Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mt., durch die Post - - - 1,50 Mt. frei ins Haus. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Zwei Extrabeilagen: „ Humoristische Blätter" und die Neue Lesehalle", Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362. Nr. 85. Bekanntmachung. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein). Dienstag, 21. tuni 1910 ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362. Amtliche Bekanntmachungen. Die Grundbesitzer der Gemarkungen Langsdorf u. Heuchelheim werden benachrichtigt, daß das infolge der Parzellenvermessung neu errichtete topographische Güterverzeichnis nebst den Barzellenfarten( in Heuchelheim nur bezüg lich der Fluren 16-21) auf dem Gemeindehause in Langsborf bezw. in Heuchelheim offengelegt worden ist. Die Gütergeschosse oder Zusammenstellungen derjenigen Besitzungen, welche einem und demselben Besizer zugeschrieben sind, werden unter die Interessenten ausgeteilt, welche man hierdurch einladet, ihre Bemerkungen innerhalb der vorgeschriebenen Frist von 6 Wochen abzugeben. Die Pächter oder sonstigen Geschäftsträger derjenigen Grundbesiter, welche nicht in der Gemeinde wohnen, werden besonders aufgefordert, letzteren von der Offenlegung obiger Aftenstücke Nachricht zu geben oder im Namen derselben nötigenfalls die Bemerkungen selbst zu machen. Die Offenlegungsfrist von 6 Wochen geht für Langs= dorf mit dem 23. Juli und für Heuchelheim mit dem 27. Juli d. Is. zu Ende. Nach deren Ablauf werden keine Reffomationen mehr angenommen. Gießen, den 18. Juni 1910. Großh. Bürgermeisterei Gießen J. V.: Keller. Bekanntmachung Der bisherige Ottroi- Inspektor Ludwig Mäser ift zum Stadtrechner ernannt und verpflichtet wor den. Er hat seinen Dienst heute angetreten. Gießen, den 16. Juni 1910. Großherzogliche Bürgermeisterei. J. V.: Keller. Das Gemeindeft uerges.h. Die neuen Gejebesbestimmungen über die Gemeindeumlagen lauten in der Fassung, in der sie aus den Beratungen des Ersten Ausschusses hervorgegangen sind, folgen dermaßen: Der Steuer vom Grundbesiß sind in einer Gemeinde unterworfen: 1. Die in der Gemarkung der Gemeinde gelegenen Grundstücke und Ge bäude nebst demjenigen, was als ihr Zubehör im Sinne der darauf bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen anzusehen ist; 2. das Bergwerkseigentum an in der Gemarkung der Gemeinde gelegenen Grundstücken; 3. Jagd- und Fischereirechte im Gebiete der Gemeindegemarkung und Rechte auf Ortsbürgernutzungen; 4. die Rechte, mit denen in der Gemarkung der Gemeinde gelegene Grundstücke oder Gebäude belastet sind, mit Ausnahme der Hypotheken, Grund- und Mentenschulden, sowie derjenigen Rechte, die mit dem Eigentum an einem Grundstücke oder Gebäude verbunden sind. Das Recht einer Gemeinde zur Besteuerung von Grund= ftücken, welche katastermäßig zur Gemarkung einer anderen Gemeinde gehören, ist auf Antrag der bezugsberechtigten Gemeinde abzulösen. Die Ablösungssumme besteht in dem 20fachen des nach den Vorschriften dieses Gesetzes im Jahre der Ablösung zu entrichtenden Grundsteuerbetrages. Gemeinde, in deren Gemarkung einzelne gemeindesteuerfreie Grundstücke des Staates, des Großherzoglichen Hauses, oder einer anderen Gemeinde liegen, kann diese Gemeindesteuerfreiheit im Wege der Ablösung aufheben. Die Abläsung besteht in dem 20fachen des Grundsteuerbetrages, den der Grundeigentümer im Durchschnitt der letzten drei Jahre vor dem Jahre der Ablösung nach dem tatsächlichen Gemeindeumlagenausschlag als Gemeindesteuer zu entrichten gehabt hätte, wenn die Steuerfreiheit nicht bestanden hätte. Der Grundsteuer unterliegen nicht: 1. die zu Zwecken der Hofhaltung benüßten Schlösser und Paläste des Großherzogs und die dazu gehörigen Gebäude, Gärten und Anlagen, sowie das Hoftheater; 2. die für beide Kammern der Landstände bestimmten Gebäude Eine und die dazu gehörigen Gärten und Anlagen; 3. die einem fremden Staate gehörigen Grundstücke, auf denen Gesandtschaftsgebäude errichtet sind, sofern von dem fremden Staate Gegenseitigkeit geübt wird; 4. die Grundstücke und Gebäude, die im Eigentum des Staates, der hessischen Provinzen, Kreise, Gemeinden, der evangelischen und fatholischen Kirche, sowie der rechtsfähigen Religionsgesellschaften stehen. 5. Grundstücke und Gebäude, die unmittelbar militärischen Zweden dienen und im Eigentum des Reiches oder des Stoates stehen mit Ausnahme der Grundstücke und Gebäude für Militärtafinos, Militärtantinen,-Bäckereien, Konservenfabriten und ähnliche gewerbeartige Betriebe, Proviant und Bekleidungsämter. 8. Die Gebäude die zur Unterbringung des lebenden oder toten Inventars oder rohen Erzeugnisse einem landwirtschaftlichen Betriebe( einschließlich der Viehzucht, des Wein, Obst- und Gartenbaues) dienen. 7. Die bem öffentlichen Verkehr dienenden Straßen und Wege, wie Die öffentlichen Plätze und Anlagen, die Flüsse mit den zugehörigen Leinpfaden, die öffentlichen Bäche und die öffentLichen künstlichen Gewässer. Die durch besondere Gesetze und Verordnungen bewilligten Steuerfreiheiten bleiben in Kraft. Die Grundsteuer wird nach dem gemeinen Werte Der einzelnen ihr unterliegenden Gegenstände und Rechte erBekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Hammstraße zwischen den Unterführungen an der Westanlage und an der Neustadt von heute an bis auf weiteres für jeglichen Fuhrwerks- und Radjahrverkehr gesperrt. Gießen, den 17. Juni 1910. Großherzogliches Polizeiamt. J. V.: Pfeffer. Kirschenversteigerung. Samstag, den 25. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, wird die Kirschenernte von den Bäumen auf dem Trieb in terschiedenen Losen meistbietend versteigert. Zusammenfunft auf der Kaiserallee bei der Wirtschaft " Zur Germania". Gießen, den 20. Juni 1910. Großh. Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Keller. Befanutmachung. Am Donnerstag, den 23. d. Mts., ist das Kabei von 4 Uhr bis 10 Uhr vormittags in der Johannes= straße, Neuenweg, Neuenbäue, Diezstraße und Erlengasse ausgeschaltet und die Stromlieferung unterbrochen, was wir den anliegenden Konsumenten hiermit zur Kenntnis bringen. Gießen, den 20. Juni 1910. Elektrizitätswert u. Straßenbahn der Stadt Gießen. J. V.: Dipl.- Ing. Schmit. Bekanntmachung. Aus der Ebel stiftung ist zur Bekleidung armer Kinder zu vergeben die Lieferung von: Betrag des Jahres- Reinertrages, der bei normaler forst mäßiger Wirtschaft von ihnen zu ziehen ist. Dieser Reinertrag wird in der Weise festgestellt, daß die jährlichen w.rtschaftskosten von dem Wert des Jahres- Rohertrages an den gegebenen Standortsverhältnissen und Holzarten für die Haupt- und Nebennüßungen abgezogen werden, wie er bei übliche Betriebsweise und Umtriebszeit unter Annahme normaler forstmäßiger Wirtschaft zu erzielen ist. Dabei sind die Werte für die in Betracht kommenden Holzsortimente aus den Durchschnittserlösen der letzten 5 Jahre abzuleiten. Der Vermögenswert von Jagd- und Fischereirechten ist be sonders in Anschlag zu bringen. Für Grundstücke, die dauernd landwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind, pflichtige Besteuerung nach einem Mittelwert von Ertragseinschließlich der zugehörigen Gebäude kann der Steuer= und gemeinem Wert verlangen, wenn er nachweist, daß der gesamte Ertragswert seiner steuerpflichtigen Grundstücke und Gebäude der vorgenannten Art von deren gesamtem ge= meinem Werte erheblich abweicht. Eine erhebliche Abweichung liegt dann vor, wenn der Ertragswert weniger als die Hälfte des veranlagten gemeinen Wertes beträgt. Als Ertragswert gilt der 33eindrittelsache Betrag des Jahresreinerirages, den die Grundstücke nach ihrer bisherigen wirtschaftlichen Bestimmung bei ordnungsmäßiger Bewirtschaftung nachhaltig gewähren können. Auf unbebaute Grund= stücke, die innerhalb des genehmigten Ortsbauplanes liegen, finden ungeachtet ihrer Zweckbestimmung die vorstehenden Vorschriften feine Anwendung. Ein Abzug von Schulden oder sonstigen persönlichen Lasten findet nicht statt. * Das neue Grundsteuer- Gesetz gab dem hess. Landesverband des Hansabundes zu folgender Erklärung Veranlassung: Der Landesverband Hessen des Hansabundes entnimmt mit Bedauern dem Bericht des Ersten Ausschusses der Zweiten Kammer der Landstände über den Gesezentwurf betr. die Gemeindeumlagen, daß die Großh. Regierung erflärt hat, einem Beschlusse des Landtages, durch welchen die landwirtschaftlichen Dekonomiegebäude von der Grundsteuer freigelassen werden, ihre Zustimmung nicht zu versagen. Er muß dieser von dem Landtagsausschuß inzwischen beschlossenen, einseitigen und unberechtigten Bevorzugung der Landwirtschaft umsomehr auf das Ent= schiedenste widersprechen, als einerseits die Landwirtschaft durch die seitherige Art der Besteuerung, die gesteigerten Erträge unberücksichtigt ließ, bereits wesentlich bevorzugt war, und als andererseits die Gründe, welche für die Freilassung der Defonomiegebäude von der Grundsteuer angeführt werden, auch bei zahlreichen Gebäuden von Handel, Gewerbe und Industrie vorliegen, weshalb nicht einzusehen ist, daß in solchen Fällen nur die Landwirt schaft steuerfrei ausgehen, Handel, Gewerbe und Industrie aber besteuert werden sollen. Der Landesverband des Hansabundes erwartet daher, daß der der Gleichberechtigung aller Erw! rbsstände nicht entsprechende Beschluß des Ersten Ausschusses der Zweiten Ständekammer bei der weiteren gesetzgeberischen Behandlung vom Landtage und der Großherzoglichen Staatsregierung wieder aufgehoben wird. Zur Stichwahl 21. Jahrg. 1. etwa 20 Anzügen aus fräftigem Stoff( Joppe und Hose), 2. 60-80 Meter Stoff zu Winterkleidern für Mädchen, 3. 70-80 Meter Baumwollflanell zu Hemden, 4. 50-60 Meter wollene Lama zu Unterröcken und die Anfertigung der Mädchenkleider, Knaben- u. Mädchenhemden und Unterröde. Angebote, mit der Aufschrift" Ebelstiftung", die die Firma nicht erkennen lassen dürfen, sind bis 30. Juni ds. Is. bei dem städt. Armenamt, Asterweg 9, einzureichen, wo auch Stoffmuster eingesehen werden können. Gießen, den 13. Juni 1910. Die Armendeputation der Stadt Gießen. Keller. Bekanntmachung. Aus der PI oc'schen Stiftung ist eine lebenslängliche Pfründe zu vergeben, die zur Bestreitung der Kosten der Verpflegung eines geborenen Gießeners oder einer geborenen Gießenerin als Pründner in der ProvinzialSiechenanstalt zu verwenden ist. Meldungen nimmt das Städt. Armenamt bis 1. Juli 1910 entgegen. Gießen, den 10. Juni 1910. Die Armendeputation der Stadt Gießen. Keller. Bekanntmachung. Anmeldungen zum Bezuge von Kleidungsstücken für arme Kinder aus der Ebel stiftung werden auf dem Städt. Armenamt, Asterweg 9, bis 30. d. Mts. entgegengenommen. Gießen, den 13. Juni 1910. Die Armendeputation der Stadt Gießen. Keller. in den Reichstag zu bringen. Es liegen folgende Meld= ungen über in den letzten Tagen stattgefundene Wahlversammlungen vor: Münster. Unter dem Vorsitz von Lehrer Roddewig lichen Wähler statt, in der Lehrer Dern aus Isenburg die fand am Samstag hier eine Wahlversammlung der bürgerGründe darlegte, warum jetzt im Endtampfe alle wahrhaft national gesinnten Wähler sich auf die Kandidatur des Herrn Dr. von Helmolt zu vereinigen hätten. Die gut besuchte Versammlung zollte dem Redner für seine Ausführungen reichen Beifall. Nach Herrn Dern sprach Herr Reuther im selben Sinne. Gambach. Vor einer recht zahlreichen Zuhörerschaft sprach in einer unter freiem Himmel abgehaltenen Versammlung am Sonntag Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter Adelung aus Mainz über die Reichstagsstichwahl. Dortelweil. Hier fand eine sehr gut besuchte Versammlung statt, in welcher unter dem Vorsitze des Herrn A. Hensel die Herren Dr. von Helmolt, Hirschel u. Wolff sprachen, die die Zuhörer ermahnten, bei der Stichwahl un ter nationalliberalem Banner den gemeinsamen Feind, die Sozialdemokratie, zu bekämpfen. Rendel. Dr. Becker- Sprendlingen hielt hier im Saale von Leonhardt eine von etwa 100 Personen besuchte Versammlung ab. Der Redner wußte mit begeisterten Wor ten die Zuhörer zu entflammen, sie zu bestimmen, bei der Stichwahl zusammen zu stehen und den Kandidat der Mittelstandsparteien Dr. von Helmolt zu wählen. Nach ihm sprach der Kandidat Dr. von Helmolt, um seinen Stand zur Hauptwahl und Stichwahl zu erklären. Buzzbach. Heute abend findet hier eine Versammlung aller bürgerlichen Parteien statt, in welcher der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Becker- Sprendlingen für die Kandidatur von Helmolt eintreten wird. Parlamentarisches aus Hessen. Der Sonderausschuß für die Verwaltungsgesebrevision sette am Freitag die Beratung über die Landgemeindeord= nung fort und erledigte eine weitere Anzahl Artikel dieses Geseßentwuefes. Die Sibung war jedoch nur von furzer Dauer und der Ausschuß behielt sich bei den wichtigeren Punkten, wie der Bildung von Ausschussen in den Landgemeinden und den Anstellungs- und Besoldungsverhält= nissen der Gemeindebeamten die Entscheidung vor. Die nächste Sigung des Ausschusses ist wegen des morgen erfolgenden Zusammentritts des Kammerplenums noch un bestimmt. Der Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kammer sollte gleichfalls an demselben Tage zusammentreten, um die Beratung der Wahlkreiseinteilung zu beginnen. Da jedoch in letter Stunde noch mehrere neue Anträge hierzu eingegangen waren, wurde beschlossen, erst Ende nächster Woche in Sie Beratung der Wahltreiseinteilung einzutreten. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer war ebenfalls am Freitag vormittag zu einer Sigung zusammen, an welcher auch als Regierungsvertreter die Herren Finanzminister Braun und Geheimrat Dr. Beder teilnahmen. Ga wurde zunächst der Bericht des Abg. Dr. Osann über die von der Regierung vorgeschlagene Abänderung des Für-= Der Ausschuß nahm dann zwei besondere Mitteilungen des Finanzministers entgegen. Die eine betrifft die rechtzeitige Erledigung des Staatsbudgets. Die Regierung gedenft, die einzelnen Teile des Staatsvoranschlags, die schon frühzeitig fertiggestellt werden können, wie Justizetat 2c. von jetzt ab hoben, wie er für die staatliche Vermögenssteuer nach den in dem Wahlkreis Friedberg- Büdingen. forgetaſſengesetzes verlesen und genehmigt. für diese geltenden Vorschriften festgestellt wird oder festzutellen wäre, wenn diese Gegenstände und Rechte der staatlüchen Vermögenssteuer unterliegen würden. Als gemeiner Wert von Grundstücken, die wesentlich der Holzgewinnung dienen und unter Forstschuß stehen, gilt der 33eindrittelfache Die bevorstehende Reichstagsstichwahl hat den Wahl= fampf von neuem entbrennen lassen. Beide in betracht kom mende Gruppen, die bürgerlichen Parteien und die Sozial demokraten, bieten ihr Möglichstes auf, ihren Kandidaten der Unh Aber die Don arvid bereits mit heimlichem Erfindung, die er dereinst auf technischem Geerwartete Schneider oder biet er wollte Ingenieur werden zu machen Die Alte. Zweiten Kammer schon früher, als seither, zur Beratung vorzulegen, dagegen andere Teile, wie den Eisenbahnetat, erst etwa Ende Dezember einzubringen, wenn das voraussichtliche Ergebnis für das neue Etatsjahr besser überblickt werden kann. Bekanntlich war das Erträgnis der Staatseisenbahnen im vorigen Etat nur auf 12 Millionen Mark eingeschätzt worden, während es in Wirklichkeit sich aus weit über 13 Millionen beziffern wird. Der Finanzminister teilte ferner mit, daß zur Bewältigung der wachsenden Steuergeschäfte ein weiterer vortragender Rat notwendig geworSen ist; die Regierung beabsichtigt jedoch, dafür keine neue Kraft einzustellen, sondern eine Ratsstelle in der Forstabteilung zu streichen und dafür einen weiteren vortragenden Rat für die Steuerabteilung zu berufen. Rosevelts Heimkehr. Roosevelt ist am Samstag unter stürmischen Ovationen einer großen Menschenmenge aus allen Staaten Amerikas an Bord der„ Kaiserin Augusta Viktoria" in der Quaran= tänestation am" Hudson eingetroffen. Er ging an Bord eines Zolliutters, begrüßt von Sirenensignalen sämtlicher Schiffe. Eine große Menge Fahrzeuge mit verschiedenen Korporationen folgten. Am Batterypart, wo Roosevelt landete, war eine Tribüne errichtet, auf der sich 2500 geladene Gäste, Mitglieder des Kabinetts, Bundessenatoren, Kongreßmitglieder, Mitglieder des diplomatischen Korps in Washington, Gouverneure verschiedener Staaten, Bürgermeister verschiedener Städte und andere im öffentlichen Leben bekannte Persönlichkeiten, befanden. Bürgermeister Gaynor hielt eine offizielle Begrüßungsansprache, auf die Roosevelt erwiderte. Namens des Präsidenten Taft wurde Roosevelt von dessen Adjutanten, Kapitän Butt, dem Marinesekretär Meyer und dem Sekretär des Ackerbaudepartements Wilson bewillkommnet. Alsdann fuhr er, begleitet von einer 300 Mann starten Abteilung seiner alten Raugreiter, über den festlich ge= schmückten Broadway nach dem Zentralpart, wobei er von zahlreichen Organisationen, der Vereinigung der Veteranen des spanisch- amerikanischen Krieges und einer unabsehbaren Voltsmenge stürmisch begrüßt wurde. Lokales. Gießen, 21. Juni 1910. tt' Stadttheater. In der heutigen Aufführung der bekannten Operette„ Der Vogelhändler" wirken sämtliche ersten Operettenkräfte, wie die Damen Brill und Roſarita, sowie die Herren Seybold und Wernert mit. Die Regie liegt in den bewährten Händen des Herrn Norden und es darf nach allen Vorbereitungen wiederum eine sehr hübsche, abgerundete Vorstellung erwartet werden. * Kriegerverein. Auf dem am 3. Juli in Londorf stattfindenden Fest des Kriegervereinsbezirk Gießen werden ungefähr 40 Vereine vertreten sein. Die Eisen= bahn- Verwaltung hat zur Bewältigung des auf der Strecke Gießen Lollar- Londorf zu erwartenden starken Verkehrs zwei Sonderzüge eingelegt. ton sind 1897-1906 nur 8,2. Die wesentliche Verteuerung der Le-| benshaltung in der letzten Zeit scheint nicht zuletzt manchen heiratsfähigen Mann von dem Entschluß, eine Ehe einzugehen, zurückgehalten zu haben. * Den Einjährig Freiwilligen ist es in Zukunft nicht mehr erlaubt, sich während des Aufent= haltes ihrer Truppenteile auf den Uebungspläßen in benach barten Gasthäusern oder in Privathäusern auf eigene Kosten einzumieten. Sie werden, wie das bisher schon bei den meisten Fußtruppen der Fall war, mit den übrigen Mannschaften zusammen in Baracken und Zelten untergebracht werden. Die Anordnung soll auf eine Kaiserliche Willensäußerung zurückzuführen sein, da der Kaiser den von den Einjährigen betriebenen Lurus aufs nachdrücklichste eingeschränkt wissen will. Baugenossenschaft des ev. Arbeitervereins. Am vergangenen Samstag hatte die Baugenossenschaft des ev. Arbeitervereins ihre Mitglieder in die Herberge zur Heimat zu ihrer diesjährigen Generalversammlung eingeladen. Vorlage der Bilanz und Jahres- Rechnung pro 1909, Rechenschaftsbericht, Bebauung des Geländes am" Erdkauterweg und Neuwahlen in den Vorstand und Aufsichtsrat standen u. a. auf der Tagesordnung. Die Mitglieder waren recht zahlreich erschienen, wie es bei einer so wichtigen Tagesordnung gar nicht anders zu erwarten war. Be= 8. Odenhausen 30,26 P., 9. Annerod 30,16 P., 10. Oden hausen 29,32 P., 11. Launsbach Zöglinge 29,03 P., 122. Redheim 27,96 P., 13. Annerod Zöglinge 25,84 P., 14. Garbenteich 25,53 P., 15. Allendorf 22,84 P., 16. Dorlar 22 P., 17. Daubringen 21,24 P. Abends 7 Uhr nahm Bundesvorsitzender Daubert- Wieseck die Preisverteilung vor und ermahnte die stattliche Turnerschar( ießt 24 Vereine mit 1700 Mitgliedern) rastlos weiterzustreben und einzig und allein die edle Turnsache im Auge zu behalten. Am letzten Julisonntag gehts zur Bundesturnfahrt nach Launsbach und für den September ist ein Bergturnen, wahrscheinlich aus dem Schiffenberg, geplant. Das nächstjährige 6. BundesTurnfest wurde dem Turnverein Aßbach übertragen. * Nieder- Weisel. In der hiesigen Komthurfirche wurde wiederum die alljährliche Kapitelsübung der Johanniter- Ritter aus Hessen und Hessen- Nassau unter dem Vorsitze des Grafen Görß- Schlitz abgehalten. Etwa 25 Herren nahmen daran teil. Später fand gemeinsames Mittagessen im Hotel„ Hessischer Hof" in Bußbach statt. Be= tanntlich war zu der vorjährigen Versammlung Prinz Eitel Friedrich von Preußen erschienen. * Frankfurt a. M. Der Deutsche Fliegerbund plant einen Ueberlandflug Frankfurt a. M.- Mainz- Wiesbaden- Mannheim, der mit 50 000 Mt. an Geldpreisen dotiert und nur deutschen Fliegern zugänglich sein soll. * Friedberg. Hier wurden 2 Bäcker und ein Schlosser verhaftet, die vor kurzer Zeit in Ansbach einen Einbruchsdiebstahl ausgeführt hatten, wobei ihnen Staatspapiere in die Hände fielen; als sie die Kupons umzuwechseln versuchten, wurden sie von der Polizei in Gewahrsam genommen. )( 2 wann R ter- Renne Zehlendo um den wie Sch hervor. )( tag in ren. 3 Beide fo fich Nat Die Schweiz überall 3 der Lage die das Von lichen H Lechbrüc gelände riffen. weggespi ungsort Sämtliche in Augs Innern für die hat wied ftchen in Spaß mo an den und Tijd ge= hat die trizitätsm die Waff und alle นก jen war. einen Abf jer schw jest wie biet tan gelten, Bis unteren der Stad ten in B größten Hilfstomi gewählt geben, d schwemm * Weilburg. Bekanntlich wurde der Polizeihund „ Greif" anläßlich des Mordes bei Obershausen nach dem Tatort gesandt. Ueber das Verhalten des Hundes gibt ein Augenzeuge nun folgende interessante Schilderung: „ Greif" umkreiste mehrmals den Platz, wo der Tote legen hatte und verfolgte dann, wiewohl sein Führer ihn mehrmals nach Obershausen richtete, die Spur nach dem 4 Stunden entfernten Dorfe Nenderoth. Hier meldete sich beim Anblick des Polizeihundes alsbald ein Mann, der von der Sache zu wissen erklärte.„ Greif" verfolgte jedoch die Spur weiter und bog endlich, nachdem man bereits einen Teil des Dorfes herum war, in einen Hof ein, lief die Treppe eines Hauses hinauf und in eine Schlafstelle hinein. Hier zerrte er von dem Bett einen Anzug, der dem auf der Arbeit in Ehringshausen befindlichen Maurer Ernst Pfeiffer gehörte und start mit Blut befleckt war. heute hat Pfeiffer so wenig wie die anderen Verhafteten ein Geständnis abgelegt. * Bruchenbrücken. Ein Landwirt machte einem Arbeiter einen Vorwurf daraus, daß dieser dem sozialdemokratischen Kandidaten bei der Reichstagsersazwahl die Stimme gegeben. Der Arbeiter zog sein Messer, stach auf den Landwirt ein und brachte ihm eine Wunde am Kopfe bei. Der Unhold wurde verhaftet. Kommerzienrat Heyligen sta e dt eröffnete als Vorsitzender des Aufsichtsrats die Versammlung, indem er den Mitgliedern für ihr Erscheinen dankte und der Freude Auzdruck darüber verlieh, daß sich die Genossenschaft im vergangenen Jahr recht günstig weiter entwickelt habe. Hierauf nahm Sparkassendirektor Doering das Wort, um Angaben über die Mitgliederzahl, den Kassenbericht und die sonstigen Unternehmungen der Genossenschaft zu machen. Danach war der Mitgliederstand Ende 1908 111, zu denen im Laufe des Hahres 4 Personen hinzutraten und 4 ausschieden, so daß sich die Mitgliederzahl der Genossenschaft auch im Jahre 1909 auf derselben Höhe wie 1908 hielt. Die ev. Kleinkinderschule hat sich ferner auch in dem abgelaufenen Geschäftsjahr in segensreicher Weise weiter entwickelt und es fonnte eine Einlage von mehreren hundert Mark bei der Sparkasse gemacht werden. Bezüglich der Kassen verhältnisse schloß das Rechnungsjahr 1909 mit einem Reingewinn von 1340,69 Mart ab, der nach Abzug der Ueberweisungen an den Reservefonds und den Spezial- Reservefonds eine Verteilung von 4 Prozent Dividende an die Mitglieder gestattet. Das Mitglieder guthaben erreichte Ende 1909 die Höhe von 13569,59 Mt., während die Bilanz in Aktiva und Passiva 433 188,85 M. betrug. Von besonderem Interesse waren die Mitteilun gen, welche Kommerzienrat Heyligenstaedt über die bauung des Geländes am Erdkauterweg machte. Bekanntlich hatte die Genossenschaft behufs Bebauung des genannten Grundstückes ein Preisausschreiben veranstaltet, dessen Ergebnis eine der früheren Nummern der „ Gießener Zeitung" bereits mitzuteilen in der Lage war. Die in den verschiedenen Plänen dargelegten Schwierig= feiten veranlaßten nach den Angaben des Kommerzienrats Heyligenstaedt den Vorstand jedoch, in der Ausführung der Bebauung zurückhaltender als früher zu sein und namentlich erst für eine genügende Deckung der durch den notwendigen straßenmäßigen Ausbau des Erdkauterwegs entstehenden ziemlich hohen Baulosten zu sorgen. Aus diesem Grunde | wandte sich die Genossenschaftsleitung mit einem Gesuch um ein Darlehen an die Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M., deren recht schwere Bedingungen den Vorstand bis jetzt abhielten, von dieser Seite eine Hilfe anzunehmen. Außerdem richtete die Genossenschaftsleitung an das Reichsamt des Innern ein Gesuch, auf das bis jetzt aber noch keine Antwort eingelaufen ist. Deshalb erschien dem Vorstand eine Bebauung des Geländes am Erdkauterweg vorläufig noch nicht spruchreis. Auch die Versammlung hatte gegen ein00% datin Aufschieben der Bebauung nichts einzuwenden. Die auf Grund des Genossenschaftsgesetzes in jedem 2. Jahr stattfindende Kassenrevision, welche auch diesmal wieder der Direktor des Verbandes der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, Mayer, vornahm, hatte nichts Belastendes ergeben. Auf Antrag des Kommerzienrats Hey und ligenstaedt, welcher dem Sparkassen- Direktor Doering dem Sparkassen Kontrolleur Haas, dem Rechner und Schriftführer der Genossenschaft, den Dank des Aufsichtsrates aussprach, wurde den beiden genannten Herren von der Versammlung Entlastung erteilt. Die aus dem Vorstand beziehungsweise Aufsichtsrat ausscheidenden Herren Heyligenstaedt und Doering wurden durch Zuruf wiedergewählt, womit die Tagesordnung erschöpft war. * Vom Gewitter. Die meisten Gewitter in Hessen( mehr als 30 Tage im Jahre) treten auf an der nordöstlichen Grenze Oberhessens zwischen Reimenrod und Lauterbach, in einem kleinen Teil der Wetterau zwischen BadNauheim und Echzell und in der Gegend von Worms. Von diesem nur wenige Stunden entfernt, in der Gegend Mainz bis Nieder- Saulheim und in der Mainspitze, im Gegensatz hierzu die wenigsten Gewitter in Hessen zu verzeichnen( weniger als 15 Gewittertage im Jahre). Die Rheinebene hat überhaupt im Durchschnitt die wenigsten Gewitter( 18 Tage) aufzuweisen, dann folgen das_nord= westliche Oberhessen mit 19 Tagen, die Mainebene und Ausläufer des Odenwaldes mit 21 Tagen, das Rheinhessische Hügelland mit 22 Tagen, die Wetterau und der Odenwald mit 25 Tagen, die Südabhänge des Vogelsberges mit 26 Tagen und die Nordostabhänge des Vogelsberges mit 28 Tagen. -h Tierschutzverein. Am nächsten Donnerstag, abends 8½ Uhr, hält der Gießener Tierschußverein in der Restauration Spuck, Nordanlage, seine diesjährige Generalversammlung ab. Wir möchten daher nicht verfehlen, alle Tierfreunde auf die Versammlung aufmerksam zu machen, deren Tagesordnung außer Jahres- und Rechnungsbericht auch einen interessanten Vortrag über den Tierschutz umfaßt. * Zusammenstoß. In der Nähe des Felsen= fellers ereignete sich ein Zusammenstoß eines Wagens mit der Straßenbahn, welche hierbei ein Rad des Fuhrwertes zertrümmerte. Der Wagenführer kam mit dem Schrecken davon. A * Post Automat. Seit dem letzten Samstag verfügt das Stadtpostamt über einen Briefmarken- und einen Postkarten- Automat, der ganz sicher den Beifall der Bürgerschaft Gießens finden wird. * Straßenbahn. Die Zeit vom 1. bis 15. Juni brachte der Straßenbahn einen Verkehr von 80 561 Personen. Mithin belief sich die durchschnittliche, tägliche Benuzungsziffer auf 5370 Fahrgäste. * Vom Schlachthof. Auf dem Schlachthof wurde dieser Tage die Schlachtung eines 750 Pfund schweren Rindes vorgenommen, welches das 3. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Eigentümer des Prachttieres ist Metzger= meister Rotschild zu Gießen. * Ersparnis in der Staatsverwalt= ung. Das Staatsministerium hat das bestehende Portoablösungsabkommen mit der Reichspostverwaltung aus Er= sparnisgründen auf den 1. Juli d. Is. gekündigt. Von diesem Tage ab kommt das frühere Verfahren der Kontierung der frantiert aufzuliefernden Dienstsendungen der großherzoglichen Behörde mit Stundung der Frankobeträge wieder zur Einführung. -b- Unfall. Von dem zweiten Stockwerke eines Neubaues auf der Wilhelmstraße stürzte ein 8jähriger Knabe herab, ohne jedoch eine Verlegung zu erleiden. Der Knabe hatte im Verein mit gleichaltrigen Kindern in dem unbeaufsichtigten Bau gespielt. !! Das heirats müde Deutschland. Die Zeit für die heiratslustigen jungen Damen wird bei uns immer schlechter, denn es ist festgestellt, daß die Heirats= müdigkeit in Deutschland in den letzten 10 Jahren unverkennbar zunimmt. Während in dem Jahrzehnt 1861-70 auf 1000 Einwohner 8.5 Eheschließungen und 1871-80 8,6 entfielen, tamen auf dieselbe Einwohnerzahl in der Zeit In seinem Schlußwort gedachte Kommerzienrat Heyligenstaedt noch einmal der Geschäftslage des verflossenen Jahres, tobei er der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß sich der Verein auch in diesem Jahre segensreich entwickeln möge und daß die Mitglieder auch fernerhin ihr Vertrauen = h= der Genossenschaft schenken möchten. Aus Hessen und Nachbargebiet. * Großen Linden. Im Besitze einer fleißig legenden Gans ist der Landwirt Ludwig Stamm 2. Sie legte von August 1907 bis April 1908 112 Gier, im Jahre 1909 allerdings nur 25 Stück. Jetzt hat sie ihre Eierpro= duktion wieder erhöht und bis jetzt 50 Eier gelegt, sie ist immer noch fleißig an ihrer Arbeit. * Leihgestern. Am 26. d. Mts. begeht der Gesangverein„ Eintracht" hier im Rahmen des Vereins die Feier seines 49jährigen Bestehens. Mit dem 50jährigen Jubiläum, das 1911 vom 3. bis 5. Juli gefeiert werden soll, wird ein nationaler Gesangswettstreit verbunden werden. * Kinzenbach. Am Donnerstag wurde kurz nach 12 Uhr der Landwirt und Metzger Adam Mandler von dem Mittagszug Lollar- Wetzlar überfahren. Außer bedenklichen Kopswunden trug der Verunglückte innere Verlegungen davon. Bahnarzt Hoffmann, welcher die erste Hilfe leistete, ordnete die Ueberführung in die Gießener Klinik an, wo Mandler am Sonntag seinen Wunden erlag. ge= == Odenhausen a. d. Lahn, 20. Juni.( 5. Bundesturnfest des Lahn- Dünsberg- Turnerbundes.) Am gestrigen Sonntag wurde hierselbst unter starker Beteiligung das 5. Bundesfest des Lahn- Dünsberg- Turnerbundes feiert. Es galt gleichzeitig, die Weihe der von der Firma Hischen- Lich gelieferten neuen Fahne ihrer Bestimmung zu übergeben. Der Vorsitzende Bechthold stattete nach einer furzen Begrüßung allen edlen Spendern, insbesondere dem Grafen von Schwerin, seinen Dant ab. Fräulein Rohrbach sprach darauf den Prolog, der Gesangverein Odenhausen trug unter Leitung des Herrn Schönhaber einen mit großem Beifall aufgenommenen„ Turnerfestgruß“ vor. Währ end am Morgen 96 Wetturner zum ernsten Wettkampf antraten, wurden am Nachmittag die 19 Musterriegen( 140 Turner) unter der bewährten Leitung des Turnwartes Schmidt- Launsbach vorgeführt. Das Ergebnis war folgendes: 1. Launsbach 34,92 P., 2. Wieseck 33,80 P., 3. Gr.Buseck 33,32 P., 4. Lollar 31,90 P., 5. Wißmar 31,18 P., 6. Lollar 3öglinge 31,08 P., 7. Steinbach 30,32 P., * Wisselsheim. Zur Vorfeier der Fahnenweihe versammelte sich der hiesige Kriegerverein am Samstag abend im Vereinslokale und marschierte in einem Zuge unter dem Vorantritt der Musit nach dem Festplate. Dort begrüßte Kamerad Lehrer Schäfer die Erschienenen in einer Ansprache und gab die wichtigsten Ereignisse aus der Vereinsgeschichte fund. Am Sonntag fand von 11-1 Uhr der Empfang der geladenen Vereine statt. Um 3 Uhr folgte ein Umzug durch die Ortsstraßen, an dem auch die Festdamen und die Schulkinder teilnahmen. Nach der Anfunft auf dem Festplate hielt Pfareer Weck die Fest- und Weiherede. Der übrige Teil des Festes, begünstigt von dem schgnen Wetter, nahm einen großartigen Verlauf. Hus aller Welt. er* Berlin. Das Befinden des Kaisers hat sich weiterhin durchaus günstig gestaltet. Die Schwellung am rechten Knie ist fast völlig geschwunden. Es wird erwartet, daß der Kaiser dem überwiegend größten Teil der Kieler Woche beiwohnen kann. * Berlin. Die Vorerpedition nach Spißbergen, die die Aufgabe hat, die Möglichkeit einer späteren arktischen Expedition mit Zeppelin- Luftschiffen festzustellen, wird be tanntlich am 2. Juli Kiel mit einem Dampfer verlassen. In Spitzbergen liegt der kleine holländische Eisdampfer " Phönir" zum Vorstoß in die Eisregion bereit. An dieser Expedition nehmen teil: Prinz Heinrich von Preußen, Graf Zeppelin, die Geheimen Räte Hergesell, Friedländer- Fuld, Lewald und Miethe, die Professoren von Drygalski, Reich, Graf Zedliß- Trüßschler, die Kapitänleutnants v. Knesebeck und Hilmers. * Dillingen. Bei einem Familienstreit wegen einer Wohnung tötete ein hier beschäftigter Italiener seine Schwägerin durch einen Stich ins Herz mit einem sogen. Zimmermannsnagel und verwundete seinen Bruder und seine Frau lebensgefährlich. Der Mörder wurde verhaftet. * Kassel, 17. Juni. Die Kaiserin wird mit der Prinzessin Viktoria Luise Ende dieses oder Anfang näch sten Monats zum diesjährigen Sommeraufenthalt in Wilhelmshöhe eintreffen. * Trier. Ein Sergeant vom hiesigen Feldartillerie regiment Nr. 44 wurde in dem Orte Elewer bei Trier er stochen aufgefunden; sein Säbel lag gezogen neben ihm Ueber die Täter und die Veranlassung zur Tat ist noch nichts bekannt. * Hagen i. W. Jetzt sind in der Metallindustrie von Hagen und Umgegend wieder etwa 10 000 Arbeiter entlassen und ebenso vielen ist gekündigt worden. * München. Der Prinzregent verlieh der Tierärzt lichen Hochschule in München das Promotionsrecht zur Er langung der Würde eines Dr. med. Vet., welches bis jetzt in Deutschland noch keine gleichartige Anstalt besitzt. * München. Eine Anzahl von bayrischen Offizie ren wird demnächst auf dem Oberwiesenfeld in München zu Fliegern ausgebildet werden. Vor kurzem fanden in Anwesenheit des Chefs des Ingenieur- Korps, Generalleutnant von Bong, Probeflüge statt. * Altenahr. Die Abschäßung der Wasserschäden hat bisher ergeben: an den Gemeindeanlagen in Altenahr 125 000 Mt., in den privaten Anlagen 740 000 Mt.; in Ahrweiler beträgt der Gemeindeschaden 100 000 Mr., der Schaden an Privatbesitz ist noch nicht festgestellt und stellt sich auf etwa 140 000 Mt., der Schaden in Neuenahr wird aur etwa 200 000 Mt., in Bodendorf auf 50 000 Mt. be ziffert. си * New York. Die Bundesbehörden ließen den Präsidenten und den Vizepräsidenten der United Wireleß Telegraph Companie verhaften, weil sie beschuldigt werden, nach einem großartigen Plan ihre Aktionäre betrügen. Es wird behauptet, daß sie den Wert der Attien der Gesellschaft durch verschiedene Manipulationen willfürlich bedeutend gesteigert hätten. Ein Beamter hätte dadurch 8 Millionen Dollar erbeutet. außerdem 10 000 9 In verkehr e zern ist gau steb schach w blieb dar wasser g fer in G mit Viel In herrscht weggesch haben 3 bewilligt. wegen o Nach an Menschen Im Samsta den He menstoß Pers ereignete Berjonen 18 Min dem da bon 10 stieß. der Sp Persone Station angehal Die Re 6 Uhr rer des tete, fa war ich gons, hinteren Die L welche fohlten völlig gelegt eine T Iepte ris und Vo Lin Rat J.s 10. Oben 3 23., 122 84 93., 14 16. Doria Uhr nahn erteilung bo 4. Bereine mi einzig uni Am lehta Launsbach un fcheinlich au 6. Bundes ragen. gen Stomibur elfihung der au unter dem Etwa einfames i 25 statt. Se g Prinz Eitel Flieger Mainz- Wiesb preisen dotier oll. ider und ein Ansbach einen ihnen Staa ons umzuwech Gewahriam Polizeib en nach da Hundes gi Schilderung Der Tote ge in Führer ihn ur nach dem er meldete fi Mann, der von te jedoch di bereits um Hof ein, li ine Schlafftell Anzug, der den Maurer Ermit war. Bis en Verhafteten machte einem dem sozialde rjabwahl die effer, stach auf Bunde am Kopfe Fahnenweihe am Samstag nem Zuge un ftplate. Dort nenen in einer aus der Ver11-1 Uhr der 3 Uhr er dem auch die Nach der An die Fest- und inftigt von dem auf. aisers hat fid Schwellung am wird erwartet, Teil der Mieler Spitzbergen, die teren arttijchen en, wird be Ofer verlassen e Eisdampfer it. An dieser Preußen, Graf riedländer fuld Drygalsti, Heid 13 v. Send ienftreit wegen Staliener fei it einem fog Bruder und fe wird mit der Anfang nach fenthalt in Wil Felbartillerie verhaftet. er bei Trier er n neben ihm. 1 Sat ist noch Metallindustrie 000 Arbeiter den. 9 der Tierärzt nsrecht zur Gr welches bis jest It besitzt. brischen Offizi lb in München n fanden in An Generalleutnant er Wafferfchäden gen in Altenahr 10 000 Mt.; in 0 000 Mr., bet eftellt und ftellt Neuenahr wird 50 000 Mt. ben ließen den United Wirele I fie befchuldigt e Affionate cu en Wert der M ipulationen will amter hätte d )( Den Großen Preis der Industrie ge wann R. Scheuermann am Sonntag in einem 100 stilome Die gegenwärtige Höhe der Prozeßkosten. Brozeni gingen nach anderen er Orte ber robing, ter- Rennen in Chemnitz vor Schipke, Dritter wurde der Zehlendorfer Schulze, und aus dem 40 Kilometer- Rennen um den Kleinen Preis der Industrie ging E. Waßmus, der wie Scheuermann und Schulze Brennabor fährt, als Erster hervor. )( Das Goldene Motorrad wurde am Sonntag in Steglitz in einem 100 Kilometer- Rennen ausgefahren. Zweiter wurde F. Theile, Dritter P. Dickentmann. Beide fahren Brennabor. Im geschlagenen Felde befanden sich Nat Butler und Linart. Hochwasser. Die Ueberschwemmung in Ober- Bayern, Tirol, der Schweiz und Südungarn ist am Samstag und Sonntag überall zurückgegangen. Jetzt erst ist man einigermaßen in der Lage, die grauenhaften Verwüstungen zu übersehen, die das Hochwasser angerichtet hat. Von der auf dem rechten Lechuser in Augsburg befindlichen Häuserkolonie sind zwei Häuser eingestürzt, auch die Lechbrücke bei Gersthofen ist zum Teil eingestürzt. Die Usergelände des Lech, die 60 Meter breit sind, wurden fortgerissen. Die Lindenallee und die untere Lechdammstraße sind weggespielt. Hochablaß, ein bevorzugter, reizender Erholungsort der Augsburger, ist vom Erdboden verschwunden. Sämtliche Gebäude sind eingestürzt. Der bisherige Schaden in Augsburg und Umgegend beträgt viele Millionen. Im Innern der Stadt ist die Gefahr vorüber. Eine Sammlung für die Geschädigten ist eingeleitet. Oberammergau hat wieder das gewohnte Aussehen. In hohem Ansehen stehen in dem Theaterdorf zurzeit die Engiänder, denen es Spaß machte, während der Ueberschwemmung sich energisch an den Rettungsarbeiten zu beteiligen, und manchen Stuhl und Tisch aus dem Wasser herausfischten. In Neu- Ulm hat die Iller große Verwüstungen angerichtet. Am Elettrizitätswert ist der Damm am Illerkanal geborsten, sodaß die Wassermenge ungehindert in die Gärten dringen konnte und alles mitriß, was nicht fest mit dem Boden verwachsen war. Die Umgebung der Stadt ist ein großer See, der einen Abfluß in die Donau sucht. Der durch das Hochwas= ser schwer gestörte Eisenbahnverkehr Südbayerns kommt jetzt wieder in Gang. Im Loisach, Amper- und Inngebiet tann jetzt die weitere Hochwassergefahr als beseitigt gelten, während die Situation im Donaugebiet und an der unteren Isar noch eine sehr gefährdete ist. Der Magistrat der Stadt München hat 30 000 mt. für die Ueberschwemmten in Bayern bewilligt. Die Heuernte im Allgäu gilt zum größten Teil als vernichtet. In München bildete sich ein Hilfskomitee, zu dessen Ehrenpräsident Minister v. Brettreich gewählt wurde. Es wurde der Versammlung belannt ge= geben, daß der ständige Landratsausschuß für die Ueberschwemmten 50 000 Mt. zur Verfügung gestellt und daß außerdem eine Persönlichkeit, die nicht genannt sein will, 10 000 Mt. gestiftet habe. In der Schweiz wurde der vielfach stockende Bahnverkehr ebenfalls wieder aufgenommen. Der See bei Luzern ist seit Samstag zurückgegangen. Im unteren PrättiInfolge des Reichsgesetzes vom 22. Mai d. J. ist die Zulässigkeit der Revision in Rechtsstreitigkeiten über vermögensrechtliche Ansprüche durch einen den Betrag von 4000 Mark übersteigenden Wert des Beschwerdegegenständes be dingt; kürzer gesagt: in der Regel können fünftig nur noch Prozesse über mehr als 4000 Mark an das Reichsgericht gelangen. Zugleich ist durch das bezeichnete Gesetz und durch das schon am 1. April d. J. in Kraft getretene Reichsgesetz vom 1. Juni 1909( R.-G.-Bl. 1909 S. 475) eine so hebliche Verteuerung der Prozesse eingetreten, daß es auch für weitere Kreise von Interesse sein dürfte, einmal an der Hand von zwei Beispielen zu zeigen, welche Kosten ein durch drei Instanzen laufender Prozeß über mehr als 4000 Mart verursacht. Dabei soll nur der normale Verlauf vorerausgesetzt und angenommen werden, daß in erster und zweiter Instanz Beweisaufnahmen stattgefunden haben. Dann stellt sich die Rechnung für die unterliegende Partei folgendermaßen: A. Bei einem Prozeß über 4200 Mark: Gebühren und Auslagen des Gerichts: 1. Landgericht 2. Oberlandesgericht 3. Reichsgericht zusammen 1884,10 Mart. für 2 Anwälte: 204,60 Mr. 345,60 Mr. 255,90 Mt. 449,60 Mr. 272,80 Mt. 345,60 Mf. 733,30 M. 1140,80 Mt. B. Bei einem Prozeß über 20 000 Mt.: 1. Landgericht 2. Oberlandesgericht 3. Reichsgericht zusammen 3639,50 Mt. 462,- Mt. 577,50 Mt. 616,- Mt. 1655,50 Mt. 1984, Mt. 604,80 Mr. 775,20 Mt. 604,- Mt. In beiden Fällen treten noch hinzu die Gebühren der Zeugen und Sachverständigen, die Telegraphen- und die im Fernverkehr zu entrichtenden Fernsprechgebühren, die Schreibgebühren für auf Antrag erteilte Ausfertigungen und Abschriften, Reisekosten des Gerichts und der Anwälte, die Kosten des Kostenfestsetzungsverfahrens u. a. m., so daß sich die Gesamtkosten bei A. leicht auf 2000 Mt., bei B. auf 4000 Mt. erhöhen können. Die Beispiele zeigen, daß das alte Sprichwort:„ Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozeß" noch erheblich an Bedeutung gewonnen hat. gau ſteht feine Brüde mehr. Der untere Zeil von Ror Treuhandvereinigung für den Mittelstand. schach war durch den Bodensee überschwemmt. Interlaten blieb dan seiner außerordentlich günstigen Lage vom Hochwasser gänzlich verschont. Furchtbar hat dagegen das Wasser in Graubünden gehaust, wo 6 Häuser und viele Ställe mit Vieh in den Fluten verschwunden sind. In den heimgesuchten Gemeinden Süd ungarns herrscht die größte Not, da die Fluten die meisten Häuser weggeschwemmt haben. Der Ministerrat und der Monarch haben zur Linderung der ersten Not je 100 000 kronen bewilligt. Der an den Landstraßen und sonstigen Verkehrswegen angerichtete Schaden beträgt über eine Million Kr. Nach amtlichen Berichten sind der Hochwasserkatastrophe 360 Menschen zum Opfer gefallen. Großes Gijendayaunglück. Im Bahnhof Villepreur bei Versailles hat sich am Samstag ein entseßliches Eisenbahnunglück ereignet. Ueber den Hergang liegen folgende Meldungen vor: Der Zusam menstoß der beiden Eisenbahnzüge, von denen der eine ein Personenzug, der andere ein Schnellzug war, ereignete sich Samstag nachmittags turz nach 6 Uhr. Der Personenzug stand im Bahnhof, als plößlich der um 5 Uhr 18 Minuten in Paris abgegangene Schnellzug, troß-| dem das Signal auf Halt stand, mit einer Geschwindigkeit von 102 Kilometern einlief und auf den Personenzug aufstieß. Mehrere Wagen wurden zertrümmert, ein Wagen u. der Speisemagen des Schnellzuges gerieten in Brand. Der Personenzug, von Paris nach Dreur gehend, hatte auf der Station Villepreur zur Ausbesserung eines Maschinendefekts angehalten. Der Aufenthalt dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Reisenden verloren die Geduld und stiegen aus. Um 6 Uhr 10 Minuten hem der Erpreßzug Nr. 477. Der Füh rer des Expreßzuges, der das Signal" halt" nicht beobach tete, sah den Personenzug zu spät. Der Zusammenstoß war schrecklich. Die Maschine, der Tender und drei Wag gons, darunter der Speisewagen, schoben sich in die fünf hinteren Wagen und den Gepäckwagen des Zuges Nr. 467. Die Lokomotive stürzte um und setzte 10 Wagen in Brand, welche sämtlich ein Raub der Flammen wurden. Die vertohlten Ueberreste der bis jetzt gefundenen 19 Leichen sind völlig untenntlich. Die Leichen wurden vorläufig in Särge gelegt und diese in einem Schuppen untergebracht, der in eine Trauerhalle umgewandelt wurde. Die Zahl der Verletten beläuft sich auf 80, meistens Einwohner von Paris und Umgebung. Vorteilhafteste für Bezugsquelle Lacke und Farben Leim, Kitt, Pinsel, Siccatif Linoleumwichse, fertige Fussboden- Farben staubfreies Fussbodenöl Spezial- Versandgeschäft sämtl. Mat. Werk- u. Utens. für Dek.- Maler 2c. - Man verlange illustrierte Preisliste. Maler, Glaser und Schreiner erhalten bei größeren Bezügen hohen Rabatt. J. Sonn, Giessen, Nordanlage 3. Eine Deutsche Treuhandvereinigung ist als Revisions= und Buchführungsstelle für den Mittelstand mit dem Sit in Berlin gegründet worden. Diese Gründung steht im Zusammenhang mit dem Plane, eine Distontierung der Buchforderungen zu ermöglichen. Ehe indes diese Art Finanzierung der Außenstände möglich ist, muß der geschäftliche Mittelstand erst zum Teil zu einer geordneten Buchführung erzogen werden. Die Treuhandvereinig= ung wendet sich weniger an die Handwerksmeister selbst als an die Frauen und Töchter, und sie beginnt ihre Tätigkeit durch einen regelrechten Unterricht in der kaufmännischen Buchführung. Geschäftsführer sind der Amtsrichter a. D. Hetz und der seitherige Generalsekretär der Deutschen Mittelstandsvereinigung, Ernst Just. Die Kosten werden zur Hälfte von der Mittelstandsvereinigung und zur Hälfte von dem Handwerkerbund getragen. Beteiligt sind außer den beiden Geschäftsführern noch der Förster a. D. Prevor, der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Mittelstandsvereinigung, Postsekretär Stockmann, und der Prokurist Zedler; leßterer leitet die Buchführungsturse. Die Treuhandvereinigung übernimmt später auch auf eigene Rechnung die Führung und die Revision von Geschäftsbüchern für den Mittelstand. De Abwanderung vom Lande. er Ueber die Abwanderung und den Zug der Landmädchen nach den Städten liegt jetzt eine Reihe neuer statistischer Untersuchungen vor, die leider wiederum bestätigen, daß die Landslucht, besonders der weiblichen Jugend, im mer mehr zunimmt. Ueber die Abwanderung im Spessart hatte das Defanat Mildenberg eine Umfrage veranstaltet, die sich auf über 30 Gemeinden des bayrischen Odenwaldes, Spessarts und Untermain( etwa 35 000 Einwohner) streckte. Es ergab sich, daß in den letzten 10 Jahren nahe zu 50 Prozent der Mädchen im Alter von 15 bis 25 Jahren abwanderten. Davon gingen 25 Prozent als Dienst boten auf das platte Land, gegen 50 Prozent in Klein= städte und 25 Prozentin Großstädte. Die Abwanderung jugendlicher männlicher Arbeiter stellt sich zu der der weiblichen wie 3: 5. Erhebungen über den Verbleib der schulentlassenen weiblichen Jugend in Ostpreußen ergaben, daß im Jahre 1905 von den im Jahre 1895 aus der Schule entlassenen Mädchen nur 52,7 Prozent im Schulbezirk zurückblieben, 22,33 Prozent zogen in Orte unter 2000 EinDarmstadterMobelfabrik Filiale: Frankfurt a.M. Sesellschaft mit beschränkter Haftung Kaiser- WilhelmDarmstadt Passage Fabrik u.Hauptausstellungshaus Darmstadt- Heidelbergerstr.129. Ständige Ausstellung von 300 mustergültigen Wohnungseinrichtungen von einfachster bis elegantester Ausführung man verlange Preisliste m. Abbildungen. Sommerfrische Biedenkopf دو Wald- Hotel Tannhäuser" Moderne Zimmer, Balk., Renom. Küche, Tennispl., Pensp. 4 Mark Telephon 42 Besitzer Ph. Heuser. wohnern, 10,7 Prozent in größere 13,86 Städten Deutschlands und 0,4 Prozent ins Ausland. Von allen kamen 8 Prozent zu rück, von denen sich nur die Hälfte landwirtschaftlicher Tätigkeit zuwandte. Untersuchungen in den Kreisen Steinburg ( Holstein), Jüterbog- Luckenwalde und Gumbinnen ergaben folgendes Bild: In dem Kreise Steinburg waren 1900 noch 79 Prozent auf dem Lande, sowohl verheiratet wie ledig. 21 Prozent hielten sich in Städten auf, und verheiratete Arbeitertöchter waren auf dem Lande 47 Prozent vorhanden. Im ganzen zeigte sich Mangel an weiblichen Arbeitskräften. Im Kreise Jüterbog- Luckenwalde, wo sich Großgrundbesitz und Bauernbesitz etwa gleichstehen, waren von den Arbeitertöchtern in den Gutsbezirken 37 Prozent abgewandert, in Landgemeinden 45 Prozent, von den Bauerntöchtern 23 Prozent. Im Kreise Gumbinnen, wo Indu strie nicht vorhanden ist, wanderten 51 Prozent von Arbeitertöchtern. und 23 Prozent von Bauerntöchtern in die Städte. tus dem Gerichtssaal. Strafkammer. Gießen, den 17. Juni 1910. Das Schöffengericht Bad- Nauheim hatte den Droschkenfutscher Heinrich Pfeil aus Nieder- Ofleiden, wegen Vergeh ens gegen die Sittlichkeit zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Er hat zu Bad- Nauheim in einer Droschke an einem Mädchen eine unsittliche Handlung vorgenommen, während ein anderes Mädchen in der Droschke war, das daran Aergernis nahm. Da dem Angeklagten das Bewußtsein, daß er die Handlung öffentlich vornahm, nicht nachgewiesen war, wurde seiner Berufung stattgegeben und es erfolgte Freisprechung. Wegen Beleidigung des Lehrers Bramm wurde der Landwirt Konrad Völker zu Hengheim zu 40 und seine Frau zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Lehrer hatte das Kind der Angeklagten gestraft, weshalb Völker sagte: „ Der frühere Lehrer war ein Schuft, dieser ist aber noch schlimmer, er ist meinem Kinde aufsässig". Auch bezeichnete er ihn als Lügner. Die Frau hatte geäußert:„ Wenn den Kerl nur der Schlag und das Gewitter rührte, daß er von der Welt wäre". Die Angeklagten legten Berufung ein und bestritten ihre Schuld; auch berufen sie sich auf Mißverständnisse. Das Urteil wurde bestätigt. Gegen den Bergmann Albin Lang in Hungen u. dessen Stieftochter Marie wurde unter Ausschluß der Oeffentlichlichkeit wegen Blutschande verhandelt. Der Angeklagte hat sich schon an dem Kinde vergangen als es noch in die Schule ging und den Verkehr später fortgesetzt, als seine Frau gestorben war. Er wurde zu 3 Jahren Zuchthaus u. 5 Jahren Ehrverlust verurteilt und ihm ein Monat Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Die Marie Lang wurde freigesprochen, da das Gericht annahm, der Angeflagte habe das Kind durch Drohung gefügig gemacht. Gießen, 21. Juni 1910. Der Zusammenbruch des Neubaues an der Veteri närklinik beschäftigt heute die Straftammer. Es stehen wegen fahrlässiger Körperverletzung und Vergehens gegen die Bauordnung unter Anklage: der Bauunternehmer Joh. Georg Pfaff zu Gießen, der Maurermeister Karl Stein zu Steinbach und der Architekt Ludwig Seuling von Gießen. Pfaff wird von Dr. Spohr, Stein von Dr. Jung und Seuling von Rechtsanwalt Mendelssohn verteidigt, während die verletzte Frau des Ingenieurs Fuhrig von Gerichts Assessor Dannert als Nebentläger vertreten wird. Als Sachverständige sind Baurat Becker, Rentner Winn, Bautechni fer Grote, Revisionsbeamter Grünig, sowie die Architekten Hammann, Rockerbeck und Huhn zur Stelle. Der Bau sollte noch vor dem Winter unter Dach gebracht werden, weshalb mit ungeheuerer Schnelligkeit gearbeitet wurde. Mitte November hatte man mit dem Bau begonnen und zu Weihterial wurde verwendet, was in Verbindung mit dem einnachten war man schon im vierten Stock. Schlechtes Matretenden Frost die Katastrophe herbeiführte. Pfaff will feine Schuld haben, da er die Arbeiten dem Stein übertragen habe, während Stein nach dem Plan gearbeitet ha= ben will und dem Seuling die Schuld zuschiebt. Die Verhandlung ist sehr umfangreich und wird wohl heute nicht zu Ende gehen. Geschäftliches. Unter den Lebensversicherungsgesellschaften des Inund Auslandes nimmt die Germania in Stettin wegen ihrer Größe, Sicherheit, Leistungskraft und günstigen Bedingungen eine bevorzugte Stelle ein. Der Bestand in der Lebens- und Rentenversicherung umfaßt Ende 1909: 826,4 Millionen Mark Kapital und 10,33 Millionen Marl jährliche Leib- und Invalidenrente. Die Sicherheitsfonds sicheren Werten angelegt, allein mit 308 Millionen Mart betragen Ende 1909 fast 368 Millionen Mart und sind in in Hypotheken- Darlehen. Mehr als eine halbe Milliarde Mark sind bisher für Versicherungsbeträge und Dividenden der Germania gehen weit über die Vorschriften des Geseßes an die Versicherten ausgezahlt worden. 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