T en engebrachte Wohlndt. ôtel Victoria" Hen höchsten Anhmidt Loria. ingen gel- Fest Oftober 1905: tes mden mit Austellung. Uhr ab: b. Herrn Emil Schäfer. find herzlich willkommen. Der Borstand Regelflubs Alle Nenn'. urn- Ver Giessen( gegr. 1846) Sonntag den 1. Ober: Abturnen. Anfang 4 Uhr nachmittags. Konzert. Abends 8 Uhr Preisverteilung und Tanz. Der Vorstand. Baris eidenden 1896. Cag und Nacht tragbaren er ohne Federn. Geradehalter, Gum u. f. w. nnungsfreiben. treter ist wieder mit Mustern din Oktbr., von 2-5 Uhr zanrant Robel. pagenfabrit, Stuttgart. COWERS PREIS MEDAILLE 1879 tegründung 186 htungen Franko- Lieferung. en etc, etc. Mr. 230. Zweites Blatt. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg. Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Ferusprechanschluk Nr. 362. Samstag, den 30. September 1905. Gießener 14. Jahrgang Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pig.. in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mf. 1.50. Gratisbeilages: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werftagen nachmittags. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Biegen oder brechen. [ Politische Wochenschan.] Der wirtschaftliche Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ist nachgerade auch im Bewußtsein der nicht unmittelbar Beteiligten zu einem dauernden und anerkannten Zustand geworden, der sich weder durch Wohlwollen auf der einen, noch durch Bescheidenheit der Ansprüche auf der ander en Seite beseitigen läßt. Es liegen eben Interessen bor, die verschiedenartig bleiben, auch wenn von Zeit zu Beit eine Brücke der Verständigung geschlagen wird. Was heute als eine annehmbare Grundlage der Vereinbarung angesehen wird, das kann morgen schon seine Geltung verloren haben. Daraus ist aber nicht zu folgern, daß man auf das Bestreben zur Herbeiführung freundlichen Einvernehmens als vergeblich zu verzichten habe. Im Gegenteil erwächst daraus die Verpflichtung zu unausgesetter Erneuerung der Bemühung, ein Gleichgewicht der Interessen, sozusagen, immer wieder zu konstruieren. Einmal tommt doch der Tag, der die ersehnte lückenlose Uebereinstimmung bringt und die auf Zusammenwirken angewiesenen Gegner zu Freunden und Bundesgenossen macht. Das Ziel des vollen sozialen Friedens mag noch so oft dem Blick sich entziehen die Pflicht hört nicht auf, ihm immer wieder nachzujagen. und sollte selbst der endgültige Frieden unerreichbar sein, so ist schon der längere Waffenstillstand ein beachtenswerter Gewinn. Es flingt freilich sehr männlich und entschlossen, wenn man ,, biegen oder brechen" zum Feldgeschrei macht; es ist aber im höchsten Grade unklug, wenn man danac handelt, während keine Aussicht auf Erfolg winkt, oder der erreichbare Erfolg außer Verhältnis zu dem möglicherweise erlangbaren Vorteil steht. Der Festigkeit der Ueberzeugung täte es keinen Eintrag, daß man davon absteht, sich gegen das Uebergewicht realer Tatsachen aufzulehnen. Denn bei solchem Auflehnen sammelt man nur Erfahrungen, deren Bitternis erhöht wird durch das Bewußtsein, daß man sie sich hätte ersparen können. Und die Folge der Bitternis ist Berbitterung, die das Urteil trübt und den Sinn für Ge rechtigkeit beeinträchtigt. Wer mit dem Kopf durch die Wand rennen will, beweist in den meisten Fällen außer dem eigenen Eigensinn in der Regel nur, daß sein Kopf der Want gegenüber nicht der klügere Teil gewesen, gerade weil er erst nach der Bedeckung mit Beulen und Wunden nachgegeben hat. Ein Teil der Berliner Elektrizi tätsarbeiter, etwa 500 Mann, glaubte Ursache zur Unzufriedenheit zu haben. Mit Unrecht, so behaupten die Arbeitgeber. Aber selbst wenn die Unzufriedenheit noch, so gut begründet wäre, bleibt es doch ein verhängnisvoller Fehlgriff, daraus den Anlaß zu einem Streit zu machen, der viele Zehntausende fleißiger Arbeiter dem Elend der Eriverbslosigkeit preisgibt. Die vereinigten Elektrizitätswerke, die ihre Betriebe einzustellen sich drohend bereit erflärt haben, sind offenbar in der Lage, den Stillstand gerade jetzt gut auszuhalten. Die streifenden und ausgesperrten Arbeiter dagegen können im besten Fall die Erwerbslosigkeit wenige Wochen ertragen, und die Streikkassen sind auf irgend eine ausgiebige Hilfsleistung nicht vor= STOLWERCK ADLER KAKAO Fabriken: Köln- Berlin- Pressburg. London- newyork. bereitet. Daß die Elektrizitätsarbeiter in London zugleich mit denen von Berlin streifen wollen, zeugt von lebendigem Solidaritätsgefühl; doch die Gemeinsamkeit der Not bringt keine Linderung. Die vereinigten Elektrizitätswerke sind unzweifelhaft stärker, sie sind besser vorbereitet. Darum wäre es unflug und leichtfertig von den Arbeitern, einen Streit zu beginnen, von dem man weiß, daß ihm der Erfolg versagt bleiben muß, daß er ihnen nur Wunden bringen fann.„ Biegen oder brechen" darf zum Wahlspruch nur werden, wenn man eben keine Wahl mehr hat, wenn es sich) darum handelt, mit Ehren unterzugehen. In jedem anderen Fall bedeutet er nichts als eine heroische Torheit, wobei die Torheit noch viel größer ist als der Heroismus. Das scheint man auch bei den Beteiligten zu empfinden, da von seiten der Arbeiter das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen worden ist. Ob die beteiligten Firmen dem Rufe des Gewerbegerichts Folge leisten werden, ist allerdings fraglich, zumal der Verband Berliner Metallindustriellen sich zur Schließung der sämtlichen Verbandsbetriebe bereit erflärt hat, um die Elektrizitätswerke zu unterstützen. Dadurch würden mehr wie 60 000 Arbeiter beschäftigungslos. Wie klug hat die französische Regierung gehandelt, al: sie in der Erledigung der Maroffofrage sich von dem Delcasséschen Rezept lossagte, das auch zwischen Biegen und Brechen die Wahl lassen wollte! In monatelangen Verhandlungen, die jetzt erst zum Abschluß gekommen sind, hai man eine freundliche Verständigung gefunden, die durch manchen Verhegungsversuch nicht gerade erleichtert worden war. Mit ruhiger Festigkeit, die sich auch durch das begreif liche Gefühl der Ungeduld nicht beirren ließ, hat Deutsch. land seine der Gerechtigkeit und Billigkeit entsprechenden Wünsche durchgesetzt, und sehr bald wird man in Frank. reich selbst erkennen, daß man bei den Zugeständnissen nichts verloren hat. Nicht ohne komischen Beigeschmack ist es, daß ein Teil der Pariser Presse dem russischen Minister v. Wittedas Verdienst zugeschrieben hat, in erfolgreicher Vermittlertätigkeit Deutschland und Frankreich in der Marokkofrage zur Einigkeit zu bringen. Herr v. Witte war nicht in der Notwendigkeit und nicht einmal in der Möglichkeit, hier seine Vermittelungskunst zu bewähren; denn als er in der vergangenen Woche nach Berlin fam, war die Marokkoangele genheit tatsächlich bereits erledigt. In Desterreich- Ungarn haben sich die Verhält nisse bedauerlich zugespitzt. Kaiser Franz Josef hat die Füh rer der ungarischen oppositionellen Koalition schroff zurückund zurechtgewiesen. Biegen oder brechen" ist dort wirk lich zur Parole geworden. Die Opposition nimmt den Mund recht voll und gebärdet sich, als sei sie sicher, das ganze Ungarland hinter sich zu haben. Doch der weit aufgetane Mund hat keine unbedingt beweisende Kraft. Es sind Anzeichen vorhanden, als fühle die ungarische Opposition das Bedürfnis, Bundesgenossen zu erwerben, unter Umständen zu erlisten, und sogar durch Betrug zu gewinnen. Vor einiger Zeit wurde von ungarischen Politikern eine lügnerische Broschüre verbreitet, die von hohenzollernschen Plänen auf Ungarn fabelte. Der Zweck der Broschüre war, Mißtrauen gegen den deutschen Verbündeten in der Wiener Hofburg zu säen und dadurch eine Stimmung der Nachgiebigkeit Vergebung von Bauarbeiten. Die zu einem Anbau an das Kesselhaus der neuen Kliniken dahier erforderlichen Erd, Maurer- und Zimmer- Arbeiten werden hiermit unter Zugrundelegung des Ministerialerlaffes bom 16. Juni 1893 öffentlich ausgeschrieben. Angebotsunterlagen fönnen in unserem Amtslotal eingesehen, Angebotsformulare daher gegen Selbstkostenpreis bezogen werden. Offerten mit entsprechender Aufschrift find bis zum Eröffnungstermine Mittwoch, den 4. Oktober, vorm. 11 Uhr einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 25 September 1905. Großh. Hochbauamt Gießen. Becker. In meinen Neubauten an der Westanlage sind mehrere schön eingerichtete elegante Wohnungen zu vermieten und per 1. Oktober event. früher beziehbar. Durch Zusammenlegen von zwei Stockwerken mittels Verbindung einer separates Treppe können die schönsten herrschaftlichen Wohnungen von 10 bis 11 Zimmern mit allem Zubehör hergerichtet werden. Näheres im Baugeschäft Winn, sofmannstr. 14. gegenüber den angeblich umworbenen" Ungarn hervorzurufen. Der Streich mißlang. Die Intrigue war zu plump angelegt. Ueberdies wurde erwiesen, daß die Broschüre, die ein deutscher Professor verfaßt haben sollte, von einem früheren ungarischen Ministerpräsidenten und jetzigen Führer der Opposition veranlaßt and verbreitet worden mar. Jetzt hat man den Versuch nach der entgegengesetten Richtung erneuert. Der Vizepräsident des Klubs der Unabhängigen Gheza Polonyi in Pest hat durch eine Zeitung bekannt machen lassen, der Widerstand des Kaisers Franz Josef gegen die Einführung der ungarischen Kommandosprache sei von Berlin aus eingegeben. Der deutsche Botschafter in Wien, Graf Wedel, habe den Kaiser Franz Josef in einer langen Audienz gegen die Forderungen der ungarischen Opposition fest gemacht. Damit noch nicht genug. Deutschland habe auch sonst feindselige Gesinnung gegen Ungarn an den Tag gelegt, indem es zwei bescheidene ungarische Wünsche schroff ablehnte. Der eine Wunsch war der, daß Deutschland in seinem Handelsvertrag mit DesterreichUngarn auf eine Meistbegünstigung für den Fall verzichte, daß Ungarn wirtschaftliche Selbständigkeit erlange und ein Sonderabkommen mit Desterreich treffe. Der andere Wunsch bestand darin, daß Deutschland den Handelsvertrag überhaupt nicht mit Desterreich- Ungarn als einer wirtschaftlichen Einheit, sondern mit Oesterreich und Ungarn gesondert abschließe. Solche Feindseligkeit müsse die ungarische Deutschfreundlichkeit auslöschen und die Ungarn ins slawische Fahrwasser treiben. Dieser erneute Verdächtigungsversuch ist womöglich noch plumper als der vorige. beiden bescheidenen" ungarischen Wünsche sind amtlich nie an Deutschland gekommen und konnten es auch gar nicht. Denn für Deutschland gibt es nur eine österreichisch- ungarische Gesamtmonarchie und darf es nichts anderes geben, so lange nicht Desterreich- Ungarn selbst seine Reichsverfassung gewechselt hat. Sollte aber irgend ein unberufener und skrupelloser Ungar privatim die Taktlosigkeit gehabt haben, mit Wünschen der angedeuteten Art an die deutsche Regierung heranzutreten, so ist es selbstverständlich, daß man ihn unzweideutig und entschieden hat abfallen lassen. Es kann nicht gut um das Selbstbewußtsein und die innere Kraft einer Partei bestellt sein, die zu so kläglichen Mitteln greift. Der deutsche Botschafter Graf Wedel erklärt übrigens die ganzen Gerüchte für absolut erfunden. Die In Norwegen regt sich der Republikanismus. Man möchte dort am liebsten die Republik ausrufen und gar feinen König mählen. Aber nur, wenn Europa es nicht übel nimmt. Wünscht Europa durchaus einen König für die Norweger, so sind diese bereit, sich auch weiter monarchisch einzurichten. Man sieht: starre Republikaner sind die Norweger nicht, und zu dem Grundsatz Biegen oder brechen" bekennen sie sich wenigstens nicht immer. Seelische Affekte als Heilmittel. ( Von unserem medizinischen Mitarbeiter.) Der Behandlung mancher Krankheiten durch Einwirkung auf Geist und Empfinden wird in neuerer Zeit ziemlicher Keine Trunksucht mehr. Eine Probe von dem wunderbaren Cozapulver wird gratis geschickt. Kann in Kaffee, Thee, Essen oder Spirituosen gegeben werden, ohne dass der Trinker es zu wissen braucht. COZAPULVER ist mehr wert wie alle Reden der Welt über Enthaltsamkeit, denn es erzielt die wunderbare Wirkung, dass die Spirituosen dem Trinker widrig vorkommen. COZA wirkt so still und sicher, dass Frau, Schwester oder Tochter ihm dasselbe ohne sein Mitwissen geben kann und ohne dass er zu wissen braucht, was seine Besserung verursacht hat. COZA hat Tausende von Familien wieder versöhnt, hat von Schande und Unehre Tausende von Männern gerettet, welche nachher kräftige Mitbürger und tüchtige Geschäftsleute geworden sind. Es hat manchen jungen Mann auf den rechten Weg zum Glück geführt und das Leben vieler Menschen um mehrere Jahre verlängert. 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Eine junge, Dame, die seit mehreren Jahren vollständig die Stimme verloren hatte, findet sie wieder, als sie sieht, daß ihre Freundin in Gefahr schwebt, von einem heranbrausenden Eisenbahnzug erfaßt und zermalmt zu werden; sie stößt plötzlich einen Schreckensruf aus und kann von diesem Augenblick an sprechen. Es ist die modernisierte Geschichte von dem Sohne des Krösus, der stumm war und der, als er eines Tages sah, daß ein Feind seinen Vater niederstoßen wollte, plötzlich vor Angst zu sprechen begann, indem er ausrief: Soldat, schone das Leben des Krösus!" Bei dem Erdbeben von 1855 erlangte in Lyon eine Frau, deren Zunge gelähmt war, die Sprache wieder, als sie ihren Gatten um Hilfe anflehen wollte; eine andere Paralysikerin wurde durch die Explosion eines Pulverturmes geheilt. Als weiteres Heilmittel ist die Ueberredung und Willensstärkung zu erwähnen. Nach Feuchtersleben soll Goethe sich bei Ausbruch eines seuchenartigen Fiebers durch die bloße Einwirkung eines festen Willens" vor Ansteckung bewahrt haben. Ein Psychastheniker mit schwacher Willenskraft läßt sich von allerlei Furchtgefühlen Furcht vor Mikroben, Furcht vor moralischer Befleckung, Furcht vor Heiligtumsschändung- beherrschen. Der Arzt aber stärkt durch mächtigen und energischen Einfluß den schwachen Willen und gibt dem Kranken das verlorene Selbstvertrauen wieder. Ein anderer Patient leidet an Platfurcht; auch ist er überzeugt, daß er nicht imstande sei, eine Kirche oder ein Theater zu betreten. Der Arzt aber beweist ihm, daß er das alles kann, wenn er nur will, und nun fann er es wirklich. Ein nicht zu unterschätzendes Heilmittel ist auch die Ablenkung und zerstreuung. Nach Liebeault befreite sich Pascal von einem heftigen Zahnschmerz, indem er schwierige arithmetische Probleme zu lösen begann; auch Kant, der oft an Herzklopfen und Beklemmungen litt, kurierte sich, indem er durch angestrengte Kopfarbeit seine Aufmerksamkeit von dem körperlichen Leiden abzulenken suchte. Padisleau ließ nur dadurch, daß er die Zeiger der Uhr weiterrückte, bei einer Frau ein eingebildetes Fieber verschwinden, dessen Anfälle sich stets um vier Uhr nachmittags einzustellen pflegten. Hack Tuke erzählt, daß er, als er sich einmal einen Zahn ziehen lassen mußte, nicht den geringsten Schmerz verspürte, weil er sich während der Operation lustige Szenen vorzustellen suchte. Ueber die Heilung durch Suggestion braucht wohl kaum etwas gesagt zu werden, da derartige Fälle oft besprochen worden sind. Daher nur ein Beispiel: Eine hysterische Person hat eine Lähmung des Armes; der Arzt schläfert die Patientin ein und suggeriert ihr in der Hypnose, daß sie den Arm bewegen kann und daß sie von nun an nie mehr Lähmungsempfindungen haben wird. Und so ist es in der Tat. Nun noch etwas über die Heilung durch Erziehung. Ein Knabe hat schlechte Eigenschaften; er ist boshaft und faul. Der Lehrer, der Pfarrer, der Arzt suchen seinen moralischen Sinn zu entwickeln, zeigen ihm das hohe Ziel, das man im Leben zu erreichen suchen muß, stärken seine höheren psychischen Fähigkeiten und machen schließlich aus ihm einen tohlerzogenen jungen Mann. Ein Trunkenbold oder ein Morphinist wird durch einen klugen und intelligenten Ratgeber gebessert; der Warner sucht ihm nach und nach die Gefahren, die seine lasterhafte Angewohnheit mit sich bringt, begreiflich zu machen und zeigt ihm, wie viel Schöns er noch vollbringen kann, wenn er sich bessert Auch manche der sog.„ Nerventifs" fönnen auf ähnliche Art geheilt werden. Jedenfalls ist die Psychotherapie, unter welchen Begriff die beschriebenen Heilverfahren fallen, ein wesentliches Hilfsmittel der modernen Medizin geworden. Bekanntmachung. Der Abbruch der Gebände in dem früher Schüler'schen Garten, sowie das Fällen von Bäumen und Sträuchern und der Aushub und Transport des Mutterbodens soll im Wege des Angebots vergeben werden. Nähere Auskunft erteilt das städtische Tiefbauamt. Schriftliche Angebote, zu welchen Vordrucke auf dem Tiefbauamt erhältlich, find bis zum 5. Oktober, vormittags 11 Uhr bei der unterzeichneten Behörde einzureichen. Gießen, den 29. September 1905. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wir machen alle Hausbesitzer darauf aufmerksam, daß wir unser Tiefbauamt angewiesen haben, während der Zeit vom 15. November 1905 bis 15. Februar 1906 teine Hansentwässerungsanschlüsse in den Straßen, bezw. Verbindungen der Grundstücke mit den Straßenkanälen herzustellen. Gießen, den 28. September 1905. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Lahnkalk- u. Marmor- Industrie** August Gabriel Jr. Giessen, - Kalkwerke: Abendstern. Telefon 84. Feinste Bau- und Düngekalke in Stücken und gemahlen. Prima Hartbrand- Ziegelsteine D. N. F. Die ungarische Frau. - - Betrachtungen über Eigenart und Sitten. Wer kennt die Ungarin? Erziehung. Reisefurcht. Lebensgewohnheiten. Gewappnete Frauen. Berühmte Vorbilder. Hoffnungen für die Zukunft. ( Nachdr. verb.) Budapest, 26. September. - Die Blicke der Welt lenken sich gegenwärtig in besonderem Maße auf das Land, in dem das ungarische Element die führende Rolle spielt oder spielen will. Von politischen Erschütterungen durchbebt, befindet sich Ungarn in schwerem Zwiespalt mit der vom Hause Habsburg getragenen Krone, in starken Meinungsverschiedenheiten mit den übrigen Teilen der österreichischen Monarchie. Da ist es gewiß nicht uninteressant, Einblicke zu gewinnen in das Leben der ungarischen Frau. Die Phantasie des gebildeten Mitteleuropäers regt sich bei dem Worte. Bücherreminiszenzen erwachen, Erinnerungen an Illustrationen des Familienblattes, an die Musik der Zigeunerkapellen und die Gedichte Nikolaus Lenaus. Die Pußta, die Zigeuner, der Csardastanz- die feurige Ungarin mit kohlschwarzem Haar und glänzenden Augen das ist so was Erotisches, Romantisches, Unbekanntes. Interessant ist sie, die Ungarin: denn niemand hat auch nur eine leise Ahnung davon, wie sie eigentlich, als Mensch und als Weib, als Persönlichkeit und als Rassenindividuum, beschaffen ist. In Deutschland selbst, sowie in allen internationalen Versammlungsorten des Auslandes, in allen größeren Städten, Bädern u. s. w., Universitätszentren begegnet man heute schon Frauen der verschiedensten Nationalitäten. Nur die Ungarin fehlt. Im Auslande weiß man nichts von ihr. Es will fast scheinen, als könnte man sie überhaupt nur im eigenen Lande zu Gesicht bekommen. In Wirklichkeit hat die Ungarin sehr wenig Gelegenheit, sich der Außenwelt zu präsentieren. Die alten Prinzipien der Frauenerziehung sind in Ungarn größtenteils noch in voller Geltung: diesen Prinzipien gemäß hat aber jeglich weibliches Wesen an dem Orte, wo es das Schicksal zufällig hingestellt, lebenslänglich in Reglosigkeit und Passivität zu verharren. Die Bewegungsfreiheit, wie sie zum Beispiel in Holland, in Skandinavien, in England, in Deutschland, die Frauen des Mittelstandes genießen, ist vollkommen unbekannt. Der Magyar, sonst außerordentlich lebhaften und wandlungsfähigen Temperamentes, ist in Punkt Reisen von einer ganz altväterischen Schwerfälligkeit. Er reist, um seine Geschäfte zu erledigen, wenn es eben unumgänglich nötig geworden: von Südungarn nach dem Norden, oder umgekehrt, oder auch nach Wien. Einer, der in Berlin gewesen, oder gar in Paris, ist ein bereister Weltmann. Unter solchen Umständen kann es gar nicht Wunder nehmen, daß die Ungarin in einer vollkommenen Unkenntnis der Außenwelt und ihrer Verhältnisse verharrt. Von dem Fortschritt ihrer westlichen Schwestern weiß sic herzlich wenig. In Budapest hat sich eine kleine Gruppe fortschrittlicher Frauen herangebildet: das sind die Modernen, die sich für die Fragen der Allgemeinheit, für Frauenfrage, für soziale Wohlfahrt usw., interessieren, die allein auf der Straße gehen, die sogar unbegleitet oder wenigstens ohne männche Begleitung Reisen unternehmen. Das Durchschnittsmädchen aus gutem Bürgerhause geht nie allein auf die Straße: sie läßt sich vom Dienstmädchen begleiten, oder, wenn die Familie es irgend erschwingen fann, von einer sogenannten Promeneuse", einer französischen oder englischen Anstandsdame. Man kann sich denken, wie ein junges Mädchen, das nicht selbständig genug ist, um allein über die Straße zu gehen, ihr Leben einrichten wird. Das junge Mädchen aus gutem Hause verbringt seine Zeit in eitlem, durch Kuchenbacken, Staubabwischen, Klavierspielen und Romanlesen unterbrochenem Müßiggang. Als verheiratete Frau setzt sie dieses Dasein in noch müßigerem Etile fort. Im Gegensatz zu diesem Typus findet man speziell unter den Provinzlerinnen, zumeist im Landadel oder in der adligen Bauernklasse, Frauen von ganz hervorragenden Fähigkeiten. Die ganze Eigenart des Volkes, das Urfräftige, Gesunde, Kernige, gelangt in diesen Frauen zu voller Entfaltung. Auch sie haben zumeist nur eine primitive Erziehung höchstens die der höheren Tochter - дenossen. Auch sie sind in den engen Kreis der Häuslichkeit festgebannt; aber inmitten dieser Häuslichkeit herrschen sie tatkräftig, sicher, klug und mutig, als wahre Wirtschaftsamazonen. Der ungarische Landadel führt durchweg ein leichtes, und oft ein sehr leichtsinniges Leben: es wird viel gespielt, auch viel verspielt. Da gibt es unzählbar viele Familien, wo der Mann Tag für Tag am Kartentisch sizt, während zu Hause Frau Mariska oder Erzsike mit eiserner Hand das Gut verwaltet und die Söhne erzieht. In ihr verkörpert sich die starke Frauenart der guten Magyarencosse: sie ist eine ,, kardos menyecske"- ,, eine gewappnete Frau", wie die alte Redensart lautet. Durch die ungarische Geschichte zieht eine bunte und glänzende Schar solch ..gewappneter Frauen" die Ahnfrauen der Mariskas und Erzsikes. Da ist vor allem die heldenmütige Ilona Zrinyi, einem hochadligen und tapferen Geschlechte entsprungen, die im Jahre 1668 die von der kaiserlichen Armee bedroht Festung Munkacs verteidigte. Sie selbst stand an der Schanze, sie unterwies die Mannschaft, plante die Angriffe ordnete den Schlachtplan. In den Türkenfriegen spielte eine Anzahl tapferer Frauen eine große Rolle. Die Frau des Adligen Rozgonyi, die reizende Cecilie, deren Anmut man heute noch im Liede feiert, zog mit ihrem Gemahl in den Krieg und führte den Mann, als er verwundet ward, bei Nacht und Nebel in einer Barke die Donau hinab, ant feindlichen Lager entlang. Und Maria, Gräfin Szécsi, die auf eigene Faust Kriegsgeschäfte führte, und die kluge Kata Debó, die mit ihren Gespielinnen die Feste Erlau gegen die Türken hielt alle die Vielen, man weiß sie kaum zu nennen, die ernst oder fröhlich, aber immer anmutig und fühn aus Nebelfernen zu uns herüberwinken. Noch ist ihre Art nicht ausgestorben. Noch leben rings im Lande die tapferen Frauen, die jedem Angriff des feindlichen Lebens gewachsen sind, und vielleicht wird im Lichte der modernen Denfungsart, des Freisinnes und der Aufklärung, ein neues Frauen- Geschlecht in Ungarn erwachsen. Kühn und fest, wie die Ahnfrauen, und innerlich vertieft, verfeinert und durchgeistigt, wie es die glücklich entwickelten modernen Menschen sind. E. Neményi. Vermischtes. = Ein neuer Verschluß für Bierflaschen. Man hat die Beobachtung gemacht, daß die mechanischen Gummiverschlüsse an den Bierflaschen leicht Unreinlichkeiten aufnehmen und dadurch zu Trägern von Krankheitsstoffen werden. Es kommt dabei in Anbetracht, daß etwa 90 Prozent fämtlicher Flaschen bei Handwerkern und Arbeitern bei der Arbeit geleert werden, wobei das Bier direkt aus der Flasche getrunken wird. Um hier Wandel zu schaffen, hat man die Verwendung eines einfachen Schraubenverschlusses angeregt, der mit einer Korkscheibe abgedichtet ist und nach einmaligem Gebrauch weggeworfen wird, so daß die Brauereien lediglich die leeren Flaschen zurück erhalten und zum Verschließen stets neue Verschlüsse mit neuen Korfscheiben verwenden. ==Geschwätigkeit im Theater. Im alten Hoftheater zu Darmstadt befanden sich hinten zwei Logen, die eine für die Angehörigen der Hofkapelle, die andere für die des Chorpersonals. Bei der Aufführung von Beethovens Fidelio" saßen in der Hofmusik- Loge zwei befreundete Damen zusammen, Als in der Leonoren- Ouvertüre" die Musik plöt. lich abbrach und das Trompeten- Solo hinter der Szene einsette, hörte das Publikum, wie die eine der von der Pause überraschten Damen zu ihrer Freundin sagte:„ Ich mach' sie mit Zwiebeln!" = Einfluß der Musik auf Irre. In einem amerikanischen Irrenhause wurde die beruhigende Wirkung der Musik auf 400 rre erprobt, und zwar mit bestem Erfolge. Viele der Zuhörer gehörten zu den gefährlichen Patienten, aber alle beobachteten während der zwei Stunden, die das Kon zert in Anspruch nahm, die beste Haltung, lauschten den Tönen vom ersten bis zum letzten Stück des Programms mit hingebender Aufmerksamkeit und gaben ihrer Begeiste rung durch häufiges Händeklatschen Ausdruck. Unzählige DamenUnerreicht Anerkennungen Zuschneide- Schule. in Eleganz, Dauerhaftigkeir, Güte und Billigkeit sind die Nähmaschinen von Joh. Fr. Schaaf, Giessen, Wetzsteinstrasse 44. Alle Sorten Gemüse stets frisch, sowie gute Speisekartoffel billigst zu haben bet Frau Hammel Gießen, Gr. Mühlgaffe 6-8. Hilfe. Bluttod. Timerman Hamburg Fichteftr. 33 ( u. meine hier t. D. pat. Neuheit. Bügelkursus! aus aller Welt bestätigen, daß es bei Husten, Heiserkeit, Hals- und Brustleiden, Verschleimung( Katharrh), Keuchhusten, kein dergl. 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