Π Nr. 185 bation u.Haupterbedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 362. Donnerstag, den 9. August 1906 Gießener 15. Jahrgang 3 Gratisbeklagen: Oberhoffische Familienzeitung( ga) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheiten Hilf dir felbst! Der deutsche Bauer, der trotz des wachsenden Ueber gewichts der städtischen Bevölkerung noch immer das Marl bes Landes ist und den Städten selbst fortgesetzt einen Kräftezuschuß leistet, hat seit einem Menschenalter wirtschaftlich erstaunliche Fortschritte gemacht. Aus fich heraus hat er das getan, fluger Anleitung mit langsamer Beharrlichkeit folgend. Man hat ihm den Wahrspruch gepredigt:„ Hilf dir selbst, so wird Gott dir helfen, und nach diesem Wahrspruch hat er gehandelt. Die Erneuerung und Modernisierung der genossens schaftlichen Organisation ist es gewesen, die unserer Landwirtschaft neuen Aufschwung gebracht hat. Es war harte Arbeit, bie mit Pietät, aber auch mit einem gewissen Eigenfinn am Alten und Hergebrachten haftenden Bauern zu dem Versuch zu bringen, daß fie, die hartnäckigsten und in gewissem Sinne stolzesten Vertreter des Individualismus, dem sie anhingen, ohne den Namen zu fennen, zur Gemeinschaft sich zusammenschlossen und dadurch auf einen Teil ihrer Selbständigkeit verzichteten. Die Arbeit war um so härter, als es bei den Versuchen nicht gerade selten zu empfindlichen Nackenschlägen tam. Diese waren unausbleiblich, weil es den landwirtschaftlichen Organisationen anfänglich oft an taufmännisch hinreichend geschulten Kräften gerade für die leitenden Stellen fehlte. Doch der Bauer erwies sich als hartnäckig auch auf der neuen Bahn, die einzuschlagen er sich nicht leicht entschlossen hatte, und daß er helle" ist, daß er den Wettkampf mit der Klugheit des gewerbsmäßigen Handels aufzunehmen bermag, hat er bewiesen. Im Jahre 1885 betrug die Zahl der deutschen ländlichen Genossenschaften 1200, im vorigen Jahr war fie auf 19 323 mit etwa 1700 000 Mitgliedern gestiegen. Darunter waren 13 181 Spar- und Darlehnskassen, 1867 Bezugs- und Absaßgenossenschaften, 2832 Molkerei- und 1443 sonstige Genossenschaften. Die meisten dieser Genossenschaften haben fich innerhalb bestimmter Grenzen zu Verbänden zusammengetan, die Verbände wiederum haben sich im Reich organisiert. Die Spar- und Darlehnskassen sollen in ihrer Gemeinschaft der Bankier der ländlichen Bevölkerung sein, dem kleinen Landwirt und dem Landarbeiter bequeme Gelegenheit zur zinsbringenden Anlage müßigen Geldes geben und damit auf den Sparfinn der Bevölkerung anregend wirken. Sie sollen ferner dem Landwirt billigen Personalfredit gewähren und damit die manchmal bedenklichen Vorschüsse der Getreideund Viehhändler entbehrlich machen, zugleich den Wucher des ländlichen Privatgelddarleihers bekämpfen. Diese Aufgabe haben die ländlichen Spar- und Darlehnskassen in ausgezeichneter Weise erfüllt. Eine weitere und sehr wesentliche Aufgabe besteht darin, daß sie die Zinszahlung an die Hypothekenbank und die Zahlung der Versicherungsprämien für den Bauer vorschußweise übernimmt. Weiß der Bauer, daß auf Grund seines persönlichen Kredits seine Genossenschaft die Prämien für Feuer-, Hagel-, Haftpflicht und selbst für Lebensversicherung pünktlich, eventuell vorschußweise, entrichtet, so ist er der Furcht überhoben, die Versicherung möchte im Schadensfalle mangels rechtzeitiger Prämienleistung unwirksam sein. Das macht ihn zu seinem Vorteil dem Verficherungswesen überhaupt zugänglicher. Die Bezugs- und Absatzgenossenschaften besorgen den gemeinschaftlichen Einkauf des Bedarfs eines Landwirts an Kunstdünger, Kraftfutter, Saatgut, Kohlen, Delen, Maschinen, Geräten und dergl. mehr. Dadurch wird dem Landwirt der billigere Preis gesichert, auch Reinheit und Güte der bezogenen Ware gewährleistet. Die angekauften Waren werden in einer landwirtschaftlichen Versuchsstation geprüft. Zeigt sich ein Mindergehalt gegenüber dem bedungenen Gehalt, so wird dos betreffende Handelshaus zur Erstattung des Wert unterschiedes angehalten und der Betrag wird zu einem Preisnachlaß an die Mitglieder der Genossenschaft verwendet. Es muß übrigens betont werden, daß die Handelshäuser sich bisher als hervorragend zuverlässig und reell bewährt haben. Bei einem Gesamtumsag von 133,4 Millionen Mark im Jahr 1903 beliefen sich die von den Händlern auf Grund der Untersuchungen gezahlten Entschädigungen auf 134 673 Mark, d. i. etwa 1 pro Mille. Immerhin wäre der Betrag von 134 673 Mark ohne die in Rede stehende Organisation der deutschen Landwirtschaft verloren gegangen. Die Organisation des Absages hat aus begreiflichen Gründen den gleich guten Erfolg bisher nicht gehabt, und es ist fraglich, ob sie ihn je erlangen wird. Denn hier beginnt die eigentliche Domäne des Handels, die sich vielleicht überhaupt nicht in bemerkenswertem Maße wird einengen lassen. Deswegen sind die Organisationen doch nicht unnüz. Ihr bloßes Vorhandensein hindert einen ungebührlichen Preisdruck, dem der Einzelne unter Umständen selbst ausgesezt wäre. Auf Spezialabsazgebieten, wie Saat-, Tabat, Hopfen- und Viehverkaufsgenossenschaften, find größere Erfolge wohl noch zu erwarten. Unter den landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften find die Molkereigenossenschaften die wichtigsten. Sie bereiten die Milch gemeinsam und setzen die Milch und die Milchprodukte gemeinsam ab. Ihre Erfolge find ausgezeichnet. Im Jahr 1903 haben sie für mehr als 145 Millionen Mark Milchprodukte verkauft. Daß die schwächeren Elemente der Landwirtschaft solche mächtigen und erfolgreichen Organisationen im wesentlichen durch Selbsthilfe geschaffen haben, ist eine stolze Leistung. Und man ist noch keineswegs am Ende der Leistungsfähigkeit angelangt. Der Wittelstand in den Städten, der es in manchem Betracht leichter hat, zu einer Organisation zu gelangen, dürfte davon lernen. Denn die nötige Tüchtigkeit besitzt auch er. Die ruffifche Frage ist noch immer ungelöst. Es scheint, daß die Regierenden am Ende ihrer Kenntnisse angelangt sind und in dem Wirrwar weder aus noch ein wissen. Aber auch die Revolution ist müde und es verlohnt sich faum, noch gegen sie zu kämpfen. Trozdem ist es kein Vergnügen, augenblicklich in Rußland Regierender zu sein, und die Stille, die scheinbar eingetreten ist, deutet nicht auf Beruhigung des Landes. Der Zar regierungsmüde? Die schon oft aufgetauchte Nachricht, daß der Zar die Krone niederzulegen gewillt sei, wird angesichts der schwierigen Lage Rußlands wiederum verbreitet. Angeblich habe Stolypin im Ministerrat gegen diktatorische Maßnahmen gesprochen und zu mehr Entgegenkommen für die Wünsche des Volkes geraten, worauf der Zur bestimmt erklärt habe, daß er lieber die Krone niederlegen werde, als den Revolutionären entgegenkommen. Falls nicht bald Ruhe eintrete, werde an seiner Stelle Großfärst Wladimir Nikolajewitsch die Regentschaft übernehmen. Man wollte sogar wissen, daß Großfürst Wladimir bereits nach Petersburg berufen sei, indessen weiß man in Paris wo sich der Großfürst aufhält, nichts davon und somit dürfte der Sensationsmeldung wenig Glauben beizumessen sein. Daß der Zar die Krone unter solchen Verhältnissen als eine Last empendet, ist bekannt und erklärlich. Es scheint indessen daß die Absicht des Baren, abzudanken, wenn sie wirklich besteht, mehe den Köpfen der Tschinowniks entspringt, als seinen eigenen. Auf energische Maßnahmen der Regierung gegen die Revolution deutet die bevorstehende Ernennung des Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch zum Obertommandierenden de Garde und des gesamten Heeres an Stelle der bisherigen Oberkommandierenden der einzelnen Militärbezirke. Die neue Charge soll nicht den Charakter einer Militärdiktatur erhalten, da das Kriegsministerium seine administrativen Funktionen beibehält; fie dürfte aber in der Tat einer Diftatur gleichfommen. Inzwischen ist Stolypin weiter bemüht, seine Reformpläne zur Geltung zu bringen. Stolypins Programm Ichließt sich betreffs der Agrarfrage eng an die Projekte Goremyfins an, indem es die Zwangsenteignung ablehnt. In Bezug auf die Reform der Gerichte und der Judengeseze will Stolypin zu den Gesetzen Alexanders II. zurückkehren und ohne jede Zustimmung alle Geseze wieder abschaffen, welche seitdem in Kraft getreten waren. Der Gezenschlag der Revolution ist jedenfalls vorläufig mißglückt. Das Kabinett dürfte noch in dieser Woche zusammengesetzt sein. Es verlautet, daß die Ernennung Lwows zum Kabinettschef am Sonnabend bekanntgegeben werden wird. Auch die Ernennungen des Grafen Heyden zum Minister des Aeußeren und Stachowitschs zum Finanzminister sollen bevorstehen. Man darf nunmehr gespannt darauf sein, was das neue Ministerium leisten wird. Der mißlungene Generalstreik. Das russische Handelsministerium bezeichnet den letzten Ausstand als vollständig verfehlt. Außer in Petersburg und Moskau wurde in feinem Industriebezirk ein größerer Ausstand der Fabrikarbeiter beobachtet. In Petersburg waren nach den Berichten der Fabrifinspektion höchstens ein Drittel sämtlicher Fabritarbeiter ausständig. Die größte Zahl der feiernden Arbeiter fiel auf den zweiten AusstandsDie tag, alsdann zeigte sich eine wesentliche Abnahme. Fabrikinspektion erwartet, daß die Mehrzahl der Fabriken noch in dieser Woche die Arbeit in vollem Umfang wieder aufnehren wird. In Moskau sind alle Versuche der Agitatoren, die Arbeiter von der Arbeit abzuhalten, vollformen bereitelt worden. Die Agitatoren wurden verhaftet und e Versuche, Demonstrationen, Meetings und Prozessionen u organisieren, wurden sofort unmöglich gemacht, indem Gendarmen die Volksmengen auseinandertrieben. Gestern war die Zahl der Ausständigen merklich geringer. Von der im ganzen 200 000 Mann zählenden Arbeiterschaft Moskaus feiern nur rund 20 000, darunter 10 000 Buchdruder. Infolgedessen haben die Petersburger Leiter des Ausstandes die Einstellung des Generalstreits befahlossen. Ran will erst einen günstigeren Augenblick ab= warten. Auch die Moskauer Börse mißt den Streifversuchen feinerlei Bedeutung bei; die russische Staatsrente stieg um 1/2 Prozent, die lagte Anleihe um 1/4 Prozent. Ferner liegen folgende Meldungen vor: Riga, 7. Auguft. Auf einem hier liegenden Schulschiffe sind 66 Mann verhaftet worden. Peterhof, 8. August. Die hiesige Garnison ist durch ze Garderegimenter verstärkt; ste zählt jezt 40 000 Mann. Sveaborg, 7. August. Die angeklagten Meuterer find in zwei Gruppen geteilt: in Finländer und Russen. Erstere werden nach finnischem Recht abgeurteilt werden und Gefängnisstrafe erhalten; letztere werden nach russischem Gesez zum Tode verurteilt merden. Kiew, 7. Auguft. Jm Dorfe Granowa prügelten die Bauern ben früheren Dumaabgeordneten Stephaniut, weil dieser ihnen feine genügende Erklärung für die Auflösung der Reichsduma zu geben vermochte. Petersburg, 8. Auguft. Die im Prozeß Schmidt zu 15 Jahren 8wangsarbeit verurteilten Odessaer Studenten Pjatin und Noiszejew sind auf dem Transport nach Sibirien aus dem Eisenbahncoupee gesprungen und glücklich entkommen. Sebastopol, 8. August. Infolge des Diebstahls der Untersuchungsakten wird der Prozeß gegen die zweite Gruppe der wegen der Militärrevolte im bergangenen Herbst Angeklagten eine Ver zögerung von 6 Monaten erleiden. Berlin, 8. August. Die russische Regierung hat das Verbot der Einfuhr von Waffen auf die ganze preußisch- russische Grenze ausgedehnt. Kattowitz, 8. Auguft. In den dichtgefüllten Warteraum des Bahnhofes in Sosnowice wurde eine Bombe geworfen. Der Raufmann Goldblum wurde getötet, viele Personen mehr oder weniger schwer verlegt. Der Täter ist unbekannt. Politische Rundschau. Deutsches Reich. * Ein niedliches Märchen über die Reden des Kaisers macht gegenwärtig die Runde in eingeweihten" Kreisen. Danach habe der Kaiser gelegentlich eines intimen Bierabends geäußert ,, ihm habe schon manchmal das Bewußtsein schlaflose nächtliche Stunden bereitet, in einer während des Tages gehaltenen Rede nicht das Maß des Inhalts und des Ausdrucks gewahrt zu haben, das er sich zuvor gesetzt hatte. * Für die Reichstagserfahwahl im Kreise DöbelnNoßwein ist eine Einigung der bürgerlichen Parteien zu Stande gekommen. Die Vertreter der Konservativen, Deutschfreifinnigen, Nationalliberalen, der Reformpartei, sowie des Bundes der Landwirte, haben den einstimmigen Beschluß gefaßt, Herrn Prof. Dr. Ernst Hasse in Leipzig zu ihrem gemeinsamen Kandidaten zu ernennen. Prof. Hasse hat die Kandidatur angenommen. * Eine Absage an die Liberalen enthält die Wahlparole der Elsässer für die bevorstehenden Wahlen. Die klerikale Partei des Elsaß erklärt danach, daß sie unter Hinweis auf die liberale Blockpolitik in Zukunft den reichsländischen Liberalen nicht mehr gegen die Sozialdemokraten helfen werde. Oefter: eich- Ungarn. ** Wie verlautet, beabsichtigt die ungarische Regierung die Einführung eines neuen Wahlrechts, das weder allgemein, noch geheim ist. Sie glaubt hierfür eine sichere Mehrheit im Reichstage zu besitzen. Selbstverständlich würde die ungarische Regierung durch ein solches beschränktes Wahlrecht die Vers pflichtungen verletzen, die sie im Friedensschlusse mit der Krone übernommen hat. frankreich. ** An die Geistlichkeit wenden sich drei Instruktionsnoten des Papstes. Eine davon, die der Kardinal Richard erhielt, enthält den allgemeinen Protest gegen die Verlegung des Konkordats, eine zweite an die Bischöfe, die Bedingungen, unter denen die Ortspfarrer sich der Bildung sogenannter kanonischer, d. h. unter bischöflicher Kontrolle stehender Kultusgemeinschaften midmen fönnen, und eine dritte, streng vers trauliche Instruktionen an die Kardinale. Balkanftaaten. ** Es laufen Gerüchte um, daß Bestechungen bei den Lieferungen von Geschüßen für Serbien vorgekommen feten. Von der französischen Firma Creuzot sollen eine Anzahl Politiker, darunter Pofic, Provifionen im Betrage von mehr als einer Million Franks erhalten haben. Amerika. ** Der panamerikanische Kongreß sprach fich dafür aus, daß die panamerikanischen Delegierten im Haag beauftragt werden, jedes Uebereinkommen, betreffend ein internationales Schiedsgericht, zu unterstützen. Staatssekretär Root hob_tn einer Rede hervor, daß in der nächsten Zukunft Brafilien und die Vereinigten Staaten die einzige ewige Garantie der Integrität Ameritas bieten werden. ** Von einem japanisch- amerikanischen Zwischenfall wird von den Aleuten berichtet. Bei einer der dort üblichen Streitigkeiten zwischen den Fischern, wurden fünf Japaner durch Amerikaner getötet. Später traf der amerikanische Zollfutter Mc. Culloch" ein und nahm eine Anzahl Japaner wegen widerrechtlicher Fischerei fest. Das Staatsdepartement wird dem japanischen Botschafter von diesem Bericht Kenntnis geben und sein Bedauern über die summarische Behandlung Ber Uebertreter aussprechen. Deer und flotte. Ein neues Motortorpedoboot für die englische Marine Hat in Cowes seine Probefahrt bestanden. Das Boot führt zwei Torpedos, wiegt acht Tons, ist 20 Meter lang, drei Meter breit, besigt eine Maschine von 600 Pferdekräften, hat einen Aktionsradius von 600 Seemeilen, geht flach und ist für die Flußverteidigung geeignet. Das Boot ist so gebaut, daß es auf der Eisenbahn befördert werden kann. gum ffen, und als Bieschen errötend schwieg, fragte er, ob fie noch fret fet. Mosenberger distret. Lieschen niďte. Bieschen schwieg noch immer. Serr Hänlein Saboift" 1 ft er Solbat P fragte Wie heißt er denn P" Er Herr Radebeil, warum soll ich leugnen. weiß alles! Höfchen hat ihm im Geheimen gebeichtet," dachte Eine helße Blutwelle schoß Schönlein zu Kopf. Ohne langes Befinnen bekannte er freimütig: Jawohl, Ich komme wegen er. Revision. Aus dem Russischen von Stegbert Salter. Die ( Nachbruc perfeten.) Ladentisch hinstellt. Mit nüshter gerissenen Augen die Flas Mischka enitortt mi enen Baden und weit autr e er geräuschvoll auf ben Hus den Parlamenten. Schluß des badischen Landtags. Im Auftrage des Großherzogs wurde der Badische Landtag durch eine Ansprache des Staatsministers Freiherrn von Dusch geschlossen. In der Abschiedsrede wurde auf die befriedigende Gestaltung der Verhältnisse zwischen Reich und Einzelstaaten hingewiesen. Eine neue Partei in Amerika. ( Sonder- Bericht.) Wm. Newyork, 1. Auguft. Zwei große Parteien stehen bei uns einander gegenüber: die Demokraten und die Republikaner. Die Parteibezeichnungen drücken nicht das aus, was man in Deutschland darunter verstehen würde. Die demokratische Partei entspricht ungefähr der konservativen in Deutschland. Natürlich mit gewissen Unterschieden. Seit beinahe einem halben Jahrhundert, mit nur einer ganz kurzen Unterbrechung, sind in den Vereinigten Staaten die Republikaner an der Regierung. Die Demokraten haben es nicht verstanden, sich populär zu machen oder die ihnen einmal zugefallene Popularität zu erhalten. Auch haben sie das Mißgeschick gehabt, sich mit den Freunden der Silberwährung zu identifizieren, und das ist ihnen übel bekommen. Die Entwicklung der politischen Parteiverhältnisse in den Vereinigten Staaten hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der Entwicklung der Parteien in England. Auch in England hat es seit dem Bestehen der Magna Charta nur zwei Parteien gegeben: die Whigs und die Torries, die einander in der Regierung ablösten. Da beide Parteien den höchsten Wert darauf legten und legen mußten, regierungs fähig zu sein, so wurden sie mit der Zeit einander sehr ähnlich, so daß es schließlich eine Mittelschicht gab, die der einen Partei ebenso gut angehören fonnte, wie der andern, und ihre Wahl in der Hauptsache nach Familientraditionen traf. Aber ungefähr gleichzeitig hat sich in England, wie in den Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Partei aufgetan, eine Arbeiterpartei. Bei den jüngsten Wahlen zum englischen Unterhaus sind Abgeordnete in nicht unbeträchtlicher Zahl gewählt worden, die zwar mit den Liberalen zu sammengingen, aber gleichwohl sich ausdrücklich Arbeiterbertreter nannten. Dank der ungewöhnlichen Größe des Sieges, den die englischen Whigs bei den vorigen Wahlen davongetragen haben, befizen sie im Unterhaus, auch ohne die Arbeitervertreter, eine sichere und geschlossene Mehrheit. Doch dieses Zahlenverhältnis fann sich über kurz oder lang ändern. Man darf übrigens Arbeitervertretung nicht für identisch mit Sozialdemokratie halten; das ist weder in England noch in Amerika der Fall. In England hat die Sozialdemokratie unter den Arbeitern nie Boden zu gewinnen verstanden, und in den Vereinigten Staaten refrutiert sich ihre Anhängerschaft zum größten Teil aus Zuzüglingen. Die amerifanifche Arbeiterpartei hat sich bis vor kurzem selbst als unpolitische Partei betrachtet und ausgegeben. Ihre Organisationen beschäftigten sich ausschließlich mit Arbeiters fragen und lehnten sogar die Erörterung jeder politischen Frage ab. Vor wenigen Jahren erst fügte es ein Zufall, daß in Kalifornien ein Streit der Eisenbahnleute zu einer Teilnahme der Arbeiter an den Kommunalwahlen führte und im ersten Anlauf einen der ihrigen zum Bürgermeister machte. Der Versuch wurde an mehreren Stellen erneuert, fast überall mit dem gleichen überraschenden Ergebnis. Nun fam der Appetit beim Essen. Die Führer der Arbeiter= partei gaben ohne alles Zögern ihren unpolitischen Charakter auf. Anlaß oder Vorwand für sie bot sich darin, daß gewisse Sozialgeseze der Union z. B. der Marimalarbeitstag in der Praxis nicht innegehalten wurden. Präsident Roosevelt hat sofort verfügt, daß die Sozialgeseze aufs genaueste bes obachtet werden sollten. Darin spricht sich sicherlich zunächst der gesetzliche Sinn des räsidenten aus, zugleich aber doch wohl eine gewisse Besorgnis davor, daß die Arbeiterpartei ein allzu starker politischer Faftor werden möchte. Noch einmal: die sozialdemokratische Partei ist mit der Arbeiterpartei in den Vereinigten Staaten durchaus nicht identisch. Im Gegenteil. Die Sozialdemokraten behaupten, daß die Arbeiter in ihnen schon eine politische Vertretung hätten, und daß eine zweite Vertretung nur eine Störung bedeute. Einstweilen wollen die Mitglieder der Arbeiterparte das noch nicht einsehen und aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie sich gegen diese Einsicht auf die Dauer ablehnend verhalten Doch auf die Gesetzgebung der Vereinigten Staaten werden die Arbeiter Einfluß zu gewinnen suchen, und wahrscheinlich wird ihnen das in höherem Maße gelingen, als den Republi lanern und den Demokraten lieb sein mag. Ruffifche frauen. ( Sonder- Bericht). Petersburg, 7. August. In der Revolutionsbewegung, die seit Jahren Rußland in Atem hält, spielt die Frau eine nicht unbedeutende Rolle, allerdings weniger die Frau der Gesellschaft, als die Studentin und teilweise die Frau aus dem Bürgerſtande. Man muß hier drei Klassen von Frauen unterscheiden, die in der Lebensführung sich ganz bedeutend von einander unterscheiden: Adel, Bürgerstand und Bauerschaft. Die Töchter des Adels werden von ausländischen Gouvernanten erzogen und reisen bis zum elften Lebensjahre mit ihren Eltern von einer Großstadt zur anderen und von Seebad zu Seebad. Dann treten fie in eines der Institute für adlige Töchter ein und bleiben daselbst bis zum Alter von 18 Jahren. In diesen aristokratischen Instituten ist das Leben ebenso streng wie in einem Kloster. Wenn das junge Mädchen endlich wieder heraus darf, sehnt es sich nach Freiheit und nach Unabhängigkeit. Seine erste Emanzipationstat ist, Zigaretten zu rauchen und französische Romane zu lesen. Dann wird es von seiner Familie bei Hof vorgesteйt, und man bemüht fich, für die vollendete junge Dame entweder eine Stelle als Hofdame zu erlangen oder sie zu verheiraten. In dieser Gesellschaftsklasse verheiratet man sich gewöhnlich mit 18, spätestens mit 23 Jahren. Mit 25 Jahren wird es schon schwerer. Nach ihrer Verheiratung hat die junge Russin das Bestreben, fich gründlich zu vernachlässigen. Wozu soll ich mich schön machen? Ist doch nur mein Mann da, der mich bewundern tönnte!" und sie verwendet keine Sorgfalt mehr ihre Toilette und auf sich selbst. Sie ist dazu gewöhnl. noch eine schlechte Hausfrau, und darin liegt zum Teil die Ursache so vieler Unglücksehen" in den hohen Kreisen. Die Töchter des reichen Bürgerstandes werden in den Regierungsschulen erzogen und heiraten, wenn sie eine gute Mitgift haben, leicht in den Adel hinein. Was die Töchter der vermögenslosen Beamten und Militärs betrifft, so rekrutiert fich aus ihnen die Elite der Studentinnen und der Revolutionärinnen. Sie verheiraten sich schwer, und die Gehälter der Frauen, die im Post- oder im Eisenbahnfach tätig sind, find so schlecht( sie betragen höchstens 50 Mark für den Wionat), daß sich kein gebildetes Mädchen um eine solche Stellung bewirbt. Da diese Mädchenklasse also von einem normalen und friedlichen Leben nicht viel zu erwarten hat, führt sie ein Leben, in welchem nur der Zufall regiert. Einige dieser Mädchen haben ein unbestimmtes Jdeal von fünftigem Glück für ihr Vaterland. Die Frauenemanzipation hat bis jetzt in Rußland auf dem Gebiete der Literatur und der Kunst noch feine geistig hervorragende weibliche Persönlichkeit hervortreten lassen. Zu erwähnen wären höchstens Hermione von Poltoralsty, Nadedja Jafowler und die Fürstin Meschtschersky, die alle französisch schreiben. In der Politik haben sich etliche junge Frauen durch ihre fortschrittlichen Ideen und durch ihren Mut hervorgetan. Die russische Studentin ist, alles in auem, noch der sympathischste weibliche Typus ihres Landes. Man bewundert die Selbstverleugnung, mit der diese jungen Besen fich für die Freiheitsidee einsetzen und kann ihnen die Sympathie selbst da nicht versagen, wo sie sich auf gefährliche oder jalsche Bahnen begeben. S. M. Nab und Fern. + 3ng- Entgleisung. In Bahnhof Blankenburg bei Berlin fuhr ein Güterzug auf einen andern dort haltenden auf. Der Zugführer und der Lokomotivführer des ersten Zuges wurden leicht verletzt. Der Zusammenstoß ereignete sich, weil der auffahrende Zug das auf Halt stehende Einfahrtsignal nicht beobachtet hatte. † In einer Regentonne ertrunken. In einem Laubengrundstück bei Charlottenburg war ein vierjähriges Mädchen beim Spielen in eine gefüllte Regentonne gefallen und konnte nur als Leiche aus der Tonne herausgezogen werden. † Der Maurermeister als Brandstifter. In Lözzen wurde der Maurer- und Zimmermeister Teichmann, ein vermögender und angesehener Mann, plötzlich verhaftet. Er wird der vorsäzlichen Brandstiftung in zahlreichen Fällen beschuldigt. So soll er mehrere fleinere und größere, in den letzten Jahren in Lözzen entstandene Brände angelegt, u. a. den Rathausbrand, den Brand des Volksschulgebäudes, einen Scheunenund Schuppenbrand, sowie zwei weitere Brände. Bei Ausübung seiner letzten Tat ist er ertappt worden. + Eine Tragödie in der Tragödie. Während der Aufführung des Hauptmann'schen Schauspiels" Fuhrmann Hentschel" im Stadttheater zu Winterberg in Böhmen ertönte, als eben die letzte Szene des dritten Aftes gespielt wurde, plötzlich ein scharfer Schuß. Der 21jährige Steueramtspraktikant Hans Holzweber, der sich im Zuschauerraum befand, hatte sich eine Revolverkugel in den Kopf geschossen. Es entstand eine Panik und ein Teil des Publikums flüchtete. Das Motiv zu der verzweifelten Tat soll Liebeskummer ge= wesen sein. † Bei der„ Sirio- Katastrophe find 328 Personen verloren gegangen, die man wohl als tot anzusehen hat. Darunter befinden sich 14 Matrosen. Es scheint also nicht wahr zu sein, daß die gesamte Besaßung gerettet wurde. Die Nachricht, daß der Bischof von Sao Paulo in Brasilien sich unter den Ertrunkenen befindet, wird jetzt amtlich dementiert. Bei der Katastrophe ist auch deutsche Post, nämlich 19 Briefsäcke mit 448 Einschreibsendungen mit verloren gegangen. Es ist bis jetzt noch nicht festgestellt, wo die Postsäcke verblieben sind. Den Kapitänen der beiden Schiffe Joven Miguel und Vincente Lacomba, die in so heldenhafter Weise die Mehrzahl der Schiffbrüchigen des„ Sirio“ gerettet haben, ist vom König von Spanien der Orden für Verdienste zur See verliehen worden. In Cartagena wurde bei einem Stiergefecht für die Opfer der Katastrophe gesammelt, der Torreador Bienvinida verzichtete zu ihren Gunsten auf sein Honorar von 2400 Mark. † Große Hitze in Amerika. Eine verheerende Hitze lagert über Newyork. Zu Hunderten werden die Higschläge ge= meldet. Die Bevölkerung leidet schwer. Das Bieh, namentlich die Pferde, fallen auf den Straßen um. Die Feuerwehr bespritzt alle Pferde und Hunde, auf die sie trifft. Tausende verbringen die Nächte auf den Straßen, da der Aufenthalt in den Häusern unerträglich ist. Die Menschen gehen in leichtester Kleidung, alle Etikette hat aufgehört. Die Kinder dürfen überall in den Springbrunnen baden. Die Schulen geben abends auf den Dächern Unterricht. Es herrscht Milchnot, da die Behörden 150 000 Quart durch die Hize verdorbene Milch hat vernichten lassen. Die Eisfabriken haben die Notlage benutzt, um durch Bildung eines Ringes die Preise für Eis in die Höhe zu treiben. Bunte Cages- Chronik. Emmerich a. h., 8. August. Aus Unvorsichtigkeit erschoß hier der Schreinermeister Kerst seine eigene Mutter. Langfuhr, 8. August. Beim Ausschachten eines Brunnens wurden drei Arbeiter durch herabfallende Erdmassen schwer verletzt. Auf dem Transport nach dem Stadtlazarett starben zwei von ihnen, während der dritte am Leben bleiben dürfte. Hamburg, 7. August. Auf der Reise nach Europa wurden einer Frau aus Rio de Janeiro auf dem Dampfer 9000 Mark bar und ein Depotschein über 15 000 gestohlen. Der Täter fonnte nicht ermittelt werden. Völlig mittellos mußte die Frau die Rückreise antreten. St. Louis, 7. August. Große Ueberschwemmungen sind in Süd- Texas vorgekommen. 25 Personen find ertrunken, hunderte sind obdachlos. Der Schaden an Grundeigentum wird auf 500 000 Dollars geschätzt. Köln, 8. Auguft. Die Ehefrau des Bergmanns Kostmann in Mörs wurde erdrosselt aufgefunden. Der Mann wurde unter dem Verdacht des Mordes verhaftet. Vermischtes. = Ein Wurst- Standal. In einer Wurstfabrik in der Stoinemünderstraße in Berlin sind fünf Faß ,, Pferdefleisch" beschlagnahmt worden. Der Fleischermeister, der laut Reklameprospekten ,, nur reines Rind- und Schweinefleisch" verarbeitet, läßt, wie Feststellungen ergeben haben, wöchentlich bei Ambos in Reinickendorf 25 Pferde schlachten, außerdem bezieht er in jeder Woche von dem Roßschlächter Fleischer in Bernau etwa 60 Zentner Pferdefleisch, sodaß dessen wöchentlicher Gesamtverbrauch an Pferdefleisch sicherlich 150 Zentner beträgt. 2sarum schimpfen wir so über Chikago, wenn wir in Berlin ähnliche Zustände haben. = Eine köstliche Stylprobe lieferte ein biederer Schwaben jüngling in einem Schulaufsatz über den roten Fingerhut". Darin heißt es wörtlich:" Der rote Fingerhut hält sich bei uns hauptsächlich ihm Schwarzwald auf. Auf der Alb ist der rote Fingerhut meistens Gelb. Wenn mann in ifft, so it er ser Giftig und muß sterben. Aber das Vieh ist nicht o dumm auf der Weide und schnubpert nuhr an im herun Aber der Dockter verschreibt einem manichmal ein Fingerhut, das das Herz still stehen soll, wenn es so arg tut. Und der Docter und der Abedeger machen aus dem Gift eine Arznei und man denkt dann an das Sprüchlein:„ Ein Türlein sei es noch so klein, Es kann dem Menschen nüßlich sein. = Ein naiver Selbstmörder. Um den Verdacht des Selbstmordes von sich abzuwenden, hat fürzlich ein alter Mann, der tot aus der Unstrut gezogen wurde, folgendes in sein Notizbuch geschrieben: Ich Heiße B. B., ersofen habe ich mich nicht, habe blos baden wollen." = = - " Der Groß Aufenthalt nach Fa Der Großhe Gymnafiums zu am Direttor de Birfung vom 1. Sep Shriftian Rott taffiftenten bei Der Groß Staatsminifter F Bräfidenten des M Beftätigt wu der Gemeinde ehrer Wilhel Der bettelnde Rentier. Ein vierstöckiger" Haus befizer aus Erfurt wurde beim Betteln abgefaßt. Der wobl habende Mann, der von seinen Kenten lebt, jedoch schmutzig geizig ist, ging, ziemlich anständig gefleidet, von Haus zu Haus und bettelte, bis ihm die Polizei das Handwerk legte. Der Vielweiberei angeklagt ist ein gewisser Antoine Laparre aus dem Arriège- Departement, der in Südfrankreich drei Gattinnen hat. Er heiratete die erste vor 24 Jahren in Saint- Giron, die zweite vor 14 Jahren in Oran und die dritte, die Tochter einer Magistratsperson in Bordeaux, vor zwei Jahren. Das Vermögen aller drei hat er in abenteuer. lichster Weise durchgebracht. Vor den Assissen in Fioix er scheint nur die zweite Frau, die als Zeugin vorgeladen ist, aber große Lust zeigt, die Rolle der Anklägerin zu übernehmen. = Der erste Gentleman Englands, König Eduard, hat der englischen Gesellschaft wieder eine neue Mode beschecct. Auf dem Rennen von Goodwood wurde beachtet, daß er einen weißen steifen Filzhut und weiße Lederhandschuhe trug, die, wie sein Hofschuhmacher erklärt, bisher nur vom König be stellt worden sind. Sie sind aus weißem Rehleder gefertigt, haben Zehenklappen aus braunem Juchtenleder und kosien, um auch das zu erwähnen, fünf Guineen( über 105 Mart) das Paar. Ueberhaupt hat der König das Tragen leichter Sommerkleidung für Herren auf den fashionablen Rennen von Goodwood durch sein eigenes Beispiel ermöglicht. Zum weißen Filzhute und den weißen Schuhen trug er einen be quem fizzenden hellen Jackettanzug, während sonst Zylinderhut und langer Gehrock in Goodwood unerläßlich waren. Was eine Herzogin im Handtäschchen hat. Di Herzogin von Braganza hat ihr Handtäschchen in Wien ver loren. Nach ihren Angaben enthielt dasselbe: ein dunkel grünes Portefeuille mit Papiergeld, ein Portemonnaie mi Kleingeld, ein filbernes, rundgebogenes Zigaretten- Etui, ein Kalenderbrieftasche, eine zweite kleine Brieftasche mit ver goldeten Beschlägen, enthaltend Visitenkarten mit dem Namen ber Herzogin, ein Notizbuch, ein kleines, violett ledernes Portefeuille mit der Inschrift:„ Letters"; eine kleine filberne Likörflasche( 1) ein Taschentuch mit Monogramm und Krone; in der inneren Seitentasche ein filbernes und ein vergoldetes Zündholzbüchschen, ein kleines, vergoldetes Taschenmesser, einen silbernen Bleistift, einen zusammenlegbaren Kamm, einen fieinen Spiegel und zwei Kofferschlüssel an rosa Band. Besonders flein scheint das Handtäschchen nicht zu sein. = - - - Die Sünden eines Minifters. Enthüllungen aus dem ungarischen Panama Der Minister unter Anklage. Erpressung und Raub. Ein gefährliche Reise. Unklare Erklärungen". Das Sünden register. Polony und sein schwarzes Kabinett. Belohnte Sünden. Budapest ist um eine Sensation reicher geworden: Gegen den Honvedminister v. Jekelfaluſsy ist bei der Staatsanwalt schaft Anzeige wegen Erpressung und Raubes erstattet worden. Daß gegen einen aktiven Minister in solcher Weise vorgegangen wird, dürfte jedenfalls nicht alle Tage vorkommen, fein Wunder also, daß das Ereignis und seine Vorgeschichte den allgemeinen Gesprächsstoff bildet. Herr v. Jekelfalussy hatte eines Tages einen seiner Güterbeamten, namens Kovacs, wegen angeblicher begangener Inforrektheiten entlassen. Während einer Urlaubsreise tur nachher, sah er diesen Kovacs, der ihm angeblich noch 180 Kronen schuldig war, in demselben Eisenbahnzuge. Rasch entschlossen, telegraphierte Jekelfaluſsy an das Gen darmeriekommando der nächsten Station, man möge Kovacs berhaften. Dies geschah, trotz seines Protestes wurde Kovacs eingesteckt und erst wieder auf Befehl des Ministers frei gelassen, nachdem er bei der Gendarmerie den Schuldbetrag erlegt hatte. - Begreiflicherweise war Kovacs mit dieser Behandlung nicht einverstanden. Er ließ die Regierung durch Vermittlung eines Anwalts im Parlament interpelliren, erreichte aber nichts. Vielmehr verschob der Minister seine Antwort auf den Herbst. Inzwischen hat Herr v. Jekelfaluſsy eine Er flärung veröffentlicht, in der er neuerdings nachweist, daß Kovacs ihn betrogen habe. Diese Erklärung zeigt, daß fich der Honvedminister über sein Verschulden oder seinen Verstoß gegen das Gesez gar nicht flar ist. Nicht darum, ob Kovacs betrogen hat oder nicht, handelt es sich, sondern darum, ob der Honvedminister befugt war, ihn ohne Intervention der kompetenten Behörden einsperren zu lassen. Daß dies ge schehen ist, gibt der Minister zu. Aber er findet darin nichts Inforrettes, sondern scheint dies für ganz natürlich zu halten. Der Ministerpräsident scheint allerdings anderer Ansicht zu sein, denn das Ergebnis ist vorläufig die Strafanzeige, der bald die Entlassung des Ministers folgen dürfte. ife Stelle. Ja ben R auffeberin am Barnier auf ihr 1906 unter Anerfe Staats. L Urlaub zurüdgeleb поштен. Bur verband der Bürge Die Zweite Hammer „ Die Großf 3ur Revifion der E Der unter bielen al werter Weife eine Wahl zc. des Bi Großherzoglichen Berband helfischer mit Genugtuang Regierung die gro Bürgermeifters zu Beftimmungen mi ober in abgeände der Landflände ur finden follte, im Der Regierung wird bei dieser Gelegenheit ein ziemlich langes Sündenregister vorgehalten und es scheint, daß die Zu stände in Ungarn einige Aehnlichkeit mit Panama" haben. So heißt es u. a., der Ackerbauminister Daranyi habe für die Beamten seines Ministeriums sowie die staatlichen Tierärzte von Amts wegen Massenabonnements auf das Hauptorgan der Agrarier, Az Orszag", unter dem Titel„ Kanzleispesen" bezahlen lassen, wodurch dieses Blatt eine Subvention von etwa 30 000 kronen bezieht. Justizminister Polonyi habe ein Attentat auf die Preßfreiheit begangen und ein schwarzes Kabinett" errichtet. Als nun die Budapester Advokatenkammer dagegen Protest erhob, habe Polonyi den Anwalt der Kammer, Dr. Marcell Baracs, dadurch mundtot gemacht, daß er ihn in die Kodifikationsabteilung des Justizministeriums berief, was mit einem Honorar von 4000 Stronen jährlich verbunden ist. Kossuth habe als Herausgeber der Reden seines Vaters diesen zensuriert und die Reden hoffähig zugestugt. Und doch sollen Polonyi, Kossuth und der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Justh am 18. August zu Geheimen Räten ernannt werden. Man weiß noch nicht, was an obigen Anklagen Wahrheit ist. Sollten sie sich bestätigen, so würde die Regierung faum um hin tönnen, eine gründliche Reinigung vorzunehmen. Bürgermeifter flat Nun werden berjogtums die Bi und zum Teil auc vielen Gemeinden Biblagitationen, fi bringt, die feiten und Aufreg leider bei vielen haben, und schon ber leider nur z leidigungs- und A Es dürfte deshal auch der Gemeind diefer Wahlkampf Der Entwurf Gro Beziehung bereits Bürgermeisters auf berband hessischer E boruidhlagen. dahin Bestimm Jofrafttreten de bfindlichen Bürg ihrer Wahlperio Der Landesv Breite Stammer und des Friedens des Berbands an Berwaltungsgefa Bum Fall at befanntlich entic idter Konfiftorium forell wegen feiner ommen. Auf n ich auch der bom haltende Deutsch aftigen. Die Trupp reita gemeldet, erden. Im Kreise Gemeinden Ap eim, Büdesheim, T Beinheim, Gau- Alg belheim, Sorrme falten. ** Das Hal ird im nächsten F ** Das L en Ueberichuß vo * Im Tech Serr Ingenieur echnische Gerr ammern und S erband. Es fin Bedeutung, fodaß au ewerbe befonders, dumen jollten. * Der 13. be ter Leitung de Birenftein, im Un Benin abgehalten. Die Franti Lagen ist die kraft. Im allgeme Berkehr noch ungen nur alle at man beobachtet, ten zugewandt ann in it, fo Bieb ist nicht o an im Gerum lein Fingerhut rg tut. Und Cokales. 9. Auguft. Gift eine Aufenthalt nach Jagdschloß Romrod begeben. * Der Großherzog hat sich gestern zu mehrtägigem Gin Zürlein Blich sein. Der Großherzog hat am 8. August den Direktor bs Gymnasiums zu Offenbach Dr. Wilhelm Hensel, entgehen. Bei der dritten und vierten Klasse läßt sich eine Uebersicht nicht so leicht gewinnen. Die Reisenden erster Klasse tann man selbst auf einem Riesenbahnhof wie dem Frankfurter zählen, die der dritten und vierten aber nicht einmal schäßen. ? Lich. Todessturz. Der Landwirt F. Steul in Muschenheim stürzte in die Tenne und zog sich so schwere Verlegungen zu, daß er alsbald verstarb. § Schotten, 8. Auguft. Der heute zu Ende gegangene Sommermarkt zeigte an allen Tagen ein recht lebhaftes Bild. Die Beschickung des Marktes mit Vieh war eine große. * Ulrichstein. Der Schloßturm ist soweit fertiggeen Verdacht 7 Direttor des Gymnasiums zu Gießen mit Versammlung von Fabrikanten beschlossen worden. Sie bestellt, daß seine Einweihung voraussichtlich am 2. September irzlich ein alt be, folgendes B., erjojen ba tödiger" Sm Birfung vom 1. September an und den Finanzaspiranten Christian Rottler aus Darmstadt zum Hauptsteueritsassistenten bei dem Hauptsteueramt Gießen ernannt. * Der Großherzog empfing zum Vortrag den Bräsidenten des Ministeriums des Innern Braun. * Eine Preiserhöhung für landwirtschaft. liche Maschinen ist auf einer in Berlin abgehaltenen trägt 5 vom Hundert, tritt sofort in Kraft und wird mit den erheblich geftiegenen Rohmaterialienpreisen und Arbeitslöhnen" begründet. faßt. Der mob Staatsminister Ewald, den Finanzminister nauth, den Obstverwertung war die Geschäftslage in der Woche in allen jedoch schmut t, von Haus Handwerk legte an * Bestätigt wurde am 4. ugust der auf die Behrerstelle der Gemeindeschule zu Larbenbach präsentierte * Obst. Nach den Mitteilungen der Zentralstelle für Obstarten gut. Die Preise betrugen: Himbeeren 30-46 f., Heidelbeeren 10-14 M., Stachelbeeren 11-13 M., Sauerkirschen 25 Mt., Mirabellen 22-26 M., Pfirsiche 30Pflaumen 10-15 M., Frühäpfel 15-20 Mt., Früh birnen 12-25 Mt., alles per Zentner. erfolgen tann. Weilburg. Man schreibt: Daß in der nassauischen Jubelstadt der regste Eifer bei den mannigfachen Vorbereitungen zu dem großen nnd seltenen Feste herrscht, wird jeder Teilnehmende gerne vernehmen, gilt es doch nicht blos das Auge der Schauluftigen zu sättigen, sondern durch ausgesuchte musikalische Darbietungen auch das Ohr zu ergötzen. Von diesen erwähnen wir gewisser Antoine Lehrer Wilhelm Schmidt zu Hartmannshain für 40 Mt., Aprikosen 30-40 Mt., Reineflauben 14-18 Mt., heute nur das große Halleluja" aus Händels Messias", in Südfrantreid diefie Stelle. or 24 Jahren i n Dran und bi ** Ja den Ruhestand wurde versezt die Gefangen iffeherin am Bcovinzialarresthaus Gießen Pauline welches der rühmlichst bekannte Gesangverein Paulus erfutieren wird, und die Komposition von Fromm, Heinrich der Vogler", vorgetragen mit Orchesterbechor. In dem historischen Festzuge werden vier Kapellen marschieren, darunter zwei aus Regimentsfreisen. " Bordeaux, baarnier auf ihr Nachsuchen mit Wirkung von 1. Oftober haus der Charlotte Buff in Beglar, das durch Goethes gleitung von dem auf 100 Sänger verstärkten Männerer in abenteuer en in Fioir eb rgeladen ist, abe 1906 unter Anerkennung ihrer treuen Dienste. * Staats- und Justizminister Ewald ist vom u übernehmen Urlaub zurückgekehrt und hat die Geschäfte wieder aufge- aus allen Ländern aufgesucht wird, hat seit einiger Zeit nig Eduard, ba nommen. Mode befchec tet, daß er eine verband der Bürgermeister im Großherzogtum Hessen hat an chuhe trua, di die Zweite Rammer folgende Eingabe gerichtet: ** Zur Bürgermeisterwahl. Der Landesbom König b ehleder gefertig eder und tosien über 105 Mar Tragen leichte onablen Renne ermöglicht. Bun rug er einen be font Zylinderhu hwaren. chen hat. Di hen in Wien bes be: ein bunte ortemonnaie mi retten- Etui, ein ftasche mit ber mit dem Name biolett lederne ne fleine Filbern amm und Krone d ein vergoldete Taschenmesser legbaren Kamm el an rosa Band nicht zu jein. ifters. hen Panama d Raub.- Ein Das Sünden Belohnte Sünden geworden: Gegen er Staatsanwalt -erstattet worden Beise vorgegangen orkommen, fein Vorgeschichte den ges einen seiner licher begangener Irlaubsreise fur angeblich noch Eisenbahnzuge Ty an das Gen an möge Kovacs es wurde Kovacs Des Ministers- den Schuldbetrag eser Behandlung urch Vermittlung „ Die Großherzogliche Regierung hat einen Entwurf zur Revision der hessischen Verwaltungsgesetze ausgearbeitet, Der unter vielen abändernden Vorschlägen auch in dantens. werter Weise eine Abänderung in Bezug auf die Stellung, Bahl 2c. des Bürgermeisters enthält. De die von der Broßherzoglichen Regierung gemachten Vorschläge hat der Verband hessischer Bürgermeister mit Freuden begrüßt und mit Genugtuung fonstatiert, daß die Großherzogliche Regierung die große Arbeitslast und Verantwortung eines Bürgermeisters zu würdigen weiß. Nach den gefeßlichen Bestimmungen müßten, falls der Gefeßentwurf en bloc oder in abgeänderter Form durch die Hohen Kammern ber Landstände und Großherzogliche Regierung Annahme finden sollte, im ganzen Großherzogtum Neuwahlen der Bürgermeister ftatifinden. Nun werden wohl in vielen Gemeinden des GroßHerzogtums die Bürgermeister zum Teil erst neu gewählt and zum Teil auch noch nicht lange im Amte sein. In wielen Gemeinden werden sich in Folge der heftigen Wahlagitationen, die gerade eine Bürgermeisterwahl mit sich bringt, die Bogen taum gelegt und die Feindselig Teiten und Aufregungen im Lager beider Parteien, die leiber bei vielen Wahlen zu verzeichnen sind, faum gestilt haben, und schon wieder müßte ein Wahlkampf beginnen, Der leider nur zu oft in vielen Fällen Prozesse, Beleidigungs- und Körperverletzungsflagen im Gefolge hat. Es dürfte deshalb sowohl im Interesse des Staates als auch der Gemeinde und ihrer Einwohner liegen, wenn dieser Wahlkampf so viel als möglich vermieden wird. Der Entwurf Großherzoglicher Regierung hat ja in dieser Beziehung bereits vorgeschlagen, die Amtsperiode eines Bürgermeisters auf 12 Jahre festzusetzen. Der Landesverband hessischer Bürgermeister erlaubt sich aber weiterhin worzuschlagen. dahin Bestimmung zu treffen, daß bezüglich der beim Infrafttreten der neuen Verwaltungsgesetze im Amte befindlichen Bürgermeister die Neuwahl erst nach Ablauf ihrer Wahlperiode stattzufinden habe." Der Landesverband hofft zuversichtlich, daß Hohe Zweite Rammer im Interesse der Erhaltung der Rahe und des Friedens in der Gemeinde den obigen Vorschlag des Verbands anerkennen und bei Beratung der neuen Verwaltungsgefeße berücksichtigen wird." * * Das Lottehaus in Weglar. Das Geburts: " Leiden des jungen Werter" so bedeutungsvoll geworden ist und jährlich von zahlreichen Verehrern des großen Dichters einen wertvollen Besitz erhalten durch eine recht ansehnliche Sammlung von Originalbriefen, bildlichen Darstellungen und alten Drucken der Werther- Literatur. Unter den OriginalHandschriften befindet sich als Seltenheit ersten Ranges ein schr charakteristischer Brief von Karl Wilhelm Jerusalem, Goethes Werther, geschrieben in Weglar 1770 an seine Schwefter. Ferner sehen wir Briefe von Lotte, von ihrem Bater, dem alten Amtmann, und von Kestner, ihrem Gatten. An bildlichen Darstellungen fesselt den Beschauer eine größere Anzahl vortrefflicher Silhouetten, die Geschwister und den Bräutigam Lottes darstellend; desgleichen sind bemerkenswert Porträts des jungen Goethe, sowie deutsche, englische und französische Darstellungen von Szenen aus Werters Leiden. Das lebhafte Interesse des Kenners erregen die ersten Driginalausgaben des Romans selbst. Die Sammlung soll im Laufe der Zeit weiter ausgebaut werden zu einem reizvollen Museum aus der Wertherzeit in weiterem Umfange. Vielleicht finden sich Freunde, die durch geeignete Buwendungen die Verwirklichung dieses schönen Planes zu fördern geneigt sind. Mitteilungen hierzu nimmt Oberlehrer Seher in Weßlar entgegen. Zum Fall Korell. Der Pfarrverein in Weimar hat befanntlich entschieden Stellung gegen die vom Darmstädter Konsistorium ausgesprochene Maßregelung des Pfarrers Korell wegen seiner Nichtbeteiligung an der Stichwahl geAuf Antrag des Weimarer Pfarrvereins wird ne Antwort auf sich auch der vom 4. bis 6. September in Dresden ab: zuhaltende Deutsche Pfarrtag mit dem Fall Korell be faluffy eine Gr nachweist, daß äftigen. zeigt, daß fid feinen Verfto arum, ob Kovad 7, erreichte aber dern darum, ob Intervention de Daß dies ge ürlich zu halten derer Anficht zu Strafanzeige, rfte. δεν Jeit ein ziemli eint, daß die Bu ama" haben. So De für die Beamten evon Amts wegen er Agrarier, bezahlen laffen a 30 000 Aronen Ittentat auf die binett" errichtet bagegen Proteft er, Dr. Martell hn in die Robis Prief, was mit verbunden ist es Vaters diefen Und doch follen geordnetenbaufes ernannt werden. en Wahrheit ift rung faum um nehmen. nommen. * Die Truppenübungen in Hessen werden, wie bereits gemeldet, im Herbste in Rheinhessen abgehalten werden. Im Kreise Bingen werden vom 6. bis 17. Sept. die Gemeinden Appenheim, Aspisheim, Bingen, Bubenheim, Büdesheim, Dietershein, Dromersheim, Elsheim, Freis Beinheim, Gau- Algesheim, Grolsheim, Groß- Winternheim, Heidesheim, Horrweiler, Jugenheim, Kempten Einquartierung erhalten. * ** Das Hassia- Bezirksfest des Bezirks Gießen wird im nächsten Jahre in Daubringen gefeiert werden. ** Das Lahntal- Sängerbundesfest hat inen Ueberschuß von rund 2000 Mt. erzielt. * *** Im Technischen Verein wird nächsten Diens tag Herr Ingenieur Hamm aus Frankfurt sprechen über technische Gerichtshöfe, technische Arbeitslammern und Neuorganisation im deutschen TechnikerEs sind das Fragen von weitgehender Bedeutung, sodaß auch andere Interessenten, aus dem Baugewerbe besonders, den Besuch dieses Abends nicht vers fäumen sollten. berband. * Der 13. deutsche Rudertag wurde am Montag unter Leitung des Verbandsvorsitzenden, Kammerzienrat Bürenstein, im Anschluß an die Meisterschaftsregatten in Berlin abgehalten. * In der jeßigen Zeit, da die Erde wie alljährlich die elliptische Bahn des Tuttleschen Kometen durchschneidet, bietet der Himmel häufig das herrliche Schauspiel großer Sternschnuppenfälle, die der Volksmund mit Bezug auf den 10. August feurige Tränen des heiligen Laurentius" zu nennen pflegt. Diese Sternschnuppenfälle, die sich schon Ende Juli durch vereinzelte, aus der Gegend des Schwans tommende Meteore anfündigen, geraten in den Tagen vom 9. bis 13. August in die Atmosphäre uns res Planeten und erhitzen sich hier bei einer Bewegung von 30-40 Kilometern per Sekunde zu leuchtendea Kugeln. Auch in der Astronomie unter dem Namen Laurentiusfiröme oder Perseiden bekannt, erreichen jene Sternschnuppenfälle am 12. Auguft morgens ihren Höhepunkt. Der Sage nach geht jeder Wunsch, den ein Mensch beim Anblick einer Sternschnuppe äußert, in Erfüllung. Abergläubische haben somit in den jeßigen Nächten die beste Gelegenheit, den Hoffnungen ihres Herzens Ausdruck zu verleihen. * Die Frankfurter Kleine Presse" schreibt: Seit acht Tagen ist die fegensreiche" Fahrkartensteuer in raft. Im allgemeinen läßt sich über die Wirkungen auf den Verkehr noch nichts sagen, da die statistischen Bes rechnungen nur alle Monate angefertigt werden. Nur soviel at man beobachtet, daß sich Reisende der ersten Klasse der zweiten zugewandt haben, um der hohen Extrazulage zu * Vorsicht. Daß man sich hüten soll, während eines Gewitters mit elektrischen Lampen umzugehen, lehrt ein Unfall, der einem jungen Bäcker im waadtländischen Dorfe Mezieres das Leben gekostet hat. Der junge Mann hielt eben eine bewegliche elektrische Lampe in der Hand, als der Blig etwa 200 Meter vom Hause entfernt in die Stromleitung schlug und den Bäckergesellen auf der Stelle tot zu Boden streckte. Die elektrische Entladung war so start, daß auch die Maschinen des benachbarten Elektrizitätswertes schwer gelitten haben und eine Zeit lang außer Betrieb gesetzt werden mußten. g Launsbach, 8. Auguft. Zwischen dem Gleiberg und unserm Dörfchen erhebt sich der tahle Wedenberg, von welchem mancherlei Sagen im Umlaufe sind, namentlich die, daß der Name Webenberg( Wettenberg) von einer Wette herrühre, welche 3 Brüder wegen Erbauung dreier Schlösser auf dem Wedenberg, Gleiberg und Veßberg, eingegangen hätten. Allein der Berg hieß im Mittelalter Werdenberg und nicht Wettenberg, wodurch sich einigermaßen diese Saze von selbst widerlegt. Im Jahre 1323 errichteten Landgraf Otto von Hessen und Hartrad, Herr zu Merenberg, einen Vertrag, in welchem sie sich verpflichteten, in den gemeinschaftlichen Gerichten( im gemeinen Land an der Lahn und im Hüttenberge) namentlich auf dem Werdenberg kein Schloß zu bauen. * Bad Orb, 8. Auguft. Die Frequenzziffer erfährt täglich eine erfreuliche Zunahme. Die Zahl der Kurgäste in nunmehr auf über 3000 gefttegen. * - - Die Am * Alsfeld. Als krasser Bessimist entpuppte sich laut Aisf. Oberh. Ztg." am Montag ein Wähler, der feinen geeigneten Kandidaten für den Stimmzettel fand und diesen daher mit folgendem poetischen Erguss: in die Urne wandern ließ: Was regt ihr euch, ihr Steuerzahler, in letzter Stunde noch so auf, Ihr friegt, so lang ihr euch auch streitet, den rechten Mann doch nicht hinauf. Mißgunst treibt die schönsten Blüten und hat den Spott noch zum Gefährten, die frei von Selbst interessen sind, noch zum Gefährten, die müssen noch geboren werden! Ein Bähler. Frankfurt, S. Auguft. Arbeitspferdemarkt. Bereits gestern beim Vormarkt zeigte sich, daß der Antrieb an Pferden der Kauflust nicht ganz entsprechen würde. Die Großhändler von auswärts, die am Blaze gerne einkaufen, decken ihren Bedarf nach Möglichkeit und gingen größere Transporte nach dem Rheinland, Sachsen und Bayern. Die Preise waren der regen Nachfrage entsprechend und wurden je nach Dualität gezahlt für schwere Arbeitspferde 1500 bis 1800 Mt., leichte Gebrauchspferde 2c. 900-1100 Mt. Das günstige Wetter verschönerte das flotte Marktleben. Abend dürfte fein Ueberstand zu erwarten sein.- Der Herbstpferdemarkt findet vom 9. bis 12. September statt und ist mit diesem wie üblich eine Verlosung verbunden. Kassel, 8. August Unterirdische Mächte. z. Eine eigentümliche Beobachtung macht man 3. 8t. am öſtlichen Abhange des" Meißner", der höchsten Erhebung des hessischen Berg- und Hügellandes. In der Nähe des früheren Bergamtes Schwalbental hat vor mehreren Jahren ein größerer Erdeinbruch stattgefunden, der von einem gewaltigen unterirdischen Getöse begleitet war. Seitdem ist die Senkung immer tiefer geworden und das merkwürdige daran ist, daß nunmehr an verschiedenen Stellen zwischen dem mächtigen Basaltgestein dichter Kohlenqualm emporsteigt, der in weitem Umkreise die Bäume schwärzt und die Vegetation beeinträchtigt. Offenbar wird hier unter der Erde ein Kohlenlager von großer Mächtigkeit durch Feuer vernichtet und es besteht Gefahr, daß die dadurch im Erdinnern gebildeten Höhlungen weitere Einbrüche der Erdoberfläche im Gefolge haben werden. Unweit Schwalbental tann man noch an zwei anderen Stellen Erdeinsenkungen beobachten, die von ähnlichen Erscheinungen begleitet sind. Kinzenbach, 8. August. Groß war die Zahl der Bewerbungen, welche bei dem Kreisbaumeister Witte- Weglar um unseren bevorstehenden Schulhaus neubau eingegangen waren. In einer am Sonntag anberaumten Sigung hat nun die hiesige Gemeindevertretung über die Ausführung des Baues endgültigen Beschluß gefaßt. Zu unserer Freude wurden ausschließlich einheimische Meister mit ihren Bewerbungen berücksichtigt. Die neue Schule, vorläufig für 2 Klassen vorgesehen, tommt in die Bahnhofstraße zu stehen. * Lüzellinden, 8. August. In unserer Gemarkung treten die Hamster im Getreidefeld ziemlich zahlreich auf. Dieser Tage wurde wieder eine größere Bahl gefangen. Das Fanggeld für einen Hamster beträgt 60 Pfg. Voriges Jahr wurden von der Gemeinde ca. 250 Mt. füc Fanggeld ausgegeben. * Grünberg, 8. August. Am nächsten Sonntage werden die Geflügelzuchtvereine Grünberg und Alsfeld einen gemeinsamen Ausflug in den„ Eichfüppel" bei Romrod unternehmen. Die Abfahrt des Grünberger Vereins erfolgt um 1½½ Uhr von Station Bell- Romrod aus. * Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. && tönnen eingestellt werden: 2 landw. Arbeiter, 1 landw. Magd, Ziegeleiarbeiter, 2 Steinbrucharbeiter, 5 Schlosser, 7 Schreiner, 1 Schuhmacher, 2 Glaser, Erdarbeiter, 1 Küchenmädchen, 1 Kutscher( für Arzt), 2 Dienstmädchen, 4 Lauffrauen, 2 Laufmädchen. Lehrlinge: 2 Schlosser, 1 Elektromonteur, 1 Schreiner, 1 Kellner gegen Vergütung. 2 Es suchen Arbeit: 1 Maschinist oder Heizer, 1 Buchbinder, 1 Schreiner, Wasch- nud Puzfrauen, 1 Flickfrau, 2 Installateure, 1 Kaufmann, 1 Auslaufer, 1 Stassierer- oder Bureaudiener. Verantwortlich: für die Politik und den Inseratente l Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide in Gießen. „ Das Blut ist das Leben", das ist entschieden der größte Wahrheitsspruch, denn gesundes Blut macht sich nicht nur dadurch bemerkbar, daß es dem Körper ein angenehmes Aeußere, Vollkommenheit und Schönheit verleiht, es wirkt auch auf den Geist und macht den Menschen heiter, vergnügt, tüchtig und flacdenkend. Wie wichtig ist es daher, darnach zu trachten, daß gesundes, kräftiges Blut in den Adern fließt. Dieses ist mit Sicherheit durch Ferromanganin, ein blutreinigendes und blutbildendes Mittel, zu erzielen. Ferromanganin ist unentbehrlich bei Rekonvaleszenten. Enthält: Gisen 0,5, Rognat 15, Nest dest. Wasser und aromat. Beſtandteile. Zu haben in den Apotheken. Bei Einkäufen wollen unsere verehrlichen Abonnenten und Leser sich der in unseren Zeitungen inserierenden Firmen erinnern und auf uns beziehen. Bekanntmachung. Die nachbenannten Firmen und Geschäftsinhaber: Abermann& Kling. Löberstraße Nr. 8 2. Jrle, Grünbergerstraße Nr. 48 2. Mooh, Bahnhofstraße Nr. 34 E. Dörr, Großer Steinweg Nr. 14 find zur Ausführung von Entwässerungsanlagen gemäß § 16 der Polizeiverordnung die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Provinzialhauptstadt Gießen betreffend, vom 1. August 1904, zugelassen worden. Nach§ 16 der genannten Bolizeiverordnung dürfen Entwässerungsanlagen im Anschluß an die städtische Kanalisation nur durch die hierfür zugelassenen Unternehmer ausgeführt werden. Gießen, den 7. August 1906. Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum. Bekanntmachung. Der Bauunternehmer H. W. Rinn zu Gießen ist zur Ausführung von Entwässerungsanlagen gemäß§ 16 der Polizeiverordnung, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanali sation in der Provinzialhauptstadt Gießen betreffend vom 1. August 1904, zugelassen worden. Nach§ 16 der genannten Polizeiverordnung dürfen Entwässerungsanlagen im Anschluß an die städtische Kanalisation nur durch die hierfür zugelassenen Unternehmer ausgeführt werden. Gießen, den 4. August 1906. Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum. Vergebung von Pflasterarbeiten. Die Wiederherstellung des Pflasters über den zur Auswechselung des Gasrohrnezes erforderlichen Gräben soll Dienstag, den 14. d. Mts., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 1 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Buschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 8. August 1906. - Städtisches Tiefbauamt. Dr. Med. Hofmann's Kuranstalt für Braubach. Herzkranke Bad- NAUHEIM bei Frankfurt a. M., Bismarckstr. 1 m., gegenüber den staatl. Badehäusern. Ambulante Behandlung Sanatorium. Consult. Arzt: Dr. med. A. Smith, früh. Schloss Marbach a. 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Juli 1906 angeordnete Sperre des Eichweges wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 8. August 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Nordanlage zwischen Steinstraße und Neustadt vom 9. d. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 8. August 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Bekanntmachung. Die unterm 19. Juli 1906 angeordnete Sperre der Blockstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 8. August 1906. Keine Serienlose oder Pfennigslotterie! Großh. Polizeiamt Gießen. J. B. Roth. Inserate finden in vorliegender Zeitung die größte Verbreitung. Nur Bargewin. Jed. Los gewinnt! Vermögen u. Gewinn durch Beitritt zu amtl. angem. Verein! Kein Risiko! Gesetzl. staatl. angeordnet! Fahrräder, Eine Mark monatl. genügt! Keme ausländische Sache! Streng reell! Viele Mill. Hauptgewinne! Kleinster Treffer höher wie der Ankauf! Beitritt tägl.! 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