Nr. 178 baltion u.Haupterbebition: teßen, Seltersweg 88, Fernsprechanschluk Nr. 362. Mittwoch, den 1. August 1906 15. Jahrgang € Gratisbellagen: Oberhoffifche Familienzeitung( ging und die Sießener Seifenblasen( wöchentlich). Gießener Nenelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheisen Die Fabrkartensteuer. Mit dem heutigen Tage ist die FahrkartenSteuer in Kraft getreten, die der verkehrsfeindliche Reichstag uns beschert hat, nachdem er zuvor seinen Mitgliedern freie Fahrt in der ersten Klasse bewilligte. Das Publikum ift mit der Steuer denn auch nicht im mindesten einverstanden, vielmehr sucht es durch Vereinigungen eine allgemeine, fraftvolle Protestbewegung hervorzurufen. Dieser Bewegung ist nur voller Erfolg und tatkräftige Mitarbeit aller Freunde des Fortschritts zu wünschen. Vor wenigen Jahren sprach man noch von einer Herabseßung der Fabr. tarife und jett? Die Beiten ändern sich. Durch die Fahrkartenfteuer werden alle Fahrkarten von 60 Pfg. und mehr wie folgt belaftet: - bei Karten im Preise bon 60 Pf.- 2 Mark Der Steuerzuschlag beträgt in 3. 1. Klasse 20 f. 2. 5 Pf. 10 Pf. 2-5 10 20 40 " " " 1 " " " 5-10 10-20 20 40 80 " " " " 40 80 160 " " " " IP W 20-30 30-40 60 120 240 " " 1 " " 90 180 360 " " " " " 40-50 140 " " 1 200 270 400 520 " " 800 " " über 50 Frei find Karten unter 60 Pf., Militär-, Schüler- und Arbeiterfarten, ferner die 3. Klasse, wenn sie nicht mehr als 2 Pf. für das Kilometer fordert und wo es feine 4. Klasse gibt. Zusaglarten, z. B. für D- und L- Züge, find frei, nicht aber Busaglarten zum Uebergang in eine höhere Klasse. Für Baden, wo Kilometerhefte in Umlauf sind, fostet ab 1. August ein Kilometerheft 3. Klasse mit 500 Kilometer 12,90 Mart, mit 1000 Kilometer 25,60 Mart, 2. Klasse 41,80 Mart, 1. Klasse 68 Mart. Der Steuerzuschlag auf die Kilometerhefte beträgt also für 500 Kilometerhefte 3. Klasse 40 Pf., für 1000 Kilometerhefte 3. Klasse 60 Pf., für 2. Klasse 1.80 Mark und für 1. Klasse 8 Mark. Die Interventionsfrage. " 1 Aus politischen Kreisen wird der Reform- Korrespondenz" geschrieben: Der Beschluß der sozialistischen Parteien Rußlands, der bie Regierung des Landesverrats bezichtigt, weil sie mit den Mächten über eine Intervention verhandelt habe, läßt die Frage einer solchen Einmischung wieder aftuell werden. Die Stellung Deutschlands zu einem solchen Eingriff bedarf daher wieder der Erörterung. Es gab eine Zeit, in der die Römischen Kaiser den Erdfreis zu beherrschen glaubten und daraus den Anspruch herleiteten, daß in staatlichen Dingen auf der ganzen Erde nichts ohne ihre Zustimmung geschehen dürfe. Was gleichwohl ohne ihre Zustimmung geschah, dem maßen sie keine Rechtsfraft bei. So lange hinter solchem Anspruch die Macht stand, ihn zur Geltung zu bringen, so lange war das formale Recht zugleich tatsächliches Recht. Jahrhunderte hindurch sind berwüstende Kriege geführt worden, um Auflehnungen gegen jene Weltherrschafts- Anforderungen nieder zu werfen. Das römische Kaisertum vergeudete die schon spärlich gewordenen realen Kräfte, um auf den leeren Schein der Macht nicht berzichten zu müssen. Des Deutschen Reiches furze Blüte berging unter dem sogenannten Hauch der Kriegsflamme, die die deutschen Könige immer neu entzündeten, um den römischen Kaisertitel, den sie führten, aus einem Schmuck zu neuer Wahrheit zu machen. Auch nachmals hat man noch Anläufe zur Errichtung einer Weltherrschaft gesehen, doch war ihnen kein Erfolg mehr beschieden. Jetzt sind wir glücklicherweise dahin gekommen, daß jedes Land die Souveränität des anderen genau so anerkennt, wie es die Anerkennung der eigenen Souveränität von den anderen bean= sprucht. Gewisse Einschränkungen werden gegenüber Ländern bon geringerer und völlig abweichender Kultur gemacht, und auch hier nur auf Grund besonderer Vereinbarungen. Eine Folge der gegenseitigen Anerkennung der Souveränität ist die Annahme des Grundsages, daß fein Staat in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates sich einmischt, er müßte dann von der anerkannten Regierung zur Einmischung eingeladen werden oder zur Einmischung sich gezwungen sehen, weil seine eigenen Interessen in anderer Weise nicht wahrgenommen werden können. Bis dieser Bwang eingetreten und offenbar geworden ist, daß auch Uninteressierte sein Vorhandensein zugestehen, gibt es nur das Mittel freundschaftlicher Vorstellung, um einen andern Staat zu bestimmen, daß er kraft eigener Souveränität und aus freier Entschließung die von dem vorstellenden Staat ge= wünschten Anordnungen treffe. Sind diese Mittel vergeblich erschöpft, so fann man Repressalien üben, d. h. Einrichtungen schaffen, die dem andern genau so unbequem oder noch unbequemer find als die, über die man sich erfolglos beschwert bat. Unter Umständen wird ein Staat, der sich von einem anderen Staat belästigt oder benachteiligt sieht, soweit gehen, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Nach diesem ußersten Versuch einer Beeinflussung ist man an der Grenze der Einmischung angelangt, und diese Grenze überschreitet man eden nicht. Eine vorsichtige Staatsleitung vermeidet es sogar, sich zu schroffen Aeußerungen der Verstimmung treiben zu lassen wenn nämlich zu erwarten ist, daß auch diese den gewünschten Erfolg nicht haben werden. Deutschland ist Rußland gegenüber schon manches Mal in solcher Lage gewesen. Es gehört zu den Ruhmestiteln der deutschen Politik, daß sie selbst unter den erschwerendsten Umständen ruhig ge= blieben ist. Es wäre viel leichter und namentlich für den Augenblick viel populärer gewesen, temperamentvoll dazwischenzufahren und auf den groben Kloz einen groben Keil zu sehen. Die Größe der Verantwortung ließ das nicht zu, und wir sind denen Dank schuldig, die Selbstüberwindung zu üben gewußt haben. Wir sind jest wieder in der Lage, Selbstüberwindung zn üben. Als Rußlands Nachbarn haben wir den ersten Gegen stoß der russischen Wirren auszuhalten. Die Revolution und die mit ihr, wie mit ihrer Bekämpfung verbundene Unsicherheit treibt Tausende und Zehntausende aus dem Land. Naturgemäß wenden sich die Flüchtigen zunächst zu uns und zu nächst in die Ostmarken, wo deutschnationale Interessen gegen über slavischem Verdrängen besonderen Schutz und besondere Berücksichtigung verlangen. Allerdings haben die Flüchtigen in ihrer großen Mehrzahl garnicht die Absicht, bei uns zu bleiben. Sie setzen zumeist nach kurzer Rast die Reise weiter fort und begeben sich in andere Länder, wo sie teilweise eher willkommen geheißen werden können, weil dort der Grad der nationalen Mischung noch nicht erreicht ist, oder weil sonstige Umstände einen höheren Grad der Mischung erträglich und selbst erwünscht machen. Doch wann die Grenze erreicht sein wird, kann im Augenblick niemand sagen. Vielleicht ist es bald der Fall. Und dann ist die Zeit gekommen, wo Rußland nicht blos seinem nächsten Nachbarn unbequem ist, und mo alle Staaten den dringenden Wunsch haben und äußern werden: Rußland möchte daheim sich selbst Einrichtungen geben, die unerfreuliche Wirkungen nach außen nicht haben. Intervention in Rußland? Nein. Vorstellungen in upland? Am besten nur im Verein mit allen anderen Mächten. Das neue ruffifche Kabinett. Die Reformarbeit an dem russischen Beamtenkörper ist nun definitiv in Angriff genommen worden. Sie beginnt am Haupte dem Ministerium und wird an den Gliedern: den Gouverneuren, die sich in die neue Lage nicht fügen wollen, fortgesezt werden. Die ,, Nowosje Wremja", das Organ des Ministerpräsidenten Stolypin, meidete in ihrer gestrigen Morgenausgabe: Die Berhandlungen mit den gemäßigten Fortfchrittsparteien über den Eintritt von Mitgliedern der jelben in das Kabinett sind erfolgreich beendet. Fünf Portefeuilles gehen in die Hände von Nichtbureau. traten über. Der Oberprokurator des heiligen Synods soll nicht mehr dem Ministerium angehören. Die Verhandlungen mit den genannten Parteien wurden von dem Minister des Aeußeren Jswolski geleitet. Militär- Revolte in Sveaborg. In Kronstadt wird der Ausbruch von Militärunruhen erwartet; auf der finländischen Festung Sweaborg soll eine ernste Meuterei bereits ausgebrochen sein. Auf dem Wege über Stockholm wird aus Helsingfors unter dem Datum von gestern gemeldet: Auf der Festung Sveaborg in Finland brach in der Nacht eine Meuterei aus. Man hörte Gewehrfeuer, Kanonendonner und Geschrei. Verwundete wurden in Booten aus der Festung fortgeschafft. Nachrichten aus der Festung zufolge haben die Aufrührer die Forts genommen und beherrschen die Festung. Die Familien der Offiziere werden nach der Stadt übergeführt. Eine spätere Nachricht zeigt, daß die Meuterei in Sveaborg viel ernster war, als man anfangs ahnte. Ein Telegramm meldet: Die Artillerie ging zu den Aufrührern über und beschoß die Infanterie, welche der Regierung treu blieb, mit Kanonen. 500 Mann wurden getötet oder verwundet. In Skatudden, einem Stadtteil von Sveaborg, in dem sich Kasernen befinden, brach gestern früh ebenfalls eine Meuterei aus. Die Offiziere wurden gefangen genommen, einer derselben getöter, ein anderer verivandet, worauf die Soldaten sich selbft Führer wählten. Stolypin über die Duma. Die Arbeiten der aufgelösten Reichsduma waren mit dem Fluch der Unfruchtbarkeit behaftet. Darüber waren und find sich alle einig. Der Duma entsteht nun ein Verteidiger in der Person des Ministerpräsidenten Stolypin! Einem deutschen Zeitungsforrespondenten gegenüber sucht er jene Infruchtbarkeit zu erflären, wenn auch nicht zu entschuldigen. Er sagt: - ,, Die aufgelöste Duma arbeitete unfruchtbar, weil die Regierung es leider unterlassen hatte, mit eigenen Gesezentwürfen an sie heranzutreten. Jet haben wir 200 Tage bis zum Zusammentritt der neuen Duma vor uns und werden die Zeit benußen, nicht um neue Geseze hinterrücks einzuführen, sondern um Geſetzentwürfe auf allen Gebieten des Staatslebens für die fommende Duma gründlich vorzubereiten. Nur aus diesem Grunde ist eine längere Zeitdauer bis zur neuen Tagung festgesetzt worden." Dieses Geständnis ist ebenso interessant wie die Er. klärung für die späte Einberufung der neuen Duma. Aus den feindlichen Lagern. Die Regierung geht mit ihren Repressalien scharf vor und schreckt auch vor einer gerichtlichen Verfolgung der früheren Duma- Abgeordneten nicht zurück. So ist gegen den Präsi benten der Duma Muromzew und alle Abgeordneten, die das Manifest von Wyborg unterzeichneten, Anklage wegen Aufreizung zur Revolte und zum Hochverrat erhoben. Abgeordnete find infolgedessen nach Stockholm geflohen. In Odessa sind hundert Führer der Streifenden mit Hülfe von Kosafen verhaftet worden, da sie sich weigerten, sich durch Unterschrift zur Wiederaufnahme der Arbeit zu verpflichten. Mehrere Die Revolutionäre bleiben indessen die Antwort nicht schuldig. Die großen Streifbewegungen nehmen wieder ihren Anfang. So sind in Jekaterinoslam auf fünfzehn Kohlengruben 6000 Arbeiter in den Ausstand getreten, so daß bereits Truppen in das Streifgebiet gesandt werden mußten. Auch die Aera Gewalttätigkeiten nimmt ihren Fortgang. Wurde doch in Sochatschew im Gouvernement Warschau der Kreishauptmann Burags erschossen. Politifche Rundschau. Deutfches Reich. Ein Disziplinarverfahren gegen den früheren Gouvernem bon Togo, v. Horn, ist eröffnet worden; der Gouverneu wurde in einem gerichtlichen Verfahren zu einer Geldstraf von 900 Mart und zur Dispositionsstellung verurteilt. Dal Material hat zur Einleitung einer Disziplinaruntersuchung geführt, deren Ergebnis noch nicht sicher ist. * Für die am 4. August stattfindende Reichstagsstichwah in Rinteln- Hofgeismar gaben die freisinnige Volkspartei uni der liberale Wahlverein eine Wahlparole aus, in der sie ihr Wähler auffordern, für den Sozialdemokraten zu stimmen * Die Bürgerschaft von Lübeck genehmigte einstimmig das vom Senat beantragte Gesetz betreffend das Verbot de Serien- und Prämiculos- Gesellschaften mit den von de Bürgerschaftskommission beantragten Uebergangsbestimmungen nach welchen es den Losgesellschaften gestattet ist, ihre Ge schäfte innerhalb eines Jahres abzuwickeln. * Nach dem Tode des Abgeordneten Jessen, der bekannt lich der dänischen Reichstagsfraktion angehört hat, wußter einige deutsche Bläter zu melden, König Frederik von Däne mark habe an die Witwe des Verstorbenen ein warmherzigeś Beileidstelegramm geschickt. Jetzt wird diese Nachricht vor dänisch- offiziöser Seite als absolut unwahr bezeichnet. Russland. ** Mit dem über ihn gefällten Todesurteil ist General Stöffel begreiflicher Weise nicht zufrieden. Er hat an zu ständiger Stelle ein Gesuch eingereicht, in welchem er um di Bildung einer neuen Untersuchungskommission bittet. Di bestehende Kommission sei parteiisch gewesen, indem sie nu Zeugen vorgeladen habe, die gegen ihn ausgesagt hätten. ** Die Kämpfe zwischen Armeniern und Tataren danerr fort. Nur in Schuscha ist etwas mehr Ruhe eingetreten nachdem viele Personen ums Leben gekommen waren. Filien. ** Ein Ausstand der Angestellten an der Ostindischer Bahn dürfte den englischen Behörden stark zu schaffen machen Die Ausständigen versuchten, den Bahndamm zu zerstören wurden jedoch von anderen Angestellten, die sich dem Aus: stande nicht angeschlossen hatten, daran gehindert. Die Aus. ständigen hielten eine Versammlung ab, an der etroa 200C Personen teilnahmen. Mehrere Redner forderten auf, im Ausstande zu verharren. Hof und Gefellschaft. Der Kaiser wird am 9. August auf Villa Hüge bei Essen zum Besuch der Familie Krupp eintreffen. Der Monarch wird hierbei auch die Kruppschen Werke in Esser. und Rheinhausen besichtigen. Der Vizepräsident des Reichsbank bireftoriums, Gallentamp, tritt am 1. Auguſt in ben Ruhestand. Er erhielt bei seinem Abschiede den Kronenorden 1. Klasse. ** ** Wie verlautet, soll dem Kaiser Franz Joseph bie erste Patenstelle bei dem Sohne des deutschen Kronprinzen angeboten werden. Auch bei dem Vater des jüngsten Hohenzollern, dem jezigen Kronprinzen, übernaum Aniser Franz Joseph die erste Patenstelle, er ließ sich damals durch den Erzherzog Karl Ludwig vertreten. ارت Herr Unteroffizier."- " Ah, fam aber nicht mehr bazu. fchaften, wurde geläutet, Lutse eilte, um zu öffnen. Unteroffizier Höschen stand vor ihm. Sein Geficht umspielte ein verlegenes Lächeln. Am Korribor, Aufgang für Herr. Möller Hatte bas Pincenez von ber Nafe geriffen und militärische Haltung angenommen. zubringen vermochten. schlimmer. Höschen sen. gab Höfchen fun. biesmal einen Als Willy mit dem Michaeliszeugnis tam, wars weiblich auf die unfähigen Lehrer, die dem Rinde uichts bets taugen seine Lehrer nichts. So schimpfte auch Frau Höfchen bang noch anschlägigen Kopf, der Junge hat Talent; mißrät er, Von Dr. Hans BiesaL Gelübnte Schuld. ,, Addio, mia bella, addio.- nå friich und fräftig in ben jungen Fag hinein. L' armata se ne va" te ( Nachdruck verboten.) nehme, als dich, habe ich schon oft lobalb meine Wilitärzeit um ist, und selbst fürzlich, wenn ich mich währen daß ich teine ander Befant. Ichönere nehmen." befinnen würde, du mich nicht vergessen? Er lagti Und wirst du dich nicht anders befinnen? dann solle ich dich in Gottes Namer In der Stadt gibt's so viel ich bin." bieser Beit nicht ander Reicher Wirfi reichere Mädchen als Der Kaiser ist Dienstag von seiner Nordlandreise heimgekehrt. Vormittag 91/2 Uhr lief unter dem Donner ber Festungsgeschüße der Dampfer„ Hamburg" mit den Begleitschiffen ,, Leipzig" und„ Sleipner" in Swinemünde ein. Einheimische und Badegäste bereiteten dem Monarchen Stürmische Ovationen. Die Gäste des Kaisers auf der Nordlandreise reisten nachmittag ab. Gegen 5 Uhr traf die Iduna" mit der Kaiserin, den Prinzen Oskar und Joachim und der Brinzessin Viktoria Luise an Bord zur Begrüßung des Kaisers in Swinemünde ein. Soziales Leben. × Fortdaner des Buchbinderkampfes. Die ausftandigen Buchbinder in Stuttgart beschlossen, daß der Streif entgegen dem Beschluß, die Arbeit wieder auzufnehmen solange fortgesetzt werden soll, bis die Arbeitgeber die schriftliche Erklärung abgegeben hätten, daß sämtliche Buchbindereiarbeiter innerhalb zwei Wochen ausnahmslos wieder eingestellt werden. Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes erklärte, daß, falls in Stuttgart die Arbeit nicht wieder aufgenommen werden sollte, die Buchbindereiarbeiter in Berlin und Leipzig, die die Arbeit bereits aufgenommen haben, wieder ausgesperrt werden würden. × Die Wertzuwachssteuer für den Vorort Weißensee ist bom preußischen Finanzminister nach Anhörung des Provinzial Steuer- Direttors bis auf zwei unwesentliche Aenderungen in der Vorlage genehmigt worden. Diese Nachricht dürfte andere Vororte ebenfalls zur Einführung der Steuer veranlassen. Deer und flotte. Die Kopfstärke sämmtlicher deutscher Marineteile wird für 1907 zum ersten Male die Höhe von 45 000 Mann überSchreiten. Vor zehn Jahren betrug dieselbe rund 22 000 Mann, d. h. das Flottenpersonal hat sich in den letzten zehn Jahren seit dem Infrafttreten der Flottengeseze, mehr wie berdoppelt. Aus den Parlamenten. Bayerischer Landtag. In der Kammer der Rei eräte machte Prinz Georg von Bayern der Regierung einen schweren Vorwurf daraus, daß sie den Landtag zu einer Nachsession einberufen wolle, um das Wassergesetz zur Erledigung zu bringen. Der Prinz bezeichnete es als einen schweren Präzedenzfall und als eine Prämie für den schleppen. den Gang der Landtagsverhandlungen, wenn eine Nachsession gewährt werde, und bezeichnete das Zurückweichen der Regierung vor der Kammer der Abgeordneten als ein Zeichen ber Schwäche, einen Vorwurf, den der Ministerpräsident Graf Feiligsch im Namen des Gesamtministeriums entschieden zu rückwies, indem er betonte, daß es sich lediglich um die Fertigstellung eines einzigen Gesetzes in einer ganz be schränkten Nachsession handle, aus der Konsequenzen für die Butunft nicht entstehen könnten. " Der fall Tippelskirch. Die aufsehenerregende Affäre des Major Fischer, dem man zu intime Beziehungen zu der Firma Tippelskirch& Co. vorwirft, hat einem Teile der Presse Anlaß geboten, von einem Panama in der Kolonialverwaltung" zu sprechen. Nun, ein Panama ist der Fall Fischer, oder wie er besser heißen sollte, der Fall Tippelskirch, noch lange nicht. Es hat in allen behördlichen Verwaltungen zu jeder Zeit Leute gegeben, die ihre Pflicht vergessen und über das Wohl des Staates das eigene Portemonnaie gestellt haben, und es wird stets solche Leute geben, solange der Beamte eben nur Mensch ist und menschliche Schwächen besitzt. Der Fall Tippelskirch ist kein Panama, sondern ein Bild glänzenden Elends und eines Familienlebens, daß der Pikanterie nicht entbehrt. Von einer Seite, die mit den in Frage kommenden Personen und Verhältnissen vertraut ist, geht uns nachstehende zusammenfassende Schilderung zu: der Fiskus in der Eat, wenn man die Sache so betrachtet, nicht geschädigt. Aber der Firma paßte der Extraverdiens. aus den guten Preisen sehr gut und um die Verlängerung des für sie günstigen Vertrages zu befördern, fam es ihr auf ein paar tausend Mark Darlehen an den lieben Freund Fischer nicht an, wie es diesem auch nicht darauf anfam, das Geld zu nehmen, obwohl es eigentlich gegen den Ehrbegriff, den jeder Mensch und speziell der Offizier haben soll, verstieß. Und nun kommt das Pikante an der Sache. Die Untersuchung über den Fall Tippelskirch- Fischer wurde durch eine Dame veranlaßt. Wer aber war die Dame? Niemand anders als Frau v. Tippelskirch, ihres Gatten unbequeme Nachbarin am Ulmenplay in Lichterfelde. Die Beziehungen der Gatten zu einander werden dadurch vermutlich nicht inniger werden. Der Umstand, daß diese Anzeige, die zur Einleitung der Untersuchung gegen den Major Fischer und zu seiner Jnhaftierung führte, von außen erstattet wurde, dürfte freilich verhängnisvoll noch für einige andere Herren aus der Kolonialverwaltung werden, besonders da der Kaiser rücksichtsloses Verfahren in der Angelegenheit befohlen hat. Sollte außerdem der Firma v. Tippelskirch nachgewiesen werden, daß die Duzfreundschaft Fischer- Tippel mit der ewigen Pumpe" in Beziehung zu der Bewilligung der hohen Preise für die Koloniallieferungen stehen, wie die Fama annimmt, so würde allerdings der Staat nicht umhin fönnen, die Verträge mit der Firma sofort zu lösen. Das wäre die weitere Entwickelung des Fall Tippelsfirch." Im Villenviertel des Berliner Vororts Gr. Lichterfelde stehen in der Bismarckstraße zwei schmucke Landhäuser. Das eine, No. 15/16, bewohnt Herr H. v. Tippelskirch, der Urheber der Firma Tippelskirch& Co., während in No. 19 Herr Major Fischer wohnt. An das v. Tippelskirchsche Haus aber grenzt ein anderes, ebenso schmuckes, in dem Frau v. Tippelskirch residiert. Um die drei Häuser schlingt sich ein ,, anmutiger" Kranz von Histörchen, die nicht einmal immer erfunden, sondern oft auch wahr sind. Denn Frau v. T. lebt seit Jahren getrennt von ihrem Gatten, der vergeblich die Scheidung erstrebt, dem aber die Nachbarschaft seiner Frau die Gärten beider Villen stoßen aneinander- reichlich unangenehm ist und der gern sein Haus, sogar für den billigen Preis von 48000 Mark verkaufen möchte. Umso angenehmer war aber dem Herrn v. Tippelskirch die Nachbarschaft des Major Fischer, mit dem ihn eine innige Duzfreundschaft verband. Und nun finden die bösen Seelen etwas dabei, daß der Herr Major, der sich öfter- oder sagen wir immer in Geldverlegenheit befand, seinen lieben Tippel" hier und da anpumpte. Zuerst waren es fleine Sümmchen, die auch zurückgezahlt wurden, dann kamen Darlehne von 1-2000 Mark und mehr und schließlich war die Schuldsumme auf mehr als 100 000 Mark angewachsen, ein Betrag, den der Herr Major faum jemals zurückerstatten könnte. Vielleicht hat Freund ,, Tippel" allerdings nie auf Rückzahlung gerechnet. Denn der Herr Major war Vorstand der Bekleidungsfommission für die Schußtruppen und die Firma Tippelskirch hat einen Monopolvertrag mit dem Reiche, der sie zur Lieferung aller Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände für die Kolonialarmee bis 1911 verpflichtet und den sie recht gern weiter verlängern möchte. Es ist nun auch eine offene Frage, wie die Firma diesen Vertrag erlangt hat. Denn man munfelt, daß selbst in der Kolonialverwaltung sich Stimmen entschieden gegen den Vertrag erhoben haben, daß aber Major Fischer diese Warner beschwichtigt habe, und man munfelt nicht mehr, sondern man spricht es offen aus, daß die Firma T. dem Reiche Preise abgenommen habe, die sie unter anderen Urständen nicht bekommen hätte. Indessen das ist nicht weiter aufregend. Es ist Sache des Kaufmanns, aus seiner Bure soviel herauszuschlagen, wie er kann und sich nach bewährtem Rezept den alten Wahlspruch„ suum cuique" auszulegen in Nimm, was du friegen kannst!" Den Vorwurf schlechter Lieferung kann man der Firma T. ja nicht machen, also ist Nab und fern. † Ein kaiserliches Gedenkblatt. Allen Mädchenschulen, deren Schülerinnen sich an der Sammlung für die dem Kaiser zur Verfügung gestellte Flottenspende beteiligt haben, ist jetzt seitens des Hofmarschallamtes ein Gedenkblatt übermittelt worden, das die eigenhändigen Namensunterschriften des Kaisers und der Kaiserin trägt. † Mordanschlag aus verschmähter Liebe. In Charlottenburg hatte die Frau eines Kaufmanns, eine sehr eraltierte Dame, zu dem bedeutend älteren Hauswirte eine frankhafte Neigung gefaßt. Wiederholt suchte sie diesen in seiner Wohnung auf, und als Grund für ihre Besuche mußte die Ueberbringung des Mietzinses herhalten, den sie in kleinen Raten brachte. Da der Hauswirt ihren Annäherungsversuchen gegenüber unnahbar sich erwies, verschaffte sich die Frau einen Revolver und nachdem sie sich Mut angetrunken hatte, verübte sie auf den Unglücklichen ein Attentat. Sie traf ihn unterhalb des linken Auges, doch ist Hoffnung, daß der Verwundete mit dem Leben davonkommt. Die egaltierte Frau wurde verhaftet. † Durch Hornissen getötet. In Neudorf badete eine Anzahl Knaben im Mühlenbach. Einige stiegen an Land und stocherten Hornissen auf, die dort ihre Nester in der Erde hatten. Voller Wut fielen die Tiere über die Knaben her. Einige sprangen ins Wasser und retteten sich durch Untertauchen vor den gefährlichen Feinden. Die fleineren rannten dem Dorfe zu und wurden von den Insekten fürchterlich zugerichtet. Die Kinder waren durch Stiche in Mund, Nase, Ohren und Augen schrecklich entstellt und liegen schwer danieder. Einer ist sogar den Stichen erlegen. † Das Geständnis auf dem Sterbebette. Vor etwa vierzig Jahren ist in Eberswalde ein Fuhrmann Namens Lumpe im Stall erhängt gefunden worden. Obwohl für einen Selbstmord feinerlei Ursache erkennbar war, mußte man doch annehmen, daß der Mann selber Hand an sich gelegt habe. Jezt hat fürzlich auf dem Sterbebette ein Einwohner von Eberswalde gestanden, daß er mit einigen Komplizen Lumpe aufgehängt habe. Sie hatten einen anderen Mann erschlagen, und als sie dessen Leichnam im Dung verscharren wollten, war Lumpe hinzugekommen. Um sich den Mitwisser vom Halse zu schaffen, drangen fie in Lumpes Wohnung, schleppten ihn in den Stall und knüpften ihn dort auf. † Das verschollene Segelboot. Vor Monatsfrist waren sechs junge Leute in einem Segelboot von Wilhelmshaven nach der Insel Wangerooge in See gegangen. Seitdem hatte man nichts von ihnen gehört, Jezt sind Spuren aufgefunden dafür, daß das Boot mit seinen Insassen verunglückt ist. Es find nicht nur Teile des Fahrzeuges geborgen, bei Horumersiel ist auch die Leiche eines der Teilnehmer angeschwemmt, eine andere Leiche wurde gesichtet, doch ist sie mit dem Ebbestrome in See hinausgetrieben. + Ein Auschlag auf den Schnellzug Paris- Köin. Auf den Nachtschnellzug zwischen Paris und Köln ist in Frankreich ein Attentat verübt worden. Eine Schiene war losgerissen und zurückgebogen. Die Lokomotive entgleiste und stürzte über die Böschung, indem sie die beiden folgenden Gepäckwagen mit sich riß. Die Passagierwagen blieben unversehrt. Die Insassen famen mit dem Schrecken davon. Der Heizer ist schwer verwundet. Es war wieder die Rede davon, daß der Anschlag dem Großfürsten Wladimir von Rußland gegolten habe, indessen befand sich dieser nicht in dem Zuge. Voraussichtlich war es anf den Inhalt des Postwagens abgesehen, in dem sich Wertsendungen im Betrage von zwei Millionen Francs befanden. Der Anschlag war offenbar schon längere Zeit vorbereitet. Man hatte auf der Strecke verdächtige Individuen beobachtet. + Eine Tragödie an Bord. Auf der Bremer Bart Werra" trug sich im Hasen von Newcastle eine schreckliche Szene zu. Der aus Petersburg gebürtige zweite Offizier Wulfius drang in trumfenem Zustande in die Kammer des schlafenden ersten Ciers Brehme, mit dem er auf gespanntem Fuße sta und tötete ihn mit vier Schüssen. Darauf richtete der Attentäter die Waffe gegen sich selbst und nahm sich das Leben. † In den Bergen abgestürzt. Das Pflücken von Edelweiß hat wieder mehrere Unglücksfälle verursacht. So stürzte am Lattreierfirst ein Arbeiter eine Felswand herab und wurde zerschmettert; in ähnlicher Weise fand ein Landarbeiter am Bürglen seinen Tod, ferner ein Student aus Halle in Allgäu. Am Sankt Gotthard stürzte ein Feldwebel der Festungstruppen eine 800 Meter hohe Felswand hinab, als er mit drei Kameraden ohne Führer vom Galenstod absteigen wollte. Ja an word, die zum Fischen bon 32 Personen aus sytl einen Ausflug auf dem Fahrzeug gemacht hatten, von einem Die Schaluppe plötzlich auftretenden Windstoß getroffen. schlug um und acht Mann ertranfen. Fine Erwärmung Nachteil, die Verda fucht eine faft bollf erreichen, daß er orpo zuieht und fie diefem Wärmegrad Milch noch nicht be Durd ein in der gerfällt in Cauerfto eine vollständige fei und das Butterung Der Cauerstoff abe † Eisenbahn- Unglück. Bei Poughkeepsie im Staate New york entgleiste infolge eines Erdrutsches ein nach der Pazific Küste fahrender Schnellzug. Die Lokomotive und der Gepäc wagen stürzten in den Hudson- Fluß. Drei Personen fander den Tod, ungefähr hundert erlitten Verlegungen. † Mord an einer Achtzigjährigen. In Nohra wurde eine achtzigjährige Frau, die Mutter eines dortigen Gutsbesitzers, von einem Schweizer erschossen. Der Mörder unternahm bann einen vergeblichen Selbstmordversuch. Das Motiv zu der unseligen Tat ist völlig ungeklärt. † Vom Grubenunglück in Courrières. Aus dem durchden großen Grubenbrand zerstörten Bergwerk in Courrières waren bis vor einigen Tagen 1064 Tote geborgen. Die noch fehlenden Leichen dürften ebenfalls bald gefunden werden. Von dem die Untersuchung führenden Richter ist empfohlen worden, das Verfahren gegen die der fahrlässigen Tötung angeklagten Staatsingenieure niederzuschlagen, da diese ihre Pflicht getan hätten. † Beim Fischen verunglückt. Bei Anglesea im Staate New- Serien wurde die Schaluppe ,, Nora" mit einer Gesellschaft † Die Geretteten von Courrières bei ihren Rettern. Mehrere der Ueberlebenden von dem Grubenunglück in Courrieres sind in Westfalen eingetroffen, um den Rettern namens der Kameraden zu danken. Bei dem Ueberschreiten der Grenze haben die französischen Gäste ein Telegramm an den Kaiser gesandt. Tages- Chronik. Magdeburg, 31. Juli. Jn Schäplitz schnitt in einem Wahnsinnsanfalle eine fünfzigjährige Frau dem dreijährigen Kinde eines Gutsbesizers den Hals durch; sie war von der Wahnidee befallen, nicht eher sterben zu fönnen, bis sie fließendes Blut gesehen habe. Kaffel, 31. Juli. Auf dem Felde bei Angersbach in Oberhessen hat ein Bauernmädchen die eigene Mutter, die berauscht vom Dorfe fam, mit einer Harte erschlagen. Osterode( am Harz), 31. Juli. Auf Grube Marie" bei Klausthal sind fünf Bergleute tödlich verunglückt. Aschabad( Russ. Transkaspien), 31. Juli. Die Fälle von Erkrankungen an der sibirischen Pest nehnen unter den An gestellten der Murgab- 3weigbahn zu. Die Ansteckungsgefahr ist eine bedeutende. Kopenhagen, 31. Juli Der Segler ,, Anna" von Marstal ist mit einer Besatzung von sechs Mann im arktischen Meen Spurlos verschwunden. Großstadt- Klubs. ( Von unserem Korrespondenten) ( Sonder- Bericht). " behandelte Milch f lang hält. Der W aud in Frage gefte Wengen Wafferftoff zurüd, das der M und fie zum min brauchbar macht. F Moment Shlagfertige Dame Ser BohnenstangeGou Wer die Ha faumen, den dor Was diefe großa anderen Städten a Salle," die in der walten. Man rüh Bunge nach; Blut der Spanierin Temperament erich mers, und wehe, fügige Richtigkeit g Beiber zu Spänen, eigene Ware, um de Unglüdlichen, der in gerät.- Rohltäpfe Rüben das fleinere i der Gegner gez Berlin, Ende Jult. Unfre Goldene Jugend" wollte es der Jeunesse dorée bon London und Paris nachtun. Man imitierte zunächst den abendlichen full dress und dann noch weitere Lebens gewohnheiten und Sitten. Das flotte Leben begann und das auch im Hochsommer florierende Klubwesen zeigte seine ersten Blüten. Die im Jahre 1794 gegründete" Ressource" ent wickelte sich immer mehr zur exklusiven Vereinigung von Millionären; ihr Pokertisch erlangte wegen der Höhe der Die Sterne zweiter Umsätze internationale Berühmtheit. Ordnung, die hier nicht mittun fonnten, brannten vor Sehn sucht nach einer andern Stätte der Eleganz. So entstand der Klub von Berlin", der sich bis heute vom Spiele im Großen ziemlich rein gehalten hat; so entstand aber auch der„ Klub bon 1880", der allerhand Abenteurern ein ergiebiges Feld wurde und unerhörte Spielgewinne und-Verluste zu ver zeichnen hatte. Daneben bestanden nach wie vor: der ,, Union Klub", der heute jedes Spiel ausschließt; das, adlige Kafino", das in den sechziger und siebziger Jahren ein Tummelplay der wildesten Leidenschaften war, heute aber sehr zahm und ruhig geworden ist, und der„ Turf- Klub." Auch damit war die ,, Entwickelung" nicht abgeschlossen. Immer neue Kreise fanden Interesse an solchen Zusammenfünften, hielten sie für besonders vornehm und gedachten es Reicheren darin nachzu tun. Dieser unselige Trieb, Mittel zu zeigen, die man nicht hatte, verführte insbesondere zur Beteiligung am Spiele und gestaltete wiederum dieses zu einer übertriebenen Ausschweifung. Der inzwischen verfrachte ,, Klub von 1900", der mit fabelhaftem Lurus von spekulativen Köpfen gegründet worden war, kann als Schulbeispiel für das immer stärker auftretende Parvenutum gelten, das einen hochstaplerischen Zug nicht verleugnen kann. In diesen Klubs haben Leute gespielt, die sich untereinander öffentlich Wucherer" ,,, Gauner" und ,, Betrüger" nannten; hier sind Zehntausende an Karten geld umgesetzt worden; hier wurden Vermögen faltblütig ruiniert, aber nicht ein einziges dafür geschaffen. Der alleinige Gewinner war am letzten Ende der Klub selbst, dessen fabel haft kostspieliger Apparat jährlich Hunderttausende schluckte. Wie sehr aber eine gewisse großstädtische Bevölkerungsschicht vom Klub- und Spielteufel schon besessen ist, zeigt sich wohl am besten daran, daß die gewaltsam herbeigeführte Auflösung dieses Prozenklubs dahin führte daß wie Parasiten eine Anzahl neuer Klubs entstanden, die dem gleichen Zwecke dienen. Der Klub des Westens, Klub Berolina, und wie sie alle heißen, sind auf dem gleichen Boden gewachsen, wie der Konfektionärflub von 1900 unb haben den größten Teil der Mitglieder jenes Klubs in fid aufgenommen. Was aber dort keine Unterkunft fand, trägt sich neuerdings schon wieder mit einer Gründungsidee: Tier gartenklub soll die neue Blüte heißen, die am Baume der Verschwendung gar bald entstehen soll. Es sind immer die selben Leute; auch das Milieu, dem sie entstammen, ist fat immer das gleiche. Ob der Klub nun so heißt oder so, o er zu geselligen oder zu beruflichen Zwecken gegründet wurde am Ende kommt alles auf dasselbe hinaus. Man spielt hier in Berlin nicht nur in den eigentlichen Spielklubs; mat ,, arbeitet" mit der gleichen Leidenschaft auch im Bühnenklub und in ähnlichen Instituten, deren Zwed ursprünglich eit nüßlicher und gewinnbringender sein sollte. Der gleiche Taumel hat alle Kreise erfaßt, der Spielteufel beherrscht fie alle; nicht am letzten auch die Frauen der guten Gesellschaft die am Pokern soviel Gefallen gefunden haben, daß fie nicht mur bei ihren Familienfesten zur Karte greifen, sondern sich ganz wie die Männer, zu Klubs zusammentun und hier an grünen Tische Schlachten auskämpfen, die sich sehen lasser fönnen, die man aber doch wohl aus Schamgefühl nicht seher lassen möchte. Ein Gedanke, der an sich gewiß vieles für sich hat, ist in Berlin entstellt worden. Das englische Klubwesen, das geschaffen wurde, den Wirtshausbesuch einzuschränken und Interessengemeinschaften zu bilden, die fürs Leben nüßen, it an der Spree willkürlich farrifiert worden. R. D. Der Landwirt. ber pm. Das Buddisieren der Milch. Ein dänischer Ingenieu Budde hat ein Verfahren erfunden, wodurch es ermöglicht wird, die Bakterien der Milch zu 99 Prozent zu vernichten, ohne daß es nötig wäre, letztere der Siedehiße auszusezen Amazonen der Halle Damit aber if gelommen. Denn hinausgewiefen ift, mehr Rat, und gew nach dem obersten m ihm nun gleid Abhilfe zu bitten. Bohnenstange mit in Reihen geordnet Machtlos teht Demonstration. Der bielfach, aus denen und in dem Konflit harjam ist die Wahl Unaufhaltsam, wie e der Bohnenstange de trägt und zur Halle deuten den gived: Feinden! E lebe ال Batriotismus darf ni fejelt schon die le der Männerwelt. Wollte der Gouve Die Soldatesfa geger Geschlecht vorzuschi Da fann er sich ein erigen Polizei- Offizi der ritterlichen M gedenken. Er dabur, daß er die cl der Fahnentra Seligte Bohnenstange mieder in seinem Le de- Nägel der F mit feinen Männerfä Beiberfaufte auf die Juden er stößt ei gezeichnet, lange weg bis in die Aern a fich zurüd und be feiner Mannen. Das ruft:„ Es leben bie Damit ist der Sie fahiden dem Sprecherinnen hina auf das liebenswür ermabnt fie zur Ru münichen. Bas jol aufrührerische Unte Armeen in den Kam manninnen, ftreitba Mannesmut nicht S Dann gehts in in die Halle zurüd, der Mede zeugt bon im weiblichen Bujer neuen Taten die He Hu § Tropenkoller. murde gegen Broins lagsberjuchs, Urtic roßen Menge ande agiger Verhandlung ritinstanzliche Urteil u 15 Jahren nur 31 Dittmann hatte auf Bett herab, auf dem richoffen, weil dieje Dane zu weit voraus ** Die Sigun Oberbeffen füc bas 4. September, unt * Neuenhagen ib Die neuen Stelle für die Die zum de ten, bou eine Die Schaluppe im Staate Se nach der Bazife und der Gepid Berfonen fande gen. Cobra wurde ei en Gutsbefibers, rder unternah Das Motib ihren Retten 84 cubemunglid um den Retten m Ueberschreite Telegramma fchnitt in eine Dem dreijährige ie war bon da fönnen, bis je Angersbach i ene Mutter, de rschlagen. ube Marie" bei Lüdt. Die Fälle bo en unter den A Unitedungsgefa na" von Marital arttischen Meen enten) in, Ende Jull Jeunesse dorée erte zunächst den weitere Leben begann und das Beigte feine ersten Resource" ent Bereinigung von der Höhe der Sterne zweiter nnten vor Sehn So entstand der Spiele im Großen auch der„ Klub ergiebiges Felb Verlufte zu ber bor: der Union adlige Kafino, ein Tummelpla sehr zahm und Auch damit war mer neue Kreise n, hielten fie für ren darin nachzu en, die man nit g am Spiele und ertriebenen Au 6 von 1900", ber Röpfen gegründe as immer stärla hochstaplerischen lubs haben Leut cherer"," Gauner ufende an Karten rmögen faltblüt fen. Der alleinig elbst, deffen fabe Derttausende b fe großstädti eufel fchon befe ß die gewalti ubs dahin führ bs entstanden, d es Westens, Kl auf dem glei b von 1900 enes Klubs in f erfunft fand, hi indungsidee: T ie am Baume de Es find immer die tftammen, if f heißt oder jo, gegründet wurd naus. Man pi n Spielklubs; ich im Bühnenfi uripringlich Ute. Der glei eufel beherrit guten Gefellicht aben, daß fie ni eifen, fondern fi ntun und hier fich fehen la ugefühl nicht feh für fich bat, it i Klubwesen, einzufchränten Leben nügen, RD. danifcher Ingenieur urdy es ermöglicht gent zu bernichten dehipe auszulegen Eine Erwärmung der Wilch auf 100 Grad hat nämlich den Nachteil, die Verdaulichkeit der Milch zu beeinflussen. Budde sucht eine fast vollständige Keimfreiheit der Milch dadurch zu erreichen, daß er ihr eine bestimmte Menge Wasserstoffsupersryd zusetzt und sie dann auf ca. 50-52 Grad erhitzt. Bei diesem Wärmegrad wird die chemische Zusammensetzung der Milch noch nicht verändert, wohl aber das Wassersuperoryd durch ein in der Milch vorhandenes Ferment zersetzt. Es gerfällt in Sauerstoff und Wasser und zwar soll die Zersetzung eine vollständige sein. Der Geruch, der Geschmack, die Farbe und das Butterungsvermögen der Milch bleiben unverändert. Der Cauerstoff aber tötet sämtliche Bakterien, so daß sich die behandelte Milch sogar bei Zimmertemperatur 12-14 Tage lang hält. Der Wert des Buddeschen Verfahrens ist jedoch auch in Frage gestellt worden, nimmt man nämlich größere Mengen Wasserstoffsuperoryd, so bleibt unzersetztes Superoryd zurüd, das der Milch einen unangenehmen Beigeschmack gibt und sie zum mindesten für die Säuglingsernährung un brauchbar macht. Hm Manzanares. Momentbilder aus Spaniens Hauptstadt.= Kartoffelfrieg.. Der Siegeszug Schlagfertige Damen der Halle. Der liebenswürdige Nägel! Die Macht der Rede. der Bohnenstange Vorsicht Gouverneur. - - - Madrid, im Juli. Wer die Hauptstadt Spaniens besucht, wird nicht ver. aumen, den dortigen Markthallen einen Besuch abzustatten. Was diese großartigen Einrichtungen von den gleichen in anderen Städten unterscheidet, sind besonders die Damen der Halle," die in den Ständen ihres Amtes als Verkäuferinnen walten. Man rühmt ihnen im Allgemeinen eine schlagfertige Bunge nach; in Madrid aber kommt dank dem heißen Blut der Spanierin, noch die schlagfertige Hand hinzu. Deren Temperament erschlafft nicht in der größten Hize des Som mers, und wehe, wenn durch irgend eine noch so geringfügige Richtigkeit gereizt, der Sturm losbricht. Da werden Weiber zu Hyänen, und feine der Hallen- Damen schont die eigene Ware, um den Gegner damit zu befriegen. Wehe dem Unglücklichen, der in diesen Hagel von Wurfgeschossen hineingerät. Kohlköpfe bilden die Kanonenfugeln, Kartoffeln und Rüben das fleinere Geschoß. Und nicht lange dauert es, so ist der Gegner gezwungen, vor dem streitbaren Heere der Amazonen der Halle das Feld zu räumen. Damit aber ist das Ende der Schlacht meist noch nicht gekommen. Denn in der Halle, aus der die Marktpolizei hinausgewiesen ist, halten die fiegreichen Hallen- Damen runmehr Rat, und gewöhnlich ist der Schluß, daß man gemeinsam mach dem obersten Beamten, dem Gouverneur ziehen wolle, um ihm nun gleich alle Beschwerden vorzutragen und um Abhilfe zu bitten. Alsbald geht man ane Wert. Eine Bohnenstange mit einem Tuch daran bildet das Palladium, in Reihen geordnet folgt der Bug. Machtlos steht die Polizei auf der Straße vor dieser Demonstration. Denn die Gatten der Marktfrauen sind es vielfach, aus denen sich die öffentliche Sicherheit rekrutiert, and in dem Konflikt zwischen Amtspflicht:: ehelichem Ge= borsam ist die Wahl in diesem Falle von vornherein gegeben. Unaufhaltsam, wie eine Lawine, wälzt sich die Revolte hinter der Wohnenstange des Aufruhrs her, und alles, was Röcke trägt und zur Halle gehört, schließt sich an. Riesige Plakate deuten den Zweck:" Es leben die Frauen! Nieder mit den Feinden! Es lebe Spanien!" Denn der Einschlag vor Patriotismus darf nicht fehlen. Wo der Zug fich zeigt, entfesselt schon die letztgenannte Inschrift die Zurufe auch der Männerwelt. Wer soll da noch Halt gebieten. Wollte der Gouverneur etwa sich beikommen lassen, Die Soldatesfa gegen das in Erregung befindliche weibliche Geschlecht vorzuschicken, er ristierte das Schlimmste. Da fann er sich ein Beispiel nehmen an dem jungen übereifrigen Polizei- Offizier, der erst zu furze Zeit im Amte ist, um der ritterlichen Mahnung ,, Vergreife dich nicht an Frauen!" zu gedenken. Er meint, den Aufruhr ersticken zu sollen dadurch, daß er die Radauführerinnen verhaftet und vor allem der Fahnenträgerin das Symbol des Ganzen, die geheiligte Bohnenstange entreist. Er tut das einmal und nie wieder in seinem Leben. Denn er hat die Rechnung ohne Nägel der Frauen gemacht. Wie er die Standarte mit seinen Männersäusten packen will, frallen sich ein Dutzend Weiberfäuste auf die seinigen nieder. Ein Kragen und Bucken er stößt ein Geheul aus, der Rücken seiner Hände ist gezeichnet, lange purpurrote Streifen ziehen sich über sie weg bis in die Aermel seiner Uniform hinein. Entsetzt zieht er sich zurück und verschwindet schamglühend hinter der Reihe seiner Mannen. Das Volt aber brüllt Hurrah und lacht und ruft: Es leben die Weiber!"- Es lebe Spanien!" die - - Damit ist der Sieg der Frauen endgültig entschieden. Sie schicken dem Herrn Gouverneur eine Abordnung von Sprecherinnen hinauf in seinen Palast, und er empfängt sie auf das liebenswürdigste mit tausend galanten Verbeugungen, ermabnt fie zur Ruhe und verspricht ihnen alles, was sie wünschen. Was soll er tun? Was kann er tun? Gegen aufrührerische Untertanen, streitbare Spanier, fann Armeen in den Kampf senden, seinen revoltierenden Landsmänninnen, streitbaren Spanierinnen gegenüber, hält sein Mannesmut nicht Stand. er Dann gehts in derselben Ordnung, wie man gekommen, in die Halle zurüd, und nur noch der unaushaltsame Strom der Rede zeugt von der gehobenen Stimmung, die noch lange im weiblichen Busen nachzittert und, wenn es sein muß, zu neuen Taten die Heldinnen begeistert. W. M. Aus dem Gerichtsfaal. § Tropenkoller. Vor dem Obergericht in Dar- es- Salam wurde gegen Broinspektor Düttmann wegen Totschlags, Totschlagsversuchs, Urkundenfälschung, Unterschlagung, sowie einer großen Menge anderer Straftaten verhandelt. Nach fünflägiger Verhandlung wurde das Urteil gesprochen, in dem das erstinstanzliche Urteil aufgehoben und der Angeklagte anstatt zu 15 Jahren nur zu 82 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Düttmann hatte auf seinem Marsche nach Nuansa von dem Bett herab, auf dem er sich tragen ließ, den Träger Pangalala erschossen, weil dieser nach Auffassung Düttmanns der Kara toane zu weit vorausgegangen war. Logales. 1. Auguft. ** Die Sizungen des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen für das 3. Quartal 1906 werden Montag, den 24. September, unter dem Vorsiz des Großh. Landgerichtstats Neuenhagen ihren Anfang nehmen. * Die neuen Poftanweisungsformulare sind unpraktisch. Die Stelle für die eingezah t: Summe befindet sich unmittelbar unter dem Poststempel und wird daher oft von der Stempelfarbe verdeckt, sodaß die 3 ffern unleserlich werden. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Abschnitte als Beleg beschloß die Handelskammer in Elberfeld, bei dem Staatssekretär des Reichspostamtes dahin vorstellig zu werden, daß die alten Formulare wieder eingeführt werden. ** Turnvereins- Jubiläum. Die Festbauten auf Dswalds- Garten, welche seit dem Sängerfest stehen ge= blieben, werden nunmehr dem Charakter der deutschen Turnerei entsprechend wieder hergestellt. Nur noch wenige Tage und es werden innerhalb der Mauern Gießens abermals nach Tausenden zählende Festbesucher weilen, die dieses Mal dem Turnverein Gießen für sein noch feitenes Jubiläum Sympathie und damit der Stadt Wohlwollen befunden. Möge darum der in der heutigen Nummer veröffentlichte Aufruf der Festleitung allseitige Beachtung erfahren. ** Hessische Lehrerwünsche. In dem Entwurf der neuen Landgemeindeordnung hat die hessische Regierung eine Bestimmung des alten Gesezes belassen, wonach Volksschullehrer zu Mitgliedern des Gemeinderats nicht wählbar sind. Das bedeutet eine Zurücksetzung der Voltsschullehrer gegenüber den seminaristisch gebildeten Lehrern, die das passive Wahlrecht zum Gemeinderat schon besigen. Der Vorstand des Landeslehrervereins wird deshalb an die Regierung und Kammern Eingaben richten, in denen um Beseitigung dieser Ausnahmestellung der Volksschullehrer gebeten wird. Die Lehrer, die im Nebenamte an den Fortbildungsschulen wirken, erhielten bisher dafür ein Entgelt von 1 bis 2 Mart für die Stunde. Die Lebrer, wünschen aber jetzt allgemein eine Honorierung mit 2 Mark pro Stunde. Der hessische Landeslehrerverein wird demnächst eine Eingabe in diesem Sinne an die Regierung gelangen lassen. * 8um Mord in Mainz. Der Mörder des Fräuleins Hoffmann, der Privatmann Elauter aus Monzerheim, ist nicht besonders gut beleumundet; er war früher Kellner und hat einige Tausend Mart Vermögen. Clauter hatte sich vor 3 Wochen den Revolver, mit dem er die Tat verübte, in Worms gekauft und damit täglich Schießübungen vorgenommen, so daß er schließlich eine große Fertigkeit im Schießen besaß, um auch seine Absicht, das Mädchen zu töten, verwirklichen zu fönnen, wenn es sich weigern sollte, ihn zu heiraten. Clauter hat vor dem Untersuchungsrichter eingestanden, in der Absicht das Mädchen zu töten, nach Mainz gekommen zu sein. In Gegenwart von Clauter war am Montag: Nachmittag die Sektion der L.iche. Die Kugeln wurden nicht mehr gefunden, sie hatten den Körper voll ständig durchschlagen und Herz wie Lange des Mädchens verlegt. Der Mörder legte eine große Ruhe an den Tag. Biele Leute gehören einer Sterbetasse an, ohne es zu wissen. Eine solche ist nämlich die Invaliden- Versicherung, sofern der Versicherte keine Rente bezogen hat. Und das wird unter den vielen Millionen Versicherten bei den weitaus meisten der Fall sein. Die Hinterbliebenen der Versicherten, Witwen und Kinder unter 15 Jahren, haben das Recht, sich die von dem Versicherten geleift ten Beiträge zurückerstatten zu lassen. Jedoch was wohl zu beachten ist geschieht diese Rückzahlung nur auf Antrag, der innerhalb eines Jahres nach dem Ableben des Versicherten gestellt werden muß. § Lollar, 31. Juli. Auf dem 9. Bundessängerfeste des Fulda- Rhön- Sängerbundes wird auch unsere Liedertafel auftreten. § Ortenberg, 30. Juli. Dem Stadtvorstand von Orten berg ist die Erlaubnis zur Beranstaltung einer Verlosung von Fohlen, R.ndern, Schweinen, landwirtschaftlichen Ge räten und sonstigen Gebrauchsgegenständen gelegentlich des am 1. November daselbst stattfindenden sog. falten Markts Der Vertrieb der Lose in der Bcoving erteilt worden. Oberhessen ist gestattet. * Weilburg. 1000- Jahr feier. Vom Hefmarschall. amt zu Berlin traf bei der hiesigen Bürgermeisterei die amtliche Nachricht ein, daß Prinz Etel- Frizz zur Teilnahme an der 1000- Jahrfeier am Sonntag, dem 19. August, morgens mit dem fahrplanmäßigen Buge um 8,50 Uhr hier eintrifft. Braunfels. Bei dem Gauturn fest des LahnDill gaues in Bad Nassau erhielt unser Turnverein im Musterriegenturnen der 1. Klasse mit 36,22 Punkten den 5. Preis. Das ist in Anbetracht des Umstandes, daß die Vereine bedeutend größerer Städte, wie Weilburg, Dillenburg usw. in der 2. Klasse turnten, ein sehr respekabler Erfolg. * Schliz. Die Bohrungen nach Kalisalzen, die in lezter Beit stattfanden, haben bei Schliß zu einem recht erfreulichen Resultat geführt. Man fand hier, laut, Darmft.8tg.", Das in einer Tiefe von 376 Metern mächtige Salzlager. Gebiet der der Gräflich Schlitz'schen Konzessionen ist allein hinreichend, um nach sachkundigem Urteil 4 Kaliwerke darauf zu errichten. Die Lager sind mitunter 10-25 Meter mächtig. Die gegenwärtig im südlichen Vogelsberg bei Bermutshain und Grebenhain stattfindenden Bohrungen haben schon einigen Erfolg gehabt und lassen das Beste erhoffen. * Alsfeld, 31. Juli. Prämienmarkt. Auf dem geftrigen Prämien martt waren aufgetrieben 226 Pferde, 136 Stück Rindoteh, 468 Schweine und 22 Biegen. * Hochwaldhausen. Unser neuer Luftturort hat den Vogelsberg sehr in Aufnahme gebracht, die Zahl der Touristen von nah und fern hat bedeutend zugenommer. Wenige ahnten, daß hier eine Landschaft mit Hochgebirgscharakter vorhanden ist, daß einen jeden Besucher die herrlichen Wälder fesseln, die mit blumengeschmückten Matten abwechseln, während plätschernde Forellenbäche zu Tale g- ben, daß sich entzückende Einblicke in die Landschaft und in die Ferne bieten, auf Rhön, Ep sfart und Taunus. Unzählige Sogen tnüpfen sich an dieses Chattenland. Dant der günstigen Lage von Hochwaldhausen im Regenschatten des Vogelsbergs hatten wir shr geringe Niederschläge. In jüngster Zeit haben hier auch Altertumsforscher am Krater spige Steine, Anzeichen einer prähistorischen Zeit, gefunden. In Kürze sollen einige Querschnitte durch die kreisrunde Mündung des Kraters gemacht werden, um weitere Aufschlüsse zu erhalten. * Usingen, 30. Juli. Schwer behängt mit Früchten steht hier ein uralter Birnbaum in dem an der Landftraße nach Wehrheim liegenden Garten des Gärtners Henz. Der Baum ist über 150 Jahre alt, also nicht allein der älteste Obstbaum im ganzen Kreise, sondern wohl auch im ganzen Regierungsbezirk. Seit undenklichen Zeiten trägt er jedes Jahr, meistens hängt er voll mit Früchten. Der Eigentümer hatte schon einmal von dem Baum über 30 große Körbe mit Birnen eingeheimst. Die Früchte sind in den Izten Jahren etwas kleiner geworden. * Salzschlierf. Die Zahl der diesjährigen Kurgäste ift nach der Kurlisten auf 3532 geftiegen. * Fulda. Die hiesige Tuchfabrit von Staudenmair& Co. hat den Konturs angemeldet. * Frankfurt, 31. Juli. Vom Milchkrieg. Gestern Nachmittag hielten die Frankfurter Milchhändler eine Versammlung ab. Zur Besprechung stand die Erhöhung des Milchpreises durch die Landwirte. In der gut besuchten Versammlung wurde beschlossen, am 2. August eine öffentliche Milchhändlerversammlung einzuberufen. Weiter verpflichteten sich sämtliche Anwesende, den Preis der Milch auf 22 Pfennige des Liter zu erhöhen, falls die Versammlung am 2. Auguft diese Erhöhung beschließt. Frankfurt a. M. * Heu und Strohmarkt. Heu per Zentner 300-3 20, Stroh per Zentner 3.30 t. * Mainz, 31. Juli. Von einer ungeheueren Wilchfälschung berichtet das" M. Tgbl.": die Frau des Milchhändlers Johann Dhein von hier wurde auf der Gauftraße von der Polizei angehalten, da Milchproben vorgenommen werden sollten. Von einer Ranne behauptete die Frau, daß sie leer wäre; als der Schußmann sie aber öffnete, enthielt sie eine Brühe, die aus 80 Prozent Wasser und 20 Brezent Milch bestand. Das Gericht rerurteilte sie zu 50 Mart. Aus dem Gerichtssaal. Gießen, 31. Juli. Vor dem Schöff ngericht Gießen hatten sich der Schreiner Karl Textor und der Weißbinder Wilhelm Arnold von Leihgestern wegen Körperverlegung und Bedrohung zu verantworten. Die Sache wurde, da Totschlagsversuch vorzuliegen schien der Zuständigkeit halber an die Straffammer verwiesen. Die Angeklagten hatten zwei Radfahrer von Großen Linden unterwegs angefallen und als diese zwecks Feststellung der Namen der Angreifer diesen nachgingen, schoß Txtor mehrmals mit scharfgeladenem Revolver auf Den einen, jedoch ohne zu treffen. Als der Bedrohte auf den Schüßen zuging, um ihm die Waffe zu entreißen, sprang Arnold hinzu und bearbeitete ihn mit dem Messer, sodaß er blutüberströmt davonziehen mußte. Die Straffammer fonnte sich nicht überzeugen, daß Totschlagsversuch vorliegt. Ste verurteilte Textor wegen Bedrohung zu 3 Monaten Gefängnis. Arnold erhielt wegen Körperverlegung 2 Mon. und 2 Wochen. Weiter erfolgt die Einziehung des Revolvers und des Messers. Wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an Kindern unter 14 Jahren, erhielten Heinrich Westerweller von Affenheim 2 Jahre Gefängnis und Wilhelm Rothe aus Posen 10 Monate. Desgleichen bekam der 18jährige Karl Reiffohl aus Vilbel wegen einer an einem Schultnaben Schultnaben verübten unfittlichen Handlung 6 Monate Gefängnis.- Der Schlosser Franz Wagner aus Büdingen hat einem Nachbar eine Holzort im Werte von 3 Mt. ent wendet. Er erhielt wegen Rückfalldiebstahls eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 2. August. Langsam aufheiterno, etwas wärmer, meift trocken, veränderliche Winde. ( Näheres durch die Gießener Wetterfarte.) Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 2. Es können eingestellt werden: 3 landw. Arbeiter, 1 landw. Magd, 5 Ziegeleiarbeiter, 2 Steinbrucharbeiter, 3 Bauschlosser, 2 Wagner, 6 Schreiner, 1 Schuhmacher, 2 Glaser, 2 Arbeiter, 2 junge Hausburschen, 1 Fahrbursche, 1 Kutscher,( für Arzt), 5 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen. Lehrlinge: 1 Elektromonteur, 1 Schreiner, 1 Kaufmann. Es suchen Arbeit: 1 Buchbinder, 1 Schreiner, 2 Wasch- nud Puzz frauen, 1 Flickfrau, 2 Installateure, 1 Kaufmann, 1 Lauffrau, 1 Haus- oder Bureaudiener. Lehrlinge: 1 Schlosser. Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentei Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide in Gießen. Carboline ist die Zierde des Toilettentisches.( Fa ist unentbehrlich zum täglichen Gebrauch beim Frisieren der Haare, um diese in ihrem natürlichen, fräftigen Zustande zu erhalten. Carboline wirkt auch sehr erfrischend auf die Kopfhaut. Erhältlich in Apotheken, Drogerien und Parfümerien oder von H. H. Warner& Co., Schäfergaſſe 10, Frankfurt a. M. NAUMANNIA- SEIFE mit dem 2 Beste Seifenah undfern! Mitbürger! Bad Thal im Thüringer Wald. Herrliche Sommerfrische In den Tagen vom 4. bis 6. August wird der Turnverein Gießen ein Bahnstation. Prospekte beim Kurseltenes Jubiläum begehen, nämlich die Feier des 60jährigen Bestehens. In den langen Jahren seit seiner Begründung ist der Turnverein stets mit der Einwohnerschaft hiesiger Stadt aufs engste verbunden gewesen und die gegenseitigen Beziehungen waren immer die besten und herzlichsten. komitee. Keine Serienlose oder Pfennigslotterie! Nur Bargewin. Jed. Los gewinnt! Vermögen u. Gewinn durch Beitritt zu amtl. angem. Verein! Kein Risiko! Gesetzl.staatl. angeordnet! Deshalb rechnet der Turnverein Gießen mit Bestimmtheit auf die einmütige Beteiligung aller Mitbürger an seinem Jubiläum, wie ihm auch aus Turnerkreisen Eine Mark: don nah und fern viele Sympathiebeweise und ein überaus zahlreicher Besuch in Aussicht gestellt sind. Wir sehen uns daher veranlaßt, an alle Bewohner hiesiger Stadt die herz. liche Bitte hiermit zu richten, als äußeres Zeichen der Freundschaft für den TurnVerein und als Willkommengruß für die auswärtigen Festgäste die Häuser mit reichem Flaggenschmucke freundlichst versehen zu wollen. Der Festansschuß: Louis Althoff. Wilhelm Homberger. Geschäfts- Verlegung und -Empfehlung. Dem verehrlichen Publikum von Giessen und Umgegend, sowie meiner werten Kundschaft die ergebene Mitteilung, dass ich meine Wagenbauerei von heute an nach Fahrräder, Westanlage 27 a verlegt habe. Durch Aufstellung von sämtlichen der Neuzeit entsprechenden Hilfsmaschinen der Wagenbautechnik bin ich in der Lage, den grössten Anforderungen gerecht zu werden und bitte Sie, mich auch weiterhin gefälligst unterstützen zu wollen. Prompte Bedienung zugesichert. Hochachtend Heinrich Spies, Wagenbauerei mit elektrischem Betrieb. Gernsbach im Murgtal. 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Beim Ertönen der Zugfignale haben Fu gänger, Fuhrwerke, Reiter und Viehtransporte sich recht zeitig von den Geleisen zu entfernen und dem Zuge boll ständig auszuweichen oder falls sie sich dem Babngele nähern, in angemessener Entfernung und zwar, sofer Warnungstafeln vorhanden sind, vor diesen Halt machen. Es ist verboten, Fuhrwerke oder Vieh ohne Aufsicht auf oder neben den Fahrgeleisen stehen zu laffa oder Vieh frei auf der Bahn laufen zu lassen. Personen welchen die Aufsicht über die auf der Straße oder font in der Nähe der Lahn befindlichen Tiere obliegt, habe dafür Sorge zu tragen, daß die Tiere nicht den Bahn förper betreten und daß fie vorkommenden Falls alsbad wieder von demselben abgetrieben werden. Das Bahn personal ist befugt, alle die Geleise versperrenden Gegen Feinste Salatkartoffeln stände von dem Bahnförper zu entfernen. liefert billigit J. Hankel, Gießen, Schloßgasse. Geld! Bares Geld! Hoher sofortiger Verdienst für Jedermann! Kein Kapital! Kein Laden nötig! 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Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden, soweit nicht auf Grund anderweitiger Stroj bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geld strafe bis zu 30 Mark geahndet. Gießen, den 25. Juli 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Landgrafenstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuh berkehr gesperrt. Gießen, den 30. Juli 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Wilhelmstraße zwischen Frankfurter- und Ludwig straße bis auf weiteres für den Fuhrwerkverkehr gesperrt. Gießen, den 31. Juli 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Gernsbach( Murgtal). Hotel ,, Zum goldenen Stern" Feine Küche, Reine Weine, Bäder, elektr. Licht. Wagen zur Verfügung. Pension von Mk. 450 an Es liegt Besitzer: C. 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