Gießener Zeitung - - ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Pfg. monatlich vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 M., durch die Post 1,50 Mt. frei ins Haus. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Zwei Extrabeilagen: „ Humoristische Blätter" und die„ Neue Lesehalle", liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362. Nr. 122. - Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die Viehmärkte vom Dienstag, den 27. September lf. Is. an um 7 Uhr vormittags beginnen, und machen noch darauf aufmerksam, daß das Marktvieh nicht vor der angeführten Zeit in den Zufuhrstraßen aufgestellt werden darf. Gießen, den 13. Sept. 1910. Großherzogliches Polizeiamt. Gebhardt. Rattenvertilgung. In der Zeit vom 15. bis 20. September d. Is. sollen die Ratten in den städt. Kanälen und Wasserläufen durch Gift vertilgt werden. Die Besizer von Hausgrundstücken im Stadtgebiet werden aufgefordert, für gleichzeitige Vertilgung der Ratten auf ihren Grundstücken zu sorgen. Haustiere, Geflügel 2c. sind von den gefährdeten Stellen fern zu halten. Gießen, den 10. September 1910. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Maschinistenstelle. Zur Bedienung der neuen Kesselanlage in unserem Schlachthof, mit der eine nach dem Kohlensäuresystem arbeitende Kühlanlage nebst Eismaschine verbunden ist, wird zum alsbaldigen Antritt ein geprüfter Maschinist gefucht. Vorbehältlich der Genehmigung der Stadtverordneten= Versammlung ist für die Stelle ein Anfangsgehalt von jährlich 1660 Mt., steigend alle 3 Jahre um 140 Mt., bis zum Höchstgehalt von 2500 Mt. vorgesehen. Bewerbungen um die Stelle sind unter Beischluß von Ausweisen über die seitherige Tätigkeit und über die mit Erfolg abgelegte Maschinistenprüfung bis spätestens 20. September ds. s. bei der Bürgermeisterei einzureichen. Gießen, den 10. September 1910. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Gebäude- Abbruch. Das Gebäude Neustadt Nr. 30 nebst der dazu gehörigen Scheuer in der Mühlgasse soll Donnerstag, den 15. September, vormittags 10 Uhr, im Wege öffentlicher Verdingung auf den Abbruch verkauft werden. Die Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Die Besichtigung der Gebäude ist Interessenten gestattet. Angebote sind schriftlich, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum genannten Termin bei uns einzureichen. Gießen, den 10. Sept. 1910. Städt. Hochbauamt. Gerbel. Zur Neuregelung der Sonntagsruhe. Ein Entwurf über die Neuregelung der handelsgewerblichen Sonntagsruhe wird dem Reichstage voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres zugehen. Die Verhandlungen zwischen dem Reichsamt des Innern und den zuständigen preußischen Ressorts schweben noch. Irgendwelche endgültige Abmachungen sind amtlicherseits noch nicht getroffen worden. Einiges ist aber von den Bestimmungen, die ins Auge gefaßt sind, doch bekannt geworden. Unter Vorbe= halt und Hinweis auf die definitive Regelung wird des= halb schon jetzt wesentliches mitgeteilt. Die Bestimmungen der Novelle werden allgemeinen Charafter haben und den verschiedenen lokalen Verhältnissen überlassen bleiben. Einzelheiten über die zu beobachtende Braris werden die Ausführungsbestimmungen enthalten. Der Entwurf geht von dem Gedanken aus, den sonntag= lichen Ruhetag den Angestellten noch mehr zugute kommen zu lassen als bisher, ohne die Geschäftswelt und das Pubfifum zu sehr zu schädigen. Es ist die Beobachtung gemacht worden, daß für eine Reihe von Branchen eine gänzliche Sonntagsruhe teinen Schaden anrichte, und daß das PubLifum sich an eine weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe ebenso leicht gewöhnen wird, wie früher an die Beschräntung der Verkaufszeit an Sonntagen. Die Novelle will also vorschlagen: völlige Sonntags= ruhe in allen Betrieben, die mit feiner offenen Verkaufs= ftelle verbunden sind, für gewisse Betriebe und in Festzeiten oder in der Zeit der Branchen- Hochsaison sind Ausnahmen zulässig, doch darf die Arbeitszeit zwei Stunden nicht überschreiten. Näheres haben die Ortsstatute anzuordnen. Be schränkte Sonntagsruhe herrscht bei allen offenen Verkaufsstellen, im allgemeinen soll die Verkaufszeit bei ihnen aber nur noch die Stunden währen, die vor die Kirchzeit fallen, so daß die Angestellten nach Beendigung des Gottesdienstes Herren ihrer Zeit sind. Da beobachtet worden ist, daß den Angestellten vielfach die Möglichkeit zum Kirchenbesuch fehlt, so muß der Schluß des Geschäfts bereits 30 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes beginnen und nach Beendigung des Gottesdienstes die gleiche Zeit bis zur erneuten Ge schäftseröffnung verstreichen. Im allgemeinen haben die Geschäfte also von ½ 10 bis ½ 12 Uhr vormittags zu schließen. Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein). sowie vieler anderer Donnerstag, 15. September 1910 Für die sogenannten Lebensmittelbranchen( Fleisch, Materialien, Vorfost, Butter, Backwaren 2c.) ist die Ueber= schreitung der dreistündigen Marimalarbeitszeit bis zu fünf Stunden zulässig. In diesem Falle müssen die 5 Stunden so gelegt werden, daß spätestens um 2 Uhr nachmittags überall vollständige Sonntagsruhe eintritt, auch die jetzigen Ausnahmen für Bäckereien und Blumengeschäfte sollen fortfallen. Aber noch eine weitere Wohltat für die Angestellten ift geplant. Es soll in Zukunft streng darauf geachtet werden, daß an Sonntagen beim Eintreten der Schlußzeiten fein Kunde mehr bedient wird, auch dann nicht, wenn er bereits vorher im Laden anwesend war. Die Beobachtung hat gezeigt, daß an Sonntagen häufig ganz kurz vor Ladenschluß sich noch das Geschäft füllt und die Abfertigung der Kunden sich lange über die gefeßliche Schlußzeit ausdehnt. Die Sonntagsruhe der Angestellten wird dadurch bedeutend eingeschränkt.-An Wochenabenden ist die Bedienung der beim Schluß anwesenden Kunden zulässig. Der Entwurf verzichtet auf den Erlaß von Sonderbestimmungen für große, mittlere und kleinere Gemeinden, da die Verhältnisse in den Einzelstaaten grundverschieden sind, hier wird das Ortsstatut eingreifen, um zu verhindern, daß zu große Härten auftreten, die derartige gesetzliche Bestimm= ungen meist im Gefolge haben. Als freizugebende Sonntage gelten in Zukunft nur noch die beiden, die den Festen vorangehen, im ganzen also sechs; die Geschäfte dürfen aber auch an ihnen höchstens neun Stunden offen halten. Eine Verschärfung der Strasbestimmungen für Zuwiderhandlungen beabsichtigt die Novelle nicht einzuführen, die geltenden reichen aus. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362. 21. Jahrg. nende Tätigkeit des Regierungsrats Dr. Kranzbühler der Darmstädter Automobilklub sich herausgenommen hat, den ordentlichen Fuhrleuten Vorschriften zu machen und mit Strafanzeigen zu drohen? Sowie, daß auf diesen als amtlich dargestellten Autofahrten, unter Assistenz des erwähn ten Regierungsrates Dr. Kranzbühler, Strafanzeigen gegen Fuhrleute erfolgt sind und Fuhrwerte angehalten wurden? 5. Hat die Großherzogliche Regierung davon Kenntnis, daß man im Volke draußen der Meinung ist, daß die amtlichen Stellen im Lande den wegen ihrer hohen Protektion schwer angreifbaren Automobilisten gegenüber in einer gewissen Befangenheit sich befänden? Langsdorf, den 8. September 1910. Köhler. Dom Bauerntum schreibt Professor W. H. Riehl in seinem Werke:„ Die Naturgeschichte des Voltes als Grundlage einer deutschen Sozialpolitik": " Es ruht eine unüberwindliche konservative( d. h. staatserhaltende) Macht in der deutschen Natton, ein fester, trotz alles Wechsels beharrender Kern, und das sind unsere Bauern. Sie sind ein rechtes Originalstück, dazu kein anderes Volk ein Gegenbild aufstellen kann. Der Gebildete mag konservativ gesinnt sein aus Vernunftsgründen, der Bauer ist es traft seiner Sitte. In den sozialen Kämpfen unserer Tage hat der Bauer eine wichtigere Rolle gespielt als die meisten ahnen; denn er hat den natürlichen Damm gebildet gegen das Ueberfluten der französischen Revolutionslehren in die unteren Volksschichten. Nur der träge WiderReichstagsabgeordneter Köhler- Langsdorf ſtand der Bauern hat im März 1848 die deutſchen Throne hat an die Zweite hess. Kammer eine Anfrage betreffend die Automobil unglücke von Obermörlen und Diebenbach und ihre Sühne gerichtet, welche folgenden Wortlaut hat: Zwei schauderhafte Mordtaten hat in letzter Zeit der von den höchsten Kreisen protegierte Automobilsport allein in unserem fleinen Lande Hessen zu verzeichnen: den Automord von Ober- Mörlen und den Automord von Dießenbach. Beim Mord von Obermörlen fuhren die Insassen des Mordfahrzeugs nach vollbrachter Tat davon und ließen das arme Opfer ohne weiteres in seinem Blute liegen." Die Folge war, da niemand Hilfe brachte, daß der Ueberfahrene sterben mußte. Zwar wurden nachher Verhaftungen borgenommen, jedoch ging's auch hier so, wie in anderen Fällen, wenn's die oberen Zehntausend angeht: Die BadNauheimer Zeitung, Amts- und Anzeigeblatt für den Amtsgerichtsbezirk Bad- Nauheim( Nr. 207 vom 5. September 1910), meldet im folgenden den Ausgang:„ Ober- Mörlen, 3. Sep. Die Untersuchung gegen den amerikanischen Chaufseur Zettel, welcher im Juli d. Js. mit seinem Automobil ben Müllersohn Kremer auf der Frankfurterstraße totfuhr, ist mangels genügender Schuldbeweise eingestellt und Zettel gegen die Rückgabe seiner Kaution von 5000 Mart auf freien Fuß gesetzt worden. Er hat es aber vorgezogen, nach seiner Haftentlassung schleunigst zu verschwinden. Die Eltern des braven jungen Mannes lehnten ein angebotenes „ Schmerzensgeld" von 1000(!) Mart ab, und zwar mit gerettet. Man sagt, die Revolution sei vor den Thoren stehen geblieben; dies ist nicht ganz richtig: die Bauern sind vor den Thronen stehen geblieben. Eine konservative Politit, die Bestand haben will in Deutschland, muß sich auf die Bauern stüßen. Ein Ministerium, welches wahrhaft volkstümlich werden will, muß damit anfangen, bauern= tümlich zu sein. Alle Maßregeln zur Sicherung des gesellschaftlichen Friedens, zur Kräftigung der Staatsgewalt hallen nur für den Augenblick wider, sofern sie nicht von dem Grundsatz ausgehen, daß der Bauer die konservative Macht im Staate sei, daß darum vor allen Dingen seine Wucht erhöht, seines Charakters Eigenart gefestigt, seine Bedürfnisse beachtet werden müssen. Er stellt das in Ueberfeinerung verschobene Gleichgewicht in der Gesellschaft wieder her; den Sozialismus fatin man nicht mehr durch die Presse, sondern mehr durch Regierungsmaßregeln erfolgreich bekämpfen, man fann das aber durch die Bauern, durch die Pflege ihrer zähen Sitte. In den Bauern kann der praktische Staatsmann die leibhaftige Geschichte gegen die Geschichts= losigkeit unserer gebildeten Jugend aufmarschieren lassen, die leibhaftige Wirklichkeit gegen die Ideale des Schreibtisches, das letzte Stück einer„ Natur" gegen eine gemachte Welt; er tann in den Bauern die Macht der Gruppen und Massen wirken lassen gegen die ins Endlose zerfahrene und per= sönlich gebildete Gesellschaft. XX. Verbandstag Recht, denn mit ein paar lumpigen Mart' kann ein solches mittlerer Reichs- Post- und Telegraphenbeamten. Verbrechen nicht gesühnt werden. Damit ist auch dieser Automobilmord, wie schon so mancher andere, ungestraft geblieben." Zu dem Automobilmord von Dießenbach äußert sich die Allgemeine Automobilzeitung, offizielles Organ dez Kaiserlichen Automobilklubs" zu Berlin( Heft Nr. 35 Seite 35, vom 2. September 1910), wie folgt:„ Der... er= wähnte. Fall ist, wie unsere Erfundigungen ergeben haben, auch nichts weiter als eine durch einen unglücklichen Zufall herbeigeführte Verlegung eines Radfahrers, der in ben Staub eines begegnenden Automobils hineinsuhr, wobei er von einem zweiten hinterdreinfahrenden Automobil, das den Radfahrer nicht wahrnehmen konnte, angefahren und tötlich verletzt wurde. Der Radfahrer, der hätte absteigen sollen, ist in diesem Fall wohl schuldiger als das zweite Automobil." Eine entsetzliche Anschauungsweise! Würdig des ProBen- und Parvenütums, das die gegenwärtige Zeit zur Blüte brachte und hoffähig machte! Angesichts solcher„ Umwertung aller Werte", um im Jargon dieser Art Leute zu reden, erscheint es als höchste Pflicht des wahren Volksfreundes, nicht feige zu schweigen, sondern zu reden freimütig; von der Wahrheit zu zeugen und Gerechtigkeit zu heischen: Landgraf werde hart! Darum frage ich die Großherzogliche Regierung: 1. Welche Maßnahmen hat sie getroffen, um dem mörderischen Treiben der sog. Autoferen Einhalt zu tun? 2. Werden seitens der Polizei die Bestimmungen des revidierten Hessischen Polizeiftrafgesetes vom 10. Oftober 1871, des Reichsgesetzes vom 3. Mai 1909 über den Vertehr mit Kraftfahrzeugen und der Bundesratsbekanntmachung vom 3. Februar 1910, betreffend die Regelung des Verfehrs mit Kraftfahrzeugen, neuestens so angewandt, daß eine Wiederholung der Mordtaten wie der von Obermörlen und Dießenbach als vermeidbar erscheint? 3. Sind die Polizeiorgane angewiesen, solche Automobile, die die einzuhaltende Fahrgeschwindigkeit überschreiten, zur Anzeige zu bringen und wie kommt es, daß troballedem bis jetzt von einer solchen Tätigkeit der Polizeiorgane man in der Oeffentlichkeit noch nichts gehört hat? 4. Ist es der Großherzoglichen Regierung bekannt, daß der Großherzoglich Hessische Regierungsrat Dr. Kranzbühler an Autofahrten des Darmstädter Automobilklubs teilgenommen hat, um festzustellen, wie auf den Landstraßen der Fuhrverkehr sich entwickelt, wie infolgedessen und unter Berufung auf die Polizei und die hierbei als amtlich erscheiBerlin, 12. Septbr. 1910. Unter äußerst zahlreicher Beteiligung aus allen Bezirfen des Reichs- Postgebietes ist der 20. Verbandstag des Verbandes mittlerer Reichs- Post- und Telegraphen- Beamten am 12. September in Berlin im„ Lehrervereinshaus" zusammengetreten. In seiner Begrüßungsansprache sagte der 1. Verbands| tagsvorsißende Gottschalt nach einem furzen Rückblick auf die verflossenen 20 Jahre des Verbandes, daß im Postberbande Königstreue und Vaterlandsliebe stets die erste Statt gefunden habe, und dies bewies auch sein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser. Nach der Feststellung der Anwesenheitsliste, die 134 Vertreter mit 385 Stimmen für 38 500 Mitglieder ergab, und nach der üblichen Ehrung der im letzten Jahr verstorbenen 180 Kameraden wurden zur Beratung der vorliegenden Anträge, des Geschäftsberichts für 1909, der Haushaltsrechnung für 1911 u. a. m. vier Kommissionen gebildet. In der nach der Mittagspause eröffneten ersten Plenarsitung berichtete zunächst der zweite Verbandstagsvorsitzende Ley- Berlin, daß die Kassenprüfung feinen Anlaß zu Ausstellungen gegeben hat. In eingehender Weise gab der 1. Verbandsvorsißende Sten der eine Darstellung der Tätigkeit des Verbandsvorstandes in den Jahren 1909-10. Ueber den geschäftlichen Abschluß des Jahres ist zu bemerken, daß u. a. dem Verbandsreservesonds mehr als 10 000 Mt. zugeführt werden konnten, trotz der hohen Kosten, die für die Einberufung der außerordentlichen Versammlung der Bezirksvertreter u. a. m. entstanden sind. Die Rechtsschußkasse wurde in 23 Fällen in Anspruch genommen, zahlreiche Berufungen in Steuerangelegenheiten verursachten einen erhöhten Schriftwechsel, von 4941 Schrift stücken des letzten Jahres betrafen 640 Rechtsfragen, 152 Sachen waren vom Rechtsbeistande zu erledigen. Mit einer Versicherungsgesellschaft wird ein Vertrag für Haftpflichtversicherung geschiossen werden, der den Mitgliedern bei geringer Beitragszahlung Ersatz für solche Verluste bietet, die ihnen bei Ausübung ihrer Amtspflicht entstehen. Die Unterrichtszeitung ist durch Einführung stenographischer Unterrichtsbriefe erweitert worden. In der Beamtenbewegung nimmt die Oberassistentenfrage eine hervorragende Stelle ein; die Frage hat jetzt den Charakter als Kampffrage verloren, sie ist eine Rechtsfrage geworden. Die Frage der Zivil und Militäranwärterbewegung erfordert unsere ganze Ruhe und Besonnenheit; nur wenn beide dasselbe wollen, Vobachs Frauen Moden Feitung 15.Big. Das Hest ist etwas zu erreichen. Nur Einigkeit verbürgt Erfolg. Beide Fragen lassen öfters den Gedanken auftauchen, ob es schlecht stehe um die Zukunft des Verbandes. Ende 1909 hatte der Verband 38 486 Mitglieder, bis zum 8. September sind 1514 neu eingetreten, sodaß jetzt 40 030 Mitglie der vorhanden sein müssen, hiervon sind 1203 Abgänge abzuziehen. Der Verband ist gewachsen trotz aller Gegen= strömungen; er wird und muß weiterbestehen.( Lebhafter Beifall.) In der folgenden Diskussion sprachen alle Redner dem Verbandsvorstand und der Verwaltungsstelle Dant und Anerkennung für die überaus mühevollen Leistungen des letzten Jahres aus, teilweise mit begeisterten Worten. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird die Sißung um 8.45 Uhr geschlossen. Bum Barenbesuch in Friedberg. Montag nachmittag unternahm der Kaiser von Rußland mit dem Großherzog und den Großfürstinnen eine Auto- fahrt nach Lauterbach, wo der Tee bei Oberstallmeister Freiherr Riedesel genommen wurde. Das altertümliche Städtchen erregte das lebhafte Interesse des fremden Besuches. Längere Zeit besichtigte der Zar die Nototo- Kirche. Eine ganze Anzahl Geheimpolizisten sorgte dafür, daß die Zudringlichkeit des Publikums, das den Großherzog und seinen Gast begrüßen wollte, nicht zu start wurde. Der Großherzog fuhr gestern früh nach 8 Uhr mit Automobil von Friedberg zur Erteilung von Audienzen nach Darmstadt. Der Zar und verschiedene russische Großfürstinnen mächten eine Ausfahrt nach Homburg und lehrten gegen 12 Uhr mittags zurück. Die Rückkehr des Großherzogs fand zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags statt. Lokales. Gießen, 13. September 1910. * Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu SolmsBraunfels auf die erledigte erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Villingen präsentierte Lehrer K. Schmidt daselbst für diese Stelle. ** Uebertragen wurde dem Schulverwalter N. Becker- Gößen, Kreis Schotten, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst und dem Schulverwalter Ernst Sames= Rodheim, Kreis Friedberg, eine Lehrerstelle an der Ge meindeschule zu Steinheim. ** Den preußischen tierärztlichen Hochschulen ist das Promotionsrecht verliehen worden, nachdem das preußische Kultusministerium seine früheren Bedenten hiergegen aufgegeben hat. Diese Bedenken beruhten vor allem darauf, daß auch andere Fachhochschulen für sich das Promotionsrecht in Vorschlag bringen fönnten. Bekanntlich war bis vor kurzem die Universität Gießen die einzige Hochschule Deutschlands, welche die tierärztliche Doktorwürde verlieh. * Vom Manöver. Wiederum hat ein Abschnitt der Herbstübungen das Brigadentanöver, seinen Abschluß ge= funden. Mit der Konzentration der Regimenter und Brizu= gaden hängt naturgemäß eine dichtere Einquartierung sammen. Die 49er Brigade( 115er, 116er, 168er, 24er Dragoner und 25er Artillerie) lag am Dienstag in und dicht um Fulda. Die 50. Brigade hatte am Montag ihr Schlußgefecht im Kreise Lauterbach und hat sich in und um Gedern, Grebenhain, Ilbeshausen und Herbstein konzentriert. Als neue Truppe ist die Fußartillerie Nr. 3 zu der 25. Division gestoßen. Die Divisionsmanöver der Hessischen Division begannen gestern; sie spielten sich hauptsächlich an der Grenze der Kreise Lauterbach und Fulda ab. Um Fulda sammelt sich nächsten Samstag die gesamte hessische Division; sämtliche höheren Stäbe kommen nach Fulda. Bei Beginn des Korpsmanövers liegt zwischen beiden Divisionen der Vogelsberg, denn die 25. Division marschiert von Fulda, die 21. Division von Hungen. Große Anmärsche stehen den Fußtruppen bevor, darunter ein Kriegsmarsch von 58 Kilo= metern. Vor Dienstag dürften also die beiden Divisionen nicht aufeinander stoßen. 19) Gerichtet. Familienroman von Franz Wichmann. Auch der Gendarm war aufgestanden. Noch verstand er ben alten Mann nicht ganz. * Brieftauben ließ der Brieftauben Klub zu Gießen am Sonntag in Eschwege aufsteigen. Die Tierchen, welche um 11 Uhr ihren Flug aufnahmen, legten die 105 Kilometer lange Strecke in 2 Stunden zurück. Den ersten Preis errang eine Taube von Karl Wesserlie- Gießen. Der Förster schritt langsam dem Ausgang der Laube zu. „ Wenn Sie einen Augenblick hier warten wollen," richtete * Markt. Von Samstag, den 17. Septbr., an beginnt der Markt mit Wagenladungen in Oswaldsgarten. * Auf der 6. Wanderung des Vogelsberger Höhenklubs entführte der Zug die Teilnehmer nach Stockheim. Hierauf wurde zu Fuße das Niddertal und Ortenberg besucht, von wo man mit der Vogelsbergbahn bis Merken- friß fuhr. Diese Station bildete den Ausgangspunkt einer 2. Wanderung, welche die Klubmitglieder durch das Seemenbachtal nach Hartmannshain brachte. Auf dem Rück- weg wurde der Luftkurort Hochwaldhausen in Augenschein genommen. Dank dem herrlichen Wetter am Sonntag nahm der Ausflug einen prächtigen Verlauf. er wieder das Wort an den Gendarm, so werden Sie mich verstehen!" Ehe er aber das Freie erreichte, klammerte die Försterin sich wie eine Verzweifelte an ihn an „ Lorenz," feuchte sie, bist du von Sinnen? Hast du denn kein Herz für deinen Sohn mehr?" „ Um Gottes willen," schrie jetzt auch Frau Baumert auf, ,, was wollt Ihr tun?" „ Meine Pflicht, einen Verbrecher der Gerechtigkeit zu überliefern!" antwortete der Förster hart und eisig. des * Die verfrühte Obst ernte. Eine bemerfenswerte Aeußerung hat der Landrat des Obertaunusfreises, Ritter Dr. von Marr, soeben an die Bürgermeister des Kreises gerichtet. Es heißt da:„ Es wird mit Recht da= rüber Klage geführt, daß das Obst viel zu früh ge= erntet wird. Nicht allein wird hierdurch der Wert Obstes sehr herabgemindert, da das Tafelobst geschmacklos und wenig haltbar, das Kelterobst minderwertig wird, sondern auch die Obstbäume selbst leiden sehr not, da durch das Abschlagen und Abschütteln des noch nicht baumreifen meinden das Obst zu früh zur Versteigerung bringen. Ich Obstes die Fruchtzweige mit vernichtet werden. Der Grund der zu frühen Aberntung liegt häufig darin, daß die Geersuche daher die Herren Bürgermeister, die Versteigerung des Gemeindeobstes nicht vor dem 25. September vorneh men lassen zu wollen. Die Obstzüchter und Besitzer von Obstbäumen bitte ich dringend, aus den oben angeführten Gründen im Interesse des guten Rufes des Taunusobstes, ebenfalls nicht vor Anfang Oktober das Obst abnehmen zu lassen." Das Gießener Kreisamt hat gleichfalls die Bestimmung erlassen, daß das Obst der Gemeinden, des Kreises oder des Staates erst von morgen ab zur Ver= steigerung gelangen darf. Im Hinblick auf das vielfach unBereife Obst auf den Obstmärkten sind solche amtlichen fanntmachungen nur zu begrüßen. Mit einem einzigen, gewaltigen Ruck viß er sich von den ihn umklammernden Armen seiner Frau los und trat aus der Laube. Doch auch jetzt noch stürzte die Försterin ihm nach. ,, Bleibe, bleibe, das kannst du nicht tun!" flehte sie in herzzerreißenden Tönen. Das nicht, herzloser Vater!" Er stieß sie raub zurück. " Laß mich," gebot er ihr, du wirst mich nicht daran hindern, meine Pflicht zu tun!" Und er schritt mit unbeugsamer Entschlossenheit vorwärts - auf den runden Tisch zu. Klara, die in ihrer Bestürzung an den Eingang der Laube getreten war, hatte bemerkt, wie der Förster aus der andern Laube trat. Mein Gott, der Vater," stieß sie aus, er fommt zu uns!" ( Gerichtet 42 Nr. 8.) ,, Nicht doch, versetzte Hellborn, der ihr über die Schulter blickte ,,, er tritt an jenen Tisch dort!" Und er deutete mit der Hand auf den Tisch, an welchem Otto und Robert mit ihren Begleiterinnen saßen. Er mußte erschrocken die Hände ausstrecken, um das Mäd chen, das plötzlich zurücktaumelte, zu halten. | Zweigvereine sind Büdingen ,, Vilbel, Gießen, Orten berg, Friedberg, Gelnhausen, Groß- Gerau, Offenbach, Her chenhain, Wenings, Buzzbach, Froß- Felda, Schlitz und als jüngstes Glied hat sich noch der Zweigverein Hanau ange meldet. Durch diesen Zuwachs war der Verein in der Lage, seiner Aufgabe, den Vogelsberg mehr und mehr dem Verkehr zu erschließen, gerecht zu werden. So konnte im Juni der Bismarckturm auf dem Taufstein eingeweiht werden, auf dem Hoherodskopf wurde eine Wasserleitung ge schaffen und das dortige Klubhaus ist durch Anbauten ver größert und mit 26 Betten ausgestattet worden. Für wanBernde Studenten und Schüler sind in Gedern, Schotten u. Ulrichstein freie Unterkunftsstellen, in Laubach und Lauterbach Herbergsnachweise eingerichtet worden. * Die Einziehung der Zeitungsgelder durch die Briefträger erfolgt von heute ab bis einschließlich 25. d. Mts. kostenlos; die Briefträger sind zur endgültigen Quittungsleistung über die erhobenen Zeitungsgelder berechtigt. Die Vorteile, die die Einrichtung für das be= Publikum bringt, springen in die Augen, wenn man rücksichtigt, daß der regelmäßtge Fortbezug der Zeitungen gesichert, der Gang zur Post und das Warten an den Schaltern, die am Vierteljahrsschluß besonders start in Anspruch genommen sind, erspart wird. Dort, dort," brachte sie nur mit Anstrengung hervor, das ist er, aber bis zur Unkenntlichkeit verkleidet! Was bedeutet das?" Frau Baumert war der Försterin auf dem Fuße gefolgt. „ Er geht, der Wahnsinnige!" jammerte sie und schlug die Hände zusammen, während sie entsetzt dem Förster nachsah. Der Gendarm, der sich bisher noch in der Laube zurück* Von der Jagd. Die Hühnerjagd ist besser ausgefallen als im Vorjahre. Die Völker sind besonders kräf= tig entwickelt und waren bei Aufgang der Jagd gut ausgewachsen. Die Fasanen sind ebenfalls gut durchgekommen. An Hasen ist kein Mangel zu spüren. ** Die Fleischpreise sind amtlichem Ausweise zufolge überall in der zweiten Augusthälfte gegenüber der ersten Hälfte des Monats erheblich gestiegen. Namentlich war dies beim Rind- und beim Kalbfleisch der Fall, während sich die Preissteigerung bei Hammel- und Schweinefleisch in mäßigen Grenzen hielt. * Rauferei. In der Brandgasse entstand Diens tag abend zwischen Soldaten des Inf.- Rgts. Nr. 88 und Zivillisten ein Wortwechsel, welcher rasch zu Tätlichkeiten führte. Hierbei wurde ein Zivillist durch einen Säbelhieb erheblich am Kopfe verwundet. ** Der Vogelsberger Höhenklub hat einen starken Aufschwung in neuester Zeit zu verzeichnen. Der Verein zählte am 1. Juli 34 Zweigvereine mit 2800 Mitgliedern. Die Zahl der Zweigvereine ist innerhalb drei Jah ren um 14 gestiegen und die Mitgliederzahl hat sich bei nahe verdreifacht. Dieses Wachstum ist zu einem großen Teil der sehr regen Tätigkeit des im Herbst 1907 entstandenen Zweigvereins Frankfurt zu verdanken. Die seit 1907 meist auf Anregung des V. H.-Kl. Frankfurt entstandenen gehalten hatte, trat jetzt rasch hinter die Frauen. ,, Verstehe ich recht?" sagte er.„ Das ist doch nicht. ,, D, haben Sie Barmherzigkeit!" flehte die Försterin.„ Ja, es ist-" " Ihr sein Sohn!" kam es wie ein Schrei über Frau Baumerts Lippen. Nicht länger jetzt hielt es den Gendarm zurück. „ Es tut mir leid," sprach er zu den beiden Frauen, aber meine Pflicht zu tun, kann mich das nicht hindern!" Der Förster war inzwischen unbemerkt hinter Otto getreten. Und plötzlich, als jener soeben sein Glas erhob, um dasselbe in einem Zuge zu leeren, legte der hinter ihm Stehende die wuchtige Hand ihm schwer auf die Schulter. Im Rausche taumelnd, fuhr der also überraschte erschrocken fäh herum. „ Wer ist da? Was soll's?" sprudelte er hervor. „ Ein Fremder! Ein Scherz jedenfalls!" riefen gleichzeitig die beiden Mädchen. empor. Aus Hessen und Nachbargebiet. * Friedberg. Der dritte Verbandstag des südwestdeutschen Milchproduzenten- Verbandes findet am 3. und 4. Dezember in Friedberg statt. Doch wie von einer Schlange gestochen, sprang Robert ( Gerichtet 43 Nr. 8.) ,, Verdammt, dein Vater!" entfuhr es ihm. „ Herunter mit der Larve!" Herrschte der Förster den Überraschten keuchend an.„ Zeige dein wahres, verruchtes Gesicht!" Mit einem Griff hatte er dem Sohne den falschen Bart und die entstellende Brille abgerissen. Otto war bei dem Ausruf des Freundes zitternd aufgesprungen. Ein Blick zeigte ihm die fürchterliche Wahrheit. Totenblaß und an allen Gliedern schlotternd, suchte er sich zu fassen. Bolle auf Ge Eisenbahnfrach Um zu be befindliche, ab tende Beigeord ung der Star geblich mißbri leitete Unterfy mag, wurden * Friedberg. Die Mäuse plage ist im Kreise Friedberg fast unerträglich geworden. Manche Gemeinden haben den Kampf gegen die schädlichen Nager zum Teil mit, zum Teil ohne Erfolg aufgenommen. Jeßt fordert das Mitglied des Kreistages, Reichstagsabgeordneter Busold, in zwei Anträgen an das Kreisamt, daß der Kreis ener gische Maßnahmen gegen die Mäuseplage ergreift. „ Entschuldige," stotterte er hervor, daß du mich hier triffft! Ich traf. Bekannte und da ich Urlaub habe-" „ Lügner," knirschte der Förster, deine Stunde ist getommen!" Re wie auch das * Auz preise ist in burchschnittlich der Biehnot viele Landwi nung auf wei fo fünftlich di * Mai nahm einstim ung und das * Aus Hessen. Die evangelischen Dekanatssyno den von Büdingen, Groß- Gerau und Oppenheim haben be schlossen, das Oberkonsistorium zu ersuchen, bei der gierung dahin zu wirken, daß den Gemeinden in der Ver mögensverwaltung die versprochene größere Selbständigkeit gewährt wird. Die Pfarreien sollen von den Kreisämtern unabhängig gemacht werden. Man glaubt vielfach, die Re gierung werde diesen Vorschlägen nicht abgeneigt sein, da ihre Durchführung eine große finanzielle Erleichterung für die Staatstaffe bedeuten würde. * Fulda. Zum Divisionsmanöver rückte gestern früh die rote Partei( Inf.- Rgt. 115, 116, 168, Drag.- Rgt. Nr. 24, Feld- Art.- Rgt. 25, Maschinengewehrtompagnie, 2. und 3. Kompagnie des Pionierbat. 25, Fernsprechabteilung) von der Rhön( Hattenhof) her gegen Westen vor, während die blaue Partei( Inf.- Reg. 117, 118, Drag.- Reg. Nr. 23, Feld- Art.- Reg. 61, 1. und 4. Komp. des Pionierbat. 25, eine Abteilung schwerer Feldhaubißen, Fernsprechabteilung) im Vogelsberg bei Greben ha in den Feind erwartete. Gegen 12 Uhr begann das Feuergefecht zwischen der roten und der blauen Kavallerie. Die Kavallerie mußte furzer Zeit zurückgehen, während von der blauen Partei viel Infanterie herangezogen wurde. Die blaue Infanterie konnte sehr schnell vorwärts gehen, weil die Infanterie der roten Partei vielleicht infolge des Nebels sehr weit zurüdgeblieben war. Die rote Partei wurde bis auf die Anhöhen von Hauswurz zurückgedrängt. Kurze Zeit griff aud die Artillerie in den Kampf ein, doch konnte sie nicht ver hindern, daß die rote Partei zurückgehen mußte. Die Bi wacks wurden in der Nähe von Hauswurz bezogen. Und mit gewaltiger Faust packte er den entarteten Sohn an der Brust. Eine allgemeine Bewegung des Staunens und des Schreckens griff unter den Zunächstsitzenden Platz. Alle sprangen auf und drängten sich näher heran. Einen Augenblick spielte die Musik noch fort, dann brach sie jäh ab und die Spielleute, ein Unglück ahnend, legten ihre Instrumente beiseite und verließen ihre Plätze. Die Försterin und Frau Baumert, von dem Gendarm gefolgt, batten jetzt ebenfalls die Gruppe erreicht, und von der undern Seite tauchten Klaras blasses Gesicht und Hellborns energischer Kopf auf. Die Försterin rana verzweifelt die Bände. nach Die 5. und 6. Kompagnie vom Inf. Rgt. Nr. 116 hatte in den verflossenen Manövertagen entschieden Bech. Während ihre Kameraden bei der längeren 14tägigen Einquartierung hier in Fulda recht bequeme Privatquartiere angewiesen erhiel ten, tamen sie in die Kaserne. Bei dem Weitermarsch in die Rhön mußten sie einmal in einem Schafstalle, ein an dermal in einer Reithalle( Gersfeld) Massenquartiere be ziehen, die immer recht primitiv ausfielen. Bei ihrem Rüd marsch nach Fulda kamen die Kompagnien zwar diesmal in Privatquartiere, mußten aber, worüber lebhafter Unwille in der Bürgerschaft herrscht, in der Kaserne ihre Mahlzei ten einnehmen. * Offenba ch. Die Stadtverordneten Versammlung nahm einstimmig einen Antrag an, wonach zur Beseitigung der Fleisch not die hessische Regierung ersucht werden soll, im Bundesrat für die Deffnung der Grenzen für die Einfuhr lebenden Viehes, Aufhebung der die Einfuhr von geschlachtetem Vieh, Fleisch und Wurstwaren hemmenden ge setzlichen Bestimmungen, Aufhebung bezw. Ermäßigung der Wiem Gott, mein Gott," jammerte ste, daß ich das er leben muß!" Vergeblich suchte Frau Baumert sie zu beruhigen; sie konnte sie nur davon abhalten, sich auf den eigenen Mann zu stürzen, um ihm den Sohn zu entreißen. „ Es ist zu spät, fasse dich, Adelheid!" redete sie ihr zu. Ta plötzlich stand Klara neben ihnen. ,, Otto, du hier und in der Vermummung, was soll das heißen?" stieß sie hervor. D, Gott, mir ahnt Schreckliches!" Otto stand noch immer bleich und zitternd, keines Wortes mächtig. * Wo bahnstrecke W der Lokomot den. Nun früher Enthi Speltion Wor ende Maschin wefen, und b in das Repa dem Unfall, ren borgenom „ D, da ist ja auch der saubere Freund," erklang da Hellborns Stimme neben Klara und er wies auf Robert, der in Verlegenheit sich jetzt so schnell wie nur möglich heimlich zu entfernen suchte. Otto bemerkte seine Absicht. „ Robert," richtete er an ihn das Wort,„ du wirst doch nicht gehen wollen? Du mußt bleiben, um mir zu bezeugen Daß ich-" Aber Herr von Hohlen hörte im Angesicht der Polizei nichts mehr. „ Entschuldige, ich habe versprochen, um fünf Uhr wiede bei Pauli zu sein," stieß er hastig hervor, auch die Damen Elsa riß ihre Uhr heraus. „ Ja, wirklich, es ist die höchste Beit!" ,, Und ich muß pünktlich im Theater sein," fiel Graziella ein Kommen Sie!" Und beide suchten mit Robert so rasch als möglich da Weite. Otto fah ihnen nach und lachte bitter auf. ,, Hahaha, das ist ja luftig!" sprach er hinter ihnen drein Dann wandte er sich mit vor Wut bebenden Lippen bem Förster herum. ,, Willst du mich jetzt wohl loslassen, Vater?" sprach er fall brohend. Was soll die Komödie!" Loslassen?" wiederholte der Förster.„ Ja, sobald ander Hände dich faffen werden!" Damit winkte er dem Gendarm, der schnell näher trat. „ Herr," sprach der Förster zu demselben, ich habe Ihne versprochen, Ihnen den Mann zu überliefern! Hier ist er!" Der Gendarm ſah Otto in das Gesicht. ,, Wahrhaftig," rief er im nächsten Augenblick,„ das ist e der Deserteur! Und der Mensch ist dieses Mannes Sohn Ehrlicher Vater, aber ich muß meine Pflicht tun!" - Otto, der sich unter der Faust des Försters wand, um fid freizumachen, riß sich plößlich mit einer gewaltsamen An strengung los. ( Fortsetzung folgt.) Blatt darauf führer die V Maschine dre Lotomotivfüh einer defetten den Mitteilun den Eisenbah * Ma burg" landet serbillig an * Ma Vermögen d tragen die b recht 786 700 398 782 bort mehr als 10 bruch des B Verluste dur in Dortmun * Ma 161 Pferde flott. * Sin Maurergesell lateur Sin von Oberst flagepunkten geführt, daß lehung nur und sei da welche seit Untersuchung Fuß gefeßt. * Di allen Kriege Tommen von dem erhalte Veteranen darunter al der Stadt. * Fr den verstor Wahlkreise servative, Kandidaten fratischen M werden, we Mann ihre treter von In- und wurde hier Unterricht Vortrag hi „ Die Geisti bor allem fondere A denen ein Es folg, en finnigen u $ Bürgermei zum Ober neten wurd gabe von Tommen v * B ungnahme zialdemokr ftreben lei zustellen, für fünftig in die St der Sticht Stimme niffe liege beraler fei * 23 tes beabsic Zündware bierbei di lenanzünd Zollamter über Gr * b. Schor gliedern tag eine wende de fein lebba die bedent pricht fich Abhilfe, S wurde der Auswärti majoren mandeur auftragt Ernennun Gießen, Orten rau, Offenbach, Her a, Schlik und als erein Hanau ange er Verein in der mehr und mehr dem en. So fonnte im tein eingeweiht wer Wasserleitung ge durch Anbauten ver worden. Für wan Gedern, Schotten u Caubach und Lauter den. argebiet. bandstag des fud 3 findet am 3. unt plage ist im Streif Manche Gemeinder n Nager zum Teil en. Jebt fordert da bgeordneter Busold Daß der Kreis ener ge ergreift. ischen Delanatssyno Oppenheim haben be chen, bei der Re meinden in der Ver ößere Selbständigte on den Kreisämten ubt vielfach, die Re abgeneigt sein, d le Erleichterung fi nöber rückte geften 16, 168, Drag- Ngt gewehrtompagnie, 2 Fernfprechabteilung Westen vor, währen Drag.- Reg. Nr. 23 des Pionierbat. 25 Fernsprechabteilung den Feind erwartete cht zwischen der rota allerie mußte nad der blauen Part Die blaue Infanter eil die Infanterie de els sehr weit zurüd De bis auf die An Kurze Zeit griff aud fonnte sie nicht ver hen mußte. Die B ourz bezogen. Di Nr. 116 hatte in de Bech. Während ihb Einquartierung bie re angewiesen erbie Dem Weitermarsch in 1 Schafftalle, ein an Massenquartiere be elen. Bei ihrem Rid nien zwar diesmal i er lebhafter Unwill aserne ihre Mahlzei ordneten- Versammlung onach zur Beseitigung erung ersucht werden der Grenzen für die der die Einfuhr von waren hemmenden ge ezt. 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Um zu verhindern, daß der zur Zeit noch in Urlaub befindliche, aber am Montag seinen Dienst wieder antretende Beigeordnete Walter auf den Gang der Untersuchung der sanalaffäre und der gegen ihn wegen angeblich mißbräuchlicher Handhabung der Baupolizei eingeleitete Untersuchung irgendwelchen Einfluß auszuüben vermag, wurden ihm sowohl das Dezernat des Kanalbauamts, wie auch das der Baupolizei abgenommen. * Auz Rheinhessen. Infolge der hohen Fleischpreise ist in der Provinz der Fleischverbrauch seit 4 Wochen Durchschnittlich um 30 Prozent zurückgegangen. Zu daß der Viehnot fommt noch die bezeichnende Tatsache, viele Landwirte ihr verfaufsfähiges Mastvich in der Hoffnung auf weiteres Steigen der Viehpreise zurückhalten und so fünstlich die Schlachtviehnot vergrößern. * Mainz. Eine startbesuchte Protestversammlung nahm einstimmig eine Resolution gegen die Fleischverteuer ung und das persönliche Regiment an. * Worm 3. Vor einigen Tagen sind auf der Eisenbahnstrecke Worms- Gundheim durch Explosion der Maschine der Lokomotivführer und der Heizer schwer verwundet worden. Nun bringt die" Wormser Voltsz! itung", die bereits früher Enthüllungen über Mißstände bei der Eisenbahnin spektion Worms veröffentlichte, die Mitteilung, die betreff= ende Maschine sei seit längerer Zeit reparaturbedürftig gewesen, und bereits 3 mal feien die entsprechenden Einträge in das Reparaturbuch erfolgt, zuletzt noch unmittelbar vor dem Unfall, ohne daß die Aufsichtsbehörde die Reparatu ren vorgenommen hätte. Bei dieser Gelegenheit weist das Blatt darauf hin, daß vor furzem ein hiesiger Lokomotiv= führer die Verantwortung für eine Fahrt ablehnte, weil die Maschine drei lose Radreifen hatte, und daß ein anderer Lokomotivführer bestraft wurde, weil er sich weigerte, mit einer defetten Maschine zu fahren. Alle diese beunruhigen den Mitteilungen verlangen gebieterisch eine Erklärung durch den Eisenbahnminister. * Marburg. Der hier aufgestiegene Ballon Marburg" landete nach einer 12stündigen Fahrt glatt bei Wasserbillig an der Luremburgischen Grenze. * Marburg. In dem Kontursverfahren über das Vermögen des Bantgeschäfts Justus Wilhelm Berdur betragen die bis jetzt angemeldeten Forderungen ohne Vorrecht 786 700 Mt., wofür Deckung im Betrage von Mart 398 782 vorhanden ist. Die Gläubiger werden also taum mehr als 10 Prozent zu erwarten haben. Der Zusammenbruch des Banthauses ist dadurch gekommen, daß erhebliche Verluste durch den Zusammenbruch der Niederdeutschen Bant in Dortmund eingetreten sind. * Marburg. Auf dem Herbst- Pferdemarkt standen 161 Pferde und Fohlen zum Verkauf. Der Handel flott. ging * Limburg a. d. L. Die Straffammer sprach die Maurergesellen Pfeiffer und Becker sowie den Stutfateur Simon, welche des Mordes an dem Müller Fey von Obershausen beschuldigt waren, von sämtlichen An- flagepunkten frei. Bei Begründung des Urteils wurde ausgeführt, daß die an der Leiche vorgefundene einzige Verlehung nur von einem Schlage oder Falle herrühren konnte und sei das letztere anzunehmen. Sämtliche Angeklagten, welche seit Juni erst in Weilburg, dann in Limburg Untersuchungshaft gesessen hatten, wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. in * Dillenburg. Die Stadtverordneten gewährten allen Kriegsveteranen von dem Jahre 1848 an, mit EinTommen von 900 Mt. und darunter Steuerfreiheit. Außerbem erhalten alle gegenwärtig in Dillenburg wohnhaften Veteranen mit einem Jahreseinkommen von 1200 Mart und darunter alljährlich am Sedantage eine Ehrengabe seitens der Stadt. * Frankfurt a. O. Die Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen nationalliberalen Abgeordneten Detto im Wahlkreise Frankfurt a. D.- Lebus findet heute statt. Konservative, Nasibnalliberale und Sozialdemokraten haben Kandidaten aufgestellt. Die Möglichkeit eines sozialdemo= kratischen Wahlsieges ist vorhanden; er kann nur verhindert werden, wenn alle bürgerlichen Wähler bis auf den letzten Mann ihre Schuldigkeit tun. * Wiesbaden. In Gegenwart zahlreicher Vertreter von deutschen Städten, der Kinderfürsorgevereine des In- und Auslandes, der Schul- und Geistlichen- Behörden wurde hier die 13. Konferenz des Vereins für Erziehung, Unterricht und Pflege Geistesschwacher eröffnet. Den ersten Vortrag hielt Dr. Melzer aus Waldheim über das Thema „ Die Geistigminderwertigen im Strafvollzug". Er forderte vor allem zur Errichtung des allgemeinen Strafvollzugs besondere Anstalten zur Unterbringung Geistigschwacher, in denen ein milderes Regime als in Strafanstalten herrscht. Es folg, en. Vorträge über den Anfangsunterricht der Schwachsinnigen und über die Idiotenschule in Ungarn. * Höchst a. M. Die Stadtverordneten wählten den Bürgermeister von Neutreptow bei Stettin, Dr. Janke, zum Oberhaupt der Stadt. * Weilburg. In der Situng der Stadtverordneten wurde beschlossen, jedem Veteran eine einmalige Ehrengabe von 30 Mt. zu gewähren und zwar bis zu einem Einfommen von 1500 Mt. Aus aller Welt. * Berlin. Der„ Vorwärts" schreibt über die Stellungnahme der Sozialdemokratie bei Stichwahlen: Die Sozialdemokratie kann sich bei Wahlen stets nur von dem Bestreben leiten lassen, in jedem Wahlkreise Kandidaten aufzustellen, um den Kreis entweder sofort zu erobern oder für fünftige Eroberungen vorzubereiten. Kommen wir nicht in die Stichwahl, dann haben wir zu entscheiden, welchem der Stichwahlkandidaten wir als dem kleineren Uebel unsere Stimme geben wollen. Das wird, wie jetzt die Verhält= nisse liegen, voraussichtlich in den meisten Fällen ein Liberaler sein. * Berlin. Auf Trängen des Zündwarensyndikates beabsichtigt das Reichsschabamt Anzünder aller Art dem Zündwarensteuergesetz zu unterstellen. In Frage lommen hierbei die bekannten Taschenfeuerzeuge, Herdanzünder, Pillenanzünder und andere Sorten. Von Seiten der Hauptzollämter werden bereits bei der beteiligten Industrie hierüber Erkundigungen eingeholt. feine * Berlin. Der preußische Landwirtschaftsminister v. Schorlemer erklärte der Deputation von Vorstandsmitgliedern des deutschen Fleischerverbandes, die ihm am Diensfag eine Dentschrift über die Fleisch not vorlegte, er wende der Teuerungsfrage sowie Heren möglichen Lösung sein lebhaftestes Interesse zu. Herr von Schorlemer erkannte die bedenkliche Höhe der gegenwärtigen Viehpreise an, berspricht sich indessen von einer Oeffnung der Grenzen Abhilfe, da eben auch im Auslande Teuerung herrscht. * Berlin. Zum deutschen Gesandten in Chile wurde der bisherige Legationsrat und vortragende Rat im Auswärtigen Amte, v. Erfert, ernannt. Zu General= majoren wurden befördert die Obersten v. Derzen, Kommandeur der 25. Kavalleriebrigade( Gr. Hess.), Riedel, beauftragt mit der Führung der 41. Infanteriebrigade unter Ernennung zum Kommandeur dieser Brigade. * Siegen. Hier tagte die chriftlich- soziale Partei. Die Abgg. Dr. Burckhardt und Behrens legten Rechen schaftsberichte ab. Stadtverordneter Rippel sprach über die nächstjährige Reichstagswahl. Er ist der Ansicht, daß sich die christlich- soziale Partei zu Vorspanndiensten der Liberalen nicht mehr gebrauchen lassen dürfte. Namentlich für den Linksliberalismus tönne sich die Partei nicht mehr erwärmen, da man einen Unterschied zwischen der Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokratie kaum mehr feststellen fänne. Die Partei soll darauf halten, daß sie ihre Minderheit den anderen Parteien nicht tostenlos zur Verfügung stelle und bindende Erklärungen nicht eher abgebe, als bis die Meinung der obersten Parteileitung eingeholt worden ist. * Saarbrücken. In der Stadtverordnetenversammlung wurde beschlossen, den Veteranen, welche ein Einfommen bis zu 1200 Mart haben, eine Ehrengabe von 20 M. zu bewilligen. * Mannheim. Hier wurde eine Gartenstadt- Ausstellung eröffnet. Die Ausstellung setzt sich zusammen aus Plänen, Grundrissen, Profilen und Modellen, die teils bestehende, teils geplante Gartenstädte darstellen. Aufgestellte Tabellen dienen statistischen Zwecken. * Mergentheim a. d. T. Der württembergische Minister des Innern v. Pischet bezeichnete auf dem landw. Gauseste in Mergentheim als einzige Abhilfe gegen die Fleischteuerung die Vermehrung des heimischen Viehbestandes durch die deutschen Landwirte. * Danzig. Der deutsche Juristentag in Danzig beschäftigte sich eingehend mit der Frage der Todesstrafe, die eine Minderheit ganz aus dem Strafgesetzbuch ausgeschlos= sen zu sehen wünschte, während die Mehrheit ihre Beibehaltung forderte. Die Mehrheit vertrat den Standpunkt, daß die Todesstrafe im deutschen Reiche jetzt nur noch außerordentlich selten vollzogen würde; wenn sie aber ver= hängt würde, so geschähe es in so schweren Fällen, für die es keine andere Sühne gäbe als die Hinrichtung. Nach einer Verhandlung über die Gefängnisstrafen wurde der Antrag auf Beseitigung der Todesstrafe abgelehnt. = * Halle a. d. S. Die Stadtverordnetenversamm lung von Halle hat beschlossen, die Regierung zu ersuchen, die Grenzsperre für Jung- und Schlachtvieh aufzuheben und Versicherung gegen Seuchengefahr oder sonstige Maßnahmen zur Erleichterung der Fleischeinfuhr zu treffen. * Wien. Zur Bekämpfung der Fleischnot beschloß das österreichische Ministerium des Innern im Einverneh men mit dem Ackerbauministerium, eine Kommission zum Studium der Frage der Einfuhr argentinischen Fleisches zu entsenden. Die Kommission wird bereits mit der nächften Schiffsgelegenheit die Reise nach Argentinien antreten. Und Deutschland? )( Der große Herbstpreis wurde in Essen am Sonntag von Jean Böschlin auf Brennabor gewonnen, in Hannover gingen Wegener- Stabe im Tandemrennen als erstes Paar auf derselben Marte über das Zielband. )( Das Goldene Rad von Straßburg i. EI., ein 15., 20. und 35 Kilometer- Rennen, gewann C. Simar am Sonntag, während E. Rohmer sowohl im Hauptfahren wie auch im Punttefahren und Verfolgungsfahren als Erster über das Zielband ging. Simar und Rohmer fahren Brennabor. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. aufGießen, 13. Sept. 1910. Der Händler Lazarus Lamm von Hom berg a. O. befam wegen Uebertretung des Gewerbesteuergesebes zwei Strafbescheide durch das Finanzamt in Höhe von je 15 Mr., weil er in den zwei letzten Jahren den Gewerbetrieb im Umherziehen ausgeübt hat, ohne im Besitz eines Wandergewerbescheines zu schein. Die vorenthaltene Stempelsteuer sollte er nachentrichten. Er trug richterliche Entscheidung an, da er nur auf vorherige Bestellung die Kunden gesucht habe. Er legte ein Notizbuch vor, in welchem sich eine Anzahl Leute eingetragen hatten, wovon es sich aber herausstellte, daß ein Teil derselben überhaupt nicht ge wußt hat, was sie unterschreiben. Bei anderen hat er die Aeußerung getan, es solle unterschrieben werden, damit er wiederkommen dürfe. Das Schöffengericht nahm an, daß dies keine vorherige Bestellungen seien, da man überhaupt auch noch nicht wisse, ob die Unterschriften auch echt seien. Es verurteilte deshalb den Angeklagten zu den in den Strasbescheiden angesetzten Strafen, wogegen der Angeklagte Berufung einlegte. Die Straffammer hielt die Sache nicht für aufgeflärt genug, weshalb Vertagung erfolgte. Ebenfalls vertagt wurde die Sache der Frau des Wächters Rehme in Trohe gegen einen Gießener Rechtsanwalt wegen Beleidigung. Der Beklagte hatte der Frau in einer Verteidigungsrede den Vorwurf des Ehebruchs gemacht, weshalb sie flagte, es erfolgte aber auf Grund des§ 193 Freisprechung, da der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat. Er soll aber die Aeußerung, während das Gericht Beratung abhielt, wiederholt haben, weshalb die Revisionsinstanz das von der Straffammer bestä tigte Urteil insoweit aushob und an die Straffammer zu rückverwies. Es haben schon mehrere Termine stattgefunden, die Sache liegt aber noch nicht klar, weshalb zu weiteren Beweiserhebungen Vertagung erfolgen mußte. Literarisches. ge= Die Scholle 1911 erscheint zum erstenmal als hessischer Volkskalender. Das ist doch wieder einmal ein echter Kalender, gut und interessant ausgestattet, mit Liebe und Verständnis ausgewählt, stattlich und schön anzusehen. Wie das Aeußere, so ist auch der Inhalt: gesund u. frisch, fest im Boden der Gegenwart wurzelnd, im Gegensatz zu dem vielen Minderwertigen, das alljährlich ins Volt worfen wird. Der Jahrgang 1911 bringt Beiträge von A. Korell, Dr. Strecker, Dr. Fischer, A. de Nora, Jung, Bumann, Loos u. a. m. und wird sich sicherlich viel Freunde gewinnen. Die Bedeutung der Heizung unserer Wohnräume für die Gesundheit. Wir müssen den größten Teil des Jahres in geheizten Räumen zubrin gen und deshalb ist die Heizungsfrage für uns eine sehr schon den Römern be wichtige. Die Zentralheizung fannt ist dabei nicht nur die bequemste, sparsamste, sondern was die Hauptsache ist auch der Gesundheit am zuträglichsten, sie ist ideal, wenn sie uns unentbehrliche frische Luft ganz rein und mit nötigem Feuchtigkeitsgehalt angewärmt in den Raum führt. Der bekannte Kgl. BrunnenKopfschmerzen- Migräne. Dieses sind Zeichen von Magen- und Leberstärungen, wodurch das Blut mit Harn- und Gallensäure überfüllt. Das zuverläßinite Mittel ist Dr. Wegener's Thee, wodurch eine normale Verdauung und Leberfunktion hergestellt wird und das Blut gereinigt. Dr. Wegener's Thee, das beste Hausmittel, sollte in teiner Familie fehlen. ( 91) Preis Mt. 1,50, in Apotheken erhältlich. Wo nicht vorrätig, wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 55. arzt Dr. Scheibe behandelt in der uns vorliegenden Schrift Die Zentralluftheizung für das Einfamilienhaus". Eine hygienische und Praftische Untersuchung( Preis 60 Pfg. Westdeutsche Verlagsgesellschaft, Wiesbaden) alle diese Fragen in leichtverständlicher Form. Wer über Mängel der Heizung flagen muß oder eine neue Anlage beabsichtigt, wird dafür Interesse haben. ver= - Vermögen erwerben- Geld dienen. Eine Zusammenstellung von 300 Erwerbsmöglichkeiten in Stadt und Land mit und ohne Kapital. Von 2. Frieden- Gould. 8.- 10. Auflage. Preis 2 Mark( Porto 20 Pig.) Verlag Emil Abigt, Wiesbaden. Wenn wir auch nicht alle die Vorschläge und Winte gutheißen fönnen, so bietet das Buch doch eine große Menge wertvoller Anregungen, die jedermann ohne große Mühe in bare Münze umsetzen kann. Tuberkulose im Kindesalter! Gibt es etwas Schrecklicheres für Eltern, als den Gedanken, daß ihr Liebstes diesem furchtbaren Feinde des Menschengeschlechts ausgeliefert werden könnte, vielleicht gar davon ergriffen ist? Daher wird jede Mutter und jeder Vater erfreut sein, daß ein Fachmann einen höchst belehrenden Artikel über dieses stets aktuelle Thema verfaßt und sowohl Vorbeugungs- wie Heilmittel dazu angibt. Der lesenswerte Artikel ist in der neuesten Nummer der in dieser Art einzig dastehenden Monatsschrift Kindergarderobe", Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57 zu finden. Dieses billigste und großartig redigierte Blatt bietet in jeder Nummer vielfältige Beschäftigung und Unterhaltung der Kleinen sowie Belehrung der Mütter auf allen Gebieten bis zur Selbstanfertigung von Kinderkleidern. Abonnements auf„ Kindergarderobe" zu 60 Pfg. pro Quartal bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. Gratisprobenummern durch erstere und den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57. Die Fensterpromenade der Königin. Im„ Buch für Alle" lesen wir folgenden hübschen Zug der Königin von Holland. Seit mehreren Jahren lebt im Haag ganz zurückgezogen der General Bergansius, der sich als holländischer Kriegsminister sehr verdient gemacht hat. Der Schlag hat ihn getroffen, er ist rechtsseitig gelähmt und hat die Sprache verloren. Deshalb verlebt der einst Vielbeschäftigte traurige, eintönige Tage. Seine Hauptzerstreuung besteht darin, von seinem Sessel aus durch das Erkersenster die Vorgänge zu beobachten, die sich in der abgelegenen Straße, in der sein Haus steht, abspielen. Man hatte auch der Königin Wilhelmine, als sie sich nach dem General er fundigte, diesen Sachverhalt erzählt, und seither fährt sie jeden Tag durch die abgelegene Straße. Der Kutscher hat Befehl, bei dem Hause des Generals langsam vorüberzu fahren. Nie verfehlt sie, zu dem Erkerfenster hinaufzugrüßen. Vor furzem ließ sie nun dem General Bergansius melden, er möge heute ja nicht versäumen, zur gewohnten Stunde am Fenster zu sein. Voll Spannung erwartete der alte Herr den Wagen der Königin, der pünktlich im Schritt angefahren tam. Die Königin hatte die kleine Prinzessin Juliana auf dem Schoße und ließ sie mit den kleinen Händchen zu dem alten Soldaten hinaufgrüßen. Arena. Oktav- Ausgabe von„ Ueber Land und Meer". Von dieser trefflichen illustrierten, von Dr. Rudolf Presber herausgegebenen und bei der Deutschen VerlagsAnstalt in Stutgart erscheinenden Zeitschrift liegt uns das 12. Hefs bor. Aus der Fülle des Inhaltes dieses Heftes ermonen wir die Essays(„ Wien" von Karl Fr. Nowak, " Hausmusit" von Prof. Ernst Eduard Taubert, Daa Ge heimnis des Erfolges" von Paul Westheim,„ KöniginnenLeid" von Ernst Boerschel,„ Landpartien unserer Voreltern" von Hans Ostwald," Deutsche Flieder" von A. Wienholdt, Natürlichkeit" von Ostar A. H. Schmit. Unter den novelristischen Artikeln heben wir die reizvolle Plauderei von B. Kellermann hervor: Im Reiche der aufgehenden Sonne" und die spannende Novelle" Der Wahn" von A. Kuprin. Eine Reihe prächtiger Reproduktionen nach schönen Gemäl den sind dem 12." Arena"-Heft ats Einschaltbilder begegeben, und als Umschlag ziert es das noch wenig bekannte Lenbach'sche Bild:" Rumänierin". - Pastille gege Grille". Unter diesem Titel erschien soeben im Verlage von H. 2. Schlapp in Darmstadt eine Sammlung von 12 Geschichten und 30 Gedichten aus der Feder des bestens bekannten Wiesbadener Schriftstellers Karl Heinz Hill. Zur Charakterisierung der Neuerscheinung braucht man nur wenige Zeilen des Vor= wories zu zitieren: Gott grüß die Kunst, un Euch, Ihr Liebe Leut, Wie geht's Euch dann? Es is schee Wetter heut', Was? Wie? Ihr meint, ich glaub ich hör net recht, Die Zeit wär ewe miserawel schlecht? Des Geld wär rar, die Steuern wärn gar groß zu lewe wär e traurig Los?" Un best doch so Sache net, bedenkt emal, Schwetzt In hunnert Jahr is uns des all egal. Auch unsereiner hat ja schwer sei Last, Man bringt's fast taum noch auf en grüne Ast. Troß alledem verliern mer net de Mut, Dann unser Adern füllt e lustig Blut, Un unser Lieder fließe flar und hell, Als wie des Wasser aus dem Wiesequell. Als besonderer Vorzug der„ Bastille gege Grille" ist zu erwähnen, daß sich die Geschichten sowohl wie die Gedichte durchweg vorzüglich zum Vortrag eignen, indem sie durch ihre Kürze und die sein herausgearbeiteten Pointen jedem Der Vortragenden einen durchschlagenden Erfolg sichern. schön ausgestattete 180 Seiten starte und mit 3 ganzseitigen Bildern geschmückte Band ist durch alle Buchhandlungen zum Preise von Mt. 2. zu beziehen. Die Standorte des deutschen Reich 3- heeres mit Armee- Einteilung und Verzeichnis der Regimenter nach dem Stande vom 1. Oftober 1910. Preis 20 Pfennig. Leipzig, F. A. Berger. Das Heftchen enthält alle am 1. Oftober 1910 eingetretenen Veränderungen. No 3½- 3½ Pip SALEM ALEIK Echte Salem Moods Hick Orientalische Tabak Cigaretten Fabrik Tababer Hat Zidz DRESDEN Aleikum Cigaretten. 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