Nr. 259. Erstes Blatt. Redaktion n. Hauptogpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362. Samstag, den 3. November 1906 Gießener 15. Jahrgang Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Setfenblasen( wöchentlich). 6. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Bolizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Das Neueste. Die preußische Regierung hat eine außerordentliche Vichzählung angeordnet, um sich über das Ernährungsbedürfnis der Bevölkerung zu unterrichten.( Wird aber auch so allmählich Zeit. D. Red.) Potsdam, 2. Novbr. Aus Bekanntenkreisen des Landwirtschaftsministers v. Podbielski verlautet nach der Frff. 8tg." mit ziemlicher Bestimmtheit, daß v. Podbielski für das Oberpräsidium in Kassel in Aussicht genommen sei. Der jeßige Oberpräsident von Windheim werde dann ein Minifterium übernehmen. Der König von Spanien hat dem Großh. Hessischen Konsul Kempff in Hamburg das Kommandeurkreuz mit Stern des Militärverdienstordens verliehen. Täuschungen. Politische Wochenschau.] Die Vorstellung von der Möglichkeit und Ratsamkeit iner Abrüstung ist schon manches Mal aufgetaucht und hat ich noch immer als eine Täuschung erwiesen. Sie ist neuer: rings wiedergefehrt, und wahrscheinlich wird sie wieder eine Cäuschung sein die uns übrigens vermöge de Gewöhnung es Gegenteils nicht allzu hart trifft doch irgendwann bird fie fröhliche Wahrheit werden. - Als in der vorigen Reichstagsfession die neuen Steuern bejchlossen wurden, rechnete man mit annähernd bestimmten Erträgen. Die Erwartungen haben sich nur zum Teil erfüllt. Die Einnahmen der Reichspost aber haben die Hoffnungen getäuscht. Sie find trotz der erheblichen Portoerhöhungen im Drtsverkehr, trotz des Wegfalls der Zweipfennigfarte und des Bweipfennigtarifs für Drucksachen nicht gewachsen. Manche werden sagen, daß es gerade deswegen geschehen sei. Der Berkehr reagiert auf jede Verbilligung mit einer Vermehrung, auf jede Verteuerung mit einem Rüdgang. Daß aber der Rüdgang so groß sein würde, um das natürliche Anwachsen ser Einnahmen zu verschlingen, haben selbst die Pessimisten nicht vorausgesehen. Freilich ist ein endgiltiges Urteil jezi och nicht möglich. Es ist nicht unbedingt ausgeschlossen, Daß der Verkehr sich an die Verteuerung gewöhnt, namentlich venn die Nebenwege Versendung von kaufmännischen Rundschreiben, Reklamen, Drucksachen durch neugebildete private Institute fich als ungangkar erweisen. Erst nach längerer Frist wird man die sicheren Unterlagen für eine richtige Erkenntnis gewonnen haben. - Aus Deutsch- Südwestafrika sind unerfreuliche Nachrichten A fommen. Die Hoffnung, daß der Aufstand dort zusammengebrochen und erloschen sei, hat sich als Täuschung erwiesen. Damit ist noch nicht gesagt, daß der Aufstand den vorigen Umfang wieder annehmen müßte. Wir schöpfen daraus nur bie erneute Lehre, daß man seine Wünsche nicht zum Maßtab seiner Erwartungen machen darf. In der auswärtigen Politik ist die Woge der Besorgnisse berlaufen. Es war geraume Zeit hindurch förmlich Mode, bon Deutschlands Isolierung zu sprechen. Heute tut das niemand mehr. Wer es versuchen wollte, würde ausgelacht werden. Die Bündnistreue Desterreich- Ungarns ist erprobt, bie Beziehungen zu Rußland haben aufgehört, bloß ,, forreft" zu sein, und sind zu der früheren vertrauenden Herzlichkeit jurüdgefehrt. Hier haben die eine Täuschung erfahren, die nach Maßgabe ihrer Wünsche darauf rechneten, Rußland werde mit den Neidern Deutschlands gemeinsame Sache machen und fortfahren, eine mögliche Bedrohung im Osten zu bilden. Nicht einmal Frankreich gibt sich ferner zu einer Jolchen Rolle her. wurde. - In Rußland ist zwar die Revolution im Verebben aber sie ist immer noch stark genug, die öffentliche Ordnung billig in Frage zu stellen. Daß am lichten Tage im Herzen ber Hauptstadt Petersburg ein großer Geldtransport mit gewaffneter Hand aufgehoben und fortgebracht werden konnte, ft ein Zeichen tiefgehender Unsicherheit. Mehr noch deutet barauf der öffentlich erklärte Verzicht der Moskauer Reichsbanffiliale auf Versendung von Wertpapieren, welcher Verficht geradezu mit der Unsicherheit des Transports begründet Zwischen Amerika und Japan ist ein kleiner Konflikt ausgebrochen. Eigentlich nur zwischen Kalifornien und Japan. Der Konflikt ist ein Schulstreit. In San Francisko sind japanische Anaben gleich den chinesischen in besondere Schulen verwiesen worden, und das haben die Japaner als eine Raffen- Burücksetzung empfunden. Die falifornischen Behörden behaupten, fie hätten rein pädagogische Gründe gehabt, die bereits angejahrten japanischen Knaben nicht mit den weit jüngeren eingeborenen Kindern auf eine Schulbank zu setzen. Dob das Wahrheit oder bloß eine Ausrede ist, bleibe dahingeftelt. Schlimm ist nur, daß die Unionsregierung in Unterrichtsangelegenheiten den Einzelstaaten gar nichts zu jagen hat. Das erschwert den Ausgleich. Aber der Aus. gleich ist notwendig, und so wird er gefunden werden. Die Behörden von Kalifornien waren jedenfalls in einer Täuschung befangen, als fie glaubten, fie dürften den Japanern bieten, was die Chinefen ruhia hinaenommen haben. - - - Spanische und französische Kriegsschiffe find in die Häfen bon Marokko eingelaufen ein deutlicher Wink für seine scherifische Majestät, daß er sich täusche, wenn er auf Grund feiner in Algeciras anerkannten Selbständigkeit annehme, er dürfe fich seinen Verpflichtungen entziehen, die ihm allerdings mehr auferlegt, als von ihm übernommen worden sind. In Frankreich entwickelt Ministerpräsident Clémenceau erstaunlichen Reformeifer. Er will die Einkommensteuer einführen, die ebenso gerecht wie dem französischen Mittelstand berhaßt ist. Er will die Militärgerichte in ihrer Kompetenz auf rein militärische Vergehen beschränken. Er will die Todes Strafe abschaffen. Das ist etwas viel auf einmal, mehr als die Franzosen bei aller Freude am Neuen vertragen können. Clémenceau fann einige Enttäuschung erleben. - Ernst von Eynern. Barmen, 2. November. Landtagsabgeordneter von Ehnern ist in der vergangenen Nacht hier in der Wohnung seines Sohnes, bei dem er zu Besuch weilte, plöglich gestorben. Er wurde im Schlafzimmer tot aufgefunden; es liegt Gasvergiftung vor. Der Ver. storbene hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Das jüngere Geschlecht weiß faum noch etwas von diesem Zührer der nationalliberalen Partei, der vor dreißig Jahren ein Rufer im Streite gewesen und sogar in der heroischen Zeit unseres Parlamentarismus eine gewisse Bedeutung zu erlangen und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken wußte. Er war, wenn man so sagen darf, ein erster Redner zweiten Ranges. Er besaß Humor, Unerschrockenheit er wagte sich an die überlegensten Gegner Mutterwig. Temperament. Während der Zeit des Kulturkampfes entwickelte er besonderen Eifer. Die Maigesetze konnten ihm nicht scharf genug sein und nicht streng genug gehandhabt werden. Als Regierung und Kirche ihren Frieden machten, sah sich die Kampfesstimmung des Abgeordneten v. Eynern ihres Lieblingsgegenstandes beraubt. Er wandte sein Interesse staatswirtschaftlichen Fragen zu. Bei der Eisenbahnver staatlichung in Preußen wirkte er eifrig mit. Als in der Verstaatlichungskommission einzelne Mitglieder an den großen Entschädigungen für die Direktoren der Privateisenbahnen Anstoß nahmen und sie nicht bewilligen mochten, prägte er das nicht ganz salonfähige, aber hübsche Wort: Man kauft den Hund mit den Flöhen." In dem ausbrechenden herzlichen Gelächter konnte man feine weitere Einrede finden und genehmigte den Ankauf der Bahnen mit den Direktoren. Als die wirtschaftlichen und Zollfragen die nationalliberale Partei zu spalten anfingen, hatte v. Eynern politisch keine rechte Arbeitsfreudigkeit mehr. Er wurde stiller und stiller. Seit Jahren und Jahren hat man ihn nur noch selten gehört. Sein letztes parlamentarisch= rednerisches Auftreten galt der Hibernia- Frage. Er beklagte den versuchten Ankauf eines Bergwerks, das in den Rheinlanden seit Geschlechtern erblichen Besitz gebildet habe. Ja, wenn der Staat noch zwölf Prozent mehr geboten hätte, so hätte sich darüber reden lassen! Es war feine glückliche Abschiedsrede. Persönlich war v. Eynern beliebt, auch bei seinen politischen Gegnern. - Ein Parlamentarier, Politifche Rundschau. Deutsches Reich. * Die Reichsregierung wendet der Einführung einer Mühlen- Umsatzsteuer gegenwärtig erhöhtes Interesse zu. Auf Wunsch des Reichsschazamts werden im preußischen Staatsgebiet Erhebungen über die Zahl und die Entwicklung der Mühlenbetriebe veranstaltet, um darüber Gewißheit zu erhalten, ob die Zahl in den letzten zwanzig Jahren diejenige Abnahme erfahren hat, wie sie die Befürworter einer Umsatzsteuer behaupten. Voraussichtlich werden die nichtpreußischen Regierungen ähnliche Erhebungen ausführen. * Das sogenannte Weinparlament tritt am 8. November im faiserlichen Gesundheitsamt zu Berlin zusammen. Die Einladungen find den von den Regierungen der Bundesstaaten benannten Mitgliedern, Sachverständigen des Weinbaus und Weinhandels sowie Vertretern der Weinbau- und Weinuntersuchungsinstitute, bereits zugegangen. Zur Aenderung des Weingesezes vom 24. Mai 1901 liegen nicht weniger wie 257 Anträge vor, sodaß das Weinparlament reiche Arbeit betommen wird. Rufsland. ** Zu den Prozessen wegen des jüngsten Bombenattentats in Petersburg wird noch gemeldet, daß sich zur Hinrichtung der Verurteilten fein Henter fand; die Verbrecher mußten baher erschossen werden. Unter den Hingerichteten befinden fich zwei Droschfenkutscher, die beim Fortschaffen des geraubten Geldes geholfen haben. Eine Frau aus Simferopol, die in Petersburg unter falschem Namen Wohnung genommen hatte, ist wegen Beihilfe verhaftet worden; sie hatte das Geld anderen übergeben. Von jezt ab sollen amtliche Gelder nur noch in - Beloschränten unter militärischer Bedeckung befördert werden. Ferner liegen folgende Meldungen vor: Petersburg, 2. November. Auf Beschluß des Unterrichtsministers sollen Maßnahmen zur sofortigen Wiedereröffnung der Universität getroffen werden. Petersburg, 2. November. In diplomatischen Kreisen wird versichert, daß die Ernennung des Grafen Witte zum Ministerpräsidenten bereits vollzogen vorliege. Ochta, 2. November. In der hiesigen Pulverfabril wurden von einem Beamten des Artillerieressorts, der mit zwei von fünf Untermilitärs begleiteten Fuhren erschienen war, auf vorgewiesene Befehle des genannten Ressorts hin, 40 Pud Pulver und ein größeres Quantum Schießbaum wolle ausgefolgt. Später stellte es sich heraus, daß ein Betrug verübt worden war; die Befehle trugen gefälschte Unterschriften. Die Nachforschungen nach den angeblichen Beamten blieben erfolglos. Petersburg, 2. November. Der Vorsitzende des Arbeiterdeputiertenrates, Krustalew, und 14 Mitglieder dieses Rates find zur Verbannung nach Sibirien unter Verlust aller bürgerlichen Rechte verurteilt worden. Zwei Mitglieder haben Festungsstrafen erhalten, die übrigen sind freigesprochen worden. Kleine politifche Nachrichten. Berlin, 2. November. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß einstimmig, durch den Magistrat die Staatsregierung im Maßnahmen zur Beseitigung der Fleischteuerung zu er= uchen. Berlin, 3. November. Die von der internationalen Teleunken- Konferenz vereinbarte Konvention soll heute hier unterjeichnet werden. Stade, 2. November. Bei der Reichstagsstichwahl für en 18. Hannoverschen Wahlkreis wurde der Nationalliberale Reese gegen den Sozialdemokraten Ebert mit großer Mehrjeit gewählt. Konstantinopel, 2. November. In Jfizler wurden fünf Batriarchisten und zwei Frauen von einer bulgarischen Bande rmordet. Jm Bezirk Kumanowo dauert das serbische Bandenunwesen an; in zwei Dörfern wurden Brandstiftungen egangen. ** Dof und Gefellfchaft. Der Bruder des österreichischen Thronfolgers, Erzjerzog Otto von Oesterreich, ist in Wien einem Sehirnschlag plößlich erlegen. Erzherzog Otto wurde in Graz im 21. April 1865 geboren. Er war ein Neffe des Kaisers Franz Josef, ein Bruder des Thronfolgers Franz Ferdinand und als Gemahl der Prinzessin Maria Josefa von Sachsen ein Schwager des jezt regierenden Königs von Sachsen. Aud seiner Ehe entstammen zwei Söhne. In der österreichischen Armee bekleidete er zuletzt die Stellung eines General inspekteurs der Kavallerie, die er im Juli d. J. niederlegte Am 10. November wird der Kaiser in Gegenwar der Kaiserin und der in Berlin weilenden Prinzen und Fürstlichkeiten die Vereidigung der Berliner Rekruten vor nehmen. Am Tage darauf werden die Potsdamer Rekruter bereidigt. ** Deer und flotte. Raffermanöver 1907. Nach zuverlässigen Mitteilungen inden die Kaisermanöver im Jahre 1907 mit Beteiligung des iebenten Armeekorps in Westfalen und den angrenzenden Bezirken statt. Das Hauptquartier des Kaisers wird vorausichtlich Münster sein. Die Schulbildung im Heere. Nach einer Statistik find im Jahre 1905 innerhaib der preußischen Monarchie in das Heer und die Marine im ganzen 159 256 Rekruten eingestellt worden. Darunter befinden sich 58 oder 0,04 v. H. ohne Schulbildung, während im Ersahjahr 1885/86 die Prozentzahl der Analphabeten noch 1,72 betragen hatte. 24 Refruten, von denen 18 in das Landheer, 6 in die Marine eingestellt wurden, besaßen nur eine Schulbildung in ihrer nichtdeutschen Muttersprache. Soziales Leben. × Die Bewegung im Ruhrkohlengebiet. Wie es heißt, fordern ausländische Agitatoren die Bergarbeiterschaft dea Ruhrgebiets zur Aufnahme der passiven Resistenz an Stelle des geplanten Massenstreits auf. Man hoffe dadurch die Förderungsleistung um 50 Prozent zu verringern. × Riesenstreik in England. Auf zehn von den 50 Kohlen gruben des Reviers von Rhondda in Wales, die insgesamt etwa 45 000 Arbeiter beschäftigen, stellten die Bergarbeiter, nachdem sie vor vier Wochen gekündigt hatten, die Arbeit ein, um dadurch gegen die Beschäftigung von solchen Bergarbeitern zu protestieren, die nicht der Bergarbeitervereinigung an gehören. Auf den übrigen 40 Kohlengruben ist es nicht zum Ausstand gekommen, weil dort alle Arbeiter, die bisher nicht Mitglieder der Bergarbeitervereinigung waren, dieser jetzt beigetreten find. 33. ir t. st er BES en ng m. Fette Bobin geben bu su geben, lucht und verbannt sind-" jurüd fann ich nicht, in Wiesleben zu wohnen, wo wir verWo foll ich hin? Hier muß ich weichen, ins Kloster borbei und beine Beit hier oben um tel, wenn der Winter Selte wohl besonbers fräftig wirkte, von ber Dachlante ab. Mit einem lauten Aufschrei fuhren beide Frauen zurüd. gelöst, praffelnd zu ihren Füßen nieder. den freigegebenen Butrit: zu benußen. Rufe den Knechi Die Eisstücke und eine gewisse Bangigkeit hielten sie ab, Macpherson schüttelte " Ich den Kopf. mich dessen nicht. Aber wohl verordnete erinnere mittels, die ihn beinähe getötet hätte. eigene Schuld, wie Sie selbst sehen werden, wenn ich Ihnen ich einstmals einem Herrn eine zu große Dofts eines SchlafEs war jedoch seine Während er auf ber breiten Zone, ber Spur von Angst verriet. derte er fortwährend in mich hintergangen und wäre mit seiner halben Krone forts " Ich glaubte schon, der Bengel, den ich schickte, hätte einem reppe voranschritt, plaus burchaus teine Nab und Fern. † Dem Richter entrückt. Der Stadtverordnete Lehrer Drischel aus Breslau wurde im Klosettraum eines Eisenbahnzuges der Richtung Breslau- Strehlen erschossen aufgefunden. Drischel, der Mädchenschullehrer war, hat wegen sittlicher Berfehlungen in der Schule Selbstmord verübt. † Großfeuer in Aachen. Durch ein nachts ausgebrochenes Schadenfeuer wurde in Aachen das Rohmaterialienlager der Firma Josef Königsberger, einer der bedeutendsten Textilfirmen Westdeutschlands, vernichtet. Auch in anderen Fabriken müssen die für die Firma Königsberger laufenden Webstühle bis zur Beschaffung eines neuen Lagers stillstehen. † Im Wahnsinn. In Aarau erschoß ein aus der Fremde zurüdgefehrter Sohn des Gymnasiallehrers Winbeler in einem Anfall von Geistes gestörtheit seine Mutter, seinen Schwager Bandi und sich selbst. + Unwetter in Südeuropa. Die furchtbaren Stürme und Wolfenbrüche, die Südeuropa heimgesucht haben, richteten überall große Schäden an. Es liegen folgende Meldungen vor: Zoulon, 2. November. Ein furchtbarer Sturm hat auf der Insel Hyères große Verheerungen angerichtet. 70 Häuser sind eingestürzt, zahlreiche Familien obdachlos. Rom, 2. November. Infolge starter Wolfenbrüche hat der Lavaschlamm vom Vesuv die Abhänge des Berges überschwemmt und die Gärten zerstört. In Resina und Sangiovanni wurden viele Häuser unter Schlamm gesetzt. Neapel, 2. November. Der heutige Frühzug somie die Trambahnen blieben im Schlamm stecken und mußten den Dienst einstellen. Der Sturm vollendete das Zerstörungswert. Die Lava hat ein 40 Meter langes Dach des Gasometers fortgetragen. Wien, 1. November. In Abbazia wütete ein heftiger Siroffo, verbunden mit gewaltiger Sturmflut und einem Wolfenbruch, wodurch die vordere Hälfte der großen Mole zerstört wurde, sodaß die Schiffahrt für längere Zeit unterbrochen wird. Auch sonst wurde großer Schaden angerichtet. † Verloren und wiedergefunden. Von einem französischen Segler wurde nahe den Casquette- Inseln das seit sieben Monaten verschwundene Fischerboot Christoph Columbus" angesprochen, welches man allgemein als verloren betrachtet hatte. Die Besaßung ist seit Monaten den fürchterlichsten Entbehrungen ausgesetzt gewesen. Troßdem weigerte sich der Kapitän des ,, Columbus", sein Schiff in Schlepptau nehmen zu lassen, und nahm nur Vorräte von Fleisch und Trinkwasser entgegen. Das Schiff war mit Muscheln vollständig bedeckt und besaß feinen einzigen Mast mehr. † Felssturz auf der Bahnstrecke. In der Nähe der Station Lic der Bahnstrecke Agram- Fiume stürzte ein großer Felsblock auf einen gerade passierenden Eisenbahnzug. Die Lokomotive sowie mehrere Waggons wurden schwer beschädigt, mehrere Eisenbahnbedienstete verletzt. Der Materialschaden ist groß, der Eisenbahnverkehr völlig unterbrochen. + Hauseinsturz. Während einer Nachlaßauftion in einem alten Hause in Strabane bei London stürzte der Fußboden des im ersten Stock gelegenen Spenjejaales ein. Fast sämt= liche Anwesenden wurden in das Erdgeschoß herabgeschleudert. Neber 30 Personen wurden schwer verletzt und einige von ihnen liegen hoffnungslos danieder. † Nach 32 Jahren begnadigt. Vom Prinzregenten von Bayern wurde der Maurer Nikolaus Müller begnadigt, der 1875 seinen Kollegen, den Maurer Ed, ermordet und seiner aus einigen Mark bestehenden Barschaft beraubt hatte. Er murde seinerzeit vom Schwurgerichte zum Tode verurteilt, [ päter aber zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Infolge seiner guten Führung in der Anstalt erhielt er jetzt die Freiheit wieder. Müller ist inzwischen 52 Jahre alt geworden. + Mit Chankali vergiftet. In eigenartiger Weise beging in Berlin der Barbier Wernicke Selbstmord, der vor einigen Wochen ein Friseurgeschäft eröffnet hatte. Während er einen Kunden zum Rasieren bereits eingeseift hatte, brach er plözlich unter heftigen Zuckungen zusammen. Der Kunde eilte zur Polizei. Die Schußleute fanden den Barbier bereits leblos vor. Wernicke war an einer Chankalivergiftung berstorben. Er war jedenfalls durch schlechten Geschäftsgang zur Ausführung der Tat getrieben worden. † Meuternde Chinesen im Stettiner Hafen. Auf dem Hamburger Dampfer Syfang", der mit einer Ladung Phosphat von Ocean Island( Australien) in Glienfen bei Stettin eingetroffen ist, verweigerte am Mittwoch die in Singapore angemusterte, aus 24 Chinesen bestehende Mannschaft die Arbeit und begab sich vorgestern nach der Stadt, in der Absicht zu desertieren. Die Leute wurden indessen wieder zum Schiffe zuückbefördert. Gegen Abend bewaffnete sich ein Teil von ihnen und drang auf den Kapitän und die übrigen Schiffsoffiziere ein, wobei ein Maschinist schwer verletzt wurde, es gelang, die Rädelsführer, 5 an der Zahl, dingfest zu machen und in das Gefängnis zu bringen. + Ein verhängnisvoller Mißgriff. Die Flößersehefrau Göppner in Wallenfels hatte das Mittagessen statt mit Pfeffer, irrtümlich mit Insektenpulver gewürzt. Nach der Einnahme der Mahlzeit erfrankte die aus sieben Köpfen bestehende Familie derartig, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Glücklicherweise besteht bei keinem Lebensgefahr. Bunte Tages- Chronik. eine Samter, 2. November. Der Förster Kiau aus Forsthaus Pfaffenberg wurde gestern früh in seinem Jagdrevier von Wilddieben erschossen aufgefunden. Die Mörder find ent tommen. Trier, 2. November. Bei der Vornahme von Zielübungen wurde der Vizefeldwebel Lünsmann des 29. Infanterieregiments erschossen. Es liegt Selbstmord vor. Der Vizefeldwebel hatte selbst das Gewehr für den übenden Soldaten mit einer scharfen Patrone geladen. Arnsdorf i. Böhm., 2. November. Ein großer Brand bernichtete gestern die Kirche, das Pfarrhaus und zwei Wohnhäuser mit Scheuern und Nebengebäuden. Der Altar und die Orgel der Kirche sind verbrannt, das Innere der Kirche ist demoliert. Aus dem Gerichtsfaal. § Major Zander vor dem Reichsgericht. In dem sensationellen Prozeß wider den Bezirkskommandeur und Major a. D. Zander hatte, wie erinnerlich sein dürfte, sowoh! der Verteidiger als auch der Vertreter der Anklagebehörde Revision eingelegt. Der Staatsanwalt bemängelte die nicht ausreichend konkrete Fassung der Schuldfragen, der Verteidiger, Justizrat Mamroth, erblickt eine Verlegung der Strafprozeßordnung darin, daß nicht alles Beweismateria berlesen wurde. Der 4. Senat des Reichsgerichts verwarf beide Revisionen. Major von Zander wird wegen des Falles Moll beim Landgericht Breslau das Wiederaufnahmeverfahren beantragen. § Der Sokol- Prozeß vertagt. Der große politische Prozeß gegen 22 Sofolmitglieder, unter denen sich Rittergutsbesiger von Koscielski und Reichstagsabgeordneter von ChrzanowskiPosen befinden und der in Gnesen stattfinden sollte, ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Prozeß wurde be fanntlich wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz durch Veranstaltung eines Sofolfestes im Koscielstischen Parke eingeleitet. 8 Die Flucht des Raubmörders Hennig bat nun auch das Reichsgericht in Leipzig beschäftigt. Es verwarf die Revision der Berliner Schußleute Petschat und Wolf, die am 30. Mai d. J. von dem Landgericht I Berlin wegen fahrlässigen Entweichenlassens des Raubmörders Hennig zu 300 bezm. 100 Mart Geldstrafe verurteilt worden waren. Nachdem nun in dieser Sache das Reichsgericht endgültig entschieden hat, dürfte Hennigs letzte Stunde bald geschlagen haben. Die Hinrichtung des Raubmörders wird voraussichtlich noch in dieser Woche stattfinden. § Giftmordprozeß Heusler. Von Interesse waren die mun beginnenden Gutachten der Sachverständigen. handelt sich hierbei um die Bekundungen der drei bekanntesten deutschen Psychiater, der Professoren Dr. Kräpelin- München, Dr. Aschaffenburg- Köln und Dr. Freiherr von Schenk- NozingMünchen. Als erster Sachverständiger erklärt Medizinalrat Dr. Hoffmann: Daß in dem Kaffee der Wagner Salzsäure war, ist ziweifellos. Eine andere Frage ist, ob und wieviel sie davon getrunken hat. Die Diagnose im Krankenhause lautete auf Vergiftung mit Salzsäure, und ich gestehe offen, daß ich nach Lage der Umstände in ähnlichen Fällen das auch angenommen hätte. Der Psychiatec Prof. Dr. Kräpelin er flärt in seinem ausführlich begründeten Gutachten, die Minna Wagner sei zur Zeit, als sie im Maximilian- Stifte diente, psychopatisch minderwertig gewesen. So müßte auch die Frage, ob sie im Hinblick auf ihre frankhaften Eigenschaften fähig war, sich selbst ein Leid anzutun und andere in Vers dacht zu bringen, bejaht werden. Der Sachverständige glaubt, daß Minna Wagner bei der Schwurgerichtsverhandlung einen wissentlichen Meineid begangen hat. Der bekannte Psychiater Professor Dr. med. Aschaffenburg stimmt mit dem Sachverständigen Kraepelin darin überein, daß auch bei ihm unmittelbar nach Abschluß der vorigen Verhandlung die Ansicht auftrat, hier könne möglicherweise eine Unschuldige auf Grund der Aussagen einer Hysterischen hin verurteilt worden seien. Sachverständiger Prof. Dr. Gudden- München muß entschieden das Vorhandensein von Hysterie bei der Wagner bejahen und stimmt mit den Gutachten und Kraepelin und Aschaffenburg bollkommen überein. § Ein Offizier der Heilsarmee, der Tischler Holder, wurde von der Straffammer in Lauban wegen Sittlichkeitsverbrechens zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. § Ein dreijähriger Knabe im Gefängnis. Von dem Geschworenen- Gericht in Weißfelden im Kanton Thurgau ist ein drejährig er Knabe, der aus einem Laden einige Spielsachen entwendet hatte, zu drei und einem halben Monat Gefängnis verurteilt worden. Der kleine Junge antwortete auf die Fragen des Richters, daß er an einem Spielwarengeschäft borbeigegangen sei und einige von den in der Tür hängenden Sachen mitgenommen habe, um zu Hause mit seinem Schwesterchen zu spielen. Zum größten Erstaunen des ganzen Gerichtshofes sprach der Richter das Urteil und veranlaßte die sofortige Ueberführung des Kindes ins Gefängnis. § Der Banknotenfälscher Schapira wurde vom Wiener Schwurgericht wegen Verausgabung und Verbreitung falscher Banknoten zu fünfzehn Jahren schweren Kerkers verurteilt, die Mitangeklagten Fisch zu acht, Piepes zu vier, Schwalb zu drei Jahren und Ausweisung, die Angeklagten Baumgarten und Butterweich wurden freigesprochen. Lokales. ** Mittwoch, den 7. November, bormittags 9 Uhr beginnend, findet eine Sigung des Provinzial- us schusses mit folgender Tages- Ordnung statt: 1. Wirtschaftsbetrieb des Kaspar Baier zu Bad Nauheim; hier Antrag auf Ronzessionsentziehung.- 2. Verunreinigung eines Brunnens cuf der Hofraite des Wilhelm Born zu Friedberg Fauerbach. 3. Der Straßengraben an der Kreißstraße Fauerbach bei Friedberg nach Dorheim; hier Beschwerde der Firma Gebrüder Ulrich. 4. Retiamation des Georg Schmiedberger zu Friedberg gegen die Berechnung der Straßenbaukosten der Dieffenbachstraße. - - ? Konzertverein Gießen. Wie im vorigen Jahre, eröffnet der Konzertverein seine Saison erfreulicherweise mit einem Symphoniekonzert, in welchem im wesentlichen unsere Klassiter zu Worte fommen: Haydn, Mozart, Beethoven, außer ihnen Schubert, Schumann und von modernen Komponisten derjenige, welcher den Klossitern als Vertreter der absoluten Musik noch am nächsten steht, Joh. Brahms. Die gewaltige Ouverture Zur Weihe des Hauses" op. 124 eröffnet, die ewig jugendfrische, heitere Rilität symphonie Nr. 11 Haydn's beschließt den Abend, während Schuberts herrliche, leider unvollendete Symphonie in H- moll in der Mitte des Programmes den orchestralen Höhepunkt bildet. Die genannten Orchesterwerke sind jedem Musikfreunde wohl so bekannt, daß es überflüssig erschemen dürfte, des Näheren auf sie einzugehen. Jedenfalls wird in einer Zeit, zu der man in musikalischen Kompositionen sich neuerdings leider zu sehr von dem Boden der absoluten Musit zu entfernen beArebt es sei nur an Reger u. A. erinnert ein Programm, wie das g nannte, für jeden wahren Musitfreund ein Labsal bedeuten! Die Solistin des Abends, die treff.iche Geigerin Fri. Wietroweß aus Berlin, welche wohl zu den ersten Vertreterinnen ihres Faches gezählt werden darf, hat ihr Programm dem obigen entsprechend angepaßt und wird das herrliche A- dur- Violinkonzert von Mozart, sowie einige Stücke von Schumann und Brahms spielen. Auch hier ist mit Freuden zu begrüßen, daß die Künstlerin uns, wie vor einigen Jahren ihre Kollegin Frl. Ferchland aus Berlin, eins der herrlichen, leider im Konzertsaale viel zu wenig gespielten Mozartschen Biolin Biel ift daher n die ihm gebühr fiber. Bu biele bere Bufammentin D Ortenberg. arttee" führten e n. Der Biertem erordentlich hoch. Ronzerte bietet und im Uebrigen auf Stücke von äußer Ichem Effekt verzichtet, welcher Umstand gerade ihre große in allen Stücken bereits anerkannte Kunst verrät. Daß dies Programm von Herrn Universitätsmusit. direktor Trautmann mit befanuter Gründlichkeit berarbeitet ist, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Auf jeden Fall wird in diesem ersten Konzert Jeder, der wirklich gute Musit liebt und gerne hört, auf seine Rechnung fommen. Wünschen wir also dem Konzertverein, dessen gediegenes wurde, ein volles Haus für sein Eröffnungstonzert. Winter programm neulich im Auszug bereits veröffentlicht M. raft ab; 2et tt. Stadttheater in Gießen. Da die Volks Direktion auf vielseitiges Ersuchen hin für Sonntag, den Mt. und noch me Rinboleh. Schöne * Mainz, 2. No bon vorstellung des„ weißen Röß18" am vergangenen Mitten und balb bei fa woch sich so starken Zuspruchs zu erfreuen hatte, daß viele für 7 bis 8 2 Theaterluftige zurückgewiesen werden mußten, so hat die 30. ersielt 4. Nov., nachmittags 31, Uhr eine Wiederholung des beiherrn liebten Luftspieles angefeßt. Die Preise sind sehr ermäßigt en freireligiöfen ( Parkett 50 Pfg.). Am Sonntag.Abend geht Heinrich origen Monat vie Laubes„ Graf Essex" in Szene. Die Tittelrolle spielt diesentlich damals vor mal Direttor Steingötter, der die Partie früher an größeren Erme aus Frankfu r In dem am vergangenen Sonntag eröffneten Restaurant freireligiofe Gemei Bühnen mit schönem Erfolg gespielt hat. für alkoholfreie Getränke findet tonzert statt. fin. Sept hat er heute Abend Frei rengen laffen.- nz. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, ist im Automatenrestaurant zu Gießen ein Kinematograph aufge stellt worden, dessen Vorführungen sehr nett sein sollen. * Die Zustände im Großherzogtum Hessen werden von einem Mitarbeiter der Jugend" folgendermaßen gloffiert: Nein, was doch im Großherzogtum Hessen Für beklagenswerte Zuständ find! Beinah fönnte es der Mensch vergessen, Daß man sich im Deutschen Reich befindt! Schon die Kunft ist dort von ganz moderner Richtungslosigkeit, soviel man hört, Sodaß niemand auf Professor Werner, Begas und dergleichen Meister schwört. Auch die Sittlichkeit liegt schwer barnieder! Bilder werden selten fonfisziert, Und es soll geschehen hin und wieder Daß sich Kinder baden, ungeniert! - Schrecklich ist der Zustand, der soziale! Enmal sprach sogar, berichtet man, Der Herr Großherzog bei einem Mahle Eigenhändig einen Sozi an! Aber hört das Höchste: Einem Roten, Der als Beigeordneter gewählt, Hat der Staat Bestätigung geboten! -- Ja! Das hat gerade noch gefehlt! A. D. N. Fraberr bief n Anspru Aus Gegen den Taglob er megen Rüdfalldiebfta me tidhuldigten Ausblei Shilinge Wilhelm F Raiden find in die Räu Badule zu Nidda Bb int n, die mit ein net wurden, Schrei De wegen fweren Bingais berurteilt, Fy wegen 1 Fall 32 Müller von Mile Well, mit deffen Dien der schschublade 6 web ihm mildernde U harafe von 2 Jahren Epo luft und Polizeiau La Commer hat de Binberg in früher Bibtige Anlage i ige erhielt er einen derspruch erhob, da id: aber das Drücken um Freispruch, abe fage Berufung der St 1 M., da auf de * Ueber die Beförderung der Unteroffiziereh das Drüden im Frieden sind neue Bestimmungen in Straft getreten, die die soziale und wirtschaftliche Lage der Unteroffiziere wesentlich verbessern. Unter Gewährung der höheren Ge bührnisse dürfen nach 51/ 2jähriger Dienstzeit in etatsmäßigen Stellen befindliche Unteroffiziere zu Sergeanten befördert werden. Nach 9jähriger Dienstzeit dürfen in etatsmäßigen Stellen befindliche Sergeanten zu Vizefeldwebeln oder Bize wachtmeistern ernannt werden. Von den in der Kompagnie mit der Waffe dienenden Sergeanten darf jedoch in jeber Kompagnie nur je einer zum Bizefeldwebel oder Vizewacht meister befördert werden. Den Sergeanten, die infolge dieser Beschränkung von der Beförderung ausgeschlossen bleiben, dürfen die höheren Gebührn sse aewährt werden. Ohne Ge währung der höheren Gebührnisse dürfen nach 9monatiger Dienstzeit einjährig freiwillige Sefreite, die sich besonders auszeichnen, zu überzähligen Uuteroffizieren befördert werden. * Muster wahlrecht. Im Landtagswahlfreis Berlin 3. befindet sich der Bezirk 799. Dort wohnt die Familie Bözow( Brauereibesitzer und Gutsbesizer). Dort wählt als erste klasse ein Herr Bözow und als zweite Klasse ein anderer Bözow und alle anderen 571 Wähler sind dritte Klasse! Die zwei Herren Bözow wählen doppelt fobiel als alle 571 anderen Wähler. Das ist das preußische Wahlrecht! * 8immerertag. Am morgigen Sonntag, vorm. 11 Uhr, findet in Bad Nauheim, Restauration Turnhalle", die Generalversammlung des Verbandes Hessischer Zimmer meister, sowie eine allgemeine Zimmermeister- Bersamm lung statt. * Der Verband der Rettungshäuser in Hessen und Hessen Nassau hielt am Donnerstag in Fcarffurt seine achte Hauptversammlung ab. In der Vormittagsfizung wurde über die Pflege der aus der V hre entlassenen 8wangs und Fürsorgezöglinge beraten. Geh. Regierungsrat Landes. rat Dr. jur. Osius aus Kassel machte längere Ausführungen über dieses Thema und bezeichnete es als erwünscht, daß die Anstalten über ihre früheren aus der Lehre entlassenen Bög linge die Aufsicht behalten. * Das Frauenturnen, ein in langsamem, aber stetig fortschreitenden Wachstum befindlicher junger Zweig am mächtigen Baume der Deutschen Turnerschaft, bietet in den ver schiedenen Gegenden Deutschlands noch ein sehr verschieden artiges Bild seiner Entwickelung dar. Am höchsten steht das Königreich Sachsen mit über 10 000 Mitgliedern in 33 Bereinen. But bestellt ist es weiter noch im Norden und Often mit dem Frauenturnen, am schlechtesten im Süden und Westen. Der Mittelrheinkreis, einer der größten der Deutschen Turnerschaft, zählt nur 1405 Mitglieder, die sich auf 42 Vereine verteilen, das ist faum der 20. Teil aller, sodaß ihn Sachsen um das mehr als Sechsfache übertrifft. Nur ein reis, der Oberrhein, steht noch tiefer. Da bei sind die Abteilungen in Noro- und Mitteldeutschland bedeutend stärker und zeichnen sich durch fleißigeren Besuch A Möbel Betten Polsterware eigener Fabrikation. J. Ne Her Stets das Mod kaut- Ver bon sen, Lumpen, Knochen sing, Blei, Zink, Z eln, Betten, Weiieu Silberfachen, Mün titäten. Louis Rothenbe Steuenweg 23. de bon außer ade ibre gro berrät. D itätsmuli er Gründlich zu werden. der, der wiri echnung fomme effen gediegenes its beröffentli Stonzert. Biel ist daher noch bei uns zu tun, um dem Frauers men die ihm gebührende Verbreitung und Wertschäßung ficherit. Zu diefe Bwed werden in But unft alljährlich benbere Busammenfünfte in Mittelrheintreis abgehalten. toent. " 1 Ortenberg. Die beiden Markttage des alten Darktes" führten eine feltene große Menschenmenge zu jammen. Der Bfertemarft war gut befahren und die Preise orgerordentlich hoch. Saugfoblen gingen zu 300 bis 330 Mt. rasch ab; 2einhalbjährige Tiere fofteten 700 bis 8:00 Mt. und noch mehr. Ebenso flott ging der Handel Eingesandt. Ueber den jüngst gegründeten Ruderklub Hassia" herrscht unter der Bevölkerung Gießens die irrige Meinung, er sei ein politischer Verein. Diese Meinung fommt wohl daher, weil der Klub dem freien deutschen Ruderverband" als Mitglied angehört. Dieser Verband wird durch die Bezeichnung Frei" von dem Publifum als sozialdemokratischer Verband aufgefaßt, was jedoch nicht der Fall ist. Der Freie deutsche Ruderverband ist ein Amateurverband der minderbemittelten Klasse, der sich überhaupt nicht mit politischen Fragen beschäftigt, zumal ausdrücklich in den boten ist. Der Ruderklub„ Hassia" nimmt nur anständige unbescholtene Leute, nicht unter 18 Jahren, auf. Es iſt ſoDa die Bollit Rindvieh. Schönes Zucht- und Milchbich war aufge Verbandsstatuten jede politische Gesinnungskundgebung ver rgangenen trieben und bald bei faust. Die Schweinspreise waren ge en, fo bat 28-30 mt. erzielt Einleaer waren mehr begehrt. r Sonntag, * Mainz, 2. Nov. Eadlich ein Lebenszeichen vom mit auch den Bürgern Gießens, die nicht gerade der wohlholung des Freiherrn von Zucco und Cuccagna, dem sport zu huldigen. In dem jungen Klub herrscht auch kein fehr ermäß friheren freireligiösen Prediger, der durch seinen Widerruf Kneipzwang, wie irrtümlich angenommen wird. Ein Sportsmann. 28. Greiner, Marie, geb. Das, 79 Jahre, Rentnerin. 29. Scheuer, Willy, 3 te. 31. Strad, Heinrich, 2 Jahre. 1. Nov. Rühl. Karl Daniel, 7 Mte. Kirchliche Nachrichten für Grünberg. Am 21. Sonntag nach Trinitatis( 4. Nov.) Reformationsfest predigt: 1. vormittags: Pfarrer Schmidt. Text: Luf 19-26. Lied Nr. 148. Feier des heil. Abendmahls, wozu die Beichte Samstag nachmittage 2 Uhr stattfindet. in 2. nachmittags: Pfarrer Heinrichs von Ehringshausen. Lumba nachmittags 2 Uhr. Gottesdienst in Stangenrod nachmittags 11 Uhr, In allen Gottesdiensten Kollekte für den Gustav AdolfVerein. Warttberiete. Trolle spielt die belanntlich damals von hier, nachdem er furz vorher eine geht ein vorigen Monat viel von sich reden machte. Er verschwand düher Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. Erbsen per Vib. 18–24 Bfg., Linſen per Vib. 25-40 Bfg., Lauben ver Faeten Reftam ie freireligiöse Gemeinde einen Prozeß auf Pensionierung Abend Fremftrengen lassen.- Inter ssant wäre, zu erfahren, wie der Dohin. Jezt hat er durch eine Bruderschaft in Wien gegen ich, ift im graph auf fein follen. gtum Self folgenderma - Geffen " י effen, befindt! moderner rner, wört. Darnieber! eder iert! Freiherr diesen Anspruch begründet. Aus dem Gerichtssaal. Straftammer. - - Gießen, 2. November. Gegen den Taglöhner Ludwig Hübner 2. von Langd, her wegen Rückfalldiebstahls unter Anflage steht, wird wegen Die mentschuldigten Ausbleibens Haftbefehl erlassen. Behrlinge Wilhelm Fy, Karl Rühl und Richard Franz von Robben sind in die Räume der höheren Bürgerschule bezw. Bolte schule zu Nidda eingedrungen und haben dort aus Sorant n, die mit einem von Fey mitgebrachten Schlüssel geöffnet wurden, Schreibwaren und Geld entwendet. Fey wurde wegen schweren Diebstahls in 3 Fällen zu 14 Tagen Sfängnis verurteilt, Rühl erhielt wegen 2 Fälle 6 und Der Bergmann Franz wegen 1 Fall 3 Tage Gefängnis. Albert Müller von Milewken hat zu Unter- Schmitten einem Müller, mit dessen Dienstmädchen er ein Verhältnis hatte, aus der Tschschublade 60 Wt. gestohlen. Er ist rückfällig, Deshalb ihm mildernde Umstände versagt und auf eine Buchtlauftrafe von 2 Jahren und 3 Monaten, nebst 5jährigem Ebrvei luft und Polizeiaufsicht erkannt wurde. Im ver Hoffenen Sommer hat der Weißbinder Georg Häuser 4. von Steinberg in früher Morgenstunde sein Fahrrad durch ie Städtische Anlage in Gießen gedrückt. Auf erhobene zeige erhielt er einen Strafbefehl über 2 Mt., gegen den Biderspruch erhob, da er annahm, daß nur das Fahren, 11ät aber das Drücken verboten sei. Das Schöffengericht Ham zum Freispruch, aber die Straffammer verurteilte ihn A. D. Nimfolge Berufung der Staatsanwaltschaft zur Minimalstrafe On 1 Mt., da auf den nur für Fußgänger bestimmten nteroffizi Begen auch das Drücken von Rädern verboten ist. raft getreten, der Unteroffi ziale! 1, Rable oten, en! gefehlt! der höheren it in etatsmä geanten befor in etatsmäßi webeln oder in der Rompa jedoch in j oder Vizem 7, die infolge di efchloffen bleib werden. Dhne nad 9monati Die fish befonde befördert wal Landtagswahl Dort wohnt Butsbefizer) D und als Deren 571 Ow wählen dopp & ift das preu Sonntag, bo ation„ Turnhall Beffifcher 8 meifter- Berfon häuser in bet in Fearfurt f Vormittag ntlaffenen Bwan ierungsrat Lande gere Ausführung erwünscht, ba Te entlaffenen gfamem, aber f unger weig bietet in ben te fehr verfied Im höchften f Mitgliedern noch im Norda teften im Gibe - Geborene. Am 22. Oftober. Dem Schreiner Anton Wagner eine Tochter, Auaufte, Emma, Elisabeth. 24. Lehrer Georg Kling ein Sohn, Wilhelm Ludwig; Poftsekretär Ludwig Weiß eine Tochter. 26. Wagenwärter Wilhelm Reuter eine Tochter, Antonie Margarete; Schlosser Franz Otto eine Sohn. 26. Bahnschaffner Andreas Haus ein Sohn, Hans, Ronrad. 27. Kaufmann August Kröll ein Sohn, Friedrich Wilhelm. 29. Hilfsschaffner Karl Otter ein Sohn, Hermann, Ernst, Karl; Erdarbeiter Wilhelm Schuchardt eine Tochter, Johanna, Christina, Elisabeth; Städt. Taglöhner Karl Adolf Gottwald eine Tochter, Frieda, Katharine Ottilie; Sanitätesergeanten Karl Harrer eine Tochter, Maria, Margarete, Kunigunde; Blaser Heinrich Röhm eine Tochter, Augufte, Margarete Johannette. 30. Kunstgärtner August Gustav Koch ein Sohn, Frizz, Konrad; Kaufmann Nathan Buttenwieser ein Sohn, Hellmut. Aufgebote. Am 26. Oktober. Gustav Adolf Laichinger, Schuhmachermeister dahier mit Bertha Arnold hierselbst. 29. Jo Hannes Liehr, Schmied dahier mit Karoline Elisabeth Ködding hierselbst; Friedrich Sulzer, Spengler in Frankfurt a. M. mit Emma Haun dahier. Eheschließungen. Bießen, 3. Novbr. Auf dem heutigen Wochenmarkt fosteten Butter ber Bfb. 1.10-120 M., Sühnereier per Stüd 8-10 Bfg., Enteneter St. 0-0 Pfg., Käse ver St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Baar 0.80 1.00 Mr., Hühner per Stüd 1.00-1.60 mt., Hahnen per Stüd 0.80-1.80 mt., Enten per Stüd 0.00-0.00 mir., Gänse ber Pfd. 70-75 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 82-88 Pfg., Rindfleisch per Pfd. 80-82 Pfg., Schweinefleisch per Pfd. 90-100 Pfg. Schweinefleisch gefalzen per Pfd. 10+ Pfa., Kalbfleisch ver Pfd. 84-90 Bfg., Hammelfleisch per Pfs 60-80 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6.00-7.00 Mt., 3wiebeln per 3tr. 4.00-5.00 m., Wetskraut 3tr. 2.20-2.50 Mt., per St. 08-12 Pfg., Aepfel ver Ctr. 15-24 Mr., Zwetschen per 3tr. 0.00 0.00 Mt., Birnen per Ctr. 10-15 Mr., Nüsse 100 St. 30 Pfg. Milch per Liter 20 Pfg. Dauerder Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. Gegen stände des Wochenmarktverkehrs dürfen bis Beginn der Mark.zeit überhaupt nicht und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden. * Frankfurt a. M.( Heu und Strohmarkt.) Heu 3,30-3,50 Mt. Stroh 2,00-2,90 Mt. Alles per Bentner. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 4. November. Veränderliche Witterung, geringer Regen, Temperatur nicht verändert, mäßige westliche Winde. ( Näheres durch die Gießener Wetterkarte.) Verantwortlich für die Politik und den Inseratenteil Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, bethe in Gießen. Am 27. Oftober. Anton Bender, Hüttenarbeiter dahier mit Marie Gleiß hierselbst; Georg Todt, Kaufmann bahier Vollkommenbeit mit Margarete Klein hierselbst. 29. Alfred Schneider, Steindrucker dahier mit Luise Förster hierselbst; Oskar Schön, Frieseurgehilfe dahier mit Anna Rumpf hierselbst. 31. Hermann Krause, Schuhmann dahier mit Mina Fai hierselbst. 1. Nov. Adolf Kahn, Kaufmann dahier mit Paula Reßler hierselbst. Gestorbene. Am 27. Oftober. Otto,( Knabe, noch ohne Vorname) 11 Std.; Boller, Magdalene Auguste Anna Emma, gen. Lina, 14 Jahre; Schreiner, Elisabethe, geb. Opper, 42 Jahre. Auf bequemste Teilzahlung! Möbel Betten Polsterwaren eigener Fabrikation. HerrenKnabenAnzüge und Paletots etc. DamenCostume Röcke, Jaketts und Mäntel etc. J. Jttmann, Neu aufgenommen: Herren- Hüte Stets das Modernste. Makaut bon Billigste Preise. Verkauf Für Kaninchenzüchter. Wegen Umzug billig zu verf. Aleisen, Lumpen, Knochen Kupfer, schöner Kaninchenstall m. Angora, Mels sing, Blei, Zink, Zinn etc. Silber u. Kreuzung. 12 Futter: einer ber groen, Betten, Weißzeug, Gold: näpfe Heu u. s. w. 5 Mitglieder, Silbersachen, Münzen und Schuhmachermeister Waldschmidt| um ber 20. 2 & Sechefache über t no tiefer. Do Mitteldeutschlan Bigeren Bead Multiquitäten. Wolkengaffe 19. Ig hübsge Louis Rothenberger heirat! 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Gießen, den 2. November 1906. Der Vorstand des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Dr. Breidert. Tages Ordnung: 1. Vorstandswahlen. 2. Vortrag des Herrn Professor Gisebius über Unterricht in der Fortbileungsschule im Kreise Gießen unter Berück sichtigung der Landwirtschaft. Gelände- Verpachtung. Montag, 5. Rovember 1906 findet an Ort und Stelle die Verpachtung folgenden Geländes statt: 1. 12 Grundstücke auf dem Nahrungsberg und im altem Feld, 2. 1 Grundstück auf dem Aulweg hinter dem Weiher, 3. 1 Grundstück auf der Warte, 4. einige Grundstücke bei der Eisenbahnbrücke im Zug der Klinifstraße, 5. einige Grundstücke bei der Kläranlage in der der Nähe der Margaretenhütte. Für die beiden legtgenannten Grundstücke wird zur Düngung Schlamm von der Kläranlage kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Zusammenkunft ist nachmittags 2 Uhr an der treuzung der Bergstraße mit dem Schiffenberger Weg bezw. um 4 Uhr an der Brücke im Zug der Klinifstraße. Gießen, den 27. Oftober 1906. Großh. 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