1001 Jetzt lasse ich meine Kunden reden! Sie empfehlen meine Ware besser, als ich es vermag. Beweis für die Dauerhaftigk Ueberzieher erhalten und Ihnen dan- Ich teile Ihnen mit, dass ich Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Pfg. monatlich Enthält alle amfi. Bekanntmachungen vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mt., durch die Post 1,50 Mt. frei ins Haus. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Zwei Extrabeilagen: „ Humoristische Blätter" und die Neue Lesehalle", liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362. Nr. 57. - Erstes Blatt. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein). Samstag, 16. April 1910 ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362. Amtliche Bekanntmachungen. Vergebung von Maurer- u. Pflasterarbeiten. Die Maurer- und Pflasterarbeiten für die Neubefestigung der Straße Oftanlage von der Wiesenstraße bis zum Walltor sollen Mittwoch, den 20. April ds. Js., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen lie gen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind späteftens bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 13. April 1910. Städt. Tiefbauamt. Braubach. Der Kaiser in Gießen. Ungeheuer groß war die Zahl derer, welche gestern aus der näheren und weiteren Umgebung in Gießen zusammengeftrömt waren, um dem deutschen Kaiser ihre Huldigungen entgegenzubringen. Und wenn der gestrige Tag so manches Herz schneller schlagen ließ, so lag der Beweggrund dazu wohl auch in dem berechtigten Stolz eines jeden über ben nun schon zum 3. Male erfolgten Besuch des Kaisers, um welchen uns bereits so viele Städte beneidet haben. Pünktlich um 11 Uhr verkündeten die Kirchenglocken ber wartenden Menge das Erscheinen des Monarchen. Die 4 Kaiserlichen Kraftwagen nahmen, von Weßlar tommend, in der bereits mitgeteilten Weise ihren Weg über die Frankfurterstraße, Süd- Anlage, Gartenstraße und Kaiser- Allee nach den neuen Kasernen In dem Gefolge des Kaisers, der sich in dem 2. Wagen befand, waren Generaloberst v. Plessen, Generalleutnant v. Scholl, General Freiherr von Lynder, Generalmajor a la suite v. Lauenstein, Flügel= adjutant Graf von Wedel, Oberstallmeister Freiherr von Reischach und der Leibarzt Dr. Niedner. Auf dem ganzen Wege folgten dem Monarchen die Jubelrufe der Menge, welche sich bei dem Eintreffen des Kaisers in den neuen Kasernen noch verstärkten. Hier stieg der Monarch, welcher die Uniform seines Kaiser- Regimentes trug, zu Pferde, um fich in Begleitung seines Gefolges nach dem Trieb zu begeben, den bereits dichte Reihen von Zuschauern einsäumten. Am Schüßenhaus begrüßte den Kaiser eine Ansprache des Provinzialdirektors Dr. Usinger, der folgendes ausführte: „ Der Besuch Eurer Majestät in Gießen hat in ganz Oberhessen lebhafte Freude hervorgerufen und ich kann daher nicht umhin, Eurer Majestät dafür den Dank der Provinz Oberhessen auszusprechen. Mögen Eure Majestät von hier die Gewißheit mitnehmen, auch in Zukunft eines freudigen Empfanges sicher zu sein." Hieran schloß sich eine Rede des Rektors der Universität Dr. Strah I, welcher den Kaiser im Namen der Univerfität in Gießen willkommen hieß. Oberbürgermeister Me- cum begrüßte den hohen Besuch mit folgenden Worten: ,, Eure Majestät mögen mir gestatten im Namen der Stadt Gießen Eure Majestät herzlich zu bewillkommnen. Der Besuch Eurer Majestät beehrt zwar nicht die Stadt Gießen, sondern das Regiment; die mannigfachen Beziehungen zwischen dem Regiment und der Bürgerschaft 14) Die Freundinnen. Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Maja schüttelte sich förmlich vor Lachen, auch Sylvia stimmte mit ein. Nur Hugo von Trostberg schaute ziemlich bedrückt darein. Meine kleine Geschichte findet anscheinend nicht Ihren Beifall?" fragte Maja. Hugo schüttelte verdrossen den Kopf und murmelte etwas wie Badfischstreiche". Er konnte auch seinen Mißmut kaum berbergen und die Unterhaltung wollte troß Majas sprühender Laune nicht wieder in Fluß kommen. Sylvia war sehr wortfarg und still geworden. Ste atmete erst wie erleichtert auf, als ihr Verlobter sich bald darauf empfahl. Der Regen hatte inzwischen nachgelassen und so wurde beschlossen, noch einen Gang ins Freie zu machen. Frau v. Schmettwiß ärgerte sich unbeschreiblich, daß Sugo heute ihren Tee verschmähte. Sie schalt auf ihn, noch mehr aber auf Sylvia, die sie eine faule Prinzessin nannte. Ja", eiferte sie ,,, wenn ihr eine Million gur Verfügung stände, wie ihrer Freundin, dann könnte te den ganzen Tag die Hände in den Schoß legen! Aber leider befißt sie faum das Notwendigste! Es ist doch in Jammer mit dem Mädchen! Da läuft sie nun wieder Bundenlang im Walde herum und gearbeitet wird rein nichts!" Die beiden Mädche. wanderten indessen Arm in Arm anter lebhaftem Geplauder dem nahen Walde zu. 8withen den hohen Bäumen webte und wallte noch der Neel, aber schon versuchte die Sonne die dichten Wolfen u zerreißen. Sie und da bliẞte ein rasch wieder verchwindender Strahl hindurch, um sekundenlang die gelben Blätter aufleuchten zu lassen wie blinkendes Gold. Ein Raunen und Rauschen zog leise durch den sonst so stillen Wald. Hie und da schlüpfte ein scheues Eichhörnchen rasch und behende an dem Stamm einer Buche hinauf in das sichere Versteck und lugte von dort mit neuBerigen Aeuglein herab. Vergebung von Pflasterarbeiten. Die Pflasterarbeiten für die Neubefestigung der Liebigstraße zwischen Frankfurterstraße und Oberhessischen Eisen bahn sollen Mittwoch, den 20. April d. Js., vormittags 11½ Uhr, öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen lie gen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entsprechender Ausschrift versehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 13. April 1910. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. sind jedoch so innige, daß auch die Bürgerschaft an dem heutigen Festtage lebhaften Anteil nimmt. Gerade die nun schon zum 3. Male erfolgende Wiederkehr des Besuches Eurer Majestät muß zu erhöhtem Dank verpflichten und muß von neuem an die Pflicht als Staatsbürger erinnern, treu zu Kaiser und Reich zu stehen." Allen drei Herren wurden seitens des Monarchen freundliche Dankesworte zuteil. Die Fortseßung des Rittes führte den Kaiser zu den Hassiavereinen, von denen sich zwei Mitglieder einer Ansprache des Monarchen erfreuten. Das Regiment hatte inzwischen auf dem Trieb Aufstellung zur Parade genommen, deren Front der Kaiser abritt. Asdann setzten sich die 4., 6. und 9. Kompagnie in Bewegung, um dem Kaiser verschiedene Marschübungen vorzufüh ren. Es folgte eine größere Felddienstübung, welche sich über den ganzen Uebungsplatz erstreckte und in allen ihren Einzelheiten die ungeteilte Anerkennung des Kaisers erntete, wie die überaus woyiwollenden Worte bewiesen, die der Monarch bei der Kritik den Leistungen des Regiments zollte. Unter dem Jubel der Menge begab sich der Kaiser an der Spitze der Fahnenkompagnie über die Kaiser- Allee, Gartenstraße, Ost- Anlage und Landgrafenstraße nach der Zeughausfaserne, um dort das Frühstück einzunehmen. Hierzu waren an die Offiziere des Regimentes und an die Herren Provinzialdirektor Dr. Usinger, Universitäts- Rektor Dr. Strahl, Oberbürgermeister Mecum und Landgerichtspräsident Dr. Güngerich Einladungen ergangen. Wäh rend der Tafel trug die Regimentskapelle verschiedene Weisen vor. Anläßlich seiner Anwesenheit verlieh der Kaiser folgende Auszeichnungen: den Kronenorden 2. Classe dem Oberst v. Müller, den roten Adler- Orden 4. Klasse dem Hauptmann Schröder und den Kronenorden 4. Klasse dem Oberleutnant Jebens. Fräulein v. Müller überreichte dem Kaiser einen prachtvollen Blumenstrauß; in gleicher Weise ehrten den Monarchen die hiesigen Studenten. Um 4 Uhr 25 Minuten erfolgte der Aufbruch, wobei die kaiserlichen Wagen ihren Weg über die Landgrafenstr., Ost- Anlage, Süd- Anlage und Frankfurterstraße nahmen. Wiederum erhoben sich die Hochrufe der überaus zahlreichen Zuschauer, welche den in dem ersten Kraftwagen befindlichen Kaiser zu fortwährendem Grüßen veranlaßten. Sicherlich wird den hohen Besuch der äußerst herzliche Empfang gefreut haben und wir dürfen gewiß sein, daß Es ist doch schön bei euch hier draußen, auch jetzt wo die Blätter fallen," meinte Maja. Aber der Herbst stimmt mich immer traurig," sagte Sylvia. All das Sterben ringsum, all das Vergehen dessen, was einst so frühlingsfrisch und hoffnungsfroh blühte und duftete, das macht mich ganz melancholisch. In der Stadt merkt man das kaum, aber hier auf dem Lande beobachtet man alles viel genauer. Mir ist so bang, als stünde mir Schweres bevor. Ich weiß nicht, ist es die herbstliche Stimmung oder etwas anderes. Ich muß immer an den Tod denken!" Aber Sylvia, wer wird sich denn von seiner Stimmung so beherrschen lassen," versuchte Maja abzulenken. ,, Das Leben liegt doch noch vor dir und wenn du erst verheiratet bist- i, still still davon!" unterbrach Sylvia fast hef= tig die Freundin ,,, ob ich überhaupt heiraten werde, wer weiß es?" Sylvia", mahnte Maja ernsthaft ,,, du machst bang. Welche Kämpfe stehen dir da bevor!" Sylvia senkte traurig den Kopf. mir Ich weiß es und Hugo tut mir auch furchtbar leid, denn er liebt mich wirklich." So beabsichtigst du, das Band wieder zu lösen?" fragte Maja ängstlich. Warst du es nicht, die mir dazu riet?" entgegnete Sylvia heftig. Sagtest du nicht vor ganz kurzer Zeit, es gäbe ein Unglück, wenn ich es nicht täte? Erinnerst du dich dessen nicht mehr?" So liebst du deinen Bräutigam wirklich gar nicht gin flein wenig?" Nein", tam es fest und hart von Sylvias Lippen. Seine Liebkosungen sind mir eine Qual! Nur mit Mühe kann ich mich überwinden, sie zu dulden; sie zu erwidern bermag ich nicht. Wie soll es werden, wenn ich an ihn gebunden bin mit unauflöslichen Fesseln? Ich ertrage Bieses Leben nicht, Maja rate, hilf mir doch!" Diesem leidenschaftlichen Ausbruch stand Maja völlig ratlos gegenüber. Weshalb hast du dich denn überhaupt mit Hugo verLobt? fragte sie zögernd. Weil ich es mir nicht so furchtbar schwer gedacht 21. Jahrg. Liefernng von Fußbodenöl. Die Lieferung von zirka 1870 Kilogramm Fußbodenöl für die städtischen Gebäude soll Samstag, den 23. April ds. Js., vormittags 10 Uhr, öffentlich vergeben werden. Bedingungen liegen während der Amtsstunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 6 Wochen. - Gießen, 12. April 1910. Städt. Hochbauamt. Gerbel. auch eine Wiederholung des Besuches auf eine ebenso schöne Begrüßung wird rechnen können. Nicht zum wenigsten war die glänzende Aufnahme des Monarchen dem Entgegenkommen der Stadtverwaltung zu verdanken, deren Aufgabe es war, für die Ausschmückung der Straßen zu sorgen. Aber auch die musterhafte Ordnung unter den Zuschauern verdiente nicht minder großes Lob, da das würdige Verhalten der Menge den äußeren Eindruck des Empfanges nach jeder Richtung hin glänzender gestaltete. Die größte Anerkennung darf aber das KaiserRegiment beanspruchen, denn seine bewunderungswürdigen Leistungen waren es, welche gestern auf dem Trieb von neuem den alten Ruf der Hessenlieger bewährten. Möge der gestrige Tag dazu beigetragen haben, die Liebe zu Kaiser und Reich zu befestigen und aus diesem Gefühl heraus rufen wir dem hohen Besuch„ Auf ein baldiges Wiedersehen!" zu. = h= Lokales. Gießen, 16. April 1910. * Gießener Baugewerbe. Zwei in Gießen abgehaltene Versammlungen der Arbeitnehmer und-geber haben nun auch zu der Lage in dem Baugewerbe Stellung genommen. Die Arbeitnehmer traten einstimmig den Beschlüssen des Arbeitnehmerverbandes bei, während die Bauunternehmer beschlossen, am 23. April zur Kündigung zu schreiten. * Vom Regiment. Vom 18. bis zum 28. dieses Monats wird das Kaiser- Regiment auf dem TruppenUebungsplatz Griesheim weilen, um dort in dem GefechtsExerzieren zu üben. -ph- Der Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Dr. Gutfleisch erlitt heute morgen in der Schloßgasse auf dem Wege zum Gericht einen Schlaganfall und stürzte zur Erde nieder. Dabei schlug er mit dem Kopfe so heftig auf, daß er sich verschiedene nicht unerhebliche Verletzungen zuzog. Die Sanitätskolonne brachte den Verunglückten in seine Wohnung. habe, ihn lieben zu lernen. Ich glaubte, das würde mit der Zeit von selbst kommen. Und reich zu sein, meinte ich, sei auch ein Glück. Aber ich wäre tausendmal lieber arm, als daß ich mich an einen Mann fetten lasse, den ich nicht liebe! Ich will wieder frei sein, frei und nicht Gefühle heucheln müssen, die ich nicht empfinde O, die fortgefeßte Lüge, wie sie mir zuwider ist! Aber eines Tages sage ich ihm alles, mag dann kommen, was will! Ich lasse mich nicht zwingen von meinem Schicksal, ich beuge mich ihm nicht! Ich war heute schon nahe daran, Hugo alles zu gestehen, ich war nur so erbärmlich feige,- -0-- hätte ich es doch getan!" Sie hob troßig das von rötlich schimmerndem Haar umrahmte Gesicht in die Höhe. In ihren Augen funfelten zornige Tränen. Maja blickte bewundernd auf das schöne Mädchen. Sie fühlte, daß ein außergewöhnlicher Mut dazu gehörte, ein derartiges Vorhaben auszuführen. Eine Pause war eingetreten. Schweigend schritten die Mädchen auf dem moosigen Waldboden dahin, als sie plöglich lauschend stehen blieben. In geringer Entfernung von ihnen ertönte lustiger Gesang. Es war eine weiche, wohllautende Stimme, der man sofort anhörte, daß sie geschult war. Aber sehr übermütig flang das Liedchen: Rothaarig ist mein Schäßelein, Rothaarig foie ein Fuchs, fie Und Zähne hat's wie Elfenbein Und Aeuglein wie ein Luchs."-= Die Mädchen sahen einander überrascht an, wußten plößlich beide wer der Sänger war. Er trat jest aus dem Gebüsch. Die Freundinnen huschten gerade in diesem Augenblick zwischen die dichten Haselnußstauden und duckten sich, eng aneinandergeschmiegt, um nicht gesehen zu werden. Da flang dler Gesang wieder, nur noch lauter und übermütiger denn zuvor: Und lieben tut's mich, sapperlot, Das weiß, was lieben heißt, Und füssen kann's, Schochschwerenot, Ich mein manchmal, es beißt"== ( Fortseßung folgt.) * Volksschulwesen. Das Großherzogtum Hes-| sen steht nach der letzten Statistik über den Stand des Volksschulwesens bezüglich der Anzahl der Simultanschulen an der Spize aller deutschen Bundesstaaten. 90 Prozent, nämlich 920 von 980 Schulen des Landes, sind simultan, nur 40 katholisch und 38 evangelisch. * Von der alten Klinit. Demnächst werden sowohl die städtischen Verwaltungen wie auch das Polizeiamt nach der alten Klinik an der Liebigstraße verlegt werden. Die dadurch frei werdende Bürgermeisterei wird die Oberrealschule aufnehmen und damit ihrem ursprünglichen Zweck gerecht werden, da sie schon früher dem Unterricht diente. * Städtische Bautätigkeit. Die Neubauten für die Verwaltung des Elektrzitätswertes und den Schlachthof sehen nun ihrer Vollendung entgegen und erhalten nur noch die innere Ausstattung. Diese frühzeitige Fertigstellung der Gebäude ist im Hinblick auf die Lage in dem Baugewerbe zu begrüßen. ;=! Eine Neuerung wird gegenwärtig im Bereich der preußisch hessischen Eisenbahn- Ge= meinschaft und der Reichseisenbahn ausprobiert, die Bezeichnung der Wagentlassen mit arabischen Ziffern, anstatt wie bisher mit römischen Zahlen. Die neuen arabischen Zahlen sind weiß auf schwarzen Tafeln angebracht und sind sehr deutlich sichtbar; dadurch ist es ermöglicht, für alle Wagen gleichen Farbanstrich zu nehmen, was seit langem schon geplant ist. !! Der preußische Kultusminister hat folgenden Runderlaß zur Kenntnis der Schulen bringen lassen:" Den jungen Leuten, die an einer der preußischen technischen Hochschulen Maschinen, Ingenieurwesen und Elettrotechnik statdieren wollen, wird, wenn sie Ostern die Reifeprüfung be standen haben, empfohlen, zunächst ein Halbjahr praktisch zu arbeiten und erst zu Beginn des Winterhalbjahres sich immatrikulieren zu lassen, das zweite Halbjahr der Wertstättentätigkeit aber in den nachfolgenden großen Ferien abzuleisten. Die jungen Leute, die im Herbst die Schule verlassen, werden besser zunächst das ganze Jahr Werkstättentätigkeit durchmachen." == Ueberfahren wurde gestern vormittag gegen 10 Uhr ein Monteur des städtischen Gaswerts auf der Kaiser- Allee von einem Automobil der„ Hassia"-Gummiwerfe dahier. Der sehr schwer Verletzte wurde von dem Lenker sofort in das Automobil gehoben und nach der Klinik gebracht. ** Einbruch. In das Geschäft eines hiesigen Bäckermeisters erfolgte während der Abwesenheit des Inhabers ein Einbruch, wobei den Dieben ein größerer Geldbetrag in die Hände fiel. Als bemerkenswert verdient hierbei hervorgehoben zu werden, daß alle Umstände bei der Ausführung des Diebstahls auf einen mit den Verhältnissen vertrauten Dieb schließen ließen. Aus diesem Grunde dürften die polizeilichen Nachforschungen in Kürze zu der Aufflärung des Verbrechens führen. * Diebstahl. Das in einem Hausflur der Plockstraße eingestellte Fahrrad eines hiesigen Bürgers war nach der Rückkehr des Eigentümers plötzlich verschwunden, so daß jedenfalls ein Diebstahl vorlag. Das Rad trägt die polizeiliche Nummer 4813. Die fortwährende Wiederkehr solcher Fahrraddiebstähle sollte alle Radfahrer davor warnen, die ungeschützten Orten stehen zu lassen. sung. Da die kürzlich von einer hiesigen Frau gegen einen Schuhmacher erhobenen Beschuldigungen, die, wie bereits gemeldet, zu der Verhaftung des Beschuldigten führten, sich nachträglich als wenig glaub= würdig erwiesen, wurde jetzt der Schuhmacher in Freiheit gesetzt! -d- Warnung vor Heiratsschwindler. Vor furzer Zeit wandten sich verschiedene Auftraggeber von Auswärts an das Deutsche Detektiv- Institut Frankfurt a. M., Neue Zeil 53, um über Herren Auskunft einzuholen, zwecks Heirat. Auffallenderweise kam hierbei ein und die selbe Person in Betracht. Das Detektiv- Institut stellte nun eingehende Ermittelungen an, die sich sehr weit nach außen verbreiteten, z. B. Gießen, Darmstadt, Essen a. d. R., Krefeld, Bromberg und Soest i. Wests. Bei den angestellten Recherchen war dem Leiter des Bureaus, Herrn Deichmann, sofort klar, daß man es mit einem Heiratsschwindler, oder mit einem Mädchenhändler zu tun habe und wurden die Auftraggeber sofort gewarnt, um dieselben Schaden zu bewahren. Dieser Herr Heiratskandidat, titulierte sich als Doktor der Philosophie und gab an, an der Universität Gießen, sowie an der technischen Hochschule in Darmstadt Vorlesungen zu halten. Unter anderen wollte er Besißer eines großen Gutes in Bromberg, sowie Neffe eines reichen Fabrikbesizers in Essen sein, deren Geschäfte er in Kürze übernehmen müsse. Er verstand es, den Da men und deren Familie glaubwürdig zu machen, indem er durch Vorspiegelung alle Briefschaften und Telegramme nach Essen und Gießen senden ließ, in Essen nahm er im Hotel Vereinshaus vorübergehend Aufenthalt, wohin er auch 15) Die Freundinnen. bor Originalroman von Frene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Ein leises Lachen ließ den Sänger ausblicken, er stand jetzt direkt vor der Haselnußstaude. Doch unterbrach er feinen Gesang nicht. Alles war wieder still. Als er das Liedchen schloß mit der letzten Strophe: Doch weiter bringt ihr nichts heraus und fragt ihr früh und spat Es kraßt mir sonst die Augen aus, Wenn ich noch mehr verrat- Da rief es aus dem Haselbusch: ,, Kuckuck!" Na, warte nur, du loser Vogel, ich glaube, ich kenne dich!" rief der junge Mann lachend. Da tauchten auch schon zwei reizende, schelmische Mädchengesichter auf und wie aus einem Munde erflang der Ruf: Guten Tag, Herr Zipfel!" Ueber Sylvias Gesicht flog eine tiefe Röte, als der Angerufene ihr lebhaft die Hand entgegenstreckte. Sie legte zögernd ihre Fingerspißen in die dargebotene Rechte. Dennoch fühlte sie den festen, innigen Druck, womit er ihre Finger umspannte. „ Ich preise meinen guten Stern und betrachte es als ein günstiges Beichen, daß ich heute, am ersten Tage meines Hierseins begegnet bin," begann er heiter. Wie kommen Sie nur bet diesem schlechten Wetter da heraus?" fragte Maja. Ich liebe den Wald leidenschaftlich, mein Fräulein. Wenn ich in eine fremde Gegend komme, so suche ich tmmer zuerst den Wald auf." ,, Aber bei Regenwetter--?" Ja, da gefällt es mir eben erst recht! Gerade das zieht mich an! So ein Gang durch den regentriefenden Wald ach, wie das raunt und flüstert, ich tann gar nicht fagen, was ich da empfinde. Ich bin nun mal solch ein sonderbarer Schwärmer! Im Walde, in der grünen Wildnis, da fühle ich mich am wohlsten! ,, Was führt Sie denn aber in unsere Gegend?" forschte Maja weiter. die Korrespondenz der Damen adressieren ließ, in Gie= en dagegen, wo er vollständig ohne Wohnung war, erbat er sich in der Frankfurterstraße bei einer armen Familie einen Briefkasten an deren Wohnungstür anbringen zu dürfen, auch dahin ließ er die Korrespondenz der Damen senden. Hier tam er nachts angereist, entleerte den Briefkasten und suchte so schnell wie möglich wieder das Weite, hierdurch hatte er jeden Verdacht der Auftraggeber von sich gelenkt. In Essen sollte am 3. d. Mts. im Hotel Vereinshaus auf Veranlassung des Deutschen Detektiv Institutes die Verhaftung erfolgen, der Herr Doktor hatte aber, da er des Nachts nicht im Hotel nächtigte, Eſſen verlassen. In Gießen waren alle Maßregeln getroffen, die Verhaftung zu bewerkstelligen, welche ihn aber vorher in Frankfurt a. M. ereilte. Durch die schnelle und gewissen hafte Ermittelung des Deutschen Detektiv Institutes Frankfurt a. M., Neue Zeil 53, kamen die Auftraggeber mit einem überraschenden Schrecken, aber ohne finanziellen Schaden davon. Aus Hessen und Nachbargebiet. * Großen Linden, 15. April. Mit der Erbauung eines neuen Gemeindebackhauses wird gleichzeitig ein Volksbad eingerichtet. Die Heizungsanlage wird si eingerichtet, daß sie beiden Zwecken gleichzeitig dienlich sein kann. Otto Schnabel im Gemeindewald erhängt aufgefunden. * Birklar. Hier wurde der 68jährige Landwirt * Hochelheim. Schon seit alten Zeiten gilt die Käsebereitung in den Orten des Hüttenbergs als ein Haupterwerbszweig; zahlreiche Bewohner fanden hierdurch lohnende Beschäftigung. Während ein Teil der Einwohner die erforderlichen Käsematten bis zu den Nachbarkreisen Biedentopf und Marburg auftaufte und in Wagenladungen her zufuhr, brachten andere die begehrten Käschen zum Verkauf, meist nach Frankfurt. Infolge der ausgedehnten Milch= wirtschaft und besseren Buttergewinnung durch Zentrifugen ist dieser Erwerbszweig bedeutend zurückgegangen. * Schlip. Sonntag, den 8. Mai, wird der Kaiser zu einem furzen Besuch des Grafen Görtz in unsere Stadt kommen. * Friedberg, 14. April. Hier herrscht zur Zeit Aerztemangel. Es ruht die Privatpraxis in den Händen von 4 Herren, die ärztlichen Dienst außer in Friedberg selbst in Fauerbach, Ossenheim, Bauernheim, Dorheim, Schwalheim, Ochstadt, Ober- und Nieder- Rosbach und OberWöllstadt versehen. Dieser Rayon umfaßt eine Seelenzahl von zirka 15 000 Bewohnern. * Wehlar, 14. April. Die Kontrollversammlungen im Kreise Wetzlar finden in den Tagen vom 21. bis 29. April statt. * Wezlar, 14. April. Bei dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein Kreis- Sparkassen- und Verwaltungsgebäude des Kreises Wetlar erhielt der Ent wurf des Frankfurter Architekten Adolf Schwarz den ersten Preis. * Wetzlar, 14. April. In der jüngsten Sibung der Stadtverordneten teilte Bürgermeister von Zengen mit, daß nach einem Schreiben des Kriegsministeriums, alle Maß nahmen zur Förderung des Neubaues der Kaserne derart beschleunigt werden, damit die Verlegung der Unteroffizier schule von Biebrich nach Wetzlar bestimmt im Herbst 1912 fann. * Wisselsheim. Seit kurzem arbeitet auf dem Gute des Herrn Leonhardt ein Motorpflug. Die Arbeitsleistung entspricht 26 Pferdekräften. * Darmstadt, 14. April. Die Regierung hat dem Landtag den Entwurf einer Novelle zum Gesetz über die Fürsorgekasse für Beamten und Bedienstete der Landgemeinden und Kommunalverbände zugehen lassen. Die Abänder= ungen, die an dem seit 1. Januar 1909 in Kraft getretenen Gesetze vorgenommen werden sollen, bezwecken in erster Linie eine Erweiterung des Kreises der beitragsberechtigten Personen. Zugleich sollen einige andere mehr formale Vorschriften zweckentsprechend abgeändert werden. Aus aller Welt. * Homburg v. d. H. Die kaiserliche Familie wird voraussichtlich bis einschließlich 22. April hier verbleiben und am 23. April sich nach Schloß Urville begeben. * Berlin, 14. April. Reichstagsabgeordneter Graf Oriola wurde, als er vor dem Reichstagsgebäude bei dem Ueberschreiten des Straßendammes einem Wagen der elektrischen Straßenbahn ausweichen wollte, von einem in entgegengesetter Richtung kommenden Straßenbahnwagen erfaßt, zwischen den beiden Wagen hin und hergeschleudert, und zu Boden geworfen. Er zog sich dabei eine Anzahl Verlegungen zu, die aber sämtlich leichterer Natur sind. Er konnte sich ohne Hilfe in das hiesige Palasthotel, sein Absteigequartier begeben. Er zuckte die Achseln und zitierte halb ernst, halb scherzhaft: ,, Errötend folgt er ihren Spuren Und ist von ihrem Gruß beglückt. Das Schönste sucht er auf den Fluren, Womit er seine Liebe schmückt!" Er blickte daber Sylvia an, die unter dem feurigen Strahl rasch die Augen senkte. Sie war wieder recht ernst und still geworden. Es kommt mir vor," wandte sich der junge Mann direkt an diese, als ob Sie sich seit unserer leßten Begegnung sehr verändert hätten. Damals waren Sie ein lustiges übermütiges Kind, und heute sind Sie eine ernste junge Dame. Der herbe Zug um ihren Mund will mir gar nicht gefallen. Auch die Augen blicken ganz anders als damals. Ist Ihnen etwas unangenehmes be= gegnet?" ,, ia, sehr viel," entgegnete Sylvia, ohne den Blick zu erheben. Maja fiel rasch ein: ,, Meine Freundin hat sich in der Zwischenzeit Das letzte Wort blieb unausgesprochen, denn Sylvia drückte den Arm Majas so heftig, daß diese beinahe aufschrie, außerdem bedeutete ihr eine heftig abwehrende Bewegung, daß sie schweigen sollte. Der Begleiter der jungen Damen schien den kleinen Zwischenfall nicht beachtet haben. Gedankenvoll schritt er neben ihnen her. End ich sagte er an Sylvias Be mertung anknüpfend: ,, Ach, das tut mir leid,- und darf man vielleicht wissen?" ,, Es ist fein Geheimnis wir haben bei dem Bu sammenbruch der Kreditbank unser ganzes Vermögen verloren!" D, wenn es weiter nichts ist," lachte jener ,,, wo zu brauchen Sie denn Geld? Sie befizen Jugend und Schönheit, ist Ihnen das nicht genug?" ,, Leider wird man davon nicht satt"; erwiderte Sylvia bit ter. Sie schien noch etwas hinzufügen zu wollen, doch da begegnete ihr wieder so ein aufleuchtender Blick von borhin. Dies machte sie so verwirrt, daß sie fein Wort weiter hervorbrachte. Es war gut, daß sich in diesem * Geislingen. Donnerstag nachmittag 2½ Uhr brach in dem Dorfe Böhmentirch im schwäbischen Oberamt Geislingen Groß- Feuer aus, das 80 Häuser in Asche legte. Das ganze Dorf zählt 330 Häuser. Die Ursache zu dem Brande ist das Spielen eines sechsjährigen Kindes mit Streichhölzern. Die Abgebrannten sind meist ganz arme Leute, die kaum mehr als das nackte Leben gerettet haben. Nur ein geringer Teil des Verbrannten soll versichert sein. abgewendet, indem zwischen den Gehilfen und dem Arbeit* Würzburg. Der drohende Bäckerstreit wurde geberausschuß ein Tarif vereinbart wurde. Die Löhne der Bäckergehilfen betragen 16 bis 23 Mr., welche sich am 1. April 1911 um 50 Pfg. erhöhen. Als Vergütung für die Sonntagsarbeit erhalten die Gehilfen jährlich einen entsprechenden Urlaub. ( Berlin Landsberg a. W. hieß eine Radfernfahrt am 10. April, die mit dem Siege des Brennaborfahrers R. Heinrich endete. )( In Wiesbaden fand am 10. d. Mts. ein 50 Kilometer- Rennen statt, in welchem G. Kahlert auf der Marke Brennabor den ersten Preis erstritt. Literarisches. Novellen von Jda Davidson. Preis 2 Mart. Verlag der Hofbuchhandlung Josef Singer in Straßburg in E. und Leipzig. Der dualistischen Erzählung:„ Aus den Alpen" liegt eine wahre Mitteilung der Wirtin des „ Mattenhoses" bei Interlacken zugrunde. Noch vor zwei Jahren war das jeßige große Hotel ein kleines, einfaches, aber sehr gutes Haus.„ Veilchen" tragen ihre Erklärung in sich selbst. Die Vorgänge sind einfach und erscheinen nur verwickelt, wenn es sich aufrollt, wie so manches unebene Zusammentreffen der Dinge kein zufälliges war.„ Der Name" ist eine Plauderei, wie ihn die Elster am Waldwege vortrug. Vielleicht hat auch sie manch Körnchen Wahrheit aufgepickt! Gedichte von Ida Davidson. Preis 2.50 Mt., eleg. fart. Verlag der Hofbuchhandlung Iosef Singer in Straßburg i. E. und Leipzig. Es sind eigenartige, ganz persönlich empfundene Gedichte, die von einem tiefen Fühlen, einem gütigen, flugen Verstehen von Welt und Menschen singen. Ans dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, 15. April 1910. Der in Gießen wohnhafte Bauführer Peter Neuzig aus München- Gladbach, der von seiner Frau geschieden ist, und mit einer Haushälterin zusammenwohnt, hat ein von der letzteren totgeborenes Kind, als von seiner geschiedenen Frau geboren, auf dem Standesamt angemeldet. Er wollte sich die Unannehmlichkeiten, die der Haushälterin und ihm selbst bei dem richtigen Eintrag entstanden wären, ersparen. Das Gericht erkannte wegen intellektueller Urkundenfälsch ung auf eine Geldstrafe von 100 Mt. In einer Wirtschaft zu Bad Nauheim hat der Beigeordnete Hofmann von Dorheim erzählt, es sei ihm in der Untersuchungssache gegen den Bürgermeister Schudt von Dorheim durch den Untersuchungsrichter mitgeteilt worden, der Oberamtsrichter Süffert in Bad Nauheim hätte an Schudt geschrieben, er möge sich vorsehen und sich darnach richten, die Staatsanwaltschaft täme in den nächsten Tagen zu ihm und würde ihm die Akten abnehmen. Dieses Schrei ben sollte der Untersuchungsrichter vorgelesen haben. Trop Vorhalts der Gäste, blieb Hofmann dabei, daß ein solches Schreiben vorgelesen worden sei. Als der Oberamtsrichter von der Sache erfuhr, ließ er Hofmann kommen, der dann auch erklärte, er habe die ganze Sache aus der Luft gegriffen; es sei fein wahres Wort daran, er nahm die Aeußerung mit Bedauern zurück, leistete Abbitte und versprach dem Oberamtsrichter 100 Mt. für das Kinderhospital zu übergeben. Er kam aber dieser Verpflichtung nicht nach, sondern erzählte die Sache weiter, bis der Oberamtsrichter wegen Beleidigung Strafantrag stellte. In der Verhandlung vor der Straffammer, nach Vernehmung einiger Zeugen, erklärte Hofmann, er sei überzeugt, daß seine Angaben unwahr seien, er bat um Verzeihung und erklärte sich bereit, 100 Mark für das Kinderhospital in Bad Nauheim und 100 Mark für den Verein zum Schutz der entlassenen Gefangenen zu zahlen. Falls innerhalb 4 Wochen die Bedingungen erfüllt sind, wird der Strafantrag zurüdgenommen. Der Wagner Karl Suppes 3. von Eichelsdorf hat eine dem Landwirt Vöhl gehörige Egge und einen er an Vöhl eine Pflug mit nach Hause genommen, weil Forderung hatte. Das Schöffengericht sprach Suppes frei, weil er nicht rechtswidrig gehandelt hat, sondern sich nur einen Pfand wahren wollte. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft tam die Strafkammer zur Verurteilung von drei Tagen Gefängnis, da feststand, daß er die Absicht rechtswidriger Aneignung gehabt hat. Augenblick eine jubelnde, helle Kinderstimme vernehmen ließ. Die kleine Lilly stürzte mit dem Hufe: Tante Maja, liebe Tante Maja!" eiligst herbei. Sie achtete veder der Baumwurzeln noch der Steine auf ihrem Wege, dashalb lag sie plöblich am Boden. Der Kopf schlug im Fallen hart an einen Baumstamm. Maja sprang hinzu mit dem erschrockenen Rufe:„ Ach mein armer Liebling, hast du dir weh getan?" Das Kind schüttelte zwar verneinend das Köpfchen, doch verzog sich der rote Mund schmerzlich, während die Augen sich mit Tränen füllten. Lilly suchte anscheinend gewaltsam den Schmerz zu unterdrücken. Siehst du, das kommt von deinem wilden Tollen und Laufen", zürnte Lillys Vater, der rasch näher getreten war. Nicht schelten, Herr v. Brandt, bat Maja fanft und drückte die Kleine innig an sich. Jeßt erst bemerkte sie; daß das Kind eine Haffende Stirnwunde davongetragen hatte. Das Blut siderte in großen Tropfen daraus hervor. Maja preßte erschrocken ihr feines Battisttuch darauf, doch das dünne Gewebe war bald ganz durchtränkt. ,, Wir müssen rasch frisches Wasser haben", fagte das junge Mädchen ängstlich ,,, wo nehmen wir nur solches her?" Ich muß eilen, mit dem Kind nach Hause zu kommen; glücklicherweise ist es nicht sehr weit", verseßte Herr v. Brandt. Die anderen waren indessen hinzugekommen und die erschrockenen Gemüter mochten die Kleine nun ängstlich gemacht haben. Sie brach in bitterliches Weinen aus. Muß ich jetzt sterben, Tante Maja?" fragte sie in Häglichem Tone. Nein, nein, mein Herzenskind", tröstete diese,;, bu mußt dich jetzt nur gleich ins Bett legen und ganz still liegen bleiben. Deine alte Kathrine macht dir dann talte Umschläge, und du wirst bald wieder gesund." Aber dann kann ich ja gar nicht zu dir tommen," jammerte Lilly. ,, Nun, die paar Tage wirst du boch ohne Tante Mala sein tönnen?" warf Sylvia ein. ( Fortseßung folgt.) Standesamt- N April 5. Großh. F 11 H " ter. 6. Bahnarbei 6. Schloffer Christina. 7. Schloffer rie Johan 8. Diplomgen eine 9. Kutscher G rich. 10. Gärtner S Mathilde. 11. Schloffer neftine. 14. Fabritarbe April 8. Adolf Di beide in 9. Jatob berg, mi 9. Johannes beide in 9. Ludwig mit Maric 9. Wilhelm 2 Hofmann 11. Ludwig Raffelwig, 13. Ernst Jo mit Lisett April 9. Wilhelm Schopbad 9. Ernst Pl v. d. H., 9. Auguft mit Elife 9. Karl Earl beide in 9. Arthur F burg, mi Gejegliche M Die diesjä Meistertitels( Zeit vom 2. M fuche um Zul erforderlichen rechtzeitig an zu richten. Vo 35 Mart an di zuzahlen. Die zulegen. 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Schlosser Karl Hupfeld eine Tochter, Martha Marie Johanna. 8. Diplom- Ingenieur Karl Christian Ott in Völklingen eine Tochter, Elisabeth Ottilie Mathilde. 9. Stutscher Christian Burk ein Sohn, Christian Heinrich. 10. Gärtner Heinrich Bechthold eine Tochter, Karola Mathilde. 11. Schlosser Heinrich Peter Förster eine Tochter, Ernestine. 14. Fabritarbeiter Peter Kuhn eine Tochter. Aufgebote. April 8. Adolf Dönges, Handelsgärtner, mit Anna Bendt, beide in Gießen. 9. Jakob Dickler, Gerichtsschreibergehilfe in Orten- berg, mit Hedwig Wiechard in Gießen. 9. Johannes Sann, Taglöhner, mit Susanne Stumpf, beide in Gießen. 9. Ludwig Walter Rühl, Marmorpolierer in Gießen, mit Maria Schmidt in Großen Linden. 9. Wilhelm Becker, Bäcker in Gießen, mit Margarete Hofmann in Beuern. 11. Ludwig Eßwein, Kgl. Bahnmeister in DeutschRasselwitz, mit Lina Metzger in Gießen. 13. Ernst Johann Heller, Vizefeldwebel in Gießen, mit Lisette Pflüger in Biebesheim. Eheschließungen. April 9. Wilhelm Hammel, Taglöhner, mit Katharina Schopbach, beide in Gießen. 9. Ernst Plaag, Sanitäts- Vizefeldwebel in Homburg v. d. H., mit Emilie Braun in Gießen. 9. August Schmidt, Tapezier- und Polstermeister, mit Elise Anna Paul, beide in Gießen. 9. Karl Carle, Hilfsheizer, mit Dorothea Schmidt, beide in Gießen. Gestorbene. April 8. Arthur Rentmeister, 3 Wochen alt. 9. Arthur Hanß, Landwirtschaftslehrer in Oranienburg, mit Martha Fiebig in Gießen. 9. Karl Steinberger, Rentner, 61 Jahre alt. 9. Heinrich Schweizer, Taglöhner, 30 Jahre alt. 9. Anna Ruhl, 18 Jahre alt. " " " " 9. Heinrich Jean Schwarz, 5 Monate alt. " 9. Johann Friedrich Walther, Wagenpußer, 68 Jahre alt. 10. Katharine Muhl, geborene Drosbach, 59 Jahre alt. " # 1 12. Emil Kühr, Kaufmann, 19 Jahre alt. " " " 14. Karoline Käß, geb. Scheid, 79 Jahre alt. 14. Johannes Stumpf, Rentner, 72 Jahre alt. 13. Marie Schneider, geb. Möser, 46 Jahre alt. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. Jubilate, Sonntag, den 17. April. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. In der Johanneskirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrassistent Hanstein. Vormittags 11 Uhr Kinderkirche für die Lutasgemeinde. Pfarrer Bechtholsheimer. Nächstkünftigen Sonntag, Kantate, den 24. April, nehmen in beiden Kirchen die Frühgottesdienste um 8 Uhr u. in Verbindung damit die Christenlehren für die Neutonfirmierten wieder ihren Anfang, und zwar zum erstenmal für die Neukonfirmierten aus der Matthäus- und Lutas- Ge- meinde. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder dazu anzuhalten. Ebenso ergeht an die Dienstherrschaften und LehrHerren die Bitte, dafür die Zeit freigeben zu wollen. Reeses Puddingpulver unübertroffen Die Heftchen mit unseren Gottesdienstordnungen sind auf der Geschäftsstube, Kirchstraße 1, bei den Kirchendie' nern und bei allen Verkäufern von Gesangbüchern für 5 Pfennig zu haben. Die Gemeindemitglieder werden gebeten, sich solche anschaffen zu wollen. Katholische Gemeinde Samstag, den 16. April. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beicht. Sonntag, den 17. April. 3. Sonntag nach Ostern. Vormittags 6% Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste heil. Messe. Vormittags 8 Uhr: Austeilung der heiligen Kommunion. Vormittags 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vormittags 11 Úhr: hl. Messe mit Predigt. Militärgottesdienst. Nachmittags 2 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruderschafts- Andacht. Methodisten- Gemeinde. Wilhelmstraße 45. Sonntag, den 17. April. Vormittag ½ 10 Uhr: Predigt. Nachmittags 2-3 Uhr: Sonntagsschule. 62 Nachmittags ½ 4 Uhr: Gesangsgottesdienst, veranstaltet von den Chören von Wetzlar und Gießen. Donnerstag, den 21. April. Abends 9 Uhr: Bibel- und Gebetstunde. Verantwortlich: Albin Klein, Gießen. ++ Königsteet Lungen- u. Halskranke sowie alle, die an Asthma, Atemust, Husten, Heiserkeit, Lungen- u. 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Trop ß ein solches beramtsrichter men, der dam der Luft ge nahm die Aeu und versprach derhospital zu ung nicht nach Oberamtsrichter er Verhandlung iniger Zeugen, e Angaben un lärte sich bereit, uheim und 100 en Gefangenen dingungen er men. chelsdorf ge und einen an Böhl eine Suppes frei, dern sich nur der Staatsan lung von drei bficht rechtsvernehmen Tante Maja, h der Steine Boden. Der tamm. Hufe: tan?" Nöpfchen, während die anscheinend Tollen und etreten war. ja fanft und bemerkte fie; bongetragen Huch darauf, tränkt. daraus her fagte bas ir nur folHause zu eit", berfekte nen und bie un ängstlich nen aus. ragte fie in te diefe, bu b gang f r bann Palle Lommen, Cante Mala Sehen Sie, meine Damen! Gratis und portofrei erbalten Sie gegen Einsendung von 50 Gutscheinen von Reeses Backwunder, dem Patent- Backpulver, Reeses Puddingpulver, Vanillinzucker, Salicyl etc. oder 100 Scheinen von Reeses 5 Pfg.- Backpulver eine elegante Dose Cakes feinster Qualität. 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Das Jahr des Heils 1910 wird als großes Kometenjahr in der Erinnerung fortleben. Schon hat es auch eine gar beträchtliche Kometenliteratur hervorgebracht, in der sich, wie in den meisten menschlichen Dingen, Gutes und Uebles wunderlich mischt. Einen dauernden Platz in dieser Literatur aber wird die treffliche Schrift behaupten, die der allgemein bekannte und geachtete Wilhelm Bölsche unter dem Titel Romet und Weltuntergang" demnächst bei Eugen Dieterichs in Jena herausbringt. Mit gründlicher Kenntnis des Gegenstandes und bekannter Meisterschaft des Stils wird in dieser Schrift die Geschichte unseres Wissens von den Stemeten, und insbesondere unseres Wissens von dem Hallenschen Kometen, auf ebenso anmutige wie interessante Weise vorgetragen, auch das merkwürdige Kapitel der Kometenfurcht und des Einflusses der Kometen auf die menschlichen Dinge geistvoll und vielseitig erörtert. Durch die Freundlichkeit des Verlages können wir aus diesem schönen Werte Bölsches schon jetzt einen Hauptabschnitt mitteilen, einen Abschnitt, der besonders interessant ist, weil er ge= wissermaßen die Gesamtergebnisse, zu denen der Verfasser gelangt, in Kürze summiert. (** * Welches wird unser Los in der kritischen Nacht vom 18. zum 19. Mai sein? Nach der vorläufig besten und neuesten Berechnung liegt die eigentlich bedeutsame Nachtstunde für uns in Deutschland genau zwischen morgens 3 Uhr 22 Min. und 4 Uhr 22 Minuten. Sie gehört also nach unserer bürgerlichen Datierung bereits dem 19. Mai an, wäh= rend der Astronom sie nach seiner Berechnungsart noch zum 18. Mai zählt. Ueber eventuelle Verschiebungen des engeren Termins werden im letzten Momente ja noch alle Beitungen wie bei einer wichtigen Theaterpremiere berichfen. In dieser Stunde also geht der Komet genau zwischen der Sonne und unserer Erde durch, In Australien, in der Südsee und in Ostasien wird man dirett beobachten können, wie der Kometenkopf scheinbar in die Sonnenscheibe eintritt, um sie erst nach einer ganzen Stunde des Vorbei= passierens wieder zu verlassen. Während dieser Stunde aber wird die Erde selbst durch den Kometenschweis gehen, und wenn dieser Schweif angetan wäre, wirklich unsere Atmosphäre mit irgend etwas Schrecklichem zu versetzen, so würde sich dieses Schreckliche dann alsbald unaushaltsam durch unseren gesamten Luftfreis verbreiten müssen. Was ist nun in Wahrheit zu erwarten? Da uns nicht ein Kometentopf berührt, sondern nur der Ausläufer eines Kometenschweises, ist es nicht wahrscheinlich, daß wir direkt noch meteorischen Staub von der Stärke in unseren obersten Amosphäreschichten erhalten, daß ein Sternschnuppenregen auftritt; schade, denn dieses Schauspiel wäre ebenso ungefährlich wie schön, und es lohnte, daß man eine Nacht darum aufbliebe. Ausgeschlossen sind nach aller bestehenden Theorie sowohl fatastrophenhäfte Stoßerscheinungen, wie Gefahren durch explosible oder giftige Stoffe. Dentbar wäre dagegen zu dem kritischen Termin eine bestimmte Sorte irdischer Feinwirkung, die wir diesmal zum erftenmal genau feststellen könnten, weil wir zum erstenmal die nötigen Apparate dafür zur Verfügung haben. Auch ihr geht jeder fatastrophenhafte, uns und unsere Technik ge= fährdende Charakter as, dagegen handelt es sich um die Möglichkeit von sowohl wissenschaftlich wie technisch wertvollen Feststellungen. Es wäre nämlich immerhin möglich, daß der Kometenschweif gewisse feine elettromagnetische Störingen auf unserer Erde hervorriefe. Bekanntlich gibt es auf unserem Planeten höchst eigentümliche zeitweise Störungen und Stürme innerhalb der geheimnisvollen Kraftbetätigungen, die wir elektromagnetische nennen und deren Wirksamkeit wir erst in neuerer Zeit genauer zu erforschen und zu verwerten begonnen haben. Unjere Magnetnadeln geraten dabei in mehr oder minder lebhafte Unruhe. In stärkeren Fällen durchsausen gewaltige elektrische Erdströme die Oberflächenschicht des Planeten u. bringen alle unsere Telegraphenleitungen für eine kurze Weile in heillose Unordnung, ja außer jeglicher brauch= baren Funktion. Zugleich wird bis in Gegenden, wo man an dergleichen nicht gewöhnt ist, eine völlig ungefährliche, aber sehr auffällige Lichterscheinung unserer Atmosphäre merkbar, die sich sonst auf eine gewisse Nähe der magnetischen Pole unserer Erde beschränkt: nämlich das sogenannte Polarlicht oder( für unsere Nordhalbkugel) Nordlicht. Obwohl diese oft plötzlichen und für unsere modernen Verkehrsapparate mindestens momentan lästigen elettromagnetischen Unwetter" zunächst durchaus irdische Phä nomene sind( auch mit Einschluß des Nordlichts), so hat man doch allmählich gelernt, daß bei ihnen irgend ein weiterer kosmetischer Zusammenhang zweifellos auch noch besteht. Sie fallen nämlich durchweg zeitlich genau zusammen mit bestimmten Erscheinungen auf der Sonne. Die Sonne zeigt an ihrer Oberfläche gelegentlich gewisse Anzeichen, die auf eine lebhaftere eruptive Tätigkeit Veralteten Husten auszurotten ist eine recht schwierige Sache. Jeder, der schon einmal Lange mit einem bösen Katarrh gekämpft hat, kann davon ein Lied singen. Mit Hustenbonbons und Pastillen ist da ebenso wenig etwas auszurichten, wie mit allerlei kleinen Hausmitteln. Einen gewöhnlichen Erkältungshusten mag man wohl mit derartigen harmlosen Mittelchen beeinflus en können, aber die Beseitigung eines bereits chronisch gewordenen Hustens, der bei dazu Disponiertem gar oft den Anfang der Lungenschwindsucht bedeutet, erfordert weit ernstere Mittel, die den Feind sozusagen im Innern seines Ragers aufsuchen und ihn dann von innen heraus" vertreiben. Als eines der besten Mittel zur Beseitigung derartig chronisch gewordener Katarrhe mit ihren Fol gezuständen( alter Husten, Verschleimung, Asthma, Bronchialtatarrh, LungenspitzenEatarrh 2c.) galt im ganzen Orient schon seit jeher der naturreine Harzsaft eines an den Küsten des Roten Meeres wachsenden Balsambaumes, der sogenannte Arabische oder Utu- Balsam. Troßdem diesem so ausgezeichnet wirkenden and dabei doch absolut unschädlichen Mittel von den älteren Aerzten wahre Wunderdinge nachgerühmt werden, ist das fast unbekannt geblieben. Schuld daran trug seine verhält mismäßig große Seltenheit und der dadurch hervorgerufene, lert, werden schn felbe bisher nur wenig nach Europa gekommen und hier rei Albin Klei Seltersweg 83. Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Samstag, den 16. April 1910. schließen lassen. Als sichtbarlichstes Geb de gehören( in; tromagnetischen Feinapparaten arbeitete. Wie jung diese irgend einem Zusammenhang, der an sich noch nicht völlig geflärt ist) hierher die Sonnenflecken. Diese Sonnenflecken freten in bestimmten Perioden stärker und dann wieder| schwächer auf; bald ist die Sonnenscheibe von ihnen fast bedrohlich besetzt, bald wieder scheinen sie so gut wie ganz zu verschwinden. Mit großer Sicherheit hat man nun eine elfjährige Periode dieser Art feststellen können, in der einmal eine Steigerung bis zu einem Marimum eintritt, dann aber wieder ein ebenso konsequentes Sinten folgt. Ganz genau die gleiche elfjährige Periode beobachtet man aber auch in einem bestimmten Schwanken unserer Magnetnadeln. Hier muß ein Zusammenhang bestehen. Ja Bei bestimmter Häufung und Größe einzelner Sonnenflecken wird dann auch eine unmittelbare Wirkung deutlich. Mit dem Auftreten des Fleckenfeldes auf der Sonne, noch enger genau mit dem Moment, da es sich innerhalb der Sonnenrotation unserer Erde senkrecht gegenüberstellt, pflegt bei uns ein erhöhtes elektromagnetisches Gewitter ( mit wilden Magnetnadel Ausschlägen, abnormen elektrischen Erdströmen und starken Nordlichtern) einzutreten. Die Sonne ist von uns rund 20 Millionen Meilen entfernt. Trotzdem ist es, als greife von ihr in solchem Moment etwas unsichtbares wie ein Scheinwerferstrahl bis zu uns herüber und störe unsere Apparate. Man hat wirklich an solche Wursstrahlen gedacht. Bei den Sonnenfinsternissen sieht man einen sonst unsichtbaren Kranz ungeheurer Stoffstrahlen, die leuchtend weithin von der Sonne auszufließen scheinen, die sogenannte Korona. Es könnte sein, daß bei großen Eruptionen dort solche Strahlen stärker aufschießen und bei bestimmter Einstellung bis zu uns kommen. Unendlich feine Materie jedenfalls, haben sie nichts zu tun mit jenen erwähnten wirklichen glühenden Wasserstoff- Protuberanzen der Sonne, die nie entfernt so weit reichen könnten. Ihre einzige Wirkung, die sie bei uns tun können, ist offenbar nur eben jene ganz feine elektromagnetische, die sich in Magnetnadelschwankungen, Nordlichtern und( nur in unseren feinen Apparaten merkbaren) Erdströmen andeutet. Arrhenius denkt auch hier an feine Stoffteilchen jener fritischen Größe, die, durch engere Sonneneruptionen zunächst hochgeschleudert und ver streut, dann zum Teil vom Strahlungsdruck bis in die Planetenräume hinausgetrieben und so auch bis zu uns gebracht würden. Die elektrische Ladung dieser Teilchen würde dann die Erdphänomene erklären. Wie man sich das nun im einzelnen ausmalen mag: jedenfalls gibt diese Kette offensichtlicher elektromagnetischer Zusammenhänge zwischen Sonne und Erde und ihre Wirtung bei uns einen vagen Anhalt, was auch ein Kometenschweif als irgendwie elektrisch tätiger„ Scheinwerfer" bei uns erzeugen könnte. Nehmen wir an, auch er enthält elektrisch erregte Teilchen, so wäre es immerhin denkbar, daß auch sie bei ihrer Mischung mit unserer Erdatmosphäre, wenn denn sonst bei ihrer Winzigkeit absolut nichts, so doch einen gewissen„ elettromagnetischen Sturm" erregten, also unsere Magnetnadeln aubschlagen ließen, unseren elektrischen Betrieb momentan durch unkontrollierbare Erdströme stärten und( als sinnfälligsten Effekt) vielleicht bis in unsere dichtesten Kulturbreiten hinein brillante bunte Nordlichter ausflammen ließen. Wenn ein besonders großer Sonnenfleck das kann, indem er uns vielleicht über 20 Millionen Meilen fort einen besonders langen elektromagnetisch geladenen, aber sonst für uns ganz unsichtbaren Koronasstreifen zuschickt, bei dessen Berührung hier unten alles der genannten Kraft Untertanene zittert, wie toll verkehrt klingelt und endlich den Himmel mit zuckenden magnetischen Strahlen rötet: warum soll das nicht der Komet auch vielleicht vollbringen? Vielleicht! Bewiesen ist es noch nicht. Möglich ist ja, daß solcher Komet in seiner Sonnen= nähe wie eine Art Konzentrierer und Kondensator der ausfließenden Sonnenkraft selber wirkt. Nach Arrhenius würde er massenhaft in nächster Sonnennähe elektrisch geladenen Koronastaub der Sonne direkt an sich ziehen und nachher im Strahlungsdruck konzentriert wieder auspulvern gegen die Planeten hin; hier wirkte er also tatsächlich wie eine Art Scheinwerfer für Sonnenenergie. Es ist auch bereits behauptet worden, daß die Kometenschweise sich stärker entwickelten in Jahren der Sonnenflecken Marima, sei es, daß sie dann mehr direkten Gruptionsstaub der Sonne zu ihrem Eigenmaterial noch hinzuerhielten, sei es, daß die dann ohnehin stärker ausströmende elektrische Wirkung sie bloß auf stärkere Strecken hin zum elektrischen Leuchten brächte und so den Schweif größer erscheinen ließe. Ein Grund aber, sich diese problematische elektromagnetische Wirkung abnorm groß vorzustellen, liegt jedenfalls wieder nicht in dem ganzen Sachverhalt. wie gewiß ist, daß wir früher schon so und so oft durch Wenn es im höchsten Grade wahrscheinlich, ja so gut Rometenschweise hindurchgegangen sind je der Komet, der für uns vor der Sonne herging und einen langen Schweif hatte, kommt ja historisch dafür in Betracht), so haben wir damals eben überhaupt nie etwas gemerkt( es sei denn Nordlichter, die man früher aber irgendwo ein zuregistrieren wußte und deshalb durchweg überhaupt nicht registrierte), einfach, weil unsere Technik noch nicht mit elefenorm hohe Preis. Die Schwierigkeiten, die lange Zeit hindurch der Gewinnung des Utu- Balsams in größerem Maßstabe im Wege standen, gelten indessen jetzt als be ſeitigt und heute kann die so eminent wichtige Droge schon zu einem Preise in den Handel gebracht werden, der ihre Anwendung auch Minderbemittelten ermöglicht. Zahlreiche Patienten, die Gelegenheit hatten, das hervorragende Mittel zu gebrauchen, sind des Lobes voll über seine, in vielen Fällen geradezu verblüffende Wirkung. Am auffälligsten zeigt sich dieselbe in denjenigen Fällen, wo neben dem quälenden Husten mehr oder weniger starter Auswurf vorhanden ist. Schon nach kurzer Zeit, während welcher der Utu- Balsam in diesen Fällen regelmäßig eingenommen wird, verflüssigt sich der Auswurf, um mit der Zeit ganz zu verschwinden. Gleichzeitig hört dann auch der Hustenreiz und damit der Husten selbst auf und das Allge= meinbefinden bessert sich infolge der günstigen Einwirkung des Balsams auf die Verdauung von Tag zu Tag. Wer auch noch so viel andere Mittel ohne Erfolg bisher bereits benutzt hat, der möge trotzdem in seinem eige nen Interesse wenigstens noch einmal einen Versuch mit dem Utu- Balsam machen und lasse sich zu diesem Zwecke eine durchaus kostenfreie und zu nichts verpflichtende Probe kommen. Wir fügen dieser Probe, die wir franto versenden, ebenfalls unentgeltlich, eine aus der Feder des prattischen Arztes Dr. Laszky stammende, hochinteressant geschriebene Bro schüre über den Ütu- Balsam fostenlos bei. In vielen, selbst verzweifelten Fällen kann diese Probe nebst der belehren-| Arbeit ist, lehrt flärlich wohl die kleine Reminiszenz, daß bei der vorigen Wiederkehr des Halleyschen Kometen 1835, eben zwei Jahre verflossen waren, seit zum erstenmal und zunächst rein als Privatexperiment zwei Göttinger Gelehrte, Gauß und Weber, zwischen der Sternwarte und dem phy sikalischen Kabinett ihres Göttingen eine elektrische Tele= graphenverbindung primitivsten Stils hergestellt hatten. Wichtig ist aber auf jeden Fall, daß auf diese Symp tome, und seien sie noch so geringfügig, ge a chtet werde. Nicht als Angstobjekt, sondern als willkommenes kosmisches Experiment sollen wir diese Kpmetennacht verstehen und werten. Von der schönen Treptower Volkssternwarte, die gewiß zu den edelsten Errungenschaften kulturell ersprießlicher Wissenschaft gehört, die wir in den 76 Jahren seit dem letzten Halley- Termin gewonnen haben, wird dabei besonders aufgefordert, es möchten doch in der Nacht vom 18. zum 19. Mai und tunlichst schon etwas vorher auf der Erde alle Versuche mit den Apparaten der elektrischen Wellentelegra phie unterbleiben, damit sich eventuelle elektrische Wirkun= gen des Kometen als solche von den sein gestimmten Empfangsapparaten ablesen ließen. Und so gibt es noch mehrere andere Punkte, auf die auch gerade von dort her besonders aufmerksam gemacht worden ist als auf Dinge, die sorgsam zu beachten wären. Ob eine abnorme Aufhellung des Himmels eintrete. Ob sich besondere bunte Dämmerungserscheinungen hin terher geltend machten, die auf das Eindringen allerfeinster Staubteilchen in unsere oberen Luftschichten deuten fönnten. Ob Aenderungen an dem sogenannten Zodiakallicht, einem für gewöhnlich schon recht rätselhaften Lichtkegel, der sich gelegentlich am Abend- oder Morgenhimmel zeigt, merkbar würden. Ob„ leuchtende Nachtwolken", d. h. ungewöhnlich silberglänzendes Cirrusgewölt, das in außerordentlichen Höhen schwebt und mit dem es auch irgend eine ganz aparte Bewandtnis zu haben scheint, sich gerade jetzt wieder sehen ließen. Bei fast allen diesen Dingen kann auch jeder Laie registrieren helfen. Auch wenn es nicht wahrscheinlich ist, daß der Kometenschweif selber diesmal vermehrtes Sternschnuppenmaterial liefert, so sollten doch auch Sternschnuppen und größere meteorische Feuerkugeln mit größter Sorgfalt nach Zeit und Art aufgezeichnet werden, und es sollte das Material, auch wenn es wirklich noch so geringfügig erscheint, einer Sternwarte zugesandt werden. Arbeit, kleine Arbeit gilt es da mitzutun. Aber aus solcher Arbeit, Stein um Stein und seien sie klein wie Meteorstäubchen, baut sich die Forschung nicht aus vergänglichen Sensationen. Ob ein vielleicht zu erwartender elektromagnetischer Kleinsturm auch auf unsere Witterung einen bescheidenen Einfluß haben könnte? Ob eine bestimmte jähe barome- trische Luftdrucksänderung wenigstens ein schwacher Hilfsanlaß zu dem einen oder anderen etwas intensiveren lokalen Vulkanausbruch oder Erdbeben werden kännte? Anhalt haben wir gerade dafür nicht. Ein Einfluß jener elfjährigen Sonnenfleckenperiode auf unsere irdischen Witterungsverhältnisse ist bisher nicht sicher nachgewiesen. Daß wir im ganzen heute auf eine Epoche stärkeren Vultanismus wie( im Zusammenhang mit vielleicht wieder einseßender Gebirgsbildung) stärkerer Erdbeben losgehen, ist an sich wahrscheinlich( daher Martinique, Messina 2c.), es fragt sich aber durchaus, ob da der Barometerstand des Augenblicks wirklich im größeren Sinne mitspielen kann, und abermals fragt sich, ob elektromagnetische Erdstörungen nun wieder diesen Barometerstand beeinflussen. Schließlich: hier überall könnten wir nur lernen, und wir wollen lernen. Gibt die Kometenkrisis einen besonders heftigen Wettersturz, so wäre das eine lehrreiche Tatsache. Wahrscheinlich nach dem bisher Vorliegenden ist sie nicht, aber dieses Vorliegende" ist stets nur ein„ Vorbericht". Unfehlbar ist sein Votum nicht. Ja: unfehlbar! Hier wollen wir natürlich nicht ins Uebertriebene fallen. Alle Forschungsergebnisse bis heute sind nur ein Annäherungswert. Es kann schlechterdings Unbekanntes geben, das die Erde, das Sonnensystem, die ganze Firsternwelt in diesem Moment, da diese Zeile gelesen wird, in unfaßbaren Hißegraden zu Gas verflüchtigt. Es tann. Die Forschung gibt ihre Argumente, zu mehr ist sie nicht verpflichtet. Der Arzt fann einen Menschen untersuchen und für ferngesund sterben. Die Erde tann im Moment, da wir auf den Koerklären und er tann im nächsten Moment am Herzschlag meten warten, durch eine unzusammenhängende Katastrophe, die von Alpha Zentauri über acht oder zehn Billionen Meilen zu uns herübergreift, vernichtet werden. Jeder von uns tann in Monte Carlo die Bank sprengen; damit zu rechnen ist aber nicht empfehlenswert, obwohl diese Wahrscheinlichkeit sicherlich sehr viel geringer ist, als daß eine Welt, die seit hundert und mehr Jahr- Millionen ohne tosmische Katastrophe sich glatt weiterentwickelt hat, gerade uns Eintagsfliegen dieser lebenden Menschengeneration den Gefallen tun sollte, unterzugehen. den Broschüre noch unberechenbaren Nußen stiften. Man schreibe entweder eine Postkarte oder schneide den angehängten Bestellzettel aus, den man in einen offenen, mit 3 Pfg. frantierten Briefumschlag steckt. Den Herren Arzten stellen wir zu Versuchszwecken ein größeres Quantum des Balsams kostenfrei zur Verfügung. Morgenländische Drogen- Import- Gesellschaft Jaffa( Palästina) und Berlin W. 15. ( Korrespondenzen aus Deutschland erbitten wir ledtglich an die Berliner Adresse.) Senden Sie mir eine Probe Utu- Balsam nebst der Broschüre des Dr. med. Laszfy kostenlos u.portofrei zu. 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Steuer- Exekutor( unter der Türe eines ausgeleerten Bimmers): ,, ch habe die Ehre hier eine Pfändung vornehmen zu müssen!" Herr: ,, bitte, das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite!" Des Seebelden Reiterstandbild. Ein Kenner. Lebemann: ,, Daß meine unglückliche Ehe mit der Baronin zustande kam, daran ist nur der Banfier John schuld! Dieser Elende!" Freund: Ja.. warst Du dem gar, so viel schuldig?" Vom klugen Huber. In der Sommerfrische beim Huberbauern weilt die Frau Baronin mit ihrer Gesellschafterin. Eines Tages muß der Huber die Damen in seinem Wägele. spazieren fahren. Auf der Landstraße stopft er die Pfeife und fängt arg zu qualmen an. Der Wind weht der Baronin den Rauch des schlechten Tabaks grad ins Gesicht. Sie hüstelt, sie hustet start; aber der Huber versteht den Wink nimmer. Als man an ein Wirtshaus kommt, läßt die Baronin halten und kauft von den besten Zigarren, die zu haben sind. Davon schenkt sie dem Huber die Hälfte. Er bedankt sich schön, steckt die Zigarren ein und qualmt aus der Pfeife weiter. Nun gibt ihm die Baronin auch die andere Hälfte der Zigarren und sagt: ,, Da Huber, tun Sie die Pfeife weg und nehmen Sie von den Zigarren." ,, Ah na, Frau Baronin," antwortet der Huber verschmitzt lächelnd. Dös tät sich nit schicke. Dö Zigarrn rauch ich dohoam bei mei'm Resel!" Ur. 17. Seitere Slätte für Gießen. für Abonnenten der„ Gießener Zeitung" kostenlose Lieferung. Expedition: Seltersweg 83. Verlag: Albin Klein. Ein Admiral aus fürstlichem Geblüt War heimgegangen kürzlich zu den Ahnen. Ihm sollte nun wie es ja ſtets geschicht. Starb so ein Großer zu mahnen, um daran Was er, der schied, gewesen unsrer Erden, Ein herrlich Denkmal aufgerichtet werden. malitiös. Es mußte sein ein Reitermonument, Denn Fürsten stellt man dar doch nicht zu Fuße. Wie man des Seehelden Bedeutung könnt' Am Reiterstandbild zeigen, fand in Muße Ein Künstler ohne viele Schwierig feiten: Der Admiral mußt' auf' nem Nilpferd reiten! A.:,,Abends, wenn ich aus der Kneipe komme, springt mir meine Frau schon entgegen, nimmt mir Hut und Stock ab..." B.:,,Donnerwetter, mit dem dicken Knüppel möchte ich nicht geprügelt sein." Moderne Vorsicht. Fahrradhändler: Statt für Sie und Ihre Frau je ein Rad zu kaufen, könnt' ich Ihnen doch zu einem Tandem raten!" Herr: Und was macht man mit einem Tandem, wenn man sich mal scheiden läßt!" Verschnappt. Sellnerin: ,, Sie gleichen aufs Haar einem Herrn, der mir mal mit fünf Mark durchgegangen ist; besonders der blonde Spitbart Gast: Da sehen Sie, daß Sie sich irren, Fräulein; damals trug ich einen Vollbart!" Douche. ( Alle Rechte für sämtliche Bilder und Terte vorbehalten. Abdrud verboten.) Das verkannte Blumenmädchen. Summarische Behandlung. Buchhalter:„ Herr Redakteur, soeben tst Ihre Schneiderrechnung gekommen!" Redakteur: Was, Schneiderrechnung? Schreiben Sie: Jch bedaure von dem mir gütigst übersandten Manuskript keinen Gebrauch machen zu können und sende Ihnen selbes daher in der Anlage mit bestem Danke zurück!" Unverbesserlich. Richter( zu einem schon vielfach borbestraften Wilderer):„ Sie sind zu einem Monat Gefängnis verurteilt, haben Sie noch etwas zu bemerken?" Angeklagter: ,, Wenn ich bitten dürfte, Herr Richter, ich möchte die Strafe während der Schonzeit abſizen. " Dilemma. ,, Steh mal, welch modernen Hut dies Mädchen aus dem Volk hat!" ,, Du mußt Gedankenleser sein." Frauchen?" H. Finco? ,, Wieso denn, liebes ., Eben denke ich nach, der Lüderjahn könnte doch schon da sein, da trittst Du durch die Türe." Boshafter Onkel. Ein Reicher setzte seinen Neffen zum Erben seines ganzen Vermögens ein unter der Bedingung, daß sich derselbe alljährlich am Sterbetage seines Dheims einen Zahn ziehen lasse und so mit ungeheucheltem Schmerze an den Tod seines Berwandten denke. LWALFRID. Der Löwe( brummend): Wenn ich jetzt bloß lesen fönnte! Ist das nun eine Auszeichnung, eine Gesundheitsbestätigung oder ein Pfandsiegel!" Unmöglich. Er( in seine Hosentaschen greifend): ,, Wo ist denn mein Geldbeutel?" Sie: Ich habe ihn vorhin herausgenommen." Er( ärgerlich): ,, Du, nimm Dir nur nicht zu viel heraus!" Sie: Ach!' s ist ja nichts d'rin!" Verantwortlicher Redakteur: Dr. Karl Schaumburg, Berlin. Drud und Verlag von Georg E. Nagel in Berlin- Schöneberg. nach dem Examen. Stud. juris: Wie doch die Zeit bergeht! Schon wieder durchgefallen!" „ Ein Blumensträußchen gefällig, meine Herrschaften?" 88 Ein angenehmer Schwiegersohn. Vater... Nun, wie geht's mit der Kunst Deines Mannes? Verkauft er denn auch Bilder?" Tochter: Freilich! Von denen, die Du uns zur Aussteuer gegeben, ist kein einziges mehr da:" Ein starker Dusel oder Das vermeintliche Waffer. Mißtrauisch. ,, Warum hat man Sie denn aus dem Verein der Alkohol. gegner ausgestoßen, Herr Müller?" ,, Ach, man glaubt mir nicht, daß ich meine rote Nase durch Erfrieren bekommen habe!" Herr Schwammerl:„ Jessas, jetzt bin ich gar ins Wasser gefallen Unbegreiflich. Köchin: Immer diese Debatten in dem Reichstage, wegen Erhaltung des Militärs!... Unbegreiflich!... Wer erhält denn das Militär, der Staat oder Wir!" 狂 Die kleine Aristokratin. ,, Nicht wahr, Papa, Eva ist auch blaublütig gewesen?" ,, Warum nicht gar." ,, Aber sie war doch' ne Geborne von der Rippe!" Viel verlangt. Professor( bei dem nachts eingebrochen wird, als er noch am Schreibtisch sitzt): Aber, mein Lieber, haben Sie nicht draußen gelesen: Sprechstunde nur bon 9-10 Uhr?" Beruhigend. Rotette: Wenn ich in Ihren Jahren wäre, Herr Baron, würde ich doch etwas vorsichtiger mit der Gesundheit umgehen!" Baron: Ja, danken Sie Gott, daß Sie aus den Jahren schon heraus sind!" Bei der Provinzzeitung. Redakteur( einer Provinzzeitung, zum neuen Austräger):„ Daß Sie sich aber auch gar nichts merken?. Da war Ihr Vorgänger ein andrer Mensch der hat unsere ganzen Abonnenten auswendig gewußt!" 2. Geduldig. Antiquitätenhändler:„ Augenblicklich haben diese Sachen keinen Wert; vielleicht in 2 bis 300 Jahren..." Kunde: ,, Hm, wenn Sie meinen, kann ich sie vielleicht so lange hierlassen?" Zweifel. Berliner( eine schöne Gebirgslandschaft betrachtend):„ Diese Landschaft ist wirklich großartig!" Einheimischer:„ Aber bei Ihnen gibt es gewiß noch schönere!" Berliner:„ D nein!" Einheimischer: " ,, Da sind Sie wohl gar kein Berliner?" Kathederblüte. ,, Auch eine blinde Henne findet mitunter das Ei des Kolumbus." Schlechte Post. ,, Hinimel, ist das cine elende Postverbindung! Sechsmal hab' ich jest an meinen Alten um Geld geschrieben, und noch hab' ich keines bekommen!" Komischer Vorwurf. Hausfrau( zur Köchin):„ Minna, daß Sie mit Ihrem Schatz immer im Dunkeln sitzen, wirft ein cigenartiges Licht auf Sie." tolz Was sich liebt, das neckt sich! Verrannt. Vicht nötig. ,, Was, Herr Liebreich hat Dich gefüßt? Du hast ihn doch hoffentlich zurechtgewiesen?" ,, Ach, Mama, er verstand es ganz von selbst." Sonderbar. Schuhmacher: Wenn ich nun Pech hätte, wäre ich glücklich." Tronisch. ,, Herr Doktor, ich schreibe jetzt einen famosen Roman der wird verwickelt, sage ich Ihnen!" „ Als Packpapier?!" Passendes Lokal. - Sie:„ Was fällt Dir ein, Hugo! Gestern erst ist die Tante gestorben, und Du willst heute schon wieder ins Wirtshaus!" Er:„ Ich gehe ja nur in den schwarzen Frosch" das ist doch gewiß ein trauriges Lokal!" Vexierbild. Ein moderner. Herr: Ihr Herr Gemahl ist krank!" Dichtersgattin: Ja, er hat sich überdichtet!" ,, Nur gut, daß ich schwimmen kann..." 3. Susijoins til ,, Gott sei Dank- ich bin gerettet!" JOL Splitter. Die Leidenschaften sind die Automobile auf dem Wege durchs Leben. * Man merkt sich immer besser einen Reinfall als einen guten Rat. Wo Not und Mut sich geselle, erzeugen sie große Taten. Der Künstler macht mit seinem Werke die Ewigkeit lebendig; der Dilettant schlägt damit die Zeit tot. 豬 Unvorsichtig. Braut:„ Weshalb hast Du denn den Kopf heute so eingewickelt?" Bräutigam:„ Ach, ich habe mir einen Zahn beim Zahnarzt Zangerl ziehen lassen; der hat mich mindestens eine halbe Stunde furchtbar geschunden!" Braut: Wie kannst Du aber auch zu dem Zangerl gehen! Weißt Du denn nicht, daß ich dem früher mal einen Korb gegeben habe?!" Mann: So, nun ist der Meier verstorben und hinterläßt ungefähr eine halbe Million, da möchteſt Du wohl ganz gern seine Witwe sein!" Frau: nein, was denkst Du, natürlich möchte ich lieber Deine Witwe sein?" Vorschlag zur Güte. Herr:„ Wenn Sie sich nicht augenblicklich entfernen, so rufe ich einen Dienstmann und lasse sie hinauswerfen!" Hausierer:„ Geben Sie mir die Hälft' von dem, was der Dienstmann kost', und ich geh' selbst!" Wo ist der Bauer? Dauerbafter Stoff. 10/0 Familienvater:" Wie leicht und schwach doch diese Regenschirme heutzutage sind! Mein Vater hat ein Parapluie gehabt, aus dem hab' ich noch, als das Gestell hin war, einen ganzen Sommeranzug bekommen!" “ น อ galapla gJaĐ lun 10}}} นอน oll up a b c d e 8+ B s of the s": ǝgunas iplajala 113 นอน น อ pvG ออ lg uaqvg อายุ อาน ΤΗΣ ' pu ugg avg a v Plo" " Sn and sun & Sauuv2K Bas de Dies und Das Eine drollige Spitzbubengeschichte. Eine elegant gekleidete junge Dame, die es sehr eilig zu haben schien, stürmte in Berlin in schnellstem Tempo die Leipziger Straße entlang und kam dabei in ebenso unbeabsichtigte wie unangenehme Berührung mit einem Vorüberschreitenden, der, einen großen Gegenstand im Arm haltend, in die zornigen Worte ausbrach:" Verrücktes Frauenzimmer!" Erschreckt, eine Entschuldigung stammelnd lief die also Angeredete weiter, mit dem beängstigenden Gefühl, daß in schnellster und ihre Todesangst steiBewegung ihr etwas folgte. Sie wagte es nicht, sich umzublicken, gerte sich noch, als sie deutlich den Ruf hinter sich hörte:" Da rennt se, haltet se doch!" Num lief die Geängstigte nicht mehr ste flog! Zum Glück wohnte eine ihr befreundete Familie in der Mauerstraße, blitzI schnell verschwand sie in der sich gerade öffnenden Haustür, jagte die Treppen hinauf und direkt in die Arme der Freundin, die, zu einem Ausgange gerüstet, soeben aus der Korridortür trat. „ Um Himmelswillen verbergt mich!" schluchzte die Aermste. Ich werde verfolgt!" Erschrocken zog die Dame die furchtbar Erregte ins Zimmer und fragte teilnehmend, was denn geschehen sei. Da ertönte die Korridorglocke, und gleich darauf rief eine Männerstimme im tiefsten Bierbaß:„ Hier is se rinn!" Zitternd floh die Verfolgte in die äußerste Ecke des Zimmers, als sich die Tür öffnete und, das erstaunte Kammerzöfchen beiseite schiebend, eine herkulische Gestalt eintrat, einen Regulator auf den großen Eẞtisch legte Rösselsprung. du bannt das du tale mest berg lebst träu träumst ge tal glück das der den in MI dem du und, sich pruschend die Stirn mit einem roten Sacktuch reibend, die Worte ausstieß:" Nee, det war ne Jagd! Ich bin quitschnaß!" " Ja, aber was wollen Sie denn eigentlich hier?" fragte empört die Dame des Hauses. ,, Nu, nischt als mein Eigentum!" grüßte der Riese freundlich. ,, Aber, wahrhaftig, ich habe Ihnen ja nichts genommen", jammerte es aus der Ecke, wo die junge Dame halb ohnmächtig an der Wand lehnte. Nee, det sage ick ooch nich, Fraileinchen, haben Se man keene Angst vor mir!" lachte der Mann gemütlich.„ Sie können ja nischt davor, Orga Das Soldatenkind. Lebt dein Onkel, der alte Oberst, noch?" „ Nein, er steht schon im Himmel." Unsere Rätselecke im dem auf der auf glück berge Scharade. Das erste Paar ist zart und leicht Und zieht dahin mit Windeseile. Das zweite Paar ist derb und fest, Ein echtes Kind der Mutter Erde. Es heget die und pfleget die, Und willig gibt ste ihre Schätze. Doch ist das erst im zweiten drin, So hat das zweite andern Sinn. Dann wird das helle Ganze draus. Von Liedern tönt das kleine Haus. Merkrätsel. Veilchen. Dorfbewohner, Mastbaum, Sudeten, Unglück. Von jedem Wort sind zwei neben= einander stehende Buchstaben zu merken. Die gemerkten Buchstabenpaare müssen im Zusammenhang eine wichtige politische Einrichtung bezeichnen. Worträtsel. Wir brauchen das Eine immerdar, Solang wir wandeln auf Erden. drehn Se sich man jefälligst um! Da hängt er!" Und siehe da, in den Falten des leichten rosafarbenen Kleides hing fest eingehakt der Perpendikel des Regulators, und somit löste sich die beängstigende Lage in unbändige Heiterkeit I auf. Nachdem der Beraubte für seinen Dauerlauf mit einem guten Frühstück gestärkt worden war und schmunzelnd ein reichliches Trinkgeld eingestrichen hatte, verabschiedete er sich seelenvergnügt mit der Versicherung:„ Uf die Weise könnte mir schon öftersch wat jestohlen werden!" Heitere Єcke. Verschnappt. Richter: ,, Sie wollen also total betrunken gewesen sein, als Sie den Ueberzieher stahIen?" Angeklagter: ,, Natürlich, sonst hätte ich einen bessern genommen!" Ein Zoologe. Unteroffizier: Rerls, wenn ick mal meine Memoiren schreibe det wird'n - Ergänzungsband zu Brehms Tierleben!" Das schimmernde Andre, hell und klar, Kann niemals unser werden. Nun füg dem einen das andre hinzu, Doch erst mußt köpfen das andere du! Wer das Ganze hat, verlor einen Schatz, Für den ihm nie wird voller Ersatz. Nachdruck der Rätsel und Aufgaben verboten. Die Auflösungen erfolgen in der nächst. Nummer. Auflösungen der Rätsel und Aufgaben in voriger Nummer: Schachaufgabe 274: 1. Td3- e3 beliebig. 2. e4- e5 oder Sc5- d7 oder Sc5- d3 matt. Silbenrätsel: Nelke Nicaragua Elias Literat Kamelie Eisenbahndirektor Arithmetische Aufgabe: 10 14 9 13 8 18 19 20 21 22 17 12 16 11 15 Scharade: Wachsstock. Aster Berantwortlicher Redakteur: Paul Dschmann, Verlag und Druck des Christlichen Zeitschriftenvereins, Berlin SW. 68, Alte Jakobstr. 129. № 16. Neur Lelehalle Beilage zur Gießener Zeitung. Für Abonnenten der Gießener Zeitung kostenfreie Lieferung. Expedition: Seltersweg 83. Verlag Albin Klein. Geheime Dokumente. Novelle von Walter Kabel- Zoppot. ( 2. Fortsetzung.) en wahren, so schwerwiegenden Grund seiner bestimmten Weigerung erfuhr nur eine, Felicia, vor der Gifford fernerhin keine Geheimnisse mehr zu haben brauchte.- Aufatmend lehnte der glückliche Percy sich jetzt in die Polster des leeren Abteils 1. Klasse zurück, nachdem er seinen regenfeuchten Paletot über den gegenüberliegenden Sitz zum Trocknen ausgebreitet hatte. Eine Stunde Eisenbahnfahrt lag vor ihm, eine köstliche Stunde des Alleinseins, wo er die beste Gelegenheit hatte, nochmals die Ereignisse dieses Tages zu überdenken... Das Gartenfest bei Warringtons war in seinem letzten Teile vollständig verregnet. Auch jetzt noch klatschten ununterbrochen große Tropfen gegen die Fensterscheiben des Abteils und rieselten wie ein breites, gleichmäßiges Rinnsal von der Glasscheibe herab. Den Hauptmann störte das alles nicht im geringsten. Mit geschlossenen Augen, bequem die Füße mit den halb aufgeweichten Lackschuhen von sich gestreckt, saß er in seiner weichen Ecke. Und immer wieder quoll der Herzensjubel in ihm empor, erstickte ihn fast. Nie hatte er geahnt, daß so viel Seligkeit in einer Menschenbrust Plaz haben könne Felicia Warrington war sein, war seine Braut geW 1910. Weinflaschen, die blitzenden Bowlengefäße und die duftenden Ananasscheiben auf flachen Tellern. Sie waren allein, zum ersten Male seit langer, langer Zeit. Und während er mit geübter Hand die Drähte von den SektDer Kuckuck. enn im Lenz das erste Mal Dir des Kuckucks Ruf erschallt, Klopfe an die Börse schnell, Ob sie klingend widerhallt. Gibt sie keinen Klang zurück, Wird in diesem Jahr das Glück Goldne Frucht nicht treiben. Wenn im Lenz das erste Mal Kuckucksruf ans Ohr dir schlägt, Klopfe schnelle an dein Herz, Ob darin sich Liebe regt! Ist's im Lenz der Liebe bar, Wird es wohl im ganzen Jahr Liebeleer auch bleiben! H. Kuno, Gedichte.( Dresden. E. Pierson.) worden heute, an diesem letzten Tage des April So überraschend schnell war das alles gekommen, so ganz anders, als er sich früher stets den weihevollen Augenblick des zagenden Liebesgeständnisses ausgemalt hatte... Sie standen sich gegenüber an dem großen, runden Tisch im Eßzimmer, zwischen ihnen die schlanken von flaschen löste, begann er, mit ihr in etwas gereiztem Ton über Lord Cowper zu sprechen, dieser allerneuesten Seelenfreundschaft", wie er ingrimmig mehr als nötig wiederholte. Schlagfertig hatte sie ihm geantwortet, in etwas hochfahrendem Tone, der ihm wohl zeigen sollte, daß er sich gefälligst nicht in fremder Leute Angelegenheiten mischen möchte. Da war seine Erregung immer größer geworden. Das alte Temperament der Giffords, bei ihm nur künstlich durch Selbsterziehung bisher niedergezwungen, kam ganz plötzlich zum Ausbruch. " So liebst du diesen diesen Menschen wohl?" hatte er ihr mit sprühenden Augen über den Tisch zugerufen... Diesen faden Gesellen, wie ihn auch mein Onkel William nennt, diesen Spieler, der ja nur deinem Einen Gelde nachjagt etwas besseren Geschmack hätte ich dir doch zugetraut!" fügte er ironisch hinzu, und er ließ den ersten Sektpfropfen knallend gegen die Decke schnellen. Felicias Gesichtsausdruck hatte sich ebenso plötzlich verändert. Alle Kampfeslust, alle Ablehnung war aus ihren Mienen verschwunden. Ein schelmisches, glückliches Lächeln umspielte jetzt ihre Mundwinkel. Und mit einem übermütigen und doch so warmen Blick sagte sie: Und wen würdest denn du mir Seelenfreund vorschlagen, Percy? Bitte, ge niere dich gar nicht! Ich nehme von dir jeden Rat gern an!" als 2+ 2 y +9 +7 Da hatte der Hauptmann verwirrt auf seine Arbeit hingeschaut und verlegen nach der nächsten Sektflasche gegriffen. Er erwiderte nichts- nichts. Das Giffordsche Temperament war wieder schlafen gegangen. Aber Felicia sorgte dafür, daß es dennoch zu einer Entscheidung kam. Schnell eilte sie um den Tisch herum an seine Seite, legte ihm ihre weiße Hand wie beschwörend auf den Arm. Ihre Stimme klang weich, schmeichelnd, bittend, als sie sagte:„ Bekomme ich keine Antwort, Percy?" " Quäle mich doch nicht so, Felicia!" hatte er da leidenschaftlich hervorgestoßen und sich halb weggewandt, nur, um das Arbeiten in seinen Zügen ihr zu verbergen. Und dann, dann fühlte er plötzlich ihre weichen Arme um seinen Hals, hörte ihr zärtliches, jubelndes:„ Du dummer, dum und küßte und wurde geküßt. mer lieber Percy!" Das war Percy Giffords Verlobung. Nicht er hatte sich mit ihr, sondern sie sich mit ihm verlobt. Und nachher sagte sie ganz ernsthaft:„ Der fade Edward Cowper! Percy- bist du nur töricht! Der war mir doch nur Mittel zum Zweck! Ein Jahr hattest du mich nun schon heimlich verehrt, ohne dich zu erklären. Und in diesem langen Jahre waren mir allerlei Bedenken aufgestiegen, ob wir auch für einander passen. Du kamst mir zu ruhig, zu leidenschaftslos vor... Mein scheinbarer Flirt mit dem armen Cowper war nichts als eine Probe auf dein Temperament. Vorhin verrietest du endlich deine wahre Natur, als du in deiner Eifersucht so schön aufbraustest. Da war ich glücklich, selig... Denn so, so, Percy, bist du... der einzig richtige... Seelen freund für mich." Die Räder kreischten kurz unter den sie pressenden Bremsen auf. Der Zug hielt, und Hauptmann Gifford kletterte verträumt aus seinem Abteile heraus- Auch hier in London strömte der Regen wie eine Sintflut vom Himmel herab. Nur durch Zufall fand der glückliche Bräutigam noch einen gerade frei gewordenen Taxameter und ratterte darin seiner in einer vornehmen, stillen Straße gelegenen Wohnung zu. Bei dem vorüber huschenden Lichte der Laternen sah er nach der Uhr. Es war beinahe 2 Uhr. Er überlegte: Um einhalb drei kannst du dich an die Arbeit setzen, bist gegen neun vormittags fertig, schläfst noch zwei Stunden, gehst ins Büro, lieferst die Papiere an Oberst Palmer ab, bittest zugleich um Urlaub für den Rest des Tages und hältst dann bei Tante Helene Warrington, die sicherlich sehr froh über rascht sein wird, um Felicias Hand an. Aber in diese klare Gedankenreihe schlich sich plötzlich ein leises, ängstliches Unbehagen ein. Er dachte an die geheimen Dokumente, die er in eine eiserne Kassette in seiner Schreibtischschublade verschlossen hatte... Eine leichte Nervosität bemächtigte sich seiner.... Wenn er nur erst daheim wäre, sich überzeugen könnte, daß die gefährlichen Urkunden wirklich noch unberührt an Ort und Stelle lägen! Jetzt fuhr ihm der Wagen viel zu langsam. Und unwirsch trieb er den Kutscher zu größerer Eile an. Endlich hielt das Gefährt. Er bezahlte schnell, nahm seinen Paletot um die Schultern und schritt die Stufen zu seiner Haustür empor. Schon hatte er den Schlüssel umgedreht, gerade die Hand auf den Drücker gelegt, als der wimmernde Laut einer Kinderstimme ihn erschreckt zur Seite blicken ließ. In der dunklen Ecke der großen, zweiflügeligen Tür kauerte, in einen zerfetzten, triefenden Umhang gehüllt, ein vielleicht zehnjähriger Knabe, der jetzt bei des Hauptmanns leisem Anruf scheu den Kopf hob, sich aufzurichten versuchte, aber mit einem Wehlaut wieder zurücksank. Percy Gifford, dessen Herz so voller Liebe war, und der in seiner Glückseligkeit gar zu gern irgend einem Menschen etwas Gutes getan hätte, beugte sich mitleidig über das Kind und fragte sanft, während seine Blicke erbarmend in dem mageren, blassen Knabengesicht forschten: " Was tust du hier, Kleiner? Geh nach Hause, du wirst dich erkälten! Da, nimm das!" Und er hielt ihm eine kleine Goldmünze unter die Augen. Aber der Junge rührte sich nicht, schenkte auch dem Goldstück keinerlei Beachtung. Nur das wimmernde Stöhnen wurde stärker, und der kleine Körper zitterte jetzt wie Espenlaub. Ratlos stand der Hauptmann da. Wieder sprach er in liebreichstem Ton auf den Knaben ein. Und endlich hatte er die Genugtuung, daß das Weinen schwächer wurde, daß ein paar verängstigte Augen flehend zu ihm emporschauten. So sprich doch, Kind! Ich meine es nur gut mit dir," ermunterte er nochmals den Kleinen. " Herr, ich habe Hunger solchen Hunger!" erklang ein feines Stimmchen.„ Ich kann nicht gehen, bin schon umgefallen, und alle meine Streichhölzer liegen dort- dort hinten im Schmutz. Ach, Herr, nicht zur Polizei, nicht zur Polizei!" flehte er mit gerungenen Händen, wieder in Tränen ausbrechend.„ Sie sperren mich ein! Ich soll nicht betteln... Und die Mutter schlägt mich doch, wenn ich ohne Geld nach Hause komme!" Percy Gifford kannte das Londoner Straßenleben, das Elend und die Armut in den niederen Volksschichten nur zu gut. Er begriff alles. Dieser Junge war eines jener bedauernswerten Geschöpfe, die von den Eltern auf die Gasse hinausgeschickt wurden, am Arm ein Körbchen mit Zündholzschachteln, nur notdürftig bekleidet, um das Mitgefühl der Passanten zu erregen, einer jener kleinen Straßenhändler, die nichts weiter als gut abgerichtete Bettler sind. Er überlegte nicht lange. Das Kind war sicher halb ohnmächtig vor Hunger umgesunken, hatte sich dann hier in diesen Winkel geschleppt. Unmöglich konnte er den Knaben seinem Schicksal überlassen oder ihn einem der Schutzleute übergeben, die ihn mit zur Polizeiwache genommen und vielleicht lieblos behandelt hätten... Nein, dieser arme Junge sollte einmal fühlen, daß es wirklich noch barmherzige Menschen gab, sollte sich einmal ordentlich satt essen und im warmen, behaglichen Zimmer schlafen! Percy Gifford war's, als ob er jetzt Felicias liebes Gesicht vor sich sah, das ihn zustimmend anlächelte. Da überwand er sich, nahm das Kind in seine Arme und trug's die wenigen Stufen zu seiner im Hochparterre gelegenen Wohnurg empor. „ Der arme, kleine Kerl!" murmelte er dabei und empfand schon jetzt etwas wie stolze Zufriedenheit, daß er sich bei seiner peinlichen Sauberkeit nicht vor der Berührung der schmutzigen, nach Armut riechenden Kleider des Straßenjungen gescheut hatte. Zehn Minuten später saß Bill Sanders, wie er sich nannte, in trockene, ihm allerdings viel, viel zu große Wäsche und eine Reisedecke gehüllt, in einem Sessel vor dem Mitteltisch in des Hauptmanns Arbeitszimmer und schlang gierig die kalten Speisen hinunter, die ihm vorgesetzt wurden. Percy Gifford hatte davon Abstand genommen, seinen alten Diener, der in einem kleinen Gemache hinter der Küche schlief, zu wecken, und alles selbst aus dem Eisschranke hervorgesucht, auch dem Kinde beim Ausziehen der völlig durchnäßten Lumpen geholfen. Jetzt stand er dabei und freute sich, wie es dem kleinen schmeckte. Auch Rostan, der große Windhund, hatte mit dem seltsamen Gaste nach anfänglichem Anknurren schnell Freundschaft geschlossen. ( Forts. folgt.) **** vollen, dunkeln Augen gemahnten sie an ihre Mutter. So hatte die Geliebte einst dem dunklen Sarg des toten Brüderchens nachgeschaut, als man ihn hinaus trug.. Ein wortloser, herzergreifender Jammer in Blick und Miene...." Helft mir doch..." Und sie wollte helfen. Klar und stark festigte sich die alte Ueberzeugung in ihr, die nur müde gezerrt durch die vielen ihr auf diesem Gebiete durch den Detektiv mitgeteilten Erfahrungen eine Zeitlang entschlummert gewesen: „ Ein dunkles Rätsel ist es... aber kein Verbrechen, und ich werde nicht ruhen, bis ich es gelöst habe." Sie tröstete die Frau, hob sie sanft empor und beschenkte das Kind im Lehnstühlchen mit einem Goldstück. Dann schied sie aus der Enge des Elends. Und ein kraftvoller, stolzer Wille blitzte aus ihren Augen. Hatte man zuvor in der Pension über Miß Howfields jäh erwachten Hang zur Einsamkeit gespottet, so neckte man sie jetzt mit ihrer Vorliebe für die weiten Spaziergänge. Die nassen, unsauberen Rockfäume verrieten ihnen am Abend nur zu deutlich, daß die Trägerin in Sturm und Regen umher gelaufen sein mußte. Der Detektiv konnte nur mühsam seinen zunehmenden Mißmut vor ihr verbergen. Er, der schon ganz andere Aufgaben gelöst hatte, stand dieser scheinbar kinderleichten ratlos gegenüber. Eine Photographie war von der kleinen Marie Hertwig nicht aufzutreiben gewesen. Und weder die Mutter noch die frühere Herrin konnten sich auf irgendwelche äußeren Merkmale besinnen. Einen knabenhaft schlanken, noch völlig unentwickelten Körper und ein Gesicht mit großen Braunaugen gab es hundertfach hier... Dennoch wurde er in der Sache nicht etwa träge. Er betraute den mit ihm zu sammen arbeitenden jüngeren Bruder mit der Aufgabe, alle Kaffeehäuser und Restaurants nach einer zu durch suchen, die schmal und scheu- vielleicht noch kein volles Bergnügen an der Sünde zeigend- irgendwo herumsaß. Ein befriedigendes Resultat blieb indes aus. Eines Tages endlich meinte er, dem Geheimnis auf der Spur zu sein. Die Leiche eines zarten Mädchens war in der Nähe des Schönhauser Ufers aufgefunden, und Andreas eilte sofort hin, um sie in Augenschein zu nehmen. Ein Beweis war freilich nicht erbracht, daß es die Vermißte sein konnte. Nichts verriet ihren Stand und Namen. Aus der Wäsche waren die Zeichen fürsorglich herausgeschnitten. Aber das Gesicht der Toten war kindlich jung und schmal und verzerrt von Angst, Sehnen und Schmerz. Auch trug die Leiche ein dunkelblaues Kleid, wie es Marie Hertwig auf ihrem letzten Besorgungsgange getragen haben sollte. Als man die zitternde Mutter der Toten gegenüber stellte, ergab sich, daß es nicht das Mariechen war. Miß Howfield war ebenfalls bei dieser Szene zugegen gewesen und geleitete die verzweifelte Frau nach ihrer Wohnung zurück. Der ohnmächtige Jammer erweckte einen Augenblick ein Echo in ihr. Ihr frischer Mut sank zusammen. Sie wollte mutlos und unverzagt die bisher erfolglos gebliebenen Gänge durch die Stadt- dies programmäßige Vorsprechen in allen Putzgeschäften und Warenhäusern aufgeben... und sich damit abin der einst von ihrer finden, daß sie auch hier Mutter so geliebten Geburtsstadt das Opfer einer schlauen Schwindlerin geworden war. Ja sie wußte keine neue Entschuldigung mehr für das kleine Laufmädchen! War selbst die Verzweif lung der Mutter bei dem Verschwinden der einzigen Tochter so echt, wie die jubelnde Hoffnungsseligkeit bei den Geschenken des namenlosen Gebers kurz, war die Aermste selbst völlig unschuldig und unwissend das Mariechen hatte sich zweifellos von der lockenden Sünde umgarnen lassen und hielt sich jetzt, angst und schamerfüllt, fern von den Ihrigen und der einstigen Tätigkeit, im verborgenen. In dem ganzen Verlauf des trüben Tages gewann Miß Howfield keine andere Einsicht. Ihr war hoffnungslos traurig zumut. Mit schönem menschlichen Mitleid hatte sie sich vom ersten Augenblick an zu dem Mariechen hingezogen gefühlt. Ja, als sie die Kleine in dem dürftigen, vielfach geflickten blauen Kleide aus der Tür des Ladens schlüpfen sah, hatte sie sich gelobt, ihr hinfort das Leben leichter zu gestalten. Und so erfüllt und begeistert von ihrem Vorsatz war sie gewesen, daß sie sofort nach der Malstunde damals bei der Vorsteherin eines Institutes vorgesprochen, in dem jungen, anständigen Mädchen eine gute Ausbildung für das Leben zuteil wurde. Nun war nichts von ihrer edlen Hülfsbereitschaft übrig geblieben, als der bittere Geschmack von einer häßlichen Enttäuschung. Teilnahmlos saß sie an diesem Abend in dem gemeinsamen Wohnzimmer der Pension. Die Stimmen der Damen, die das heutige Unwetter bisher ans Zimmer gefesselt, schwirrten lebhaft durcheinander. Sie achtete erst auf die Unterhaltung, als sich eine ältere Holländerin direkt mit einer Frage an sie wandte: " Sie gehen doch heute abend auch zu ihm, nicht wahr, Miß Howsfield?" Kleinlaut mußte sie eingestehen, daß sie keine Ahnung habe, von wem die Rede sei. Die Holländerin schlug voller Staunen die Hände zusammen. Wo waren Sie eigentlich mit Ihren Gedanken? Seit einer Stunde schwärmen wir von dem großen Psychiater Professor Kruppling, der heute eine Vorlesung über die Beeinträchtigung des freien Willens auf Grund seiner langjährigen Praxis hält. Speziell ich verdanke ihm, daß ich wieder menschenwürdig leben kann. Als ich mich in seine Behandlung begab, war ich am Ende meiner Moral. Ich hätte töfen und stehlen können, sobald ich in diese entsetzlichen, mir schier unerklärlichen Perioden der Haltlosigkeit hineingeriet." Miß Howfields Aufmerksamkeit begann rege zu werden. ( Schluß folgt.) qu ишш ( pang adu s sig грип? бипидо are un gun so әтрәллә ләшшь әбурриши I u opy una p!] quab น อ นาวี 2 -snvung ug uvu ! uo Be the best ทํา น OS илаб ne либ u! дәс gun инфри с фѵй иәбәрләп тә Support+ 48 5 G +3 Als ich meinen neuen Hut verlangte, war er nicht da. Niemand wußte etwas von einem kleinen, schüchternen Lauf girl oder einer Riesenbox. Ich nahm ein Auto und fuhr zum Hutgeschäft. Hier befand man sich bereits ebenfalls in Aufregung. Mary war bisher nicht von ihrem Besorgungsgange heimgekehrt. Die Klagen und Selbstvorwürfe der Inhaberin kürzte ich, so gut es gehen wollte, ließ mir die private Adresse der Kleinen geben und fuhr dorthin. Eine schreckliche Gegend, Mister Andreas!... D, ich sage Ihnen! Ein ganz anderes Berlin, wie bisher, lernte ich damit kennen. Chikago hat sehr viel Ruß und Unsauberkeit, der Amerikaner nennt sie darum auch stolz die Faust der Arbeit". Das Säubern wird drüben zum größten Teile dem Regen überlassen. Darum hauptsächlich lebte ich nicht gern da. Was ich aber damals sah, war zum mindesten ebenso böse.... Wenig Licht viel schmutzige, schreiende Kinder auf den Straßen schwer rollende Lastwagen Burschen, die Häßliches redeten, und zu beiden Seiten gedrückte, schmale Häuser. An einem endlich fand ich die mir aufgeschriebene Nummer. Ueber einen engen dunkeln Hof mußte ich mich tasten, ehe ich mich die ausgetretenen vier Treppen hinauffand. Mary traf ich aber auch hier nicht an. Eine hustende, elende Frau, die sich ihre Mutter nannte, hörte schweigend der Geschichte des Hutes zu, um schließlich in Tränen auszubrechen. Das Mariechen sei ihre einzige Stütze und ein so liebes Kind... eine so vorzügliche Tochter gewesen. Was solle nun aus ihr und dem Elendswurme werden! Sie rechnete also mit dem Schlimmsten! Nun entdeckte ich auch, wer mit dem„ Elendswurm" gemeint war. Ein vielleicht achtjähriger Krüppel, der in dem abgezehrten Leidensgesichte die freuen Braunaugen der kleinen Verschwundenen hatte. Wir kamen zu keinem anderen Entschluß, als geduldig den nächsten Tag zu erwarten. Er brachte uns nichts. Mary blieb verschwunden. Seither sind weitere drei Tage verflossen. Ich erzählte meinen Verlust in der Pension. Man wies mich an Sie. Und nun bin ich gekommen, um zweierlei von Ihnen zu erbitten." Er verneigte sich leicht. " Ganz recht. Den kostbaren Hut und sein kann auch das Mariechen." wenn es Ein leichtes Rot trat auf ihre Stirn. „ Sie dürfen getrost den Menschen an die erste Stelle setzen!" " Vielleicht haben sich die beiden aber noch gar nicht voneinander getrennt." ,, Sie glauben... " Dies Wort, verehrte Miß Howfield, gibt es leider bei unserm Arbeiten nicht. Lassen Sie mich ein anderes dafür setzen! Eine starke Vermutung besteht allerdings Wissen Sie ungefähr den Wert der kost in mir. baren Federn?" " Hundert Dollars sind sie zum mindesten wert." " Und die dazu erstandene Hutform?" " Für Fasson und Arbeit zahlte ich noch achtzig Mark." ,, Also präsentierte die anvertraute Schachtel mit Inhalt ungefähr 500 Mark! Für ein armes Mädchen immerhin eine starke Versuchung." " Ich glaube niemals, daß diese Mary eine gewöhnliche Diebin ist." ,, Vielleicht aber eine Schwärmerin. Das geschilderte Elend ihrer Umgebung kann sehr wohl eine bis zur Phantasterei gesteigerte Kindes- und Schwesternliebe gezeitigt haben. Dazu kommt die überaus günstige- ich kann Ihnen den Vorwurf eines gewissen Leichtsinns dabei nicht ersparen Gelegenheit. Wie ich aus Ihrer Darstellung entnahm, ist dies Mädchen noch sehr jung." Kaum sechszehnjährig, schätze ich." Also noch kein gefestigter Charakter. Doch genug darüber, Miß Howfield! Die Sache interessiert mich ungemein. Ich werde mir natürlich die größte Mühe geben. Darf ich Sie zuvor bitten, nunmehr mir die Verfolgung gütigst ganz und voll anzuvertrauen! Das heißt: nichts aber auch gar nichts darin zu unternehmen oder wenn Sie meinen, nicht ruhen zu können, mich vorher von allem in Kenntnis zu setzen!" " Das verspreche ich Ihnen, Mrs. Andreas. Und nicht wahr, Sie geben mir täglich einen kurzen Bericht!" " Wenn Sie es ausdrücklich wünschen, will ich es tun. Sonst freilich entspricht es nicht meiner Geflogenheit." Der erbetene Bericht traf pünktlich ein. Gewöhnlich nur ein einziges Wort enthaltend: Nichts Miß Howfield wurde nervös und mißtrauisch, verbrachte die Abende zumeist in der Pension und schlug sogar ein paar Gesellschaften aus, auf die sie sich doch zuvor gefreut hatte. Nicht der Verlust des kostbaren Hutes, der ja ihrem ausdrücklichen Wunsch zufolge- trotz Abratens dem kleinen Laufmädchen anvertraut war, drückte sie nieder, sondern die wachsende Angst, auch in dem schönen, reinlichen Berlin dem dunklen mächtigen Feind der amerikanischen Vaterstadt wieder zu begegnen. Miß Howfield besaß ein weiches, gutes Herz. Mit diesem fühlte sie freilich uneingestanden das Elend von Mariechens jetzt verlassenen Angehörigen mit. Gewaltsam versuchte sie, sich der Vorstellung von deren wachsendem Hunger und zunehmender Verzweiflung zu verschließen. Der praktische kühle Sinn der Amerikanerin vermochte nichts dagegen auszurichten. Immer von neuem erstand ihr der abgezehrte Krüppel in seinem schadhaften Lehnstühlchen. Eines Tages hielt sie es in diesem untätigen Mitleid nicht mehr aus. Sie sandte eingedenk ihres Versprechens dem Detektiv ein paar Zeilen, die ihm sagten, daß sie sich in diesem Augenblick zu den Angehörigen der kleinen Marie zu begeben gedächte. Auf den Wangen der elenden Frau brannten die roten Rosen einer hohen Erregung, als sie eintrat. Ihre Hände flogen zitternd über ein Häuflein aufgestapelter Herrlichkeiten dahin, die den einzigen wurmstichigen Tisch der engen Stube völlig bedeckten. Die Amerikanerin trat näher hinzu und erkannte eine Menge guter Dinge. Da gab es neben Mehl, Reis, Kaffee und kernigem Schwarzbrot sogar ein Päckchen Kakao und eine Tafel jener uneingepackten billigen Schokolade, die reichlich mit Haselnußkernen gespickt ist. " Es geht Ihnen jetzt also besser?" sagte sie mit einem Aufatmen der Erleichterung. Die Frau schüttelte den Kopf. Ich fasse es selbst noch kaum. Tagelang hatte ich nichts zu einer Mittagssuppe für uns. Eine mitleidige Nachbarin gab dem Karlchen ein paar Löffel von der ihren. Ich hungere ja so gern... Und nun kommt dies. Es ist wie ein Wunder. Nur eine kann es geschickt haben- nur eine weiß, daß das Karlchen diese Schokolade, von dem sie ihm sonst regelmäßig Sonntags ein Stückchen brachte, so sehr liebt. Unser Mariechen!! Liebes, einziges Fräulein, sie muß also leben helfen Sie mir doch suchen!" Und sie glitt auf die Knie und warf die abgezehrten Arme um den schlanken Leib der Amerikanerin, die, hin- und hergerissen von widerstreitenden Gefühlen, auf die Bebende am Boden niederblickte. Sollte jene so Vorzügliches im Vorspielen einer Komödie leisten können sollte sie genau über den Fehltritt der Tochter unterrichtet sein und sich nun mit Behagen die Früchte des lichtscheuen Handelns schmecken lassen? Aber warum nannte sie dann überhaupt die Tochter als Geberin? Wer konnte ihr etwas beweisen, wenn sie einfach eine mitleidige Reiche vorschob? Die feine Hand der Amerikanerin preßte sich an die Stirn. Da begegnete sie dem Blick der noch immer Knienden. Eine leise Erinnerung quoll in ihr empor. Die tränenM Der verlorene Hut. Von Käte Lubowski. iß Anny Howfield hatte lange gezaudert, ehe sie die Dienste des Herrn Willibald Andreas, der sich mit vielem Eifer seinem Beruf als Detektiv hingab, in Anspruch nahm. Heute endlich hatte sie ihn aufgesucht und stand ihm in dem eleganten Empfangszimmer gegenüber. Mit einer liebenswürdigen Handbewegung lud er sie ein, Platz zu nehmen. Mir scheint, unsere Angelegenheit läßt sich nicht so schnell, wie Sie meinen, erledigen." Während sie einen Augenblick von der Tiefe des mächtigen Stuhles betroffen erschien, nahm er sich Zeit, sie zu betrachten. Sie war ein großes, schöngewachsenes Mädchen von vielleicht fünfundzwanzig Jahren.... und ihre Wiege konnte ebensogut an der Wasserkante als in Chikago gestanden haben. Sie machte den Eindruck eines kraft vollen, klugen Menschen, der wohl imstande ist, eine vorgenommene Sache mit zäher Beharrlichkeit zu Ende zu führen. In gutem Deutsch begann sie jetzt, die erste Frage an ihn zu richten. Wünschen Sie, nur die Tatsachen zu hören, oder soll ich ausführlich erzählen?" Er lächelte verstohlen, weil sie sich ihm so ganz als praktische Amerikanerin zeigte. " Das erste Mal möchte ich sehr um ausführliche Schilderung aller Nebenumstände bitten, Miß Howfield!" Sofort begann ſie. - meine " Well, bis zum Tode meines Vaters deutsche Mutter verlor ich bereits zehn Jahre zuvor lebte ich also in Chikago. Meine Ausbildung war die eines deutschen Mädchens aus guter Familie. Eine Freundin meiner Mutter erzog und unterrichtete mich drüben. Nachdem auch mein Vater gestorben, beschloß ich, nach Deutschland überzusiedeln. Berlin war darin die einzige mir näher bekannte Stadt. Ich weiß nicht, ob Sie die amerikanische Sitte des ans Schiff begleiten" kennen. Wenn eins' rübergeht, machen sich die guten Bekannten nämlich die Mühe der sechsunddreißigstündigen Bahnfahrt bis Neuyork, um ihre letzten Shake hands auf der Dampferbrücke auszuteilen. Auch bei meinem Abschiede fanden sich eine Anzahl Darunter erfreute Leute mit hübschen presents ein. mich eins aufrichtig; ein junger, befreundeter Farmer von Preston- Ohio brachte mir zwei schneeweiße Straußen federn von einer Pracht und Größe, wie man sie hierzulande überhaupt nicht zu Gesicht bekommt., Ich habe sie Ihnen erst absichtlich jetzt gegeben', sagte er mit bedeutsamem Blick. Ich verstand ihn. Er fürchtete in Chikago ein Vertauschen gegen minderwertige in dem Hutgeschäfte, das ich zum Garnieren in Anspruch nehmen mußte." als Er hatte aufmerksam zugehört und tat jetzt Mensch eine kurze Zwischenfrage. ,, Weshalb nähten Sie sich diese Kostbarkeiten dann aber nicht besser selbst auf die Hutform?" BLECKE Um den armen girls, die dies zum Erwerb gewählt, nicht das Brot fortzuessen." Nun wurde er wieder mit einem Schlage zum Detektiv. Sie haben vollkommen recht. Darf ich bitten, fortzufahren!" " Hier in Berlin wählte ich also in einem mir warm empfohlenen store eine Form, übergab die Federn und kam eine Woche später, um mir den fertigen Hut abzuholen. Es war zuvor besprochen, daß ich meinen kleinen, weichen Filz zusammengeschnürt mitheimnehmen wollte, während ich den Federhut sogleich in Benutzung nähme. Nun aber brach, gerade als ich im Begriff war, fortzugehen, ein wolkenbruchartiger Regen los, und ich hatte nicht die Zeit, ihn abzuwarten.- Es war ein kleines, vornehmes Puzgeschäft ohne viel überflüssige Herumsteher. Die Inhaberin geriet in Verlegenheit, wie sie mir den kostbaren Hut zustellen sollte. Da war nur ein kleines, braunäugiges Laufmädel, dem sie ihn nicht anvertrauen mochte. ,, Das Mariechen ist ein Hasenfuß und weiß sich bei dem geringsten unprogrammäßigen Zwischenfall keinen Rat," sagte sie ängstlich. Draußen regnete und stürmte es toller, denn zuvor. Ich sah mir die Kleine, die mir schon das erste Mal gut gefallen hatte, scharf an und stellte fest, daß sie in dem jungen, ängstlichen Gesicht ehrliche Augen hatte. Die Zeit drängte. Ich mußte den Hut bestimmt zum Nachmittag haben. Wollen Sie ihn ihr auf meine Verantwortung hin anvertrauen?" bestimmte ich. Noch einmal wagte die Besorgte Einwendungen. " Mariechen ist erst seit drei Monaten in Berlin, und ich fürchte wirklich Der Widerspruch festigte meinen Willen. " Fürchten Sie nichts! Mangel an Zutrauen läßt jede Energie und Selbständigkeit im Reime verkümmern." Und ich wandte mich an die Kleine. Nicht wahr, Mary, Sie werden jetzt beweisen, daß Sie ein fixes, verläßliches girl sein können?" Sie sah mich dankbar an und stotterte etwas, das„ Wie Mühe geben und Dank wissen" klang. Die Gestrenge konnte sich nicht versagen, wenigstens noch mit einem Schreckschuß die Kleine zu ängstigen. ,, Nun, dann laufen Sie also!" sagte sie. Aber wenn etwas passiert, dann stehen Sie der Dame voll und ganz für den Schaden ein!" So trabte Mary mit der Riesenschachtel in den pfeifenden Orkan hinaus zu meiner Pension, während ich eilig zu meinem Professor in die Malstund mußte. Ich hatte mich bei meinem Lehrer länger als sonst aufgehalten, nachher mit einer zufällig getroffenen Bekannten auswärts geluncht und hatte nur noch eine Viertelstunde Zeit, um mich in der Pension zu dem großen Zauberfest im 300 umzukleiden.( Forts. a. 6. 6.) Deutsches Institut für ärztliche Mission Tübingen: Hauptansicht. Erbaut son den Argitekten Klatte& Weigle- Stuttgart. 4+ GIE G Bezugsp Nr. 58. Die Staatsster Diejenigen St pflichtigen in den hiervon auf unserem Feinen Steuerzettel Gießen, den Großherzo Dr. W Nachstehende Gießen, den Großh. 2 öffentlichen Kenntni D Deutsches Inftitut für ärztliche Miffion Tübingen. Architekten Klatte& Weigle, Stuttgart. as Deutsche Institut für ärztliche Mission bezweckt die Ausbildung von Missionsärzten für die Missionsgesellschaften, besonders in unsern Kolonien. Es hat auf einem in schönster Lage Tübingens gelegenen sonnigen, von vier Straßen umzogenen Platze in den Jahren 1908/09 das Hauptgebäude des geplanten Kompleres errichten lassen, das am 20. Oktober 1909 in Gegenwart des Königspaares eingeweiht worden ist. Zur Erlangung geeigneter Pläne war unter einer Anzahl Architekten ein engerer Wettbewerb veranstaltet, aus dem das vorliegende Projekt, das für die Ausführung dann noch mehrfach umgearbeitet wurde, siegreich hervorging. Das Haus wurde, um es repräsentabler erscheinen zu lassen, von der Straße zurückgeschoben, man übersieht alsdann beim Eintritt von der Wilhelmstraße in die Kurze und NauklerStraße den ganzen Bau, der ruhig und einheitlich zur Geltung kommt. Ein weiterer Vorteil dieser Anordnung besteht darin, daß vor dem Hause ein größerer freier Platz liegen bleibt, der Lärm und Staub der Straße fernhält. Eine Thuja- Pflanzung, Lindenbäume und gärtnerische Anlagen schließen den Vorplatz nach der Straße zu ab. Durch den Windfang und Vorraum gelangt man in eine geräumige Halle mit Sitzplätzen. Links folgen Bibliothek bezw. Lesezimmer, Schreibzimmer und Hörsaal. Hörsaal, Lesezimmer und Wohnhalle sind zu einem Raum für größere Vorträge zu vereinigen. Der Hörsaal hat einen besonderen Ausgang ins Freie. Rechts befinden sich Direktorzimmer mit Vorzimmer, Museum, Speisesaal mit Nebenzimmer und Anrichte. In dein besonderen Küchenanbau sind Küche und Speisekammer untergebracht, dar ber im oberen Stock die Dienstbotenräume und Zimmer für die Hausmutter mit Bad und besonderer Treppe. Alle Lieferungen für die Küche können direkt abgegeben werden. Ein von dem Speisesaal zugänglicher verglaster Wandelgang bildet vorläufig einen freundlichen Aufenthaltsraum nach den Mahlzeiten und später den Uebergang nach einem weiteren Bauteil. Garderobe und Aborte liegen in unmittelbarer Nähe des Eingangs und der Treppe; unter letzterer führt ein Ausgang in den hinteren Hof. Jim ersten Obergeschoß befindet sich die Wohnung des Direktors mit sieben Zimmern, Küche, Bad und Speisekammer sowie Mädchenkamnier. Eventuell läßt sich die Wohnung später verkleinern. Eine Anzahl Zimmer für Studenten schließt sich an. Das zweite Obergeschoß enthält lediglich Zimmer für Studenten nebst Bad und den erforderlichen Aborten. Im Dachstock liegen noch weitere Zimmer für Studenten, auch ist hier ein schönes Musikzimmer untergebracht. Ferner sind die nötigen Putz- und Wäschekammern, Trockenboden usw. reichlich vorhanden. Im Untergeschoßz liegen die Räume für Kohlen und Heizung, Vorräte, Waschküche und Bügelzimmer, sowie Wirtschaftskeller. Die Küche besitzt einen Kohlenaufzug zur Erleichterung des Betriebes. Es sind im ganzen 33 Zimmer für Studenten im Hause untergebracht worden. Diese haben eine Breite von je 3,40 m bei 5,00 m Länge; die Größe ist von Tübinger Studierenden der Medizin als ausreichend anerkannt. Die Etagenhöhen sind folgende: Untergeschoß 3,00 m, Erdgeschoß 3,80 m, erstes Obergeschoß 3,50 m, zweites Obergeschoß 3,30 m, alles von Oberkante zu Oberkante Fußboden gerechnet. Das auf dem Grundstück neben dem Institutsgebäude stehende alte Wohnhaus wurde zu einem Schwesternheim umgebaut und durch einen Anbau erweitert. Die architektonische Gestaltung wurde dem Hauptgebäude ſoviel als möglich angepast. Aufnahmegesuche sind an die Direktion des deutschen Instituts für ärztliche Mission in Tübingen zu richten. Angehörige von Missionsgesellschaften werden von diesen angemeldet und ohne weiteres aufgenommen. Studierende, die sich der ärztlichen Mission zu widmen beabsichtigen, aber noch keiner Missionsgesellschaft angehören, haben einen kurz gefaßten Lebenslauf vorzulegen, der besonders auch über ihre Stellung zur Mission Aufschluß gibt. Photographie- Verlag der Bhotographien Union in Wingen Ruheftündchen. Von Julius Abam Art; 2. ein Verze Lahn 1. un In der Zeit t liegen Werktags in Afterweg folge offen. Betr.: Feldbereinig Der G schlusses innerhalb Friedber im Offenlegungslo Klein- Lin 1. für Gießen 1. die Gelde Obftbäum 3. das Hau 4. ein Verz 2. Be ein Blac von Gießen Eintvendungen +5