enanstalt 11. bom 16. Junt 1893 nach Losen getrennt igungen. iedigung aus Elfenund Liefern und Tedyt. 7. rbeiten. ta 338 qm Fußböden gsunterlagen können = eingesehen, woselbst Zeichnungen, solange der Selbfitoften ab üffen berjchloffen und porto: und bestell ttage 11 Uhr . at Gießen. enanstalt. 7. rketten, kästen, vieles ise. Kaufbeträge werd. reitwill. verabfolgt. 0. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen - vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mt., durch die Post 1,50 Mt. frei ins Haus. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Zwei Extrabeilagen: „ Humoristische Blätter" und die„ Nene Lesehalle", Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362. Nr. 45. Erstes Blatt Bekanntmachung der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amtes = Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein). Samstag, 19. März 1910 ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362. Amtliche Bekanntmachungen. Betr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900. Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Interessenten, daß im Jahre 1910 an den nachbezeichneten Tagen die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mit= tagspausen der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter (§ 139c der Gewerbeordnung) feine Anwendung zu finden haben und die Läden, sowie die offenen Verkaufsstel len an diesen Tagen bis 10 Uhr abends offen gehalten werden dürfen. a) 3 Wochentage vor Oftern 23., 24. und 26. März. b. 1 Wochentag vor Himmelfahrt 4. Mai 1910. c) 2 Wochentage vor Pfingsten 13. und 14. Mai 1910. d) 14 Wochentage vor Weihnachten 9, 10., 12.- 17. und 19.- 24. Dezember 1910. e) 1 Wochentag vor Neujahr, 31. Dezember 1910. Eine Anzahl weiterer Tage, an denen Ausnahmen von Eine Billetsteuer will der hessische Staat einführen und da dieselbe auch sehr in das allgemeine Vereinsleben einschneidet, sei hier die Regierungsvorlage, die am 1. April 1910 als Gesetz in Kraft treten soll, zum Teil wörtlich abgedruckt: Artikel 1. Eine Gemeinde kann durch Ortssaßung beschließen, für die im Gemeindebezirk gegen Eintrittsgeld stattfindenden Theatervorstellungen aller Art für Musik und Gesangsaufführungen und Konzerte je= der Art, für finematographische Vorstellungen, für Darbietungen in Schaubuden und Panoramen, für komische und spiritistische Vorträge, für Kahnevaltungen, Maslen und Kostümbälle, Kostümbazare, Kostümiseste, Wettrennen, Wettfahren, Wettrudern, Wettschwimmen, Wettspiele, sowie für Unternehmen ähnlicher Art eine vom Eintrittspreis zu berechnende Abgabe zu erheben. Die Abgabe darf 10 vom Hundert des Eintrittspreises nicht übersteigen, beträgt jedoch mindestens 5 Pfennig. Bei Vorausmiete der Pläße für wiederholten Gesuch kann die Abgabe endweder nach dem Tagespreis oder nach dem Gesamtpreis, der für die Dauer der Vorausmiete zu entrichten ist, berechnet und für einen bestimmten Zeitraum im voraus bezahlt werden. Artikel 2. Die Abgabe fann nach einem Abtommen mit dem Zahlungspflichtigen auf Hundertteile des Gesamterlöses aus dem Eintrittspreis und bei Vorstellungen Kleineren Umfanges auf einen Pauschbetrag für jede Vorstellung festgesetzt werden. Artikel 3. Der Abgabe unterliegen nicht: den gesetzlichen Vorschriften gewährt werden können, bleiben für unvorhergesehene Fälle vorbehalten. Gießen, den 14. März 1910. Großherzogliches Polizeiamt. Reinhart. Arbeitsvergebung. Die zur Herstellung eines neuen Daches auf dem früh eren Generatorraum der vormaligen Aftienbrauerei erforder= lichen Zimmer- und Dachdeckerarbeiten sollen Mittwoch, den 23. März d. I., vormittags 10 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 15. März 1910. Städt. Hochbauamt. 21. Jahrg. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemartung Gießen lints der Lahn. Mit Entschließung vom 10. März 1910 hat Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, den Zuteilungsplan für die Bauplätze in der Stephansmart auf Grund von Artikel 36 des Feldbereinigungsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. Juli 1906 für vollziehbar erMärt. Ich bestimme nunmehr als Zeitpunkt der Ausführung ( Eigentumsübergang) den 21. März 1910 und überweise hiermit mit Wirkung von diesem Tage den Beteiligten die neuen Grundstücke. Friedberg, den 13. März 1910. Der Großh. Feldbereinigungskommissär: Schnittspahn, Kreisamtmann. Die näheren Vorschriften, namentlich über die Höhe und| von der Abgabe nicht berührt, ebenso Tanzvergnügen. Wohl die Art der Erhebung der Abgabe, sowie über die Kontrolle des Eingangs, trifft die Ortssabung. Artikel 5. Wer den Vorschriften dieses Gesetzes und der zugehörigen Ortssaßung über die Entrichtung der Abgabe zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 500 Mark bestraft, sofern nicht nach anderen gesetzlichen Vorschriften eine höhere Strafe verwirkt ist. Die hinterzogene Abgabe ist nachzuentrichten. Die Strafe wird nach den Vorschriften des Gesetzes vom 20. September 1890 über die Einführung des Verwaltungsstrafbescheids bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle ausgesprochen und fließt in die Gemeindekasse. Im Falle der Uneinbringlichkeit ist die Strafe nach den Vorschriften des Strafgesetzbuchs in Haft umzuwandeln. In der heißt es u. a.: Begründung Die Notwendigkeit, den Gemeinden neben den direkten Gemeindesteuern neue Einnahmequellen zu eröffnen, bedarf bei dem fortdauernden Anwachsen der Gemeindelasten keiner besonderen Begründung. In besonderem Maße gilt dies von den Städten, in denen mit dem 1. April 1910 die bestehenden Verbrauchsabgaben auf Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl und andere Mühlenfabrikate, auf Backwaren, Vieh, Fleisch, Fleischwaren und Fett in Wegfall kommen. Die Lustbarkeitssteuern( Billetsteuern) sind in zahlreichen preußischen Städten zu ergiebigen Einnahmequellen geworden. Neuerdings ist die Erhebung einer Steuer bei 1. die Theatervorstellungen im Hoftheater in Darm= Vergnügungen und sportlichen Veranstaltungen jeder Art stadt, 2. Unternehmen der in Artikel 1 bezeichneten Art auf Messen und Märkten sowie bei Volksfesten. Sie fann von der Bürgermeisterei erlassen werden bei Unternehmen, deren Reinertrag für einen wohltätigen oder gemeinnüßigen Zweck bestimmt ist. Artikel 4. Für die Abgabe hastet neben dem Unternehmer der Besizer der Räume, in denen die Veranſtalt= ung stattfindet. Stadttheater Gießen. Freitag, 18. März 1910. Das Konzert. Lustspiel in 3 Atten von Hermann Bah r. Ueber die literarische Bedeutung dieses Lustspieles, des besten der letzten 10 Jahre vielleicht, habe ich an dieser Stelle schon verschiedentlich gesprochen; in keinem seiner Werke, weder in den Dramen und Komödien, noch in den Novellen hat sich Bahr der lachende Philosoph, leise Spötter und Verächter seiner Mitmenschen, der sie bei aller Ironie, bei allem Lachen doch ein bißchen gern hat, so geoffenbart, wie in diesem Lustspiel: der Lebensphilosoph mit dem verschmitten zwinkern der Augen. Ein großes Teilchen von ihm selbst, von seinem eigenen Leben steckt in diesem Meisterwerf, das nicht ohne Grund dem Meister der Töne, Richard Strauß in herzlicher Bewunderung und Verehrung gewidmet ist. Gustav Heint, der berühmte Pianist, gibt von Zeit zu Zeit ein Konzert; aber ein ganz besonderes, intimes Konzert, das heißt, er flüchtet aus dem hastenden und aufregenden Getriebe seines Berufes, dem Lärmen und Schwärmen seiner verzückten Schülerinnen in die Stille der Berge, in die Hütte. Das letzte mal mit einer Gräfin und diesmal mit einer Schülerin, Frau Delfine Jura, der Frau eines seltsamen, interessanten, gescheiten Menschen, der ob seiner tattlosen Offenheit und Geradheit in der Gesellschaft den Vorzug genießt, für verrückt zu gelten. Er erfährt durch ein Telegramm von diesem Rendez- vous, und statt sich mit dem Manne„ bum, bum" zu schießen, sucht er dessen Frau Marie,„ eine gescheite Frau", auf, um bei auch in Städten außerhalb Preußens ins Auge gefaßt.- Zu Artikel 1 und 2. Die Abgabe darf nur erhoben werden, wenn die Veranstaltung gegen Eintrittsgeld stattfindet. Dabei soll es keinen Unterschied begründen, ob die Vorstellung öffentlich d. h. für jedermann oder nur für eine beschränkte Zahl von Teilnehmern zugänglich ist. Artikel 1 bezeichnet die gebräuchlicheren Arten der hier in Betracht kommenden Veranstaltungen, ohne diese erschöpfend aufzuführen. Wissenschaftliche und belehrende Vorträge werden ihr laut zu denken, mit sich zu einem Entschluß zu kommen. Frau Marie fädelt ein kluges Spiel ein; sie will Dr. Jura als ihren Gatten betrachten( in der geheimen Absicht, ihren ersten rechtmäßigen Gatten von seiner Liebelei, einem der zahlreichen Abenteuer der 10 Jahre ihrer Ehe zu heilen) und beide zusammen suchen in der Hütte das andere Paar: Gustav Heint und Frau Delfine Jura auf. Die Verwirrungen und fomischen Situationen, die Bahr mit einer bewundernswerten, bestrickenden Feinheit, einem geistreichen, nie aufdringlichen und unkünstlerischen Witz ausnutt, herbeiführt und auflöst, sind von solcher Fülle und packender Gewalt, daß wohl kaum der Hartgesottenste Philister und Griesgram, die sprödeste alte Tante widerstehen kann; der Knoten wickelt sich geschickt und ohne possenhaft zu werden auf: der alte Zustand wird wieder hergestellt. Heink gibt zu, daß er als Künstler nun einmal das Flimmern, Glän zen und Lachen der Frauen braucht; denn die Frauen sind der Erfolg. Doch es ist ein Unterschied, ob man eine Frau lieb hat oder bloß„ liebt"; und wenn ihn Marie auch nur furze Zeit, wenn er frant oder müde war, oder beim Essen und Schachspiel besaß, dann besaß sie ihn, ihn den Menschen, und den Glanz des Künstlers doch ganz allein, dann war sie doch die einzige, die er wirklich lieb gehabt. Ich habe schon früher betont, daß mir gerade der Schluß so sehr gut gefallen hat: warum? Künstlerblut! Heint ist der Künstler, der die Frauen braucht, es fängt ganz von selbst an, wie bei zwei guten Schachspielern: die spanische Partie, das Damengambit 2c.! So der Künstler; er schaut eine Dame an, und nur um etwas zu sagen, meint er: Sie sind ein seltsames Geschöpf! Und da ist er schon verloren. Oder er sagt: Jetzt kommt doch bald der Frühling wieder! it er auch verloren. Oder er sagt in irgend einem Zu' aber soll diese ausnahmsweise von Masten- und Kostümbällen erhoben werden können, die wegen des damit verbundenen Aufwands in besonderem Maße die Erhebung einer Abgabe zulassen. Den Gemeinden bleibt es überlassen, durch Ortssatzung zu bestimmen, von welchen der unter Artikel 1 fallenden Veranstaltungen und in welcher Höhe die Abgabe im Rahmen der dort bezeichneten Höchst- und Mindestgrenze erhoben werden soll. Dies kann in verschiedener Weise geschehen: a) die Gemeinde verpflichtet den Unternehmer oder Besitzer der Räume( vergl. Artifel 4) Steuerkarten, abgestuft nach der Höhe der Steuer, zugleich mit den Eintrittskarten auszugeben( Artikel 1); b) die Abgabe kann aber auch, anstatt mit jeder einzelnen Eintrittskarte erhoben zu werden, nach dem Gesamterlös berechnet werden( Artikel 2); c) bei Vorstellungen fleineren Umfanges tann die Abgabe im voraus auf einen Pauschbetrag festgesetzt werden( Artikel 2). Durch dieses Gesetz wird die Pflicht zur Zahlung des staatlichen Urkundenstempels selbstverständlich nicht berührt. Zu Artikel 3. Es würde nicht angemessen sein, die Theater- Vorstellungen im Hoftheater zu Darmstadt mit einer Sonderabgabe zu Gunsten der Stadttasse zu belasten, da die Ausgaben dieses Kunstinstitutes durch die eigenen Einnahmen desselben bei weitem nicht gedeckt werden fönnen, sondern einen sehr erheblichen Jahreszuschuß aus der Zivilliste Seiner Kgl. Hoheit des Großherzogs und den jährlichen Zuschuß erfordern, den die Stadt Darmstadt seit einigen Jahren bewilligt hat. Die weitere Ausnahme in Artikel 3 rechtfertigt sich namentlich dadurch, daß die Abgabe bei den hier in Betracht kommenden Vorstellungen vorzugsweise das minderbemittelte Publitum treffen und daß die Erhebung der Abgabe und deren Kontrolle sich in Fällen dieser Art besonders umständlich gestalten würde. Auch stände die damit verbundene Belästigung des Publikums in vielen Fällen in feinem Verhältnis zu dem geringen Erträgnis der Abgabe. ganz verloren! Und Heint ist verloren:; so sehr er auch seiner Frau versprach, ein anderer zu werden, er fann es nicht; er fängt. Eine seiner Enthousiastinnen ist ihm nachgeeilt, 823 Meter über dem Meer; sie schwärmt ihn an, ihn den Meister, der nachgibt, mechanisch, resigniert:„ Ich muß, ich muß!" Zur Aufführung! Das Stück wird an den meisten Bühnen gekürzt; die Regie hatte auf allzu große Striche im 2. und 3. Afte verzichtet, wenn auch im ersten Atte die Szene, in der Frau Claire Floderer ein Bild des 17jähr. Meisters entwendet, um es für alle photographieren zu lassen!- vielleicht nicht unbedingt fallen muß. Doch ich will mich hierbei nicht aufhalten, da man, was das„ Strei chen" angeht, sehr verschiedener Meinung sein kann. Auf jeden Fall ging nichts des Wichtigsten verloren! Die Deforation im ersten Atte, Salon bei Heint, war gut gestellt; vielleicht hätten einige Lorbeerfränze oder sind diese so selten? das angrenzende Musitzimmer des berühmten, bergötterten Pianisten repräsentabler gestaltet. Die Bauern stube der Hütte im zweiten Akte war vielleicht ein bißchen zu groß geraten und hätte wohl des Erfers entbehren fönnen! Kleinigkeiten sonst übergehe ich. Offen gestanden- nach den Aufführungen des Stückes, denen ich jetzt im Dresdener Kgl. Schauspielhause und Leſ= singtheater zu Berlin beiwohnte, hat mich das Spiel der Meine Erwartungen hiesigen Kräfte angenehm enttäuscht. waren sehr hoch gespannt; doch ich fann ohne Uebertreibung sagen, die hiesige Ausführung, die die Feinheiten des Lustspiels fast durchgängig zum Ausdruck brachte, hat mir beinahe besser gefallen, als die Dresdener Aufführung, die etwas zu sehr nach dem alten Hoftheaterstil zurecht gestrichen und geschnitten war. Wem soll ich den Vorrang gönsammenhang: Goethe und die Frau von Stein-! Jst ernen? Alle Rollen lagen in guten Händen und gleich die Zu Artikel 5. Zuwiderhandlungen sollen im Wege des Verwaltungsstrafbescheides geahndet werden. Es ist naturgemäß, daß die erkannten Strafen in die Gemeindekasse fließen, da sich die Verfehlung auch gegen die Gemeinde richtet. * Diese einen großen Teil der hessischen Bevölkerung schädigenden Bestimmungen sind denn auch schon in weiteren Kreisen auf Widerstand gestoßen. So haben erst vor kurzem Gießener Vereine und Interessenten an die Großh. Regierung eine Eingabe gerichtet, welche mit Recht die Steuer als verkehrsfeindlich und ungerecht bezeichnete. Auch der Rhein- Main- Gastwirte- Verband hat in einer Eingabe der gleichen Ansicht Ausdruck verliehen und wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir annehmen, daß diese Beschwerden nicht die einzigen bleiben werden. Ein neuer Roman, der ebenfalls wieder sehr schön geschrieben, beginnt in heutiger Nummec. Neu hinzukommende Abonnenten erhalten die Zeitung bis zum 1. April gratis. Lokales. Der Verlag. Gießen, den 19. März 1910. * Aus dem Parteileben. Durch den Anschluß der demokratischen Organisation an die neue fort schrittliche Volkspartei ist die Landesorganisation der he s- sischen Linksliberalen wesentlich gestärkt worden. Die neue Partei wird im ganzen Lande sofort mit einer neuen Agitationsfähigkeit beginnen. Für die Pro paganda in Rheinhessen soll mit dem Sitz in Mainz ein zweiter Parteisekretär angestellt werden. Die fortschrittliche Vollspartei wird bei den Reichstagswahlen 1911, wie in allen hessischen Wahlkreisen, mit einem eigenen Kandidaten in den Wahlkampf treten. - Biograph. Daß der„ Biograph" seine Besucher auch diesmal wieder glänzend zu unterhalten weiß, das beweist so recht sein neues Programm, das in seiner bekannten Reichhaltigkeit seine alte Anziehungskraft auf Jung und Alt bewähren dürfte. So schildert das Drama„ Der Leuchtturmwärter und sein Kind" in ergreifender Weise das ge= fahrvolle Leben der Küstenbewohner des ewig unruhigen Weltmeeres. Die übrigen Darbietungen„ Pieste spielt Billiard",„ Die Seele des Vaters" und namentlich der farbige Kunstfilm" Pygmalion" sind geradezu einzigartig zu nennen und werden dem Biograph ganz gewiß viele neue Freunde zuführen. = h Kinematograph. In der bekannten Weise bringt der„ Kinematograph" für die nächsten Tage ein Programm, das sich mit allen Ehren gegenüber den Darbietungen gleicher Etablissements der Großstädte behaupten kann. Humor und Satire kommen wie immer auf ihre Rechnung und auch die Naturaufnahme„ Auf den Höhen des Engadin" weiß ihre Beschauer zu fesseln. Der humoristische Schlager„ Sie wählt sich einen Mann" ist ferner ganz dazu angetan, die Wolke der Sorge von der Stirn der Besucher zu verscheuchen, sodaß auch diesmal wieder der„ Kinematograph" eines vollen Hauses sicher sein kann. ** Stadttheater. Der Erweiterte Ausschuß des Komitees zur Errichtung eines Thea ter und Saalbaues zu Gießen hatte sich am Mittwoch Abend im Stadtverordnetensaal recht zahlreich zu seiner letzten Sibung versammelt. Der Vorsitzende, Herr Kommerzienrat Heichel heim, erstattete den Schlußbericht, aus dem insbesondere hervorgehoben zu werden verdient, daß es infolge der außerordentlichen Opferwilligkeit der Gießener Bürgerschaft und anderer Gönner möglich war, zum Theaterbau die Summe von 410 000 Mt. zu stiften. Mit warmen Worten des Dankes wurde denn auch der gro= Ben Zahl von Stiftern und allen denen gedankt, die das schöne Unternehmen mit Rat und Tat unterstützt und gefördert hatten. Mit allgemeiner Befriedigung wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, daß unser Stadttheater in allen Teilen als wohlgelungen zu bezeichnen ist, welches Urteil auch von der großen Zahl Auswärtiger, die das Theater besucht oder besichtigt haben, vorbehaltlos geteilt wird. Da das bei der Bildung des Komitees gesteckte Ziel nunmehr erreicht und alle damit verbundenen Arbeiten erledigt sind, konnte die Auflösung des Komitees mit der Ueberzeugung erfolgen, ein schönes, gemeinnüßiges Wert zur allgemeinen Befriedigung gelöst zu haben. Eingangsszenen der Kunstenthousiastinnen klappten recht gut. Rudolf Goll als Pianist Heint wurde den recht ausführlichen Angaben, die Bahr dieser Rolle gönnte, durchaus gerecht; er gab den verhätschelten Künstler, der fast noch ein Kind" ist, eigenwillig, verwöhnt, verliebt, vielleicht ein bißchen zu alt, ohne die geforderte, sehr große Jugendlichkeit in seinen eiligen Bewegungen. Auf jeden Fall eine Leistung, die dem Schauspieler gelang; es mag wohl eine unter den so zahlreichen Rollen sein, die ihm während seiner hiesigen Tätigkeit selbst lieb geworden sind. Wie ich höre, bleibt uns Rudolf Goll auch während der nächsten Saison 1910-11 erhalten, was gewiß vielen Besuchern angenehm sein wird. Lore Scholz, die es recht verdiente, dem hiesigen Ensemble erhalten zu bleiben, spielte die Rolle der Gattin des Pianisten mit der ihr angemessenen Einfachheit, bescheidenen Natürlichkeit und Ruhe, hinter der immer die List der gescheiten Frau wacht, die mit jeder Faser ihrer ganzen Kraft um den geliebten Mann tämpfen wird, fämpft und den Mann, wenn auch nicht restlos, gewinnt. Die interessante Figur des Stückes ist die des Dr. Jura; sie ist auch am schwersten zu spielen. Zu sagen, er sei ein Sonderling ist nicht ganz richtig; er ist ein Mensch, der in sich, in seine Einzelheiten, seine eigenartige Methode, die Menschen, ihre Handlungen betrachten, zu beurteilen, verliebt ist, richtiger gesagt, foquettiert. Er geht durch die Welt, als einer der wenigen mit der groß; n Liebe für die anderen, als einer, der die Menschen gern hat, ihr Taktgefühl mit seinen schändlichen Verlogenheiten haßt, aus Wahrheitsliebe und Menschenliebe rücksichtlos tattlos ist, das heißt nichts anderes als offen und wahr. Er gibt sich sich, wie er sich gefällt; fragt nicht nach Taft und Etiquette und ist bei allem- sehr gescheit. Bis auf die Kleidung, die den Intentionen des Dichters nicht ganz entsprach, brachte Karl Vold, zu meiner großen Ueberraschung, die Gestalt des Dr. Jura sehr gut zur Darstellung; vielleicht fann er sich im ersten Att im Spiel mit Frau Marie noch etwas ungenierter geben. Prächtig spielte Aus Hessen und Nachbargebiet. * Hungen. Unsere Molkerei, eine der größten Oberhessens, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr rund drei Millionen Liter Milch verarbeitet. Der Reingewinn betrug 5435 Mt., die Mitgliederzahl 802. * Kirchhain. Das hess. Ministerium des Innern hat der Stadtgemeinde Kirchhain die Erlaubnis erteilt, 1000 Lose einer am 2. August anläßlich eines Fohlenmarktes zu Kirchhain zu veranstaltenden Verlosung von Pferden, Fohlen, landw. Geräten und sonstigen Gegenstän den innerhalb des Kreises Alsfeld zu vertreiben. * Büdingen. In Sachen des Zusammenbruchs der Obermockstädter Vorschußtasse hat die hessische Landesschlossen, auf die Geldbeschaffungskosten für die in Betracht hypothekenbank mit Genehmigung ihres Aufsichtsrates belommenden Anlehen und zwar bis zum Höchstbetrage von 2500 Mt. zu verzichten. Der derzeitige Saß ist 1 Prozent. Bei 100 000 Mt. Darlehen würde der Nachlaß also 1000 Mart betragen. Es werden so alle Darlehen berücksichtigt, die aus Anlaß des Zusammenbruchs der Mockstädter Kasse bewilligt werden. Der derzeitige Zinsfuß beträgt 4,2 Prozent. * Vom Wasserwerk Inheiden. An dem Hauptrohrstrang von Inheiden bis Frankfurt a. M. wird in der Wetterau eifrig gearbeitet. Von Vilbel bis DortelNieder- Wöllstadt ist die Rohrlegung in Arbeit. Ueberall weil liegen die Rohre schon und zwischen Ofarben und sieht man an den Straßen die mächtigen Eisenrohre lagern, die 70 Zentimeter Weite und 24 Zentner Gewicht haben. Eine andere Strecke von Assenheim bis Reichelsheim ist ebenfalls in Arbeit und die dritte Teilstrecke liegt schon von dem Quellgebiet bei Jnheiden bis über Steinheim und Ober- Widdersheim hinaus. Bis Herbst gedenkt man den Rohrstrang von Inheiden bis zur Landesgrenze bei Vilbel fertig zu haben. Das Wasserwert Inheiden wird täglich 20 000 stubikmeter Wasser nach Frankfurt liefern. wurden dann noch einige Zeugen vernommen, die in der Angelegenheit mit Köhier die Hand im Spiele hatten und der Mittäterschaft sehr verdächtig und auch vorbestraft sind. trug verdächtig, nicht beeidigt. Die Staatsanwaltschaft hielt Einige derselben wurden als der Teilnahme an dem Bedie Angeklagten sämtlich des Betrugs für schuldig und beantragte gegen Jockel 3 Jahr 6 Wionare, gegen" Weber 8 Monate und gegen die Frau des letzteren 3 Monate Gefängnis. Die Angeklagten hielten sich für unschuldig, wie auch ihre Verteidiger auf Freisprechung plädierten. Gegen 9 Uhr abends wurde Beschluß verkündigt ,. Das Urteil wird nächsten Mittwoch, vormittags 11 Uhr, mitgeteilt. Weber und dessen Frau, die sich auf freiem Fuß befinden, sind vom Erscheinen zu diesem Termin entbunden. Gießen, 18. März 1910. Auf der Kesselbacher Kirchweihe war zwischen den Rüddingshäuser und den Geilshäuser Burschen Streit entstanden. Als ein Bursche um Ruhe bat, merkte er auf einmal, daß er gestochen war. Da der Schmiedegeselle Heinrich Jakob von Geilshausen in nächster Nähe des Verletzmiert hatte und sich sehr rauflustig zeigte, wurde angenomten war und er vorher schon mit bayrischen Blut reno= Jakob im Verdacht hatte, trug eine Stichverlegung davon men, er sei der Täter. Auch ein anderer Bursche, der den und glaubte, daß Jakob ihm diese beigebracht hat. Das Schöffengericht hielt Jakob in einem Fall für schuldig und verurteilte ihn wegen Körperverlegung zu 3 Monaten GeJakob socht das Urteil an, indem er die Täterschaft be= fängnis, während im anderen Fale Freisprechung erfolgte. für vorliegend und setzte die Strafe auf 9 Monate Gefängstritt, doch das Gericht hielt einen hinterlistigen Ueberfall nis fest. Emil Wagner von Rittersgrün einen Ueberzieher. Urteil: In einer Gießener Wirtschaft stahl der Arbeiter Karl 3 Monate Gefängnis, unter Anrechnung von 3 Wochen Untersuchungshaft. Der Hausbursche Joseph Zwiller aus Hüningen hat Werte von 15 Mart und einem anderen eine Kravatten= auf dem Forsthaus Echzell einem Schüler einen Ring im nadel im Werte von 120 Mt gestohlen. Urteil: 6 MoMast vieh Ausstellung 1910 sind die Vorbereit Frankfurt a. M. Für die Schlacht- und ungen nunmehr abgeschlossen und es läßt sich jetzt bereits erkennen, daß die Ausstellung Erfolg haben wird. Zur Pränate Gefängnis, abzüglich 6 Wochen Untersuchungshaft. miierung der Tiere stehen der Ausstellungsleitung über 200 Geld- und Ehrenpreise zur Verfügung und zwar Geldpreise im Werte von über 10 000 mt. Die Stadt Frank furt hat eine goldene Medaille in der Klasse 2 der Ochsen mit 4-6 Breiten gestiftet, in welcher Klasse sich der Hauptsächlichste Wettbewerb abwickeln dürfte. Außerdem haben gewerbliche und landwirtschaftliche Korporationen zahlreiche Preise ausgesetzt, insbesondere der landwirtschaftliche Verein Frankfurt, die Landwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen, Hannover 2c., während das Landwirtschaftsministerium sich an der Prämiierung zunächst mit Ehrenschildern, Medaillen sowie Brchize- Tier- Statuetten beteiligt. Auch mit der Ausseßung etner Königsmedaille ist bei guter Beschickung der Ausstellung bestimmt zu rechnen. Die Fleischerinnung wird in ihrer nächsten Versammlung ebenfalls eine größere Summe zu Prämiierungszwecken bewilligen, woraus zu erkennen ist, daß man auch in den Kreisen der Käufer dem Unternehmen das größte Interesse entgegen bringt. – Anmeldeschluß ist der 31. März d. Is. In Dorheim hat der Pferdewärter Wilhelm Jahn aus der bereits verurteilt ist, einige Gebund Stroh auf dem Rirdorf mit seinem Dienstheran, einen dortigen Händler, Felde gestohlen. Urteil: 4 Monate Gefängnis, abzüglich 3 Wochen untersuchungshaft. * Offenba ch. Aehnlich wie die Zöllner im alten römischen Judäa sind auch ihre modernen Nachfolger, die Gerichtsvollzieher und Pfandmeister, wenig beliebt- da die Herren von Amtswegen ja nur kommen, um zu holen, was nicht freiwillig geleistet wurde. Wie groß diese Abneigung ist, mußte ein Pfandmeister von hier erfahren, als er vergangene Woche in Ausübung seines unangenehmen Amtes mit einem Vollstreckungsurteil in der Tasche nach Bürgel fam. Mit dem Besen bewaffnet, wurde er bereits an der Tür von einer resoluten Hausfrau, einer grimmen Beschüßerin ihres häuslichen Herdes, empfangen, der gleich zwei weitere Frauen zur Hilfe eilten. Hageldicht fielen die Hiebe der erbosten Amazonen auf den armen unschuldigen Piandmeister nieder, bis er auf sein Hilfegeschrei von Dienern der hl. Hermandad aus den Klauen seiner Verfolger befreit wurde. Die Ichlafertigen Frauen aber werden vor Gericht erfahren, daß man nicht nur dem Kaiser, was des Kaisers ist, geben, sondern auch seine Diener ehren muß. Ans dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 17. März 1910. Die Fortsetzung der Verhandlung gegen den Spengler Franz Josef Jöckel von Frankfurt a. M., den Landwirt Mudardus Weber von Dorfborn und dessen Ehefrau wegen Betrugs ergab, daß Jöckel in einem Geschäftsverkauf zu Frankfurt, bezüglich dessen auch ein Verfahren wegen Betrugs schwebt, auch einen Schlosser um sein Geld gebracht hat, indem er ihm sein Geschäft verkaufte und dieses als altrenommiert bezeichnete, das genügend abwirft, um eine Familie zu ernähren. Tatsächlich war aber das Inventar fast wertlos und Kundschaft war keine da, sodaß der Käu ser um sein Geld war, und von der Weiterführung des Geschäftes wegen Unrentabilität desselben absehen mußte. Es er im zweiten Akte, wo er die Neueinteilung der Ehepaare vornimmt. Seine Frau Delfine, halb Dame, halb Kind, gab Gusti Ney und erfreute durch die Wahrheit ihrer großen Liebe für den berühmten Künstler, die schüchtern vor dem Kuß zurückschreckt und mit ihm weit, weit fort Arm in Arm gehen möchte, und die Herzlichkeit der wiedererwachten Liebe zu ihrem Manne, ihn zu retten aus den Armen einer abge- feimten Frau, die ihn eine„ Zuflucht", einen„ stillen Win tel" nannte. Die Dienstknechte Heinrich Hechler von Mainz und Karl Marquardt aus Stuttgart sind nachts auf das Pachtgut in Büdesheim eingedrungen und haben etwa 500 Mart Bargeld gestohlen. Weiter fielen ihnen Papiere in die Hände im Werte von 2000 Mart, die sie aber unterwegs wegwarfen, weil sie nichts damit anfangen konnten. Diese bekam der Pächter wieder zurück. Marquardt erhielt 3 Jahre Zuchthaus mit fünfjährigem Ehrverlust und Hechler 1 Jahr ungshaft angerechnet. 6 Monate Gefängnis. Jedem wurde 1 Monat UntersuchOeffentlicher Sprechsaal. Werkvertr a g. Der Besteller ist berechtigt, vom Vertrag zurückzutreten, falls die Arbeit zum bestimmten Termin nicht fertig ist. Man setzt dabei jedoch voraus, daß die Bestimmung des Termins beim Abschluß des Wertrages als wesentlicher Bestandteil desselben anzusehen ist, oder daß der Besteller an der Fertigstellung bezw. Ablie ferung der Arbeit nach Ablauf des vereinbarten Termins tein Interesse mehr hat. Ist beim Abschluß des Vertrages tein Termin bestimmt, so ist dem Unternehmer eine Frist zur Fertigstellung der Arbeit zu geben, mit dem Anfügen, daß der Besteller nach Ablauf derselben vom Vertrag zurücktritt. Dienstvertrog. Nach Grünberg. Lohn- und Abschlagszahlungen dürfen in Gast- und Schankwirtschaften oder Verkaufsstellen nicht ohne Genehmigung der unteren Verwaltungsbehörde erfolgen. Auch sind Verabredungen zwischen Gewerbetreibenden und den von ihnen beschäftigten Arbeitern über die Entnahme der Bedürfnisse der letzteren aus gewissen Verkaufsstellen, sowie überhaupt über die Verwendung des Verdienstes derselben zu einem anderen Zwecke als zur Beteiligung an Einrichtungen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter oder ihrer Familien nichtig. Arbeiterversicherung. C. M., hier. Sie verkennen anscheinend den eigent= lichen Zweck der Invalidenversicherung, indem Sie anneh= men, daß es sich vornehmlich um Gewährung der Altersrente bei Vollendung des 70. Lebensjahres handelt. Die staatliche Invalidenversicherung bezweckt vornehmlich die Gewährung von Invalidenrente bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit( Unfähigkeit zur Erzielung eines Verdienstes von einem Drittel des Verdienstes gesunder gleichartiger Versicherten). Zur dauernden Erhaltung dieses Anspruches empfiehlt sich die von Ihnen gemeinte Weiterversicherung in der höchsten Lohntlasse, da Sie sich dann eine entsprechend hohe Rente sichern. Die Invalidenrente beträgt, wenn mindestens 500 Beiträge in Lohnklasse 5 geleistet sind: Reichszuschuß 50 Mart, Grundbetrag 100 M. gleich 150 Mart jährlich, dann erhöht sich die Rente für jede Marke die entrichtet ist, in Lohntlasse 1 um 3 Pig., in Lohntlasse 2 um 6, in Lohntlasse 3 um 8, in Lohntlasse 4 um 10 und in Lohnklasse 5 um 12 Pfg. jährlich. Bei Erreichung des 70. Lebensjahres würden Sie auf eine jährliche Invalidenvente von etwa 420 Mt. Anspruch haben. Die Altersrente wird denjenigen Versicherten gewährt, die das 70. Lebensjahr vollenden und noch erwerbsfähig sind. Bei Verwendung von mindestens 1200 Beitragsmarfen 5. Lohnklasse beträgt die Altersrente 230 Mt. jährlich. Vereinsmitglied und Beitragserhöhung. Unter den übrigen Gestalten interessiert vor allem noch die Eva Gerndl's, aus der Fränzi koch ein fein stilisiertes, wenn auch nicht gerade, wie Bahr verlangt, auf Schlange stilisierte", liebenswürdiges Geschöpf machte; gut gespielt war die Ohnmacht; während sie auf das Unter= streichen des„ nervösen" verzichtete, lieh sie dem Aufgeregten genügend Ausdruck. Am besten gelang der Darstellerin sicherlich die Schlußszene mit R. Go II( Gustav Heint), die im Publikum wahre Beifallsstürme und Lachsalven ausricht in einer Klage des Bürgervereins gegen ein Mitglied löste; man glaubte die Innerlichkeit dieser schwärmerischen Liebe, die soviel litt in ihrer grenzenlosen Seeleneinsamfeit, wenn sie sich an des vergötterten Meisters Bruſt wirft. Ueberhaupt scheinen Fränzi Koch, die uns wohl leider am Ende der Saison verläßt, Rollen dieser Art, ich denke z. B. an die Harfentänzerin in Menanders Schiedsgericht", Madame de Hauteville in Moral", Gräfin Robinot in „ Der schlechte Ruf" u. a. sehr zu liegen. Erwähnen will ich noch Irmgard Eberius, die das verliebte Fräulein Wehner ganz gut spielte und Her mann Norden und Ada Pauly als Pollinger und Frau. Hoffentlich wird das Lustspiel, das heute Abend vor zahlreich erschienenem Publitum den ehrlichsten und laute sten Beifall errang, noch recht oft über die hiesige Bühne gehen. Es ist ein Lustspiel, das herzlich lachen machen und, was wenig andere Stücke von sich sagen dürfen, man braucht sich nachher dieses Lachens nicht zu schämen! Hermann Franz Ottavio. Ist ein Vereinsmitglied verpflichtet, den während des Vereinsjahres erhöhten Mitgliedsbeitrag zu zahlen? Mit dieser Frage beschäftigte sich schon das Frankfurter Landgedes Vereins. Laut Statuten betrug der Beitrag jährlich 40 Mart. Am 29. Februar beschloß die Mitgliederversammlung daß der Beitrag auf 60 Mt. erhöht werden sollte. Der Beflagte weigerte sich, den erhöhten Betrag zu zahlen, entrichtete aber nach Zustellung der Klage den alten Beitrag von 20 Mart, der halbjährlich zu bezahlen ist. Daraufhin verklagte der Verein das Mitglied auf Zahlung von 10 M. Der Beklagte wandte ein, daß das Verhalten der Klägerin wider Treu und Glauben verstoße. Eine Erhöhung des Beitrages sei nur zulässig, wenn man sich der Verpflichtung zur Zahlung durch Austritt aus dem Verein entziehen könne. Der Beschluß habe nur Wirkung vom 1. Juli 1909 ab. Nach den Statuten sei eine Kündigung nur zum Schluß des Kalenderjahres zulässig. Mithin hätte die Erhöhung erst mit Beginn dieses Zeitpunktes in Kraft treten dürfen. Das Gericht verur Gumme, indem es fifche Perfon. J Angelegenheiten de fie existenzfähig § 19 einer 3we Menderung der S nichts weiter, bab chem, unbetimmert anderer Weise gere bei einer solchen 2 Hierdurch die Inter werden. Zu fragen Intereffen des Ber zugeben, so beruft daß durch die Aend Die Ausführungen Grunde keine Beac an, daß durch de Itrag Beklagter als trecht habe, sonder gen des Vertrages faffung feinen Anft sich dann dem§ mehrheit mit dem Vertragsverhältniffe Lpflichten, ohne Rüc Intereffen zuwiderle ten richtig, so hätte Daß die einzelnen nicht beschwert wer D die eben bei feinere Loerden erhalten Si Ludwig Striking 150 Zimmer- Ein Katalog gratis. F Di unferer mit vielen Ofter Diterbasen, eftern, Attr beebre Gesch 4 Plockstres Spesial Niederlage in ww en, die in der icle hatten und vorbestraft sind. an dem Be waltschaft hielt chuldig und beegen Weber 8 Monate Ge nschuldig, wie ierten. Gegen as Urteil wird geteilt. Weber nden, sind vom März 1910. chen den RüdStreit entstan er auf eindegeselle heine des Verletz n Blut reno= urde angenom irsche, der den legung davon t hat. schuldig und Das Monaten Ge ung erfolgte. aterschaft be gen Ueberfall tonate Gefäng Arbeiter Karl Bieber. Urteil: 3 Wochen Unüningen hat nen Ring im te Krabattenrteil: 6 Mohungshaft. im Jahn aus en Händler, h auf dem , abzüglich 3 ainz und Karl Pachtgut in 0 Mart Barin die Hände terwegs wegten. Diese behielt 3 Jahre Sechler 1 Jahr at Untersuch echtigt, vom timmten Teroraus, daß des Vertra nzusehen ist, bezw. Ablie rten Termins min bestimmt, stellung der Besteller nach schlagszahlun der VerkaufsVerwaltungszwischen Geten Arbeitern En aus gewij Verwendung Zwede als zur ig der Lage den eigentSie anneh der Altershandelt. Die mlich die Ger Erwerbsunerdienstes von jartiger VerInspruches emrsicherung in 2 entsprechend eträgt, wenn geleistet sind: gleich 150 r jede Marte in Lohnklasse ffe 4 um 10 Bei Erreichung jährliche In ben. rien gewährt, erwerbsfähig Beitragsmar Mr. jährlich. hung. während des hlen? Mit ter Landge in Mitglied g jährlich 40 versammlung Ilte. Der Bezahlen, entalten Beitrag ft. Daraufhin ng von 10 M. der Klägerin Erhöhung des der Verpflicht rein entjieben 1. Juli 1909 ur zum Edluk die Erhöhung treten dürfen. nun Das Gericht verurteilte den Kaufmann zur Zahlung der Summe, indem es ausführte: Die Klägerin sei eine juristische Person. Ihre Statuten regeln nur und allein die Angelegenheiten der juristischen Person. Sie haben den Zweck, fie existenzfähig zu machen und zu erhalten. Wenn §19 einer 3weidrittelmehrheit das Recht verleiht, eine Aenderung der Statuten zu beschließen, so bedeutet dieses nichts weiter, daß die Angelegenheiten des Vereins als solhem, unbefümmert um die Interessen der Mitglieder, in anderer Weise geregelt werden dürfen. Hieraus folgt, daß bei einer solchen Aenderung die Frage unstatthaft ist, ob hierdurch die Interessen der einzelnen Mitglieder geschädigt werden. Zu fragen ist vielmehr, ob die Aenderungen den Interessen des Vereins entsprechen. Ist aber hiervon auszugehen, so beruft sich der Beklagte mit Unrecht darauf, daß durch die Aenderung seine Verpflichtung erschwert werde. Die Ausführungen des Beklagten können somit aus diesem Grunde keine Beachtung verdienen. Nehme man aber selbst an, daß durch den mit der Klägerin abgeschlossenen Vertrag Beflagter als Gegenleistung nicht bloß das Mitgliedsrecht habe, sondern daß auch die Statuten die Bedingungen des Vertrages enthalten, so vermag selbst diese Auffassung seinen Anspruch nicht zu rechtfertigen. Beklagte hat sich dann dem§ 19 unterworfen und eine Zweidrittel= mehrheit mit dem Recht ausgestattet, eine Aenderung des verVertragsverhältnisses vorzunehmen und hierdurch zu pflichten, ohne Rücksicht darauf, ob die Aenderung seinen Interessen zuwiderläuft. Wäre die Auffassung des Beklagten richtig, so hätte der§ 19 zum Ausdruck bringen müssen, daß die einzelnen Mitglieder durch eine Statutenänderung nicht beschwert werden dürfen. Darmstädter Möbel die eben bei feineren Ausstatsungen fast durchgängig gekauft werden erhalten Sie direkt v. d. Fabrik v. 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Johannes Nicolai, Kutscher, mit Katharina Schneider, beide in Gießen. Gestorbene. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. März 11. Mathilde Dorothea Rausch, geb. Repp, 41 Jahre Geboren e. März 6. Taglöhner Joseph Emil Georg eine Tochter. 6. Dreher Friedrich Konrad Bolbeth ein Sohn, Friedrich. " " " 7. Eisendreher Wilhelm Müller ein Sohn, Franz. 9. Lackierer und Weißbindermeister Eduard Kohlermann ein Sohn. 9. Schneider Hermann Fleischer ein Sohn, Hermann. 9. Schlosser Heinrich Schneider ein Sohn, Adolf. 11. Arbeiter Franz Rentmeister ein Sohn, Arthur Karl Wilhelm Franz. " " " " " 12. Hilfsbremser Georg Möller ein Sohn, Georg. 12. Schlossermeister Wilhelm Ziegler eine Tochter. " " " " 11 11 " " 13. Taglöhner Heinrich Schäfer ein Sohn, August. 15. Lackierer Ludwig Wagner ein Sohn, Walter Heinrich Ludwig. 11. Friseur Karl Muhl 2. ein Sohn. 12. Kaufmann Otto Bergen ein Sohn. 13. Lokomotiv- Hilfsheizer Karl Richard Angust Hoff= mann ein Sohn, Gerhard Richard. 13. Lokomotivführer Ludwig Schweißer ein Sohn, Walter Konrad. 13. Kaufmann Joseph Würzburger eine Tochter, Karola Irmgard. 17. Poſtſchaffner Joseph Münch ein Sohn, Friedrich. Aufgebote. März 15. Wilhelm Arras, Schneider in Darmstadt, mit Marie Hofmann in Gießen. „ 15. Auguſt Schmidt, Tapezier- und Polstermeister, mit Elise Anna Paul, beide in Gießen. " " 15. Wilhelm Zipp, Masseur, mit Jda Voigt, beide in Gießen. 16. Friedrich Bonnect, Schriftseßer, mit Anna Schmidt, Wer seine Kinder lieb hat gebe ihnen regelmässig Reeses Pudding. Reeses Pudding hebt die geistige und körperliche Entwickelung, stärkt die Nerven und führt dem Körper alle die Stoffe zu, die er zu einer kräftigen und widerstandsfähigen Entwickelung nötig hat. Der billige Preis und die einfache Herstellung auch ohne Eier sollten jede Hausfrau verpflichten, den delikaten und nahrhaften Reesepudding regelmässig herzustellen. 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Wir erinnern deshalb unsere verehrten Abonnenten, insbesondere diejenigen, die bei der Post abonniert haben, die Erneuerung des Abonnements Wer nicht rechtzeitig für das zweite Quartal 1910. unverzüglich erfolgen zu lassen. erneuert, läuft Gefahr, daß ihm die ersten Nummern nicht rechtzeitig geliefert werden. Der Preis für die vorliegende Zeitung beträgt für das 2. Quartal durch die Post fret in Haus 150 Mr. Ich erkläre jeder Frau, wie ich eine selten leichte Entbindung erreichte. Taus. Anerfennungen u. Näh kostenlos. Frau Neues Stadt- Theater Giessen. 5. Johannes, Bremen 59 Vostfach. Wer verkauft sein Hand, Gefäft oder sonst. Anwesen gleich welcher Art hier od. Umgeb. Direktion: Hermann Steingoetter. Off. unt. S. 2810 an Haasenstein n. Vogler, A.-G., Frankfurt M.| Sonntag, den 20. März 1910. Adressenschreiben. Nebenre dienst p. 1000 St. 8-12 m. Schönfchrift nicht erfordert Trappe Patentanwalt Böhlitz- Chrenberg, b. Leipzig. 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Biograph Gemi wer Die diesmali gen inbezug a ebenbürtig an di ten Ausstellung Mohr vertreten, Räume mit Werte Namen wie Auf erer- München den und auch die Frl. Dingelbein fich zu ziehen. Auften Bro recht versteht, se Rembrandt in m tergrundes herau sonderen laffen große Technit en niffen lebende P bon einer wah geugt. So entzüd Green" namentlich Das scharf aus d Dadurch noch mehr Malers gelangt Falten des grün Künstler in äuße Die gleichen Bor miffe. Die übrige impressionistischen Theater lebender, singender und sprechender Bilder. Plockstr. 12* Giessen* Plockstr. 12 Vom 19. bis 22. März ein vollendetes Schlagerprogramm. Pifke spielt Billard, sehr humoristisch. Eine herrliche Rheinreise, kolorriert. Die Seele d. Vaters, gross. Sensationsdrama. Pygmalion, kolorrierter Kunstfilm. Der Werdegang der Fliege und ihre Gefahr für die Menschen. Mikroskopische Kinematographie. Der gelelmte Meyer, hum. Schlager. Der Leuchtturmwärter und sein Kind, grosses Drama von der nordamerik. Küste. Abschied v. d. Alm u. Steh' ich in finstrer Mitternacht. Zwei vorzügliche Tonbilder: SCHIRME SeltersSpazier Gebr. Waag Sets Stöcke. Bürgerverein Giessen. 58. Dienstag, den 22. März 1910, abends 82 Uhr im Saale des Hotel Einhorn Hauptversammlung. Tages- Ordnung: 1. Jahresbericht des Vorsitzenden. was weniger gefal Austen Brown der widmet, denn ge Kunft bewährt ho Gin nicht m München, der ein What. Dieses Gen Junges Mädchen Schäftigt ist. Dad Niche Wiedergabe blühenden Farben benharmonie ist in grund ausfüllende Toten und golden des Gemäldes das Bild auf de ficht das reizvol im Verein mit bes jungen Mäbch Wert durch seine Beurteiler Anerter Auch einige berdienen noch Ausstellung zw erer- München nerhof schildern ziehung an Ru bas fleinste gen mindesten auch Hühnerhof entge des Ursprüngliche vielen Schöpfung Gebiet der Maler Gersdorf- R Geftalten nicht m Dieser Stelle ber zu werden, dere ihre stille Schör " Hinterbären volle Behandlun befindlichen Fid der großer Vorz gefellt, alles Re ziehend machen. 1) D Original Ungewöhn große Size u war schuld dar daftanden, obw fand. Und noc blauen Simmel 2. Rechnungsablage und Entlastung des Rechners taubigen Land 3. Wahl des Vorstandes. 4. Rechtzeitig eingebrachte Anträge: Vergebung Buchenwäldern Ruhe wurde pl terbrochen. In In demselben f städtischer Arbeiten und Lieferungen; die elet der, von zwei 5. Die Stadtverordnetenwahlen 1910. 6. Verschiedenes. Das aus weißer eriten Blid Ser Tentte bas Geip Der Vorstand. dennen war, ma fich oft lebhaft Die Arme auf Anzüge, Ueberzieher, Teppiche, Gardinen, Betten, Matratzen, Divans Möbel auf Kredit. like a bei unerhört kleiner Anzahlung nur im grössten Kredithause Oberhessens J. Jttmann, Giessen, Plockstr. 1416 Versand bis in die entlegensten Dörfer! Bewegung feir bie reizende bität ihrer fie Nicht wa Bezeichnet? Si Bu halten bern geht ganz per meinte, id fen lang aus mir bestätig anz allein, of Da wird mein Der Wite ni gewiß Erschien be Feben; fie unter Belannten, as Bannte fie bas ph Panther Stiefe prechender Bilder. * Plockstr. 12 es Schlagerprogramm. r humoristisch. Sensationsdrama. Kunstfilm. Gefahr für die Mennematographie. und sein Kind, ordamerik. Küste. in finstrer Mitternacht. Zweites Blatt № 45. Gießener Zeitung Der heutigen Nummer der„ Gießener Zeitung" liegt das illustrierte Blatt ,, Neue Lesehalle" bei. Gemäldeausstellung Gießen. Die diesmalige Gemälde Ausstellung wird sich der vorigen inbezug auf Reichhaltigkeit und fünstlerischen Wert ebenbürtig an die Seite stellen tönnen. Waren in der letzten Ausstellung Künstler wie Thiele, Douzette, Eberle und Mohr vertreten, so hatte der Kunstverein diesmal seine Räume mit Werken von nicht geringeren Talenten versehen. Namen wie Austen Brown, Kricheldorf- München, Scheuerer- München werden sicherlich das verdiente Interesse finden und auch die Schöpfungen unserer Gießener Malerin Frl. Dingeldein werden nicht verfehlen, manches Auge auf sich zu ziehen. = Austen Brown London ist ein Künstler, der es so recht versteht, seine Gestalten gleich dem Helldunkelmaler Rembrandt in martigen Zügen aus dem Dunkel des Hintergrundes herauszuheben. Seine Frauenbildnisse im besonderen lassen deutlich seine tiefe Empfindung und seine große Technit erkennen, denn gerade die in diesen Bildnissen lebende Poesie der Farbenstimmungen ist es, welche von einer wahrhaft bewunderungswürdigen Auffassung zeugt. So entzückt seine Schöpfung Portrait in Red and Green" namentlich durch das zarte Rot des Frauenantlibes, das scharf aus dem dunklen Hintergrund hervortritt und dadurch noch mehr an Reiz gewinnt. Die große Technit des Malers gelangt ferner ganz besonders in den schillernden Falten des grünen Sammettleides zum Ausdruck, das der Künstler in äußerst feinsinniger Weise wiederzugeben wußte. Die gleichen Vorzüge bestßen auch die anderen Frauenbildnisse. Die übrigen Bilder des Künstlers huldigen mehr einer impressionistischen Auffassung und dürfen deshalb wohl etwas weniger gefallen. Es wäre sehr zu wünschen, daß sich Austen Brown der Helldunkelmalerei noch mehr als bisher widmet, denn gerade dieses Gebiet ist es, in dem seine Runft bewährt hat. Ein nicht minder großes Talent ist richeldorf= München, der ein treffliches Genrebild Toilette" ausgestellt hat. Dieses Gemälde ftellt ein vor dem Spiegel sißendes junges Mädchen dar, daß gerade mit seiner Toilette beschäftigt ist. Das Werk spricht namentlich durch die treffliche Wiedergabe des Mädchenantlißes an, das in seinen blühenden Farben jeden Beschauer fesseln wird. Diese Farbenharmonie ist in nicht geringerem Grade den den Hintergrund ausfüllenden Zimmerwänden eigen, welche in ihren roten und goldenen Mustern einen ebenso großen Vorzug des Gemäldes bilden. Diesen vortrefflichen Eindruck, den das Bild auf den Beschauer ausübt, dürfte in jeder hinficht das reizvoll ausgeführte Gold des Spiegelrahmens im Verein mit der ftilvollen Behandlung der Gewandung des jungen Mädchens vervollständigen. Ganz sicher wird das Wert durch seine mannigfachen Reize auch dem strengsten Beurteiler Anerkennung abringen können. Auch einige schöne Schöpfungen der Miniaturmalerei verdienen noch besondere Erwähnung. So sind auf der Ausstellung zwei niedliche Miniaturbilder von Scheuerer- München vertreten, welche das Leben auf dem Hühnerhof schildern. Die geradezu einzigartige in mancher Beziehung an Rubens erinnernde Farbenpracht, die bis in bas fleinste genau durchgeführte Zeichnung und nicht zum mindesten auch das Leben, daß dem Beschauer aus diesem Hühnerhof entgegenlacht, geben dem Gemälde jenen Reiz des Ursprünglichen und jene Anmut, welche man bei so vielen Schöpfungen sonst meistens vergebens sucht. Dieses Gebiet der Malerei beherrscht in ebenso vollendeter Weise Gersdorf- Röthenbach- München, der seinen winzigen Gestalten nicht minder gut Leben abzugewinnen weiß. An dieser Stelle verdient auch Emma ha i m ft et genannt zu werden, deren Alpenlandschaften ganz besonders durch ihre stille Schönheit ansprechen. Namentlich ihr Gemälde Hinterbären Jm wilden Kaiser" gefällt durch die stilvolle Behandlung des dunden Grüns der im Vordergrund Selters befindlichen Fichten, wozu sich als ein zweiter nicht minweg 58 der großer Vorzug die treffliche Schilderung der Alpennatur gefellt, alles Reize, die das Gemälde ganz besonders an= ziehend machen. ME Taag Giessen 0, abends 8 Uh el Einhorn mmlung. ung: enden. 1) Die Freundinnen. Originalroman von Frene v. Hellmuth. Nachdruck verboten. I. Ungewöhnlich frühe zog der Herbst ins Land. Die große Size und Trockenheit des vergangenen Sommers war schuld daran, daß die Bäume schon halb entblättert Dastanden, obwohl man sich noch im Monat August be fand. Und noch immer zeigte sich kein Wölkchen am tiefblauen Himmel, flimmernd lag der Sonnenschein auf der Buchenwäldern begrenzt war. Die ringsum herrschende Ruhe wurde plöblich durch herannahendes Räderrollen untlastung des Rechnet Staubigen Landstraße, die rechts und links von dichten Anträge: Vergebu terbrochen. In schlankem Trabe fuhr ein eleganter, reizenLieferungen; die elder, von zwei zierlichen Ponys gezogener Wagen dahin. len 1910. Der Vorstand. Teppicha, Divans essens 14/16 In demselben saß eine anscheinend noch sehr junge Dame. Das aus weißem Loden gefertigte Kostüm verriet auf den ersten Blick den feinen Geschmad seiner Trägerin. Sie Tenkte das Gespann eigenhändig und wie unschwer zu erfennen war, machte ihr dies riesig Spaß, denn Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Von den ausgestellten Werken der Gießener Maler dürften wohl die weitgehendste Beachtung die Arbeiten Fräulein Dingeldeins verdienen. Diese Künstlerin sucht ihre Motive mit Vorliebe in der anspruchslojen, hehren Schönheit der Stilleben. Ihre Fliedergruppe wird sicherlich durch ihre mannigfachen Vorzüge sofort dem Auge des Beschauers gefallen. Dieser stilvolle Farbenton, den das Geschick der Malerin den roten und braunen Blüten zu geben wußte, diese vollendete Schattierung und nicht zuletzt auch die tiefe Empfindung für die Reize der Natur verdienen es, die Allgemeinheit auf diese Malerin aufmerksam zu machen. Frl. Dingeldein ist eine ganz beachtenswerte Künstlerin, die uns mit diesem Stilleben von neuem einen Beweis ihres Könnens erbracht hat, welcher sich den früheren Arbeiten ebenbürtig zur Seite stellen kann. Lokales. 19. Gießen, März 1910. ** Vom Hofe. Staatsminister Dr. Ewald und Gemahlin, sowie Frau Geh. Kommerzienrat Gail aus Gießen nahmen am 15. März an der Frühstückstafel im Neuen Palais teil. 1* Die Mathildenstiftung für Oberhessen. Nach dem Voranschlag der Mathildenstiftung für Oberhessen sind für das Jahr 1910 etwa 1500 Mt. vor- handen, welche zu wohltätigen Zwecken verwendet und womit in erster Linie die in der Provinz bestehenden Kleinfinderschulen bedacht werden sollen. Es werden hiernach die Vorstände solcher Schulen, für welche eine Subvention gewünscht wird, aufgefordert, ihre des fallsigen Gesuche, mit welchen eine möglichst ausführliche Mitteilung über Ausdehnung, Mittel und Bedürfnisse der betreffenden Anstalt zu verbinden ist, bis zum 1. April lf. Is. an den Vorstand der Mathildenstiftung für Oberhessen in Gießen gelangen zu lassen. * Frauen- Studium. Nachdem jetzt auch Mecklenburg- Schwerin den Frauen das Recht der Immatrikulation in Rostock verliehen hat, fännen an allen deutschen Universitäten und technischen Hochschulen Frauen als Stu dierende und als Hörerinnen zugelassen werden. Im gegenwärtigen Semester sind 1856 Frauen an deutschen Universitäten immatrituliert gegen 1409 im Sommersemester. Daneben sind 1928 Frauen als Hospitantinnen zugelassen, gegen 1104 im Sommersemester. * Die Eisenbahndirettion Frankfurt a. M. gibt bekannt, daß die zur Beförderung fommenden Vorzüge als solche für die Reisenden und das sonst beteiligte auf den Bahnsteigen anwesende Publikum besonders fenntlich gemacht werden sollen. Aul allen Stationen sind deshalb zu den Vorzügen auf den Bahnsteigen Standschil der mit der Aufschrift„ Vorzug" aufzustellen. Auf allen Stationen, auch da, wo ein Abrufen in der Regel nicht mehr stattfindet, ist zu den Vorzügen abzurufen und dabei besonders darauf aufmerksam zu machen, daß die Benubung der Vorzüge wegen der sicheren Erreichung der Anschlüsse für die Reisenden von Vorteil ift. tt Stadttheater. Am Palmsonntag werden dem Charakter des Tages entsprechend zwei ernste Stücke gegeben: nachmittags" Narziß" und abends Tantris der Narr" mit Herrn Hans Baumeister vom Großh. Hoftheater Darmstadt als Gaft. Zu letterem Stück haben Gutscheine Gültigkeit. Auf das am Montag, den 21. März( außer Abonnement) stattfindende Benefiz für Herrn Rudolf Goll sei besonders hingewiesen. Der beliebte Bonvivant unserer Bühne hat zu seinem Ehrenabend das seit Jahren hier nicht gegebene beliebte Lustspiel„ Der Veilchenfresser" erwählt, in welchem er die Rolle des Viktor Berndt geben wird. == Durchgangszüge. Die Eisenbahnverwaltung hatte vor einiger Zeit ein Gesuch verschiedener Gießener Bürger erhalten, welches um die Einlegung von Dsirch- gangszügen von den mittelrheinischen Städten nach Gießen bat dergestalt, daß die betreffenden Züge ihren Weg über Homburg v. d. H. und Bad Nauheim nehmen. Der Eisenbahnminister war leider nur in der Lage, der Eingabe in einem beschränkten Maße durch eine Verfügung zu entsprechen, welche bestimmt, daß die von Frankfurt kommenden Eilzüge in Bad Nauheim vom 1. Mai ab einen möglichst guten Anschluß nach Gießen finden. Die auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkten Eilzüge werden außerdem ebenfalls von diesem Zeitpunkt ab das ganze Jahr hindurch verfehren und so im Verein mit dem Anschluu in Bad- Nauheim wenigstens für eine unmittelbare Verbindung der mittelrheinischen Städte mit Gießen sorgen. all der Zeit faum verändert hatte, höchstens daß ein paar Striche auf der Stirn und um die Augen hinzugekommen waren, seit er das kleine Fräulein auf seinen Armen getragen, oder auf seinen Knien geschaufelt hatte. Er erinnerte sich noch genau an jene Beit: Wie war er vorsichtig umgegangen mit dem Kleinen Mädchen, als könnte er an dem herzigen rosigen Ding etwas zerbrechen! Als er das erste mal das zappelnde, in weiße Spißen gehüllte Kindchen auf seine Arme tragen durfte, war er nicht wenig stolz. Ganz verklärt schaute er auf das füße Gefichtchen, auf die großen, schwarz bewimperten Augen, die so flug in die Welt blickten. Er vermochte den Blick nicht davon abzuwenden. Und immer, wenn ihm das Kindermädchen zufällig in den Weg lief, ließ er seine Arbeit im Stich und bettelte: Geh, gib mir unser Kleines ein wenig, es ist ein gar zu liebes, herziges Ding!" Obwohl die Wärterin ihn darob stets einen alten Narren schalt ließ sie es doch immer gutmütig geschehen, daß er das Kind kurze Zeit hin und hertrug. Als die Kleine den Namen Maja erhielt, war der Alte ganz gerührt sich oft lebhaft an dien hinter ihr libenden Dieie wandte und niďte zustimmend mit dem Kopf: te Die Arme auf der Brust verschränkt, aufmerksam ieder Bewegung seiner jungen Herrin folgte, und öfters rief pie reizende Lenkerin des Gespannes mit der ganzen Naipität ihrer fiebzehn Jahre lachend: Nicht wahr Friß, ich verstehe meine Sache ganz aus gezeichnet? Siehst du, wie ich die feurigen Tiere im Baum u halten vermag? Sie gehorchen jedem Wort von mir! 8 geht ganz famos! Ich freue mich bloß wegen Papa, er meinte, ich hielte das Kutschieren nicht fünf Minu en lang aus bei meiner quecksilbernen Natur. Du wirst mir bestätigen, wenn wir nach Hause kommen, daß ich anz allein, ohne deine Hilfe gefahren bin, nicht Friz? Da wird mein Papa schon Respekt bekommen!" Der Alte nickte feiner jungen herrin eifrig sut Ei gewiß werde ich das, Fräulein, gewiß!" Er schien bei der jungen Dame in großer Gunst zu tehen; fie unterhielt sich mit ihm wie mit einem lieben Belannten, Was Wunder auch! So lange lie denken konnte Tannte sie das gute, alte, runzliche Gesicht, das sich in Ganz recht", sagte er, das paßt für unser Kleines, denn recht wie ein Maienröslein sieht es aus!" Man neckte das heranwachsende Mädchen öfters mit feinem alten Bewunderer; denn wo er die zierliche Geftalt erblickte, hielt er mit der Arbeit inne und sah ihr nach, bis sie seinen Augen entschwand. Glückselig tat er alles, was sie von ihm verlangte und fügte sich in alle Launen des verwöhnten Troßköpfchens. Was in seiner Macht lag, tat er für dasselbe; Fräulein Maja war seine Augenweide und er trug die Bewunderung für fie offen zur Schau obwohl ihm das seitens der Herrschaft manchen Tadel eintrug: Du bestärkst das Kind in seinem Eigensinn", schalt Majas Vater oft, wenn Friß den Fürsprecher machte bei ben findlichen Wünschen, die dem kleinen Fräulein aus Irgend einem Grunde versagt werden mußten. Maja feste in den meisten Fällen ihren Willen durch War sie doch das einzige kind eines Mannes, der über ungezählte Reichtümer verfügte. Und er vergötterte das Mädchen geradezu. Der ausgedehnte Betrieb seines großen Samstag, den 19. März 1910. -p- Von der Schule. Zwischen dem Ende des alten und dem Anfange des neuen Schuljahres erhebt sich für viele Eltern und Schüler die Frage: Was nun begin= nen? Manche Schüler sind durch Krankheit zurückgekommen, andere sind durch besondere Verhältnisse gezwungen wor= den, ihre Studien zu unterbrechen, und sind jetzt wieder in der Lage, sie wieder aufzunehmen. Alle diese jungen Leute finden in den Privatschulen, die durch ihre beschränkte Schülerzahl und ihre sonstigen Einrichtungen eine durchaus individuelle Behandlung ermöglichen, Gelegenheit, auf dem schnellsten Wege zu ihrem Ziele zu gelangen. Die„ Höhere Privatschule Darmstadt"( Vorsteher M. Rupp) hatte in der furzen Zeit ihres Bestehens( feit Ostern 1907) bei solchen Schülern schöne Erfolge zu verzeichnen. Mit der Anstalt ist im Interesse einer gedeihlichen Zusammenwirkung von Erziehung und Unterricht ein fleines Familienpensionat verbunden.( Näheres siehe Anzeige.) * Kurse für Stotter er. Es dürfte trotz unserer aufgeklärten Zeit wohl faum ein zweites in das Leben des damit betroffenen so tief und rücksichtslos einschneidendes Leiden, wie das Stottern, geben. Herr Böser ist es nun gewesen, dessen Scharfblick das über diesem Leiden zurzeit noch schwebende Dunkel durch ein Korrektiv- Verfahren gelichtet hat, welches von der Annahme ausgeht, daß das Stottern auf eine unnatürliche Stimmbildung zurückzu führen ist. Die schier unzähligen Dankschreiben im Verein mit dem Rufe des Herrn Böser geben uns Anlaß, alle Stotternden auf die in jeder Beziehung so segensreichen Lehrkurse Herrn Bösers aufmerksam zu machen, die demnächst in Gießen stattfinden werden.( Näheres siehe Inserat.) Aus Hessen und Nachbargebiet. * Mainz. Bezüglich des Studenten Jos. Racke, der wegen der Ermordung seines Vaters und dreier seiner Geschwister zeitlebens in einer Frrenanstalt interniert werden sollte und der sich gegenwärtig in der Frrenanstalt zu Alzey befindet, erfahren wir, daß er einem raschen Ende Wollen Sie etwas Feines rauchen? ,, Salem Alelkum" Wort und Bild sind gesetzlich geschützt. Dann empfehlen wir Ihnen sind gesetzlich Wort und Bild ,, Salem Alaikum" geschützt Salem Aleikum aus reln orientalischen Tabaken hergestellte naturell- aromatische Cigarette.:: Diese Cigarette wird in Nr. 3 nur lose, în den Nummern 4 bis 10 auch in einfachen Kartons à 20 Stück Inhalt, ohn Kork, ohne Goldmundstück verkauft. Bei diesem Fabrikat sind Sie sicher, daß Sie Qualität, nicht Konfektion bezahlen. Salem Aleikum Cigaretten sind außer zu 3, 4, 5 Pfg. das Stück auch in Luxusqualitäten zu 6, 8 und 10 Pfg. erhältlich. Nur echt, wenn auf jeder Cigarette die volle Firma steht Orient. Tabak- u. Cigarettenfabrik, , Yenidze❝ 66 Inh. Hugo Zietz Dresden. Zu haben in den Cigarren- Geschäften. Geschäftes brachte auch manche Aufregung und manche Unannehmlichkeit mit sich, so daß der rastlos tätige Mann manchmal mit verfinsterter Stirn sein elegantes Heim betrat, daß er verstimmt und ärgerlich im Zimmer auf und ablief. Wenn dann aber Maja sich zärtlich an ihn hing, die lachenden, von Lebenslust strahlenden Augen zu ihm aufschlug und innig bat: Lieber Papa, bitte, bitte, nicht ein so finsteres Gesicht machen! Du weißt, ich fann das nicht leiden! Schnell, schnell, die Falten auf deiner Stirn müssen verschwinden", dann war seine Gereiztheit wie weggeblasen.. Und wenn sie dann lobte:„ So, so ist es recht, Väterchen, siehst du, es geht, wenn man will," dann zog er das liebliche Mädchen wohl leidenschaftlich an sich und sagte: ,, Ja, du mein Sonnenkind, wenn ich dich nicht hätte, bei dir vergesse ich allen Aerger!" So viel Macht Maja auch über ihren Vater besaß, dahin brachte sie es troßdem nicht, daß er sich ganz von den Geschäften zurückzog. Der Betrieb seiner Fabriken war sein Element, seine Lebensbedingung. Er konnte sich ein Leben ohne Arbeit einfach nicht denken. Durch die Arbeit war er zu Reichtum und Wohlhabenheit, zu Ehre und Ansehen gelangt, sie war ihm so zur Gewohnheit geworden, daß er sich ihr nicht entziehen konnte, ohne sich unglücklich zu fühlen. Ferdinand Reinau, Majas Vater war ein Mann in den besten Jahren. Das Geschäft hatte er von seinem Vater übernommen, und er brachte es durch Fleiß und Umsicht dahin, daß es bald zu den ersten des Landes zählte. Den größten Kummer bereitete es ihm, daß er feinen Sohn besaß, dem er einst die Leitung des weitberzweigten Betriebes übergeben konnte, daß einst Fremde da schaffen sollten, wo er mit Lust und Liebe stets gearbeitete und gesorgt hatte. Freilich blieb ihm die Hoffnung, daß seine Maja sich dereinst einen Gatten wählen möchte, der die Fabriken in seinem Sinne weiterführte, aber mer konnte fagen wie sich die Zukunft gestaltete? Das eigenwillige Kind würde sicher nur dem Herzen folgen bei dieser Wahl, und einen Druck wollte der Vater auf keinen Fall auf seinen Liebling ausüben. Maja sollte glücklich werden, er wollte dazu beitragen, so viel in seiner Macht stand. ( Fortsetzung folgt.) entgegensieht. Zu dem geistigen Verfall des jungen Mannes sei noch ein schweres Gehirnleiden dazugekommen, das seine baldige Auflösung herbeiführe. Das wäre wohl die beste Lösung für den Frrsinnigen, der immer noch in dem Wahne lebt, eine gute Tat verübt zu haben. * Mainz. Der hier vor einigen Tagen ausgebrochene Milchkrieg ist nun beigelegt worden und die Milchhändler liefern ihren Kunden fast überall das volle Quantum Milch wieder, nur in vereinzelten Fällen ist eine Beschränkung des täglichen Verbrauchsquantums notwendig. * Mainz, 17. März. Der zum Tode verurteilte Franz Selzer aus Pfeddersheim hat gestern Revi sion gegen das Urteil des Schwurgerichts eingelegt. * Offenbach. Hier feierte der Führer der hessischen Sozialdemokratie, Reichstags- und Landtagsabgeordneter Karl Ulrich das Jubiläum seiner 25jährigen Zugehörigkeit zur zweiten hessischen Kammer. * Frankfurt a. M. Die hess. Vereinigung für Volkskunde hielt dieser Tage in Frankfurt a. M. eine zweite Besprechung über die Sammlung der Flur- und Forstortsnamen Hessens ab. Der Versammlungsleiter und Vorsitzende, Herr Pfarrer Schulte Großen- Linden, teilte mit, daß viele Anmeldungen zur Mitarbeit eingegangen sind. Für die Schreibung der mundartlichen Formen der Namen hat ein besonderer Ausschuß Grundsäße aufgestellt, die ebenfalls in dem Heft niedergelegt sind. Herr Haus- und Staatsarchivar Dr. Dieterich- Darmstadt sprach sodann über die Organisation des Unternehmens. Die Leitung des Unternehmens, die möglichst einfach sein soll, setzt sich zusammen aus Vertretern der Geschichtswissenschaft, Germanistik und Volkskunde, die den drei Provinzen angehören sollen. Als Leiter wurden gewählt Dr. Dieterich- Darmstadt, Geheimrat Prof. Dr. Behag he l- Gießen, Professor Dr. Alles- Friedberg, Professor Reis- Mainz und Pfarrer Schulte- GroBen- Linden mit dem Rechte der Kooptation. * In Amerika verstorbene Hessen. Gertrude Krausch, geb. Bücking, 75 Jahre alt, aus Homberg, in New- York, Peter Briel, 45 Jahre alt, aus Ernsthausen, in Washington, Santus Auth, 66 Jahre alt, in Washington, Peter König, 60 Jahre alt, aus OberMörlen, in Detroit, Anna Elise Reinhard, geb. Stem pel, 69 Jahre alt, in Cincinnati, sechs Tage vorher war ihr Gemahl, Jos. H. Reinhard, verschieden, worüber berichtet wurde, Georg Völker, 76 Jahre alt, aus Hessen- Darmstadt, in Waterlo. Er wurde von einem Eisenbahnzug überfahren, als er auf dem Schienengeleise verloren gegangenes Getreide für seine Hühner auslesen wollte. Medizin. und techn. Drogen, Chemikalien, Materialwaren, Chemische Spezialitäten eigener Fabrikation, Otto Schaaf, Gießen, Seltersweg 39. Gegründet 1883. Fernspr. Nr. 45. Klein- und Großhandel. Auskunft über chem. technische Fragen. Heinr. Krevert Plockstrasse 11 Telephon 323 Feine Mass- Schneiderei Engl. Damen- Kostüme Sport- Kostüme Loden- Anzüge Reichhaltiges Lager in deutschen und englischen Stoffen. 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Nachmittags 2½ Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde. Die neufonfirmierten Knaben der Matthäusgemeinde werden eingeladen, sich Montag, den 21. März, nachmittags 1 Uhr, am Neustädter Tor zu versammeln. In der Johanneskirch e. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lutasgemeinde. Pfarrer Bechtholsheimer. Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Abends 7½ Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukas- und Johannesgemeinde. Gründonnerstag, den 24. März. In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 9½ Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Abends 7% Uhr: Beichte und heiliges Abendmahl für Lucas- und Johannesgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Pfarrer Bechtolsheimer. Karfreitag, den 25. März. Kollekte für die evangelischen Anstalten zu Jerusalem. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Professor D. Schian. Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Marfusgemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Kalk- u. Marmor- Werke u. Dampfziegelei Telefon 84. Aug. Gabriel jr. Giessen, Telefon 84. la. 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Batholische Gemeinde Samstag, den 19. März. Nachmittags 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 20. März. Palmsonntag. Vormittags 6% Uhr: Gelegenheit zur hi. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vormittags 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vormittags 9 Uhr: Hochamt. Vor dem Hochamt findet die Palmenweihe statt. Vormittags 11 Uhr: Heilige Messe. Militärgottesdienst. Nachmittags 5½ Uhr: Christenlehre; darauf sakrementalische Bruderschaftsandacht. Dienstag Abend um 6½ Uhr ist Fasten- Andacht. Verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Haltet das Blut rein. Dieses ist die erste Grundbedingung zu guter Gesundheit. Wird das Blut korrumpiert und dadurch dessen Zirfulation beeinträchtigt, is der Organismus unzähligen Krankheiten ausgesetzt. Es entstehen Rheumatismus, Hautausschläge, Herzstörungen, Kopfleiden und ist der Körper ernsten Krankheiten sehr leicht ausgesetzt. 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Während die meisten Gemeinden im Maingau ihre Steuern über 100 Proz. haben erhöhen und daneben noch erhebliche Anleihen machen müssen, um ihre wirtschaftlichen Aufgaben zu lösen, hat Schwanheim den niedrigen Steuerfuß von 60 Proz. beibehalten können und ist außerdem in der Lage, Geld zur Ausleihe zu bringen. Wie der„ Landbote des Wiesbadener Tageblatts", Nr. 1 1910, mitteilt, macht der Schwanheimer Bürgermeister bekannt, daß 6000 bis 7000 M vom 1. April 1910 ab gegen 4 Proz. zum Ausleihen bereit seien. Man sieht, welche Vorteile die Allmende mit sich bringt für Landgemeinden. Aus einem Tagebuch. Versuche bei jeder Meinungsverschiedenheit zuerst, deine Ansicht und die Ansicht deines Gegners klar zu formulieren! Du siehst dann meist, daß der Streit überflüssig ist; entweder ist man schon einig, oder man wird es niemals. Bei Diskussionen versuche erst die Ansicht des anderen so klar als möglich werden zu lassen, gib ihr dann alles Recht, das ihr zukommt, und bemühe dich schließlich, deine eigene Meinung in Frageform daran anzuknüpfen! Das ist für die anderen wie für dich das erfolgreichste und fruchtbarste Verfahren. Dankbarkeit eines Schülers. Als Napolon I. zum Kaiser ausgerufen war, kam ein Mann in ziemlich ärmlicher Kleidung nach St. Cloud und bat den Marschall Duroc dringend, ihm bei dem Herrscher eine Privataudienz auszuwirken. Er wurde in das Kabinett des Kaisers geführt. Was wollen Sie von mir?" fragte der Kaiser." Sire" antwortete schüchtern der Mann, ich habe das Glück gehabt, Ew. Majestät fünf Vierteljahre hindurch auf der Schule zu Brienne Schreibunterricht zu erteilen"." Nun, da haben Sie bei meiner Treue keinen üblen Schüler gebildet, BLEME. Fröhlice stern! Halte niemals einen Dunst für einen Glorienschein,- auch nicht bei dir selbst! Erkenne an, wo du nur irgend anerkennen kannst, und es wird ein unbeschreiblicher Zauber von dir ausstrahlen! Dies ist der schönste und sicherste Weg, der Menschen Liebe zu erwerben und zugleich ihr strengstes Gewissen zu werden. Sprich über das Böse, was du mußt, und über das Gute, wo du kannst! Denk an das Böse, wo du mußt, und an das Gute, wo du kannst! Abstrichrätsel. Chrom Geist Listen : Vorstand Wein ich gratuliere Ihnen dazu!" erwiderte Napoleon lachend, sagte ihm noch einige freundliche Worte und entließ ihn mit den Worten:' s ist gut, recht gut; ich werde meinen Schreiblehrer nicht vergessen". Und wirklich wurde dem Manne ein Jahrgehalt von 1200 Frank angewiesen. Heitere Ecke. Gute Beute. A:„ Nun, Herr Assessor, was haben Sie denn auf der Jagd beim Rittergutsbesitzer von G. erbeutet?" B.: ,, Seine Tochter!" Faule Fische! Vater:" Wo bleibst du denn so lange, Karl? Die Schule ist doch längst aus!" " Ja, weißt du, Vater, wir haben jetzt so schrecklich viel zu tun, daß wir Ueberstunden machen müssen." Stoßseufzer. Freundin:„ Du Glückliche, deine Hochzeit steht vor der Tür!" Braut: Ja, die Hochzeit, aber auch die Kochzeit!" - Wink. Onkel( zu seinem studierenden Neffen):„ Ist das dein Geldbriefträger? Donner und Doria ist der Kerl dick!" Neffe:„ Du strapazierst ihn zu wenig, Onkel!" " Pech. A.:„ Ich denke, die reiche Witwe sollte Ihre Frau werden.' B.. Sie wär's auch beinahe geworden, da lernte sie aber kürzlich einen hübschen Zeichner kennen, und der machte mir einen Strich durch die Rechnung." Inserat des zerstreuten Professors. Sechsjähriger Witwer ( Professor) mit fünfzig Kindern sucht sich wieder zu verheiraten. Unsere Rätselecke Von jedem Wort sind zwei Buchstaben an beliebiger Stelle zu streichen. Die übrigen Buchstaben müssen dann, im Zusammenhang cele en, die religiöse Bedeutung eines Festes bezeichnen. Magisches Zahlenquadrat. In die 13 leeren 459 250 492 Felder sind die Zahlen 470 283 316, 327, 338, 349, 360, 371, 382, 393, 261 503 404, 415, 426, 437, 481 294 448 so einzutragen, daß die fünf Zahlen 272 514 305 in jeder wagerechten und in jeder der beiden Diagonalen als Summe unsre Jahreszahl 1910 ergeben. Rätsel. In Orleans, doch nicht in Minden Kann man den ersten immer finden. Das nächste Paar wird nicht am Rhein, Doch in Triest zu finden sein. In Moskau nie, doch stets in Bern Die letzten drei sich zeigen gern. In jedem Jahr im Festesglanze Begrüßen wir das schöne Ganze. Zahlenpyramide. 7 7 3 763 36 17 7 6 3 5 1 3145 7 6 Rätsel. Von Gold, wirds sehr geschätzt: Von Erde, bleibts uns zuletzt, Von Menschen, ziehts durch die Gassen, Sie wollen die Stadt verlassen. Nachdruck der Rätsel und Aufgaben verboten. Die Auflösungen erfolgen in der nächst. Nummer. Auflösungen der Rätsel und Aufgaben in voriger Nummer: Diagonalrätsel: O S t e r n SAAA S++ A A u a n Die Zahlen sind durch Buchstaben N a t ha n L a t e i n so zu ersetzen, daß Ta n e r a der oberste Buchstabe eine Note nennt. Die wage1 2 3 4 5 6 7 rechten Reihen sollen bezeichnen: 1. einen Keim neuen Lebens; 2, 4 und 5 je einen biblischen Namen; 3. einen weiblichen Vornamen; 6. eine Schneckenlinie. Nan sen Worträtsel: Osterferien( Osten, Fersen). Gleichung: Märzveilchen.( a Mähne, b Heine, c Et, d Reiz, e Vase, f Ase, g Leichen. Verantwortlicher Redakteur: Paul Oschmann, Verlag und Druck des Christlichen Zeitschriftenvereins, Berlin SW. 68, Alte Jakobstr. 129. № 13. Neur Lelehalle Beilage zur Gießener Zeitung. Russisches Ostern. stern ist in Rußland das Hauptfest des ganzen Jahres. Weihnachten, Pfingsten und auch des Zaren Ge= burtstag treten weit dahinter zurück. Der Gottes= dienst der Osternacht ist eines der schönsten und ergreifendsten Schauspiele, die man sehen kann. Bis Mitternacht ist noch Leidenszeit. Die Liturgie, voll von schönen und ergreifenden Gebeten, die prachtvollen, wehmütigen Chorgesänge haben nur auf das Leiden und Sterben des Heilandes Bezug; von den Lichtern sind nur wenige angezündet; das Ganze ist feierlich ernst und traurig. Vor der goldenen Tür, hinter der der Hauptaltar steht, liegt die Statue des gekreuzigten Erlösers auf der Bahre; zu beiden Seiten die klagenden Chöre. Gegen Mitternacht wird die Bahre aufgehoben, das Klagen der Chöre verstärkt sich, und der Zug verläßt mit der Bahre unter immer mehr in der Ferne der Kreuzgänge verhallendem 1910. Grabgesang die Kirche. Die Grablegung beginnt. Im Kirchenraum ist es dunkel und still, weder Gesang, noch Vorlesung; die Andächtigen warten stehend oder kniend; jeder hat das Licht, das er in der Hand hält, gelöscht. Das dauert etwa eine Viertelstunde. Auf dem Turme schlägt es Mitternacht der Ostertag ist angebrochen - im Nu werden die Kerzen entzündet. Verwandte, Freunde, Bekannte, ja selbst einander Fremde, die in der Kirche nebeneinanderstehen, küssen sich;" Christ ist erstanden!" ruft der eine," Er ist wahrhaftig auferstanden" lautet die Antwort. Von der Ferne her kommt festlicher, jubelnder Ostergesang der Chöre; und in einer Flut von Licht und Gesang kommt der Priesterzug mit den Chören zurück, das Christusbild in der Mitte: Christ ist erstan den! Und nun beginnt der fröhliche Osternacht- Gottesdienst. Ein menschenfreundlicher Osterbrauch in Rußland: Einsegnung der Ostertafel durch den Priester. Am Osterfeste, das die russische Kirche etwa 14 Tage später als wir feiert, ist es Sitte, in den Häusern offene Tafeln aufzuschlagen, zu benen jeber Arme Zutritt hat. Unser Bild stellt die Osterspeisung ruffischer Schüler bar. n Afterweg 9. ets Gießen. 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Und deshalb blickte er aufmerksam auf die Näherkommende ein jähes Erröten färbte das von Luft und Sonne gebräunte Antlitz und sein Fuß stockte! Das war ja sie, die er doch nicht vergessen hatte, die er heute noch neben jedes Mädchen vergleichend stellte, wenn er der Mutter Wunsch erwog:" Aber Konrad, du mußt doch nun auch ans Heiraten denken jetzt mit einem Gut- ohne Frau, das geht doch nicht." Und an Onkel Thielemanns letztes Wort, als er sterbend dem Neffen erklärt hatte:„ Mein Kühlhagen bekommst du; liebe es, wie ich's geliebt habe, und gib hier eine Herrin her aber Junge nur eine, die du liebst, recht herzlich liebst! Sonst geht dirs wie mir du wirst unglücklich und zuletzt einsam und du sollst glücklich werden!" Nun war er nicht mehr der arme Oberleutnant, nun war er der wohlhabende Besitzer von Kühlhagen, und er wußte wohl: es war eigentlich doch ein Eigensinn, daß er Charlotte nicht vergessen konnte. Und jetzt, wo er fast dazu gekommen wäre, der Mutter Wunsch zu erfüllen, als er sah, wie in Haus und Hof von Kühlhagen die Herrin fehlte, heut, wo er gedacht hatte, fertig geworden zu sein mit der Erinnerung, heut trat sie ihm entgegen sie selbst so, wie er sie im Gedächtnisse hatte von damals. Als er sie sah in dem schwarzen Kleide und in demselben Augenblicke die beiden weißgeklei= deten Kinder, da wußte er, daß sie frei war. " Charlotte!" sagte er und stand hochaufatmend still vor ihr Charlotte wir haben uns lange nicht gesehen, und hier müssen wir uns begegnen!" Sie erschrak so heftig, daß sie sich an den Stamm einer Buche lehnen mußte, aber sie reichte ihm die Hand zum Gruße. Er umschloß sie mit kräftigem Druck, und als er sie küßte, sah er, daß sie zwei Trauringe trug. " Charlotte, sagte er erschüttert,„ das Leben führt doch unsere Wege zusammen. Wie kommts, daß Sie hier sind in der Einsamkeit von Eichwalde?" Sie hatte sich wieder gesammelt, ihre Stimme klang fest und sicher." Ich bin Sekretärin bei der Kommerzienrätin Kielwerder als mein Mann starb vor einem Jahre mußte ich mir Erwerb suchen für mich und die Kinder. Ich hatte nichts gelernt keine Fachbildung mußte froh sein, diese Stellung zu finden. Und ich mußte mit hierher die Kommerzienrätin wollte, ich sollte mit den Kindern ihr Gast sein ich auf dem Schlosse, aber sie verstand es, daß ich das Anerbieten nicht annahm. Ich mietete mir eine Wohnung im Lehrerhause und bin sehr glücklich hier." Er war neben ihr hergeschritten, und die Kinder kamen gelaufen, sagten freundlich Guten Abend und streichelten den großen Jagdhund, der seinen Herrn begleitete. Dann liefen sie, mit dem Hunde spielend, wieder vorauf. Und weiter?" fragte er leise. " Weiter?" erwiderte sie, ich weiß nichts weiter ich bin so wunschlos, es ist alles ruhig in mir." „ Lehren Sie mich diese köstliche Ruhe, Charlotte in mir ist alles unruhvoll!" sagte er leiſe. „ Man ist nicht umsonst fast neun Jahre in des Lebens harter Schule," sagte sie ,,, man lernt dann das große Meisterstück innerer Ruhe." Er spürte wieder den Zauber dieser Frau, einen anderen, als den das fröhlich- sanfte Mädchen von damals gehabt hatte." Charlotte," sagte er und nahm ihre linke Hand zwischen seine beiden Hände, ,, wir sind beide zwei selbständige Menschen nur uns allein und einander Rechenschaft schuldig ich bin Ihnen treu gewesen alle die Jahre, ich habe Ihrer gedacht als einer, die mir verloren ging, ich habe die Schwelle Ihres Hauses nicht entweiht; wenn ich Sie nun heut bitte: werden Sie jetzt mein Weib! was sagen Sie dazu?" Die Kinder hatten einen kleinen Vorsprung und vergnügten sich, den treuen Karo ein Stück Holz apportieren zu lassen, was er zu ihrem großen Jubel auf ihren Befehl tat- sie waren so vertieft, daß sie sich um die Mutter nicht kümmerten, die langsam neben dem Fremden einherschritt. Wissen Sie, was Sie da tun?" fragte sie und sah ihn mit ihren leuchtenden, grauen Augen an. " Ich bin eine andere als das Mädchen von damals, eine andere als die Frau, die Sie in Rühlsdorf wiedersahen, ich bin durch das Leid meines Lebens, das ich selbst verschuldete, gestählt, ich schwanke nicht mehr und lehne mich schutzbedürftig an. Den festen Standpunkt im Leben, den fand ich nicht als Mädchen, nicht als Braut, nicht als Frau und Herrin meines Hauses, die ich in Wahrheit nie zu sein verstand, ich fand ihn als Mutter meiner Kinder in der Arbeit für sie, im Kampfe für sie. Und diese Kinder sind mein alles. Soll ich nun die sie zögerte einen Augenblick, soll ich nun die alte Zuneigung von damals sprechen lassen dann muß ich zunächst fragen: Wollen Sie meinen Kindern ein treuer Vater sein? erst dann kann ich Ihnen antworten." Sie blieb stehen und rang nach Atem. Er nahm den Hut ab und ließ die kühlere Abendluft um seine Stirn wehen, dann legte er den Arm um sie und zog ihren Kopf an seine Schulter. ,, Ich habe nie aufgehört, Sie zu lieben, Charlotte und in Ihnen und mit Ihnen liebe ich Ihre Kinder. Was ich Ihnen damals schwor, habe ich redlich gehalten die Schwelle Ihres Hauses hat kein Wort entweiht. Und so halte ich auch meinen Schwur Ihren Kindern, die werden die meinen sein, wie Sie die meine sind!" Laut und eindringlich begannen die Glocken zu läuten zur morgenden Sabbatfeier- von Eichwalde schallten sie herüber, und die von Kühlhagen mischten sich hinein. Da beugte sich Wellermann und küßte Charlottes Mund: Hörst du, Charlotte- nun läuten uns beiden doch noch die rechten Sabbatglocken!" ☑ der Winter im Leisk versinnbildlicht, der im Frühjahr sterben muß. In einigen polnischen Dörfern Preußens sah ich vor Ostern in Stroh und Pelze verkleidete Burschen einherziehen. Einer von ihnen stellte den Bären dar, sehr täuschend auf allen Vieren kriechend, sich auch manchmal auf den Hinterfüßen erhebend, wie Petz es oftmals tut. Er wird von einem andern an einer Kette geführt, während ein dritter mit der Rute folgt. Manchmal schlägt dieser den Bären, worauf sich Meister Braun knurrend erhebt und wie ein richtiger, abgerichteter Bär tanzt. Die drei ziehen nun im Dorf umher und heimsen Speck, Eier und Kuchen ein. Alle schenken ihnen etwas, denn wer es nicht tut, wird mit Krankheit bestraft. Daß gerade ein Bär herumgeführt wird, ist symbolisch. Bekanntlich hält dieses Tier den Winterschlaf, und sein Aufwachen und Wiedererscheinen bedeutet, daß der Winter vorbei ist und das Wachsen in der Natur beginnt. Darum auch hier das meiste Opfern von Eiern an den Dämon, der anderseits im Bären gefürchtet wird. In ganz Schlesien verbreitet ist das Absingen von Liedern vor den Haustüren am Sommersonntag, dem ersten Sonntag nach dem 21. März. Die Kinder ziehen mit kleinen Tannenbäumchen 園 umber, die mit Nüssen und buntem Papier geschmückt sind, und in jedem Hause werden sie, nachdem sie gesungen, mit Pfeffer= nüssen und Brezeln beschenkt. Sie singen: 國 Die goldne Schnur geht um das Haus, Die schöne Frau Wirtin geht ein und aus, Sie geht wie eine Tugend, ja Tugend, Wenn sie am Morgen früh aufsteht Und in ihr liebes Kirchlein geht. Ins Kirchlein geht sie beten, Ins Himm'ein wird sie treten. Ins Himmlein wird sie kommen Im Winter oder Sommer. Ein anderes Lied im Bänkelsängerstil gedichtet, verdient aber doch die Wiedergabe: 肉 Maria hat ihren Sohn verlor'n, Sie suchten ihn in der Judenschul, Dort saß er schon wieder auf Meister sei'm Stuhl; Sie nahmen ihn bei der rechten Hand Und führten ihn weit in das ferne Land. Er wandelt das Wasser wohl unter den Wein, Das sollte das erste Malzeichen sein." Im Zeichen des Kreuzes. Im Garten von Gethsemane. Im Garten von Gethsemane, Da hat es angefangen: Da rang er finstre Stunden lang Mit Furcht und Todesbangen; Der Menschensohn, der Gottessohn Schritt einsam hin und wieder, Das Kreuz vor Augen, schwanken Muts, Es floß der Schweiß wie Tropfen Bluts Von seinem Antlitz nieder. Vom Kidrontal ein Raunen klang, Von Bach und Pilgerstellen; Genüber fern Jerusalem Auf langen Hügelwellen. Jerusalem, du üble Stadt, Du Mördrin der Propheten „ Herr, laß den Kelch vorübergehn; Doch wie du willst, so mags geschehn!" Erklangs aus Todesnöten. Im Garten von Gethsemane, Da nahm man ihn gefangen, Da küßte der Verräter ihm Den Tod auf beide Wangen. Nun schaff das Kreuz, du Zimmermann, Das Kreuz der Weltgeschichte: Den Führer in der Menschheit Zug, Den Größten, den die Erde trug, Den führt man zum Gerichte! Verkauft, verraten, dorngekrönt, Bespien und zerschlagen, Vom Stephanstor bis Golgatha Hat er sein Kreuz getragen. Die Erde bebt, der Donner kracht, Der Vorhang reißt im Tempel. ,, Es ist vollbracht!" sein letztes Wort, So hängt er zwischen Schächern dort Als warnendes Exempel. Doch als der Ostermorgen kam, Des Grabes Wächter schliefen, Da quollen Licht und Leben auf Aus unbekannten Tiefen. Weit offen steht des Grabes Tür, Die Wächter stehn entgeistert; Und als der Tau im Garten fließt, Maria Magdalenen grüßt, Der alle Meister meistert.. Zum Garten von Gethsemane Geh, Mensch, mit deinen Leiden Und kämpf dort um ein: Wie Gott will!", Bis du gefaßt magst scheiden. Und führt der Weg bis Golgatha, Dein Kreuz trägt sich gelinder; Am Ende: was dir mag geschehn Es gibt ein selig Auferstehn Für alle Gotteskinder. Victor Blüthgen. Die drei Kreuze. rei Kreuze standen auf Golgatha, Drei Kreuze stehen auch heute noch da, Und ist seitdem vergangen kein Tag, Auf dem nicht dunkel ihr Schatten lag. Und jede Zeit sprach zu jeder Zeit: V. Cusig. Wir hangen am Kreuze, dem Tode geweiht. Wir hangen am Kreuze, wir armen Schächer, Zur Rechten ein frommer, zur Linken ein frecher, Wer aber ist der gekreuzigte Dritte? Wen trägt das ragende Kreuz in der Mitte? Ist er ein Träumer, ein Tor, ein Nichts? Ist er ein siegendes Wunder des Lichts? Ist er ein Sinnbild aus alten Zeiten? Ist er der König der Ewigkeiten? Ist er ein tönernes Ziel allen Spottes? Ist er der Sohn des lebendigen Gottes?" Und jede Zeit hat solche Fragen Tausend und Tausend' ans Kreuz geschlagen Drei Kreuze standen auf Golgatha, Drei Kreuze stehen auch heute noch da, Doch heute wird um das Kreuz in der Mitten Von rechts und links erbittert gestritten, Und doch ist kein Tag gewesen von allen, Auf dem nicht hell sein Licht gefallen. Das hat durch Nacht und Nebel gefunkelt, Das hat alle andern Lichter verdunkelt. Millionen Seelen führte sein Schein Frohlockend ins ewige Licht hinein Das Kreuz war schon viele Jahrhunderte alt, Als sein Zeimen erobert den deutschen Wald; Seitdem versank ein Jahrtausend fast, Doch das Licht des Kreuzes ist noch nicht verblaßt, Und seine segnenden Strahlen fliegen Von Pol zu Pol, die Nacht zu besiegen.. Drei Kreuze standen auf Golgatha, Drei Kreuze stehen auch heute noch da, Und wessen Augen erblicken die drei, Den lassen sie nimmer und nimmermehr frei, Dem tritt entgegen ihr Bild, ihre Frage Auf jedem Weg und an jedem Tage. Er schließe die Augen, er wende den Schritt- Das Bild und die Frage der Kreuze geht mit: Was ist dir das Kreuz in der Mitte, das eine? In welchem der andern erkennst du das deine? Und schwankt er, die Frage bedrängt ihn beständig, Und schweigt er, die Frage bleibt wach und lebendig: Was ist dir das eine? Sprich, welches von beiden Erwählst du als deines? Du mußt dich entscheiden!" Ein' frühe und fröhliche Antwort ist Gnade Dir naht schon der Abend auf dunkelndem Pfade! Erwäg es, o Seele, und antwortete doch, Auch dich sucht ein seliges" Heute noch!" Langewiesche. svg svg : นว กัน ปุ 39 at java po aquam anv шagalu }}}} plaq upalang Qun lalinit gun qul 11tup130 1andost tuating qun tallng phu 31g 12 quan ( posts лalлo upo de last gun qo Ասկ gnu ༧ མཁ ལས་ འལ་ u изди изшия Bunulogo วน อ () o UoA gges -86 +3 „ Du " Sicher," sagte er, ohne recht hinzusehen. wolltest dir doch eine neue Bluse kaufen zu Ostern, ich hatte dir doch das Geld dazu gegeben." Sie nickte rasch. " Ja... wollt ich! Aber Gretchen brauchte so nötig ein Kleid, und den beiden Kleinen habe ich neue Jäckchen kaufen müssen, und Kurt' ne Mütze". Ach so!" sagte Werner nur. Er starrte das lächelnde Frauenantlitz an und dachte:„ die Augen passen nicht zu dem lachenden Mund. Die Augen sehen ganz rot und müde aus, meine hübsche Frau wird alt vor der Zeit." Seine schöne Osterstimmung von vorhin wollte sonder= barerweise gar nicht standhalten. ,, Komm schlafen!" sagte er nach einer Weile ganz unvermittelt und herrisch. Die ewige Näherei macht mich nervös. Kannste morgen früh auch noch fertig machen." Sie schüttelte den Kopf. Er merkte, wie sie sich gewaltsam zusammennahm, um gerade zu sitzen und die Augen aufzuhalten. Ich bin noch gar nicht müde. Lange dauert's nicht mehr... Geh' nur immer, ich komme bald nach!" Er gähnte mächtig. Die Frühlingsluft liegt mir in allen Knochen, dir auch, Lenchen?" Sie nickte. " Das ist gesund, Werner... Frühling macht wieder stark... Er lag schon im Bett, hatte die Augen zugemacht und dachte immer noch an diese Worte. Frühling macht wieder stark." Was hatte Lenchen eigentlich damit gemeint? Hielt sie ihn nicht für kräftig genug? und horchte dabei nach der Nebenstube. Er dehnte und streckte sich behaglich in den Kissen Ein Weilchen wartete er noch. Die Uhr mischte sich mit gleichmäßigem Ticktack in die Atemzüge der Kinder, es war ein so großer Friede um ihn her, wenn nur das Bett neben seinem nicht leer gewesen wäre. " Lenchen!" rief er endlich. Sie antwortete nicht. Zum Kuckuck noch mal, sie mußte doch längst mit ihrer Näherei fertig sein, ob das alte Kleid noch Spitzen hatte oder keine Leise kleidete sich Werner an, schlich zur Stubentür, die nur angelehnt war, und blickte hinaus. Ja, sie saß immer noch und arbeitete. Der blonde Kopf war noch ebenso tief gesenkt, nur das rote Kleid lag nicht mehr auf ihrem Schoß. Etwas Seidiges, Lichtes mit blanken Knöpfen hatte sie in der Hand, auf dem sie E mit bunten Fäden Blümchen hineinstickte, eins immer neben das andere. Werner stieß die Tür auf und trat näher. ,, Sie schrie erschreckt auf, versuchte, das seidene Etwas unter dem Tisch zu verstecken, und wurde dunkelrot. Was.., was machst du denn da noch?" Er stand jetzt dicht vor ihr und zog aus ihren widerstrebenden Fingern die Arbeit heraus. Eine Herrenweste, eine wundervolle, fast fertig gestickte Herrenweste mit tiefem, modernem Ausschnitt und schönen Blanken Knöpfen. Das Blut stieg ihm flammend ins Gesicht. " Die... soll die für mich sein?" Sie nickte und hatte Tränen in den Augen. ,, Ich wollte sie dir doch morgen verstecken als Osterei... du wünschtest dir doch lange schon so eine .. nun hast du mir die ganze Freude vernun dorben!" Er schüttelte den Kopf. " Das wollte ich nicht, Lenchen. Du sollst dich nur nicht mehr länger abquälen!" Er schwieg, weil es ihm so seltsam riß und zuckte im Herzen. Die müden Augen seines Weibes sah er an, den blassen Mund und die schmalen, gebeugten Schultern. Und er? Hatte er keine Osterfreude für die fleißige Mutter seiner vier Kleinen? Seine Finger, die die lichtgraue Seidenweste hin und her schoben, hoben sich. Zuerst umspannten sie das Frauenantlitz und zogen es nahe an seins. „ Hörst du? Zwölf Uhr schlägt's. Ist ja schon Ostern, Lenchen. Ich durfte also mein Osterei schon sehen Racker du! Willst du deins auch schon gleich jetzt haben?" Sie zitterte in seinem Arm. So hatte er lange, lange nicht mit ihr gesprochen, so weich, so warm... Und sie schrak ganz verstört zurück, als er plötzlich einen funkelnagelneuen Hundertmarkschein in der Hand hielt und ihr in die Finger drückte. " Da. dein Osterei, Lenchen! Es reicht zum neuen Kleid für dich, zum Osterkuchen, zu der Aufwärterin für eine gute Zeit... ich glaube, es fällt sogar noch was ab für' ne Flasche Rotwein zum Fest.... meinste, es reicht?" Sie verstand ihn nicht. " Woher... hast du denn das?" " Vom Chef... Osterbescherung, Lenchen!" Da hielt sie ihn auch fest. „ Es reicht noch für viel mehr, Werner. Für dich und mich zum Glücklichsein." Und sie küßten sich, als müßten sie die ganzen hundert Mark in Küssen anlegen... ☑ Ostervorzeit. inen eigenartigen Palmsonntag gebrauch fand ich in Sondershausen, der Residenz Schwarzburg- Sondershausens, und in dem ihm benachbarten Dörfchen Jecha. An dem genannten Tage haben, Spielbälle zum Fenster hinauswerfen, die von der zahlmüssen dort die Ehepaare, die im verflossenen Jahre geheiratet werden. Manch einer erringt sich 6 bis 7 Bälle und zieht freudereich vor den Fenstern angesammelten Kinderwelt aufgefangen strahlend von einem Fenster zum anderen. Jungen und Mädchen führen das ganze Jahr über genau Buch über die Zahl der geschlossenen Ehen und kennen auch diejenigen Neuvermählten, die nicht in Sondershausen und Jecha, sondern an anderen Orten zum Traualtare schritten, hier aber dann ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Wollen diese keine Bälle werfen, was der Jugend aber immer das liebste ist, müssen sie ganze Waschkörbe voll Brezeln austeilen. In Jecha kommt neben den Bällen noch ein anderes, noch seltsameres Geschenk in Betracht. Dort hängen die Neuvermählten auch die Nadelkissen an die Außenseite des Fensters, oft so viele, daß es ganz schwarz verhangen erscheint, und der beste Kletterer ist es hier, der die meisten erwirbt, denn auch diese Kissen sind wie die Bälle für die Dorfjugend bestimmt. Von diesen Nadelkissen sind immer sechs zu einer eigentümlichen Form zusammengefügt. Aus alten, bunten Flicken hergestellt, mit Sand gefüllt, jedes viereckig, bilden sie ein Kreuz, die Nadeln, für die das Kissen bestimmt ist, deuten auf die Dornenkrone. Sehr hübsch ist in Jecha auch am Osterabend der Umzug der Jugend durch Dorf und Feld. Tagelang vorher kleben Burschen und Mädchen bunte Lampions, die sie an Stangen befestigen. Am Ostersonntag abends, wenn von den Bergen die Osterfeuer grüßen, geht es in fröhlichem Zuge mit brennenden Fackeln und jenen Lampions hinaus auf das Feld. Das Dorf selbst ist wie ausgestorben, nur Kranke und die allerhinfälligsten Greise bleiben zurück. Auf dem Felde werden Lieder gesungen, Spiele gespielt, und man belustigt sich mit allerlei Scherzen. Ein seltsamer Frühjahrsbrauch findet sich auch in Glogau in Schlesien. Dort wird an einem Sonntag vor Ostern eine Strohpuppe an ein Seil gebunden und von jungen Burschen durch die Stadt geschleift. Einige gehen hinterher, hauen die Puppe mit Stecken und singen dazu: " Der Leisk ist tot, der frißt kein Brot." Diesen Leisk schleppen sie nun an die Oder und werfen ihn hinein, immer dasselbe Lied singend. Hier ist offenbar Seine Zulage. Ofterskizze von Elfe Krafft. as Bureau des Eisenwaren- Engrosgeschäfts Sändler& Co. wurde am Ostersonnabend bereits um 6 Uhr geschlossen. Werner Behrens, der Buchhalter, schob aufatmend das dicke Kontorbuch zurück, ordnete Federn, Bleistifte und Papiere auf seinem Pult und blinzelte nach der Uhr über dem Aktenschrank, als die Tür geöffnet wurde. Der Chef kam. Den hatte Werner gar nicht mehr erwartet. Kurz vor Kontorschluß, am Ostersonnabend der Gewaltige war doch sonst nicht so arbeitseifrig oder voll Ausdauer! Er lächelte sogar, der hagere, alte Mann. Sah seinem jungen, breitschultrigen Angestellten in das hübsche Gesicht und hüstelte, als könne er nicht recht heraus mit der Sprache. " Zum Kuckuck," dachte Werner sofort, der will was, was er nicht gewohnt ist." Er verbeugte sich und lächelte ebenfalls. " Schön Wetter draußen," meinte der Chef,„ jehn jewiß morgen mit der ganzen Familie raus, was? So' ne Osterpartie bringt en ersten Sommerradau über die Berliner." " Ich, ich weiß es noch nicht", murmelte Werner erstaunt vor so viel Gemütlichkeit des Gestrengen. Auch hörte er sechs schlagen, und dachte: wenn er nicht bald geht, wird der heutige lange Feierabend wieder mal verkürzt. Nein, der Chef ging noch nicht. Er drehte den Kopf nach der Richtung, woher Glockentöne durch das geöffnete Fenster kamen, und zog ein geknifftes, blaues Papier aus der Westentasche. " Jawoll, das is nu so", berlinerte er weiter. Ostern kost weiter nischt wie Jeld! Lachen Se nich, Herr Behrens! Was der Staat kann, kann ich erst recht! 100 Mark kriejen jawoll de Berliner Beamten als Teuerungszulage? Sollen Se auch haben!.... Reden Se nich, sonst tut's mir wieder leid hinterher!.... Nehmen Se, und tun Se sich was an,... Mann! Fröhlche Ostern!" " Fröhl... che Ostern", echote Werner er= schrocken, indem er das blaue Papier anstarrte, als hätte er so was noch nie gesehen. Es lag auf dem grünen Tuch seines Schreibpultes, die Tür hatte sich hinter dem Chef schon wieder geschlossen, und nur das Osterläuten war noch im Zimmer und ein verirrter, letzter Sonnenstreifen, der blaß und schmal und zuckend das Geld streifte. Werner griff zu und fühlte zugleich eine rasende Freude. Hundert Mark... ganz unverhofft und unabhängig von seinem Monatsgehalt bare hundert Mark wie lange hatte er die nicht mehr so schrankenlos zur Verfügung gehabt! " D", sagte er ganz laut und sah sich so scheu um, als könne der Chef die großmütig gespendete Zulage wieder holen. Er hatte einen ganz heißen Kopf bekommen. Er konnte nicht anders, er mußte pfeifen vor Glück. In seinem Portemonnaie war ein verschwiegenes Seitenfach, dessen Schloß kein Mensch aufzuknipsen verstand wie er. Dahinein legte er den funkelnagelneuen Schein. Den Kniff verstand selbst seine Frau nicht, also konnte kein unberufenes Auge seinen Reservefonds ergründen. Wie ein Sieger schloß Werner das Kontor heute ab. Auf der Straße trug er den Kopf so hoch, als müßte er alle die hastenden Menschen überragen, als wäre das alles nur kleines, armes Volk gegen ihn. Vor dem ersten Herrengarderobengeschäft blieb er stehen. So einen braunen, englischen Frühjahrsanzug, so einen, wie er da im Schaufenster stand, würde er sich gleich nächste Woche vom Schneider anfertigen lassen. Das war ja selbstverständlich! Nicht mehr mit dem blauen, blank gewordenen Sonntagsrock umherlaufen! Nein, nicht mehr die verwaschenen, hellen Westen vom vorigen Sommer Werner mußte sich mit Gewalt von dem Schau fenster losreißen. Am liebsten hätte er sich sofort so einen fertigen Anzug zu Ostern gekauft. Aber dann saß er nicht so tipp- topp wie nach der Figur gearbeitet. lieber ein paar Tage warten! Am zweiten Feiertage war der große Kegelausflug mit den Freunden. Denen wollte er's aber mal zeigen, welche noblen Passionen er, im Grunde genommen, besaß. Eine Bowle würde er in Wannsee schmeißen, mit Sekt; Mund und Augen sollte die Bande aufreißen vor Staunen, wie er auftrat. Nicht mehr sich hänseln lassen von den andern..." Deine Olle drückt woll' n Daumen drauf" oder" Der braucht seine Moneten, um jedes Jahr taufen zu lassen"... Nein, er würde den Großmäulern mal zeigen, daß er auch Geld für sich und die Freunde besaß, daß er nicht den ganzen Verdienst hinzugeben brauchte für Frau und Kinder. Ihm wurde noch heißer plötzlich. Warum denn, Frau und Kinder brauchten das Geld nicht nee! Lenchen hatte ja erst neulich zu ihm gesagt, sie käme sehr gut aus diesen Monat, und dem Aeltesten hatte sie sogar von seinem alten Sommermantel einen pracht vollen Osteranzug genäht. Lenchen brauchte gar nichts von der Zulage zu wissen. Die Frauen reden dann immer gleich dazwischen, als ob ihnen das Geld gehörte. Bloß nicht!... Er hatte sich in den sechs Jahren seiner Ehe genug für die Familie gequält, alles hatte er hingegeben, mit dem bescheidensten Taschengelde war er ausgekommen, also hatte er diese 100 Mark redlich verdient, er konnte sich mal selber dafür etwas antun, was ihm Vergnügen machte. Beinahe hätte er einen Luftsprung gemacht vor Wonne. Das war gerade vor einem Konfitürengeschäft. Hinter dem Schaufenster nickte ein Riesenosterhase mit dem Kopfe, so daß Werner vergnügt wieder nickte. " Ja, ja, alter Bursche, diesmal habe ich auch meine Freude an deiner Osterbescherung!" Sein Blick wanderte über die ganze Zuckerherrlichkeit, und das Leuchten verstärkte sich in des Mannes Antlig. Die Kinder... natürlich... die sollten diesmal 43 Вези Nr. 46 Frühja E haben Hofe der Philipp- P 1. Offiziere,@ der Landw weit sie be fammlung a Inf.- Reg. N 2. Die Mannio gebots aller Garnisondi 3. Die zur den entlaffe 4. Die Erfahr Am 7. Ap 1907, 1908 und tion der Erfo " Am 7. A Am 8. A und 1904 der 1907, 1908 un Am 8. A 1904 der Spezi Waffen. Am 11. 2 Am 9. A Erjabreservisten und 1900 der und 1900 der und zwar: Am 9. Ar zialwaffen und Am 11. A Waffen, einschli ter Nr. 1 Aufg Waffen der Re Berücksic stattfinden Am 20. Für die Ez mi ten Beam Gießen: 1. Aufgebots der Erjaz- B soweit sie ni jammlung bef einzureichen 1. Befreiungs Appell dur bei Beamt jein. er gehört 2. Jeder K auch solch Zeugs suchen. Nicht bloß gefärbte Hühnereier, nein... sie hatten ja so einen reichen Vater! Als Werner nach Hause kam, hielt er die weiße Tüte vorsichtig auf dem Rücken versteckt, schloß leise die Korridortür auf und versteckte sein süßes Paket auf dem Kleiderschrank, wo die Kinder nicht herankamen. Und dann stürmte es auch schon wie die wilde Jagd auf ihn zu. " Papa".. Und das Kleinste, das schon in seinem Wagen lag, krähte in der Stube, so gut es ging, mit. Werner schnüffelte in der Luft herum, als müsse ihn ein ganz besonders feiner Kuchenduft heute in seinem Heim emp= fangen. nur Er roch aber Seifenwasser. Und in der Küche lag seine Frau auf den Knien und Scheuerte den Fußboden. „ Lenchen!" rief er ärgerlich, weil sie ihm nicht wie sonst entgegengekommen war. Die junge Frau Schreckte empor, wischte sich die ins Gesicht ge= fallenen, blonden Haarsträhnen mit Nun Sie war aufgestanden, hatte sich die Hände abgetrocknet und die Küchenmöbel wieder gerade gerückt. Ihr vom Bücken rot gewordenes Gesicht bekam langsam wieder die gewohnte weiße Farbe. „ Die Frauen. nehmen jetzt schon dreißig Pfennig für die Stunde", stotterte sie vor seinen seltsamen Augen. ,, Kleinigkeit", meinte er leichthin im Vollbesitz seines großen Reichtums. Zur Kirche. Nach dem Gemälde von S. Glücklich. Osterwunder. Fun steigt das Osterwunder wieder Auf goldnen Schwingen erdenwärts, Die Lerche schmettert ihre Lieder Der Erde ins erstarrte Herz. An schwarzen Aesten zarte Sprossen, Auf braunen Schollen Veilchen blau, Von Wolkenstlber übergossen Eilts Bächlein wieder durch die Au. Und was in kalten Winterbanden Gefesselt und gebunden lag, 3st selig lächelnd auferstanden Am sonnenhellen Ostertag. Nun in das jubelnde Frohlocken Der jungen grünen Frühlingspracht nasser Hand zurück und wurde rot. Du bist schon da,... ich habe dich beim Scheuern gar nicht schließen hören." Er blieb in der Küchentür stehen und sah sie bei nahe wie enttäuscht an. Sie paßte gar nicht in seine festliche Stimmung hinein... Das alte, blaue Hauskleid war geflickt, die Schürze verschossen und die Schuhe unter dem Rocksaum ausgetreten. Ihm war das nie so aufgefallen wie heute. Und noch nicht einmal mit dem Reinmachen war sie fertig. „ Warum machst du denn das ganz allein?" fragte er nörgelnd. Ich habe dir doch gesagt, du solltest dir eine Aufwartefrau nehmen." s.e Norland Erklingen laut die Osterglocken: ,, Erwacht, ihr Menschen all! Erwacht!" Bedrücktes Herz, o komm und bete: Willkommen, schönster Osterschein!" Mach hoch das Tor, damit er trete Verklärt in deinen Frühling ein! So wie Maria durft begegnen Im Garten ihm im Osterlicht, Wird dich dein Heiland heute segnen Mit seinem Gnadenangesicht. Dann kniest du dankend vor ihm nieder. Halleluja! Und auferstehn Wirst du, mein Herz, und freudig wieder Mit Jesus an dein Tagwerk gehn. M. Lankau. Nach dem Abendessen, als die Kinder schliefen, saß er noch am Tisch, las die Zeitung und wartete, daß seine Frau, die ihm ge= genüber saß, bald mit ihrer Näherei aufhören würde. Er war müde und dachte sich gleich hinzulegen. Sie blickte aber gar nicht ge= auf. Sie hielt den hellen Kopf tief ge= senkt, hatte einen Berg alter Seidenflicken und Spitzenreste vor sich liegen, probierte und stichelte und probierte an dem alten Sonntagskleide her um. „ Was machst du denn da?" fragte Werner schließlich, als sie einmal leise seufzte. Sie lächelte. „ Ach, Werner,... is doch schwer, was Gescheites rauszukriegen, wenn man nicht schneidern gelernt hat. Ich wollte mir die Bluse hier zu Ostern etwas moder= nisieren, die Aermel habe ich schon weiter gemacht, unten abgeschnitten,... sind jetzt halblang... steh mal,... aber".. " Aber?" fragte er, als sie stockte. Sie sah ihn mutig an. " Der Stoff reißt an allen Ecken und Enden. Sieh mal... hier am Kragen, meinste, da kann ich die Seide hier zu verwenden und vielleicht das Stück Spitze?" Er ist auferstanden! Nach dem Gemälde von A. Zick. Wad Wach Aus Und Begin ? 5 Und Wach gun Auf Gießen