Nr. 161 Rebaltion u.Haupterbebition: Gießen, Seltersweg 83, Ferafprechauschluß Nr. 362. Donnerstag, den 12. Juli 1906 Gießener 15. Jahrgang Ovatisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheisen Die Organisation der Arbeitgeber. Aus industriellen Kreisen wird uns geschrieben: Als der deutsche Arbeitgeberverband sich gründete und rasch eine aroße Gefolgschaft befam, tauchte auch die Frage nach der Berechtigung dieses Zusammenschlusses auf. Man wollte besonders in Kreisen, die unbedingt auf die Seite der Arbeiterschaft neigen, nicht recht einsehen, dak auch die Unternehmer das Recht zur Organisation für sich in Anspruch nehmen könnten, und man sprach vor allem die Befürchtung aus, daß gerade infolge der Organisation der Unternehmer in den wirtschaftlich- sozialen Kampf noch eine größere Schärfe getragen würde. Man sah in den Unternehmer- Schußverbänden eine Art von Provokation der Arbeiterorganisationen, und befürchtete erbitterte Kämpfe zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Faktoren. Insofern hat man ja allerdings damit nicht so ganz Unrecht gehabt, als der Zusammenschluß der Arbeitnehmer den Aussperrungen, also den Gegenmaßregeln der Arbeitgeber gegen die Streifs, erst ihren Wert als Kampfmittel ersten Ranges gegeben hat. Neuerdings haben die Arbeitgeberverbände unter der Leitung und Geschäftsführung der Hauptstelle Deutscher Vrbeitgeberverbände einen Shußverband genen Streiffchäden negründet. Die Streifentschädigung ist ja bei den Arbeitneberverbänden nichts Meues mehr. Die finanzielle Wirkamkeit dieser Maßnahme soll nur dadurch erhöht werden, daß der neugegründete Schutzverband unter bestimmten Voraussetzungen die Weiterzahlung dieser Streifentschädigungen übernimmt. Da der Schutzverband bereits 53 Bezirks- und Ortsvereine bei seiner Gründung umschloß, ist mit ihm, als einem wirtschaftlichen Faftor zu rechnen, Schon jetzt gehören dem Schutzverband Arbeitgeber an, die insgesamt an 300 000 Wrbeiter und darüber beschäftigen; der Beitritt einer großen Anzahl meiterer Verbände steht zu erwarten. Ueber die juristische Berechtigung dieses Schutzverbandes läßt sich nicht streiten. Wenn die Arbeiterverbände Streifunterstützungen und Unterstützungen der Arbeiter bei Aus= iverrungen zahlen, so muß man selbstverständlich den Unternehmern das gleiche Recht einräumen. Nun wird man natürlich wieder den Einwand hören, daß diese Maßnahmen zu gefährlichen Konsequenzen, zu maulofer Verbitterung der Arbeiterichaft usw. führen werde. Und es ist auch foum daran zu zweifeln, daß die Gewerkschaften dem Schutzverband den Krieg bis aufs Messer ansagen werden. Wer in Bezug auf die Sozialpolitik sich den unbefangenen Blick bewahrt hat, wird aber die Maßnahme begrüßen und feine Konsequenzen fürchten. Wir haben in der hohen Politif einen ähnlichen Zustand des bewaffneten Friedens. Die fortgesetzten Rüstungen foften die Mächte allerdings iehr viel Geld, aber fie haben wenigstens das eine Gute, da der Friede gesichert bleibt,- soweit der aewöhnliche Sterbliche wenigstens das voraussehen fann. Sinf fozialem Gebiet haben wir gleichfalls den bewaffneten Frieden mit fortgesetzten Rüstungen in beiden Lagern. Diese Rüstungen haben aber vor den voliti chen den Vorzug, das fie nichts oder doch verhältnismäßig menig fosten, und zualeich, statt zum Kampf zu reizen, vom Kampf abraten und abhalten. Das alte Wort: ,, si vis pacein, para bellum wenn du den Frieden willst, Fereite dich zum Kriege vor!", bewahrt noch immer seine Bedeutung. Steht die organisierte Wrbeiterschaft einem gleich vorzüglich organisierten Unternehmertum a genüber, das noch dazu den Vorteil der finanziellen Besserstellung für sich hat, dann wird die organisierte Arbeiterschaft es sich sehr überlegen, sich in einen aussichtslosen Kampf einzulassen. Es ist aber auch nicht zu fürchten, daß das Unterrehmertum dann seine Veberlegenbeit mißbrauchen werde. Die scharfmacherischen" Gelüfte sind im Zurückgehen, das fozialpolitische Verständnis ist im Wachsen. Auch der Unternehmer sieht schließlich ein, daß ein wirtschaftlich besser ge= stellter Arbeiter auch leistungsfähiger ist. Man wird eben dahin kommen, daß, wenn erst die Berufsvereine rechtsfähig geworden sind, unsere ganze Wirtschaftspolitik auf den Abschluß von Tarifverträgen mit möglichst langen Fristen hinousläuft ein Zustand, der sowohl für die Arbeiter, wie ir die Arbeitgeber nur vortei haft sein fann. Jeder engere Zusammenschluß, aut des Unternehmertums, ist nur ein weiterer Sdniu aus diesem Merc. - Lenzmanns Nachfolger. ( Sonder- Bericht.) Iserlohn, 11. Jult. Nach der ersten Ueberraschung die zweite in diesem alten Erbfitz der harten westfälischen Köpfe und der erbitterten politischen Kämpfe. Der Wahlkreis Altena- Iserlohn, seit der Reichsgründung in liberalen Händen, geht verloren an die Sozialdemokratie. In der gestrigen Stichwahl entschied eine Mehrheit von fast 2000 Stimmen sich für den Sozialdemokratischen Bewerber Haberland, dem der Rentrums Kandidat Regierungs- Rat Klode unterliegen mußte. Haberland erhielt 15 884, lode 14 068 Stimmen. Wie war das möglich, fragt sich das ganze politische Deutschland, dessen Augen in den letzten Wochen mit geschärfter Aufmerksamkeit auf diesen industriereichen Teil der Berae Westfalens aerichtet waren. Wie war das möglich man, froß des Eintretens der in der Hauptwahl ausgefallenen Freifinnigen und Nationalliberalen für den bürgerlichen, vom Rentrum präsentierten Kandidaten? Man muß die Geschichte des Kreises kennen, die Eigenart der Bevölkerung verstehen. um das Stichwahl- Resultat nicht so verwunderlich zu finden. Seit den Tagen der Reichsgründung galt Altena- serlohn als liberale Hochburg und zwar als eine Veste des nach links gravitierenden Liberalismus. Kurze Zeit nur, bei der Septenatswahl, gelang es einem Nationalliberalen, das Mandat an fich zu bringen; nach 2 mei Jahren aber fiegte wieder die entschiedenere Tonart. Wenn Julius Lenzmanns rötlich umlockter Sigambrer- Schädel im Reichstag sich erhob, wußte daß der alte Demofrat bei aller Bonhommie der Form wuchtige und fräftige Schläge auszuteilen liebte. Er wußte fich und seine Wähler in Refpeft zu setzen, hatte er doch schon durch feine Mitarbeit beim Zustandekommen des Bürgerlichen Gefet= buches hobes Ansehen bei der Regierung und Achtung bei den volitischen Gegnern gefunden. Nun brach er in den Sielen zusammen, sein 1898 mühsam vor dem Kompromis des Rentrums und der Nationalliberalen, 1903 vor dem Ansturm der Sozialdemokratie gerettetes Mandat verlor die beste Stütze, ihn selbst, der durch Wort und Agitation bei allen Wahlfämpfen stets der erste Mann an der Spike war. Die werbende Kraft seiner Persönlichkeit war im ent= brennenden Kampf nicht vorhanden. Die Sozialdemokratie durch die zunehmende Industriealisierung mächtig gewachsen, nicht weniger das Zentrum, stark durch peinlichst durchge= führte Organisation und Geschlossenheit, obwohl die fatholische Finmohnerschaft des Wahlkreises nur 25 vom Hundert beträgt, drangen vor. Die Liberalen, in zwei Flügel zerspalten und mit Hartnäckigkeit sich befehdend, fielen ab Sozialdemo fratie und Rentrum marschierten an der Spitze. Nun geboten die liberalen Vorstände radikaler und gemäßigter Observanz das Eintreten für den bürgerlichen Kandidaten. Doch nur ein Bruchteil der Wähler gehorchte ihnen. Zu lanae hatte der Kampf, auch auf fommunal- politischem Gebiet, amischen Rechts und Links getobt, zu große Gegenfäße waren vorbanden. Das sind noch nicht zu lange Zeiten her, dak man um fommunale Ziele, um Schulangelegenheiten und andere Dinge stritt unter der Devise ,, Hie Rom, hie Wittenberg." Dazu fam der Tropfen demokratischen Deles, der diesen Abkömmlingen der fächsischen Mannen Wittelinds trob aller oder gerade megen ihrer unwandelbaren deutschen Gesinnung in Fleisch und Blut übergegangen ist- fonnten fie nicht einen Mann ihres Vertrauens in das Reichsparlament schicken, so blieben fie lieber dem Wahlaft tern oder votierten für den sozialen Gegner in der Hoffnung, daß sie in zwei Jahren wieder einen Vertreter des Liberalismus auf den Schild erheben können. - Nach Lage der Dinge ist dazu alle Aussicht- die feindlichen, Brüder der bürgerlichen Parteien werden gezwungen sein einander die Hand zu geben, wollen fie anders ein S. F. Wort bei der Entscheidung mitsprechen. Politifche Rundfchau. Deutfches Reich. * Die Forderung eines selbständigen Reichskolonialamts mird dem im Herbst zusammentretenden Reichstag erneut vor= gelegt werden. Die Vorarbeiten dazu sollen bereits im Gange sein. Die Nachricht, daß aus der Kolonialabteilung fämtliche Räte bis auf zwei ausscheiden, wird von einer Berliner Korrespondenz bestätigt. * Nach der Geburt des jüngsten Hohenzollernprinzen in Potsdam war abermals die Rede von einer Amnestie, die aus Anlaß des freudigen Ereignisses verkündigt werden sollte. In maßgebenden Stellen ist, wie unser Berliner CB.- Mit-, arbeiter schreibt, von der Abficht zu einer Amneſlie nichts befannt. Man beachtet die Geburt des Thronerben zweiter Generation lediglich als ein Familienereignis, das ebensowenig eine allgemeine Begnadigungsaltion rechtfertigen würde wie die vor kurzem gefeierte filberne Hochzeit des Herrscherpaares. Frankreich. ** Die Deputierten fammer hatte eine heftige Debatte über die Streit- Amnestievorlane. Der Standpunkt der Regierung, welche den Straferlaß anläßlich von Streifunruhen nur für Arbeiter, nicht aber für die Verfehlungen ausständiger Beamter gelten lassen will, wurde auf das schärfste von nationalistischer und sozialistischer Seite befämpft. Schließlich trat die Kammer mit großer Mehrheit der Auffassung der Regierung bei. Darnach sind die streikenden Briefträger von der Amnestie ausgeschlossen. Italien. ** Italien will sich aus Kreta zurückziehen. Die talienische Regierung hat den übrigen drei Schuhmähten Kretas den Wunsch fundgegeben, bei Gelegenheit der gewünschten Reformen durch geeignete Maßnahmen es zu ermöglichen, die italienischen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften zurückzuz ehen, die gegenwärtig in der fretischen Gendarmerie Dienst tun. Schweiz. ** Die Schwierigkeiten wegen der Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und der Schweiz spizzen sich zu. Die Antwort des Bundesrates auf die letzten Handelsvertrags= borschläge Frankreichs erklärt diese für unannehmbar. Da man auch in Frankreich nicht zum Nachgeben geneigt ist, erscheint der Zollfrieg unvermeidlich. England. ** Im englischen Oberhause gab es eine Debatte über die Vorteile der allgemeinen Wehrpflicht. Mehrere Redner verwiesen auf die Verhältnisse in Deutschland. Lord Milner führte im besonderen aus, daß das deutsche Volk feine Größe und seine Fortschritte auf dem Gebiet des Handels und der Industrie seinem Heerwesen verdante, und daß die Völker, welche die Mühen des allgemeinen Dienstes bereitwillig auf sich nähmen, diejenigen, die vor der allgemeinen Wehrpflicht zurückschreckten nicht bloß im Krieg, sondern auch im friedlichen Wettbewerb überflügeln werden. Andere Redner fritifierten dagegen die allgemeine Wehrt flicht in entschiedener Weise. Zu einer Beschlußfassung fam es nicht. Spanien. ** Die Polizei in Barcelona hat ein Komblott gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Maura entdeckt. Maura weilt zur Zeit auf Majorka. Die nach den Balearen abgehenden Schiffe werden scharf überwacht. Russland. ** Das Ministerium will Kenntnis davon erhalten haben, dak die schwarzen Banden wieder am Werke sind, um an vielen Stellen zugleich Bogroms hervorzurufen. Es werden bierzehn Städte genannt, in denen der Losbruch erfolgen soll, darunter Petersburg, Mosfau, Warschau und Odessa. ** Von verschiedenen Gegenden kommt die Nachricht über Aufstände der Bauernschaften. In den Gouverne ments Ramencz und Podolsk sehen sich die Gutsbefizer mit ihren Familien zu schleuniger Flucht gezwungen. Mehrfach fam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen den Bauern und Militär. ** In Sebastopol wurde ein Attentat gegen den Smiral Tichufnin, den Kommandierenden des Schwarzen Meer- Geschwader?, verübt. Der Admiral wurde verwundet und mußte ins Hospital gebracht werden. ** Dof und Gefellschaft. Der Kaiser hat durch eine Kabinettsordre seiner Yacht Hohenzollern" den ,, Altdeutschen Marsch" von Kämpfert als besonderen bei Flaggenparade zu spielenden Bräsentiermarsch verliehen, zur Erinnerung daran, daß der Katser den Tag der Geburt seines ersten Enkels auf der Yacht mit Offizieren und Mannschaften gemeinsam auf See berlebte. *** Die Hochzeit des Prinzen Johann Georg von Sachsen wird am 20. Oftober in Cannes, der Einzug in Dresden am 22. November stattfinden. *** Die Gerüchte, nach denen der Großherzog von Sachsen- Weimar fich in nächster Zeit mit der jüngeren Schwester seiner verstorbenen Gemahlin, der Prinzessin Hermine Reuß ä. L., verloben sollte, werden amtlich dementiert. ** Die Ertaiserin Eugenie von Frantreich fam in Ischl an, um mit Kaiser Franz Josef von Desterreich zusammenzutreffen. Der Kaiser erwartete die Wuwe Napoleons III. am Bahnhof. Die Ursache des Besuchs bildet der Wunsch der ehemaligen Kaiserin, den österreichischen Monarchea noch einmal vor ihrem Ende zu sehen. Deer und flotte. Die Ein deutsches Geschwader in Norwegen. norwegische Regierung hat die Nachricht erhalten, daß Ende Juli d. I. ein großes deutsches Geschwader von 16 Schlachtschiffen, 9 Kreuzern und 13 Torpedobooten die Küsienplätze Norwegens besuchen werde. Die Ostseefahrt der englischen Flotte. Nach einer Bekanntmachung der Admiralität nehmen an der Kreuzfahrt in die Ostsee teil sieben Linienschiffe und sechs Kreuzer. Der Reiseplan ist folgender: Abfahrt von Vortland am 21. Juli, Anfunft in Wingasund 26. Juli, Abfahrt 31. Juli, Anfunft in Libau 2. August, Abfahrt 7. August, Ankunft in Hangö 8. August, Abfahrt 10. August, Anfunft in Kronstadt 11. August, Abfahrt 17. August, Anfunft in Reval 18. August, Abfahrt 24. August, Antunft in Pillau 26. August, Abfahrt 30. August, Anfunft in der Lübecker Bucht 1. September, Abfahrt 6. September, Ankunft in Invergordon 10. September. Aus den Parlamenten. Vertagung des württembergischen Landtags. Nachdem die Kammer der Standesherren zu den Beschlüssen der Abgeordnetentammer ihre Zustimmung erklärt haite, wurde der Landtag vertagt. Aus Anlaß des Zustande tommens der Verfassungsrevision hat der König dem Minifter. präsidenten von Breitling seine Büste mit einem sehr huldbollen Handschreiben übersandt. Jept errötete Frau Ulbach wirklich. Ein zarter Purpurwas" hauch ang wie eine rosige Morgenröte über ihr ganzes Gesicht, will? Dann ich Ihnen, Herr Ulbach." Also Sie meinen, daß Ste fich felber zurückziehen Dantel Et fein für immer her thr Fehlen überlegte, zu tun. ob Denn sein er aufhören sollte, aber er schämte sich, es Spiel fich geangen. hatte Aus bereits bie allgemeine Aufden Nebenzimmern Die den Dampfern herübertamen. Buleggekommene ziemlich einfam am Schenkel der HufeisenGäste aus der benachbarten Universitätsftabt auf, bie mil sonntägliche Tafel wies Und Monita, bie bisher ata junger HD Fin außer den Babegästen off Fin Soziales Leben. × Ein- Uhr- Ladenschluß am Sonntag. Die Stadtberordneten in Elberfeld haben nach langer Erörterung die Einführung des Ein- Ubr- Ladenschlusses für die Sonntage mit 18 gegen 14 Stimmen beschlossen. X Neunstunden- Arbeitstag auf der Kaiserlichen Werft zu Donzio. Vom 5. August ab wird auf der Werft neunstündige Arbeitszeit eingeführt. Da die Verminderung der Arbeitszeit eine Verringerung des Arbeitsverdienstes nicht zur Folge baben soll, ift ein neuer Lohntarif mit erhöhten Stundenlohnsägen festgestellt. X Wohltätige Stiitung des Herzogs von Meiningen. Herzog Georg von Meiningen hat angeordnet, daß die ihm zu seinem 80. Geburtstage überreichten 164 800 Marf, zu benen er selbst eine Summe von 100 000 Marf hinzugefügt hat, der Herzog Georg- Stiftung für Krankenpflegerinnen in Meiningen einverleibt werde, mit der Bestimmung, daß aus den vermehrten Mitteln der Stiftung ein Mutterhaus zur Aufnahme und Ausbildung der Krankenpflegerinnen errichtet werden soll. × Eine Million für die Kruppschen Arbeiter. Frau Krupp stiftete anläßlich der Verlobung ihrer zweiten Tochter Barbara 1 Million Mark für Arbeiterwohlfahrtszwecke. Nah und fern. + Siebengebirgslotterie. Dem Verschönerungsverein für das Siebengebirge ist die Erlaubnis erteilt worden, zum Zwecke der Erhaltung des Siebengebirges eine Geldlotterie mit einem Reinertrage von 900 000 Mart zu veranstalten und die Lose dieser Lotterie im ganzen Bereich der Monarchie zu bertreiben. + Glückliche Herinaafischer. Die nach den Heringsgründen in der flidwestlichen Nordsee ausgelaufenen Heringsfänger haben günstige Fangresultate erzielt, die bedeutend besser als die des Vorjahres find. Auffallend ist, daß neuerdings viele Haifische auf den Heringsgründen eintreffen. Die erften deutschen Heringelogger rüsten bereits zur ersten Heimfahrt. Die deutsche Hering flotte führt im Laufe des Sommers durchweg 3-4 Fangreisen aus, je nachdem, wie sich die Fänge gestalten. - † Der Kampf um den Bierbreis. In Groß- Duisburg haben sieben Gastwirte beschlossen, vom Münchener ürgerbräu solange fein Bier mehr zu beziehen, als die Brauerei an dem ab 1. Mai erhöhten Heftoliterbreis festhält. In Mainz zeigen fich die Folgen der BierpreiserHöhung in der ganz erheblichen Abnahme des FlaschenbierTonsums. Die Kölner Wirtevereinigungen, die sich auf den Standvun't stellen, auf keinen Fall einer Preiserhöhung, selbst nicht für auswärtige Biere zuzustimmen, fönnen einen Erfolg ihres Protestes verzeichnen. Den Wirtevereinigungen ist die Lieferung von 170 000 Settoliter Bier pro Woche zum bisherigen Preise bereits angeboten worden. - + Selbstmord einer Generalstochter. In Göttingen hat fich eine ruffische Studentin, die Tochter eines während der russischen Mirren oft aenannten Generala erschossen. Ueber das Motiv zu der unseligen Tat ist noch nichts bekannt. + Das übliche Eisenbahnunolück. Auf der Bahnstrecke Lüdenscheid- Altena entaleifte bei Station Dünebreit ein Güterzug, wobei der Lokomotivführer Habbell getötet wurde. † Weil er zum Militär onageboben wurde. Der Bauernbursche Andreas Probec in Vail bei Neutro fiel, aus But über seine Ausbebung, über seinen franken Vater her, verfette ihm mit einem Küchenmesser mehrere Stiche, fpaliete ibm dann mit einem Beil den Kopf und trambelte schließlich mit den Füßen auf dem Sterbenden herum, bis dieser den Geist aufgab. Der bestialische Vatermörder wurde verhaftet. + Gruben- Unglück. In der Grube Deutschland" bei Schwientochlowitz erfolgte bei einer Bohrung eine furchtbare Explosion. Ein Arbeiter und ein Aufseher, letzterer ein Italiener, murden getötet. † Hochwofer in Schlesien. Im Gebiet der Oder find Heftige Regengüsse niedergegangen, durch die der Fluk und dessen Nebenflüsse start gestiegen sind, so daß Ueberschwemmungen zu befürchten stehen. + Großes Feuer in Sevilla. Im Valast des Rivi'gouverneurs brach in der Morgenfrühe ein Brand aus, durch den das Gebäude vollständig eingeäschert wurde. Von der Kasse und dem Archiv fonnte nichts gerettet werden. Der Familie des Generals- fretärs und des Rendanten gelang es nur mit großer Mühe, sich vor den Flammen zu retten. Durch einen heftigen Wind wurde das Feuer auf die be= nachbarten Gebäude übertragen, von denen drei in Asche gelegt wurden. Unter diesen befand sich auch die Kaserne der Rivil- Garde, in der die Patronenfästen durch die Flammen zur Explosion gebracht wurden. Auch das Dach der Kirche von St. Paul fing Feuer und stürzte ein, wobei mehrere Personen leicht verletzt wurden. Tages- Chronik. Bei dem Kriegerfest zu Delde glitten auf dem Schießstande zwei Kugeln an einer Eisenschwelle ab, von denen eine den auf einer Wiese inmitten anderer Krieger befindlichen Gutsbesitzer Schulze ins Herz traf, so daß der Tod sofort eintrat. - In Rcheydt wurden in dem Manufakturwarengeschäft von Wilhelm Strauß durch ein großes Feuer Waren im Betrage von 50 000 Mart zerstört. - Die Stadt Dsnabrüd erhielt die Erlaubnis, eine Anleihe für den Bau eines Theaters aufzunehmen. - In Pyrmont wurde bei den Neubauten des Kur= haufes eine neue Quelle erschlossen, die schweselhaltiges Wasser führt. Kunst und Wiffenfchaft. ctutonen angegeben. Auch wenn diese Jachrichten durchaus aut Wahrheit beruhen, brauchen sie nirgend eine besondere E1regung hervorzurufen, weil die Ausnutzung dieser reichen Naturschätze durch die Lage des fraglichen Gebiets außerordentlich erschwert werden würde, da es dort eigentlich in jeder Verbindung mit einem Kulturland fehlt, indem Straßen nicht einmal in primitivster Form vorhanden sind. Auch die Lösung der Arbeiterfrage würde große und vielleicht unüber: Steigliche Schwierigkeiten machen, weil die Bevölkerung des Gebiets außerordentlich gering ist. Dennoch sollen von Petersburg aus energische Anstrengungen zu erwarten fein, um das notwendige Kapital zu erhalten. Größere Aussichten dagenen scheinen nach neuen Nachrichten die Goldfelder Transbaifaliens zu erwecken, in denen nicht nur( or, sondern auch Platin und Zinnober nachgewiesen worden ist. C7. Neue Mineralschäße in Rukland. Ga ist seit Langem befannt, daß der Bereich des Petschora- Flusses im nordöstlichen Teil des europäischen Rußland besonders reich an Mineralschäßen ist. In neuester Zeit ist dorthin eine gemeinschaftliche Erpedition von russischen und belgischen Ingenieuren abgegangen, die im Gebiet der Ussa, eines rechte: Nebenflusses der Betschora, reiche Lager von Naphta und Kupfererzen entdeckt hat. Namentlich die Menge des dort vorhandenen Naphta soll den berühmten Naphtalagern des Kaukasus- Gebiets überlegen und auch von einer besseren Qualität sein, außerdem der Gewinnung feine Schwierinfeiten bieten, weil das Wineral fich in unmittelbarer Nähe der Oberfläche vorfindet. Der Tonnengehalt der gleichfalls einer retchen Bearbeituoa zucänglichen Anbfererze wird auf viele Aus dem Gerichtsraal. § Betrugsprozek, Zander. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wird die falsche eidesstattliche Versicherung er örtert, die beide Angeflagte im April 1904 vor dem Amte: gericht Breslan wegen einer Schuldforderung von 1780 Mar! abgegeben haben. Major von Zander erklärt, daß er über haupt feine eidesstattliche Verficherung abgegeben habe, Fran bon Zander bebauptet, sie habe dem pfändenden Gerichtsvollzieher gesagt, er möge noch mit der Pfändung warten, dn sie in einigen Tagen zahlen wolle. Der als geuge vernommene Gerichtsvollzieher Hochsommer befundete, daß er bom April 1903 bis dahin 1905 bei dem Angeklagten 60 Pfändungen vorgenommen habe, 14 schwebten noch. Es ae= langen alsdann die Urteile zur Verlesung, die sich auch auf den zwischen von Rander und Lüttich geschlossenen Kaufver= trag beziehen. Der Angetlagte von Rander hat befanntlich beschworen, daß der Kaufvertrag lein Scheinvertrag war, und ist deshalb unter Anklage wegen wissentlichen Meineids ge= stellt worden. Herr v. Zander behauptet, er habe seine Angaben bei Ableistung des Eides nach bestem Wissen und Gewissen gemacht; er sei ein streng religiöser Mann, der feinen Meineid leistet. Eine frühere Bedienstete der Frau v. R. bekundet, daß diese oft nervös und erregt war, an Weinfrämpfen litt, biel Wein getrunken und stark geraucht habe und sehr furchtsam und abergläubisch gewesen sei. Ein weiterer Zeuge erklärte, Frau von Rander habe oft gesagt, fie müsse viel ausgeben, um ihren Mann zu zwinnen, viel Geld zu verdienen, sonst bleibe er immer der arme Offizier. § Nachklang zum Detmolder Briefprozek. Der Prozeß Kracht, wie die Affäre mit den anonymen Briefen in Lemgo furz genannt wird, wirft noch immer seine Schatten. Das Schwuraericht in Detmold hat jetzt die Fran Laubert wegen eines Meineides, den sie im Prozeß Kracht geschworen hat, zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. § Schadenersatzklage wegen der Maifeier. In der Klagesache der Hamburg- Amerika- Linie gegen 127 Schauer leute auf Schadenersatz wegen Vertragsbruchs, weil sie am 1. Mai ohne Urlaub fortgeblieben sind, wurde, nachdem durch Zwischenurteil Vertragsbruch festgestellt war, über die Höbe der von den Beklagten zu zahlenden Summe verhandelt. Ter die Gesellschaft vertretende Inspektor Theile erklärte sich, da es der Hamburg Amerifa- Linie nicht so sehr auf die Höhe der zu zahlenden Summe ankomme, als auf das Prinzip, auf Vorschlag des Vorsitzenden des Gewerbegerichts mit einer Zahlung von je 20 Mark zufrieden, obwohl der Schaden beträchtlich größer sei, als die von der Hamburg= Amerifa- Linie geforderten 12 COO Mart. Diesen Vorschlag lehnte der Vertreter der Beklagten ab und bestritt jede Schuld. Das Gericht beschloß, einen neuen Termin auf den 19. September anzusetzen, in dem die Hamburg- AmerikaLinie ihren Schaden genau begründen soll. § Wiederaufnahmeberfahren gegen Hennig? Der zum Tode verurteilte Raubmörder Hennig betreibt aus dem Gefängnis mit Eifer das Wiederaufnahmeverfahren. Durch dieses Vorgehen erreicht Hennig jedenfalle, daß die Vollstreckung der Strafe einige Monate aufgehoben wird. § Vom Oberkriegsger cht freigesprochen. Vor dem Düsseldorfer Schwurgericht war der Unteroffizier Heidtmann bom 15. Infanterie- Regiment in Mülheim wegen tätlichen Angriffs auf vorgefetzte zu zwei Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt worden. Das Oberfriegsgericht hat bieses Erfenntnis aufgehoben und auf Freisprechung erkannt. Eine § Meuterei auf einem Vergnügungsdamvfer. internationale Mannschaft, die z. R. des Seemannsstreifes in Hamburg auf der„, Cceana" der Hambura- Amerika- Linie bebienftet war, und in Funchal auf Madeira die Arbeit niederlegte, stand unter der Anklage der Meuterei vor bem Hamburger Landgericht. Die Meuterer, 14 an der Rabl, wurden wegen Veroehens gegen die Seemannsordnung zu fe sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Als Grund gaben die Meuterer an, sie wären von den deutschen Vorgesetzten oft mißhandelt und sogar mit dem Tode bedroht worden. § Leutnant und Lehrer. Das Kriegsgericht in Brandenburg a. H. hat den Leutnant Weyaand, der den Lehrer Kogge, mit dem er auf der Straße in Wortwechsel geriet, da die Schulkinder das Pferd des Leutnants durch Hurrahrufen scheit gemacht hatten, mit der Reitpeitsche geschlagen und einen Flape" genannt hatte, wegen Beleidiguna za 10) Mart Geldstrafe und wegen Körperverlegung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. § Zur Haftpflicht der Gasanstalten. In Paderborn wurde im September 1904 das Ehepaar Tölle durch ausströmendes Gas getötet. Das Gas entströmte einem geborstenen Rohr, das, nach Ansicht Sachverständiger, nicht in bem genügenden Abstande von der Erdoberfläche gelegt worden war. Das Landgericht in Paderborn hat die Stadt als Besitzerin der Gasanstalt für verpflichtet erklärt, den Hinter bliebenen Schadenersatz zu leisten, weil die Stadt bei dem Betrieb der Gasanstalt die hierzu erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat. Krankhafte Kaufwut. - Medizinische Randgloffen zum Zander- prozefs. Von Dr. med. Th. Zlocisti- Berlin. - - Folgen einer falsch geleiteten Erziehung sehen wo man es packt, da ist es interessant." Aber auch den Arzt diänat diefer Prozeß zu erntem inren. Wie ja überhaupt der Geribtsiaal heute den Suristen die Reraliederung des Tatbestandes überläßt, die Antriebe zum Verbrechen aber und ihre tieferen Ursachen das Gebiet des pinchologisch geschulten Arztes werden. - Ein Moment in dem Fragen- Kompler wird schon der Laie dem Arzte zur Beurteilung übermeifen: Die Kaufwut der Frau v. Zander. Der Laie selbst wird fanen, dak die Frau nicht recht bei Troste aemefen sein farn! Mährend der Gatte wie ein Ertrinfender nach iedem Schwimmenden it areift, an dem er sich wieder zum Leben retten kann, während der Gatte von einer Unternehmung zur andern, von einer Erwartung zur neuen fürzt und immer mieder auf den Ruinen zertrümmerter Spefulation neue Foffnungen sprieñen fiebt, während all dieses ergreifenden Sagena und Treibens um die Ehre seines Standes, die sein Leben ist, zu retten, um den Namen seiner Familie nicht zu beflecken, fitzt die holde Gattin dabeim und sinnt, wo es die besten Austern und Froschfenlen gibt und kauft gleißendes Geschmeide und Möbel für eine Flucht von Simmern, die nicht für eine Familie, sondern für ganze Kompagnien ausreichen. Das ist gewiß nicht nur Menommiersucht, nur Eitelkeit, nur der Zwang, ein durch Erziehung und Umgong gewohntes Leben weiter zu führen. Diefes mangelnde Verständnis für die Situation des Mannes fann nicht nur Dummheit oder Leichtfnn sein, sondern nur aus einem Rustande der Seele sich erklären, die nicht mehr normale Gedanken und gesundes Empfinden aufzubringen vermag. Das ist Wahnsinn, es ist der Wahnsinn, in dem keine Methode mehr ist. Die Irrenheilkunde fennt den Kaufzwang schon lange als ein Symptom seelischer Erkrankung. So weisen z. B. die an Gehirnerweichung Leidenden( die Paralntifer) in einem gewiffen Stadium diefen Kaufzwang auf. Sie kaufen, wie das Volk sagt, ohne Sinn un Verstand Gegenstände, die für fie gar keinen Wert haben, einfach um zu faufen. Auch bei jenen schweren Manieen, in denen franthafte Aufregungszustände, von frankhaften Freudigkeiten abgelöst werden, leiden die Ergriffenen unter dem Kaufzwang. Wie immer man einen Prozek, wie den Pander- Brozeß ansieht, für jeden wird er ein nachdenkliches Eremvel sein. Mag man als Moralift darin einen Sündenfall verzerrter Ehrbeariffe fehen, mag man als Gesellschaft fritifer sehen, welche Gefahren aus nesteigerten Standesverpflichtungen ermachfen, die zu versönlichen geworden find, mag man als Erzieher in den zur Anklage ftebenden Betrügereien nur die Während aber derlei schwere seelische Veränderungen wegen ihrer Offensichtlich feit faum jemals zur Erhebung einer Anklage führen, machen gewisse Hysterien dem Staatsanwalt und Arzt oft große Schwierigkeiten. Die Grenzen zwischen normalem und frankhaftem Seelenleben find außerordentlich schwer zu bestimmen und es ist möglich, daß es eine breite Rone gibt, in der Gesundes und Krankes untrennbar ineinanderfließt. Gewisse Anzeichen, jähes Aufbrausen gegen Untergebene, unmotivierte Weinfrämpfe lassen die Deutung zu, daß die Majorsgattin eine jener hysterischen Frauen ist, bei denen zu Zeiten die freie Willensbestimmung, die verantwortlich macht, ausgeschlossen ist. Gerade bei solchen Fällen ist der Kaufzwang bäufte ein Symptom der Krankheit. Und ohne dar man Anspruch erhebt, ein Prophet zu sein, darf man es als wahrscheinlich annehmen, daß die Majorsfrau nicht im Ges fängnis, sondern in einer Frrenanstalt für eine Zeit unschäd= lich gemacht werden wird. Einen Schritt Die fortschreitende Wissenschaft vom Seelenleben des Menschen hat uns eine Menge verbrecherischer Handlungen als Ausfluß seelischer Erfrankung zu betrachten gelehrt. Gemik, viele Verbrechen lassen sich aus sozialen Motiven erflären. Sefind gewissermaßen lediglich Folgen ungesunder sozialer Verhält nisse, die nicht jedem, der existiert, die Existenzmöglichkeiten geben. Ein großer Teil der Verbrechen ist aber fraglos durch frankhafte seelische Veränderungen bedingt. Wir kennen heute bereits Psychopaten, bei denen das Lügen ein Zwang ist. Sie lügen, weil ihr frankhaftes Gehirn die Dinge des Lebens und die Stellung des Erfrankten in der Gemeinschaft verzerrt sieht. Sie glauben felbst, was sie sagen. weiter und wir fommen vom krankhaften Lügner zum fanf haften Hochstapler. Gerade diese Gruppe von Verbrechern sind nach dem Erkenntnisstande der gerichtlichen Irrenheil funde alles Psychopaten. Sie geben sich nicht nur als Barone und Grafen aus, nein, sie sind fest überzeugt, daß fie es sind, und tun unter diesem Zwanae ihrer franken Phantasie nun alles, was ste ihrem Grafenstande schuldig zu sein glauben. Auch diese Hochstapler haben den Trieb, kostbare Juwelen an fich zu bringen. Es ist auch eine Art Kaufzwang und sie faufen auch, nur daß fie feine Gegen werte leisten. Die Frau v. 8ander gibt ihren wirklichen Stand als Referenz auf, der frante Hochstapler seine ein gebildete Stellung, die er auch als eine wirkliche betrachtet. So fließen die Erscheinungen ineinander und immer kommt zu den bereits bestehenden pathologischen Ver änderungen noch ein weiteres Woment hinzu, das erst den völligen Bankerott der Seele herbeiführt: Der Alkohol. Was für Frau v. Zander Champagner und Benediktiner war und wurde, das besorgt bei anderen fuselreicher Nordhäuser. Die von Haus aus schwachen Gehirne werden durch den Alkohol derart maltraitiert, daß wie der Volksmund es so plastisch nennt: die Schrauben sich lockern und die Bremsen, nicht mehr junktionieren. = Vermischtes. fir bie franz habn bilden, Bajel den Ein ter erjigenann = Der F Plotta ibrem 90:00 Kronen Heftimmung, Dieses Vermöge Bundes ihr gel tate, ihn ang i Geld für ihn a zufällt. Caro, mit zunehmend Pflegerin zwein fich feinen ande aab, wo er f Jahren erreicht = - Der G Leopold Leth bandlung mit G rafchende Refu Erfahrungen de Sinbalt der tier Wirkung zur& filmmt überein die mit der durch einen fra Neues von der drahtlosen Telegrabbie. Die drahtlose Telegraphie soll jetzt auch für den telegraphischen Nahverkehr dienstbar gemacht werden. Die deutsche Gesellschaft für drahtlose Telegraphie bat iegt besondere Stationen dafür gebaut, die auf den Kleinsten Raum zusammengetränat sind und Würfelstationen genannt werden. Sie erfordern nur einen Platz von ½ qm und find nur ½, m hoch. Die für die Station nötigen Affumulatoren erfordern ebenfalls feinen größeren Platz als%, qm, fodaß fie leicht in einem verschließbaren Raften unterbalb des Tisches, auf dem fich die ,, Station" befindet, untergebracht werden kann. Veber See hat die Station eine Reichweite von 40 km, als Landstation bei günstigem Terrain 25 km. = Ein Tunnel durch den Lötschberg. Der oroke Mat des Kantons Bern hat das Projekt der Durchbobrung des Lötschbernes, eines Bergmaffins, welches die Kantone Bern und Wallis von einander scheidet, anaenommen. Die often der Arbeiten werden auf 83 Millionen Francs geschätzt. Die Lötschberalinie würde nicht blos Bern, sondern auch Rafel direkt mit dem Simplon verbinden, und die Entfernung zwischen Basel und Muiland würde sowohl über ten Simplon wie über den Gotthard nahezu die aleiche fein, moraus für die Gotthardlinie eine gefährliche Monfurrenz ermachien fann. Die Lötschberalinie wird auch eine ernite Konfurren feite bei Verti eintritt, her unt langt. Ge fchei Regulator für de = Ferienbe reifenden hat == Dimenfionen ang Woche find an ei befördert worden. Bahnhof abgehend an der Offfee geb Der Cho Sufammensturz de in Samburg ist a Bermächtnisses un berforbene Hambu fleinen Rapitals ftimmt, der täglich Michaelisturmes h triebe der Hafenfta Stadtviertel wird lange remiffen, bi neu erflanden ift. - Tas Schl Morf erregt es Jounalifen Sincl frit auf die in de fbauder baiten Buf Rol'sbibliothet aus indet wind die Cellen, die das ungeeignet machen. Die amet olles gefälscht, mar abfällen, und Kaffe Cagemehl, man fab Gin Kenner der V London vor, dak ten fchädlichsten Ch arbeite. Diese Tat ta feit dem Ja Gelee gegen die Beimmungen feier Sennessee und Indi fih jeder Mann Sigarettenpapier mi Der Jalam der Hoffnung Ausd Japan Staatsreligio mit feinem Lichte Lebensprinzipien de Grundfäßen des J trinfen feinen Alto Japaner, felbst der Daher werde das Schreibt, von den Ja die fünimaligen, täg Erledigt: bejegende Lehrer lingen, Kreis iz amtsafpiranten Rin der Gemeindeschule Edulamteafpiranter Helle an der Geme * Der Hessis September feine To Seifiide Landwirtic R. Am 16. J Reichsbanftelle in bantnebenstell Giroverfehr eröffnet * Berwaltu Mitglieder des Bus Berwaltungsgelege m Bablbeanstandungen werben. Unter and adnung beidäftigt. mie bisher berechtigt thebliche Gefegwide lier Unfähigteit ein auf die Gewählten gebnis in unlauter Biermit foll befond nach der Wa hen wo man Brozeß zu ernier heute den Suriite ht, die Antriebe fachen das Gebiet mird schon der n: Die Raup felbit wird fanen, nefen fein fann! her nach idem nieder zum Leben Internehmung zu fürzt und immer Spefulation neue iefes ergreifenden Standes, die fein Familie nicht zu ind finnt, wo es d fauft gleißendes on Simmern, die Kombagnien aus ommiersucht, nur ziehung und Um führen. Diefes des Mannes fann fondern nur aus nicht mehr normale bringen vermag. nem teine Methode fawang fchon lange weilen z. B. die Intifer) in einem Sie faufen, mie genstände, die für faufen. Auch bei afte Aufregungs löst werden, leiden e Veränderungen ur Erhebung einer Dem Staatsanwalt Grenzen zwischen nd außerordentlich ab es eine breite 3 untrennbar in egen Untergebene, tung zu, daß die ist, bei denen zu antwortlich macht, len ist der Kauf . Und ohne dan darf man es als Frau nicht im Ge eine Zeit unschäd Seelenleben des ischer Handlungen en gelehrt. Gemik, nerflären. S'efind Togialer Verhält istenzmöglichkeiten aber fraglos durch Wir fennen heute ein 8wang it. Dinge des Lebens neinschaft verzerrt Einen Schritt ügner zum fanf von Verbrechern tlichen Frrenheil nicht nur als berzeugt, daß fie e ihrer franken n Grafenstande tapler haben den Es ist auch eine fie feine Gegen ihren wirklichen tapler feine ein rfliche betrachtet. der und immer Jologischen Ver zu, das erst den Der Alkohol Benediftiner war cher Nordhäuser. Durch den Altohol es so plastisch emsen nicht mehr egrabbie. Die telegraphilben deutsche Gefell ondere Stationen fammengebränat Sie erfordern m hoch. Die rbern ebenfalls elcht in einem uf dem fich die 1. Deber See 13 Landflation Der große Rat Kantone Bern n. Die foften peldhänt. Die dibobrung des ern auch Rafel Die Entfernung obl fiber ten dhe fein, moran rrenz ermachen fte fonfurren fitr die franzöñiche Gesellschaft der Paris- Phon- Wittelmeer hahn bilden, weil die französische Cftbahn von Paris über Basel den Simplon ebenso rasch erreichen wird wie die Linie ter erstgenannten Gesellschaft über Genf. Der Hund ala Grhe. In Wien bat Fran Theresia Plotta ibrem Hunde Caro 12 000 ronen und ihrer Dienerin 9000 Kronen vermocht. Das Testament enthielt weiter d'e Bestimmung, die Dienerin babe für den Hund die Zinien dieses Vermögens zu verwenden, das nach dem Eingehen des Bundes ihr gehört, aber, wenn sie dem Hund etwas zu Leide täte, ihn ans ihrem Gewabriam entließe oder nicht das ganze Geld für ihn ausgeben würde, einer wohltätigen Stiftung zufällt. Caro, der damals schon 13 Jahre alt war, wurde mit zunehmendem Alter immer bissiger und verletzte seine Pflegerin zweimal nicht unbedenklich. Schließlich wußte diese fich feinen anderen Rat, als daß sie den Hund in ein Spital gab, wo er sorgfältig gepflegt wird und ein Alter von 19 Jahren erreicht hat. = Der Git de Hungergefühls. Die Pariser Aerzte Leopold Lety und Henri de Rothschild haben mit einer Bes bandlung mit Schilddrüsenertraft an ca. 100 Kranken überraschende Resultate erzielt. Es hat nämlich nach ihren Erfahrungen den Anschein, daß dieser Extraft, der aus dem Inbalt der tierischen Schilddrüse bereitet wird, eine besondere Wirkung zur Erregung des Hungers befißt. Diese Annahme stimmt überein mit Beobachtungen bei gewissen Erfrankungen, die mit der Schilddrüse in Zusammenhang stehen und sich durch einen franthaften Hunger auszeichnen, während andererseits bei Verkümmerung der Schilddrüse ein Appetitmangel eintritt, her unter Umständen eine besondere Behandlung verlangt. Es scheint, als ob die Schilddrüse geradezu als Regulator für das Hungergefühl wirkt. = Ferienverkehr in Berlin. Der Verkehr der Ferienreisenden hat diesmal von Berlin aus ganz folossale Dimensionen angenommen. Am Abschlusse der vergangenen Woche sind an einem Tage weit über 150 000 Ferienreisende befördert worden. Die Mehrzahl benutzte die vom Stettiner Bahnhof abgehenden Züye, die nach den verschiedenen Orten an der Ostsee gehen. = Der Ctoral auf dem Michaelisturm. Mit dem Zusammensturz des Hochragenden Turmes der Michaeliskirche in Hamburg ist auch die Verwirklichung eines eigenartigen Vermächtnisses unmöglich geworden. Eine vor etlichen Jahren verstorbene Hamburgerin hat nämlich den Zinsertrag eines fleinen Kapitals für die Besoldung eines Hornbläsers be= stimmt, der täglich morgens und abends von der Höhe des Michaelisturmes herab einen Choral in das geschäftige Getriebe der Hafenstadt blasen soll. Mancher Arbeiter in jenem Stadtviertel wird diefe seelische Erfrischung nur ungern so lange vermissen, bis der Turm aus seinen Trümmern wieder neu erstanden ist. = Tas Schlachthaus- Buch unter Zenfur. In NewMorf erregt es beträchtliches Quffchen, daß das Buch des Journalisten Sinclair, durch das die öffentliche Aufmerkſamfeit auf die in den Chicagoer Schlachthäusern herrschenden schauder haften Zustände gelenkt wurde, von der öffentlichen Rol'sbibliothet aus dem Buchberlehr gezogen wurde. Bc= ründet wud diese Maßnahme mit gewissen anstökigen Stellen, de das Buch angeblich ür die breite Oeffentlich leit Angeeignet machen. = Die amerikanische Zigarette. In Amerika wird alles gefälscht, man macht nicht nur Cornedbeaf aus Fleischabfällen, und Kaffee aus trockenem Brot, Maschinenöl und Sägemehl, man fabriziert auch gesundheitsschädliche Zigaretten. Ein Kenner der Verhältnisse trug dem Hause der Lords in London vor, daß man in Amerifa den Zigarettentabat mit den schädlichsten Chemifalien, mit Kokain und Laudanum be= arbeite. Diese Tatsachen bätten dazu Veranlassung geboten, daß seit dem Jahre 1888 47 der 53 Staaten der Union Gesetze gegen die Zigarrette erlassen hätten. Die schärfsten Bestimmungen seien von den Staaten Wisconsin, Jowa. Tennessee und Indiana getroffen worden. In Indiana mache fich jeder Mann strafbar, der Zigaretten oder auch nur Zigarettenpapier mit sich trage. = Der Islam in Japan. In türkischen Blättern wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Islam bald in Javan Staatsreligion werden wird. Der Islam werde bald mit seinem Lichte Japan überstrahlen, denn die Gefühle und Lebensprinzipien des japanischen Voltes ließen sich mit den Grundsäßen des Islams leicht vereinbaren. trinken feinen Alkohol, sondern nur reines Wasser; jeder „ Die Japaner Japaner, selbst der ärmste, nimmt jeden Tag ein Bad." Daher werde das Verbot des Alkohols, das der Koran vor= schreibt, von den Japanern leicht angenommen werden, ebenio die fünfmaligen, täglichen Waschungen, die der Islam befiehlt Lokales. 12. Juli. * Erledigt: Eine mit einem fatholischen Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Sprend. lingen, Kreis Aizy- Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ringshausen aus N dda, eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Ditzenboch, im Kreise Offenbach; dem Schulamtsaspiranten Heinrich Rühl aus Maar, eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Büdesheim. * Der Hessische Landwirtschaftsrat stellt Ende September seine Tätigkeit ein, da mit dem 1. Oftober die Hessische Landwirtschaftskammer in Wirksamkeit tritt. R. Am 16. Juli wird in Zielen zig eine von der Reichsbankstelle in Frankfurt( Doer) abhängige Reichs. bantnebenstelle mit Rasseneinrichtung und beschränkten Giroverkehr eröffnet werden. * Verwaltungsreform. Zur Beit sind einige Mitglieder des Ausschusses für die Revision der hessischen Berwaltungsgefeße mit der Umarbeitung der Landgemeindeordnung beschäftigt. Hierbei sollen, vor allem bezüglich der Wahlbeanstandungen, schärfere Bestimmungen aufgenommen werden. Unter anderem soll der Kreisrat verpflichtet( nicht wie bisher berechtigt) sein, die Wahl zu beanstanden: 1. wenn erhebliche Gesezwidrigkeiten vorgekommen sind, 2. bet as 3 licher Unfähigkeit eines Gewählten, 3. wenn ihm in Bezug auf die Gewählten Vorgänge bekannt werden, die das Wahlergebnis in unlauterer Weise zu beeinflussen geeignet sind. Hiermit soll besonders dem Unfug des Freibiergebens bor und nach der Wahl eine strengere Veachtung geschenkt werden. Auch über die Verwandtschaftsgrade usw. sollen genauere Bestimmungen vorgesehen werden. Ebenso sind über die Dienstbezüge der Bürgermeister, die Gemeinderats fizungen, die Protokolle und anderes praktische Vorschläge gemacht worden. * Der 20 hessische Feuerwehrtag wurde Sonntag in Gernsheim abgehalten. tt. Gabelsberger Stenographentag. Der 27. Verbandstag des Hessen- nassauischen( Main Rheingau) Verbandes Gabelsberger Stenographen hat vom 7. bis 9 Juli zu Wiesbaden unter außerordentlich großer Beteiligung stattgefunden. Aus dem in der Vertreter Versammlung er statteten Jahresbericht ergibt sich, daß der Verband aus 95 Vereinen( gegen 85 im Vorjahre) besteht, die sich auf das Großherzogtum Hessen, Hessen Waldeck, die Provinz Hessen Nassau und einen Teil der Rheinprovinz erstrecken. In den Vorstand wurden wiedergewählt: Direktor Dr. BizAlsfeld( 1. Vorsitzender), Eisenbahnsekretär Haupt- Cassel, Beichner Jäger- Cassel, Professor Kramer- Friedbera und Oberlehrer Pfaff- Darmstadt. Der Vorsitzende des Wiesbadener Vereins, Herr Dr. Kranz- Busch, bewillkommnete die aus nah und fern erschienenen Kunstgenossen und warf einen Blick auf die Entwickelung der Stenographie in Wiesbaden, die schon zu Lebzeiten Gabelsbergers hier ausgeübt wurde. Die Gedanken über die deutsche Einheitsftenographie entwickelte der Festredner Kammerstenograph Schaible Stuttgart. In glatter Ausführung gab er einen Ueberblick über die Entwickelung der Stenographiesysteme, den wesentlichen Unter: schied der Systeme Babelsberger und Stolzen- Schrey und die verschiedenen Wege, die zu einem Einheitssystem führen fönnen. Der Verbandsvorsitzende teilte dann mit: Der am 7. und 8. Juli 1906 in Wiesbaden abgehaltene 27. Verbandstag des Hessen- nassauischen Verbandes Gabelsberger Stenographen hat folgende Entschließung gefaßt:" De Stenographie ist in unserer Zeit für Handel und Verkehr unentbehrlich. Ihre allseitige Verwertung wird gehindert durch die bedauernswerte Vielheit der Systeme. Alle bisher eingeschlagenen Wege zur Schaffung eines deutschen Einheitssystems haben sich als ungangbar erwiesen. Deshalb hält der Verbandstag es für dringend erwünscht, daß nach dem Vorbilde der Orthographiekonferenz vom Jahre 1901 durch eine aus Vertretern der einzelnen Regierungen des deutschen Sprachgebietes zusammengesetzte Konferenz die baldige Schaffung einer deutschen Einheitsstenographie herbeigeführt werde." Der Vorsitzende gab der Hoffnung Ausdruck, daß unserem deutschen Volke bald das große Gut einer Einheit auf stenographischem Gebiete beschert werden möchte, erst dann könne die Kurzschrift ihre Aufgabe als Kulturfaftor erfüllen. * Ueber die Dauer von Fern- und Vorortgesprächen sind neue Bestimmungen erlassen worden. Danach dürfen Gespräche gegen Einzelgebühre an werktagen vor 9 Uhr vormittags und nach 7 Uhr abends ununterbrochen bis zur Dauer von 30 Minuten fortgesetzt werden, auch wenn andere Anmeldungen auf gewöhnliche Gespräche vorliegen, dagegen nicht, wenn dringende Verbindungen beantragt sind. In der Zeit zwischen 9 und 7 Uhr ist für eine Gesprächsdauer über 6 Minuten die dreifache Gebühr zu entrichten. Früher war die Gesprächsdauer für den Fall, daß noch andere Anmeldungen für die betreffende Leitung vorlagen, auf sechs Minuten beschränkt. Wünschte man länger zu sprechen, so hatte man ein neues Gespräch zu be= antragen, das an die Reihe kam, wenn die inzwischen eingegangenen Anmeldungen erledigt waren. Eine Unterredung von 15 Minuten, wie sie beispielsweise im Nachrichtendienst der Presse häufig vorkommt, fonnte sich also stundenlang hinziehen. * Die Heidelbeerzeit ist wieder da. Die Heidelbeeren sind eine der gesündesten Früchte, denn sie reinigen das Blut und regeln die Verdauung. Ihr Geschmack ist nicht zu füß. Darum sind sie bei Hige besonders erfrischend. Am besten sind die Heidelbeeren, wie alle Früchte, getocht. namentlich nach Beladung des Magens mit schweren Speisen! Man sollte nicht verfäumen, die guten Eigenschaften dieser Frucht sich für den Winter durch Trocknen, Einiegen usw. zu erhalten. Heidelbeeren sind ein Reichtum von Mittelund Nordeuropa, namentlich die deutschen Wälder liefern sie in Mengen. Die Blätter geben einen angenehmen Tee, den man gegen Griez- und Blasenstein gebraucht. Die Heidel beeren haben schließlich nur das einzige unangenehme, daß fie fich gern auf Zähnen und Lippen berewigen, wo ihre Merkmale aber bald zu entfernen gehen, wenn man die Zähne mit pulverisierter Kreide pugt und die Lippen mit etnem angefeuchteten Tuche abreibt, durch welches man vor= her den Schwefeldampf von etwa vier deutschen Zündhölzern hat ziehen lassen. * Die Hundstage stehen bevor und mit ihnen beginnt die Zeit der Reife der Nachtschattengewächse, die in allen Teilen giftig sind. Die Früchte des Nachtschattens, der überall in Gärten, an Wegen und Hecken wächst, sind blauschwarze Beeren, die den Heidelbeeren ähnlich sehen nnd von Kindern unwissentlich für solche gehalten werden. Nicht minder gefährlich ist die dem Nachtschatten verwandte Tollfirshe. Da manches junge Leben durch den Genuß dieser giftigen Beeren in ernste Gefahr geraten ist, so empfiehlt es sih für Eltern und Lehrer, die Kinder, die während der Ferien in Feld und Bald umherschweifen, vor dem Genusse dieser Früchte eindringlich zu warnen. * Geographie schwach. Folgendes hübsche Ge schichtchen trug fich unlängst auf einem fleinen Dörfchen in Rheinhessen zu: Es war bekannt gemacht worden, daß verschiedene Gemeindearbeiten auf dem Submissionsweg vergeben werden sollten, darunter auch die Ausbesserung des Sch. Weges. In einer darauffolgenden Gemeinderatssitzung wurde jedoch beschlossen, die Ausbesserung des Sch. W gs zu unterlassen. würdiges Mitglied des Gemeinderats und rief:" Wann dem Ganz erbost erhob sich daraufhin ein Sch. sein Weg net gemacht werd, do werd aach de Submissionsweg net gemacht und überhaupt bn ich noch net emol informiert, wo der leit." Lannsbach. Bei dem ersten Bundesturnfest des Lahn.Dünsberg- Turnerbundes, das am Sonntag hier abgehalten wurde, traten 44 Turner zum Breisturnen an. Die 10 ersten Preise erhielten: 1. D. Pfeiffer- Launsbach 70%, 2. M. Greiner- Wieseck 70³/ 6, 3. V. A. Lotz Wiesed 70%, 4. P. 5. Hofmann- Wiesec 693/6. 5. P. Ph. Hörr- Launsbach, 68, 6. P. G. Weller- Wies c 67% 6, 7 P. W. Pfaff Launsbach 61%, 8. W. Schreiner ies& 62, 9. A. Hasselbach- Rodheim 613/6, 10. P. 2. Loz Wiesed 602/ B. * Burg- Gemünden, 11. Juli. Am Sonntag fand da hier die Fahnenweihe unseres Kriegervereins statt. womit zugleich das Kriegerfest des Hassiabezirks Homberg verbunden war. Leider trat aber bei Beginn des Fest s ein Regenwetter ein, das die Feststimmung, namentlich bei den Feftjungfrauen, sehr beeinträchtigte. Alle Bezirksvereine waren durch größere Deputationen, manche sogar vollzählig, vertreten. Nach dem Festzuge und den üblichen Begrünungsreden durch den Bezirksvorsteher, Ortspräsidenten usw. hielt Herr Pfarrer Schick die Weiherede. Später entwickelte sich bei Gesang und Tanz, nach dem der Himmel Einsehen hatte und der Regen nachließ, ein munteres Treiben auf dem Festplaß, das noch lange anbielt. § Stumpertenrod. Bei der Posthilfftelle ist eine Telegraphenanstalt mit öff ntlicher Sprechstelle und Unfallmeldestelle eröffnet worden. * Nonnenrod, 11. Juli. Hier fand unter großer Bes teiligung der Umgegend die Fahnenweihe des Gesang= vereins Liederkranz statt, es waren 22 Vereine m't fast 1000 Sängern anwesend. Das Dörfchen prangte im schönsten Festschmuck. Aus dem Hüttenberg, 11. Juli. Veteran des Lehramts. 3. Auguſt d. Is. der Lehrer Althaus in Münchholzhauser. Sein 50jähriges Dienstjubiläum feiert am Er hat seine ganze Dienstzeit in dem Dorfe zugebracht, so. daß die gesamte Einwohnerschaft bis auf die 16 ältesten Leute seine Schüler gewesen sind. * Osterhofen. Schwer verlegt durch einen biden Baumstamm wurde der hiesige Holzhändler Müller. Er wollte auf dem Bahnhofe Stämme verfrachten, dabei rollte ein Stamm auf ihn; er trug erhebliche äußere und innere Verlegungen davon. * Bad- Nauheim, 11. Juli. Der bei der hiesigen Bolizeiverwaltung seit langen Jahren beschäftigte Bureaugehülfe Martin Schäfer ist nach Unterschlagung von rund 1100 Mt. amtlicher Gelder, die er sich durch Fälschungen von Quittungen verschaffte, geflüchtet. Die Behörde erleidet feinen Schaden, da die Angehörigen des S. die hinterzogene Summe decken wollen. * Weilburg, 11. Juli. Wegen Verlegung der Unters offizier Vorschule weilten zwei Vertreter des Kriegsministeriums hier, um mit den städt shen Korporationen zu beraten. Wie verlautet, ist Aussicht vorhanden, daß die Schule für Weilburg erhalten bleibt; es soll von einem Neubau abgesehen, aber ein Umbau in großem Maßstabe vorgenommen werden. * Lauterbach, 11. Juli. Bei der Ausgrabung des Heizraumes in der hiesigen Kirche wurde festgestellt, daß der Fußboden der früheren Kirche 1,60 Meter tiefer lag, als der jetzige Fußboden. Bei einer Tiefe von 2 Metern wurden verschiedene Grabgewölbe blosgelegt, auf welchen sich funstvoll gearbeitete Grabftetne mit den Wappen derer von Riedesel, Hochfeld, Felsberg, Fahrenbach, Berleps, Wulwershausen 2c. befanden. Ferner wurden Bruchstücke einer Statue ausgegraben. * Fulda, 11. Juli. Der Posten am Pulvermagazin Niesig steht seit Montag mit scharf geladener Schußwaffe. Wie das Garnisontommando bekannt macht, ist diese Anordnung getroffen worden, weil verschiedentlich tätliche Angriffe gegen den Posten unternommen worden sind. * Frankfurt, 11. Juli. Gestern Abend ist es der Kriminalpolizet gelungen, auf der Kaiserstraße eine gefähr liche Hochstaplerin zu verhaften. Sie ist die unter Kontrolle stehende 28 Jahre alte Helene Quidde aus Braunschweig, die vom Amtsgericht und der Staatsanwaltschaft Hannover, sowie von Berlin und Wiesbaden aus verfolgt wird. Hier wohnte sie unter dem Namen Gräfin von der Schulenburg zwei Wochen in einem Hotel ersten Rang s am Hauptbahnhof, dann zog sie nach Wiesbaden. In mehreren Frankfurter Geschäften hatte sie sich Modewaren erschwindelt; in einem Hutgeschäft bestellte sie mehrere Hüte unter dem Namen Frau von Soden. In Berlin hat si den Sohn hochachtbarer Eltern vollständig für sich eingenommen und ihn nach dem Auslande verschleppt. Ste soll bedeutende Geldsummen von ihm erhalten haben. Bei ihrer Vernehmung leugnete sie anfangs hartnäckig, dann gestand sie ein, die gesuchte Quidde zu sein. Ste ist wegen Ruppelet und Kontrollübertretung mehrfach bestraft. * Nied, 11. Juli. Ueber den rätselhaften Leichenfund wird berichtet, daß die Obduktion der Liche der Frau Emilie Salzbrenner ergeben hat, daß keinerlei Anzeigen für einen gewaltsamen Tod vorliegen. Die Frau fi an Herzarterienbei faltung geftorben. Der verhaftete Tag. löhner Wittich wurde infolgedessen wieder aus der Haft entlossn. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtl che Witterung in Hessen für Freitag. der 13 Juli. Wolkig, teilweise aufheiternd, leichter Reger, fühl bis aber ds. Näheres durch die Gießener Wetterfarte. Verantwortlich: für die Politik und den Insera e net Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beib in Gieken Unverdaulichkeit, die Geißel der Penschheit, durch die die meisten anderen Krankheiten entstehen, wird durch Anwendung von Ferromanganin in furzer Zeit beseitigt und der normale Gefundheitszustand wieder bergestellt. Es gibt kaum eine Familie, in der Ferromanganin nicht ein hochgeschätztes Hausmittel ist. Preis Mf. 250 die Flasche, in Apotheken zu haben. Ferromanganin enthält: Eisen 0,5, Mangan 0,1, Zucker 18, Alkohol und Kognat 15, Reft destil. Wasser und aromat. Bestandteile. 5. Abonnements- Konzert ausgeführt von der Kapelle des Inf- Regiments Kaiser Wilhelm ( 2. Grossh. Hess.) Nr. 116 unter Leitung des Grossh. Musikdirektors Herrn C. KRAUSSE am Donnerstag, den 12. Jull im Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend mit Mittwoch, den 6. Juni Arbeitsvergebung. Für den Um- und Erweiterung bau der Frauent init zu Gießen, werden folgende Rohbauarbeiten und Lieferungen unter Zugrundelegung des Ministerialerlaffes vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben. im Impflokale- Schulgebäude, Neustadt 61- für die nächsten 5-6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5 bis 6 Uh, abgehalten werden. Impfpflichtig im laufenden Kalenderjahr sind Los I. die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche im fpflichtige Kinder haben, zur Benugung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, dah alle in denselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlich find. Wer die Termine nicht benußen will, muz die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlusse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine bierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gefegt wird. Neuen Sealbau, Giessen elligen laſſen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine ( Steins Garten.) Anfang präzis 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg Bekanntmachung. Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müſſen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschan nochmals er= Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen KränkWegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird scheinen. die Bahnhofürage von der Alicestraße bis zur Liebig- lichkeit beansprucht wird, fönnen gleichfalls dem Impfarzte in den straße von heute an bis auf weiteres für den Fuhr- öffentlichen Terminen torgestellt werden. verkehr gesperrt. Gießen, den 11. Juli 1906. Großherzogliches Bolizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Mänsburg von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 7. Juli 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Wolkengasse von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 7. Juli 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Vergebung von Bauarbeiten Die für die Herstellung des Schulhofes zu dem neuen Schulhause in Wiesed erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege öffentlichen Angebots vergeben werden. Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten Zimmer Nr 18 während den Dienststunden zur Einsicht der Interessenten offen. Angebote mit entsprechender Aufschrift versehen, sind verschlossen und portofrei bis spätestens Samstag, den 21. Juli if. Js., nachmittags 5 hr auf Großh. Bürgermeisterei Wiese einzureichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt. Die Arbeiten sind wie folgt veranschlagt: Erd- und Maurerarbeiten zu 881,29 Mf. Zimmerarbeiten " Schlosserarbeiten 322,00 $ 228,00 " " Weißbinderarbeiten " Pflasterarbeiten 123,30 1360,00 " " " Planierarbeiten 300,00 " " Gießen, den 10. Juli 1906. Der Großh. Kreisbaninspektor des Kreises Gießen. Diehm, Großh. Baurat. Arbeitsvergebung. Die Herstellung der Zement- und Terrazzoarbeiten im Neubau der israelitischen Leichenhalle soll Samstag, den 21. Juli d. Js., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum ge= nannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 10. Juli 1906. Städtisches Hochbauamt. Gerbel. Warnung!- Frau Nachbarin, nehmen Sie doch nur das echte ,, Palmin" von 5. Schlinck& Ce, Mannheim. Es ist die unerreicht beste Pilanzenbutter zum kochen, braten und backen. Tie Jmpflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpjinstitut geimpft. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 31. Mai 1906 Großh. Bürgermeisterei Gießen J. V.: Curschmann. 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Bor so vornehmen Zuhörern," antwortete habenen Monarchen den lebhaftesten Eindruck auf mich macht, fann ich es unmöglich wagen, mich auf mein Gedächtnis zu Aber wollen Eure Majestät," fuhr Stillingfleeth fort, mir Der König war der Prediger, und verlassen." Nr. 158 Donnerstag, den 12. Jult sche Fami 1906