150 Gießener Zeifung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vierteljährlich) 1,50 Dit., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 wt.- Erscheint Mittage 3 Uhr. Die„ Illustr. Weltrundschau". Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H. Nr. 152. Telephon: Nr. 362. an Neue Vorschriften über den Lebrvertrag. Towie über weibliche Lehrlinge. HK. Von den Beschlüssen der diesjährigen Plenarversammlung der Hessischen Handwerkskammer verdient ganz besondere Beachtung zunächst die neue Vorschrift, daß fünftig alle Lehrverträge im Handwerk dreifach( nicht, wie bisher, nur doppelt)) ausgefertigt werden müssen. Das dritte Exemplar ist, ohne hierzu erst eine Aufforderung abzuwarten, mit der Anmeldung an die Handelskammer einzureichen und verbleibt bei deren Akten.( Bisher war der Lehrherr zur Einreichung seiner Lehrverträge nur dann gehalten, wenn die Handwerkskammer ihn ausdrücklich hierzu aufforderte.) Durch diese neue Maßnahme wird eine bessere Kontrolle über den rechtzeitigen Abschluß und die inhaltliche Richtigkeit der Lehrverträge bezweckt. Die zweite wichtige Neuerung betrifft die Einbeziehung der weiblichen Handwerkslehrlinge unter die Vorschriften der Handwerkskammer. Die Reichsgewerbeordnung macht feinen Unterschied im Geschlecht, und deshalb sind sich die weiblichen Handwerker ohne weiteres den glei chen Vorschriften unterworfen, wie die männlichen. Es hat sich aber als notwendig erwiesen, die fraglichen Vorschriften in vollem Umfange auch auf die weiblichen Handwerker auszudehnen, insbesondere hinsichtlich der Bestimmungen über die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen( Kleiner Befähigungsnachweis), Festsetzung der Lehrzeit, Anmeldung bei der Handwerkskammer, vorschriftsmäßigem Lehrvertrag 2c. In den Vorschriften der Handwerkskammer zur Regelung des gewerblichen Lehrlingswesens ist daher zunächst ausdrücklich bestimmt, daß diese nunmehr auch in allen Fällen auf weibliche Handwerker Anwendung finden. U. a. ist die Lehrzeit für weibliche Lehrlinge bei Weißnäherinnen, Putzmacherinnen und Damenfriseusen auf 2 Jahre, für alle übrigen Gewerbe( z. B. Damenschneiderinnen) auf 3 Jahre festgesetzt. Es sei ausdrücklich bemerkt, daß die Arbeitgeber weiblicher Lehrlinge gesetzlich verpflichtet sind, diese vorgeschriebene Lehrzeit einzuhalten, nicht aber nach eigenem Gutdünken eine kürzere Lehrzeit zu vereinbaren. Die Lehrherrinnen sind weiter verpflichtet, die Meisterprüfung abzulegen, soweit sie nicht die Befugnis zum Anlernen von Lehrlingen nach Antrag amtlich weiter= verliehen erhalten können. Alle weiblichen Lehrlinge sind binnen 4 Wochen nach Beginn der Lehre bei der Handwerkskammer anzumelden, zugleich ist ein Exemplar des dreifach auszufertigenden Lehrvertrages einzureichen. Eine Zuwiderhandlung gegen vorstehende Vorschriften unterliegt nach der Reichsgewerbeordnung gesetzlicher Strafe. Aus Stadt und Land. Gießen, den 1. Juli. Die Großherzoglichen Herrschaf= ten sind Donnerstag nachmittag mit Gefolge aus London in Groß- Gerau eingetroffen und begaben sich im Der Erb= Auto nach Jagdschloß Wolfsgarten. großherzog und Prinz Ludwig sind Freitag in Begleitung der Oberhofmeisterin Freiin v. Grancy von Kiel in Wolfsgarten eingetroffen. * Erledigte Lehrerstellen sind zur Zeit an den Gemeindeschulen zu Schlitz, Kr. Lauterbach, Watzenborn Steinberg, Kreis Gießen und Rebgeshain, Kr. Schotten. Mit der letzten Stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden. Dem Jn haber kann eine Ortszulage gewährt werden. so Nachrichten für Handel und Industrie. Die im Reichsamt des Innern zusammengestellten„ Nachrichten für Handel und Industrie" haben, wird uns vom Großh. Ministerium des Innern ge= schrieben, bei weitem noch nicht die Verbreitung gefunden, die ihrer Bedeutung für unser Wirtschaftsleben entspricht; in manchen Kreisen, denen sie zu dienen bestimmt sind, scheinen sie völlig unbekannt zu sein. Sie sind dazu bestimmt, aktuelle Mitteilungen über die wirtschaftl. Verhältnisse und über die Zoll- und Handelsgesetzgebung des Auslandes in weitesten Kreisen bekannt zu machen. Der Stoff wird teils den Berichten der Kaiserlichen Konsuln und Missionen und der Handels- und der landw. Sachverständigen, teils den einschlägigen ausländischen Publikationen entnommen. Besondere Berücksichtigung finden Ausschreibungen und Lieferungen, die neuerdings in einem besonderen Abschnitt„ Absatzgelegenheiten im Ausland", wo auch sonstige Winke für den Absatz deutscher Waren auf ausländischen Märkten Aufnahme finden, zum Ausdruck gelangen. Für die„ Nachrichten", die zur Zeit in der Woche etwa dreimal in dem Umfang des Großherzoglichen Polizei Amfes der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.) Samstag, den 1. Juli 1911. von je 8 bis 10 Seiten erscheinen, wird keinerlei Abonnementspreis erhoben. Jeder Inländer ,, der ein fortdauerndes Interesse an der Publikation dartut, sie unmittelbar beziehen. Um den Bezug der„ Nachrich ten" nach Möglichkeit zu beschleunigen, werden sie neuerdings im Postzeitungswege zugestellt. Anträge auf Ueberweisung der„ Nachrichten" sind jedoch nicht bei den Postämtern zu stellen, sondern an das Reichsamt des Innern, Berlin W. 8, Wilhelmstraße 74, zu richten. Hierbei ist anzugeben, ob die einzelnen Nummern bei der Post abgeholt werden sollen oder ob die Zustellung ins Haus erfolgen soll. Im letzteren Falle ist mitzuteilen, daß das Bestellgeld( etwa 96 Pfg. jährlich) dem Empfänger bei der Postanstalt bezahlt werden wird. Einzelne Nummern können auf Antrag unmittelbar zu= gestellt werden. von * Wie wir bereits berichteten, veranstaltet der K a i= serliche Automobilklub für die Zeit vom 5. bis 20. Juli eine Zuverlässigkeitsfahrt für sogenannte Tourenwagen der Prinz Heinrich- Fahrt 1911, durch welche auch der Kreis Wetzlar berührt wird. Die Fahrzeuge kommen von Homburg v. d. H., benutzen die Straßen Weilmünster- Einhaus und von Einhaus ab die große Straße nach Weilburg. Bei Kilometerstein 51.3 biegen sie nach Braunfels ab und nehmen hier Aufenthalt. Die ersten Wagen werden gegen 9 Uhr erwartet. * Der Presse Ausschuß des hiesigen Ga= belsberger Stenographenvereins hat aus Anlaß des 32. Stenographentages des Hess.- Nass.Main Rheingau- Verbandes, verbunden mit der Jubelfeier des 50jährigen Bestehens des Gabelsberger Stenographen- Vereins Gießen( E. V.), eine hübsch ausgestat tete Festschrift herausgegeben, die u. a. Beiträge aus der Geschichte des Vereins, ein Mitglie derverzeichnis und das vollständige Programm für die Festtage vom 1.- 3. Juli enthält. 311 * Das Wetter im Juli. Für den Sommer 1911 wird allgemein viel Hitze vorausgesagt. Auch der 100jährige Kalender, der allerdings oft im Stiche lassen pflegt, sagt große Hitze für dieses Jahr voraus; sie soll besonders im August eintreten! Doch auch zu Anfang Juli sollen heiße Tage kommen mit täglichen Gewittern, mitunter Schloßen. Vom 13. bis 28. Juli soll es trübe und kühl sein( hier und da Regen), anhaltenden Regen sollen die Tage vom 29. bis 31. Juli bringen. Für die Witterung der Mondviertel ist vorgemerki: Erstes Viertel( 3.) Gewitter. Vollmond( 11.) abwechselnd Regen und Sonnenschein. Letztes Viertel ( 19.) heiter und warm. Neumond( 25.) Gewitter und stürmisch. * Aus dem Vogelsberg. Auf Anregung des verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms- Laubach setzte im Jahre 1896 im oberen Vogelsberg die Hutweidenmelioration ein. Es ist dem landwirtschaftlichen Provinzialverein bisher gelungen, mehr als 1500 Morgen Wüstungen in üppige Wiesen und Weiden umDie zuwandeln, wobei 28 Gemeinden beteiligt sind. Maßnahmen bestehen darin, daß die Felsblöcke beseitigt und die Erdhügel( Ameisenhausen) geebnet werden. Es wird nach Bedarf bewässert und entwässert, und allen Dingen werden die seit Jahrhunderten ausgesogenen Flächen endlich einmal und fortgesetzt gedüngt. Der Geldaufwand betrug 114 000 Mark, wovon die kleinere Hälfte die Gemeinden beisteuerten, die das vorgelegte Kapital zweifellos in wenigen Jahren durch bessere Viehhaltung, durch Grasverkäufe zurückgewinnen werden. vor Julimärkte. 3. Juli Marburg und Dillenburg, 4. Juli Gießen, 5. Juli Wetter, 13. Juli Marburg, 18. Juli Hatzfeld, Gießen und Altenkirchen, 20. Juli Frankenberg und Haiger, 25. Juli Battenberg, 26. Juli Bromskirchen und Wetzlar, 27. Herborn. *) Gießen, 1. Juli. Brand unfall. Heute Nacht gegen 12% Uhr ertönten die Feuersignale durch die Stadt. Die Wagenremise der Molkerei von Gebr. Grieb, Schanzenstraße, stand in Flammen. Das Feuer fand reiche Nahrung in den großen Heu- und Stroh= vorräten. Wie uns mitgeteilt wird, ist die Entstehungsursache noch nicht bekannt; doch dürfte Selbstentzündung ausgeschlossen sein. Das Feuer griff auch auf den Stall über, der geräumt werden mußte. Wagenremise und Stall sind ausgebrannt. * Buzzbach, 1. Juli. Am Mittwoch entgleisten beim Rangieren im hiesigen Bahnhof drei Güterwagen, die vorher das Wellblechhäuschen mit der Wage stark angerannt hatten. Ein Rettungswagen aus Gießen war | ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlich eit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362. 23. Jahrg. bald zur Stelle, so daß die Betriebsstörung bald behoben werden konnte. * Bad Nauheim, 1. Juli. Expräsident Profirio Diaz ist mit Familie zu längerem Kuraufenthalt hier eingetroffen und hat im Park- Hotel Wohnung genommen. *) Schotten, 30. Juni. Die Bürgermeisterei erließ einigemal eine Bekanntmachung, daß infolge der trockenen Jahreszeit das Wasser der Schottener Leitung knapp würde, man solle das Spritzen der Gärten unterlassen und mit dem Wasser sparsam umgehen. Dazu äußert sich ein Einwohner folgendermaßen: Wir ſitzen hier im Vogelsberg im Wasser. Vor einigen Jahren wurde die Zuleitung zum Hochbehälter, welche schlecht war, hergestellt und ein zweiter Hochbehälter gebaut. Damals schien die Wassermenge ausreichend. Wie ist es aber zu verstehen, daß das Wasser jetzt wieder knapp ist, wo von einer großen Trockenheit nicht die Rede sein tann und was soll werden, wenn wirklich große Trodenheit eintreten sollte? Große Gemeinwesen suchen sich auf jede Weise mit Wasser selbst für die weite Zukunft zu versehen, darum entnehmen sie unserem Vogelsberg sehr große Wassermengen( Queckborn für Gießen, Lauter für Bad- Nauheim 2c.) und viele Gemeinden um und im Vogelsberg haben in letzter Zeit Wasserleitung angelegt. Es ist aber wenigstens für den Laienverstand außer Zweifel, daß bei solch verstärkten Abnahmen aus einem Reservoier, wie es der Vogelsberg ist, sich der Wasserstand dieses Behälters senten muß und daß die Quellen, die auf der Höhe des Gebirges und im Bereiche der verstärkten Abnahme liegen, zu versagen drohen. So scheint es mit den Schottener Quellen zu sein, die auf der Feldkrücker Höhe sich befinden und deren natürlicher Druck wohl in Verbindung mit dem Horlofftal bezw. dem Inheidener Gebiet gebracht werden Sollte sich das bestätigen, dann kann nach Inbetrieb setzung des Inheidener Werks die Stadt Schotten vielleicht trocken gesetzt werden. Dann hat der Staat bezw. die Provinz unser Wasser verkauft, wofür wir uns neulich das elektrische Licht, das mit aus den Ueberschüssen des Wasserverkauss beschafft werden soll, abgekauft haben. Unsere Stadt aber, die sich stets vergrößert, hat die Verpflichtung, ausreichend für Wasser zu sorgen und vielleicht macht sie keinen Fehler, wenn sie auf eine andere Seite des Gebirges geht, um Wasser zu holen, etwa aus der Gemarkung Breungeshain. Denn auch in Michel= bach besteht ein Wassermangel und mit dieser Gemeinde fönnte ein gemeinsamer Bezug von den Ueberschüssen in Breungeshain wohl erfolgen, mit dem gleichen natürlichen Druck, wie von der Feldkrücker Höhe, aber vor= aussichtlich mit größerer Konstanz. fann. Büdingen, 1. Juli. Die für die Umpflasterung der Straßen der Stadt ausgeschriebenen Arbeiten und Steinlieferungen hatten Angebote von 80 000 Mt. bis 145 000 Mt. ergeben. Den Zuschlag erhielt als Mindestfordernde die Firma Zipp in Gelnhausen. Auf eine Eingabe der Bewohner einer neu angelegten Straße um Ausdehnung der durch die Ortsschelle erfolgenden Verkündigungen auf diese Straße beschloß der Gemeinderat, das Ausschellen demnächst ganz einzustellen. Tierarzt Docter hier wurde zum Fürstlich senburg- Büdingischen Hof- Tierarzt anläßlich seiner 20jährigen Praxis am hiesigen Ort ernannt. r Herborn, 1. Juli. Morgen nachmittag findet im siskalischen Walde bei der Baumschule am Kreuz weg ein christlich- soziales Sommerfest statt, bei dem die Reichstagsabgeordneten Franz Behrens und Dr. Burckhardt, sowie Parteisekretär Albertsmeier Vorträge halten werden. Abends 8 Uhr ist Nachversammlung in Dillenburg in der„ Alten Post". Herborn, 30. Juni. Da infolge der Maulund Klauenseuche keine Viehmärkte hier und in der Umgegend abgehalten werden dürfen und die Metzger ihren Bedarf an Fettvieh hier nicht decken können, haben sie sich dänisches Vieh schicken lassen. Da das Vieh aber lebend nur bis Siegen transportiert werden darf, lassen sie das Vieh dort abschlachten. -m- Limburg, 1. Juli. Der nass. Bauernverein nahm in seiner Generalversammlung eine Resolution an, daß der Landwirtschaft der bisherige Zollschutz erhalten bleibe und dieser gleichmäßig auf alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse ausgedehnt wird. Münchhausen, 1. Juli. Hier findet morgen Sonntag, nachm. 2 Uhr, eine Soldaten- Missi ons Versammlung unter freiem Himmel statt. Als Redner ist der durch die Herausgabe der„ Zeugnisse eines alten Soldaten an seine Kameraden" in weiten Kreisen bekannte Generalleutnant 3. D. Se. Exz. Herr von Viebahn gewonnen. Unsere neue Felduniform. Das Kriegsministerium hat, so schreibt die Allg. Armee- Corr.", soeben den Truppen die ihm zugegangenen Urteile über die Bewährung unserer neuen Felduniform befannt gegeben. Danach wird die feldgraue Farbe durchweg sehr günstig beurteilt: sie paßt sich gut dem Gelände an, erschwert in hohem Grade bas Erfennen der Truppen und besonders auch die Feststellung, welche Waffengattungen man vor sich hat. Hieraus ergaben sich namentlich für die feldgraut gefleidete Kavallerie im Gefecht zu Fuß große Vorteile, da auch mit einem guten Glase selbst auf nähere Entfernungen schwer zu erkennen war, ob man sich Infanterie oder Kavallerie gegenüber befand. Natürlich sind auch Beanstandungen und Wünsche vorgebracht. Sie erftreden sich bei der Ofifatersuniform im wesentlichen auf Beseitigung der weithin sichtbaren Feldbinden und Adjutantenfchärpen, sowie auf Berkleinerung der Ordensschnallen, auch wird Einführung von Aermelaufschlägen( wie bei den GeneraTen) zum Einsteden von Karten und die Anbringung von Bordertaschen befürwortet. Einige Stellen wollen außerdem die Schuppenfetten der Offiziere matt gehalten oder durch Lederrtemen ersetzt haben. An der Ausstattung der Mannschaften find es eigentlich nur die Signalinstrumete und nie felle der Tambeurs, die als zu weit sichtbar bezeichnet werden. Daneben haben die losen Achselklappen und das Halstuch, wenn auch nur vereinzelt, Gegner, während bei der Kavallerie etwas deutlichere Unterschetbungszeichen der gleichartigen Truppen( Manen, Hufaren usw.) von einander gewünscht werden. Diese Beobachtungen beruhen in der Hauptsache auf den Erfahrungen, die während der voriährigen Kaisermanöver in Ostpreußen gemacht worden sind. Insbesondere ftel damals auf, daß Borposten, die ein Dragonerregiment stellte, erst auf ganz kurze Entfernung als Ravalleristen zu erkennen waren. Der Feind war also bis zuletzt ungewiß darüber, ob er nur vorgescho= bene Kavallerie vor sich hatte oder schon in Berührung mit der Infanterie selber war. Der Wunsch, die einzelnen Gattungen der Kavallerie besser zu unterschetben, wie er in den obigen Ausführungen hervortritt, ist eigentlich nicht verständlich, da die Kavallerie durch die verschiedenartige Kopfbedeckung schon hinreichende Unterscheidungsmerkmale hat. Dagegen ist der Wunsch, bie Feldbinden und die Adjutantenfchärven verschwin ben zu sehen, wohl allgemein. Die Artillerie hat sich bisher noch nicht in der neuen Uniform im größeren Manövergelände gezeigt. Die nächste Zukunft des Hansabundes. Der Inf." wird über die nächsten Vorgänge im Hansabund und über die Stellung, die das Präsidium bazi einzunehmen gedenkt, folgendes mitgeteilt: Am Freitag, den 30. Juni wird in Essen im Saale des Stadtpartes eine Sigung der rheinisch- westfälischen Beairtsgruppe des Hansabundes stattfinden, an deren Spitze der Geheimrat Kirdorf stebt; in der Sizung wird der Austritt des Landrats a. D. Rötger aus dem Präsidium des Hansabundes erörtert werden. Wie man annimmt, ist zu erwarten, daß die Bezirksgruppe den Austritt des Landrats Rötger aus dem Hansabundpräfidium belfällig begrüßen wird. Nur wenn dieses nicht ber Fall sein sollte, wäre dies für das Präsidium des Sansabundes eine Ueberraschung, da ta der Austritt Rotgers aus dem Präsidhum des Hansabundes unter Billigung des Zentralvorstandes des Bundes der Industriellen stattfand. Ob eine solche, den Austritt Nötgers aus dem Präsidium billigende Erklärung der rhetnisch- westfältschen Bezirksgruppe weitere Austritte gröBeren Umfanges zur Folge haben wird, ist vorläufig noch durchaus unsicher. Jedenfalls würde auch hierdurch in der Stellung des Sanfabundes nichts geändert werden, denn das Präsidium des Hansabundes ist nach dem Ausscheiden des Landrats Rötger in allen Punften einig. Da somit nach dieser Mitteilung eine Acnderung in der Stellung des Bundes in feinem Falle zit erwarten ist, so darf man der weiteren Entwicklung der Dinge mit großem Interesse entgegensehen. Rundschau vom Cage. Politisches. Das deutsche Kronprinzenpaar hat am Donnerstag, wie gemeldet, die Heimreise von London aus angetreten. Das Andenken, das das Kronprinzenpaar in England Hinterlassen hat, ist das denkbar beste, was aitch in den Abschiedsartikeln der Presse fitr die ausländischen Gäste zum Ausdruck kommt. Da heißt es an einer Stelle:„ Wenn es uns gestattet ist, einen Gast be sonders zu erwähnen, so geben wir sicherlich dem Empfinden eines sehr großen Teils der öffentlichen Met. nung Ausdruck, wenn wir aussprechen, welche Freude 3) Jugendfreundschaft. Roman von G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) Der Nähtisch stand in der Fensternische, davor ein bequemer Korbsessel, den hatte Grotenbach seiner Thekla zum Geburtstage geschenkt und dabet gesagt:„ Du mußt einen Platz haben, um Dich auszuruhen, Mutting." Ja, sie war oft recht milde, die rübrige Hausfrau, von frith bis spät mußte sie schwer schaffen, an alles denfen und alles zusammenhalten, damit die kleinen Mittel ausreichten. Ein großer Korb mit Socken und Strümpfen stand auch heute auf dem Nähtisch, der fletBigen Finger barrend, die da ausbesserten, die Hälfte threr Zeit vergeht Thekla mit Flickarbeiten. Ein sehr schlichtes, dunkelblaues Kleid umgibt ihre bohe, etwas volle Gestalt, eine Schürze ist unerläßlich, um das Gewand zu schonen. Frau Grotenbachs Gesicht ist sehr bitbsch, in den blauen Augen Itegt etwas Sinnendes; oft aber sind diese Iteben Augen getrübt, wenn des Lebens Last und Size allzu schwer drückt. Ihr Gatte darf es aber nie feben, mutig kämpft seine Frau die Sorgen nieder, thr Wahlspruch ist: " Nach oben schau', auf Gott vertrau', Nach Wolfen wird der Himmel blan." Ein schwarzes Spitzenhäubchen bedeckt Theklas volIes, braunes Haar, durch das sich schon manche Silberfäden ziehen. Die wohlgeformten Hände verraten es, daß sie titchtig arbeiten müssen, als einziger Schmuck glänzt der schlichte Trauring daran, den der geliebte Mann ihr einst gegeben hat. Ihre Kinder hängen alle mit größter Liebe an th= rer Mutter. Sie genießt das Vertrauen ihrer Söhne und Töchter, von dem Studenten Alfred ant, ihrem Aeltesten, bis auf den erst siebenjährigen A- B- E- Schützen Kurt, das Nesthäkchen der Familie. Selten genoß Thekla Grotenbach eine ungestörte wir empfunden haben, den deutschen Kronprinzen und seine bezaubernde Gemahlin willkommen heißen zu dürfen. Die mannhafte und freundliche Art des Prinzen und die Liebenswürdigkeit und Anmut der Prinzeffin haben überall den glücklichsten Eindruck gemacht, der in den spontanen Rundgebungen der Menge auf den Straßen in herzlicher Weise zum Ausdruc fam. Des Prinzen faiserlicher Vater und das deutsche Bolt werden sich sicherlich freuen, daß sie in so gewinnender Weise vertreten worden sind. Die angenehmen Erinnerungen, die Ihre kaiserlichen Hoheiten zurücklassen, fömen nur die glücklichste Einwirkung auf die politischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland ausüben." Der vorbereitende Ausschuß zur Gründung eines Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes erläßt soeben einen Aufruf an den selbständigen Mittelstand zum Beitritt. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß der selbständige Mittelstand trotz seiner großen zahlenmäßigen Stärke infolge seiner Zersplitterung so ohnmächtig geworden ist, daß er auf fast allen Gebieten des wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu einer atelbewußten Wahrnehmung seiner wirtschaftlichen Inte ressen unfähig war. Das hatte auch zur Folge, daß für den Mittelstand nicht so ausgiebig gesorgt wurde wie für die anderen aktiv auftretenden Stände. Besonders nachdrücklich wird in dem Aufruf darauf hingewiesen, daß der Reichsdeutsche Mittelstandsverband nur wirtschaftliche Fragen fennt und sich von Parteipolitik und konfessionellen Dingen fernhalten will. Am 23., 24. und 25. September d. J. wird in Dresden der erste Reichsdeutsche Mittelstandstag stattfinden, auf dem dann der Zusammenschluß des selbständigen Mittelstandes zu erwarten sein wird. Der Arbeitgeber- Schutzverband für das deutsche Holzgewerbe hielt kürzlich in Dresden seine neunte Generalversammlung ab, die von 138 Delegierten aus 78 Orten besucht war und in der die letzten Lohnbewegungen und die dabei gemachten Erfahrungen eingehend besprochen wurden. Der Vorsitzende, Obermeister Rahardt, trat für die Schaffung einer Zentralstelle mit bezahlten Kräften ein. Ein Antrag des Vorstandes, alle Arbeiter, die am 1. Mat feiern, auf drei Tage auszusperren, fand ohne Debatte einstimmige Annahme. In der vertraulichen Sitzung drehte sich die Debatte hauptsächlich um die zukünftige Taktik bet Tarifbewegungen, die besonders deshalb eingehend erörtert wurde, weil der Arbeitgeber- Schutzverband bisher vier verschiedene Ablauftermine vereinbart hatte. Eine Entlastung des Reichsgerichts ist durch die im vorigen Jahre erfolgte Erhöhung der Revisionssumme tatsächlich erreicht worden, und zwar ist eine erhebliche Minderung in Revisionseingängen zu verzeichnen. Anderseits ist durch die Mehrarbeit der vom Oftober 1910 an tätigen Hilfsrichter ein großer Fortschritt in der Aufarbeitung der älteren Sachen gewonnen worden, so daß bald von einer Ueberlastung des Reichsgerichts nicht mehr gesprochen werden kann. Eine Wehrftener für ungediente, die auch in DeutschIand angestrebt wird, hat Bulgarten längst durchgeführt. Ste ist in der letzten Session der Sobrante ein wenig modernisiert worden, um nicht für„ schwächere Schultern" zu drückend zu sein. Sie besteht jetzt aus einer Grundsteuer von 10 Frank jährlich und einem Zuschlag von 2 v. H. des Vermögens und 2 v. H. der jährlichen Abgaben. Sie wird 20 Jahre lang erhoben und darf 4000 Fr. nicht übersteigen. Die Wehrsteuer bringt sehr erhebliche Beträge. Sozialdemokratische Protestversammlungen sollen am kommenden Dienstag in Berlin und in anderen preußischen Städten veranstaltet werden. Es soll gegen die Stellungnahme der Mehrheitsparteien des preußtschen Abgeordnetenhauses in der Wahlrechtsfrage protestiert werden. Eine Versammlung der Friedensfreunde hat in Paris stattgefunden, um das Gedächtnis an die erste Haager Konferenz vom Jahre 1899 zu feiern. Die Botschafter von Deutschland, England, Spanien, Italien, Japan, Rußland und mehrere Vertreter der franzö= fischen Regierung wohnten der Feier bet. Der Fest= redner erklärte dem Kriege den Krieg und bezeichnete den bewaffneten Frieden als noch schlimmer wie den Krieg selbst. Der nachfolgende Redner schlug die Verbreitung einer Weltfriedensmarke vor, deren Ertrag internationalen Wohlfahrtsbestrebungen dienen sollte. Die Veranstaltung ist natürlich völlig bedeutungslos. Der erste ruffische Dreadnought" Sebastopol" ist am Stunde, sie wurde auch heute mehrere Male beim Lesen des Briefes unterbrochen. Als sie ihn endlich zu fammenfaltete, lag ein feuchter Schimmer in ihren Augen. Kein neidisches Gefühl regte sich in der Brust der ärmeren Frau, als sie von dem Reichtum Annas las; Mißgunst blieb Theklas Seele fern. Ste steckte den Brief in ihre Tasche, in der Absicht, thn am Abend th= rem Mann vorzulesen. Ein schwaches Stimmchen rief aus dem Nebenzimmer, die Mutter eilte dorthin. Auf einem niederen Sofa lag ein Kind, es war mit einem Tuch bedeckt und schien geschlafen zu haben; es bielt die Lider gesenkt, und die lauschende, vorgebeugte Haltung verriet, daß es blind war. Frau Grotenbach Intete neben dem kleinen Mädchen nieder und umfaßte es. Es lag etwas unendlich weiches in ihrer Stimme, als sie fragte: Sat meine Irma gut geschlafen? Die letzte Nacht war so schlecht!" Ich habe Dich gestört, Mutting," flüsterte das Kind, dann fügte es leise hinzu: für mich ist es ja einerlei, ob es Tag oder Nacht ist." Die Mutter fitßt das schwale Gefichtchen und ihre Augen quellen über. Wie gering find alle Sorgen gegen diese: als achtjähriges Mädchen hatte Irma ine schwere Gebiryentzündung; als sie genas, waren tre Augen so geschwächt, daß der Hausarzt gleich das schlimmste fürchtete. Sie reisten mit der Kleinen nach Berlin zu einem berühmten Spezialisten, sie nahmen das Geld dazu von dem fleinen Kapital, das sie befaßen. Der Ausspruch des Arates lautete:„ Der Sehnerv ist angegriffen, so daß bald völlige Blindheit erfolgen muß." Das war die traurigste Stunde in der Grotenbachschen Ebe. Mutting, es will heute gar nicht Tag werden," sagte Irma. Die tastenden Händchen des Kindes streckten fich nach der Mutter aus, mit unsicheren Schritten fam Donnerstag von Stapel gelaufen. In einem Tagesbe fehl des Marineministers aus Anlaß des Stapellaufes heißt es:„ Der Name dieses ersten russischen Dreadnoughts soll erinnern an die Heldenmittige Tapferkett der Russen, sowohl der Marine, wie des Landheeres vor Sebastopol und an das tapfere Aushalten des Banzers gleichen Namens vor Port Arthur. Der Geist, der die russische Marine in schweren Tagen beherrscht hat, bürgt für eine Wiedergeburt der rufftschen Seemacht." Im englischen Oberhanse stehen die Dinge im Verfaffungskampfe zurzeit auf des Meffers Schnetde. Den Lords, die schon zur Nachgiebigkeit berett erschienen, ist plötzlich wieder der Nacken gestelft worden, und zur zeit ist ihre Opposition gegen die Betobill so scharf wie nur je. Bekanntlich will die Betobill bei Finanzgesetzen die Befugnisse des Oberhauses wesentlich einschränken. Sollte das Oberbaus seine angedrohte Opposition tatsächlich durchführen, so wird die Regierung doch noch zu dem Mittel des Peersschub greifen mitssen. Es ist allerdings nicht beabsichtigt, diesen Peersschub, falls es nötig werden sollte, auf einmal auszuführen. Vielmehr dürfte die Regierung ihre Anhänger in kleinen Trupps in das Oberhaus bringen. Möglich ist es, daß dann die Lords einlenken. Einstweilen scheinen sie immer noch nicht an den Ernst der Regierung zu glauben. Sie scheinen sich auch der Hoffnung hinzugeben, daß durch die Krönungsfeierlichketten wieder ein konservativer Zug ins Land gekommen ist, der die Macht der Regierung brechen könnte. Kleine Nachrichten. Göln, die zweitgrößte Stadt Breußens. Nach den jetzt beendeten Feststellungen des Statistischen Amtes in Göln zählte die Stadt im Januar 520 700 Einwohner. Dadurch hat sie Breslau an Einwohnerzahl überflitgelt und ist nun die zweitgrößte Stadt Preußens. Ein deutsch- amerikanisches Wettschießen wurde in Riel abgehalten, an dem je zehn Schitzen vom Norddeutschen Schützenbund und von dem in Riel liegenden amerikanischen Geschwader teilnahmen. Steger war ein Hamburger mit 283 Ringen bei 10 Schiffen. Insge famt siegten die deutschen Schützen mit mehr als 500 Ringen über die Amerikaner. Die letzten Unwetterschäden im Kreuznacher Weingebiet, die, wie gemeldet, anfangs mit 1% Millionen Mart beziffert wurden, stellen sich jetzt als erheblich höber heraus. Wie das amtliche Abschätzungskomitee festgestellt hat, beläuft sich der Gesamtschaden auf dret Millionen Mart. Ein großer Teil der Weinberge, der Obst, Gemüse- und Feldfrüchte sind fast völlig zerstört worden. Ein Profefforendnell in Heidelberg. Schon seit längerer Zeit bestand unter den Lehrern der Heidelberger Oberrealschule ein peinliches Rivalitätsverhältnis über die Besetzung einzelner Lehrfächer. Die Differenzen haben sich so zugespitzt, daß der noch junge Professor und Leutnant der Reserve Rudolf Strasser den älteren Kollegen Professor Gustav Schmidt und Professor Dr. Ullrich eine Pistolenforderung zugeben Iteß. Die Streifenden Safenarbeiter in Amfterdam üben eine wahre Schredensberrschaft in dem Stadtviertel, das fie bewohnen. aus. Sie belästigen Frauen und Kinder der Arbeitswilligen, zertrümmern diesensterscheiben der Läden der Lebensmittellieferanten fitr die Dampfer und mißhandeln deren Angestellte. In Liverpool stauen sich die Bost und große Warenmengen, da feine Schiffe ausfahren können. Nach Unterschlagungen von 29 000 art aeflüchtet ist der Leipziger Ratsexpedient und Schulgeldeinnehmer Lüpfert. Er hat sich wahrscheinlich nach London begeben, wohin er seine Braut ersuchte, nachzukommen. Der Rat der Stadt hat auf die Ergreifung des Täters eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Ein neuer Sabotageaft wird aus Frankreich gemeldet. Gestern nacht haben unbekannte Täter in der Nähe des Bahnhofes Saintes 6000 Schwellen, die der staatlichen Eisenbahnverwaltung gehören, angezündet. Sämtliche Schwellen sind verbrannt. Neben der Brandstelle wurde eine Flasche gefunden, die Petroleum enthalten hatte. Eine folgenschwere Dampffeffelerplosion ereignete fich gestern in einer Fabrit in Nivelles in der spanischen Provinz Brabant. Fünf Arbeiter wurden getötet me mehrere schwer verletzt. Der Schaden ist bedeutend. Aus den Gerichtssälen. Eine Dorftragödie vor Gericht. Eine Verhandlung. die einem Roman alich, spielte sich gestern vor der Straffammer in Trier ab. Angeklagt waren Vater, Mutter und die Söhne Jakob und Johann der sehr angesehenen wohlhabenden Bauernfamilie Feid aus Irma zu ihr und schmiegte sich an sie.„ Nun sehe ich nichts mehr", hieß es später, aber das tut nichts, die Engel sind bei mir und erzählen mir schöne Geschich ten und einmal werde ich doch wieder alles sehen kön nen, die Bäume und die Blumen und den blauen Himmel." Und die arme Mutter rang die Hände in stummer Qual. „ Warum so Schweres?" Sie sagte es mit gebrochenem Herzen wie so viele Kreuzträger. Rufen wir es nicht alle in solchen Stunden? Gott legt uns die Leiden auf, um unseren Glauben zu pritfeni, es dauert lange, bis wir das Haupt beugen und beten lernen, beten mit dem Erlöser: „ Herr, dein Wille geschehe!" Thekla batte es in heißem Ringen gelernt und sie fand Ruhe und Erhebung nach diesem Kampf. Sie konnte es faum erwarten, ihrem Mann den Brief ihrer Jugendfreundin vorzulesen, aber es fand sich so viel dringende Arbeit, daß es erst am Abend geschehen konnte. Große und kleine Arme legten sich um die Mutter und alle ihre Buben und Mädchen brauchten sie, so war sie reich durch die Liebe ihrer großen Familie und bedauerte Anna Haideck, die nur ein einsiges liebliches Kind besaß. Die fleine Blinde saß neben dem Nähtisch auf th rem Stühlchen, sie erfannte mit ihrem geschärften Gehör den Schritt der Geschwister, und wenn ihre Mut ter ins Zimmer trat, zog ein glückliches Lächeln über das blasse Gesichtchen Jrmas. Es heißt, daß ein Unglück felten allein fommt, aber es gibt auch Tage, wo das Leben das gutzumachen sucht, was es verschuldet, Tage, wo die Freude einkehrt und das Füllhorn des Glückes fiber uns ausschüttet. ( Fortsetzung folat.) Tagesbe tapellaufes en Dread Tapferfett Candheeres alten dea Der Geift, beherrscht then See eim Vers etde. Den erichtenen, und zur scharf wte Finanzgetitch etn rohte Op Regierung tfen mitfent Beersal auszu e Anhän en. Möginstweilen der Neder HoffterlichtetJekommen nte. 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Als hiermit der gewünschte Erfolg nicht eintrat, beauftragten die Mutter und Jas Lob einen Mann damit, die Mutter des Kindes mit einem Belle zu erschlagen. Dem Beauftragten wurde eine Belohnung von 300 Mark zugesichert. Er führte bie Tat fedoch nicht aus. Etwas später übergaben die Brüder Jakob und Johann einem geistig etwas beschränkten Menschen ein Fläschchen Salzsäure, damit er von dem Inhalt dem unehelichen Kinde etwas einflöße, um es aus dem Wege zu räumen. Auch dieser Mordanschlag scheiterte an der Ablehnung des Mannes. In der Verhandlung leugneten die Angeklagten zu nächst sämtlich. Nach der Mittagspause legte Jakob Fetd jedoch ein umfassendes Geständnis ab. Das Ur feil gegen Jakob lautete auf 5, gegen den Vater auf 2½, gegen die Mutter auf 2 und gegen Johann auf 2% Jahre Buchthaus. Jakob wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10, den übrigen Angeklagten auf te 5 Jahre aberkannt. Was ist ein halber Schnurrbart wert? Ueber diese Frage hatte das Amtsgericht in Camburg( SachsenWeimar) zu entscheiden. In einer dortigen Wirtschaft hatte ein Monteur aus Versehen einem Landwirt den halben Schnurrbart verbrannt. Dieser wurde flagbar und verlangte einige hundert Mark Entschädigung. Das Gericht scheint indes dies Zeichen der Manneswürde nicht als so wertvoll zu betrachten, denn der Beflagte hatte lediglich 12 Mart an den Geschädigten zut zahlen. Vermischtes. gung der Betrunkenen soll ein geringer Betrag gezahlt| werden, der später von dem Ernüchterten einzuziehen ist. Versuchsfahrten mit neuen Schnellbahnzügen fantden in diesen Tagen anläßlich der Hauptversammlung des preußischen Bremsausschusses in Berlin statt. Daran schloß sich die Besichtigung der Prüfungsanlage der Fahrventile in der Eisenbahnhauptwerkstätte in Eberswalde an. Diese Versuchsfahrten fanden Hauptsächlich statt, um neue Bremsvorrichtungen auf ihren Wert zu prüfen, und werden mehrmal's im Jahre ab ob etn folches Verhalten der ehemaligen Grann Mon Hanofo nicht dem Sinn des zwischen ihr und dem fächftschen Hofe gefchloffenen Vertrages widerspricht. Befanntlich erhält die Dame thre fährlichen Reventlen vom sächsischen Sofe, und es ist doch recht fraglich, ob die Weiterzahlung dieser Bezige von der Veröffent Itchung eines solchen Werkes, das sich gegen das fächfische Königshaus richtet, ganz unberührt bleiben wird. Es ist aufs höchste zu bedauern, daß durch diese Pub Itration die ganze unerquickliche Affäre noch einmal wieder aufgerollt wird. gehalten. Es handelt sich darum, bet den sich immer ImFlugapparat von München nach Berlin. mehr steigernden Ansprüchen, die an die Bahnverwaltung herantreten, die Schnelligkeit der Büge im Intereffe des Verkehrs zu erhöhen und thnen trotzdem etne möglichst große Sicherheit zu geben. Dies soll zum Tell durch fortwährende Verbesserungen der Bremsvorrichtung erreicht werden. General Nogi als Schuldirektor. Aus Tokto wird gemeldet, daß General Nogt, der Held von Port Arthur, in seiner Hetmatstadt zum Better einer Volksschule gewählt worden ist und täglich zehnjährtgen Knaben Unterricht erteilen soll. Die japanische Staatsverwaltung wollte durch diese Ernennung vor dem ganzen Volke die Wichtigkeit des Jugendunterrichts betonen. In der japanischen Presse wird auch darauf hingewiesen, daß Generalfeldmarschall Graf Haefeler jüngst die Vertretung eines beurlaubten Schullehrers persönlich übernommen hat. Der Kaiser und seine Gärtner. Ueber Differenzen Eine schwere Brandkatastrophe in Berlin, bet den Hofgartenarbeitern in Potsdam berichtet der " Berl. Lokalanz.": Vor zwei Jahren wurden die Lohnfäße der Hofgartenarbeiter von 2,50 Mt. auf 3,50 Mt. erhöht und auch ein entsprechender Betrag in den Etat eingestellt. Den Arbeitern sind jedoch seit dieser Zeit die Löhne nicht in Höhe von 3,50 Mt., sondern nur In Höhe von 3 Mt. gezahlt worden, während der dif ferierende Betrag für andere notwendigen Arbeiten in den königlichen Gärten Verwendung fand. Die Arbetterschaft selbst hatte von der Lohnerhöhung auf 8.50 Mt bis vor kurzem keine Ahnung und erfuhr dies erst durch einen Zufall. Sie wandte sich dann in einer Pe tition an die Hofgarten- Intendantur sowie an das Oberhofmarschallamt, erhielt jedoch von beiden tetner let Antwort. Erst nachdem Prinz August Wilhelm auf den Wunsch der Arbeiter den Katser von der Angelegenheit verständigt hatte, ist die volle Nachzahlung verfügt worden. Der Kaiser hat überdies einen eingehenden Bericht über die Sache eingefordert. Das Luftschiff Schwaben" ist Donnerstag vormittag in Friedrichshafen unter persönlicher Führung des Grafen Zeppelin zu einer Probefahrt aufgestiegen, die bis 12 Uhr dauerte. Die Fahrt bezweckte eine Geschwinbigkeitsmessung. Es ergab sich die überraschenden Geschwindigkeit von über 19 Meter in der Sekunde bet dret Motoren; beim Gang von nur zweit Motoren waren es 16,5 Meter. Die Messungen wurden auf einer Strecke vorgenommen, deren Länge genau bekannt war, und auf der das Luftschiff mehrfach hin und her fuhr. Ingenieur Richter noch immer unauffindbar. Die türkische Regierung hat den Behörden der Vilajets Monastir und Salonikt thre Unzufriedenheit über die bisherigen Ergebnisse der Verfolgung der Entführer des Ingenieurs Richter ausgesprochen. Ste drängt darauf, daß ohne Verzögerung alle Anstrengungen gemacht werden, um durch irgendwelche Mittel mit den Räubern in Verbindung zu treten. Die Typhusepidemie in Schneidemüht. Den Anstrengungen der Behörden und Aerzte tst es nunmehr gelungen, die Ursache und den Ursprung der Typhusepidemte in Schneidemühl zu ermitteln. Bis jetzt sind bekanntlich 200 Erkrankungen und zwei Todesfälle vorgekommen. Die Seuche wurde durch Milch verbreitet, die von dem Rittergut Kegelsmühle stammte, das für mehrere Molkereien in Schneidemühl Itefert. Die Kinder einer auf dem Hofgut lebenden Famille waren an Typhus erkrankt, trotzdem wurde die Milch aber doch weiter geliefert und dadurch die Verschleppung der Krankheit nach Schneidemühl ermöglicht. Abenteuer zweier deutscher Damen in London. Eine vor kurzem aus Deutschland nach London übergesiedelte Frau Vogt, die ihren dort lebenden Sohn be= suchen wollte, war mit ihrer Gesellschafterin plötzlich spurios verschwunden, und man befürchtete, daß ste Gaunern in die Hände gefallen seten. Jetzt sind beide Damen wieder ermittelt worden. Die Gesellschafterin der Frau Vogt erklärte, die Ursache threr Irrfahrten set, wie sie jetzt erst erkannt habe, ein Anfall von Getstesstörung bet der alten Dame gewesen. Nachdem letztere sich am Montag von ihrem Sohn verabschtedet hatte, wollte sie nicht nach dessen Wohnung zurückkehren, sondern bestieg mit ihrer Begleiterin einen Om-nibus und fuhr aufs Geradewohl in London umher. Auch an den folgenden Tagen wurden die Irrfahrten fortgesetzt. Auf die Veröffentlichungen des Sohnes hin, erhielt letzterer Telegramme von dem Direktor des Hotels, wo die Damen übernachtet hatten, und vom Direktor eines Vorstadttheaters, die zur Auffindung der Mutter führten. Der Straßenlärm als Selbstmordursache. In einem südlichen Vorort von London hatte sich gestern vor dem Polizeigericht ein Kaffeehausbestger wegen Selbstmordversuchs zu verantworten. Als Ursache für diese nach englischem Gesez strafbare Handlung gab der Angeflagte, der versucht hatte, sich die Kehle zu durchschneiden, etnen eigenartigen Grund an. Der Lärm der an seinem Hause vorüberfahrenden Motoromnibusse und Trambahnen, der ihn während der Nacht nicht schla= fen ließ, habe ihn so nervös gemacht, daß er zur Verzweiflung getrieben wurde. Das Gericht erkannte diefett Grund als stichhaltig an und entlteß den Angeklagten mit einer Verwarnung. Russische Ernüchterungskammern. In Petersburg Beginnt man gegen die Trunkenhett vorzugehen und sich der Opfer, die der„ Wottt" täglich fordert, anzunehmen. Man plant zu diesem Zweck eine eigenartige Maßnahme. Das vom Petersburger Stadtamt eingesetzte Mäßigkeitsfuratorium schlägt nämlich vor, in der Stadt zwölf bts fünfzehn Ernüchterungskammern einzurichten. Diese Räume, in die die Betrunkenen gebracht werden sollen, dte man auf den Straßen angesammelt bat, werden mehrere Abtellungen nach Alter, Geschlecht und dem Grad der Betrunkenheit enthalten. Alle Ernuchterungskammern müssen für mindestens dreihunbert Personen Platz bieten. Die Beaufsichtigung der Botale ist einem Arzt zu übertragen. Für die Verpfle= wie sie in ihrer Art in der Reichshauptstadt noch nicht vorgekommen ist, hat Donnerstag morgen in der Alexanderstraße fich abgespielt. Schauplab der Brandtatastrophe war die ehemalige Kaserne der Franzer, die fett ungefähr 20 Jahren als Mietstaserne verwendet wurde. Das Feuer brach um 27 Uhr morgens aus. Hinter einer Treppe, die in den Hof nach der Voltairestraße mündet, gerieten- man weiß es nicht genau vielleicht durch eine weggeworfene 3tgarette oder durch ein brennendes Stretchholz, zwei Kisten in Brand, das Feuer ergriff die Treppe selber, und auch diese brannte, ehe man den Brand überhaupt bemerkt hatte. Der Rauch drang binnen kurzer Zeit in die langen Korrtdore, die sich, ohne abgeteilt zu sein, durch das ganze Gebäude hinziehen. In wenigen Minuten sind überall Stichflammen und undurchdringlicher Rauch. Die Bewohner, etwa dreißig Familfen, konnten aus den Wohnungen nicht heraus und sahen den Flammentod vor Augen. Die Feuerwehr war alarmiert, eine Viertelstunde nach Ausbruch des Brandes war der erste Zug zur Stelle. Als die Feuerwehr eintraf, waren alle Fenster von Frauen und Kindern besetzt, die in ihrer Todesangst um Hilfe schrieen und sich aus den Fenstern stürzen wollten. Männer, Frauen und Kinder hingen bereits an Fensterkreuzen, berett, aus der zweiten und dritten Elage auf die Straße hinunterzuspringen, Iteber den Sprung zu wagen, als dem sicheren Flammenund Erstickungstode zu verfallen. Ein schaudererregendes Bild, wie es selbst die Feuerwehr in Berlin noch nicht zu sehen bekommen hat. Die Offiziere und die Mannschaften der Feuerwehr, die die außerordentliche Gefahr sofort erkannten, rtefen den Verzweifelten, zit, die Rettung der Feuerwehr abzuwarten. In wentgen Augenblicken waren überall, wo es am gefährlichsten war, mechanische Leitern angelegt, und als diese nicht reichten, wurden einfache Hoflettern herbeigeschafft. Inzwischen war die Meldung„ Mittelfeuer" an die Hauptwache gegeben worden. In wenigen Minuten waren einige wettere Züge zur Stelle." Neue Lettern wurden angelegt, Feuerwehrleute fletterten rasch hin, auf, holten Frauen und Kinder entweder auf den Lettern hinunter, oder sie verwendeten die Rettungssäcke. Der große Sack wurde aufgespannt, was am Fenster war, ganze Familien mitunter, rasch hintereinander hineingesteckt und an schweren Schnüren auf die Straße hinuntergelassen. Der Rettungsfack bewährte sich vorzüglich, besser als das Sprungtuch, das viel unsicherer ist und diesmal gar nicht verwendet wurde. Innerhalb einer Viertelstunde waren so über 50 aufs höchste gefährdete Menschen auf den Lettern oder durch Retfungssäcke in Sicherheit gebracht. Die Brandstätte war gestern bis in die späten Abendstunden von vielen Neugierigen umlagert. Zahlreiche Mieter, die durch den Brand geschädigt waren oder thr Obdach verloren hatten, standen auf dem Hofe herum und besprachen thr Mißgeschick. Hilfreiche Nachbarn haben ihnen für die kommenden Tage Quartter angeboten. Im ganzen wurden 44 Personen von der Feuerwehr aus lebensgefährlicher Lage gerettet. Da dte Balken schon alt und morsch waren, mußte etn förmliches Gerüst aus Hatent- oder Stecklettern errichtet werden, von dem aus die Feuerwehrleute vorgehen konnten. Gräfin Montignoso. Eine neue Ueberraschung. Die ehemalige Kronprinzessin von Sachsen und spä tere Gräfin Montignoso hat, wie dem Berl. Lot.- Anz." aus London gemeldet wird, thre sogenannten Memot ren an einen dortigen Verleger verkauft. Das vollständige Manuskript mit dem Rechte der Veröffentlichung in der ganzen Welt ist von dem Londoner Verleger Evelingh Nash erworben worden. Das Werf führt den Ttett metne eigene Geschichte". Die Veröffentlichung soll im September erfolgen. Das Wert wird mit einer Vorrede der Prinzessin eingelettet. Aus der Ankündigung ist folgendes hervorzuheben: „ Man hat mich oft gedrängt, öffentlich die verschiedenen verkehrten Gerüchte, die sett fast zehn Jahren über mein Leben und meine Handlungen verbrettet worden sind, zurückzuweisen. Bis jetzt habe ich gezögert, weil ich es verschmähte, allen denen zu antworten, die mich verleumdeten. Ich wurde jedoch darauf aufmerksam ge= macht, daß jetzt, wo meine beiden Söhne sich dem Alter nähern, in denen ihnen diese verleuuiderischen Behaup= tungen mitgeteilt werden könnten, es metne Pflicht als Mutter set, die Tatsachen genau zu veröffentlichen, die zu meiner Flucht von Dresden führten. Das ist das Hauptmotiv für die Veröffentlichung meiner eigenen Darstellung der Tatsachen, und ich wünsche gleichfalls, daß zukünftige Geschichtsschreiber der habsburgischen und sächsischen Häuser keine Fehler begehen sollten, indent sie meine Lebensgeschichte übeldeuten; ferner wünsche ich der Behauptung entgegenzutreten, ich set der Autor des Werkes Bekenntnisse einer Prinzessin". Ich habe das Werk weber geschrieben, noch habe ich direkt oder indirekt rigend welche Beiträge dafür geliefert." Wenn das Wert diese Tendenz hat, kann man ja auf mancherlet gefaßt sein. Wie die" L. N. N." hören, ist man in Dresden von dieser buchhändlerischen Anzeige völlig überrascht worden. Sachlich liegt der Fall so, daß man die Verfasserin natürlich nicht hindern tann, ihre Memoiren selbst mit einer ausgesprochenen Tendenz gegen die sächsische Königsfamilie und den sächsischen Hof zu veröffentlichen. Es fragt sich nur, Der Flieger Hirth in Berlin gelandet. Der Flieger Ingenieur Strth, der als einziger Bewerber um den Kathreinerpreis den Flug von Minchen nach Berlin unternommen hatte, ist heute vormittag glitclich in Berlin gelandet. Ein Telegramm meldet uns: Berlin, 80. Jult. Der Flieger Strth, der um 4,30 Uhr in Nürnberg zum Fluge Leipzig- Berlin aufgestiegen war, ist nach einer Zwischenlandung in Leips zig in Berlin um 9,08 Uhr auf dem Flugplatz Johannisthal glatt gelandet. Ingenteur Hirth war am Donnerstag abend 7 Uhr in Puchheim bet München mit seinem Passagier bet prächtigem Wetter aufgestiegen. Hirth ging um 8,30 Uhr zur Zwischenlandung auf dem Ererzlerplatz Schreinau bei Nürnberg nieder. Das Publikum durchbrach den Absperrungsfordon und eilte in wilder Haft auf den Apparat zu. Die Absicht Hirths, sich auch noch den Preis von 1500 Mart des Luftschtffervereins Nürnberg zu holen, der für den Flteger ausgesetzt ist, ber zum ersten Male die Hohenzollernburg umkretst, mußte er aufgeben, da das Publikum nicht zum Weichen zu bringen war. Der Apparat wurde im Kasernenhof untergebracht. Die Wetterfahrt nach Berlin erfolgte bet gitnsttgem Wetter. Vom Deutschen Rundflug tst heute zu melden: Wesel, 30. Junt. Vollmöller tst gestern abend von dem Ort seiner Zwischenlandung bei Darup 20 Kilometer hinter Münster um 7,10 Uhr mit Passagier zur Weiterfahrt nach Cöln aufgefttegen. Um 8,08 Uhr ist er auf der Schillwiese bet Wesel glatt gelandet und von einer zahlreichen Menschenmenge begeistert begrüßt worden. Heute frith 3,40 Uhr war er von neuem aufgestiegen, um 7,24 Uhr landete er alatt in Göln, nachdem er eine Zwischenlandung in Neuß vorgenommen hatte. Todessturz eines französischen Fliegers. Während in obigen Meldungen von schönen Erfolgen deutscher Flieger zu berichten war, tommt aus Paris die Kunde von dem Todessturz eines französischen Militärfliegers: Paris, 30. Jult. Der Leutnant Trouchon stürzte in Chalons sur Marne bet feinem ersten Fluge ab und starb kurz darauf an den erhaltenen schweren Verlegungen. Drabtnachrichten und Deuestes. Der Kaiser auf der Kieler Woche. Kiel, 30. Junt. Der Kaiser begab sich heute früh 8 Uhr an Bord der Jacht Meteor" zur Teilnahme an den Wettfahrten des Kaiserlichen Jachtklubs von Kiel nach Warnemünde. Abreise des amerikanischen Geschwaders von Kiel. Kiel, 30. Juni. Das amerikanische Geschwader hat heute vormittag der hiesigen Hafen verlassen. Die deutschen Schiffe feuerten den Flaggensalut. Tödlicher Unfall auf der Straße. Berlin, 30. Junt. Gestern abend gegen 10% Uhr wurde ein Mann in betrunkenem Zustande von einem Automobil überfahren. Er fiel mit dem Kopf gegen die Bordschwelle, sodaß ihm der Schädel gespal= ten wurde. In hoffnungslosem Zustande wurde er ins Krankenhaus geschafft. Ein Ritt von Danzig nach Konstantinopel. Sofia, 30. Junt. Leutnant von Braun vom Danziger Leibhusarenregiment ist auf seinem Distanzritt von Danzig nach Konstantinopel gestern in Sofia eingetroffen. Berliner Getreide und Schlachtviehmarkt. Die Ernteaussichten Deutschlands haben sich infolge der in letzter Zeit meist herrschenden fruchtbaren Witterung wesentlich gebessert, allerdings konnten viele Schäden, wie dünner Stand, schlechter Körneransatz und Notreife nicht wieder gut gemacht werden. Infolgedesfen wird für Roggen, wenn auch teilweise gute Ergebnisse tu Aussicht stehen, nur auf eine mäßige Ernte zu hoffen sein. Das Erdruschresultat dürfte bei der so ungleichmäßigen Entwickelung der Saaten außerordentlich verschieden ausfallen, und dieser Umstand wird die richtige Beurteilung des Ernteertrags bedeutend erschwe ren. Die Vorräte im Lande sind inbezug auf Weizen und namentlich mit Roggen sehr gering, und wenn Rußland nicht für letzteren Artikel sich sehr verkaufslustig gezeigt hätte, so würden die Roggenpreise eine recht beträchtliche Höhe erreicht haben. Im übrigen haben die Preise für Lieferung auf spätere Termine bet Brotgetreide nur geringe Aenderungen erfahren. Hafer mußte infolge besserer Erntehoffnungen etwas nachgeben. Gerste war, abgesehen von einer vorübergehenden Abschwächung, fehr fest, Herbstlieferung war aber matter. Mats befestigte sich. Am letzten Tage der Be= richtswoche stellten sich die Preise für den Septembertermin wie folgt: Wetzen 199,00 Mart, Roggen 167,25 Mark, Hafer 163, 50 Mart, Mats 142,75 Mark. Preise des städtischen Schlachtvieh= marktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, ungefocht 79-84 M., 6) junge, fletschige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 71-76 M., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 64-72 M. 2. Bullen. a) vollfletschige, ausge wachsene höchsten Schlachtwertes 72-75 M., b) vollfleischige jüngere 70-75 M., c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 60-70 M. 3. arsen und ühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes bis- M., b) vollfletschige ausgemäftete ühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 67-70 M., c) ältere ausgemästete und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färfen 60-65 M., d) mäßig genährte Kühe und Färsen 55-60 M., e) gering genährte Kühe und Färsen bis 62 M. f) gering genährtes Jungvich( reffer) M. 4. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 106-129 M., 6) fetuste Mastfälber 87-95, c) mittlere Mast- und beste Sauatälber 78-85 M., 5) geringere Mast- und aute Saugfälber 72-81 M. e) geringe Saugfälber 58-67 M. 5. Schafe: a) Maftlämmer und füingere Masthamntel 76-84 M., b) ältere Masthammer, geringere Maftlämmer und gut genährte funge Schafe 70-76 M., c) mäßig genährte Hammel und Schafe 53 bis 72 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Str Lebendgewicht M., b), vollfleischige Schweine 240 bia 300 Pfund 58 M., c) voltfleischine 200-240 93f6. 57 613 58 A, d) vollfleischige Schweine 160-200 f. 56-57 M., e) vollfleischtge Schweine unter 160 Pfd. 54-55 M f) Sauten 52 Ms ने 32. Stenographentag des Hessisch- Nallauischen( Main- Rheingan-) Verbandes Gabelsbergerscher Stenographen in Gießen am 1.. 2. und 3. Juli 1911 berbunden mit der Feier des 50. Stiftungsfestes d. Gabelsberger: Stenographen- Vereins Gießen( E. V.) unter gütiger M twirtung von Fräulein 3da Etrad Gießen u. des Bauerschen Gesangve eine Gießen ( Dirigent Herr Otto Görlach). Einladung. Die bebel, Ginwohneridaft teen with anläßlich bes 32. Stenog apentag3 bes Geffen Raffauischen Verbandes Babelsberger'icher Etenographea mu der am Sonntag, ben 2 Juli, vorm. 11 Uhr, in ber großen Aula der Universität stattfindend a Deffentlichen Festversammlung verbunden mit einem von Herrn Brofessor Pfaff, Darmstadt, Borshender bes deu schen Stenograbben bunbes ,, Babelsberger", gebaltenen Bortrag Im Kampfe um die Einheitsftenographie" böflicht eingelaben. Die Fel o bnung für bie gesamte Tagung, ju ber im übrigen nur die Mitglieder der Verbandsvereine unb bie eingeladenen Gäfte But it haben, ist wie folgt festgefent: Samstag ben 1. Juli. Abends 8% Uhr: Ver: tretei versammlung u. Rommers im Hotel „ Großhoa ton Hessen". Sonntag ben 2. Juli. Bormitiage 9 Uhr: Wett schreibex in bem Kollegiengebä be ber Landesuniverfitat. Boi.nit age 11 Uhr: Diffent liche Fefiverjammlung in der großen Aula| ber Universität Nachmittags 1% Uhr: Festessen in Steins| Vier tüchtige Möbelschreiner, zwei tüchtige Bauschreiner e balten sofort daner de Arbeit. 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Nachmittags 3 Uhr: us: flug mit Mufit nach dem Schiff nberg. Der Ehren- Außschuß: Brof. D. Bie: mann, Geh. Jufiintat, Reftor ber Lanbee- Universität. Dr. Güngerich, Lan belge id tepräfibent. E. Beidhesheim, Geheimer Kommen zienrat, Biäfident der Handelskammer. Me. am, Oberbürgermeister. von Trota geacant Treydea, Obe.it 1 b Regim.n fommandeur. Dr. 11 uger, Brovinzialbirel or. Für den Verbands- Vorstand with. Müller, I. Berbanb8 o fit, Offenbad. Die anlaßlid bei Tagungen eildbiene Für den geschäftsführenden Ausschuß Wilh. Loh, 1. Vo sigender, Gießen. schrif ist zum Preise von 50 Big. vom Breß [ 23/1 Ausschuß: Silchard Hafenkeng, Groke: Steinweg 3, zu beziehen. M EINLADUNG zu meinem diesjährigen grossen Inventur- Ausverkauf welcher am 1. Juli beginnt. Aus allen Abteilungen habe ich eine grosse Auswahl meiner Waren in übersichtlicher Weise ausgestellt und verkaufe solche zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. Für jedermann, insbesondere für Brautleute, Hoteliers, Pensionen, .. 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Sonntag, den 2. Juli. 4. Sonntag nach Pfingsten. Vorm. von 6% Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Christenlehre; darauf Festandacht mit Segen. Freitag, um 6 Uhr, ist Segensmejse. Eigentum u. Berlag der Gießenex Zeitung 6. m. b. S. Berantwortlich für die Schriftleitung Otto Heinede, für Reflame und Anzeigen Robert Roller, beide in Gießen. Lar lojo theo Frie dent tag Der Fej Erg