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Gießener Zeitung Bezugspreis 40 Pfg. monatlich ( Neueste Nachrichten) vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mt., durch die Post 1,50 Mt. frei ins Haus. Donnerstags und Samstags. - - Erscheint Dienstags, Zwei Extrabeilagen: - „ Humoristische Blätter" und die„ Neue Lesehalle", Redaktion: Itegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362. Nr. 128. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Bei der am 22. d. Mts. vorgenommenen Verlosung der am 1. Januar 1911 zurückzuzahlenden Schuldver schreibungen der Stadt Gießen sind gezogen worden: a) vom 1893 er Anlehen Lit. 2. 60, 165, 217, 244, 252, 262 über 2000 Mr. Lit. M. 61, 75, 201, 236, 239, 285, 346, 375 über 1000 Mt. N. 5, 23, 50, 92, 145, 146, 164, 178, 213, 269, 271, 417, 445, 545, 612, 668 " 7 500 " " 1 " 1 O. 76, 109, 134, 201, 247, 278 200 " " " . 80, 126, 171, 183, 249, 303, 328, 365 100 " f " b) vom 1894er Anlehen: 2. 326, 369 2000 " " " 1 M. 413, 435 1000 !! " 1 N. 947, 948, 974, 1044, 1047, 1084 500 " 17 O. 372, 394, 439 200 " " " 1 " P. 402, 454, 544, 593 100 11 " 7 c) vom 1895 er Anlehen: .425 " 1 M. 521 " 1 N. 1146, 1150 2000 1000 500 " 1 Die Verzinsung hört mit Ende Dezember 1910 auf. Die Einlösung fann bei der Stadtkasse Gießen und bei der Mitteldeutschen Kreditbank in Frankfurt a. M. und Gießen erfolgen. Von den in vorhergehenden Jahren ausgelosten Schuldverschreibungen sind noch nicht zur Rückzahlung vorgelegt worden: Lit. N. 390, 626, 748. Lit. O. 321. Lit. P. 377, 531. Gießen, den 23. September 1910. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Enthält alle amil. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein). sowie vieler anderer Donnerstag, 29. September 1910 ant bürgerlichen Berliner Blätter aller Parteischattierungen bestürmten die Liberalen und die konservativen Wähler bezw. Nichtwähler, bei der Stichwahl bis auf den letzten Mann ihre Schuldigkeit zu tun. Und was war das Ergebnis dieetwa ses Appells an den Patriotismus? Wohl haben 2800 Wähler mehr ihre Stimmen abgegeben, als bei der Hauptwahl, aber von diesen bisherigen Nichtwählern haben nur 1275 für den bürgerlichen, hingegen 1477 für den sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt. Der Appell die Nichtwähler hat also zur Folge gehabt, daß der brave deutsche Michel in Frankfurt a. D.- Lebus zum großen Teile zwar seine Schlafmüße abgenommen, aber da= für die Ballonmüße aufgesetzt hat. Wenn die Ermahnung an die Nichtwähler, ihre Bürgerpflicht zu erfüllen, kein besseres Ergebnis hat, ja dann wäre es eigent= lich doch wünschenswerter, sie zu unterlassen. Denn der Sozialdemokratie noch weitere Tausende von Wählern in die Hürden zu treiben, hat vom bürgerlichen Standpunkte aus eigentlich wenig zweck. - Der Fall von Frankfurt- Lebus zeigt, ein wie enormer Kontrast zwischen der Stimmung von 1907 und der heutigen besteht. Wir wollen an einem drastischen Beispiel zeigen, wie damals der Appell an die Nichtwähler wirkte. Bekanntlich wurden bei den Wahlen von 1907 die vorher lange Jahre hindurch im Besitze der Sozialdemokratie befindlich gewesenen beiden Breslauer Mandate von bürgerlichen Bewerbern gewonnen. Im Wahlkreise Breslau- Ost erhielt der gemeinsame Kandidat des Bürgertums 22 200 Stimmen, während bei den Wahlen von 1903 mehrere bür= gerliche Kandidaten zusammen nur 16 100 Stimmen auf sich vereinigt hatten. Es bedeutete also dies einen Stimmengewinn für das Bürgertum von 6100. Im Wahlfreise Breslau- West erhielt im Jahre 1907 der gemein= same bürgerliche Bewerber 21 100 Stimmen, während im Jahre 1903 mehrere bürgerliche Kandidaten zusammen Die Stichwahl in Frankfurt a. Q.- Lebus 14 900 Stimmen bekommen hatten. In beiden Wahlkreisen ( Nachdruck verboten.) Bei der Reichstagsersab- Stichwahl im Wahlkreise Frankfurt( Oder)-Lebus wurde der Sozialdemokrat Faber mit einer Mehrheit von 172 Stimmen gewählt. Für Winter ( ntl.) wurden 15 625, für Faber 15 797 Stimmen abgegeben. Bei der Hauptwahl fielen auf Faber 14 319, auf Winter 7754 und auf Dunkel( fons.) 6595 Stimmen. Wir hatten vor der Wahl in Frankfurt a. D.- Lebus die pessimistische Auffassung gehegt, daß der Sozialdemokrat im ersten Wahlgange gewählt werden würde. Wir müssen ge stehen, daß wir jetzt nach dem Ergebnisse der Stichwahl wohl wünschen möchten, unser Pessimismus hätte recht behalten. Denn der Verlust des Wahlkreises an die Sozialdemokratie in der Stichwahl ist, wenn man näher zuſieht, aus einem Grunde erfolgt, der dem Bürgertum die denkbar ungünstigsten Aussichten für die nächsten allgemeinen Wahlen eröffnet. Als Fürst Bülow im Dezember 1906 den Reichstag auflöſte, ging er von dem Saße aus:" Fiectere si nequeo Superos Acheronha movebo". Ins Wahlpolitische übersetzt, würde dieser Satz eta bedeuten:„ Wenn ich nicht die politisches Interesse hegenden Schichten der Wähler ge= winnen tann, so muß ich den Untergrund in Bewegung zu setzen suchen, nämlich die trägen Massen der Nichtpolitiker". Diese Spekulation täuschte den damaligen Reichskanzler nicht, denn wenn es gelang, die Sozialdemokratie zu besiegen, so war dies nicht der Fall, weil etwa sozialistische die SoziWähler zum Bürgertum übergegangen waren aldemokratie erhielt ja 1907 noch eine Viertelmillion mehr, als 1903 sondern weil viele Hunderttausende bürger= licher Wähler, die sich sonst nicht an die Wahlurne bemüht hätten, am 25. Januar und 5. Februar 1907 ihr Wahl= recht ausübten. Dies war auch der Grund, weshalb wohl gelang, der Sozialdemokratie eine erhebliche Schlappe beizubringen, nicht aber dem Zentrum. Denn die Sozialdemokratie besitzt eine große Menge zweifelhafter Wahl- kreise, in denen 2000 bis 4000 bürgerlicher Stimmen genügen, um den Sozialdemokraten den Wahlkreis zu reißen. Das Zentrum hingegen besitzt zum weitaus größten Teil solche Wahlkreise, in denen es nicht gefährdet ist, wenn einige Tausend bisheriger Nichtwähler nunmehr für Denn die Mehrheit die Gegner des Zentrums stimmen. - ez entdes Zentrums in diesen Wahlkreisen ist so enorm, daß sie auch durch einige Tausend gegnerischer Stimmen nicht mehr erschüttert wird. Gelang es nun 1907 dem Fürsten Bülow, die Partei der Nichtwähler mobil zu machen, so ist dieser Versuch im Wahlkreise Frankfurt a. O.- Lebus vollständig mißIungen. Nicht nur die bürgerliche Presse des Wahlkreidas ja nur ses selbst, sondern die in Frankfurt a. O.- wenige Meilen von Berlin entfernt liegt vielgelesenen - zusammen betrug mithin der Stimmenzuwachs des Bürgertum 3 12 300. Der sozialistische Bewerber im Wahlkreise Breslau- Ost erhielt im Jahre 1907 nur 16 500 gegen 17 600 im Jahre 1903, sein Stimmenverlu st dabei betrug mithin 1100. Im Wahlkreise Breslau- West entfielen auf den sozialistischen Kandidaten im Jahre 1907 nicht mehr als 19 700 Stimmen gegen 17 500 im Jahre 1903. Zieht man von dem sozialistischen Stimmengewinn in Breslau- West von 2200 Stimmen den Stimmenverlust von 1100 in Breslau- Ost ab, so gewann die Sozialdemofratie im Jahre 1907 in beiden Breslauer Wahlkreisen zusammen nur 1100 Stimmen gegen 12 000, die das Bürgertum erhielt. Wir meinen, daß ein schreiender Gegensatz wie zwischem diesem Ergebnisse des Appells an die Einigkeit des Bürgertums im Jahre 1907 und dem traurigen Resultate desselben Appells am 26. September 1910 in Frantfurt' Lebus schlechterdings nicht denkbar ist. Gerade deshalb stimmt uns, wie wir im Eingange dieser Betrachtung sag= ten, das Wahlergebnis in Frankfurt a. D. ganz besonders traurig, denn wenn man sich das Resultat der Einigkeitsparole bed den nächsten allgemeinen Wahlen im ganzen Reiche ebenso denkt, so würden ja recht erfreuliche Wahlen herauskommen. Freilich wäre noch ein anderes denkbar. Wäre es nämlich nicht möglich, daß die 2800 Stimmen der„ Nichtwähler" gänzlich dem bürgerlichen Kandidaten Winter zugefalYen sind? Dann aber würde das Resultat der Stichwahl nichts anderes besagen, als daß etwa 1500 Stimmen, die im ersten Wahlgange dem konservativen Kandidaten zugefallen waren, diesmal für den Sozialdemokraten abgegeben worden waren. Ist dies zutreffend, so müssen wir sagen, daß es ein erwünscht schwacher Trost wäre, denn es würde dann zwar nicht unsere oben dargelegte Auffassung von der bedenklichen Stimmung der Nichtwähler gerechtfertigt sein, aber es würde andererseits gewiß sein, daß der Appell der Einigkeit bei den Wählern nur zum Teil befolgt wird. Wie man also die Sache auch dreht und wendet, das Ergebnis der Reichstagsersabwahl in Frankfurt a. D.- Lebus ist ein ungemein unerfreuliches. Ein Straßenkampf in Berlin. Am Montag ist es in Berlin bei den Reibereien zwischen Arbeitswilligen und Streifenden zu schweren Zusammenstößen gekommen. Im wesentlichen handelt es sich um Arbeitswillige der Kohlenfirma Kupfer u. Co. in Berlin- Moabit, bei welcher fürzlich ein Streif ausgebrochen ist. Als mittags mehrere leere Kohlenwagen, mit denen Arbeitswillige nach ihrer Arbeitsstätte verbracht wurden, nach dem Kohlenplatz in die Sickingerstraße zurückkehrten, wur den die Kutscher eines Wagens von Arbeitern der Löwe( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362. 21. Jahrg. schen Fabrik, die sich gegenüber dem Kohlenplatz befindet, mit Steinen beworfen. Die polizeiliche Begleitmannschaft, verstärkt durch Wachmannschaften, ging energisch gegen die Angreifer vor und trieb sie auf das Löwesche Fabrikgrundstück zurück. Da sich das Werfen mit Steinen vom Hofe des Fabrikgrundstückes gegen die Schußmannschaft fortsette, ging diese mit blanker Waffe vor und räumte den Vorhof. Die Polizei, die den Kohlenplatz von Kupfer u. Co. mit 2 Offizieren und 50 Mann abgesperrt hatte, trat dem Ansturm der aufgeregten Menge mit der blanken Waffe entgegen. Als dann aus der Mitte der Tumultanten heraus mehrere Revolverschüsse fielen, war das Signal einer förmlichen Straßensch I acht gegeben. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, che alle Straßenzüge geräumt und für den Verkehr gesperrt waren. Gegen 9 Uhr abends hatten sich wiederum in der Sickingerstraße und in den Querstraßen eine gewaltige Menschenmenge angeſammelt, die unter Johlen gegen die Beamten vorging. Ein Leutnant wurde durch einen Steinwurf am Kopf schwer verletzt. Kurz nach 12 Uhr sammelte sich in der Beusselstr. an. Die Polizei wieder eine sehr große Menschenanenge an. war fast völlig machtlos. Mit den Feuermeldern wurde Mißbrauch getrieben. Gegen 21 Uhr wurde die ReformKirche in der Beusselstraße von der Menge ge stürmt. Die Polizei hatte inzwischen Hilfsmannschaften herbeigeholt und rückte gegen die erregten Massen mit der blanken Waffe vor. Die Zahl der verletzten Polizeibeamten wird auf 38 angegeben. Die Zahl der verletzten Erzedenten ist entsprechend groß. Von den Verhafteten werden sich einige wegen Landfriedensbruches zu verantworten haben. Am Dienstag nahmen mit dem Einbruch der Dunheit die Streiftrawalle blon neuem einen bedrohlichen Charakter an. Zum ersten ernsten Zusammenstoß tam es an der Ecke der Wicklef- und Beusselstraße. Mit dem Säbel in der Hand stürmten die Beamten, von ihren berittenen Kollegen begleitet, die Straße hinunter, trieben die johlende Menge vor sich her und verletzten mehrere Personen durch Säbelhiebe. Nach kurzer Zeit war es gelungen, die Straße zu säubern. Später kam es zu einem scharfen Zusammenstoß an der Erasmusstraße. Dort wurde verschiedentlich auf ge= Offiziere und Mannschaften geschossen, jedoch niemand troffen. Auch das übliche Steinbombardement fehlte nicht. Der Tumult erreichte um 10% Uhr an der Beusselstraße, Ecke Sickingerstraße, seinen Höhepunkt. Um diese Zeit hatten sich reichlich 4000 Personen, darunter sehr viele Frauen und Mädchen an der bezeichneten Stelle versam melt. Der Polizeileutnant forderte die Menge dreimal auf, auseinanderzugehen. Diese johlte um so stärker und fing In nun an, mit Steinen aul die Schuhleute zu werfen. dem gleichen Augenblick öffneten sich zahlreiche Fenster der Häuser und ein wahrer Hagel von Bier- und Seltersflaschen prasselte auf die Beamten nieder. Dazwischen wurden Die Polizei zog brennende Feuerwerkskörper geschleudert. blank und attackierte die Erzedenten, die unter fortwährenden Steinwürfen und Schüssen langsam zurückwichen. Der Polizei- Offizier ließ die Browning- Pistolen ziehen u. wiederholt Schüsse auf die Menge und die Fenster, aus denen die Wurfgeschosse tamen, abgeben. Ein großes Polizeiaufgebot wurde hinzugezogen und Schußleute zu Pferde ritten eine Attack e. Das half endlich. Nach wenigen Minuten war die Straße leer. Man rechnet mit annähernd 100 Verletzten. In den Morgenstunden des gestrigen Tages war es in den Straßen von Moabit ruhig. Die nach dem Lagerplatz der Firma Kupfer u. Co. führenden Straßenzüge, insbesondere die Sickingerstraße, wurden durch eine Schußmannsfette gesperrt. Der Transportarbeiter- Verband teilte der Firma Kupfer u. Co. mit, er sei zu Verhandlungen geneigt. Der Kohlenhändler- Verband beschloß jedoch, mit ihm nicht zu verhandeln, dagegen setzte sich der Arbeitgeber- Verband zwecks Verhandlungen mit den Arbeitern mit dem Magistratsrat b. Schulz in Verbindung. Er stellte auch eine Lohnerhöhung in Aussicht. Zu den Verhandlungen selbst ist es noch nicht gekommen. Zum Barenbesuch in Friedberg. Folgende seltsame Begebenheit trug sich, wie erst jetzt bekannt wird, bei der Anwesenheit des Zaren in Frankfurt a. M. zu: Während seines Aufenthaltes im Zoologischen Garten folgte dem Zaren ein Mann, der sich als russischer Offizier ausgab und den Kriminalbeamten sagte, er müsse den 3aren unbedingt persönlich sprechen. Die Beamten sagten ihm, daß das nicht möglich sei; wenn er eine Bittschrift habe, so wolle man sie übergeben. Damit gab sich aber der angebliche Offizier nicht zufrieden. Am Ausgang näherte er sich dem Zaren wiederholt, so daß die Kriminalbeamten einschreiten mußten. Es kam zu einem Disput; der Russe wurde festgenommen und auf das nahegelegene Polizeirevier gebracht, wo seine Personalien festgestellt wurden. Als Offizier fonnte er sich nicht ausweisen. Da aber nichts gegen ihn vorlag, so wurde er nach der Abreise des Zaren wieder auf freien Fuß geseßt. Die Zarin nahm am Dienstag ein Bad, die übrigen russischen Herrschaften fuhren zum Gottesdienst, der aus Anlaß eines russischen Feiertages stattfand, nach Bad- Nauheim. Gestern trafen aus Friedrichshof zur Mittagstafel ein: Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Kronprin= zessin und Prinz Georg von Griechenland. der Der Zar, die Zarin, die vier Großfürstinnen, Großherzog und die Großherzogin treffen, wie nunmehr b! stimmt worden, am 15. Oktober von Schloß Friedberg in Darmstadt zu weiterem Aufenthalt ein. Der sprünglich geplante Zwischenbesuch auf Schloß Wolfsgarten wird fallen gelassen. Lokales. Gießeu, 29. September 1910. ur= der * 3ur Stadtverordnetenwahl Der hiedie sige Bürgerverein hat mit den Vorbereitungen für Stadtverordnetenwahlen in Gießen begonnen. Auf seine Veranlassung tamen am Dienstag die Vertreter der hiest gen bürgerlichen Parteien, des Hausbesitzer- Vereins, Innungen und der Bodenreformer zusammen, um die für die Wahl erforderlichen Maßnahmen zu erwägen. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete die Frage, ob sich ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie empfehle. Die Nationalltberalen erklärten sich gegen ein Bündnis, mit den„ Genossen", während dieses Kompromiß einen Verteidiger in dem Freisinn und den Bodenreformern fand. Schließlich einigte man sich dahin, bezüglich eines gemeinsamen Vorgehens mit den Sozialdemokraten das Gutachten der Vereine einzuholen. Erfreulich war, daß alle Anwesenden mit einer gemeinsamen Kandidatenliste einverstan den waren, doch sollen sich die Vereine auch noch zu dieser Frage äußern, bevor weitere Schritte unternommen werden. * Der Hansa bund, Ortsgruppe Gießen, veran staltet in dem Winter Vorträge, welche den Zweck verfolgen sollen, auch die breiteren Volksschichten über die Lage von Handel und Gewerbe in Deutschland aufzuklären. tt Stadttheater. Shakespeares„ Kaufmann von Venedig", mit dem am kommenden Dienstag die Wintersaison eröffnet wird, ist im neuen Hause bisher noch nicht gegeben worden. Das Werk bietet Gelegenheit für hübsche Ausstattung und die Direktion hat es in dieser Hinsicht auch an nichts fehlen lassen. Ein Teil der neuen Dekorationen ist in dem berühmten Atelier von Prof. Lütkemeyer- Koburg hergestellt worden; anderes an Dekorationen, Kostümen u. Möbeln, sowie Requisiten wurden in den eigenen Werk= stätten des Stadttheaters angefertigt. Da so ziemlich das gesamte Personal in der Eröffnungsvorstellung beschäftigt ist, und unter der Regie von Direktor Steingoetter sehr sorgfältige Proben im Gange sind, so dürfte eine sehens- werte Vorstellung zu erwarten sein. 25) Gerichtet. Familienroman von Franz Wichmann. ,, Vater, an deiner Hand klebt Blut!" tam es über ihre Lippen. „ Der Förster hatte sich gefaßt. „ Ich habe ihn getötet!" sagte er fest. Und nach einer Pause des Schweigens setzte er hinzu:„ Er war aus dem Zuchthaus ausgebrochen und zu uns geflüchtet und verlangte unter Drohungen Geld-" Klara rang in jammervoller Verzweiflung die Hände. ,, Du hast ihn getötet?" Sie brachte fein anderes Wort hervor. ,, Erschossen mit der guten, ehrlichen Büchse hier!" erklärte ber Förster. Klara wollten die Kräfte verlassen; die Vorstellung des Schrecklichen überwältigte sie. - ,, Der Vater den Sohn! Entsetzlich entsetzlich!" ſtöhnte ste. Er er war doch immer mein Bruder!" Tat Auch Hellborn stand erschüttert. ,, Wenn Sie sie vollbrachten - die schwere, furchtbare ,, D, nicht wahr?" sprach der Förster mit todtrauriger Stimme: Nun ist die Reihe an Ihnen, mir die Tür zu weisen, dem Sohnesmörder!" - Klara brach in einen Strom von Tränen aus. ,, Vater, sei nicht grausam gegen dich selbst! Denn ich weiß, wie du jetzt leidest!" „ Wir haben weder zu zürnen, noch zu richten!" sprach Hellborn fast feierlich. Dant, Dank für das Wort der Menschlichkeit!" rief der Förster.„ Aber sind deine Tränen nicht feurige Kohlen auf das Haupt des Mörders?" wandte er sich zu der Tochter. „ Müssen sie es nicht sein?" „ Ich weine nicht, weil er mein Bruder war", schluchzte Klara,„ ich weine nur um den verlorenen Menschen!" Eine Weile schwieg der Förster, dann begann er halb zu sich selbst: „ D, es läßt sich nicht wegleugnen, selbst mit allen Gründen und Erklärungen nicht: Der Vater hat den Sohn getötet! Könnt ihr begreifen, was das heißt?" Hellborn blickte ihn an mit verzeihender Milde. „ Ich begreife es nur zu wohl," sagte er,„ Sie haben ein Werf göttlicher Gerechtigkeit vollziehen müssen, es war grausam, daß der Ewige gerade Sie, den Vater, dazu auserwählte, aber wir müssen ihm in allem aehorchen!" * Abg. Köhler und die Automobil* lub s. Nachdem am 2. September der Abg. Köhler= Langsdorf wegen seines Artikels gegen den Automobilunfug infolge Anzeige des Darmstädter Automobilklubs vernommen worden ist, soll auf Antrag des Finanz- Assessors Zimmer und des Rechtsanwaltes Sieger zu Darmstadt, die sich als Verfasser der berühmten Zehn Gebote für Fuhrleute" mun selber genannt haben, der Abg. Köhler im Ottober vor dem Großherzoglichen Amtsgericht in Lich wiederholt vernommen werden wegen Vergehens gegen die§§ 110, 130, 185, 186 des R.-S.-G.-B. Eine weitere Vernehmung des Abg. Köhler soll auf Anzeige des Kaiser= lichen Automobilklubs zu Berlin auf Grund der§§ 110 und 130 des R.-St.-G.-B. stattfinden. * Auf dem Rindviehmarkt am Dienstag waren 1600 Tiere vorhanden. Es wurden folgende Preise gezahlt: 1. Kühe, 1. Qual. 570-655 Mt., 2. Qual. 510 bis 550 Mt. 2. Jungtiere je nach Alter und Beschaffenheit 140 bis 245 Mr. cinen * Der gestrige Schweine markt brachte Auftrieb von 300 Schweinen. Es wurde gezahlt für die Tiere 1. Güte 50-55 Mt., für solche 2. Güte 48-52 M., während Ferkel 30-35 Mt. kosteten. * Die Gewinn- Liste der heute stattfindenden Pferdemarkt- Verlosung liegt der nächsten Nummer der„ Geßener Zeitung" bei, worauf wir unsere Leser aufmerksam machen. * Ein lebhaftes militärisches Treiben herrschte in den letzten Tagen auf dem Gießener Bahnhof. Zahlreiche Re ser vist en passierten auf dem Wege zur Heimat unsere Stadt. U. a. tamen Soldaten des Inf.- Lehrbataillons in Potsdam, elsässische Jäger und in einem Ertrazug Reservisten aus Norddeutschland hier durch. * Achtung. Wir machen unsere Leser darauf aufmertsam, daß die alten 50 Pfennigstücke nur noch bis zum 1. Oktober bei den Reichsbanknebenstellen eingelöst werden. Nach diesem Termin haben dieselben keine Gültigkeit mehr. * Ein alter Stollen wurde in der Sandgrube von H. Winn an der Liebigshöhe entdeckt. Er diente wahrscheinlich zur Erschließung von Wasser und ist ungefähr 100 Jahre alt. Seine Eindeckung bestand aus Balken. * Braune Gesellen. Zwei Zigeuner besuchten gestern vormittag ein hiesiges Friseurgeschäft; während sich der eine verschönern ließ, stattete der andere den übrigen Wohnräumen einen Besuch ab, um dort zwei Gipsfiguren mitgehen zu heißen. Ein in der Nähe befindlicher Schutzmann holte beide Zigeuner auf der Lahnbrücke ein und holte die beiden Figuren unter der Weſte des einen hervor. Bei der genaueren Untersuchung entdeckte später der amte, daß auch Dolch und Schlagring nicht fehlten. Aus Hessen und Nachbargebiet. Be* Wieseck. Bei der Gemeinderatswahl siegten die sozialbemokratischen Kandidaten Balthasar Wacker, Wilh. Luh und Hch. Oswaldt. Die Sozialdemokraten haben jetzt die Mehrheit. * Buzbach. Der Sohn des Zimmermeisters Euler des wurde beim Ueberschreiten der Gleise in der Nähe Bahnhofs vom Zuge erfaßt. Beide Beine wurden ihm ab= gefahren; er war sofort tot. - „ Sie Sie glauben an Gott?" fragte Lorenz Reiner überrascht. Und ich habe Sie für einen Gottesleugner ges halten!" Hellborn schüttelte ernst das Haupt. ,, Alles Gerechte ist Gott!" sprach er.„ Es gibt ein Unfaẞa liches über den Sternen, das jede Schuld u und Sünde straft. Das ist Gott!" " Das wäre Ihre Lehre?" brachte der Förster hervor. Und barum habe ich Sie gehaßt?" Hellborn lächelte versöhnend. „ Irren ist menschlich und Sie verurteilten, ehe Sie ges prüft hatten," versetzte er. Ich glaube an die göttliche Ges rechtigkeit, die allein die Menschheit zu einer großen, zu einer goldenen Zukunft zu führen vermag!" Ihr habt den Weg zu ihr betreten," entgegnete schmerza voll der Förster.„ D, daß ich sie nicht mehr mit euch teilen fann!" " Du sollst es, Vater, du und die Mutter," rief Klara, , ihr beide müßt unser Glück teilen!" Der Förster wandte sich ab; es klang wie von erstickten Tränen durch seine Stimme: - „ Die Mutter? Ob sie es noch erleben wird? Mit mir aber wird es anders enden! Meine Tat fordert Sühne vor den Menschen! Ich mußte den Wald, den lieben, schönen Wald noch einmal sehen. Nun habe ich in ih ihm euch und euer Glück gefunden! Nun mag mein G Geschick sich erfüllen!" Was wollen Sie tun?" rief Hellborn erschreckt.„ Sie bürfen nicht so von uns gehen! Ist es Ihnen geglückt, bis hierher zu entkommen, so wird es Ihnen auch weiter gelingen!" „ Das soll es nicht!" erwiderte der Förster. Was ich ges tan habe, will ich verantworten vor Gott und vor den Menschen. Ich fliehe nicht!" " Du willst dich ihnen selbst überliefern?" fragte Klara angstvoll. O, sie werden dich verurteilen und in den Kerker werfen, dich, dich-!" Und sie fiel plötzlich, von Schmerz übermannt, an seinen Hals. Doch der unglückliche Vater machte sich schnell wieder von Ihr los. „ Laß das, mach' mich nicht weich!" sagte er rauh.„ Träner sind für die Weiber! Denke, daß deine Mutter trostlos daheim bei einem Toten trauert!" laß beschwören!" ließ Klara sich jedoch nicht Juriideiſen. Wir verbergen Dich! bier with man bich nicht Juchen. Man weiß ja, daß du uns haſſeſt!" „ Ja, bleiben Sie bei uns!" vereinigte Hellborn sein Bitten mit den ihren. Hier an der Stätte des Friedens sint Sie in Sicherheit!" * Ober Mörlen. Bei der Gemeinderatswah unterlagen die Sozialdemokraten. * Friedberg. Bankdirektor Meyer, der bei dem Attentat auf die Reichsbank durch Winges und Werner ver letzt wurde, ist aus der Sommerfrische wieder eingetroffen. Die auf ihn abgegebene Kugel konnte bisher aus dessen Kopf noch nicht entfernt werden. * Darmsta dt. Der diesjährige Darmstädter Herbst pferdemarkt findet am 10., 11. und 12. Oftober statt. Für die Prämiierung der Pferde und Fohlen stehen 2000 Mt. zur Verfügung. * Darmstadt. Die Gräfin von Schlitz wurde zu Darmstadt von einer gesunden Tochter entbunden. über * Mainz. Der Direktor des Hansa- Bundes, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, wird am 8. Okto ber abends in der Stadthalle dahier einen Vortrag „ Die seitherige Tätigkeit des Hansabundes und die näch sten Ziele" halten. Es ist das erste Mal, daß Bundesdiret Das Ergebni 1. Abteilung ter gezeigt 2. Preis( 20 M 2. Abteilung Frensdorf- Gießen ( 40 M.) Frenss Nieder- Weifel. 3. Abteilun 1. Preis( 80 Frensdorf- Gießer geben.- b) Te Mart) Kaufman dorf- Gießen, 3. Preis( 20 Mr.) Mart) Frensdor Nieder- Weisel. 4. Abteilu 1. Preis( 40 tor Knobloch in Süddeutschland spricht; ohne Zweifel hat Mart) Kaufman er ein Massenpublikum als Zuhörer. Aus aller Welt. )( Sämtliche Bahnrekord über 30 bis 100 Kilometer verbesserte Fritz Theile am Sonntag in Köln und gewann auf seinem flinten Brennaborrade in einem 100 Kilometer- Rennen vor Günther, Guignard und Walthour den großen Preis von Köln. Weltmeister Darragon am Sonntag in Paris das 100 KiGießen, 4. Pre Mark) Kaufma beitsfläg Weifel, 2. Prei Frensdorf- Gieße fen, 5. Preis Mart) Raufman 5. Abteilun Mart) Studt- Ni )( Vor Parent und Vanderstuyft gewann lometer- Rennen hinter Motorschrittmachern. In Essen siegte Jean Böschlin in einem 20 und 30 Kilometer- Dauerrennen an demselben Tage. Darragon und Böschlin benutzen die Marke Brennabor. )( Techmer und Tezlaff, zwei bekannte Brennaborfahrer, gewannen am Sonntag in Frankfurt a. D. das Mannschafts- Verfolgungsrennen. Im Hauptfahren und im Prämienfahren siegte W. Techmer, während A. Tetzlaff im Handicap Erster wurde. Ver Gießener Herbst- Pferdemarkt. Der gestrige Pferdemarkt hatte dank dem schönen Wetter nicht verfehlt, zahlreiche Landwirte nach Gießen zu loden. Die hervorragende Beschaffenheit der Tiere lohnte aber auch diesen Besuch. Vis in die Mittagstunde wurde daher rege gehandelt. Es swaren sehr viele erstklassige Tiere vorhanden, welche naturgemäß die Nachfrage start anregten. Nicht selten erzielten bei den jüngeren Tieren besonders träftige Pferde Preise von 1300-1500 Mt., während die mittlere Rasse 950 Mr. und die schwächeren Tiere 750 biz 780 Mr. brachten. Alte Pferde stellten sich auf 450 Mark und sogenannte Schlachtgäule auf 250 Mr. Der Auftrieb betrug 194 Pferde und 26 Fohlen. Für die Prämiierungen, welche selbstverständlich das größte Interesse der Be sucher erweckten, standen gegen 2000 Mt. zur Verfügung, unter denen 250 Mt. von dem Hessischen zuchtverein stammten. Die den Preisrichtern vorgeführten Pferde wurden in 8 Abteilungen geprüft, von denen die 3., 4., 5., 7. und 8. wiederum in Unterabteilungen zerfielen. mt. von dem The Bandes- PferdeAuch der kleine Hellmut schmiegte sich an des Försters Knie. ,, Bleibe, Großvater,- ach ia, bleibe!" bat er. Dem alten Manne brach fast das Herz. Doch nach kurzem Rampf richtete er sich fest und entschlossen auf.„ Gebt euch leine Mühe!" sagte er.„ Sie sind auf meiner Spur, ich weiß ts! Von der Höhe hab' ich die Gendarmen gesehen, die nach Brünwald gingen. Dort suchen sie mich zuerst. Und wenn sie mich dort nicht finden, so werden sie hierher ihren Weg hehnien und nach mir suchen. Sie sollen aber den Frieden tures Hauses nicht stören!" Hellborn hob plötzlich den Kopf und horchte nach dem Hügel hin. „ Still! Hörtet ihr fein Geräusch?" „ Schritte den Waldweg herab!" rief Klara voll Schrecken Der kleine Hellmut war an die Pforte geeilt. „ Bunte Männer," meinte er neugierig, mit Säbeln und Flinten!" Alle blickten entsetzt nach der angedeuteten Richtung. Vo bem dunklen Fichtenwalde hoben sich, von der Sonne be leuchtet, deutlich die grünen Uniformen zweier Gendarmen ab die hastig den Fußpfad herabkamen. Mit beiden Armen umschlang Klara den Nacken des Vaters ,, Nein, nein, ich lasse dich nicht, Vater! Bleibe, bleibe! flehte sie. „ Ich will zeugen für Sie vor Gericht!" rief Hellborn. „ Nein, dessen bedarf es nicht!" entgegnete ruhig der Förster „ Wenn man dem Vater nicht glaubt, der solch eine Tat tun fonnte, wem soll man denn glauben?" Der Knabe hatte geängstigt die Pforte verlassen. „ Sie kommen hierher!" rief er. Lorenz Reiner wollte gehen. Da fiel sein Blick auf di Büchse, die er an die Bank gelehnt hatte. Er nahm sie auf und betrachtete sie schaudernd und doch zärtlich wie einen guten Freund; dann sagte er: ,, Die Büchse da, ich will sie nicht mehr sehen, sie sollen fir nicht vor Gericht herumzeigen! Nehmt verbrennt sie! Sie bat meines Sohnes Blut-" - Er konnte nicht weiter sprechen, sondern bedeckte in wehem Schmerz sein Gesicht mit den Händen. Klara hatte ihm die Waffe abgenommen. ,, D, wenn es gerechte Richter gibt, die menschlich denken und urteilen " „ Sie müssen Sie freisprechen," fiel Hellborn mit voller Überzeugung ein, wie schwer auch Ihre Tat erscheinen mag!" „ Du mußt frei werden," schluchzte Klara,„ und dann dann kehrst du zu uns zurück!" Wetterfeld, 3. lach 11.- Gberstai sel, 7. Breis ( 20 Mr.) Bill Mart) Klippel1. Preis( 50 9 Faber 10.- Leib 6. Abteilun Mart) Weitz 4- nicht vergeben 7. Abteilun schläge. 1. Preis( 20 Mt.) Fohlen, r Schmidt- Großen4. Preis( 10 M Mart) war nich 8. Abteilun 1. Preis( 60 9 Schäfer- Hestem, Preis( 30 Mr.) Lang- Göns. 1. Preis( 60 Bill 1.- Niederfeld, 4. Preis Mart) Heinz- Ni der- Weisel, 7. S Preis( 10 Mt. ( 10 Mart) Fri Eberstadt, 11. An die vo ung schloß sich Man hörte Wege. Die Ger habe an die H Daß der Gesuch vigten. Da raffte d rauenden Blick mpor. Dann 1 Die Pforte öffn ich um:„ Lebt Und um di Darmen entgege Thr fucht tafchten. Klara verhi „ Er will es „ Gott gebe fiefer Bewegung Sein Wunf pater ftand der Der Hauptstadt. auf einen Wehr dachten anders. wie feinem zum Notwehr gehand Und als das aufnahm, da m Geele muchs die Beiben würde, m Vor dem G Schloß er weinen Ihr maret Sprach er tief b die Schuld, da Sie fonnte die Band des Doll in die Aug Frau Ade Lange. Der alte Spermat, dent paares, deffent nimmer aufhört einen Unfeligen Gemeinderatswa Neyer, der bei dem es und Berner ber wieder eingetroffen Das Ergebnis der Prämiierungen war folgendes: 1. Abteilung: Reitpferde unter dem Reiter gezeigt. 1. Preis( 30 Mt.) Ludw. Tasch- Azbach, 2. Preis( 20 Mt.) Weiß 4.- Dorf- Güll. bisher aus dessen Frensdorf- Gießen, 2. Preis( 60 Mt.) Michel- Gießen, 3. Pr. 2. Abteilung: Wagenschläge. 1. Preis( 80 Mr.) ( 40 Mr.) Frensdorf- Gießen, 4. Preis( 30 Mt.) KaufmannDarmstädter Herb Nieder- Weisel. Oftober flatt. Fi len stehen 2000 on Schlik wurde entbunden. ansa- Bundes wird am 8. Otto inen Vortrag übe des und die näd l, daß Bundesdiret - 3. Abteilung: a) schwere Arbeitsschläge. 1. Preis( 80 Mt.) Michel- Gießen, 3. Preis( 40 Mt.) Aug. Frensdorf- Gießen. Der 2. und 4. Preis wurden nicht vergeben. b) leichte Arbeitsschläge. 1. Preis( 60 Mart) Kaufmann- Nieder- Weisel, 2. Preis( 40 Mr.) Frensdorf- Gießen, 3. Preis( 30 Mt.) Isenberg Ww.- Gießen, 4. Preis( 20 Mt.) Kaufmann- Nieder- Weisel, 5. Preis Mart) Frensdorf- Gießen, 6. Preis( 10 Mt.) Kaufmann- Nieder- Weisel. 1. ( 10 ; ohne Zweifel ha mart) Kaufmann- Nieder- Weisel, 3. Preis( 20 Mr.) MichelIt. 4. Abteilung: a) schwere Arbeitsschläge. Preis( 40 Mr.) Kaufmann- Nieder- Weisel, 2. Preis( 30 Gießen, 4. Preis( 15 Mr.) Frensdorf- Gießen, 5. Preis( 10 Mark) Kaufmann- Niederweisel. b) leichte Arbeitsschläge. 1. Preis( 40 Mr.) Kaufmann- Nieder= Weisel, 2. Preis( 30 Mr.) derselbe, 3. Preis( 25 Mark) über 30 bis 100 Frensdorf- Gießen, 4. Preis( 20 Mt.) Isenberg Ww.- GieSonntag in Köln und Ben, 5. Preis( 15 M.) Frensdorf- Gießen, 6. Preis( 10 rade in einem 100 Mart) Kaufmann- Nieder- Weisel, 7. Prets( 10 Mr.) derselbe. ard und Walthou 5. Abteilung: a) Arbeitsschläge..1. Preis( 40 Mart) Studt- Nieder- Weisel, 2. Preis( 30 Mt.) Hofmannerst uy ft gewann Wetterfeld, 3. Preis( 25 Mt.) Heinz- Nieder- Weisel, 4. Pr. Baris das In Eſſen fiegte lach 11.- Eberstadt, 6. Breis( 10 Mt.) Bill 2.- Nieder- Weilometer- Dauerrennen fel, 7. Preis( 10 Mr.) Hahn- Nieder- Weisel, 8. Preis( 10 öschlin benutzen die Mart) Klippel- Nieder- Weisel. zwei bekannte Bren in Frankfurt a. O b) Arbeitsschläge. 1. Preis( 50 Mt.) Klotz 6.- Holzheim, 2. Preis( 30 Mt.) Faber 10.- Leihgestern. 6. Abteilung: 3jährige Fohlen. 2. Preis( 30 Mart) Weiß 4.- Dorf- Güll. Der erste Preis( 40 Mr.) war m Hauptfahren und während A. Tehlaf nicht vergeben worden. 7. Abteilung( a) ferdemarkt. fdem schönen Wet nach Gießen zu loit der Tiere lohnte Mittagstunde wurde Aus dem Gerichtssaal. ( Fortsetzung.) Schwurgericht. Gießen, 27. September. Die Weiterverhandlung ergab, daß der Verlebte in seinem Blute liegen blieb, ohne daß jemand sich um ihn kümmerte. Erst am anderen Morgen, als sich die Söhne schon an die Arbeit begeben hatten, sah die Frau nach u. bestellte den Arzt. Dieser konnte jedoch nur noch den Tod fonstatieren; das Schädeldach war gesprungen und es bestand tein Zweifel, daß der Tod die Folge der Mißhandlungen Die Aeußerung des Sohnes, der bezweifelte, daß der Anfeuerungen war. Bater dürften erkennen lassen, daß man den eingetretenen Erfolg gewollt hat. Die Staatsanwaltschaft plädierte auch auf Totschlag. Auf die Vernehmung der Sachverständigen, nach deren Angaben der Tod die Folge der Verletzungen war, erfolgte die Fragestellung an die Geschworenen. Sowohl dte Frage auf Totschlag, wie auch die Frage nach Körperberletzung mit tödlichem Ausgang wurden verneint; dagegen die Frage auf Körperverlegung bejaht. Das Gericht diktierte hierauf dem Angeklagten Karl Schmidt 2½ Jahre Gefängnis zu und ließ den taubstummen Angeklagten Wilhelm Schmidt mit einem Jahr durchkommen, unter Anrechnung von 3 Wochen Untersuchungshaft. Gießen, 28. September. Den Schluß der diesmaligen Schwurgerichtsperiode bildete die Sache gegen den Taglöhner Wilhelm Lotz vont Lich wegen Meineides. Der in Nieder- Bessingen geborene 32jährige Angelsagte war von einem gewissen Großhaus geschlagen worden. Bei seiner Vernehmung am Amtsgericht Lich und in der Schöffengerichtssitung, gab er an, er habe infolge der ihm zugefügten Verletzungen das Bett zwei Tage hüten müssen. Tatsächlich hat aber Lotz nicht zu Bett gelegen, er ist vielmehr der Arbeit nachgegangen, wenn er auch nicht in der Lage war, die üblichen Arbeiten zu verrichten. Durch das Verhalten des Angeklagten wurde Großhaus vom Schöffengericht damals zu einer erheblichen Vermischtes. Weckruf an die Deutschen. Verfasser: Rev. Lothar Brunke, Waterbury, Conn. Erwach, erwache, du Frühlingswind, Mit Rauschen und Brausen und Klingen! Die Zeit ist gekommen, erheb' dich geschwind, Und sing' uns ein Lied', eh' die Zeit verrinnt, Von deutschem Streben und Ringen. Noch träumen und dämmern im Land umher Viel Herzen von deutschem Stamme. Drum blas den Weckruf vom Fels zum Meer, Ja, brause getrost als Sturmwind einher Und fache den Funken zur Flamme. Den Funken des Stolzes auf deutsches Blut, Auf deutsche Sprache und Lieder, Auf unserer Väter geheiligtes Gut: Auf deutsche Sitten und deutschen Muth Und Treue fernhaft und bieder. Du Deutscher! für dieses gesegnete Land Sind deine Väter gestorben. Sie nahmen das Schwert in die schwielige Hand Und haben mit Blut von Strand zu Strand, Das Bürgerrecht dir erworben. Der Bau, dran jene Helden geschafft, Ist mächtig, trotz Stürmen, erstanden; Die Söhne weihten ihm ihre Kraft Und Kunst und Handwerk und Wissenschaft Und machten die Neider zu schanden. Doch du, der Helden Enkelkind, Willst st scheu im Verborgenen hauſen? Tritt auf und zeige dich deutsch gesinnt! Erwach',' erwache du Frühlingswind, 1 1a gris( 30 m.) Schepp 10.- Bohl- Göfts, 2. Straſe verurteilt, als wenn der Angeklagte die Wahrheit einer recht wirkungsvollen stompoſition erlassen hat, müßte Preis( 20 Mr.) Faber 10.- Leihgestern. Fohlen, Arbeitsschläge. b) 2jährige 2. Preis( 20 Mark) Schmidt- Großen- Bused, 3. Preis( 20 Mt.) Mohr- Gambach, 4. Preis( 10 Mt.) Görlach 8.- Eberstadt. Der 1. Preis( 30 Mart) war nicht vergeben worden. 8. Abteilung: a) 3ucht ft uten, Wagenschläge. viele erstklassige Ziere 1. Preis( 60 Mt.) Gontrum- Rötges, 2. Preis( 50 Mark) frage start anregten Schäfer- Hestem, 3. Preis( 40 Mt.) Wagner- Lang- Göns, 4. en Tieren besonders Preis( 30 Mt.) Rock- Hattenrod, 5. Preis( 25 Mr.) WeilMt., während die Lang- Göns. b) 3uchtstuten, Arbeitsschläge. heren Tiere 750 biz = fich auf 450 Mart Mr. Der Auftrieb ür die PrämiierunInteresse der Be - 1. Preis( 60 Mt.) Brückmann- Neuhof, 2. Preis( 50 Mt.) Bill 1.- Nieder- Weisel, 3. Preis( 40 Mr.) Hofmann- Wetterfeld, 4. Preis( 30 Mt.) Klippel- Nieder- Weisel, 5. Preis( 25 Mart) Heinz- Nieder- Weisel, 6. Preis( 20 Mt.) Bill 2.- Nieder- Weisel, 7. Preis( 15 Mt.) Bill 19 Nieder- Weisel, 8. Preis( 10 Mr.) Häuser 4. Ww.- Nieder- Weisel, 9. Preis ( 10 Mark) Friz- Langd, 10. Preis( 10 Mr.) Görlach 11.Eberstadt, 11. Preis( 10 Mt.) Hahn- Nieder- Weisel. Mt. zur Verfügung, hen Landes- Pferderichtern vorgeführten An die von 12-1 Uhr vor sich gehende Preisverteilft, von denen die 3., bteilungen zerfielen. ung schloß sich ein Festessen in dem Hotel„ Prinz Carl“. -hich an des Försteri bat er. 3. Doch nach kurzen fen auf.„ Gebt euch ziner Spur, ich weif en gesehen, die nach zuerst. Und wenn hierher ihren Weg Man hörte Stimmen und Waffenklirren auf dem steinigen Wege. Die Gendarmen waren von der Hinterseite her bis nahe an die Hütte herangekommen. Offenbar fürchteten sie, daß der Gesuchte ihnen entfliehen könne, wenn sie sich zu früh eigten. Da raffte der Förster sich auf und warf einen letzten ver rauenden Blick zu dem wolkenlos sonnigen Frühlings- Athes mpor. Dann mit festem Schritt durchmaß er den Garten. ich um: Lebt wohl!" aber den Frieden die Pforte öffnend, blieb er noch einmal ſtehen und wandte d horchte nach dem Klara voll Schrecken te geeilt. 3,, mit Säbeln und teten Richtung. Voi von der Sonne be raschten. Und um die Ecke der Hütte biegend, schritt er den Genbarmen entgegen. " Ihr sucht mich, hier bin ich!" sprach er zu den Über Klara verhüllte weinend ihr Gesicht: „ Er will es!" ( Gerichtet 54 Nr. 8.) „ Gott gebe ihm ein gerechtes Gericht!" sprach Hellborn in tiefer Bewegung. Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Wenige Monate veier Gendarmen ab später stand der Förster Lorenz Reiner vor dem Schwurgericht der Hauptstadt. Die Anklage nahm an, daß er mit Vorbedacht en Nacken des Vaters auf einen Wehrlosen geschossen hatte, doch die Geschworenen er! Bleibe, bleibe!" !" rief Hellborn. nete ruhig der Förfter folch eine Tat tu te verlaffen. I fein Blick auf di Er nahm sie auf zärtlich wie einen or feben, fie sollen fir dachten anders. Sie glaubten dem in Ehren ergrauten Mann wie seinem zum Herzen sprechenden Verteidiger, daß er in der Notwehr gehandelt habe, und sprachen ihn einstimmig frei. Und als das Publikum den Wahrspruch mit lautem Beifall aufnahm, da wurden des Försters Augen feucht und in seiner Seele wuchs die Gewißheit empor, daß auch der Himmel verzeihen würde, was die Menschen nicht strafen konnten. Vor dem Gerichtsgebäude, wo die Seinen ihn empfingen, schloß er weinend die geliebte Tochter in die Arme. Ihr waret beide entartet, er zum Bösen, du zum Guten!" sprach er tief bewegt.„ Vergib auch du an diesem Tage mir die Schuld, daß ich so lange dich verkannt habe!" Sie konnte vor freudigem Schluchzen nicht antworten, nur - verbrennt fie! Sie die Hand des Vaters vermochte sie zu drücken, und ihm liebe ern bedeckte in webem men. Die menfchlich denken poll in die Augen zu sehen. Frau Adelheid überlebte den Tod ihres Sohnes nicht lange. Der alte Förster aber lebt noch heute in seiner wahren Heimat, dem Walde, an der Seite eines glücklichen Menschenpaares, dessen Lebensinhalt einzig die Liebe ist, die Liebe, die nimmer aufhört und die selbst verzeihend zu beten weiß für Gerichteten. Hellborn mit voller einen Unseligen- Tat erscheinen mag!" lara, und dann - - Ende.- - angegeben hätte. Die Berufung des Großhaus war auch erfolglos, da er sie zu spät eingelegt hatte. Der Ange= flagte gab zu, unrichtige Angaben gemacht zu haben. Seine Verlegungen sind nicht so erheblich gewesen er hatte nur eine geringe Verlegung an einem Arm davongetragen als daß diese ihn bettlägerig gemacht hätten. Die Verhandlung nahm nur kurze Zeit in Anspruch. Auf Grund der Angaben des Angeklagten sprachen ihn die Geschworenen des Meineides schuldig und das Gericht erkannte auf die Mindeststrafe von 1 Jahr Zuchthaus, worauf die Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht wird. Ferner wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre abgesprochen. Mit dem üblichen Dank an die Geschworenen für ihre Mühewaltung, wurde das diesmalige Schwurgericht schlossen. * * Strafkammer. ge Gießen, 27. September 1910. Der 16jährige Handlanger Heinrich Backhaus aus Klimbach stand wegen Sittlichkeitsverbrechens und Anstiftung dazu unter Anklage. Der Junge hatte sich arbeitslos zu Hause aufgehalten; er veranlaßte einige Kinder mit zugehen, uB Brombeeren zu pflücken. Im Walde nahm er an einem Schulmädchen unsittliche Handlungen vor u. veranlaßte einen 6jährigen Jungen das nämliche an einem anderen Kinde zu tun. Das Gericht erkannte auf einen Monat Gefängnis unter Anrechnung einer Woche Untersuchungshaft. Der Angeklagte, der nach der Tat flüchtig ging und deshalb in Haft genommen wurde, wurde auf freien Fuß gesetzt. Ebenfalls wegen Sittlichkeitsverbrechens an einem kleinen Mädchen stand der Ingenieur Arno Johannes Mehnert aus Klaußnit, der auf der Mittelstmühle bei Alten= Buseck wohnte, unter Anklage. Er hat sich auch in Gegenwart einer Frau unsittlich betragen, doch, da nicht feststand, daß dieses öffentlich geschehen ist und mangels Straf- Antrag, erfolgte in dieser Beziehung Freisprechung. Dagegen wurde er wegen des zuerst genannten Verbrechens das in drei Fällen als erwiesen galt, zu einem Jahr Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt, unter Anrechnung von zwei Wochen Untersuchungshaft. In Ober- Lais frieg der Schuhmacher J. Dimmerling aus Klein- Lüder in die Werkstätte eines Wirtes und Schuhmachers ein und stahl ein Paar Schuhe. Unter Berücksichtigung seiner vielen Vorstrafen wurde auf zwei Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust erkannt, worauf vier Wochen Untersuchungshaft angerechnet werden. Das Schöffengericht Gießen verurteilte den Fuhrknecht Mathias Huber aus Weidenhausen wegen Körperverlegung zu 6 Monaten Gefängnis. Nach dem von dem Angeklagten angefochtenen Urteil hat er drei aus einer Wirtschaft tommende Leute mit einem Messer angegriffen und hat ihnen erhebliche Verlegungen beigebracht, so daß bei ihnen durch Aerzte Nähte angelegt werden mußten. Das Berufungsgericht erhöhte die Strafe des Angeklagten auf acht Monate, indem es die Berufung des Angeklagten zurück= wies. Bei der Einziehung des Messers, das zur Tat benutzt wurde, behielt es sein Bewenden. Offene Beine, Geschwüre weichen mie magisch bei Anwendang von Rongoa- Salbe. Dieselbe besitzt wunderbae heilende und antiseptische Wirt ung. Adam Kasper in Niederburg, Post Obertviesel, schreibt:„ Rongoa- Salbe hat meine Wunde mit der ich über 20 Jahre behaftet war, gänzlich geheilt." ( 93) Preis der Rongoa- Salbe Mt. 2.50 der Topf, in Apothefen erhältlich. Wo nicht vorrätig, wende man sich an die Engel- Apotheke in Frankfurt a. M. Mit Klingen und Rauschen und Brausen! Dieser Weck ruf, verfaßt in Amerika und wozu der deutsche Sängerbund jenseits des Ozeans einen Aufruf zu hier bei uns in Deutschland, dem Mutterlande, am ehesten beachtet werden. Gerade jetzt in der Zeit, da in allen Ecken das Bürgertum wieder in Parteien und Parteichen sich betämpft. Geschäftliches. Ein gutes Wort zur rechten 3eit. In einer Gesellschaft, in der sich auch Damen befanden, zog ein junger Mann deren Aufmerksamkeit mißliebig auf sich, er schwängert die Luft mit dem pestialischen Qualm einer schlechten Zigarette, worüber sich schließlich auch die Herren moquierten. 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