Bibliother 31486 110 fol. max.- 21,90-137 und 22,138 ESSEN Gießener Zeitung ( Neueste Nachrichten) Bezugspreis 40 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mt., durch die Post 1,50 Mt. frei ins Haus. Erscheint Dienstags, - Donnerstags und Samstags. Zwei Ertrabeilagen: „ Humoristische Blätter" und die„ Neue Lesehalle", Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362. Nr. 90. - Bekanntmachung. der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein) Samstag, 2. Juli 1910. ( Gießener Tageblatt) Anzeigenpreis 15 Pfg. die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pig.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pig.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Playzvorschriften ohne Verbindlichkeit. shil nagijad Telephon: Nr. 362. Amtliche Bekanntmachungen. Zu vergeben sind: 428,75 Mt. Zinsen aus der Stiftung der Konrad Balthaser Lang Erben an zwei bedürftige, evangelische Bewohner Gießens, die mindestens 60 Jahre alt sind. Meldungen nimmt das Armenamt bis 15. Juli 1910 entgegen. Gießen, den 23. Juni 1910. Bürgermeisterei. Keller. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur Kenntnis der Interessenten. Gießen, den 28. Juni 1910. Großherzogliches Polizeiami. oid Gebhardt. Bekanntmachung. Betr.: Den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 11. April If. Js.( Kreisblatt Nr. 30, 31 und 33) werden BeDer Friede im Baugewerbe. Im Laufe dieser Woche sind bis auf die Ausnahme bon wenigen Städten wie Leipzig, Solingen und Hagen i. Wests. die Arbeiten in dem Baugewerbe überall aufgenom men worden. Bei dieser Sachlage tann von einer Gefähr dung des gesamten Friedens nicht mehr die Rede sein. Derartige Störungen pflegen in der Praris die natürliche Begleiterscheinung aller großen Aussperrungen und Streits zu sein und sind bei der Bauarbeiteraussperrung, die alle bisherigen derartigen Bewegungen an Umfang und Bedeutung übertroffen hat, für jeden kundigen erst recht verständlich. und Mit den noch bestehenden Differenzen befaßten sich noch einmal in Halle a. S. die Führer der Zentralorganisatio nen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auf ausdrücklichen Wunsch der Parteien wohnten Dr. Wiedfeldt- Berlin Gerichtsdirektor Prenner- München den Besprechungen als Verhandlungsleiter bei. Es wurde festgestellt, daß zwischen den Führern der Zentralorganisationen über die Durchführung der Verträge teine prinzipiellen Meinungsverschieden= heiten bestehen, ferner daß die Zentralorganisationen alle Mittel zur Durchführung des Schiedsspruchs angewandt hätten, der bis auf wenige Orte anerkannt wurde. Wenn in einzelnen Lokalorganisationen noch Schwierigkeiten bestehen, so stehe dies im Widerstreit mit den Besprechungen der Zentralorganisationen und den Entscheidungen des Schiedsgerichts. Dies wird im Interesse der Lokalorganisationen und des Ansehens der Organisationsentwickelun gen wie auch der Tarifverträge allseitig bedauert. Aber auch in Fällen, in denen angesichts der entschiedenen Haltung der Zentralorganisationen in fürzester Frist noch die Beileg ung der Differenzen zu erwarten wäre, wurde übereinstimmend festgelegt, daß die örtlichen Verhandlungen überall sofort aufzunehmen und so zu fördern, daß die im Schiedsspruch angegebenen Termine, 8. Juli und 15. Juli, tunlichst eingehalten werden. Bur hessischen Wahlkreiseinteilung. Der Gesetzgebungsausschuß der 3 weiten Kammer beschäftigte sich in einer gemeinsamen Sitzung mit der Regierung mit der Frage der WahlIreieinteilung, resp. den von den verschiedenen Parteien hierzu gestellten Abänderungsvorschlägen. Besonders lebhaft war die Debatte über die von nationalliberaler Seite gemachte Wahlkreiseinteilung für Rheinhessen, die von freifinniger Seite start bekämpft wurde. Wir lassen nachstehend die in dieser Sache gemachten Vorschläge der Nationalliberalen bezüglich Rheinhessens folgen, welche die Proving in 11 Wahlkreise eingeteilt wissen wollen: 1. Wahlkreis Pfeddersheim und Umgebung mit 17 299 Einwohnern; 2. Wahlkreis Alzey und Nachbarorte mit 20 316 Einwohnern; 3. Wahlkreis Wöllstein und Umgebung mit 16 609 Einwohnern; 4. Wahlkreis Osthofen und Umgebung mit 17 082 Einwohnern; 5. Wahlkreis Wörrstadt und Umgebung mit 20 788 Einwohnern; 6. Wahlkreis Oppenheim und Nachbarorte mit 17 280 Einwohnern; 7. Wahlfreis Gonfenheim- Niederolm und Umgebung mit 21 641 Einwohnern; 8. Wahlkreis Nierstein( neu) und Nachbarorte mit 17 778 Einwohnern; 9. Wahlkreis Mainz- Land mit 20 211 Einwohnern; 10. Wahlkreis Ingelheim mit zusammen 19 825 Einwohnern; 11. Wahlkreis Bingen Land mit 19 825 Einwohnern. Die Regierung gab die Erklärung ab, daß sie zu den vorgeschlagenen Abänderungen der Regierungsvorlage vorerst noch keine Stellung nehmen, sondern sich die Entscheidung bis nach Fertigstellung der Wahlkreiseinteilung in beiden Kammern vorbehalten werde. Hessischer Landtag. In der Sizung der zweiten Kammer am Donnerstag nahm die Fortseßung der Beratungen des Gemeindeumlagengeseßes einen sehr flotten Fortgang. Die Artifel Vorlage über die Gewerbesteuer, 9-17, darunter der sitzer bon bor dem 1. April zum Verkehr zugelassenen Kraftzweirädern wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß nach§ 39 Abs. 2 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910 nur Kennzeichen von größerer Abmessung bis zum 1. April 1911 beibehalten werden dürfen. Die Kennzeichen müssen im übrigen der Vorschrift des§ 8 Abs. 4 a. a. D. entsprechen, also schon vom 1. April 1910 ab beiderseitig beschrieben und in der Fahrtrichtung angebracht sein. Selbstverständlich bedürfen auch die hiernach neu her= gerichteten Kennzeichen der Abstempelung, zu welchem Zweck uns die Krafträder mit den Kennzeichen vorzuführen sind. Gießen, den 27. Juni 1910. Großh. Kreisamt Gießen. gez.: Dr. Usinger. Bekanntmachung. Die unterm 6. Mai 1910 angeordnete Sperre der Steinstraße zwischen Schiller- und Dammstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 2. Juli 1910. Großh. Polizeiamt Gießen. Gebhardt. auch der vielumstrittene Artikel 10 der Vorlage über den Besteuerungsmaßstab und die Berechnung des Mehrertrages, wurden nach dem Ausschußantrag angenommen. Ebenso die Artikel 18-22, betreffend die Besteuerung der Waren häuser, die Artikel 23-26, betreffend die Besteuerung der Filialgeschäfte, und Artikel 27-37, betreffend die Steuer vom gewerbemäßigen Handel mit ländlichen Grundstücken. Auch die folgenden Artikel über die Kapitalvermögenssteuer, sowie über die Einkom mensteuer gelangten ohne wesentliche Debatte zur Annahme. Bei Artikel 47 hatte Abg. Wolf( Bod.) erklärt, daß er gegen die Bestimmung votieren werde, wonach auch die Einkommen unter 500 Mt. zur Gemeindeſteuer herangezo= gen werden können. Geheimrat Dr. Becker wies je doch darauf hin, daß es ja den Gemeinden freigestellt sei, Einkommen bis 900 Mt. steuerfrei zu lassen. Es würde aber durch die Steuerfreilassung vielen Personen das Wahlrecht genommen werden, da nach den Vorschriften des Ge setes die Gemeindemitglieder das Wahlrecht nur ausüben würden, wenn sie eine hohe Steuer zahlen. Er meine deshalb, daß für diesen Artikel doch auch die Sozialdemofraten geschlossen eintreten würden, die ja eigentümlicherweise auch die Kapitalbesteuerung abgelehnt haben.( Große Heiterfeit.) Nach einer Frühstückspause stellten die Abgg. Bähr ( wild) und Brauer( Bbd.) beim Artikel 61 den Antrag, die Geltungsdauer des Geseßes auf 5 Jahre zu beschrän fen, worüber sich eine längere und lebhafte Debatte ent= spann. Finanzminister Dr. Braun und Geheimrat Be st wandten sich lebhaft gegen eine Verkürzung der Giltigkeit des Gesetzes. Schließlich gelangte mit 20 gegen 16 Stimmen eine Resolution Brauer zur Annahme, wonach das Gesetz bis zum 1. April 1919 Giltigkeit haben soll. Das Haus vertagte sich darauf um ½ 2 Uhr auf unbestimmte Zeit. Lokales. Gießen, 2. Juli 1910. * Kaiser Regiment. Im Laufe des heutigen Nachmittags findet zwischen Lüzellinden, Dutenhofen und Wehlar eine Feldübung des Kaiser- Regiments statt, an der auch die zur Zeit in Gießen eingezogenen beiden Landwehrlompagnien teilnehmen. Auf das Gefecht folgt ein Biwat. * Städtische 3. Die Stadt Gießen wird sich aller Voraussicht nach an dem Bau einer Bahn durch das untere Kleebachtal unter der Bedingung mit einem Kapital beteiligen, daß die Bahn nicht nach Dutenhofen eingeführt wird. -h- Straßenbahn. In dem Monat Juni beförderte die Straßenbahn 124 752 Personen. Die grüne Linie benutten 48 249 Fahrgäste, während die rote Linie eine Besuchsziffer von 78 503 Personen auswies. Am Sonntag, den 12. Juni, anläßlich des filbernen Jubiläums des Männerturnvereins, beförderte die Straßenbahn die meisten Fahrgäste nämlich 11 574 Personen. Gegenüber dem Vormonat mit einer Besuchszahl von 115 241 Personen tann der Abschluß des Juni nur erfreulich genannt werden. -h Straßenpflasterung. In der inneren Stadt ist nun auch die Neupflasterung der Löwengasse in Angriff genommen worden. Die Nordanlage hat bereits auf der Promenadenseite einen gepflasterten Fußweg erhalten, welcher nun bald in den Anlagen rings um die Altstadt führen wird, da für das nächste Jahr auch die Pflasterung des Fußweges der Weftanlage vorgesehen ist. * Silbernes Jubiläum. Dieser Tage fonnten die Dreher Rohr ba ch- Gießen und Soller KleinLinden auf eine 25jährige Tätigkeit in der Heyligenstaedtschen Fabrik zurückblicken. * Auszeichnung. Aul der Ausstellung f. Sport und Spiel in Frankfurt a. M. erhielt die Verlagsbuchhand21. Jahrg. Bekanntmachung. In den Wagen der städt. Straßenbahn wurden in der Zeit vom 6. bis 29. Juni 1. J. nachstehende Sachen gefunden: 豆 3 Herrenregenschirme, 4 Damenschirme, 1 Kinderspa zierſtock, 1 Steinguttopf, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 leinenes Band. Die Gegenstände fönnen in dem Bureau der unterzeich neten Verwaltung, Westanlage 51, abgeholt werden. Gießen, den 30. Juni 1910. Elektrizitätswert und Straßenbahn der Stadt Gießen Stolte. Bekanntmachung. Die unterm 24. Mai 1910 angeordnete Sperre der Nordanlage vom Neustädter Tore bis zur Steinstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 2. Juli 1910. un Großherzog l. Polizeiam t. 971 30915 3d m Gebhardt. lung Emil Roth- Gießen für ihre ausgestellten Karten, Bücher und Pläne von der Ausstellungsleitung die bronzene Medaille. * Mathildenstiftung. Die Generalversammlung der Mathildenstiftung der Provinz Oberhessen fand im Regierungsgebäude zu Gießen statt. Die Verhandlungen wurden von Kirchenrat Naumann geleitet. Der Kassenbericht für 1909 ergab eine Einnahme von 4836 Mart und eine Ausgabe von 2484 Mt. Es beträgt somit der Kassenbestand augenblicklich 2350 Mt., während das Kapitalvermögen die Höhe von 29 295 Mt. erreicht. Bei der sich daran anschließenden Vorstandswahl wurde für Geheimerat Dr. Breidert- Mainz Provinzialdirektor Dr. Usinger zum 1. Vorsitzenden und anstelle des nach Dieburg verziehenden Kirchenrats D. Naumann, Kirchenrat D. Schlosserzum 2. Vorsitzenden gewählt. Etwa 40 hessischen Kleinkinderschulen wurde eine Summe von 2100 Mt. zur beliebigen Verwendung überwiesen. * Unfug. Das Fenster eines Hauses an der SüdAnlage und ein Fenster in der Ludwigstraße wurden in der Nacht zum Freitag durch einen Steinwurf zertrümmert. Den Tätern ist man auf der Spur. Das Jahresfest der Universität. Gestern fand in der Neuen Aula der Universität das Jahresfest unserer Landeshochschule statt, das auch diesmal wieder recht zahlreiche Teilnehmer versammelte. Pünktlich um 11% Uhr nahm die Feier, anläßlich welcher die Aula ein festliches Kleid angelegt hatte, mit dem Marsch u. Chor „ Einzug der Gäste auf der Wartburg" ihren Anfang. Nach dem„ Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn" aus dem " Messias- Oratorium" von Händel behandelte der Rektor der Universität Prof. Dr. Strahl in seiner Festrede zunächst die„ Anatomische Methodit", um bierauf die Chronit für das verflossene Jahr vorzulesen. Von ganz besonderem Interesse für die Zuhörer, namentlich die Studenten, waren die Mitteilungen, welche Prof. Strahl über das Ergebnis der in dem abgelaufenen Jahr den verschiedenen Fakultäten gestellten Aufgaben machte. Hiernach wurde in der medizinischen Fakultät der Balserpreis dem Cand. med. Wolf für seine experimentelle Nachprüfung der Frage der Entstehung der Malaena neonatorum zugesprochen. In der philosophischen Fatultät wurden 3 Preise zuerkannt. Die Die chemische Aufgabe" Untersuchung zyklischer Harnstoffe der aromatischen Reihe" löste Cand. chem. H. Jensch. Der flassisch philologischen Aufgabe" De sympoticis antiquorum fcriptis quaeratur, ratione habita tam historiae quam artis" wurde Cand. phil. E des gerecht, während die englischphilologische Aufgabe„ Das Altertümliche im Wortschatz der englischen Dichtung des 18. Jahrhunderts" Cand. phil. Reuning bemeisterte. Nach dem durch den Akademischen Gesangverein recht stimmungsvoll vorgetragenen„ Halleluja!" aus dem Messias- Oratorium, fand die in allen ihren Teilen großartig verlaufene Feier mit der Jubel- Ouverture v. C. M. v. Weber ihren Abschluß. Die Dozenten und Be= amten der Universität versammelten sich hierauf zu einem gemeinsamen Festessen in Steins Garten, auf das ein Ston= h= zert folgte. Hus Hessen und Nachbargebiet. * Aus dem Kreise Gießen. Nicht weniger als 10 neue Schulhäuser werden in diesem Herbst eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Es sind dies die Neubauten zu Eberstadt, Londorf, Nonnenroth, Nieder- Bessingen, Allendorf- Lumda, Saasen und die Um- und Anbauten zu Harbach und Reinhardshain. Mit Ausnahme von Steinbach sind die Gebäude einklassig. Dieses Jahr noch begonnen und im Rohbau fertiggestellt werden das Schul haus zu Garbenteich und der Neubau für die höhere Burgerschule in Grünberg. Auch der Neubau einer Bürgerschule und Vollsschule zu Hungen wird voraussichtlich noch diesen Sommer begonnen. * Nidda. Den Kontursgläubigern des Vorschußund Kreditvereins Ober- Mockstadt wurde durch den Kon= fursverwalter Rechtsanwalt Sandmann eine weitere Abschlagszahlung von 15 Prozent zu teil. * Birtlar. Morgen feiert der hiesige Kriegerverein sein 25jähriges Stiftungsfest in Verbindung mit dem Bezirksfest des Kriegervereinsbezirts Lich. Zugleich findet die Einweihung eines Kriegerdenkmals statt. * Alsfeld. Das hess. Tugerkulose- Wander- Museum, das weitere Kreise der Bevölkerung über die Gefahren der Tuberkulose und über die Mittel zu ihrer Bekämpfung belehren will, trifft anfangs Juli im Kreise Alsfeld und wird in den größeren Orten Romrod, Kirtorf, Homberg a. d. Ohm und Nieder- Ohmen auf mehrere Tage ausgestellt. ein in in in * Alsfeld. Am Sonntag, den 10. Juli, findet nachmittags 3 Uhr im Saale des Deutschen Hauses" unserer Stadt die Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins statt. Neben der üblichen Rechnungsablage und dem neuen Voranschlag kommen einige Statutenänder ungen zur Verhandlung. Vormittags 10% Uhr findet demselben Lotal eine Baumwärterversammlung statt, welcher über die Organisation der Baumwärter, ferner über ihre Stellung zur Landwirtschaftskammer gesprochen und Obstbautechniker Koch- Alsfeld einen Vortrag halten wird. * Bad Nauheim. Der Brand der hiesigen AutoGarage entstand dadurch, daß ein einer englischen Dame gehöriges Auto nachts 1 Uhr vor der Garage vorfuhr, welches nach Aussage bereits auf der Tour einen defekten Benzintessel gehabt hat, denn der Chauffeur hat versucht in Buzzbach die lecke Tropsstelle des Behälters bereits zu verstopfen. Der Chauffeur, ein junger 19jähriger Franzose Namens Donges, wurde wegen fahrlässiger Brandstiftung und vorliegenden Fluchtverdachtes in Haft genommen. * Friedberg. Es besteht der Verdacht, daß der Friedberger Attentäter, Dachdecker Werner aus Kaiserslau tern, vor etwa 3 Wochen in der Pulverfabrik in St. Ingbert einen Einbruch begangen hat, wobei ein halber Zentner Dynamit gestohlen wurde. Werner soll in St. Ing bert bei der Blizableiteranlage der Pulverfabrio gearbeitet haben. * Friedberg. Der Attentäter Karl Werner ist in Lüttich verhaftet worden, wo er unter dem Namen Schmidt sich aufgehalten hatte. Werner war in Brüssel kurz nach dem verbrecherischen Anschlag in einem Geschäft in unmittelbarer Nähe der Bürgermeisterei, um sich einen Kragen zu kaufen. Als dort die Nachricht von dem Bantraub in Gegenwart des Attentäters eintraf, meinte Friedberg wird bald Großstadt. Werner hat auch wahrscheinlich den Schuß auf den Bankdirektor Meyer abgegeben, denn eine in dem Bureau gefundene leere Patronenhülse paßt nicht in die Browningpistole des Wingeß. er: 1 * We blar. Die Umgestaltung des Bahnhofs Wetzlar, an der jetzt nahezu 4 Jahre gearbeitet wird, geht ihrer Vollendung entgegen. Seit vorigen Herbst wird an den Ueberführungen gearbeitet. Während Bahnsteig ( Strecke Gießen- Deuß) Ende Februar vollendet wurde, ist nun auch Bahnsteig 2( Strecke Gießen- Koblenz) in Betrieb genommen worden. Jetzt ist nur noch Bahnsteig 3 ( Strecke Lollar- Weßlar) zu vollenden. * Wetzlar. Wegen Falschmünzerei wurden hier der Handelsmann Karl Blech und der Maurer W. Ostweiler verhaftet. Bei ihnen wurden falsche Zweimartstücke gefunden, auch ist erwiesen, daß sie solche in den Verkehr ge bracht haben. * Frankfurt. Die internationale Sport- Ausstellung wird endgültig am 17. Juli geschlossen. vor= * Mainz. Gestern erfolgte der Ueberzug des 2. Bataillons vom Inf.- Reg. Nr. 88 von Mainz nach seinem neuen Garnisonsort Hanau. Im Militärkasino hatte gestern das Offizierstorps zu Ehren der scheidenden Kameraden eine Abschiedsfeier veranstaltet, an der auch Bberbürgermeister Dr. Göttelmann als Vertreter der Stadt Mainz teilnahm. Darmstadt. Zum Gedächtnis für den verstor benen Geh. Medizinalrat Dr. Ludwig, den Gründer und Leiter der Landesirrenanstalt in Heppenheim, fand in der Aula der Technischen Hochschule eine große Feier statt, der u. a. Minister v. Hombergt, Provinzialdirektor Fey, zahlreiche weitere Vertreter des Ministeriums, sowie Professoren aus Darmstadt und Gießen beiwohnten. Professor Dr. Sommer Gießen hielt die Gedächtnisrede. * Wiesbaden. Die Zahl der bis jetzt hier angemeldeten Fremden beträgt 75 815, davon 28 043 zu längerem und 47 772 zu fürzerem Aufenthalt. Aus aller Welt. Das Kriegsministerium wird den Bericht dem Reichstage zugehen lassen. * Görlib. Hier ist der Hilfsgerichtsdiener Scholz, der am 28. Februar seine Geliebte Alma Spengler ermordete und vom Schwurgericht zum Tode verurteilt worden war, auf dem Hofe des Landgerichtsgefängnisses durch den Scharfrichter Schwieß hingerichtet worden. * Berlin. In unserer Kolonie Togo sind laut dem Gutachten Sachverständiger Goldfunde festgestellt worden. Nach den neuesten Bergrechtsverordnungen ist das Gouvernement im Besitze des Regals, das aber an Privatpersonen werden kann. wurde. Ans dem Gerichtssaal. Strafkammer. aus Ausdruck. Nach einer kurzen Ansprache des Regierungspräsidenten dankte Graf Zeppelin mit bewegten Worten. Im Hotel nahm Graf Zeppelin die Vorträge des Diret tors Colsmann und des Ingenieurs Dürr entgegen, um darauf, ohne die Unfallstelle zu besichtigen, seine Reise nach Berlin fortzusetzen. Die Zeppelin- Gesellschaft in Friedrichshafen stellte der ein Deutschen Luftschiffbau- Attiengesellschaft zweites Luftschiff zum Selbstfostenpreise zur Verfügung, das bereits im Oktober seine Fahrten aufnehmen soll. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen Geboren e. Juni 23. Briefträger Georg Alexander ein Sohn, Karl. 23. Schneider Friedrich Aulenbacher ein Sohn, helm Ludwig. " " Wil24. Eisenbahngehilfen Ferdinand Even ein Sohn, Johannes Karl. 27. Prediger an der Baptistengemeinde Heinrich Valentin Euler ein Sohn, Karl Samuel. Aufgebote. Juni 25. Karl Gerlach, Arbeiter, mit Anna König, beide in Stiege. " " alle den " Gießen, 1. Juli. Das Urteil in der Angelegenheit des N'e u bauein sturzes bei der Veterinärklinit zu Gießen lautete gegen den Bauunternehmer Johann Georg Pfaff in Gießen auf 300 Mart Geldstrafe; Maurermeister Karl Stein Steinbach wurde zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt, währ end Architekt 2. Seuling in Gießen freigesprochen Letzterer konnte nicht verantwortlich gemacht werden, da er die Bauleitung nach vorherigem Verbot des Weiterbauens niedergelegt hat und die Gefahr erst durch das Weiterbauen entstanden ist. Pfaff und Stein fallen Kunstfehler zur Last. Ersterer hat sich zu wenig um Bau gefümmert und hat sich unbefugt in die Bauleitung gemischt, da er das Weiterbauen auf sein Risiko angeordnet hat, und auch den Befehl gab, die Träger, welche sich als unzureichend erwiesen, anzubringen. Stein war Ausführender des Baues, den die unmittelbare Schuld trifft. Er ist für die Stabilität des Baues verantwortlich, wenn er auch nicht stets dabei war und die Maurer nicht, wie es hätte sein sollen, beaufsichtigt hat. Es wird ihm besonders das mangelhafte Absprießen beim Einziehen der Beide Verurteilte waren nach Träger hoch angerechnet. ihrer Befähigung in der Lage, die Gefahr zu erkennen. Im großen und ganzen haben sie es an der nötigen Sorgfalt fehlen lassen. Das Gericht hatte bei der Strafausmessung in Betracht gezogen, daß Pfaff erfahrener und gewandter als Stein ist; er war aber doch nicht in der Lage, Bau in der erforderlichen Weise zu kontrollieren. Einer hat sich auf den anderen verlassen, wodurch sich jeder entlastet fühlte. n 27. Friedrich Meifarth, Kaufmann in Lemgo, Johanna Hollmann in Gießen. mit 27. Heinrich Hinkler, Kassenbeamter, mit Elisabetha Schulmeyer, beide in Gießen. 27. Christian Gelddach, Postassistent in Ronsdorf, mit Elisabeth Eimer in Gießen. 29. Viktor Geißner, Rechtsanwalt Luise Biefer in Gießen. in Darmstadt, mit Juli 1. Ernst Weller, Ziegelmeister, mit Hedwig Schrader, beide in Gießen. Eheschließungen. Juni 25. Mar Voigtländer, Kaufmann in Braunschweig, mit Emilie Richter in Gießen. , 25. Heinrich Ruppel, Erdarbeiter, mit Elise Löb, beide in Gießen. Gestorbene. Juni 25. Marie Wellhausen, 22 Jahre alt. 25. Marie Volt, geb. Franz, 24 Jahre alt. " " 26. Robert Giese, Hauptmann, 39 Jahre alt. den " 27. Heinrich Sommerlad, Taglöhner, 63 Jahre alt. " " zu Die Dienstmagd Anna Bien aus Düsseldorf, die Friedberg in Stellung war, ist wegen Erpressung angetlagt. Sie ist im Unfrieden von ihrer Herrschaft geschieden und hielt sich hiernach in der Stadt Frankfurt a. M. auf. Eines Tages erhielt ihr früherer Dienstherr einen Brief, der Sohn des Hauses hätte es auf das Mädchen abgesehen gehabt. Es werde die Mitteilung gemacht, daß er auch schon das frühere Mädchen habe notzüchtigen wollen. Es lägen Beweise genug zur Ueberführung vor und es würde bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet werden, falls nicht innerhalb 8 Tagen 400 Mt. Hauptpostlagernd unter M. 3. nach Frankfurt geschickt würden. Die Angeklagte bekannte sich nach anfänglichem Leugnen als die Absenderin des Briefes. In der Verhandlung widerrief sie dieses wieder und suchte den Verdacht auf eine Friedberger Frau zu lenken, die Beziehungen zu Frankfurt hat. Infolge dieser Angaben mußte die Verhandlung zur Begutachtung des Briefes ausgesetzt werden. Die Arbeiter Wilhelm Lang und Wilhelm Schwarz in Friedberg versuchten im April in einer Backsteingrube ein Stück Eisenrohr zu stehlen, ließen aber ab, als sie sich beobachtet sahen. Beide sind vielfach vorbestraft. Lang be= tam wegen Diebstahlsversuchs 1 Monat Gefängnis und Schwarz fam mit 3 Wochen durch. Dem Gelegenheitsarbeiter Ludwig Roß aus Wolfsgruben ging durch das Amtsgericht Butzbach ein Strafbefehl über 13 Tage Haft zu, weil er zu Hause standaliert hat und Wäsche zum Fenster hinauswarf, so daß ergernis genommen wurde. Das Schöffengericht wies seinen Einspruch zurück und der Angeklagte legte Berufung ein und behauptete, ein Hauptzeuge hätte die Unwahrheit gesagt. Nicht er selbst sei betrunken gewesen und habe standaliert, sondern bei seiner Frau sei dieses der Fall gewesen. Die Beweisaufnahme ergab das nämliche Bild wie am Schäffengericht, doch hielt das Gericht nicht für erwiesen, daß durch Hinauswerfen der Wäsche auf die Straße, Vorübergehende hätten beschädigt oder verunreinigt werden können, weshalb der Berufung insofern stattgegeben wurde, als daß die diesbezügliche Strafe von 3 Tagen in Wegfall fam, während im übrigen seine Berufung zurückgewiesen wurde. δας * Hamburg. Das Komitee für die Errichtung Zur Strandung des Zeppelinluftschiffes. einer Zeppelinhallen Gesellschaft in Hamburg hat mit der Deutschen Luftschiffahrts- A.- G. in Frankfurt a. M. ein Uebereinkommen getroffen, wonach diese sich bereit erklärt, nach Fertigstellung der Hamburger Halle jährlich für eine bestimmte Zeit ein Luftschiff in Hamburg zu stationieren und der Hamburger Gesellschaft einen bestimmten Anteil an den Erträgnissen der Luftschiffahrten zu gewähren. * Berlin. Die zur Untersuchung des Weilbur= ger Zeppelin unglück 3 eingesetzte sechsglieberige Kommission hat festgestellt, daß ein fahrlässiges Verschulden der militärischen Leitung des Zeppelinschiffes nicht vorliegt. Die Marktpreise für Vich und Frucht und die Biekener Fleisch- u. Brotpreise am 27. Juni 1910 Höchste Schlachtviehpretse in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Stehes M Ochsen Kälber Schweine 50 kg Schlachtgewicht 81-87 m. 1/1 93-100 Pf. bo. 68-70 Getreidepreise in Mannheim 1½ kg 80-88 Big. " Weizen 100 kg Roggen 100 kg do 80-84 bo. 80-96 Brotpreise in Gießen 20.00-20.25 M. Weißbrot 2 kg 62 Pf. 15.50-15.75 M. Schwarzbrot 2kg 54ẞf. Marktberichte Das Luftschiff wurde im Laufe des Donnerstags mit Hilfe des Militärs abmontiert und zum größten Teil auf Wagen verladen. Die Gondel und die Passagierkabine brachten die Soldaten zum Bahnhof Wellendorf, von wo die einzelnen Teile nach Friedrichshafen befördert wurden. Graf Zeppelin traf am Mittwoch nachmittag in Osnabrück ein. Am Bahnhofe hatten sich zum Empfang des Grafen die Spißen der Behörden eingefunden. Der Oberbürger meister richtete an den Grafen Worte der Begrüßung und brachte das Bedauern und die Anteilnahme der Bevölkerung an dem Mißgeschick des Luftschiffes„ Deutschland" zum Bekanntmachung. 27. Karoline Sophie Antonie Pfeiffer, 2 Jahre alt. 29. August Schmidt, Polsterer und Tapezierermeister, 26 Jahre alt. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. 6. Sonntag nach Trinitatis, den 3. Juli. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neutonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. Vormittags 9% Uhr: Professor D. Ed. Vormittags 11% Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. In der Johannesfirche. Vermittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Zugleich Christenlehre für die Neutonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 11% Uhr: Kinderkirche für die Johannes- Gemeinde. Pfarrer Ausfeld. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung Johannessaal. Ste Don Kapelle des Inf Mitwirkung des Darmstadt, Car Dire Anfang präzis 8 Ausfun eingerichtet b Vert erteilt foftenl Auch erfolgt Verfügung Profpefte 2c., Aurdirektione werden. Whi Jeden auf Wunsch Schokolade Klei für Ausflüge Telefon im C. C Katholische Gemeinde Samstag, den 2. Juli. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beicht. Sonntag, den 3. Juli. 7. Sonntag nach Pfingsten. Fest Peter und Paul. Vormittags 6½ Uhr: Gelegenheit zur bl. Beicht. Vormittags 7 Uhr: Die erste heil. Messe. Vormittags 8 Uhr: Austeilung der heiligen Kommunion. Vormittags 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vormittags 11 Uhr: Heilg. Messe mit Predigt. Nachmittags 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht mit Segen. Verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Darmstädter Möbel liefert Ihnen vollständig frei ins Haus unter 10jähriger Garantie das Darmstädter Möbeleinrichtungshaus Ludwig Strikinger, Darmstadt, Heinrichstraße 67. Freie Zusendung meines Kataloges. Deutsches Detectiv- Institut Zum Nachlaßpfleger für diej nigen, welche Erben Frankfurt a. M. Neue Zeil 53, I. der Wilhelm Deilmann Ehefrau in Lollar werden, erl. Beobachtungen pro td. 1 Ermittlungen, gerichtlich bestellt, fordere ich die Nachlaßgläubiger, Lage der Sache, auf allen Pläßen der Weit. Gewissenhafte AndRecherchen und Auskünfte von 5 Mt. an, je nach die Ansprüche gegen den Nachlaß geltend zu machen führens nnd strengste Diskretion is Prinzip des Instituts. haben, auf, dies mir gegenüber zu tun und ihre For- Der Leiter war längere Jahre Polizei- und Kriminalbeamter. Pa. derungen anzumelden. Referer zen aus allerersten Kreisen. Tel. 11391./699. Aus dem Nachlaß werden einzelne Gegenstände: 1 Standuhr( Bronze Figur), 6 Seffel( coter Plüsch), 1 großer Teppich( durch mehrere Zimmer Vergebung von Trägerlieferung gehend), 1 altes Oelgemälde, inventarmäßig mit 3000 Mt. ingestellt, aus der spanischen Schule, an80-96 geblich um d. J. 1200, Architekturarbeit, 96 Gießen, den 28 Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkte kosteten Schweinefleisch per Pfd. Schweinefleisch gef. p. Pfd. Kalbfleisch per fb. 80-84 Dienstag, 5. 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Ein feiner bläulicher Zigarettenqualm hüllte nämlich den Raum in vollständigen Nebel ein. Man denke sich Gerhard, der fortwährend eine kurze Pfeife im Munde hatte, mit Zigaretten! Ich fragte ihn sofort nach dem Grunde dieses höchst sonderbaren Umstandes. " Ich habe meine Pfeife vor einem Monat im Hafen von Colombo aus Unvorsichtigkeit über Bord fallen lassen." Trotz dieses für ihn herben Verlustes schien Gerhard nicht trauriger zu fein, als wenn er zum Beispiel seine Schwieger mutter verloren hätte. Ich antwortete daher mit eisiger Kühle: Du scheinst Dein Unglück aber leicht zu tragen! Du hast Dich so schnell zu trösten verstanden!" ,, Nein, bester Junge, ich bin nicht gefühlsroh. Ich würde den Verlust selbstverständlich gebührend betrauern, wenn ich nicht die feste Gewißheit hätte, daß sich die Pfeife wieder finden wird. Ich weiß auf das Bestimmteste, daß mir eines schönen Tages die Pfeife wieder überreicht werden- wird." Bei diesen Worten glitt ein glückliches und mildes Lächeln über seine Züge, so daß sein Gesicht in diesem Augenblicke fast schön zu nennen war. Wer Gerhard kennt, wird dieses eigenartig und bemerkenswert finden. ,, Vor zehn Jahren," so begann er mit weicher Stimme, in der es wie leise Erinnerung zitterte ,,, kaufte ich mir diese Pfeife in Hamburg. Sie war gerade nicht schwungvoll gebogen, auch fehlte jede Verzierung daran. Aber Du weißt, ich bin für das Einfache. Und gerade durch ihre Einfachheit wuchs mir diese Pfeife so sehr ans Herz. Nach vierzehn Tagen hatte ich sie zum ersten Male verloren. Ich zeigte den Verlust in drei Blättern an. Es hulf nichts. Ich fragte jeden Menschen, mit dem ich zusammenfam, ob er meine Pfeife nicht gesehen hätte. Ich wurde schließlich für verrückt erklärt. Jeden Menschen, der eine Pfeife rauchte, sah ich in der Hoffnung, mein Juwel in seinem Munde zu entdecken, starr an. ,, Alles war vergebens. Wer wird sich auch schließlich um eine einfache Pfeife kümmern! Und doch bekam ich jie wieder! ,, Ein alter Schiffer, dessen Schiff neben dem unseren lag, kam mit ihr zu mir an Bord. Er hatte von meinem Verluste gehört und brachte mir die Pfeife wieder. Ich umarmte ihn, schenkte ihm eine größere Summe und versprach ihm, seiner in meinem Testamente zu gedenken. Er dankte und sagte mir noch, daß er die Pfeife in einem großen Brote, in das sie aus Versehen hineingebacken worden sein mußte, gefunden hätte. Er meinte, dieses schiene ihm bemerkenswert. ,, Nach ein paar Wochen fuhr unser Schiff nach Italien. Da wir Fracht nach Neapel hatten, so freuten wir uns begreiflicherweise auf diese Stadt. Du kennst doch Neapel. Na, dann kann ich mir ja Einzelheiten sparen. Wir bestiegen damals auch selbstverständlich den Vesuv. Ich beugte mich über den Rand des Kraters, um besser hineinsehen zu fönnen, da plößlich. Du kannst Dir meinen Schreck denken, fällt meine Pfeife, meine schöne, einfache Pfeife, in den Abgrund. Jetzt gab ich natürlich alle Hoffnung auf. " Ich kaufte mir hundert Zigaretten und wollte mit ihnen eine würdige Trauerfeierlichkeit zu Ehren meiner Pfeife begehen. Ich konnte es nämlich nicht über das Herz bringen, eine andere Pfeife an meine Lippen zu nehmen." ,, Am anderen Morgen wurden wir durch ein fürchterliches Getöse aufgeschreckt. Unser Schiff fing auf einmal an zu schaukeln, daß wir glaubten, der jüngste Tag sei hereingebrochen. Es war ringsum dunkel, und es roch nach Schwefel und verbranntem Radiergummi. Nach schrecklichen Minuten voller Ungewißheit und banger Sorgen erkannten wir endlich die Ursache des Tumultes. Der Vesuv war in Tätigkeit. Das Donnern und Tosen ließ allmählich nach, und die Luft wurde frischer und heller. Wir fuhren an Land, um den Schaden zu besehen. Die glühende Lava hatte in der kurzen Zeit drei blühende Dörfer vernichtet. Mittags war wieder alles soweit ruhig, daß wir es wagen konnten, den Unglücksberg zu besteigen. Jch kletterte ebenfalls die steile, mittlerweile hart gewordene Lava hinauf. Plößlich gleite ich ab und rutsche in er schreckender Geschwindigkeit den Berg hinunter. Ich sah meinen Tod vor Augen, denn jeden Augenblick kam ich einem steilen Abgrund näher. Einem Abgrund von mindestens dreihundert Fuß Tiefe. Plötzlich stößt mein Fuß an einen harten Gegenstand! Ich bekomme einen Ruck und bleibe im selben Augenblick regungslos liegen. Nach furzer Zeit wagte ich, um mich zu sehen. Und was war es? Kein Ait, fein Stein und kein Staub! Nein, meine Pfeife ragte aus der Lava, in der sie festgebrannt war, heraus. Meine Pfeife, meine einfache Pfeife hatte mir das Leben gerettet. Mittlerweile hatten die anderen zu meiner Rettung ein Seil heruntergelassen. Ich nahm meine Pfeife und ließ mich voll glücklicher Freude emporziehen." Hier unterbrach ich nun meinen Freund: Die Pfeife saß doch fest in der Lava! Wie konntest Du sie denn lösen?" Die hatte sich doch durch den Anprall meines Körpers gelockert!" Ich war geschlagen, und er erzählte weiter:„ Es würde zu weit führen, wenn ich Dir all meine Erlebnisse mit der Pfeife jetzt wiedergeben würde. In Buenos Aires wurde ich einmal von Strolchen überfallen. Sie nahmen mir alles, was ich hatte: Stock, Kleider, Messer, Hut- nur meine Pfeife ließen sie mir. In New York wurde ich von der elektrischen Bahn überfahren. Mein linker Arm und drei Rippen zerbrachen meine Pfeife blieb jedoch heil. Auf einer Robbenjagd in der Nordsee traf mich die Kugel eines unsicheren Schüßen an der linken Backe. Der Arzt konstatierte, daß meine Pfeife unfehlbar getroffen worden wäre, wenn der Schuß drei Zentimeter weiter nach rechts gegangen wäre. Ich habe während dieser zehn Jahre achtmal Schiffbruch gelitten. Sechsmal rettete ich die Pfeife selbst dabei, einmal wurde ich schon halb ertrunken mit der Pfeife im Munde aufgefischt, und einmal waren wir bei Halifax gestrandet. Als einzige Wahrzeichen der Strandung wurden ein Rettungsring und meine Pfeife auf dem Konsulat abgegeben. Du kannst Dir jetzt denken, wie ich an dem Kleinod hing und noch hänge. Aber ich tröste mich, wie gesagt, über den Verlust, denn ich weiß. daß ich die Pfeife wiederfinden werde, daß eines Tages ihr würziger Duft mein sorgenschweres Haupt wieder umgeben wird." Gerhard hatte seine Erzählung beendet. Er zog sich bald darauf an und ging an Land. Ich hatte Wache und konnte nicht mitgehen- leider! denn das bunte Treiben zur Abendstunde in den Hauptstraßen von Singapore ist in jeder Weise interessant, und ich hatte es damals noch nicht kennen gelernt. So blieb ich an Bord zurück und sah die Millionen Lichter und Laternen aufblizen, sah buntflackernde Papierlampions durch die Dunkelheit Leuchten. Für den Fremden ein großartiges und be zauberndes Bild. In der Nacht um drei Uhr kam Gerhard vollständig betrunken wieder an Bord zurück. Auf allen Vieren kletterte er das Fallreep herauf. Als er mich erblickte, stürzte er in meine Arme und lallte:" Ich hab' sie wieder! Ich hab' sie wieder!" Der Leser muß sich jetzt einen Augenblick ausruhen, um die neue Fügung des Geschickes mit dem nötigen Verständnis aufnehmen zu können. Gerhard erzählte mit brechender Stimme, daß er in eine Hafenwirtschaft gekommen sei, in der ein großer Haifisch ausgestellt war.- Neben dem Fisch lagen die Sachen, die er im Magen gehabt hatte: drei Konservenbüchsen, ein Beil, ein Stiefel, eine Kneifzange. mehrere Schraubenzieher und Gerhards Pfeife, seine geliebte einfache, schöne Pfeise. Ein Seemann raucht befanntlich gerne Pfeise und ! lügt nie. Verfehlte Wirkung. Allen Menschen recht getan fist eine Kunst die niemand Kann ,, Wer ist denn Schuld, daß unser Geschäft nicht mehr geht? Kein andrer als Du! Was war das früher für ein Leben hier im Laden! Nun ist alles tot, und da hängt dein dämliches Rezept als Grabtafel!" Zurechtgewiesen. Fräulein: Bitte mein Herr, werden Sie nicht aufdringlich!" Herr:„ Aber Fräulein Marie, ich bin doch eine entfernter Vetter von Ihnen." Fräulein: Deshalb gerade dürfen Sie mir nicht zu nahe treten." 44 Seine Auffassung. N. N. gibt eine Gesellschaft. Ein Herr bemerkt, daß auf seinem Staffeelöffel, Hotel Schöner' eingraviert ist. ,, Hm", meint er zu dem Hausherrn ,,, haben Sie's vielleicht auch so gemacht, wie's in dem alten Witz heißt?" Erlauben Sie", sagt N. N., ich kann Ihnen die Rechnung zeigen, wo drauf steht: Gezahlt für Servis drei Kronen!" Vielseitig. Herr:„ Tritt die Dame ohne Unterleib nicht mehr bei Ihnen auf?" Schaubudeninhaber: D ja, aber sie produziert sich jetzt als Bauchrednerin!" * In der Volksversammlung. ,, Der Staat ist schwerhörig, der vernimmt nichts bon euren Klagen und Bitten; aber wir, wir haben ein Herz, und wir haben vor allen Dingen die entsprechenden Ohren für euren Riesenjammer!" Was Gewisses weiß man nicht. Was rennt das Dolf, was staut sich dort Der Menschen Strom an einem Ort? Steht wo ein Warenhaus in flammen? Brach gar ein Droschkengaul zusammen? Tät man dem Volk die Gasse sperr'n Von wegen eines hohen Herrn? Herbert- Schultz Sie steh'n und starr'n und starr'n und steh'n, Wer denkt noch an's Nachhausegeh'n? Der Säugling wie der Veteran Behaupten löwenhaft den Plan. ,, Was ist denn los?" ein fremder spricht ..Ja- was Gewisses weiß man nicht." str.128/ 130 weitigen Ersatz dafür zu schaffen? fich das Recht vorbehalten, nach sieben Jahren einen anderBrentano den Ausschlag für diese Vorschläge, deren Hauptgegen, doch gab die Stimme des Vorsitzenden Abg. von oer datur, die Abgg. Dr. Glässing, Reh und Fulda da= Ruderregetta. Gießener Rudergesellschaft veranstaltete Wettrudern wird Das am 17. Juli von der ******* page www. vorausza 1,50 Mt. Donners nowing" liegen m Selters nicht v Nr. Die un Gieße Nordanlage hiermit aufg Die Ma befestigung d anlage sollen Mon Die Ver öffentlich ver flumden bei u der daselbst Stimmt. Als unser Regiment mit flingendem Spiele auf Nimmerwiederfehr aus dem Städtchen zog, standen die Mädel in langen Reihen am Straßenrande und schluchzten zum Steinerbarmen." ,, Was Sie sagen! Also das reine Weinspalier!" Boshaft. Weinwirt: Ju meiner Weinstube verkehrt auch Doktor Schlauer, der sich als Spezialist für Magenleiden bei uns niedergelassen hat." ,, Glaub's schon, daß er bei Ihnen nach Patienten Umschau hält." Nach dem Kommers. Verierbild. Die individuelle Erziehungsmethode. Es hat Herr Willibaldus Bode ' ne ganz besondere Methode, Um seine Söhne ohne Mühen Zu braven Menschen zu erziehen. Noch nie, wenn man ihn hört und fragt. Hab' dieses Mittel je versagt. Und wieder eines Tags gezwungen Ju strafen ist er seine Jungen. Das schwirrt und kracht' ne ganze Weile, Es setzt ganz kannibal'sche Keile; Und als die Buben fräftig schrei'n, Tritt der Herr Rektor grad' herein. Der spricht zum Vater dann ganz leise: Das ist die falsche Art und Weise, Sie müssen", so ermahnt er ihn, Sie individuell erzieh'n!" ,, Das tu' ich", spricht Herr Bode drauf, Langt gleich zum Kleiderschrank hinauf Und zeigt mit stolzem Vaterblicke Drei Stöcke ganz verschied'ner Dicke. Der schwache", spricht er zum Rektor, Jst für den kleinen Theodor. Beim Zweiten muß ich mich bequemen, Die Mittelstärke hier zu nehmen. Den Großen hau' ich mit dem Dicken, Den Sie, Herr Ref.or, hier erblicken. Das Mittel hat noch nie versagt, Wenn's auch den Buben nicht behagt, Es ist probat, es hilft sehr schnell So nenn' ich's individuell!" Wo ist der Adler? Kathederblüte. Und wenn wir uns nun zum Schluß fragen, wer der größere von teiden war: Pompejus oder Cäsar so müssen wir unbedingt antwor ten: Ja. Von der Schmiere. ,, Die Würgeszene spielte Othello mit erschütternder Wahrheit." ,, Hm, das konnte ihm nicht schwer fallen; die Desdemona ist nämlich seine Schwiegermutter!" 0000 * Der Sieger.** Paul müller ., Nachtrat! Nachtrat! Holen Sie mal die Heilsarmee! Hier klettert' ne Bierleiche ins Strematorium!" Geschmackvoll. Fortschritt. Kadett ( der sich zum zweiten Mal rasieren läßt): Finden Sie es nicht, daß es heute schon etwas länger gedauert hat?" Ein in der Gesellschaft noch ungewohnter junger Mann befindet sich während eines Balles seiner Dame gegenüber wegen eines Gesprächsstoffes in Verlegenheit. Endlich beginnt er: Mich drücken die Stiefel, Fräulein- Sie auch?" Serantwortlicher Redakteur: Dr. Karl Schaumburg, Berlin. ,, Nicht wahr, Papa, besiegen oder auf das Haupt schlagen ist doch dasselbe?" ,, Allerdings, aber. ,, Na, also Erich will mich bei Dir verklatschen, weil ich ihn so feste besiegt habe." Auch eine Antwort. Lehrer:„ Gute Werke sind dem Menschen besonders empfohlen. May, fannst Du mir sagen, was gute Werke sind?" Schüler( Sohn eines Bankiers):„ Das sind Bergiverke, die zehn Prozent und drüber geben, Herr Lehrer!" Drud und Verlag bon Georg E. Nagel in Berlin- Schöneberg. Z. „ Schöne Apfel gefällig, Herr Doktor?" Durchgefallener Dramatiker:„ Apfel? Brrr Nr. 28. des In der Steuerfreiheit die von ag derung für wurde, und Ladengeschäft rief namentl Pfungstadt tönendes L ser jegensre vom Aba. bensfähigkeit wissen wollt a. gegen de Frage einer fei. Er wi Gewerbetreil schon desha Konsumverei sei. Bezeichn nen Gewerb Filialitewer Am lebten der Art. 9- ob das Gei heitsparteien men glatt u e der W plötzlich zur auf, die Ge zu beschränk pauje auch der Ar scheinen. Se fen und ihr behelfen mü längert wur und beiden ten. Und n erleichtert au tigen Frage fiabile Verb mit einem gierungstische gen zeitlichen im Lande ge ftande jei, id meindeumlager Aenderun ung, daß fich ren borzunehmen Gesetz erreiche forgelaffengefe cine e turze Fr Bejebes auf Icin und enehti gelanate Да Antro auf beschränkte ift mit er der An nicht Kammer zu Slatter Seilere Shifter für Gießen. für Abonnenten der„ Gießener Zeitung" fostenlose Lieferung. Expedition: Seltersweg 83. Verlag: Albin Klein. - ( Alle Rechte für sämtliche Bilder und Tegte vorbehalten. 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