befter und Sergolagen nbon 25 12 Fl. an ter Ma. Rh. uc. ntag irforge. men wollen deren Kraft deuten. Wir Die lachenden n. Laufende erblüht e fräftigsten Ernährungs Sten Lebens los Gefunde eiführen, le Siterer Krant Illgemeinheit hte Fürsorge hätten er flicht der Allnisation der e in allen worden ist. en, den un und Kinder des Hessenher der Ruf ihrem Ge Giessen: Frau- Wiesed, Frau, Pfarrer . Dr. Bötti Alein- Linden, August Di Frau- Lidh Bürgermeister Alten- Bused, erzienrat Gail Frau, Re gnagel und hard u. Frau, Dent Dr. Gün Frau- Lollar, wefan Hainer Heichelheim u Frau, Friedr. ell, Rabbiner und Frau, Oneter Keller, ngelhöffer und Areiling und Frau, Regier meister Leun er Mecum u Kommerzien Müller und Lehrer Nam D. Naumann dolf Noll und gerichtsdirektor Frau, Geb Frau- Lang Riegel, Fra r und Frau irettor Schäfer uchelheim, Bir Hauptman uguft Schwan 5- Lich Durd Benborn, Fra an Gtrad un Pf. Dr. Strab er und Frau for Weber und Jech, Eisenbahn itsrat Dr. 3in Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 Pfg. monatlich oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Nr. 103. - - - Telephon: Nr. 362. Ein Reichseinigungsamt. Eines der großen Ziele der Kulturvölker muß der soziale Friede sein. Nicht jene Ruhe, die ohne Wunsch und ohne Willen ist, sondern öffentliche Zustände und Einrichtungen, Einvernehmen und Vorurteilslosigkeit namentlich zwischen Unternehmern und Arbeitern, die eine Verständigung über Streitfragen ohne erbitterte Kämpfe ermöglicht. Dieses Ziel ist sicher noch weit, aber man müßte an unserer gesunden und natürlichen Entwickelung irre werden, wenn wir ihm nicht jeden Tag näher kommen würden. Unsere ganze soziale Kultur drängt zu diesem Ziel. Das scheint eine wenig begründete Ueberzeugung in einer Zeit, in der von Unternehmern und Arbeitern mit oft leidenschaftlichem Eifer zum Sammeln getrieben wird und ihre starken Organisationen sich kampfgerüstet gegenüberstehen. Und doch ist diese Ueberzeugung richtig. Sie wird auch nicht erschüttert durch die Tatsache, daß es nach reichsstatistischen Ermittelungen noch im Jahre 1909 nicht weniger als 1537 Streifs in Deutschland gab und noch im vorigen Jahre die Bauarbeiteraussperrung unserer Volkswirtschaft schweren Schaden brachte. Пеце Diese gewaltigen volkswirtschaftlichen Erschütterungen durch die Stillegung großer Erwerbszweige, durch Streiks und Aussperrungen sind ein zwingendes Mittel zur friedlichen Ausgleichung vorhandener Streitpunkte. Auch die vorjährige Aussperrung der Bauarbeiter hat nach dieser Richtung gewirkt. Die bei ihr gemachten Erfahrungen werden beide Teile abhalten, leichten Mutes in große Kämpfe einzutreten. Weil man die Kräfte ge= messen hat und selbst der Sieger nicht ohne schmerzhafte Wunden blieb, wird man in Zukunft mehr als früher den friedlichen Weg der Verhandlung betreten, wird man leichter geneigt sein, auf der einen Seite von unerfüllbaren Forderungen abzulassen, auf der anderen den schroffen Herrenstandpunkt nicht gegen die nach Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage strebenden Arbeiter zu betonen. Daß der Herrenstandpunkt unserer heutigen sozialen Entwickelung wenig entspricht und im Grunde den Unternehmern selbst die schwersten wirtschaftlichen die Nachteile zuzufügen pflegt, ist eine Ueberzeugung, auch von diesen immer mehr geteilt wird. Sie sind da= her heute viel häufiger bereit, vor unparteiischen Schiedsrichtern mit den Arbeitern zu verhandeln; wie das auch in letzter Zeit bei größeren Arbeitskämpfen wiederholt geschah, so bei der Aussperrung der deutschen Bauar beiter, bei dem Kampf auf den Schiffswerften und bei dem Streik der Straßenbahner in Bremen. Auch die Gewerbegerichte hatten als Einigungsämter bereits in vielen Fällen sehr gute Erfolge. Aber sowohl ihnen wie den unparteiischen Schiedsrichtern und ebenso den von Unternehmern und Arbeitern eingesetzten Einigungsämtern fehlte bisher eine wichtige Vorbedingung erfolgreichen Wirkens, nämlich der Zwang, bei Streitfällen vor diesen Schiedsgerichten zu erscheinen und die Sache vor ihnen zu verhandeln. An diesem Mangel ist oft der beste Wille gescheitert, und nur er trägt die Schuld, daß viele Streiks und Aussperrungen nicht von vornherein vermieden sind, sondern erst nach wochen- und oft monatelanger Dauer geschlichtet wurden. Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Mittwoch, den 3. Mai 1911. doch annehmen, daß diese Ablehnung keine grundsätzliche ist. Wenn der Reichstag in Uebereinstimmung mit den großen Unternehmer- und Arbeiterverbänden das Einigungsamt verlangt, so wird sie ihm voraussichtlich keine Schwierigkeiten bereiten. Und dieser Entwicklungspunkt wird so sicher kommen, wie es in Deutschland auf dem Gebiete der Sozialethik nicht rückwärts, sondern wärts geht. * Aus Stadt und Land. E vor= Gießen, den 3. Mai 1911. Der Wonnemonat Mai läßt bisher wonnige Eigenschaften sehr vermissen. Die Temperatur ist andauernd recht kühl und lockt nicht sonderlich zum Aufenthalt im Freien, trotzdem die Erde mit Gräsern und Blumen, die Bäume mit zartem Blattgrün und dem prachtvollsten Blütenflor dastehen. Wenn auch nach einer Bauernregel gerade von einem kühlen und feuchten Mai ein fruchtbares Jahr erwartet wird, so wünschen wir doch sehnlichst den warmen Sonnenschein herbei, um die Frühlingspracht recht ausgiebig genießen zu können. * Sanitätsfolonne. Donnerstag abend findet die Eisenbahnübung statt. Abmarsch 8% Uhr vom Depot; ohne Uniform, nur Armbinde ist anzulegen. Bei der Uebung werden die Gruppen so zusammengestellt, wie es am 21. Mai in Friedberg der Fall sein wird. Vollständiges Erscheinen ist daher unbedingt erforderlich. Die Weimarer Nationalfestspiele für die deutsche Jugend finden bekanntlich diesen Sommer wiederum statt, und zwar in drei Wochenreiher vom 25. Juli bis zum 12. August. Jede deutsche Schülerschaft, die von einem Lehrer geführt wird und sich bis zum 15. Mai d. Js. meldet, erhält Freiplätze im Großherzoglichen Hoftheater zu den Vorstellungen von Hebbels„ Nibelungen", Shakespeares„ Wie es euch gefällt“ und Schillers„ Räubern" und freien Eintritt zu den Weimarer Dichterhäusern und Museen. Die Anmeldung hat bei der Geschäftsstelle des deutschen Schillerbundes, Weimar, zu erfolgen. Es können auch einzelne Schüler, die mit ihren Eltern kommen, teilnehmen. ent* Gärten als Mittel im Kampf ge= gen die Trunksucht. Der 2. Internationale Arbeiter und Schrebergärten- Kongreß, der letzthin in Brüssel tagte, hat folgende Entschließung angenommen: „ In der Erwägung, daß die Armenlasten, welche die Gemeinden und Armenanstalten bedrücken, sehr häufig auf Alkoholismus, Tuberkulose und das hieraus springende physische und moralische Elend zurückzuführen sind, daß gegen dieses Elend die Arbeitergärten eine der wirksamsten Waffen bilden, spricht der Kongreß die Forderung aus, daß Gemeinden und Armenbehörden solche Gärten ins Leben rufen und sie an Stelle von Barunterstützung den besonders kinderreichen Familien überweisen. Zu dem Zweck müßte das Gesetz den öffentlichen Behörden die erforderlichen Befugnisse gewähren." * Neben der Maut und Klauenseuch e tritt nun noch in verschiedenen Teilen des Großherzogtums Hessen die Schweinepest auf, die durch die Ein= fuhr von jungen Einlegeschweinen eingeschleppt worden sein soll. Für Landwirte und Fleischverbraucher trüb Aussichten. ** Warnung. Seit einigen Jahren wird ein schwunghafter Handel mit sogenannten Vie hpulvern und ähnlichen Geheimmitteln( Freß-, Mast-, Kraft, Milchpulver und dergleichen) betrieben. Dies muß aber als ein die Interessen des Bauernstandes in hohem Grade schädigender Uebelstand bezeichnet werden. Eine marktschreierische und wahrheitswidrige Reklame, mit der solche Mittel angepriesen werden, ist darauf berechnet und geeignet, die Landwirte irre zu führen und sie zu veranlassen, Mittel zu kaufen, deren Wert und Wirkung in gar keinem Verhältnis stehen zu den dafür gezahlten Preisen. Da die in Betracht kommenden Mittel angeprievielfach als Heilmittel gegen Tierkrankheiten Es besteht daher sowohl in sozialpolitischen wie in parlamentarischen Kreisen und ebenso bei vielen Unternehmern und Arbeitern der Wunsch nach einer öffentlich- rechtlichen Instanz, deren Aufgabe lediglich die Ausgleichung der Interessen bei Kämpfen um den Arbeitsvertrag ist. Man verlangt ein Reichseinigungsamt. Ein hervorragender Sozialpolitiker von großer Erfahrung und weitem Blick, der frühere preußische Handelsminister Freiherr v. Berlepsch, hat vor einigen Tagen in einer im Berliner Rathause abgehaltenen Versammlung dargelegt, wie ein derartiges Amt einzurichten ist. Es soll danach, wie das„ Volksw" meldet, eine ständige Vermittlungsstelle sein, die jederzeit zur Verfügung steht, die von Unternehmern wie Arbeitern allein oder gemeinschaftlich angerufen werden kann und die auch das Recht besitzt, bei ausgebrochenen oder drohenden Kämpfen ohne Anruf einzugreifen. Das Einigungsamt muß die gesetzliche Machtvollkommenheit besitzen, beide Par- sen und vertrieben werden, kann dies leicht die bedenkteien zum Erscheinen und zum Verhandeln zu zwingen sein und Zeugen und Sachverständige zu laden; nur Schiedsspruch soll vorläufig nicht zwangsweise durchgeführt werden, sondern dessen Anerkennung soll freiwillig erfolgen. Das Amt hat sich fortlaufend über alle wichtigen Vorgänge auf dem Gebiete des Arbeitsmarktes und Arbeitsvertrages, über Löhne, Preise, Kosten der Lebenshaltung, Streitigkeiten, Organisationen 2c. zu unterrichten. Sein Sitz ist am besten in Berlin, seine vorgesetzte Behörde das Reichsamt des Innern. Doch soll das Reichseinigungsamt im großen Maße Selbständig feit und Unabhängigkeit bejizen. Die Reichsregierung steht bis heute einer derartigen Einrichtung noch ablehnend gegenüber. Man kann jeliche Folge haben, daß deren Anwendung die sachge= mäße und rechtzeitige Behandlung der erkrankten Tiere verzögert oder verhindert. Die Landwirte werden deshalb vor dem Ankauf dieser Geheimmittel gewarnt. -sch Friedberg, 2. Mai. Im Anschluß an die Mitteldeutsche Reisevereinigung ließ die Brieftauben- Gesellschaft von Bieber hier 220 Tauben fliegen. Bereits 25 Minuten nach dem Auslassen gelangten die ersten, die durch den Wind etwas aufgehalten wurden, auf dem heimatlichen Schlage in Bieber an. Bis Mittag waren jämtliche Tauben wieder in ihren Schlägen. -)(= Weilburg, 2. Mai. Dem Briefträger Christian Reiz wurde aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseraten zeile.- Stellengesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. * Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. Diez. Wegen der Maul- und Klauenseuche im Regierungsbezirk Wiesbaden wurde vom Landrat die Abhaltung der am 2. Mai in Nassau und Katzenellnbogen anstehenden Viehmärkte verboten. * Frankfurt, 2. Mai. Seit dem 1. Mai verfehren täglich 680 Eisenbahnzüge auf dem Hauptbahnhof. Bei einem solch enormen Verkehr ist es kein Wunder, wenn der im Jahre 1888 gebaute Hauptbahnhof zu klein wird, verkehrten damals doch bedeutend weniger, etwa nur ein Drittel der Züge dort. * Dillenburg, 2. Mai. Einem Anstreichermeister war in der Nacht zum Sonntag ein Schwein aus dem Stall abhanden gekommen. Der Polizeihund „ Jack" mußte deshalb seine Spürnase in Tätigkeit setzen. nachdem er das verlassene Schweinenest gründlich berochen, nahm er seinen Weg durch die Hintergasse über die Obertorbrücke zu den Scheunen im Lindenweg. In einer Scheune wurde das Schwein dann munter grunzend vorgefunden und von dem Besitzer wieder in den rechtmäßigen Stall verbracht. * Köln, 2. Mai. 3um Besuch des Kaiserpaares. Die Majestäten werden am 22. Mai die Stadt besuchen. Die Ankunft erfolgt voraussichtlich zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags am Hauptbahnhof. Von hier aus findet eine Fahrt zur Hohenzollernbrücke statt. An die Brückenfeier schließt sich eine Fahrt mit Gefolge über die Hohenzollernbrücke, die Urbanstraße in Deutz und die Schiffbrücke.- Am Abend wird das Kaiserpaar eine Fahrt auf dem Rhein unternehmen, bei der eine Beleuchtung der Rheinufer mit Feuerwerk und eine Schiffsparade auf dem Strom stattfindet. Die etwa 1 Stunde dauernde Rheinfahrt wird gegen 9% Uhr beginnen und von dem Landstoß der Schiffbrücke stromaufwärts bis in die Nähe von Rodenkirchen, stromabwärts bis oberhalb Mühlheim und dann zurück zum Ausgangspunkt gehen. Für die Beleuchtung der Straßen wird der einheitlichen Wirkung wegen weißes Licht in Vorschlag gebracht. von da * Essen, 2. Mai. Vom Zuge ersaßt. An einem Eisenbahnübergang lief ein Kind durch die geschlossene Schranke auf den Bahnkörper, als plötzlich ein Zug heranbrauste. Der Bahnwärter sprang hinzu und riß das Kind zurück, wurde aber selber vom Zuge erfaßt und getötet. * Karlsruhe, 2. Mai. Schneefall. Jm höheren Schwarzwald ist Schnee gefallen. Auf dem Feldberg beträgt die Neuschneedecke 20 Zentimeter. Die Temperatur ist bis 4 Grad unter Null gesunken. es )( Drei Brennaborfahrer gingen am Sonntag aus dem Essener Radrennen siegreich hervor, waren dies J. Böschlin, welcher sowohl den großen Eröffnungspreis( 20 Kilometer), wie den Großen Frühjahrspreis( 30 Kilometer) gewann, A. Rizzenthaler, der im Vorgabefahren vor Ostermeier, Stellbrink, Münzner u. a. Erster wurde, und Rädlein, der mit seinem Partner im Tandem- Prämienfahren siegte. Srachecke des Allg. Deutschen Sprachvereins. Mahnung für Beamte. O Mensch, der du Beamter von Beruf, Schreib, wie du sprichst: natürlich, einfach, klar! Vermeide Redensarten wie„ b eh u f", Auch„ in Erwägung" flingt zu sonderbar, Und willst für flug du gelten und für weise, So sage„ oder" statt„ beziehungsweise"! Statt daß man schreibt 3 um 3 we d" bei vielen Sachen, Zum Zweck der Anordnung der Vormundschaft Kann man es sich mit„ zu" bequemer machen, Auch„ Für die Anordnung" hat Sinn und Kraft. „ Verwünschter Zopf!", so hört mit Recht man fluchen, Oft ist's, als wär man im Chinesenreich, Und les' ich vom„ dortseitigen Ersuche n", Wünsch' ich den Sprachverein herbei sogleich. der Ausdruck endlos breit, Weitschweifigkeit- ,, Mitteilung machen“ und„ in Absatz bringen", - Und dabei ist doch kostbar unsere Zeit, Ein einzig Wort wird g'rad so gut gelingen! Ach, und der fremden Wörter Flitterputz Paßt läppisch zu dem schlichten deutschen Kleid. Vereinigt euch fortan zu Schutz und Truz, Dann ist die Hilfe sicherlich bereit. „ Der Jnkulpat" wer mag der Aermste sein? „ Das quästionierte Kind"- unschuld'ges - Wurm! „ Der Rubrizierte"... Himmel halte ein!. „ Expropriantin" nein, ich läute Sturm! Ich kenne meine Pflicht, ich bin Beamter, Doch kein zu ew'ger Fremdherrschaft Verdammter! Was das Gesetz befiehlt, das führ' ich aus: Deutsch sei die Losung im Behördenhaus! Parlamentsarbeiten und Herbstsession. Nunmehr hat der Reichstag nach der Osterpause seine Arbeiten wieder aufgenommen und voraussichtlich mit Vollbampf, denn es gibt im Reichsparlament noch eine Unsum= me zu tun, um nur einigermaßen die dringlichsten Vorlagen der Erledigung zuzuführen. Sicher geplant ist set, tens der Regierung eine Herbstsession, aber in parlamenfarischen Kreisen ist man jedenfalls nur zum Teil bis jetzt damit einverstanden, da die Wahlen mit ihrer nervösen Vorbereitung dann vor der Tür stehen und jeder Reichsbote für seinen Wahlkrets sorgen will. Andererseits ist als fest= stehend anzunehmen, daß bis zur Sommerszeit, wenn die Abgeordneten nach Hause streben, mit einer genügenden Erledigung der Geschäfte nicht zu rechnen ist. Es ist eine eigene Sache, wenn die Parteien gestehen müssen, daß sie die bedeutsamen Sachen nicht haben durchberaten können, da es zu spät" wurde. Eine besondere Empfehlung ist das nicht, und blamabel würde es sein, wenn der jetzige Reichstag die Gesetze, deren Vorlegung er besonders gewünscht hat, nicht verabschieden würde. Das neugewählte Parlament, wer weiß wie es aussieht- hätte dann die Beratungen von neuem zu beginnen, und die Gestaltung der durchzuberatenden Borlagen ist natürlich gar nicht abzusehen. Sie werden vielleicht ganz anders aussehen, als es sich jetzt die Parteten jede für sich wünschen. Oder sie scheitern überhaupt. Alles dies drängt mit Notwendigkeit auf die Herbst= tagung, und zwar auf eine solche, die auch ein arbeitsfähiges Haus vorfindet. Bis jetzt kann noch niemand so recht sagen, was werden wird, richtig scheint zu sein, daß man regierungsseitig den Neuwahltermin auf den 25. Januar legen will. Aber auch hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, zumal die Regierung sich beharrlich in Schweigen hüllt, und der Presse das Rätselraten überläßt. In Paris sah man der Maifeier mit einiger Besorgnis entgegen, da das ministerielle Verbot der geplanten Straßendemonstrationen Zwischenfälle befürchten ließ. Die Befürchtungen haben sich auch als gerechtfertigt erwiesen. Für nachmittags hatte der allgemeine Gewerkschaftsausschuß zu einer öffentlichen Kundgebung, auf dem Invaliden- und dem Konkordienplatz eingeladen, jedoch waren beide Plähe schon seit Vormittag durch Polizei und Truppen besetzt. Die Manifestanten wurden bei ihrer Ankunft zum Weitergehen gezwungen, sodaß jede Ansammlung unmöglich war. Auf dem Konkordienplatz waren nicht weniger als zwet Regimenter Kavallerie und zwei Regimenter Infanterie aufgeboten. An einer Stelle fam es zu einem ernsteren 3wtschenfall. Dort stieß der Polizeipräfekt Lepine auf eine Schar von etwa 500 Manifestanten, welche der Aufforderung, sich zu zerstreuen, nicht sofort Folge leisten wollten. Lepine ließ die Kürassiere auffordern, die Gruppe zu zerstreuen. Es kam zu einem Handgemenge, wobei ein Manifestant, welcher einen Schuß aus einem Browning abgab, verhaftet wurde. Ein Polizeileutnant erhielt einen Messerstich in die Schulter. Mehrere Kürassiere wurden von den Pferden abgeworfen. Einige Zuschauer, welche sich nicht schnell genug fügen konnten, erhielten leichtere VerTetungen. Für den Reichstag liegt eine Fülle von wichtiger und dringlicher Arbeit vor, die meist sozialpolitischer Art ist. Zunächst ist das Arbeitskammergesetz„ anstandshalber" in zwetter Lesung durchzuberaten, wenn es die Regierung nicht zurückziehen sollte, da ja bekanntlich in Anbetracht des Widerstreits der Meinungen auf das Zustandekommen der Vorlage, für die fein Interesse mehr besteht, Verzicht geleistet worden ist. De erste Lesung haben das Hausarbeitsgesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung und die Reichsversicherungsordnung passiert. Zuerst nach den Ferien soll mit der Beratung des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung sowie des Hilfskaffengeseßes begonnen werden. Der Kommissionsbericht für die Versicherungsordnung wird demnächst erstattet, sodaß man im Plenum mit der zweiten Lesung des Riefenentwurfs bald beginnen kann. Ob sie bis zum Sommer wird durchberaten werden können, steht dahin, weil eben noch viel andere Arbeit vorliegt. Vor allem die Strafprozeßreform, deren zweite Lesung abgebrochen wurde, und über die noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten bestehen. Politisch am wichtigsten und sehr heikel ist die elsaß- lothrin= gische Verfassungsreform, deren zweite Lesung aleichfalls bevorsteht, ebenso die Schiffahrtsabgaben, deren Erledigung mit einem Fragezeichen zu begleiten ist, das Kurpfuschergeset, mit dem es auch nicht zum besten steht, und der Entwurf über den Patentausführungszwang. Die Vorlagen über den Kolonialgerichtshof, die Tagegelder usw. der Kolonialbeamten und die Fernsprechgebührenordnung, die auch recht gefährdet erscheint, sollen" auch noch erledigt werden. Selbstverständlich ist gar kein Gedanke daran. Es kommen ferner noch die Handelsverträge mit Schweden und Japan, sowie vor allem das Privatbeamtenversicherungsgesetz hinzu, das jetzt beim Bundesrat liegt und einer teilweisen Neubearbeitung unterzogen wird, dte demnächst fertig gestellt sein dürfte. Allein die Rückficht auf die Reichsversicherungsordnung, die Strafprozeßre= form und die Privatbeamtenvorlage erfordern gebieterisch eine Herbstfession. Die Maifeier am vergangenen Montag hatte eine noch geringere Teilnahme als in den früheren Jahren aufzuweisen. In ganz Deutschland war, den eingegangenen Berichten zufolge, die Arbeitsruhe verschwindend gering. In Berlin ist der 1. Mat fast unbemerkt vorübergegangen. Ganz selten nur traf man auf kleinere Gruppen festlich gekleideter Arbeiter. Im allgemeinen hatte die Aussperrungsandrohung der Metallindustriellen und des Verbandes der Baugeschäfte sehr hemmend auf die Beteiligung gewirkt, nur ein ganz geringer Bruchteil der Arbeiter verspürte Neigung, die Feier mit einer längeren unfreiwilligen Arbeitseinstellung zu bezahIen, so daß fast überall gearbeitet wurde. Die VersammIungen am Tage wiesen denn auch einen verhältnismäßig schwachen Besuch auf. Ueberall wurde die übliche ResoluHon angenommen. Zu Ruhestörungen kam es nirgends. Abends fanden weitere 80 Versammlungen statt. Eine größere Ausdehnung hatte die Feier nur in Hamburg angenommen, wo u. a. auf der Vulkanwerft öreitausend Arbetter der Arbeit fernblieben. Sie werden bis zum 11. Mat ausgesperrt werden. In der Eisenindustrie hatten sich die Arbeiter ebenfalls ziemlich zahlreich an der Maifeier beteiligt. Diese Industrie wird dadurch stark betroffen, wet! auch hier bis zum 11. Mai keine Arbeiter mehr eingestellt werden. 29) Des Rätsels Lösung. Roman von Ludwig Blüm ck e. Nachdruck verboten.) Rundschau vom Cage. Politisches. Ueber den Aufbruch der Kaiserfamilie von Korfu wird gemeldet: Die faiserliche Familie verließ Montag mittag gegen 1 Uhr an Bord der Hohenzollern", der sich der Kreuzer„ Königsberg" und das Depeschenboot„ Sleipner" anschlossen, Korfu. Die Korfioten, welche für die Uebernahme der Ausgrabungen dem Kaiser außerordentlich dankbar sind, bereiteten ihm auf der Fahrt vom Achilleion zum Hafen und beim Anbordgehen in Korfu stürmische Ovationen. Gegen 11 Uhr hatte sich der Kaiser noch zum letzten Male zu den, Ausgrabungen begeben. Beim Abschied ließ der Kaiser den Arbeitern abermals 100 Mark überweisen. Gegen mittag holte die Kaiserin in Begleitung der Prinzessin Viktoria Luise ihren Gemahl von der Ausgrabungsstätte ab, worauf das hohe Paar dem König von Griechenland einen Abschiedsbesuch abstattete. Jetzt hilft keine Ausrede; Erna teilt der Mutter alles mit und fügt, freilich durchaus nicht in einem Ton felsenfestester Ueberzeugung, hinzu: Eine schändliche Verleumdung ist das natürlich! Hardi hat mir alles bekannt, was er einmal verbrochen." Zum Ableken des Fürsten Georg von SchaumburgLippe schreibt die„ Nordd. Allg. 3tg.":„ Die aus der fürstlichen Residenz Bückeburg unerwartet eingetroffene Nachricht von dem Ableben des Fürsten Georg verseht unser Kaiserhaus in Trauer und erweckt in ganz Deutschland warme Teilnahme. Jm Schaumburgischen Lande herrscht tiefe Betrübnis um den Landesherrn, von dessen großer Beliebtheit noch vor wenigen Jahren die Beteiligung der Bevölkerung an der Silberhochzeit des fürstlichen Paares allgemein sichtbares Zeugnis ablegte. Der nun hingeschiedene Fürst, der 1870-71 beim Stabe des 7. Armeekorps ins Feld rückte, wichtigen Entscheidungen des Krieges beiwohnte und mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse heimfehrte, hat seine bundestreue Gesinnung stets bewährt. Das Andenken des edeldenkenden und gütigen Fürsten wird in Ehren bleiben." Frau Raben fiel in Ohnmacht, als sie den Brief gelesen, und es bedurfte langen Bemühens, bis sie wieder zu sich kam. Ihr Gatte aber, der auf Ernas lauten AufSchrei herzugekommen war, sagte, nachdem er ebenfalls das ominöse Schreiben gelesen: ,, Vielleicht ist uns der Himel abermals gnädig, indem er uns rechtzeitig warnt! Ich scheine mich also doch nicht getäuscht zu haben, mein armes Kind. Ein Glück, daß Hans für seine literarische Arbeit 500 Mark verdient hat und daß wir nicht ganz mit leeren Händen dasigen. Ich werde noch heute nach der Residenz reisen und die Sache flar stellen. Er soll mir Rechenschaft ablegen und wehe thm, wenn er es nicht kann!" Dabei schlug der alte Herr auf den Tisch, daß Erna erschraf. So aufgebracht hatte sie ihren Vater noch nie zuvor gesehen. Blaurot war sein Gesicht geworden, und bie Augen funkelten unter den blanken Brillengläser in ge= radezu unheimlichem Glanz. Der Schauplatz einer Monarchenbegegnung wird die Stadt Karlsruhe am 4. Mai sein. Der König von Schwe den, der mit seiner Gemahlin, der Schwester des Großherzogs von Baden, auf der Rückfahrt von Rom in Karlsruhe schon einige Tage Aufenthalt genommen hat, hat sich nämlich entschlossen, seinen Aufenthalt um mehrere Tage zu verlängern. Er wird somit dem Besuche beiwohnen, den das deutsche Kaiserpaar auf der Rückkehr von Korfu dem badischen Großherzogspaar abstattet. Je mehr man über den Brief nachdachte, desto fester wurden die alten Rabens wenigstens der Ueberzeugung, daß der Inhalt desselben nicht aus der Luft gegriffen sein tönnte. Der Ring, der Ring, ja, wäre der nicht dabei gewesen! Eine neue Marottokonferenz? Die Auslassungen der ,, Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über Maroffo find in Paris Gegenstand eifrigster Debatte. Nach einer Mel dung der Preßzentrale aus Paris besteht in französischen Regierungsfreisen nicht die geringste Absicht, ohne vorherige Verständigung mit den Signatarmächten der Alge cirasatte Schritte zu unternehmen, die als den darin ent haltenen Bestimmungen zuwiderlaufend gedeutet werden fönnten. Ebenso bestimmt wird versichert, daß die Mög lichkeit einer durch zwingende äußere Umstände herbeigeführten Durchbrechung wesentlicher Bestimmungen der Al gecirasatte bereits seitens des Kabinetts erwogen worden ist. Sollte sich die Notwendigkeit hierzu ergeben, so werde Frankreich entweder in direkte Verhandlungen mit den Signatarmächten treten, oder die Einberufung einer neuen internationalen Marokkofonferenz vorschlagen. Als wahr scheinlicher gelte, daß Frankreich den letzteren Weg einschlagen werde. Es wird abzuwarten sein, ob sich diese Meldung bestätigt. Ernste Erkrankung des Königs von Spanien. Pariser Blätter wollen erfahren haben, daß das Befinden des Königs Alfons von Spanien, der fürzlich in Bordeaux einen Spezialisten zu Rate zog, zu Besorgnissen Anlaß gebe. Die Aerzte hätten eine sehr ernste Diagnose gestellt und hielten umfassende Maßnahmen für notwendig, um einFortschreiten der Tuberkulose, woran der König leidet, zu verhindern. Die gute Frau Rentmeister fand es geradezu leuflisch, daß man ein Andenken an die verstorbene Mutter perschenken konnte. Das schien ihr der beste Beweis dafür, daß der Leutnant, selbst wenn alles andere nicht wahr fein sollte, ein erbärmlicher Mensch wäre. Die Periode der Veruntreuungen in Frankreich. Die französische Regierung muß gegenwärtig ein recht peinliches Fegefeuer der Kritik durchleiden. Zu den zahlreichen übrigen Fällen" hat sich ein neuer gesellt. Wie mehrere Pariser Blätter melden, hat der Kolonialinspekteur Fre zouls, der von einer Besichtigung der französischen Besitzungen in Aequatorialafrifa zurückgekehrt ist, dort eine große Anzahl Unregelmäßigkeiten, ja sogar Veruntreuungen festgestellt. Der Religionsunterricht in den preußischen Fortbil dungsschulen. Die Abgeordnetenhauskommission für das preußische Fortbildungsschulwesen begann am Montag ihre Beratungen und setzte an den Anfang die wichtigste Brinzipienfrage: Der Religionsunterricht in den Fortbildungsschulen. Ebenso wie im Plenum traten auch in der Kommission die Redner der Konservativen und des Zentrums dafür ein, daß die Fortbildungsschule als allgemeines Bildungsinstitut auch religiösen Unterricht erteilen misse, und zwar mindestens 20 bis 30 Minuten in der Woche. Ein fortschrittlicher und ein nationalliberaler Redner widersprachen dieser Forderung. Daß der Unterricht auf allgemein sittlicher Grundlage zu geschehen habe, sei selbstverständlich, und deshalb sei der Religionsunterricht entbehrlich. Zu einer Abstimmung kam es noch nicht. Eingeborenenaufstand in Kamerun? Laut telegraphi schen Meldungen aus Kamerun, welche bei Hamburger Firmen eingegangen sind, ist an der Küste das Gerücht von einen Eingeborenenaufstande in Südkamerun verbreitet. Die Europäer sollen in Sicherheit, die Schuhtruppe unterwegs sein. Wer seine Mutter so wenig in Ehren hält, der wird auch niemals gut zu seiner Frau sein," meinte sie mit einem tiefen Seufzer, während ihr Gatte mit hastigen Schritten, ganz seiner Gewohnheit entgegen, in dem engen Zimmerchen umherlief, als würde er von dämonischen Gewalten gehetzt. Die Unruhen in der Stadt Kanton in Südchina nehmen einen bedrohlichen Umfang an. Massen von Revolu tionären marschieren auf Kanton, um sich mit den Rebellen zu vereinigen. Ein ernster Zusammenstoß zwischen Regierungstruppen und Aufständischen hat bei Fat- schan stattgefunden. Ein chinesisches Kanonenboot nahm die Aufständischen unter Feuer und fügte ihnen einen Verlust von zweihundert Toten zu. Es ist schwierig, authentische Nachrichten zu erhalten, da die Telegraphenlinien unterbrochen sind. Aus der Mongolei wird gemeldet, daß die chinesische Regierung radikale Mittel anwendet, um den russischen Einfluß in der Mongolei zu vernichten. Ein neuer Aufstand ist in der Provinz Jll ausgebrochen. In der Provinz Sytschuknschuli ist eine Revolution von 20 000 Hungernden ausgebrochen, welche raubend und brennend das Land durchziehen, die Gefängnisse stürmen und die Gefangenen befreien. Zur Wiederherstellung der Ordnung ist Militär aufgeboten worden. Bei einem Zusammenstoß gab es massenhaft Tote und Verwundete. Gerade als der Rentmeister reisefertig war, um mit dem nächsten Zug nach der Residenz zu fahrens traf Hans mit Fahrgelegenheit in Wedelstein ein. Er hatte sein Assessoreramen soeben glänzend bestanden und wollte cinige Tage bei den Eltern verweilen. O, wie atmete Erna erleichtert auf, als sie den Bruder sah! Der müßte Rat wissen, der würde Hardi nicht verdammen, Hardi, seinen besten und wahrsten Freund, wie er selber erst unlängst versichert. Ruhig und fachlich prüfte der junge Jurist das Schriftstück. Vergeblich suchte Erna in seinen Mienen ein Urteil zu lesen. Er faltete den Brief zusammen, betrachtete den Ring sehr genau und sagte dann: ,, Vater, ich werde selber mit Hardi sprechen. Das wird besser sein, als wenn Du es tätest. Wie spät ist es? Hm, der Zug kommt in zehn Minuten.- Schwesterchen, nicht traurig sein!" Auf alle Fragen, die ihn umschwirrten, hatte er nur die kurze Antwort: .. ,, Man darf erst urteilen, wenn man beide Parteien gehört." Aber er sah so ernst dabei aus, daß Erna zu erraten glaubte, was er vermutete. Kleine Nachrichten. Als erste Abteilung der internationalen Ausstellung in Turin wurde am Montag die deutsche feierlich eröffnet. Der deutsche Botschafter brachte das Hoch auf die beiden verbündeten Souveräne aus. Der Bürgermeister von Turin toastete auf die deutsche Arbeit und das deutsche Volk. Eine Riesen- Ueberlandzentrale wird in Spandau ge= baut werden. Sie soll für Spandau und die drei Landkretse Osthavelland, Westhavelland und Ruppin in Tätigkeit treten. Die Landwirte der drei genannten Kreise haben den Vorberatungen in Spandau beigewohnt und ihre Zustimmung zu dem Projekt gegeben. Stunden der höchsten Folterqualen brachen für das liebende Mädchen an. Sie wollte es nicht glauben, sie fämpfte mit schier unnatürlicher Kraft dagegen an, und das arme Herz drohte dabei zu brechen. Als Opfer des aus Breslau gemeldeten Lustmordes wurde von der Polizei die 14½jährige Schülerin Martha Büttner ermittelt, die seit dem 27. April aus der elterlichen Wohnung in Breslau verschwunden war. Von dem Mörder fehlt jede Spur. Die Leiche des Mädchens war in einem Wasserloch aufgefunden worden. In Talbrüden mußte Hans noch zwei volle Stunden auf den Schnellzug, mit welchem er weiterzufahren gedachte, warten. Da kehrte er im Blauen Stern ein, um sich dort die Zeit zu vertreiben. Eine Tragödie zweier Jugendlichen wird aus Ludwigshafen gemeldet. Sonntag nachmitag wurde die 19jährige Rosa Wagner mit drei Schüssen in der Brust in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Neben ihr lag bewußtlos der 19fährige Küfer Klemens Thiesen, mit welchem die Wagner seit einiger Zeit ein Liebesverhältnis unterhielt. Vom Blizz erschlagen wurde in Goldberg eine vom Felde heimkehrende Arbeiterfrau. Ein neben ihr gehend Knecht wurde betäubt. ( Schlesien) Leichenfund in einem Schornstein. Beim Reinigen eines Schornsteins stieß in Zabrze ein Schornsteinfeger auf eine Leiche, der die Beine fehlten. Der Körper war mit Petroleum begossen und angezündet worden, sodaß er verfohlt war. Es handelt sich um die Leiche eines jungen Mädchens. Schredenstat eines Irrfinnigen. Der Zahlmeister Legath in Marienburg, der in lezter Zeit Spuren geistiger Umnachtung zeigte und deshalb vom Amte suspendiert werden mußte, sollte am Montag in das Diakonissenhaus eingeliefert werden. Als die Wärter ihn in den Keller Ah, guten Tag, mein lieber, neugebackener Assessor! Gratuliere recht herzlich!" Mit diesen Worten kam Exzellenz v. Eschenhold dem Eintretenden entgegen. führten, un Wahnsinnig Bärter eir threm Auff Von ei beide bet Lehrling a Spaßenschi schwer am der wurde Wann Frage hatte gen. Den Echuze der ein Wirt i veranstaltet er dann richterliche der Revisio den Wirt fr präsidenten Itche Stübe im$ 366, 31 Die in dief äußere Hans war es peinlich, den General hier zu treffen, denn es galt, schnell eine Ausrede für seine so plötzliche Abreise nach der Residenz zu finden. Sehr freundschaftlich lud jener ihn ein, an seinem Tische Platz zu nehmen und bestellte eine Flasche Wein, um mit ihm auf das gut bestandene Examen anzustoßen. Als sie beide allein waren, da flüsterte der General Hans mit den Augen vielsagend blinjelnd hinzu: „ Das nächste Glas, denke ich, werden wir bei einer ganz anderen Gelegnheit zusammen trinken, ich meine zu Ihrer Verlobung. Habe heute nämlich bei Geheimrats eine Lanze für sie gebrochen. Der Herr Schwiegerpapa heißt Sie willkommen, Herr Assessor, darf ich Ihnen verraten." Hans hätte vor Freude laut aufjubeln und den alten Haudegen füssen mögen. Doch dieser winkte ihm mit der Hand und flüsterte weiter: ,, Da kommt der Wirt! Lassen wir das alte Klatsch maul nur nichts merken, sonst weiß es morgen die ganze Stadt." ,, Wissen die Herren schon die neueste Standalgeschich te?" fragte der Hotelbesitzer mit dem verbindlichen Lä cheln, das er nun einmal nicht vermeiden konnte, selbst nicht, wenn er jemand mit bewegten Worten sein Beileid aussprach. Was ist denn schon wieder vorgefallen? Weiß von nichts!" erwiderte der General. 33 ,, Denken Sie nur an, meine Herren, die Komtesse Edelgard, Herrn v. Reythers Braut, ist verschwunden, nachdem vor ein paar Tagen der Gerichtsvollzieher ihre ganzen Juwelen gepfändet hat. Der arme Herr Assessor, mit dem sie zuvor einen wirklich nicht standesgemäßen Austritt gehabt, trägt sich ernstlich mit Selbstmordgedan fen." ( Fortsetzung folgt.) deutlich er werden sol mittelbar das religio Erhebung, ftören und gewöhnlich Anfang de den, zur 3 lege der Schauung d Vorabend Das B ten. Ginea Bahnhof fich in Zah waren die f fich im Befi fehr schwieri so zugespizt furs fast u die Zukunft Situation i schaft unmög hochbelastete Trauun die zunehm in den Kre hat es mit der Polizei den alltägli lich wieder sellschaftsfre starken Auf Die Braut die Tochter närs, und des Mitglie fchtet wurde fichtslosigtet beantwortet prefferbriefe attentat au ftrengsten paar auf de mando von nur einer Miffton hat Herren, die zeremonie 1 merksamkeit Die W laft in Lond paar währe tes im Bu fünf pracht gelegenen Schloßpart. mer, das 1855er 3 rührt von Tegenheiter den Besuch tet, wie es zig forint Gold geha Fenstervor und verlei Glanz sein daranstoßen Dedenstüke Stern gegen find in Gla Porzellanfa voll durchb rine allein ( 200 000 in englische nigliche Ge ist. 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In Böhlerheide bel Hagen in Westfalen schoß ein sechszehnjähriger Lehrling auf einen verheirateten Schlosser, der ihn wegen Spaßenschießens verwarnt hatte. Der Schlosser wurde schwer am Kopfe verletzt. Er starb bald danach. Der Mörder wurde verhaftet. Aus den Gerichtssälen. Wann beginnt die Feier des Sonntags? Mit dieser Frage hatte fich das preußische Kammergericht zu beschäfttgen. Den Anlaß bot eine Oberpräsidialverordnung zum Echute der Heilighaltung des Sonntags. Ihr zuwider hatte ein Wirt in J. an einem Sonnabend eine Ballfestlichkeit veranstaltet, die sich über Mitternacht hinaus erstreckte. Als er dann dafür einen Strafbefehl erhielt, beantragte er richterliche Entscheidung, und der Rechtsstreit gelangte in der Revisionsinstanz an das Kammergericht. Dieses sprach den Wirt frei und erklärte die Polizeiverordnung des Oberpräsidenten für ungültig. Die Verordnung findet ihre rechtItche Stüße in einer Kabinettsordre vom Jahre 1887 und im§366, Biffer 1 StGB., die die Strafbestimmung enthalte. Die in diesen beiden Bestimmungen gebrauchten Ausdrücke , äußere Heilighaltung" und" Störung der Feier" ließen deutlich erkennen, daß nur solche Handlungen getroffen werden sollten, die nach außen hin wirksam oder doch unmittelbar in die Erscheinung getreten und geeignet seien, das religiöse Gefühl zu verletzen, die innereSammlung und Erhebung, nicht etwa des einzelnen, sondern allgemein, zu stören und zu beeinträchtigen. Die allgemeine Feier eines gewöhnlichen Sonntags aber beginne nicht bereits mit dem Anfang des Kalendertages, sondern mit den Morgenstunden, zur Zeit, da sich die Leute zur Kirche begeben. Anders Itege der Fall an hohen Festtagen, bei denen nach der Anschauung des Publikums und dem religiösen Gebrauch der Vorabend zur Vorbereitung diene. Vermischtes. Das Berliner Monopolhotel in Zahlungsschwierigkels ten. Eines der bedeutendsten Berliner Hotels, das am Bahnhof Friedrichstraße belegene Monopolhotel, befindet sich in Zahlungsschwierigkeiten. Schon seit längerer Zeit waren die finanziellen Verhältnisse des Unternehmens, das sich im Besitz der Monopol- Hotel- Aktiengesellschaft befindet, sehr schwierig. In den letzten Tagen hat sich die Situation so zugespitzt, daß, wie die Morgenpost" mitteilt, der Konturs fast unvermeidlich erscheint. Die Entscheidung über die Zukunft der Gesellschaft wird heute fallen. Die jetzige AktiengesellSituation ist dadurch entstanden, daß es de schaft unmöglich ist, die enormen Hypothekenzinsen für das Hochbelastete Hotelgrundstück aufzubringen. Trauungen unter Polizeiaufsicht. Die Nervosität, die die zunehmende Erpressertätigkeit der Schwarzen Hand" in den Kreisen der amerikanischen Gesellschaft ausgelöst, hat es mit sich gebracht, daß Hochzeiten unter dem Schuße der Polizei heutzutage jenseits des Ozeans nachgerade zu den alltäglichen Erscheinungen gehören. So hat erst kürzlich wieder in Chicago unter Teilnahme der ersten Ge= sellschaftskreise eine Hochzeit stattgefunden, die von einem starken Aufgebot von Geheimpolizisten überwacht wurde. Die Braut war die stadtbekannte Schönheit Minnie Cuneo, bie Tochter eines in Chicago ansässigen italienischen Millionärs, und der Bräutigam Mr. Wetterc, ein hervorragendes Mitglied der Gesellschaft. Herr Cuneo hatte die Erprefserbriefe, die ihm in letzter Beit reichlich ins Haus gefotdt wurden, kurzerhand der Polizet übergeben, eine Rücksichtslosigkeit, die die„ Schwarze Hand" mit der Drohung beantwortete, gegen die Hochzeitsgesellschaft ein Dynamitattentat auszuüben. Die Polizei hatte infolgedessen die strengsten Vorsichtsmaßregeln getroffen und ließ das Brautpaar auf dem Wege zu und von der Kirche durch ein Kommando von zwanzig Detektiven bewachen, ohne daß auch nur einer von den Hochzeitsgästen eine Ahnung von der Mission hatte, die die in Gesellschaftstoilette erschienenen Herren, die dem glücklichen Paar während der Trauungszeremonie und nachher beim Empfang so auffällige Aufmerksamkeit zuteil werden ließen, erfüllten. Die Wohnung des Kaiserpaares im Buckingham- a- last in London. Die Zimmerflucht, die das deutsche Kaiserpaar während seines bevorstehenden Londoner Aufenthaltes im Buckingham- Palast bewohnen wird, besteht aus fünf prachtvollen, an der Skulpturengalerie im Erdgeschoß gelegenen Räumen mit Aussicht auf den wunderschönen Schloßpark. Sie werden bezeichnet als das Frühstückszimmer, das„ 1844er 3immer", die Bowbibliothek und das , 1855er 3immer". Die Bezeichnung nach Jahreszahlen rührt von ihrer Benutzung bei bestimmten wichtigen Gelegenheiten her. So wurde das eine im Jahre 1844 für den Besuch des Zaren Nikolaus so dekoriert und ausgestat= tet, wie es in der Hauptsache heute noch aussieht. 3wanzig forinthische Marmorsäulen tragen die in Blau und Gold gehaltene Decke. Bei den Möbeln, Teppichen und Fenstervorhängen herrschen Mattgold und Dunkelrot vor und verleihen dem Raume trotz seiner Größe und dem Glanz seiner Einrichtung eine gewisse Behaglichkeit. Der daranstoßende Bibliotheksaal hat zwölf Granitsäulen als Deckenstüye und wird durch zwei mächtige, den fünf Fenstern gegenüberliegende Marmorkamine geheizt. Hier sind in Glasschränken die kostbarsten Stücke der königlichen Porzellansammlung untergebracht, u. a. ein altes, kunstvoll durchbrochenes Meißener Service, dessen Suppenterrine allein auf einen Wert von 10 000 Pfund Sterling ( 200 000 Mark) geschätzt wird. Der Canarvon- Salon ist in englischem Biedermeierstil ausgestattet, sofern für tönigliche Gemächer ein so vertraulicher Ausdruck erlaubt ist. Seine gewöhnliche Einrichtung ist durch einen Mahagonitisch und eine Garnitur von Ledersesseln ergänzt worden, weil das Kaiserpaar in diesem Zimmer seine privaten Mahlzeiten einnehmen wird. Ueber diesen Räumen und durch einen Aufzug damit verbunden liegen im ersten Stock des Palastes die Schlafgemächer und Ankleidezimmer, sowie ein Boudoir für die Kaiserin und ein Arbeitszimmer für den Kaiser. Vom Stiefsohn getötet. In Gersthof, einem Villenort im Norden Wiens, spielte sich am Sonntag nachmittag ein Verbrechen ab. Der Sohn des Direktors im Finanzministerium Johann Schob erwürgte im Affekt seine Stiefmutter, die 46 Jahre alte Franziska Schob. Der Täter Friedrich Schob ist 23 Jahre alt und gleichfalls im Finanzministerium als Rechtspraktikant angestellt. Die Tat wurde in der Küche verübt, während der Vater im anstoßenden Zimmer schlief. Alle Zimmer waren verschlossen, und der Täter mußte durch ein Fenster über eine Leiter in den Garten steigen, um zu entkommen. Der junge Schob aber stellte sich selbst im Laufe der Nacht der Polizei. Seinem Geständnis zufolge wollte er wegen„ Unannehmlichkeit im Amte" Selbstmord begehen. Da ihm aber seine Mutter den Türschlüssel verweigerte, würgte er sie etwa fünf Minuten lang am Halse, raubte ihr siebzehn Kronen und entfloh dann auf dem angegebenen Weg. Den Nachmittag verbrachte er in den Vergnügungslokalen des Praters. König Alfons im Steuerbureau. Ein nettes Geschichtchen berichtet ein Madrider Blatt von König Alfons. Vor furzem belegte die spanische Regierung die automatisch sich entzündenden Taschenfeuerzeuge mit einer Steuer. Die Einführung dieser praktischen Erfindung in Spanien hatte natürlich dem Zündholzmonopol beträchtlichen Schaden zugefügt, und so betrachtete man das mechanische Feuerzeug als Konterbande. Nachdem die neue Steuer in Kraft getreten war, erschien in Begleitung seines Adjutanten König Alfonso im Steuerbureau und überreichte einem der erstaunten Beamten seinen goldemaillierten Zigarrenanzünder mit dem Bedeuten, das amtliche Sigeel darauf zu prägen. Das geschah, und der Monarch empfing sein Eigentum zurüd, nachdem er den erforderlichen Steuerbetrag entrichtet hatte. Seinem Beispiel folgte der Adjutant, der ein ähnliches Feuerzeug im Gebrauch hat. Die neue Stem= pelmaschine tat so zum erstenmal ihre Arbeit. 290 Millionen für den Londoner Hafen. Der Londoner Hafen, der den größten Schiffsverkehr von allen Häfen der Welt besitzt, genügt nicht mehr den steigenden Anforderungen. Nicht nur die Zahl der Schiffe ist von zehn zu zehn Jahren um je 3 Millionen Tonnen gestiegen, sondern auch die Größe der Fahrzeuge hat sich auf den früher nicht erreichten Betrag von 14 000 Tonnen gehoben. Infolgedessen sind Verbesserungen für notwendig erklärt wor= den, die insgesamt 290 Millionen Mark tosten sollen. Dafür wird die Wassertiefe überall vergrößert, vier neue Dods gebaut und alle älteren umgebaut werden. Ein Hauptkanal wird eine Breite von 180 Metern und eine Tiefe von 6 Meter bei Ebbe und eine solche von mehr als 12 Meter bei Flut erhalten. Eine„ Maifeier" der Hunde. Die Maulforbfreiheit, die in Berlin mit dem 1. Mai in Kraft trat, hatte viele Besitzer von Vierbeinern veranlaßt, ihre Hausgenossen mit Blumengewinden und sonstigen Zeichen der Freude zu schmükfen. Auf der Schleife einer Riesenbulldogge, die durch die Markgrafenstraße lief, stand in großen schwarzen Lettern: „ Ach, wären die Menschen doch erst so weit." Unter den Linden wurde ein Affenpinscher bemerkt, der von seiner Herrin mit einem roten Band geziert war, auf dem mit leuchtenden Goldlettern Hurra Jagow!" geschrieben stand. Aus dem Reiche der Technik. Ein neuer Phototelegraph. Ueber eine Erfindung, die für den Buchdruck von großer Bedeutung werden kann, wenn sie sich in der Praxis bewährt, berichtet die Reichenberger Zeitung" wie folgt: Der Lehrer des Spezialfaches der Klischee- Herstellung in Strich und Autotypie für Schwarz- und Mehrfarbendruck an der t. t. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, Ludwig Tschörner, hat etnen Phototelegraphen erfunden, das ist ein Apparat, der aus Sender und Empfänger besteht, mittels welchem man Bilder beliebiger Art telegraphisch übertragen kann. Tschörners Apparat unterscheidet sich von den bekannten hauptsächlich dadurch, daß er auf jeder Telegraphenleitung verwendet werden kann und wirkliche Rasterbilder liefert, wie sie für den Buchdruck benötigt werden. Die Bilder können am Empfänger als gewöhnliches positives Bild oder als ein Rasternegativ erhalten werden, das auf befannte einfache Art auf eine Metallplatte übertragen und geäßt werden kann, so daß kurze Zeit nach der telegrapht= schen Uebertragung das fertige Klischee zum Druck gelangt. Das Verfahren ist durch mehrere Patente geschützt. Nachrichtendienst in Marokko. Troß der vielen, einander oft widersprechenden Nachrichten über die Vorgänge in Fez ist es bisher kaum möglich geworden, aus diesen meist über Paris eintreffenden Telegrammen ein wahrheitsgetreues Bild von den Zustän= den in der marokkanischen Hauptstadt zu erlangen. Diese Unklarheit über Umfang, Tragweite und wirkliche Bedeutung der Ereignisse in Fez hat nicht zum wenigsten ihre Ursache in den Formen, unter denen sich der Nachrichtendienst in Marokko abwickelt. Sieht man ab von dem Basarklatsch, dieser geheimnisvollen Telegraphie des Orients, deren Schnelligkeit nur von ihrer Unzuverlässigkeit übertroffen wird, so bleiben nur drei Wege, auf denen in Maroffo zuverlässige Nachrichten erlangt oderBotschaften ausgetauscht werden können, die Handelskarawane, die Briefe mitnimmt und vor allem Gerüchte weiterträgt, dann der rettende Bote, schließlich der wichtigste und zuverlässigste Faktor im marokkanischen Nachrichtendienst, der Rekaß, der eingeborene Briefträger. In einem englischen Blatte macht Allan Ostler, der lange Zeit in Marokko gelebt hat, einige Mitteilungen über das Nachrichtenwesen, die gerade jetzt von besonderem Interesse sind: Der reitende Kurier tritt fast gar nicht in Erscheinung. In den sechs stürmischen Monaten während des Aufstandes, durch den Mulay Hafid den Thron errang, sah ich nur ein einziges Mal einen solchen Kurier,- einen wild dreinblickenden Reiter mit langer Araberflinte, der auf schaumbedecktem Roffe durch die Palastgärten bis zu den Stufen des Thrones vorstürmte und Mulay Hafid die Botschaft zurief, daß Tanger ihn zum Sultan proklamiert habe. Die Handelskarawane ist ein zu träges und langfames Verkehrsmittel, und die Gerüchte, die sie weiterträgt, wachsen mit jedem zurückgelegten Schritte an Dimensionen nnd Ungewöhnlichkeit. Beim Abmarsch von Fez hat man vor der Stadt vielleicht gerade einen Wortstreit zwischen zwei Arabern gehört, die sich über den Preis einer Ware stritten. Die mit orientalischer Lebhaftigkeit geführte Auseinandersetzung endet damit, daß der eine der Streitenden sich unter Verwünschungen aufs Pferd schwingt, während der andere wütend seine alte Pistole zieht und dem Davonsprengenden eine recht harmlose Kugel nachschickt. Beim ersten Halteplatz der Karawane wird aus diesem Disput be= reits eine große Verschwörung und Meuterei auf dem Marktplatz von Fez geworden sein, und wenn die Kameltreiber Mequinez erreicht haben, schwören sie bei der Seelenruhe ihrer Vorfahren, daß die Stämme sich empört haben, daß Fez geplündert und alle Ungläubigen ermordet worden seien. Die einzige zuverlässige Botschaft über Vorgänge im Innern Marokkos bringt der mehr oder minder gewissenhaste„ Refaß". In der Regel ist er gewissenhaft. Wird er nicht gerade unterwegs ermordet oder ausgeraubt oder depontert er seine Briefe nicht in einer Anwandlung von Pflichtvergessenheit einfach hinter einer Kaktushecke, dann, ja dann kann man sich auf ihn verlassen, kann darauf rech= nen, daß er in einem Tage seine 80 Km. zurücklegt, und die Antwort mit derselben Schnelligkeit bringt. Der Retaß reist zu Fuß, kennt alle Wege und Stege des Landes, die für Reiter unwegsam sind, ja er, der schlichte Fußgänger, überholt sogar nicht selten gut berittene Boten. In seinem schnellen, kurzen Trabe zieht er durch Wüsten und Klüfte und macht nur eine kurze Rast, um zu essen oder einige Stunden zu schlafen. Er trägt seine Briefe in einer Ledertasche über die Schulter gehängt und führt in der Hand einen etwa anderthalb Meter langen Stab. Meist zieht er nur dürftig gekleidet und barfuß dahin, und ist er der glückliche Besizer eines Paares Pantoffeln, so trägt er sie während seines Eilmarsches an einem Bande über den Nacken gehängt. Täglich kann man in Tanger vor den europäischen Postämtern diese sonnenverbrannten, staubigen Renner auf die Briefe warten sehen, die sie nach Alcazar, Fez oder noch ferner liegenden marokkanischen Städten tragen sollen. Nur er, der unermüdliche Refaß, fann Eurova eine genaue Kunde über die wirklichen Vorgänge in Fez bringen. Die Entfernung von Fez nach Tanger beträgt mehr als 300 Kilometer, die Wege sind steinig und gebirgig; aber wenn Fez fällt, wird der eilende Refaß in drei, höchstens in vier Tagen seine Botschaft nach Tanger bringen, und sie würde die Wahrheit enthalten. Bis die dürre, staubige Ge stalt des abgehetzten Refaß nicht zwischen den Häusern von Tanger auftaucht, so lange wird trotz aller Gerüchte die Wahrheit über Fez ein Geheimnis bleiben. Drabtnachrichten und neuestes. Die Kämpfe in Merifo. Renyort, 2. Mai. Wie ein Telegramm aus Douglas in Arizona meldet, haben 300 Mann Regierungstruppen mit einem Maschinengewehr die von den Aufständischen besetzten Städte Pitiquito und Caborca im Staate Sonora wieder erobert. Von den Aufständischen sind bei diesem Kampfe 20 Mann gefallen und viele verwundet worden. Nach einem weiteren Telegramm aus Merifo halten die Aufständischen die aus dem Tal, in dem die Hauptstadt liegt, nach Südwesten führenden Bergpässe besetzt. Die in den Staaten Morelos und Guerro stehenden Regierungstruppen sind dadurch von der Hauptstadt abgeschnitten. Tödlicher Wagenunfall. Offenbach, 2. Mai. 3wei sechsjährige Knaben, die Söhne des Agenten Valentin Hett und des Spenglermeisters Gregor Gehret, wurden gestern nachmittag in der Glockengasse durch zwei aneinandergekoppelte Kohlenfuhrwerke, in die sie beim Spielen hineinrannten, überfahren. Das Kind des Gehret erlitt schwere Quetschungen und Hautabschürfungen an Armen und Gefäß, sowie einen Schlüffelbeinbruch; der andere Junge, dem das Rad über Hals und Kopf ging, war sofort tot. Gewitterschäden. Trier, 2. Mai. In verschiedenen Moseldistrikten haben in den letzten Tagen schwere mit Sturm und Hagelschlägen verbundene Gewitter großen Schaden in den Obstgärten angerichtet und die Blüte strichweise völlig vernichtet. Besonders in der Gegend von Cochem sind einzelne Weinberge start mitgenommen. Beim Rettungswerk tödlich verunglückt. Essen, 2. Mat. An einem Bahnübergang Itef ein Kind durch die geschlossene Schranke auf das Gleis, als der Zug heranbrauste. Der Bahnwärter sprang herbet, um es fortzureißen, wurde aber selbst vom Buge erfaßt und getötet, während das Kind unverletzt blieb. Verunglückte Militärflieger. Mülhausen i. Elsaß, 2. Mat. Oberleutnant Roser vom Feldartillerieregiment Nr. 15 stürzte heute vormittag nach anderthalbstündigem Fluge beim Nehmen einer Kurve aus einer Höhe von 60 Metern ab und wurde bewußtlos ins Lazarett geschafft. Sein Zustand gilt als hoffnungslos. In seinen Folgen noch tragischer ist ein Unfall, der sich in Rußland ereignet hat: Sebastopol, 2. Mai. Der Militärflieger Maßgewitsch und sein Bruder stürzten mit einem Bleriotapparat ab und wurden getötet. Die Leichen weisen entsetzliche Wunden auf. Todesurteil über einen Wüstling. Kiel, 2. Mat. Das Schwurgericht verurteilte einen entmenschten Vater wegen Mordes und Blutschande zum Tode. Der Wüstling hatte das Kind seiner Tochter mit einer Schlinge erdrosselt und verlangt, daß es den Schweinen zum Fraß vorgeworfen werden sollte. Weiteres zur Pariser Maifeier. Paris, 2. Mat. Aus Anlaß der gestrigen Maifeier fand in der St. Pauls- Reitbahn eine große Versammlung statt, in der die Redner gegen die Maroffopolitik der Regierung protestierten. Die Arbeiter sollten sich weigern, zugunsten der in Marokko auf dem Spiele stehenden Finanzinteressen die Flinte zu ergreifen. In der Versammlung trat auch ein deutscher Arbeiter auf und erklärte im Namen der deutschen Arbeiter, diese würden nicht einwilligen, wenn sie gegen ihre französischen Genossen die Waffen ergreifen sollten. In einer Resolution wurde die Solidarität des internationalen Proletariats zum Ausdruck gebracht. Nach Schluß der Versammlung kam es zu ernsten Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Teilnehmern, von denen viele verhaftet wurden. Unter den Personen, die gestern Verwundungen davontrugen, befinden sich 12 Polizeibeamte, von denen einer Hoffnungslos darniederliegt. Grausame Tötung eines Pfarrers. 0 Paris, 2. Mai. Aus Cerbere an der französisch- spanischen Grenze wird gemeldet: In dem spanischen Orte Mentril wurde der Pfarrer, als er von der Kanzel herab eine scharfe Predigt gegen seine Pfarrkinder gehalten hatte, von mehreren jungen Leuten überfallen und durch Messerstiche getötet. Die Menge schleppte den Leichnam des Geistlichen unter dem Jubel der Bevölkerung durch die Straßen. Gendarmen wollten sich des Leichnams bemächtigen und die Burschen festnehmen, wurden aber von der übrigen Bevölferung daran gehindert. Drei Personen in den Flammen umgekommen. Brüffel, 2. Mai. In der vergangenen Nacht brach in einem Hause in der Vorstadt Schaerbeck ein Brand aus, bet bem eine Frau und zwei Kinder lebendig verbrannten. Handel und Gerkebr. Frankfurt, 1. Mat. Vichmarktpreise vom 1. Mai. Preise für ein Zentner: Rinder: A. Ochsen. a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt ( Lebendgewicht) M 48-52,( Schlachtgewicht) M 87-90, 6) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete( Lebendgew.f M 44-47,( Schlachtgew.) M 80-85, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere( Lebendgew.) M 41-43, ( Schlachtgew.) M 75-79. B. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Lebendgew.) M 45-48, ( Schlachtgew.) M 75-80, b) vollfleischige jüngere( Lebendgewicht) 40-42,( Schlachtgem.) M 66-70. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Lebendgew.) M 44-47,( Schlachtgew.) M 79 bis 84, b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren( Lebendgew.) M 42-45,( Schlachtgewicht) M 78-81, c) 1. wenig gut entwickelte Färsen( Le= bendgew.) M 40-42,( Schlachtg.) M 77-81, do. 2. ältere aus-> gemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe ( Lebendgew.) M 36-40,( Schlachtgew.) M 67-74, d) mäßig genährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 30-35,( Schlachtgew.) M 60-70, e) gering genährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 22-25,( Schlachtgew.) M 50-57. D.Gering genährtes Jungvieh( Fresser)( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M- Kälber: a) Doppellender feinste Mast( Lebend=" gew.) M( Schlachtgew.) M-, b) feinste Mast( Vollmilch Mast) und beste Saugkälber( Lebendgew.) M 60-64, ( Schlachtgew.) M 100-107, c) mittlere Mast- und gute Saug fälber( Lebendgew.) M 55-59,( Schlachtgem.) M 93-100, 5) geringe Saugfälber( Lebendgew.) M 52-54,( Schlachtgew.) M 88-92. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgem.) M 42-43,( Schlachtgew.) M 90, b) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Le= bendgew.) M-,( Schlachtgew.) M Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogr. Lebendgewicht ( Lebendgew.). M 47-49,( Schlachtgew.) M 60-62, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 46-47,( Schlachtgew.) M 59-60, c) vollfleischtge Schweine von 100 bis 120 Kilogr. Lebendgewicht( Lez bendgew.) M 47-49,50,( Schlachtgew.) M 59-61, d) voll= flischige Schweine von 120-150 Kilogr. Lebendgewicht( Le bendgew.) M 48 49,50,( Schlachtgew.) M 60-6. Café Astoria Vornehmstes, grösstes Café am Platze. Anerkannt vorzüglicher Kaffee Eigene Konditorei mit Verwendung nur reiner Süssrahmbutter 2 franz. Billards mit Kegelspielen pro Stunde 60 Pfg. Schach, Domino, Kartenspiele und Damenbrett stehen den verehrl. Gästen zur freien Verfügung. NB. Neueinführung: Von nachmittags 2-7 Uhr Kaffee ,, Stamm" bestehend aus einer Kanne Kaffee und einer Kanne Milch mit Schlagsahne dazu, Preis 25 Pfg.. sowie,.Kaffee à la Paris" bestehend aus einer Tasse Kaffee schwarz oder braun mit einem franz. Kognak oder franz. Kirschwasser dazu, Preis 40 Pfg. Original Münchener und Pilsener Biere Stibbe sowie franz. Cuseniér- Liqueure auswärtiger Firmen. Echte Holländ. Bols u. Beste Weine hiesiger u. 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Verlag der Gießener Zeitung 6. m. b. S. Verantwortlich für die Schriftleitung Otto Heinecke, für Reklame und Anzeigen Robert Roller, beide in Gießen. mals zu der lich sei, um e berts schätzt sam zu begeg Ariegstechnik französische Schulten, auf mit undiszipl England die allgemein Lord Roberts derung mit reich dem B Diese Forder England noch Flotte Dank mächte die S mag und Landarmee es indes nich jtellung gefid auswärtigen würdigem 6 vor der Not meinen Web daß sich Eng pflicht eine die Gewähr litik verstärkt, fanals früher Zukunft hab dem allgeme weltgeschichtli dem Meere, den, und zw sondern mit Es steht litif die allge lage voraus dert Jahren eingeschränkte und 1870-71 ten gefolgt. gemeinen He ter Rönig& Ben verwirk Zeit der tie Joch der n Tat, daß i landes zu jein Dajein Ben nur zu Auffaffung lich zum W tung brachte. den Schneefel König Fried 1811 Gesetze nen Wehrpil gen, für die gelaffenen B und für die heit des waff flären. Das preu pflicht hervor her noch uni macht. 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