Zweites Blatt. Samstag, den 25. August 1906 ang jungen betre hrnehmung Hausentwaffe uläffiger raushubes u Ben. Wir tereffe des B Nr. 199 r die Folge ausbefizer ein Den werden Ben erteilen. tijden Lieb i Gießen. baltion u.haupterbedition: Gießen, Selterweg 88. Fernsprechanichink Nr. 362. ang. guft 1906 mu genschirm, 12 fer, 1 in 5. S. Stab ernen Sette goldne Damer Ben. pagat. Epiß mit Sal er Schlips. gefundenen ald bei uns ge 6. mt Gießen. 11. und nervöse nungsjahr 190 Korngröße 6-1 Submission be En Wochentage waltungsbute mit entspre gstermin 06, vorm. 121 en. 12. September on der Klini böse Krauth nann. sses it Shie vergrösser e 45 X 55 Für ark diesen Monat Oder Voreinsen Besteller erhi Goldrahmen hluss von rträts mand versäume mgehend Phot dresse an eproduktion eis enstrasse 54 - Gießener 15. Jahrgang Gratisbellagen: Oberhefftiche Familienzeitung( 8 und bie Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Bolizeiamtes Gießen und anderer Behörden non herhausen. Ein Opfer des Korfen. Zum 100. Todestage J. Philipp Palm 3. Die Stadt Nürnberg hat ihre große Landesausstellung zur Erinnerung an die vor 100 Jahren erfolgte Einverleibung der vormaligen freien Reichsstadt in die bayerischen Länder veranstaltet. Mitten in diese Jubiläumsfeier fällt der hundertste Trauergedenktag um einen der besten Söhne Nürnbergs, den Buchhändler J. Ph. Palm, der am 26. August 1806 ein Opfer tyrannischer Willtür wurde. Es war die traurige Zeit, in der Deutschland zu Boden lag. Mißtrauisch verfolgte der erste Napoleon jede Regung nationalen Gefühls in Dem unterjochten Lande. Ein besonders wachsames Auge richteten seine Häscher auf die Flugschriften, die das Unglück und namentlich die Wehrlosigkeit des Vaterlandes Scharfer Beleuchtung unterzogen. Da erschien im Jahre 1806 in Nürnberg eine kleine Schrift ohne Angabe des Verfassers, Verlegers oder Druckers unter dem Titel: Deutschland in Feiner tiefen Erniedrigung." Die Schrift geißelt das Verhalten der französischen Truppen in Bayern, die das Land durch Fressen und Saufen aussogen" und wandte sich in energischer Weise gegen Napoleon selbst. Die französische Regierung erhielt Kenntnis von der Flugschrift. Strengste Untersuchung wurde durch Marschall Berthier in München angeordnet. Als Verbreiter wurde bald Palm ermittelt. Am 28. Juli erschienen vier schwarzgekleieete Herren in der Steinschen Buchhandlung zu Nürnberg, deren Besizer Palm war, und nahmen eine eingehende Haussuchung vor. Die Nachforschungen blieben jedoch resultatlos, da der Gehilfe rechtzeitig einen Ballen mit den gesuchten Broschüren in einem Brunnen versenkt hatte. Der auf einer Geschäftsreise befind= Liche Balm wurde brieflich unterrichtet. Er reiste trotzdem getrost am 8. August nach Hause, da er annahm, ihm drohe Feine Gefahr. Etwaigen Nachfragen glaubte er durch die BeHauptung entgegentreten zu fönnen, die Flugschriften seien ihm nur zur Weiterspedition in verschlossenen Paketen übergeben worden. Napoleon hatte aber in einem Briefe an Berthier vom 5. Auguft bereits geschrieben: Es ist mein Wille, daß die Buchhändler von Augsburg und Nürnberg vor ein Kriegsgericht gezogen und in 24 Stunden erschossen werden." Als Palm bei seiner Rückkehr die Verhaftung seines Augsburger Kollegen vernahm, begab er sich auf den Rat seiner Angehörigen nach Erlangen; das unter preußischem Schußze stand. Sorge um Familie und Geschäft trieben ihn wieder heim, doch verbarg er sich. Am 14. Auguſt fam ein ärmlich gekleideter Junge ins Geschäft und wünschte den Buchhändler Palm selbst zu sprechen, da es sich um Unterstützung einer alten Soldatenwitwe handele. Der ahnungsLose Gehilfe führte den Burschen mit seinem Gesuch zu Palm, der diesem 24 Kreuzer schenkte. Kurz darauf fam der Junge mit zwei Gensdarmen zurück. Palm wurde im Auftrage des Generals Frère verhaftet. Herzzerreißend war der Abschied von den Seinigen; der unglückliche Buchhändler wurde Sofort ins französische Hauptquartier nach Ansbach, von da nach der österreichischen Grenzfestung Braunau gebracht. Vergeblich waren die Schritte, die zu seiner Rettung unternommen wurden. Das Bittschreiben seiner Gattin an Marschall Berthier blieb unbeantwortet, das Vorstellungsschreiben des Nürnberger Rats erhielt abschlägigen Bescheid, ein Handschreiben des Bayernfönigs Mar Joseph an den Generalfommissär Grafen von Thürheim erreichte erst seine Adresse, als das Urteil schon vollzogen war. Die Verhandlung des Kriegsgerichts begann am 24. August. Balm hatte schon beim Abschiede von seiner Frau dieser gefagt:„ Ich fann dir den Verfasser nicht nennen, er ist Familienvater wie ich, und es kostet ihn sein Leben, wenn ich ihn verrate." Dabei blieb er. Spätere Feststellungen ergaben, daß das Büchlein den Kammerassessor Konrad von Yellin zum Autor hatte. Das Kriegsgericht erklärte Palm schuldig des Hochverrats als Verbreiter der gegen S. M. den Kaiser gerichteten Schandschrift. Das verhängte Todesurteil sollte innerhalb dreier Stunden vollstreckt werden. Ein Schrei des Entsehens entrang sich bei der Urteilsverkündigung der Brust des Unglücklichen. Im Gefängnis gewann er bald Seine Selbstbeherrschung wieder. Kurz vor der Erschießung richtete er noch einen Abschiedsbrief an seine Familie:„ Ich bat mir vor Gericht einen Defensor aus, der aber nicht erschien; indessen vor Gott wird er mir erscheinen." Ein fatholischer Geistlicher gab ihm Trost in seiner letzten Lebensstunde. Dieser schrieb darüber später an Palms Gattin:„ Er trug mir auf, Ihnen seine Lieblingslieder, nämlich:„ Alles ist an Gottes Segen" und" Gott Lob, nun ist wieder Morgen", welche er noch mehrmals betete, zu notifizieren, daß Sie selbe Ihren Kindern lehren möchten." Am 26. August, mittags 2 Uhr, wurde Palm zur Richtstätte geführt. Das gesamte französische Militär war aufgeboten, auf den Wällen der Festung die Kanonen gerichtet, zur Unterdrückung etwaiger Unruhen. Auf eine Entfernung von zehn Schritten feuerten sechs Soldaten auf den Verurteilten. Palm war schlecht getroffen, er sank auf das Angesicht und stöhnte laut. Wieder feuerten sechs Soldaten auf ihn. Tro dem atmete er noch. Da ich bemerkte, daß er noch atme", sagt der Geistliche in seinem Brief, so zeigte ich dies mit lauter Stimme an, worauf wieder andere Soldaten herbeieilten, das Gewehr auf den Kopf hielten und so abfeuerten, daß die Hirnschale in Stücke zersprang." !! Auf Veranlassung des Magistrats von Braunau wurde der Leichnam auf dem katholischen Gottesacker bestattet. 1823 errichteten Palms Kinder ihrem Vater dort ein Grabdenkmal, 1842 ließ König Ludwig I. von Bayern an dem Wohnhause in Nürnberg eine Marmortafel mit der Inschrift anbringen: " Johann Palm wohnte hier, der als ein Opfer fiel napoleonscher Tyrannei." Ein größeres Denkmal wurde nach 60 Jahren in Braunau auf der Promenade errichtet. Ein bleibendes Denkmal ist ihm in den Herzen aller Deutschen gesichert. A. B. - Als ich wiederkam.... Betrachtungen eines beimgekehrten Sommerfrifchlers. Die Reisemode. Daheim und draußen. Unter dem Laubdach Friedliche Leute. Baukünstlerische Entgleisungen. Besucher Kolonien. Der Garten am Hause.- In der Mietswohnung. Schmuck für den Hof. · Ein Bläßchen zur Erholung. - " - - - Nach aller Welt Brauch packte ich vor einigen Wochen auch meinen Koffer, um die für einen Menschen des 20. Jahrhunderts nun einmal unerläßliche sommerliche Erholungsreise zu unternehmen. Unerläßlich der Aus druck ist natürlich so zu verstehen, daß er erst in sein Recht tritt, wenn die Begriffe Zeit“ und„ Geld" ihn genügend unterstützen. In der Regel empfindet man draußen schon nach ganz kurzer Zeit, daß man sich daheim zum mindesten behaglicher fühlt und daß eigentlich das so wichtig als Ausspannung" bezeichnete Reisebedürfnis nur eine Modesache ist. Das ging mir auch so, obwohl ich keines der vielgenannten Modebäder aufgesucht habe. Ich bin in einigen Großstädten gewesen und habe Gelegenheit genug gefunden, Vergleiche zwischen ihnen und unserem, im Verhältnis zu den von hunderttausenden Zeitgenossen bebölferten Zentralpunkten, ziemlich bescheidenen Heimatsort zu ziehen. Und trotzdem der Vergleich fiel wahrhaftig nicht immer zu unseren Ungunsten aus. Zum Beispiel vermißte ich fast überall in den stolzen Straßenfluchten zur Abendzeit die gemütliche Versammlung der Hausgenossen vor der Türe zu freundlicher Zwiesprache, zum Genuß der frischen Luft nach des Tages Last. - Es ist merkwürdig, wie heimisch auf unser Gemüt ein Sipplag unter einem Laubdache oder schattigen Bäumen vor dem Hause wirken kann auch auf den Fremden, der vielleicht tausende von Meilen von seiner Heimat entfernt ist. Warum wirkt denn nun der Sitzplatz vor dem Hause so einladend? Weil er uns da von friedlichen Leuten berichtet, die noch Rast und Ruhe nach der Arbeit kennen, die nicht aufgerieben werden von der ständigen geschäftlichen Haft der Neuzeit und die noch Fühlung haben mit den Nachbarn, deren Schicksale fie fast ebenso gut kennen, wie die eigenen. Und so ist der Sitzplatz vor dem Hause schließlich zum architektonischen Ausdrucksmittel der Wohnlichkeit eines Wohnhauses geworden. Aus der vor die Tür gesetzten Bant haben sich die Hallen, Veranden, Terrassen und Balkone entwickelt, welche die Architektur der Wohn- und Landhäuser so abwechslungsreich gestalten. - Einen Sizplaz vor dem Hause begehrt eigentlich heute schon jeder Inhaber einer Wohnung selbst derjenige, der sehr wenig daheim fizzt und dem Ruhe und Behaglichkeit sehr fremde Begriffe sind. Aber wenn man die einzelnen Räume und die Einrichtungen einer gemieteten Wohnung oder eines gepachteten Hauses herzählt, dann gehört auch ein Balkon, eine Laube oder eine Loggia dazu. So ist der Sitzplatz vor dem Hause vielfach zu einem bloßen Brunfmittel geworden Thomasmehl Stern Marke leider. Die Architekten haben sich daran gewöhnt, Balkone anzulegen, die eigentlich gar keine Balkone sind, die nur aus einem schmalen Vorsprung bestehen, auf dem kaum ein Stuhl Blazz finden kann. Es ist eine erbärmliche Scheinarchitektur ohne praktischen Zweck. Wo die Balkone und Terrassen nicht wirklich den Zweck zu erfüllen haben, für den fie im Grunde bestimmt sind, da soll man sie denn doch schon lieber ganz fortlassen. Vor allen Dingen müssen sie geräumig sein, um einer Familie und einer beschränkten Zahl von Gästen Plazz zu bieten. In der mittleren Stadt kann sich vielfach eine janze Kolonie von Besuchern vor dem Hause ansammeln, ohne eine Verkehrsstörung zu verursachen. Und wenn die Veranda oder Terrasse auch zwei oder drei Meter vor das Haus vorspringt, so ist das auch nicht weiter störend. In Der Großstadt läßt leider die Baupolizei so etwas nicht zu. Verständige Baumeister haben Aushilfe bei Raummangel Jefunden; sie vereinigten den Balkon mit einer Loggia; was infolge der beschränkten Austragung an Tiefe fehlt, das geben ie durch Bildung einer Nische in der Frontwand hinzu. Boggien sind hinter der Frontwand im Innern des Hauses liegende fleine Hallen, die nur nach einer Seite freien Nusblick gestatten, sonst aber allseitig geschlossen sind. Wird nun vor eine Loggia, die man auch nicht gern zu tief in das. paus hineinbaut, noch ein Balkon von zulässiger Tiefe gebaut, so fann man durch die Vereinigung von Balkon und Loggia schon recht schöne Räume gewinnen, die einem größeren Familienkreise Platz bieten. Die Loggia gewährt dann auch ben Vorteil, daß man bei minder günstigem Wetter durch Die Ueberdeckung und die Seitenwandungen gegen Wind und Regen geschützt ist. Am vorteilhaftesten gestaltet sich natürlich die Anlage Don Sigplägen im Freien bei freistehenden Landhäusern und Villen. Die Entwicklung großer Kolonien mit villenartiger Bebauung in der Nähe der großen, bevölkerten Städte wird chon dadurch hinlänglich erklärt. Wer etwas Liebe zur Natur besitzt, wird auf einen Garten am Hause, auf Sitzpläge im Freien und auf eine freundliche UmJebung bei der Wahl seiner Wohnung ein Hauptgewicht egen. Bei freistehenden Gebäuden, die mur ein- bis zweistöckig Ingelegt werden, erhält der Sitzplatz vor dem Hause in der Regel nicht die balkonartige Ausbildung. Hier ist man ja in der Anordnung großer vorspringender Hallen und Terrassen, Die unmittelbar mit dem Erdgeschoß in Verbindung gebracht werden können, nicht beschränkt. Außerdem genießt man hier ben Vorteil, Sizpläge auf allen Seiten des Hauses anordnen und mit dem Garten durch kleine Freitreppen in Verbindung bringen zu können. Eine Mietswohnung wird allerdings selten so bedeutende Vorzüge befizen. Aber auf einen bequemen Balkon, eine Meine Terrasse oder Laube an der Gartenseite sollte Jeder Gewicht legen und sich dieses Plätzchen mit bequemen Sitzmöbeln ausstatten und mit Pflanzen schmücken. Denn der ruhige Genuß der arbeitsfreien Stunden im Freien vor dem Hause vermag die Lebensfreude ungemein zu steigern. In weniger bebauten Städten sollte man auch auf den järtnerischen Schmuck der Höfe mehr Gewicht legen und bie Grundrisse möglichst so durchbilden, daß die nach dem Hofgarten hinaussehenden Zimmer, namentlich die Schlafzimmer mit schönen weiten Balkonen versehen werden können. Das wären Ruheplätze für erholungsbedürftige Leute, und die Balfons an den Straßen könnten darum doch bestehen bleiben A. R. Vermischtes. Neue Steuern und neue Wertzeichen. In der Reichsruckerei in Berlin wird z.& fieberhaft gearbeitet, 126 Sorten von Wertzeichen für die Zigarettensteuer, Frachttempelsteuer und Personen- Fahrtartenjteuer, jowie oret Sorten bon Steuerkarten für Kraftfahrzeuge müssen hergestellt werden. Bis Mitte Juli sind ungefähr 119 Millioner Bigaretten- Steuerzeichen, 29 Millionen Frachtstempelmarten und 120 000 Steuerkarten, zusammen 148 120 000 Stüd bersandt worden. Allein die Zigaretten- und Frachtstempel zeichen stellen einen Nennwert von ungefähr 42 Millionen Mark dar. = Ein hartnäckiger Selbstmordkandidat ist der Infanteris des 37. Infanterie- Regiments Johann Kirstan aus Groß mardein. Kaum in die Kaserne eingerückt, schnitt er sich mit Zur Herbstbestellung ist der billigste und bewährteste Phosphorsäuredünger Man achte auf die Schutzmarke! Thomasphosphat- Fabriken Gesellschaft mit beschränkter Haftung. BERLIN W. 35. Wegen Offerte wende man sich an die bekannten Verkaufsstellen oder direkt an die vorgenannte Firma. Vor minderwertiger Ware wird dringend gewarnt. X T 81212312 einem Rasiermesser die Adern auf, wurde aber gerettet. Nach einigen Tagen stürzte er sich vom zweiten Stocke der Kaserne in den Hofraum, gerade in dem Augenblick, als der Oberst Johann Karg vorüberging. Der Infanterist fiel dem Obersten auf den Kopf, ohne ihn zu verlegen, brach aber selbst beim Sturze die Glieder. Gegenwärtig liegt er im Spital. = Schäbigkeit einer Millionärin. Im September 1904 wurde der Wertmeister Leßle in Durlach von dem heransausenden Automobil des bekannten amerikanischen Straßenbahnmillionärs Yerkes überfahren und starb nach einer Woche an den erlittenen Verlegungen. Frau Yerkes, die MultiMillionärin, hat den Hinterbliebenen des durch ihre Schuld zu Tode gekommenen außer 300 Mart keine Unterstützung zukommen lassen. Auch als das Gericht in Karlsruhe sie zur Zahlung von 15 430 Mark verurteilte, weigerte sich die Millionärin zu zahlen, weil das deutsche Urteil in Amerika nicht vollstreckbar ist. == Verwegene Schmugglerinnen. Die 17 und 19 Jahre alten Töchter einer Genfer Schmugglerfamilie, in welcher die Beschäftigung mit Schmuggeln traditionell ist, haben jüngst en scharfes Renfontre mit Zollbeamten gehabt. In der Höhe des Passes wurden die Schmugglerinnen, beladen mit einem Sack Tabak, von zwei Zollbeamten überrascht. Wäh rend nun das ältere Mädchen schleunigst den Weg fortsette, hielt das jüngere von einer geschüßten Stelle aus die Wächter mit Gewehrschüssen zurück. Die Männer antworteten, und sie beschossen sich gegenseitig so lange, bis die ältere Schwester mit dem Tabat einen Vorsprung von einer halben Stunde gewonnen hatte. Dann verschwand die jüngere Schwester plötzlich und kehrte auf Umwegen über die Berge, auf denen sie jeden Pfad kennt, nach Hause zurück. Der Fund einer Goldader hat im Minendistrikt von Ontario, nahe am Flusse Montreal, große Aufregung unter den Goldgräbern Kanadas hervorgerufen. Die Ader ergibt in 23 Juß Tiefe 160 Pfund Sterlina bro Tonne. = Am Altar erschossen hat sich ein junger Neuseeländer namens Mc Cutcheon, und zwar wenige Minuten bevor er getraut werden sollte. Mc Cutcheon wartete in der Kapelle auf seine Braut und deren Begleiter, als zwei Detektivs ihn wegen Fälschung verhafteten. Er erklärte sich bereit, mil ihnen zu gehen, zog jedoch plötzlich einen Revolver und jagte fich eine Kugel durch den Kopf. Jm selben Moment traf die Braut ein, die bei dem schrecklichen Anblick in Ohnmacht fiel. Der Selbstmörder starb auf dem Wege zum Hospital. Das Eigentümlichste an dem ganzen tragischen Ereignis war, daß Mc Cutcheon einbeinig war und ein Holzbein trug, in dem fich eine Höhlung befand, in welcher er den Revolver stets bei sich führte. Als er daher nach dem Beinstumpf griff, um die Waffe zu ziehen, ahnten die Geheimpolizisten nicht, daß er aus diesem eigentümlichen Versteck einen Revolver zum Vorschein bringen fönnte. = Eine Zigeunerinsel. Die sogenannte Großhallig bel Aventoft in der Nähe von Tondern, ist von einem Zigeuner. hauptmann für 80 000 M. angekauft worden, und soll dem nächst in ein großes Zigeunerlager umgestaltet werden. Großhallig ist dank seiner Lage allerdings ein geradezu idealer Bigeunerzufluchtsort. Im Sommer schon auf drei Seiten bom Wasser der seereichen Wiedingharde umgeben, wird im Herbst auch noch auf Monate die letzte Landverbindung weit überschwemmt, sodaß die Hallig nur noch im Boote zugäng lich ist. Den Bewohnern der Gegend macht selbstverständlich die neue Nachbarschaft wenig Freude. = Der Die zerrissene Hose- als Erwerbsquelle. Kutscher Karl Kochler aus Kyritz hatte eine unüberwindliche Abscheu gegen jede Art von Arbeit. Warum sollte er auch arbeiten? Alles, was er brauchte, lieferte ihm seine zerrissene Hose. Täglich machte er so und so vielen Leuten in Berlin und Umgegend glaubhaft, daß ihr Hund ihm die Hose zerrissen habe. Die Leute freuten sich stets, daß der Köter nicht auch die Wade des Kutschers mitgepackt hatte. So kommen sie mit einer Mark 50 Pfennig davon, die Köhler als Schadensersag verlangt. Lange wird das Geschäft wohl nicht blühen, dann wird sich die Polizei für diese lukrative" Hose intereffieren. Brotpreise bom 26. August bis 9. September 1906. Der hiesigen Bäcker. 1 Kornbrot " 2 Kilogr( 4 Pfd.) Gem. Brot bei: Pfa. Ernst Christ Wieset 44 27 Georg Dern II., Gr.- Linden 46 54 Louis Süßmuth, Steinberg 46 25 Karl Zinger, Allendorf a. Ld. 46 50 W. Weigel, Lang- Göns.. 46 " " Kg. 1 Weißbrot " 1 Gem.- Brot " " 75 Heinr. Weber, Heuchelheim 48 23 Sust. Jacoby, Alten- Bused 46 46 Karl Vost, Wieseck " M 46 " Karl Stumpf, Garbenteich 48 Karl Trautmann, Wiesec W. Steinmüller Ww., LangGöns " 46 " 46 " L. Steinmüller, Gr.- Linden 46 " " " Karl Spamer, Reiskirchen. 46 Jakob Appel, Krofdorf.. 50 " " W. Lein, Klein- Linden.. 50 " " 26 " Heinr. Binz, Allendorf a. L. 48, " 1 27 " 27 " W. Fabel, Wieseck.... 69 Karl Post, Wiesec 69 H Louis Süßmuth, Steinberg 69 Ernst Christel Wieseck " 66 If Gust. Jacoby, Alten- Bused 69 Karl Trautmann, Wieseck. 69, " " 1 " 52 1 Kilogr.( 2 Pfd.) Kornbrot bei: F. Weiß Grününgen 23 " 1 Kari Zinser, Allendorf a. Ld. 22, " 1 " 54 5. Binz, Adendorf a. L. 22" Jakob Appel, Krosdorf 23 " " 54 " W. Lein, Klein- Linden 54 " 54 " 3 Kilogr.( 6 Pfd.) Gem.- Brot bei: + Die Ueberlastung der Schulkinder ist eine ständig wiederkehrende Klage, und Aerzte von Ruf haben sich schon der Mühe unterzogen, festzustellen, ob nicht gewisse unerfreuliche Vorkommnisse unter den Schulkindern ihre Ursache in der übermäßigen Belastung der die Schule besuchenden Jugend mit zu umfangreichen Schularbeiten haben. Воп Interesse ist es, das Material furz zu überfliegen, das von amerikanischen Aerzten über jenes Thema zusammengetragen wurde. Die leider so oft vorkommenden Schülerselbstmorde bängen zwar manchmal mit der Ueberanstrengung durch den Druck der Schule, insbesondere durch die Vorbereitung zu Prüfungen und durch den Ehrgeiz, aus mancherlei Preisver teilungen als Sieger hervorzugehen, unmittelbar zusammen. Oft, oder vielmehr in den meisten Fällen spielt hierbei aber sensationelle Uebertreibung die Hauptrolle. Die Schulkinder, an denen man derartige Merkmale geistiger Störung feststellen kann, gehören natürlich von vornherein nicht zu den geistig oder förperlich gesunden, und in den meisten Fällen wird die Geschichte ihrer Familie, das erbliche Auftreten von Nervenstörungen erweisen. Dadurch wird es aber nur um so notwendiger, daß ein solcher Zustand bei den Kindern zeitig erkannt wird. Zweifellos haben die Hausärzte mit Bezug darauf das Meiste und Beste zu leisten, denn sie gewinnen am ehesten einen Einblick in den Gesundheitszustand einer ganzen Familie und können daher die Eltern beizeiten vor der Möglichkeit warnen, daß das geistige Gleichgewicht des Kindes den Anforderungen der Schule nicht gewachsen sein und durch den Unterricht in gewöhnlicher Form geschädigt werden könnte. Vernachlässigung oder Verzug gegenüber solchen Folgen schließt eine ernste Gefahr in sich. Sogar wenn der Unterricht mit aller möglichen Rücksicht und Sorgfalt und unter den besten hygienischen Bedingungen erteilt wird, so kann er doch keine Gewähr dafür geben, daß er nicht auf weniger begabte Kinder als ein für die normale geistige Entwicklung bedenklicher Druck wirkt. Wenn nur einige wenige Kinder jedes Jahr vor dem Eintritt ernster geistiger Störungen bes wahrt werden könnten, so sollte man ein solches Ziel mit allen Mitteln zu erreichen. suchen. Da die Schule in ihren Anforderungen an bestimmte Regeln gebunden ist und aus Rücksicht auf einige minderwertig begabte Schüler nicht von ihnen ablassen kann, so sollte eben die Aufmerksamkeit der Hausärzte in höherem Grade als bisher darauf gerichtet sein, die in ihrer geistigen Begabung schwächeren Kinder auch insofern als ihre Pflegebefohlenen zu betrachten, daß sie ihnen die Folgen einer Ueberanstrengung durch den Schulbesuch zu ersparen bemüht find. + Die Einmachezeit. Die diesjährige Obsternte ist recht zufriedenstellend ausgefallen. In schier überreicher Fülle bieten die Händler die schmackhaften Birnen, Pflaumen und andere Früchte zum Kaufe an. Für die Hausfrau wird die Frage des Einmachens für den Winter jetzt hochwichtig. Sie wählt mit prüfenden Blicken außer den Baumfrüchten, Kürbisse, Gurken, Preißelbeeren und anderes aus, um ihren Angehörigen im Winter etwas besonders Schmackhaftes zum Dessert oder als Zuspeise vorsezen zu können: Pfeffergurfen, Steinpilze und Champignons wandern gefocht, gedämpft, gezuckert in geheimnisvoll verschlossene Gläser und Büchsen. Doch nicht immer gelingt das Einmachewerk zur Zufriedenheit. Irgend eine Unachtsamkeit, zu viel oder zu wenig Zucker, oder sonst ein technischer Fehler genügt, um die Möglichkeit zu geben, den Inhalt einer ganzen Konservenflasche oder-Büchse als unschmackhaft oder gar ganz ungenießbar beim Oeffnen vorzufinden. Den Hausfrauen kommen da vorzüglich arbeitende Konservenfabriken zu Hülfe. Diese liefern alle Arten konservierter Früchte besser und billiger, als sie im Hause hergestellt werden können und setzen die Hausfrau in den Stand, ohne Mühe und Zeitverlust zu jederzeit für AbwechsMing in Kompott und Dessert sorgen zu können. Auf dem Jande und in fleineren Städten freilich, wo das Obst noch elbst gepflanzt und gezüchtet wird, rechnet die tüchtige Wirtin es sich zur besonderen Ehre an, für ihr Selbsteingemachtes, wie für ihre Hauswurst und ihren Hausschinken Lob und Anerkennung zu ernten. Hier würde das beste und schmac hafteste Fabrikerzeugnis nicht den Genuß bieten, der dem Gefühl entspringt, die Leckerbissen selbst hergestellt zu haben. Arbeitsvergebung. Die Erd- und Maurer-, Pflaster- und Chaussierarbeiten für den Ausbau der Friedrichstraße zwischen der Frankfurterstraße und dem Weglarerweg sollen Mittwoch, den 5. September, vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Un + Von den Aufgaben der Tageszeitung. Ein im Zeiturg dienst ergrauter Journaliſt veröffentlicht jetzt, da er sich no jahrzehntelangem, erfolgreichen Schaffen vom Redaktionse erhebt, seine Gedanken von den Aufgaben der Tageszeitung Welche Aufgaben sind es, die eine Tageszeitung in erste Linie zu erfüllen, und als ihre vornehmsten zu betrachta hat? Schaffung von Ewigkeitswerten neben den Gegenwart werten! Die Tageszeitung soll doch der großen, stille Gemeinde des Geistes dienen, jener Gemeinde, zu de Tausende halten, mit der Tausende schauen fühlen. Zwar ist Aktualität die Hauptkunst und auch de Hauptreiz des Zeitungsschreibers, darin liegt die Anziehung fraft seines Blattes auf die weitesten Kreise. Es ist abe nicht jene Aktualität, die hastig zugreift und unterschiedli Neuigkeit auf Neuigkeit häuft. Nein, es muß jene Aktualit im höheren Sinne wieder erstehen, die das Gegenwärtig im Lichte des großen, weltgeschichtlichen Geschehens betrachte und die auch aus den Vorgängen der Vergangenheit oder and den Ergebnissen der streng wissenschaftlichen Forschung ein Licht auf das uns umrauschende Leben fallen zu lassen weiß Die Zeitung muß große Zusammenhänge herstellen, auch fin die scheinbar unbedeutendsten Geschehnisse. Dazu ist aber ein Hinabsteigen in die geheimnisvollen Bildungsgründe nötig eine Vertiefung aller Bildungsmittel, die die Presse zur G füllung ihrer Aufgabe verwendet. Tausende von Angehörigen der stillen Gemeinde, wenden sich heute unwillig von den Tages zeitungen ab, weil sie darin die Selbstbesinnung, das Sammel aller unser eigentliches Leben bedingenden Kräfte vermissen Wir wollen hoffen, daß die Tageszeitung fich auf ihre ideelle Aufgabe besinnt, und daß in der Presse die stille Gemeinde des Geistes wieder ihre leise, tiefe und anhaltende Wirkung auf die geistige Kultur unseres Volkes ausüben wird, so seh ein augenblicklicher Zug unserer Zeit dagegen zu sprechen scheint. Wären diese Hoffnung und dieser Glaube nicht, s müßten wir in der Tat an dem Fortschreiten der wahren Kultur überhaupt verzweifeln." So weit der greise Fachman wir haben dem nichts hinzuzufügen. - = Schwiegerpapachen als Schwerenöter. In einen Städtchen im Departement Seine- et- Dise war Hochzeit; plö lich vermißte der Bräutigam seine Braut. Eifrig sucht er und was erfuhr da der Arme? Ein Kutscher hatte vor eine Stunde die verschwundene Braut zum Bahnhof gefahren; f befand sich in Gesellschaft eines eleganten älteren Herrn, den der Kutscher für den Bräutigam gehalten hatte. Lange forschte man, wer wohl der Entführer gewesen sein mochte Schließlich hatte man es heraus: es war der Vater de Bräutigams! Er ist mit seiner neugebackenen Schwiegen tochter nach England geflohen. Der arme Ehemann aber ha bereits die Scheidungsklage eingereicht. Der Landwirt. kg. Die Deutsche Gesellschaft für Gartenfuast hat in Nürnberg ihre Hauptversammlung abgehalten. Die fac vissenschaftlichen Vorträge hielten Gartenarchitekt Hömann Düsseldorf und Gartendirektor Heicke- Frankfurt a. M. Erstere prach über„ Neuzeitliche Bestrebungen auf dem Gebiet der Bartenverwaltung", letzterer über Nachahmurs der Nann m landwirtschaftlichen Garten." Mit der Ta un verbunden var eine Ausstellung von Blumen und wei: r son Plänen and Skizzen von auszuführenden und ausgefuorten Garten mlagen, deren Besprechung am letzten Tage auf der Tages ordnung steht. pr. Der neue Saatenstandbericht für Preußen stellt, toad bereits vorher verlautete, überaus schlechte Dreschergebnisse ür Roggen fest, während Hafer außerordentlich günstig be urteilt wird. Auffällig bemerkt wird, daß der Bericht eine chlechte Kartoffelernte in Aussicht stellt, obwohl man an nehmen sollte, daß die bisherige Sommerwitterung der Ent wickelung dieser Frucht günstig sein mußte. Man hofft in bessen, daß der Herbst hier noch manches verbessern fann. Jm übrigen ist der Stand gegen den Vormonat wenig verändert. Ausverkauf sämtlicher Waren zu billigen Preisen Fr. Müller jr. Giessen. 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Ld. 44 Heinr. Weber, Heuchelheim 46 " Chem.Waschanstalt Gebr. Röver. Färberei. " " " Kon. Hensel, Gr.- Rechtenbach 44 " " starl Spamer, Reiskirchen. 44 Karl Stumpf, Garbenteich 44 " 7 24 " Ferd. Weiß, Grüningen. 46 " Karl Stumpf, Garbenteich 24 " W. Lein, Klein- Linden 46 " Heinr: Weber, Heuchelheim 24 " L Steinmüller, Gr. Linden 23 Der Brotverkäufer. " Bedeutendstes Werk dieser Branche in Mitteldeutschland. W. Lein, Klein- Linden . . 25 Dieselben Preise, wie bei den " " Marktplatz 18 Giessen Marktplatz 18 Heinr. Binz, Allendorf a L. 24 hiesigen Bäckern. Gießen, den 25. August 1906. Großh. Polizeiamt Sießen. J. V.: Roth. FELD UND FLUR ausgerüstet jeden Augenblick ohne Furcht Demgemäß war indes auch der Lohn, ben besten Pferden und trefflicher Bewaffnung waren. Ein gefährliches Leben war es, das jene Männer führten, in ſteter Gefahr, von Straßenräubern oder Indianern welchen die Gesellschaft zahlte, hoch genug bemessen, um eine wirklich auserwählte Schar von Leuten anzuwerben, hart wie überfallen zu werden. Eisen und gemän Str. 194 Samstag, den 25. August ische Famili 1906