If 670. 12 Gießener Zeitung Gießener Neueste Nachrichten Bezugspreis 40 Pig. monatlich vierteljährlich 1,20 Mt. frei Haus; durch die Post 1,50 Mt. Erscheint 3 Mal wöchentlich: und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags. Telephon: Gießen Nr. 362. Nr. 34 Amtliche Bekanntmachungen. Vergebung von Fuhrleistungin. Die Abfuhr von Straßentehricht nach verschiedenen städtischen Wiesen im Rechnungsjahr 1910 soll Mittwoch, den 23. ds. Mts., vorm. 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht auf. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind späte stens bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entsprechender Ausschrift versehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 16. Februar 1910. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Betanntmachung. Die unterzeichnete Verwaltung hat größere Quantitäten Kupferabfälle, Affumulatorenblei, Blei- Abfälle,) altes Eisen und leere Delfässer abzugeben. Schriftliche Angebote bis zum 1. März 1910 erbeten. Gießen, 22. Februar 1910. Elektrizitätswert und Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolte. Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. ( Forstwartei Gießen 2. Forstwart Arft.) Donnerstag, den 24. Februar 1910, vormittags 9 Uhr beginnend, werden in den Waldungen der Stadt Gießen in den Distrikten Annaberg, Oberförsterwiese, Nachtweide und Grasfeld versteigert: 70 Fichtenderbstangen mit 5,92 Festm. 55 Eichen3,12 2 Rmtr. Eichennutzfnüppel( 4 m lang) Kiefern=" FichtenBuchenknüppel 53 17 Buchenscheit 1 " 1 2 249,8 " 63 " Eichen" 1 Linden!! " 3 Kiefern" " 20,5 323 Fichten" 1 Birken18,1 " Buchenstockholz 2,2 Fichten5200 11 Eichen300 " 1 440 Erlen= Fichten=" züge chen 213 1 6260 Weűen Buchenreisig Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße am Forst haus Hochwart. Gießen, den 17. Februar 1910. Bürgermeisterei. J. V.: Keller. 52525252525 Mit dem 1. März beginnt ein einmonatiges Probe- Abonnement auf die ,, Giessener Zeitung". Abonnementspreis 40 Pfg. Stadttheater Gießen. Freitag, den 18: Februar 1910. Salome. Drama in einem Aufzug von Oskar Wilde. Langer Zeit hat es bedurft, bis sich dieses Drama sein Heimatrecht auf der deutschen Bühne erwarb; 1894 hatte es Wilde in französischer Sprache verfaßt und von seinem Freunde Lord Alfred Douglas sehr bald ins Englische überfeben lassen. 1896 fand eine Aufführung in Paris statt, ohne daß Sarah Bernhardt, für die die Titelrolle geschrie ben war, sie gegeben hätte; leicht begreiflich zu einer Zeit, wo Wilde wegen Sittlichkeitsverbrechens" zu zwei Jahren fchweren Kerkers verurteilt worden. Nichts brachte er mehr aus dem Gefängnisse mit als die Erinnerung an die Vergangenheit; sein Wille war gebrochen, seine Schaffens- und Lebenslust vernichtet. Das herrlichste und leßte, was uns aus dem Kerfer hinterließ, ist seine Ballade vom Zuchthaus zu Reading". er Die erste, wenn auch private Aufführung der„ Salome" fand im Winter 1901 in der freien literarischen Vereinigung" in Breslau statt, der die Uraufführung in Berlin am 22. Februar 1903 vor geladenem Publikum im kleinen Theater, die erste öffentliche Darstellung am 29. September 1903 folgte. Das Drama ist ein vollendetes Kunstwerk; ein meisterlich aufgebauter Att! Die Handlung ist die aus der Bibel bekannte, nur mit dem Unterschied, daß Wilde Salome zur Trägerin der Handlung um-, oder besser gesagt, ausgestaltet. Er hat in der Salome den Weib- Typus einer zuchtfen Niedergangszeit gezeichnet, das von seiner Sinnen= Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen des Großherzoglichen Polizeiamtes Gießen und vieler anderer Behörden in Oberhessen. Expedition: Seltersweg 83. Dienstag, 22. Februar 1910 Reichstagspräsident Graf Stolberg t. Der Präsident des Reichstages, Graf zu Stol= berg- Wernigerode, ist Sansstag abend kurz nach 7 Uhr in Berlin an einem Lungenschlag verschieden. Graf Udo zu Stolberg- Wernigerode war am 4. März 1840 in Berlin geboren. Er machte an der Universität Halle staatswissenschaftliche Studien. Die Feldzüge von 1866 und 1870-71 machte Stolberg als aktiver Offizier mit; bei Königgrätz wurde er schwer verwundet. 1891 bis 1895 war er Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, 1872 wurde er ins preußische Herrenhaus berufen. Dem Reichstag gehörte der Verstorbene von 1877-1881, von 1884-1893 und wieder seit 1895 als Mitglied der deutsch- konservativen Partei an. Er war von 1901-1906 erster Vizepräsident und seit 1907 Präsident des Reichstages. Seit langer Zeit war Stolberg schwer leidend und er hat seit Monaten nicht mehr als Präsident fungiert. Ueber das Ableben des Reichstagspräsidenten Grafen Stolderg wird noch berichtet: Bis zum Mittag war der Zustand des Patienten den Umständen nach befriedigend. Dann trat plößlich ein Umschwung ein, so daß die Angehörigen benachrichtigt werden mußten. Die Gattin, sowie der Schwiegersohn eilten sofort an das Sterbelager. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft trat Agonie ein und gegen 7 Uhr erlöste der Tod den Grafen von seinem Leiden. Als Todes= ursache wurde Lungenschlag festgestellt. Das Kaiserpaar, das Kronprinzenpaar, der Reichskanzler und andere Würdenträger wurden noch am selben Abend von dem Ableben des Grafen Stolberg in Kenntnis gesetzt. Die Leiche wurde nachts nach dem Präsidialgebäude des Reichstages überführt. Am Sonntag fand eine Besprechung des Präsidiums im Reichstagsgebäude statt, um in Uebereinstimmung mit den Angehörigen wegen der Beise zungsfeierlichkeiten nähere Entschließung zu fassen. Wenn auch das Ableben des Reichstags- Präsidenten Grafen Stolberg nicht völlig unerwartet gekommen ist, da er seit einer Reihe von Wochen sehr trant war, hat doch der schnelle Eintritt der Katastrophe völlig überrascht. Alle Blätter ohne Unterschied der Partei widmen dem Dahingeschiedenen warmie Nachrufe. Auch die linksstehenden Blätter betonen, daß man in dem konservativen Präsidenten nie einen persönlichen Gegner erblickt habe und erkennen sein Bemühen voll an, nach allen Richtungen hin unparteiisch vorzugehen. Sein Humor habe oft über schwierige Situa tionen hinweggeholfen. Seine Gerechtigkeit habe ihm bei Freund und Feind höchste Achtung und Verehrung eingetragen. Ein reiches Wirken im Dienste des Vaterlandes habe seinen Abschluß gefunden. Deutscher Reichstag. 41. Sigung vom 21. Februar. Der Präsidentenstuhl ist schwarz umflort. An den Tischen des Bundesrats haben der Reichskanzler, die Chefs sämtlicher Reichsämter und eine Reihe preußischer Minister, auf der einen Seite und auf der anderen Seite sämtliche Vertreter der anderen Bundesstaaten Platz genommen. In der Hofloge sind die Damen des Stolberg'schen Hauses mit dem Schwiegersohn des verstorbenen Präsidenten, dem Grafen Eulenburg- Prassen erschienen. Die Abgeordneten in schwarzer Kleidung, sind sehr zahlreich erschienen. Vizepräsident Dr. Spahn tritt neben den Sessel des Präsidenten und hält, während die Versammlung sich erhebt, eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Tief erschüttert hat uns die Kunde getroffen, daß unser Präsident uns entrissen ist. Das erste Mal hat der Tod dem hohen Hause seinen Präsidenten mitten aus seiner Tätigkeit heraus hinweggenommen. Seines Amtes hat er mit Treue, Liebenswürdigkeit und Unparteilichkeit, mit Sachkunde und Geschäftskenntnis gewaltet. Unter seinem Präsidium hat der Reichstag Beschlüsse gefaßt, die für die Geschichte des deut schen Volkes von weittragender Bedeutung sein werden. Der Tod hat ihn uns wie der gräflich Stolberg'schen Fanatur völlig beherrschte Weib, dessen leidenschaftlich entfesseltes Triebleben nach der Befriedigung seiner Gier drängt und sich zu wollüstiger Grausamfeit steigert. Durch diese Auffassung sucht Wilde die roh überlieferte Tatsache zu erKlären; Salome liebt den Jochanaan; seine Stimme, seine Gestalt, sein Haar, sein Mund reizt ihre Sinnennatur. Doch ihr troßt der falte Prophet, der von seiner heiligen Mission erfüllt, Buße predigt und nichts von Liebe weiß; er verflucht sie, die Tochter Sodoms, die Tochter der Sünde. Salome dagegen kennt nur ihre Lust, das Ziel ihrer Leidenschaft; sie wird seinen Mund füssen, sie wird ihn tüssen. Als dann später Herodes sie anstiert mit lüsternen Blicken und ihr alles, die Hälfte seines Königreiches verspricht, wenn sie tanzen wird, tanzen für ihn den sinnentrunkenen, gierigen Leidenschaftsmenschen, der stark ist und schwach zu gleich, Knecht seiner Sinne, verweichlichte Mannheit beim Zusammenbruch einer der Verwesung anheimgefallenen Epoche! Salome wird tanzen; denn bei dem Schwur des Königs bei seinem Leben, seiner Krone, seinen Göttern, tobt in ihr nur das Auf und Ab ihrer Lust: sie wird den küssen, der seinen Mund nicht füssen lassen wollte.„ Mit meinen Zähnen werde ich ihn beißen, wie eine reise Frucht!", flackert die schäumende, gierende Sinnenglut in ihr aus, und wie der Schrei einer in lebensgefährliche gesteigerten, wollüstigen Leidenschaft, in dem wahnsinnige Liebe, dämonische Grausamkeit zusammenlingen, gellt es in diese Welt, voll furchtbarer Unmenschlichkeiten, gesteigerter Menschen, taumelnder, raffiniertester Leidenschaftlichkeit:" Jochanaan, ich habe deinen Mund gefüßt!" Man muß diesen Ausbruch grausam befriedigter Sinnlichkeit aus dem Munde einer Gertrud Eyjoldt gehört haben, um ihn in seiner Gießener Tageblatt Anzeigenpreis: die 44 mm breite Petitzeile 15 Pig., Reflame 50 Pig. Außerhalb Oberhessen 20 " Extra- Beilagen 60 werden nach Gewicht und Größe berechnet. Druck und Verlag: Gießener Verlagsdruderei( Albin Klein). 21. Jahrg. milie nach menschlichem Ermessen zu früh entrissen. Für die Mühen, Arbeiten und Sorgen, welche der Verstorbene diesem Hause und dem deutschen Volfe gewidmet hat, wird ihm mit uns das deutsche Volk ein dauerndes und warmes Gedenken bewahren. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Der schwere Verlust, den der Reichstag durch den Tod seines Präsidenten erlitten hat, wird von den verbündeten Regierungen schmerzlich mitempfunden. Der Deutsche Kaiser und der Bundesrat fühlen sich eins mit dem Reichstage in der Würdigung der Verdienste, die sich der Verstorbene umi das Wohl des Reiches erworben hat. Die Pflichten seines Amtes waren ihm Inhalt seines Lebens und ihre treue Erfüllung sichert dem ferndeutschen Manne Achtung, Dankbarkeit und Liebe nicht nur im Reichstage, sondern bei allen, welche berufen waren, in Gemeinschaft mit ihm dem Vaterlande zu dienen. Vizepräsident Dr. Spahn: Eingegangen ist ein Beileids- Telegramm des Prinz- Regenten Luitpold von Bayern, ferner ein Telegramm von dem früheren Präsidenten Grafen v. Ballestrem. Eine Reihe weiterer Beileids- Bezeugungen ist von den Regierungen der verschiedenen Bundesstaaten eingegangen und wird von dem Schriftführer verlesen, ebenso eine Beileids- Kundgebung namens des Hauses der Abgeordneten. Vizepräsident Dr. Spahn: Ich schlage Ihnen vor, die heutige Sißung nicht abzuhalten, sondern die Verhandlung abzubrechen. Da niemand widerspricht, nehme ich Ihr Einverstandnis an. Nächste Sigung Mittwoch 1 Uhr. Tagesordnung: Erste Beratung des Entwurfes eines Reichs- Kontroll- Gesetzes, Fortseßung der Beratung des Etats des Innern. Schluß 1½ Uhr. Die Neuorganisation der hessischen Baubehörden bildet den Inhalt eines Antrages, der von einer Anzahl Landtagsabgeordneter der zweiten Kammer zugegangen ist. Die Regierung wird darin um Vorlage eines einheitlichen Organisationsplanes sämtlicher staatlichen Baubehörden einschließlich des fulturtechnischen Dienstes gebeten. Es bestehen zur Zeit außer der umsangreichen Ministerialbauabteilung 37 staatliche Bauämter mit 42 akademischen Beamten, für Hochbau, Wasser- und Dammbau, Tiefbau und Landestultur. Von diesen Aemtern sind 18 den Kreisämtern zugeteilt, die alle Zweige der Bautechmit unter sich vereinigen, die übrigen Bauämter unterstehen direkt einer Abteilung des Ministeriums der Finanzen. Aber auch das Ministeriumi des Innern hat sich mit dem Bauwesen zu befassen, wodurch allmählich recht schwierige und verwickelte Verhältnisse entstanden, die mitunter, wie aus der Begründung des Antrages ersichtlich, der Komit nicht entbehren. Die Antrag= steller schlagen vor, in jeder Kreisstadt ein selbständiges staatliches Bauamt für Hoch- und Tiefbau zu errichten, die alle einem Ministerium unterstehen; ob die Wasser- und Dammbauämter weiter bestehen bleiben, oder den Bauämtern angegliedert werden sollen, wird nicht erörtert, im allgemeinen aber wird aus der seitherigen Erfahrung gesolgert, daß für eine Trennung der Bauamter nach Fachricht ungen das Land zu klein sei und daß diesem an sich wün schenswerten Verlangen durch geeignete Personalbeseßung der Bauämter entsprochen werden könne. Lahn- Dünsberg- Turnerbund. -3= A ba ch, 20. Febr. Zu dem heutigen 5. Bundestage des LahnDünsberg- Turnbundes waren sämtliche Vertreter anwesend. Das dicht beseßte Vereinslokal bei Frau Tasch legte Zeugnis davon ab, welches rege Interesse man dem jungen Bund von Seiten aller Vereine entgegenbringt. Punft i Uhr eröffnete der Bundesvorsitzende Daubert Wieseck den Turntag durch eine kurze Begrüßung. Aus der Tagesordnung sei erwähnt, daß im abgelaufenen Jahr die Turnvereine Wucht und Uebermenschlichkeit zu erfassen, um das Erlösende des furchtbaren Herodeswortes:„ Man töte dieses Weib!" zu empfinden! Nicht ohne Absicht habe ich den Namen Gertrud Eysoldt genannt, die in der Rolle der Salome zu bewundern ich vor 2 Jahren das Glück hatte. Sie darf man heute als die Darstellerin dieser" Perversen", wie sie der Zeitungsjargon taufte, betrachten; sie lieb diesem unheimlich mörderischen Wesen voll serueller Dämonie, den Schöpfungen Strindbergs, Wildes, Shaws, Wedekinds, Hofmannsthals erst Leben und Darstellungswert durch eine grandiose, einzige und einzigartige Körperrunst! A Eigenartig wie Salome, wie überhaupt die Gestalten dieses Dramas, ist auch der ganze Stil dieses Traum attes". Seine Umseßung in die bühmenmäßige Erschein= ungsform verlangt einen dramatischen Märchenstil. Nicht bloß Worte dürfen einander ablösen; Worte, Menschen und Umwelt fließen in Bilder ineinander, die sich grandios, mächtig gestalten, als Einzelgruppe herausbilden, sich auflösen und sich wieder zu neuer Symbolik, zu neuer Verförperung irgend einer mächtig gesteigerten Leidenschaft, eines Gefühlswertes verdichten. Die Sprechweise und Art sich zu geben, ist hier, steht hier völlig fremd der gemeinhin gegenüber; jede Gebärde muß wuchtiger, ausladender, aesthetisch schöner sein. Soll dieses Drama wirtungsvoll zur Darstellung fommen, so muß die Handlung, das Geschehen auf der Bühne zerlegt werden in Bilder; jeder Einzelne dient nur dem Ausdruck der Stimmung, dem Werte einer durch eine Gruppe ermöglichten Symbolik. Um zur heutigen Aufführung im einzelnen zu kommen, so muß ich gestehen, daß diese Forderungen nicht alle im Garbenteich und Steinbach dem Bunde beigetre ten sind, welcher jetzt in 22 Vereinen nahezu 2000 Mitglieder zählt. Ein ebenso erfreuliches Bild entrollte der Bundesturnia.. runsbach über die rege Turntätigkeit ſelin in eren Vereinen. Die Rechnungsablage ergab einen Ueberschuß von 185,02 Mt. Das diesjährige Bundesturnfest wird am 18., 19. und 20. Juni zu Odenhausen an der Lahn gefeiert. Die Bundesfahrt wurde nach Launsbach auf den 24. Juli verlegt. Dem Turnverein Azbach konnte für das Jahr 1911 das Bundesturnfest zugesprochen werden. Die Neuwahl des Bundes- und Turnausschusses ergab fast keine Veränderung. Für den Herbst ist ein Turngang, verbunden mit einem Bergfest in Aussicht genommen. Das Wetturnen bei der Turnfahrt soll für die Folge schon morgens beginnen. Für die Einzelwertungen wurden Tabellen an die einzelnen Vereine verteilt. Wie der Vorsitzende zum Schlusse betonte, so sucht der junge Bund einzig und allein das Turnen zu fördern und zu pflegen. Mit einem donnernden„ Gut Heil" wurde dies allseitig bekräftigt. Lokales. Gießen, den 22. Februar 1910. Jahren in Darmstadt und Umgebung als„ conferencier" betannt und beliebt und wird sich auch hier Freunde erwerben.( Näheres durch Annonce in der„ G. 3.") *)(* Französischer Vortrag. Deur conceptions de la vie humaine.( Zwei Begriffe des mensch= lichen Lebens): Victor Hugo und Maurice Maeterlinc" war das Thema, daß sich Dr. Lucien Thomas zu seinem Vortrag, der im großen Hörsaal der Universität abgehalten wurde, gewählt hatte. Der Redner verstand es vortrefflich, an den Werken beider Dichter diese Lebensauffassung zu zeigen, denn beide kämpfen mit fremden Anschauungen. Ganz besonderen Beifall dürften u. a. die Zitate aus der „ Hernani" Victor Hugos und der Monna Vanna" Maeter lincks gefunden haben. *)(* Zugverlegung. Da der von Gießen nach Nidda abgehende Frühzug nicht den in Nidda vor Einlau fen des Gießener Zuges abfahrenden Zug nach Schotten erreichte, so hatte vor kurzem der Gießener Stiklub„ Wintersport" ein Gesuch an die Eisenbahndirektion gerichtet, in dem um die Verlegung des Niddaer Frühzuges gebeten wurde. Dem Gesuch hat nun die Eisenbahn- Direktion mit der Wirkung vom 20. Februar ab stattgegeben. Der erste Frühzug nimmt also von nun ab den Anschluß vom Zuge 504( Nidda an 6.50 vorm.) auf und verläßt Nidda um 6.54 vorm. Ankunft in Schotten 7.38 vorm. Der zweite Frühzug fährt 7.46 vorm. von Schotten ab und trifft 8.30 vorm. in Nidda ein. Zur Sicherstellung des Anschlusses an Zug 503 nach Gießen wird dieser 2 Minuten später abfahren. * * Lesehalle- Verein Gießen. | Mitglieder, um Verwechslungen vorzubeugen, besonders ausmerksam machen. * Der Gießener Ballspielflub 1904 hat in der letzten Spielsaison die Meisterschaft in der B- Klasse des 8. Bezirks des„ Westdeutschen Spielverbandes" mit der ersten und der zweiten Mannschaft errungen. Aus diesem Anlaß hielt er am letzten Samstag ein Winterfest, verbunden mit Siegesfeier, auf der Liebigshöhe ab. Die stattliche Anzahl der Gäste bekundeten durch ihr Erscheinen ihr Interesse am Rasensport und an der Veranstaltung. Von Brudervereinen waren der„ Gießener Fußballtlub 1900", der ,, Verein für Bewegungsspiele" und der Frankfurter Fußballklub„ Alemannia" und außerdem der Männerturnverein Gießen und der Ruderklub„ Hassia" vertreten. Für die Unterhaltung war aufs beste gesorgt. Neben einem flott gespielten Theaterstück und verschiedenen komischen Vorträgen waren es besonders die lebenden Bilder, die allgemeinen Beifall erweckten; es wurden Momente aus dem Rasen- sport dargestellt. Nach Schluß des Programms folgte der übliche Tanz, der die Teilnehmer bis in die Morgenstunden zusammenhielt. Am Sonntag spielte die erste Mannschaft des Ballspielklubs gegen die erste Mannschaft des Frankfurter Fußballklubs„ Alemannia". Eine große Anzahl von Zuschauern umrahmten das Spielfeld und verfolgten das wollten die Gäste den Sieg mit nach Hause nehmen, denn Spiel mit sichtlichem Interesse. Anfangs schien es, als zu Halbzeit führten sie mit 2: 1 Toren, aber in der zweiten Hälfte legten die Einheimischen los und konnten noch 4 Tore buchen, sie siegten mit 5: 2 Toren. Nach Schluß des Spiels vereinigte man sich mit den Gästen zu einer Nachfeier auf der„ Germania". -e Lesehalle verein. Gestern Abend hielt im Hotel Schütz der Lesehalle- Verein seine diesjährige Hauptversammlung ab, welche von dem Vorsitzenden Geheimrat Dr. Haupt eröffnet wurde. Nach dem von ihm dargelegten Jahresbericht ist die Mitgliederzahl leider von 426 auf 406 gesunken. Nach dem Kassenbericht betrug die gesamte Einnahme in dem Jahre 1909 einschließlich Vermögensüberschuß 3173,78 Mt., von welcher Summe auf die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen 1371 Mt., auf den Vermögensüberschuß von 1908 221,93 Mr., auf den Ueberschuß der Lesehalle 242 Mt., auf außeror= dentliche Einnahmen 1300 Mt., auf Geschente 38,85 Mart entfallen. Die Ausgaben erreichten die Höhe von Mt. 2840,18 Mt., die sich folgendermaßen verteilen. Für Besoldungen 1572 Mt., für Inventar 31,20 Mt., für Zeitungen und Neuanschaffungen 494,58 Mt. und für die Buchbinderei 742,40 Mt. Within verbleibt ein Kassenbestand von 333,60 mt. Die Bibliothet erfreute sich einer steigenden Benutzung und zwar wurden im Jahre 1909 27 749 Bände verliehen, während die Zahl der 1908 entliehenen Werke 27 496 und 1907 26 517 betrug. Die von der Verwahl des Geheimrats Dr. Haupt zum Vorsißenden und des ſammlung vorgenommene Vorstandswahl ergab die WiederBibliothekars Dr. Fritsche zum Schriftführer, welche auch die Wahl annahmen. ** Straßenbahn. Die Weiterführung der Straßenbahn nach Wieseck und Klein- Linden wird bald durchgeführt. Die Vorarbeiten sind bereits im vollen Gange. Auch die Gemeinde Krofdorf gedenkt für den Anschluß an die Straßenbahn einen Jahreszuschuß von 5000 Mark zu leisten, um ihren Bürgern neben der von uns fürzlich erwähnten geplanten Einführung der elektrischen Beleuchtung auch eine bequeme Verbindung mit Gießen zu verschaffen. stt: Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß Frl. Sybile Vane auch in der heutigen Dienstagabonnements- Vorstellung die" Salome" geben wird. Ob noch eine weitere Aufführung des Wilde'schen Stückes sich ermöglichen läßt, ist sehr fraglich. Bemerkt sei auch, daß Direktor Steingoetter für den erkrankten Herrn Daubal sowohl in„ Salome", wie Mittwoch in„ Strandfinder" nochmals spielen wird. Am Freitag gelangt für den verdienten Ober= regisseur unlerer Bühne, Herrn Hermann Bak of das nach einem Dickens'schen Roman bearbeitete Lustspiel" lein Dorett" zur Aufführung. Sicher werden der Name des Benefizianten wie die Wahl des Stückes Anregung zu zahlreichen Bestellungen geben. Im Hinblick auf die gesunkenen Mitgliederbeiträge ist die Lage des Vereins eine ungünstigere geworden und auch der Umstand, daß sich der Verein hinsichtlich der Neuanschaffungen von Büchern gegenüber dem Geschäftsjahr 1908 Beschränkungen auferlegen mußte,( Ausgaben für Neuan= schaffungen und Zeitungen 1908: 877 M., 1909 nur 494,58 Mart) tann als Beweis seiner ziemlich schwierigen Verhält nisse angesehen werden. Der Verein hat im abgelaufenen Geschäftsjahr leider keine Mitglieder erwerben können, welche größere Beträge stifteten, wenn auch die früheren Gönner es nicht an Spenden fehlen ließen. Hoffentlich wird der Verein bald durch eine größere Zuwendung in der Lage sein, die Kosten der Drucklegung des diesmalig besonders reichhaltigen neuen Kataloges bestreiten zu können. Die mit jedem Jahr wachsende Benutzung der Bibliothek zeigt ja so recht, daß immer weitere Kreise in den Werken der= selben ihre geistige Nahrung suchen und gerade deshalb muß es Pflicht eines jeden sein, die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins durch den Beitritt zum Verein zu fördern und aus diesem Gesichtspuntt heraus hoffen wir, daß in dem Geschäftsjahr 1910 dem Verein größere Erfolge und Zuwendungen beschieden sein werden. * Vom Tage. Von einem seltsamen Glück wußten dieser Tage unsere Kleinen zu berichten, welche, wie immer „ dabei" waren, wo etwas los" war, denn wir Alten hätten als Stubenhocker natürlich nichts davon erfahren können. Also: die gerade ihr Stiftungsfest feiernden Studenten hatten infolge ihres jedenfalls ganz hervorragenden Magnetismus natürlich auch ihre Anziehungskraft auf unsere Kleinen wirken lassen, schade nur, daß die kleinen Gernegroße den etwas bierseligen Brüdern Studio auf ihrer Reise durch die Straßen lästig wurden und daß selbst der überzeugendste Stoßseufzer der Bierlaune die ungebetenen Gäste nicht verscheuchen konnte. Aber halt! Gift gegen Gift, nur natürlich nicht tödlich, so zuckte es plötzlich durch den nicht gerade sehr hellen Kopf des einen der Jünger der Wissen schaft. Sicherlich würde sich die große Anziehungskraft durch einen Gegenmagneten aufheben lassen. Gesagt, ge= tan! Schon in der nächsten Minute war dieser Gegen magnet in Gestalt gewisser Geldmünzen gefunden, welche in anerkennenswerter Weise sofort unseren Kleinen die Möglichkeit zur Entfernung boten. *)(* Der Zug der Zeit. Das Stadtbild in der Umgebung des Stadttheaters hat gegenwärtig ganz bedeutend durch das an dem Ausgang der Neuen Bäue und des Neuenwegs errichtete Cafe des Cafetier Rath gewonnen, das einen Kostenauswand von über 200 000 Mt. verursacht hat. Die Eröffnung der großartigen Restaurationsräume dürfte jedenfalls an dem 1. März stattfinden. * Französischer Vortrag. Donnerstag, den 24. ds. Mts., hält abends 8½ Uhr im großen Auditorium der Universität Monsieur Jules Berryer, Professor de francais, Direkteur du cercle francais de Darmstadt, einen Vortrag in französischer Sprache. Er hat drei Themen vereinigt:„ Le theatre francais a travers les ages.- Les sports antiques et modernes en France.- Voyage a travers la Belgique." Der Vortrag wir durch Lichtbilder illustriert werden. Mons. Berryer ist schon seit einigen = e= zip auch f ger den B er den G Schädigt i ten Bud Rotiz: Bei ein franzöf 12 Uhr mi por, aber d fen verbedt Später tehrt ift noch nic Augen der etwas zurü fich die Pu der Mittag pille als Dann begi wird imme unferer Lef Angaben un ** Ein seltenes Vorkommnis ist einem jungen Kaufmann dieser Tage begegnet. Als derselbe nämlich einen frischen Laib Brot anschnitt, fiel aus demselben eine größere Münze heraus. Ob dieselbe nun Eigentum des Käufers oder des Verkäufers ist, das möge anderweitig festgestellt werden. *)(* Die Geschäftsstelle der Vereinigung der Künste in Hessen und im Rheingebiet befindet sich von nun ab in Gießen. Buchdruckereibesitzer Kindt ist der Bevoll= mächtigte, während die Schriftleitung nach wie vor in den Händen des Dr. Greiner- Jugenheim liegt. p- Schlägereien. In vorletzter Nacht kam es in der Steinstraße zwischen jungen Leuten zu einer Schlägerei, wobei es blutige Köpfe gab. Auch in der Neustadt kam es dern mit einer blind geladenen Pistole( sog. Scheintod) in zu einem Streit, im Verlauf dessen ein Bursche dem anSchußmannschaft ein und wurden Anzeigen erhoben. das Gesicht schoß und ihn verletzte. In beiden Fällen schritt Aus Hessen und Nachbargebiet. * Klein- Linden. Die vor wenigen Tagen ab' gehaltene Generalversammlung des Konsum vereins ergab ein recht erfreuliches Bild von der finanziellen Lage des Vereins. Die Einnahmen sind im abgelaufenen Geschäftsjahre auf nahezu 50 000 Mt. angewachsen und die Ausgaben sind nur um ein geringes gestiegen. Da der Verein seit einem Jahre keine Schulden mehr besitzt, so konnten auch ohne Bedenken wieder 5 Prozent Dividende gewährt werden. Die Mitgliederzahl hat sich nur um 2 vermehrt. * Leihgestern. Zu der leßten Hauptversammlung des Mitteldeutschen Kaninchenzüchter- Verbandes hatten sämt liche Vereine außer Dutenhofen, Garbenheim und Waßenborn- Steinberg Delegierte gesandt. Der bisherige Vorstand wurde durch Zuruf wiedergewählt: 1. Vors. Werkführer Schmidt, Kinzenbach, 2. Vors. Gutsbesitzer K. Eckhardt, Laimbach i. Weiltal, Schriftführer Bauschreiber Weinandt, Klein- Linden und Kassierer Maurermeister Franz, Lützel linden. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß sich der Verband in den letzten Jahren start entwickelt hat. So sind wiederum drei neue Vereine gewonnen worden. Am nächsten Sonntag findet eine Agitationsversammlung in Weylar statt, in der Herr Pannecke- Klein- Linden, sowie Herr HahnWeblar sprechen werden. Die 5. Bundes- Ausst ei t ung 1910 findet am 23., 24. und 25. April d. Is. in Allendorf an der Lahn statt. Die Vorbereitungen sind getroffen. Da sich der Verband so stark entwickelt hat, wurde einem Dringlichkeitsantrag stattgegeben und der Verband in 2 Bezirke eingeteilt. Mit den Vorarbeiten sind für den ersten Bezirk Herr Hahn- Wehlar und für den zweiten Bezirk die Herren Schrader- Leihgestern und Pannecke- KleinLinden betraut. ** Die Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins zu Friedberg schreibt uns: In der leßten in Gießen unter dem Vorsitz des Grafen Oriola stattgehabten Ausschußsißung namen u. a. Geheimrat Schönfeld- Schotten und Hölzing e r- Alsfeld teil. Als Vertreter des Landwirtschaftstammer- Ausschusses für Oberhessen wohnte Herr Sekretär Schwarz bei. Nach eingehender Verhandlung des Punktes 1 der Tagesordnung:„ Ausscheiden des Kreises Büdingen aus dem Oberh. Obstbauverein", wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Ausschuß bedauert die Stellungnahme des Kreises Büdingen und die Bildung eines selbständigen Obstbauvereins im Kreise Büdingen. Er erachtet das Verhalten der Geschäftsstelle im allgemeinen für gerechtfertigt und kann in demselben keinen Grund für das schroffe Vorgehen des Kreises Büdingen erkennen. 2. Das Fortbestehen des Oberhessischen Obstbauvereins als Verein für die ganze Provinz erachtet er für dringend geboten und erflärt, daß diejenigen Mitglieder des Vereins, welche im Kreise Büdingen wohnen, nach wie vor voll bei den Veranstaltungen des Vereins berücksichtigt werden sollen. Troß der direkten Einladung war Herr Kreisrat Bo e ck= mann nicht erschienen. Alle Versammlungen und Veranstaltungen, welche vom Oberhessischen Obstbauverein ausgehen, werden in den Zeitungen unter der Flagge:„ OberHessischer Obstbauverein" veröffentlicht, worauf wir unsere gleichen Maße erfüllt waren. Etwas sprunghaftes, unreises haftete der heutigen Gesamtdarstellung an; man wolle jedes Wort, jede Gebärde, jede Stellung des einzelnen dem oben angedeuteuteten Prinzip unterordnen, und vielleicht lassen sich dabei größere Wirkungen erzielen. Die Kostüme paßten in den Rahmen des Ganzen, bis auf das der Salome, dessen übermäßiger Perlenschmuck störend war, besonders für Besucher der vorderen Reihen. Die Dekorationen, neu angefertigt, will ich anerkennen, wenn auch für mein Empfinden die große Terrasse in Herodes Palast zu sehr in die Mitte der Bühne hineinragte. Der Stimmung entsprach ganz und gar nicht der zu helle Hintergrund, der unbeSingt durch einen Nacht- Himmel ersetzt werden müßte; auch wirkte auf mein Stilgefühl die übermäßige starte Walddekoration( in dieser abendländischen Laubwaldausführung) störend. Den geringsten Wert hatte die Regie scheinbar auf Ausarbeitung und Anwendung von Licht= effekten gelegt. Das Bühnenlicht war während des ganzen Aftes viel zu hell; das Mondlicht aus der zweiten Kulisse dadurch in seiner Entfaltung und Wirkung gehemmt. Der Dichter hat nicht ohne Absicht am Schluß bemerft:„ Ein Strahl des Mondlichts beleuchtet Salome"; das ist doch nur in seinem ganzen Umfang möglich, wenn auf der Bühne ein gewisses Dunkel herrscht, das nach dem Verlöschen der Fackeln begründet ist. Aeußerst kläglich machten sich die 3 sogenannten Fackeln; oder sollte diese Sparsamkeit weise Symbolit vorstellen? glaubte man dieses Sinnenweib, die wollüstige Grausam keit!. Nicht besonders günstig fann ich den Tanz der 7 Schleier beurteilen; ich habe ihn an einem kleinen Theater von einer Schauspielerin des Ensembles reicher und ausgearbeiteter, als es hier geschah, ausgeführt gesehen. Auch schien mir das Sprunghafte, das nicht zu oft wiederholt sicherlich als Ausdrucksmittel des Wilden, Bestialischen, ge= steigert Sinnlichen berechtigt ist, die unruhige, hastige Bewegung in immer denselben abgerissenen Linien nicht besonders gerade die sonst vorteilhafte Gesamtleistung zu erhöhen. Man wird mir diese eingehende Erwähnung solcher Einzelheiten nicht falsch auslegen; vielleicht regen sie an, vielleicht nicht! das Publikum hat den Schaden oder Nußen davon! Die Rolle der Salome lag in den Händen eines Gastes: Frl. Sybil Vane's aus München, die sich vergangenen Dienstag bei dem hiesigen Publikum in den " Strandfindern" vorteilhaft eingeführt hatte. Was ihr am besten gelang an dieser schweren Rolle, waren die Ausbrüche der seruellen Dämonie, der sinnlichen, gierenden Leidenschaftlichkeit; dem lockenden Klang der Worte, dem trampshaften Blick der Augen, den sprechenden Gebärden, den schmiegsamen Biegungen und Wendungen des Körpers Worm 3. Zur Deckung des Oktroiausfalles im Betrage von 100 000 mt. ist eine Erhöhung des Preises der Theaterkarten, des Marktstandgeldes, des Schulgeldes, der höheren Töchterschule, der Schlachthausgebühren und der Fleischbeschaugebühren geplant. Diese Erhöhungen sollen rund 80 000 Mt. einbringen. Der Rest soll durch die Einnahmen aus der Besitzwechselabgabe gedeckt werden. Noch zwei andere Gestalten fesseln in gesteigertem Maße unsere Au merksamkeit, Herodes und Herodias. C. Gühne ( Herodes) brachte im allgemeinen den Charakter dieses gierenden, lüsternen Sinnenmenschen, der sich gewalttätig auf das Recht des Stärkeren stüßt, und doch feige! In den wilden, abrupten Leidenschaftsausbrüchen ging der Dar= steller wohl manchmal etwas zu weit; Herodes darf nicht brüllen, schreien, wie ein Tier, er muß rasen wie ein bald von seiner Angst, bald von seiner Sinnengier gehetzter Trunfener. In eine Konzertbesuc das nicht nicht einm Wenn der lich ungeha tes nicht la dere Konze ber eine od Säit g hungrig od meistens b * Darmstadt. Ein hiesiger Geschäftsmann hatte seinerzeit bei dem Landgericht in einem Prozeß ein Geschäftsbuch vorgelegt, in dem seine Ausstände verzeichnet waren. Troß wiederholter Reklamationen erhielt er das Buch nicht zurück, da es spurlos verschwu n- den war. Hierdurch war es ihm unmöglich geworden, die darin enthaltenen Ausstände beizutreiben, und er reichte daher Klage gegen die Behörde ein, da sie dafür haftbar sei. Dieser Klage wurde nach längeren Verhandlungen im PrinSchwach fand ich die Herodias Elly Gühnes; schwach und zu weich im Eingang; stärker dagegen und besser brachte sie den Charakter der in ihrer Rachsucht, ihrem Haß befriedigten Herodias zum Ausdruck. ich wohl übergehen; es fiel mir auf, daß Paul Urban den T- Laut am Ende des Wortes so übermäßig stark hören ließ, wie z. B.( Reklam S. 10.):„ Wer ist es denn?", „ Wie heißt er denn?"," Woher kommt er denn?"-, ſo, daß jedesmal nach dem T- Laut eine merkliche Pause eintrat. Den Jochanaan hatte noch am Nachmittag Direktor Steingoetter selbst für Ferry Daubal, der abgesagt hatte, übernommen und als Propheten, der in gehobener Sprache hehre Worte verkündet, aufgefaßt. An einigen Stellen, war das gesprochene Wort trop einer wohlklingenden Sprache und schön geformten Lautbildung nicht ganz deutlich zu verstehen. " Wenn die Regie für die nächste Aufführung auf Einzelheiten ein feineres Augenmerk haben will, so wird sicherlich der Erfolg noch größer und berechtigter sein. Den jungen Syrier, den Hauptmann der Leibgarde, spielte Karl Marx nicht ohne schwärmerische, glühende Leidenschaft für das dämonische Sinnenweib, das von seiner Macht auf alle Männer überzeugt, auch ihn lockt und verdirbt! Die anderen Rollen, die nur dann zur Geltung kommen und ihre Bedeutung im Rahmen des Ganzen erfüllen können, wenn sie sich fünstlerischen Bildern einfügen, tann *** * Der schlechte Ruf. mit„ Auf fete" ma feinen Geh Nährwert. Ein Rokokoscherz von Oskar Blumenthal. Kunst und Unkunst! Der etwas leichte, geistreichelnde Scherz des bekannten Autors in bekannten guten Reim- Versen, unterhält, amüsiert. Hervorheben muß ich das prächtige Spiel Edgar Paulys( Chevalier de Longueville; in Thoma's Moral erscheint eine Madame de Hauteville!); nicht minder gut waren 2 ore Scholz( Heraldine Brochard) und Fränzi Koch( Gräfin Robinot). Der ungeübte Liebhaber Henri von Brieur, der plötzlich durch seinen Sheim in den Ruf eines„ Don Juans" fommt, um die Frauen zu gewinnen, fährt dabei sehr unglücklich; er verabredet zwar drei Stelldichein und zieht sich in der ersten Sonne des schlechten Ruses schon zwei Duelle zu. Doch die gefährliche Situation löst sich in Wohlgefallen auf, er wird das Einmaleins der Liebe bei der Gräfin Robinot erlernen. Karl Marx gab diese Rolle, Rudolf Gu= nolt den Marquis d'Orlimont, Erna Güldener die Marquise und Karl Volck den Labourdonnais. Nicht vergessen will ich die schönen Rototofstüme. Das sehr gut besuchte Haus spendete nach jedem Stück reichen Beifall. Ich will es nicht versäumen, an dieser Stelle noch= mals auf das neue Lustspiel Hermann Bahrs„ Das K on3er t" hinzuweisen, das noch im Monat März zur Aufführung gelangen soll; ich tue es jetzt schon, da ich leider darauf verzichten muß, bei der Aufführung zugegen zu sein. Hermann Franz Oktavio. Für follen auf geben wer a) die L 10 000 b) die Li 3. C 7. Gi Schr tüche 16.2 c) die 2 für die d) die grub 322 Die dem Ver bon 3-5 Ang schrift ber Gamete einzureichen Prob neten Ge Bufd öffnungst Bi Gr. Sp Unentgelt Ausgabe und thre + Die bet Lag un H ohne Fede Gerotchalter Beftellunger Gonntag, d Spez: Frie Stuttgart, + tele i aus Tembung bes billiges und nem langmie rung ulo.) lichen Aur tar. Unn nders auf4 hat in Stlasse des mit der er diesem Anfe it, ver Die statt heinen ihr ng. Von 1900", der Fußballturnverein ir die Unflott ge Vorträgen lgemeinen Rajen olgte der genstunden Mannschaft Frant Inzahl von ten das es, als en, denn zeiten noch 4 Schluß des ter Nach== it einem elbe näm demselben entum des nderweitig tam es in Schlägerei, of tam eg dem anintod) in ( len schritt en. et. agen ab' = reins len Lage nen Ge und die der Verso konn ende ge12 bermmlung ten sämt WaßenVorstand Serfführer Edhardt, Weinandt, Lübel= sich der So sind Am näch Weylar rr Hahnsitelt .Is. in n sind ge hat, wurde Verband in für den eiten Bede- Kleinalles im Preises hulgeldes, n und der en sollen h die Einn. nann hatte ein Geände vern erhielt ch w unrden, die eichte daftbar sei. im Prin Urban start hören denn?" 2", 10, aufe ein auf Einvird sicherhal. treichelnde heim- Veras präch igueville; iteville!); dine Bro Der unurch seinen , um die ich; er ver der ersten Doch die f, er wird obinot erdolf Gu= ener die ſtüme. edem Stück elle noch= as Konzur Aufich leider gen zu sein. Ottavio. zip auch stattgegeben; man einigte sich dahin, daß der Kläger den Betrag von 400 Mt. als Schadenersah erhält, wenn er den Eid leistet, daß er tatsächlich um diesen Betrag geschädigt ist. Literarisches. Das Kabenauge als Uhr. Dem befannten Buch für Alle" entnehmen wir folgende interessante Notiz: Bei einer Reise durch das innere China fragte jüngst ein französischer Forscher einen Chinesen, ob es noch nicht 12 Uhr mittags sei. Der Chinese blickte zum Himmel empor, aber die Sonne war an diesem Tage durch dichte Wolten verdedt. Er eilte darauf fort, und wenige Augenblicke später tehrte er zurück; im Arme hielt er eine Staße.„ Es ist noch nicht Mittag", meinte er und wies dabei auf die Augen der Katze, indem er die Wimpern mit den Fingern etwas zurückschob,„ überzeugen Sie sich". In der Tat zieht fich die Pupille der Kaße immer mehr zusammen, je näher der Mittag kommt; genau um 12 Uhr steht dann die Pupille als ganz feiner, dünner Strich sentrecht im Auge. und Dann beginnt sich die Pupille wieder zu erweitern wird immer breiter, je näher der Abend heranrückt. Jeder unserer Leser, in dessen Hause eine Kabe ist, kann diese Angaben unschwer auf ihre Richtigkeit nachprüfen. Oeffentlicher Sprechsaal. Eingesand t. In einer früheren Nummer des„ G. Anz." rügt ein Konzertbesucher das vorzeitige Verlassen des Konzerts und das nicht mit Unrecht, denn es können oft Zuhörer noch nicht einmal aufeinanderfolgende Darbietungen abwarten. Wenn der Einsender sich aber betroffen fühlt, darüber öffentlich ungehalten zu sein, daß nach Schluß des Konzertes nicht lange genug gewartet wird, so werden viele andere Konzertbesucher doch anderer Meinung sein. Warum der eine oder andere zu gehen eilt, kann nur der Betref= Säuglinge sollen nur schreien, wenn sie hungrig oder naß sind. Anhaltendes Schreien findet sich meistens bei Stuhlverstopfung, welche durch die Ernährung mit" Stufete" mit oder ohne Milch verhütet wird." Ku fete" macht die Milch leichter verdaulich und erhöht durch seinen Gehalt von Mineral- und Eiweißstoffen auch ihren Nährwert. Vergebung. = fende selbst und nicht ein Dritter beurteilen, der keine Ahnung hat, welcher Beweggrund vorliegt, ob zur Eile eine persönliche Veranlassung vorhanden ist oder nicht- An die schwerfälligen Garderobe- Verhältnisse hat man sich ja schon gewöhnt, aber warum versucht man nicht, solche zu ändern? Wenn nach Ende des Konzertes Dubende dem Ausgange zueilen, so waren diese vielleicht nicht so von den Darbiet ungen ergriffen, als Diejenigen, welche ihre Dankbarkeit zum Ausdruck geben. Das Neueste vom Tag. Bulgarische Kriegsbereitungen. -aDem„ New- York Herald" wurde ein Brief eines bulgarischen Offiziers in Dubnißa an einen österreichischen Kavallerie- Offizier übermittelt. Nach diesem Brief liegen zirka 40 000 bulgarische Soldaten in Dubnißa und Küstendiel, drei Stunden von der türkischen Grenze entfernt, die eine starte Gebirgs- Artillerie und schwere Feldgeschüße besitzen. Ein Generalstabsbureau ist in Dubnißa eingerichtet wor den, das mit dem Kriegsministerium in Sofia sich in steter Verbindung hält. Zahlreiche, den besseren Familien angehörende junge Männer sind bei ihren Regimentern eingetroffen. Die Einberufung der Truppen hat unter der ganzen Bevölkerung lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Das charakteristische Zeichen der augenblicklichen Situation ist, daß die Beförderung gewöhnlicher Reisenden zwischen Ra domir und Küstendiel eingestellt ist; ausgenommen für die jenigen, die einen besonderen Passagierschein besitzen. Die Bahnlinie ist lediglich für strategische Zwecke reserviert. Es scheint, daß nur ein Wunder den Krieg aufhalten kann. h- Berlin, 22. Febr. Die Blätter widmen dem Abgeordneten Bebel anläßlich seines heutigen 70. Geburts= tages sympatische Artikel. Verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Die beste Tasse Thee wird zubereitet von Dr. Wegener's Thee, und vor dem Schlafengehen getrunken. Dadurch erhält man gute Verdauung und guten Stuhlgang, das Blut wird gereinigt und der | Schlaf wird ein gesunder sein. Preis Mart 1.50 das Pacet, in allen Apotheken zu haben, wo nicht, wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 55. Französischer Vortrag. Für die Gr. chirurgische Univ. Klinik in Gießen sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung ber- Im grossen Hörsaal der Universität( II. Stock) abends 812 geben werden: für das Rechnungsjahr 1910 a) die Lieferung von ca. 500 3tr. Nußkohlen und 10 000-12 000 3tr. Hüttenkofs; Monsieur Jules Berryer, Professeur de Français, Crecteur du cercle français de Darmstadt: - Les Le théatre français à travers les âges. sports antiques et modernes en France. Voyage à travers la Belgique. b) die Lieferung von 1. Backwaren, 2. Fleischwaren, 3. Spezereiwaren, 4. Kaffee, 5. Milch, 6. Butter,( Diese an einem Abend behandelten Themen werden durch zahl7. Gier, 8. Bier, 9. Verbrauchsgegenständen, 10. Schreibmaterialien, 11. Bürstenwaren, 12. Scheuertücher, 13. Seife, 14. Soda, 15. Bohnerwichse, 16. Porzellan- und Glaswaren und 17. Ets; c) die Abgabe von Knochen, Lumpen und Gespül; für die Rechnungsjahre 1910, 1911 und 1912. d) die Fensterreinigung und das Entleeren der Mülgruben. reiche Lichtbilder illustriert). Donnerstag, den 24. Februar. Karten zu Mk. 1.50, Schüler und Studierende Mk. 1.-. Alle Karten sind i. d. Ricker'schen Buchhandlung( E. Leger) erhältl. Reform- Pflanzen- Butter Marte ,, Sanitas" Die Bedingungen liegen vom 24. d. Mts. ab auf Molkerei- Butter- Ersatz dem Verwaltungsbureau an den Wochentagen nachm. bon 3-5 Uhr offen. Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermine Samstag, den 12. März 1910, vorm. 11 Uhr einzureichen. Proben der unter a und b 3, 4, 8 u. 16 bezeichneten Gegenständen sind den Angeboten beizufügen. Zuschlag erfolgt innerhalb 14 Tagen nach dem Eröffnungstermine. Gießen, den 21. Februar 1910. Gr. Direktion der chirurgischen Univ.- Klinik. Poppert. Fürsorgestelle f. Lungenkranke ( Medizinische Klinit, Klinikstraße) Sprechstunde: Jeden Mittwoch Abend 5-7 Uhr. Unentgeltliche Untersuchung von Lungenkranken und Angehörigen von Lungenfcanfen. Ausgabe von Attesten für Aufnahme in Heilstätten. Ratschläge für Kranke Preis: 1 Pfd. 88 Pf 3" 260" Neuenweg Reformhaus Giessen ähe kreuzplatz Pilo Probieren Sie Pilo und Sie werden finden, dass es die beste Schubcrême ist, die existiert. Grosse Ersparnis!! Feinste Molkerei- Butter kostet t. 1,50 Sanitas Pflanzen- Butter kostet Mt.-.88 bester Molkerei- Butter- Ersaß. Sie ersparen also an 1 Pfund Mt.-. 62 zu haben: und ihre Angehörigen zur Vermeidung von Ansteckung. Reformhaus Neuenweg Nähe Kreuzplatz + Bruchleidende! Voit. 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M.( Alt) Herr Leo Gollanin aus Berlin( Tenor) Herr Alfred Stephani, Hofopernsänger aus Darmstadt( Bass) Der akademische Gesangverein Das verstärkte Konzertorchester des Palmengartens zu Frankfurt a. M. Leitung: Herr Prof. G. Trautmann. PROGRAMM: 1. Zweite Symphonie in D- dur, op. 73( comp. 1877) Johs. Brahms 2. Neunte Symphonie in D- moll L. van Beethoven mit Schlusschor über Schillers ,, Ode an die Freude" Eintrittskarten: I. Platz Mk. 5,-, II. Platz Mk. 4,-, III. Platz Mk. 3 ,, IV. Platz Mk. 2,50 Studentenkarten Mk. 1,-. Kl. Partitur- Ausgaben sind in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier( Rudolphs Nachf.), Telephon Nr. 671, für Studierende auch ( bei Herrn Husverwalter Ritter und abends an der Kasse zu haben. Zur Hauptprobe Mk. 1.50 für Mitglieder Mk. 1.-), Schülerkarten Mk. 0,50. Oeffnung des Theaters nachmittags 23 Uhr bezw. 534 Uhr. Hansa- Bund Ortsgruppe für den Kreis Giessen. Montag, den 28. Februar 1910, abends 8½½ Uhr in Steins Saalbau Öffentliche Versammlung Eintritt frei! Freie Aussprache. Dienstag, d. 22. Febr. 1910 Abends 8 Uhr. 16. Dienstag- AbonnementsVorstellung Saftspiel von Frl. Sybil Bane von München. ,, Salome" Drama in 1 Aufzug von Oskar Wilde. Sterauf , Der schlechte Ruf Ein Rokokoscherz von Oskar Blumenthal. Anfang 8 Uhr. Ende geg. 11 Uh Mittwoch, den 23 Febr. 1910 Anfang 7 Uhr. 16 Mittwoch- Abonn.- Vorstellung Novität! Mit neuer Ausstattung. Strandkinder : Ein Schauspiel in 4 Aften von Hermann Sudermann. Anfang 7 Uhr. Ende 10 Uhr. iffel -Waschmaschine Referent: Herr Handelskammersyndikus Dr. Mollat- Siegen. Wongw Der Hansabund in seiner Bedeutung für Deutschlands Gewerbe, Handel und Industrie. Jedermann ist freundlich eingeladen. Auch Damen sind willkommen. Der Vorstand. ist die Beste! Probe- Maschine auf Wunsch bei: J. B. Häuser, Neustadt 56. Rodheimer Str. 42. uche mehrere Mädchen für hier und auswärts. Frau Dülfer, Neustadt 50. 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