a. gt, Ihren Sozius cinen aben. Können Sie den ichter, ich werde dod ht verraten." mit der Rechnung da, Was soll das heißen? ich bin ihm ja auch Nr. 73. Bufertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz OberBeffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Bfg. Reklamen ble Petitzelle 30 resp. 40 Bfg. Redaktion u. Sauptexpedition: teßen, Selters weg 83. Fernsprechanschluk Nr. 862. Montag, den 27. März 1905. Gießener 14. Jahrgang Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Nenelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Beifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Der einjährigfreiwillige Militärdienst. Im Reichstag ist die Anregung gegeben worden, die zweijährige Dienstzeit allgemein einzuführen, unter Ausschaltung jeder Ausnahme. Nicht bloß die Ausnahme der dreijährigen Dienstzeit bei der Kavallerie sollte abgeschafft werden, sondern auch die Ausnahme des Einjährig freiwilligendienstes für die gebildete Jugend. Einstweilen hat diese Anregung keine Aussicht auf Verwirklichung. Weder will die Kriegsverwaltung auf den dreijährigen Dienst bei der Reiterei verzichten, noch denken die bürgerlichen Parteien daran, das Institut der Einjährigfreiwilligen aufzuheben. Die Feindschaft gegen dieses Institut ist bei uns noch sehr jungen Datums. Sie ist aus dem Besten importiert, aus Frankreich, wo die Sozialdemokratie im Verein wenigstens mit einem Teil der Demokratie gegen das ,, Privilegium" des Einjährig freiwilligendienstes wettert. Wenn man etwas als Privilegium bezeichnet, so ist es in mancher Leute Augen von vornherein verurteilt, sogar wenn es sich um ein Bildungsprivilegium handelt, sogar wenn das angebliche Privilegium gar kein Privilegium, sondern eine boll aufgewogene Gegenleistung ist. Schon der Name Privilegiium ist ein Verbrechen, stellt eine unsühnbare Rechtsverletning dar. Shakespeare läßt in seinem Julius Cäsar" den Dichter Cimna einer Menge wütenden Volkes begegnen, die ihren Born an den Verschworenen auslassen will. Die Menge fragt den Dichter nach seinem Namen und bedroht ihn mit dem Love, da sie ihn für den Verschworenen Cinna hält. Dieser macht auf die Verwechselung aufmerksam und schreit:„ Ich bin nicht Cinna der Verschworene, ich bin Cinna der Poet!" Darauf einer aus der Menge:„ Es tut nichts: sein Name ist Cimma; reißt ihm den Namen aus dem Herzen und laßt ihn lau fen!" Genau so geht's mit dem„ Privilegium" des Einjährigeninstituts. Man muß ihm den Namen aus dem Herzen reißen, damit die wütenden Privilegiemhasser es laufen lassen. Was in den Augen dieser prinzipiellen Privilegienfeinde das: Einjährigeninstitut noch einigermaßen entschuldigt, ist der Umstand, daß die Berufssoldaten ihm nicht sonderlich wohlgesinnt sind. Der Berufssoldat liebt die Einjährigen tur seine Bekanntschaft nicht besonders, die ihm viel Arbeit machen soll doch der De bon ihm!" Einjährige in der halben Zeit ausgebildet werden und manchmal durchaus nicht doppelt so anstellig sind, wie die anderen. ie Redaktion der Neuen Bali fie ge Konsuls Wesabreifen." Man kann ein Gegner der Privilegien sein, ohne doch für Gleichmacherei zu schwärmen. Die Gleichmacherei ist wider die Natur, die Unterschiede geschaffen hat und zu schaffen fort fährt. Die Gleichmacherei hat nichts mit der Rechtsgleichheit gemein, leugnet sie vielmehr, ignoriert sie zum mindesten in der Praxis. Rechtsgleichheit verlangt, daß das besondere Recht durch eine besondere Pflicht aufgewogen werde. Wer einen das Durchschnittsmaß übersteigenden Bildungsgrad gewinnt, kann das nur unter Opfern an Zeit und Geld tun, und das Ergebnis dieses Opfers kommt dem gemeinen Wesen mit zugute, as unter dem Mangel an Gebildeten empfindlich leiden würde. Wer dem gemeinen Wesen solches Opfer gebracht, der hat einen Billigkeitsanspruch darauf, daß ihm ein Teil an anderen Opfern nachgesehen werde. Als das Institut der Einjährigfreiwilligen geschaffen wurde, hat man durchaus nicht im Sinne gehabt, ein Privilegium zu gewähren, d. h. einen Vorzug ohne Gegenleistung. Die Gegenleistung bestand abgesehen von der Pflicht der eigenen Kostenbestreitung, von dem Verzicht auf Löhnung, Kleidung, Wohnung und Unterhalt in der Erwerbung der höheren Bildung, die der Staat für seine Zwecke nötig hatte, für den Beamtennachwuchs, für die Ergänzung des Offizierforps im Kriegsfall. Dieses Verhältnis besteht noch heute fort und erscheint dadurch nicht beseitigt, daß hier und da ein Einjährig freiwilliger durch Unanstelligkeit dem RekrutenUnteroffizier und dem Rekrutenleutnant zur Plage wird. Das Institut der Einjährigfreiwilligen ist von allen Staaten mit der allgemeinen Wehrpflicht nach dem preußischdeutschen Muster übernommen worden. Daß die französischen Gleichmacher es abschaffen wollen, ist nicht entfernt ein Grund dafür, daß auch wir es abschaffen. Es wäre wohl das erste Mal, daß wir in einer großen Organisationsfrage militärischer Art fremde Beispiele nachahmten. Die Folgen könnten recht bedenklich werden. Glücklicherweise ist das Institut der Einjährigfreiwilligen bei uns nicht ernstlich gefährdet, weder durch die etwaigen berechtigten, noch durch die unberechtigten Ausstellungen. Das Recht des einjährig freiwilligen Dienstes, jedem zugängig, der die Vorbedingungen erfüllt, muß teuer erworben werden durch Gegenleistungen an Zeit, Arbeit und Geld; es ist deshalb kein Privilegium. Die Einrichtung ist nicht absolut einwandfrei so wenig wie irgend eine andere aber sie hat sich gut bewährt, und nichts steht der Erwartung entgegen, daß sie sich auch ferner gut bewähren wird. Der Krieg in Oftafien. Die Kriegsberichterstatter deuten auf neue Operationen hin, die von japanischer Seite geplant werden. Tatsächlich stehen japanische Truppen zu beiden Seiten der russischen Stellungen, und Marschall Oyama bereitet weit ausholende Umgehungsversuche bor. Es handelt sich vor allem um die Eisenbahnlinien, deren Schutz eine Lebensfrage für die russische Armee bildet. Den Japanern muß alles daran gelegen sein, einerseits die russische Mandschurei- Armee von Charbin abzuschneiden, und andererseits die Verbindung zwischen Charbin und Wladiwostok zu unterbrechen. Offenbar wird die nächste Phase des Kampfes um den Besitz von Wladiwostok gehen. Diese Erkenntnis ist auch wohl die Veranlassung dazu gewesen, daß Admiral Roschdjestwensky seinen Kurs wieder geändert hat und mit dem baltischen Geschwader nun doch die Fahrt nach den ostasiatischen Gewässern angetreten hat. Auch auf japanischer Seite unterschätzt man die Gefahr, die von dieser Seite droht, keineswegs. Denn wenn es Roschdjestwensky gelingt, mit dem größten Teile seiner Flotte Wladiwostok zu erreichen, werden die Japaner dort ein schweres Stück Arbeit finden. Meldungen über schwere Kämpfe auf See deuten darauf hin, daß die japanischen Geschwader dem heransegelnden Feinde den Weg verlegen wollen. Schon spricht man davon, daß zwei russische Panzer beschädigt seien. Der Ssiossoi Weliki" und der„ Navarin" sollen von japanischen Torpedos angefallen und schwer getroffen sein. Ganz unmöglich ist es nicht, daß diese Nachricht sich bewahrheitet, denn schon vor einigen Tagen waren japanische Torpedoboote gesichtet, die von dem bei Singapore liegenden Geschwader entsandt waren. Die Politik. Die von gewisser Seite in Umlauf gesetzten Gerüchte über Bedrohungen des Schutzgebiets Kamerun haben sich als völlig unbegründet bewiesen. Amtliche Nachrichten vom 24. März sagen, daß man wohl mit der Möglichkeit eines Buli- Angriffs rechne und deshalb Kribi verstärkt habe, vorläufig aber alles ruhig sei. Im Südosten des Schutzgebiets hat man wegen der im November vorigen Jahres erfolgten Ermordung des Kaufmanns Kundenreich um Verstärkung gebeten. Dieser Mord ist durch Bestrafung der beteiligten Eingeborenen bereits gefühnt. Russland. + Aus Petersburg wird uns geschrieben: Es gibt keine Revolution und es gibt keine japanischen Siege. General Trepow behauptet es, und der Diftator von Petersburg muß es doch wissen. Wenn man nur wüßte, was er mit seiner Ableugnung des Offenkundigen sagen will! Vielleicht, daß man den Revolutionären nicht nachgeben und den Krieg fortsetzen werde, bis die Japaner nicht mehr siegen. Doch beides hängt nicht von ihm ab, und mit bloßen Worten ist es nicht zu machen. Bei allem amtlichen Säbelrasseln ist vom Friedensschlusse mehr denn je die Rede. Frankreich soll den Vermittler machen. Auch erzählt man sich geheimnisvoll von ganz neuen Kriegsplänen: Die russische Regierung wolle Ostasien und den japanischen Krieg aufgeben, dagegen in Europa irgend eine Intrigue anstiften oder Streit beginnen, etwa im Balkan, und dort mit seinen Truppen eingreifen, um zu beweisen, daß man auch jetzt noch mit Rußland rechnen oder Brabanter erhalten habe". Der Eselsmüller und die Falschmünzer. die Poſt fuhr vor und er- nun er eilte nach Müuster Hülfeleistung empfangen, auch ob ich Geld in Scheinen 17) Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte vorbehalten. ( Nachdruck verboten.) Entweder war dies unschuldige Gesicht Wahrheit, oder er war schon in seiner Jugend ein rafinierter Spizbube. Nein, er fonnte das letztere nicht glauben. Aber sofort bollte er bei seinem vorgesetzten Kreisrichter die Melbung machen, bet Meister Schlierbach in Münster und beit dem Eselsmüller Schritte zur Entdeckung der Falschmünzer vorzunehmen. 18. Bazu bex glich laut, au baru, verschan rt fennt ia feine berin Deden fü und so aus so läßteken. ch das ganze jamen Mädchens. Die Dachraum je eben uch nicht auf den Rat des fich eine feste Deutschen.. Lage tam ihr jäh zum Bewußtsein. Lirchwachten Stunde steigerte sich das Angstganze hilflose Berben Eindruck feiner zendem Tuch, und es beeinträchtigte brasilianischen Sitte Erscheinung Mani sch als fie am in Bareira war eben bei mir. engagiert; ich soll schon morgen agda, Empfangszimmer der Konsulin stürmte. durchaus nicht, daß er So deit von 2000 Mart zur Erzieherin feiner einzigen Tochter beim Tanzen ein Taschentuch um den als schlang. namentos glücklich," jubelte gemäß bin so glidhiten Tage mit brennenden Wangen Er hat mich mit einem Gesmädden fanit neber nach seinem Landhause ..Sennor zu seiner lieben Braut. Als Mäzel nach einigen Tagen später dort anfam, fand er alles in Aufregung. Polizeibeamten Seine Braut mit nahmen ihn sogleich in Empfang. thren Eltern waren schon in das Untersuchungsgefängnis abgeführt. Er konnte, als man ihm dieses sagte, es nicht fassen. Was hatten denn die ihm so lieben Leute getan? Lachend sagte ihm ein Polizeimann, sie hätten die Krone von Brabant nachgemacht. Mäzel begriff dieses alles nicht. Er wurde auch verhaftet, gestand aber schon im ersten Verhör alles, was er in Bezug der Falschmünzeret wußte. Der Untersuchungsrichter erklärte sofort, daß er einen Verführten vor sich habe, welcher unbewußt gefrevelt hatte. Schlierbach dagegen und die Seinigen leugneten, trotz der gefundenen Bewetse. Ste blieben in Haft, bis die Behörde die weit berzweigte Bande gefunden haben würde. Daß der Eselsmüller die Seele der ganzen Bande set, wurde allgemein geglaubt, aber die Beweise fehlten. Eigenbrod ging zum Kreisrichter Knoblauch, nachdem er sich von dem jungen Mägel verabschiedet hatte. Ersterem erzählte er feine Entdeckung und auch seine Mutmaßungen. Mägel fuhr mit seiner Mutter und Kameraden bis Sassenburg. Dort gab es ein Aufsehen, als der junge, stolze Herr erschien. Dewes, sein alter Meister, fam aus den Bücklingen nicht heraus, besonders als er sah, daß sein ehemaliger„ dummer Junge" jedem seiner zehn Kinder einen Brabanter henkte. Jetzt sah er ihn an als einen halben Herrgott, demn die Not war groß bei ihm. Früher als Mägel jeim Lehrjunge war, ging es schlecht, jezt aber noch biel elender. Die Kinder wollten essen, aber woher nehmen? Manchmal dachte er daran nach Amerika zu gehen, dort sollte es viel besser sein. Aber das Reisegeld. Nun Mägel hatte den zehn Kindern zehn Brabamter geschenkt. Gott sei Dank, jetzt fonnten fie fich ein halbes Jahr dafür satt essen. Als aber Mäzel tým unid seiner Frau jedem noch fünf Stücke gab, da umarmte er denselben und fing an zu weinen vor Freude. Dann ging Mäzel mit seiner Mutter in Sassenburgs größtes Gasthaus Zum Böttcher". Hier wollte er zeigen, daß er es könne. Seine Mutter entließ er nach derm Effen reich beschenkt. Es tat ihm leid, den Eselsmüller nicht besuchen zu können, doch es ging nicht, Der Eselsmüller hatte seit mehreren Tagen den Pfarrer nicht mehr gesehen. Er saß eines abends allein in seiner Mahlstube, als ein leises Pochen an der Türe ihm die Ankunft eines nächtlichen Besuches meldete. Er öffnete und vor ihm stand der ehemalige Weidendieb Balzer aus Saffenburg.„ Was bringt Ihr noch so spät?" frug der Eselsmüller." Nichts gutes", erwiderte Balzer. Der Pfarrer von R... hausen, Guer Freund, ist durchgegangen, man sagt, sein Onkel habe von seinem Tun Wind bekommen und deshalb im Geheimen ihn über Holland nach Australten geschafft. Seit zwei Tagen muß er schon auf Wasser sein." „ Ist das die Neuigkeit alle?" erwiderte zitternd der Eselsmüller. „ Ich konnte mit ruhigem Gewissen antworten: Nicht einen Pfennig habe ich an barem Geld vom „ Eselsmüller", so sprach er Eselsmüller erhalten. weiter, es droht Guch Gefahr, habt Ihr etwas gut zu machen, daß Ihr Unrecht getan habt, so machts noch schnell gut, ich warne Euch. Ihr habt an mir große Barmherzigkeit getan, als ich fast verzweifeln wollte, unser Herrgott vergelte es Euch. Könnt Ihr begangenes Unrecht nicht mehr gut machen, dann seit wenigstens gewarnt. Gute Nacht, Eselsmüller, Gott schüße Euch". Nein", erwiederte Balzer.„ Heute war der alte Gendarm Eigenbrod und der junge Rothlauf von Condorf bei mir und frugen mich, was ich von Euch an „ Halt, Balzer", rief der Eselsmüller,„ bis dahin war ich sprachlos, jetzt will ich reden. Balzer, Hand her, gelobt zu schweigen. Ihr seid ein armer Mann, Euch gebe ich erst reichlich für Eure Kinder, dann mag es mit mir gehen wie es will. Ich seh' es geht doch zum Ende. Aber Balzer, erst sollen die Herren vom Gericht den Eselsmüller in seinen Tücken kennen lernen. Rüsseler soll aufs neue irrsinnig geworden sein. Kernein, der alte ist tot. Der verdorbene Pfarrer, wie Ihr sagt, fort. Weishaupt durch den Schrecken beim Auffliegen seines Kohles kindisch geworden. Was soll mir das Alle die anderen Kreaturen verachte Leben noch. ich nur." „ Ihr, Balzer, nehmt diese kleine Kassete mit ächtem französischen Gelde für Eure Kinder mit. Verwahrt es gut. Einst bringt es Ihnen Segen, mir aber nur gut. Fluch." Als Balzer zögerte, sprach er, nehmt es getroſt, es ist kein Falschmünzerlohn, sondern ehrlich gesammeltes Geld. Nun geht Balzer, morgen früh sende ich Euch Mehl und Geschältes. Habt Dank für Eure Warnung. Geht jetzt ruhig heim, ich will Euch nicht länger aufhalten, ich muß auch jetzt allein mit mir sein." ( Fortsetzung folgt.) müsse. Das sind natürlich nur Gerüchte, ebenso unkontrollierbar wie die von anderer Seite ausgehenden: daß die Nihilisten den beamteten Großfürsten Todesurteile mit dem Bemerken zugeschickt hätten, die Urteile würden nicht vollstreckt werden, wenn die Großfürsten ihre Stellungen niederlegten. Der Minister des Innern Bulygin, ein Gesinnungsgenosse Trepois, scheint dessen Anschauungen zu teilen, daß man die revolutionäre Bewegung einfach ignorieren dürfe. Er hat die Abordnung der Moskauer Semstwo zu sich bestellt, sie aber nicht empfangen. Die Abordnung ist nach Moskau zurückgekehrt. Oefterreich- Ungar □ Bei der Rekruteneinstellung in Königsfeld bei Brünn in Mähren erschienen jüngst die künftigen Vaterlandsverteidiger tschechischer Zunge auf schwarzaus geschlagenen, mit Grabkränzen behängten Wagen, sie selbst schwarz gekleidet, auf jedem Wagen eine schwarze Fahne. An den Längsseiten der Wagen waren weiße Bretter befestigt, darauf die Aufschriften:„ Wir gehen, weil wir müssen“,„ Die Armee ist das Grab unserer Jugend",— ,, Wer tauglich ist, wird ein Sklave", und ähnliche anmutige Ergüsse mehr. Alles natürlich in teschischer Sprache. Der Bezirkshauptmann befahl die Entfernung der Embleme. und Aufschriften. Die Rekruten gehorchten nicht, die Amtsdiener mußten den Befehl ausführen. Der Vorfall ist für die Lockerung der staatlichen Autorität auch in Cisleithanien ganz bezeichnend. Balkan- Staaten. Ein bulgarisch- serbischer Zollkrieg ist ausgebrochen. Die beiden Nachbarstaaten haben sich über einen neuen Handelsvertrag nicht verständigen können und wollen nun ihre autonomen Tarife gegen einander zur Anwendung bringen. Der Schaden ist für beide Teile so offenkundig, daß die maẞgebenden Stellen wohl bald zu einer Einigung kommen werden. † Die Meldung von dem Tode eines bekannten mazedonischen Bandenführers erweist sich als falsch. Apostol ist noch am Leben. Es war erzählt worden, daß Apostol in einem Kampf mit den Türken gefallen und sein Kopf zur Identifizierung nach einem Dorf gebracht worden sei, wo man den Bandenführer fannte. Es lag aber eine Verwechselung mit einem gewissen Elianof vor. Apostol selbst hat einem Freund telegraphiert, daß er lebe und gesund sei. Feer und flotte. Versuche zur Beförderung von Geschüßen im tiefen Schnee mittels Schlitten wurden vom Artillerie- Regiment und einem Teil des Infanterie- Regiments aus Freiburg auf den noch in tiefem Schnee liegenden Höhen des Schwarzwaldes gemacht. Die Uebung war sehr anstrengend wegen des hohen Schnees, in dem die Soldaten nicht selten stecken blieben, so daß sie von anderen herausgeschafft werden mußten. Den Zuschauern freilich boten sie ein fesselndes Schauspiel. Die Kaiserparade über das 18. Korps findet. wie jest definitiv festgestellt ist, am 8. September bei Homburg vor der Höhe statt. Das 8. Armeeforps hat am 11. September die Kaiserparade bei Koblen;. An den Baraben beteiligen sich auch die den beiden Armeekorps für das Kaisermanöver zugeteilten Truppen aus anderen Armeekorps. Das Heer der Vereinigten Staaten. Die Stärke der nordamerikanischen Armee beträgt, wie wir aus dem Bericht des Chefs des amerikanischen Generalstabes ersehen, 3744 Offiziere und 59 606 Unteroffiziere und Mannschaften. Der Bericht verschweigt nicht, daß die Armee an vielen Schäden leidet, unter denen Fahnenflucht, Trunksucht und Indisziplin besonders bemerkbar sind. Bekanntlich ist die Armee vor vier Jahren gründlich reorganisiert, doch ist nach Chaffees Meinung die Zeit noch zu furz, um sagen zu können. ob sich diese Neuordnung bewährt oder nicht. Glänzendes Elend. ( Von unserem ständigen Korrespondenten.) Berlin, 25. März. Minister Frhr. v. Hammerstein ist gestern auf seinem Sommersiz bei Steinhorst beigesetzt worden. Sommersizdas klingt so stolz. In Wirklichkeit war er gar nicht stolz, sondern überaus einfach. Vom Vater war das Gütchen ererbt darin bestand sein hauptsächlicher Wert. Frhr. von Hammerstein hat Vermögen weder ererbt, noch erworben, noch erheiratet, er ist ein schlichter und armer Mann geblieben, auch als Minister. Vor einiger Zeit hat das preußische Abgeordnetenhaus auf Antrag der Regierung beschlossen, den Ministern eine Repräsentationszulage von 14 000 Mark jährlich zu gewähren. Die Bezüge der Minister steigen damit von 36 000 auf 50 000 Mark. Als die Erhöhung der Ministergehälter zur Beratung stand, wurde hier und da an der Forderung gemäfelt. Man könne wohl auch mit 36 000 Mark ganz gut auskommen, unsere Minister hätten nicht nötig und sollten sich nicht darauf einlassen, mit den Bankdirektoren und Verwaltungsrats. präsidenten zu rivalisieren, der hungrige Geheimrat" sei es gewesen, der Preußen groß gemacht, es gebe noch andere Beamtenkategorien, die einer Gehaltsaufbesserung eher bedürften und was dergleichen kluge Reden mehr sind. Man hat in Preußen von Staatswegen niemals Verschwendung getrieben, und doch hat man dem Minister schon bor hundert Jahren 12 000 Taler Gehalt gegeben. Es gibt im ganzen Reich keine Beamtenfategorie, die nicht seit hundert Jahren mehr als eine Gehaltsaufbesserung erfahren hätte. Die Minister sind in diesem Punkt ganz einzig, denn ihnen sind die Bezüge sogar gefürzt worden. In der Zeit des Absolutismus hatten sie nämlich neben dem Gehalt noch Sporteln. Alle Eingaben an die Regierung mußten mit einem Stempel von ½ Taler versehen sein. Um der Kontrolle und Sicherung der Staatseinnahmen willen wurden die Minister an dem Stempel interessiert. Ihnen gehörte die Hälfte. Von jeder Eingabe erhielten sie„ sechs gute Groschen", wie es damals hieß, d. i. fünfundsiebzig Pfennig. Diese Nebeneinnahme ist vor über fünfzig Jahren fortgefallen, ohne daß eine Entschädigung gewährt wurde. In den letzten fünfzig Jahren haben somit die Minister geringere Beziige gehabt, als fünfzig Jahre zuvor. Es war also wirklich nichts übriges, daß man die er= wähnte Gehaltserhöhung eintreten ließ. Daß es so spät geschah, hatte einen eigenen Grund: die Anregung konnte an don Beteiligten selbst. von den Ministern ausgehen, } und diese trugen begreifliche Scheu, für sich etwas zu ver langen und dadurch den Schein zu erwecken, als ob sie geldgierig feien. Sie waren und sind zumeist vermögende Herren, die etwas zuzusetzen haben. Aber zusetzen mußten sie wirklich, und wenn sie nichts zuzusehen hatten, so mußten sie Schulden machen. Das ist tatsächlich vorgekommen. Es ist ein vortreffliches Zeugnis für die Betreffenden, daß daraus nur für sie selbst Ungelegenheiten entstanden. Es ist noch erinnerlich, daß der Finanzminister Bitter verschuldet gestorben ist. Andere Beispiele möchten wir nicht anführen; dieses durften wir nennen, weil es kein Geheimnis geblieben. Mit 36 000 Mark jährlich war wirklich nicht auszukommen. An Steuern gehen davon 4000 Mark ab, so daß nur 32 000 Marf verfügbar blieben. Die Amtswohnung bedingt große Ausgaben. Sie ist nicht mit 2 oder 3 Dienstmädchen in Ordnung zu halten, sie verlangt Dienerschaft, und das verteuert den Haushalt ganz ungemein. Hat der Minister Familie, sind seine Söhne Assessoren oder Leutnants, so brauchen sie Zuschuß, der auch bei bescheidener Gewährung in das Ministergehalt Bresche reißt. Die eigentlichen Repräsentationspflichten nahmen bisher das halbe Gehalt in Anspruch, ohne daß man von Ueppigkeit reden durfte. Es hat noch keinen Minister gegeben, der von seinem Gehalt hätte Ersparnisse machen können; es hat sehr viele Minister gegeben, die sich gezwungen sahen, frühere Ersparnisse aufzuzehren. Der erste Reichskanzleramtspräsident Minister Dr. Delbrück erzählt in seinen jüngst erschienenen Memoiren, daß er, der zu keiner Zeit einer überhohen Lebensführung sich hingab, seine wachsenden Bezüge immer von den wachsenden Repräsentationsansprüchen verschlungen sah. So bedeuteten die vielbeneideten 36 000 Mark Gehalt oft nur ein glänzendes Elend. Es ist erfreulich, daß hierin Wandel geschaffen worden ist. Doch damit ist noch nicht genug geschehen. Auch die Witwenpensionen sollte man eiligst erhöhen, denn sie sind kläglich. Als Generalpostmeister Dr. v. Stephan gestorben war, erfuhr man, daß er kein Vermögen zurückgelassen, daß seine Witwe sich auf eine Pension von 2400, vielleicht 2700 Mark angewiesen sah. Wackere Männer kauften die Sammlungen des verstorbenen Generalpostmeisters, die sie dem Reichspostmuseum überwiesen, der Witive um 200 000 Mark ab. Das war sehr schön von ihnen gehandelt. Doch nicht immer finden sich Leute, die gewillt und imstande sind, Dinge für einen Phantasiepreis zu erstehen, um einer Ministerwitive helfen. Die höchste Witwenpension, die überhaupt gezahlt wird, beträgt 3000 Mark jährlich. Davon soll die Witwe eines Ministers ihren und ihrer Kinder Lebensunterhalt bestreiten, und stillschweigend verlangt man von ihr außerdem, daß ihre äußere Lebenshaltung nicht mit ihrem vorigen Rang in Widerspruch sei. Hier kann schon nicht mehr von glänzendem, hier muß von nacktem Elend die Rede sein. Stirbt aber die Witwe bald nach und bleiben noch unerzogene Kinder zurück, so sind diese völlig hilflos. Sie haben an den Staat gar keinen Anspruch, denn der Staat leistet Erziehungszuschüsse nur bis zum 14. Lebensjahr, und Ministerkinder haben mit 14 Jahren noch keine wirtschaftliche Selbständigkeit erreicht. Was wir hier erwähnen, ist kein Problema sozusagen, sondern traurige Wirklichkeit, und jeder Tag kann die Erneuerung bringen. Nun gibt es freilich kaiserliche Dispositionsfonds, die in solchem Fall vielleicht bis zur Verdoppelung der Pension in Anspruch genommen werden. Doch die Witwen unserer höchsten Beamten sollten nicht mit der Aussicht auf Gnadenzuwendungen abgespeist werden. Wir brauchen keine Lurusausgaben zu machen, zu denen wir vielleicht nicht reich genug sind. Aber Ehrenausgaben sind notwendige Ausgaben, und an denen sollte man nicht fargen. Nah und Fern. A Das soziale Berlin. Der Magistrat der Reichshauptstadt hat in diesem Jahre 325 000 Mark für gemeinnützige Zwecke bewilligt. * Falschmünzer. Die Polizei in Trier entdeckte eine Falschmünzererei für Herstellung von Zweimarkstücken. Der Inhaber dieser Falschmünzerei, Megger Pfahl, wurde verhaftet; seine Komplizen entflohen. Ein nobler Konkurs. Im Konkurse des flüchtigen Rechtsanwalts Otto Poppendieck in Wolfenbüttel betragen die Passiven 225 000 Mark, denen nur 15 000 Mark Attiven gegenüberstehen. A Das Massengrab im Meere. Der Flensburger Dampfer ,, Mars" und der englische Dampfer Frestofield", beide am 31. Januar von Pensacola mit Holzladung nach Leer und Hamburg abgegangen, sind, wie jest zweifellos feststeht, während der im Nordatlantischen Ozean in den Tagen vom 7. bis 12. Februar herrschenden schweren Stürme mit Mann und Maus untergegangen. 19 Seeleute haben dabei ihr Leben eingebüßt. Fräulein Muth verabschiedet. Die in der Affäre der Gräfin Montignoso vielgenannte Gouvernante hat die nachgesuchte Entlassung aus allen Diensten des sächsischen Königshauses zum 1. April erhalten. Geheimer Kommerzienrat Victor Hahn in Dresden ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft verhaftet worden, um die ihm zuerkannte vierjährige Gefängnisstrafe anzutreten. Hus dem Gerichtsfaal. § In dem Prozeß wegen der Eisenbahnunterschleife in Görlitz gestaltet sich die Beweisaufnahme und die Bekundung der Sachverständigen immer belastender für die Angeklagten. Dieser Prozeß scheint auch noch für andere bis jetzt Unbeteiligte verhängnisvoll zu werden. So wurde durch ſtillschweigendes Zugeständnis festgestellt, daß auch der Materialienverwalter Aug. Kiera, der in der Verhandlung als Sachverständiger fungiert, weil er in den Augen der Behörde für intakt galt, einmal einen Posten Abfälle an den Hauptangeklagten Friedeberg abgegeben habe. § In dem Bebelschen Erbschaftsprozeß haben die Parteien ihre Anträge gestellt und begründet. Die Entscheidung des Gerichts wird, wie aus UI'm gemeldet wird, erst nach 14 Tagen erfolgen. § Wegen Disziplinarvergehens im Manöver verurteilte das Oberkriegsgericht in Thorn den Reservisten Keppel zu fünf Jahren Gefängnis; das Kriegsgericht hatte nur auf drei Jahre erkannt. § Nachklänge zum Prozeß Ruhstrat. Redakteur Schwes nert vom„ Residenzboten" in Oldenburg wurde vom der dortigen Straffammer wegen Beleidigung des Bezirks. majors Auer v. Herrenkirchen in Aurich zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Strafe wurde mit der früher im Ruhstrat- Prozeß erkannten zu 14 Monate Gefängnis zusammengezogen. Vom Bör Ein altes ift lebt nody la phantaftischer war vor einige Altendorf a. d. Berra hat seine Frau totgeprügelt und mußte sich wegen dieser Tat vor dem Schwurgericht in Kassel verantworten. Der Angeklagte wurde zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. § Ein guter Gatte. Der Arbeiter Heinrich Hochapfel aus Greignis in a § Ein Kuppler. Das Kriegsgericht in Posen verurteilte den Gendarmen Neumann aus Kiltsch wegen Kuppeli verübt gegen seine eigene Ehefrau, zu sechs Monaten G fängnis, Degradation und Entlassung aus dem Heere. § Brandstifter. Um die Versicherungsprämie von 100 00 Mark zu erlangen, hatte der Hotelier Paul Golz in Kerpa das Hotel in Flammen gesetzt. Sein Sohn und seine Tochter leisteten ihm hierbei Hilfe. Das Schwurgericht in Köln verurteilte die Angeklagten zu einem Jahre Gefäng nis bezw. zwei und drei Jahren Zuchthaus. noch dem Leb botschaft keing für immer g Jekt wir eigentlich ge geben. jagen, nic das er in f G zur Geheim zum Theat Jurisprude Erfolges er Dumas ein figte aber eines größ an der Bö ich Euch be Girardin j Ich habe ei bon mir ader. Ich fönnt weite eine Ahnung § Der philosophische Einbrecher. Der Schwurgerichts. prozeß gegen die berüchtigte Diebsbande in Amiens, deren Häuptling Alexander Jacob, wie erinnerlich, sein Talent als lubredner durch die Verdammung der heutigen gesellschaftlichen und politischen Einrichtungen zu verschie denen Malen glänzend befundete, ist zum Abschlusse gelangt. Jacob und sein Adjutant Bour, welche auch des Mordver suchs und der Brandlegung überführt waren, wurden zu Lebenslänglicher Zwangsarbeit, fünf ihrer Spießgesellen zu acht bis zwanzig Jahren der gleichen Strafe, sieben zu Zuchthausstrafen und die Mutter Jacobs mit einem anderen sibe zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. § Der Mörder der Lucie Berlin vor dem Reichsgericht. Der Mörder Theodor Berger hatte gegen das Urteil des Berliner Schwurgerichts, das ihn wegen Totschlags und Sitt lichkeitsverbrechens zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilte, Revision beim Reichsgericht eingelegt. Diese ist nunmehr verworfen worden. § Bebels Erbschaft. Der Verhandlung vor dem Landgericht zu Ulm über die Hinterlassenschaft des ehemaligen Leutnants Kolmann wohnte Bebel selber bei. Das Gutachten der Sach verständigen über den Geisteszustand des Erblassers stell fest, daß Leutnant Kollmann schon seit dem Jahre 1878 Spuren von Verrücktheit zeigte, die zunächst in maßlosem Egoismus und hochgesteigertem Selbstgefühl zum Ausdrud gelangte. Wegen eines Zeitungsstreites mit seinem Bruder wurde ihm die Uniform entzogen. In seinem Streben, diesen Spruch rückgängig zu machen, beschuldigte Kollmann alle möglichen hochgestellten Personen, er wurde auch wegen Majestätsbeleidigung angeklagt; indessen wurde diese An flage auf das Gutachten der medizinischen Sachverständigen hin niedergeschlagen, dagegen wurde Kollmann entmündigt und interniert. § Urscheldig wegen Gattenmordes verurteilt. Vor einiger Zeit rief in Belgrad ein Mordprozeß gegen den Cupicer Bezirksarzt Dr. Mandelbaum großes Aufsehen hervor. Seine Frau wurde, während er des Nachts zu einem Patienten gerufen wurde, in der Wohnung förmlich abgeschlachtet. Der Diener des Arztes wurde erst der Tat beschuldigt, er konnte jedoch die Schuld von sich abwälzen und brachte Beweise gegen Dr. Mandelbaum vor. Der Arzt wurde zu zwanzig Jahren Kerfer verurteilt. Jkt erst, in erneuter Verhandlung. wurde er, da sich seine Unschuld erwies, freigesprochen. Dr. Mandelbaum wandert nach Pittsburg in Amerika aus, da seine Eristenz in Serbien ruiniert ist. Die Schmähbrief- Affaire. ( Von unserem Gerichtsberichterstatter.) H Detmold, 25. März. Man Tachte: Bulegt lacht!" Fünf Woche naturwiffenfo Welt gefiel Goldader" ein halbes brachte e Jahr zu felndem G fruchtbare allen neu machte da Ben übert zeugten: manchmal Als in um die W dichter d' geführt, u grube" be die„ Reife dienten die weitere M Strogoff, Börsianer Mann 1 Kreuz de war das I wurde. Sechs laffen. 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Angekl.:„ Ja." ,, Glauben Sie auch an die Unschuld Ihrer Frau?" geklagter mit lauter fester Stimme: Ja, von ganzem Herzen."( Anhaltende Bewegung.)„ Es liegen eine Re bon unglückseligen Zufällen vor, aber meine Frau hat e Briefe nicht geschrieben."( Erneute anhaltende Bewegury.) Es beginnen die Zeugenvernehmungen, die gleich m ersten Tage eine kleine Sensation bringen. Die eigne Schwägerin der Angeklagten sagt wider diese aus. Luise Wippermann erzählt nämlich, daß sie in einem Schrank im alten Wippermannschen Hause, das sie mit ihrem Manne nach der Verheiratung bezog, ein blaues Buch gefunden habe In diesem Buche habe sie die Schriftzüge des anonymer Briefschreibers gesehen.( Langanhaltende Bewegung.) Sie habe das Buch nach der Durchsicht wieder in den Schrit gelegt, und jetzt sei es fort. Vom Präsidenten zur Aeuße rung aufgefordert, erklärt die Angeklagte, daß sie von nih wisse. Es wird nun beschlossen, nach dem Buche, einem Roman, zu forschen und es zu beschlagnahmen. Lebhafte Bewegung entsteht, als nunmehr die betage Mutter der Angeklagten, die Geh. Kommerzienrätin Wiper mann, zu einer kurzen vorläufigen Vernehmung über di Wiederannäherungsversuche der Familie Kracht an die fa milie Wippermann aussagen soll. Die Dame erklärt, do der Wunsch zur Versöhnung zwischen den beiden Familien von ihr ausgegangen sei, und daß Annäherungsverfude schon in der Zeit vor Zustellung der Anklage an die Ange flagte Kracht gemacht worden seien. Es könne also nicht da von die Rede sein, daß diese Versöhnung etwa nur zu dem Zwecke erfolgen sollte, eine ungünstige Aussage der Luise Wippermann zu vermeiden. Nachdem noch einige weiter Zeugen, darunter der Bruder der Angeklagten, über die Angelegenheit vernommen worden waren, wurde die Ver handlung vertagt. Heute nachmittag unternehmen alle Bro zeßbeteiligten eine Fahrt nach Lemgo, um dort Augenschein besichtigungen vorzunehmen. häuser, arr leidende Dem tue i itreift, de junge bille" zu Wi Debelg Wrad d Reute al mühten Boot un ftürzten Sie beide "]= - gerichte gegen M Anerkenn unu kochen t. Redakteur S enburg murde leidigung des Be rich zu vier Mo wurde mit der fri 14 Monate Gefang Heinrich Hochapiel totgeprügelt und m murgericht in Sta rde zu vier J Tuft berurteilt. in Bosen beru viltfch wegen Rup zu sechs Monaten ng aus dem Heere ngsprämie von 100 r Paul Golz in K Sein Sohn und Das Schwurgeri u einem Jahre Ge hthaus. Der Schwurge bande in Amie wie erinnerlid, rdammung der he richtungen zu be zum Abschlusse ge che auch des Mo t waren, wurda ihrer Spießgelen Strafe, fieben mit einem rurteilt. vor dem Reich gegen das Urt Jen Lotschlags un uchthaus und 10 Reichsgericht eing n. ung vor dem Land es ehemaligen Das Gutachten nd des Erblassers seit dem Jahre e zunächst in ma lbstgefühl zum Aus eites mit seinem Bu 1. In feinem Stre n, beschuldigte Kollm en, er wurde auch dessen wurde diese nijchen Sachverstän De Kollmann entu berurteilt. Vor e rozeß gegen den C Aufsehen hervor. chts zu einem Pa mlich abgeschlachtet Tat beschuldigt, er und brachte Bewei vurde zu zwanzig erneuter Verha rwies, freigesprod Surg in Amerika ift. ef- Affaire. berichterstatte H Detmold, 25. M e, den man für une ſt der lezte verlejen e nung der Angeklagte ernd wendet sich i Inflagebant. Er fit pricht und wodurch f der Wahrheit die Gre legen. Sierauf anter Ich habe die Briefe ni " Der Bröfident weiter en Sie auf bei der Ber Angell: a.- Pr Id Ihrer Frau?" ne: Ja, bon Es liegen ein ung Der meine Fra anhaltende mungen, die gleid a bringen. Die t wider diefe a frau daß fie in einem Schrank das fie mit ihrem Mann laues Buch gefunden habe Shriftzüge des anonyme nhaltende Bewegung.) cht wieder in den Schr om Präsidenten zur Ne geflagte, daß sie von ni 1, nach dem Buche, ei Gefchlagnahmen. Vom Börfenmakler zum Romandichter. Paris, 25. März. Ein altes Sprichwort sagt:„ Wer fälschlich tot gesagt it, lebt noch lange." Jules Verne, der bekannte Verfasser phantastischer Romane, hat dieses Wort Lügen gestraft. Er war vor einigen Tagen tot gesagt. Der Telegraph hatte das Ereignis in alle Welt gemeldet, während der Schriftsteller noch dem Leben angehörte. Ihm hat die vorzeitige Todesbotschaft keinen Nußen gebracht. Gestern hat er die Augen für immer geschlossen. Jetzt wird man wohl erfahren, wie alt Jules Verne eigentlich geworden ist. Er wollte sein Alter niemals angeben. Es interessiert feinen Menschen", pflegte er zu jagen, nicht einmal mich selber." Das Geheimnisvolle, das er in seinen Schriften mit Vorliebe behandelte, trieb ihn zur Geheimnistuerei. Das Phantastische zog ihn früh schon zum Theater. Als er in Paris auf Verlangen seines Vaters Jurisprudenz studierte, schrieb er kleine Stücke, die nicht des Erfolges entbehrten und ihm die Protektion von Alexander Dumas eintrugen. Er wurde Theatersekretär, vernachlässigte aber dabei nicht die realen Dinge, er war Unteragent eines größeren Börsenmaklers. Eines Tages sagte Verne an der Börse zu seinen Kollegen: Kinder, ich glaube, daß ich Euch verlassen werde. Ich habe die Idee gehabt, die, nach Girardin jeder Mensch haben muß, um sein Glück zu machen. sch habe einen ganz neuartigen Roman geschrieben, eine Idee von mir. Gelingt es, dann bin ich sicher eine offene Goldadier. Ich werde dann weiter Romane schreiben, und Ihr fönnt weiter Papiere kaufen und verkaufen. Ich habe so eine Ahnung, daß ich mehr verdienen werde als hr!"- Man lachte:„ Lacht nur," sagte er, man wird ja sehen, wer 3ulegt lacht!"- Einige Wochen später erschien der Roman Fünf Wochen im Ballon", der erste der berühmten Serie naturwissenschaftlicher Romane, dessen Originalität aller Welt gefiel: er wurde in alle Sprachen übersetzt. Die „ Goldader" war tatsächlich offen", und Verne beutete sie ein halbes Jahrhundert lang gehörig aus. Verne brachte es auf neunzig Romane, produzierte jedes Jahr zwei, manchmal drei Romane, mit wechfelmdem Glück, aber nie ohne Erfolg. Dieser erfinderische, fruchtbare Geist war nie um Stoff verlegen: er war stets allen neuen Entdeckungen der Wissenschaft auf der Spur und machte daraus, indem er sie bis zu den äußersten Konsequen gert übertrieb, Romane, die von einer erstaunlichen Phantasie jeugten: Was ich auch erfinde, was ich auch tue", sagte er manchmal, ich werde stets unter der Wahrheit bleiben." Als im Jahre 1872 sein berühmter Roman„ Die Reise um die Welt in 80 Tagen" herauskam, machte der Theaterdichter d'Ennery daraus ein Bühnenstück. Es wurde aufgefführt, und die„ Goldader" hatte sich in eine„ Goldgrube" verwandelt. Vierhundertmal hinter einander ging die Reise um die Erde" über die Bretter. Millionen verdienten die Direktoren, die das Stück kreiert hatten, und noch weitere Millionen brachte der dramatische Roman„ Michaei Strogoff, der Kurier des Zaren!" So war aus dem kleinen Börsianer, der sein Lebensalter verheimlichte, ein gemachter Mann und ein berühmter Schriftsteller geworden. Das Kreuz der Ehrenlegion legt man ihm auf das Grab. Es war das letzte Kreuz, welches vom Kaiser Napoleon verliehen wurde. Sechs fertige Romanhandschriften hat er uns hinterlassen. Sie werden vielleicht noch manche Ueberraschung enthalten. - Vermilchies. =[ Die Möbel aus Schillers„ guter Stube".] Die Stadt Weimar hatte die Absicht, zur Ergänzung des Mobiliars im Schillerhause die im Besize des Rentners Koch in Stettin befindlichen Möbel aus Schillers ehemaliger„ guter Stube" ( in seiner Weimarer Wohnung) käuflich zu erwerben. Der Herr verlangt nicht weniger als 40 000 Mark. Daraufhin ist die Stadt von ihrer Absicht zurückgetreten. = [ Der weise Landesvater.] Veranlaßt durch einen fürzlich vom Gemeinderat in Röthen gefaßten Beschluß, beim Besuche des regierenden Herzogs bis zu 3000 Mark für Ausschmückung der Straßen aufzuwenden, hat jetzt die Regierung bekannt gegeben, daß das nicht dem Willen des Landesherrn entspreche. Denn öffentliche Gelder hätten andere Bestimmungen. [ Für Autographen jäger] veröffentlicht Peter Rosegger im Briefkasten seines Heimgartens folgende deutliche Warnung:„ Wer ein Autograph von mir haben will, oder irgend so etwas, der nehme sich in acht! Jeder, der mir nahekommt, würd angebettelt. Ich weiß fümmerlich dotierte Waldschulhäuser, arme Bergbauernfinder, abgebrannte Kirchen, notleidende Volksbüchereien...! Wer mich in Ruhe läßt, dem tue ich nichts. Wer mir aber auch nur den Aermel streift, den bettele ich an." =[ Zwei Menschenleben wegen eines Hutes.] Drei junge Leute aus Altona waren vorgestern in„ Neu- Rainbille" zur Musterung gewesen, zogen dann von Wirtschaft zu Wirtschaft und begaben sich schließlich nach NeumühlenDebelgönne, wo sie sich ein Segelboot mieteten. Bei dem Wrack der„ Atabaska" flog der Hut des einen, da die jungen Beute allerlei Unfug im Boot trieben, ins Wasser. Se bemühten sich, ihn wiederzuerlangen, aber dabei kenterte das Boot und die drei, die des Schwimmens unfundig waren, stürzten in die Elbe. Nur einer fonnte gerettet werden, Die beiden anderen fanden ihren Tod in den Wellen. - =[ ,, Der Kronprinz der Sahara".] Dem Pariser Zivilgerichte wurde eine Klage der Madame Francis Delierre gegen Monsieur Jacques Lebaudy überreicht, in welcher die Anerkennuna der Vaterschaft begehrt wird. als nunmehr die be Kommerzienrätin Wi gen Bernehmung übe Familie Kracht an di 1. Die Dame erklärt ifchen den beiden Fam daß Annäherungsve der Anflage an die en. Es fönne alfo ni rföhnung etwa nur zu ünftige Aussage der adjdem noch einige me Der Angeflagten, über Den waren, wurde die ittag unternehmen all emgo, um dort Augen PALMIN feinste Pflanzenbutter unübertroffen zum kochen, braten u. backen Gelegentlich 50% Ersparnis gegen Butter! seiner vorjährigen Anwesenheit in Brüssel lernte der„ Kaiser der Sahara" die in Frage kommende Dame kennen. Er erhob sie zur Gräfin de Loches" und verbrachte einige flotte Monate mit ihr in Paris. Dann entstand ein Zerwürfnis und die beiden gingen auseinander. Nun wurde gegen Lebaudy eine Klage auf Anerkennung der Vaterschaft überreicht und er nahm ursprünglich einen negierenden Standpunkt ein. Vorgestern kam eine Eingabe an das Gericht, in welcher er erklärte, das Kind als das seine anzuerkennen, wenn die französischen Behörden es in die Matrikel als Untertan des Kaiserreichs Sahara eintragen. Sein Sohn solle einst die Krone tragen und der erste Bürger des neuen Reiches sein. Da die französischen Behörden betreffs Anerkennung des Kaiserreiches der Sahara eine ablehnende Antwort gaben, soll demnächst in der Schweiz die morganatische Ehe Lebaudys mit der Gräfin de Loches" geschlossen werden, und dort hofft er Millionär, daß sein Sohn in die Matrikel als Untertan des Kaiserreichs Sahara eingetragen wird. =[ Schmuggel auf der Lokomotive.] Eine neue Methode des Schmuggels wurde von den Zollbeamten in Belfort entdeckt. Die Passagiere des Schnellzuges nach Chaumont sahen zu ihrem Erstaunen, wie die Lokomotive ihres Zuges auf ein Nebengeleis gebracht wurde, während eine andere telegraphisch herbeordert wurde, um den Zug an seinen Bestimmungsort zu bringen. Der Tender war ganz mit geschmuggelten Waren angefüllt. Schachteln mit Puder, Tabak in Paketen, Zigarren und Zigaretten zu Tausenden und Streichholzschachteln waren in Wachstaffet eingepackt, und diesen Paketen hatte man unregelmäßige Formen gegeben, als ob es Kohlen wären. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden verhaftet. Lokales. 26. März 1905 P Warnung. Vor einiger Zeit versuchte in Gießen ein Unbekannter eine, einem 10- t.- Stück ähnliche Spiel marke für ein echtes 10- Mf.- Stück zu verausgaben. Als der Betrug bemerkt wurde, entschuldigte er sich damit, er habe von Fastnacht her noch einige derartige Spielmarfen im Portemonnaie und sich vergriffen und gab ein echtes 10- Mt.- Stück in Zahlung. Da der Betrüger dies Manöver wiederholen wird, sei vor ihm gewarnt. Er ist etwa 30-35 Jahre alt von mittlerer Statur, hat blondes Haar, blonden Schnurrbart, ist gut gefleidet und hat gutes Benehmen. P Unfug. In der Nacht auf Sonntag wurden zu Gießen in der Weftanlage von roher Hand eine Anzahl Bierbäumchen abgebrochen. Hoffentlich gelingt es der Polizei, den Täter zu ermitteln. ** Glücklicher Gewinner. Der Hauptgewinn der Gießener Pferdemarktslotterie ist nach Grünberg an | Herrn Bahnmeister Stein gefallen. ** Hassia- Verband. Der diesjährige Delegierten tag des Hassia- Verbandes findet am 4. Juni in Laubach statt. Graf Karl zu Solms- Laubach wurde zum Ehrenmit glied der Hassia ernannt. ** Kapellmeister Polster siedelt von Gießen nach seiner Heimatsstadt Dessau über. Der Bauer'sche Gesangverein hat ihn zu seinem Ehrenmitgliede ernannt und bringt ihm heute Abend ein Ständchen. ** Geländet wurde heute Vormittag aus der Lahn die Leiche des Glasreinigers Karl Wiesner von Gießen. § Grünberg, 26. März. Silberne Hochzeit. Mittwoch, den 29. d. M., feiert das Ehepaar Otto Kreuder und Frau dahier das Fest der Silbernen Hochzeit. ? Laubach. 26. März. Versetzt. Mit dem 1. April siedelt der hiesige Postverwalter Rau nach Lich über, da er zum Vorsteher des dortigen Postamtes ernannt ist. Man sieht den beliebten Beamten, der hier 31 Jahr lang ge= wirft hat, ungern scheiden. * Wetterfeld. Hier soll eine Genossenschaftsmolferet errichtet werden. K Von der Lahn, 26. März. Marmor- Bruch. In Odersbach bei Wilburg hat ein Konsortum aus Köln ein größeres Terrain erworben, um dort Marmor zu brechen. -ch Vezberg, 26. März. Selbstmord. Der alte Schornsteinfeger Steinmüller von hier hat gestern Nachmittag seinen Tod in dem am Wege nach Fellingshausen gelegenen Weiher gesucht und gefunden. Etwa eine Stunde nach der Tat wurde seine Leiche gefunden und es ist ganz unerklärlich was den 75jährigen Greis so unerwartet in den Tod getrieben hat. -ch Azbach, 26. März. Jagdhütte. Fabrikant Rinn aus Heuchelheim, Pächter der Gemeindejagden von Kinzenbach und Azbach hat im vorigen Herbste im hiesigen Gemeindewald eine massive Schußhütte erbauen lassen. Dieselbe steht unmittelbar am Waldweg von Kinzenbach nach Grube Morgenstern resp. Hof- Bubenrod und enthält zwei Räume, welche z. Zt. ihre innere Ausstattung erhalten. *** Groß Felda, 27. März. Tückische Krankheit und Tod. Schnell und unerwartet ist einer unserer beliebtesten und im großen Umkreis gut bekannter Mitbürger, der Gastwirt Bölzing verstorben. Zu Anfang bergangener Woche erkrankte er an einer schweren Darmkrant. heit, er mußte sich am Samstag in der Klinik zu Gießen einer Operation unterziehen, nach der er sich ganz wohl Lehre gesucht. Sin braver Junge in die Städt. Wohnungsnachweis Gießen. Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 14. Geschäftsstunden von 8-1 und von 3-6 Uhr W. Schmitt, Glasermstr. Kanzleiberg 7, am Brand. Junger Hausbursche für sofort gesucht. Es sind zu vermieten: 4 Wohnungen von 6 Zimmern Fr. Hennings, Gießen. Seltersweg 14.3 3 5 " " " 4 " " " 2 " " " 1 Hausbursche 5 unmöbl. u. 3 möblierte Zimmer. fofort gesucht. Zu mieten gesucht: Bäcker Müller, Seltersweg 62. 74 Wohnungen von 1-8 Zimmern. fühlte. Aber am Montag früh 6 Uhr trat eine Wendung ein und er ist dann ganz ruhig entschlafen, zu früh für seine Angehörigen und Mitbürger. = Bernsfeld. Opfer des Berufs. In v. W. wurde ein junger Bergmann durch abstürzende Gesteinsund Erdmassen schwer verleßt. Der bedauernswerte Arbeiter mußte nach Gießen in die Klinik übergeführt werden. K Nassau, 26. März. Die Lahntalbrauerei ging in der Zwangsversteigerung für 131000 Mt. an den Hauptgläubiger, Malzfabrikanten Hausmann aus Cochem, über, nachdem sich dieser mit der Bedingung des Gläubigerausschusses, 100000 Rt. an seiner Forderung nachzulassen, einverstanden erklärt hatte. K Von der Bergstraße, 26. März. Obstblüten. Seit einigen Tagen stehen die Mandelbäume in voller Blüthe. Alle Obstarten, besonders Frühobst, zeigen reichliche Fruchtfnospen. Stadttheater in Gießen. Kabale und Liebe. Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Kabale und Liebe, ursprünglich Louise Millerin betitelt, stellt einen markanten Bunft in der deutschen Literaturgeschichte dar: die Umgestaltung ber rührseligen bürgerlicher Tragödie in die soziale Familientragödie. Mit meisterlid Shakespearescher Mischung von Tragit und Komit richtet der ideale Schiller in hoher, schwungvoller Sprache in der Kabale und Liebe einen flammenden Protest gegen kleinstaatlichen Absolutismus und Nieder knebelung des Bürgertums. In Idee und Anlage hat das Werk mit dem, wenngleich auch gewaltigeren Othello, Achulichkeit: in beiden Stücken treibt aufgeregte Eifersucht der Helden zur Tötung der Geliebten resp. Gattin, und aus diesem Grunde ist der Dichter hier wie da gezwungen, den ersten Teil der Handlung zur Motivierung der Tat vorzudichten und den Neben figuren einzuräumen. Die Darstellung muß als eine gelungene bezeichnet werden. Die Regie des Herrn Linzen hatte mit großer Umsicht ihre Anordnungen getroffen und für ein wirkungsvolles, geschlossenes Zusammenspiel gesorgt. Mit der Darstellung des Ferdinand war Herr Lüttjohann betrau: worden. Mit großem Fleiß hatte der junge Künstler aud gestern wieder seine Rolle ausgearbeitet und den feurigen, idealen, deutschen Jüngling in seiner ungebrochenen Krasi und unverdorbenen Seele Leben atmend auf die Bühne gebracht. Man fonnte es mit Händen greifen, daß dec Darsteller den Dichter ganz in sich aufgenommen. Als Partnerin stand ihm in Louise Frl. Dülfer zur Seite, die das schlichte, ehrbare Bürgermädchen in allen Phasen gut zu verförpern wußte. Präsident Walter wurde von Herrn Linzen gegeben. Zweifels hatte Herr L. die richtige Auffassung und eine ganze Reihe Partien glückten ihm auch sehr gut, doch trat ihm sein Organ recht oft hindernd in den Weg, indem es sich nicht zu der ruhigen, präzisen und suggestiven Lage abzuklären vermag. Mit einem leisen Bug feiner Ironie führte Herr Lippert seinen Hofmarschall von Kalb durch und eine gute Darstellung war auch Frau Gartners Lady Milford, namentlich die tigerartige Wildheit in den Ausbrüchen höchstgesteigerter Leidenschaft verliehen ihrem Spiel eine große Lebendigkeit. Der Haussekretär Wurm fand in Herrn de Giorgi in Ton und Maste einen trefflichen Darsteller. In abgerundetem und diskreten Spiel wußte Herr G. den gewissenslosen Intriganten mit einem manchmal wahrhaft teuflischen Lächeln auf die Bühne zu bringen. Im Gegensatz zu seinem feindetaillierten Spiel bewegte Herr Konradi sehr zweckentsprechend als Stadtmusifant Milner sich in graden, festen Strichen, das Bürgertum, das feine Phantastereien fennt, gut charafterefierend, während Frau Fischer als seine Frau den vollendeten Typus der Mutter lieferte, die nicht hoch genug mit der Tochter hinaus fann. G. H. Brief- und Fragetaften der Redaktion. + Eine recht unangenehme Beobachtung machte Schreiber dieser Zeilen auf dem letzten Pferdemarkt, wo die anwesenden Losehändler 30 und noch mehr Prozent Aufschlag für ein Los verlangten. In Zukunft müßte diesem Treiben gleich von vornherein Einhalt geboten werden, wenigstens auf den öffentlichen Märkten und Festpläger. Die Opfer waren dieses Mal meistens Landleute, die noch gern ein Los haben wollten. Bießener landwirtschaftlicher Wetterbiens. Boraussichtliche Bitterung in Hessen für Dienstag, den 28. März. Zunächst trüb und stellenweise besonders in Oberhessen geringer Regen, Starkenburg vorwiegend trocken, milder besonders nachts. ( Näheres durch die Gießener Wetterfarte.) Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentel Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belb in Gießen. am Die Haupt- u. Schlußklassen- Ziehung der 5. HessischThüringischen Staatslotterie beginnt bereits 3. April d. J. 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Die Beerdigung findet Mittwoch, den 29. März, nachmittags 2 Uhr statt. Gießener Freiwillige Feuerwehr. Ordentliche Haupt- Versammlung Verdingung. Bekanntmachung. Die Pflaster- und Chauffierarbeiten für den Betr.: Die Heichelheim'sche Stiftung. Ausbau der Keplerstraße sollen Mittwoch, den 5. April d. J., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung u. Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 6 zur Einficht auf. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 25. März 1905. - Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Verdingung. Der Anstrich der städt. Sprengwagen u, Kehrrichtwagen soll Samstag, den 1. April, vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, find spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. - Zuschlagsfrist 14. Tage. Gießen, den 23. März 1905. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Brotpreise vom 26. März bis 9. April 1905. findet am Montag, den 3. April, abends 8½½ Nhr im Restaurant Gambrinus( A. Albold) Kirchstraße, mit folgender Tages- Ordnung statt, wozu wir die Der hiesigen Bäcker. Kameraden hiermit einladen: Kg. 1 Weißbrot Pfg. 26 52 24 48 " 3 72 1 Kornbrot 22 2 44 " Der auswärtigen Bäcker: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage für 1904/05| 2 und Entlastung des Rechners für 1904/05. 3. Voran- 1 Schwarzbrot schlag für 1905/06. 4. Ergänzung des Vorstandes. 5. Dienstauszeichnungen. 6. 50jähriges Stiftungsfest. 7. Etwaige Anträge gemäß§ 12 der Statuten. In Uniform: Dienstanzug. Der Vorstand. Wenn Sie für immer von Ihren Hühneraugen 4 Leichdörnern, Hautverhärtungen, verkrüp pelten Nägeln ze. befreit sein wollen, so wenden Ste sich unverweilt an mich. Ohne Messer entferne ich mit meiner geschickten Hand jedes dieser Uebel binnen wenigen Minuten gründlich, vollständig gefahr- und schmerzlos und mit ficherem Erfolge. 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Mer freilich u tut, berhebt, ber gong unameifel