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Jahrgang Juferate: die 44 mm breite Petitgelte 20 Pfennig, Reklame: 90" 50 Beilagen werden nach Gewicht und Größe berem " " Telephon- Anschluß: Sichen, Rr. 308. Neuelle Nachrichten ( Steffenter Tageblatt) Anabhängige Tageszettung ( Gießener Beitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Lokales und Provinzielles. * Januar. Der Januar, der den Jahresreigen eröffnet, hat wie die anderen Monate seinen Namen aus dem Lateinischen. Er war dem lateinischen Sonnengotte Janus geweiht, der mit zwei Gefichtern dargestellt wurde, das eine vorwärts das andere rückwärts gerichtet. Janua heißt im Lateinischen die Tür. So schaut der 1. Januar am Eingangstor des neuen Jahres rückwärts ins alte und vorwärts ins neue Jahr. Der alte deutsche Name des Monats tst Hartung, der Harte, und in der Tat pflegt auch der Januar der fälteste Monat im Jahre zu sein. Kälte und Schnee wünscht sich auch der Landmann im Monat Januar. Im Januar muß Winter sein, So bringt das Jahr uns Korn und Wein, sagt eine alte Bauernregel. Dagegen. Im Januar viel Regen, wenig Schnee Tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh. Die Natur braucht eben ihre Winterruhe, und je dauernder sie geruht hat, desto kräftiger wird sie dann zur rechten Zeit ihre Trtebe entfalten. Weckt aber warme Witterung im Januar das Leben in der Natur zu früh, so droht außerdem die Gefahr, daß spätere Kälte desto größeren Schaden anrichtet. Daher heißt es auch: Januar warm, Daß Gott erbarm'! Auch die Menschen wollen für den Januar fein weichliches Wetter haben, sondern fnisternden Frost und blanken Schnee, der ihnen die Freuden des Wintersports bringt. Mit munterem Schelleugeläute fliegen die Schlitten über das weiße, glitzernde Land, und fröhliche Mienen strahlen auf der spiegelglatten Gisbahn, die ebenso viele Verehrer und Verehrerinnen zählt wie der festlich erleuchtete Ballsaal, und wo trotz oder vielleicht gerade wegen der Kälte die Gesichter der Schlittschuhläufer glühen und der kleine neckische Gott Amor seine Pfeile mit Erfolg abschießt. So hat auch der Januar seine Poesie und will fein griesgrämiges Stubenbockertum. Lockte doch auch Klopstock, der tiefernste Messias- und Odensänger:„ Komm aufs Eis, wo des Kristals Ebene dir winkt!" Und warum sollte man daneben nicht den hübschen Reinickschen Kinderreim stellen: Het, wie der Wind so lustig pfeift, Het, wie er in die Backen kneift!., Bei Eis und Schnee auf glatter Bahn. Da hebt erst recht der Jubel an. * Die„ Wormser Volkszeitung" berichtet über einen merkwürtigen Fall. Nach ihrem Berichte, für den fie den Wahrheitsbeweis vor Gericht erbringen will, sollte ein Lokomotivführer einen Eisenbahnzug mit defekter Lokomotive übernehmen. Der Beamte habe sich der Gefahr halber geweigert, mit der Maschine zu fahren und eine andere vorgespannt. Hierdurch erlitt der Zug eine Verspätung. Zur Strafe für seine Handlungsweise wurde der Lokomotivführer auf einen Monat in den Rangterdienst versetzt mit der Er flärung, er habe nicht das nötige dienstliche Juteresse gezeigt". Die Sache fommt aber noch besser: Der Inspektionsvorstand möchte wissen, wer die„ Worms. Volkszeitung" von dem Vorgang unterrichtet hat und berVolkswohlfahrt und Heimatpflege. ( Fortsetzung.) Mit dem eigentlichen Turnen und Spiel aber ist der Betrieb der Leibesübungen in den Turnvereinen nicht erschöpft. Fechten und Wandern, die Uebungen des Wassers und die winterlichen Leibesübungen, sie alle haben zahlreiche Anhänger in der Deutschen Turnerschaft gefunden. Alles also, was in anderen Vereinigungen getrennt betrieben wird, Rasensport, Leichtathletik und wie die anderen technischen Ausdrücke alle noch heißen mögen, findet sich in den Turnvereinen zu einem gemeinsamen Ganzen vereinigt( und ist ihnen häufig als Einzelteile entnommen worden). Sie also sind die Universalstätten für die leibliche Erziehung des deutschen Volkes. Dabei erfüllt das deutsche Turnen eine weitere wichtige Forderung: Eine wahrhast volkstümliche Leibesübung muß möglichst billig sein. Es verschmäht jegliche Art von Wertpreisen, für die viel Geld geopfert wird. Es gleicht darin der alten griechischen Gymnastik, die ihre Krönung in den olympischen Spielen fand. Wie dort der Sieger mit dem Zweige des wilden Delbaumes geschmückt wurde, so ziert den deutschen Turner als höchster Siegespreis der Eichen= franz. Das Geld, das anderweitig für Wertpreise ausgegeben wird, verwendet man in der Deutschen Turnerschaft zur Beschaffung von Pläßen und Hallen für Turnen und Spielen, auf daß diese Leibesübungen überall betrieben werden können. 1083 Vereine besitzen schon eigene Turnund Spielplätze, 740 Vereine eigene Hallen. Im Mittel= rheinkreis, der hierin die erste bezw. zweite Stelle einnimmt, langt, daß der Lokomotivführer, den er im Verdacht hat, nachweist, daß er nicht der Ginsender ist. Nicht genug also, daß die größere Gewissenhaftigkeit des Bes amten bestraft wird, soll er auch noch beweisen, daß er etwas nicht getan hat. b. Gießen.( Kolosseum.) Herr wirektor Rapp: mann hat mit dem 1. Januar den neuen Spielplan für 1910 herausgebracht, eine hübsche Zusammenstellung aus den verschiedensten Gebieten der Vartetekunst. Gr aus den verschiedensten Gebieten der Varietekunst. Er versteht es mit seltenem Scharfsinn allen Wünschen gerecht zu werden. Die Introduktion des Programmes bildet die Scherzlteder Sängerin Betty Caspart. Mit guter Sopranstimme versehen bringt sie ernste und heitere Gesänge zum Vortrag. Es ist dankbar zu be. grüßen, daß fünstlerische Leistungen dieser Art dem Variete Programm einverleibt werden, denn auf diese Weise wird das fünstlerische Niveau am leichtesten gehoben. Mistr. Balduin leistet als Hand- und Kopf Equilibrist auf rotierender Säule verblüffende neue Tricks. Morizo's Bauern: Duett bringt Leben in die„ Bude", wie der Berliner sagt. Originelle bayrische Volkstypen, ausgezeichnete Darstellung und durchaus neue Vorträge sichern ihnen großen Beifall. Ihnen schließt sich die überaus fesche Tanz- Soubrette Betty Ferlau an. Saitham and Hagino verstehen es, dem Kenner nach wie vor durch ihre großactig durchdachte und verblüffende Arbeit auf dem Gebiete der Athletistik neue Retze zu bieten. Es ist ein wahrer Genuß, diese muskulösen Figuren arbeiten zu sehen. Kaufmann's Fontage Theater ist etmas neues für Sießen. Eine„ Theaterkriíit" erübrigt sich hier bet dieser Piece; nur set erwähnt, daß es der Schlager des Programmes ist, und das sagt wohl ge. Schlager des Programmes ist, und das sagt wohl ge nug. - - Frl. Groß als Vortrags- Soubrette sichert sich mit guten Vorträgen festen Stand. Das luftige Ehepaar Tenno's sind zwet litebliche Duettisten. Ihre humoristischen Duetts reißen das Publikum geradezu hin. Erwähnt set die" Tanzstunden- Scene", welche zum Beifall herausfordert. Mit dem ersten Blaz behauptet der uns bekannte und gern gesehene Charakter Komiker Gustav Fuhrmann. Neue Darbietungen fordern ihn zu Zugaben heraus, welchen er gerne nach tommt. Die Soubrette Wallt Rose und der Clown Henri bilden den Schluß des überaus reichhaltigen Programms. Letterer arbeitet mit einer Hundenmeute, welche den Winken seiner Dressur aufs sicherste nach kommen. Ein Besuch ist nur zu empfehlen. Vom nördlichen Vogelsberg. Dezember wurde vom Sinken der Schweinepreise berichtet und die Vermutung ausgesprochen, daß der Preisrückgang bis ins neue Jahr hinein andauern würde. Dies hat sich für unsere Gegend keineswegs bewahrheitet. Heute zahlen die Händler für das Pfund Lebendgewicht 55 bis 56 Pfg. und dieser Preis wird in den ersten Tagen noch steigen. Es herrscht allgemein ein großer Mangel an schlachtreifen Schweinen. Eben ist die Zeit der Hausschlachtungen und jeder Dorfbewohner ist be ftrebt, seine eigene Vorratskammer zu füllen. Da bleibt für die Ausfuhr nicht viel übrig, und durch das geringe Angebot erhöhen sich die Preise. * Friedberg. Im„ Hotel Trapp" fand die 9. außerordentliche Generalversammlung der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft für hat der vierte Teil der Vereine bereits eigene Turn- und Spielpläße, der mehr als siebente Teil auch eigene Hallen. Ansehnliche Vermögenswerte sind dadurch schon trop der geringen Beiträge, die die Turnvereine verlangen, geschaffen worden. Es haben nach der Erhebung im Jahre 1907 die vereinseigenen Turnhallen einen Wert von 23,8 Millionen Mark, die Turn- und Spielplätze einen solchen von 4,3 Millionen Mart. Rechnet man dazu den Wert des Inven tars und das Barvermögen, leßteres in der Höhe von 5,6 Millionen Mart, so ergibt sich eine Summe von 42,7 Millionen Mark. Der Mittelrheinkreis weist bereits ein Vermögen im Werte von beinahe 9 Mill. Mart auf. Er ist der reichste Kreis der Deutschen Turnerschaft. Einem Verein trägt es bei ihm im Durchschnitt fast 9000 Mart. Alle diese angelegten und erworbenen Summen kommen der Volkswohlfahrt und Heimatpflege in weitestgehendem Maße zugute. Leibesübungen, die der Volkswohlfahrt dienen sollen, müssen alles für die Gesundheit Schädliche vermeiden, sonst bezweckt man das Gegenteil von dem, was man will. Man denke z. B. an das Rodeln, eine der gesündesten winterlichen Leibesübungen, wenn sie vernünftig betrieben wird. Man schafft aber geradezu gefahrvolle Bahnen, die Gesundheit und Leben bedrohen. Man erinnere sich an den Marathonlauf bei den internationalen olympischen Spielen, wie ein großer Teil der Läufer, halb tot geheßt, am Ziele antommt, und man muß sich fragen: Dienen solche Veranstaltungen wirklich noch der Volkswohlfahrt? Die Deutsche Turnerschaft dagegen ist auf das strengste darauf bedacht, alles Gesundheitsschädliche aus ihrem Uebungsgebiet auszuscheiden. Sie vermeidet deshalb auch jeden einseitigen Oberhessen, G. m. b. H. in Friedberg, statt, unter dem Vorfiz des stellvertretenden Vorsitzenden Reichsund Landtagsabgeordneten Köhler. Langsdorf in Verhinderung des Vorfizenden Geheimerat Haas- Darmstadt. Vertreten waren 47 Genossenschaften. Nach Beratung berschiedener interner Angelegenheiten wurde der Umsatz des abgelaufenen Jahres bekannt gegeben, der sich auf etwa üher 900 000 Mt. beziffert, der höchste, der seit der Gründung der Hauptgenossenschaft erzielt wurde. * Darmstadt. Als Nachfolger Spemanns, der fich zunächst nach Berlin begeben hat und dann längeren Aufenthalt an der Nordküfte Afrikas nehmen will, ist bereits Herr Becker vom Stadttheater in Mainz engagtert. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Der Gärtner Der in der Chamottefabrik bei Bad Nauheim beschäftigte Taglögner Wilh. Wessel aus Bensberg hat einem Arbeiter seine Schippe verkauft und diese dann wieder geholt. Er gab an, es Itege eine Verwechslung bor, doch stand fest, daß er ste geholt hat um sie zu behalten. Er ist rüdfällig. Urteil: 3 Monate Ge fängnis, abzüglich 2 Wochen Untersuchungshaft.- In Bad Nauheim stand der Bäckergeselle Adolf Goye aus Neustadt unter dem Namen Hemmer in Arbeit. Er verschwand unter Mitnahme von zwei Uhren mit Ketten und eines Portemonnaies mit 22 Mart Inhalt, das seinem Arbeitskollegen gehörte; auch einem Lehrling hat er einen fleinen Geldbetrag gestohlen; weiter wurde eine Krabattennadel und Paptere vermißt, deren Mitnahme er bestritt. Es wurde angenommen, daß er alles gestohlen hat, weshalb er unter Einbeziehung von zwet Strafen die er in Baiern erhalten hat, zu einer Gesamtstrafe von 2 Jahren 1 Monat Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverluft verurteilt wurde. Johann Klier aus Karlsbad trieb sich in Friedberg herum, wo er einem Wirt 3 Paar Hosen ftahl. Bet seiner Verhaftung hatte er einen Feldhasen bet sich, den er von einem unbekannten Mann erworben haben wollte. Der Angeklagte wurde wegen Diebstahls und Hehlerei zu 4 Monaten und 4 Tagen Gefängnis, abzüglich 1 Monat 4 Tage Untersuchungshaft verurteilt. Dem Schuhmacher Ludwig Balser von Burkhardsfelden ging ein Strafbefehl über 2 Mt. zu, weil er auf einen Gemeindeplag Holz gelagert hat, ohne es nachts mit etner brennenden Laternen zu versehen. Gegen das seinen Einspruch zurüchweisende Erkenntnis des Schöffengerichts legte er Berufung ein, was zu seiner Fret sprechung führte, da nicht feststand, daß durch das Verhalten des Angeklagten der freie Verkehr gehindert Troß mehrmaliger Aufforderung hat der wurde. Zimmermann Christian Meusec von Büdingen sein Anwesen nicht an die städtische Stanalisation angeschlossen, weshalb er einen Strafbefehl über 3 Mt. bekam, auf dessen Einspruch das Schöffengericht die Strafe anf 1 Mt. festsett. Er weigerte fich weiter und legte Berufung ein. Die Verhandlung führte zur Bestätigung des Urteils. Redaktion, Druck und Verlag von Albin Alein. Gießen. Betrieb und stellt die allseitige Ausbildung des Körpers in den Vordergrund. Turnen und Spiel werden daher von der ärztlichen Wissenschaft direkt zu Heilzwecken herangezo gen oder als Vorbeugemittel empfohlen. Beide erweisen sich als wichtige Gehilfen bei der Bekämpfung einer der ärgsten Voltsgeiseln, der Tuberkulose. Wenn auch nachgewiesen ist, daß sich diese nicht vererbt, so muß doch mit einer mehr oder minder großen Aufnahmefähigkeit gerechnet werden. Daher hat bereits Dr. Brehmer, der Begründer der ersten Lungenheilanstalt in Görbersdorf in Schlesien, darauf hingewiesen, daß regelmäßige Leibesübungen zu den besten Vorbeugungsmaßregeln gegen diese Krankheit gehören. Dann müssen sie aber nicht nur in der Jugend, sondern auch in den späteren Altern noch betrieben werden, denn gesunde Eltern sind die Vorbedingung für gesunde Kinder. Noch ein anderer Punkt ist hierbei in Betracht zu ziehen. Nicht minder gute Dienste leisten Turnen und Spiel auch im Kampf gegen den übermäßigen Genuß des Altohols und gegen mancherlei andere geheime Sünden, die Jugend- und Familienglück zu zerstören im Stande sind. Hohe Aufgaben der Volkswohlfahrt haben die Turnvereine von jeher schon erfüllt. Das freiwillige Feuerwehrwesen ist hauptsächlich durch sie begründet und verbreitet worden und findet jezt noch eine Hauptstüße in ihnen, die Krankenpflege wurde schon sehr frühe von ihnen gefördert und besonders in Kriegszeiten auf das segensreichste ausgeübt. Und überall, wo es jetzt noch gilt, Aufgaben der Volkswohlfahrt und Heimatpflege zu dienen, da versichert man sich in erster Linie der Mithilfe der Turnvereine, da man weiß, daß sie diese gern leihen. ( Schluß folgt.) Vom Weimarer Hof. Der Beginn des Jahres 1910 hat dem Lande SachsenWeimar- Eisenach eine Großherzogin gegeben, und es rüstet sich, ihr einen feierlichen und herzlichen Empfang zu be reiten. Starola Feodora von Sachsen- Meiningen ist die fünfte in der Reihe der Großherzoginnen von Weimar, und unwillkürlich richten sich die Blicke zurück zu der ersten von ihnen, zu der Gemahlin Karl Augusts und der Freun din Goethes. Damals, 1775, als Karl August von Weimar Luise von Darmstadt heimführte, waren die Verhältnisse an den deutschen Höfen viel Kleiner und enger als heutzu tage. Prinzessin Luise von Hessen- Darmstadt, am 30. Jaz nuar 1757 als Tochter des Erbprinzen, späteren Landgrafen Ludwigs IX. und seiner Gemahlin Karoline, einer, Prinzessin von Pfalz- Zweibrücken- Birkenfeld, in Berlin_ge= boren, brachte teine großen Reichtümer mit in die Che. Das im fürstlich hessischen Hause übliche Heiratsgut, nach dessen Auszahlung die Prinzessin auf alle Ansprüche an die hessischen Lande zu verzichten hatte, bestand nur aus 20 000 Gulden, wurde als Fräuleinsteuer vom Lande erhoben, und bavon war ,, bei der großen Gesdklemme" an den, der sie zusammengebracht hatte, noch eine Provision von 400 Gulden zu zahlen. Die standesgemäße Ausstattung an allen zum Trousseau gehörigen Inventar, Kleider Spizen usw. wurde vom Vater der Braut besorgt, der dafür 28000 Gulden bestimmte. Ihrem eigenen Vermögen wurden dazu noch 12 400 Gulden entnommen. Von weimarischer Seite erhielt die Herzogin eine als Leibrente zu betrachtende Morgengabe von 5000 Tafern und außerdem noch 6000 Taler als Hand- und Spielgeld. Bei der Vermählung brachten die einzelnen Stände und Städte dem fürstlichen Paare Ehrengaben dar, so Eisenach Serenissimo 5000 Taler seiner Gemahlin 2000 Taler, die Stadt Jena 2500 Taler bem Herzog und 1000 der Herzogin.- Werfen wir nun noch einen Blick auf den Trousseau. Da fehlt es nicht, so bemerkt Eleonora von Bojanowski in ihrem Buche Louise Großherzogin von Sachsen- Weimar und ihre Beziehungen zu den Zeitgenossen", an ausgesuchten Schmuckstücken, Armbändern, Ringen, Knöpfen und Schnallen aus Edelsteinen und Perlen. Auch eine vollständige silberne Toilette finden wir in dem Verzeichnis aufgeführt. Unter den aus Marseille für ihre Ausstattung bezogenen Seidenstoffen befanden sich fünfzehn Ellen rosa- brochierter Atlas, die Elle zu 25 Talern, dann auch schwerer Atlas, die Elle zu 36 Talern, reich mit Paramenten verziert, dazu gepunterter Atlas und andere reichgestickte Stoffe, so daß bie fünf Roben, die daraus gefertigt wurden, die für jene Beit immerhin die ansehnliche Summe von 2293 Talern fosteten, während die Rechnung ür Winterkleider, darunter eins von grünem Samt, 1280 Taler betrug. Rundschau vom Cage. Politisches. Ein Depeschenwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem Präsidenten Taft. Präsident Taft erhielt vom Kaiser WilHelm zum Jahreswechsel folgendes Telegramm: Ihnen und dem amerikanischen Volke meine besten Wünsche für ein glückliches Neujahr! Präsident Taft erwiderte: In voller Würdigung und Erwiderung der mir übermittelten freundlichen Wünsche Euerer Majestät, wünsche ich Ihnen und dem deutschen Volke für das kommende Jahr Gesundheit und Wohlergehen. Die mecklenburgische Verfassungsfrage im Bundesrat. Der Verfassungsausschuß des Bundesrats tritt am Donnerstag den 6. Januar zu einer Sizung zusammen, um sich wegen der Beantwortung der Interpellation über die medlenburgischen Verfassungsfragen zu verständigen. Zur prenßischen Wahlrechtsreform. Die Tgl. Rdsch." schreibt: Der Reichskanzler hat, wie wir mitteilen können, dem Kaiser über den Stand der preußischen Wahlreform letthin Vortrag gehalten. Die bisherigen Verhandlungen des preußischen Ministerrats, die noch nicht abgeschlossen find, haben das einmütige Festhalten an der öffentlichen Abstimmung ergeben. Die Teilnehmer an der Postkonferenz. Zu der Konferenz, die am 7. Januar im Reichs- Postamt zur Erörterung einer Reihe von schwebenden Fragen des Postverfehrs stattfindet, sind im ganzen 25 Einladungen ergangen. Eingeladen sind zwölf Mitglieder des Deutschen Handelstages, ein weiterer Vertreter des Handels, sechs Mitglieder des Deutschen Landwirtschaftsrates und sechs Mitglieder des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages. Den Uebergang deutschen Landes in polnische Hände meldet wieder einmal die Schles. 3tg.". Die größte Ackerbürgerwirtschaft in Herrnstadt, Schlesien, etwa 200 Morgen groß, ist von einem Deutschen, dem Ackerbürger Karl Rodestock, an einen Polen verkauft worden. Fast die gesamte Feldmark von Herrnstadt befindet sich nunmehr in den Händen der Polen. Dentschfeindliche Ausschreitungen in Straßburg meldet die„ Straßburger Post". In der" Taverne" in Straßburg, die schon früher der Schauplatz deutschfeindlicher Kundgebungen gewesen ist, wurden drei deutsche Studenten ohne irgendwelche Veranlassung von einem Stammtisch von Altelfässern angefallen und verprügelt. Die Angelegenheit ist bei der Universitätsbehörde zur Anzeige gebracht worden, 3) Der Fall Welshofen. Kriminalroman von M. Kossat. Nachdruck verboten. Die Züge des jungen Mannes verdüsterten sich beim Anhören des Namens der Italienerin, aber er bezwang sich. Und wenn er's auch nicht tut," fragte er scheinbar gelassen ,,, was dann? Was kümmert's Dich?" ,, Dann bleibt die Anita hier beim Varietee," kam es seufzend aus dem Munde des blonden Kindes. ,, Ach so! Schon wieder mal eifersüchtig!" meinte er. Verlaß Dich aber darauf, Kind, er heiratet sie. Wen Sie einmal gefangen hat, der kommt nicht mehr los von ihr." Er preßte die Lippen zusammen und murmelte mit halb unterdrückter Stimme einen italienischen Fluch. Frida sah erschrocken zu ihm auf. Der kommt nicht mehr los von ihr?" wiederholte sie angstvoll. ,, Dann dann kommst auch Du nicht" ,, Was geht mich die Anita an?" unterbrach er sie auch. Ist sie meine Braut, meine Frau oder Geliebte? Mag sie des Teufels Frau werden mir einerlei! Der Teufel holt sie doch über lang oder kurz sie und den, welchen fie an sich gefettet hat. Accanita ragazza!" ,, Du hast sie aber doch einmal sehr geliebt, Felir," warf das Mädchen schüchtern ein. Ich bitte Dich Kind, wenn Du mich lieb hast, rede nicht von der der" Das Wort, welches sich auf seine Lippen drängen wollte und das gewiß keine Schmei chelei für die Italienerin bedeutete, verschluckte er noch rechtzeitig. Somm', set mein vernünftiges Mädchen quäle Dich nicht mit Dummheiten und sei vergnügt. The der Winter zu Ende ist, werden wir beide ein Paar, und dann machen Herr und Frau Olfers gemeinschaftlich Kunstreisen und nehmen viel, viel Geld ein, so viel, daß meine kleine Frida es eben so gut hat, wie abermals wollte ihm das accanita ragazza" über seine Lippen, vor Fridas flehenden Blicken aber unterdrückte er es. Gib mir rasch einen Kuß, Kleine," schloß er, ,, ich muß noch memorieren, denn weiß der Himmel warum ich fühle mich heute nicht sicher genug, um zu improvisieren." - Der Vorfall kann, und es sind Erhebungen im Gange. wie die Mülhäuser Affäre, nur zum Schaden der reichsländischen Bevölkerung ausschlagen. Die Beschlagnahme ruffischer Staatsgelder. Dem ehe maligen russischen Ministerpräsidenten Grafen Witte werden Aeußerungen über die Beschlagnahme russischer Staatsgelder nachgesagt, die schwer glaubhaft sind. Von einem Petersburger Blatte werden ihm folgende Aeußerungen in den Mund gelegt: Jm äußersten Falle wäre anzunehmen, daß die deutsche Diplomatie Verwicklungen mit Rußland fuchte vor einer Reorganisation der russischen Kräfte; dann wäre diese Affäre durchaus am Plaze. Wenn man aber an friedliebende freundschaftliche Absichten der deutschen Diplomatie glaubt, so ist der ganze Vorfall einfach dumm. Es ist unbegreiflich, warum die deutsche Regierung dte Sache sowett kommen Iteß." Es ist wirklich kaum zu glauben, daß Graf Witte sich so ausgesprochen haben soll. Eine Schweizerreise Fallieres. Wie aus Bern gemeldet wird, erwartet man einen furzen Besuch des Präsidenten der französischen Republik Fallieres in der Schweiz. Der Präsident wird sich in einigen Monaten nach Savoyen zur Feier der 50jährigen Wiederkehr des Tages der Annexion Savoyens an Frankreich begeben. Bei diesem Anlaß wird er einen furzen Ausflug auf schweizerischen Boden machen. Es wird dies der erste Besuch eines französischen Präfidenten in der Schweiz sein. Die langandanerude ungarische Krisis geht jetzt ihrer endgültigen Lösung entgegen. Zum neuen ungarischen Ministerpräsidenten ist anstelle Wekerles, der bereits zwetmal die Demisston seines Kabinetts eingereicht hatte, der frühere langjährige Finanzminister Ladislaus v. Lukacs ernannt worden. Auf welcher Basis eine Einigung über die Fragen der ungarischen Politik zwischen der Krone und dem neuen Ministerpräsidenten erzielt worden ist, ist noch nicht bekannt. Dr. v. Lukacs reiste nach Budapest zurück und wird sich dort mit den Persönlichkeiten in VerBindung setzen, die er zum Eintritt in sein Kabinett bewegen will. In der Kretafrage dauert der lebhafte Notenwechsel unter den Schußmächten fort. Wie verlautet, befürwortet Frankreich die schnellste Rückkehr der fremden Garnisonen nach Kreta, da sonst ein militärisches Einschreiten der Türkei zu befürchten sei. Ein unter dem Vorsitze des Sultans abgehaltener türkischer Ministerrat setzte bereits eine Note an die Schutzmächte auf, die jedoch erst nach dem Eintreffen des neuen Großwesirs abgesandt werden soll. Kleine Nachrichten! Die Akademie für Luftschiffahrt in Friedrichshafen. Die Gemeindekollegien in Friedrichshafen haben sich bereit erklärt, das für die Gründung einer Versuchsanstalt bezw. einer Akademie für Luftschiffahrt erforderliche Gelände un= entgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Frage der Errichtung eines der genannten Institute dürfte jetzt bald ihrer Lösung entgegen gehen. Ein neuer Flugapparat ist von einem Magdeburger Kaufmann, Otto Onigkeit, hergestellt worden. Es ist ein Eindecker, der bei fünfzig Pferdestärken zwei bis drei Personen tragen soll. Die Flugversuche sollen demnächst beginnen. Nachklang zum Kieler Werftprozeß. Der aus dem groBen Kieler Werftprozeß bekannte Magazin direktor und Marine- Rechnungsrat Gustav Heinrich in Kiel, der sich vom 29. Mai 1908 bis zum Ausgang des Prozesses mit furzen Unterbrechungen in Untersuchungshaft befand, ist nunmehr mit der gesetzlichen Pension in den Ruhestand versetzt worden. Nach dem Prozeßausgang konnten die gegen ihn erhobenen Anklagen nicht aufrecht erhalten werden. Der Bock als Gärtner. Die Vormünder des befannten Moskauer Millionärs Morossow, der unter Kuratel gesetzt worden war, brachten in wenigen Monaten die Millionen ihres Mündels durch. Die Betrügereien wurden auf= gedeckt; es steht ein Riesenprozeß bevor. Schwarze Pocken. Ein einjähriges Kind aus der Gasstraße in Duisburg ist an schwarzen Bocken gestorben. Die erforderlichen Schußmaßnahmen sind getroffen. Ein Opfer des Hausklatsches ist die 28jährige Frau eines in Lichtenberg bei Berlin wohnhaften Herrn geworden. Die junge. Hübsche Fraut hatte sich immer von den übrigen Hausbewohnern abgesondert und daher vtel unter dem Gerede der„ lieben Nachbarn" zu leiden. Als die Frau nun eine unflätige Neujahrskarte erhielt, nahm sie sich dies so zu Herzen, daß sie sich auf dem Boden erhängte. In den Tod wegen Nahrungssorgen. Der frühere Kaufmann, spätere Privatier Willy Huth in Hamburg und feine Ehefrau haben sich gestern wegen Nahrungssorgen durch Leuchtgas vergiftet. Beide wurden tot aufgefunden. Ihr Kind und sich selbst getötet hat die Arbeiterin Marie Uhl in Berlin. Als man in ihre Wohnung eindrang, fand man Mutter und Kind tot auf. Die Uhl hatte das Kind durch Ueberwerfen eines Deckbettes erstickt und dann sich selbst erhängt. Die Unglückliche war zu der schrecklichen Tat durch völlige Mittellosigkeit und Arbeitslosigkeit getrieben worden. Ehetragödie. In Pfalzgrafenweiler in Württemberg erschoß der Kaufmann Helber den Schmiedemeister Gottlob Schmied, der die Frau Helber nach einem ehelichen Streit ,, Ich aber weiß es," dachte das Mädchen, nachdem er sie verlassen. Weil heute die Verlobung des Grafen mit der Anita ist."" Sie seufzte tief auf. Im übrigen blieb ihr keine Zeit, unt lange ihren eifersüchtigen Gedanken nachzuhängen, da Louisons Nummer inzwischen zu Ende gegangen war und der Inspizient sie auf die Bühne rief. Der Zufall wollte es, daß Louison an diesem Abend eine Einladung mehrerer Herren angenommen hatte, um mit ihnen und einigen ihrer Kolleginnen in einem bekannten Weinlokal zu soupieren. An solchen Abenden pflegte Felix Offers seine kleine Braut, die sich fürchtete, in der Dunkelheit allein auf der Straße zu gehen, bis vor die Tür ihrer Wohnung zu begleiten. Heute jedoch zeigte er keine Lust dazu. ,, Du darfst mir's nicht über nehmen, Kleine," sagte er, aber ich habe eine Verabredung mit einem Agenten, der mir für die Frühjahrsmonate ein überaus vorteilhaftes Engagement vermitteln will. Den darf ich nicht im Stich lassen." Da er Fridas betrübtes Gesichtchen sah, streichelte er liebkosend ihre Hand. Es lag aber etwas Berstreutes in der Liebkosung, auch erschraf Frida darüber, wie fieberheiß seine Finger waren. Es geht wirklich nicht anders, Kind," schloß er. Aber warte, ich will Dir eine Droschke besorgen, in der Du nach Hause fahren fannst." Er begleitete sie vor das Gebäude, wo zahlreiche Fiaker und Autos standen, aber leider waren sie bestellt, und Felix Offers fand sich genötigt, den Portier fortzuschicken, um einen Wagen holen zu lassen. Während die beiden jungen Leute seiner Ankunft harrten, sahen sie, wie ein alter Herr, dessen verlebtes Gesicht einen widerwärtigen Gegensatz zu der gesucht jugendlichen Kleidung bildete, aus Sem Portal trat und sich suchend umschaute. Er war auffällig dürr und die hellgrauen Beinkleider schlotterten um seine etwas eingefnidten nie, es machte den Eindruck, als wären ihm die sämtlichen Kleider heruntergerutscht oder als wäre er mit seiner Toilette noch nicht recht fertig geworden, bevor er sich zum Ausgehen angeschickt hatte. Doch mochte dieser Effekt wahrscheinlich beabsichtigt sein zugunsten des Stils, der zurzeit unter den alten Wiener Lebemännern Mode war. Auf dem schmalen Kopf trug er in sein Haus aufgenommen hatte. Helber fluchtete, wurde aber alsbald verhaftet. Schwere Ausschreitungen in Sarajewo. Aus bisher nicht ermittelten Ursachen fam es gestern in Sarajewo zu blutigen Straßenerzeßen. Die Exzedenten gingen mit Messern aufeinander los. Bevor die behördlichen Organe einschreiten konnten, waren vier Personen getötet und mehrere andere schwer verwundet. Opfer des Bergbanes in Amerika. Der Sekretär des amerikanischen Minenarbeiterkongreffes stellte fest, daß in 30 Jahren in den Kohlenbergwerken mehr als 30 000 Arbeiter getötet und mehr als 100 000 verlebt morden sind. Im Jahre 1907 allein verloren über 3000 Menschen thr Leben in den Kohlengruben. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Das Ende des„ Märchens vom Mara". Aus London' wird berichtet: Die phantastischen Schilderungen von der lebenden Bewohnern des Mars und ihren gewaltigen Ras nalbauten sind zu Ende: In der letztes Sibung der eng lischen Astronomischen Gesellschaft legte der Leiter des Greenwich- Observatoriums E. W. Maunder die neuen Marsphotographien vor, die der bekannte amerikanisme Astronom Prof. Hale jetzt von seinem Observatorium auf dem Mount Wilson in Kalifornien mit Hilfe seines groken 60zölligen Teleskops gewinnen konnte und auf denen diese Kanäle nicht auftreten. Warum nicht? Well, wie der eng lische Gelehrte trocken bemerkte, das Teleskop zu stark war, um sie wiederzugeben. Die neuen Photographien bedeuten einen gewaltigen Fortschritt gegen alle bisher möglichen Marsaufnahmen, aber von den Kanälen ist nichts geblieben. Sie erklären sich als optische Täuschungen, die dadurch entstehen, daß infolge der Konstellation dunkler Flächen auf der Marsoberfläche das Auge Kanäle wahrzunehmen glaubt. Einen wirklichen Grund zu der Annahme, daß diese Erscheinungen an der Marsoberfläche fünstliche Arbeiten seien, hat es nie gegeben. Nur das Sensationelle des Gedankens konnte es möglich machen, daß dte phantastische Annahme so viel diskutiert wurde. Es ist gut für die Wissenschaft, daß diese Idee nun endgültig beseitigt ist." Aus den Gerichtssälen. Bestrafung eines Automobilbesitzers. Der Wollwarenfabriant Karl Schiedt aus Kirchberg in Sachsen hatte am 22. September vergangenen Jahres auf der Chaussee zwischen Espenhain und Rötha den 7jährigen Schulknaben Alwin Messerschmidt mit seinem Kraftwagen überfahren und auf der Stelle getötet. Ohne anzuhalten und sich um das überfahrene Kind zu kümmern, hatte er sich dann in schneller Fahrt entfernt. Vor der vierten Strafkammer des Landgerichts Leipzig hatte Schiedt sich wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Da das Gericht als besonders straferschwerend ansah, daß Schiedt weiter gefahren war, ohne sich darum zu kümmern, ob er ein Unheil angerichtet habe, verurteilte es ihn zu sechs Monaten Gefängnis. Offizier und Bauer. In der Nähe der Ringwiese, dem Ererzierplatz des Jenaer Bataillons, kam es am 22. Ottober 1909 zu einem scharfen Auftritt zwischen einem Oberleutnant und einem landwirtschaftlichen Arbeiter aus Burgau. Der Oberleutnant leitete die Gefechtsübung einer Abteilung Soldaten. Obwohl der Arbeiter dagegen protestierte, wurde die Gefechtsübung auf das frisch bestellte Feld ausgedehnt. Der Landmann bezeichnete das Eindringen der Soldaten in Privateigentum als Schweinerei" und rief in seiner Erregung dem Offizier zu: Sie sind dümmer wie ein Bauer!" Darauf geriet auch dec Offizier in Erregung. Er richtete an den Landmann die Aufforderung, seine Schnauze zu halten und ließ ihn schließlich von den Soldaten mit Gewalt nach der Kaserne bringen. Wegen des Vorfalls hatte sich bereits der Offizier vor dem Kriegsgericht wegen Freiheitsberaubung und Beleidigung zu verantworten; er wurde aber freigesprochen. Gestern wurde dem Landmann vor dem Jenaer Schöffengericht der Prozeß gemacht. Während der Amtsanwalt eine Geldstrafe von 75 M oder 15 Tage Gefängnis beantragte, sprach ihn das Schöffengericht unter Berücksichtigung der kriegsgerichtli chen Freisprechung des Oberleutnants gleichfalls frei und betonte ausdrücklich, daß es sich um eine auf der Stelle erwiderte Beleidigung handelte. Vermischtes Der Kaiser als Aussteller. An der Internationalen Jagd- Ausstellung, die in Wien im Mai d. J. stattfindet, wird der Kaiser sich als Aussteller beteiligen. Der Monarch liebt nicht nur die Jagd leidenschaftlich, sondern ist auch ein genauer Kenner des gesamten Jagdwesens. Aus diesem Grunde bringt er der Wiener Jagd- Ausstellung, an der sich auch Kaiser Franz Josef und andere Fürstlich. feiten beteiligen. lebhaftes Interesse entgegen. Wie verlautet, werden in dem sogenannten Fürstenpavillon die schönsten Trophäen der kaiserlichen Jagden in Rominten und Pleß zur Ausstellung gelangen. Mord im Rheinland. Sonntag nachmittag wurde an dem Gute Pescherhof bei Euskirchen ein Dienstmädchen in Kuhstall von dem auf dem Gute bediensteten Stallschweizer feinen Hut, und man konnte daher erkennen, wie sorg fältig die wenigen Haare über seine Glaße gekämmt waren. ,, Gkelhafter Ser!!" murmelte Felix, während er ihn finsteren Auges beobachtete. Frida war im Grunde ganz seiner Meinung, aber ihr gutes Herz trieb sie dennoch, den alten Aristokraten zu verteidigen. Er ist gewiß schon recht hinfällig und darum sieht er so schlottrig aus," meinte sie. ,, Hinfällig?" Felix lachte kurz auf. ,, Um so schlimmer, wenn so'n er stockte, denn aus dem Portal trat eine jugendschöne Gestalt- Anita Brusio in einem langen weiten Sportspaletot, mit einem kleinen Matrosenhut auf dem schwarzen Lockenhaar. Ihre strahlenden Augen glänz ten in der ungewissen Beleuchtung wie Diamanten, und das feine Oval ihres Gesichts hob sich silhouettenartig von dem Hintergrunde der Hausmauer ab. Der alte war auf sie zugekommen, und beide sprachen im Flüsterton zu sammen. Dann war er ihr beim Einsteigen behilflich, schloß den Wagenschlag und winkte ihr, was sie ebenso erwiderte, mit der Hand einen Gruß zu, indes das Gefährt sich in Bewegung seßte. Asdann verschwand der Alte im Portal des Hauses. Als er an Felix und Frida vorüberstrich, verspürten beide einen intensiven, eigentümlichen Geruch, der von einem Parfüm herrührte. Es war eine Mischung von Patschuli, Juchtenleder und Stallgeruch Korolopsis nannte man dies von der vornehmen männlichen Lebewelt viel gebrauchte, für die Nase eines nicht daran Gewöhnten nichts weniger als angenehme Atkinsonsche Parfüm. Fridas Blick suchte angstvoll den ihres Verlobten, der mit haßerfülltem Ausdruck noch immer auf der Stelle ruhte, wo der Alte verschwunden war, aber es gelang ihr nicht, ihn zu fangen. Augenscheinlich hatte er ihre Gegenwart völlig vergessen. Als Fridas Fiaker endlich vors fuhr, schreckte er wie ein aus schweren Träumen Er wachender empor. ,, Adieu, Kind", sagte er, sie hastig küssend. Dann trieb der Kutscher die Pferde an, und der Wagen fuhr durch die abendlichen Straßen Fridas an der Hauptstraße im dritten, Bezirk liegender Wohnung zu. ( Fortsetzung folgt.). t I F 3 e 1) ! 6 It hr zu e ne en uf z= ID ig It h 10 De= Der or hen eine hen can che der elle ihr Jens Gra rieb ug im ermordet. Der Schweizer hatte oas Mädchen mit Heiratsanträgen bestürmt, von denen dieses aber nichts wissen wollte. Gegen mittag nun überfiel der Mann im Stalle das Mädchen und schnitt thm im Stalle mit einem scharfen Rastermesser den Kopf vom Rumpfe. Darauf brachte er sich selbst durch zahlreiche Stiche in die Brust, am Halse, sowie Durchschneiden der Pulsadern lebensgefährliche Verlegungen bei. Schwerer Eisenbahnfrevel. Der 1 Uhr 5 Min. nachmittags in Naumburg eintreffende Personenzug der Unstrutbahn mußte gestern bei dem Dorfe Nißmit zweimal halten, weil unbekannte Frevler, um den Zug zur Entgleisung zu bringen, am Schienenstrang an zwei Stellen einen eisernen Kasten, sowie zentnerschwere Steine befestigt hatten. Der nachmittags 2 Uhr 58 Min. in Naumburg eintreffende Personenzug mußte gleichfalls bei dem Dorfe Nißmiz halten, weil die Schienen mit eisernen Schaufeln und schweren Bruchsteinen versperrt waren. Die Eisenbahndirektion Erfurt sette eine Belohnung von 300 M für die Ermittelung der Täter aus. Ein Richter von einem Kollegen verprügelt. Vor dem Gericht zu Nagyhalmagy in Ungarn kam es zwischen dem Bezirksrichter Köhalmy und dem Verhandlungsleiter aut einem heftigen Wortwechsel. Köhalmy verlangte ritterliche Genugtuung, die der Richter mit Rücksicht auf seinen Stand verweigerte, worauf köhalmy den Richter durchprügelte. Das Gericht Nagybuttin, das nun über die Affäre zu urteilen hatte, verdammte Köhalmy bloß zu einer Geldstrafe von 250 Kronen und erklärte es als Milderungsgrund, daß Köhalmy als Reserveoffizier gezwungen war, nach der Ablehnung der ritterlichen Genugtuung den Beleidiger zu insultieren, da er sonst seines Offiziersranges verlustig gegangen wäre. Ein verbrecherischer Anschlag in einer französischen Kohlengrube: In den Marsgruben bei Saint- Etienne wurde gestern ein Akt verbrecherischer Sabotage entdeckt. Ein die Gruben besichtigender Aufseher fand in den Galereien etwa fünfzehn hölzerne Stüßpfeiler in ganz charakteristischer Weise angesägt, so daß sie jeden Augenblick brechen konnten. Hätte sich der Zusammenbruch zur Zeit der Arbeit in jenen Galerien ereignet so wäre durch das Nachstürzen von Erd- und Gesteinsmaffen eine furchtbare Katastrophe eingetreten, der sicher zahlreiche Arbeiter zum Opfer gefallen wären. Der betreffende Minengouverneur erstattete von dem Funde Anzeige bei der Grubendirektion und der Staatsanwaltschaft und benachrichtigte die Inge= nieure von der Dringlichkeit der Gefahr. Eine gerichtliche Untersuchung ist in der Stille eingeleitet worden. Die Behörden bewahren vorderhand über den Gang dieser Erbebungen strengites Schweigen. Immerhin steht es über allem Zweifel fest, daß hier keine sträfliche Nachlässigkeit sondern ein Verbrechen vorliegt. Die Erregung unter der Bergarbeiterbevölkerung der ganzen Gegend ist ungeheuer, da noch niemals ein derartiger Anschlag gegen das Leben der Grubenleute geschehen ist Was geschicht mit den Cookschen Papieren? Die Frage, was mit den Papieren anzufangen ist, die Cook der Univerfität Kopenhagen zur Prüfung übergeben hat und die durch das Verschwinden Cooks, vorerst wenigstens, herrenlos geworden sind, hat vor einigen Tagen die Univcef= tätsbehörden der dänischen Hauptstadt beschäftigt. In dieser Sizung versuchte niemand mehr, das Verhalten Cooks auch nur zu erklären, im Gegenteil, der einstimmig gefaßte Beschluß über die weitere Verwendung seines Beweismoterials" ließ zur Genüge erkennen, mit welcher Lerachtung der einst so gefeierte Forscher" von den dänischen Gelehrten jetzt behandelt wird. Nach kurzer Beratung fam man zu dem Erkenntnis, den Dr. Cook trotz seiner wissenschaftlichen Vergangenheit nicht mehr als Gelehrten oder ernsthaften Forscher, sondern als Fälscher und Betrüger zu betrachten und ihn in diesem Sinne auch zu behandeln. Von dem ursprünglichen Gedanken, seine Aufzeichnungen dem Universitätsarchiv oder den Beständen der königlichen Bibliothek einzuverleiben, trat man daher wieder zurück und hat die Papiere Cooks dem Kriminalmuseum in dopenhagen überwiesen, das von der dortigen Polizeivermor= tung feit langen Jahren unterhalten wird. In dem Archiv dieses Museums werden die Aufzeichnungen Cooks untergebracht, und zwar in jener Abteilung, in dem Briefe und sonstige Handschriftliche Dokumente der berühmtesten dänischen Fälscher und Gauner aufbewahrt werden. Ein fürstlicher Heiratskandidat. Budapester Blätter haben dieser Tage das folgende Inserat veröffentlicht: „ Ein deutscher Prinz, der ein Riefenvermögen in Gütern besitzt, aber 750 000 Gulden Geldschulden hat, bietet jedem ungarischen Mädchen Herz und Hand, das eine zur Bezahlung der Schulden genügende Mitaift, erhält. Der Bewerber ist 40 Jahre alt, von dynastischem Wuchs und hat Zutritt beim deutschen Kaiserhofe. Besonders zu beachten ist, daß der Prinz ungarisch spricht." Eine schändliche Eheintrige beschäftigt zurzeit die Behörden und Bewohner der südfranzösischen Stadt Bayonne. Der Staatsanwaltschaft von Bayonne übergab ein Herr namens Bounsfonnie einen angeblich von ihm aufgefangenen, an seine Gattin gerichteten Brief eines Liebhabers, worin es heißt:„ Nur Gift fann Dich freimachen, und unser Glück wird vollständig sein." Der Untersuchungsrichter erkannte schon beim ersten Verhör der Frau Bounsfonnie, daß es sich um ein gegen sie gerichtetes tückisches Manöver handle. Der Gatte, in die Enge getrieben, gestand schließ= lich, daß er den Brief auf Veranlassung seiner Geliebten abgesandt und, daß sie den verleumderischen Zettel nach setnem Diktat geschrieben habe. Weitere Nachforschungen ergaben, daß Bounssonnie seiner Frau einmal Arsenik in die Suppe geschüttet hatte. Das Gift war ihm von der Geliebten geliefert worden. Diese versuchte sich gestern zu erhängen, wurde aber noch vechtzeitig abgeschnitten. Schwere Vorwürfe gegen die Behörden von Messina. Der italienische Gelehrte Guido Alfani vom Observatorium in Florenz erhebt schwere Anklagen gegen die Behörden von Messina und Kalabrien, weil sie nicht die geringsten Vorfehrungen zum Schuße gegen Erdbeben getroffen haben. Als einen Hauptgrund für die großen Verluste an Menschenleben im Vorjahr gibt Alfani die nachlässige Bauart der Häuser von Messina an. Seiner Ansicht nach wird bei dem Wiederaufbau der Stadt nichts getan. um eine Wiederholung des furchtbaren Unglücks zu vermeiden. Als Beispiel für die unsolide Bauart der Häuser gibt er an, daß an Stelle von Mörtel und Kalk vielfach Schlamm zum Verbinden der Bausteine verwendet wird. Er erklärt, daß das Messina, das jebt aufgebaut wird, nichts anderes als ein ungeheures Grab für die kommenden Geschlechter sei. Anstatt die Stadt, die auf derartig gefährlichem Boden sich erhebt, so anzulegen, daß bet einem erneuten heftigen Erdbeben nicht die schüßenden Häuser selbst die Ursache des Unterganges der Bevölkerung werden, beherzigt man keineswegs die Lehren der Vergangenheit, sondern wiederholt die Fehler nur noch in größerem Maßstabe. Vor allen Dingen tadelt er die mangelnden Vorsichtsmaßregeln beim Bau der Hafenstraße Palazzata, die vom Meere unterspült wird, ohne daß genügende Versteifungen und Aufschüttungen stattfinden. Das erste chinesische Kursbuch. In den nächsten Tagen wird das erste amtliche chinesische Kursbuch ausgegeben werden. Einer der höheren Beamten des chinesischen Verkehrsministeriums hat sich vor einigen Wochen nach Japan begeben, um die dort geltenden Eisenbahnverkehrsbestimmun= gen zu studieren. Er hat nunmehr ein den chinesischen Verhältnissen angepaßtes Handbuch des Eisenbahnverkehrs zusammengestellt, das als einen Anhang die Fahrpläne sämt= licher chinesischen Eisenbahnen enthält. Das Verkehrsministerium hat angeordnet, das Handbuch unverzüglich in Druck zu geben und an sämtliche Eisenbahnverwaltungsstellen zu verteilen. Tenre Festblumen. Aus Neuyork wird berichtet: Von Jahr zu Jahr steigen die Aufwendungen, die die Amerifaner machen, um ihren Freunden zu Weihnachten und zum neuen Jahre durch Blumenspenden eine Aufmersamkeit zu erweisen. Die Blumenhändler haben gute Tage. In Neuyork bezahlt man jetzt bereits 144 M für das Dußend blühender American Beauty- Rosen und die Vorräte genügen nicht der Nachfrage. Für andere Rosen sind 60, 70, 100. ja 120 M für das Dußend ein völlig normaler Preis. Für Was= serlilien bezahlt man einen Dollar für das Stück, Azalten 6 M für das Dutzend Blüten; nur die Orchideen sind im Preise gesunken und mit 6 M für die Blüte„ billig" zu faufen. Eine historische Ueberwurst. In einem alten geschichtlichen Werk über Preußen wird erzählt, daß die Fleischer= meister in Königsberg in Ostpreußen zum 1. Januar 1600 vermutlich, um den Jahrhundertwechsel durch eine große Tat zu feiern- eine Wurst hergestellt hatten, die wohl die Bezeichnung leberwurst" verdient. Sie hatte die stattliche Länge von 1005 Ellen und das nicht minder stattliche Ge= wicht von 885 Pfund. Gemeint ist wahrscheinlich die sogenannte furze Elle; trotzdem kann die Wurst nicht sehr dick gewesen sein, und man scheint den größeren Wert auf ihre Länge gelegt zu haben. Die Riesenschlange wurde in feierlichem Aufzuge von 103 Fleischergesellen durch die Stadt ge= tragen. Verwendet wurden zu ihrer Herstellung 81 Schweineschinken, gleich 118 M 10 Broschen; anderthalb Tonnen Salz, gleich 3 M 5 Gr.; anderthalb Tonnen Vier, gleich 3 M; 18% Pfund Pfeffer, gleich 24 M 13 Groschen. Für Kränze zur Schmückung der Wurst wurden 112 M 16 Groschen und 3& verwendet. Es fällt uns auf, daß der Chronist behauptet, es sei auch Bier zur Wurst genommen; das soll aber in der Tat früher häufig geschehen sein. Im ganzen kostete die Wurst nach damaligem Gelde 412 Taler 16 Groschen 3 Pfennige, wobei der Taler zu 36 Groschen gerechnet ist. Da die Königsberger Bäcker von den Fleischern eingeladen waren, an der Vertilgung der Wurst teilzunehmen, so lieferten sie als Gegenleistung 8 Brezeln und 6 Handbrezeln. Von den ersteren waren zwei 43%, Ellen lang. Uebrigens konsumierten nach demselben Berichte die 3 Meister und, 87 Geselien, die die Riesenwurst herstellten, bei ihrer anderthalbtägigen Arbeit für 480 M Bier. Die Ueberwurst scheint also schon vor ihrer Vertilgung auch et= nen Ueberdurst erzeugt zu haben. Das Nordpolbankett. Gerade in diesen Tagen, wo die Ansprüche Dr. Cooks auf die Entdeckung des Nordpols als unerwiesen abgelehnt worden sind, hat ein in England le= bender Millionär, Mr. George A. Keßler, der schon in früHeren Jahren durch seine exzentrischen Diners von sich reden machte, den Nordpol als Motiv für ein Prunkmahl berußt. Vor vier Jahren gab er im Savoyhotel ein Gondelbankett, bei dem der Wintergarten in eine Lagune verwan= delt worden war. Diesmal wurde der Festsaal in nur 2½ Stunden in eine arktische Landschaft verwandelt; die Gäste des erzentrischen Millionärs wandelten zwischen Eisbergen, in deren Mitte sich der„ Große Nagel", der Nordpol erhob. Peary und Cook suchten von verschiedenen Seiten den Nordpol zit erreichen. Die 34 Gäste speisten an einem Tisch von tmitiertem Schnce, der den Nordpol umgab. Imitierter Schnee bedeckte auch den Boden, und wundervolle schneeweiße Chrysanthemen zierten das Gitterwerk grünen Ge= ranks, das alle Wände bedeckte. Weiße Gardenien wurden den Damen überreicht; kleine Schneemänner präsentierten die Namensfarten, weiße Stühle harrten der Gäste, und das Menü flatterte als amerikanische Fahne über dem Nordpol. Es war natürlich zum größten Teil aus kostspieligen Leckerbissen zusammengesetzt, die Polarnamen trugen. Die Kellrer waren als Eskimos verkleidet, und zum Schluß verteilte der Gastgeber aus dem Dollarlande unter seine PoTaraäste Weihnachtsgeschenke, die unter vier mit silbernen Giszapfen behangenen Christbäumen lagen. Das Nordpolbanfett foftete die Kleinigkeit von 40 000 M, und da nur 34 Gäste daran teilnahmen, so kann man ausrechnen, daß sich das Kuvert auf 1200 M ſtellte. Das boshafte Dienstmädchen. Sie haben schon wieder meine Lackschuhe angehabt, Minna!"- Ach, pardon, gnädige Frau, ich verwechsle sie in der Eile immer mit meinen Gummischuhen!" Die Panik im Eisenbahnzuge. Aus Dresden wird der Tägt. Rdsch." geschrieben: Ea ist schon gemeldet worden, daß in diesen Tagen der München Dresdner D- Zug dicht vor Freiberg plöblich dadurch zum Halten auf freier Strecke genötigt wurde, daß der Sturm mehrere große Bäume entwurzelte, die mit den Wipfeln auf den Zug stürzten, wodurch eine große Anzahl Fensterscheiben zertrümmert wurden. In der amtlichen Mitteilung über den Unfall wird noch gesagt: ,, Sätten sich die Bäume, die erst hinter der Lokomotive den Zug trafen, nur wenige Sekunden früher über das Gleis gelegt, so wäre eine Entgleisung kaum zu vermeiden gewesen, die allerdings bei der Schnelligkeit des Zuges ein großes Unheil hätte anrichten fönnen." Sehr anschaulich schildert eine Reisende, die im Zug saß, den Unfall: In den Coupees waren schon die Lampen angezündet, doch konnte man noch deutlich unterscheiden, wie der orfanartige Sturm drauhen die Wipfel der Bäume beugte. Trotz des Rollens der Räder vernahmen wir die Stöße des Sturmes, die, wie es schien, mit immer größerer Gewalt einherbrausten. Plößlich dröhnte ein entsetzliches Krachen durch den Zug, ein Rucken und Stoßen erschüttert die Wagen, über unseren Köpfen erschallt ein Donner, als bräche mit Macht die Decke hernieder, ein Splittern und Krachen ist uni uns, mit hellem Geffirr brechen draußen im Gang die großen Fensterscheiben an unseren Coupeetüren und zerschellen auf dem Boden in tausend Stücke. Ein Schreien durchgellt den Wagen; wer sollte bei diesem typischen Zeichen einer Katastrophe nicht das schlimmste befürchten! Die Menschen klammern sich in ihrem Schrecken an die Gepäcknete, um dem Erdrücktwerden auf den Bänken zu entgehen, Stoßgebete durchhallen den Raum. Mir gegenüber verfällt ein junges Mädchen in Krämpfe, in der anderen Ecke ist eine Frau ohnmächtig umgesunken. Wir erwarteten jede Sefunde, daß sich unser Wagen hebt, oder daß er aus dent Gleise geschleudert wird. Entsetzliche Augenblicke, die man nie vergessen wird. Jetzt hören wir, wie die Bremsen sich mit ungewöhnlicher Wucht an die Räder legen. Nach schrecklichen Stößen und Rucken hält endlich der Zug: Die Fenster reißen wir auf, da sehen wir, daß wir mitten im Walde halten. Das Zugpersonal durcheilt die Wagen und ersucht die aufs höchste erregten Reisenden, sich zu beruhigen. Man spricht von einem Blißschlag, einer Windhose, umgestürzten Bäumen u. a. Nach viertelstündiger genauester Prüfung aller Räder, sette der Zug seine Fahrt langsam durch den Schneesturm fort. In Dresden, wo wir natürlich mit Verspätung eintrafen, mußte der ganze Zug, in dem man die Glassplitter förbeweise sammelte, ausgewechselt werden, so daß der um 5 Uhr nach Breslau abgehende Zug aus neuen Wagen zusammengestellt werden mußte." Tödlicher Unfall eines Luftschiffers. Der farnzösische Aviatiker de la Grange ist mit seinem Aeroplan abgestürzt und war auf der Stelle tot. Weiter wird noch zu dem Unfall gemeldet: Bordeaux, 4. Januar. Der verunglückte Aviatiker de la Grange ist heute nachmittag gegen 3 Uhr mit seinem Monoplan auf dem Flugplatz Croir d' Hins ausgestiegen. Die Flugmaschine flog glänzend. Bei einem zweiten Versuch erhob sich de la Grange zu 30 Meter Höhe und hatte eben die dritte Runde vollendet, als infolge eines heftigen Windstoßes der linke Flügel der Maschine brach und der rechte sich senkte. Der Aeroplan fiel auf den Abhang einer 20 Meter hohen Anhöhe, stieß dabei gegen einen Wagen und gegen einen Schuppen und stürzte dann zu Boden. De la Grange wurde kopfüber von seinem Size geschleudert und blieb sofort tot. Im Gesicht hatte er eine Verletzung über dem linken Auge erlitten, aus dem rechten Ohr floß Blut und ein Bein war gebrochen. Noch ein aviatischer Unfall. Baris, 5. Januar. Auch auf dem Lagerfelde von Chalons ereignete sich gestern ein Unfall. Die jugendliche Aviatikerin de la Roche wollte den von ihr vor kurzer Beit gekauften Voisin- Apparat erproben. Bei leichtem Win de erhob sie sich bis zu 5 Meter in die Luft, doch schon bei der ersten Runde fuhr sie infolge eines ungeschickten Manövers gegen die das Aerodrom umgrenzenden Bappeln. Der Apparat stürzte herab und zerbrach. Die Flie gerin wurde von ihrem Size geschleudert und fam neben den Apparat zu liegen. Besinnungslos brachte man sie nach ihrem Schuppen. Sie flagte über heftige innere Schmerzen. Aeußerlich war nur eine Schulterverrenkung festzustellen. Vom deutschen Ballon Luna und seinem Führer Leutnant Richter ist bis jetzt teinerlei. Nachricht eingetroffen. Man gibt nunmehr den Ballon und den Luftschiffer verloren und hofft nur noch auf die Auffindung beider. Von den nordischen Regierungen ist ebenfalls bis jetzt keine Nachricht nach Deutschland gelangt, obwohl sie eifrig bemüht sind, Spuren des Vermißten auf zufinden. Man erzählt sich, daß Leutnant Richter von seinen. Eltern ausdrücklich vor dem Antritt dieser Rekordfahrt gewarnt worden ist. Drabtnachrichten und Deaestes. Aus dem Reichslande. Straßburg i. E., 5. Januar. Der Statthalter Zorn ven Bulach veröffentlicht in der amtlichen Korrespondenz ein Schreiben an die Bischöfe von Meß und Straßburg, in dem er gegen den Erlaß der Bischöfe Stellung nimmt, der die reichsländischen Lehrer von dem Anschluß an den allgemeinen deutschen Lehrerverein abhalten soll. Der ErTaß der Bischöfe wird als ein Eingriff in die Staatshoheitsrechte bezeichnet, der entschieden zurückgewiesen werden müsse. Vorbereitungen zum Bergarbeiterstreik. Bochum, 5. Januar. Einen wichtigen Beschluß hat eine Vertrauensmännerversammlung des alten Bergarbeiterverbandes gefaßt. Um die Kampffähigkeit des Bergarbeiterverbandes gegen die Bergwerksbesitzer zu erhöhen, wurde der Vorstand ermächtigt, in Zukunft einen Sonderbeitrag in Höhe von etwa 50 Pfg. monatlich zu erheben. Mit den übrigen Verbänden soll bezüglich der Extrabeiträge eine Verständigung herbeigeführt werden. Prinzessin Luise. München, 5. Januar. Prinzessin Luise von Belgien reiste heute nach Paris ab. Von dem Ankauf eines Grundstückes in der Umgebung von München ist nichts bekannt geworden. Ein neuer Leichenfund in Berlin. Berlin, 5. Januar. Gestern nachmittag wurde au, der Königsheide in unmittelbarer Nähe der Nixdorfer Walderholungsstätte die Leiche eines erschossenen jungen Mädchens gefunden. Sie war in eine wollene Decke und Packpapier eingehüllt. Die Polizeibehörde wurde benachrichtigt und diese stellte fest, daß es sich um die 19 Jahre alte Schneiderin Upsultat aus Rigdorf handelt. Als Täter fommt, wie aus Briefen zu ersehen war, der Monteur Friedmann aus Rixdorf in Betracht, der das junge Mädchen wohl mit deren Einverständnis erschossen hat und zu dann den Mut verlor, die Waffe gegen sich selbst richten. Selbstmord eines Studenten. Breslau, 5. Januar. Der 19jährige Student Thimm, der sich in den Ferien bei seinen Eltern aufhielt, beging in der Nähe von Militsch Selbstmord, indem er sich vor den Schnellzug Breslau- Kalisch warf. Er wurde vollständig zermalmt. Dreizehn Jahre gefangen gehalten. Hof, 5. Januar. Ein fast unglaubliches Vorkommnis bewegt in der hiesigen Gegend die Gemüter. Der Färbereibesitzer Müller im nahen Förbau hielt seine Tochter seit 13 Jahren in einer Kammer gefangen. Die jest 36 Jahre alte Person wurde vor einigen Tagen von einer Gerichtskommission in vollständig verwahrlostem Zustande aufgefunden und in das Krankenhaus Schwarzenbach a. S. verbracht. Was die Eltern veranlaßt hat, ihre Tochter voll ständig von der Welt abzuschließen, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Vater der Verwahrlosten be kleidet das Ehrenamt eines Gemeindekassierers und das eines Armenpfegschaftsrats. Im Gebirge verirrt. Bern, 5. Januar. Ein achtjähriger Schuftnabe verirrte sich im Jura im Schneetreiben und lief die ganze Nacht im Gebirge herum. Am Morgen wurde er erfroren aufgefunden. Ein Bergdorf in Gefahr. Mailand, 5. Januar. Das Apenninendorf Scopolo ist durch einen unaufhaltsam vorrückenden Bergrutsch in Gefahr. Die Erdmassen, die an der Basis 500 Meter breit sind, erreichten bereits die ersten Häuser der Ortschaft, die gänzlich geräumt werden mußten. Das nahe Ende Meneliks. Mailand, 5. Januar. Der Korrespondent des Corriere della Sera meldet, daß die europäische Kolonie in Adid Abeda den Tod Meneliks stündlich erwartet. 3000 abessi= nische Soldaten sind fieberhaft damit beschäftigt, die Höhen zu befestigen, die das Europäerviertel der abessinischen Hauptstadt beherrschen. Die Lage wird als äußerst ernst angesehen. Nationalspende in Spanien. Madrid, 5. Januar. Eine in ganz Spanien veran staltete Sammlung für die in Marokko zu Schaden getommenen Soldaten und die Familien der Gefallenen hat die Summe von 1976 000 pesetas erbracht. Zwei französische Soldaten als Mörder. Paris, 5. Januar. Die Mörder der Witwe Gouin, deren Verhaftung bereits gemeldet ist, sind die Soldaten Graby und Michel vom 31. Infanterieregiment. Sie waren von einem ehemaligen Kameraden gesehen worden, als sie in Melun, da der Zug nach Paris überfüllt war, in ein Abteil erster Klasse stiegen. Während der Fahrt bemerkten sie Frau Gouin, und deren mit Juwelen geschmückte Hände flößten ihnen den Gedanken des Mordes ein. Sie erbeuteten außer Juwelen nur fünf Francs. Die Leiche warfen fie auf die Schienen. Paris, 5. Januar. Die Mörder der Frau Gouin, die Soldaten Michel und Graby, werden vor das Schwurgericht gestellt werden, da sie das Verbrechen während eines 24stündigen Urlaubs begingen. Die von der Familie der Frau Gouin ausgesetzte Belohnung von 25 000 Francs wird einem Koch zufallen. Mehrere Blätter verlangen aus Anlaß des von den Soldaten verübten Mordes, daß die Armee von den„ Apachen" gesäubert werde Giessener Konzert- Verein Sonntag, den 9. Januar 1910, abends 54 Uhr in der NEUEN AULA Fünftes Konzert Freibant. Heute Rubfleisch 30 fg. Bei Bedarf an gu tem Zucht und Legegeflügel wenden Sie sich an Beckers Geflügelhof 604. Weidenan Steg. Preißl. gratis. Zweiter Solisten- Abend Bettfedern Fräulein STEFI GEYER aus Budapest( Violine) Fräulein ELLY NEY aus Köln( Klavier) PROGRAMM: 1. Sonate op. 96 In G- dur für Violine und Klavier 2. Sonate op. 35 In B- moll für Klavier. 3. Loure und Gavotte a. d. Sonate für Solo- Violine in E- dur Nr. 6 4. Stüoke für Violine mit Begleitung des Pianoforte: 2) Aria op. 103 b) Larghetto c) Zapateado 5. Solostücke für Klavler: a) Intermezzo op. 119 Nr. 2 in E- moll b) 99 a. op. 76 In As- dur " 9 op. 118 Nr. 6 In Es- moll d) Rhapsodle op. 119 Nr. 4 In Es- dur L. van Beethoven. Fr. Chopin. J. S. Bach. M. Reger. A. Dvorák. P. de Sarasate. Johs. Brahms. Oer Konzertflügel von Steinway& Sons In New- York und Hamburg ist aus dem Klavler- Lager der Firma C. A. André In Frankfurt a. Main. Eintrittskarten: 1. Platz Mk. 5,-, II. Platz Mk. 4,-, III. Platz Mk. 3,-, IV. Platz Mk. 2,50, Studentenkarten Mk. 1,-. Kl. Partitur- Ausgaben sind in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier( Rudolphs Nachf.), Telephon Nr. 671, für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Ritter und abends an der Kasse zu haben. 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