Nr. 182 baltion u.Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 89. Fernsprechanichink Nr. 362. Montag, den 6. August 1906 Gießener 15. Jahrgang Gratisbetlagen: Oberheffische Familienzeitung( tig und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberbefen Morfche Stützen. Rußlands Verfall im Licht der Geschichte. Der Thron des Zaren aller Reußen ist ins Wanken ges tommen. Nicht ein äußerer Feind hat das veranlaßt. Der unglückliche Verlauf des Krieges mit Japan hat nichts dazu getan. Ein Sieg über den auswärtigen Feind hätte vielleicht verhütet, daß der Morasmus jetzt schon zu Tage trat, aber geheilt hätte auch der Sieg das große Reich nicht. Vielleicht wäre ihm ein wirtschaftlicher Aufschwung gefolgt, so daß die schlimmsten materiellen Beschwerden des Volkes auf eine Weile abgestellt gewesen wären. Aber das tiefer liegende Uebel war durch das heroische Mittel eines Krieges auf die Dauer nicht - zu überwinden. Der Türkenfrieg unter dem Großvater des jezigen Zaren hatte eine vorübergehende Verschleierung der Krankheit gebracht, deren vorwiegendster Charafter jetzt mit doppelter Kraft hervorgetreten ist. Der Thron des russischen Zaren ist morsch geworden, morsch sind seine Stüßen, und fast ein Wunder ist nötig, damit ein Wiederaufbau ohne vorgängigen völligen Zusammenbruch möglich werde. Adel Bürger- Bauer Heer das sind die Stüßen eines Thrones. Es ist nicht gut, wenn auch nur eine von ihnen faul wird. Sie trägt dann nicht, sondern ist eine Last. Und in Rußland haben sie der Reihe nach alle die Tragkraft verloren, haben sie sie zum Teil nie besessen. Der russische Adel? Zar Paul hat einmal gesagt: " In meinem Lande ist niemand adlig, außer mit wem ich gerade spreche, und auch der nur, so lange ich mit ihm spreche." Der russische Adel hat hierauf mit der Ermordung des Zaren Paul geantwortet. Das war ein Protest, aber eine Wiederlegung war es nicht. Der russische Adel ist durch diese Mordtat gewiß nicht adlig geworden, adlig in unserem Sinne. Die Aufhebung der Leibeigenschaft fand ihn schwach und schwächte ihn noch mehr. Das war schlimm. Aber weit schlimmer war, daß die freigelassenen Leibeigenen nicht die Möglichkeit erhielten, freie Bauern zu werden. Die groß gedachte Maßregel des Zar- Befreiers Alexanders II. wurde in der Ausführung verfümmert. Dazu reichte die Kraft des russischen Adels gerade noch aus: der Bauernschaft die Entwicklungsmöglichkeit zu nehmen, ohne daß er selbst dabei eine Wiedergeburt erfuhr. Der russische Bauer verfam immer mehr. Nicht durch feine Schuld, sondern durch die Schuld der Verhältnisse, in die man ihn versetzt hatte. Man gab ihm nur unzureichendes Land, und auch das nicht einmal zum freien Eigentum, sondern als Gemeindebesitz. Der Acker ging unter den Bauern reihum. Damit wurde die Arbeitslust gelähmt, der Ertrag der Erde gemindert denn wer wollte mit seinem Schweiß den Boden ergiebiger machen, wenn die Frucht der Mühen einem anderen zugute fam, dessen verwahrlostes Land man dann vielleicht übernehmen mußte! Der russische Bauer wurde überdies künstlich in Verdummung erhalten. Er sollte nicht lernen, damit er den Gehorsam nicht verlerne und nicht die Treue gegen den Zaren. Er hat sie auch nicht berlernt. Wir getrauen uns zu sagen: er ist noch heute dem Baren gehorsam und treu, und er will es sein. Aber er sieht den Zaren nicht, der so weit entfernt ist, wie der Himme! hoch. Er glaubt an den Zaren, wie er an Gott glaubt, den er auch nicht sieht. Zwischen dem Bauer und dem Zaren ist das undurchdringliche Gewölf einer diebischen Beamtenschaft, die jenen bedrückt und, was viel schlimmer ist, nach Laune und Willtür behandelt. Darum ist der russische Bauer, der an den Zaren glaubt, auch jederzeit bereit, auf den zu hören, der ihm im Namen des Zaren furchtbare Selbsthilfe empfiehlt und anbefiehlt. Wenn der russische Bauer gegen die Schlösser der Großgrundbefizer sengend und brennend, mordend und plündernd vorrückt, so geschieht es immer nur, weil man ihm vorgeredet hat: der Zar, der sich der Bauern erbarme, wolle das so haben. Hier rächt sich das Willkürregiment der Beamtenschaft und die systematische Verdummung. Wäre der Bauer besser unterrichtet, er würde nicht zum Gefolge der Hezer zählen, die ihn ,, im Namen des Zaren" zum Aufruhr rufen; und wäre er nicht gewöhnt, das Opfer grausamer Willkür zu sein, er würde nicht ohne Besinnen selbst zur Willkür und zu grausamer Gewalt greifen. Im Namen des Zaren wird er gepeinigt, im Namen des Baren peinigt er wieder. So ist der russische Bauer aus dem russischen Staatsleben förmlich losgelöst, ein Feind des Staates und seiner Ordnung. In Treue und Gehorsam gegenüber dem Zaren, rüttelt er mächtig an des Zaren Thron. Er hat den Glauben, nicht an den Zaren, aber an des Zaren Dienern verloren. Die russische Bürgerschaft?- Das selbstherrscherliche Regiment, durch eine feile Beamtenschaft ausgeübt und in Grund und Boden verderbt, ist gegen seine ganze Natur zur Revolution hingetrieben worden. Kein freies Wort war gestattet, feine Regung der Kritik, und jeder Versuch, von Menschenrechten Gebrauch zu machen, wurde mit Gefängnis und Verbannung bestraft. Der russische Bürger, ursprünglich friedlich und loyal gesinnt, wurde geradezu gezwungen, in der durch die Beamtenschaft vertretenen Regierung seinen bittersten und unversöhnlichsten Feind zu sehen. Von ihm, der eine feste Stüße des Thrones gern gewesen wäre, fann man nicht erwarten, daß er den Thron verteidige, dessen Diener ihm die Menschenrechte verjagen. - Bleibt noch das Heer, zu dem wir die Marine mits rechnen. Auch hier haben Bestechung und Diebereien der Beamten und Vorgesezten dahin geführt, daß Soldaten und Matrosen in dem Vorgesezten den Feind erblicken, den Feind, den sie erbarmungslos hassen müssen, weil er sie erbarmungslos behandelt, ihnen die Lebensmittel stiehlt. Des Zaren Beamte, des Zaren Generale, bestechlich die einen und diebisch die andern, haben Disziplin, Treue und Gehorsam aus dem Herzen des russischen Soldaten hinausgepeinigt und hinausgejagt, haben die Ohren des russischen Soldaten für die Einflüsterungen der Aufwiegler geöffnet. So ist auch diese Letzte Stütze des Zarentums morsch und brüchig geworden. Der 8ar muß wieder Krieg führen, Krieg im eigenen Lande, nicht blos gegen seine Bauern und Bürger, sondern gegen einen Teil seines Heeres mit dem andern Teil seines Heeres. Und wenn er Soldaten ausschickt, daß sie seine Autoritä verteidigen und wiederaufrichten, so weiß er nicht, ob er nicht seine eigenen Feinde mobil gemacht und mit Waffen ver Teut. jehen hat. Politifche Rundschau. Deutsches Reich. Das Reichs- Erbschaftsteuergesetz hat auch auf di Umsatzbesteuerung der Gemeinden eine Wirkung ausgeübt Rach§ 60 bieses Gesetzes sollen vom 1. Juli d. J. ab dit Vorschriften der Bandesgesetzgebung, welche die Erhebung einer Abgabe von dem Gegenstand der Erbschaftssteuer bildenden Erwerbe von Todeswegen sowie von Schenkungen unter Lebenden oder den fiber solche Schenkungen ausge stellten Urkunden betreffen, infoeit außer Kraft treten, ald ben Bundesstaaten sicht die Erhebung besonderer Abgaben überlassen ist. Es wird die Umsatzsteuer nunmehr in An jehung der bezogenen reichsgesetzlichen Vorschrift auch bin ichtlich des Erwerbes auf Grund von Schenkungen unter Lebenden den Gemeinden zu versagen sein. * Zur Affäre des Major Fischer verlautet jetzt, daß die Angelegenheit schon seit langer Zeit in den Kreisen des niederen Militärs bekannt war. Nach dem Kolonialamt find häufig an Major Fischer adressierte, offene Postkarten ge tommen, welche unter den zur Bekleidungsabteilung der Schuztruppe abfommandierten Gefreiten usw. von Hand zu Hand gingen. Sie hatten meistens ungefähr folgenden Inhalt:„ Nachdem Sie von der Firma T. nunmehr wieder Ihre Prozente erhalten haben, bitte ich um baldgefällige Regulierung meiner längst fälligen( Schneider) rechnung bom. Eine Berliner Korrespondenz behauptet, der Fall Tippelskirch werde den Fall des preußischen Landwirtschaftsministers nach sich ziehen. Bekanntlich ist vor einiger Zeit in einigen Blättern behauptei worden, Frau v. Podbielsti sei stille Teilhaberin der Firma v. Tippelskirch& Co. Dieser Behauptung wurde nicht widersprochen. Der Umstand, daß jetzt die Firma T.& Co. in unangenehmer Weise von sich veden macht, werde wohl Herrn n. Podbielski veranlassen, sein Abschiedsgesuch einzureichen. Dies die Ansicht politisches Sterndeuter. * Eine englische Meldung will von einem verlustreichen Gefecht deutscher Schuttruppen gegen Hottentotten in DeutschSüdwestafrika wissen, in dem drei Offiziere und fünf Mann gefallen sein sollen. Angeblich hätte eine Abteilung versucht, bie Hottentotten bei Violsdrift einzuschließen, sei aber zurückgetrieben worden. Amtlich ist die Nachricht bisher nicht be= stätigt, man wird sie daher mit einem Fragezeichen versehen müssen. * Die Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände hat einen Schutzverband gegen Streifschäden gegründet, der den einzelnen Verbänden im Falle der Zahlung von Streifentschädigung für ihre Mitglieder eine Rückdeckung bietet. Die Hauptstelle richtet deshalb an ihre Verbände die Aufforderung, sich soweit dies noch nicht geschehen ist, diesem Slagverbande anzu schließen. Die Hauptstelle nimmt ferner Veranlassung, an die Vorstände der angeschlossenen Arbeitgeberve ände die dringende Bitte zu richten, darüber zu wachen, daß von ihren Mitgliedern die Arbeitsbedingungen jeder Art nach Maßgabe der gegenwärtigen allgemeinen Verhältnisse in einwandsfreier Weise festgestellt werden. Nur, wenn dies überall und im vollen Umfange geschehe, werde sich im gegebenen Falle die volle Kraft der Organisation der Arbeitgeber wirkungsvoll betätigen fönnen; sie müsse und werde überall und unbedingt bersagen, wo das Unrecht sich auf der Seite der Arbeitgeber befinde. Balkanftaaten. ** Ueber die Maßnahmen des Fürsten von Montenegro, der sich in fortgesetter Geldverlegenheit befindet, herrscht im Lande große Erregung. Da Rußland die jährliche Dotation von 1/2 Million Rubel nicht mehr zahlt, hat der Fürst nur Er 100 000 Rubel Jahreseinkommen. hat daher die Mohammedaner im Lande mit drückenden Lasten belegt, und als sie darauf auszuwandern begannen, eine Auswanderungssteuer eingeführt, die einer Konfistation der türkischen Mohadschirgüter gleichkommt. Der Sultan hat beschlossen, den Muhadschirs lieber in der Türkei zu helfen, als sie der Willkür des montenegrinischen Fürsten preiszugeben. Die Auswanderung dauert fort. ** Die Bewegung gegen die Griechen in Ostrumelien ist wieder im Wachsen begriffen. In Philippopel und Stanim werden für die nächste Zeit neue Kundgebungen vorbereitet. Die dortige griechische Bevölkerung bewaffnete sich, um, falls neue Ausschreitungen vorkommen sollten, sich selbst zu verteidigen. Dortugal. ** Aus Lissabon wird berichtet: Als Ministerpräsident Franco nach vollzogener Einweihung des Wahllofals seiner Partei das Klubhaus verließ, wurde aus der Menge auf ihn und seine Begleiter Steine geworfen. Eine Version lautet sogar, daß einer dieser Manifestanten auf das Trittbrett des Wagens des Ministerpräsidenten zu flettern versucht haben soll, mit der Absicht, den Ministerpräsidenten tätlich anzugreifen. Es sei diesem Uebeltäter gelungen, zu entkommen. Das Gefpenft des Generalftreiks. Aus Petersburg wird unter dem 4. d. M. ge schrieben: Das Gespenst des Generalstreits geht hier wieder um. Gestern um Mitternacht sollte es sich zum erstenmale zeigen, sollte der allgemeine Ausstand bei den Eisenbahnen beginnen und heute sollten die Arbeiter in allen anderen Betrieben in den Streit eintreten. So lautete die Parole bes Streiffomitees. Allein nur wenige sind ihr gefolgt. Der Eisenbahnverkehr fonnte, mit einer Ausnahme, auf allen Linien aufrecht erhalten werden; und von der anderen Arbeiterschaft feiert bisher nur ettva der fünfte Teil Ge cüchtweise verlautete nun, daß der Ausstand der Bahnan Jestellten heute Mittag beginnen werde. Allein bisher haben sich diese Gerüchte als unbegründet erwiesen. Freilich ann jede Stunde neue Ueberraschungen bringen... Svcaborg und Krvastadt. Nach den letzen Feststellungen wurden während der Uns ruhen in Sveaborg und auf den umliegenden Jaseln ein Oberst sowie 10 Soldaten und drei Zivilpersonen getötet und 35 Personen schwer und 40 leicht verletzt. In Kronstadt sind während des Aufruhrs unerhörte Brausamfeiten verübt worden. Der neuernannte Oberst Alexandrow unterhielt sich gerade mit dem Kapitän Brotchinski, als plöglich sieben Matrosen auf die beiden Offiziere indrangen und Brotschinski erdrosseln wollten. Seine greise Mutter eilte ihm zu Hilfe. Beide tourden durch unzählige Bajonnettstiche ermordet. Alexandrow wurde erschossen und perstümmelt; seiner Frau wurden durch einen Stolbenhieb beide Beine zerschmettert. Unter den Aufrührern der Meuterei bemerkte man auch weibliche Personen. * * Raub und Mord. Die Revolutionäre fahren fort, ihre Kriegskasse aus den Mitteln Anderer zu füllen und Personen, die ihnen unbequem ind, durch Meuchelmord aus der Welt zu schaffen. Heute liegen folgende Meldungen vor: In Dombrowa( Polen) drangen fünf mit Revolvern bewaffnete Männer in die Stationskasse der Weichselbahn und wangen den Kassenbeamten zur Herausgabe der Kassenbestände von 1079 Rbl. Sie hinterließen eine Quittung mit dem belannten Stempel der Sozialistenpartei: P. P. S. Nach einer Depesche aus Libau wurde in der letzten Nacht zwischen Libau und Hasenpoth ein Personenzug angehalten und aus dem Post wagen 80 000 Rubel geraubt. Auch wurden mehrere Reisende beraubt. In Samara a. d. Wolga ist auf den Gouverneur eine Bombe geworfen worden, die ihn sofort tötete. Die Bombe hat dem Gouverneur den Kopf und die Füße abgerissen. Der Täter ist ausnahmsweise!- nicht enttommen, sondern verhaftet worden. * * * Ferner liegen uns nachstehende Meldungen vor: Moskau, 5. August. Der Verband der russischen Leute" hat eine Prostriptionsliste derjenigen ehemaligen Dumamitglieder auf. gestellt, für die sich die nötigen Mörder bereits gefunden haben. Helsingfors, 4. August. Die Kämpfe gegen die Rote Garde haben aufgehört, doch ist die Streifbewegung noch im Gange. Alle Staatserhaltenden Parteien haben sich von der Roten Garde Losgesagt. Genf, 5. Auguß. Die Polizei beschlagnahmte ein hier redi. giertes, aber in Frankreich gedrucktes Blatt ,, L'action anarchique", morin die russischen Revolutionäre aufgefordert wurden, den 8aren zu ermorden. Petersburg, 5. Auguft. Bum Oberprokurator des heiligen Synods ist D. F. Samarin ernannt worden. Sveaburg, 5. August. Unter den hier verhafteten Meuterern befindet sich auch der frühere Dumaabgeordnete Onipfo. Moskau, 4. Der Stadthauptmann hat die Beifezung des ehe maligen Deputierten Herzenstein in Moskau nicht gestattet. * Dof und Gefellfchaft. Der Kaiser ist mit der Kaiserin, den beiden üngsten Prinzen und der Prinzessin Viktoria Luise von Swinemünde wieder auf Wildparfstation eingetroffen. Bei der Abreise wurden dem Kaiserpaar in Swinemünde herzliche Dvationen seitens des Publikums dargebracht. ** Dem bisherigen Chef des Marinefabinetts, Admiral Freiherrn v. Senden Bibran ist der Schwarze Adlerorden verliehen worden. Aus der Schule. Lehrer: Wer hat Amerika entdeckt?" Schiiler( schweigt). stumm. formen aus, als wenn der Satan ihr auf den Fersen wäre. augenscheinlich Kartoffeln mauste, kniff im Anblick der Unifinger bis ans Heft in die Nase bohrte. Eine Frau, die mit einer unverständlichen Pantomime, indem er den ZeigeEin kleiner, barfüßiger Junge antwortete auch nur „ Na, in Neuhof natürlich!" mißtrauisch geworden ist: haben wir hier wirklich NeuWeltabgeschiedenheit und mancherlei Schicksalsschläge etwas heißt verzeihen Sie einem Menschen, der durch lange " In Neuhof! Alle guten Götter feien gepriesen. Das brücken. Die Situation war brach sich den Kopf darüber Er zer= Stimmung. ,, Da bin ich, Kinder! und das machte ihn zerstreut. Erst als das Geburtstagsfind anschwirrte, hob sich die ihm unerklärlich. Herr Leutnant noch einmal Deer und flotte. Regiment Fürst Bülow. Wie verlautet, wird ürit Bülow bei der im Anschlusse an die Besichtigung des Uebungsplazes in Wahn stattfindenden Varade dem Kaiser das Bonner Husarenregiment vorführen. Der Kaiser habe die Absicht, den Reichstanzler bei dieser Gelegenheit zum Chef dieses Megiments zu ernennen. Ueber den Ausbau der französischen Flotte äußerte der Marineminifter Thomson, daß die französische Marine sowohl ihre Deventivmittel durch Erbauung immer vollkommenerer Zorpedoboote und Unterseeboote erhöhen, als auch dem Geschwader einen effettiven Gefechtsmert erhalten müsse. Er, der Minister, stehe in lebhaften Verhandlungen, für die vom Parlament bewilligten und in Auftrag zu gebenden 6 Panzerschiffe eine fleine Verzögerung in dem Beginn des Baues zu erlangen, um alle bis dahin gemachten Fortschritte zu bes nußen. Soziales Leben. X Die Krisis im Bangewerbe des Rheinlande. Eine Versammlung des Baugewerfvereins in Kölu beschloß, Ende dieser Woche eine Generalaussperrung aller Bauarbeiter vorzunehmen, wenn bis dahin in dem einschlägigen Gewerbe die Arbeit nicht wieder aufgenommen wird. In der Versammlung wurde behauptet, daß fich wahrscheinlich auch Düsseldorf und Elberfeld der Kölner Generalaussperrung der Bauarbeiter anschließen würden. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Tragweite der Aussperrung, haben die Arbeitgeber eine Achtzehnerkommission beauftragt, alsbald eine Sigung dieser Kommission unter Hinzuziehung von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzuberufen, um nochmals Einigungsversuche zu unternehmen. Hoffentlich führen die Verhandlungen zum Frieden. Selbst gerichtet. ( Sonder- Bericht.) Hamburg, 4. August. Die Sammlung für den Wiederaufbau der Michaelisfirche brachte bisher 200 372 Marf ein. Für die nicht versicherten Abgebrannten wurden 4281 Warf gespendet. Braunschweig, 5. August. Jm hiesigen Gerichtsgefängnis hat der Banklehrling Brunke, der wegen vorsätzlicher Tötung der beiden Töchter des Kaufmanns Haars zu acht Jahren Gefängnis verurteilt war, seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Rennbahn- Schieber. ( Von unserem Sport- Mitarbeiter.) Die fleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen. Nirgends trifft dieses kleine Sprichwort so den Kern wie auf der Rennbahn. Buchmachen ist in Deutschland ver boten. Erst im vorletzten Jahre hat man im Reichstag ein Gesetz gemacht, das dazu bestimmt sein sollte, das verbotene Rennbahnspiel einzudämmen, und dem staatlich konzessionierten Totalisator die gesamte Kundschaft zuzuführen. Natürlich fehlte den Legislatoren jedes Verständnis für die Aufgabe und sie förderten einen Zwitter zutage, der weder Kopf noch Rumpf hat. In England sind die„ Bookmaker" eine Berufstlasse, der niemand die Achtung versagt; bei uns hängt man ihnen entehrende Strafen auf und hält ihr Gewerbe für unfair. Die verbotene Frucht reizt naturgemäß. Sie reizt nicht nur die Wettenleger, sondern auch die Wettennehmer. Wollte man diesem freien Spiele endlich an den Kragen, so hätte man auch die letzteren mit Strafe bedrohen müssen. Da das nicht geschehen ist, bleibt die ganze Aftion ein Schlag ins Wasser. Schließlich schadets noch nicht einmal viel Lokales. * Der Großherzog hat dem auf sein Nachsuchen in der Ruhestand versetzten Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde Darmstadt Dr. David Selver das Ritterkreuz t. Klass: des Verdienstordens Philipps des Großmütigen berliehen. Buchmacher und Rennbahnschieber sind im allgemeinen identisch. Heute mehr denn je. Das Wetten beim Buchmacher zum Totalisatorkurse" ist in den letzten Jahren in Mode gekommen. Darum haben natürlich diese ein Interesse daran, den Totalisatorkurs zu beeinflussen. Sie bilden einen Ring," d. h. fie haben sich zusammengetan wie etwa die Spiritusfabrikanten, die Kohlengrossisten usw. Zeigt die am Totalisator hängende Stala an, daß ein stark gewettetes Pferd beim Siege eine große Quote geben würde, legt man einfach ein paar Blaue für gemeinschaftliche Rechnung an und die Regulierung ist besorgt. Das ist die eine Art des ,, Schiebens." Eine andere ist die Durchstecherei mit bestechlichen Jockeys. Ein Favorit wird heiß" gemacht, ein Außenseiter siegt; der Jockey des Favoriten hält" seinen Gaul, der Outsider gewinnt! Der Buchmacher ist vorher eingeweiht. Die reellen Totalisatorwetter geben ihr Geld dem Ringe, der hohen Kurs einstreicht; die Wetter beim Buchmacher sind geprellt; die hohe Außenseiterquote für die zwei oder drei Riecher" ist leicht zu ertragen. Selbstmorde in Gefängnissen find an sich nichts Seltenes; man hört oft davon, daß der oder jener, um sich dem irdischen Richter zu entziehen, zum Strick gegriffen hat, oder auf andere Weise aus dem Leben ging. In diesem Falle steht man jedoch vor einem völligen Rätsel. Was waren die Motive, die den Jüngling trieben, seinem verfehlten Leben ein Ende zu machen? Ein drückendes Schuldbewußtsein wohl nicht, denn das offenbart sich schon eher. Brunte, dessen Kopf boll bizarrer Jdeen steckte, hatte bekanntlich die beiden Töchter des Kaufmanns Haars, denen er Klavierstunden gab, in seinen Bann gezogen. Mit seinen pessimistischen Lebensanschauungen hatte er in den jungen Mädchen alle Lebensfreude erstickt und in ihnen den Entschluß wachgerufen und bestärkt, das irdische Jammertal zu verlassen. Zum Vollstrecker dieses selbst verhängten Todesurteils hatten fie Bumte gewählt, der dann nach geschehener Tat auch Hand an sich legen sollte. Bumke vermochte aber nur den ersten Teil des ihm gewordenen Auftrages zu erfüllen; als er die Opfer seines unheimlichen Einflusses vor sich liegen sah, entsank ihm der Mut, ihnen zu folgen in das düstere Reich des Todes und so blieb er froh, aber und frei unter den Lebenden. Hinter Gefängnismauern mag ihm nun wohl der Gedanke gekommen sein, jetzt sei es an der Zeit, den zweiten Teil des Auftrages, den die ihm im Tode vorangegangenen ihm einst erteilt hatten, zu erfüllen. Und doch merkte man ihm nichts von seinem Vorhaben an. Ruhig und gefaßt sah er der Vollstreckung des Urteils entgegen er hatte sogar das Wiederaufnahmeverfahren angestrengt und beschäftigte sich eifrig mit dem Studium der französischen Sprache und der Mathematik. Wenn die Schuld verbüßt, wollte er ins Ausland gehen und dort ein neues Leben beginnen. Und nun wird sein Tod berichtet, an einem dünnen Bindfaden hatte er sich erdrosselt. - - Niemand wußte etwas davon, daß er sich mit Selbstmordgedanken trug, allen fam es völlig unerwartet. Man nimmt sogar an, daß Brunke blos eine Probe veranstalten wollte, wie es mit dem Erhängen ist, daß ihn dabei die Kräfte verließen und er so- halb unfreiwillig- durch Selbstmord endete. Ein verfehltes Leben hat so sein Ende gefunden; der Fall Brunke ist bezeichnend für die Zeit, in ber wir leben solcher überspannter Köpfe gibt es noch viele, doch nicht alle lassen die bizarren Jdeen, die in ihnen spufen, auf so grausige Weise zur Tat werden. R. P. Nab und fern. atiebe ba- heu gen, unfer fogic afhaftlichen Bo mim Stampfe ge ndenen Kosmope dieht diefes me Pratichen Turnerid d gewaltigen G Die große Au Summer gehört zu aft und man gei peifen. Gine w fie, wie die gegenwe ** Erledigt: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gambach. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. *** Fräulein Lina Lenninger Gießen ist als Telegraphengehilfin angenommen worden. R. Eine Reichsbantnebenstelle wird am 1. Oftober in Opladen errichtet. Dieselbe ist von der Reichsbankstelle in Remscheid abhängig. *** Neuer Schlachthof Direttor. Die Gießener Stadtverordnetenversammlung wählte in nichtöffentlicher Sizung den Schlachthof- Inspektor Modde zum Direktor des Schlachthofes. In den Straf anten ziehen Buir ist jugendliches Fe 8 Uhr ertön pfenstreichs, der Turner und Turn apelle unferer 11 die hübsch gef cohen Mensche Sprecher des Turn ie Bühne zur Gr *** An dem Wettgesang des Fulda Rhön. fängerfestes, das gestern in Fulda stattfand, haben 10 Gaft: vereine teilgenommen. Das Resultat ist folgendes: Klasse I. den 1. Preis mit 168 Punkten Gesangverein Windecken ,, Liedertafel".Marburg Frohsinn" Kassel- Wehlheiden ,, 3. " 2. " 1 " ,, 159 " ,, 148 " Klasse II. , Liederkranz"-Bübingen den 1. Preis mit 171 Punkten 148 " , Germania"-Schlierbach 2. " 1 " . 167 " " ‚ Liederkranz"-Gelnhausen 3. 155 " " " " ,, Liedertafel"- Lollar 4. " " ,, Liedertafel" Bacha 5. 140 " " ." " 6. " " " 118 116 " " " So geht es beim Pferderennen wie auf der Radrennbahn, auf der in den letzten Jahren ebenso stark gewettet wird, wie auf dem grünen Rasen. Natürlich gibt es Variationen in Hülle und Fülle. Jm Grunde kommt aber alles auf dasselbe heraus. Das Rennpublikum weiß das. Es ist allmählich darauf eingerichtet. Bei den Ringkämpfen, die sich in den letzten Jahren eingebürgert haben, hat es sich gezeigt, daß das Schiebergewerbe immer weiter um sich greift, daß es sich Terrains hinzuerobert, die früher nicht zu seiner Domäne gehörten. Der rasche Geldgewinn lockt und verführt. Wer Blut geleckt hat, ist nicht mehr davon abzubringen. Je heißer aber der Sommer, umso stärker blüht das Geschäft. Wenn die Sonne herniederlächelt, beteiligen sich viele am Rennbahnwesen, die sonst abseits stehen. Wer aber einmal draußen ist auf der Bahn, risfiert auch einen Teil seines Barvermögens in der Hoffnung, reicher heimzukehren, als er hinausfuhr. Der Spielteufel liegt uns im Blute, so in Monte Carlo an der Spielbant, so auf den verschiedenen Rennbahnen im Inund Ausland. Was nicht niet- und nagelfest ist, wird in " Tickets" angelegt; verliert der Gaul, ist auch das Geld futsch; fiegt er, ist wenig gewonnen. Darüber wundern sich dann die Braven und erzählen noch wochenlang, wie sie das Bech verfolgt: von sechs Rennen haben sie fünf gewonnen und eins verloren. Die Differenz aber ist eine Doppelkrone zu ihren Ungunsten. Wenn sie nachdenken würden, wäre die Verwunderung nicht so groß; dann wüßten sie, daß es so sein muß und daß es nicht anders sein kann, wie die Verhältnisse nun einmal liegen. † Rohe Burschen. Im Teltowkanal bei Berlin badeten einige junge Leute. Sie trieben allerhand Allotria und ver anstalteten schließlich ein Wettschwimmen. Einer der Schwimmer, der Kutscher Kannewischer, blieb plötzlich zurück. Wahrschein= lich war er von einem Krampf befallen worden. Er rief um Hilfe, aber die rohen Burschen lachten ihn aus, und so ging der 19 Jahre alte Mensch vor den Augen der Kameraden unter. Die guten Freunde gingen dann an Land, durchsuchten die Kleider des Ertrunkenen und raubten die Uhr, die sie auf dem nächsten Leihamt versetzten. † Abgewinkt. Der Vorstand des bergbaulichen Vereins ersuchte den in Herne weilenden Hopfenhändler Weil, der den Besuch der Geretteten aus Courrieres in Essen angekündigt hatte, diesen Besuch zu unterlassen. † Ein folgenschwerer Straßenbahnunfall ereignete sich in Köln am Hohenzollernring, wo an einer Straßenfreuzung zwei Straßenbahnwagen mit voller Wucht aufeinander stießen. Vier Fahrgäste und ein Schaffner sind teils schwer, teils leicht berletzt. Ein Straßenbahnführer erkannte die Gefahr, fonnte aber trotz der angewandten Bremsmittel seinen Wagen nicht mehr zeitig genug zum Stehen bringen. Beide Wagen sind teilweise zertrümmert. Tages- Chronik. Metz, 4. August. Hier erschoß sich der Sohn des Gemeindeschullehrers Kieffer, weil er bei der Versetzung von Sekunda nach Prima fizzen geblieben war. ,, Liederkranz" Sterofcib Männergesangberein- Blißenrod ,, 7. ** Dot bier Wochen gehalten, die dem Männergefang galt. Beftehen des Turn im Namen des Vere Stadt, ich begrüße egrüße alle Turnfr ben fiets Gerechtig alten und nach a den Huf: Se. Maj Auf dem Spichererberg- Turnfest, das digkeit gepflegt. gestern stattfand, haben auch zwei Gießener Turner( Hameln wir Schirmhe vom Turnverein und Burf vom Männerturnverein) teil.dern. Ich forder genommen. Burt erhielt den 12. und Hamel den 21. Breis. Auch sonst sind aus dem Gau Hessen noch Turnvereine verfeit Großherzog treten gewesen. Mit gesetzlichen Mitteln ist gegen die Spielleidenschaft nichts zu machen. Man müßte denn, wie wir schon sagten, die Wetter genau so bestrafen, wie die Leger. Dazu aber wird das Parlament, das die Verhältnisse nicht kennt, wohl nie seine Zustimmung geben. Also werden wir den Begriff ,, Rennbahn- Schieber" so leicht nicht los werden. Das Buchmachen und Schieben ähnelt dem Wildern; wer es einmal getan hat, ist nicht mehr davon abzubringen. Rix. Dornach, 5. August. Eine fünfköpfige Familie ist hier an Grünspanvergiftung tödlich erfranft. Der Vater ist bereits gestorben. Herne, 4. August. Der Führer der Deputation aus Courrières Nemy ist gestern nach Frankreich zurückgereist. Die beiden Pruvost und Dubois sind ihm heute gefolgt. Kunst und Wissenschaft. Schon ein Gut Heil, Gut Auf durch die ationalhymne spiel ntal Sängerbund hardt komponien Lauten Beifall auslöft Die Feftrede hiel airte: Nicht zur gigungsbedürfnisses heutige Feier gibt Güter. Die F × Dutenhofen, 3. August. Militärische Uebung. Dutenhofen war heute Morgen in wirklichem Sciegszustand versetzt, indem es von allen Seiten belagert wurde. früh morgens hielt eine feindliche Abteilung unsere Lahnbrücke besetzt, um den aus der Richtung von Azbach- Rinzenbach anrückenden Infanteriefolonnen den Uebergang über die Lahn zu verwehren. Schließlich mußte der Feind die Brücke räumen und ein Schild trug die Aufschrift: Brücke gesprengt. Allen 3 schauern bot sich nun das interessante Schauspiel, wie eine im Pionierdienst ausgebildete Infanterieabteilung es verstand, in furzer Zeit eine Brücke zu schlagen. Estung der Must wurden dieserhalb 5 große Rähne beschafft und Punkt 10 Uhr mit die Stärkung waren sowohl eine große Brück für die Wagen und d. Heute feiern Kavallerie und eine kleinere Notbrücke für die Infanterie, an dem der fertig geschlagen. EC. Eine Höhe von 7100 Meter erreichte im Ballon " Jupiter" des Wiener Aäroklubs Dr. Anton Schlein bei einer vor einigen Tagen unternommenen auteorologischen Fahrt. Dr. Schlein stellte in dieser Höhe eine Temperatur von-15,3 Grad Celsius fest. Er hatte die Fahrt ohne Mitnahme von Sauerstoff durchgeführt. Aus dem Gerichtsfaal. § Ein ungetreues Stadtoberhaupt. Der Bürgermeister der Stadt Paterson( New Yersey), der in seiner amtlichen Eigenschaft 14 000 Mart städtische Gelder veruntreut hat, wurde zu zwölf Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt. S. Exzel. Korpstommandeur General b. Eichhorn und Brigadekommandeur Generalmajor v. Büna sahen von der Lahnbrücke aus dem geschäftigen Treiben der Infanterie zu. Der Uebermarsch vollzog sich schnell. Darauf entspann sich um Dutenhofen nach der Richtung vom Klee. bachtal ein heißes Gefecht. Bei dem Gewitter am Abend fuhr ein Bliz strahl in einen Birnbaum unweit des Jagdschlößchens und spaltete ihn von oben bis unten in 3 Teile. Eine gerade des Wegs tommende Abteilung Solbaten war wohl nur 10 Meter von der Stelle entfernt, als der Feuerstrahl herniederfuhr. Wegen 2,25 M. ins Gefängnis. Von der Ferienstraffammer in Leipzig wurde ein 12jähriger Schüler wegen Einbruchdiebstahls zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Knabe, Sohn achtbarer Eltern, der jedoch schon früher, ats er noch nicht strafmündig war, gestohlen haben soll, ist bei einer Grünwarenhändlerin eingestiegen, hat die Ladenkasse eröffnet, ihres Inhaltes von 2,25 M. beraubt, und das Geld dann vernascht.- Wäre hier eine Besserungsanstalt nicht zweckdienlicher als das Gefängnis? * Wetlar. Im Laufe dieses Monats fand in den Räumen der landw. Winterschule zu Weglar ein Obst- und Gemüseverwertungskursus für Frauen und Mädchen statt. Die Beteiligung war eine sehr rege und fonnten aus Mangel an Raum nur 26 Teilnehmerinnen aufgenommen werden, während sich annähernd 40 aus der Stadt und Land ge meldet hatten. * Schlitz, 6. Auguft. Achtjähriger Lebens retter. Dieser Tage liefen mehrere Sandloffer Kinder über den Notsteg; das 5jährige Söhnchen des Webers Maul glitt dabet aus und fiel in die ziemlich hohgehende Fulda; der 8jährige Johannes Weber sprang seinem stromabwärts treibenden fleinen Spieltameraden, welcher bereits mehrmals untergetaucht und schon des Atems beraubt war, nach und brachte ihn unter eigener Lebensgefahr ans Trockene. Mainz, 5. August. Im nahen Breßenhain sind zwischen dem Bürgermeister und einem Teile des Gemeinde rats so tiefgehende Differenzen entstanden, daß schon mehrere Mitglieder des Gemeinderats ihre Stellungen niedergelegt haben, andere aber bei den einberufenen Sigurgen streifen. Dadurch sind schon mehrere einberufene Sigungen unmöglich gewesen, weil natürlich die nötige Anzahl Ge meinderäte zur Beschlußfähigkeit nicht zusammenfommen fonnte. So erft legter Tage wieder mußte eine als nicht öffentlich einberufene Sigung auseinandergehen, weil die Streifenden nicht erschienen waren. Darunter muß natürlich die Gemeindeverwaltung notleiden. Die Dresdener Straf Die Jubelfeier des 60jährigen Bestehens § Ein verurteilter Redakteur. Die Dresdener Straf lammer verurteilte vorgestern den verantwortlichen Redakteur Dresdner Rundschau" Erich Herz wegen Beleidigung bes sächsischen Justizministers Dr. Otto zu 5 Monaten Gefängnis. ber § Die Sucht nach dem Doktortitel hat einen bisher uns bescholtenen ins Gefängnis gebracht. Am 29. Juni sandte der in Frankfurt a. M. lebende Rabbinatskandidat Eduard Blaß aus Ungarn an den Dekan der Universität Tübingen einen Brief, in dem er mitteilte, er wolle zweds Promovation eine Doktorarbeit einsenden. Er bat um Nachficht und günstige Beurteilung, wofür er die Summe von 2000 m. einsenden werde. Der Dekan schickte den Brief an die Staatsanwaltschaft und die Frankfurter Straffammer verurteilte den Titel süchtigen zu drei Monaten Gefängnis. des Turnvereins Gießen. de und da geziem den. Die Macht Bersuch, die deuts ihnen eine freihei los. Der Ginbe diefen Gedanken client der deuticher Surner daran feste in der das Turne Turnen fast über Stitte in den Schuler Geit durch das Volf, da Siland über all ungsvoll auf. S night ohne Einfl in dieser Zeit des er wurde von M päter das Juger lerweile schlug al die Turnerschaf mit feindlichen Gießen steht unter dem Zeichen des vierfachen, gefceuzten F, der alte Wahlspcuch: fcisch, fcomm, fcöh lich, frei ist die Parole, die alle nationale Streise durch dringt. Wie hat das Zeitenrad sich gedreht, einst wat die Deutsche Turnerschaft als regierungsfeindlich ver folgt und verschrien, heute ist sie eine anerkannte Stüße des Deutschtums und die Organe der Regierung beweisen ihr offensichtlich Sympathien: sie be teiligen sich an ihren Veranstaltungen und Vertreter des Militärs und der Verwaltungsförper fahren in ihcen Festzügen. Heute brennt kein Kampf mehr um ein einiges Reich das steht mächtig im Völker4, das die Tur und heller wur ihre Sympathien ehen. Bismard Grinnerungen" i e feindliche Mäch ingiter Zeit drob littern, da ist es nd zufammeln. alten an ihrer hoE giftig zu erziel Deil! bermals halte Mufifitüde Weihe t Höhepunkt er enflors und frä lle Fahne auf ben wirtungsbo ein großer Leil De eine heftige Rec onte. Der erfte E dantend die be Fahne. Ge e Damen, die 1849 Reichten, unter den Roll und Fra nem dreifachen itauen. - Die Auf der Staatswapper migung ecte Geile das bon grünen achsuchen in bngen, unser sozial gespaltetes Volt auf einem ge= ischen Religioneinschaftlichen Boden zu sammeln und echtes Deutsch triebe da- heute gilt es die innere Einheit zu erDas Rittert & Großmitig ngelifchen L arn im Stampfe gegen einen falsch oder zu weit verfandenen Kosmopolitismus zu verteidigen. Nirgends hieht dieses mehr als auf den Turnplätzen der Deutschen Turnerschaft und daher eilt das Volk in Der deutsche emeindeschule lch gewaltigen Scharen zu ihm hin, um von hier Sienit berbund die große Aufgabe anzugreifen. Biegen it wird am L be ist von der .Die Gießener Turner gehört zu den geachtetsten Gliedern der Gesellhaft und man geizt nicht, ihm diese Auszeichnung zu beweisen. Eine willkommene Gelegenheit bieten die feste, wie die gegenwärtige Gießener Feier abermals dartut. Samstag, den 4. August. Fentlicher Sigung tonten ziehen Guirlanden sich entlang, aus den Augen Direktor des sitzt jugendliches Feuer, überall herrscht Festesstimmung! In den Straßen wehen Fahnen, an den Häuserd Im 8 Uhr ertönen die schmetternden Klänge des alba. Ahön. Zapfenstreichs, der sich nach dem Feſtplatz bewegt; haben 10 Soft Surmer und Turnfreunde finden sich ein und als sie gendes: it 168 Buntie feftfcohen Menschen besezt. 159 , 148 == " mit 171 Puntta 167 155 " 148 " 140 , 118 " " " " " " Rapelle unserer 116er die ersten Musikstücke intoniert it die hübsch geschmückte Festhalle bereits dicht von Dann betrat der erste Herr L. Althoff, die Bühne zur Eröffnungsansprache. Er sagte: Heut bor vier Wochen wurde an dieser Stätte eine Feier geholten, die dem deutschen Liede und dem deutschen Maanergesang galt. Heute feiern wir das 60jährige Bestehen des Turnvereins Gießen. Ich begrüße Sie im Namen des Vereins, ich begrüße die Vertreter der Stabt, ich begrüße die Vertreter des Gaues und ich begrüße alle Turnfreunde. Im Turn- Verein Gießen 116 haben stets Gerechtigkeit und Stameradschaftlichkeit gegolten und nach außen hin hat der Verein frohe urufeft, das Geselligkeit gepflegt. An der Spitze unseres Vaterlandes Turner( Hamel sehen wir Schirmherren, die die Turnerei tatkräftig turnverein) teil fördern. Ich fordere Sie auf mit mir einzustimmen den 21. Breit in den Ruf: Se. Majestät der Kaiser und Se. Königliche Turnvereine der hohe it Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Shein Gut Heil, Gut Heil, Gut Heil. Brausend hallte sche Uebung der Ruf durch die Halle, während die Kapelle die Striegszuftam Nationalhymne spielte. Dann trugen die Gießener wurde. Scho: Lahn tal- Sängerbundes- Vereine das von Wigand insere Lahnbrüd Gernhardt komponierte„ Deutsche Lied" vor, das -Rinzenbach an lauten Beifall auslöfte. über die Lahr Die Feftrede hielt Stadtrat Dr. Ebel, der etwa ind die Brüd ausführte: Nicht zur Befriedigung eines flachen VerBrüde gesprengt gnügungsbedürfnisses haben wir uns hier eingefunden. nte Schauspiel, die heutige Feter gibt der Ehre einer Arbeit zur Pflege fanterieabteilung boher Güter. Die Deutsche Turnerschaft erstrebt die uschlagen. Stärkung der Muskeln und der Gesundheit und nd Punkt 10 Uhr damit die Stärkung des gesamten Volkes gegen den te Wagen und eind. Heute feiern wir die 60. Wiederkehr des die Infanterie Lages, an dem der Turnverein Gießen gegründet andeur General burde und da geziemt es sich, die Blicke rückwärts zu almajor v. Bin wenden. Die Macht des Korien war gebrochen, aber gen Treiben der der Bersuch, die deutschen Stämme zusammenzufassen schnell. Darauf und ihnen eine freiheitliche Konstitution zu geben blieb tung vom Klee, folg los. Der Einheitsdrang war aber nicht zu rauben witter am Abend und diesen Gedanken wachgehalten zu haben, ist ein um unweit deserdienst der deutschen Turner. Unerschütterlich haben bis unten in 3 die Turner daran festgehalten, obwohl die düstere Zeit teilung Solbaten am, in der das Turnen als Hochverrat galt. Als dann ntfernt, als der as Turnen faſt überall erstickt wurde, fand es eine Stätte in den Schulen. 1848 ging wieder ein freierer 3 fand in den eist durch das Volt, da sang man überall„ Deutschland, Deutschland über alles", da strebte alles wieder offnungsvoll auf. Die politischen Unruhen blieben nicht ohne Einfluß auf den Turnverein Gießen, de in dieser Zeit des Sturmes und Dranges erstand. her er wurde von Männern wie Christoph Rübsamen, später das Jugendfest gründete, trefflich geleitet. Mittlerweile schlug aber die Stimmung der Regierung anbloffer Kinder gen die Turnerschaft um; das Turnen wurde nicht he mit feindlichen Augen angesehen. Das Deutsche Mich, das die Turner ersehnt, war erstanden und ller und heller wurde der Himmel. Die Regierung b ihre Sympathien für die deutsche Turnerschaft zu aftehen. Bismarck hat ihrer in seinen Gedanken Grinnerungen" in ehrender Weise gedacht. Aber cadere feindliche Mächte rütteln jegt an ihrem Baume. jüngster Zeit drohen die Kräfte der Jugend sich zu blittern, da ist es Aufgabe der Turnerschaft, die gend zusammeln. Die deutsche Turnerschaft muß halten an ihrer hohen Aufgabe, das Volk förperlich geistig zu erziehen. Der Deutschen Turnerschaft But Heil! r ein Dbft und Mädchen flatt nten aus Mangel ommen werden und Land g ger Lebens es Webers Maul hgehende Falda m ftromabwärt bereits mehrmals war, nach und Trockene. Brezenhain find e des Gemeind Daß schon mehre gen niedergel n Sigurgenrufene Sigung ge Anzahl zufammentommen eine als nigh gehen, weil di ter muß natürli Beftehens en. des bierfaden fromm, fo Abermals halte die Halle von lauten Rufen ber. Musikstücke folgten, bis der Abend in der Weihe der neuen Fahne Een Höhepunkt erstieg. Inmitten eines reizendeu Cmenflors und fräftiger Turnergestalten stand die hüllte Fahne auf der Bühne, während das frische in den wirkungsvollen Hintergrund abgab. Leider g ein großer Teil des Weihegedichts verloren, weil de eine heftige Regenflage niederprasselte und alles Letonte. Der erste Sprecher, Herr 2. Althoff, überum dankend die von Frauen und Jungfrauen ge ete Fahne. Er erwähnte dabet, daß noch zwei Damen, die 1849 die erste Fahne dem Vereine reichten, unter den Lebenden weilen, es sind dies au Noll und Frau Zilch. Der Sprecher schloß einem dreifachen Gut Heil auf die Frauen und ngfrauen.- Die Fahne ist eine funstvolle Seidenle Areife durd reht, einft wat Sfeindlich ver ine anerkannte der Regierung gien: fie be und Vertreter per fahren in mpf mehr um tig im Bölfer Ederet. Auf der roten Seite gewahrt man das Ge Staatswappen, das zu führen der Großherzog Genehmigung ecteilt hat, während man auf der en Seite das Bildnis Jahns erblickt. Beide den von grünen Eichenzweigen umwunden. Aus der Hand des ersten Sprechers übernahm mit einem fräftigen Gut Heil auf den Turnverein Turnwart Pieper die neue Fahne. Er gab das Gelöbnis, das neue Banner treu zu wahren und in Ehren zu halten und sprach den Wunsch aus, daß die Turner unter diesem Zeichen noch bessere Erfolge als unter dem alten erringen möchten. Die Glückwünsche des Gaues brachte Gaubertreter Helm dar. Im Auftrage des Gaues, sagte er, ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, dem Gießener Turnverein zu seiner Jubelfeier die herzlichste Gratulation darzubringen. Diese Feier hat eine besondere Bedeutung. Der Turnverein Gießen, der seit 1852 dem Gau angehört, ist einer seiner ältesten Vereine. An seiner Spize haben stets die richtigen Männer gestanden. Ich nenne nur die Gründer Justizrat Dr. Pfeiff, Rübsamen, Rechtsanwalt Weidig. Der Turnverein Gießen ist unentwegt eine feste Säule des Gaues gewesen und darum nimmt der Gau auch eine besondere Stellung zu ſeiner Jubelfeier. Den Gründern und dem Verein selbst Gut Heil, Gut Heil, Gut Weil! Der erste Sprecher des Männerturnverein Gießen, Rechtsanwalt Kaufmann: Ich überbringe Ihnen die herzlichsten Glückwünsche des Männerturnvereins Gießen für das, was Sie erreicht haben und für die Zukunft. 1895 haben der Turnverein und der Männerturnverein das 22. Mittelrheinische Kreisturnfest in Gießen gemeinschaftlich veranstaltet. wir werden auch in Zukunft mit Ihnen gemeinschaftlich Schulter an Schulter stehen. Als sichtbares Zeichen dafür überbringe ich Ihnen einen Faunennagel. Ich wünsche dem Turnverein ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. Gut Heil! Den Glückwunsch des benachbarten Turrvereins Weglar überbrachte der Ehrenvorsißende Brauereibeſizer All men roeder. Er überreichte ein Bildnis Dr. Goeß, des ersten Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, mit den Worten: Uebernehmen Sie dieses Bild des 80jährigen, das Ihnen der 70jährige überbringt, zum Geschenk von dem Bruderverein Beglar. " Nachdem Franz Wiegandt vom Turnklub noch einen silbernen Fahnennagel überreicht hatte, dankte der erste Sprecher L. Althoff in warmen Borten für alle G- schenke und Ehrungen, die dem Turnverein Gießen zuteil geworden. Das gemeinschaftliche Lied„ D, Deutschland hoch in Ehren", bildete die würdige Fortsetzung des Abends. Die nächsten Punkte fanden ebenfalls rückhaltlosen Beifall, die schwierigen Stabübungen, die von der Männerabteilung ausgeführt wurden, und der treff ich vorgetragene Männerchor Die Weihe des Gesanges" nämlich. Plößlich erloschen in der Festhalle die Lampen und auf der Bühne erschienen Turner, die Keulen trugen, in denen elektrische Birnen glühten. Die Musit sett ein und nach ihren längen bewegen sich rote und grüne Linien in magshen Ringen durch die Luft, bis die Musick wieder soweigt und donnernder Beifall zu der Bühne emporsauft. Nachdem dann noch eine Anzahl Ehrenurkunden für 25jährige Mitgliedschaft der= lichen war und einige weitere Männerchöre vorgetragen waren, wurden unter großem Beifall noch einige ansprechende Pyramiden gestellt. Justizrat Baist, der den Turnverein mit gegründet, stiftete in anerkennenswerter Weise 200 Mt. Erft in vorgerückter Stunde fand der Kommers seinen Abschluß. - Sonntag, den 5. Auguft. Die Sonne steht am faft woltenlosen Himmel, sodaß die fahnengeschmückte Stadt ein prächtiges Bild bietet. Schon mit den Frühzügen treffen die ersten auswärtigen Turner ein und werden unter Musit nach dem Festplaz geleitet, über dessen Haupteingang das vierfache F als mächtiges Wahrzeichen steht. Gegen Mittag überzieht der Himmel sich mit Wolfen und nimmt eine regendrohende Miene an, doch kann dieses Manöver absolut nicht die Laune der Turner verderben. Um 11 Uhr wird am Wallthor und den anliegenden Straßen der Festzug aufgestellt. 34 Stunden später erfolgte das Zeichen zum Abmarsch. In langen Reihen zog er an uns vorüber, fast 10 Minuten mußten wir ausharren, um ihn ganz zu sehen. Eröffnet wurde er durch Herolde, die hoch zu Roß erschienen waren. Diefen folgten ein Trommlerkorps, die Musit, die Ehrengäste, die ceis- und Gauvertretung, die Ausschuß mitglieder und Kampfrichter, und dann in langer Reihe die übrigen Vereine, insgesamt rund 100 Abteilungen. Sehr wirkungsvoll waren namentlich die beiden Wagengruppen der hiesigen Turnvereine. Gegen 34 Uhr traf der Bug auf dem Festplate ein, wo Stadtrat Helm in Vertretung des Oberbürgermeisters die Festteilnehmer im Namen der Stadt mit folgenden Worten begrüßte: Es ist mir als Stadtverordneter der ehrenvolle Auftrag geworden, Sie im Namen des Herrn Oberbürgermeisters, welcher verhindert ist, der Feier beizuwohnen, sowie im Namen der Stadt, freundlichst zu begrüßen und Sie auch zu versichern, daß die Bürgerschaft die Freude zur 60 jährigen Jubelfeter des Turnvereins voll und ganz teilt, und Sie bewillkommt mit dem echten Turnergruß Gut Heil. Der Turnverein Gießen hat während dieser langen Beit seines Bestehens die unschäßbaren Güter, Gesundheit Kraft und Gewandheit des Leibes, die Frische des Körpers' die Mutter des Frohsinns und der Zufriedenheit geweckt' gepflegt und gefördert und sich hohe Verdienste erworben, durch die Heranbildung vieler tüchtiger und gewandter Vaterlandeverteidiger. Und neben diesen ernsten Zwecken hat auch der Vere.n für die Pfl ge der Geselligkeit und genußreiche Unterhaltungen gesorgt und bei Veranstaltungen dieser Art, in der Bürgerschaft sich zur Unterstüßung gerne herbeigelassen. Wenn nun ein Verein eine so lange ersprießliche Wirksamfeit aufzuweisen hat, so ist das wohl ein Grund zur Freude und berechtigt zu lautem Jubel. Ihr werten Turner und Turnfreunde, welche gleichen idealen und gemeinnüßigen Bestrebungen huldigt und hierhergekommen seid, dieses Stiftungsfest nach Ihrer echt turnerischen Weise mit verherrlichen zu helfen, vereinigen Sie Ihre Wünsche mit denen der Bürgerschaft Gießens für das Wachsen, Blühen und Gedeihen des Turnvereins und geben Sie diesem Ausbruck, indem Sie mit mir einstimmen in den Ruf, dem Jubelverein ein dreifaches„ Gut Heil!" " Mächtig brausten die Gut Heil Rufe zum Himmel hinan und dann traten die Turner in vier Stirnreihen zu den Freiübungen an. Der Aufmarsch vollzog sich unter den Klängen der Mufit mit der größten Ruhe, troßdem die schwierige Schere gewählt worden war. Die Ubungen selbst, bie von annähernd 370 Turnern unter Leitung des ersten Turnwarts Müller ausgeführt wurden, boten einen prächtigen Anblick. Nachdem dann der Abmarsch mit gleicher Exaltheit erfolgt war, ordneten sich die Musterriegen zum Wettkampfe. Das Publikum umgab den Turnplag mit einem dichten Gürtel und verfolgte die einzelnen Vorführungen mit der größten Aufmerksamkeit. Ueberall wurde munter geturnt, am Pferd, Neck und Barren. Ein paar Hammerschläge verkünden den Wechsel der Geräte und dann wieder das Schwingen, Wenden, Gleiten der jugendlichen, schnigen Gestalten, denen das Lebensfeuer aus den Augen blizt. Auch das Damenturnen fam zur Geltung, indem die Damen- Abteilung des Turn- Vereins Gießen in der Festhalle turnte und laute Anerkennung errang. Das Schauturnen zeigte, zu welchen Zielen der Turner durch rastlose Arbeit gelangen fann; einige Vorführungen waren so schwieri und stellten so hohe Ansprüche an Geistesgegenwart, caft und Gewandtheit, das rückhaltloser Betfall fie belohnte. Abends wurden den Siegern die Diplome und Eichenkränze ausgehändigt. Das Wetturnen ergab folgendes Resultat: 1. Preis Gießen Tv.( Stabübungen).. 23,08 Punkte Weßlar( Red) 10. 11. Bießen M.-V., Zöglinge( Barren) 19,50 2. " 3. " Gießen Tv.( Barren) 22,66 21,58 H " 4. " Buzbach( Barren) 20,58 " 5. " Gießen M. T. V.( Pferd) 2050 " 5. " Großen- Bused( Barren) 20,50 " 6. " Grünberg( Pfero) 20,00 " 7. Н Staufenberg( Barren) 19,66 ff 8. " Н 9. " Nidda( Barren) . 19,17 " 9. " Usingen( Barren) " Heuchelheim( Pferd) 19,17 19,08 11 " " " Bad Nauheim( Pferd) 19,00 " 12. " Niederweisel( Pferd) 18,92 " 13. W Lollar, Zöglinge( Barren) 18,91 10 14. " Dekershausen( Barren). 18,66 " 15. " Gießen Tv., Damen 18,58 " 15. M Klein Linden( Rick) 18,58 " 16. " Annerod( Barren) 18,50 " 17. " Lang- Göns( Pfero) 18,42 " 18. " Großen- Linden( Barren) 18,33 " " Frankenberg( Barren) 18,31 20. " Gießen Tv., Böglinge( Pferd) 18,25 • " 21. " Daubringen( Barren) • 18,00 17 21. F Langsdorf( Barren) 18,00 " 22. " Naunheim( Barten) 17,66 23. " Großen Linden, Böglinge( Pferd) 17,50 " 24. Leihgestern( Pferd). . 17,00 " " 25. " Gambach( Pferd) 16,91 PC 26. Muschenheim( Barren). 16,75 " " 27. " Weßlar Niedergirmes( Barren) . 16,42 " 27. " Nieder- Mörlen( Barren) . 16,42 " 28. Krofdorf, Zöglinge( Pferd) • 16,41 " " Usingen, Böglinge( Pferd) . 16,31 30. 99 Krofdorf( Barren) 15,33 " 30. " Waldgirmes( Barren) 15,33 " 29. Unterbessen unternahm das Publifum aber einen waycen Sturm auf die Festhalle, um der Aufführung bes Festspiels beizuwohnen. Um 128 Uhr waren die Räume schon so beängstigend überfüllt, daß die Feuerwehr sie absperite. In allen Gängen standen die Zuschauer wie eine Mauer, die nicht wich und wankte. Stundenlang hielt das Publikum aus, dann wurde seine Geduld aber belohnt. Der Borharg ging auseinander, der getreue Eckart entbot seinen Festgruß und rief die deutschen Heldengestalten herauf. Das Feftspiel, das von Redakteur Ernst Heß verfaßt ist, läßt Vergangenheit und Gegenwart in Beziehung zur Turnerei vor uns erstehen. Hübsch eingestreute Waffenspiele, Turnübungen und Reigen machen es ungemein ansprechend, besonders wirken aber die lokalen Farben, da u. a. Felsing und Rübsamen mit ihren Turnscharen erscheinen. Die Darſteller taten ihr möglichstes, um das Stück wirkungsvoll darzustellen, was das Publikum durch lauten Beifall auch rückhaltlos anerkannte.- Aber auch draußen nahm das Feft seinen Fortgang. Die elektrischen Bogenlampen flammten auf und das Leben nahm mit jeder Minute zu, bis der Morgen ein Ende gebot. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 7. Auguft. Zeitweise heiter, trocken, nachts noch fühl, am Tage etwas wärmer, schwache mäßige westliche Winde. Verantwortlich für die politik und den Inserateniet. Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belb in Gießen. unent= Carboline, das beste für die Haare behrlich, um schönen Haarwuchs zu erzielen, das Ausfallen und frühzeitige Ergrauen zu berhüten und Schuppen zu entfernen und zu verhindern. Echältlich à Mt. 3. die Flasche in Apotheken, Drogerien und Parfümerten oder von H. H. Warner& Co., Schäfergasse 11, Frankfurt a. M. Bekanntmachung. Die unterm 27. Juni 1906 angeordnete Sperre der Stephanstraße zwischen Bismarck- und Bruchstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 2. August 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V. Roth. Wefanntmachung. Großh. Univers. Bibliothek Gießen. Alle Benutzer, mit Ausnahme der Studierenden, haben die vor dem 9. Juli entliehenen Bücher spätestens am 10. August zur Musterung einzuliefern. Die unterm 27. Juni 1906 angeordnete Sperre der täglich von 9 bis 1 Uhr vormittags geöffnet. Kaplansgasse wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 2. August 1906. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Bekanntmachung. In der Zeit vom 28. Juli bis 4. August 1906 wurde in hiesiger Stadt gefunden: 1 Trauring, 1 Brosche mit Photographie und 1 Portemonnaie mit Inhalt; berloren: 1 50- Marfschein, 1 3wanzig- und 1 Zehnmarkstück verschiedenes Kleingeld und einige Schriftstücke, i schwarzer lederner Damengürtel mit oridierten Stahlschnallen, 1 silb. Zigarrettenettui mit Wappen und springendem Hund verziert, 1 Herrenring mit Stein und 12 Brillanten, 1 Herrenumhang schwarzgrau und 1 Täschen mit goldenem Kettchen als Inhalt, 1 Portemonnaie mit zirka 5 Mt. und 2 Hülsen mit Pulver. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen: Gießen, den 4. August 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Noth. Arbeitsvergebung. Die für die Erbauung der Gewerbeschule in Gießen nötigen Arbeiten und Lieferungen: a., Erd- und Maurerarbeiten, b, Zementlieferungen, c., Bauankerlieferung, sollen getrennt auf dem Submissionswege vergeben werden. - Angebotsunterlagen fönnen im Baubureau alte Gewerbeschule, Asterweg 25 bezogen, und daselbst Zeichnungen, besondere Bedingungen und allgemeine Vertragsbedingungen eingesehen werden. Die Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin Samstag, den 11. Auguft d. Js. vorm. 11 Uhr im genannten Baubureau einzureichen. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 4. August 1906. Für den Ortsgewerbeverein Gießen: Die Bauleitung, Traber. Vom 13. August bis 13. Oktober ist die Bibliothef Gießen, den 25. Juli 1906. Der Großherzogliche Direktor: Dr. Haupt. Lebensgrosses Porträt Brustbild nach jeder Photographie vergrössert. Echte Kreidezeichnung. Grösse 45 x 55 cm. Aehnlichkeit garantiert. 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Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und können daselbst zum Selbstkostenpreis erhoben werden. Die Angebote müssen bis zum Eröffnungstermin Ziehung am 12. a. 13. Septbr. 1996. am 20. August 1906, vormittags 11 Uhr mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an uns gelangen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 27. Juli 1906. Großherzogliches Hosbauamt Gießen. Becker. 500 Mark werden verschenkt! 46. Gothuer eld- Lotterie 3338 Gewinne u 1 Prämie Mk. Mk. 48000 25000 25 Reichskassen- Grösster Gewinn im plücklichsten Falle: scheine à 20 Mk. hat der Verlag reserpiert. Jeder, der auf beifolgendem Bilde den Besitze sucht und ihn mit Blaustift übermait, erhält Mark 20 geschenkt. Um das beliebteUn terhaltungsalbum weiter zu vertreiben ist Bedingung, dass jeder Einsender die angefügte Bestellung an das Verlagshaus Paul Claus, Berlin- Lichtenrade einsendet. 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Die Arbeiten und Lieferungen für die äußere ns. insere Entwässerungsanlage der nachstehend au führten Gebäude werden hiermit unter Zugrunde legu des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 unter de hierzu berechtigten Unternehmern am Ort öffentliche geschrieben. Los I Dienstgebäude des Hochbauamts. Los II Universitätskanzlei. Angebotsunterlagen fönnen auf unserem Stephanstraße 18 eingesehen, Angebotsformularien dat her bezogen werden. Die Angebote sind mit entsprechender Aufsch versehen bis Samstag, den 11. August 1906, vorm. 10 Uhr dem Eröffnungstermin bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 4. August 1906. Großh. Hochbauamt Gießen. J. V.: Heyer. Arbeitsvergebung. Die nachverzeichneten Arbeiten und Lieferungm zur Erbauung einer höheren und erweiterten Mädch schule sollen Samstag, den 18. Auguft d. Js., vorm. 10 Uhr öffentlich vergeben werden. Los I Schlosserarbeiten im Kellergeschoß Los II Los III Los IV " " Erdgeschoß " I. Obergeschoß " II. Obergeschoß Los V Liefern und Verlegen von 375 qm Li leum. Los VI Mosaifplattenlieferung: a) Liefern von 1550 qm Bodenplatter b) Liefern und Ansezen von 155 Wandplatten. Los VII Asphaltfußboden 215 qm Los VIII Rolladenlieferung 37,50 qm Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsi offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältli sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureid Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 3. August 1906. Städtisches Hochbauamt., Gerbel. Arbeitsvergebung. Die Maurer und die Pflaster- und Chanffin arbeiten für den Ausbau der Stephansstraße zwisc Bismarck- und Bleichstraße sollen Montag, den 13. August, vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer 1 zur Einsicht offen Angebote auf Vordruck, der dasel erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten 3 punkt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift sehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 5 Wodn Gießen, den 1. August 1906. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Carl Geißler, Gießa übernimmt Schriftliche Arbeiten, Vermittelung von Anund Verkäufen, Vermietungen, Aufnahme von Vermögens- Verzeichnissen, Vermögens- und nachlassverwaltungen, freiwillige Versteigerungen, Tnkaffo und Beitreibung von Forderungen, bei mässigem Honorar und fachgemässer Ausführung. Bims die Hand Geschäftsstube: ,, Hotel Einhorn mir Neue Abrador Frühkartoffeln Flechten Diss. und cable Sche akroph Ekzema, Hautausschlago, Wetterauer Ware, gelbe Perle von Erfurt und Frührosen offene Füsse perfenbet infl. Sad vro Rentner Beinschäden u. 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