Nr. 1 Erscheint täglich außer Sonntags. Bezugepreis: vierteljährlich durch die Träger frei ins Haus 1.35 Mt., durch die Bost bezogen 1.50 Mr. * Expebition: Gichen, Seltersweg 83. Montag, den 3. Januar 1910 Gießener 20. Jahrgang Inserate: die 44 mm brette Petitgelle 20 Pfennig, Reklame: 90 Beilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet " " 1 " 1 50 " Telephon- Anschluß: Gichen, Nr. 362. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen Lokales und Provinzielles. ** Ernannt wurde am 29. Dezember der Ge= richtsvo zieher- Aspirant Peter Dro dt in Grünberg zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Grünberg. ** Verliehen wurde dem technischen Assistenten bei der Badedirektion und dem Tiefbauamt Bad- Nauheim, Bauassessor Algert Sprengel zu Bad- Nauheim, sowie dem Wasserbauassessor Ludwig Ickes zu Worms der Titel und Rang eines Bauinspettors. ** Erledigt sind die mit evangelischen Lehrern zu beseßenden Lehrerstellen zu Hebstahl, zu Hiltersklingen, zu Hüttenthal, zu Kailbach, zu Momart, zu Ober- Sensbach und zu Rehbach; alle im Kreis Erbach. Das Präsenta- tionsrecht für alle diese Stellen steht dem Grafen zu Erbach- Fürstenau zu. Ferner ist erledigt eine mit einem evangelischen Lehrer zu beseßende Schulstelle zu Ober- Eschbach, Kreis Friedberg. ** Aus dem Parteile ben. Der Landesaus-schuß der freisinnigen Partei des Großherzog= tums Hessen hält in der zweiten Hälfte des Januar, voraussichtlich in Frankfurt a. M., eine Plenarversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht eine Stellungnahme der hessischen Linksliberalen zu den neuesten Wahlrechtsbeschlüſsen der zweiten Kammer und zur Wahlkreiseinteilung. Die Sozialdemokraten des Großherzogtums halten eine außerordentliche Landestonferenz am Sonntag, den 16. Januar, in Offenbach ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Das neue Organisationsstatut. Referent Busold- Friedberg. 2. Die hessische Landtagswahl- Reform. Referent: Dr. Fulda- Darmstadt. ** Die mißliche Lage der hessischen Finanzen hat bereits zu Beamtenkündigungen geführt. Wie aus Darmstadt berichtet wird, erhielten 40 nicht etatsmäßige Baubeamte ihre Kündigung auf den 1. April 1910. Es betrifft einige akademische und eine große Anzahl mittlerer Beamter. Von diesen hat etwa die Hälfte das 30. Lebensjahr überschritten und fast alle sind schon 6-7 Jahre im staatlichen Baudienst beschäftigt. Weitere Entlassungen dürften auch in den anderen Verwaltungen folgen. Denn wenn bei der fast stilliegenden Bautätigkeit des Staates teine Baubeamten beschäftigt werden können, wird auch die mit den Beamten eng zusammenhängende Verwaltungs- u. rechnerische Revisionstätigkeit sich in gleichem Maße verringern. Außerdem wird in den Beamtenkreisen mit umfangreichen Versehungen zum 1. April 1910 gerechnet. ** Amtstage in Hungen und Grün berg. Mittwoch, den 12. Januar 1910, vormittags 9% Uhr, findet im Rathause zu Hungen und Samstag, den 16. Januar 1910, vormittags 9% Uhr, im Rathause zu Grünberg ein Amtstag des Großherzogl. Kreisamts Gießen statt. Anliegen der Kreiseingesessenen aus den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach am Amtstage in Grünberg vorgebracht werden. ** Militärischer Boykott ist in Mainz in außergewöhnlichem Umfange verfügt. Er erstreckt sich nicht mehr nur auf Wirtschaften. Die Militärbehörden sind neuerdings noch weiter gegangen, denn auch ein 3 iga r ren und Tabafgeschäft und sogar eine Ob st= handlung gehören jezt zu den Geschäften, die zu betreten den Soldaten verboten ist. - Praktische Meisterkurse sür Schuhmacher, Schneider und Sattler, sowie im Holz- und Marmormalen und Holzbeizent für Schreiner beginnen am 10. Januar 1910, desgleichen im Holzfärben für Weißbinder am 24. Januar. Anmeldungen sind alsbald an Großh. Zentral= stelle für die Gewerbe in Darmstadt zu richten. Da die Anmeldungen zu dem im Januar vorgesehenen Holz- und Marmormalkurs in großer Zahl eingelaufen sind, wird ein zweiter Kurs vom 14. bis 26. Februar 1910 abgehalten. sei, !! Eine unverhoffte Weihnachtsfreude ist zahlreichen invaliden Eisenbahnarbeiter- Pensionären zuteil geworden. Vom Eisenbahnministerium wurde ihnen mitgeteilt, daß die Anordnung getroffen sie auf Wunsch in einem leichten Dienste wieder zu beschäf= tigen. In Betracht kommen auch solche Invaliden, die wegen Alters und Kräfteabminderung ihre Beschäftigung bei der Eisenbahn aufgeben mußten, aber immerhin noch imstande sind, leichte Arbeiten auszuführen. Wie es in der Mitteilung heißt, wird die Pension in keiner Weise be= rührt. ** Die Frankfurter Wach- und Schließ= gesellschaft, Filiale Gießen, veröffentlicht für das Jahr 1909 folgende Statistik. Danach wurden vorgefunden: offene Haustüren nach 12 Uhr nachts 1215, offene Haus= türen geschlossen 925, offene Geschäfte, Lagerräume, Werkstätten, Lofalitäten 197, offene Fenster und das Schließen veranlaßt 194, steckengebliebene Schlüssel 159, defekte Schlösser 8, Personen, die Einlaß begehrten geöffnet 53, Depeschenboten geöffnet 6 Mal, Interessenten veranlaßt, bren nend gelassenes Licht zu löschen 282, offene Gashähne 4, offene Wasserleitungen vorgefunden bezw. Wasserschäden vereitelt und Rohrbrüche entdeckt 16, Feuer entdeckt und gelöscht einmal, losgekoppelte Pferde in den Ställen ange= bunden bezw. Besuger geweckt 12, Personen bei grobem Unfug und Sachbeschädigung ertappt und der Polizei übergeben 8, Obdachlose aus den zu bewachenden Häusern entfernt und der Polizei übergeben 10, Ginbrüche vereitelt 6 und einen Dieb festgenommen und der Polizei übergeben. ** Schäfer Versammlung. Am Sonntag, den 9. Januar findet nachmittags in Lich bei Gastwirt Louis Heller eine Versammlung des Vereins der oberh. Schäfer statt. !! Hasen Wanderungen. Im Februar 1908 setzte Herr Ludwig Roth in Wiesbaden böhmische Hasen, welche mit Wildmarken der Zentralstelle für Wildmarken gezeichnet waren, in seiner Pachtjagd Burg solms hinter Weßlar aus. Der mit Wildmarke 53 359 gezeichnete, im Revier Burgsolms ausgesetzte Hase wurde am 17. November d. Js. im Revier Münzenberg bei Buzzbach er. legt. Der Hase ist somit über 30 Kilometer gewanderi. * Gießen. Die Alt- Adelphia, die Vereinigung alter Herren der seit 40 Jahren bestehenden studentischen Reformverbindung Adelphia, veranstaltete am 29. v. Wits. im„ Fürstensaale" zu Darmstadt eine Weihnachtsseier, die von zahlreichen" Philistern" mit ihren Familien von nah und fern besucht war. Im Glanze des Weihnachtsbaumes wurden von dem Weihnachtsmann passende Ge= schente mit sinnigen Versen, die die Schwächen der einzelnen „ bemoosten Häupter" humorvoll geißelten, überreicht, und tünstlerische Darbietungen in Ton und Wort und ein fröhliches Tänzchen hielten die Festteilnehmer bei angeregtem Austausch alter Erinnerungen zusammen, bis die Abend= züge die auswärtigen" Philister" in das Philisterium zurückführten. -b Gießen. In der Sylvesternacht verunglückte der Sohn eines hiesigen Gastwirts durch unvorsichtiges Handeln mit Feuerwerkskörpern. Er steckte einen bereits angebrannten" Frosch", welcher nicht losgehen wollte, in die Hosentasche. In derselben befanden sich noch mehrere dieser Feuerwerkskörper. Nach kurzer Zeit geriet der vermeintlich untaugliche" Frosch" mit den übrigen in Brand und ver brannten den bedauernswerten Knaben am ganzen Körper, sodaß er in die hiesige Klinik verbracht werden mußte. * Gießen, 29. Dez. Die Straßenbahn hat in der Weihnachtswoche 27 019 oder im Durchschnitt täglich 3860 zahlende Personen befördert. Auf die einzelnen Tage verteilt sich die Frequenz: Sonntag 5797, Montag 2552, Dienstag 2634, Mittwoch 4273, Donnerstag 3629, Freitag 3727, Samstag 4407 Fahrgäste. Der Durchschnitt der seit dem Bestehen des Unternehmens täglich befördernden Personen beträgt 3868. Die Zahl der im Verkehr befindlichen Fahrmarken, deren Höchstzahl in den ersten Tagen der Betriebseröffnung sich auf 16 000 Stück belief, ist auf 7000 zurückgegangen. * Gießen, 28. Dez. In der bekannten Klagesache des Professors Dr. Ruhland in Berlin- Steglitz gegen den Universitätsprofessor Dr. BiermeeGießen findet wegen des Letzteren Streitschrift:„ Ruhland, Köhier- Langsdorf u. Co." erneut Verhandlung in der Berufungsinstanz statt am 10. und 11. Januar vor dem Landgericht 1, Straftammer 9 zu Berlin. Der Prozeß, der im vorigen Jahre mit Biermers Freisprechung vor dem Schösfengericht ausging, schwebt seit März 1903. Die Verhandlung wird wegen der Anwesenheit der hervorragendsten Nationalökonomen Deutschlands, Leris, Conrad 2c., und des Geheimrats Elster vom preußischen Kultusministerium, sehr interessant werden. -ww Aus dem Kreise Wezlar. Auf Anregung der Herren Professor Dr. Hippenstiel und RegierungsSupernummerar Quickert wurde in zahlreich besuchter Versammlung ein engerer Ausschuß gebildet, der die Pflege der gesamten Leibesübungen und der Fürsorge für die schulentlassene Jugend im Kreise Weglar zu fördern sucht. Diesem Ausschuß traten sofort die Vorsitzenden der hiesigen Turn- und Sportvereine, sowie viele Lehrer des Kreises bei. g- Garbenheim b. Wezlar. Die Vorteile der Feldzusammenlegung zeigten sich auch so recht deutlich bei unserem Schulhausneubau. In unmittelbarer Nähe des Dorfes wurde der Gemeinde bereits vor einem Jahrzehnt ein geeigneter Bauplatz für die in Aussicht genommene neue Schule zugemessen. Noch vor Eintritt des Winters ist das neue Schulgebäude im Rohbau unter Dach gebracht worden und nimmt sich in seinem weißen Kleide recht stattlich aus. Das Haus hat eine wunderschöne Lage, wie sie wohl selten in der Art anzutreffen ist. Das Gebäude ist für 3 Klassen und 2 Lehrerwohnungen vorgesehen und soll nächsten Sommer seiner Bestimmung übergeben werden. * Lich. Die große Orgel in der Marienstiftskirche soll in nächster Zeit renoviert werden. Für den Umbau ist durch Geldspenden von privater Seite und durch Veran= staltung von Kirchenkonzerten des Kirchengesangvereins schon ein ansehnlicher Fonds vorhanden. * Lich, 30. Dez. Anläßlich der Verlobung der Prin zessin Dorothea von Solms- Hohensolms- Lich erschien fürzlich ganz unerwartet die Gießener Regimentskapelle vor dem Schlosse und brachte ein Ständchen in Form eines fast einstündigen Frühkonzertes. * Ettingshausen. Nach längeren Verhandlungen wurde im Beisein des Regierungsrats Merck der Gemeindeſteinbruch versteigert. Höchstbietender blieb Pflastermeister Launsbach von hier mit 6900 Mart. * Friedberg. Bei der stattgehabten Kreistagswahl wurden gewählt die Herren Stadtbaumeister 3örb mit 43 Stimmen, Ernst Windecker mit 39 und Graf Criola mit 27 Stimmen. Neugewählt wurde Herr Hotelbe sizer Haberland in Bad- Nauheim mit 42 Stimmen. britant Roßbach erhielt 18 Stimmen. Da 44 Stimmen abFa gegeben wurden, wurde Graf Oriola mit 4 Stimmen über die absolute Mehrheit gewählt. Auch ein Zeichen der Zeit! * Bad Nauheim, 28. Dez. Das Seinetribunal in Paris entschied einen interessanten Erbschafts: fall. Ein seinerzeit hier weilender herzfranker Deutscher namens Böhm schrieb einer hier gastierenden französischen Opernsängerin namens Rousselet folgende illustrierte Posttarte:„ Ich danke Dir für die herrlichen Gesangsvorträge, welche mich mein Leiden vergessen ließen, und schenke Dir angesichts meines Todes mein gesamtes Vermögen im Werte von Million Mart, das beim Credit Lyonais liegt." Nach Böhms Tode beschlagnahmte Frau Rousselet Böhms Vermögen. Der Gerichtshof erklärte die Beschlagnahme für ungerechtfertigt und das Testament für ungiltig, da die nach deutschem Gesez erforderliche Ortsangabe fehle und der Poststempel feinen Ersatz dafür biete. * Bad Nauheim. Zurzeit sind sämtliche Badehäuser für einige Monate geschlossen, da im Inneren Renovierungen stattfinden, auch eine vollständige neue Nummerierung vorgenommen wird. Troßdem ist die Win. tertur in vollem Gang. Es werden sämtliche Bader im Konistystist verabreicht. Augenblicklich sind im Militärhospitai 18 Soldaten. * Offenbach. Die Stadtverwaltung ist sich nunmehr It.„ Off. 3tg." über die Art und Weise der Geldbeschaffung für die 6 Millionen- Anleihe schlüssig geworden. Sie beschreitet hiermit den gleichen Weg wie eine Anzahl anderer Städte, indem sie die Geider nicht durch Emission, sondern durch Abgabe von Schuldscheinen an Lebensversicherungsgesellschaften und ähnliche Institute nach und nach beschafft. Dadurch werden auf der einen Seite die Geldbeschansungskosten und die Abgaben für Stempel 2c. erspart, auf der anderen Seite braucht die Stadt keine Verluste durch Kursrückgang zu befürchten. * Marburg, 28. Dez. Eine Interessenten- Gesellschaft beabsichtigt, im Süden des Kreises bei der sogenann ten Nehemühle eine elektrische Ueberlandzen trale einzurichten. Man gedenk, 32 Ortschaften im Amt Frohnhausen und im Ebsdorfer Grund mit elektrischem Strom versorgen zu können. Zur Besprechung des Projetts sindet im Restaurant„ Waldschlößchen" bei der Nehemühle heute Donnerstag eine Versammlung statt. * Frankfurt.( Ein Fund im Schreibtisch.) Herr Otto Rasche, Wagen- und Karosseriebau, Frankfurt, Allerheiligenstraße 35, schreibt uns:" Vor einigen Tagen tauste ich auf einer Versteigerung zwei amerikanische Schreibtische. Weil der Verschluß- Mechanismus dieser Tische nicht richtig funktionierte, untersuchte ich sie genau und was kam da zum Vorschein: Wertpapiere im Betrage von 16 000 Mark. Ich benachrichtigte sofort den Gerichtsvollzieher, der die Ver= steigerung abgehalten hatte, damit er den wertvollen Fund als verspätetes Weihnachtsgeschent dem rechtmäßigen Eigentümer zustellen kann."( Ein Trachtenfest.) Der Architekten und Ingenieurverein und die Künstlergesellschaft veranstalteten gemeinsam am 26. Februar im Palmengar ten ein„ Deutsches Trachtenfest zur Zeit Goethes".- Die Herren Dr. Popp und Dr. Becker haben ihr gemein= sames Chemisch- technisches und hygienisches Institut aufgelöst. Prof. Dr. Becker betreibt ab 1. Januar ein eigenes Institut unter der Firma„ Chemisch- techn. und hygienisches Institut Prof. Dr. Becker"," Weißsrauenstraße 10. Dr. Popp wird sein Institut unter der Bezeichnung" Institut für gerichtl. Chemie, Mikroskopie, Nahrungsmittelanalyse und Schriftfunde Dr. G. Popp, Niederau 40, behalten. * Groß- Gerau, 30. Dez. In A st he im wurde bei der Gemeinderats- Ersazwahl der Sozialdemokrat Mund schenk mit zwei Stimmen Mehrheit gewählt. evangelischen Zentralkirchenfonds ist nach dem Hauptvoran * Darmstadt. Der hessische Staatsbeitrag zum schlag für 1910 wieder auf 310 000 Mart festgesetzt, währ Altkatholische Gemeinde in Offenbach erhält einen Zuschuß end er für die katholische Kirche 171 372 Mart beträgt. Die von 1849 Mark. * Darmstadt. Die Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes im Jahre 1910 zu Darmstadt ist in einer Sigung der beteiligten Kreise, die im Palais unter Vorsitz des Präsidenten des Deutschen Künstlerbundes, des Grafen Leopold Kalkreuth des Jüngeren, stattfand, definitiv beschlossen worden. Die anfangs dem Projekt sich entgegenstellenden Schwierigkeiten wurden dadurch gehoben, daß die von der Stadt Darmstadt vom Künstlerbund verlangte Kaufgarantie von 25 000 Mt., die wohl in Rücksicht auf die schwierige finanzielle Lage abgelehnt wurde, in dankenswerter Weise von dem Großherzog gezeichnet wurde. * Mühlheim a. M. Der Offenbacher Streisaus= schuß hat die Wahl des zum Beigeordneten gewählten Sozialdemokraten Peter Edrath 3. nicht bestä tigt. * Mainz, 28. Dez. Einem raffinierten Schwindler fiel gestern eine hiesige ältere Dame zum Opfer. In ihrer Wohnung erschien ein fremder Mann, der sich als Kriminalbeamter ausgab und die Dame beschuldigte, in einem hiesigen Bäckerladen ein falsches Markstück ausgegeben zu haben. Er ließ sich von der Frau ihr sämtliches Bargeld, etwa 400 Mart vorzeigen, um die einzelnen Stücke auf ihre EchtAugenblick ins Nebenzimmer begab, verschwand der Be= heit zu prüfen. Während sich die Dame hierbei auf einen trüger unter Mitnahme des Geldes. * Mainz, 30. Dez. Mit dem Schluß dieses Jahres ist die Bevölkerungsziffer unserer Stadt auf 115 500 ge stiegen. * Aus Rheinhessen. Im Laufe des Jahres hessen das Obst meliorationsverfahren zur 1910 soll in verschiedenen Gemeinden der Provinz RheinDurchführung kommen. Zunächst handelt es sich dabei um eine Auswahl von Obstbäumen und zwar von Stern-, Wein, Tafel- und Wirtschaftsobst, auch um Lokalsorten mit beson ders guten Eigenschaften. Diese Bäume sollen, nachdem durch mehrjährige Beobachtung durch Sachverständige die Eigenschaften der Bäume genügend festgestellt und für besonders gut befunden worden sind, abermals durch Sachverständige gehört werden. Von diesen Bäumen werden alsdann Edelreiser geschnitten und dementsprechend verwertet. Redaltion, Druck und Verlag von Albin Klein. Gießen. Hämorrhoidalleiden sind sehr lästig und vielfach mit großen Schmerzen verbun den und können schließlich sehr gefährlich werden. Nach vielen Gutachten ist Sanitätsrat Dr. Wegener's Thee ein hervorragendes Mittel bei diesen Leiden, um Linderung und Heilung zu bringen. Es ist wichtig, daß die Ursache der Hämorrhoiden beseitigt wird und dieses ist speziell die Aufgabe dieses Tees. Preis Mt. 1.50, in allen Apotheken zu haben, wenn nicht, wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 55. Rundschau vom Cage. Politisches. Ordensverleihungen. Der„ Reichsanzeiger" gibt die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande an den Prinzen Heinrich der Niederlande und die Verleihung des Kronenordens erster Klasse an den Reichsbankpräsidenten Havenstein bekannt, Keine Novelle zum Talonstenergefeß. Eine Novelle zum Talonsteuergesetz wird dem Reichstage nicht zugehen, da alle Gesellschaften, die sich im Sommer der Talonsteuer entzogen haben, sich bereit erklärt haben, die hinterzogenen Summen an den Fiskus nachträglich abzuführen. Politische Friedensarbeit. Nach Berichten Berliner Blätter hat der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie im Herzogtum Altenburg und in der Ortsgruppe Düben des Kreises Halle Versammlungen abgehalten, wobei Refolutionen angenommen wurden, die sich für Beilegung der 8wiftigkeiten unter den bürgerlichen Parteien aussprechen. Ernteurlaub für Soldaten. Der Reichstagsabgeordnete Pauli- Cochem( Zentrum) hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, bei der Militärbehörde zu erwirken, daß den Söhnen von Landwirten und hauptsächlich von Winzern, bie bei der Fahne weilen, ein Teil ihres Urlaubs während der Ernte, den Winzern zur Zeit der Traubenlese erteilt wird. Die diesjährige Tagung des preußischen Lehrervereins wurde dieser Tage in Magdeburg abgehalten. Sie war von etwa 300 Delegierten besucht. Es wurde davon Kenntnis genommen, daß das preußische Staatsministerium um zeitgemäße Aenderung des Disziplinargesebes von 1852 ersucht wurde. Weiter wurde ein Antrag angenommen, wonach ber preußische Lehrerverein dte Staatsregierung ersucht, zu den Vorberatungen für die Verwaltungsreform auch Vertreter der Lehrerschaft zuzuziehen. Hierauf beschäftigte man lich mit dem Leherbesoldungsgesetz, das insbesondere im Tarife für die Mietsentschädigung verschiedene Mängel aufweise. Ueber die Lage im Ruhrkohlenrevier erklärte der christliche Bergarbeiterführer Effert einem Vertreter der Rhetnisch- Westfälischen Zeitung", daß die Bergarbeiterschaft einen für den Ausstand günstigen Augenblick abwarten werde. Es sei nicht ausgeschlossen, daß man eine Bett wählen werde, in der die politischen Wogen hoch gingen und den Arbettern Belegenheit gegeben wäre, thren Groll auch politisch zu be= funden. Ein solcher Moment stehe in zwei Jahren bei den Reichstagswahlen bevor. Die Vertenerung der Lebensverhältnisse hat den Verband deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig veranlaßt, fich mit einem Rundschreiben an die Prinzipale und Diref= Honen der Handelshäuser zu wenden und unter Bezugnahme auf die Berteuerung der Lebensmittel um die Gewährung einer außerordentlichen Teuerungszulage für das faufmännische Personal zu bitten. Dem Rundschreiben sind mehrere statistische Tabellen beigegeben, die nachweisen, daß die Gehaltssteigerungen mit der Teuerung bisher keineswegs mitgegangen, teilweise sogar erheblich dahinter zurückgeblieben sind. Eine offizielle Erklärung. Zur Beschlagnahme russischer Depots bei dem Berliner Bankhaus Mendelssohn& Co. schreibt die Nordd. Allg. 3tg. offiziös: Auf Antrag des Hauptmanns a. D. von Hellfeld ist vom Amtsgericht Berlin Mitte auf Grund eines Urteils des fatferlichen Gerichts in Tsingtau die Pfändung eines Guthabens der russischen Regierung bet dem hiesigen Bankhause Mendelssohn& Co. verfügt worden. Die russische Regierung hat gegen dieses von ihr als völkerrechtswidrig angesehene Verfahren Beschwerde erhoben. Vom Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten ist darauf, wie bereits früher in ähnlichen Fällen gegen den Pfändungsbeschluß der Kompetenzfonflikt bei dem hierfür zuständigen Gerichtshof erhoben worden. Uebrigens hat sich die russische Regierung bereit erklärt, die Ansprüche des Herrn von Hellfeld durch ein Schiedsgericht feststellen zu lassen. Ein scharfes englisches Dementt. Zu den in der Presse auftauchenden Meldungen über ein angebliches deutsch- enalisches Abkommen über die Rüstungseinschränkungen erfolgt seitens der englischen Regierung ein scharfes Dementi, in dem es heißt: Weder an die britische Renierung noch an 46) Irrungen. Roman von Karl v. Malden. ( Nachdruck verboten.) The er etwas weiteres sagen konnte, betrat Paula mit schwankenden Schritten und weitaufgerissenen Augen das Bimmer. Sie hatte alles mit angehört. Zuerst hatte sie bei der Kunde von Hermanna's gewaltsamem Tode mit der Anwandlung einer Ohnmacht kämpfen müssen. Endlich vermochte sie doch ihre Schwäche zu besiegen und die wenigen Schritte in das Nebenzimmer zu tun. Die Gerichtsbeamten erschrafen vor dem Anblick des tödlich bleichen und da= bei bräutlich geschmückten Mädchens. Der Amtsgerichtsrat eilte der Schwankenden entgegen und führte sie zu einem Stuble. Was geht hier vor?" fragte er betroffen. ,, Wer find Sie, mein Fräulein?" Ich bin Paula von Roketoff!" erwiderte das junge Mädchen, sich ängstlich an einen Stuhl flammernd. ,, Schüßen Sie mich vor ienem Menschen, der durch einen un= geheueren Betrug den Fürstentitel erschlichen hat und Ein heftiger Knall unterbrach Paula's Enthüllungen. Michaelowitsch der auf keine Rettung mehr hoffen konnte, hatte unbemerkt seinen Revolver hervorgezogen und gegen seine Brust abgedrückt. Laut stöhnend krümmte er sich nun in seinem Blute. Der Amtsgerichtsrat schickte sogleich nach einem Arzte: Inzwischen sette er sich neben Michaelowitsch, der sich bei vollem Bewußtsein befand. Seien Sie wahr in dieser ernsten Stunde!" sagte der Amtsgerichtsrat in einem sanft emahnenden Tone. ,, Das Verbrechen an Hermanna belastet nicht als einzige Schuld Ihr Gewissen. Professor Nieburg ist durch Sie erschossen worden wir alle wissen es. Bestätigen Sie unsere Ueberzeugung durch Ihr Geständnis, und geben Sie einem fälschlich Angeklagten die Freiheit wieder!" Man hat den Geh. Kabinettsrat des Mordes angeflagt, nicht wahr?" stieß der Verwundete mühsam hervor. Frieden mit ihm! Ich pflegte nie Rücksichten zu nehmen, sobald es sich um Befriedigung meiner Wünsche handelte. Ich ging meine Wege ohne mich zu befümmern, wie viele Insekten dabei mein Fuß zertrat. Ich raubte und mordete, um zu genießen, nicht um den Anderen Schaden zuzufügen. Das war meine Lebensphilosophie, und meine letzte Handlung mag dieselbe bestätigen. Her mit dem Schreiber dort, ber Papierrolle so fest im Arme hält es gibt zu tun für ihn. Ich scheue mich nicht, laut auszusprechen, was: ich zu tun für gut befunden habe " Und der Sekretär war auch hurtig bei der Hand, um das Geständnis des Sterbenden niederzuschreiben. Zwei Stunden später war ein Verbrecher weniger auf Erden. Paula trat mit den Kriminalbeamten die Rückreise nach W. an. Im Hause der Baronin wartete ein friedliches Asyl auf die vor Schmerz um ihren Pflegling Hermanna fast Sinnlose. Aler wurde in das Gefängnis geführt. XXV. Die Polizei vor der Wohnung des Geh. Kabinettsrates Feldbach war verschwunden. Statt der finstern, bewaffneten Männer belagerten elegant gefleideteDamen und vorirgend eines threr Departements ist auch nur ein Schim mer von irgendeiner Anregung fettens der deutschen Regierung in dieser Angelegenheit herangetreten. Und es scheint auch keine offizielle Neigung vorhanden zu sein, diese Anregung" als irgendwie wichtig anzusehen. In Londoner Re gierungsfreisen wird angenommen, daß die Berliner Nachricht vermutlich keine überflüssige Erregung in den Kanzleten Europas erregt haben wird." Der Wiederansbruch des marokkanischen Krieges. Als Ursache der neuerlichen Gärung unter den Küstenkabylen um Alhucemas wird die Einsetzung eines maurischen Gouverneurs, die durch den Sultan geplant war, angenommen. Die Kabylen hielten die Spanter für die Anstifter dieser thnen mißliebigen Maßnahme. Der Vorfall berührt in Madrid äußerst peinlich, da man den Wiederausbruch des Krieges befürchtet. Gegen den Zopf. Der Bruder des Regenten in China Thai Tao hat den Regenten ersucht, den Zopf und die chinefische Kleidung abzuschaffen. Der Regent hat dies fedoch mit der Begründung abgelehnt, daß der Zopf eine patriotische Mandschuinstitution ist. Die Mutter des Regenten hat nun thren Sohn überredet, wenigstens bet der Armee und der Gendarmerte mit der Abschaffung zu beginnen. Politisches Attentat in der Türkei. Aus Yemen gelangt die neue Schreckensnachricht nach Konstantinopel, der General und Gouverneur dieser Provinz, Hassan Tahsim, wäre ermordet worden. Nähere Nachrichten fehlen noch; auch wird in den offiziellen Kreisen der Mord noch nicht bestätigt. Die Tat wäre vollbracht worden, einige Stunden nachdem Hassan Tahsim die Hauptstadt Sanaa verlassen, auf dem Wege zur Küste des Roten Meeres, als er seinen Urlaub antreten wollte. Kleine Nachrichten. Die Kaiserdeputation der Halloren ist in Berlin eingetroffen, um, altem Brauche gemäß, dem Kaiserpaar, dem Kronprinzenpaar, sowie den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses die Neujahrsglückwünsche der Salzwirker Brüderschaft im Tal zu Halle a. S. zu überbringen. Ein halbes Jahrtausend im Besitz derselben Familie be= findet sich ein rund 70 Hektar großer Bauernhof im Dorfe Borstel bei Pinneberg. Seit ca. 1400, wo ihn Eler Bahrensteker als Lehen erhielt, deffen Familienname später in Bornholdt umgewandelt wurde, ist er stets in den Händen von Nachkommen eines Eler geblieben und noch heute verwaltet ihn die Witwe des lebten Besitzers namens Bornholdt. Die vorhandenen Urkunden über den Besitz gehen bis 1400 zurück. 1 Millionen Kilogramm Karpfen. Die diesjährigen Zufuhren an Silvesterkarpfen, die aus Schlesien, der Laufit, Galizien, Frankreich usw. in Berlin eingetroffen sind, werden auf 1% Millionen Kilogramm geschäßt. Eine französische Zeitung in Berlin. Unter dem Titel Journal d'Allemagne" erscheint vom 1. Januar ab in Ber Iin eine französische Zeitung, von der die erste Probenummer erschienen ist. Das Blatt hat keine politische, sondern nur wirtschaftliche Tendenz. Das„ Journal d'Allemagne" ist die erste französische Zeitung in Deutschland. Ein englisches Zeppelin- Luftschiff. In den Werken von Vickers in London geht das erste von der britischen Marine bestellte Luftschiff seiner Vollendung entgegen. Es soll dem Zeppelinballon nachgebildet fein. Wieder ein falscher Sternidel. Die Meldung von der Verhaftung des Mörders August Sternickel, die gestern aus Neuwied gemeldet wurde, bestätigt sich auch diesmal nicht. Die als Sternickel verhaftete Persönlichkeit ist bereits gestern abend wieder ans der Haft entlassen worden. Schon unzählige Male glaubte man des Sternickel habhaft zu sein, aber immer vergeblich. Der tote Großfirst. Der russische Kreuzer Bogatyr mit der Reiche des Großfürsten Michael an Bord, hat mit Erlaubnis des Sultans den Bosporus passiert. Der Sultan ließ durch einen Vertreter dem die Leiche begleitenden Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch sein Beileid aussprechen. Bugzusammenstoß. Auf dem Rangierbahnhof in Gletmit stießen zwei Güterzüge zusammen, wodurch mehrere Wagen aus dem Gleise geworfen und zertrümmert wurden. Ein Bremser wurde schwer verletzt. Der Materialschaden nehme Herren den Eingang zu dem traulichen Daheim des glücklichen Baares. Jeder wollte der Erste sein, der dem Geh. Kabinettsrat und seiner schönen Gattin zu ihrer vollständigen Rehabilitierung in der Gesellschaft gratulierte und versicherte, er habe nie daran gezweifelt, daß die Unschuld der fälschlich Angeklagten endlich doch an den Tag tommen müsse. Feldbach und Elisabeth hörten alle die überschwänglichen Komplimente mit einem heiteren, zufriedenen Lächeln an. Sie wußten am besten, daß selbst ihre nächsten Bekannten fest an ihre Schuld geglaubt hatten.- Zwei Tage nach der feierlichen Freisprechung Feldbachs und Elisabeths fuhr blößlich eine königliche Equipage vor dem Hause des Schwergeprüften vor. Feldbach hatte vom Fenster aus seinen föniglichen Herrn erkannt; er eilte ihm entgegen und führte ihn ehrerbietig in seine Wohnung. Ich hätte meinem gnädigen Gebieter schon meine Aufwartung gemacht, wenn ich sicher gewesen wäre, empfangen zu werden!" ,, Eben von dieser Unsicherheit wollte ich Sie befreien, mein lieber Geheimrat!" erwiderte der König gütig. Meine Richter haben sich geirrt in Ihnen, und ich muß bekennen, daß auch mich der böse Schein zum Zweifler an Ihnen machte. Ich habe also viel zu sühnen an Ihnen. Sie müssen entsetzlich gelitten haben, und noch mehr diese heldenmütige kleine Frau! Ich habe Ihnen eine Kleinigkeit mitgebracht, welche Sie an meine Bewunderung und Verehrung erinnern soll. Ihr König dankt Ihnen, daß Sie ihn vor einer ewigen Gewissenspein bewahrt haben!" O, Majestät- ich verdiene von niemandem Dank!" stammelte Elisabeth, als ihr der König einen Brillantring von unschätzbarem Werte an den Finger steckte. Ich habe mir ja meinen Gatten, mein Glück erhalten." Feldbach mußte dem König noch über die Details jenes verhängnisvollen Mordabends und seiner Haft Ausfunft geben, und auch Elisabeth hatte so manche Frage über ihre Gedanken und Empfindungen während ihres unverschuldeten Kerkerlebens zu beantworten. Hierauf nahm der Monarch Abschied. ,, Wir bleiben doch die Alten in bezug auf Ihren Dienst bei mir, lieber Geheimrat?" Der König sagte es lächelnd, und lächelnd erwiderte der Geheimrat: Ich werde meinem gnädigen Gebieter niemals meine geringen Fähig feiten vorenthalten. Aber Euer Majestät muß mir auch etwas Zeit für den Dienst dieser kleinen Frau übrig lassen. Ich muß sie ja vergessen lassen, was sie durch mich gelitten hat, und es ist mehr, als Eure Majestät zu ahnen bermag!" * * Das Geständnis des sterbenden Michaelowitsch hatte nicht nur dem Geh. Kabinettsrat Feldbach Freiheit und Ehre wiedergegeben, es bezeugte auch, daß Baula die Tochter und nun allein noch lebende Erbin des verstorbenen Fürsten Jwan v. Roketoff war. Alle die ausgedehnten Besizungen ihres Vaters in Rußland fielen demnach samt einem ungeheueren Barvermögen der jungen Waise anheim. Aber Paula, in einfachen, ja ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, fühlte sich durch diesen unübersehbaren Reichtum eher beängstigt als beglückt. Namentlich gewährten ihr die Befizungen in Rußland nicht die geringste Befriedigung. tft bedentend. Die Ursache des Unfalles war falsche Signals stellung. Verhaftete Falschmünzerbande. Die Effener Polizet bob eine aus sechs Personen bestehende Einbrecher- und Falschmünzerbande aus. Bei ihrer Verhaftung tam es zu einem harten Kampf zwischen Beamten und Verbrechern. Die Leiden eines Deserteurs. Gestern morgen fanden Notstandsarbetter in Straßburg in einem Abort einen Soldaten der 11. Kompanie des württembergischen Infanterieregiments 126 halb verhungert und erfroren auf. Er gab an, sich am Dienstag von seinem Truppenteil entfernt zu haben in der Abficht, sich das Leben zu nehmen. Der Soldat ist gebürtig aus Zuffenhausen bei Stuttgast. Einbruch in ein Gefängnis. Im Ruhrorter Amtsgericht wurde in der vergangenen Nacht ein verwegener Einbruch verübt. Die Diebe gelangten nach Uebersteigen des Eisenzauns durch das Klosettfenster im Frauenabteil in das Gebäude und öffneten mit einem Dietrich das Zimmer des Gefängnisinspektors. Hier stahlen sie eine Kaffette mit 280 M Inhalt und zwei Taschenuhren. Von den Tätern fehlt jede Spur. 28 Personen ertrunken. In einer Ortschaft in der Nähe von Karlowit in Böhmen wollten, wie jebt bekannt wird, am Weihnachtstage 35 junge Leute zur Weihnachtsmette gehen, wobei sie über einen Fluß seben mußten. Der Kahn geriet ins Schwanken, lief voll Wasser und fant. 23 Personen fanden den Tod in den Wellen, die übrigen wurden gerettet. Wissenschaft, Kunst und Literatur. Die Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Darmstadt 1910 ist gesichert, nachdem sich der Großherzog bereit erklärt hat, die von dem Künstlerbund vesiongte Soufgarantie von 25 000 M zu übernehmen. Die Ausstellung wird voraussichtlich Mitte Mat eröffnet werden und bis Ende Oktober dauern. Sie wird ausschließlich Gemälde und Plastiken umfaffen, da zu gleicher Bett eine Ausstellung von Graphiken in Hamburg stattfindet. Die Ausstellungsraume auf der Mathildenhöhe sollen durch Prof. Albin Müller hergerichtet werden. Mährend der Dauer der Ausstellung find intime gesellschaftlich- musikalische Unterhaltun gen geplant. Der Jury der Ausstellung gehören u. a folaende Künstler an: Graf Kalkreuth, Habermann ühde Stuck, Slevogt, Liebermann, Klinger. Aus den Gerichtssälen. Ein wahrer Musterfall von Korrumpierung durch Schundliteratur hat sich in Beuthen zugetragen. Den verbrecherischen Einfluß der Schundlektüre hat sich der wiederholt vorbestrafte Bergarbeiter Slomka in Beuthen zunuze gemacht, um eine Art Diebesbande zu bilden und dadurch ein sorgenfreies Leben zu führen. Er machte sich an den Lehrling Guzy heran, der erst 15 Jahre alt war, und schenkte ihm eine Anzahl der Nick Carter- Geschichten, die die Phantaste des jungen Burschen aufregten, so daß er bald so weit war, es den Helden dieser Geschichten gleich tun zu wollen. Slomka leitete ihn nun regelrecht an, Einbruchsdiebstähle zu begehen, von deren Erlös beide etn fröhliches Leben führen könnten. Der junge Mensch beging denn auch einen Einbruchsdiebstahl, bei dem ihm eine ganze Reihe von Gegenständen in die Hände fiel. Die gestohlenen Gegen stände wurden verschärft" und Guzy erhielt von Slomfa das Lob, daß er es noch einmal zu einem tüchtigen Räuberhauptmann bringen werde. Inzwischen hatte Guzy die Schundbücher zweien seiner Freunde, einem Wagenbauer und einem Gärtnerlehrling geborgt und sich diesem gegen= über mit dem Lobe des Slomka gebrüstet. Infolgedessen wurden nun auch diese beiden vom Ehrgeiz gepackt, es Guzy gleich zu tun. Beide organisierten zusammen mit Guzy verschiedene Einbrüche, deren Erlös wieder zu Slom fa wanderte. Die Verhandlung ergab die Schuld der Angeklagten. Slomka erhielt als Anstifter 3 Jahre Zuchthaus, die drei jungen Leute 5 bezm 3 Monate Gefängnis. Außerdem erhielten noch zwet Hehler 1 bezw. 2 Monate Gefängnis. Die verführten jungen Leute wurden vorläufig ihren Eltern übergeben. Sie wollte die Baronin nie wieder verlassen, in der sie eine schüßende Freundin, ia eine zweite Mutter gefunden hatte. Die Sympathie des Schmerzes vereinte die im Alter so ungleichen Frauen. Beide hatten ja einen herben, einen unerseßlichen Verlust zu beweinen. Einem großmütigen Gefühle folgend und auf die Genehmigung gestüßt, die der Familienrat zum voraus ausgesprochen hatte, schenkte Paula ihre russischen Besitzungen an den Fürsten Arnold und dessen minderjährigen Bruder. Fürst Arnold sollte auch das fürstliche Majorat übernehmen damit der Name der Rofetoffs nichtausstarb. Fürst Arnold erinnerte sich mit Rührung an das kleine bleiche Mädchen, welches ihm einst das falsche Brillantkreuz in die Hand gedrückt hatte, als ihm die überraschend freigebige Schenkung zu seinen Gunsten kund wurde. Er wollte der großmütigen Verwandten persönlich seinen Dank aussprechen. Kaum hatte er das Majorat angetreten und auch die Angelegenheiten seines jüngeren Bruders geordnet, als er in Begleitung seiner Mutter die Reise nach Deutschland antrat. Paula empfing ihre Verwandten im Hause der Baronin mit Herzlichkeit. Als der Fürst Arnold, feine Rechte als Vetter benüßend, sie feurig auf Mund und Wangen füßte, überzog sich ihr reizendes Antlik mit einer hohen Purpurröte, und ihr Herz schlug mit einem seltsamen, ungewohnten Ungestüm. Aber auch in dem jungen Fürsten brachten diese reinen verwandtschaftlichen Küsse eine bedeutungsvolle Revolution aller seiner Empfindungen hervor. Er fühlte, daß er das Mädchen, welches für ihn geboren war, gefunden hatte, und daß sein Schicksal ihn hieß, an ihr festzuhalten fürs ganze Leben. Und che er nach fast zweimonatlichem Aufenthalt in Deutschland die Rückreise antrat, da war er schon vertraut genug mit Paula, um ihr ins Ohr flüstern zu können: ,, Ich gehe, mir meine Sporen und eine ehrenvolle Stellung als Soldat zu era ringen, denn etwas mag ich doch aus eigenen Kräften tun und nicht alles deiner Großmut verdanken, Kusine! In einem Jahre aber komme ich wieder. Und wenn du mir treu geblieben bist und mich noch lieb hast, dann werden wir Mann und Frau!" Und ob ihn Paula noch lieb hatte, als er schon nach zehn Monaten als junger und mit einem Orden ausgezeichneter Oberoffizier wiederfam! Sie wartete diesmal nicht ab, bis er sie füßte sie lief ihm errötend_entgegen und schlang ihre Arme liebkosend um seinen Hals. Drei Monate später folgte sie ihm als Neuvermählte in die russische Heimat. Als Paula mit ihrem Gatten auf der nordwärts führenden Landstraße dahinfuhr, sah sie Galeerensträffinge an der Vertiefung des Ablaufsgrabens ar= beiten. Mit einem tiefen Schauder erkannte sie unter ihnen Alex, ihren Kerkermeister in dem Walddorf N., Hermannas unfreiwilligen Mörder. So büßte der Bursche ein Verbrechen ab, zu dem ihm sein Herr durch eine ungeheuere Versuchung aufgestachelt hatte. Vielleicht dachte er an Annuschka- die er nimmer wiedersehen sollte, als er mit finsteren Blicken unter seinen Unglücksgefährten die schwere Grabschaufel führte. Paula schmiegte sich scheu an die Schulter ihres Gatten. Der finstere Schatten der Ver gangenheit war zum letzten Male mahnend vor die Sonne ihres Glückes getreten. Von da ab gab es nur mehr Licht und Segen für sie im Leben. Ende. M fa fer ber mo tra far ga St Re fon tro Ve He ne Sa au her feft me Va tap me in be bie Be un ba 95 E; et et m m er ab er al 31 01 It e Signale Boltset und es zu ern. anden einen nfan 7. 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Die öde. sanMige Steppe im Innern Chinas, die als Wüste Gobi befannt ist. foll fünftig regelmäßig von großen Lastautomobilen durchzogen werden. Die chinesische Regierung hat nach bem Globus beschlossen, von Uraa nach Kalgan einen Automobildienst einzurichten, der bestimmt ist, die großen Teetransporte zu bewerkstelligen, die bisher nur durch Kamelfarawanen bewirkt wurden. Binnen furzem wird auch Kalgan mit dem nach der chinesischen Hauptstadt führenden Schienenstrang verbunden sein, damit schafft die chinesische Regierung nicht nur bedeutsame Handelserleichterungen, sondern sie gewinnt zugleich eine wesentliche Stärkung ihrer Strategischen und politischen Stellung in der Monoolei. Vermischtes Der Schorschel und der Heiner. Für das gemütvolle Verhältnis, das der bürgerlich- einfache Großherzog von Hessen zu seinen Landeskindern unterhält, mag folgendes Vorkommnis, das uns einer unserer Leser erzählt, als neuer Beleg dienen. Kommt da vor etlichen Tagen bei dem großherzoglichen Jagdschloß Wolfsgarten ein kleiner Darmstädter ,, Heiner" vorber- Heiner( Heinrich) ist der Sammelname der Darmstädter Straßenjugend- und sieht auf der Gartenmauer den reizenden dreijährigen Erbgroßherzog Georg siben, den die Hand des Vaters hinter ihm festhält. Fröhlich begrüßt der fleine Darmstädter das namentlich bei der Jugend äußerst beliebte Prinzchen mit dem Da raunt der Schmeichelruf: Schorschel! Schorschel!" Vater seinem Söhnchen zu: Ruf wieder: Heiner!" Und tapfer ruft der Prinz: Heiner! Heiner! Und nun geht es: Schorschel!" Heiner! ,, Schorschel!"- ,, Heiner" Bis um die Ecke. Der Weihnachtspaketverkehr in der Reichshanntstadt weist zum erstenmal wieder seit einer Reihe von Jahren in allen Beziehungen eine Zunahme auf. Den Bostpäckereiberkehr während der Weihnachtszeit rechnet die Bost für die 14 Tage vom 12. bis einschließlich 25. Dezember. In Berlin betrug in dieser Zeit die Zahl der ausgegebenen und eingegangenen Pakete insgesamt 2 689 832 Stück. Gegen das Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von 159 336 Stück. Von dem Gesamtverkehr kommen diesmal auf die aufgegebenen Patete 1 734 089 auf die eingegangenen 955 743. Bei der Aufgabe betrug die Steigerung 112 210. Zur Bewältigung dieses Verkehrs waren in ienen vierzehn Tagen bei den Postanstalten insgesamt 12771 Bivilpersonen beschäftigt. Davon waren 2975 Beamte, 5547 Unterbeamte, 3083 Postboten und 1266 Hilfsmannschaften. Ein neuer Raubmord in Belgien. Noch hält die Ermordung einer ganzen Familie alle Gemüter in Brüssel in Erregung, da wird schon wieder ein neuer Raubmord in der belgischen Hauptstadt entdeckt. Das Opfer ist eine etwa 60 Jahre alte Schullehrerin, die von der Regierung eine kleine Pension bezieht. Sie bewohnte eine kleine, möblierte Wohnung, lebte anscheinend in guten Verhält nissen und kleidete sich sogar etwas gar zu jugendlich. Sie erhielt sehr viel Besuch von jungen Leuten. Als gestern abend um 9 Uhr ihr Flurnachbar nach Hause tam, fand er die gemeinsame Flurtür offen und in seinem Zinimer alle Schränke und Behälter erbrochen. Als er zum Nebenzimmer eilte, fand er dort alles in unbeschreiblicher Unordnung und die Lehrerin selbst in der Nähe des Bettes erdrosselt liegen. Es wird angenommen, daß einer ihrer jungen Freunde der Täter ist, der vermutete, viel Geld bei ihr zu finden. Zu dem Familiendrama in Köln das sich gestern nacht in der Wohnung des Prokuristen Schmiß in der Langgasse abgespielt hat und dem das Ehepaar und ein 14fähriger Sohn zum Opfer fielen, werden noch folgende EinBelheiten bekannt: Um 2 Uhr hörten die Bewohner des unteren Stockwerkes einen erregten Wortwechsel zwischen Schmiß und seiner Frau, aus dem die Worte der Frau: Ach Gott, laß es doch sein" gehört wurden. Daraus schließt man, daß dlie Frau ursprünglich mit dem Plan ihres Mannes einverstanden oder wenigstens darin vorher eingeweiht worden war. Später wurde es in der Wohnung wieder ruhig. Als gestern morgen dort alles noch ruhig blieb, rief man die Polizei, die die Wohnung öffnen ließ und die Tat entdeckte. Aus dem Revolver, den Schmit in der rechten Hand hatte, während er in der linken Hand eine elektrische Taschenlampe hielt, waren vier Schüsse abgegeben worden. Der Sohn schien von der Tat überrascht worden zu sein. Die Annahme, daß Schmit in geistiger Umnachtung gehandelt habe, läßt sich darnach nicht aufrecht erhalten. Obgleich er ein Gehalt von etwa 8000 Mt. bezog, scheint er den Haushalt nicht damit haben bestreiten zu können. In der Wohnung fanden sich nur 3 Mark Geld und ein Pfandschein über ein verseßtes goldenes Armband, Die Staatsanwaltschaft hat eine Ortsbesichtigung vorgenommen. Der„ Marathon- Pianist". Aus Amerika wird die Nachricht von einem neuen Sport gedrahtet, der mit echt amerikanischem Waschmad Marathon- Klavierspielen" genannt wird und fieberhaften Enthusiasmus in den Vereinigten Staaten erregt. Der Champion ist ein junger Kentuckiec, Student der Medizin, namens Harding, der sich vor einigen Tagen daran machte, alle bisher aufgestellten Rekorde im Dauerpianospielen zu schlagen. Die bisher größte Leistung dieser Art hatte 36 Stunden und 32 Minuten gedauert. Mr. Harding setzte sich in einen bequemen Lehnstuhl, der reichlich mit Kissen ausgepolstert war und begann mit einem Ragtine", wie in den Vereinigten Staaten die Gassenhauer genannt werden. Dann spielte er Auszüge aus dem„ Troubadour und dann gabs wieder Ragtine. Ohne die geringste Pause zu machen, spielte er mit fräftigem Fingerschlag 36 Stunden und 36 Minuten, den bisherigen Rekord um vier Minuten schlagend. Als er aufhörte, waren seine Fingerfrißen braun und blau und seine Arme waren derart angeschwollen, daß sie das Doppelte ihres natürlichen Umfangs eingenommen hatten. Das Denkmal für Vort Arthur. Mit großer Feierlichfeit ist nunmehr in Port Arthur das Denkmal enthüllt worden, das bestimmt ist, der Nachwelt Kunde zu geben von den tapferen Söhnen Japans, die in dem Kampf um die feindliche Feste für das Vaterland ihr Leben opferten. Das Denkmal erhebt sich auf dem berühmten Vorwerk von Pehjuschan; es hat eine Höhe von 218 Fuß, so daß der Gipfel des Denkmals 626 Fuß über den Meeresspiegel emporragt. Es führt den Namen Hyechu- to, der Gedächtnisturm der Treue, und hat den Japanern rund 430 000 M gekostet. Im Innern sind von General Nogi und Admiral Togo geschriebene Dokumente niedergelegt, die die genaue Zahl der vor Port Arthur gefallenen japanischen Krieger feststellen, 20 861 Mann des Landheeres und 1858 Manu der Marine. Bei der Einweihung verlasen General Nogi und Admiral Togo Adressen; beide Feldherren sprachen mit Bewunderung und Rührung von den Opfern, die die gefallenen Söhne Japans freudig ihrem Vaterlande dargebracht hätten. Wie alt werden die Geschäftsreisenden? Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat ein die Reifenden aller Branchen umfassende Statistik der Todesfälle veröffentlicht, die sich über einen Zeitraum von 24 Jahren erstreckt Danach beträgt das Durchschnittsalter der kaufmännischen Reisenden nur 43,87 Jahre. Berücksichtigt man, bak die mit dem Geschäft verknüpften Trinkunfiten besonders in der Lebens- und Genußmittel- und verwandten Branchen vorherrschen, so dürfte sich für diese sicher ein noch geringeres Durchschnittsalter ergeben. In der Unfitte der„ Trinkaeschäfte" nämlich erkennt der Verband die Fauptursache dieser ungünstigen Gesundheitsverhältnisse. Er verbreitet daher neuerdings eine Flugschrift„ Trinkunfitten beim Handeln", in der er sich energisch gegen jene Unfitte wendet, die für alle Beteiligten nur von Nachteil ist, indem sie nicht nur die Gesundheit der Reisenden schädigt, sondern auch naturgemäß den Preis der Ware für den Käufer wesentlich erhöht. Auch eine Reform der üblichen table d'hote mit ihrem lästigen Weinzwang wird ge= fordert. 575 Erdstöße in einem Jahre. Die„ Geodynamische Zentralmarte" veröffentlicht einen Bericht über die Erdbeben, die Messina in den letzten 12 Monaten heimaesucht haben. Am 28. Dezember 1908 wurden 139 Erdstöße registriert, am 29. 35, darunter die heftigen Stöße, die die Stadt gänz= lich zerstörten. Am 30. Dezember folgten 31 Stöße und am Silvestertage 17. Im Januar wurden noch 142 Stöße verspürt, dagegen nahmen die Erderschütterungen in den fol= genden Monaten ab. Im letzten Monat wurden nur 7 Stöße verzeichnet. Im ganzen sind seit dem 28. Dezember 1908 575 Stöße registriert worden. Ein glücklicher Spieler. Gestern war das Casino von Monte Carlo in der hellsten Aufrequng. Ein Kanadier namens Creuzter gewann 464 000 Mark in einer Sibung. Er setzte regelmäßig das Maximum von 2000 Frank auf die Dußende Er hatte bereits seinen gesamten Gewinn und noch 20 000 Frank mehr wieder verloren, als sein Bech plöh= lich in das Gegenteil umschlug und er eine Serie nach der andern gewann. Viermal sprengte er an verschiedenen Tischen die Bank. Mondsommer. Um vier Uhr schon ist der kurze, bleiche Tag der Wintersonnenwende verblaßt. Doch bald wird die tiefe Dämmerung von einer neuen Helle abgelöst. Groß und dunkelrot hebt sich der Mond langsam über die Nebel empor, die lange lange Nacht einzuhüllen suchen, als wollten sie die Erde dem Blick des nächsten Morgens entziehen. Aber scheu müssen sie sich in ihre Winkel verfriechen vor den Strahlen des Mondes, der jetzt erst seine volle Kraft erlangt zu haben scheint. Bescheiden hat er sich das ganze Jahr mit der Rolle eines Knechts begnügt, der seinem Herrn die schwach leuchtende Laterne voranträgt. Langsam, im gleichen Verhältnis wie die Sonne in ihrem Höhenflug ermattete, ist er am Himmel immer mehr emporgestiegen, um jetzt in den heiligen Nächten fast vom Zenith herab sein stärkstes Licht leuchten zu lassen. Viel kleiner zwar sieht er aus, wie wenn er mit der Höhe auch eine größere Entfer= rung erreicht hätte, aber um so heller, fast blendend strahlt er vom dunklen Firmament, dessen Sterne ganz eigentümlich glibern und flimmern. Denn nicht Wärme sendet er herab wie das glühende Tagesgestirn. Kalt ist er und der strenge Frost sein erwünschtester Gefelle. Am liebsten ist es ihm, wenn sich sein Antlitz in starrem Eis und festgeftttetem Schnee wiederspiegelt und die Blumen an den Fenstern seinen Strahlen den Eintritt in die Wohnungen der Menschen wehren. Leider ist seiner Herrlichkeit nur kurze Dauer beschieden, nur wenige Tage darf er sich seiner Erhabenheit freuen. Mit dem neuen Jahre beginnt sein Niedergang, der so lange dauert wie das Steigen der Sonne, das Wachsen des Tages. So hat sein nächtliches Reich gleichfalls vier Jahreszeiten, die nur darum so wenig beachtet vorübergehen, weil sie zu unscheinbar sind gegenüber den gewalti= gen Wandlungen, die unsere Sonne im Wechsel ihres Stan= des hervorbringt, und weil es dem Mond nicht vergönnt ist, alle vierundzwanzig Stunden in gleicher Gestalt am Himmel zu erscheinen. Um seine Jahreszeiten zu erkennen, ist man auf die nur zu oft durch Wolfen getrübten settenen Nächte beschränkt, wo er, von der Sonne voll beschienen, seine Bahn dahinzieht. Doch undankbar wäre es, wollte man vergessen, daß auch der Mond seinen Sommer hat, in allem der Widerpart des Herrschers in unserem Planetenreich. Franenrechte im hohen Norden. Für die isländischen Frauen bedeutet der Beginn des neuen Jahres einen gro= ßen Fortschritt. Am 1. Januar 1910 tritt nämlich das Gesetz vom 15. April d. J. in Kraft, wonach die Frauen Islands fünftighin zu allen öffentlichen Stellungen und Betätigungen berechtigt sind, ausgenommen das Recht, im Parlament zu sitzen. Schon jetzt besitzen die isländischen Frauen Cit in der Stadtverwaltung zweier Orte sowie in den Ge= meinderäten der Insel. In Zukunft können sie überall in Gemeindeverwaltungen, Armenverwaltungen usw. ge= wählt werden. Gine nette Jagdgeschichte erzählt ein Pariser Blatt. Ein Bauer namens Redon hatte am verflossenen Samstag auf dem Markt in Laval für 180 Francs Stroh und Heu verkauft und die Goldmünzen, wie es die Bauern zu tun pflegen, in einen Zipfel seines Taschentuches gebunden. Mit dem Tuch in der Tasche ging er dann aufs Feld. um zu arbeiten. Plötzlich entdeckte er in einer Ackerfurche einen schlafenden oder halb erfrorenen Hasen, den er durch einen Schlag auf den Kopf vollends betäubte. Er schickte sich an, dem Tier mit dem Taschentuch die Hinterbeine festzubinden und mit der leicht errungenen Beute im Triumph nach Hause zurückzukehren, als der Hase plötzlich aus der Betäubung erwachte, mit einem gewaltigen Satz aus der Hand des Bauern schlüpfte und mit dem Taschentuch und den Goldstücken am Bein das Beite fugie. Das Bnetletn wartet noch auf ihn. Allerlei Punsch- Geschichten. Im Jahre 1695 wurde zum ersten Male das neue Jahr bei einer Punschbowle von einem Engländer begrüßt. Fretlich geschah das nicht in England selbst, sondern in Cadiz, wo der englische Admiral Russel einen Riesenpunsch am Weihnachtstage veranstaltete, der dort noch als Beginn des neuen Jahres galt, wie auch heute noch die Engländer ihre Glückwunschkarten zum neuen Jahr am Weihnachtsabend versenden. Ueber diesen Riesenpunsch berichtet ein Teilnehmer: Mitten in einem Garten von Limonen und Orangen befand sich eine Fontäne, die sauber mit holländischen Ziegeln ausgelegt war. In diese wurden am Christtage sechs Kufen Wasser gegossen, ein halbes Orthof echten Bergmalagas, 200 Gallonen Branntwein, 600 Pfund Zucker, 12 000 Limonen und genügend Muskaten. Admiral Russel, lud alle englische Kaufleute und das ganze Offizierkorps zu Tisch, nach dem Essen geleitete er die Geladenen zu der Riesenbowle. In dem Punschbassin befand sich ein Boot, in dem sich ein Knabe mit Bechern befand, mit denen er die Gesellschaft bediente. Eine andere Punschgeschichte knüpfte sich an den Namen des englischen Seehelden Rodney. Im Februar 1781 eroberte er eine Anzahl französischer Kolonien und gewann endlich am 12. April 1782 auf der Höhe von San Domingo einen glänzenden Sieg über die französische Flotte. Zur Belohnung für diesen Sieg spendete Rodney den Offizieren seiner Flotte einen Riesenpunsch, wie er weder nach wie vorher gebraut worden ist. Dieser Punsch bestand aus 4 Tonnen Waffer, 1200 Flaschen Malaga, 600 Flaschen Rum, 600 Flaschen Kognat, 600 Pfund Zucker, 200 Muskatnussen und 2600 Zitronen. Als Punschbowle diente ein Bassin aus Marmor, in dem ebenfalls ein Knabe, als Hebe gekleidet, in einem Kahn aus Acajouholz herumruderte und den Punsch schöpfte. Um den Rand dieser marmornen Riesen= Punschbowle saß Rodney mit seinen Offizieren herum und labte sich an dem Getränk. Schließlich sei noch einer anderen reizenden Punschgeschichte Erwähnung getan, die Charlotte Niese in einer ihrer Heimatnovellen mitteilt. Der dänische König Friedrich VII. war nach Flensburg gekomemn und hatte die schleswiger Ständemitglieder zu Tisch befohlen. Da er die tiefgekränkte mittel- und südschleswigsche Bevölkerung gern versöhnen wollte, sandte der leutseliae Monarch nach Tisch den Hofmarschall zu den großbäuerlichen Standeveputterten mit der Frage, ob sie denn auch mit der Bewirtung ganz zufrieden feien? Die Befragten waren dies, schienen jedoch einen gewissen Vorbehalt zu machen; der nach Tisch gereichte Bunsch hatte ihnen nicht gefallen, und ein stattlicher alter Dorfmagnat meinte:" Bei dem Getränk kann der Mann doch unmöglich gesund sein!" Die Bauern hatten das am Tafelschluß gereichte gewärmte und parfümierte Fingerspülwasser als Punsch getrunken. Neujahr in Japan. In Japan ist das Neujahrsfest das größte und wichtigste aller Feite des ganzen Jahres. Es wird offiziell an drei Tagen, dem 1., 3. und 5. Januar, gefeiert, aber im Volt beginnt die Fe er eigentlich schon am 13. Dezember, und selbst die Behörden gehen über die wirklichen Feiertage weit hinaus. Die Festlust erklärt sich daraus, daß nicht nur der Beginn eines neuen wichtigen Zeitabschnittes, sondern auch der Anfang des heiteren, alles neu belebenden Frühlings gefeiert wird. Es ist das eigentliche Frühlingsfest Japans und reißt darum alt und jung mit sich. Aus diefem alten und volkstümlichen Jubel heraus ist es auch ein Fest des Schenkens, das es vor 200 Jahren noch bei uns war. Und zwar ist das Schenken im fernen Often noch viel weitgehender als bei uns zu Weihnachten. Das Neujahrsfest zeigt in Japan ein auffallendes und eigena artiges äußeres Gepräge. Auf den Straßen läßt die liebe Jugend an zahllosen Fäden zahllose Drachen steigen; zu beiden Seiten des Hauses steht ja nur dichte und nur Bambus, und diese grünen Säulen werden durch ein Strohfeil verbunden, so daß das Ganze eine Art besonderen Eingangstores bildet. Der letzte Tag im Jahr ist in der Regel ein äußerst fritischer Moment für den Japaner, da alle Schuld in bar beglichen werden muß. An keinem Tag im Jahr hört man wohl mehr über Mangel an Geld stöh= nen als am letzten Tage. Zwischen Gläubiger und Schuldner entsteht oft eine förmliche Jagd die bis zur zwölften Stunde mährt. Oft weiß der Schuldner mit großer Virtuosität, fich dent drängenden Manichäer zu entziehen. Gelingt es ihm, sich bis nach zwölf Uhr unsichtbar zu machen, so ist er gerettet. Nach dieser Zeit wird selbst der Gläubiger dem Gehetzten frendetrunken seinen Glückwunsch darbringen, gleichviel, ob er bezahlt wird oder nicht. Ein scherzhaftes Sprichwort hierüber lautet:„ Am ersten Tage im neuen Jahre fommt der gestrige Teufel zum Glückwunsch." Die Hauptbeschäftigung dieser Tage sind die Neujahrsaratulationen. Die Straßen wimmeln von Menschen, die sämtlich auf dem Besuchspfade wandeln. Da der Japaner feine bestimmten Besuchsstunden fennt, so überfällt er auch wohl einmal einen harmlos schlummernden Europäer frühmor gens um fünf und glaubt dabei noch, daß er ihm eine große Aufmerksamkeit erwiesen hat. Der Neujahrsglückwunsch lautet zumeist:„ Ich wünsche Ihnen Glück zum neuen Jahr, und haben Sie beften Dank für Ihre Güte, die Sie mir im vorigen Jahre erwiesen haben." Die Kaufleute danken für ihre Kundschaft im alten und bitten um ferneres Wohlwollen im neuen Jahr. Am ersten Tage des neuen Jahres darf man nach altem Brauch zur Hausreinigung nicht nach dem Besen greifen da man sonst das Glück hinausfegt. Beim ersten Morgengrauen holt man nach altem Brauch das gilt aus dem Hausbrunnen Wasser und trinkt es als heilbringend. Zur Feter gehört unbedingt ein Reiskuchen, der in Form und Farbe etwa einem großen Schwelzerfäfe ähnelt. Drabtnachrichten und Deaestes. Ein chinesischer Prinz in Berlin. Berlin, 31. Dezember. Am 7. Januar trifft der chinefische Prinz Tschaksin, ein Bruder des Prinzregenten und ein Onkel des jungen Kaisers. Hier etn. Sein Gefolge bildet die zum Studium der europäischen Marineeinrich= tungen entsandte Kommission, mit der sich der Prinz nach furzem Aufenthalt in Berlin nach Kiel begeben wird. Schwerer Straßenbahnunfall in Berlin. Berlin, 31. Dezember. Bei dem Zusammenstoß eine? Straßenbahnwagens, einer Automobildroschke und eines Lastwagens, der, gestern abend erfolgte, wurde der Anhängewagen des Straßenbahnwagens aus den Schienen geschleudert, der Lastwagen umgeworfen und die Automobildroschke wie eine Riehharmonika zusammengeschoben. Glücklicherweise sind Personen nicht verletzt. Der Feuerwehr gelang es, nach halbstündiger Tätigkeit, die Straße für den Verfehr wieder frei zu machen. Ausgehobenes Falschmünzernest. Leipzin, 31. Dezember. In einem verlassenen Weinbergshäuschen zwischen Kösen und Schulpforta wurde eine Falschmünzerwerfstätte entdeckt. Außer verschiedenem Ma terial fand man im Ofen Gusformen und Gipsabdrücke von 3meimarkstücken mit dem Bildnis Kaiser Wilhelms. der Jahreszahl 1907 und dem Münzzeichen A. Die Falschmünzer fonnten noch nicht ermittelt werden. MelenaManna non Aviciiczn Magdeburg, 31. Dezember. In der Schuhfabrik von Grüneberg und Co. wurde infolge Konkurses über 200 Arbeitern gekündigt. Der Dank für Messina Neapel, 31. Dezember. In Anwesenheit der Behörden wurden gestern abend den Konsuln Deutschlands, Englands, Frankreichs, Rußlands, Spaniens und der Vereinigten Staaten fünstlerisch ausgeführte Plafetten, die für die an der Hilfeleistung in Messina und Reggio beteiligten auswärtigen Schiffe bestimmt sind, feierlich überreicht. Brudermord um eine Grbichaft. Rom, 31. Dezember. In Chefallet bei Aosta erschoß gestern der Landwirt Vitturino seinen Bruder, den Alpenfägerleutnant Otavio im Streit um die Erbschaft und machte dann seinem Leben ein Ende. Vom Kalisyndikat, Neuhort, 31. Dezember. Die hiesigen Vertreter des Kalisyndikats erzielten eine Einigung mit den Amerikanern, die nunmehr dem Syndikat beigetreten sind. Große Kälte in Amerika. Neuhork, 31. Dezember. Die ganze östliche Hälfte der Vereinigten Staaten befindet sich im Banne eisiger Kälte. In einzelnen Gegenden sank das Thermometer bis 36 Grad unter Null. In Alabama fanden vier Personen durch Erfrieren den Tod. Florida hat sechs Grad unter Null. Man befürchtet die Vernichtung der Orangeindustrie. Handel und Verkehr. Frankfurt, 30 Dezember, Viehmarktbreise vom 30. Degember. 1 Rentner: Rälber: feinste Maft( Vollm- Mast) und befte Saunfälber( Lebendaewicht) 50-56 m.,( Schlachtaemicht) 83-93 Mt., 2. mittlere Maft- und gute Saugfälber( Lebendgewicht) 44-48 Mt.,( Schlachtgewicht) 74-82 Mt., 3. geringe Sauofälber( Lebendgewicht) 40-43 Mt.,( Schlachtgewicht) 70 bis 74 f., Schafe: 1. ältere Masthaminel und aut genährte Schafe( Lebendaewicht) 00--31 Mt.,( Schlachtgewicht) 70-72 Marf 2. ältere Maftbämmel und out genährte Schafe( Lebendbis 66 gewicht) 22 bis 26 Mart,( Schlachtgewicht) 60 Mart, 3. mäkia genährte Sammel und Schafe( Merzicbafe) ( Lebendaewicht) 00-00 mt.,( Schlachtgewicht) 00-00 Mart, 1. vollfleischine Schweine über 2 Zentner( Lebandaewicht) 58 bis 60 Mark,( Schlachtgewicht) 73-74 Marf, 2. vollfleischiae Schweine bis 31 2 Bentner( Lebendgewicht) 58 50-60 mark ( Schlachtgewicht) 73-76 m., 3. fleifchige Schweine( Lebend gewicht) 57-59 Mt.,( Schlachtaemicbt) 71-77 Me Kolosseum, Giessen Direktor Albert Rappmann. Hente Montag, 3. Jaunar 1910 abends 8 Uhr das durchschlagenden Erfolg erzielende Riesen- WeltstadtSpezialitäten- Programm. U. a. das großartige Fantoche Theater Kaufmann. Fel. Groß genannt Sabaret II die großartige Vortragskünstlerin. Gustav Fuhrmann der beliebte Humorist sowie das übrige Programm. In den hochelegant dekorterten borderen Restaurationsräumen täglich ab 7/2 Uhr Konzert des hier in Gießen so beliebten Damen- Orchesters Sturm". PP Eintritt frei! Es ladet ergebenft ein Direktion Albert Rappmann. Eigene Gewächse bester und allerbester Weinbergslagen bersendet in Fässern von 25 Ltr. u. in Kisten v. 12 Fl. an Paul Christian Saalwächter Weingutsbesitzer, NIEDER- INGELHEIM a. Rh. Spezialität: Ingelheimer Rotweine. Rheinweine nen Wertes der von ihm in den Bau verwendet worden ist, der von ihm geleisteten Arbeit und der von ihm gemachten Auslagen für sich behalten. Baugeid sind Geldbeträge, die zum Zwecke der Bestreitung der Kosten eines Baues in der Weise gewährt werden, daß zur Sicherung der Ansprüche des Geldgebers eine Hypothet oder Grundschuld an dem zu bebauenden Grundstücke dient oder die Uebertragung des Eigentums an D. H. V. Mittwoch, den 5. d. Mts. pünktlich 9 Uhr abends im Vereinsheim dem Grundstück erſt nach gänzlicher oder teilweiser geschäftliche Sihung Herstellung des Baues erfolgen soll. Als Geldbeträge, die zum Zwecke der Bestreitung der Kosten eines Baues gewährt werden, gelten insbesondere: 1. solche, deren Auszahlung ohne nähere Bestimmung des Zweckes der Verwendung nach Maßgabe des Fortschreitens des Baues erfolgen soil; 2. solche, die gegen eine als Baugeldhypothek bezeich nete Hypothef(§ 33) gewährt werden. § 2. Zur Führung eines Baubuches ist verpflichtet, wer die Herstellung eines Neubaues unternimmt und entweder Baugewerbetreibender ist oder sich für den Neubau Baugeld gewähren läßt. Ueber jeden Neubau ist gesondert Buch zu führen. Neubau im Sinne dieses Gesetzes ist die Errichtung eines Gebäudes auf einer Baustelle, die zur Zeit der Erieilung der Bauerlaubnis unbebaut oder nur mit Bauwerken untergeordneter Art oder mit solchen Bauwerken besetzt ist, welche zum Zwecke der Errichtung des Gebäudes abgebrochen werden sollen. Aus dem Baubuche müssen sich ergeben: 1. die Personen, mit denen ein Wert, Dienst oder Lieferungsvertrag abgeschlossen ist, die Art der diesen Bersonen übertragenen Arbeiten und die vereinbarte Vergütung; 2. die auf jede Forderung geleisteten Zahlungen und die Zeit dieser Zahlungen; 3. die Höhe der zur Bestreitung der Baukosten zuge= sicherten Mittel und die Person des Geldgebers sowie Zweckbestimmung und Höhe derjenigen Beträge, die gegen Sicherstellung durch das zu bebauende Grundstück(§ 1 Abs. 3), jedoch nicht zur Bestreitung der Baukosten gewährt werden; 4. die einzelnen in Anrechnung auf die unter Ziffer 3 genannten Mittel an den Buchführungspflichtigen oder für seine Rechnung geleisteten Zahlungen und die Zeit dieser Zahlungen; 5. Abtretungen, Pfändungen oder sonstige Verfügungen über diese Mittel; Tagesordnung: 1. Lichtbildervortrag 2. Verschiedene 8. eues Stadt- Theater Giessen. Direktion: Hermann Steingoetter. Pünktliches und zahlreiches Er- Dienstag, den 4. Jan. 1910. scheinen ist erwünscht. Der Vorftand. 0 Geld- Darlehen 5% evtl. ohne Bürg, an jed. auf Anfang 8 Uhr. 11. Dienstag Abonnements. Vorstellung Wechsel, Schuldschein, Wertpa- Der lelige Coupinel piere, auch Ratenabzahlung gibt Central- Büro, Berlin N. 24. Rückp. Jahres- Knechte und Viehwärter, ausgewählte, vermittelt reell u. sehr billig überallhin Theodor Riebenstahl, Gesindevermieter, Gr. Hamburger ftraße 16. Kalender 1910 für Besitzer von Wertpapieren. Praktisches Handbuch für jeden Kapitalisten! wird gratis versandt vom Bankhaus E. Calmann, Hamburg ( Etabliert 1853), - Schwant in 3 Akten von Alexand.. Bisson. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Mittwoch, den 5 Jan. 1910. nachmittags 3 Uhr. Kleine Preise! Kleine Preise! 3.Aufführung des WeihnachtsMärchens. Unter Mitwirkung der Kapelle des hiefig. Inf.- Reg. ,, Kaiser Wilhelm" Nr. 116. Hscbenbrödel. Weihnachts Märchen in 6 Bildern von C. A. Görner. Anfang 3½ Uhr. Ende n. 6 Uhr. Abends 7 Uhr. 10.Mittwoch bonn.- Vorstellung Novität! Novität! 6. die Beträge, die der Buchführungspflichtige für eigene Städt. Wohnungsnach„ Die Hosen des Herrn von Bredow" Leistungen in den Bau aus diesen Mitteln entnommen hat. Das Buch ist bis zum Ablaufe von fünf Jahren, von der Beendigung des leßteingetragenen Baues an gerechnet, aufzubewahren. § 3. Die Vorschriften des§ 2 finden auch auf Umbauten Anwendung, wenn für den Umbau Baugeld gewährt wird. § 4. Bei Neubauten ist der Bauleiter verpflichtet, an leicht sichtbarer Stelle einen Anschlag anzubringen, welcher den Stand, den Familiennamen und wenigstens einen ausgeschriebenen Vornamen, sowie den Wohnort des Eigen= Höhere u. Erweiterte Mädchen- timers, und, falls dieser die Herstellung des Gebäudes schule zu Gießen oder eines einzelnen Teiles des Gebäudes einem Unternehmer übertragen hat, des Unternehmers in deutlich lesbarer und unverwischbarer Schrift enthalten muß. Wird der Die Anmeldungen der Mädchen, die von Beginn des Bau von der Firma als Eigentümer oder Unternehmer austommenden Schuljahres ab unsere Schule besuchen sollen, geführt, so ist diese und deren Niederlassungsort anzugeben. werden Mittwoch, 12. und Donnerstag, 13. Januar von § 5. Baugeldempfänger, welche ihre Zahlungen einge10-1 Uhr im Schulhause, Nordanlage 13, entgegengestellt haben oder über deren Vermögen das Konkursver= nommen. Vorzulegen sind: Geburtsurkunde und Impf- fahren eröffnet worden ist und deren im§ 1 Abs. 1 beschein, bezw. Bescheinigung der 2. Impfung, und bei sind, werden mit Gefängnis nicht unter einem Monate bezeichnete Gläubiger oder der Konkurseröffnung benachteiligt Kindern, die aus einer anderen Schule kommen, etn Ab- straft, wenn sie vorsäßlich zum Nachteile der bezeichneten gangszeugnis. Mädchen, die erst schulpflichtig werden, Gläubiger den Vorschriften des§ 1 zuwidergehandelt ha find bet der Anmeldung vorzustellen. ben. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann die Geldstrafe bis zu dreitausend Mart erkannt werden. Strafe bis auf einen Tag Gefängnis ermäßigt oder auf Anmeldungen nach der festgesetzten Zeit fönnen nur berücksichtigt werden, insofern die betr. Klassen nicht schon bollzählig sind. Gießen, den 22. Dezember 1909. Großh. Direktion: Dr. Störifo. Bekanntmachung. § 6. Zur Führung eines Baubuches verpflichtete Personen, welche ihre Zahlungen eingestellt haben oder über deren Vermisgen das Kontursverfahren eröffnet worden ist und deren im§ 2 Abs. 3 Ziffer 1 bezeichnete Gläubiger zur Zeit der Zahlungseinstellung oder der Konturseröffnung benachteiligt sind, werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark be= straft, wenn sie das vorgeschriebene Baubuch zu führen unterlassen, oder es verheimlicht, vernichtet oder so unordentbesondere über die Verwendung der zur Bestreitung der Baulich geführt haben, daß es teine genügende Uebersicht, insfosten zugesicherten Mittel, gewährt. weis Gießen. Afterweg 9. ( Geschäftsstunden von 8-1 und Anfang 7 Uhr.- Ende 10 Uhr. von 3-6 Uhr.) E8 ftud zu bezmieten: 5 Wohnungen von 7 Bimmerin Mistake Nr. 80. 53. m" Laber Versteigerung. 1 " " 2 6-7 6 " H " 5-6 " 5 " " " 17 1 11 17 If 2 3-4 H " 2 3 " " M 4 " H 6 möblierte Zimmer. 1 Werkstatt 1 Wagenhalle. 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Jannar 1910 beim Städtt- ime Unvermögensfalle mit Haft bis zu vier Wochen wird schen Armenamt, Afterweg 9 einzureichen, wo auch nähere bestraft, wer den Vorschriften des§ 4 zuwiderhandelt. Auskunft erteilt wird. § 8. Die Vorschriften dieses Abschnitts finden auf Bauten, die bereits vor dem Infrafttreten des Gesezes begonnen sind, teine Anwendung. Gießen, den 29. Dezember 1909. Die Armendeputation der Stadt Sießen. Keller. Bekanntmachung. Zur Bekleidung armer Konfirmanden zu Ostern 1910 tst die Lieferung von 1. fertigen Knabenanzügen aus schwarzem Stoff 2. schwarzem Cachemir oder anderem schwarzen Stoff zu Mädchenkleidern 3. farbigem Flanell zu Unterröcken zu bergeben. Angebote sind unter Beischluß von Musteru, auch zu dem Futter für die Knabenanzüge- bis spätestens 15. Januar 1910 verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, die die anbietende Firma nicht erkennen läßt, an das Städtische Armenamt, After weg 9 ein. zureichen. Gießen, den 29. Dezember 1909. Die Armendeputation der Stadt Gießen. Keller. Sicherung der Bauforderungen. Nachstehend bringen wir die bereits in Kraft getretenen Vorschriften des Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen vom 1. Juni 1909 zur Kenntnis der Beteiligten. Gießen, 28. Dezember 1909. Bürgermeisterei. J. V.: Keller. § 1. Der Empfänger von Baugeld ist verpflichtet, das Baugeld zur Befriedigung solcher Personen, die an der Herstellung des Baues auf Grund eines Wert, Dienst- oder Lieferungsvertrags beteiligt sind, zu verwenden. Eine anderweitige Verwendung des Baugeldes ist bis zu dem Betrage statthaft, in welchem der Empfänger aus anderen Mitteln Gläubiger der bezeichneten Art bereits befriedigt hat. Ist der Empfänger selbst an der Herstellung beteiligt, so darf er das Baugeld in Höhe der Hälfte des angemesse NUMMER BESH DAS ABONNEMENT AUF DIE Stanb. verdien. Nebenverd. d. Schreibarb. Häusl. Tätigkeit, Vertretung. usw. Näher. Dienstag, den 4. Januar d. I, tormittags 102 Uhr, werden im Saale„ Zum Pfau, Neustadt 55 versteigert: 1 Sofa( grün Plüsch), 1 Schreibtisch, 1 Kleiderschront, 1 bollit. Beit, 2 Waschkommoden, 1 Nachttisch, 1 Sessel, 1 ov. Tisch, 1 Küchentisch, 1 Gasherd, 1 Waschmangel, 2 Büche geftelle, 1 Teppich, 8Tischdecken, 15 Servietten, 1 Tafeltuch, 1 Tisch, 1 Vertiko u. a. Die Versteigerung findet be: kimmt statt. Geißler, Gerichtsvollzieher, Gießen. Birta 80 Ferkel u. Läuferschweine abzugeben. Braubach& Fischer Erwerbszentral.t. Frantf.a. Färberei Grösster Betrieb FARBIG illustriertes WITZBLATT. QUARTAL 3MK Meggendorfer Blätter München OROBENUMMER GRATIS VOM VERLAG MÜNHEN Kouverts mit Firma : Tausend von 3,75 M. an Albin Klein, Buchdruckerei, Gießen, Seltersweg 83. dleser Branche im 00000000. Grossh. Hessen:::: Chem. Waschanstalt Gegründet 1848 und gelfuri 553 Prof. " tember Seltersweg 79 a Tel. 627 Neuenweg 4 15 elgene Läden. Färberei- Versandt- Geschäft. 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