Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint - jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer. Nr. 1. Telephon: Nr. 362. Auf die Finger geklopft hat der Reichstagsabgeordnete Behrens die soz.- dem. „ Oberh. Volkszeitung". Dieses Blatt brachte über eine christlich- soziale Versammlung, in der der Abg. Behrens sprach, und in der für ihn mit großer Mehrheit eine Vertrauensresolution beschlossen wurde, einen durchaus verdrehten und unwahren Bericht. Abg. Behrens hat dem Blatte folgende Berichtigung zugesandt: Essen( Ruhr), den 28. Dez. 1910. An die Redaktion der„ Oberh. Volkszeitung" Gießen. Auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie in Ihrem Blatte folgende Berichtigung des in Nummer 299 enthaltenen Berichtes über die am 18. Dezember 1910 in Altenkirchen stattgefundene Versammlung der christlich- sozialen Partei aufzunehmen. Es ist unwahr, daß ich zwei Stunden lang über die Sozialdemokratie geschimpft" habe. Wahr ist, daß ich bei Erörterung der grundsätzlichen Stellung der Sozialdemokratie zum Etat und zu den Steuern die Verhandlungen der Dresdener und Magdeburger Parteitage erwähnte und dabei einige Redewendungen aus diesen Verhandlungen wörtlich zitierte, um der Versammlung einen Begriff davon zu geben, wie Sozialdemokraten Meinungsverschiedenheiten behandeln. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Es ist ferner unwahr, daß während der Rede des Diskussionsredners Genosse Winnen aus Köln im Saale Ruhe herrschte,„ daß man hätte eine Steckna del zur Erde fallen hören können". Ebenso un= wahr ist, daß der Vorsitzende Herrn Winnen das Wort entzog. Wahr ist, daß infolge der maẞlosen, unflätigen Beschimpfung der bürgerlichen Parteien, der Regierung, des Reichskanzlers und der un= wahren Ausführungen über die Zivilliste des Königs durch Herrn Winnen die Versammlung eine stürmische Entrüstung kundgab und die vielfachen Schlußrufe den Vorsitzenden veranlaßten, Herrn Winnen zu ersuchen, sachlich zu bleiben oder, was besser sei, dem Wunsche der Versammlung zu folgen und zum Schlusse zu kommen. Unwahr ist weiter, daß sich bei der Abstimmung über die Resolution dafür nur etwa 40 Hände erhoben, dagegen aber 70. Wahr ist, daß sich für die Resolution 80-100 Hände und dagegen nur 25-30 Hände( Sozialdemokraten und Liberale) erhoben. Der Amtsrichter Büsgen ging bei seiner Feststellung zur Resolution von seiner Auffassung aus, die sich als ungenügende Kenntnis parlamentarischer Gebräuche herausstellte. Der größere Teil der Versammlung( Bergarbeiter) wagte nicht, sich an der Abstimmung zu beteiligen, weil sie, wie mir nachträglich mehrere sagten, sich durch Abstimmung im christlich- sozialen Sinne angesichts der Anwesenheit ihrer liberalen Vorgesetzten, einer Maßregelung ausgesetzt hätten. Unwahr ist schließlich noch, daß Herr Amtsrichter Büsgen die Sozialdemokratie in Schutz nahm. Wahr ist dagegen, daß Herr Büsgen ausdrücklich die Zurechtweisung der Maßlosigkeiten des sozialdemokratischen Redners billigte. 25) Hochachtungsvoll! Franz Behrens. Mitglied des Deutschen Reichstages. Der Schuldschein. Eine Bauern- Geschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel- Mainz. ( Nachdruck verboten.) Hankunrad Ferber hatte den Kopf auf die Hand ge= stützt und fuhr mit zitternder Stimme fort: „ Lisbeth, Christian, ich bin herkumme un will widder gut mache, was ich Eich domols angeton hab! Do in dem Beitel sein die Zwaahunnertfufzig Gille, samt Zinse un Zinseszinse bis uff de heutige Tag. Der Deiwel hot die Philippine, unser Herrgott verzeih's ihr, verblendet, daß sie Eierm verunglückte Vatter de Schuldschein aus seim Büchelche genumme hot; der Deibel hot mich verblendet, daß ich Eich nit gleich widder gewe hob, was Eier war. Unrecht Gut gedeiht nit. Ich habs an mir gemerkt. Wißt Jhr was es haaßt, sich selbst was vorwerfe zu müsse? Unser Herrgott soll Eich devor bewahre, daß Ihr des kenne lernt! Er hot mich hart gestraft mit der ewige Angst in dene lange Jahre, daß was erauskäm; was ich ausgehalle hab, es war die zwaahunnertfufzig Gille wahrhaftig nit wert! Lisbeth, Du waaßt wie ich mich domols verschwore un verhaaße hab ich hätt kaa Geld von Deim Mann frieht. des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberheffens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Montag den 2. Januar 1911 Aus der Heimat. ( Gießener Tageblatt) 23, 1-77 Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Betitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plazzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein. GIESSEN Gießen, 2. Januar. * Ordensverleihungen. Der Großherzog hat dem Vorsitzenden der Zentralstelle für die Landesstatistik Geh. Oberschulrat L. Nod nagel das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Mitglied und Sekretär dieser Zentralstelle Regierungsrat 2. Knöpfel die Silberne Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft, dem Revisor bei der Zentralstelle Theodor Bohne das Silberne Kreuz mit der drone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Bureaugehilfen bei zeichen mit der Inschrift„ Für langjährige treue Dienste" der Zentralstelle G. Wahlig das Allgemeine Ehrenverliehen. * Erledigt: Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Danstendienst und Lektordienst verbunden; die mit einem ev. nenrod, Kreis Alsfeld. Mit der Stelle ist Organizu Ober- Sorg, Kr. Alsfeld. Lehrer zu besetzende Lehrerſtelle an der Gemeindeschule * Aus dem Parteileben. In einer Volksversammlung in Alzey sprach am Dienstag Pfarrer or el l- Königstädten die Hoffnung aus, daß die Tagung des hessischen nationalliberalen Landesausschusses Wege finden werde, die auch in Hessen ein Zusammengehen der Freisinnigen mit den Nationalliberalen bei den nächsten Reichstagswahlen ermöglichen. Storell erklärte, daß er, falls seine Person ein Hindernis dieser Verständigung bieten sollte, bereit sei, die Kandidatur in Alzey- Bingen niederzulegen. * Gründungsfeier des Deutschen Reiches. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Mecum hat sich ein Ausschuß gebildet, der eine besondere Feier der vierzigjährigen Wiederkehr des Gründ= ungstages des deutschen Reiches vorbereitet. Die Feier soll am 15. Januar stattfinden und ist für vormittags 11 Uhr ein Festakt im Stadttheater, für abends 8 Uhr ein Festkommers in Steins Garten vorgesehen. Vortrag. In der neuen Aula der Universität findet kommenden Freitag ein Vortrag von Fräulein Dr. Alice Salomon aus Berlin über ,, Mutterschutz" statt.( Siehe Anzeige in heutiger Nummer.) Der Evang. Arbeiterverein hält am 22. Januar wieder einen Volks unterhaltungsabend ab. Zur Aufführung gelangt:„ Der Leiermann und sein Pflegekind". Die Aufführung wird, soweit möglich, auch nichtmitgliedern zugänglich gemacht. * Darmst 3ischen Ernsthofen und Brandau blieb in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch der Postwagen im Schnee stecken. Der Kutscher spannte die Pferde aus, verirrte sich aber in der Dunkelheit und wurde in halberfrorenem Zustande von zwei Lehrern gefunden und unter großen Schwierigkeiten nach Brandau gebracht. * Offenbach. Der Kontrollausschuß nahm in seiner Sitzung den Bericht des Stadtv. Boehm über die Stanalangelegenheit entgegen und beschloß darauf einstimmig, die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen den Beigeordneten Walter und den Ingenieur Kolloge zu beantragen. * Frankfurt a. M. Die für den hiesigen städt. Schlachthof festgesetzte Sperre konnte wieder aufgehoben Blind wollt ich werrn, hab ich gesagt, wenn ich den Lenhard an dem Dag bei mir geseh hätt'. Unser Herrgott läßt nit mit sich spotte. Halbblind bin ich schun; wie lang werd's dauern, dann is es for immer Nacht Nacht, dunkel Nacht! Kaa Berg und kaa Wälder, kaa Häuser und kaa Mensche, nit mehr das Gesicht vun meim Lenchenix mehr soll ich sehe! Och Gott is zu hart, zu hart!" es Jm trampshaften Schluchzen erstickten die gebrochenen Laute; das schneidende Weh, welches in der Brust dieses Mannes so lange gewühlt und gebohrt hatte, es machte sich jetzt in erschütternden Klängen Luft, wie sie nur ein auss Aeußerste gepeinigtes Menschenherz hervorbringen kann. Die alte Lisbeth hatte schon längst ihr Taschentüch lein hervorgezogen und wischte sich die Rührungstränen aus den Augen. Christian war durch die Beichte seines früheren Widersachers in einen seltsamen Zustand versetzt worden. Es war ihm, als dürfe er als Mann das schwere Leid, welches Jener ihm und den Seinen zugefügt hatte, nicht ungefühnt lassen, als müsse er den in dunklen Stunden gefaßten Schwur, dem Betrüger das Leid heimzuzahlen, unbedingt erfüllen. Er glaubte, hart aleiben zu müssen; - Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. werden. Man geht hier mit dem Gedanken um, im Laufe des Monats Mai dieses Jahres aus Anlaß des Ueberlandfluges Mülhausen- Frankfurt in Frankfurt a. M. eine aviatische Ausstellung zu veranstalten. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Person des Mörders Bieners festzustellen. 1 Frankfurt. Freitag abend kurz nach 9 Uhr wurde an der Hundswiese der Monteur Schweizer von der Straßenbahn überfahren und getötet. * Homburg. 109 Bewerbungen um die Stelle eines Kurdirektors in Homburg v. d. H. sind eingegangen. * Groß- Zimmern. Eine ältere Frau wollte Sie glitt aus, fiel die Treppe hinunter und brach hierin der Frühe ihren auf Urlaub weilenden Sohn wecken. bei das Genick, sodaß der Tod sofort eintrat. * Herbstein. Hier wurde ein Mann verhaftet, der in Lauterbach, Frischborn, Eisenbach und Rirfeld Einbrüche verübt hatte. )( Im hohen Vogelsberg nimmt die Holzschnitzerei von Jahr zu Jahr mehr ab. Sie bleibt in der Hauptsache auf einige Orte beschränkt, von denen jeder seine Spezialität hat: Jn Rebgeshain schnitzt man Rechen, in Helpershain Schindeln, in Köddingen die berühmten Vogelsberger Holzlöffel, die noch vielfach im Gebrauch sind. Feinere Kunstgegenstände werden außer in Meiches, wo ein Schnitzer Stöcke und Stockgriffe arbeitet, nur noch in Schotten hergestellt. )( Aus Rheinhessen. Ganz bedeutende Länderstrecken von sumpfigem Ackerland sind in den Gemarkungen der Altrheingemeinden Eich, Hamm, Gimbsheim sowie auf dem Kornsand bei Oppenheim durch die Kultur der Korbweiden nutzbar gemacht worden. In den letzten Jahren liefern diese neuen Weidenanlagen einen immer höheren Ertrag und machen der fremden Einfuhr erfolgreich Konkurrenz. * - Mainz. Die 16 Millionen- Anleihe der Stadt Mainz hat vom Staatsministerium die Genehmigung erhalten. Eine Firma in Erbenheim sandte am 28. Dezember den 50jährigen Bäcker Vogt hierher, um bei einer Holzhandlung einen Wechsel in Höhe von 10 000 Mark einzulösen. Seit dieser Zeit ist Vogt verschwunden, ohne den Wechsel eingelöst zu haben. )( Mainz. Eine interessante Entscheidung fällte das Schöffengericht über die Frage, ob Wildpret oktroipflichtig sei. Ein hiesiger Geflügelhändler hatte für ein eingeführtes Reh kein Oktroi entrichtet, weil er der Ansicht war, daß nach den Beschlüssen des Reichstages bei der Zollgesetzgebung auch Wildpret unter das nicht oktroipflichtige Fleisch falle. Auf Anzeige der städtischen Verwaltung erhielt der Geflügelhändler einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch erhob, um eine richterliche Entscheidung herbeizuführen. Das Schöffengericht stellte sich auf den Standpunkt, daß Wildpret nicht oftroipflichtig sei und sprach den Geflügelhändler frei. Gestorben: Frau Elisabetha 3e cher, geb. Wister, 68 Jahre alt, Gießen- Hachborn- Darmstadt- Barmen. Beerdigung in Hachborn. - Holzverkäufe und Versteigerungen. Bürgermeisterei Ulfa. Donnerstag, den 5. Januar, im Gemeindewald Ulfa: Stämme, Derbstangen, Nutzfnüppel, Nugreisig, Scheiter. Beginn der Versteigerung 10 Uhr vorm. am Villinger Weg. doch aller Wille, sich zur Härte anzuspornen, sank vor dem überquellenden Mitleid mit dem von einem selbstverschuldeten Geschick so schwer Heimgesuchten zusammen. Der einst so bitter Gehaßte, hatte, ohne von ihm dazu gezwungen zu sein, sich selbst in so unerhörter Weise erniedrigt, daß er als Bittender kam; das bessere Selbst, welches ein Leben lang in dem jetzt Reuigen vom Unkraut der niedersten Leidenschaften, dem Geiz und der Habsucht überwuchert wurde, es war jetzt sieghaft hervorgebrochen und hieß den Mann gut machen, was er einst gesündigt. Durfte er, Christian, da die Hand zurückstoßen, die sich ihm entgegenstreckte? Und war der Mann nicht der Vater seiner noch immer innig geliebten Magdalen, der Vater des Weibes, welches eher auf seine Liebe verzichtet hatte, als die heilige Kindespflicht zu verletzen, die Kindespflicht, deren Erfüllung in diesem Falle eine Mitschuld an der einstigen Verfehlung der Eltern war? Denk dran, was im Vaterunser steht: Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!" " In diese Gedanken verloren fühlte Christian auf seiner Schulter die Hand der Mutter, die leise herangetreten war und ihm jetzt mit tränenerstickter Stimme zuraunte: ( Fortsetzung folgt.) Deutschland, England und Persien. und Geschworenenrechts dargelegt wird. Ein gleicher Antrag des geschäftsführenden Ausschusses des Deutschen Lehrervereins war in der zweiten Lesung der Strafprozeßtommission abgelehnt worden. Die Reformbewegung in China. Der Reichsausschuß hat gestern beschlossen, eine neue Beschwerde an den Thron zu richten, in der entweder ein verantwortliches Kabinett oder die Auflösung des Reichsausschusses verlangt wird. Dieser betrachte das dauernde Fernbleiben des Prinzen Tsching und des Staatsrats von seinen Sigungen als eine Geringschäzung von seiten der Regierung. Ein angesehenes Londoner Blatt hat sich vor einigen Tagen von seinem Berliner Mitarbeiter melden lassen, England wünsche in das deutsch- russische Abkommen über Persien miteingeschlossen zu werden und es seien hierzu diplomatische Vorbesprechungen zwischen den Kabinetten von London, Berlin und St. Petersburg eingeleitet. Diese Meldung hat von Berlin aus keine amtliche Widerlegung erfahren, weil das genannte Blatt nicht zu den Organen der öffentlichen Meinung Englands gehört, die es als ihre Aufgabe betrachten, zwischen Deutschland und England Unfrieden zu stiften Aber da die Meldung geeignet ist, verwirrend zu wirken, scheint es nicht unangebracht, sie richtig zu stellen. Es ist jetzt wohl kein Geheimnis mehr, daß Rußland bei den Verhandlungen, zu denen die Potsdamer Kaiserbegegnung Anlaß gab, mit dem Wunsche hervortrat. Deutschland möchte sich in Nord persien für politisch uninteressiert erklären. Diese, den Tatsachen entSprechende Zusicherung hat Rußland auch erhalten, nachdem es selbst u. a. zugesagt hatte, daß ein günstiger Anschluß der Nordpersischen Bahn an die Bagdadbahn stattfinden sollte. Aber schon geraume Zeit vor der Potsdamer Entrevue hatte England in dem bekannten, zwischen den Kabinetten von St. Petersburg und London getroffenen Abkommen Rußland gegenüber sein ,, désinteressement" inbezug auf Nordpersien erklärt. Hieraus ergibt sich, daß für England keine Ursache mehr vorliegen kann, sich in die Potsdamer Abmachungen über Persien miteinschließen zu lassen, Deutschland vielmehr, soweit Nordpersien in Frage kommt, nur den Abmachungen zwischen England und Rußland gefolgt ist. Rundschau vom Cage. Politises. Der Kleine Nachrichten. Eine neue Großstadt. Um die Eingemeindung von Treptow scheint zwischen Berlin und Nixdorf ein Wettbewerb einzutreten. Der Rirdorfer Magistrat macht jetzt in der Einwohnerschaft Treptows durch Flugblätter Stimmung für eine Eingemeindung nach Rixdorf. Im Falle einer solchen Vereinigung soll die neue Großstadt den Namen Neu- Kölln annehmen. Der Widerruf des Prinzen Mag von Sachsen. Osservatore Romano" veröffentlicht folgende Note: Wir wissen, daß Prinz May von Sachsen, der am gestrigen Tage unsere Stadt verlassen hat, eine ausführliche Erklärung unterzeichnet hat, in der er unter offener Anerkennung der Irrtümer, die in den von ihm unbedachtsamerweise ge= schriebenen und in der neuen Rundschau„ Roma e l'Orien= te" veröffentlichten Artikeln enthalten sind, dem Heiligen Vater die Gefühle seiner vollen und unbedingten Anhänglichkeit an die Glaubenssätze, die die katholische Kirche lehrt und bekennt, erneuerte. Fener in der Leipziger Anatomie. In der Leipziger atomie entstand gestern durch die Unvorsichtigkeit einer Aufwartefrau Feuer. Zwei Zimmer brannten vollkom= men aus. Der dadurch verursachte Schaden ist sehr bedeutend, da eine große Menge sehr wertvoller Präparate, die für die nächstjährige hygienische Ausstellung in Dresden bestimmt waren, verbrannt sind. 75 000 Lokomotivführern und Zugbeamten auf den Bahnen nördlich, südlich und westlich von Chicago ist eine Lohnerhöhung von 10 Prozent bewilligt worden, die sogleich in Kraft tritt. Die Zugbeamten der Canadian Northern Railway sind in der gleichen Weise bedacht worden. Der Modernisteneid wird auf Anordnung des Kardinals Fürstbischof Kopp von sämtlichen Geistlichen der Diözese Breslau in dieser Woche bis zum 31. Dezember geleistet. Derjenige katholische Geistliche, der sich weigert, den Eid zu leisten, wird ohne weiteres in Rom angezeigt und vom Amte suspendiert bezw. tritt Amtsentsetzung ein. Der außerordentliche Professor an der Münchener Universität und Diakon an der Hoffirche St. Michael, Dr. Ferdinand Birkner, hat die Leistung des Modernisteneides verweigert. Ein Zyklon hat in Südfrankreich große Verheerungen angerichtet und die Verbindungen vielfach zerstört. auer von Mühldorf in Bayern trägt hon seit Jahren Frauenkleider und hört es gerne, wenn er als, Fäulein Marie" angesprochen wird. Am Fronleichnamstage wartete er in weiblicher Kleidung, einen Myrtenkranz auf dem Haare, vor der Tür eines Gasthauses in Wasserburg auf die Fronleichnamsprozession. Daran nahmen mehrere Prozef= fiosteilnehmer Aergernis. M. wurde vom Schöffengerichte Mühldorf megen groben Unfugs zu einer Haftstrafe verurteilt, seine zum Landgerichte Traunstein erhobene Berufung wurde verworfen. Auf eingelegte Revision hob der Straffenat des obersten Gerichtshofes in München das Urteil der Vorinstanz unter Freisprechung des Angeklagten auf, weil nicht angenommen werden könne, daß er sich be= wußt war, durch sein Auftreten die öffentliche Ordnung zu stören. 75 000 für wohltätige Zwecke haben die Erben des verstorbenen Reichsrats August von Clemm in Kaiserslautern gestiftet. Die Opfer der Aviatik. Bei Besprechung des Absturzes der beiden Aviatifer Laffont und Polla heben die Pariser Blätter hervor, daß der Flugsport jetzt den Tod von 41 Fliegern gefordert hat. Es wäre eits das zweite Mal, daß zwei Flieger gleichzeitig tot blieben. Wieder ein Muttergottesbild geraubt. In der Kirche des polnischen Städtchens Schidlow wurde eingebrochen und der Schmuck des Muttergottesbildes geraubt. Von den Dieben fehlt jede Spur. Fast zu gleicher Zeit wurde im benachbarten Chytovian das Altärbild einer Kapelle zertrümmert und beraubt. Ausbau der Innungsorganisation. Die langsame Entwicklung der Innungsorganisation im Handwerk führt man u. a. auch auf das Fehlen geeigneter Führer zurück, vor allem solcher Personen, die die Jnnungsgeschäfte in einer zweckentsprechenden Weise zu besorgen imstande sind. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat die Handwerkskammer Düsseldorf jetzt Kurse für Innungsverwalter eingerichtet, in denen die zur Besorgung der Jnnungsgeschäfte erforderlichen Kenntnisse systematisch und methodisch gelehrt wer= den. Der Lehrplan sieht u. a. vor: Gesetzeskunde( Gewerbeordnung, unlauterer Wettbewerb, Sicherung der Bauforderungen), Genossenschaftswesen, Behördenorganisation, Steuerwesen, Sozialversicherung, wirtschaftliche Fragen des Handwerks sowie Anleitung zur praktischen Innungsarbeit. Der Kursus soll nicht nur aus Vorlesungen bestehen, sondern mit praktischen Uebungen verbunden sein. Auf den Erfolg dieses Versuchs darf man gespannt sein. Die geänderten„ Gänsefüßchen“. Nach fünfzehnjähriger, tadelloser Dienstzeit im 14. badischen Armeekorps wollte ein Feldwebel, aus dem militärischen Leben scheiden. Er bewarb sich deswegen um eine Stelle bei der Post und fügte dem Bewerbungsschreiben seine Militärpapiere bet, aus de nen zu ersehen war, daß er bisher keine Strafen erlitten hatte. Und doch war einstmals vor langen Jahren noch vor seinem Eintritt beim Militär etwas passiert, wofür er gerichtlich bestraft worden war. Er war knapp 17 Jahre alt, Lehrling in einem Kolonialwarengeschäft und hatte sich da= mals aus dem Warenlager seines Chefs Bigarren angeeignet. Er hatte sich damit natürlich eines Diebstahls schuldig gemacht und wurde mit vier Wochen Gefängnis bestraft. Später beim Militär hatte er als Feldwebel die Stammrolle seiner Kompanie zu führen. Als er das Register übernahm, fand er bet seinem Namen ein paar sogenannte Gänsefüßchen verzeichnet, was soviel wie unbestraft zu bedeuten hat. Er fand in der Annahme, daß die alte Geschichte aus seiner Lehrlingszeit beim Militär nicht bekannt geworden war, keinen Anlaß, an dieser Signatur in der Stammrolle etwas zu ändern und nahm wohl auch feinen Anstand, als einmal angeordnet wird, an Stelle der Strichelchen das Wort„ keine" zu setzen, dies bei allen Namen, also auch bei dem seinigen zu tun. Das aber sollte zu sehr unlicbsamen Weiterungen führen, denn als die Postbehörde bet der Heimatsbehörde vorschriftsmäßig Erkundigun gen einzog, erfuhr sie seine Bestrafung. Die Sache wurde untersucht und die Folge war eine Anklage wegen Urkundenfälschung. Das Kriegsgericht nahm jedoch an, daß der Feldwebel der Sachlage nach ganz korrekt gehandelt hatte, und sprach ihn frei. Der Gerichtsherr hielt sich zwar für verpflichtet, Berufung einzulegen, das Oberkriegsgericht gelangte aber gleichfalls zu einent Freispruch. Beim Untergang einer Schaluppe, der in der Nähe von Ostende durch einen Zusammenstoß mit einem andern Fahrzeuge verursacht wurde, sind 5 Mann der Besatzung ertrunken. Die Opfer einer Arzneivergiftung wurden zwei Söhne des Besitzers Ammer in dem Dorfe Ohra bei Danzig. Die Knaben litten an Magenschmerzen, worauf ihnen die Mutter cine Arznei verabfolgte, die sie von einer fremden, umherziehenden Frau gekauft hatte. Die Kinder starben, nachdem sie die Arznei genommen, unter Vergiftungserschei= nungen. Eine Vorlage über die zolltechnische Unterscheidung zwischen Kleie und Mehl wird dem Bundesrat binnen kurzem zugehen. Die Vorlage geht davon aus, daß einerseits der Kleiehandel nicht mit unnötigen Hemmnissen und Weiterungen zu belasten ist, anderseits aber auch Vorkehrungen dagegen getroffen werden müssen, daß nicht Kleie zur zollfreien Einfuhr gelangt, welche Mehl in hohen Prozentsäken enthält. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Vom Goethe: und Schiller- Archiv. Geh. Rat Prof. Dr. Suphan lest mit Ende dieses Jahres die Direktion des Goethe- und Schiller- Archivs in Weimar nieder, wird aber die Tirektionsgeschäfte bis zur Ernennung eines Nachfolgers weiterführen. Schöffen- und Geschworenenrecht für die Lehrer. Auf Anregung des Deutschen Lehrervereins sind beim Reichstage Masseneingaben von Lehrern aus allen Teilen Deutschlands eingegangen, in denen unter eingehender Begründung der Wunsch der Lehrer nach Verleihung des Schöffen( Schluß.) Der Polizeibericht. Skizze von Carl Kern. Ein Richard Wagner- Theater in Scheveningen. Aus dem Haag wird gemeldet, daß sich dort und in Scheveningen ein Komitee gebildet hat, das die Gründung eines Richard Wagner- Theaters in Scheveningen nach dem Muster des Bayreuther und des Münchener Prinz- Regenten- Theaters anstrebt. Mit dem Bau soll begonnen werden, sobald 1800 000 Gulden aufgebracht sind. Im Sommer sollen 22 Wagner- Opern und im Winter 12 andere Opern aufge= führt werden. Das Theater foll 1913 bei der Einweihung des Friedensvalastes im Haag eröffnet werden ( Nachdruck verboten.) Plößlich erschütterte ein markdurchdringender Schrei die Luft, so entseglich grell, daß er selbst das laute Boltern und Rasseln des Getriebes übertönte. Die Maschinen hielten und die Blicke aller im Raum Anwesenden richteten sich nach einer Stelle oben an der Wellenleitung, die sich in geringem Abstand von der Deue hinzog. Cäsar war einen Augenblick wie gelähmt vom Schrecken, als er dorthin sah. Uraufführung von Humperdincs„ Königskindern". Im Metropolitan- Opernhause in Neuyork fand am Mittwoch die Uraufführung der dreiaktigen Oper Königskinder" von Engelbert Humperdinck statt. Das Opernhaus war bis auf den letzten Platz gefüllt und bot einen glänzenden Anblick. Das Stück fand eine glänzende Aufnahme. Von dem Schraubenwerk der Transmission an der Kleidung erfaßt, schwebte da oben, dicht neben einer Riemenscheibe und über einer der größten Schnellpressen Aus den Gerichtssälen. Aus dem Reiche der Technik. während beam. B ber falfe tritt zu fowie zu Residenze vom Rai Die den von den, mad bemerkba teten bis Verkehrs liegt der Ortschafte ten noch gerichteter verkehr i selnen fü Surd Um Ein Ein Untergrundbahn- Tunnel für die Münchener Post Ein interessantes, in München bis jetzt einzig dastehendes Bauwerk ist fürzlich vollendet worden: die Untergrundbahn, die zur Beförderung der Brieffendungen vom Hauptbahnhof zum Zentral- Briefpostamt im Neubau des Verfehrsministeriums bestimmt ist. Ueber die Ausführung des Tunnelbauwerks macht die Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen" folgende Mitteilungen: Der Tunnel führt im Gefälle von 1:24 vom Starnberger Sommerbahnhof unter dem Restaurationspavillon hindurch, senkt sich dann zur Arnulfstraße hinab und erreicht seine größte Tiefenlage von 6,8 Meter unter Straßenoberfläche an der Unterführung der Seidlstraße. Hier unterfährt er die übereinander gelagerten städtischen Hauptsammelkanäle und ver läuft dann in aufsteigender Richtung im Hof des Verkehrsministeriums, wo er seinen Anschluß an die Briefpoststation I findet. Die Ausführung erfolgte als Plattenkanal nach dem System Eschenbrenner, bei welchem gebrauchsfähig hergestellte Einzelteile an der Baustelle nur noch zusam= menzufügen sind, so daß eine ebenso solide wie rasche Arbeitsleistung gewährleistet ist. Der Posttunnel hat einen rechteckigen Querschnitt von 2,35 Meter Breite und 1,8 Meter Höhe, mit einer fastenförmigen Vertiefung in der Mitte, die das Begehen des Tunnels durch das Personal ermög licht, während auf den beiderseitigen Banketten das Gleis für die Schmalspurbahn verlegt ist; die Gesamtlänge be= trägt rund 350 Meter. Die Decke ist aus Eisenbeton nach System Herbst hergestellt. Besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt erforderte die Herstellung des Tunnels, die durchweg in offener Bauweise erfolgte, soweit der Kanal unter den Spiegel des Grundwassers hinabführte, da trotz der nur 13 Meter starken Eisenbetonwandungen eine vollkom= mene Wasserdichtigkeit erreicht werden mußte. Zu diesem Zweck wurde eine mit elektrischem Antriebe versehene Zentrifugalpumpe eingebaut, die während der Bauzeit bet Tagund Nachtbetrieb 2500 bis 5000 Liter Wasser in der Minute aus der Baugrube förderte. Die äußeren Kanalwandungen wurden alsdann mit einer dreifachen Papyrol- Lage abgedichtet. Der Kanal liegt teilweise bis zu 2,8 Meter im Grundwasser. Der Betrieb der zweigleisigen Schmalspurbahn erfolgt mittels elektrischer Lokomotiven. Ein- appetitlicher Geschäftsbetrieb. Der Bäckermeister Aloys Jochum von Immenstadt in Bayern ließ das Wasser, in dem sich seine Leute die Hände gewaschen hatten, zur Teigbereitung verwerten und einen Zehrling, der infolge einer Schußverletzung eine eiternde Wunde an der Hand hatte, Teig herstellen. Es wurde festgestellt, daß einmal das Heftpflaster mit dem daranklebenden Eiter in den Teig fiel und daß dieser Teig, trotzdem Jochum darauf aufmerksam gemacht worden war, zu Brot verarbeitet wurde. Das Landgericht in Kempten verurteilte J. zu 300 Mark Geldstrafe. Ein Mann in Frauenkleidern. Der ehemalige Kloster= bruder und nunmehrige Schnittwarenhändler Joseph Meiß= Ernst, der die verzweifeltsten und widersinnigsten Bewegungen machte, sich aus seiner furchtbaren Lage zu befreien. Dem Armsten kam es natürlich nicht zum Bewußtsein, daß er sich mit seinem Hin und Herwerfen, Lasten und Greifen noch größerer Gefahr ausfeẞte; den vollen Umfang dessen, was ihm drohte, konnten nur die Umstehenden ermessen. Aber diese waren zum größten Teil starr vor Entseßen und viel zu aufgeregt, um im Augenblick ruhig zu überlegen, wie dem Unglücklichen zu helfen sei. Das Mädchen, das an der Maschine, über der Ernst hing, Bogen angelegt hatte, war vom Tritt gefallen und lag ohnmächtig am Boden. Und wer wirklich Rat wußte, für den war der Zugang nach der Unglücksstelle durch allerhand herumliegenden Kram zu sehr erschwert, ais daß er augenblicklich hätte zugreifen können. Aber Hilfe fonnte hier nur nüßen, wenn fie fofort eintrat. Nicht weit von dem Verunglückten stand ein alter Arbeiter mit angstverzerrten Mienen; man sah seinem Gesicht und seinen Bewegungen an, daß er sein eigenes Leben drangegeben hätte, wenn der junge Mensch dadurch au retten gewesen wäre Aber er fab feine Möglichkeit, hm heiautomer , Springen Sie aufs Fundament, auf die Form, und reißen Sie ihn herunter!" rief ihm jemand zu. Der Mann stieg hinauf, so rasch er vermochte.. Cäsar, der inzwischen mit fieberhafter Angst gesehen hatte, wie der Rittel und die Schürze des verunglückten Burschen bei dessen vergeblichen Bemühungen, irgend einen Stüßpunkt zu erfassen, immer mehr in Gefahr tamen, zwischen dem Treibriemen und der Scheibe eingeklemmt zu werden, ergriff, einer plöblichen Eingebung folgend, ein Bapiermesser und sprang hinüber, um den Riemen zu durchschneiden. Aber noch ehe ihm dies gelang und ehe jener Arbeiter den jungen Mann ergreifen konnte, war es bereits zu spät - der Riemen hatte die Bekleidung des Unglücklichen erfaßt, und im nächsten Augenblick wurde der Körper um die Welle geschleudert; die Beine trafen den Arbeiter, und dieser verlor das Gleichgewicht und stel, selbst schwer verlezt zu Boden.. Ein Maschinenmeister hatte sich inzwischen beeilt, die Transmission zum Stillstand zu bringen, aber bevor er noch damit zurechtkam, war das Unglück bereits geschehen. Cäsar hatte sich schließlich selbst auf den Plas geschwungen, den vorher der Arbeiter innegehabt hatte. Er richtete sich empor und durchschnitt die Blouse und das Hemd des Burschen, die sich strickartig zusammengewunden hatten und den Sterbenden an der Transmission noch festhielten. Dann fing er mit dem Arm den schweren, zerrissenen Körper auf, der ihn im Herabfallen über und über mit Blut besudelte. Er fühlte nach dem Herzen, das noch schlug; dann wandte er mit der Rechten, die das Meffer fortgeworfen hatte, den Kopf des Verunglüäten in die Höhe. Vermischtes. Die Kaiserdeputation der Halloren ist in Berlin eins getroffen, um, einem alten Brauche gemäß, dem Kaiserpaar sowie den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses die Neujahrsglückwünsche der Salzwirkerbrüderschaft Tal zu Halle a. S. zu überbringen. Die Halloren erhalter Cäfer rief Ernst beim Namen. Doch er starrte ihn nur aus brechenden Augen an; die bleichen, schmerz perzerrten Züge grausten ihm regungslos entgegen, und die zusammengepreßten Zähne glänzten unheimlich zwischen den geöffneten Lippen. Als der Arzt kam hatte man den Körper des jungen Menschen, aus dem nun jedes Lebenszeichen geschwunden war, vorsichtig auf den Boden gelegt. Wir müssen ihn ruhig lassen, bis die Polizei tommt", das war alles, was der Arzt zu sagen wußte. Cäsar hatte inzwischen nach dem Bureau des Reviers geschickt, und mit dem Boten zugleich kam der Polizeileutnant." Der junge Chef, der mit aufeinander gefniffenen Lippen, fast so bleich wie der Tote, neben diesem stand, befand sich wie in einem Traume. Nachdem der Sachverhalt festgestellt war: daß Ernst ohne Auftrag seines Meisters, die Transmission habe ölen wollen, während das ganze Treibwerf im Gange war, blieben die weiteren Verhandlungen ohne jeden Eindruc auf Cäsar. Cäsar dachte nur an das kurze Gespräch, das er vorher mit Ernst gehabt hatte, er sah noch die Freudenröte, die auf dem offenen Gesicht des guten Jungen emporschoß. als er ihn lobte und dann von der Abkürzung seiner Lehrzeit sprach und das Herz des jungen Mannes frampfte fich zusammen, als er sich fagte, daß gerade dieses Lob und der Rausch der Freude den Burschen veranlaßt habe, im übereifer mehr als seine Pflicht tun zu wollen. Humoristisches. Im Zweifel. Nach einer zweitägigen gründlichen Biers reise kehrt ein Studiosus am frühen Morgen des dritten Tages heim. Als er vor dem Entree seiner Wohnung einen alten Papierfragen erblickt, murmelt er:„ Sollte mich meine Wirtin also doch vor die Tür gesetzt haben?" Aus den Bergen. Ein junges Mädchen machte mit einem Führer eine Gebirgstour. Sie unterhielten sich sehr gut, und auf der Spitze des Berges angekommen, ließ sich das Mädchen von dem Führer füssen. Wir sind entschie= den zu weit gegangen," sagte das Mädchen. Ja," meinte der Führer,„ dös hätt' ma drunt aa tean könna." O diese Frauen! Gatte( trübsinnig): Bedenke, Teure, wenn ich plötzlich sterben sollte Gattin: O, beruhige Dich, ich habe ja für alle Fälle noch das gute Schwarzseideye" Trupp fr ter Alaffe bitterten Paffagier Notbrems halten, bi den ausei ten ins S den zunä der Poliz Die geftern m moch at etwa 32 S Leiche die bestätigt. Leiche ang die auf d ichwollen. Grace nid gegen die Todeskam hatte eine verfucht h Rüfte zu das Benzi fürzere 3e Herung fü lich war. Ein G doner Ma White- Sta 1250 Meil den engli bindung a gramme fonnte. auf der tinenten i Marcontlen, fit al Relaisstati soll ich g birette Be nen währ bereit ge Drachens fernine 3 rung jedoc hundert W Brieft so plander wieder gef den ander mit rühre Tagen gri 51 Wochen Briefträge Ste luftige heiligen 3 fich herabz Trumpf a säuberlich leistung ei Bestellbezi teilen fom gegangen, durchschnit 3,90 Meter Höhe cine trägt mit Stodwerfe 418 Mitber ohne das fon gerech ichaften ab in Frankf meisten G stellern un dreimal a Erde einer was das f von 1221 diger Her hinabgeftic Stage I und Sams breche fün eine Klein ie die Voit Briefträge Sonntag a Dreiv Rund drei Wertzuwa Stadt G rüdzuzahl waltung teil eritrit madsiteue Rüdicht a berger Ma Streitjadje ar ung Bögel 1ie Bäll fierarzt S I einem einem Fal ein Schwa bes Gehöj frante Zie Seudje dur flären, wo der Verbre Eine nung von Lehranstal r r - B 7= e Is It ft et i 103 während ihres etwa zehntägigen Aufenthaltes in Berlin bezw. Potsdam freie Wohnung und volle Beköstigung aus der kaiserlichen Hofküche; außerdem wird ihnen freier Zutritt zu den Vorstellungen in den Königlichen Theatern, sowie zu den hauptsächlichsten Sehenswürdigkeiten beider Residenzen gewährt. Am 2. Januar wird die Abordnung vom Kaiserpaare in besonderer Audienz empfangen. Die Verkehrsstörungen in Süddeutschland, die durch den von uns gemeldeten Schneesturm hervorgerufen wurden, machen sich noch fortgesetzt in der empfindlichsten Weise bemerkbar. An den badischen Haupteisenbahnstrecken arbeiteten bis gestern abend noch zahlreiche Soldaten, um die Verkehrshemmnisse zu beseitigen. In den Gebirgsorten liegt der Schnee über einen Meter hoch, so daß zahlreiche Ortschaften vom Verkehr völlig abgeschnitten sind. Es dürf= ten noch Wochen vergehen, ehe die urch das Unwetter angerichteten Schäden beseitigt find. Telephon- und Depeschenverkehr sind ungemein stark beeinträchtigt. Zwischen einzelnen süddeutschen Stationen muß der Verkehr noch immer durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Ein Messerkampf im Eisenbahnzuge. Zwischen einem Trupp fremder Arbeiter kam es im Eisenbahnwagen vierter Klasse bei der Station Niederlahnstein zu einem erbitterten Kampf, der mit Messern ausgeführt wurde. Die Passagiere, von denen zahlreiche verletzt wurden, zogen die Notbremse. 20 Minuten mußte der Zug auf offener Strecke halten, bis es dem Zugpersonal gelungen war, die Kämpfenden auseinander zu bringen. Mehrere der Verletzten mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Die Kämpfer wurden zunächst in anderen Abteilen untergebracht und dann der Polizei übergeben. Die Anffindung der Leiche des Aviatifers Grace. Ein gestern morgen aufgetauchtes Gerücht, daß eine am Mittwoch at einem einsamen Punkt der belgischen Küste, in etwa 32 Kilometer Entfernung von Ostende aufgefundene Leiche die des verunglückten Aviatikers Grace ist, hat sich bestätigt. Tragisch mutet cs an, daß die Stelle, an der die Leiche angeschwemmt wurde, die„ Falle" heißt. Die Leiche, die auf dem Sand am Meeresufer lag, war stark ange= schwollen. Wie man aus dem Befund schließen kann, muß Grace nicht weniger als fünf Stunden mit seinem Apparat gegen die nahende Katastrophe angekämpft haben. Sein Todeskampf muß entsetzlich gewesen sein. Der Aviatifer hatte einen Rettungsgürtel mit sich und er wird offenbar versucht haben, zuerst mit seinem Apparat die europäische Rüfte zu erreichen. Allein im kritischen Moment ging ihm das Benzin aus und der Rettungsgürtel dürfte ihn nur fürzere Zeit über Wasser gehalten haben, zumal eine Orien= tierung für den Aviatiker infolge großen Nebels nicht mög= lich war. Ein Erfolg der drahtlosen Telegraphie. Bet der Londoner Marconi- Gesellschaft ist eine Meldung von Bord des White- Star- Dampfers Cedric" eingetroffen, wonach dieser 1250 Meilen vom europäischen Festlande entfernt noch mit den englischen und französischen Küstenstationen in Verbindung gestanden hat, gleichzeitig aber auch drahtlose Telegramme nach der nordamerikanischen Küste weitergeben fonnte. Der„ Cedric" dürfte der erste Dampfer sein, der auf der Fahrt über den Ozean dauernd mit beiden Kontinenten in drahtloser Verbindung stand. Er besitzt einen Marcont- Apparat mit einem Aktionsradtus von 350 Metlen, ist also bet größerer Entfernung vom Lande auf die Relaisstationen anderer Dampfer angewiesen.- Marconi soll sich gegenwärtig mit Versuchen beschäftigen, die eine direkte Verbindung der Ozeandampfer mit den Landstatio= nen während der ganzen Fahrt ermöglichen. Es ist ihm berette gelungen, bei günstiger Witterung mit Hilfe eines Drachens vom Schiffe Meldungen auf 3500 Metlen Entfernung zu entfenden Mit eintretender Witterungsänderung jedoch verringerte sich die Entfernung bis auf wenige hundert Meilen.ads and was of Briefträgers Erdenwallen. Die Zeit der Trinkgelder, so plaudert ein Mitarbeiter der Frankfurter 3tg.", ist wieder gekommen, ersehnt von den einen und gefürchtet von den andern, seit Wochen umgibt mich der Herr Hausmeister mit rührenden Beweisen der Aufmerksamkeit und seit acht Tagen grüßt mich sogar seine Ehehälfte, für die wir sonst 51 Wochen im Jahr nur eine„ notige Bagasch" sind. Der Briefträgee vollends erklettert für die kleinste Drucksache Sie luftige Höhe meiner Wohnung, während er in weniger heiligen Beiten schon im ersten Stock unsere Küchenfee zu sich herabzulocken weiß. Und nun spielt er seinen letzten Trumpf aus: drei Tage vor Neujahr überreicht er mir säuberlich gedruckt die Statistik über die tägliche Arbeitsleistung eine Wiener Briefträgers". Hier ist sie:„ Mein Bestellbezir besteht aus vier Straßen- und neun Gassenteilen sowie dem Teil eines Plazzes. Auf der Straße abgegangen, mißt er 3717 Schritt oder 38 Minuten. Die durchschnittliche Höhe eines Wiener Stockwerkes beträgt 3,90 Meter, die Stufenzahl eines Stockwerkes 25% und die Höhe ciner Stufe 15% 3entimeter. Mein Bestellbezirk beträgt mit seinen Nebenobjekten 95 Häuser, 89 Stiegen, 229 Stockwerke, 6071 Stufen, 1254 selbständige Parteien und 418 Mitbewohner( ohne die erwachsenen Söhne und Töchter, ohne das Dienstpersonal, die Ehepaare bloß als eine Person gerechnet), und ich muß 1511 Türen öffnen, um die Briefschaften abzugeben, denn Briefkasten am Haustor, wie z. B. in Frankfurt, kennt man in Wien ebensowenig wie in den meisten Städten Deutschlands. Jeder von den drei Bestellern unseres Bezirks muß ihn im Tagesdurchschnitt dreimal absolvieren. Das bedeutet schon auf der ebenen Erde einen Dienstweg von 5265 Metern und dann muß ich, was das schlimmste ist, einen Berg von Stiegen in der Höhe von 1221 Metern erklimmen. Sind Sie schon einmal, gnä= diger Herr, am Tage viermal den Eiffelturm hinauf- und hinabgestiegen und zum Abgewöhnen noch in die fünfte Etage Ihres Binspalastes treppauf, treppab? Montags und Samstags schreite ich 7000 Meter auf der Straße ab und breche fünfeinhalbmal den Eiffelturm- Rekord. Und noch eine Kleinigkeit: Seit 38 Jahren bestelle ich in Ihrem Hause die Post." Hiermit schließt vorläufig die Statistik meines Briefträgers; die Nutzanwendung wird sich am nächsten Sonntag zeigen. Dreiviertel Millionen Mart zurückzuzahlende Steuern. Rund dreiviertel Millionen Mark zu Unrecht eingezogene Wertzuwachs, Umsatz- und Grundstückssteuern hat die Stadt Schöneberg an diejenigen„ Millionenbauern" zurückzuzahlen, die in den Prozessen gegen die Stadtverwaltung beim Oberverwaltungsgericht ein obsiegendes Urteil erstritten haben, nach welchem die damalige Wertzuwachssteuerordnung der Stadt Schöneberg ungültig ist. Mit Rücksicht auf diese Gerichtsentscheidung hat sich der Schöneberger Magistrat entschlossen, in den noch schwebenden Streitsachen die verlangte Freilassung von der Steuerverarung oder Ermäßigung zu gewähren. Bögel als Verbreiter der Maul- und Klauenseuche. In enem amtlichen Bericht über einige in Friesland konsta= die Fälle von Maul- und Klauenseuche spricht der Bezirkstierarzt die Vermutung aus, daß die Seuche von Vögeln * einem Ort nach dem anderen übertragen wird. In einem Fall war einige Tage vor dem Ausbruch der Seuche ein Schwarm von rund fünfhundert wilden Gänsen unweit bes Gehöftes niedergestrichen. Der Arzt nimmt an, daß franfe Tiere darunter waren. Die Annahme, daß die Seuche durch Vögel weiterverbreitet wird, würde auch erflären, warum oft die strengsten Absperrungsmaßregeln der Verbreitung der Seuche keinen Einhalt tun. Eine eigenartige Unterrichtsmethode für die Erler: nung von fremden Sprachen soll in einigen französischen Lehranstalten verfuchsweise eingeführt werden. Deutsche. englische und italienische Sprachmeister sind dafür gewonnen worden, phonographischen Platten Dichtungen ihrer Länder einzuprägen, die von der Maschine in den Schulen wiederholt werden und den 3öglingen auf diese Weise eine reine Aussprache in interessanter Form beibringen sollen. Für die deutsche sellschaft Bathee, cete Sprache hat die PhonographengeAnfertigung der Platten übertragen ist, eine deutsche Künstlerin zur Mitwirkung herangezogen, die sich zurzeit in Paris aufhält: Rosa Bertens. So trägt die Berliner Bühne dazu bei, neuen Lehrstoff für bie Pariser Schulen zu bereiten: ein Austausch der auch auf dem umgekehrten Wege seine Früchte tragen könnte. Wenn Berliner Jungen und Mädel hören, wie die Bernhardt oder wie Mounet- Sully Racine und Corneille spre= chen, würden ihnen die französischen Klassiker vielleicht weniger ledern erscheinen, als es jetzt gewöhnlich der Fall ist. Ein eigenartiger Fall von Scheckfälschung und wunderbarem Zufallsspiel wurde dieser Tage vor einem Londoner Polizeirichter verhandelt. In der Filiale einer Londoner Bant erschien gegen Abend eine distinguiert aussehende Dame von etwa 28 Jahren in elegantem, pelzgefüttertem Abendmantel über weißer Soireetoilette und verlangte ein Scheckformular. Schnell und gewandt füllte sie es aus. ,, Vom Konto Emmie Williams sechs Pfund Sterling zahlbar an Emmie Williams" las der anwesende junge Mann, und da er wußte, daß eine Miß Emma Williams ein hohes Guthaben auf der Bank hatte, zahlte er der fashionablen Schönen ohne weiteres die 120 Mark aus. Kaum jedoch hatte sie den Laden verlassen, als ihm ein Zweifel kam. Hastig verglich er die Unterschriften und erkannte, daß er sich hatte täuschen lassen. Auf gut Glück eilte er auf die Straße und spähte nach allen Richtungen nach der schönen Bntrügerin aus. Wirklich erblickte er sie auch eine halbe Stunde später in einer Droschke, die in schnellem Trab vorüberfuhr. Auf seinen Anruf hielt der Kutscher, und die offensichtlich verwirrte Jnsassin begleitete den sie höflich dazu auffordernden jungen Bantbeamten zurück zu der Depositentasse. Hier gestand sie ihr„ Versehen" ein und ließ sich ohne Umstände verhaften. Bei dem Verhör sagte Miß Emmeline Decima Williams aus, daß sie sehr nötig Geld brauchte und gedacht habe, es sich auf diese Weise leicht vershaffen zu können. Ihre vielen reichen Verwandten in Wales, die freilich nichts mehr von ihr wissen wollten, würden schon für den Schaden, den sie der Bank verursacht, aufkommen. Sie selbst aber hatte sich gewundert, daß es ihr so schnell geglückt war, das Geld auf den falschen Scheck zu bekommen. Vom Fürsten Bülow in Rom. Ein römischer Mitarbeiter des„ Petit Parisien" schreibt unter dem 26. Dezem ber: Ein guter Freund des ehemaligen deutschen Reichsfanzlers hat mir über das Leben, das der Fürst und die Fürstin Bülow in Rom führen, seit sie sich wieder in der Villa Malta häuslich niedergelassen haben, einige Mitteilungen gemacht. Sie haben bekanntlich die Billa mit dem prächtigen Mobiliar dem früheren Besizer, Grafen Bobrinsty, abgekauft, aber die Fürstin Bülow hat doch in der inneren Einrichtung verschiedene Aenderungen vorgenom= men, Aenderungen, die dem Wohnsitz ein ganz persönliches Gepräge geben. So wandelte sich ein Teil des Erdgeschosses in eine große Bibliothek, in welcher der Fürst arbeitet er schreibt, wie man mir erzählt, seine Memoiren. Eine andere Aenderung, die auf die Prinzessin zurückzufüh ren ist, ist die Einrichtung eines großen Musiksaales, in welchem sehr oft Konzerte stattfinden: eine auserlesene Zuhörerschar lauscht hervorragenden. Klavier- und Geigenfünstlern, deren Namen im Gotha oder in den Jahrbüchern der Diplomatie zu finden sind. Der Fürst erfreut sich einer ausgezeichneten Gesundheit; er ist bekanntlich im verflossenen Sommer, während er in Deutschland weilte, vom Pferd gestürzt, hat aber die Folgen dieses Sturzes längst überwunden und reitet, wenn das Wetter es gestat= tet, jeden Morgen in den Anlagen der Villa Borghese spazieren. Bei solchen Gelegenheiten trifft er nicht selten mit Frankreichs Botschafter, Herrn Barrère, zusammen; er verkehrt mit ihm in der freundschaftlichsten Weise, wie überhaupt mit fast allen Diplomaten, die in Rom leben. Nachmittags gehen der Fürst und die Fürstin Arm in Arm in den Straßen der Stadt spazieren, wobei sie gewöhnlich ganz unbemerkt bleiben. Durch seine ganze Lebensweise will der Fürst zeigen, daß er sich von der Politik gänzlich fern hält, was ihn aber, wie mein Gewährsmann mir sagte, nicht hindert, die Ereignisse, die sich in Deutschland abspielen, aufmerksam zu verfolgen und im intimen Kreise auch darüber zu sprechen. Ein Mittel gegen das„ Schlucken". Dr. Petit de Beaumont empfiehlt in der„ Nature" als sicheres Mittel gegen " Schlucken" Streuzucker, der in einer Menge von ein bis zwei Teelöffel in den Mund zu bringen und trocken zu verschlucken ist. Von der Wirksamkeit dieses Mittels kann man stch leicht überzeugen. Worauf aber beruht diese Wirkung? Nach der Ansicht des französischen Arztes handelt es sich bet der Heilwirkung um einen Reflex: die Anstrengung beim Verschlucken des trockenen Pulvers verursacht eine sehr träftige Zusammenziehung aller beteiligten Muskeln und verhindert dadurch die krampfartige Erscheinung des Schluckens. Demnach müßte jedes andere Pulver an Stelle des Zuckers gleiche Wirkung tun. Boshaft.„ Dame: Finden Sie nich, daß unser Hausarzt sehr leutselig ist?" Herr:„ Gewiß er hat schon viele Leut' selig gemacht." Der Silvesterhumor unseres Kaisers. Aus Anlaß des bevorstehenden Neujahrsfestes bringt, wie der Inf." aus Paris geschrieben wird, eine französische Zeitschrift aus der Feder eines Diplomaten eine Schilderung des Silvesterhumors unseres Kaisers. Kaiser Wilhelm soll danach am Silvester ganz besonders gut aufge= legt sein und mit großem Vergnügen dem Bleigießen huldigen. Er sieht am Silvester stets mehrere Minister bei sich zu Gaste, so daß hier der politische Witz eine Pflegestätte hat. Als Fürst Bülow noch Reichskanler war, ergab sein Bleiguß eine Krone. Der Kaiser sagte dazu lächelnd:„ Das Schicksal will mir nur damit Recht geben, daß ich Sie zum Fürsten ernannt habe. Es ist gleichsam eine Prophezeiung a posteriori." Als ein kommandierender General einen Hut aus Blei goß, sagte der Kaiser zu ihm:„ Der ist aber bloß für die Ferien. Sonst behalten Sie mal den Helm auf." Tatsächlich blieb der betreffende General trotz ständig auftauchender Abdankungsgerüchte noch lange Zeit auf setnem Posten. Eine besonders amüsante Geschichte weiß der Franzose von dem Kaiser und Podbielski zu berichten. Podbielski. der spätere populäre Landwirtschaftsminister, war bekanntlich, bevor der Kaiser ihn zum Leiter des Postwesens machte, General. Er gehörte wie auch späterhin schon damals zu den näheren Freunden des Kaisers. An dem Silvesterabend, der seine Ernennung zum Podbielski" vorausging. war er Gast des Kaisers und beteiligte sich auch an dem Bleigießen. Er goß damals einen Stuhl. Da man schon des öfteren darüber munkelte, daß Podbielski für einen Ministerposten auseriehen sei, saate einer der anwesenden Prinzen:„ Podbielskt hat schon seinen Ministersessel ge gossen." Der Kaiser aber antwortete lächelnd:„ Ne, Pod, so weit sind wir noch nicht. Es wird bloß ein Statstuhi sein." Als ihn einige Wochen später der Kaiser zum Leiter des Postwesens machte, sagte er zu ihm:„ Siehst Du. Pod, gegen die Prophezeiungen des Schicksals am Silvesterabend fann fein Mensch anfämpfen. Nun bist Du doch Minister geworden. Das hast Du nur dem Bleistuhl vom Silvester zu verdanken." Das hinderte Podbielski aber weiter nicht sich auch fernerhin noch dem Statspiel als Partner des Katsers ausnehmend zu widmen. Den besten Wit erzählt dei Franzose zuletzt. Es war schon recht vorgeschrittene Zeit an einem Silvesterabend, und ein Gast des Kaisers war ihm durch die Serviette aufgefallen, die er sich um den Hals vorgebunden hatte, da er anscheinend schon in recht vergnügter Stimmung war. Der Kaiser sprach fein Wort, sondern rief einen seiner Diener heran, mit dem er leise flüsterte. Kurze Zeit darauf erschien im Saale ein Friseur mit Schaumnapf und Messer und begab sich zu dem betreffenden Herrn, der weinselig mit vorgebundener Serviette am Tische saß, an dem auch der Kaiser mit mehreren Herren Platz genommen hatte. Als sich der Haarkünstler sprungbereit vor dem be treffenden Herrn hinstellte, um ihn einzuseifen, entstand eine Heiterkeit, die durch den Silvestertrubel noch erhöht wurde Der Kaiser sagte zu ihm:„ Ich dachte, Ste wollen sich ra fieren lassen. weil Sie sich die Serviette vorgebunden haben. Wollt: Ihnen nur den Weg ersparen und habe darum den Raseur bald herkommen lassen." Noch heute soll der betreffende Diplomat bei Hofe des öfteren gefragt werden, ob er sich schon habe rasieren lassen. Die Lage in Portugal. In den letzten Tagen aus Lissabon sowie über Madrid, Paris und London eingetroffene Meldungen schildern die Lage in Portugal als äußerst verworren und stellen neue innere Kämpfe in Aussicht. Das Kabinett hat ein nenes De fret herausgegeben, durch welches das alte Gesetz, das Beleidigungen gegen die Krone bestraft, auch auf Beleidigung gegen die Republik ausgedehnt wird. Der Präsident wird für unverleblich erklärt. Jede Bewegung, die auf die Her. beiführung des Umsturzes oder auf Wiedereinführung der Monarchie hinzielt, wird als Hochverrat betrachtet und Streng bestraft.- Die Reserven des auf Madeira liegenden 27. Infanterieregiments sind zur Sicherung der Ordnung auf der Insel einberufen worden. Die letzten Telegramme aus Paris und London schildern dagegen die Lage als ruhig. Die Republik sei nicht gefährdet. Wir lassen die betr. Drahtmeldungen hierunter folgen: Paris, 31. Dezember. Der hiesige portugiesische Ge schäftsträger erklärte einem Berichterstatter, er habe von seiner Regierung mehrere Depeschen erhalten, denen zu folge die Lage in Portugal durchaus ruhig sei. Die alar mierenden Gerüchte dürften aus Madrid und London stammen, wohin sich zahlreiche Anhänger des Königshofes geflüchtet hätten. Die portugiesische Regierung stehe zwei fellos mancherlei Schwierigkeiten gegenüber; die republtfanische Partei set entzweit, und auch im Volke herrsche eine gewisse unzufriedenheit. Unter den Arbeitern der öffentlichen Betriebe seien Ausstände ausgebrochen, doch dürften diese, dank dem Eingreifen der Regierung, bald beigelegt sein. Die Republik sei keineswegs bedroht. London, 31. Dezember. Erkundigungen in hiesigen portugiesischen Kreisen haben nicht zur Bestätigung der Gerüch te über eine Krisis in Lissabon und öte Entdeckung einer royalistischen Verschwörung geführt. Man gibt jedoch zu, daß die Dinge in Portugal in einen immer schlimmeren Bustand geraten. London, 31. Dezember. Entgegen anders lautenden Meldungen erfährt das Reutersche Bureau", daß das Auswärtige Amt bis 11 Uhr vormittags fein Telegramm des britischen Gesandten in Lissabon erhalten hat, das über eine fritische Situation dort berichte. Auch sei nicht um Entsendung eines britischen Kriegsschiffs nach Lissabon ersucht worden. Madrid, 31. Dezember. Die Regierung hat keine Nachricht erhalten, daß die Lage in Lissabon sowie im ganzen übrigen Lande kritisch sei. Lissabon, 31. Dezember. Der Minister des Aeußern hat Vertreter auswärtiger Blätter empfangen und ihnen erklärt, daß in Portugal vollkommene Ruhe herrsche. Entgegen den von den Feinden der Republik verbreiteten Gerüchten würden die Wahlen im April stattfinden. Der Mtnister teilte weiter mit, die Meldung, der englische Gesandte habe um Entsendung eines Kriegsschiffes gebeten, sei erfunden. Drabtnachrichten und Deuestes. Der neue Vorsitzende des deutschen Kriegerbundes. Berlin, 31. Dezember. Als Nachfolger des verstorbenen Generals v. Spitz ist zum Vorsitzenden des preußischen Landeskriegerverbandes und des deutschen Kriegerbundes Generaloberst von Lindequist, Generaladjutant des Kaisers, ernannt worden. Wiedereinführung des Ankunftsstempels in Bayern. 0 München, 31. Dezember. Das Verkehrsministerium hat troß des einstimmigen gegenteiligen Gutachtens sämt Itcher ihm unterstellter Oberpostdirektionen die Wiedereinführung des Ankunftsstempels für Einschreibebriefe und Eilbriefe am 1. Januar angeordnet. Revolverspielerei mit tödlichem Ausgang. Fulda, 31. Dezember. In Hauswurz erschoß ein 14jähriger Knabe beim unvorsichtigen Spielen mit einem Revolver seinen fünfjährigen Bruder. Ein Schacht ersoffen. Hamm, 31. Dezember. Auf der Zeche Maximilian ist gestern in einem Schacht, der bis etwa 600 Meter abge= teuft war, wieder eine Quelle angebohrt worden. Das Waffer steht bereits über hundert Meter in dem Schacht. Ein Bergwerk in Brand gesteckt. Licguig, 31. Dezember. Das Bergwerk in Nieders Heidersdorf ist mit sämtlichen Maschinen und Gebäuden burch Feuer total zerstört worden. Es wird Brandstiftung angenommen. Das Bodenseekabel gerissen. Junsbruck, 31. Dezember. Das internationale Bodenseekabel Bregenz- Friedrichshafen ist gerissen. Der Schaden läßt sich nicht reparieren und das Kabel muß durch ein neues ersetzt werden. Furchtbare Pulverexplosion. Brüssel, 31. Dezember. Durch eine Explosion im Trockenraum der Pulvermühle in Wetteren bei Gent wurden acht Arbeiter getötet. Ein Arbeiter wird vermißt. Der Sachschaden ist unbedeutend. O Ein Denkmal für die Opfer des Flugsports. Paris, 31. Dezember. Der Gemeinderat von Iffy hat beschlossen, auf dem dortigen Flugfelde ein Denkmal zu Ehren der Opfer der Aviatik errichten zu lassen. Der Kronprinz von Serbien auf der Erholungsreise. Belgrad, 31. Dezember. Der Kronprinz ist heute früh nach der Riviera abgereist, wo er einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt nehmen will. Generalausstand in Barcelona. Barcelona, 31. Dezember. Da die Hafenarbeite in Barcelona aus Solidarität mit den Kohlenausladern den Generalausstand erklärt haben, ist der Durchgangsverfehr lahmgelegt. Die Waren bleiben infolgedessen im Hafen und auf den Bahnhöfen liegen. Gendarmerie patrouilliert in den Straßen Ters ten nen eine mit Tehr fich chieinte ure, hige arz Bekanntmachung. In der Zeit vom 17. bis 31. Dezember 1910 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Karton mit Glühlichter, 1 Muff, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Schirm, 1 wollenes Tuch, 1 Füllfederhalter; verloren: 1 dunkelrotes Portemonnaie mit 1 Hundertmarkschein, 1 Fünfmarkstück und etwas Klein= geld Inhalt, 1 goldenes Halskettchen mit Herz und 1 Ring, 1 schwarzledernes Portemonnaie mit 4-5 Mark Inhalt, 1 blaue gefütterte Pferdedecke, 1 Hundertmarkschein, 1 brauner Pelz, 1 schwarzer Pelz und 1 Portemonnaie mit 22.45 Mt. Jnhalt. Im Jahre 1910 im hiesigen Stadttheater liegen geblieben: 2 Spazierstöcke, 2 Regenschirme, 3 Operngläser, 5 Taschentücher, 2 Halstücher, 7 Paar Handschuhe und 1 Schnurrbartbürste. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegen= stände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedem Wochentage von 11 bis 12 Uhr vormittags und 4 bis 5 Uhr nachmittags bei unterzeichneter Behörde, Zimmer Nr. 1, erfolgen. Gießen, den 31. Dezember 1910. Großh. Polizeiamt. IS! Gebhardt. Eine wahre Goldgrube ist und bleibt der Verkauf von Fahrrädern, Nähmaschinen und Zubehörteilen der ganz hervorragenden Marke Sturmvogel, Leichte Tourenräder schnelle Rennräder, schicke Damenräder, vorzügliche Jugendräder. Alle Räder mit neuem, leichtem, verblüffend einfachen Doppelglockenlager. Nähmaschinen in allen Systemen und Ausführungen, Katalog steht gern zur Verfügung. Vertreter zu sehr günstigen Bedingungen gesucht Deutsche Fahrradw. Sturmvogel Gebr. Grüttner Berlin- Halensee 226. FAHNEN Vereinsbedarfsartikel. Mündener Fahnenfabrik HANN. MÜNDEN. Königl. und Fürstl. Hoffahnenfabrik. Grösste Fahnenfabrik Deutschlands. Margarine. Unter dieser Überschrift veröffentlichen die Altonaer Margarine- Werke Mohr& Co. Amona- Ottensen eine Annonce, durch welche der Anschein hervorgerufen werden könnte und tatsächlich bereits hervorgerufen ist, als wenn infolge des Genusses von Margarine, welche aus unserer Fabrik stammt, Erkrankungen vorgekommen seien. Wir erklären hiermit ausdrücklich: Bis jetzt ist noch nicht in einem einzigen Fall die von uns fabrizierte Margarine beanstandet worden, es hat sich vielmehr in allen Fällen, in denen von einer Beanstandung unserer Margarine in der Presse die Rede gewesen ist, tatsächlich um Margarine gehandelt, die nicht von uns fabriziert worden ist. In diesen Fällen lag stets, wie nachher auch immer berichtigt wurde, ein Irrtum der betreffenden Zeitung vor. G. m. b. H., A. L. Mohra Bahrenfeld AltonaPersil frei Preisliste Stehende und liegende 鼎盛 Motoren für alle Brennstoffe. Billigste Preise. Geringe Tourenzahl. Sehr günstige Zahlungsbedingungen. Weitgehendste Garantie. Ingenieurbesuch kostenlos! A. Collin, Frankfurt a. M. Schillerstr. 28. Vertreter überall gesucht. Suche bei hohem Lohn einen tüchtigen, zuverlässigen Knecht. K. Brennemann, Gut Heiberts: hausen b. Lollar. Vorzüglichste Lederputz Crème Kavalier Das Beste vom Besten 70 allein steht auf der • HÖHE. der Zeit. 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Die von dem Königlichen Polizei- Präsidium behauptete Gefährlichkeit der in unserer Margarine angeblich vorhandenen, aber immer noch nicht entdeckten Stoffe bezieht sich nach dem Wortlaut seiner Bekanntmachung nur auf Hunde und nicht auf Menschen. Sie enthält daher für jeden Sachkenner nichts Neues: Daß Hunde die Fütterung mit Margarine sowenig vertragen wie mit irgend einem anderen Fett, hat jeder Tierarzt und jeder sachkundige Hundebesitzer auch schon vorher gewußt. Im übrigen ergibt die polizeiliche Bekanntmachung, wie geringfügig und unerheblich die bei ihm eingegangenen Meldungen von Erkrankungen sind im Vergleich zu der durch die alarmierenden Zeitungsnachrichten hervorgerufenen Beunruhigung. Es handelt sich im ganzen um 2 verschiedene Meldungen, bei denen jede zuverlässige Feststellung darüber fehlt, ob die angeblich eingetretenen Magenverstimmungen wirklich durch unsere Margarine hervorgerufen sind, oder ob sie auf Einbildung oder irgend welchen anderen Ursachen beruhen. Die Fälle waren von so leichter Art, daß eine ärztliche Behandlung, also auch eine zuverlässige ärztliche Feststellung garnicht stattgefunden hat. Angesichts der aus unseren Geschäftsbüchern erweislichen Tatsache, daß in Groß- Berlin allein mehr als 100 000 Personen täglich und regelmäßig unsere Margarine verzehren und daß wir in der fraglichen Zeit täglich ca. 120 000 Pfund Margarine hergestellt und versandt haben, beweisen jene 2 Meldungen garnichts gegen die gute Beschaffenheit unserer Margarine. Hätte unsere Margarine tatsächlich irgend welche gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten, so hätten die Fälle von Erkrankungen allein in Berlin nach vielen Tausenden zählen müssen. Auch die am 22. Dezember d. Js. von uns für jeden nachgewiesenen Erkrankungsfall ausgesetzte Belohnung von 1000 Mark hat bisher noch in keinem Falle zu dem verlangten Nachweise geführt. Wir halten hierdurch das Versprechen dieser Belohnung in dem früheren Umfange ausdrücklich aufrecht. Altona, den 31. Dezember 1910. Altonaer Margarine- Werke Mohr& Go., G. m. b. H. J. H. Mohr. Kuverte mit Aufdruck bigt Giessener Verlagsdruckerei Klein& Fischer, a 11 Pro Ue lingen teile fo Zentra nifteriu werbei wert si die An So hat Bezuge werke Die L grundo und n Streben. an M Arbeits des P lich ist die St tommt Handn Lehrlin Fabrit Hilfsm ung d Der a meiner nischen die vie ungen werksb größer Wahl brifen ung p gibt, lüdenb Schule in vie Fabrit leiteter Jm a gen in die L Ständig dem b ist das zur Zeit beliebteste überall eingeführte und bestbewährteste selbsttätige Waschmittel von unerreichter Wasch- und Bleichkraft. Kein Reiben, kein Bürsten, keln Waschbrett. Garantiert unschädlich für die Wäsche und vollkommen gefahrlos im Gebrauch! Millionenfach erprobt! Ueberall erhältlich I Alleinige Fabrikanten: Henkel& Co., Düsseldorf, auch der seit 34 Jahren weltbekannten Henkel's Bleich- Soda. 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Anzeigen: W. Schmidt, sämtl. in Gießen. 26) „ C Du W Chrifti me de Mann lid er S mache gott wir w drückte von M flüstert beth! unfer Mei Gd und ih