwerk Grögersdorf; es hat einen Grundsteuerreinertrag von 4074 Mart. Auf Grund des Inferats trat Lamm zunächst in Verhandlungen mit einer Fürstin von Lieven, die angab, das Gut für ein Mit= glied eines mediatisierten Fürstenhauses erwerben zu wollen. Dieser Plan zerschlug sich aber, weil sich herausstellte, daß die angebliche Fürstin von Lieven eine Heiratsvermittlerin war, die für Kavaliere Dollarprinzessinnen aus Amerika besorgen wollte. Der Geheimsekretär dieser Fitr stin" war der Kaufmann Leonhardt, der jetzt als Agent auftrat und den Verkauf des Gutes an den Leutnant Franz v. Arnim vermittelte. Das Gut, das Leutnant Lamm für 550 000 Mark erworben hat, wurde für rund 700 000 Mart dem Arnim verkauft, und zwar sollte eine Anzahlung von 200 000 Mark gemacht werden. Arnim übernahm das Gut und vertröstete den Verkäufer wegen der Zahlung; die Raufkosten und Vermittlergebühren bezahlte er durch Aufnahme einer neuen Hypothet. Jetzt wollte Lammi den Rückkauf in die Wege leiten, da Arnim ohne jede Mittel war und nun trat Graf Königsmarck hervor, der die Rückauflassung in die Wege leitete, inzwischen aber Lamm zur Hergabe von Geld in bar und Wechfeln zu bewegen wußte. Bei den Wechselgeschäften war endlich noch der Kaufmann Domarus tätig. Schließlich wurde dem Verkäufer Lamm die Sache zu langweilig und er erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, die nach umfangreichen Ermittelungen die Anklagen gegen die Beschuldigten erhob. Lamm befindet sich zurzett in einem Sanatorium bei Berlin, wo er kommissa risch vernommen worden ist. Die Verhandlung wird mehrere Tage dauern. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist der betrogene Zeuge Lamm seit zwei Jahren geistesfrank. Infolgedessen ist die Freisprechung sämtlicher Angeflagten wahrscheinlich. Drabtnachrichten und neuestes. Vom Industriemarkt. Dortmund, 1. Jult. Die Harpener Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbau teilt mit, daß nach dem Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres die Verteilung einer Dividende von 8 Prozent zu erwarten set. Unterbrechung des Deutschen Rundfluges. Göln, 1. Jult. Wegen des außerordentlich ungünstigen Wetters konnte die Weiterfahrt der Teilnehmer am Deutschen Rundflug heute nicht stattfinden. Damit dürfte sich das ganze Programm abermals um einen ganzen Tag verschieben. Der Ausstand der Seelente. Hull, 1. Juli. Eine Versammlung von 12 000 Seeleuten beschloß es abzulehnen, den von den Führern der Streifenden angenommenen Bedingungen zuzustimmen, solange nicht auch die Regelung der Forrandrien, welche aber später wieder fortfiel. Die Er- Hirth über seinen Flug München- Berlin, berungen der Doctarbeiter erfolgt fet. Die Eisenbahner öffnung der subventionierten Postdampferfahrten er= folgte mit größeren Feierlichkeiten. Als erster Reichspostdampfer ging am 30. Junt der Lloyddampfer„ Oder" von Bremerhaven aus nach Ostasien in See, während für die australische Linie der Dampfer„ Lübeck" be= stimmt war. Die in den Reichspostdampferdienst ge= setzten Erwartungen haben sich erfüllt, und die dafür ausgeworfenen Mittel sind der Verbesserung und Erweiterung des Verkehrs nutzbar gemacht worden. Ste trugen dazu bei, eine schnelle und regelmäßige Verbin= dung Deutschlands mit wichtigen überseeischen Gebieten sicherzustellen. Im Stahlfaß durch die Niagarafälle. Der Amertkaner Reach durchschwamm gestern in einem Stahlfaß die Niagarafälle. Nachdem er drei Stunden lang in dem Stahlfaß im Strudel umhergeschleudert worden war, fischte man das Faß auf und zog thn heraus. Zunächst hielt man ihn für tot. Er lebt jedoch noch und Itegt jetzt besinnungslos in einem Hotel in der Nähe der Fälle. Leach hatte dieses waghalsige Unterfangen des Durchschwimmens der Fälle in einer eigens konstruterten Tonne vorberettet. Ste besteht aus dünnem, aber starkem Stahl und ist im Innern gepolstert. DretHunderttausend Menschen sahen dem aufregenden Der Flieger Schauspiel von beiden Ufern aus zu. Lincoln Beachen hat seinen tollkühnen Flug über die Niagarafälle wiederholt. Er landete glatt und unversehrt. Bilsenkrant gegen lästige Ehemänner. In dem ungarischen Orte Kisdaindol bet Fünfkirchen starb kürz= lich der greise Mühlenbesizer Gaspar unter verdächtigen Symptomen. Der Oberarzt stellte Vergiftung durch Bilsenkrautsamen fest, der dem Gaspar in eine süße Speise gemischt worden war. Die einstige Geliebte Gaspars wurde als Täterin verhaftet. Ste gestand, das Giftmittel von einer Freundin erhalten zu haben. In der weiteren Untersuchung ergab es sich, daß die Freundin in Gemeinschaft mit einem gewissen Adam Roth schon vor Jahren bei einer anderen Vergiftung mithalf. Roth gestand nun seinersetts, daß auch die Witwe Ilias ihren Mann mit Bilsenkraut vergiftet hatte und dann von ihrem erfolgreichen Mittel den Rest an ihre Freundin weitergab. Alle genannten Personen wurden verhaftet. Dr= Der Kontorist als Lebemann. Ein Opfer seiner Großmannssucht wurde der Kontorist Karl Lewerenz aus der Zionsstraße in Berlin, der gestern von der Kriminalpolizei verhaftet wurde. Der junge Mann war in einer Pelzgroßhandlung beschäftigt und lebte dentlich und bescheiden, bis er durch Bekannte in Berithrung mit kleinen Artistinnen fam. Jezt glaubte er, den Lebemann und Kavalier spielen zu müssen. Er legte auch seinen einfachen bürgerlichen Namen ab, nannte sich stolz„ Wilhelm Graf von Lubranice, Offizier bei den Garde- Ulanen". Mit seinen Geliebten unternahm er wiederholt Autofahrten, die nicht selten 70 bis 80 Mark kosteten. Für diese Lebenshaltung reichte natürlich sein Gehalt bei weitem nicht aus, und so vergriff er sich an dem Eigentum seines Arbeitge= bers. Felle, die er vom Lager entwendete, verkaufte er und unterschlug für 2400 Mark Felle. Gestern ereilte den jungen Lebemann sein Geschick; er wurde mitsamt seinen Hehlern festgenommen. 100 000 Kinder als Gäfte des englischen KönigsHellmuth Hirth macht der Inf." über seinen be= deutsamen Flug München- Berlin, der den größten btsherigen Leistungen auf diesem Gebiete durchaus gletchfor..mt, folgende Mitteilung: Der gesamte Flug von München nach Berlin nahm 5 Stunden 41 Minuten wirkliche Fahrzeit in Anspruch. Da die Entfernung von München nach Berlin rund 535 Kilometer beträgt, so wurde von dem Apparat eine durchschnittliche Stundenleistung von 100 Kilometer erreicht. Naturgemäß wurden auf der ganzen Strecke München- Berlin mehrere Landungen unternommen, so daß die Bett, während der der Flug vor sich ging, also vom Start in München bis zur Landung in BerIin, viel länger war, nämlich 14 Stunden 30 Minuten. Aber auch diese Bett ist noch verhältnismäßig, kurz zu nennen, da nach den Bedingungen des Kathreinerpretses die Strecke in höchstens 36 Stunden zurückgelegt werden mußte. Der Flug dauerte also mit sämtlichen Landungen 22 Stunden weniger, als gefordert worden war. Ueber die Einzelheiten des Fluges erzählt Hirth folgendes: Sein Passagier war Fabrikant Dierlamm, Vorsitzender des„ Württembergischen Flugsport- Klubs", ein alter Anhänger des Luftsports, der bereits mit Hirth 5 Paffagterfllige gemacht hat.Dierlamm erklärte, daß er sich noch niemals so sicher gefühlt habe, wie in diesem Eindecker, besonders nicht damals, als er mehrfach Baffagterflüge in einem Doppeldecker machte. Mit Hirth wollte er bis ans Ende der Welt fliegen. Der Apparat ging während der Fahrt so ruhig, daß er zeitweise in thm schlafen konnte. Hirth hatte beretts die Absicht, am Montag seine Fahrt zu beginnen, er startete in Buchheim bet Regenwetter und flog eine Stunde lang ins Gebirge. In Höhe von 800 Meter blieb ihm der Motor stehen wegen eines Motordefekts. Er mußte also bet heftigen Böen im Glettfluge landen. Am Mittwoch abend flog er in der Dunkelhett wieder nach München zurück und flog endgültig am Donnerstag abend von München bis Nürnberg. Frettag früh 4.27 Uhr startete er in Nürnberg, nahm seinen Flug über Erlangen, Bamberg, Saalfeld, Jena und Naumburg, überflog das thüringische Gebirge in einer Höhe von 800 Metern und hatte hter den herrlichsten Ausblick auf Schluchten, durch die sich die Eisenbahn schlängelte, und auf die thüringischen Berge. Die Landung in Leipzig erfolgte 6.15 Uhr frith, wobet er bemerkte, daß in den niedrigeren Luftschichten sehr böiges Wetter herrschte. Nach einstündigem Aufenthalt in Leipzig wurde von neuem gestartet und er flog über Luckenwalde und Lichterfelde nach Berlin, wo er, wie gemeldet, 9,08 Minuten über dem Flugplat in Johannisthal etntraf. Die Landung erfolgte um 9.10 Uhr, nachdem er vorher noch in den letzten Augenblicken mit sehr starken Böen zu kämpfen hatte. Die Iegte Strecke des Fluges war die schnellste. Er flog die 150 Kilometer lange Strecke von Leipzig nach Berlin in 78 Minuten, erreichte also hter ein Durchschnittstempo von 120 Kilometer in der Stunde. Die Strecke Leipzig- Berlin war die schlimmste der ganzen Fahrt. Hirth ist des Lobes voll über seinen Apparat, etnem rein deutschen Fabrikat, der sich vorzüglich gehalten hat. Da Hirth alle Bedingungen erfüllt hat, hat er den Kathreinerpets in Höhe von 50 000 Mark gewonnen. Großer Betrugs- und Schieberprozeß. Vor der Straffammer des Landgerichts Glogau be= gann am Freitag ein umfangreicher Betrugsprozeß, der sich gegen mehrere bekannte Mitglieder der Berliner Bebewelt und der Berliner Finanzkretse richtet. 3u verantworten haben sich der aus dem Harmlosenprozeß haben ihre Entscheidung über die Beteiligung am Ausstande auf eine am Sonntag stattfindende Versammlung verschoben. Antwerpen, 1. Jult. Hier angekommene, nach, Liverpool angeworbene Chinesen wurden heute durch die Straßen gefagt und mißhandelt. Die Polizet war gegen die Ausschreitungen machtlos. Kaiserliche Belohnung eines englischen Rapitäns. Kapitän London, 1. Jult. Dem Handelsamt ist durch das Auswärtige Amt eine goldene Uhr zugegangen, dte der deutsche Kaiser dem Kapitän des Fischdampfers Scarborough aus Grimsby als Belohnung für den Betstand überwiesen hat, den der Kapitän der Mannschaft des in Not geratenen Bremer Schiffes Schiller int November v. J. hat zuteil werden laffen. Börsenwochenschau. Das Geschäft an der Berliner Börse ist in der letzten Woche sehr erheblich zurückgegangen. Die starken Schwankungen und die große Erregung, dte bisher an einzelnen Märkten geherrscht hatten, vor allem am Martte der Warschau- Wiener Eisenbahnaktien, haben gänzlich aufgehört, und die gesamte Börse stand in den lezten Tagen im Zeichen großer Lustlosigkeit. Dies hat seinen Grund in erster Linie in den verworrenen Verhältnissen des Geldmarktes. Die Börse mußte sich diesmal zum ersten Male mit den neuen Bestimmungen der Reichsbant im Lombardverkehr und thren verschiede= nen Konsequenzen abfinden, und die Folge davon war, daß der Geschäftsverkehr durch die Neuerung und gleichzeitige Verteuerung der Geldfäße wesentlich behindert wurde. Dies gilt weniger mit Bezug auf ultimogeld, das zu dem nicht übertriebenen Sabe von 5% bis 5% Prozent zu haben war, als vielmehr in erster inte von Darlehen auf turzen Termin über den ultimo, bet denen jedesmal der Zinszuschlag von 10 Tagen zu berücksichtigen war, sodaß sich die Säße auf 12 bis 15 Prozent teilweise noch darüber stellten. Sterbet handelt es sich allerdings hauptsächlich um nominelle Geldforderungen, während in Wirklichkeit Abschlüsse zu derartig ungewöhnlichen Geldfäßen in nennenswertem Umfange fe= denfalls nicht stattgefunden haben. Die Grundtendenz der Börse war troß der herrschenden Geschäftsstille nicht gerade schwach, sondern im Gegenteil auf allen Gebtefen sogar ziemlich fest. Namentlich regten wieder die verschiedenen Fufionsgerüchte in der Montanindustrie an, die teilweise bereits durch die Tatsachen bestätigt worden sind. Ant letzten Tage der Berichtswoche zeigte die Börse vorwiegend freundliche Tendenz bet allerdings sehr geringem Geschäft. Die Ueberwindung des Ultimo rief auflust auf verschiedenen Gebieten hervor, doch ließ im wetteren Verlaufe der Verkehr wieder nach. Die Schwäche Neuyorts machte auf die Gesamttendenz teinen Eindruck. Am Montanatttenmarkt maPhöntrren Hohenloheaftten bevorzugt und höher. aftien erholten fich. Bantattten hatten äußerst be= schränktes Geschäft bet ziemlich behaupteter Tendenz. Von Transportwerten verzeichneten Warschau- Wiener nach dem anhaltenden Rückgange der letzten Bett eine leichte Erholung. Canada Pacific- Attten lagen schwach im Zusammenhang mit den Nachrichten über die Ausbreitung des Seemannsstretts. Desterreichische Bahnen stellten sich auf Wiener Anregung höher. Von den Nebenwerten des Ultimomarktes schwächten sich HansaDampfschiffattien nach festerem Beginn später ab. Elettrische Werte blieben vorwiegend behauptet. Feste Haltung befundeten die 3% tge Reichsanleihe. Der Kaffenmarkt für Industriewerte zeigte vorwiegend feste Haltung. Der Privatdiskont zog wetter um 8% auf 33% an. Ultimogeld war zu 5%% erhältlich, Geld auf furze Termine über den ultimo zu 4½% zuzilgItch des 3tnszufchlages für 10 Tage. EINLADUNG zu meinem diesjährigen grossen Inventur- Ausverkauf welcher am 1. Juli beginnt. 22/14 AM Aus allen Abteilungen habe ich eine grosse Auswahl meiner Waren in übersichtlicher Weise ausgestellt und verkaufe solche zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. Für jedermann, insbesondere für Brautleute, Hoteliers, Pensionen, .. 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