S. Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mk., durch die Post 1,50 Mt. frei ins Haus. Donnerstags und Samstags. - - Erscheint Dienstags, Zwei Extrabeilagen: - „ Humoristische Blätter" und die„ Neue Lesehalle", Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362. Nr. 70. Bekanntmachung. Betr.: Straßenverkehr. der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei- Amtes = sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein) Dienstag, 17. Mai 1910 ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Playzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362. Amtliche Bekanntmachungen. Nachstehende Bestimmungen der Polizeiverordnung vom 2. März 1901 bringen wir zur öffentlichen Kenntnis unter denn Hinweis darauf, daß die Schußmannschaft angewiesen ift, Zuwiderhandlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu brin gent. Gießen, den 11. Mai 1910. Großherzogliches Polizeiamt. Reinhart. § 1. Die Bürgersteige sollen für den Fußgängerverfehr frei gehalten werden. § 2. Es ist deshalb verboten, auf den Bürgersteigen Wagen jeder Art, Karren, Schlitten und Fahrräder zu fahren. Ausgenommen von diesem Verbot ist das Fahren mit durch Menschen fortbewegten Kranken- oder Kinder= wagen, sofern darin Kranke oder Kinder gefahren werden; solche Wagen dürfen jedoch nicht nebeneinander gefahren oder aufgestellt werden. § 3. Das Ueberfahren der Bürgersteige zwecks Einund Ausfahrt zu und von Hofraiten und Grundstücken ist gestattet, sofern dies im Schritt, auf dem kürzesten Wege und ohne Aufenthalt geschieht. § 4. Es ist verboten, den Verkehr durch ungerechtfertigtes Stehenbleiben, durch gewerbliche Verrichtungen, burch Feilbieten von Gegenständen, durch das Tragen von Vertagung der Wertzuwachssteuer. Der Senioren- Konvent des Reichstages hat sich dahin verständigt, daß auf den Versuch die Wertzuwachssteuer noch vor der Vertagung des Reichstages zustande zu bringen, verzichtet werden soll. Als Grund für diesen erfreulichen Beschluß wird der Umstand angeführt, daß eine e- berhaftung der Beratung unter allen Umständen vermieden werden müsse. Im Anschluß an die Stellungnahme des Sansabundes, welcher den Entwurf des Zuwachssteuergesetzes als ein Kampfgesetz gegen Unternehmungsluft und Tüchtigleit bezeichnet hatte, ist dem Hansabund folgende Zuſchrift aus maßgebenden Kreisen der westlichen Industrie zuge= gangen: „ Ich möchte noch einmal hervorheben, daß ich nach wie vor den Standpunkt vertrete, daß eine einheitliche Regelung der Materie durch das Reich wünschenswert ist, daß aber das Gesetz nur in der denkbar mildesten Form zustande Lommen darf, wenn es dem Reiche und damit auch den Gemeinden Geld bringen soll. Als oberster Grundsatz muß bestehenbleiben, daß der Verkehr nicht erschwert werde, dann haben wohl alle Nußen davon. Nach wie vor stehe ich auf Sem Standpuntte, daß, wenn das Reich die Regelung übermimmt, den Gemeinden Zuschläge nicht zugebilligt werden dürfen und daß die Gemeinden, soweit sie selbst Grund= Stückshändler geworden sind, auch Zuwachssteuern an das Reich entrichten müssen. Es ist dies eine Forderung der ausgleichenden Gerechtigkeit, sonst wird die Privatwirtschaft niedergedrückt, denn der Entwurf in der ersten Form be deutet geradezu eine Expropriation." 38) Die Freundinnen. Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Mit flüchtigem Gruß ging er hinaus. Draußen ballte er wie in ohrmächtigem Grimm die Hände, stampfte zornig mit dem Fuße und murmelte: Verdammt! Daß dieser Kerl hier auftauchen muß, er kann mir möglicherweise das ganze Spiel verderben. Er eilte die Treppe hinauf und trat gleich darauf mit den Worten: Wo ist Sylvia?" bei seinem Vater ein. Ich weiß nicht, sie war eben noch hier"- war die gleichgültige Antwort. " Ich will es Dir sagen," rief Leon auffahrend. Bei ihrem sauberen Liebhaber ist sie, dem Komödianten, dem fie nechläuft. Du wirst es eines Tages erleben, daß Deine che und tugendsame Tochter mit diesem Menschen auf= und davongeht. Ist das ein Benehmen von dem Mädchen? Beinahe täglich treffen sich die beiden irgendwo. Es ist ein Skandal! Du wirst doch hoffentlich dem frechen Komödianten die Türe weisen, wenn er es wirklich wagen sollte, um Sylvia zu werben!" Ein stechender Seitenblick streifte den Vater, der entrüstet auffuhr:„ Natürlich werde ich das! Er soll nur tommen! Unerhört!" „ Du mußt da schon ein kräftiges Wörtlein reden, Vater, damit ihm das Wiederkommen für immer vergeht. Du darfst ihm nicht die geringste Hoffnung lassen. Wir müssen dafür sorgen, daß dieses unwürdige Verhältnis so bald als möglich ein Ende nimmt. Verstehst Du? Dieser Walter muß unbedingt ferngehalten werden. Er soll erfahren, was er ist und was wir sind! Das wäre noch schöner, wenn Sylvia von Schmettwit sich dem ersten besten Komödianten an den Hals würfe!" Der Alte sah seinen Sohn prüfend an. Es mochte ihm doch auffallen, daß Leon so eifrig für die Ehre des Hauses eintrat, wo er doch so viele Jahre nichts nach der Familie gefragt hatte. Aber der Eifer des jungen Mannes gefiel ihm offenbar sehr; denn er reichte ihm die Hand und sagte:„ Es freut mich, daß Du da draußen nicht verlernt hast, was man seinem Namen schuldig ist." Stöcken oder Schirmen in einer andere Personen gefähr= denden Weise zu hindern. § 5. Es ist verboten, außerhalb der Frühstunden von 6 bis 7 Uhr Gegenstände, die durch Form, Größe oder Beschaffenheit geeignet sind, die Vorübergehenden zu be= schädigen, zu belästigen oder zu beschmußen( wie Metzger= bollen, Bäcker- und Marktförbe, Kaminfegerutensilien, landwirtschaftliche Geräte und dergleichen) auf den Bürgerſteigen der von der Ost, Süd-, West- und Nordanlage ein= geschlossenen inneren Stadt zu befördern. Bekanntmachung, die Umlagen der Stadt Gießen betreffend. Die Stadt Gießen erhebt für das Rechnungsjahr 1910 an Umlagen 120 Prozent von der staatlichen Einkommen- steuer und von den doppelten Grundzahlen der GrundGewerbe- und Kapitalrentensteuer. Ferner kommen zur Erhebung: 1. von den Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde 10 Prozent von der staatlichen Einkommensteuer und den doppelten Grundzahlen der Grund-, Gewerbe- und Kapitalrentensteuer; 2. von den Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde dieselben Zuschläge. Die Erhebung erfolgt in sechs Zielen, und zwar in den Monaten Mai, Juli, September, November 1910, Januar und März 1911. Das Hebregister liegt vom 18. bis 26. Mai einschließlich auf der Bürgermeisterei Zimmer 15- zur Einsicht eines jeden Beteiligten offen. 21. Jahrg. Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kennt gebracht, daß Beschwerden gegen die Erhebung der Umlagen nach Vorschrift des Artikel 96 der Städteordnung binnen 4 Wochen bei Großherzoglichem Kreisamt Gießen vorzubringen sind, und daß später vorgebrachte Reklamationen feine Berücksichtigung finden können. von Gleichzeitig wird bemerkt, daß die Bekanntmachung der Umlagen durch Großherzogliches Kreisamt Gießen im Regierungsblatt unterm 12 d. Mts. erfolgt ist, daß daher die Frist zur Vorbringung von Reflamationen, welche gegen die Erhebung der Umlagen überhaupt gerichtet sind, diesem Tage und für Reklamationen, welche gegen die Beitragspflicht oder das angenommene Beitragsverhältnis gerichtet sind, vom Ende der Offenlegungsfrist ab läuft. Gießen, den 17. Mai 1910. Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum. Befauntmagung. Das Hebregister über die Kanalbenutzungsgebühr für das Rechnungsjahr 1910 liegt vom 18. bis 26 Mai d. Js. zur Einsicht eines jeden Beteilig= ten bei uns- Zimmer Nr. 15- offen. Beschwerden sind nach Artikel 96 der Städteordnung der Nichtberücksichtigung vorzubringen. binnen 4 Wochen bei dem Kreisamt Gießen bei Meidung Gießen, den 17. Mai 1910. Großh. Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Keller. Reichstags- Ersatzwahl in Friedberg- Büdingen. rechtfertigen und insbesondere nachzuweisen versucht hatte, Die nationalliberale Partei eröffnete die Wahlbewegung in Friedberg mit einer öffentlichen großen Wählerversammlung. Bis zum letzten Plätz war Ser Saalbau" gefüllt, und in gespanntester Aufmerksamkeit lauschten die Erschienenen der Programmrede des liberalen Kandidaten, Professor von Calter, dessen Ausführun gen allenthalben einen außerordentlich günstigen Eindruck hinterließen. Er legte zunächst des Näheren dar, wie und warum er es als seine Pflicht erachtet habe, dem an ihn ergangenen Ruf Folge zu geben, und stellte dann an die Spiße seiner tiefgründigen Ausführungen den Grundsaß, daß das ganze Volf in allen seinen Ständen berufen ist, an dem Gang seiner Geschicke mitzuarbeiten, sowohl in der Rechtssprechung, wie im staatlichen Leben überhaupt. Dadurch allein werde das Vertrauen des Voltes zum Staat geschaffen. Herr van Calker bekannte sich als ein warmer und überzeugter Freund von Heer und Flotte, von unserer Kolonialpolitit; im Innern zu einer Politik, die sich ausdrückt in einer gesunden Wirtschaftspoiitik, die der Landwirtschaft die Voraussetzungen zu ihrem Gedeihen schafft, dem Mittelstand und Beamtenstand zu ihrem Rechte ber= hilft und auch dem Arbeiter den Schutz gibt, dessen er zur Sicherung seiner Eristenz bedarf. Stürmischer Beifall folgte den überzeugenden Worten des Kandidaten. Namens des Freisinns versprach Dr. Streder Bad Nauheim volle Unterstüßung des Herrn Professors van Caller. Als dann namens des Bundes der Landwirte Landtagsabgeordneter Korell den Standpunt seiner Gesinnungsgenossen zu ,, D,- ich hoffe, Du sollst noch Freude an mir erleben! Wenn mein Plan gelingt, dann wirst Du auch wieder gute Tage sehen." „ Für mich verlange ich nichts mehr, mein Sohn. Ich habe abgeschlossen mit der Welt und dem Leben. Aber Ihr solltet den alten guten Namen in Ehren halten und ihm zu seinem früheren Glanze verhelfen. Siehst Du, Leon, es war nicht meine Schuld, daß alles so fam. Ich habe keinen Kreuzer Eures Vermögens vergeudet. Es war eben ein Unglüd!" „ Sorge Dich nicht, Papa! Das Geld wird schon wieder hereinkommen; mehr als zuerst da war." Bei dem zuversichtlichen Tone wurde der Alte aufmerksam. Was hast Du denn eigentlich vor?" „ Wirst es schon sehen, Papa!" lachte Leon leichthin. Mit wenig Kleinigkeiten gebe ich mich nicht ab. Mein Plan braucht nur ein wenig Zeit, bis er reif ist! Es handelt sich um eine Million!" Der Alte lächelte ungläubig. Sylvia war inzwischen durch die hintere Hoftüre hinaus ins Freie geschlüpft. Seit Wochen schon warteten sie vergebens auf einen günstigen Augenblick. Jetzt hielt sie es nicht länger aus und nun galt es, so rasch als möglich den Geliebten aufzusuchen. Sie fümmerte sich gar nicht darum, ob man sie beobachtete oder nicht. Es galt ihr alles gleich. Ihr junges, leidenschaftliches Herz, das zum erstenmal im Leben fühlte, was Liebe ist, verlangte stürmisch sein Recht. Sie konnte den Gegenstand ihrer Sehnsucht ja zumeist nur von fern erblicken. Ohne Aufenthalt eilte Sylvia vorwärts, den Fußspuren felgend, die in dem frischen Schnee leicht erkennbar waren. Als sie den Wald erreichte, bemerkte sie eine hohe, kräftige Gestalt, die langsam mit gesenktem Kopfe dahinschritt. Ein Lächeln glitt über ihr vom raschen Gehen leicht gerötetes Gesicht und: Hermann, warte doch ein wenig!" rief fie. Dann flog fie in seine ausgebreitete Arme. „ Endlich. Du liebes, böses Mädchen," sagte er, sich zu ihr niederbeugend und ihr tief in die glücklich leuchtenden Augen blidend. So oft muß ich den Weg umsonst machen!" daß die Kandidatur van Galfer einen Abmarsch nach links bedeute, da trat der Generalsekretär der nationalliberalen Partei, Breithaupt, auf den Plan, um die politische Situation zu fennzeichnen, aus der die Verhältnisse dieses Wahlkampfes herausgewachsen sind. Parlamentarisches aus Hessen. Im Finanz ausschuß der Zweiten Kammer fam am Freitag die eingehend begründete Vorstellung der Attuare Distel, Jullmann, Kaiser und Weimar zur Beratung, in welcher die Genannten das Ersuchen an die Kammer stellen, sie möge der Regierung die Mittel an die Hand geben, die am 21. Mai 1901 erlassenen Bestimmungen zur Besoldungsordnung in dem Sinne anzuwenden, daß den Petenten die gleiche Gehaltszulage als Gehalt bewilligt wird, die auch einem erst später angestellten Beamten zuteil wurde. Abg. Dr. Gutfleisch, der über die Sache Bericht erstattete, beantragte die Vorstellung als gerechtfertigt zu erklären und die Regierung zu ersuchen, der Bitte der Betenten Folge zu geben. Der Ausschuß beschäftigte sich alsdann eingehend mit dem Geseßentwurf, betr. die Abän derung des Fürsorgefassengesetzes, welche die Genehmigung des Ausschusses sand. Die nächste Sitzung des Ausschusses findet morgen statt. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung über die Gemeindeumlagenreform und über die Gewerbesteuer. Die Beratung im Ausschuß soll so beIch konnte nicht kommen, Hermann, jetzt habe ich noch einen Aufpaffer mehr im Hause." ,, Ach, wer ist das." Sylvia erzählte mit fliegendem Atem von der Heimkehr des Bruders. Es blieb ihr ja so wenig Zeit und doch gab es so viel zu berichten. Mir ist so bang, Hermann, als stünde uns Schweres bevor", schloß sie mit einem tiefen Seufzer. Das Wesen meines Bruders will mir gar nicht gefallen. Schon vom ersten Tage seines Hierfeins an fühlte ich etwas wie Abneigung gegen ihn. Und heute verlangte er, ich sollte ihm helfen, Maja zu gewinnen. Es ist ihm ja lediglich um ihr Geld zu tun, ich meiß es. Deshalb schlug ich ihm meine Mithilfe rundweg ab. Nun ist er mein Feind, ich sah es an seinem Blicke. Er wird ja alle Hebel in Bewegung setzen, um meine geliebte Freundin an sich zu reißen. Aber ich gönne sie ihm nicht und er soll sie nicht haben! Es mag ja unrecht sein, daß ich so von meinem Bruder spreche, aber ich fann mir nicht helfen. Herunter muß es doch einmal von der Seele. Ich habe ja niemand, mit dem ich darüber reden könnte. Die Tante hat Leon schon völlig für sich gewonnen. macht ihr komplimente und sie fühlt sich geschmeichelt da= durch. Außerdem hat sie dieselben Ansichten wie er, daß man nämlich, wenn man selbit fein Geld hat, eine reiche Partie machen müsse. Sie bestärkt Leon natürlich nach Kräften und unterstützt sein Vorhaben, wo sie nur fann. Wahrscheinlich hofft sie auch für sich selbst etwas herauszuschlagen ,, wenn es Leon gelingt, Maja für sich zu ge= winnen. Aber meine geliebte Freundin ist zu gut für ihn viel zu gut!" - Er Du bist ja ganz aufgeregt, Riebling", lächelte Hermann, den Arm des Mädchens durch den seinen ziehend. Beruhige Dich, mein Schah. Ich meine, gefragt muß schließlich Fräulein Maia ja doch auch werden, ob sie Det= nen Bruder will. Und mir scheint, der kleine Trotzkopf läßt sich durchaus nichts aufzwingen. Sie wird dann schon ein fräftiges Wörtlein dreinreden, wenn sie merkt, daß man sie gegen ihren Willen umgarnen möchte. Fräulein Maja hat schon das Zeug, sich selbst zu verteidigen, deswegen brauchst Du Dir wahrhaftig keine Sorge zu machen. Und außerdem, mir kam es beinahe so vor, als hätte ihr Herz schon gesprochen. Merftest Du noch nichts?" schleunigt werden, daß die ganze Vorlage im Herbst von der Kammer beraten und verabschiedet werden kann. Darmstadt. Die nationalliberale Fraktion der Zweiten Kammer trat unter Vorsitz des Abg. Reinhart zu einer Sißung zusammen, um über den dritten Gesetzent wurf der Wahlrechtsvorlage, die Wahlkreiseinteilung zu bevaten und geeignete Vorschläge zur Abänderung der Regierungsvorlage zu machen, die in der vorliegenden Form von keiner Partei Zustimmung findet. Ueber die neue Abgrenzung der Wahlkreise in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen wurde eine allgemeine Verständigung zielt, über die anderweite Einteilung der Landtagswahl= freise in der Provinz Rheinhessen sollen in einer nächste Woche stattfindenden Sigung nähere Vorschläge festgelegt werden. er= | versetzt, sahen sich die Gießener Bauunternehmer genötigt, nun am Samstag ihre sämtlichen Arbeiter auszusper ren, deren Zahl ungefähr 250 beträgt. Da aus diesem Grunde die Fortführung der städtischen Bauten eine Verzögerung erleiden würde, wird die Stadt wie der hess. Sta at ihre Bauten in eigener Regie weiterführen. * Sammlung von Flurnamen. An der auf Anregen der„ Hess. Vereinigung für Volkskunde" unter= nommenen Sammlung der Flurnamen im Großherzogtum Hessen arbeiten allein in der Provinz Oberhessen zur Zeit über 80 Herren, die aus den verschiedensten Kreisen kommen: Forstleute, Geometer, Lehrer, Oberlehrer, Pfarrer, Landwirte, Gerichtsbeamte, Aerzte und Referendare. Die Kreise Lauterbach, Büdingen und Gießen sind schon zum größten Teile vergeben. In den Kreisen Schotten, Alsfeld und Friedberg dagegen haben sich in manchen Dörfern und ist die Arbeit nicht schwer und für die Geschichte der eig nen Heimat überaus fruchtbar. Für manche Dörfer und Orte fehlt es ja an schriftlichen Ueberlieferungen aus der Vorzeit fast ganz; da reden eben die Fluren, die GewannFortbildungsbestrebungen der deutschen Lehrer einen Städten noch keine Bearbeiter gefunden. Und doch Zur Hebung der Volksschule und ihres Lehrerstandes fordert der Deutsche Lehrerverein bekanntlich statt der jeßigen Seminarbildung Universitätsstudium der Volksschullehrer und solange dieses Ziel nicht erreicht ist wenigstens die Berechtigung zum akademischen Studium nach bestandener Lehrerprüfung. Daß diese Forderung feines wegs aus überspanntem Standesgefühl, sondern aus in nerstem Bedürfnis entspringt, wird dadurch bewiesen, daß die bereits im Amte stehenden Lehrer durch die verschie densten Maßnahmen die Lücken ihrer Vorbildung auszu= füllen, ihr Wissen und Können auf den mannigfachsten Gebieten( Philosophie, Religion, Pädagogit, Kunst, Natur= wissenschaft, Geschichte, Volkswirtschaftslehre 2c.) zu erweitern und zu vertiefen, ihre Welt- und Lebensanschauung zu klären und zu festigen suchen. Dreierlei Wege wurden neben der Weiterbildung durch die Vereinsversammlungen I im Jahre 1909 von den Lehrervereinen beschritten: 1. Universitäts- Ferienkurse, und zwar in Berlin, Bonn Breslau, Leipzig, München, Tübingen; 2. ständige Vorträge an 24 Orten und 3. gelegentliche Vorträge und Vortragsreihen an 57 Orten. An diesen Veranstaltungen nahmen 22 267 Personen teil. Die Kosten beliefen sich auf rund 114 000 Marf, von denen die Lehrervereine und Teilnehmer 104 600 Mart tragen mußten( 9400 Mt. flossen aus Zuwendungen der Ministerien und Städte). Nicht berücksichtigt sind in der Zusammenstellung die Ferienkurse, die z. B. in Jena und Greifswald von den Universitäten selbst veranstaltet werden. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß solche Fortbildungsfurse naturgemäß nur in Universitätsstädten und größeren Orten stattfinden können, und wenn man bedenkt, wieviel Opfer an Zeit, Kraft und Geld durch sie dem einzelnen erwachsen, so stellen diese Zahlen dem Bildungsstreben des deutschen Volksschullehrerstandes ein ehrenvolles Zeugnis aus. Die vorliegende Zeitung, unabhängig in jeder Beztchung, mit d'elen amtlichen Bekanntmachungen und guten Lokal- Nachrichten, kostet monatlich 30 Pfg. und 10 Pfennig Trägerlohn. Die Berichterstattung ist zuverlässig. namen. !! Viehseu chen. Die Maut und Klauenseuche ist jetzt überall im Deutschen Reiche, bis auf ein Gehäft in dem westpreußischen Bezirk Marienwerder, erloschen. Dagegen ist die Schweineseuche noch in allen Teilen des Reiches verbreitet, am stärksten im Osten und Norden, am schwächsten im Süden und Westen. In der Provinz Starfenburg herrschte die Seuche in 8 Orten, in Oberhessen in 5 Orten und in Rheinhessen in 9 Orten. !! Zigarettensteuer. Im Interesse derjenigen Leser, die mit Waren, die der Zigarettensteuer unterliegen, Handel treiben, machen wir an dieser Stelle auf die einschneidende Bestimmung in§ 15 des Zigarettensteuerge= setzes besonders aufmerksam, wonach derjenige, der sich gewerbsmäßig mit dem Verkauf von Zigaretten, Zigarettentabat, Zigarettenhülsen und-Blättchen befassen will, dies vorher der Steuerbehörde anzuzeigen hat. Die Anmeldung hat im Bezirk eines Steueramtes bei diesem, im übrigen aber unmittelbar bei dem zuständigen Hauptsteueramt zu erfolgen.- Die Beachtung dürfte umsomehr erforderlich sein, als Zuwiderhandlungen gegen die betreffenden gesetzlichen Vorschriften mit besonders hohen Strafen, bis zu 300 M., geahndet werden. (:) Bund für Vogelschuh. Nach dem jüngst ausgegebenen Jahresbericht zählt der Bund für Vogelschutz 3. 3t. 18 300 Einzelmitglieder in 315 Ortsgruppen. Außerdem gehören ihm zahlreiche Vereine, Gemeinden und Behörden an. Auch im Großherzogtum Hessen hat der Bund 3 Ortsgruppen: Alsfeld mit 10 Mitgliedern( Vorsitzender Forstmeister Brill), Gießen mit 29 Mitgliedern ( Vorsitzender A. Lutz) und Mainz mit 105 Mitgliedern. = * Bei der Landesversicherungs- An st alt sind im Monat April 307 Rentengesuche eingegan gen. Unerledigt wurden in den genannten Monat über= nommen 372 Rentengesuche, so daß 679 Gesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 292 durch Ren tenbewilligung, 24 durch Ablehnung, 19 durch andere Weise, zusammen 335, so daß 344 Gesuche als unerledigt auf den Monat Mai übernommen werden mußten. Ferner wurden im Monat April 310 Anträge auf Beitragserstatt ung gestellt. Unerledigt wurden in den genannten Monat übernommen 79 Erstattungsanträge, so daß zu bearbeiten waren 389 Gesuche. Bewilligt wurden 269 Anträge, abgelehnt wurden 14 Anträge. Unerledigt blieben 106 Erstattungsanträge, die auf den Monat Mai übernommen wurden. | tt Stadttheater. Nochmals sei nachdrücklich auf das Abonnement für die Operettengastspiele hingewe sen, das ja gegen die Einzelpreise eine außerordentlig Ermäßigung bedeutet und in Verbindung mit den Gu scheinen außerordentliche Vorteile gewährt. Abonnements anmeldungen werden jederzeit zu den Geschäftsstunden Theaterbureau angenommen und Teilabonnements werden auch noch nach der ersten Abonnementsvorstellung ausgege ben. ** Das Fest der silbernen Hochzeit begingen in 1. Feiertag Ofenseßermeister Heinrich Sommerlada Ehefrau. Die Eheleute erhielten von Freunden und Be kannten zahlreiche Glückwünsche. ** Lese halle. Die Büchersammlung der Lese halle lieh im Monat April 2485 Bände aus. Auch dies mal wieder nahmen die Erzählungen die erste Stelle ein, Sie umfaßten allein 1218 Bände. * Vom Tage. Von unbekannter Hand wurden an einer Ladenscheibe die Firmenbuchstaben in böswilliger Absicht entfernt. Stadttheater Gießen. Montag, den 16. Mai 1910. Die Fledermaus. Operette in 3 Atten von Johann Strauß. Die Sommer- Saison 1910 tündete sich recht verheißungsvoll an, mit einem Stück, das auch an Hoftheatern Gastrecht genießt, mit der allerorts so unzählige Male wie derholten Operette:„ Die Fledermaus" von Ioh. Strauß. Diese an wiegenden Melodien reiche, durch sorgfältige Instrumentation ausgezeichnete Operette, in der es singt und flingt nach Wiener Lust, hat sich neben allen neuen Schlagern und Zugstücken der Operettenmusik siegreich behauptet; wer könnte den prickelnden, reizenden Walzer taft vergessen, dessen Klänge sich in uns, ohne daß wir es wollen, festsetzen- daß wir uns auf dem Nach- Hause- Weg er tappen: Walzermelodien der Fledermaus leise für uns pfeif end. Die frische, allerliebste Operette mit der urtomischen Figur des Frosch", der Fortsetzungen und Nach bildungen in so vielen anderen Stücken ich denke z. B. an den tollen Schwant:„ Eine Hochzeitsna ch t"- erfahren hat hat es sich sogar gefallen lassen- der verfeinerte Geschmack erfinderischer Regisseure galt der Kostüm frage- in Reifrock und Vatermörder gesteckt zu werden. Ich habe mir im neuen Hoftheater zu Weimar eine solche auf„ Biedermaier- Stil" gestimmte„ Fledermaus- Aufführung" angesehen; ich muß aber sagen, ich verzichte auf das Alt väterliche, Biedere, ein bißchen spießbürgerlich Anheimelnde, das für ein Hoftheater ganz gut passen mag, ich wünsche nur den feschen, fecken, leichten Wiener Ton! Auf diese ursprüngliche, tanzende Lust war auch die hiesige Aufführ ung eingestellt, die sich unter der flotten Leitung des Dirigenten Hermann Weina c glatt und zufriedenstellend abwickelte. Oberregisseur Richard Helsing, der zu gleich den Gefängniswächter Frosch" spielte, unermüdlich in neuen Einfällen, sorgte für prächtige, dem Ton der Ope rette angepaẞte Bühnenbilder und lebhaftes Zusammenspiel. Was die Kräfte des Ensembles angeht, das in Bad Ems seine Haupttätigkeit entfalten wird, so kann ich wohl immer relativ gesprochen sagen, daß sie für die heutigen Leistungen in gleichem Maße Anerkennung verdienen. Die gesanglich größten Partien fallen den Darstellerinnen der Rosalinde( Marta Merten) und Adele( Al ma Walle) zu; Marta Merten, eine ung, vereinigt gewandtes schauspielche Beein mit * Schwurgericht. Für die nächste am 6. Juni beginnende Schwurgerichtsperiode wurden folgende Geschöner klingt als im piano, doch manchmal einer merklichen Abonnementsbekellungen nehmen zu jeder Zeit schworenen ausgeloſt: Landwirt Heinr. Adam in Busenentgegen alle unsere Agenten, Träger und Die Expedition Gießen, Selter sweg 83 Lokales. Gießen, 17. Mai 1910. ** Der Großherzog empfing am Samstag u. a. den Finanzminister a. D. Dr. Gnauth und den Oberaftuar Kohlheyer von Lich. ** Baugewerbe. Bekanntlich hatten die Gießener Bauunternehmer nach einer etwa 8tägigen Aussperrung ihre Arbeiter wieder eingestellt. Dies gab nun dem in der Mitteldeutschen Arbeitgeberverband Veranlassung, vergangenen Woche ganz besonders heftig auf die Entlass= ung der Arbeitnehmer zu dringen. In diese zwangslage 39) Die Freundinnen. Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Sylvia lächelte. „ Ich glaubte auch daran. Aber in der letzten Zeit bin ich wieder irre geworden. Sie hat ihr Benehmen vollständig geändert. Sie kommt jetzt überhaupt selten. Und ich schreibe dies der Anwesenheit meines Bruders zu. Er trägt seine Bewunderung für sie so dreist zur Schau, daß es sie notgedrungen verleßen muß. Er wird nicht eher ruhen, bis er sie ganz vertrieben hat. Und mir raubt er damit den letzten Rest von Freude, der mit Maja in mein ödes Dasein fiel." Und ich, bin ich Dir denn nichts?" versette Hermann leicht gefränft. Gilt Dir Deine Freundin sogar mehr als ich?" Bitte, bitte, sprich nicht so, Hermann! Du weißt ja nicht, wie lieb Du mir bist und wie ich leide, wenn ich Dich nicht sehen kann! Aber es sind immer nur kurze Minuten, die mir vergönnt sind. Zu einem ruhigen Aussprechen bleibt kaum Zeit. Aber wenn Maja kam, so vergaß ich bei ihrem heiteren Geplauder auf Stunden alles, was mich niederdrückt und mir Sorge macht. Verstehst Du das? Deshalb entbehre ich sie so schwer!" Ja, ich weiß, Liebling! Aber Du mußt jetzt auch einsehen, daß die Sache anders werden muß. So kann und darf es nicht weiter gehen. So oft es meine Zeit erlaubt, laufe ich stundenlang hier herum, ohne daß es mir vergönnt ist, Dich zu sehen. Ich sehne mich nach Dir, werde mißmutig und bin in solcher verdrießlicher Stimmung faum zum Singen aufgelegt. Das taugt nicht,- mein Beruf leidet darunter und meine Stimme verträgt es nicht, daß ich in dem Schnee da herum stehe und mich schließlich erfälte. Ich bin es mir und Dir schuldig, daß ich dem gegenwärtigen, unerträglichen Zustand ein Ende mache. Ich bin doch ein Mann, und muß wissen, was ich zu tun habe. Mein Entschluß steht unwiderruflich fest. Morgen gehe ich zu Deinem Vater und sage ihm alles. Dann kann ich täglich eine Stunde zu Dir kommen und brauche nicht hier herumzustehen. Bist Du erst meine einer angenehmen, vollen Stimme, die im forte mitunter Anstrengung, bei zwar sicherer Tongebung, nicht entraten lann. Alma Walle bringt für die Koloratur- Sängerin eine gewinnende, helle Stimme mit und erntete besonders im letzten Aft wohlverdienten Beifall. Für die übrigen Darsteller will ich mich nur zusammenfassend mit meinem obi gen Gesamturteil begnügen; im dritten Aft vereinigten sich Herr v. Eisenstein Iosef Fery) und Alfred, der Ge sanglehrer( Carl Melzer) mit Marta Merten zu dem prächtig und flott gesungenen Terzett; erwähnen möchte ich noch Carl Tralow, als Dr. Falke, Eric Schönfelder als Gefängnisdirektor und Herta Schroth als Prinz Orlofsky. Lebhaften, wohlverdienter Beifall fand das Tanzduett des 2. Attes, graziös und lieb ausgeführt von der Balletmeisterin Anny van der Veer und einer ebenbürtigen Partnerin, deren Namen der Theaterzettel verschweigt. born, Landwirt Karl Wagner in Allendorf a. d. Lmda., Landwirt Heinrich Ganß 2. in Crainfeld, Kaufmann Hrch. Bücking 1r. in Alsfeld, Bauunternehmer Hch. Bücking 2. in Alsfeld, Handelsmann Salomon Löwenthal in NiederWöllstadt, Kaufmann Artur Schuster in Gießen, Rentner Hch. Schmidt 7. in Romrod, Gemeindeeinnehmer Ludwig Friedrich Nagel in Büches, Müller Ernst Kah in Nieder= Ohmen, Pächter Richard Westernacher in Lindheim, Pächter Alb. Beuermann in Odenhausen, Kaufmann K. Schlos= ser in Grünberg, Fabrikant Karl Repp in Grünberg, Landwirt Wilh. Roth 1. in Bettenhausen, Landwirt Rud. Kaiser in Unter Schmitten, Weißbindermeister Friedr. Stamm in Bad Nauheim, Rentner Karl Müller in Friedberg, Landwirt J. H. Müller 2. in Oberhörgern, Landwirt ut. Gemeinderechner Johannes Tränter in Queck, Fabrikant 2. Raab in Alsfeld, Landwirt Theodor Albus in Bellmuth, Kaufmann H. Vogt 2. in Butzbach, Landwirt Konrad Mül ler 2. in Gambach, Bürgermeister Heinrich Peppel in Mit telseemen, Landwirt Karl Immelt 1. in Freienseen, Mül- sten Vorstellungen teine größere Besucherzahl aufwiesen ler Johs. Lißberger in Groß- Felda, Metzger und Wirt Aug. Zein in Büdingen, Ziegeleibesitzer Wilhelm Sauerbier 1. in Buzbach, Bürgermeister Joh. Weiß 1. in Borsdorf. Braut, so lassen wir so bald als möglich die Hochzeit folger, spätestens in vier bis fünf Wochen. Alles andere ist Nebensache." Sylvias Augen leuchteten. Die Perspektive, die Hermann da eröffnete, war auch zu schön. So nahe sollte sie schon am Ziel sein? So bald schon dem geliebter Manne angehören dürfen? Frei von aller Sorge und ihrem Glück lebend? Sie wagte nicht daran zu glauben. Und einen Augenblick nur hatte sie sich be= rauscht an dem Bilde, das wie eine„ Fata Morgana" vor ihr auftauchte, um gleich darauf wieder zu zerfließen. „ Und wenn mein Vater nun" nein" sagt, was dann?, fragte sie beklommen, und der Heitere Strahl in ihren Augen erlosch jäh. „ Er wird nicht" nein" sagen", tröstete Hermann zuversichtlich.„ Weshalb sollte er auch? Habe ich mir nicht aus eigener Kraft eine Zukunft geschaffen, um die mich Tausende beneiden dürften? Ich bin stolz auf meine Kunst und ohne ileberhebung dars ich es sagen: Ich habe erreicht, wonach viele vergebens streben. Was könnte mir denn Dein Vater entgegenseben? Etwa seinen Adelstitel? Laß Dir sagen, Geliebte, was ich Dir bis jetzt verschwieg: Der Name Walter ist nicht mein rechter, er ist nur mein Künstlername. Und wenn ich Deinem Vater die Versicherung geben kann, daß meine Familie der seinen nicht um ein Haar breit nachsteht, daß sie ihm völlia ebenbürtig ist, glaubst Du, daß er dann immer noch nein" sagen wird? Doch was ich Dir eben sagte, ist vorläufig ein Geheimnis und ich würde auch nur im äußersten Falle Gebrauch machen von dieser Mitteilung. Ich will doch sehen, ob der Tenorist Walter nicht auch ohne die Glorie eines hochtönenden Namens ein ebenbürtiger Freier für die Tochter des Hauptmanns von Schmettwit ist. Sorge Dich nicht, Sylvia, ich werde Deinem Vater schon alles klar machen, ich bin fest überzeugt er weist mich nicht ab." Und er selbst, der alte, verbitterte Mann, was wird wohl aus ihm, wenn ich von ihm gehe? Die Tante ist herzlos, ste gönnt ihm kaum ein freundliches Wort und der Onkel"- das junge Mädchen zuckte die Achseln, er ist eine Null im Hause. Er muß tun, was seine Frau haben will. Sie beherrscht ihn ganz. Die beiden Leute würden meinen Vater als unnüße Last betrach= Leider das sommerische Wetter des Pfingstmontags war wohl schuld daran- waren die Parkettpläße nicht sehr gut besucht; es wäre aber bedauerlich, wenn die näch Der große Erfolg bleibt aber trotzdem der heutigen Aufführung unbenommen; ich gestehe es darum um so lieber ein, als ich von meinem Standpunkt als dem des großen Publidums mich nur freuen tann, daß Herr Direktor. ten, müßten sie ihn pflegen, wenn er frank wäre. Ich weiß nicht, wie die Zukunft werden soll. Hätte mein Vater Geld und dürften sie hoffen, etwas von ihm zu erben, dann ginge es vielleicht, dann wäre alles anders.- Aber so Sie zerdrückte eine Träne im Auge. Steingoet während der bem Gießener ung der ge gen. ich verwei Hus * Lich ift die Verma Lich mit dem bom 21, auf Großherzog u der Hochzeitsfe Auch der Gro zugefagt. Abe Fadelzug, we bracht. Die nach und au * Hur Geburt war, bahnbeamten „ Ja, Liebling, was fällt Dir ein?" versetzte Hermann ruhig.„ Es ist doch selbstverständlich, und ich habe nie anders gedacht, als daß wir Deinen Vater zu uns nehmen. Was soll der alte Mann auch allein hier in dem öden Nest sitzen und sich langweilen? Bei uns soll er das Leben wieder leben lernen. Solche Leichenbittermienen wie hier gibt es bei uns nicht. Einen fröhlichen Kreis von Menschen, die uns lieb sind, wollen wir um uns versammeln und meine Sylvia soll die Lustigste von allen sein, nicht wahr? Du wirst wieder lachen wie damals, als ich Dich zum erstenmale sah und als mich Deine kind liche Fröhlichkeit, Deine lachenden Augen sofort gefanger nahmen. Hoffentlich hast Du das heitere Wesen nicht ganz und für immer abgelegt. Ich will nicht, daß Du traurig bist." Sylvia schmiegte sich eng an den schönen, stattlichen Maun. " Du bist so gut", sagte sie und blickte unter Tränen löchelnd zu ihm auf. Wenn ich erst Deine Frau bin, so sollst Du kein trübes Gesicht mehr sehen. Ich bin ja so gern lustig und heiter, aber hier,- hier kann ich nicht fröhlich sein." „ Nun hoffentlich darf ich Dich bald mit mir nehmen, dann ist alles gut." Ja, aber-" „ Nun? Was denn wieder für ein„ Aber"? fragte er mit leichter Ungeduld, als Sylvio ſtockte. So schnell, wie Du denkst, wird sich die Sache nicht ma lassen." „ Weshalb denn nicht?" " Meine Aussteuer, Hermann! Es ist noch gar nichts vorhanden, als höchstens von meiner lieben, feligen Mut ter her einige Dußend Hemden und sonst verschiedenes." Sie blickte hilflos und verzagt auf den Geliebten. Gr lachte laut auf. 25 Mt., inde ger fei. Are aber die G Rechtsgründen das Holzrecht * 13 hiesigen Krei Kanzleirat ner fab er fe * Ulr giftung, das geschenkten * La beging hier frische feinen gewejen, bef macht noch to * Dat in neuerer fen zur Gri einigung vo Leben rufen pflichtige teil etwa 93 teilweise erh fommen geh richtungen re nennenswerte * Au leitung der Projektarbe von Landg tät seit der des Rheinh erfreulich fo Spannungsnie von der Bodenheim Gunter blun Odernheim, Winternhein Kreise W Hauptlinien den, deren Odernheim heim- Spiesh während de ider Perip den wird. die Sozia verjanıml Stadtwal Quard u nun poli ohne poli Himmel v tich 4 Wo * M veranstaltet vor dem S bejetter, Efelsgeip Zug, dej würfen 6 derung de S 40) heutzu dann braucht Denfit feliger Wäschest beforgen aujamm welche Steht au wir bei zin geb Arsitat ausamm Eu am Deiner Gr nicht a „ A und D Heirate Gr ich gen id) fing am An gar tei Sy leichtes fich zum Qu Ich Lab Dan Die Leud fie auta nidie chbrüdli bingem erordenlin den Gu onnements Stunden 10. nts were ng ausgen begingen etlabi nden und g der Auch b Stellin wurd willige raus. echt berhei Hoftheater ge Male mi von J eiche, d erette, in neben mujit fiegn nden Wal wir es pause- Weg für uns der urlo n und N ch denke z 3nacht - der der Kof zu wer ar eine fald Aufführung auf das Anheimelne ich wünsch Auf diese efige Aufführ ung des Diri friedenstellens g, der zu nermüdlich in on der Ope ammenspiel Bad Ems wohl Die heutigen verdienen. arftellerinnen bele( AI ma ihnenerschein Pönnen mi rte mitun er merli icht entitate Sängerin eine besonders in übrigen Da t meinem ob vereinigten fi Ifred, der G a Merte tt; erwähne Falte, Eri nd Herf Johlverdiena ziös und van d n Namen fingfimoni tplate m enn die ni utigen Au m jo lieben des große Direttor S vare. Ja mein Vater 16. 31 erben 1 Aber e Herm di habe i er zu un ier in de oll er das ienen wi Preis von ang ver von alle e damal Deine find t gefange nicht gan Du trauri ftattliche cr Träne au bin, bin ja i n ich nig r nehmen fragte er Sadje night gar nich gen Mut hiedene ebten. Gr Steingoetter feine Kosten scheute, denn Gastspiele während der Sommermonate sind immer ein Glücksspiel bem Gießener Publikum die neuen und neuesten Operetten ich verweise auf die Dienstag stattfindende Erstaufführ ung der geschiedenen Frau" zu Gehör zu brinH. F. O. gen. Aus Hessen und Nachbargebiet. * Lich, 16. Mai. Durch den Tod König Eduards ist die Vermählung der Prinzessin Dorothea zu SolmsLich mit dem Prinzen Hermann zu Stolberg- Wernigerode boni 21, auf den 24. Mai endgültig festgelegt worden. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen nehmen an der Hochzeitsfeier teil und treffen tags zuvor in Lich ein. Auch der Großherzog von Mecklenburg hat sein Erscheinen zugesagt. Abends vorher wird seitens der Stadt Lich ein Facelzug, woran sich sämtliche Vereine beteiligen, dargebracht. Die Jungfrauen von Lich bilden Spalier beim Zug nach und aus der Kirche. * Hungen, 16. Mai. Weil sein Vater unehelicher Geburt war, bestritt die Gemeinde Hungen einem Eisenbahnbeamten das jährliche Holzdeputat im Werte von etwa 25 Mr., indem sie behauptete, daß er zu Unrecht Ortsbürger sei. Kreisausschuß und Provinzialausschuß belehrten aber die Gemeinde, daß sie mit ihren mittelalterlichen Rechtsgründen nicht durchdringen fönne und entschieden für bas Holzrecht des Beamten. * Alsfeld. Nach fast 50jähriger Dienstzeit am hiesigen Kreisamt starb der im ganzen Kreise geachtete Kanzleirat Wurstius. Viele Kreisräte und Amtsmänner sah er seit 1860 fommen und gehen. * Ulrichstein. Hier starb ein Kind an Blutvergiftung, das trotz einer Wunde an der Lippe auf einer ihm geschenften Mundharmonika gespielt hatte. * Lauterbach, 16. Mai. Rentner J. Schloß beging hier in voller förperlicher Rüstigkeit und Geistes= frische seinen 94. Geburtstag. Der alte Herr ist nie frank gewesen, beschäftigt sich noch in Haus und Garten und macht noch täglich seinen Spaziergang. * Darmstadt. Die Fürsorge für Krüppel findet in neuerer Zeit erhöhte Aufmerksamkeit und führte in Hessen zur Gründung eines Komitees, das eine größere Vereinigung von Menschenfreunden für diese Bestrebungen ins Leben rufen will. Im Großherzogtum wurden 1436 schulpflichtige Strüppel festgestellt, von denen nach ärztlichem Urteil etwa 93 Prozent durch geeignete Behandlung ganz oder teilweise erwerbsfähig gemacht und so 70 Prozent vollfommen geheilt. werden fönnten. Die vorhandenen Einrichtungen reichen aber nicht entfernt aus, auch nur einen nennenswertem Bruchteil von ihnen zu helfen. * Auz Rheinhessen, 16. Mai. Wie die Bauleitung der Rheinischen Schuckert- Werte mitteilt, sind die Projektarbeiten für die Ueberlandzentrale zur Versorgung von Landgemeinden der Provinz Rheinhessen mit Elektrizi= tät seit dem Abschlusse des Vertrages mit dem Ausschuß des Rheinhessischen Elektrizitätsverbandes( 1. Febr. d. J.) erfreulich fortgeschritten. In der Hauptsache sollen vier Hoch spannungs Fernleitungen gebaut werden und zwar eine Linie von der Osthofener Zentrale aus in der Richtung nach Bodenheim zu längs des Rheines, eine zweite etwa über Guntersblum- Nieder- Olm nach Drais, die dritte über Gau Odernheim, Nieder- Saulheim in der Richtung nach GroßWinternheim und die vierte durch den südlichen Teil der Kreise Worms und Alzey nach Gensingen. Diese vier Hauptlinien sollen durch drei Querstränge verbunden werden, deren einer etwa von Erbes- Büdesheim über Gaut= Odernheim nach Guntersblum und deren zweiter über Ensheim- Spiesheim, Nieder- Olm nach Bodenheim ziehen soll, während der dritte die Verbindungslinie zwischen den an der Peripherie des Verbandsgebietes gelegenen Orten bilden wird. * Frankfurt a. M. Am 13. März veranstalteten die Sozialdemokraten bekanntlich Wahlrechts- Demonstrationsversammlungen, worauf sich etwa 10 000 Teilnehmer in den Stadtwald begaben, wo auf dem Aepfelweinhügel Dr. Quard und Wittich Ansprachen hielten. Diesen beiden sind polizeiliche Strasbefehle zugestellt worden, weil sie ohne polizeiliche Erlaubnis eine Versammlung unter freiem Himmel veranstaltet hatten. Quarck erhielt 6 Wochen, Wittich 4 Wochen Haft. nun * Marburg, 16. Mai. Eine Anzahl Studenten veranstalteten dahier einen ulkhafton Umzug," Die Flucht vor dem Kometen" darstellend. Ein mit fröhlichen Zechern besetzter, mit Kühen und Pferden bespannter Wagen, ein Eselsgespann und allerhand seltsame Gestalten belebten den Zug, dessen Schluß zwei Kometenträger bildeten. Aus aller Welt. * Berlin. Der Bundesrat erteilte den Gesetzent= würfen betr. die Zuständigkeit des Reichsgerichts, die Aenderung der Rechtsanwaltsordnung und dem Gesetzentwurf 40) Die Freundinnen. Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) " Du bist noch ein rechtes Kind, Sylvia. Was bedeutet heutzutage eine Ausstener! Wenn man es bezahlen kann, dann regen sich Hundert Hände zugleich, und was man braucht, wird in der denkbar kürzesten Zeit hergestellt. Denkst Du vielleicht, ich kann warten, bis Du in mühfeliger Arbeit eine neunzadige Krone in jedes einzelne Wäschestück einnähst? Das lassen wir schon von anderen besorgen. Oder bis irgend ein Meister unsere Einrichtung ansammenzimmert? Das mag ja ganz schön sein für die, welche Zeit haben zu beobachten, wie Stück für Stück ent= steht zu dem Nest. das sie sich zu bauen beabsichtigen. Aber wir beide, wir müssen halt in Gottesnamen in ein Magazin gehen und uns auswählen, was wir brauchen. Eine Ausstattung fann man in der Stadt in einigen Tagen ausammentragen. Wenn Du von hier fortgehst, so gehst Du am besten so, wie Du bist. Alles andere schenkst Du Deiner lieben, verehrten Tante." Er lachte vergnügt, doch Sylvias Mienen wollten sich nicht aufhellen. Fast schen begann sie wieder: „ Aber Hermann,- das kostet alles sehr viel Geld, und Du bekommst doch eine arme Frau, wenn Du mich Heiratest!" Er lachte noch übermütiger denn zuvor. „ Lasse doch diese Bedenken, Schat! Schau, Geld habe ich genug und was mein ist, das ist auch Dein. So lange ich singen kann, hat es keine Not. Und ich stehe ja erst am Anfang meiner Laufbahn. Wir haben also vorläufig gar feinen Grund, uns Sorgen zu machen." Sylvia nickte ihm heiter zu. Aber dann ging es wie leichtes Grschrecken über die lieblichen Züge. Sie wandte sich zum Gehen. " Qu willst schon wieder fort?" fragte er. " Ich muß, Hermann. Lebe wohl!" " Lebe wohl denn, bis morgen, mein Lieb!" Dann stand er und sah ihr nach, wie sie behende über die leuchtende, weiße Schneedecke hinweglief. Einmal blieb fie aufatmend steher und schaute sich nach ihm um. Er nicte the zärtlich zu, dann entschwand sie seinen Blicken. zur Ausführung der revidierten Berner Uebereinkunft zum Schuße der Werke der Literatur seine Zustimmung. Angenommen wurden ferner die Vorlagen betreffend Ausführführungsbestimmungen zum Wechselstempelgesetz und betr. Erstattung zu viel erhobener Reichsstempelbeträge. * Roosevelt in Berlin. an er * Berlin, 14. Mai. Roosevelt nahm einer großen Frühstückstafel im Hause des amerikanischen Botschafters Hill teil. Er saß dabei zwischen dem Staatssekretär Delbrück und dem Grafen 3 eppelin. Mit beiden unterhielt er sich lebhaft. Besonders seinem Nach bar zur Linken, dem Staatssekretär, schilderte er in seiner drastischen Weise, lebhaft gestikulierend, das am Morgen Gesehene. Nach Schluß des Frühstücks erhob er sich, griff sein Glas und sprach mit erhobener Stimme:„ Ich trinke auf das Wohl Sr. Kaiserlichen Majestät und die Zu funft des deutschen Volkes!" Am Abend fand im intimsten Kreise ein fleines Diner beim französischen Botschafter Cambon statt, der aus der Zeit seiner Tätigkeit als Vertreter der französischen Republik in Washington ein persönlicher Freund Roosevelts war. Den Abend beschloß ein Empfang im Hause des amerikanischen Botschafters für die ameri fanische Kolonie. * Berlin. Die Abreise des Präsidenten Roosevelt von Berlin erfolgte am 1. Pfingstfeiertag. * New York. Expräsident Roosevelt kehrt nach Beendigung seiner Europa- Reise mit dem Dampfer, Kaiserin Auguste Vittoria" nach Amerika zurück. Seine Ankunft in New- Yort erfolgt am 18. Juni. * * Köln. Im Industriebezirk steht eine große Aussperrung der Maschinenarbeiter bevor. Der Arbeitgeberverband von Hagen- Schwelm hat am 4. Mai 1200 Former u. Gießerei Arbeiter ausgesperrt. Es ist bisher nicht gelungen, mit den Arbeitern ein Einvernehmen zu erzielen. Morgen am 18. Mai werden sämtliche Arbeiter im Gießereigewerbe ausgesperrt und am 1. Juni 50 Prozent der gesamten Arbeiterschaft des Industriegebietes, wenn bis dahin keine Einigung zustande gekommen ist. * Aschaffenburg. Kürzlich starb dahier der als Spessart- Dichter weithin bekannte Bezirksgerichts- Rat a. D. Franz Englert im 94. Lebensjahre. * Heidelberg. Von dem mehrfach, zuletzt noch bei den Budgetberatungen in der badischen Ersten Kammer erwähnten Vermächtnis des verstorbenen Themifers Mond in London ist jetzt die Universität Heidelberg offiziell in Kenntnis gesetzt worden. Demnach erhält sie nach dem Tode der Gattin Monds die Summe von 1 Million Mark zur Förderung der naturwissenschaftlichen Forschung, vorzugsweise, doch nicht ausschließlich auf physikalischem und chemischem Gebiet. * Gotha. Dem Rennverein für Mitteldeutschland in Gotha unter dem Protektorat des Herzogs Carl Eduard ist die 54. Geldlotterie genehmigt worden. Diese Lotterie hat, wie die früheren, 125 000 Lose a 1 Mart. Der Hauptgewinn beträgt ev. 25 000 Mt., bestehend in einer Prämie von 15 000 Mark und einem Hauptgewinn von 10 000 Mr. Die Ziehung findet am 25. und 26. Mai in Gotha unter Leitung des Notars Herrn Dr. Kirsten statt. Das General- Debit der Lotterie hat das bekannte Bankhaus Carl Heinße übernommen. * Paris. Der Aviatiker Jacques de Lesseps be= absichtigt, am 22. Mai mittelst Aeroplans über den Aermelfanal von Calais nach Dover und dann von Dover nach Calais zu fliegen. Vermischtes. !!! Woher stammt die Melodie von Heil Dir im Siegertranz"? Eine interessante Untersuchung über den Ursprung der Melodie von„ Heil Dir im Siegerkranz" wird von dem Genfer Musikprofessor H. Kling veröffentlicht. Die Weise, die in Deutschland, England, und in der Schweiz zum Nationallied erhoben wurde, ist schon oft der Mittelpunkt von Forschungen gewesen. Nacheinander ist sie John Bull, Carey, Smith, Purcell, Lully, Haendel und Schumacher zugeschrieben worden. Klings Untersuchungen führen zu einem anderen Resultat. Er hat in einem alten Genfer Nationallied, dem„ Ce qu'e l'Aino" den Ursprung der Weise aufgefunden, in einem Liede, das den Genfer Sieg über die Truppen des Herzogs von Savoyen vom Jahre 1602 verherrlichen sollte und im Jahre 1603 bei einem patriotischen Festmahl zuerst gesungen wurde. Das „ Cod save the King" ward dann in England vier Jahre später bei einem Feste, das 1607 zu Ehren Jakobs 1. gegeben wurde, gesungen; der englische Organist John Bull hatte die Bearbeitung geliefert und es ist anzunehmen, daß die Wetse durch Engländer von Genf nach London gebracht Die finstere Miene, mit welcher der Vater sie empfing, verriet ihr nichts gutes, ebensowenig das höhnische Lächeln auf dem Gesichte des Bruders, der unter halb gesenkten Lidern hervor sie verstohlen betrachtete. „ Wo warst Du denn so lange?" fragte der Vater auch sogleich in strengem Tone, der ihr wie Eis durch alle Glieder drang. " Ich?"- Das junge Mädchen stand da, ohne ein weiteres Wort hervorzubringen. ,, Nun, ich warte auf Antwort!" gebot der Vater streng, die Tochter scharf anblickend.„ Rede!" " Ich war drunten im Dorfe, wollte-" ich hatte,- ich Ha, ha," lachte Leon schadenfroh, gib Dir doch keine Mühe. Liegt denn das Dorf drüben beim Walde, wo Du seeben herfamst? Ich dächte, das liegt immer noch auf der anderen Seite. Ich will es Dir sagen, wo Du warst, bei Deinem sauberen Liebhaber. Ich sah ihn vorhin vorübergehen, die Tante machte mich auf ihn aufmerksam. Gleich darauf warst Du verschwunden." Sylvia richtete sich hoch auf. Sie hatte mit einem Schlage ihre Fassung zurückgewonnen. Run gut," sagte sie mit blitzenden Augen, wenn Du es doch schon weißt, so ist jede weitere Frage unnötig." Sie wandte sich und wollte zur Türe hinaus. doch ein energisches Halt, hier geblieben!" hielt sie zurück. „ Erst sollst Du mir Rede stehen," gebot der Vater streng. „ Es ist also wahr, daß Du Dir mit einem Komödianten heimlich Stelldicheins gibst? Hast Du denn alle Scham ver loren? Hast Du vergessen, was Du unserem Namen souldig bist. vergessen, daß Dein Betragen neuen Kummer auf mich häufen muß? Draußen im Walde läufst Du mit Deinem Liebhaber herum?" " Vater", rief Sylvia und trat furchtlos und ohne die Augen niederzuschlagen, vor den erzürnten Mann, ich gestehe Dir jetzt frei und offen, daß ich Hermann Walter mein Wort gab, daß ich ihn liebe und nie von ihm lassen will daß ich seine Frau werde!" Leon brach in ein unbändiges Gelächter aus. " Da hörst Du es, Vater, wen Deine Tochter sich zum Gatten ausgesucht hat! Viel Ehre für uns, das muß ich wurde. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts finden wir die Melodie in Frankreich wieder; ein Nationalgesang zur Verherrlichung Ludwig 14. ist aus ihm geworden, Madame de Brisson hat den Tert gedichtet, Lully die Musik arrangiert. Dann taucht die Weise auch in Deutschland auf; Haendel komponiert das Lied zu Ehren des Königs von Hannover. Am Ende des gleichen Jahrhunderts dringt sie von neuem nach Deutschland; diesmal von Norden, auf dem Weg über Dänemark. Dort hatte der Geistliche Henry zum Geburtstag Christians 7. die Melodie zu einem Liede verarbeitet, das 1790 veröffentlicht wurde. Es wurde eine Art Voltzlied, elf Strophen wurden gesungen, deren Zahl 1793 von Schumacher auf fünf modifiziert wurde. Schumacher es auch, der den Sang für die preußischen Verhältnisse umarbeitete. Zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts hielt die Melodie dann auch in der Schweiz ihren Einzug und 3wissig dichtete die Verse, die dann ins italienische und Französische übertragen wurden. * war - Das neueste Wertpapier. Der Lehrer hat den Schülern auseinandergesetzt, was ein Wertpapier ist. Er will nun die Kinder zur Veranschaulichung der Sache auf das Papiergeld bringen und wendet sich des= halb an die Klasse mit der Frage:„ Wer fann mir Wertpapiere, also Papiere mit wertvollem Inhalte nennen, die man in der Tasche bei sich trägt, und die täglich zu vielen Millionen überall ausgegeben und eingenommen werden?" Da hebt der kleine Frizz den Finger und antwortet prompt:„ Die Salem Aleitum- Cigaretten!" Literarisches. auf -„ Wohlfahrts post farten" mit den Bildnissen des Großherzoglichen Paares von Hessen und beiRhein, sowie der beiden Prinzen, erscheinen soeben im Auftrage des Patronats der Großherzoglichen Zentrale für Säuglings- und Mutterschutz in Hessen" und werden deren Veranlassung von der Firma W. Leschhorn, Spe zialgeschäft photographischer Artikel, Darmstadt, vertrieben. Für die hervorragend schön ausgeführten, reizvollen Bild nis- Karten haben die allerhöchsten Herrschaften noch nicht veröffentlichte Aufnahmen des Hofphotographen Heren Steinacker in Darmstadt bestimmt. Der Ertrag des Verkaufs wird zum Besten der Säuglings- und Mutterfürsorge verwendet. Bei dem Interesse, das diesen Bestrebungen ent' gegengebracht wird, ist zu hoffen, daß die Karten in den weitesten Kreisen Absatz finden werden. Der Preis der Rare beträgt 10 Pfennig. Geschäftliches. er= Ich nehme Globin! das beste und feinste Schuhpußmittel von der Fritz Schulz jun. Attiengesellschaft, Leipzig. 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Wer eine Wohnung zu vermieten hat, Wer eine Wohnung sucht Wer etwas zu verkaufen hat, Wer etwas zu kaufen sucht Wer überhaupt etwas bekannt zu machen hat, inseriert mit dem besten Erfolge in der Giessener Zeitung Telephon 362. Expedition: Seltersweg 83. sagen! Fortan wird die Familie von Shinettwitz einen Komödianten zu ihrem nächsten Verwandten zählen! Einen Sänger bah--!" Von ihm weiß man doch, was er ist! Aber was Du all die Jahre draußen getrieben hast, das weiß man bis jetzt noch nicht! Und ich fürchte, es war- Schlimmeres, als wir ahnen!" Sylvia hatte es mit bebenden Lippen hervorgestoßen. Doch gleich darauf fühlte sie ihr Handgelenk wie mit eisernen Klammern umspannt und eine von Zorn und Wut entstellte Stimme zischte dicht an ihrem Shr:„ Mädchen, hüte Dich! Woher hast Du das? Ist es die Weisheit jenes Komödianten? Hat er Dir etwas vorgeflunkert? Er mag sich vor mir in Acht nehmen." „ Er? Woher sollte er Dich kennen? Er sah Dich ja nie? Was weiß er, wer Du bist? Wie wäre es möglich, daß er oder bist Du draußen in der Welt schon mit ihm zusammengetroffen?" Sylvia sah starr auf den Bruder. Leon biß sich auf die Lippen und ließ die Hand des Mädchens sofort los. Wie ein Blitz durchzuckte es Sylvias Kopf- der Gedanke an jenes Vorfommnis, von dem Walter einmal erzählt hatte. Die Erkenntnis drängte sich ihr unwillkürlich auf, daß Leon jener Falschspieler gewesen sein könnte; deshalb sein wildes Auffahren, sein Haß und Grimm. Doch nein", wehrte sie den auf sie einstürmenden Gedanken, nein- nein, es kann nicht es darf nicht wahr sein!" Da tönte die Stimme des Vaters dazwischen: „ Du laß Dir sagen, daß ich Dir nicht das Recht zugestehe, irgend einem hergelaufenen Menschen Dein Wort zu geben, noch dazu ohne mein Vorwissen. Das Versprechen ist null und nichtig. Du bist noch viel zu jung, um über Deine Zukunft eigenmächtig entscheiden zu können! Und diese Wahl will und werde ich nie gutheißen. Ich gebe meine Einwilligung nicht! Merfe Dir das! Versuche nicht, mich umzustimmen, denn das ist zwecklos! Ich werde Mittel und Wege finden, Dich zum Gehorsam zu zwingen! Es wäre noch schöner, wenn ich nicht die Macht befäße, den Willen eines eigensinnigen Kindes zu brechen. Für Torchen! Du hast einfach zu gehorchen!" heiten, die Du begehst, wird man mich verantwortlich ma ( Forts. folgt.) Sanatorium und Pension Traisa i. 0. bei Darmstadt. 35 Glück auf" Fürsorgestelle f. Lungenkranke Kaffee- Rösterei ( Medizinische Klinit, Klinitstraße) Sprechstunde: Jeden Mittwoch Abend 5-7 Uhr. Bei Verdauungs, Nerven, Zucker-, Herzleiden, Frauenleiden etc. Unentgeltliche Untersuchung von Lungenkranken und Anbeste Heilerfolge. Prospekt fr. durch den Besitzer L. Rinderspacher Prämiierung von Dienstboten. Die den Dienstboten bewilligten Prämien fönnen von Dienstag, den 10. 1. Mts. ab bei unserer Kaffe in Empfang genommen werden. Gießer, am 9. What 1910. Direktion der Bezirkssparkasse Gießen. Doering. 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