essen Uhr: Nr. 100. Zweites Blatt. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg. Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362. Samstag, den 29. April 1905. Gießener 14. Jahrgang Abouuementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährt. Mt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Giekener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblaff) Unabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Suum cuiquo. [ Politische Wochenschau.]. Die Fahrt des russischen Admirals.schdjestwensky nach Bladiwostok hat in der vergangenen Woche noch höhere Aufmertfamfeit erregt, als schon früher der Fall gewesen. Man fah seiner Vereinigung mit dem dritten Ostseegeschwader, die ihm Ueberlegenheit über die maritimen Streitkräfte der Japaner geben würde, mit teilnahmevoller Spannung entgegen. Anerkennend sah man, wie er die besonderen Schwierigkeiten überwand, die für ihn in dem Zwang lagen, sich auf hoher See mit Kohlen zu versorgen und deshalb das Tempo der Bewegung nach der geringeren Geschwindigkeit der begleitenden Kohlenlastschiffe zu richten. Seine Aufgabe, das wußte man, ist für den Fortgang des russischjapanischen Krieges überaus bedeutungsvoll und viellei entscheidend. Kann er mit seiner Armada den Hafen von Mladiwostok erreichen, so ist, trop aller seitherigen Erfolge des japanischen Landheeres, das russisch- japanische Gleichgewicht in der Mandschurei wiederhergestellt. Das zurzeit noch bestehende numerische und taktische Uebergewicht der Japaner wird ausgeglichen und sogar zugunsten der Russen verschoben, wenn die Japaner nicht mehr das Meer beherrschen, der Ersatz an Truppen und Munition für sie ins Ungewisse gerückt wird, während die Russen durch die sibirische nzert Bahn, zwar langsam, aber sicher, mit neuer Mannschaft und neuem Kriegsmaterial versehen werden. Der japanische Admiral Togo ist in der wenig beneidenswerten Lage cines Wilhelm No. 116 annes, der genau weiß, daß er in kurzer Frist neuen Vorbeer gewinnen muß, will er den früher errungenen nicht unwiderbringlich verlieren. In ähnlicher Lage ist beinahe ganz Japan, und darum ist es begreiflich, daß man von Tokio aus mit etwas nervöser Eifersucht darüber wacht, es möchte an feiner Stelle der russischen Flotte eine als Neutralitats bruch aufzufassende Erleichterung gewährt werden. As es den Anschein hatte, daß die Schiffe des Admirals Roschdiestwensky in der Kamranhbucht der Küste von Kochinchina 8L nahe gekommen seien, kam sofort ein entschiedener Protest an die Regierung von Frankreich, die sich auch beeilte, den Vorstellungen Japans nachzukommen und korrekteste Neutralität zu wahren, auch gegen das Interesse des russischen Bundesgenossen. f d 80 50 25 r 13 sen. Neutralität beobachten heißt alles vermeiden, was einem von zwei Streitenden zum Nachteil gereichen könnte. Damit ist der eine Teil der Gerechtigkeitsforderung erfüllt; der andere Teil verlangt, daß man jedem das Seine zuweist. Das ist der altpreußische Wahlspruch ,, suum cuique", der, streng genommen, das ganze Wesen der Gerechtigkeit in sich schließt. Das ist auch der Kern der deutschen Politik in allen auswärtigen Fragen. In dem Marokkostreit will Deutschland nichts anderes, als gleiches Recht für alle. Es beansprucht feinen Vorzug für sich und mag keine Benachteiligung dulden, nicht für sich und nicht für andere. Der Zufall hat es gefügt, daß gerade jetzt zu tage fam, wie Frankreich unter der offenen Tür" freien Eingang nur für sich versteht. In Tripolis hat eine französische Gesellschaft unter Ausschließung aller übrigen Nationalitäten die Hafenarbeiten erlangt. Kein Wettbewerb war zugelassen. In Marokko Zuschneide- Rursus. Erfolg garantiert. Methode Parisienne. Brima Referenzen. Die Zeitdauer ist unbegrenzt, bis sich die Schülerin perfekt weiß im echten Pariser- Schnittmusterentwerfen, 40-60 Biècen und Anproben machen. Die Methode ist einfach und sicher und kann in 20 Stunden erlernt werden. Honorar 20 Mart. Nachdem praftischer Unterricht in fompletten Garderoben. Bitte um zahlreiche Anmeldungen, täglich von 2-7 Uhr. Hochachtungsvoll Johanna Schachtebeck Giessen, Marktplatz 2. Edgar Borrmann, Giessen. Reustadt 11, Eisenhandlung empfiehlt zielt grantreich auf das namliche Protektorat, auf ein zweites Tunis. Dahin wird es nicht kommen. Den eigensüchtigen Bestrebungen wird das„ suum cuique" entgegengehalten, das jedem einen Platz an der Sonne" gönnt. Noch ein kleines Zaudern und Sträuben, und man schickt sich auch in Frankreich in die Forderung, die ihm in diesem Falle unbequem sein mag, am letzten Ende aber für alle Welt ich wohltätig erweisen muß. König Eduard von England hat der französischen Hauptstadt einen abermaligen mehrtägigen Besuch gemacht. Er hat sich jeden offiziellen Empfang verbeten und kehrt in dusselbe Hotel ein, in dem er als Kronprinz oft Gast gewesen. Kein Minister begleitet ihn. Ein einziges offizielles Diner wird ihm zu Ehren veranstaltet. Im übrigen bleibt er seinem Wunsch gemäß ungeniert, frei von allem amtlichen Apparat und Gepränge, das ihn einengen und ihm die Bewegungsfreiheit nehmen würde. So kann auch die Versuchung nicht an ihn herantreten, den Rahmen der strikten Neutralität zu verlassen, der ihm in dem Marokkostreit die größte Bequemlichkeit bietet. Besser denn je versteht es England, eine ganz eigene Art Neutralität zu üben. Wahrscheinlich hat iman in England früher als anderwärts Japans aufstrebende Kraft richtig beurteilt. England zuerst Deutschland ist seinem Beispiel an zweiter Stelle gefolgt hat den Japanern das Zugeständnis der Aufhebung der Konsulargerichtsbarkeit gemacht und sich dafür den Bau der japanischen Kriegsflotte auf den englischen Werften bedungen. An der japanischen Kriegsflotte hat England schweres Geld verdient, und dann hat es noch die Freude gehabt, zu sehen, wie die Japaner auf ihre Kosten die russische Stille OzeanFlotte zerstörten, wodurch Englands Flotte einen neuen Vorsprung ohne jeden eigenen Aufwand gewann. Will es das Geschick, daß Admiral Togo auch die zweite und dritte russische Flotte überrennt so wird in England der Wunsch nach Herstellung des Friedens in Ostasien zu kräftigstem Ausdruck kommen. Bis dahin bleibt England neutral. Der Neutralitätsgedanke in einem anderen Sinne, d. i. der bedingte Friedensgedanke, hat in Bulgarien festeren Boden gewonnen. Nicht weil man in Sofia sich freiwillig zu einer anderen Politik entschlossen hätte, sondern weil man dort erkannt hat, daß augenblicklich gegenüber dem festen Willen der europäischen Mächte, am status quo nicht rütteln zu lassen, nichts auszurichten ist. Deshalb werden die Bulgarenbanden aus Mazedonien zurückgewinkt. Man wird sie später brauchen können und will sich jetzt nicht verausgaben. Den Kretern wird die Rückkehr nicht so leicht. Sie haben sich zu weit vorgewagt. Allerdings nur mit großsprecherischen Resolutionen, die freilich auch nicht mehr ganz frisch, sondern aufgewärmt waren. Der Wortführer der „ Unversöhnlichen" unter den Kretern ist ein ehemaliger Rechtsanwalt, der eine Zeitlang der Ratgeber des PrinzGouverneurs Georg gewesen und aus Zorn über seine Entlaffung sich m Vater aller Hindernisse" für den früheren Protektor herausgebildet hat. Die Furcht vor der Genickftarre. ( Von unserem medizinischen Mitarbeiter.) Ein unheimlicher Gast ist in Oberschlesien eingeStollwerck's Telefon 298. Stollwerck 4O009 Spaten, Landw. Geräte, Petroleum- und Gaskocher, Drahtgeflechte, Wasch- und Wringmaschinen, Wagen und Gewichte, Stachelzaundraht, Mangeln, Wäschetrockner, Fleischhack- u. Reibmaschinen, Rasenmäher, Vogelkäfige, und Büchter- Utensilien, Messerputzmaschinen, Stehleitern, Fleischereigeräte, Dr. Klein's Fleischsaftpressen. Flechtrohr, Cocosfaserßtricke und Raffia- Bast etc. ADLER CACAO Blutbildend. Muskelstärkend kehrt und hat auch bereits anderwärts angeklopft: eine ganz eigenartige epidemische Erkrankung, die Genickstarre genannt wird. Woher sie gekommen, wie sie entsteht, welche Heilmittel anzuwenden sind niemand weiß es. Vor hundert Jahren hat man sie zum ersten Male beobachtet, hat man ihren Verlauf festgestellt, ihr Bild genau umschrieben. Dank der modernen Bakteriologie hat man auch den eigentlichen Erreger erkannt: einen ganz bestimmten, von jedem anderen unterschiedenen Mikrokokkus, der sich in der das Rückenmark in Hüftwirbeln umgebenden Flüssigfeit findet. Durch Lumbal- Punktion( Anbohrung der Hüftwirbel) zieht man diese Flüssigkeit ab, in der der Mikrofoffus schwimmt. Daß er der Erreger ist, hat man durch Experimente erwiesen: Man legte Reinkulturen des Kokkus an und machte bei Versuchstieren Einspritzungen, worauf die Tiere regelmäßig von Genickstarre befallen wurden und an ihr eingingen. Ueber diese Erkenntnis hinaus aber ist man nicht gekommen. Man kennt kein anderes Vorbeugungsmittel, als die Verhütung der Ansteckung- denn die Uebertragbarkeit der Krankheit vom Menschen zunt Menschen, ihre Ansteckungsfähigkeit ist durch ihr epidentisches Auftreten bezeugt. Die Kranten werden tunlichst isoliert- das ist alles. Was selbst diese Bekämpfung, nicht der Krankheit, sondern ihrer Verbreitung, erschwert, ist der Umstand, daß sie bei ihrem Entstehen nicht leicht zu erkennen ist. Ihre Indizien sind sehr unbestimmt. Jede leichte und schnell borübergehende Unpäßlichkeit kann ungefähr die nämlichen Indizien haben. Begreiflicherweise ist es unmöglich selbst in der Beschränkung auf die Orte, in denen eine ausgesprochene Genickstarren- Epidemie bereits herrscht-- eine Isolierung aller in diesem Sinne Verdächtigen" durchzuführen. Woher der Krankheitserreger selbst tommt, ist völlig inr Ungewissen. Man ist ganz und gar auf Vermutungen angewiesen, die wiederum so allgemeiner Natur sind, daß sie als Fingerzeige kaum dienen können. Schlechte Wohnungsverhältnisse werden als Ursache angegeben aber es gibt sehr ungünstige Wohnungsverhältnisse, ohne daß die Genickstarre sich zeigt, während sie manchmal da auffritt, wo die Wohnungsverhältnisse vergleichsweise günstig sind. Ferner nennt man die Bodenbeschaffenheit als Ursache doch noch niemandem ist es gelungen, zu sagen, welche Bodenbeschaffenheit es ist, die die Erscheinung der Genickstarre hervorruft. - Die Genickstarre zeigt sich nicht selten bei Kindern, noch häufiger bei jungen Leuten von etwa zwanzig Jahren. Die Sterblichkeit erreicht dabei die erschreckende Höhe von 75 unter 100. Seltsamerweise ist die Genickstarre am häufigsten in den Kasernen, bei den jungen Soldaten, beobachtet worden. Man hat sie ganz direkt eine Refrutenkrankheit genannt. Wir sagten oben, daß die Arzneiwissenschaft bezüglich der Behandlung der Genicstarre noch völlig im Dunkeln sich) bewegt. Das bleibt zutreffend, obwohl ein Arzt( in Newyork, wo die Genickstarre seit Monaten beinahe endemisch und zu ihrer Bekämpfung eine besondere medizinische Kommission eingesetzt ist) eine Behandlung mit Diphtherie. Serum erprobt haben will. Gewiß wird dieser unerfreuBekanntmachung. Die an der Licherstraße zwischen der 4. und 5. Schneise gelegene Sandgenbe( alte Sandkaute) soll Montag, den 1. Mai 1905, vorm. 11 Uhr auf dem Bürgermeisterei- Bureau zur Ausbeutung verpachtet werden. Gießen, den 26. April 1905. Großh. Bürgermeisterei Gießen. J. V.: Curschmann. Unterzeichneter empfiehlt seine garantiert reinen, unverfälschten Weine nur eigenes Wachstum und sichert streng reelle Bedienung zu. Weißweine, pro Liter 60 Pfg. auswärts, Rotweine 80 " Zahlreiche Anerkennungen und Nachbestellungen bestätigen die gute, preiswürdige Qualität und liegen Originale hiervon zu jedermanns Einsicht offen. Probefässchen von ca. 25 bis 30 Liter unter Nachnahme. WeingutsLudwig Mathes, besitzer Flonheim( Rheinhessen). liche Zustand sich mit der Zeit ändern, wird die ärztliche Kunst an der Hand der gehäuften Erfahrungen, der genaueren Beobachtungen, das jetzt noch herrschende Dunkel zu durchleuchten lernen. Für den Augenblick aber gibt es feinen anderen Rat, als den, daß man suchen möge, seine Lebensführung so hygienisch wie möglich einzurichten. Das ist fein Spezififum gegen die Genickstarre, es dient nur ganz generell dazu, den Körper gegen jede Art übler Beeinflussung abzuhärten, ihn weniger anfällig zu machen. Im übrigen ist man auf die Isolierung der Kranken angewiesen. Das Königliche Polizeipräsidium in Berlin hat -- wahrscheinlich in Uebereinstimmung mit den entsprechenden Behörden anderwärts im Hinblick auf die Gefahr einer Einschleppung der Genickstarren- Epidemie aus Schlesien, die Aerzte gebeten, bis auf weiteres die auch nur verdächtigen Krankheitsfälle dieser Art zu melden, während die bestehende Meldepflicht sich nur auf ausgesprochene Fälle der Krankheit bezieht. Unheimlich, wie gesagt, ist die Krankheit. Doch halten wir für ratsam, vor einer übertriebenen Aengstlichkeit zu warnen. Ungleich mehr Opfer als die Genics arre verlangt tagaus, tagein die tuberkulöse Gehirnhautentzündung, die nach dem Sitz der Krankheit der Genickstarre verwandt ist, und es fällt niemandem ein, von einer Epidemie zu sprechen. Die Tuberkulose überhaupt, der Typhus sind insofern weit schlimmere Feinde, als die Zahl der von ihnen Befallenen ungleich größer ist, als die Zahl der von der Genickstarre Heimgesuchten. Dabei tritt die Genickstarre nur zeitweilig und örtlich cuf, während jene Krankheiten nie erlöschen. Borsicht ist gewiß am Play, tunlichste Vermeidung der Ansteckungsmöglichkeit ist dringend zu empfehlen; doch soll man sich auch nicht in Angst verzehren. Schlimmere Gefahren haben uns bedroht und bedrohen uns unausgesetzt die ärztliche Kunst wird auch die neue Gefahr überwinden Ternen. Newyorker Nachtbilder. -- - ( Von Dr. Artur v. Gera u- Newyork.) Im Totenschauhans- Ein schauriger Kneipenname. Was einem Polizeichef passieren kann. Die Narben des alten Verbrecherwirts. Der Jumping Bob".-- Auf der Verbrecherjagd. Wenn man das Wort Morgue hört oder liest, so denkt man sogleich an jenen unheimlichen Ort, wo die Leichen unbekannter Personen, die einem Unglücksfall oder Verbrechen zum Opfer gefallen, zur Rekognoszierung ausgestellt sind. Weit Ausnahme Londons ist kein Leichenschauhaus so frequentiert, wie die Morgue in Newyork. Fast jedermann in Newyork fennt das dicht am Wasser erbaute und den baulichen Abschluß des Bellevuehospitals bildende kleine Haus, wo die düstersten Geheimnisse des Großstadtlebens, meist vergeblich, gelöst werden sollen. Wenigen Bewohnern von Newyork aber ist bekannt, daß es inmitten des regsten Getriebes noch eine zweite Morgue gibt, in die man allerdings nicht Leichen erst hinein-, sondern erst herausträgt. Diese zweite Morgue steht mit der Justiz allerdings auch in gewissem Kontakt, erweist sich für Polizei und Justiz meist aber viel nützlicher, als jene hinter dem Bellevuehospital, wo man keine Verhöre mehr anstellen und keine Auskünfte mehr erwarten kann. Diese Morgue, von der hier die Rede sein soll, ist eine Kneipe auf der Bowery.„ McCarthy's Beersaloon" ist alles, was das Schild verrät; nur im Munde der Eingeweihten heißt das Lokal Morgue. Man kann ohne jede Bedenken McCarthys Lokal be= treten, denn gemordet wird dort nur ganz selten. Selbstverständlich schließt man Rock und Ueberzieher fest zu und läßt man große Noten nicht ostentativ blicken. Einem der gewiegtesten Spitzbubenfänger der Newyorker Polizei, der Stolz seines Chefs, passierte es einmal in der Morgue, daß ihm, während er nach einem alten Bekannten spähte, Uhr und Kette abgeknipst wurden. Die Sache wurde bekannt und viel belacht. Der oberste Polizeichef schwur aber hoch und teuer, daß so etwas ihm denn doch nicht passieren könnte. Nicht dasselbe, darin hatte er recht. Als er aber eines Abends in Zivil, verkleidet" die Morgue nach kurzem Besuch verließ, war ihm allerdings weder Uhr und Kette, noch Börse gestohlen worden. Recht peinlich berührte es den berühmten Polizeiobersten aber doch, als ihn seine holde Gattin vor dem Schlafengehen nach seiner kostbaren Diamantnadel fragte, die er im Busenhemd zu tragen pflegte. Verschiedene Leute in der Morgue hätten darüber Auskunft geben können, aber Portland99 Zement GERMANIA" Marke I. 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H. den Geschäftsführer übertragen, während er selbst auf der schönen Insel von Blackwells- Island sich von den aufreibenden Strapazen eines Bowerykneipwirtes erholen konnte. Nachts um drei Uhr betraten wir die Morgue. Das Lokal hat nämlich Nachtlizenz und ist, außer Sonntags, nie ganz geschlossen. Es ging ziemlich stille her, denn nur sieben Gäste waren anwesend, darunter nicht ein einziger berühmter. Meine beiden Begleiter, ein Zeitungsberichterstatter und ein bekannter Zeichner, machten mißvergnügte Gesichter. Der Wirt war nicht da, zwei Barkeeper mit richtig plattdeutschen Gesichtern besorgten das Geschäft. Obgleich die Reinlichkeit hinter dem Schanktisch nichts zu wünschen übrig läßt, Gläser und Flaschen blißblank sind, kann ich mich doch zu keinem „ Drink" entschließen. Ich nehme eine Zigarre. Dann erklärt mir der Zeitungsmensch unsere Umgebung. Der kahlschädelige Mensch mit den schmalen Schultern, etwa vierzig Jahre alt, ist der Kleiderjimmy. Spezialität: Einbrüche in Kleider- und Wäschegeschäfte. Seit zwei Monaten aus dem Staatszuchthaus Sing- Sing retour. Ein harmlos dreinschauender Mensch, mit sorglosem Gesichtsausdruck. Der vielleicht um zehn Jahre jüngere hochgewachsene Mensch, mit bartlosem fnochigen Gesicht und schwarzen, rubelosen Augen, eine sehnige Gestalt, ist der Jumping Bob". Er firiert uns mit seinen rasch beweglichen Blicken kurze Zeit, dann wendet er sich achtlos von uns. Jumping Bob schmuggelt sich in Hotels ein, nur in vornehme, wo echtes Silber auf die Tafel kommt. Er springt aus hochgelegenen Fenstern ohre Schaden zu nehmen, daher sein Name. Mit siebzehn Jahren begann sein Ruhm", und heute hat er schon dreimal das Zuchthaus absolviert. Er wird voraussichtlich noch vieles leisten. Zwei andere Gäste fönnen kaum Interesse erwecken, ganz gewöhnliche Leichenfledderer, welche Betrunkene ausrauben, aber gründlich bis auf die Strümpfe und UnterKleider. Auch der alte Mann mit dem breiten, gedunsenen Gesicht, sicherlich über sechzig Jahre, Kollidieb, verdient keine Beachtung, denn ihm ist seit Wochen nichts recht gelungen. Der Mann wird eben alt. Nur pretty Willy", der schöne Wilhelm, kann den Psychologen oder Physiognomen hier interessieren. Seine Geliebte hat er umgebracht, aber es konnte ihm nicht bewiesen werden; er mußte aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Wieso sein Freund und Helfer bei verschiedenen verwegenen Ranbanfällen bei einer Fahrt nach Coney Island ins Wasser fiel, wußte er trog monatelangen Ausfragens nicht anzugeben. Pretty Willy wird nachgesagt, er fönne, wenn er nur wolle, über verschiedene mysteriös verschwundene Leute, mit denen er öfter gesehen worden, Auskunft geben. Er tuts aber nicht. Ein neuer Gast tritt ein und sieht mit raschem Blick über das Lokal.„ Hallo!" begrüßt er uns. Es ist Mister Bloomfield, früher Blumenfeld, ein ebenso kluger wie fühner Verbrecherjäger.„ Nichts los," sagt er.„ Gar nichts," bestätigt verdrießlich der Berichterstatter und wir verließen gemeinsam die Morgue, das Rendezvous der gefährlichsten Verbrecher Newyorks. Vermilchtes. [ Ein unangenehmes Poststück] wurde kürzlich in Memel im Postpaketwagen entdeckt. Eine etwa 40 Zentimeter lange Schlange kroch unter den Paketen hervor dem Poſtschaffner entgegen. Es gelang diesem, das Reptil in eine leere Flasche zu befördern und so lebendig dem Amte abzuliefern. Man nimmt an, daß das Tier aus entferntem Orte mit Paketen eingeschleppt ist. - [ Warschauer Scherze.] In Warschau wird folgendes telephonisches Gespräch zwischen dem Zaren und dem Mikado folportiert: Bar( zum Mikado): Du wirst, wie es scheint, mein ganzes Reich vernichten?- Mikado: So ist es. Zar: Du hast schon Port Arthur genommen. Jawohl! Zar: Auch Mufden ist jetzt dein? Wasche mir Prämiiert LUMNS Kartoffeln. 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Fällt der Soldat, so wird die Karte mit dem Regiments- Stempel versehen und von der japanischen Feldpost an ihre Adresse befördert. Es ist begreiflich, daß derartige Todes- Postkarten zur Zeit in Kreisen der Sammler von Postwertzeichen sehr gesucht sind. Einem Petersburger Sammler ist es gelungen, eine An zahl zu erhalten, und dadurch sind sie weiteren Kreisen be fannt geworden. [ Kaffernweiber auf Fahrrädern.] Wie die Kultur fortschreitet, das sieht man an folgendem Genrebiidchen aus dem inneren Transvaal, das ein deutscher Reisender beobachtete. Er sah auf dem Lande fünf Kaffernweiber auf Fahrrädern, und zwar auf Männerrädern, jede mit einem Säugling, der auf das Rad gebunden war, und mit großen Körben voll Gemüse, die auf beiden Seiten des Rades herabhingen. Sie fuhren mit ihren Einfäufen in ihren Kraal zurück. Jedenfalls eine der merkwürdigsten Kundgebungen moderner Kultur. Auf die Frage, woher sie die Räder hätten, standen sie keine Antwort, wahrscheinlich waren sie während des Krieges irgendwo gestohlen worden. § Der moderne Blaubart, Dr. Ivan Braunstein, der zu nächst wegen Urfundenfälschung zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt ist, hat Revision beim Reichsgericht eingelegt. § Wegen Bedrohung Arbeitswilliger waren zwei Maurer in Unna vom Landgericht in Dortmund auf Grund des § 153 der Gewerbeordnung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatten während des Streiks zwei Kollegen, die arbeiten wollten, damit bedroht, daß sie ihnen die Knochen entzwei schlagen würden. Gegen das Urteil hatten sie Re vision beim Reichsgericht eingelegt, das diese verwarf. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. Am Sonntag Quasimodogeniti, den 30. April. Rollefte für die Armen. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Matthäusgemeinde. Feier des heil. Abendmahls. Pfarrer D. Schlosser. Abends 6 00 Uhr: Pfarrer Schwabe. In der Johannesfirche. Vormittags 9.30 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Lutas- und Militärgemeinde. Feier des heil. Abendmahls. Pfarrer Euler. Nachmittags 4 Uhr: die Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Euler. Abends 6 Uhr: Pfarrossistent Schulz. Nächstfolgenden Sonntag, den 7. Mai, Konfirmation der Kinder aus der Johannesgemeinde, die Beichte findet am Samstag, den 6. Mai, nachmittags 2 Uhr statt. Batholische Gemeinde. Sonntag, den 30. April. Weißer Sonntag. Vorm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte. „ um 7 Uhr an: " * 8 Uhr: Borm. von 9.30 Uhr Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heiligen Kommunion. Die zweite heil. Messe. an: Hochamt mit Predigt. Feier der ersten hl. Kommunion der Kinder. Nachmittags um 3 Uhr: Andacht mit Segen. Verantwortlich: für die Politik und den Inseratenteil Ibin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belb in Gießen. Mikado: Mikado: beschickten Ausstellungen. 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