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Jahrgang Jaferate: die 44 mm breite Petitzelle Reklame: 90 W " 50 Beilagen werden nach Gewicht und Größe bere Telephon- Anschluß: Cichen, s. 368. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszettung ( Sießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von berhessen. Wie der hessische Staat zu sparen anfängt. Zu der Meldung über die Entlassungs- Kündigungen, die eine große Anzahl hessischer Baubeamten von der Regierung für den 1. April d. Is. erhalten hat, wird geschrieben: In den jüngsten Landtagsfizungen haben die Parteten sich dahin ausgesprochen, die hessische Regierung solle versuchen ihren Beamtenstab in Anbetracht der schlechten finanziellen Lage nach Möglichkeit einzuschränken. Die Regierung ist schon dabet, im Sinne dieser An. regungen zu verfahren; nur fönnte es mancher für sehr merkwürdig finden, auf welche Weise der Anfang des berheißungsvollen Sparens geschieht. Verschiedenen Bauaspiranten, die als Anwärter der mittleren Beamtenlaufbahn im Hoch- und Tiefbau bei den Behörden beschäftigt sind, ist in diesen Tagen ihre Kündigung zugegangen. Bezugnehmend auf die hessische Finanzlage, die eine Verringerung der Bautätigkeit im Gefolge haben werde, bittet die Regierung die mit einem solchen Schreiben Beehrten höflichst, sich zum 1. April fommenden Jahres nach einer anderen Stellung umzusehen. Bei allgemeiner Betrachtung wüßte man gegen das Vorgehen der Regierung nichts einzuwenden, denn außer den angestellten Beamten haben alle Berufe nur ein sehr lockeres Dienstverhältnis, das jede wirtschaft: liche Krise aufheben kann. Doch in diesem Falle hat die Angelegenheit auch ihre bedenklichen Seiten Durch besondere Examinas hatten sich die jetzt Gefündigten das Recht erworben, bet Bedarf im hessischen Staatsdienste Unterkunft zu finden. Mancher von ihnen hat dann eine gutbezahlte Stelle bei einem Privatunternehmen aufgegeben und seiner Einberufung zur staatlichen Verwendung Folge geleistet, in der Aussicht. daß ihm durch dauernde Beschäftigung und feste Anstellung eine gesicherte Existenz bevorstehe. Hatten die Bau aspiranten bei den Privatbetrieben durchweg 2000 Mark Gehalt bezogen, so mußten sie sich zur Zeit der Ein berufung in den hessischen Staatsdienst mit einem Anfangsgehalt von 1400 Mark begnügen. Die bei ihrem Eintritt 25 Jahre, mitunter noch älteren Bauaspiranten brachten dieses pekuniäre Opfer nur in der Aussicht, jetzt dauernde Verwendung im Staatsdienst zu erhalten. In dieser Aussicht hat auch mancher Anwärter sich die ihm bietenden besseren Stellungen ab. gelehnt. Dieser oder jener hätte auch gern eine Stelle außerhalb des Staatsdienstes angenommen, wenn ihm bom hessischen Staat nur entsprechender Urlaub gewährt wäre. Bis zum Vorjahre wurde ein Urlaub verweigert; und zwet beschäftigte Bauaspiranten, die ohne Urlaub besser bezahlte Stellen anderwärts annahmen, mußten damit jedes Anrecht auf eine Anstellung im hessischen Staatsdienste aufgeben. Kürzlich hat freilich die Negierung den Erlaß gegeben, fünftig den Urlaub jedem Volkswohlfahrt und Heimatpflege. Seit einiger Zeit wendet man in weiteren Kreisen un seres Volkes zwei Gebieten, die für dessen Zukunft von nicht leicht zu unterschäßender Bedeutung sind, erhöhte Aufmerksamkeit zu, den Gebieten der Volkswohlfahrt und der Heimatpflege. Mancherlei Ursachen, leider nicht freudiger Art, haben dazu die Veranlassung gegeben, in erster Linie wohl die Flucht von dem platten Lande in die großen Städte und die dadurch bedingte Entvölkerung des ersteren im Gegensatz zu dem außergewöhnlichen, nicht immer gesunden Wachstum der letzteren. Als Folgen dieser Erschein ung machen sich in unliebsamer Art geltend das Verfassen alter schöner Sitten und Gebräuche, die dem Leben auf dem Lande einen ganz besonderen Reiz verliehen, und der Ersatz durch städtische Gewohnheiten, die meist zum Landleben in schroffem Gegensatz stehen, andererseits aber in den Städten das Schwinden der Achtung vor Gesetz und guten Sitten, die jeden Vaterlandsfreund mit schweren Bedenken erfüllen müssen. In vielen Teilen unseres Vaterlandes haben sich daher Vereine gebildet, meist allerdings von jüngerer Lebensdauer, die sich der Volkswohlfahrt und Heimatpflege in besonderer Weise widmen, um den Schäden unseres Volkslebens entgegenzutreten. Insbesondere ist es die Jugend, und zwar diejenige, die die Schule verlassen hat, bei der man die Hebel zur Besserung anzusetzen sucht. Ihr wendet man daher erhöhte Fürsorge zu und findet nach langer Zeit der Verkennung einen sehr wichtigen Punit in der Pflege von Turnen und Spiel, um ihr die Wege zu weisein, wie sie ihre freie Zeit núßbringender und zugleich ge sundheitsfördernder verwenden kann, als es in der Regel geschieht. Als einen treuen Helfer bei dieser feineswegs leichten Arbeit begrüßt man von jener Seite mit besonderer Aufmerksamkeit die Deutsche Turnerschaft, den größten und ältesten Verband, der die Leibesübungen in der umfassendsten und volkstümlichsten Weise betreibt und schon auf eine beinahe 50jährige Tätigkeit im Dienste von Volkswohlfahrt und Heimatpflege zurückblickt. Denn alles, was der Volkswohlfahrt dienen soll, muß auf breitester volkstümlicher Grundlage beruhen. Auf sie wordenen Lage den„ wilden Mann". das 50jährige Dottorjubiläum. Der ärztliche Ber erteilen zu wollen, sicherlich wäre ihr dies aber auch und beraubt worden fein. Die Räubergeschichte ist er. funden. Bezendörfer hatte größere Bahlungen zu leiften, früher möglich gewesen. war dazu außer Stande und erdichtete sich, um seine BahlNach solchem Modus mußte seither jeder im Anungsunfähigkeit plausibel zu machen, den Naubaufall. Jest wärterverhältnis stehende Bauaspirant der festen Meinung ist er tobsüchtig und wurde ins Darmstädter Krankenhaus sein, seine dauernde Verwendung im Staatsdienst werde gebracht. Bermutlich ist auch die Tobsucht falsch und Benicht unterbrochen. Nur in dieser Erwartung haben sie bendörfer spielt in der für ihn doppelt unangenehme die pekuniären Nachteile jahrelang getragen und die meisten von ihnen haben die Dreißiger dabet erreicht. Zieht man noch in Betracht, daß auch mancher gehetratet und mit großen Einschränkungen seine Familie ernährt hat, so wird man es begreiflich finden, wenn die jetztge Maßnahme der hessischen Regierung in den davon betroffenen Streisen empörend gewirkt hat. Von Interesse für die Allgemeinheit dü fte es nach diesem Intereffe für die Allgemeinheit dü fte es nach diesem Schritt sein, ob die heffische Regierung bei den Anwärtern mit akademischer Vorbildung in gleichem Um. fange die Kündigung vornehmen wird. Denn nach den Hinweisen, die in letzter Zeit durch die Zeitungen gegangen sind, ließe sich auch auf dem Gebiet der höheren Verwaltung noch ein ziemlicher Brocken sparen. Lokales und Provinzielles. ** Vom Hofe. Am Montag fand im Kaisersaal des Alten Schlosses Neujahrstafel zu 93 Gedecken statt. Nach Schluß der Tafel unterhielten sich die Großherzoglichen Herrschaften bis gegen 10 Uhr mit ihren Gästen. An der Tafel nahmen teil: Der Großherzog und die Großherzogin, ferner u. a.: Frau Breidert, Geh. Dr. Breidert, Rettor Prof. Dr. Strahl, Oberst von Dewitz und Oberst von Müller. * Gießen, 5. Jan. Eine Gedächtnisfeier für den Volksschriftsteller S. Glaubrecht fand gestern Abend im Cafe Ebei statt. Die Veranstaltung wurde von dem Verein für Volkskunde in Hessen abgehalten. * Gießen. Der o. Professor der Philosophie und der Pädagogit Dr. Karl Groos wird mit dem 1. April von seinem Ordinariat zurücktreten, um sich mehr seinen literarischen Arbeiten widmen zu können; er wird jedoch auch fernerhin als Dozent an der Universität tätig sein.- Das Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins im alten Schloß ist für Besucher vom 15. Januar bis 15. März ge* Gießen. Dem Inhaber der Fabrit feiner Fleischund Wurstwaren, Möh i, ist der Titel eines„ Großherzoglichen Hojmezgers" verliehen worden. * Darmstadt, 3. Jan. Am 7. d. Mts. begeht Geh. Obermedizinalrat' Dr. Neidhart, vortragender Rat in der Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege, ein hat ihn aus diesem Anlaß zum Ehrenmitglieb ernannt. * Mücke. Die Betriebsgenossenschaft der Oberhesstschen Holzindustrie Müde, e. G. m... ik burch Deschluß der Generalversammlung vom 20. Dezember 1900 mit Wirkung vom 1. Januar 1910 aufgelöst werden. 2. Homberger in Gießen und August Schlosser 2. in NiederGemünden find Liquidatoren. * Mainz, 4. Jan. In der Grundmaner der ehe maligen St. Albanskirche wurde vor einiger Zeit mit Ser Aufdeckung eines aus dem 6. bis 7. Jahrhundert stammen den fränkischen Friedhofes begonnen. Bis jest wurden 60 Grabstätten geöffnet, die wertvolle Schmudgegenstände aus Edelmetallen und Waffen aus Sisen aufwiesen. * Bingen, 2. Jan. Von Seiten des Kreisamts Bingen wurde angeordnet, daß Schlachtsich, das von den Märkten in Mannheim, Mainz und Frankfurt kommt, bei der Einführung in den Areis Bingen Quaran. tänemaßregeln unterzogen werden muß, zur Ver meidung der Einschleppung von Maul- und Klauenseuche. Bingen. Unter der Leitung des Privatdozenten Dr. Rauch in Gießen findet gegenwärtig in ber Stollenkrypta der hiesigen Pfarrkirche Ausgrabungen statt. Es soll versucht werden, Aufschlüsse über Alter und Be dentung der Krypta, die außerordentlich alt sein soll, zu erlangen. * Bingen, 2. Jan. Von Seiten des Streisamte Bingen wurde angeordnet, daß Schlachtvich, das von den Märkten in Mannheim, Mainz und Frankfurt fommt, bet der Einführung in den Kreis Bingen Quarantänemaßregeln unterzogen werden muß, zur Vermeidung der Einschleppung von Maul- und Klauenseuche. Rebattion, Drud unb Berlag von XIV in loix, Gießen. Hämorrhoidalleiden sind sehr läftig und vielfach mit großen Schmerzen verbun * Friedberg, 4. Jan. Im Verein für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt und Kunstpflege wird Pfarrer Schulte Großen Binden heute Mittwoch, den 5. Jan., nachmittags 4 Uhr, im Saale des Hotel Trapp in Friedberg einen Vertrag über das„ Oberhessische den und können schließlich sehr gefährlich werden. Nach vie olkslied, seine Feinde und seine Freunde", unter Mitwirkung von Fräulein Thea Fey- Friedberg( Gesang) und Professor Dr. Karl Schmidt- Friedberg( Klavier) halten. Der Ertrag der Veranstaltung ist zum Besten der Krankenpflege auf dem Lande bestimmt. * Darmstadt, 2. Jan. Der Schweinehändler Betendörfer aus Niederklingen wollte im Walde überfallen haben schon die Begründer des deutschen Turnens diese Leibesübung gestellt. Guts- Muts verlangte bereits für beide Geschlechter förperliche Uebungen. Nur dann aber erfüllen sie ihren Zweck ganz, wenn sie sich für alle Altersstufen vom Kinde bis zum Greise eignen und jedermann je nach Geschmack und Neigung etwas bieten. Diesen Forderungen kommt ganz besonders das deutsche Turnen entge gen. Es darf da allerdings nicht in der Bedeutung aufgefaßt werden, wie man es noch häufig antrifft, daß es nur aus Ordnungs-, Frei- und Geräteübungen bestünde und nur auf geschlossene Hallen angewiesen sei. Eine gleich wichtige Stelle nehmen in ihm die Spiele ein, denen in der Neuzeit ganz besonders das Wort geredet wird. Daher muß hervorgehoben werden, daß die Turnvereine stets die Träger der Spielbewegung gewesen sind. Guts- Muths wies den Spielen schon einen wichtigen Plaz auf dem Gebiete der Leibesübungen an, und Jahn begann vor nunmehr beinahe 100 Jahren sein Turnen mit Spiel. Die Anregung zu dem berühmten Erlaß des preußischen Kultusministers von Goßler am 27. Oftober 1882 gaben die Spiele der akademischen Turnvereine Berlins. Und überall, wo die Turnlehrer an den Schulen von dem echten turnerischen Geiste beseelt waren, da wurden die Turnspiele immer betrieben. Viele Direktoren, die im Oktober 1889 der Philoden logenversammlung in Görlitz angewohnt hatten und dortigen Spielbetrieb sahen, der von dem früheren Turnder lehrer Moritz Böttcher dort eingeführt worden war Name Böttcher hat in der Deutschen Turnerschaft einen gu ten Klang vermeinten zwar etwas ganz neues zu blicken, trotzdem zum großen Teil an ihren eignen Schulen ein ähnlicher Spielbetrieb vorhanden war, den sie aber nicht kannten. er= Spielen allein aber tut es nicht, das eigentliche Tur nen muß sich damit verbinden, da es wieder andere Anforderungen erfüllt, die man von den Leibesübungen verlangt. Das betonen auch stets die Männer, die an der Spike des Zentralausschusses für Volts- und Jugendspiele stehen, der sich die Verbreitung der Spiele zur besonderen Auf= gabe gemacht hat. Sie stellen das Turnen im engeren Sinne und das Spiel als gleichberechtigte Faftoren nebeneinander. Das beweist weiter das freundschaftliche Zusammenarbeiten dieses Ausschusses mit der Deutschen Turnerschaft und dem len Gutachten ist Sanitätsrat Dr. Wegener's Thee ein hervorragendes Mittel bei diesen Beiben, um Binderung und Hämorrhoiden beseitigt wird und dieses ist speziell die AufHeilung zu bringen. Es ist wichtig, bas bie Ursache der gabe dieses Tees. Preis Mt. 1.50, in allen Apotheken z haben, wenn nicht, wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 55. Deutschen Turnlehrerverein, dem die gemeinsame Heraus gabe eines Flugblattes zur Gewinnung der schulentlassenen Jugend für die Pflege der Leibesübungen entsprungen ist. Man muß immer bedenken, daß vielen jungen Beuten werttags die freie Zeit zum Spiele vollständig fehlt. Sie kön nen erst die Abendstunden den Körperübungen widmen. Die häufig ungünstige Witt! rung zwingt auch, will man keine Pausen eintreten lassen, zur Benußung der Hallen. Das sehen auch viele Anhänger des Sportes ein, die sich Turnvereinen anschließen, um während der ungünstigen Jahreszeit nicht außer Uebung zu lommen. Welcher ausgedehnte Spielbetrieb aber neben dem eigentlichen Turnen in der Deutschen Turnerschaft herrscht, darüber gibt die Erhebung vom 1. Januar 1908 ausführ lichen Aufschluß. Abgesehen davon, daß in vielen Zurnstunden auch gespielt wird, waren es von den 8157 Vereinen der Deutschen Turnerschaft 6120, bie fich in beson deren Zeiten dem Spielbetrieb widmeten. Sie brachten es auf 47 139 Spielzeiten mit 457 965 Teilnehmern. Bei die sen Zahlen fehlen noch 2 Kreise mit ausgedehntem Spiel betrieb. Sept man diese noch in Rechnung, so ergeben sich sicherlich mehr als 60 000 Spielzeiten mit mindestens 470 000 Teilnehmern. Im Mittelrheinkreis widmeten sich von 1019 Vereinen 683 in besonderen Zeiten, und zwar 5007, dem Spiel. Die Zahl der Teilnehmer belief sich auf 31 710. Die Zahl der Spiele, die in der deutschen Turnerschaft eine Pflegstätte gefunden haben, ist eine sehr große. Dabei sind sowohl die Reck- wie auch die Kampfspiele vertreten. Es ist daher eine reiche Auswahl für die verschiedensten An sprüche geboten. Die ersteren, der heiteren Unterhaltung und dem Vergnügen dienend, stellen geringe Anforderungen an die Körperkräfte, ohne sie aber vollständig auszuschließen. Sie eignen sich daher schon für die zartere Jugend und noch für das reifere Alter. Die letteren, von denen beson ders Faustball, Schleuderball, Tamburinball, Fußball, Barlauf und das schönste aller Spiele, der deutsche Schlagball ohne Einschenken, dessen Pflege die Turnvereine ganz sonders in die Hand genommen haben, vertreten sind, tommen dem Bedürfnis der Jugend, ihre Kräfte in edlem Wettstreite zu messen, entgegen. ( Fortsehung folgt.) be Eine Erinnerung an Kronprinz Rudolf. In den ersten Novembertagen des vorigen Jahres starb, mie gemeldet, in Colombo in Südamerika der Baron Louis Vetsera, dessen Tod dem Ministerium des österreichischen Kaiserhauses durch ein Kabeltelegramm mitgeteilt wurde. Die Identität des Toten wurde behördlich festgestellt und dessen Papiere beschlagnahmt. Baron Vetsera hatte cber schon vorher einige Aufzeichnungen an einen Freund ge= sandt, der diese Papiere einer österreichischen Zeitschrift zur Verfügung stellte. Baron Vetsera hat die Verfügung ge= troffen, daß diese Aufzeichnungen erst nach seinem Tode veröffentlicht werden sollten. Nach den veröffentlichten Papieren lernte Kronprinz Rudolf die Schwester des Barons, die Baronesse Marie Vetsera, in Wien am Turf kennen. Baron Vetsera nennt seine Schwester das schönste und sittsamste Mädchen, das iemals lebte, durchaus nicht groß, sondern klein und zierlich. Der Kronprinz lernte die Baronesse kennen und lieben. Er meinte, wie die Baronesse ihrem Bru= der und ihrer Mutter erzählte, es sehr ernst; er habe ihr die Absicht kundgegeben, sich scheiden zu lassen, um dann mit Baronesse Marie eine morganatische Ehe einzugehen. Denfelben Plan teilte der Kronprinz dem Bruder der Baronesse mit. Er sagte gleich, daß er sich die großen Schwierigkeiten nicht verhehlen könne, die seinem Wunsche im Wege stehen könnten. Der Verkehr des Kronprinzen mit Marie Vetse ra wurde bald Tagesgespräch der Wiener Gesellschaft. Die Gemahlin des Kronprinzen schickte eine Hofdame zur alten Baronin Vetsera, und dieser wurden heftige Vorstellungen gemacht. Die Familie der Baronesse beschwor den Kronprinzen, von seinem Plane abzulassen. Ev blieb aber bei seinem Entschlusse. Ueber die Katastrophe bet Meyerling berichten die Briefe:„ Wir fuhren am 28. Januar 1889 zur Jagd nach Menerling. Die Jagd war sehr schlecht. Am 29. Januar saßen wir alle in der Bauernstube, als die Baronin anfam. Der Kronprinz sagte, daß er jede Hoffnung aufgeben müsse, denn er werde seine Liebe nicht durchsetzen können. Er dürfe weder dem Kaiser noch der Kaiserin etwas ab= trozen. Die Baronin sprach kein Wort, und als der Kronprinz sie aufforderte, doch etwas zu sagen, schwieg sie anfangs. Dann aber antwortete sie ganz leise:„ Mir bleibt nur der Tod übrig!" Der Kronprinz ließ sich noch von der Kapelle viel vorspielen und zog sich gegen Mitternacht in sein Schlafzimmer zurück. Er hatte befohlen, ihn um 6 Uhr früh zu wecken. Einige Minuten nach 7 Uhr entstand im Schlößchen Lärm. Wir erhoben uns alle. Der Kammerdiener, der im Vorzimmer des Kronprinzen schlief, erzählte, daß Seine Kaiserliche Hoheit um 6 Uhr früh in das Vorzimmer getreten sei und ihm gesagt habe, er wolle noch eine Stunde schlafen. Um 7 Uhr habe er geklopft, habe dann die Tür öffnen wollen und bemerkte, daß sie verriegelt sei. Nach abermaligem vergeblichem Klopfen wurde beschlossen, die Tür gewaltsam zu öffnen. Die Rouleaux waren tief herabgelassen. Vier Kerzen brannten; sie waren fast abge= brannt. Der Kronprinz lag im Bett tot. Seine rechte Hand hing aus dem Bett hervor. Auf dem Teppich lag der Revolver. Die rechte Schläfe des Kronprinzen wies eine kleine Wunde auf. Baronesse Marie sahen wir anfangs nicht. Eine weiße Decke hüllte sie vollkommen vom Kopf bis zu den Füßen ein. Auf ihrem Nachtkästchen stand ein Glas mit Filbernem Löffel. Sie hatte sich vergiftet. Unter dem Leuchter lagen vier geschlossene Briefe und ein offener. Baroneffe Maries Leiche wurde in einen einfachen Holzsarg gebettet und dieser wurde durch den Wald nach dem Friedhofe zu Heiligenkreuz getragen." Auch die Prinzessin Luise bringt Enthüllungen über das Drama von Meyerling. Ste hatte unlängst von Köln aus gedroht, sie würde der erstaunten Welt neue Enthüllungen über das Leben an den europäischen Höfen vorseßen und namentlich den Schleier lüften, der noch immer über dem Drama von Meyerling liegt, für den Fall, daß man ihr in Belgien die ihr angeblich noch zukommenden Ehrungen nicht erweisen oder ihr Schwierigkeiten beim Antritte der Erbschaft ihres Vaters bereiten sollte. Schon jetzt führt sie einen Teil dieser Drohungen aus; denn der Dr. H., der bereits mehrfach für sie im Pariser Matin für sie eingetreten war, und der dem Herrn Mattach ich außerordentlich nahe stehen soll, bringt in dem genannten Blatte eine zwei Spalten lange Darstellung über die Vorfälle vok Meyerling, die nicht wesentlich von dem abweicht, was man bereits hier und da unter der Hand darüber erfahren hatte. Das einzige allenfalls neue, was der sogenannte Dr. H. auf eigene Berantwortung anführt, ist, daß er behauptet, Erzherzog Rudolf von Desterreich sei gewissermaßen einem Massenzornesausbruche zum Opfer gefallen, und einer seiner Mörder habe der Prinzessin Luise von Belgien, der vormaligen Prinzessin von Koburg, ganz besonders nahege= standen. Rundschau vom Cage. Politisches. Der Prinzregent Luitpold von Bayern ist an einem Bronchialfatarrh erkrankt. Er konnte gestern nachmittag eine Spazierfahrt nach Schloß Nymphenburg machen. Im Befinden des Regenten konnten die Aerzte beim Abendbesuch eine leichte Besserung feststellen. 2) Der Fall Welshofen. Kriminalroman von M. Kossak. Nachdruck verboten. Das kann ich nicht finden," entgegnete die andere Ampfindlich. Und wenn auch ich möchte sie doch nicht zur Frau haben, denn sie hat einen schlechten Charakter. Wenn der Graf sie fennen möchte, wie sie wirklich ist, dann würde er sich hüten, sie zu heiraten." ,, Wie Du redest!" tadelte die blonde Kleine. Es kann doch niemand der Anita etwas nachsagen. Sie ist ein anständiges Mädchen, das weiß jeder." ,, Na ja, das wohl, aber daß sie sich den Grafen gefapert hat, ist doch bloß Berechnung. So'n alter Mann!" ,, Vielleicht liebt sie ihn doch und" Lieben? Die?" unterbrach sie Louison, in ein höhnisches Gelächter ausbrechend. ,, Du bist doch wirklich manchmal noch zu dumm. Er, der alte Narr, der Welshofen ist bis in die Ohren in sie vernacrt gewiß aber sie? Ne, so was gibts nicht! Hast Du das schöne Bukett gesehen, das er ihr zuwarf? Wahrscheinlich steckt wieder ein BrilTantarmband oder so etwas drin.. Ist doch eine komische Manier, dergleichen auf die Bühne zu werfen! Das läßt man doch sonst aus dem Souffleurkasten reichen! Aber er tuts bloß, damit alle sehen, daß er die Anita liebt." ,, Das ist doch nett von ihm," gegenredete die Blonde. ,, Und da die Hochzeit doch bald sein wird ,, Noch ist sie nicht gewesen," unterbrach sie Louison giftig. Bis dahin kann noch viel Wasser über den Berg laufen. In sechs Wochen lieber Gott, was kann da geschehen!" Daß er Dich heiratet, geschieht ganz gewiß nicht," sagte hönisch ein Clown mit freideweiß angestrichenem Haar und fuchsroter Perücke, der eben an den Mädchen vorüberstrich. ,, Vor Deinen Zähnen fürchtet sich ja doch jeder." Die lettere Bemerkung galt dem auffällig starken Gebiß Louisons, der Quelle ihrer Erfolge und Einnahmen, denn diese wie aus Eisen gemachten großen Zähne waren Ordensverteigungen. Dem Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regenten des Herzogtums Braunschweig, ist das Kreuz der Großkomture des Hausordens von Hohenzollern und der Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg der Luisenorden mit der Jahreszahl 1813/14 verliehen worden. Dr. Potthoff und der deutsche Wertmeisterverband. Den Verwaltungsbehörden des Deutschen Werkmeisterverbandes, die am 1. Januar in Düsseldorf tagten, lag ein Antrag des Verbandsvorsitzenden Barthelm- Kottbus auf Entlassung des Verbandssyndikus, Reichstagsabgeordneten Dr. Potthoff, vor. Der Aufsichtsrat stimmte in seiner Mehrheit dafür, bei dem Zentralvorstande ergab sich Stimmengleichheit. Darauf legte Dr. Potthoff sein Amt als Syndikus nieder. In erster Linie soll die politische Tätigkeit des bisherigen Verbandssyndikus für das Vorgehen gegen ihn bestimmend gewesen sein. Die neue Schießvorschrift für die Kavallerie ist am 2. Dezember genehmigt und soeben an die Truppenteile aufgegeben worden. Sie trägt dem technischen Fortschritt Rech= nung, den die nunmehr in der ganzen deutschen Reiterei erfolgten Einführung des Karabiners 1908 bedeutet, und stellt daher erhöhte Ansprüche an die Schießausbildung und an die Tätigkeit der Kavallerie im Gefecht und zu Fuß. Nene Versetzungen in Kattowiz. Elf Kattowiter Postunterbeamten ist eröffnet worden, daß sie zum 1. Februar versetzt würden; alle diese Beamten hatten bei der Kattowißer Stadtverordnetenstichwahl dem polnischen Kandidaten ihre Stimme gegeben. Ein Reichsbankkassendiener, der auch für den volnischen Kandidaten gestimmt hatte, wurde nach Plauen versetzt. Der fozialdemokratische Preußentag ist gestern in Berlin unter Beteiligung von über 200 Delegierten eröffnet worden. Die Abgeordneten Singer und Parteisekretär Rudolph- Frankfurt a. M. wurden zu Vorsitzenden gewählt. Abgeordneter Singer übernahm die Leitung mit begrüßenden Worten, in denen er ausführte, man träte an die Beratungen heran mit dem Schwur,„ nicht zu ruhen und zu rasten, bis das Ziel erreicht sei, von dem aus die Befreiung des preußischen Proletariats vor sich gehen könne." Der Wahlkampf in England. Nach den letzten Meldungen aus London glauben die englischen Konservativen jetzt selbst nicht mehr an ihren Steg bei den Wahlen; nach einer Aeußerung Balfours erhoffen sie nur noch eine derartige Herabminderung der liberalen Mehrheit, daß eine neue Auflösung des Unterhauses unvermeidlich ist. Frankreichs Pläne in Marokko. Der Londoner Times wird aus Tanger gemeldet, daß die dortigen französischen Behörden seit dem Zustandekommen der Anleihe einen auffallenden Eifer betätigen. Offenbar wollen sie auf gründ= liche Abrechnung dringen. In Zukunft werden sie selbst den Schutz ihrer Staatsangehörigen und anderer Europäer energisch in die Hand nehmen. In Fez ist man ganz bestürzt über diese plötzliche Energie der Franzosen, denn der Sultan und seine Berater waren der Meinung, daß gerade nach Erledigung der Anleihefrage Frankreich eine abwartende Haltung einnehmen werde. Marokkanische Beamte klagen, daß die Noten der europäischen Regierungen an den Mach= sen in der jüngsten Zeit wieder eine sehr dringende Sprache führen. Man wird in Fez allmählich gewahr, daß ganz Europa darauf besteht, daß Mulen Hafid seine Haltung ändect. Gegen den Sozialismus in Frankreich. Eine Anzahl Persönlichkeiten der Gewerbe-, Handels- und Kunstwelt sind in Paris zusammengetreten, um einen national- antifollek= tivistischen Bund zu gründen, der die sozialistischen Theorien bekämpfen und die Abgeordneten überwachen soll Türkische Flottenbegeisterung. Wie Konstantinopeler Blätter melden, haben die Offiziere und Mannschaften der ganzen Armee beschlossen, ihr Gehalt von zwei Monaten in Raten für Flottenzwecke zu stiften. Auch sonst wird in der Provinz die Subskription für die Flotte eifrig betrieben. Der Flottenverein soll in der nächsten Zeit dem Schabe als erste Rate 150 000 Pfund zum Ankauf eines Kriegsschiffes überweisen. Die Regierung gedenkt, behufs Wiederaufbaues der Flotte eine innere Anleihe aufzunehmen. Drohende soziale Kämpfe in Nordamerika. Der größte Streik in der Geschichte der Vereinigten Staaten steht bevor. Die amerikanische Arbeitervereinigung, die über 1500 000 Mitglieder besitzt ist, wie gemeldet, im Begriff, die Feindfeligkeiten gegenüber dem Stahltrust zu eröffnen. Bereits wird ein Kriegsfonds erhoben, zu dessen Kosten jedes Mitglied 10 Cents wöchentlich beitragen muß. Die Gewerkschaften behaupten, daß der Stahltrust, der bekanntlich seinen Arbeitern die Teilnahme an den Gewerkschaften verweigert, seine Gewinne durch die herzloseste Sklavenwirtschaft erzielt. Als Antwort ließ der Stahltrust am Freitag abend zwei Millionen Dollar an seine Angestellten als Gratififation verteilen. Die Gewerkschaften behaupten ihrerseits wieder, daß das einfach Bestechung ist, um eine kleine Minorität der Arbeiter zu veranlassen, die größere Anzahl unterdrücken zu helfen. Kleine Nachrichten! Weibliche Beamte in Baden. Die badische Regierung hat in der Frauenfrage einen bedeutsamen Schritt getan, indem sie bestimmte, daß von nun ab auf allen Stellen des Gehaltstarifs weibliche Beamte angestellt werden können, es, mit denen sie zum Staunen des Publikums die schwersten Lasten aufhob. Leider nur konnte man nicht sagen, daß sie den Reiz ihrer Persönlichkeit erhöhten, sie wäre ein sehr hübsches Mädchen gewesen, hätte der Kontrast zwischen ihrer zarten Erscheinung und den großen Zähnen nicht jeden gestört. Anbeter hatte sie dessenungeachtet genug, u nd wie alle wußten, war Graf Welshofen, bevor er der schönen Anita Brusio begegnete und unrettbar ihrem Zauber verfiel, einer von ihnen gewesen. Dies war auch der Grund, warum Louison die Italienerin so bitter haßte. Man sagte dem alten Lebemann nach, daß nur die brünetten Frauen Charme für ihn besäßen, denn auch Louison hatte schwarzes Haar, dunkle Augen und bräunlichen Teint. Ihrem Typus zuliebe hatte sie sich auch einen französi schen Künstlernamen beigelegt, obgleich sie Berlinerin durch Geburt und Erziehung war. Dank mehrjährigen Engage= ments in Frankreich sprach sie jedoch ein perfektes Franzzösisch, woher denn viele glaubten, daß sie jenseits des Rheines ihr Vaterland hatte. Mit der blonden Frida Sasse verband sie eine enge Freundschaft, die im Hinblick auf die Verschiedenheit beider eigentlich verwunderlich erschien. Denn Frida war ein völlig unverdorbenes, gutherziges Kind, von einer Unschuld und holden Mädchenhaftigkeit, wie man sie in dem Maße in demkreise ihrer Kolleginnen doch nicht oft findet. Aber das Sprichwort von den Gegensäßen, die sich anziehen, bewährt sich auch hier, die beiden Mädchen wohnten sogar zusammen und bertrugen sich ausgezeichnet. Eine wie die andere war eine Waise ohne Verwandte und irgendwelchen Anhang, und der Umstand, daß sie ganz allein auf der Welt standen, trug wohl auch noch dazu bei, daß sie sich um so enger aneinander anschlossen. Uebrigens war auch Louisons Ruf streng genommen, makellos, da sie viel zu berechnend war, um sich ihre Zukunft zu verderben. Sie hatte wohl Anbeter, aber alle ihre Beziehungen bewegten sich in erlaubten Formen. Daß der Graf Welshofen sie wahrscheinlich zu seiner Frau gemacht haben würde, wenn Anita Brusio nicht dazwischen getreten wäre, stand in ihrer Ueberzeug= ung fest, obgleich dieselbe von niemand sonst geteilt wurde. Wie sie jest während der Pause durch das Loch im Vorhang zu der Proszeniumsloge hinausblickte, erschienen ihre Züge förmlich wie von Wut verzerrt. Ein Abglanz davon war sofern sie den für die männlichen Beamten vorgeschriebenen Bedingungen, insbesondere in der Vorbildung entsprechen. Prozeßgegner. Der 65 Jahre alte Privatier Rabe aus Stolberg in Sachsen besuchte am Neujahrstage den Gottesdienst in Zwöniß. Auf dem Nachhausewege lauerte ihm sein Prozeßgegner, der Tischler Müller aus Nieder- Würschniß auf und gab mehrere Revolverschüsse auf ihn ab, von denen einer am Gesangbuche Rabes abprallte. Dann erschoß sich Müller. Rabe ist nur leicht verletzt. Schwere Stürme in Neufundland. Aus Saint Jean ( Neufundland) kommt die Nachricht, daß die neufundländische Fischerflotte durch Stürme schwere Verluste erlitten hat. Zwölf Fahrzeuge gingen mit ihrer Besatzung unter. Viele andere Schiffe erlitten schwere Havarie. Sechzig Seeleute haben den Tod gefunden. Schneefall in Algier. In Constantine und in Setif im Süden Algeriens war gestern zum größten Erstaunen der arabischen Bevölkerung Schnee gefallen. Die Schneedecke war so dick, daß stellenweise der Eisenbahnverkehr unterbrochen wurde. Verhängnisvolle Gasexplosion. In dem böhmischen Grenzorte Libochowitz wurde in dem Hotel Drei Linden der Keller durch ausströmendes Acetylengas vollständig mit Gas gefüllt, das sich plötzlich entzündete. Das Gebäude wurde demoliert, der Hotelbesitzer im Keller als Leiche aufs gefunden. Auch ein Angestellter des Hotels erlitt tödliche Verletzungen. Erschossen hat sich der frühere Amtsrichter Sch. aus Dresden, der von dort anfangs Dezember wegen einer Schuldenlast von etwa 100 000 M flüchtig geworden und Ende Dezember seines Amtes entsetzt worden war. Er hat den Selbstmord am Neujahrstage verübt. Festnahme von Mördern. Am Weihnachtsheiligabend wurde ein Schulknabe aus Scheidelwitz bei Brieg( Schlesien), der von seiner Mutter nach Liegniß geschickt worden war, um 6 M Wochenlohn abzuholen, auf dem Rückweg ermordet und beraubt. Jetzt ist es der Polizei gelungen, die Mörder zu verhaften. Es sind zwei 17- und 18jährige Dienstknechte aus Scheidelwit. Der Tod auf den Schiehen. Auf schreckliche Weise ist der Arbetter Noll auf dem Bahnhof Mühlheim a. d. Ruhr ums Leben gekommen. Er wollte nach der Abkuppelung eines Wagens zur Seite des Gleises treten, blieb aber mit einem Fuß in der Weiche hängen. Noll schrie verzweifelt um Hilfe, da mehrere Wagen heranrollten. Indessen seine Rufe verhallten ungehört in der Nacht. Er wurde überfahren und getötet. Familiendrama. Wie die Landshuter Zeitung meldet, hat am Neujahrstage der Bäckergehilfe Scheurer in Lands= hut i. B. sein anderthalbjähriges Kind aufzuhängen versucht. Hierauf beging er Selbstmord. Das Motiv zu der Tat ist nicht bekannt. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Vom Germanischen Museum. Der vor kurzem in Berlin verstorbene Kommerztenrat J. Kahlbaum hat dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg seine hochbedeittende Münzsammlung und seine Altertümer vermacht. Das Museum hat diese Erbschaft nunmehr angetreten. Die Münzsammlung, die etwa 4000 Gold- und Stibermünzen umfaßt, gibt ein anschauliches Bild des mittelalterlichen und neuzeitlichen Geldwesens der europäischen Staaten und Städte und erregt durch ihren Reichtum und ihre Schönheit die Bewunderung der Laien wie auch durch einzelne hervor ragende Seltenheiten das höchste Interesse der Fachgelehrten. Auch eine ansehnliche Sammlung der seit 1871 a gegebenen goldenen und silbernen Geldstücke der verschie= denen Staaten des Deutschen Reiches in zumeist it mpelglänzenden Exemplaren befindet sich darunter. Von den Altertümern, die vorwiegend aus Hausgeräten und Waffen bestehen, sind die Zinnsachen( 124 Stück) besonders wertvoll; ihr wichtigster Teil stammt aus dem Eigentum der Wismarer Zünfte. Millionengeſchenk für eine Universität. Die Witwe des bekannten Multimillionärs Russel- Sage hat nach einer Meldung aus Neuvork der Universität Vale als Neujahrsaeschenk die Summe von 650 000 Dollars gleich 2 800 000 M überreicht. Vermischtes Ein Zigeunerdrama. In einem Hause in der Kleinen Gartenstraße in Stolp i. P. wohnen seit einiger Zeit die Zigeunerfamilien Krause und Rosenbach, zu denen Sonntag abend in der 11. Stunde ein Arzt gerufen wurde. Dieser fand die 27jährige Ehefrau Rosenbachs mit einer Schußverletzung im Kopfe vor und veranlaßte die Ueberführung der Schwerverleßten in das städtische Krankenhaus. Die Verlegung sollte dadurch entstanden sein, daß die Frau Kehricht zum Kaffeekochen auf das Herdfeuer legte und eine in dem Müll enthaltene Patrone explodiert sei. Es wurde aber festgestellt, daß die Verletzung von einem direft abgefeuerten Schuß herrühren mußte. Infolgedessen wurde der Ehemann der Frau verhaftet und hat im Un tersuchungsgefängnis auch das Geständnis abgelegt, daß beim Untersuchen seines Revolvers ein Schuß ,, losgegangen" sei und seine Frau getroffen habe. Die Unglückliche dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. auch noch in ihnen zurückgeblieben, als der Inspizient die Mädchen von der Bühne fortrief, um das Zeichen zum Wiederbeginn der Vorstellung zu geben. Louisons Nummer war die nächstfolgende, dann kam Frida an die Reihe. Sie besaß eine sehr schöne, auch leidlich gut ausgebildete Sopranstimme, und ihre Spezialität! bestand darin, daß sie sich im Verein mit dem Orchester, selbst auf der Geige begleitete. Im Grunde boten ihre Leistungen nichts gerade Außerordentliches, aber sie sang: und spielte mit viel Ausdruck und vor allem sah sie gar! 311 lieblich und reizend aus, wenn sie in ihrer eleganten, aber backfischmäßigen Gesellschaftstoilette, auf der Bühne stand und geigte. Sie erntete stets reichen Beifall, und ihre Nummer war denn auch in wenigen Wochen vom Anfang des Programms immer mehr nach dessen Ende gerückt. Während sie hinter der Szene des Augenblicks harrte, in dem sie auftreten sollte, lag ein trüber Ernst auf ihrem süßen Kindergesicht, der auch nicht wich, als ein junger Mann im Frandanzug mit weißer Halsbinde zu ihr trat und mit scherzender Vertraulichkeit ihren Arm berührte. ,, Was hat mein kleiner Schatz schon wieder?" fragte er lachend. Siehst ja so böse aus, Kindchen- was ist denn?" ,, Ach, laß mich, Felix," erwiderte das Mädchen weinerlich. Du machst Dir ja doch nichts aus mir." Wirklich nicht? Weißt Du das so genau?" Da sie sich schmollend abkehrte, legte er zärtlich den Arm um sie. Komm, sei vernünftig, Kleine, und beichte mir. Was ist Dir geschehen was bereitet Dir Kummer?" Eine Weile kämpfte sie noch mit sich und widerstrebte, aber dann gab sie nach. Sie war ia doch viel zu ver liebt in den schönen Menschen mit dem interessanten dunklen Kopf, um lange mit ihm zu schmollen, seinen freundlichen, liebkosenden Worten gegenüber schwand ihr Trop wie Schnee an der Sonne. ,, Die Louison meint, daß es noch gar nicht sicher istgestand sie leise= ,, daß daß der Graf Welshofen die Anita heiratet." ( Fortsetzung folgt.) 1 = 8 en cie 11= e= B₂ g Die au nd $ 3 Di= en n= aß! te die ht id= täti teri hre ng ar! Len hne Ind om nde; te em ger cat cte. cer ift netz den ichte Dir ebte ber unt und Crop die Der„ Eistönig“ im Gefängnis. Der frühere amerikanische Eiskönig" Charles Morse wurde gestern von einigen Sheriffs nach dem Gefängnis von Atlanta übergeführt, wo er feine fünfzehnjährige Freiheitsstrafe verbüßen wird. Während des Nachmittags erschien eine ganze Reihe von Freunden, um Abschied von dem Mann zu nehmen, der noch vor kurzer Zeit 100 Millionen im Vermögen gehabt hat. Seine Gattin, die ihm die ganze Zeit über hilfreich zur Seite gestanden hat, wird in unmittelbarer Nähe des Gefängnisses eine kleine Villa beziehen. Dynamicattentat gegen einen Schwachsinnigen. In Königshütte wurde in der Nacht gegen den in der Wohnung seiner Stiefmutter schlafenden schwachsinnigen Arbeiter Stiller ein Dynamitattentat verübt. Gegen 11½ Uhr erplodierte in der Schlafftube eine Dynamitpatrone, wobei Stiller lebensgefährlich verletzt wurde. Die Mutter befand sich während der Explosion nicht in der Wohnung. Das Mobiliar wurde völlig zerstört. Der Tat verdächtig erscheint der Grubenarbeiter Ogermann, der mit der Mutter des Schwachsinnigen ein Verhältnis unterhält. Sonntag Schadenfeuer in einem Bahnhofsgebände. obend nach 8% Uhr entstand auf dem Hauptbahnhof in Hildesheim Feuer, und zwar in den über den Wartesälen Itegenden Räumlichkeiten, die das Personal des Bahnhofswirts benutzt. Das Feuer drohte große Ausdehnung an= zunehmen. Auch erforderten die ein- und ausfahrenden Rüge eine möglichst schnelle Bekämpfung des Feuers. Es wurden sofort vier Hydranten angelegt und aus acht Schlauchleitungen Wasser gegeben. So war es möglich, nach etwa 1½stündiger Tätigkeit jede Gefahr zu beseitigen. Der Wartesaal ist samt den darüber liegenden Räumen ausgebrannt; das Dach des Hauptbahnhofgebäudes zur Hälfte zerstört. Der Reiseverkehr konnte ohne nennenswerte VerSpätungen aufrecht erhalten werden. Eine zweistimmige Sängerin. Daß ein Mann Sopran fingt, indem er Falsettöne hervorbringt, gehört nicht gerade zu den Seltenheiten. Eine Sopranistin aber, die gleichzettig über einen Tenor mit durchaus männlichem Klange verfügt, ist bisher wohl unerhört. Ueber einen solchen zwetstimmigen Kehlkopf verfügt die kanadische Soprantenoristin Dolly Toye, die gegenwärtig London mit ihrer merkwürdigen Stimme in Erstaunent versetzt. Der Umfang ihrer beiden Stimmen beträgt vier und eine halbe Oktave, denn ihr Sopran reicht angeblich bis zum zweigestrichenen F, während der tiefste Ton ihres Tenors das A unterhalb des großen sein soll. Fräulein Tone selbst erzählt in einer englischen Fachzeitschrift, daß die erfahrensten Laryngologen Neuvorks und Londons erklärt haben, ein solcherKehltopf sei ihnen noch nie vorgekommen. Sie erzählt ferner, daß sie durchaus keine Mühe beim Ausbilden ihrer beiden Stimmen gehabt habe. Sie will vielmehr durch einen Zufall ihre seltsame Fähigkeit entdeckt haben und berichtet von vielen Fällen, wo man sie für einen Mann gehalten hat, wenn man siesingen hörte, ohne sie zu sehen. Ja, sie will sogar einmal ihre eigene Schwester haben glauben lassen, deren Bräutigam( der einen guten Tenor hatte) sei ge= kommen und finge. Auch auf dem College, wo sie einmal zum Scherz, als sie allein war, Tenor sang, alaubten die Lehrerinnen, ein Mann sei in das Frauenkolleg einge= drungen, und glaubten der Erzählung Fräulein Tones erst, als sie sich mit eigenen Ohren von dem seltsamen Phä nomen überzeugt hatten. Noch jetzt, wo sie bereits längere Reit auf der Bühne singt, wird sie zuweilen für einen Mann aehalten, bis sie auch Sovran finat, ja, fie behauptet selbst ein Konzertagent fei in stesen Irrtum verfallen und habe durchaus Herrn Toye für eine Tournee in Europa enga= geren wollen. Der Uebergang vom alten in das nene Jahr ist dem Zeitpunkte nach unter den Völkern der Erde sehr verschie den. Wenn in unserer Gegend in der Silvesternacht nach mitteleuropäischer Deit der Augenblick gekommen ist, an dem man sich beim Klange der Glocken Glückwünsche zuruft, dann ist es in Warschau bereits 1 1hr, in Mosfant und Jerusalem bereits 22 Uhr, in Kalkutta und Bombay 4 Uhr morgens. In Belgrad ist es, wenn zur Mitternacht bei uns die Zeiger übereinanderstehen, 12 11hr 27 Min., in Budapest 12 Uhr 2 Min., in Wien 12 Uhr 12 Min, in Teheran 2 Uhr 35 Min früh, in Jokohama 8 1hr 27 Min. vormittags, in Peking 6 1hr 54 Min. früh, in Melbourne 8 Uhr 45 Min. vormittags. In Mailand hingegen ist es, wenn wir den Jahresübergang haben, erst 11 1hr 42 Min. nachts, in Marseille 11 1hr 27 Min. nachts, in Paris 11 1hr 15 Min., in London 11 Uhr 6 Min., in Bern und Basel 11 Uhr 36 Min. nachts, in Madrid 10 Uhr 50 Min. abends, in Lissabon 10 Uhr 30 min. abends, in Washington 6 1hr abends, in San Franzisko 3 Uhr nachmittags. Mädchenranb in der Chicagoer Chinesenstadt. Das Verschwinden mehrerer weißer Mädchen in der Chicagoerr Chinesenstadt erregt in Chicago großes Aufsehen. Die Polizei stellt in dem Chinesenviertel umfangreiche Nachforschungen nach mehreren weißen Mädchen an, von denen angenommen wird, daß sie in chinesischen Opiumhöhlen festgehalten werden. Der Polizei ist nämlich von einigen Mädchen, die sich in Opiumhöhlen aufgehalten hatten, mitgeteilt worden, daß eine ganze Anzahl weißer Mädchen von Chinesen gefangen gehalten werden. Die Mädchen seien von Chinesen, denen fie zufällig in Restaurants begegneten, nach der Chinesen= stadt verschleppt worden, wo sie unter schweren Mißhandlungen zu leiden hätten. Ueber wichtige Geschäftsgeheimnisse bringt eine amerifanische Zeitung einige Bemerkungen. Eine der wichtigsten sei die Fabrikation der Druckerschwärze, mit der Onkel Sams Dollarnoten gedruckt werden. Die Herstellung der Druckerschwärze sowohl wie die des Papiers wird sorgfältig gehütet, um Fälschungen zu vermeiden. Das Papier der englischen Banknoten ist gleichfalls außerordentlich schwer herzustellen, und das Geheimnis ist nur dem Gouverneur der Bank von England und drei anderen Personen bekannt. Von privaten Geschäftsgeheimnissen ist das berühmteste wohl die Herstellung des Likörs der Chartreuse- Mönche. Es heißt, daß der Likör als Zutaten über 50 verschiedene Kräuter enthält. Der Polizeihund wird immer vielseitiger. Neuerdings wird er auch anonymen Briefschreibern gefährlich. Ein Geist der Frauen sich würdigeren Dingen zuwenden werde: Sehr drollig ist die Veranlassung, die sie zu ihrem Vorschlage führte. Sie las nämlich in den Zeitungen, daß zahlreiche englische Frauen sich an dem Wahlkampfe beteiligten, wobei sie damit begannen, sich ,, Wahlkampf- Tois tetten zu bestellen. Samt wurde als der modernste und eleganteste Stoff für schicke Wahlkampfstoiletten bezeichnet. Diese Mitteilungen verdrossen Frait Steel gewaltig. Wie dürfen, so fragt sie, die Frauen sich anmaßen, Stimm recht zu verlangen, wenn die Frage ,, Samt oder NichtSamt" für sie die erste aller Wahlkampfsfragen ist? Also furz und gut: man besteuere den weiblichen Kleiderlurus, und die Frauen werden aus sehr reellen Gründen auf endere Gedanken kommen müssen. Leider vergißt die Dame ein Mittel anzugeben, durch das sich in der Frauenkleidung die Grenze zwischen Bedürfnis und Lurus bestintmen ließe. Millionärstochter und Kellner. Wie aus Philadelphia gemeldet wird, ist die 16jährige Tochter eines dortigen Millionärs mit einem 50jährigen Sellner namens Gowan durchgebrannt, der noch dazu verheiratet ist. As das junge Mädchen plötzlich aus dem Hause ihrer Eltern verschwand, vermutete man zuerst, daß sie Selbstmord begangen habe, wie sie in einem hinterlassenen Briefe angedeutet hatte. Aber aus weiteren Briefen, die in der Wohnung des gleichzeitig verschwundenen Kellners gefunden wurden, geht deutlich hervor, daß die 16jährige für den bejahrten Garcon eine heftige Leidenschaft gefaßt hatte. Die Familie des Millionärs wohnte in dem feinsten Hotel in Philadelphia, dessen Gästen es oft aufgefallen war, daß der frühreife Backfisch so riesige Quantitäten Giswasser trank. Das Rätsel ist iebt gelöst: Gowans Haupttätigkeit bestand darin, die Gäste mit Eiswasser zu bedienen, und da das Mädchen ihn immer um sich haben wollte, bestellte sie alle Augenblicke ein Glas Eiswasser. In einem Brief drohte die Kleine sich zu töten, wenn der Kellner sie nicht zu sich nehmen wolle. ,, Ueberlege Dir das, Fred, und sage mir Deine Antwort, wenn Du mir das Eiswasser bringst", schloß dieser Brief. Bisher ist keine Spur von dem flüchtigen Paare entdeckt worden. Eine kleine Neberraschung. Eine hübsche Geschichte aus der Pariser Belagerungszeit wird in der ,, Frff. 3tg." erzählt: Ein Braten war eine Seltenheit und nur den sehr Begüterten erreichbar. Sie können sich daher denken, mit welcher Freude wir meinen ältesten Sohn begrüßten, als er zu Weihnachten mit einer zierlich in Staniol verpackten Wurst bei uns erschien, die er in einer Charcuterie für 30 Francs erstanden hatte. Die Verspeisung dieser Wurst war ein Familienfest. Im Kamin prasselte ein lustiges Feuer und im Zimmer verbreiteten zwei Dellampen ihr mild- freundliches Licht. Selbst der Kanonendonner von den Außenwerken schwieg, und alle Not war für eine furze Zeit vergessen. Meine Frau hatte die ansehnliche Wurst in etwa fünf Zentimeter lange Stücke zerschnitten und verteilt und während wir mit unhöflichem Heißhunger darüber herfielen noch einiges, was zur Obliegenheit der Hausfrau gehört, geordnet. Sie war also die lebte, die das Stückchen Wurst verspeiste. Aber schon beim ersten Bissen ließ meine Frau die Sabel sinken und winfte mir, ihr ins Nebenzimmer zu folgen. Dort zeigte sie mir mit Fingers, das schreckensbleichem Antliß das Stück eines sie in der Wurst gefunden hatte. Ein kalter Schrecken überrieselte mich, und mir famen alle Schaudergeschichten ins Gedächtnis, die die Zeitungen von ausgegrabenen und verspeisten Kindesleichen erzählt hatten. Ich bat meine Frau, vorerst über den Fund zu schweigen, und eilte sofort zu dem Wurstverkäufer, in dessen Laden sich einDubend Leute aufgeregt drängten, denn gerade hatte der Koch eines herzoglichen Hauses einen Bärenschinken für etwa 200 Fres. erstanden. Ich bat den Ladeninhaber um eine kurze Unterredung unter vier Augen, und in seinem Bureau, in das er mich führte, brachte ich meine Vorwürfe unter Vorzeigung des Fingers mit entsprechendem Nachdruck zu Gehör. mein Herr!" erwiderte der getränkte Verkäufer ,,, wie ungerecht beschuldigen Sie mich! nur gerade Ihrem Sohne habe ich die Wurst ausnahmsweise zu dem billigen Preis von 30 Francs gelassen. Sie enthält durchaus kein Menschenfleisch sondern das eines Affen aus dem Jardin des Plantes." Schottische Gerichtswige. Der schlagfertige Witz der Schotten, der sie selbst vor den Schranken des Gerichts nicht verläßt, wird durch Anekdoten des Sheriffs Guy, eines wohlbekannten schottischen Richters, lustig veranschaulicht. Einmal nahm ein Anwalt in Dunblanc eine gescheite junge Lehrerin in ein scharfes Kreuzverhör, konnte aber nicht das geringste aus ihr herauskriegen. Sie war ihm völlig gewachsen. Endlich, ein wenig pifiert, meinte der Anwalt: „ Frau Soundso, Sie sind wirklich sehr klug." Die Lehrerin antwortete mit lieblichem Lächeln: Wie schade, daß ich unter Eid stehe, sonst würde ich Ihr Kompliment erwidern." Eine köstliche Geschichte erzählt der in Ostende erscheinende„ Carillon". Eines Tages erschien auf dem Jahrmarkt zu Gent ein armer Teufel von Tierbändiger, der für wenige Centimes einen alten abgearbeiteten Löwen sehen ließ, dem jeder Esel ungestraft hätte eins mit dem Huf versetzen fönnen. Der Tod des Löwen bedeutete für seinen Hern den Anfang eines Hungerlebens, und so verfiel er auf folgenden Ausweg. Ein halb verhungertes Individuum wurde in die Haut des toten Löwen gesteckt und mußte nun im Käfig unter der Peitsche des Bändigers Wunder der Dressur vollbringen, die ihm einen reichen Applaus seines Publifums eintrugen. Einen so vorzüglich dressierten Löwen hatte man noch nie gesehen. Indessen wurde die Situation des verkleideten Beherrschers der Wüste unangenehm, als der Bändiger einen anderen Käfig öffnete, in dem ein Tiger wilde Sprünge machte. Potverdikke", sagte der Löwe im Genter Patois: Jetzt bin ich verrakt". Wie groß aber war das allgemeine Erstaunen, als man plötzlich den Tiger antworten hörte: 3um Teufel, der Kerl ist auch aus Bent!" Ein homerisches Gelächter bemächtigte sich des Publikums, und es hätte nicht viel gefehlt, daß infolge des hei= teren Tumultes die ganze Bude zusammengestürzt wäre. de Vernezobre erbaute ,, Prinz Albrecht- Palais in der Wil Die Prinzessin Agathe Charlotte helmstraße bewohnt. Pauline Marie von Ratibor ist am 24. Juli 1888 zu Schloß Rauden bei Ratibor in Schlesien geboren, also 21 Jahre alt, und die älteste Tochter des Herzogs Viktor von Ratibor, Fürsten von Corvey und Prinzen zu Hohenlohe- Schillings fürst( Neffen des Reichskanzlers Fürsten Chlodwig Hohenlohe), aus dessen Ehe mit der Gräfin Marie Breunner- En fevoirth. Die fünftige Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen ist, wie ihre Eltern, fatholischen Glaubens. Das alte fränkische Dynastengeschlecht der Hohenlohe, dessen Geschichte mit der der Hohenzollern seit fast 500 Jahren aufs engste verbunden ist, ist eine der Familien des deutschen hohen Adels, die den Herrscherhäusern ebenbürtig sind. In jeder Generation haben denn auch Ehen zwischen den Hohen lohe und Mitgliedern dieser Herrscherhäuser stattgefunden. So war die Mutter der Deutschen Kaiserin Auguste Vit toria, die Herzogin Adelheid zu Schleswig- Holstein, eine Brinzessin Hohenlohe- Langenburg. Erbpring Ernst zu Hohenlohe hat die Prinzessin Alexandra von Großbri tannien und Irland, Prinzessin von Sachsen- Coburg- Gotha, zur Gemahlin. Drabtnachrichten und Deaestes. Amnestie für Sachsen- Weimar. o Weimar, 4. Januar. Der Großherzog hat anläßlich seiner heutigen Vermählung eine Amnestie erlassen. Diese umfaßt alle bis zum 1. Januar ergangenen Verurteilungen wegen Uebertretungen und Vergehen, die mit Haft oder Gefängnis bis zu zwei Monaten oder mit Geldstrafen bis zu 300 Mark geahndet sind. Ein Sozialdemokrat als Stadtverordnetenvorsteher. Berlin, 4. Januar. Von der Schöneberger Stadtverordnetenversammlung wurde gestern der freisinnige Landtagsabgeordnete Reinbacher zum ersten und der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Molkenbuhr zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Auf der Flucht erschossen. Berlin, 4. Januar. Bei der Verfolgung von Einbrechern erschoß der Kriminalschußmann Brummer einen Einbrecher, als dieser ihn mit einem Hammer niederschlagen wollte. Der Erschossene wurde als der 21jährige Bauarbeiter Hermann Schröder aus Bernau festgestellt. Entsetzlicher Unglücksfall. München, 4. Januar. Einem Motorführer im Schlierseer Grubengebiet der aus der Maschine heraussehenwollte, wurde durch ein Blech, das von der Lokomotive beim Vorbeifahren zurückgebogen worden war, der Kopf glatt abgeschnitten. Ein zweiter Motorführer in der gleichen Grube wurde durch Auspuffgase betäubt und bewußtlos auf der Maschine gefunden. Der englische Bergerbeiterstreik. London, 4. Januar. Daily Telegraph meldet, daß die Zahl der ausständigen Bergleute in Northumberland und Durham bereits auf 40 000 angewachsen sei. Russische Vorsichtsmaßregeln. Petersburg, 4. Januar. In den letzten Tagen wur den von der politischen Polizei 1136 Verhaffungen vorgenommen. 400 Studenten erhielten vom Stadthauptmann unentgeltliche Fahrkarten nach verschiedenen Städten unter der Bedingung, daß sie während der Beerdigungsfeier des Großfürsten Michael Petersburg verlassen. Vermißte Touristen. Wien, 4. Januar. Seit Donnerstag werden drei junge Handelsakademiker, die einen Ausflug auf den hohen Schneeberg unternommen hatten, vermißt. Man ist in Sorge um sie, da in der vorigen Woche in dieser Gebirgsgegend große Schneefälle und heftige Schneestürme eingetreten sind. Verbrannte Armenhänsler. Bern, 4. Januar. Beim Brande des Armenhauses famen zwei alte Frauen in den Flammen um. Die eine erstickte im Rauch, die andere wurde beim Wegräumen des Schutts als verkohlte Leiche gefunden. Handel und Verkehr. Frankfurt, 3. Januar. Viehmarktpreise vom 3. Ja nuar. Breise für 1 Bentner: Rinder: Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchften Schlachtwertes höchftens 6 Jabre alt ( Lebendaewicht) 43-46 m.,( Schlachtgewicht) 77-85 Mr., b) junge fleischige, nicht ausgemäftet und ältere ausgemäftete ( Lebendgewicht) 38-42 Mr.,( Schlachtgewicht) 74-77 Mt., c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere( Lebendgewicht) 35 bis 37 Mt.,( Schlachtgewicht) 69-73. Bullen: a) vollfleischiae, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Lebendgewicht) 40-41 Mark,( Schlachtgewicht) 67-68 Mr., b) vollfleischige jüngere ( Lebendgewicht) 37-39 Marf,( Schlachtgewicht) 62-65 Mark. Färsen und Kühe a) vollfleischige, ausaemäftete Färfen höchften Schlachtwertes( Lebendgewicht) 35-41 mf.,( Schlachtgewicht) 68-71 Mr., b) vollfleischige ausgemäftete Rühe höchsten Schlachtweries bis zu 7 Jahren( Lebendgewicht) 34-40 Mt.,( Schlachtgewicht) 65-70 mt., c) ältere ausgemäftete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färfen( Lebendgewicht) 26 bis 33 Mr.,( Schlachtgewicht) 52-64 m., d) mäßig genährte Kühe und Färfen( Lebendgewicht) 21-25 Mt.,( Schlachtgewicht) 41-49 Mf., e) gering genährte Kübe 11. Färfen( Lebendaewicht) 16-20 Mr.,( Schlachtgewicht) 34-40 Mt., a) feinste Maft( Vollm.) Mast) u. beite Saugfälber( Lebendgew.00-00 Mt.,( Schlachtgew.) 00-00 Mr., b) mittlere Maft- und gute Saugfälber( Lebendgewicht) 45-50 Mt.,( Schlachtgewicht) 83-90 Mr., c) geringe Saugfälber( Lebendgewicht) 45-49 Mt.,( Schlachtgewicht) 76 bis 83 Mr. Schafe: a) Maftlämmer und jüngere Masthammel ( Lebendaewicht) 30-32 Mr.,( Schlachtgewicht) 72-74 Mr., b) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Lebendgewicht) 22-25 Wf.,( Schlachtgewicht) 65-68 Mt., c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Merzschafe)( Lebendgewicht) 00-00 mt., Fall, der sich der Gend.- und Schußmannsztg." zufolge Verlobung im preußischen Königshause. Schlachtaewicht) 00-00 m., a) vollfleischige Schweine über 2 3tr, in Fichtelberg in Bayern zugetragen, beweist das. In der dortigen Kirche wurden in letter 3eit verschiedene Droh- und Schmähbriefe, die sich gegen den Pfarrer richteten, vorgefunden. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Baireuth wurde der Schutzmann Frank in Bamberg mit seinem Polizeihund, Lord" nach Fichtelberg beordert. Der Hund folgte einer Spur, die in die Wohnung eines Mädchens führte, das schon längst als Miturheberin dieser Briefe verdächtig war. Lord" verbellte die Frauensperson, die mit einem Burschen befreundet ist, der vor kurzem von der Strafkammer in Baireuth als Verfasser anonymer Schmähbriefe vier Monate Gefängnis erhielt. Eine ganz radikale Frauenrechtlerin ist Frau Annie Steel, eine frühere Inspektorin im englischen Erziehungswesen. Eine Toilettensteuer, so will diese Dame, soll den weiblichen Sinn umbiegen, soll die Aenderung des weiblichen Geschlechts beschleunigen. Frau Steel behauptet, baß weit über die Hälfte aller Frauentoiletten sowie die bazu verwandten Stoffe als reiner Lurus anzusehen sei. Weder echte Valenciennes- Spitzen noch imitierte Mechelner gehörten zu den Bedürfnissen sie seien offenbar Lurus Da nun England, wie auch alle anderen Staaten, fortgesett Geld braucht und da alle anderen Luxusaufwendungen Besteuert werden, warum, so fragt Frau Steel, soll denn gerade dieser luxuriöseste aller Luxusse", die Frauenkleibung, steuerfrei bleiben? Vor allem erhofft Frau Steel aber Don Besteuerung des Luxus in der Frauenkleidung, daß der Der dritte Sohn des verstorbenen Brinzen Albrecht von Preußen, Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, hat sich, wie wir bereits meldeten, mit der ältesten Tochter des Herzogs Viktor von Ratibor Prinzessin Agathe von Ratibor und Corvey verlobt. Der Kaiser gab die Verlobung bei dem Familiendiner am Neujahrstage im Königlichen Schloß bekannt. Prinz Friedrich Wilhelm Viktor Karl Ernst Alexander Heinrich von Preußen wurde am 12. Juli 1880 in Kamenz geboren und ist der dritte und jüngste Sohn des 1906 verstorbenen Prinzen Albrecht, Regenten von Braunschweig, und der 1898 verstorbenen Prinzessin Marie von Sachsen- Altenburg. Der Prinz hat in Bonn studiert und mehrere Jahre beim 1. Garde- Regi ment z. F. Dienst getan, wo er bis zum Major aufrückte. 1908 wurde er beurlaubt, um die Geschäfte der inneren Staatsverwaltung kennen zu lernen und sich gleichzeitig für die Uebernahme der großen, von seinem Vater hinterTassenen Besitzungen vorzubereiten, für die der Kaiser ihn an Stelle feiner beiden älteren im Auslande lebenden Brüder bestimmt hatte. Er war längere Zeit bei der Regierung und beim Oberpräsidium in Königsberg i. Pr. tätig und übernahm dann die väterlichen Besißungen. Seitdem residiert er im Sommer in Schloß Kamenz in Schle= sien, wo er auch die Obliegenheiten als Amtsvorsteher wahrnimmt und auf dem Landratsamte arbeitet, während er im Winter das schöne, im 18. Jahrhundert vom Baron ( Lebendgewicht) 58-60.50 ml.,( Schlachtgewicht 75-76 M.. b) vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner( Lebendgewicht) 59-60.60 Mr.,( Schlachtaew.) 74-77 f., c) fleischige Schweine. ( Lebendgewicht) 59-60 Mt.,( Schlachtgewicht) 73-76 Mt. Die Zeitungs- Annonce ist ein wichtiger Faktor im Geschäftsleben unserer Zeit geworden. In weiten Kreisen von Industrie und Handel sieht man deshalb dem alljährlich um die Jahreswende erscheinenden Beitungs- Katalog der Annoncen- Expedition Rudolf Mosse mit besonderem Interesse entgegen. Der Inserent findet in diesem Buche in übersichtlicher Anordnung alle wünschenswerten Angaben. In Verbindung mit Rudolf Mosse's Normal- Beilenmesser bietet dieser Zeitungs- Katalog die einzige sichere und bequeme Handhabe für eine korrekte Zeilenberechnung und für eine Kontrolle der Anzeigen- Rechnungen. Mit der so eben erschienenen Ausgabe für das Jahr 1910 widmet die Firma Rudolf Mosse ihren Geschäftsfreunden wieder eine elegante Schreibmappe mit einem Notizkalender für jeden Tag des Jahres. Die Schreibmappe enthält ferner eine Reihe für das Geschäftsleben wichtiger Gesetzesbestimmun gen, Porto- und Stempeltarife, Zinstabellen usw. In einem besonderen Abschnitt zeigt die Annoncen- Expedition Rudolf Moffe an Reproduktionen auffälliger Annoncen- Entwürfe, die sie in ihrem eigenen Zeichenbureau für ihre Kunden hergestellt ist, wie sie bestrebt ist, ihre Dienste auch auf diesem Gebiete den inferenten immer mertvoller zu machen, Kolosseum, Giessen Direktor Albert Rappmann. Hente Mittwoch, 5. Januar 1910 abends 8 Uhr das durchschlagenden Erfolg erzielende Riesen- WeltstadtSpezialitäten- Programm. 1. a. das großartige Fantoche Theater Kaufmann. Frl. Groß genannt Saharet II die großartige Vortragskünstlerin. Gustav Fuhrmann, der beliebte Humorist sowie das übrige Programm. Kinematograph mit neuen Bilderserien In den hochelegant dekorierten borderen Restaurationsräumen täglich lab 7½ Uhr Konzert des hier in Gießen so beliebten Damen- Orchesters " P Sturm". Eintritt frei! Dienstag, 11. Januar 1910. Erster großer Kolosseums- Maskenball mit Prämiterung der schönsten Damen- und Herren Masken. 1. Preis je eine Uhr. Herrenkarte Mt. 1,25. Damenkarte Mt. 0,75. Galerte Mt. 0,30. Borverkaufsbillets in den bekannten Zigarrengeschäften. Es ladet ergebenst ein Direktion Albert Rappmann. ++ Asthmaleidende-|- werden in ihrem eigenen Interesse um Mitteilung ibrer Adressen gebeten. Ich teile denselben aus Dankbarkeit, lediglich gegen Vergü tung des Portos mit, auf welche einfache und billige Weise ich von meinem schweren Afhmaleiden, an dem ich 20 Jahre lang litt und für das ich in dieser Zeit eine Menge Ge lb nuplos ausgegeben babe, befreit wurde. Es handelt sich nicht um die Empfehlung eines Geheimmittels oder eines kostspieligen Apparates. 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