fabrik iser- WilheimPassage. shaus tr.129. rgültigen J. chster bis dungen. Hüte er Wolle. ickanleitungen stüme, Jackets, ost zu stricken. rant! ch praktisch ssisten und na- Bahrenfeld ee fg. äft Hessen. Verkauf Gießener Zeitung Bezugspreis 40 pfg. monatlich - ( Neueste Nachrichten) vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mr., durch die Post 1,50 Mt. frei ins Haus. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Zwei Extrabeilagen: „ Humoristische Blätter" und die„ Neue Lesehalle", Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 302. Nr. 40. - - Enthält alle amfl. Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Berlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein). Dienstag, 8. März 1910 ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis: 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklame teil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362. Amtliche Bekanntmachungen. Nachdem ich zum Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen und Kreisrat des Kreises Gießen ernannt worden bin, habe ich die Dienstgeschäfte heute übernommen. Gießen, den 4. März 1910. Vergebung von Bauarbeiten. Die für die Erbauung eines Schulhauses in Steinbach nebft Abortgebäude und Einfriedigung, sowie für die Verlängerung des Kanals in der Kirchstraße erforderlichen Arbeiten und Lieferungen wie: Erd: und Maurer, Steinmetz:( Lungstein), Zimmer:, Dachdecker, pengler:, Schloffer:, Glafer:, Schreiner, Weißbinder:, Tapezier: u. Kaualarbeiten, die Blizableiteranlage, Eisen-, Röhren: und Zementlieferung follen im Wege öffentlichen Angebotes vergeben werden. Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten, Zimmer Nr. 18, während der Dienst funden zur Einsicht offen. Angebote mit entsprechender Aufschrift versehen, sind verschlossen und poftfrei bis spätestens Freitag, den 18. März 1910, nachm. 1, Uhr auf Großh. Bürgermeisterei Steinbach einzureichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt. Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt vorbehalten. Gießen, den 5. März 1910. Der Gr. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. J. V.: Knöll. Arbeitsvergebung. Die zur Erweiterung der Schlachthofanlage erforder= lichen Verpuß- und Anstreicherarbeiten( 5 Lose) sollen Samstag, den 12. März d. J., vormittags 10 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin an uns einzu reichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. - Gießen, 4. März 1910. Städt. Hochbauamt. Gerbel. Freiherr Heyl zu Herrnsheim über die Finanzlage in Hessen. Am 30. Januar hat in Dorn- Dürkheim eine nationalliberale Versammlung stattgefunden, in der auch der seit 35 Jahren den Kreis parlamentarisch vertretende Reichstagsabgeordnete Freiherr Heyl zu Herrnsheim das Wort nahm. Wir entnehmen der Rede folgende Stellen: En aller Art erhöhe, so werde damit das ursprüngliche Verhältnis zwiund Herren. fair Midden und Anaben Hen Breifen Koch, germeister. Krenzplat d wax alier rhältlich 6 „ Es sei bedauert worden, auch in einem Artikel des Abgeordneten Dr. Winkler in der„ Wormser Zeitung", daß Sie Erste Kammer einer Erhöhung der Vermögenssteuer nicht ohne Weiteres zugestimmt habe. Der Standpunkt des Finanzausschusses der Ersten Kammer sei aber zunächst der gewesen, nicht mehr Steuern zu bewilligen als unbedingt notwendig seien.( Zustimmung.) Die Vermögenssteuer sei außerdem erst vor einigen Jahren um über 40 Prozent erhöht worden. Wenn man jetzt die Vermögenssteuer unberührt lasse, und nur die Einkommensteuer um 10 Prozent schen Vermögens- und Einkommensteuer wieder hergestellt, und der Charakter der Vermögenssteuer als ErgänzungsSteuer für das fundierte Einkommen bleibe gewahrt. Der Vorschlag des Finanzausschusses der ersten Kammer, die Einkommensteuer um 10 Prozent zu erhöhen, könne für sich allein das Defizit nicht beseitigen und man habe sich auch bereit erklärt, wenn durch Ersparnisse der Rest nicht gedeckt werden könne, in die Erhöhung der Vermögenssteuer einzuwilligen. Wenn man den Mitgliedern der Ersten Kammer in der gegnerischen Presse vorgeworfen habe, sie seien im eignen Interesse gegen die Erhöhung der Vermögenssteuer eingetreten, so sei diese Behauptung unwahr. Denn durch die Progression, die es bei der Einkommensteuer, aber nicht bei der Vermögenssteuer gäbe, würden die groBen Vermögen, wie sie in der Ersten Kammer ja vertreten Dr. Usinger. Bekanntmachung. In der Zeit vom 30. März bis 20. April d. Js. sollen auf verschiedenen Kreisstraßenstrecken im Kreise Gießen für Landwirte 2c. unentgeltliche Kurse über nachstehende Gegenstände der Obstbaumpflege unter Leitung des Kreisobstbautechnikers Heberer stattfinden. 1. Vorbereitung der Baumgruben, 2. Pflanzen der Bäume und Wahl der Sorten hinsichtlich der Lage und Bodenverhältnisse, 3. Baumschmitt an jungen Bäumen und Ausäften älterer Bäume, 4. Baumscheiben und Bewässerung, 5. Reinigen und Kallen, 6. Bekämpfung der Schädlinge und Krankheiten. Interessenten wollen sich bis zum 20. März ds. Js. bei dem Großh. Areisbauinspektor des Kreises Gießen schriftlich oder mündlich anmelden. Ort und Verteilung der Kurse richten sich nach den einlaufenden Meldungen. Gießen, am 2. März 1910. Großh. Kreisamt Gießen. J. V. gez.: Welder. Vergebung von Chausfierarbeiten. Die Chauffierarbeiten für den Ausbau der Straßen in dem Gebiet zwischen Mittelweg und den veter. med. Instituten sollen Montag, den 14. d. Mts., vorm. 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschiossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 7. März 1910. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. seien, wesentlich härter durch eine Verschärfung der Progression in der Einkommensteuer, als durch einen Zuschlag in der Vermögenssteuer getroffen. Mit Rücksicht auf die oben angeführten Mißstände, die sich bei der Besteuerung namentlich des landwirtschaftlichen Grund und Bodens nach dem gemeinen Werte gezeigt hätten, habe man gefordert, daß mit Erhöhung der Vermögenssteuer eine Aenderung des Gesetzes im Sinne der preußischen Bestimmungen Hand in Hand zu gehen habe. In Preußen werde nämlich nicht nur der gemeine Wert, sondern auch der Ertrag ins Auge gefaßt und aus beiden zusammen der Steuerwert bestimmt. Diese Anordnung ermögliche namentlich auch eine bessere Reklamation gegen zu hohe Schäßungen, die heute nahezu aussichtslos sei." Weiterhin sagte Freiherr Heyl zu Herrnsheim: " Die Reichsfinanzreform 1909 hat aber für die Bundesstaaten eine wesentliche Erleichterung ihrer Finanzver hältnisse gebracht, die sich für Hessen auf über 4 Millionen Mark beziffert. Ohne die Reichsfinanzreform wären wir nicht in der Lage gewesen, das Budget 1910 zu balanzieren, oder die Steuererhöhungen hätten noch wesentlich verschärft werden müssen. Durch alle diese Maßnahmen ist es möglich gewesen, das Defizit von 5 Millionen Mark auf nahezu 1 Million zu reduzieren, die Steuerzahler also um 4 Mill. Mark zu entlasten und die starke Mehrforderung von Prozent Einkommensteuer und 46 Prozent Vermögenssteuer auf 30 Prozent Einkommensteuer zu vermindern. Es darf hier der Hoffnung Ausdruckt gegeben werden, daß auch die Zweite Kammer sich den Vorschlägen gegenüber entgegen- fommend zeigen wird, sollten sich hie und da Mehrforder= ungen herausstellen, so können diese nur ganz geringfügig sein. 30 Diese Entlastung der Steuerzahler von nahezu 4 Mill. Mart hat dazu geführt, daß der Finanzminister Gnauth um seine Entlassung eingefommen ist. Es besteht kein Zweifel darüber, daß dieser Finanzminister ein durchaus fähiger 21. Jahrg. Bekanntmachung die Bedienung der Rückstauverschlüsse betreffend. Unter Hinweis auf§ 18 Absatz 2 der Polizeiverordnung vom 1. August 1904, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städt. Kanalisation betreffend, welchen wir nachstehend zum Abdruck bringen, machen wir diejenigen Hausbesitzer, welche ihre Grundstücke an die Neufanalisation bereits angeschlossen haben, darauf aufmerksam, daß vom 14. bis einschließlich 26. März 1910, eine Spülung sämtlicher städt. Straßentanäle vorgenommen wird. Gießen, den 7. März 1910. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Der Eigentümer hat für den ordnungsmäßigen Zustand und die richtige Handhabung des Verschlusses Sorge zu tragen und ist allein für alle, durch etwaigen Rückstau des Sielwasser hervorgerufene Schäden verantwortlich. Die Verschlüsse sind so anzubringen, daß sie jeder Zeit, auch bei Rüdftau zugänglich sind und bequem gehandhabt werden tönnen. Bekanntmachung. Vom 1. April 1910 bis dahin 1911 hat die Kamin reinigung auszuführen: Kaminfeger Keil in dem südöstlich der Straße von Frankfurt nach Marburg belegenen Stadtteil; Kaminfeger 3 wo es ch in dem nordwestlich dieser Straße belegenen Stadtteil. Gießen, den 2. März 1910. Großh. Bürgermeisterei Gießen. J. B.: Keller. Arbeits- Vergebung. Die Herstellung von Kabel gräben und die Stellung von Hilfsarbeitern für das Betriebsjahr 1910 soll öffentlich vergeben werden. Die Bedingungen sind während der Dienststunden in dem Amtszimmer der unterzeichneten Verwaltung, Westanlage 51, einzusehen. Angebote, unter Benußung der dortselbst erhältlichen Vordrucke, sind bis zum Dienstag, den 15. d3. Mts., nachmittags 3 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, an genannter Stelle einzureichen. Gießen, den 8. März 1910. Elektrizitätswert und Straßenbahn der Stadt Gießen Stolte. Verdingung. Die für die Kabelverlegungen erforderlichen Lieferumgen an durchgeworfenem 2 ahnties und hartgebrannten Ringofensteinen sollen öffentlich vergeben werden. Die Bedingungen sind während der Dienststunden in dem Amtszimmer der unterzeichneten Verwaltung, Westanlage 51, einzusehen. Angebote unter Benußung der daselbst erhältlichen Vordrucke sind bis zum Dienstag, den 15. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, an genannter Stelle einzureichen. Gießen, den 8. März 1910. Elektrizitätswert und Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolte. | Kopf und ein intakter Charakter gewesen ist, aber es muß doch auch darauf hingewiesen werden, daß seine politische Haltung nicht mit derjenigen des größten Teiles der Bevölkerung übereinstimmte. Diese Tatsachen haben seinen Sturz herbeigeführt und nicht, wie man von gewisser Seite behauptet, persönliche Gegnerschaft." Hessischer Landtag. Die Zweite Kammer sette am Montag ihre Beratungen fort. Kapitel 8( Saline, Badeanstalt und Tiefbauamt BadNauheim) und Kapitel 9( Samenflenganstalt in Gammelsbach) des Voranschlags werden einstimmig bewilligt. Stapitel 10( Staatseisenbahnen und Antrag des Abg. Raab). Abg. Raab hat seine Forderung für Wohnungsgeldzuschuß für die ehemaligen Beamten der Main- Neckarbahn auf Mt. 6000 ermäßigt. Er befürwortet den Antrag, da die Beamten ein Recht auf diesen Zuschuß hätten. Dem Antrage wird von Ministerialrat Süffert widersprochen. Finanzminister Dr. Braun stellte im Laufe der Diskussion eine mägliche Revision des Eisenbahnvertrages in Aussicht. Die Debatte beschäftigt sich dann mit verschiedenen Nebenbahnprojekten. Lokales. Gießen, 8. März 1910. * Vom Hofe. Am Samstag und Sonntag begaben sich die Großherzoglichen Herrschaften nach Frankfurt und wohnten dem Preisreiten im Hippodrom bei. * Der Fürst zu Solms Lich reiste am Samstag abend nach Berlin. ** Ernannt wurden vom Großherzog am 5. März der außerordentliche Professor an der Universität Heidelberg Dr. med. und phil. Rudolf Otto Neumann zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Landesuniversität, insbesondere für das Fach der Hygiene und zum Direktor des hygienischen Institutes, mit Wirtung vom 1. April 1910 und der Regierungsassessor Dr. Ernst Goertz aus Friedberg zum Feldbereinigungskommissär mit dem Amtstitel„ Kreisamtmann". ** Bestätigt wurde am 2. März der von dem Prinzen Friedrich zu Solms Braunfels als Vormund des minderjährigen Fürsten Georg zu Solms- Braunfels auf die erledigte erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Griede i präsentierte Lehrer Heinrich I ung daselbst für diese Stelle. vorParlamentarisches. Am Samstag mittag fand die erste Sitzung des Sonderausschusses der Ersten Kammer zur Beratung der Wahlrechtsvorlage statt. Am Nachmittag tagte unter dem Vorsitze des Fürsten Leiningen, der Gesezgebungsausschuß und erledigte nach den Beschlüssen der zweiten Kammer die Novellen zum Urkundenstempelgesetz und zu dem Kosten und Notariatsgesetz, sowie den Gesetzentwurf über die Billett steuer. ** urgerunten. Der Einjährige S, der sich seit mehreren Tagen vom hiesigen Regimen: entfernt hatte, wurde heute vormittag om Forstware im Leichgesterner Wald erhängt aufgefunden. Die Teilnahme mit den betrübien Eltern ist allgemein. *)(* Städt. Abgaben. Die Ergebnisse der Besizwechselsteuer liegen nun für das Jahr 1908-1909 vor. Danach betrugen die Einnahmen 34 567 Mr., denen an Hevegebühren eine Ausgabe von 1038. Mil. gegenüber liegt. Die Hundesteuer ergab eine Einnahme von 8810 Mr." Wir sind leider noch nicht in der Lage, die Erträgnisse der neuen Wertzuwachssteuer mitzuteilen, da hierfür noch die Abrechnung fehlt. 702** Stadtverordneten Versammlung. Die Tagesordnung für die nächste Sizung am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, ist folgende: 1. Mitteilungen.. 2. Baugesuch Hermann Bender für Bleichstraße 3. 3. Baugefuch Jakob Heilbronner für Rittergasse 7. 4. Gesuch von P. Christophersen um Belassung eines Erters am Hause Friedrichstraße 7. 5. Baugesuch des Eisvereins. 6. Wiederherstellung von Straßen im Jahre 1910. 7. Herstellung eines Verbindungsweges zwischen Ebel- und Stephanstraße.- 8. Herstellung von Anschlüssen an das elettrische Kabelnet. 9. Zusatz zur Polizeiverordnung vom 2. März 1901 zum Schuße der Bürgersteige. 10. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 11. Bebauungsplan für die Schwarzlach und das Gartfeld. 12. Plalatsäule am Ludwigsplay. 13. Das Schulgeld der höh= eren Lehranstalten. 14. Die Rechnung des Realgymnasiums und der Oberrealschule für 1908. 15. Elektrische Einrichtung im Realgymnasium. 16. Beschaffung von Schulbänken. 17. Errichtung neuer Lehrerstellen an den Volksschulen. 18. Verpachtung von Kellern im Schul= haus an der Westanlage.- 19. Definitive Besetzung von Lehrerſtellen. 20. Neufest se bung der Schulferien. 21. Gesuch des Feldschüßen Wenzel um Versetzung in den Ruhestand. 22. Gesuch Friedrich Weber um Erlaubnis zum Betriebe einer Gast- und Schankwirtschaft im Hause Tiefenweg 4. 23. Desgl. Karl Hart= mann für Frankfurterstraße 62. 24. Desgl. Valentin Lotz zum Schantwirtschaftsbetriebe im Hause Ludwigs= play 15.- 25. Desgl. Theodor Bäulke für Ludwigsstraße 55. 26. Desgl. Wilhelm Bolte für Wolfstraße 9. – 27. Desgl. August Rath für Neuenbäue 22. Dre * Konzertverein Gießen. Hatte der letzte Konzert- Abend mit der 9. Symphonie Beethovens und der sich auf derselben aufbauenden 2. Symphonie Brahms' der klassischen Richtung der Musik ge= golten, so war das Konzert am Sonntag in erster Linic ihrer Sturm- und Drangzeit, der Romantik gewidmet. Wenn auch dieser Stoff gegen den vorigen etwas zurücktreten mußte, so war nichtsdestoweniger der Besuch ein äußerst guter, jedenfalls ein schöner Beweis für das Kunstverständnis unserer gesellschaftlichen Kreise, welche neben Beethoven auch Schumann, Schubert und Mendelssohn- Bartholdy zu würdigen wissen. Auf dem Programm war außerdem ein Anhänger und Versechter der pikanten, graziösen, französischen Musit, Freiherr von Flotow, vertreten, dessen letzter Aufenthaltsort bis zu seinem Tode im Jahre 1883 befanntlich Darmstadt war und der darum mit seiner Musil namentlich den älteren Bürgern Gießens fein Unbekannter geblieben ist. Als Solisten hatte der Konzert= Verein diesmahl Kühl born- Berlin für Tenor und die in Gießen längst nicht mehr unbekannten Herren Ad. Rebne r- Frankfurt a. M. für Violine und Johannes Heg a v= Frankfurt a. M. für Violoncell gewonnen, während Herr Prof. Trautmann wie schon früher den Klavierpart übernommen hatte. Herr Kühlborn war leider indisponiert, aus welchem Grunde um so mehr sein Bemühen Anerkennung verdienen mußte, so gut wie möglich der Heiserkeit Herr zu werden. Er ist nichtsdestoweniger, so weit sich dies erkennen ließ, ein sehr geschulter Sänger und der ihm vom Publikum gespendete Beifall war ein verdienter. Bei der Wiedergabe des Schubert'schen Trios in Es- dur für Klavier, Violine und Violoncell fiel besonders am Anfang das stimmungsvolle Spiel des leßtgenannten Instrumentes auf, das so recht in der Fülle seiner Klang schönheiten zu dem Herzen sprach. Der Schluß trug mit Recht allen Spielern den gleichen Beifall ein, denn die drei Vortragenden konnten inbezug auf die Kraft ihres Ausdrucks und die natürliche Anmut ihres Spiess mit einander wetteifern. Den Glanzpunkt bildete unstreitig der letzte Teil des Programms, ein Trio in C- moll von Mendelssohn- Bartholdy, dessen Wiedergabe eine vollendete Kunstleistung genannt werden muß. Denn hier entfalteten alle drei Instrumente eine Klangfülle und Klangschönheit, welche geradezu einzig in ihrer Art war. Alles in allem darf der Konzertabend des KonzertVereins als sehr gut gelungen bezeichnet werden. Bei vielen Zuhörern wird aber wieder von neuem der Wunsch- aufgelebt sein, daß der Verein seine Konzerte in absehbarer Beit in einem eigenen Konzerthaus abzuhalten in der Lage sein möge, dessen innere Einrichtung auch solch größeren Konzerten angepaßt ist. Möge dieser Wunsch recht bald in Erfüllung gehen! -tt- Stadttheater. Nochmals sei auf das heutige Benefiz des Herrn Regisseur Hermann Norden hingewiesen. Da Herr Baumeister vom Darmstädter Hoftheater erst für Mittwoch den 16. März zu einer„ Tantris- Ausführung hier frei ist, so war die Direktion genötigt ,, KleinDorrit für morgen Mittwoch als Abonnementsvorstellung anzusetzen, was ursprünglich nicht beabsichtigt war. Mittwoch- Abonnenten, die Klein- Dorrit" bei der Benefizvorstellung für Herrn Batof besucht haben, erhalten des= halb auf Wunsch für den morgigen Tag einen Gutschein Die gratis.- Am kommenden Sonntag Nachmittag wird„ Der fidele Bauer" nochmals wiederholt. Am Abend gehen" Sudermanns Strandfinder" in Szene. Beide Vorstellungen finden bei kleinen Preisen statt. *)(* Vortrag. Bruno Wille- Berlin, der weiteren Streisen durch die Verleihung des Schillerpreises| bekannt geworden ist, hielt gestern Abend im Hotel„ Einhom" einen äußerst großzügig angelegten Vortrag über " Wie uns die Kunst befreit". Der äußerst gute Besuch des Vortrages bewies so recht, daß das Thema für unsere Verhältnisse ganz besonders zeitgemäß war. In seinen äußerst deutlichen Ausführungen wies der Redner u. a. darauf hin, daß auch die Kinder offene richtige Empfindung für die Kunst haben und daß gerade sie von jeglicher egoistischen Auffassung frei sind. Der Redner verstand es, seine vielgliedrigen Ausführungen durch Rezitationen aus" Faust", Sen Liedern Hölderlins und den Werfen Karl Hauptmanns in jeder Hinsicht interessant zu gestalten und namentlich eigene Griebnisse in der Kindheit mit dem übrigen Stoff zu einem schönen Ganzen zu verweben. - Fußball in Gießen. Der Gießener Fuß | ballklub 1900 hatte am Sonntag seinen Protest gegen das Spiel mit Jahn"-Siegen gewonnen und Jahn" mußte die die Meisterschaft, die sie schon gewissermaßen in der Tasche hatte, wieder herausrücken. Nach schönem einwandfreiem Spiel fonnte Gießen 1900 den Sieg mit 3: 2 Toren einheimsen. Viele hunderte von Zuschauern verfolgte das Spiel mit fichtlichem Interesse. Gießen 1900 3 gewann gegen Gießen V. f. B. 3 mit 4: 0; somit fallen alle fünf Meisterschaften des 8. Bezirts des Westdeutschen Spielverbandes nach Gießen. Gießen 1900 hat die der A- Klasse und GieBen Ballſpielklub pie der B. Klaſſe. == Luftschiffahrt. Am Sonntag nachmittag gegen 3 Uhr überflog ein Luftballon unsere Stadt in nord westlicher Richtung. Trotzdem seine Höhe eine ganz beden tende war( schätzungsweise zwischen 1000 und 2000 Mtr.), war er sehr gut zu erkennen und mit den Augen zu ver= folgen, da sich seine von der Sonne bestrahlte Hülle glän zend weiß gegen den blauen Frühlingshimmel abhob. Bald werden diesem für dieses Jahr ersten Besucher andere nachfolgen, denn mit Eintritt des besseren Wetters beginnen auch wieder die„ modernen Bewohner der Lüfte" auszu= fliegen. == Falsches Gerücht! Schon feit Samstag abend ist in der Stadt die Behauptung verbreitet, die bei dem Straßenbahnunsall schwer verletzte Frau Gelzen= Ieuchter sei Samstag gegen Abend gestorben. Sie ist nicht gestorben, allerdings erst gestern morgen aus ihrer Bewußtlosigkeit erwacht. == Verhaftet. Der wegen Unterschlagung steck brieflich verfolgte Hausierer Alfonso Gallazzini aus Villa( Südtirol), wurde am Samstag Abend in hiesiger Stadt verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Aus Hessen und Nachbargebiet. * Mainz, 5. März. Der neue Provinzialdirektor, Geheimerat Dr. Breidert, tras vorgestern zu einem fürzeren Besuche im Regierungsgebäude ein und machte den Beamten seine Aufwartung. In der nächsten Woche wird er die Geschäfte übernehmen. Die Verwaltung der städtischen Straßenbahn beabsichtigt, einige Straßenbahnwagen so herrichten zu lassen, daß sie im Bedürfnisfalle zur Beförderung von Kranten benützt werden können. Ueber diesen Vorschlag wird die städtische Deputation für das Straßenbahnwesen in ihrer nächsten Sibung beraten. Wetzlar. Mit dem am 16. März auf dem Haarplate in Wetzlar stattfindenden Viehmarkte wird ein Bullenmarkt verbunden werden. Denjenigen Landwirten, die gute Vogelsberger Zuchtbullen benötigen, ist Gelegenheit gegeben, ihren Bedarf auf diesem Markte zu decken. Kreuznach. Der Verleger der„ Kreuznacher Zeitung", Buchdruckereibesitzer und Stadtrat Cappallo, ist in Heidelberg zum Dottor der Staatswissenschaften promoviert worden. Aus aller Welt. r Der Bund der Landwirte, so schreibt man uns, hält seine diesjährige Provinzialversammlung für Kurhessen am nächsten Sonntag im Saale des Turnergartens zu Marburg ab. Namhafte Redner treten auf und behandeln die in der Politik akuten Tagesfragen. So wird der Bundesvorsitzende, Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Rösicke, über die„ Wirtschaftspolitische Lage", Herr Landtagsabgeordneter von Stockhausen, der Vorsißende der kurhessischen Landwirtschaftskammer, über„ Die Wahlrechtsvorlage", und Herr Rittergutsbesitzer Franz von Bodelschwingh- Schwarzenhasel über das Thema sprechen:„ Warum halten wir dem Bund der Landwirte die Treue?" Ohne Zweifel werden die kurhessischen Bauern den Vorträgen ein reges Interesse entgegenbringen. = h- Wien, 8. März. Die russisch- österreichischen Verhandlungen schreiten langsam fort, doch hofft man, daß die Wiederherstellung normaler diplomatischer Beziehungen erreicht wird. Eine Vereinbarung über bestimmte Fragen ist überhaupt nicht beabsichtigt. = h= Aachen, 8. März. Die Stadtratswahlen vom 20. November v. J., bei der das Zentrum mit nur 7 Stimmen Mehrheit siegte, ist vom Bezirksausschuß für ungültig Grund dafür. Als nämlich am Tage der Wahl der 3. 2. erklärt worden und zwar bot indirekt 3 eppelin den über Aachen erschien, hob der Wahlvorsteher den Wahlakt für die Dauer von 20 Minuten auf. Hierin erblickte der Bezirksausschuß einen Grund der Ungültigkeits= erklärung. Dr. Wegener's Thee berühmt zur Beseitigung von Hartleibigkeit, Verstopfung, Leber und Gallenstörung, sowie Hämorrhoiden. Angenehm zu nehmen und prompte Wirkung ohne jede Beschwerden. 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Der Generalstreit Arbeiter der Textil Industrie haben sich mit den An gestellten der Straßenbahn solidarisch erklärt. Zehner- Kommission gestattet den Bäckern, den Führern von Milchwagen, den Gastwirten, sowie den Arbeitern von Nahr ungsmittel Fabriken ihre Arbeit fortzusetzen. Es geht das Gerücht, daß die Behörden die Frage diskutiert haben, ob man nicht die Zehner- Kommission arretieren solle. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ein Regiment Artillerie nach Philadelphia geschickt, um die Münze und an dere öffentliche Gebäude zu schüßen. Der Einnahme- Ausfall iezt schon eine Million Dollar. der Eisenbahngesellschaften während des Streits beträgt In den Vororten von bahnwagen geworfen, wodurch mehrere Personen verle Philadelphia hat man Dynamit unter verschiedene Straßenwurden. Die Polizei hat zahlreiche Verhaftungen vorge nommen. Der erste Tag des Generalftretts ist verhältnismäßig ruhig verlaufen. Gerichtssual. Schwurgericht. Gießen, 7. März 1910. Sache gegen die ledige 19jährige Elisabethe Löwer von Die diesmalige Schwurgerichtsperiode wurde mit der Gießen, eröffnet. Der Angeklagten ist zur Last gelegt, ihr uneheliches Kind, bei, oder gleich nach der Geburt ge= tätet zu haben. Die Verhandlung stand unter Deffentklagten in einem Winkel bei der Wohnung ihrer Eltern, lichkeitsausschluß. Bekanntlich wurde das Kind der Angebei denen sie wohnte, tot aufgefunden. Nach Feststellung durch den Kreisarzt, daß die Angeklagte geboren hat, wurde ihre Verhaftung verfügt, worauf sie die Tat eingestand. der Tat für überführt erachtet. Sie biliigten ihr mildernde Nach dem Spruch der Geschworenen wurde die Angeklagte Umstände zu, so daß das Gericht in die Lage lam, nicht weit über die Minimalstraße hinauszugehen. Das Urteil lautete auf 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis wegen Kindesmords. Ihr Geständnis berücksichtigend, wurden ihr 2 Monate Untersuchungshaft angerechnet. publikation hatte sich eine große Menge Neugieriger eingeBei der Urteilsfunden, insbesondere war die junge Damenwelt vertreten. Das Urteil wurde von der Angeklagten als rechtskräftig anerkannt.. Verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Bürgerverein Gießen. Mittwoch, den 9. März cr., abends 18 Uhr im Saale des Hotel Einhorn Allgemeine Bürgerversammlung Tagesordnung: Die Arbeitsschule, die Schule der Zukunft. Referent: Herr Schulrat Scheerer, Büdingen. Freie Aussprache. Wir laden die gesammte Bürgerschaft, insbesondere unsere Mitglieder hierzu freundlichst ein. Damen willkommen. Der Vorstand. Fürsorgestelle f. Lungenkranke ( Medizinische Klinit, Klinifstraße) Sprechstunde: Jeden Mittwoch Abend 5-7 Uhr. Unentgeltliche Untersuchung von Lungenkranken und Angehörigen von Lungenkranken. Ausgabe von Attesten für Aufnahme in Heilstätten. Ratschläge für Krante und ihre Angehörigen zur Vermeidung von Ansteckung. 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