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Jahrgang Inserate: die 44 mm breite Betitgele 10 few, Reklame: 90 Beilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet " 11 " 50 " Telephon- Anschluß: Gichen, Rr. 362. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszettung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen Sizung der Stadtverordneten Gießens. bürgermeister wurde beauftragt, minderwertiges Land, sog. Gießen, 20. Jan. 1910. Die heutige Stadtverordneten- Versammlung, welcher im ganzen 30 Puntte zur Beratung vorlagen, wurde mit der Ausiosung von Schuldverschreibungen eröffnet, welcher dann die Vorlesung von Dantschreiben folgte, worauf Oberbürgermeister Me cum mitreilte, daß für das hierselbst ge= plante Ludwigdentm a i ein weiterer größerer Gel d- betrag gespendet worden sei, sodaß nunmehr die Hoffnung besteht, binnen turzem unsere Stadt um ein neues Dentmal bereichern zu können. Hierauf folgte ein auf die Errichtung von Fettschmelzen bei den hiesi gen Meßgern bezüglicher Beschluß, der den Meßgern rät, in Zukunst bei der Errichtung von Fettschmelzen bei der Stadtverwaltung um Erlaubnis einzulommen. Puntt 3-11 waren Baugesuche. Dispens wurde erteilt den Gesuchstellern Löb Süß für die Marktstraße und dem Eugen Wallenfels für Moltkestraße. Abgelehnt wurde der Dispens für das Baugesuch der Firma H. W. Rinn für die Marburgerstraße, das des Barbiers Tichy wurde an die Baudeputation zurücverwiesen und das der Firma Birkenstock u. Schneider befürwor tet. Dem Baugesuch des Wilhelm Reusch für den Seltersweg wird nichts entgegengestellt, nur muß er eine 1,90 Meter breite Einfahrt errichten lassen. Die Baufrist- Ver= längerung der Firma Eugen Kauffmann wurde bis zum 1. Januar 1913 ausgesprochen; das Gesuch des Glasermeisters Baum, um Anbringung eines Schautastens an seinem Hause in der Bleichstraße, wurde an die Bau- Deputation zurückverwiesen. Wirt Euler war um Befreiung der Einfriedigung seines Anwesens in der Hammstraße 15 eingekommen. Die Stadtverordneten lehnten das Gesuch ab, da man diese Straße einheitlich in Ordnung haben will. Befürwortet wird dem Karl Stückrat der nachdesuchte Dispens für Errichtung einer Holzhalle am alten Stein- bacherweg. Das Crtsstatut für Bebauung der Bergstraße, Gartenstraße, Moltkestraße und Hofmannstraße war vom Ministerium redaktionell geändert worden. Die Versammlung hatte nichts dagegen. Gegen dieses neue Ortsstatut für für die Gutenbergstraße erhebt nun Christoph Schmidt Einspruch, weil die dort zur Ausführung kommenden Wohn= häuser auf beiden Seiten vom Nachbargrundstück 3 Meter entfernt sein sollen. Schmidt hat dort einen in der Front 14 Meter breiten Bauplatz gekauft vor Einführung dieses neuen Statuts, auf dem er nach dem alten Statut ein größeres Wohnhaus hätte bauen fönnen als jetzt. Stadtverordneter Ha u ba ch hält den Einspruch für berechtigt. Stadtv. Justizrat Grünewald verwahrt sich aber dagegen, daß das neue Statut durchbrochen wird. Die ganze Angelegenheit wird darauf an die Bau- Deputation zurückgegeben. Punkt 18: Einspruch des Ostar Guttmann gegen den Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Frankfurter= straße, Main- Weser- Eisenbahn und Veterinäranstalt, rief eine lange Debatte hervor. Die Stadt will dort durch dieses Gelände eine Straße durchführen, allerdings erst wenn die Notwendigkeit vorliegt und quasi den Bebauungsplan sich jetzt schon auf dem Papier sichern, damit dort Gebäude nicht planlos errichtet werden, die später außerhalb der Baufluchtlinie zu liegen kommen. Gutimann ist Eigentümer von zwei Drittel des in Frage kommenden Geländes, hat es also ganz in der Hand, wann dasselbe zur Bebauung verwendet wird; eine Schädigung seines Geschäftes, wie er in dem Einspruch angibt, kann nicht eintreten. Die Angelegenheit wird die Bau- Deputation nochmals beschäf tigen, da auch die Kündigung resp. Weitererhaltung seines Anschlußgleises eine gewichtige Rolle mitspielt. er O.-B. Mecum hat von der Feldbereinigung mehrere Grundstücke gekauft, darunter eine 14 000 Quadratmeter große Wiese für 15 Mart, also 10 Pfennig pro Quadrat meter. Die Versammlung genehmigte diese Ankäufe. Hierbei fragt Stadtv. Justizrat Grünewald an, warum Feldbereinigungs.ommission alle Hecken beseitigen läßt, im Lahnfeld z. B. sei nicht eine einzige mehr vorhanden. Für den Vogelschuß, der der Beachtung wert ist, liegt eine solche Stadttheater Gießen. lottenmanöver." die Schwank in 3 Aften von C. Kraaz u. H. Stobiter. Ein Schwank, in dem einem die alten, lieben oder nicht lieben Bekannten des Schwankensemble mieder begegnen, alle mit einem mehr oder minder für die Flotte begeisterten Patriotismus! Der Abwechslung wegen hat man die Landratten in Marineuniform gesteckt, Helgolands geschichtliche Momente, Geschützdonner, Seekrankheit, fliegenden Holländer, auf dem Meere schwimmende Seifenkisten, sogar ein mo dernes Kriegsschiff( aus Theaterpappe und Leinewand) bemüht. Zwei glücklich liebende Paare, die sich schon vor der Ehe scheiden und noch" friegen", fehlen natürlich nicht und ebenso haben die Autoren dem polternden Alten feine unwichtige Rolle zugedacht, der vom Feind all dessen, was Marine heißt, zum Marineenthousiasten bekehrt wird. An komischen Situationen fehlt es nicht und mit allen Mitteln und Mittelchen wird einzig darauf hin gearbeitet, - daß man lacht. Und man lacht und„ freut sich 2 Stun den gut hingebracht zu haben." Ueber die vorgestrige Aufführung des„ Flottenmanöver" lasse ich dieses Mal einige Theaterbesucher für mich reden. Frau Doktor: Das habe ich Ihnen, liebe Frau Rat, schon immer gesagt, und mein Mann sagt das auch.- nicht wahr Gustav... Herr Doktor: Ja, ganz wie Du sagst, liebe Frau! Frau Dottor: der alte A... und die frühere B... spielten doch viel besser! ( Das ist wohl immer so!) Frau Rat: Das mag sein, liebe Frau Doktor- ich finde, Fränzi Koch( Frieda Ilgen) und Elly N e y( Johanna, Heckenvernichtung doch gewiß nicht im Interesse. Der OberUnland von der Feldbereinigung zu kaufen und darauf Hecken anlegen zu lassen. Der Geländeaustausch in der Marktstraße zwischen Schultheiß und der Stadt wurde genehmigt, der Quadratmeter ist mit 260 Mark bewertet worden. In der Nordanlage, am Stadtringgraben, wo auch Geländeaustausch und Verkauf mit der Stadt und Anliegern erfolgt ist, wurde der vornan gelegene Quadratmeter mit 30 Mart und dahinter mit 15 Mark verrechnet. Die Versammlung genehmigte die Geländeveräußerungen resp. Anfäufe. Die beiden Punkte 24 und 25 betrafen Haftpflicht- und Mobiliarversicherung. Für die Haftpflicht hat die Stadt seit einigen Jahren jährlich 2000 M.. zu einem Fond zurückgelegt, also eine Art Selbstversicherung ausgeübt. Diese Einrichtung hat sich nach den Angaben des Oberbürgermeisters bewährt. Es möchte darum diese Einrichtung nicht nur für die Haftpflicht weiter bestehen bleiben, sondern auch noch auf die Mobiliarversicherung ausgedehnt werden. Die Stadtv. Haubach und Winn wollen die Haftpflicht einer Gesellschaft übertragen wissen, während besonders Stadtv. Krumm für Selbstversicherung eintritt. Mit großer Majorität wurde die Selbstversicherung auch für die Mobiliarversicherung beschlossen und sind dafür jährlich 4000 Mt. zurückzulegen. Stadtv. Justizrat Grünewald äußert sich hierbei, daß die jetzt bestehende städtische Feuerwehreinrichtung mit der Entwickelung der Stadt nicht gleichen Schritt gehalten habe. Er teilt mit, daß bei einem fürzlich gewesenen Kellerbrand, der das ganze Haus und dessen Einwohner sehr gefährdete, erst nach einer Stunde die Feuerwehr zur Stelle gewesen sei. Oberbürgermeister Mecum tommt anschließend daran auf seine früheren Vorschläge zurück, das sind elettrische FeuermeL dung, Erbauung eines größeren Feuerwehr- Depots mit Wohnungen für 2-4 Feuerwehr- Familien und Pferdestallung. Dieses neue Feuerwehrdepot lönnte auf der früheren Euler'schen Besißung, jett Eigentum der Stadt, sehr prattisch mit dem städtischen Wagenpart vereinigt werden. Im nächsten Punkt wurde für die höhere Mädchenschule die Anstellung eines Lehramtsassessors mit einem Höchstgehalt von 2700 Mt. beschlossen, da sich die Klassen zu Ostern um eine weitere vermehren. Desgleichen wurde für dieselbe Schule die Errichtung einer Selettatlasse, in der Englisch, Französisch, Deutsch, Naturgeschichte und Kunstgeschichte gelehrt wird, genehmigt. Kosten entstehen für den Stadtsäckel dafür voraussichtlich nicht. Zum Schluß der öffentlichen Sizung wurden die Wirtschaftsgesuche des Otto Rühl für Walltorstraße 33 und des Johannes Steinhauer sen. für Ludwigstraße 55 befürwor tet. Lokales und Provinzielles. = r Der Reichsbantzins fuß ist nach einer uns zugegangenen amtlichen Meldung auf 4% Prozent ermäßigt. * Aus dem Parteile ben. Kommenden Samstag und Sonntag findet der 5. Parteitag des südwestdeutschen Verbandes der freisinnigen Volfs= partei in Wiesbaden statt, und zwar Samstag, den 22. d3. Mts., abends 8 Uhr: Vorbesprechung des Parteiausschusses, daran anschließend gesellige Vereinigung mit Damen. Sonntag, den 23. d3. Mts., vorm. 9½ Uhr: Vertrauensmännerversammlung. An dieselbe schließt sich ein gemeinschaftliches Mittagessen und nachmittags 3½ Uhr eine öffentliche Versammlung. Die Zusammenfünfte finden im Saalbau der Turngesellschaft, Schwalbacherstraße 8 statt. Zu der Vertrauensmännerversammlung haben sämtliche eingeschriebenen Mitglieder der Partei Zutritt. !!! Reform der preußischen Klassenlotterie. Eine Aenderung in dem System der preußischen Klassenlotterie wird It.„ Berl. Tagebl." erwogen. Die Lotteriedirektion soll beabsichtigen, erstens eine durchgreifende Aenderung im 3iehungsmodus einzuNichte von Ilgen) spielen reizend! Finden Sie nicht liebe Frau Doktor? Frau Doktor: O- ja! Doch haben Sie die Toiletten gesehen? Frau Professor( hinzukommend): Die Toiletten, sagen Sie das auch? Und der kleine Seetadett( P. Urban) ist doch wirklich köftlich! Frau Rat: Ich habe wirklich Tränen gelacht; ach Gott, wie der arme Junge auch abblißen muß. Frau Prosessor: Was sagen Sie nur zu dem Seifenfabritanten Flgen; Hermann Norden ist doch wieder göttlich. Wenn er mit den„ Akazien" kommt. Frau Doktor: Ich habe ja so entseb ich lachen müssen, wie er auf die Seehundjagd geht und glaubt, den Amerifaner( Rolf Guno It) erschossen zu haben! Frau Rat: Rudolf Goll( als Journalist) spielt aber auch ganz gut; mir gefällt er immer sehr. Frau Professor: Aber meine liebe Frau Rat, das können Sie doch nicht anders sagen, daß Ferry Daubal ( a.s Fockes) und Lore Scholz( als Nite) wirklich einzig gespielt haben. Wie sie das Quecksilber von Wirt ( Edgar Paul y) mit ihrer Berliner Muttersprache ärgert.. Frau Doktor: Einfach prächtig! Frau Rat: Aber, liebe Frau Doktor, ich weiß noch wie heute.... als vor sechs Jahren.... Nun hörte ich einige der wohlbekannten Vergleiche mit früheren Kräften und die Bilanz, wie immer: das frühere Ensemble war selbstverständlich viel besser. Warum? Das sollte ich auch hören: die guten Kräfte gehen eben weg und die weniger guten bleiben! Ach so!- daran habe ich noch gar nicht gedacht. H. F. O. juhren. Es soll das sogenannte 3 weiseriensystem zur Anwendung kommen. Durch die Einführung des Zweiseriensystems würde die Hälfte der bisherigen Losnummern der wegfallen. Zweitens soll eine Vermehrung Lotterielose stattfinden. -b- Gießen. Bei dem am 18. und 19. Januar stattgefundenen Viehmarkte waren aufgetrieben 1499 Stück Rindvich, 197 Schweine. Der nächste Marit findet am 1. und 2. Februar d. Js. statt. * Gießen. In die Klinik wurde vor kurzem ein schwerverletter Holzhauer aus Bleidenrod gebracht, der beim Holzfällen im Wald von einem stürzenden Baum getroffen wurde. * Butzbach. Die Beigeordnetenwahl wurde auf Freitag, den 28. Januar, festgesetzt, In nichtöffentlicher Sigung hat der Gemeinderat Beschluß gefaßt, daß die Entscheidung des Kreisausschusses betres der Bürgerme i- ster wahl im Interesse der Austlärung der Bürgerschaft, veröffentlicht werden könnte. Seit geraumer Zeit machen Hausierer mit höchst minderwertigen Stoffen verschiedenster Art die Dörfer des Vogelsberges und der Wetterau unsicher. Vor dem Treiben solcher Leute sei eindringlich gewarnt. es 25 * Darmstadt. Am 18. Januar waren Jahre, daß der Vorsitzende des Kriegervereins, Hauptmann a. D. Waldecker, dem Vorstand angehörte. Er hat mit dieser langen Zeit mit großer Umsicht, Energie und weitschauendem Blick die Interessen des Krieger- Ver eins zu wahren gewußt und es auch meisterhaft verstanden, das Wachstum und Gedeihen des Vereins zu fördern und tameradschaftliche Gesinnung zu pflegen. * Darmstadt, 17. Jan. Die neue Trinterheilstätte Burgwald bei Niederramstadt wurde am Samstag in Anwesenheit von Regierungsvertretern und der Vertreter verschiedener Korporationen ihrer Bestimmung übergeben. * Groß- Umstadt, 18. Jan. Auf Anregung des Kreisrates Dr. Kraz und des Schulrates Gunderloch von Dieburg und nach einem Vortrag des Oberleutnants a. D. Lotheißen und des Kolonnenfahrers Vogel von Darmstadt wurde hier ein selbständiger Zweigverein des Roten Kreuzes und eine Freiwillige Sanitätsiolonne gegründet. Die Leitung des Zweigvereins Groß- Umstadt hat Haupt= lehrer Maser übernommen; Kolonnenführer wurde Stadtrechner Holzapfel. Die Versammlung war von nahezu 200 Männern von hier und aus der Umgebung besucht." * Wezlar, 20. Jan. Ein sehr bedauerlicher Un= glücksfall hat sich am vergangenen Freitag gegen Mittag in einem Steinbruch in der Nähe des Bismarckturmes ereignet. Der 61jährige Steinbrucharbeiter Lambert Gladen aus Ehringshausen wurde von einem a b stürzenden großen Steine niedergeworfen und so schwer verlegt, daß er nach wenigen Minuten verstarb. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und mehrere, allerdings durchweg erwachsene Kinder. * Fechenheim, 20. Jan. Die Frankfurter Maschinenfabrik von Ph. Mayfarth u. Co. hat hier auf der Maintur ein großes Fabrikanwesen erstehen lassen, dessen baupolizeiliche Abnahme gestern erfolgte, sodaß der vollständige Betrieb der Firma in diesen Tagen hierher verlegt wird. Die Firma gedenkt hier ihr Unternehmen auf ungefähr 1200 bis 1500 Arbeiter zu vergrößern. * Wiesbaden, 19. Jan.( Von dem Zusammenbruch der Nassauischen Bant.) In der Nachmittagsverhandlung er lärt der Sachverständige Papier, der auch dem Gläubigerausschuß angehört, daß die Schwierigkeiten für die Nassauer Bant darin bestanden, daß sie sich allzu start engagiert hatte und leichtsinnig Kredite an Leute zum Spe fulieren gab. Nach den sehr eingehenden Plaidoyers des Staatsanwaltes und der Verteidiger fällte das Gericht in vorgerückter Abendstunde folgendes Urteil: Pflüger wird freigesprochen, Lemmerz und Eccardi erhalten je eine Geldstrafe von 1000 Mt. wegen Vergehen gegen§ 313 des Handelsgesetzbuches. Im Nichtvermögensjalle tritt für je 10 Mt. 1 Tag haft ein. Die Kosten fallen den beiden letzteren Angeklagten zur Last, im Falle Pflüger übernimmt sie die Staatstasse. * Wiesbaden, 19. Januar.( Von dem Zusam Der zweite Verhandmenbruch der Nassauischen Bank.) lungstag beginnt mit der Vernehmung des Konkurs- Ver= walters Rechtsanwalt Bickel- Wiesbaden, nach dessen Aussagen die Forderungen 1 106 228.27 Mif. im ganzen betragen, davon bestritten 712 000 Mt. Seiner Ansicht nach werden voraussichtlich 0,20 Proz. verteilt werden. Ferner erblickt er den Grund des Zusammenbruches darin, daß dem Vorstandsmitglied Theodor Jacob- Wiesbaden Geld aus distontierten Wechseln für Spetulationszwecke übergeben wurde. Der zweite Zeuge, Handelstammer- Sekretär Reinhold Mer both sagte aus, daß er die erforderliche Ein zahlung von 125 600 Mart bestätigt gefunden habe. Nach dieser Zeugenvernehmung schritt man zur Vernehmung des ersten Sachverständigen Bücherrevisor Joh. Sch mi z. Seinem Gutachten nach ist die Buchführung feine fach und sachgemäße. Das entschuldigte der Vertre ter Rechtsanwalt Mayer- Frankfurt damit, daß eine solche bei der Kölnischen Volksbant, bei welcher Lemmerz gelernt habe, eingeführt war. Heute nachmittag wird mit den Plaidoyers begonnen, so daß voraussichtlich heute abend das Urteil zu erwarten ist. Redaktion, Druck und Verlag von Albin Klein, Gießen. Laboda Dragées haben sich seit Jahren bewährt bei allen Strankheiten der Atmungsorgane wie Heiserkeit, Husten, Katarrh, Luftröhrenentzündung und Influenza. Preis Mk. 1.50, in Apotheken zu haben, wenn nicht, wende man sich an die Ferromanganinge jellchaft, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 55. Rundschau vom Cage. Politisches. Herr von Schön beim Kaiser. Der Kaiser konferierte gestern im Auswärtigen Amt mit dem Staatssekretär FreiHerrn von Schön. Der Unterstaatssekretär im Reichatchakam Wirst. Geh. Rat Twele, der seit längerer Zeit leidend ist, ist seinem Wunsche entsprechend von der Wahrnehmung seines der= zeitigen Amtes entbunden und unter Verleihung des Kronenordens 1. Klasse einstweilen zur Disposition gestellt worden. An seine Stelle ist, wie verlautet, der Direktor im Reichsschazamt Kühn zum Unterstaatssekretär ernannt worden. Zur Beurteilung der Lage des Handwerks liefert die Untersuchung, die der Hallenser Nationalökonom J. Conrad im neuesten Hefte der Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik" veröffentlicht, etnen sehr beachtenswerten Beitrag. Conrad gelangt darin auf Grund der letzten deutschen gewerblichen Betriebserhebung zu folgendem Ergebnis:„ Eine Verdrängung des Handwerks in irgend einer bedenklichen Weise tritt nirgends hervor; die Reduktion der Alleinbetriebe war nur mäßig, sicher den Verhältnissen entsprechend und ohne volkswirtschaftlichen Schaden. Der Klein- und Mittelbetrieb erlitt nur unbedeutende Einbuße, und nur da, wo der Großbetrieb anderes oder mehr zu leisten vermochte als jener. Eine interstützung des bisherigen Pessimismus in der Mittelstandsfrage hat die neueste Erhebung unzweifelhaft nicht geboten." Zwei neuerliche Angriffe auf das Auswärtige Amt wetst die„ Nordd. Allg. 3tg." zurück. In dem einen Falle handelt es sich um Entschädigungsansprüche eines Herrn Sunkel aus dem Transvaalkrieg, in dem anderen um die Beschwerden eines Fräuleins Lairty, das als Maschinenstickerin in 11trecht von einem Arzt zu unsittlichen Zwecken in Bewußt= losigkeit versetzt und dadurch gesundheitlich schwer geschädigt fein will. In beiden Fällen hat das Auswärtige Amt seine Schuldigkeit vollauf getan. Die Mannesmann- Angelegenheit wird erst im Deutschen Reichstage ihre Klärung erfahren, nachdem die Brüder Mannesmann die Darstellung des Sachverhalts durch das Weißbuch der Regierung angefochten und wiederholt betont haben, daß die deutsche Regierung, im Gegensatz zu denjenigen aller anderen Staaten, die Berechtigung der Interessen der deutschen Firma Mannesmann nicht anerkannt hat. Da auch der Fall Haß, trotz der Regierungsaufklärungen noch fortgesetzt erörtert wird, so darf man sich bet der Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes auf eine Extrabebatte gefaßt machen. Das nene franzöfifche Schulgeset. Die vom französtschen Unterrichtsminister Doumergue in der Kammer angekündigten neuen Maßregeln für das Schulwesen bestehen vornehmlich in der Einführung eines weitgehenden staatlichen Aufsichtsrechts über Privatschulen. Das neue Gesetz wird die Prüfung der Lehrbücher für Privatschulen dem Staate übertragen, ebenso das Recht, Lehrpersonal abzuIchnen. Dies bedeutet tatsächlich das Ende der klerikalen Schulen. Die Wahlen in England führen zu so zahlreichen Siegen der konservativen Kandidaten, daß den Liberalen bange zu werden beginnt. Zwar befürchten sie nicht die Majorität im Unterhause zu verlieren; aber sie schränken ihre Hoffnungen auf einen glänzenden Wahlsteg mehr und mehr ein. Bemerkenswert ist die außerordentlich starke Wahlbeteilig= ung, die allerdings nur die Folge des ungewöhnlich hef= tigen Wahlkampfes und der im ganzen Lande verbreiteten Erkenntnis ist, daß bei der diesmaligen Wahl die wichtigsten Interessen auf dem Sptele stehen und daß die Entscheidung darüber fallen soll, ob England Schußzollstaat werden oder Freihandelsstaat bleiben wird. Silmi Paschas Europarelse. Der frühere türkische Großwesir Hilmi Pascha, der vor 14 Tagen durch Hakki Pascha ersetzt wurde, ist in Paris eingetroffen. Er wird ungefähr zwei Monate dort bleiben und dann seine Rundreise nach Wien, Berlin, Petersburg, London und Rom unternehmen. Die politische Rolle Hilmi Paschas ist noch nicht zu Ende; es heißt, daß er nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel; die wahrscheinlich erst in einigen Monaten erfolgen wird, wieder die politische Arena betreten werde. 150 151 Kleine Darichten. Preußische Kriegerstiftung Wilhelm 2. Am 18. Januar wurden aus den Zinsen diefer Stiftung 609 Kriegsveteranen und Hinterbliebene von Kriegsveteranen mit 13,500 Mart bedacht. Unter den Veteranen sind noch 124 Kriensinvaliden von 1848-49, die eine jährliche Unterstützung von je 40 Mark erhalten. Die einzelnen Beträge sind den Kriegervereinen, denen die Unterstützten anaehören, augesandt worden. Der frühere Reichsbaut- Bizepräsident Exzellenz Gallenkamp ist gestern morgen in seiner Wohnung in Charloftenburg nach zehntägigem Krantenlager in 78. Lebensjahre gestorben. Mit Gallenkamp ist ein hochverdienter Beamter dabingegangen, dessen Name mit der Geschichte der Reichsbank umauslöseblich verbunden ist. Der älteste deutsche Arzt. Geboren in dem Bismarcklabre 1815, beschließt der Nestor der deutschen Aerzte, Generalarat a. D. Medizinalrat Dr. Baschen in Ludwigsluft in Mecklenburg, morgen, am 21. Januar, fein 95. Lebensjahr. 161 地理 Der Fall Welshofen. Kriminalroman von M. Kossak. ( Nachdruck verboten.) Wissen Sie wirklich nicht, Fräulein Lina, was die beiden geredet haben?" unterbrach sie der Detektiv. ,, Aber wie sollt ich, Herr Smetana?"- creiferte sich das Mädchen die Tür war zu und so eine, die horchen tut am Schlüsselloch, bin ich nicht. Außerdem" setzte sie naiv hinzu sprachen sie auch eine fremde Sprache es wird wohl Italienisch gewesen sein-- und das versteh' ich nicht." Ueber Brümmels Gesicht flog ein leichtes Lächeln, welches ihm das unbewußte Gingeständnis Linas, den= noch gehorcht zu haben, entlockte. Nun und weiter-" drängte er. Na ja, dann nach einer Stunde ging der Freinde fort, aber die Signora war so aufgeregt den ganzen Tag über, daß sie alle Tassen und Teller zerbrach, die sie in die Hand bekam. Das ist nämlich immer die Art, in der fie thre üble Laune zeigt. Seitdem kam der Mensch noch ein paarmal und stets sprachen er und die Signora hinter geschlossenen Türen. Als ich einmal die Kammerjungfer von der Signora, die Mariette Verdi, die doch ihre Vertraute ist, fragte, wer der Mensch wäre, sagte sie, daß er ein Kollege von der Signora sei, den sie von früher her tannte. Und nun denken Sie sich die Geschichte vor furzer Zeit erstes wird so zwei Wochen her feinkomme ich abends ich hatte nämlich meinen Ausgehtag nach Hause und wer kommt mir da aus dem Schlafzimmer der Signora entgegen? Gin Mensch von dem ich hätte schwören mögen, daß er jener Kollege von der Signora seier war zwar in einen langen Mantel gewickelt und hatte den Hut übers Gesicht gezogen, auch war es ziemlich dunkel im Vorsaal- aber Die Figur von dem Menschen und die Bewegungen vergißt einer nicht so bald. Wie ein eingewickelter Hering fieht nicht so leicht jemand aus, gerad' wie der. Ich war ganz erschrocken und sagte zu der Verdi:„ Ja, was wollte der Kollege von der Signora so spät noch? Und im Schlafzimmer der Signora?" Ach was" meinte Eine evangelische Pastorin bat jetzt in Ungarn ihre Wirksamkeit begonnen, und zwar in den evangelischen Teilen Siebenbürgens. In der Hauptstadt Klaufenburg hielt fürzlich Frau Julia Vargha ihre erste Prediat und machte von da aus eine Rundreise in die übrigen Städte von Siebenbürgen. Ueberall foll sie begeisterte Aufnahmen gefunden haben. Marmorproben aus Deutsch- Südwest. Im Reichstage hat der Abgeordnete Dr. Goller zahlreiche Marmorproben aus Deutsch- Südwestafrifa vorgelegt, die einem außerordentlich marmorreichen Gebiete in der Nähe von Swakopmund entstammen. Ein Millionenprozeß ist in Dortmund unter den Erben eines vor Jahresfrist verstorbenen Dortmunder Großindustriellen, der fein rechtsgültiges Testament hinterlassen hat, ausgebrochen. Die Töchter klagen wegen Bevorzugung der Söhne durch die Mutter. Streit der Berliner Müllentscher. Gestern traten fämtliche Rutscher und Schaffner, die als Angestellte der wirtschaftlichen Genossenschaft der Berliner Grundbesitzer die Müllabfuhr befornen, in den Ausstand. Insgesamt kommen 300 Personen in Betracht. Die Heirat der Prinzessin Klementine. Durch eine amtliche Mitteilung wird die Meldung von der Verlobung der Prinzessin Klementine mit dem Prinzen Napoleon bestätigt. Die Heirat findet im Oktober statt. Schwerer Sturm in der Schweiz. Seit 24 Stunden tobt ein furchtbarer Sturm in der Schweiz, der namentlich in den Tälern mit ungeheurer Gewalt wütet. Von allen Seiten fommen Hiobsposten. Die unaufhörlichen Regenauffe haben in der Ostschweiz alle Flüsse boch anschwellen lassen. Die Leiden des Multimillionärs. Der amerikanische Multimillionär John Rockefeller hat sich, da seine Villa in den Bocantico- Bergen fortwährend von Scharen Neugieriger, Bettlern und Wilddieben belagert wird, mit einer offiziellen Leibwache von sieben Polizisten umgeben. Er wohnt jetzt in ftrenafter Burückgezogenheit. Konkurs eines Touristenhotels. Frau Spretter, die Besitzerin des Hotels Mendelbof" auf dem Mendelpaß, des Sotels Biktoria" in Bozen und einer Villa in Gries hat Konkurs angemeldet. Die Ueberschuldung soll eine Million betranen. Ein Selbstmordschwindler. Ein Polizist in Budapest rettete mit eigener Lebensgefahr einen Mann, der sich hatte er tränken wollen, und brachte ihn auf die Polizeiftation, um ihn zu laben. Hier erkannte man in dem Manne einen gewissen Josef Szedlar, der aus Arbeitsscheu schon 32 Selbstmordversuche in szeniert hat, um dann jedesmal ein paar Tage freie Verpfle gung und fleine Geldgeschenke au erhalten. Bestechungsaffäre in Amerika. Der Führer der Republikaner im Neuvorker Staatsfenat, Senator Alles wird von Kollegen öffentlich befchuldigt, daß er sich bestechen ließ. Der Vorfall erreat große Aufregung, da Alles ein einflußreicher Bolitifer ist. Die Sache dürfte für die Republikaner ernste Folgen haben. Tschechischer Deutschenhan. Die Wochenberichte der Prager städtischen statistischen Kanzlei erscheinen iegt statt in deutfcher und tschechischer in franzöfifcher und tschechischer Sprache. Nette Früchtchen. Abiturienten des Gymnasiums zu Guesen drangen beimlich in das Zimmer des Direktors, entnahmen dem Bult die vom Provinzialfchulkollegium angegebenen Brüfungstbemata, erbrachen die Kuverts verfaben ſie mit falschen Siegeln. Der Direktor entdeckte den Sachverhalt. Es wurden neue Themata vom Brovinzialschulrat herausgegeben. Die Angelegenheit beschäftigt zurzeit die Staatsanwaltschaft. Revolverattentat gegen den eigenen Bruder. In dem Dorfe Lubars in der Nähe von Berlin feuerte aestern der 19fährine Befiberssohn Hermann Rathenow von der Straße aus einen Revolverfchuß auf seinen 26jährigen Bruder Albert, als er sich im Pferdestall aufbielt. Die Kugel fehlte aber ihr Biel. Der Revolverfchüße wurde in Saft genommen. Er hat die Tat aus Rache begangen, weil ihm sein Bruder am Sonntag verboten hatte, zum Tanz zu geben. Vom Schwiegervater erschlagen. Ein blutiger Vorfall spielte sich gestern abend in Trafnif bei Leobschüß ab. Der 30jährige Fuhrunternehmer Helbin stattete seinem Schwiegervater Kuznik einen Besuch ab und forderte bei diefer Gelegenbeit die ihm versprochene Mitgift. Die Männer gerieten schließlich in Streit, wobei Kuznik einen Knippel ergriff und feinen Schwiegersohn damit zu Boden schlug. Helbin war sofort tot; Kuznit wurde verhaftet. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Ein neuer Komet? Nach einer Meldung aus Transvaal hat ein dortiger Astronom einen neuen( also nicht den Halleyschen) Kometen furz vor Sonnenaufgang zwischen dem 5. bis 10. Grad südwestlich von der Sonne entfernt entdeckt. Das Gestirn soll eine ziemliche Lichtstärke aufweisen. Auf der Berliner königlichen Sternwarte hat man die Beobachtung sofort aufgenommen und den Himmelsteil abgesucht, bisher aber nichts gefunden, vielleicht infolge des unsichtigen Wetters und des schlechten Sonnenstandes. Die Wiener Sternwarte hat dagegen wirklich 40 Grad südlich der Sonne einen derartigen Himmelskörper entdeckt, dessen Schweif scharf umrändert erscheint. Neuvork Ein Seminar für Dramendichter. Aus wird berichtet: Die amerikanische Harvard- Universität wird die Verdi- ,, das war doch nicht der Kollege von der Signora, sondern der Kunsthändler Rochus, der der Signora ein altes Halsband zeigen wollte, das sie bei ihm bestellt. Und da die Signora nicht ganz wohl war, hat sie ihn im Bett empfangen- was ist denn dabei?" Na, ich dachte mir mein Teil, aber unsereins muß ja zuallem schweigen. Am nächsten Tage aber sprach die Signora ganz gegen ihre sonstige schweigsame Art mehrmals so recht absichtlich in meiner Gegenwart von dem Kunsthändler Rochus, der ihr ein altes Halsband gebracht ha ben sollte. Ich laß mich hängen, wenn der Kollege und der Kunsthändler Rochus nicht ein und dieselbe Person gewesen sind." ,, Und nachdem ist er nie wieder hier gewesen?" forschte Brümmel in gemacht gleichgültigem Tone. Die Lina hielt die Hand vor den Mund, als wenn sie verhüten wollte, daß jemand sonst ihre Worte hörte. Ja, am nächsten Abend des Tages, an dem man morgens den Grafen tot gefunden war er noch da und wieder ganz spät. Die Verdi muß ihn hereingelassen haben, ganz heimlich, denn ich habe es nicht einmal Klingeln gehört; ich hörte nur, als ich schon im Bette lag, wie die Entreetür ging, und als ich neugierig war und aufsprang, um ans Fenster zu laufen- denn so was interessiert einen doch da sah ich gerade noch, wie aus der Haustür ein Mann im Mantel trat, der genau wie der Rochus oder der Kollege ausschaute." ,, Haben Sie etwas darüber zu der Signora oder der Mariette Verdi geäußert?" erkundigte sich Brümmel. ,, Nein, kein Sterbenswort! Die Geschichte war mir, ich weiß nicht warum so grauslich. Und dann war auch der Herr Graf gerade gestorben und das Haus in voller Aufregung, so daß man gar nicht zum Reden kam." Der Detektiv sann eine Weile stumm nach. Und was denken Sie sich über diese Geschichte, Fräulein?" sagte er dann. Ja, was soll ich mir darüber denken? Gar nichts. Ich mein' bloß daß da irgend was dahintersteckt. Denn sonst würden die Signora und die Verdi den Fremden doch nicht einmal einen Kollegen und ein anderes Mal den Kunsthändler Rochus genannt haben. Sind Sie nicht auch der Ansicht, Herr Smetona? demnächst eine neue Brofessur errichten, die dazu dienen soll jungen Schriftstellern und Studenten, deren Ehrgeiz es ist, Bühnenstücke zu verfassen, praktische Unterweisungen in der Kunst des dramatischen Dichtens zu geben. Der Plan zu dieser eigenartigen Professur geht von Professor George P. Bafer aus, der an der Harvard- Universität be reits seit einiger Zeit ein dramatisches Seminar leitet, aus dem schon eine Reihe erfolgreicher jüngerer amerikanischer Dramatiker hervorgegangen ist. 100 000 mt. sind von Henry B. Harris vom Hudson- Theater zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt, und bei der Opferwilligkeit der amerikanischen Kapitalisten wird die Beschaffung der noch fehlenden Summe wohl kaum Schwierigkeiten verur= sachen. Aus den Gerichtssälen. Ein schlechter Hüter der Ordnung. Der Nachtpolizeisergeant Adolf Korth aus Wittenberge hatte in der Naci vom 12. zum 13. Dezember v. J. einen Geschäftsreisend it aus Leipzig auf dem Bahnhofe in Wittenberge mehr ich mißhandelt und beleidigt, dabei auch einen Bahnmeileraspiranten und einen Kaufmann, die sich des Mißhandelten annahmen, mit Fäusten trattiert. Er hatte sich de halb vor der Strafkammer in Neu- Ruppin zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis, der Gerichtshof ging indessen über diesen Antrag hinaus und erkannte wegen Körperverlegung im Amte in fün Fällen und öffentlicher Beleidigung in einem Falle auf neun Monate Gefängnis und Unfähigkeit zur Uebername eines öffentlichen Amtes auf die Dauer von zwei Jahren. Ein bestraftes Gemeindesberhaupt. Nach zweitä giger Verhandlung wurde der frühere Gemeindevorstand des Ortes Böhliz- Ehrenberg bei Leipzig, Bernhard Ents berger, wegen Verleitung zum Meineid zu einem Jahr vier Monate Zuchthaus und drei Jahren Ehrenrechtverlust verurteilt. Entsberger hatte versucht, den Schußmann seines Drtes zu falschen Aussagen zu verleiten, um damit von ihm begangene Unregelmäßigkeiten zu verdecken. Jm Zeichen der Luftschiffahrt. 3m Der Zeppelin- Luftschiffverkehr. Ueber den Ausban des Verkehrs mit Zeppelinluftschiffen schreibt die Würitemb. Automobil- und Luftschifferkorrespondenz": ,, Das im Bau begriffene Luftschiff 3 IV", das dem Bersonenverfehr dienen wird, soll 20 000 kubikmeter fassen und mit drei Motoren ausgerüstet seind. Das Luftschiff, wird sehr bequem ausgestattet werden und etwa 20 Personen aufaufnehmen können, wobei natürlich die Mitnahme von Betriebsmitteln für einen gewissen Zeitraum in Betracht gezogen wird. Die Festseßung der Verkehrslinien, die zuerst eröffnet werden, hängt von dem Bau der Hallen ab. Vorläufig ist nur eine Halle, die in Friedrichshafen, vorhanden. Wenigstens während des ersten Vierteljahres werden daher die Zeppelinluftschiffe auf ihren von Friedrichshafen ausgehenden Fahrten auch wieder dorthin zurückkehren. Nach Ablauf dieser Zeit ist die erste Halle in Baden- Baden soweit fertiggestellt, daß sie den Luftschtsfen Aufnahme gewähren kann. Damit ist dann eine weitere Ausdehnung des Luftlinienverkehrs gegeben. Die Hamburger Halle, die als eine Riesenhalle gedacht ist, dürfte frühestens im Frühjahr nächsten Jahres zur Aufnahme von ZeppelinTuftschiffen bereit stehen. Gegenüber einer Meldung von Köln, die als zweite Verkehrslinie die von Hamburg nach London nennt, ist, wenn man von einer solchen Linie heute überhaupt sprechen soll, darauf hinzuweisen, daß diese Linie nicht von Hamburg, sondern vielmehr von Düsseldorf aus abzweigend durch Holland nach London geführt werden dürfte. Die Nachricht, das preußische Kriegsministerium werde vorläufig keine weiteren Zeppelinschiffe mehr abnehmen, da man erst die Vervollkommnung der Aeroplane abwarten wolle, taucht neuerdings wieder auf; demgegenüber fann nur gesagt werden, daß das preußische Kriegsministerium dem Ankauf eines Zeppelinluftschiffes in diesem Jahre zweifellos nähertreten wird. Der ,, Hann. Cour." erfährt über den geplanten Ausbau des Zeppelinluftschiffverkehrs, daß man gegenwärtig mit dem Bau eines Zeppelinballons beschäftigt ist, der 300 Meter lang werden und 300 Personen befördern soll.(?) Dieser gewaltige Ballon wird mit acht Motoren ausgerüstet. Vermischtes Die dankbare Prinzessin Luise. Prinzessin Luise von Koburg hat vor mehreren Jahren ihrer Kammerfrau Marie Stoeger versprochen, ihr im Falle einer größeren Erbschaft eine größere Summe zu schenken als Dank für ihre Flucht aus der Heilanstalt in Bad Elster. Der Vertreter der Frau Stoeger erklärt jetzt, Matachitsch habe vor einigen Monaten bei der Prinzessin die Ausstellung einer Urkunde durchgesetzt, wonach die Prinzessin sich verpflichte, der Fran Stoeger eine halbe Million Kronen zu überweisen. Eine aleiche Zusicherung über 150 000 kronen erhielt auch Franz Schreiner, der gleichfalls bei der Flucht behilflich gewesen war. Ein dreister Streich ist gestern nachmittag im neuen Rathause in Leipzia verübt worden. 18 der vor dem Roth. zimmer poſtierte Ratsdiener Baumann nom Marinel h Aber natürlich, natürlich Sie sind ein scharfsinniges Mädchen, Fräulein Lina und sehen den Dingen immer, wie es scheint, auf den Grund. Aber jetzt"- ,, gestatten Sie mir wohl, daß ich mir die Blusen der Signora noch genau ansehe, um meinem Chef sagen zu können, ob eine davon dasselbe Muster hat wie die Flitterrobe, von der ich Ihnen Sprach." Lina stand ebenfalls auf und gemeinsam wurden nunAber leider fand mehr die Blusen eingehend besichtigt. sich keine, die mit der Flitterrobe übereinstimmte. Es muß doch wohl eine Verwechselung der Personen vorliegen," bemerkte der Detektiv. Sicher hat eine andere Dame jene Robe bestellt. Ich bin Ihnen sehr dank bar Fräulein Lina, daß Sie mir geholfen haben, dies feststellen zu können. Ich brauche demnach nicht wieder herkommen. Das heißt" fügte er hinzu- ,, es ist ei gentlich schade, weil ich nun nicht mehr Gelegenheit habe, Sie wiederzesehen, Fräulein Lina." Ja, es ist schade!" gestand die junge Dame ebenfalls verschämt zu. ,, Wenn man solch eine interessante Bekanntschaft gemacht hat, so möchte man sie doch auch gern fortsetzen. Sie müssen doch eigentlich auch abends hier immer sehr einsam sein wenn die Signora und die Mariette Verdi in den Kaiserhallen" sitzen, dann sind Sie ja mutterseelen allein- Ja, mutterseelen allein!" gab das Echo seufzend zurück. ,, Was meinen Sie, Fräulein Lina- ob es da nicht ganz nett wäre, wenn wir uns gegenseitig Gesellschaft leisteten? Ich bin auch so einsam- immer allein zwi schen meinen vier Wänden? Nun, wie denken Sie darüber, Fräulein Lina?" Daß ihr Freund, während sie unter den Blusen ge framt, scharfe Umschau in den Zimmern gehalten, und aus der Visitenkartenschale der Signora Anita Brusio einen Gegenstand an sich genommen, war ihr entgangen. ( Fortsetzuna folgt.) berufen ftedt g Seiteng befande nere, y nis, d 18fähri aber e wukilo бев с Rathay De oberun teil. der F ungem eine 8 без д Henri Flug Appa 9 der verf Bra Weit fagen gegan Schäft einfac fomie men, ein. 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In dem Mantel befanden sich die Schlüssel zu dem Schranke des Ratsdieners, und der Eindringling öffnete mit ihnen das Behält= nis, dem er eine kleine Kaffette mit 10 M entnahm. Ein 18jähriger Schreiber störte ihn bei seinem Geschäft, erhielt aber einen solchen Fußtritt vor den Unterleib, daß er be= wußtlos zusammenbrach. Dann entledigte sich der Mann des Seitengewehres und Mantels und entfam aus dem Rathaus ins Freie, im Straßengewühl verschwindend. Der jüngste Flieger. In dem Kampfe um die Eroberung der Luft beansprucht auch dte Jugend ihren Anteil. Mit lebhafter Verwunderung wurden die Freunde der Fliegekunst in Rheims in diesen Tagen Zeugen eines ungewohnten Anblicks: im Aerodrom bestieg ein Knabe eine Flugmaschine. Es war der kleine, 12 Jahre alte Sohn des Flugmaschinentechnikers Henriot, der kleine Marcel Henriot, der auf der Flugmaschine seines Vaters einen Flug unternahm und zum Erstaunen aller Anwesenden den Apparat sicher zu handhaben wußte. Professionelle Brantjungfern. Eine verwitwete Dame der englischen Gesellschaft ist auf den glücklichen Gedanken verfallen, eine Agentur zur Vermittlung professioneller Brautjungfern zu gründen. Sie hat sich im fashionablen Westendstadtviertel etabliert und verleiht"( wenn man so sagen darf) junge und hübsche Brautjungfern nach voraufgegangener Bestellung gegen eine mäßige Gebühr. Die ge= schäftliche Seite dieses Arrangements wickelt sich in den einfachsten Grenzen ab. Es ist nur nötig, 3ett und Stunde sowie die Zahl der gewünschten Brautjungfern zu bestim= men, und sie treffen am bewußten Tage und Orte pünktlich ein. Die durchschnittliche Gebühr beträgt eine Guinee ( 21 M) pro Brautjungfer, aber solche mit besonders kostbaren Roben erheben natürlich weit höhere Ansprüche. Findet die Trauung in einer Provinzstadt oder auf dem Lande statt, so werden auch Fahrgeld und Fahrzeit angerechnet. Die Brautjungfern sind auf ihren Beruf" besonders vorgebildet und es wird so die Gewähr geleistet, daß etwaige Störungen oder Zwischenfälle bei der Trauung nicht vorkommen. Verschüttete Bergleute. Auf dem Schacht 5 der Zeche Holland bei Gelsenkirchen, der gegenwärtig abgetenft wird, sind, wie wir schon in einem Teile der gestrigen Ausgabe meldeten, sechs Bergleute verschüttet worden. Die Bergleute konnten sich anscheinend in eine Mauernische retten. Die Rettungsarbeiten wurden sofort energisch aufgenom= men. Sämtliche sechs verschüttete Bergleute waren gestern abend noch am Leben. Die Rettungsmannschaft ist guter Zuversicht, daß ihr das schwierige Werf der Rettung ge= lingen wird, wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten. Es ist eine Lattensicherung in den Unglücksschacht eingebaut worden, um eine Gefahr für die Rettungsmannschaft zu beseitigen. Gleichzeitig ist der Bau eines Querschlages von der Schachtanlage aus in Angriff genommen worden.. Dieser Querschlag muß eine Länge von 18 Metern erhalten und wird voraussichtlich in vier Tagen fertiggestellt sein. Solange werden die Verschütteten allerdings in ihrem Gefängnis verharren müssen. Die Arbeiten schreiten nur langsam vorwärts. Es muß mit großer Vorficht gearbeitet werden, da ein Nachfall von Gesteinsmassen zu einer Katastrophe für die Rettungsmannschaft führen kann. Trotzdem arbeitet man mit allen Kräften, da man befürchtet, daß die verschütteten Bergleute ungenügende Luftzufuhr haben. Sturmwetter in Frankreich. Stürme und Regengüsse, begleitet von schweren Gewittern, suchen ganz Frankreich heim. An verschiedenen Orten war es tagsüber nachtdunkel. An den Küsten und dem Kanal befürchtet man den Untergang von Barken. Matrosen wurden über Bord gespült, und da das Ablassen von Rettungsbooten unmöglich ist, mußten sie ertrinken. Die Seine steigt rapid, und die Unterbrechung der Schiffahrt steht bevor. Schwere Unwetter wüteten auch in den letzten Tagen an der Küste des Atlantischen Ozeans. Die Inseln Molene und Quessant kön= nen wegen des hohen Seeganges seit einigen Tagen nicht mehr verproviantiert werden. Bei Bordeaur ging eine Fischerbark unter, wobei vier Mann ertranken. Aus der Champagne werden verschiedene Erdstöße gemeldet. Eine Ausstellung gegen die Minderwertigkeit des Weibes". Die russischen Frauenrechtlerinnen veranstalten eine Ausstellung, die sich gegen die Männer richtet, welche beHaupten, daß die Frau dem Manne gegenüber geistig minderwertig set. Es werden alle Erfindungen, die von Frauen gemacht worden sind, zusammengeholt, sowie alle berühmten Bilder, die von Frauen gemalt worden sind, desgleichen alle Bildhauerarbeiten, welche aufzutreiben sind, und alle großen wissenschaftlichen Leistungen. Die Sammlung soll ein stummer und doch beredter Protest sein. Die Zahl der Werke ist allerdings nicht sehr groß, wenn sie auf Be= deutung Anspruch machen wollen. Immerhin werden die Arbeiten der Madame Curie, der berühmten Radiumforscherin, einen Gipfelpunkt moderner Wissenschaft darstellen. Die Romane der Selma Lagerlöf und der Recarda Huch follen beweisen, daß bedeutende Dichterinnen vorhanden sind. Die Bildhauerei, die Malerei und die Musik, die von den Frauen sehr stark gepflegt werden, haben allerdinas keine große Vertreterinnen zu senden. Aus der Vergangenheit wird das Bild der Frau Rat Goethe die Ausstellung zieren. In der Regierungskunst soll Maria Therefia und Katharina von Rußland die Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern bezeugen. Pferdefleisch und Hundefleisch in Deutschland. Neulich hat ein englisches freihändlerisches Blatt einen Korrespondenten nach dem sächsischen Industriebezirk entsandt, der über eine ungeheuere Verbreitung des Konsums von Pferde- und Hundefleisch unter der dortigen Bevölkerung in folge der Lebensmittelteuerung berichtet. Danach sollen in Chemnitz allein jährlich zwei Millionen Pfund Pferdefleisch konsumiert werden, neben einem starken Verbrauch von Hundefleisch. Gegenüber den übertriebenen Darstellungen in der englischen Presse, die neuerdings auch in Deutschland ein Echo finden, ist es wohl am Blaze, die Ausdehnung des Genusses von Pferdefleisch und Hundefleisch in ganz Deutschland kennen zu lernen. In den letzten Jahren betrug nach amtlichen Ermittelungen die Anzahl der Schlachtungen von Pferden und Hunden in ganz Deutschland: 1905: Pferde 146 627, Hunde 6 156, 1906: Pferde 146 576, Hunde 6521, 1907: Pferde 135 775, Hunde 6-461, 1908: Pferde 136 575, Sunde 6362. Aus der Zusammenstellung geht deutlich hervor, daß die Zahl der Pferdeund Hundeschlachtungen in letzter Zeit in Deutschland abgenommen hat. Bei Annahme eines Schlachtgewichtes von 20 Pfund pro Hund stellt sich der gesamte Konsum von Hundefleisch in Deutschland bei einer fährlichen Schlachtung von 7000 Stüd auf rund 140 000 Pfund im Jahre. Im Königreich Sachsen ist der Konsum von Hundefleisch leider noch ziemlich verbreitet und beträgt 60 Prozent des gesamten deutschen Verbrauchs. Der zerstreute Edison. Von dem Zauberer von Menlo Park, Thomas A. Edison, wird ein hübsches Geschichtchen erzählt, das auf die große Zerstreutheit( richtiger vielleicht allzugroße Gedankenkonzentrierung) des Erfinders ein bezeichnendes Licht wirft. Es war vor ein paar Tagen. Edison soll dem Jahresbankett der Vertreter der Gesellschaften beiwohnen, die seine Patente verwerten. Die Geschäftsteilhaber des Enfinders, die seine Zerstreutheit kannten, prägten ihm ein, daß er um fünf Uhr des Nachmittags im Frad und rasiert sich bereit halten solle. Mr. Dyer, sein Vertreter, würde dann im Automobil bei ihm porsprechen und ihn nach Neuhork fahren. Um fünf Uhr fuhr Mr. Dyer vor der Villa im Menlo Park vor und entdeckte daß Edison sein Versprechen vollständig vergessen hatte. Er war in seinem Modellraum eifrig am Wert, in schmußige Arbeitskleider gehüllt. Gile tat not. Mr. Dher raffte Edisons Abendkleidung zusammen, warf sie in den Wagen und den Erfinder hinterher. Während der Automobilfahrt nach Neuhork wurde Thomas Edison von feinem Manager dann so gut wie irgend möglich herausge putt. Etwas Aehnliches passierte auch bei dem vorigen Jahresbankett. Edison erschien nicht, und als man bei ihm zu Hause nachforschte, stellte es sich heraus, daß er sich feit 24 Stunden nicht hatte sehen lassen. Sofort wurde bas ganze Laboratorium abgesucht. In einem verlassenen Raume im Keller wurde schließlich Edison entdeckt; dort hatte er seit 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet. Als man ihm erzählte, daß die Gäste auf ihn warteten, wusch sich Edison einfach Gesicht und Hände und betrat im Ar beitsanzug das Speisezimmer. Er begrüßte turz die Versammlung, lehnte sich bequem in den Sessel zurück und fiel bald in festen Schlaf. So hielt er es während des ganzen Banketts und ließ sich auch nicht durch den Toast, der auf ihn ausgebracht wurde, wecken. Aus der sächsischen Oberlausitz wird der„ Magdeb. 3tg." geschrieben: In einem Dorfe tst deutscher Unterricht. Der Lehrer behandelt den Unterschied in der Schreibweise der Worte Pflug, Fluch und Flug und läßt zu diesem Zwecke von seinen Schülern Säße bilden. Schon hat einer der Kleinen mit Stolz die erste Lösung:„ Mit dem Pflug tun mer ackern" gefunden, und mit dem Aussagen des bekann= ten Spruches von des Vaters Segen" und der„ Mutter Fluch" ist auch die zweite Klippe glücklich überwunden.- Und nun noch einen Satz mit dem Worte Flug". Wer bildet thn?" ruft der Lehrer in die Klasse. Langes, tiefes Schweigen. Da hebt sich auf einer der letzten Bänke ein Fingerchen, und auf ein Zeichen des Lehrers verkündet der fleine Sprachkünstler strahlend im Bewußtsein seines Wissens:„ Der Flug hupvt im Batte!"( d. i. verdolmetscht: Der Floh hüpft im Bette!! Schau'n S', Frau MeyUnter Kaffeeschwestern... er, mir geht's auch so wie Ihnen. Ich bin ebenfalls leine Freundin von Besuchen. Wie ich merke, daß jemand fommt, geh' ich schnell selber wohin auf Besuch. Bech. Gatte( Amtsvorstand): ,, Der neue Assistent, der am 1. Januar hierherkommt, soll ein sehr vernünftiger junger Mann sein." Gattin: ,, Ach Gott, wir haben schon ein rechtes Pech! Der nimmt dann unsere Therese auch wieder nicht." Spuren von Andree? Vor einigen Tagen ging das Gerücht um, daß sich wieder einige Eskimos gemeldet hätten, die Andrees Ballon gesehen haben wollen. Jeßt sind brieflich mehrere Einzelheiten darüber nach London gesandt worden. Es scheint den Berichten doch soviel Bedeutung beigemessen zu werden, daß die dänische Regierung sich bereit erklärt hat, eine Expedition auszusenden, die zusehen soll, ob sich Spuren der unglücklichen Nordpolfahrer finden lassen. Dieses Mal soll der Ballon in der Nähe des sogenannten Renntiersees in den arktischen Regionen gesehen worden sein, und man will die Ueberreste sogar gefunden haben. Der katholische Missionar Turquetit hat einen Bericht darüber an den Bischof Pascal in Alberta geschickt, und er berichtet, daß der Ballon an einer Stelle 900 englische Meilen nördlich von Alberta gefunden wurde. Der Missionar war aufd em Wege nach einer Ansiedelung der Chippowa- In dianer, die am Renntiersee liegt und sieben Tagereisen von Fort Churchill entfernt ist. Die Geschichte von dem Ballon kam ganz zufällig heraus. Der Priester hatte nämlich einen Revolver bet sich, und als einer der E3timos denselben sah, sagte er erstaunt, das Ding sehe gerade so aus wie etwas, was die anderen weißen Männer gehabt hätten." Pater Turquetit fragte, was für einen weißen Mann sie schon gesehen hätten, aber der Eskimo meigerte sich, weitere Auskunft zu geben. Später gelang es den Indianern, die Eskimos zu überreden, ihr Geheimnis zu verraten, und diese erzählten dann, daß ein weißes Haus vom Himmel gefallen set, und daß sich drei weiße Männer darin befunden hätten. Viele Stricke hätten von dem Haus heruntergehangen. Die drei Weißen seien bald gestorben, und ihre Stricke würden noch immer von den Estimos benußt. Der Missionar sagt in dem Bericht an seinen Bischof, er habe sofort bemerkt, daß die Estimos etwas zu verheimlichen hätten. Er ist der Ansicht, daß Andree und seine Genossen wahrscheinlich Renntiere töteten, und daß die Eskimos sie deshalb erschlugen. Merkwürdigerweise scheint diese Geschichte auch von anderer Seite noch bestätigt zu werden. Ein alter Mann, der selt 57 Jahren den Good Hope- Bosten" am Mackenzie- River inne hat, berichtet nämlich, daß zu der Beit, wo die Eskimos das weiße Haus sahen, eines Tages alle die Indianer aus dem Distrikt auf den Posten gelaufen tamen und berichteten, daß sie einen großen leuchtenden Stern ziemlich niedrig über ihren Hütten hätten dahinfliegen sehen. Sie hätten Stimmen von Menschen in dem Stern gehört, und dieser sei dicht über ihren Belten gewesen. Sie konnten den leuchtenden Gegenstand mehrere Stunden lang sehen. Leute, die die Indianer und Eskimos in diesen Distrikten tennen, erklären, daß, wenn eine solche Geschichte auf einmal in weiter Verbreitung unter diesen Stämmen auftritt, man sicher damit rechnen kann, daß ein gut Teil davon Wahrheit ist. Der Brand des türkischen Parlamentsgebäudes. Das Gebäude des jungen türkischen Parlaments, in dem gestern vormittag, wie schon telegraphisch berichtet, ein Brand entstand, ist durch das schnell um sich greifende Feuer vollständig zerstört worden. Erst nachmittags ge= gen 5 Uhr war es gelungen, das Feuer zu lokalisieren. Die, gesamte Einrichtung des Palastes ist zerstört; nur die Umfassungsmauern sind zum Teil erhalten. Die erste Annahme, daß der Parlamentsbrand bei einer Explosion der Heizungsanlagen ausgebrochen sei, wird nicht allgemein geteilt. Der Präsident der Kammer und die Minister halten es für ausgeschlossen und meinen, daß jedenfalls nur infolge des Verschuldens von Parlamentsangestellten das Feuer solche Dimensionen annehmen konnte. Augenzeugen behaupten, daß das Feuer gleichzeitig an mehreren Stellen Eine Untersuchung wurde zum Ausbruch gekommen sei. eingeleitet. Immer hartnäckiger verbreitet sich das Gerücht, daß Brandstiftung vorliege; es heißt, daß mehrere Verdächtige verhafttet sind. Aus der Provinz laufen Beileidsdepeschen ein. Der Präsident der Kammer hat die Deputierten für Sonnabend zu einer Sitzung behufs In Vorlegung des Regierungsprogramms einberufen. welchem Lokal die Sigung abgehalten werden wird, ist noch nicht bekannt, wahrscheinlich in dem dem Parlamentsgebäude gegenüberliegenden Deputiertenklub. Den gestrigen Nachmittag verwandten die Minister dazu, ein passendes Gebäude zu suchen. Für den Senat wurde ein kaiserlicher Kiosk am Goldenen Horn ausgewählt; die Kammer dürfte im alten Postgebäude oder, was wahrscheinlicher ist, im Museum in Stambul tagen. Allgemein fiel die Teilnahmslosigkeit der Bevölkerungsschichten auf, während in der Stadt große Erregung herrscht, und der Brand als ein nationales Unglück angesehen wird. Bei dem Brande sind auch die Parlamentsakten größtenteils verbrannt. Das Gebäude war nicht versichert. Der Schaden be= läuft sich auf zehn Millionen Pfund. Der zerstörte Palast. Das türkische Parlamentsgebäude ist der Mitteltrakt eines ausaedehnten Gebäudekompleres, der feive Nordfront dem großen Platz an der Hagia Sofia, feine Südfrout mit dem imposanten Säulenschmucke dem Marmarameere zuwendet und außerdem das Ministerium der frommen Stif= tungen und die Handelsgerichte beherbergt. Der Mittelbau des Parlamentshauses wird zur Hälfte vom Saal eingenommen, zur Hälfte von drei weiteren nicht sehr großen Räumen: einer Vorhalle im Parterre, der Deputiertenfammer im ersten Stock und dem Senatssaal im zweiten. Ein dunkler Korridor durchschneidet die Etagen und ver= bindet die 17 Zimmer, die sich in feder befinden. In den Seitenbauten sind die Räume, die dem Präsidium, dem Sefretariat und den Kommissionen als Amtszimmer dienen. Der Sibungssaal wird durch die Bänke und Pulte für 216 Abgeordnete eingenommen. Die Decke des niedrigen Saales starrt von f.ffettierten Feldern in bunten Farben. Der Präsidentensitz ist erhöht, darunter ist das Rednerpult. An den beiden Schmalseiten des rechteckigen Saales sind die Logen in zwei Etagen übereinander angebracht. Sie sind klein und für den Sultan, die Diplomaten, die hohen Beamten und die Pressevertreter bestimmt. Der Senatssaal ist anmutig ausgemalt, er erinnert fast an die Aula einer vornehmen Lehranstalt. Die 75 Senatoren finden drei zu drei auf kleinen gepolsterten Bänken Platz, die mit weißem Samt überzogen sind. Der Präsidententisch steht dem Fenster gegenüber, so daß die Senatoren den Lichtöffnungen den Rücken zukehren und nicht in Versuchung kommen, sich durch den Blick nach außen zu zerstreuen, denn die Aussicht auf das Marmarameer. Kleinasiens Küste, und die Prinzeninseln war das Schönste an dem ganzen Parlamentsaebäude. Drabtnachrichten und Deaestes. Jubiläum von Zentrumsparlamentariern. 0 Berlin, 20. Januar. Zu Ehren der Abgeordneten v. Strombeck, Spahn und Hibe, die 25 Jahre lang der Zentrumsfraktion des Reichstags angehören, fand gestern ein Festeffen statt, bei dem der Fraktionsvorsißende Freiherr v. Hertling die Verdienste der Jubilare feierte, Die verschütteten Ruhrberglente. Bochum, 20. Januar. Wenn auch die sechs Verschütteten in der Nacht noch bestimmt am Leben waren, so ließen sich doch nur schwache Lebenszeichen vernehmen. Die Rettungsarbeiten wurden die ganze Nacht fortgesetzt. Gelsenkirchen, 20. Januar. Die Arbeiten zur Nettung der auf der Zeche Holland Verschütteten sind erfolglos gewesen, da gestern abend ein erneuter Einsturz erfolgte Die Verunglückten geben keine Lebenszeichen mehr. Die Hoffnung, fie noch lebend zu bergen, ist sehr gering. Man versucht, von einer anderen Stelle aus zu den Verunglückten zu gelangen, doch dürfte der Durchbruch erst in etwa fieben Tagen gelingen. Hochwasser. Sigmaringen, 20. Januar. Der untere Teil der Stadt steht vollständig unter Wasser, so daß die Brücken in Gefahr sind, fortgeschwemmt zu werden. Es mußten Notbrücken geschlagen werden. Trier, 20. Januar. Die Mosel und Saar haben einen Wasserstand, wie seit Jahren nicht mehr. In Trier zeigte der Pegel heute früh 8 Uhr 5 Meter. Die Schiffahrt ruht vollständig; die Inseln sind verschwunden. Einige Landstraßen stehen bereits unter Waffer. Ein ungetrener Gerichtsvollzieher. Duisburg, 20. Januar. Das Schwurgericht verurteilte den Gerichtsvollzieher Heßler wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in Höhe von zirka 4000 Mt. und wegen Urkundenfälschung zu Monaten Gefängnis. Heßler war in eine Spielergesellschaft geraten, wobei er an einem Abend allein 700 Mk. verlor. Englische Wahlergebnisse. London, 20. Januar. Die Untonisten zählen bisher 123, die Liberalen 108, die Arbeiterpartei 21 und die Natio= nalisten 44 Mandate. Es ergibt sich bis jetzt ein Gewinn von 53 Mandaten für die Unionisten, von 13 für die Liberalen und von 2 für die Arbeiterpartei. In 228 Wahlkreisen sind die Mandate unverändert geblieben. Grubenunglück in Gnaland. London, 20. Januar. In dem Kohlenbergwerk Hattonrigg bei Dellshill wurden durch Absturz einer Förderschale acht Bergarbeiter getötet. Militärischer Verrat. Wien, 20. Januar. In der Samstag- Nacht wurde hier unter geheimnisvollen Umständen eine Militärperson, wie bereits gemeldet, verhaftet. Ueber die Angelegenheit dringt fast nichts in die Oeffentlichkeit. Wie nun von infor mierter Seite verlautet, ist die betreffende Person ein Artilleriebeamter, welcher in einer Munitionsfabrik in der Nähe von Wienerneustadt angestellt war. Der Militärbeamte hat eine Anzahl von Geschoßteilen der neuen österreichischen Artilleriegeschosse an Italien verkauft und da durch Konstruktionsdetails verraten. Bei den entwendeten Geschoßteilen handelt es sich um eine Erfindung, welche es ermöglicht, beim Schrappnellgeschoß durch eine größere Sprengwirkung eine größere Anzahl von Sprengstücken zu erzeugen. Mentereiaffäre. Kopenhagen, 20. Januar. Eine ernste Meuterei hat sich in der Kaserne des in Odense garnisonierenden Infanterieregiments ereignet. Einem Teil der Mannschaft war der Nachturlaub verweigert worden. Gegen 10 1hr abends zeigte sich, daß 82 Mann die Kaserne ohne Urlaubsschein verlassen hatten und erst spät nachts fehrten sie zurück. Es ist festgestellt, daß eine Anzahl der Soldaten außerhalb der Kaserne standen und jeden der Kameraden mit Prügel bedrohten, der vor 10 Uhr in die Kaserne zurückkehren wollte. Die Aufwiegler wurden verhaftet. Untersuchung ist im Gange. Opfer der See. Rom, 20. Januar. An der Südküste von Pratico stran dete ein Dampfschiff. Die See spülte 24 Leichen an Land. An dem aus dem Wasser ragenden Wrack sollen sich noch Baffagiere befinden, deren Rettung bisher wegen des herrschenden Sturmes unmöglich war. Das Apachentum im französischen Heere. Paris, 20. Januor. In Orleansville überfielen die Soldaten auf der Straße einen Zivilarzt und einen Militärarzt; der erstere würde leicht verwundet. Die Untersuchung ergab, daß die Täter mehrfach vorbestrafte Apachen find. Schwere Brandkatastrophe. Philadelphia, 20. Januar. Heute vormittag brach in einer hiesigen Kleiderfabrik Feuer aus. Mehrere Arbeiterinnen sprangen aus dem Fenster, wobei drei Mädchen tödlich verunglückten, während 12 in das Krankenhaus gebracht werden mußten. Wie es heißt, sind viele Arbeiterinnen in den Flammen umgekommen. Bisher wurden fünf Leichen geborgen. Handel und Verkehr. Die Verkehrseinnahmen der deutschen Eisenbahncu. Die Steigerung der Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen hat sich im Dezember fortgesetzt und in dem letzten Monat des Jahres eine außerordentliche Höhe erreicht. Es wurden vereinnahmt aus dem Personenverkehr 53,78 ( plus 3,17) Millionen Mund aus dem Güterverkehr 135,38 ( plus 15,06) Millionen M. Das Güterverkehrsplus ist das höchste Monatsplus des ganzen Jahres und übertrifft noch das nächsthöchste vom November um 5 Millionen M. Leipziger Vormesse. Der Rat der Stadt Leipzig gibt bekannt, daß die Leipziger Vormesse für Musterlager und und Musterkollektionen am Montag, 7. März, beginnt und am Sonnabend, 19. März endet. Waltorr. 36 Kolofeum Giessen. Telephon 36-38 Dir.: Albert Rappmann. 644. Gastspiel von Vallés Frankfurter Intimen Theaters Heute Freitag, 21. Januar abends 8½ Uhr gelangt zum leßtenmal zur Aufführung: Biedermeier und Frau Operette von Ziehrer, aus der Biedermeterzeit. Der Geldbriefträger Französischer Schwant. sowie die anderen Künstler u. Künstlerinnen u. a. Hans Fredy von Wohlzogens bunten Theater. Samstag vollständig neues Repertois Zum erstenmale Nach dem Maskenballe Dialog nach dem berühmten Bilde des Rezniczek. Vorverkaufstarten in den bekannten Zigarrengeschäften. Passepartouts keine Gültigkeit. In den vorderen Restaurationsräumen täglich ab 7 1hr Konzert des Damen- Orchesters ,, Sturm" Eintritt frei. Es labet ergebenst ein Albert Rappmann. Kolosseum Gießen. Balltorftr. 36-38 Dir.: Albert Rappmann. Telefon 644. Sonntag, 23. Januar, nach der Vorstellung 11 Uhr abends So viel sparen Sie wenn Sie von jetzt an morgens und nachmittags nur noch Kathreiners Malzkaffee trinken. Rheinweine Eigene Gewächse bester und allerbester Weinbergslagen bersendet in Fässern von 25 Ltr. u. in Kiften v. 12 Fl. an Paul Christian Saalwächter Weingutsbesitzer, NIEDER- INGELHEIM a. Rh. Spezialität: Ingelheimer Rotweine. Bekanntmachung. Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. 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Die Zusammenkunft ist auf der Grünbergerstraße an der 8.Schneise. Gießen, 20. Jan. 1910. Großh. Bürgermeisteret. J. V: Keller Braubach& Fischer Färberei Grösster Betrieb dieser Branche im 00000000. Grossh. Hessen::: Neues Stadt- Theater Giessen. Direition: Hermann Steingoetter. Freitag, 21. Januar 1910. Anfang 8 Uhr. 13. Freitag- bonn.- Vorstellung. Novkät! Novität! ..Die Hosen des Herrn von Bredow" Schauspiel in 5 Aufzügen nach Willibald Alexis von Kory Towela. Anfang 8 Uhr. Ende geg. 11 Uhr. Sonntag, 23. Januar 1910 nachmittags 3/2 Uhr. Kleine Preise! Kleine Preise! Unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Infanterie- Regimente. Preciosa". Schauspiel in 4 Aufzügen von Pius Alex Wolf. Musik von Carl Maria von Weber. Anfang 32 Uhr. Ende g. 6 Uhr. Abends 7 Uhr. Kleine Preise! Kleine Preise! Novität! Moral Komödie in 3 Aften von Ludvig Thoma. Anfang 72 Uhr. :: Ende 93 Uhr. Stottern, Lisp la, schwere Bunge heilt Dir F Banm. Darmstadt, Bismarckstraße 48. 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