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Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362. Donnerstag, den 21. September 1905. Gießener 14. Jahrgang Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Volizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Russland als Verfaffungsftaat. Rußland hat durch Verfügung des Zaren eine Volksvertretung bekommen, zu deren Wahl bereits Vorbereitungen getroffen werden. Es ist gerade teine ideale Volksvertretung, die Zar Nikolaus geschaffen hat. An ihrer Zusammenfeßung wird nur ein kleiner Ausschnitt der Bebölferung teilnehmen können; in dem ganzen Riesenreich wird die Zahl der Wähler kaum zwei Millionen betragen. Immerhin bleibt die Gossudarstwennaja Duma", das russische Kaiserparlament, ein großer Fortschritt und die Grundlage für eine fünftige Verfassung. Ist erst ein Parlament berhanden, das von seiner Redefreiheit wirklichen Gebrauch macht, so hat dies Parlament auch eine wirkliche Macht, mag es nun nach dem Buchstaben eine beschließende oder eine bloß beratende Körperschaft sein. Daß es bei der Einführung der„ Gossudarstwennaja Duma" nicht sein Bewenden haben kann, weiß man in den leitenden Kreisen RußLands recht gut. Jezt hat Zar Nikolaus einen besonderen Ausschuß, an deffen Spize Graf Solßky steht, mit der Ausarbeitung einer Ministerialverfassung beauftragt. Durch diese sollen die Befugnisse des Ministeriums und der einzelnen Minister genau umschrieber und festgestellt werden. Das ist für Rußland nötiger als für irgend ein anderes Land. Denn die Competenzabgrenzung ist in Rußland so fraus und bunt, daß ihre Kenntnis eine förmliche Wissenschaft bildet. Die Eisenbahnverwaltung z. B. untersteht dem Eisenbahnminister; aber die Festsetzung der Eisenbahntarife ist Sache des Finanzministers. Die bewaffnete Macht ressortiert naturgemäß vom Kriegsminister; soweit aber die bewaffnete Macht der Bekämpfung des Schmuggels an den Grenzen dient, ressortiert sie vom Finanzminister. Verträge mit fremden Staaten gehen das Ministerium des Auswärtigen an; Handelsverträge aber fallen in das Befugnisbereich des Finanzministers. Zu wessen Verwaltung sonst als zu der des Unterrichtsministers sollten Schulen gehören? Handelsshulen aber sind Institute, die das Finanzministerium einrichtet und Teitet. Solchen Kompetenzabsonderlichkeiten, die fich übrigens manchmal auch außerhalb Rußlands finden, begegnet man auf Schritt und Tritt. Selbst hochstehende russische Beamte finden sich darin nicht leicht zurecht. Dem Schreiber dieses stellte vor 24 Jahren der Gran- Naschtschelnit( Ober- Polizeimeister) von Petersburg einen Paß aus, dessen Träger allen Feierlichkeiten der Beisepung„ des allergcttesfürchtigsten Zaren Alexander II." beizuwohnen, Zeichnungen davon aufzunehmen ermächtigt und allen Behörden zur Förderung seiner Arbeiten empfohlen wurde. Wie in der Peter- Pauls- Kathedrale der damalige Hausminister Graf Adlerberg dem Paßinhaber sagte, hatte der GranNaschtschelnit seine Befugnisse überschritten, denn diese reichten nicht in das Innere der Kathedrale, nur bis an die Der Eselsmüller und die Falschmünzer. Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte vorbehalten. 25) ( Nachdruck verboten.) " Die Gendarmen, fuhr der junge Weishaupt fort, stellten sich deshalb an der Grenze auf, um Euch abzufangen", über die Grenze dürfen sie aber nicht. Hier Better seid Ihr sicher. Gottlob, daß Ihr nicht die Straße geritten seid. Ihr seid doch so treu und gut, was gibt man Euch denn die Schuld? „ Sei stille, mein Junge, fein Wachtmeister soll meine Mühle noch einmal betreten". " Ach, Eselsmüllers- Vetter, es droht Euch irgend eine Gefahr, mir ist so bange". " Haft recht, Junge, mein Schifflein will stranden, doch der Eselsmüller geht nicht unter, hörst Du's, mein Junge? Aber ein Wrack wird noch oft ans Land gebracht. Und", segte er, als set er allein, hinzu, der Eselsmüller läßt sich nie fangen, hört es Ihr Spürnasen, Ihr sollt von dem dummen Eselsmüller in seiner Zippelmüge alle Genaseführt werden, ohne Ausnahme". Erschrocken blieb der junge Weishaupt stehn, so aufgeregt hatte er den Vetter Eselsmüller noch nie gesehen. Der Eselsmüller schwieg einen Augenblick, dann sagte er: Komm, setz Dich auf". Weiter ging es jetzt an der Schneifaer Brückenmühle vorbei, als ob man begegnete ihnen der Förster Riegelmeter." Wohin Außenmauern. Bei derselben Gelegenheit war es geschehen, daß der Unterrichtsminister die Lehrerschaft von Petersburg aufgeboten hatte, alle Schulkinder zur Peter- Pauls- Kathedrale zu führen, um der Leiche des allergottesfürchtigsten Zaren Alexander II. ihre Ehrfurcht zu erweisen," und daß die Lehrerschaft mitsamt den Schulkindern im Vorhof der Kathedrale bleiben mußte, weil der Unterrichtsminister so wenig wie der Ober- Polizeimeister über den Eintritt in die Kathedrale, in der der Zar aufgebahrt lag, zu verfügen hatte. Der Entwurf einer Ministerialverfassung, den der Graf Solßkysche Sonderausschuß prüfen soll, ist überaus merkwürdig. In anderen Ländern haben die Ministerkabinetts entweder eine Kollegialverfassung, nach der die Minister alle Kollegen sind und in dem Premierminister nur den Ersten unter Gleichgestellten sehen, oder der Premierminister ist der Vorgesetzte seiner Kollegen, die auf seinen Vorschlag ernannt und unter Umständen auch wieder beseitigt werden. Die Kollegialverfassung ist z. B. in Preußen, die andere in England eingeführt. Das der Prüfung des Grafen Solẞky überantwortete Programm aber fennt zwei Klassen von Ministern. Zur ersten Klasse gehören der Premierminister, der Kriegs- und Marineminister, der Minister des Auswärtigen und der des Kaiserlichen Hofes. Diese haben direkten Vortrag beim 3aren. Die Minister zweiter Klasse haben nicht direkten Vortrag, müssen ihre Anträge und Vorschläge vielmehr durch die bevorzugten Kollegen an den Zaren bringen. Zu den Ministern zweiter Klasse gehören der Unterrichtsminister( oder Minister für Volfsaufklärung, wie er in Rußland genannt wird), der Landwirtschafts- und Domänenminister, der Eisenbahnminister und der Finanzminister. - Die Zurückstellung gerade des Finanzministers ist ungemein auffallend. Der Finanzminister hat überall sonst ein natürliches Uebergewicht über seine Kollegen, die auf ihn angewiesen sind, die erforderlichen Mittel zu erhalten. Der Finanzminister ist in der Regel der geborene Vizepräsident eines Ministeriums, wie es z. B. von der Heydt, Camphausen, Miquel in Preußen gewesen sind, auch wenn sie den Titel nicht hatten. In Rußland hatten Wischnegradski und mehr noch sein Nachfolger Witte eine weit überragende Stellung, wie schon die oben angeführten Beispiele der RessortAbnormitäten zeigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß eben die Erinnerung an Wittes Uebergewicht es gewesen ist, die den Vorschlag gezeitigt haben, dem Finanzminister in Zufunft eine untergeordnete Stellung anzuweisen, eine Stellung, die Witte ganz gewiß nicht würde einnehmen wollen. Hier haben sicher persönliche Intriguen auf die Gestaltung der vorgeschlagenen Ministerialberfassung eingewirkt. Es unterliegt feinem Zweifel, daß ein tüchtiger Finanzminister berſtehen würde, seinem Amt eine viel höhere tatsächliche Geltung zu geben, als ihr formal eingeräumt ist; es unterliegt aber auch feinem Zweifel, daß Witte sich sträuben würde, eine Stellung zweiten Ranges einzunehmen, nachdem er lange Jahre hindurch eine Stellung ersten Ranges be„ So, das hast Du gehört? Tut nichts, bleibe Du nur daheim und versehe Deinen Posten, der Eselsmüller füttert für die Zukunft keine Förster mehr! Gute Nacht, Förster". Im Trabe ging es weiter. Bei dem Eselsmüller ist etwas nicht mehr flar, der Mensch kommt mir so sonderbar vor, war immer so eigenartig. Doch jezt muß es etwas ganz besonderes sein, auch weil der Weishaupt bei ihm war. Vor zwei Stunden eilte derselbe von der Mühle den geraden Weg nach Schneifa zu und jetzt kommt er mit dem Müller diesen Weg zurück? Da scheint etwas im Taubenschlage nicht richtig zu sein. Na, werden's abwarten, habe so manches Urteil in lezter Zeit gehört. Eines ist sicher, ohne den Eselsmüller hätte ich meine Familie nicht ernähren können". Was faselt Ihr da, Förster?"- er hatte laut sein Selbstgespräch geführt- sprach jetzt der H... Häuser Schulze Finger. " Guten Abend Schulze, habt Ihr nicht eben den Eselsmüller hier vorbeireiten sehen? Der junge Köhler war bei ihm. Dieses ist sein Weg nicht zur Eselsmühle. ,, Schulze, da steckt was dahinter", sprach der Förster. Förster", erwiderte der Schulze ,,, meine Urahne sagte, so oft sie etwas lebles von anderen erfuhr: ,, Laßt nur ruhig alles seinen Gang gehen. Der Krug zerbricht endlich doch am Brunnen". So geht es auch noch dem Eselsmüller. Doch jetzt, gute Nacht, ich muß noch nach Sassenburg in die Apotheke, es wird schon spät". Dies Der Eselsmüller war länger als eine halbe Stunde event. früh die Eselsmühle ganz umgehen wolle. Bet H.... hausen sagend, eilte er der Obermühle zu. ! fleidet hat. Herr Witte soll den Finanzministerposten abTchnen. Ob er dann Premierminister wird? Dem Premierminister ist in dem in Rede stehenden Projeft ungefähr die Rolle eines englischen Premiers zugestanden: die Ernennung der Minister erfolgt durch ihn mit kaiserlicher Bestätigung. Nicht unwesentlich ist, daß keine die Verwaltung betreffende Maßregel in Zukunft ohne Beschluß des Ministerrats und ohne kaiserliche Genehmigung in Kraft treten soll. Damit ist der Ressortwillkür einigermaßen vorgebeugt. Eine Ergänzung ist noch dringend nötig: Die Abgrenzung der Befugnisse der Generalgouverneure in den Provinzen, die zuweilen die Befugnisse der einzelnen Minister illusorisch nachen. Die Unruhen in Deutsch- Afrika. Aus halbamtlichen Kreisen bestätigt man jeßt, daß die Unruhen unter den Eingeborenen im nordwestlichen Teile des Konzessionsgebietes der Gesellschaft Süd- Kamerun auf die Art und Weise zurückzuführen sind, wie der Kautschukhandel betrieben wird. Zurzeit streiten sich die Vertreter der Gesellschaft Süd- Kamerun und die der Küstenfirmen darüber, wer eigentlich der schuldige Teil ist. Aus den gegenseitigen, sich einander gegenüberstehenden Behauptungen ist natürlich keine Klarheit zu gewinnen, obwohl nicht direkt beteiligte Kreise dazu neigen, den größeren Teil der Schuld den Küstensirmen beizumessen. Bei dieser Lage der Dinge ist es zu begrüßen, daß die Kolonialregierung schon seit längerer Zeit eingehende Erhebungen über die Ursachen der Unruhen anstellt. Vor einiger Zeit hat die Kolonialregierung auch dem Gouverneur anheimgestellt, mit dem Abschluß der Erhebungen einen richterlichen Beamten zu betrauen. Wenn endlich Ruhe in den Kolonien eintreten soll, müssen natürlich ebenso scharf die von Weißen hervorgerufenen Mißstände beseitigt werden, wie gegen die Auflehnung der Eingeborenen vorgegangen wird. Ueber die Rebellion in Deutsch Ostafrika äußert sich neuerdings ein Engländer, daß ein freundlicherer und menschlicherer Gouverneur als Graf Gößen von Dar- esSalam nicht gefunden werden kann. Dasselbe kann von der Mehrheit der ihm unterstellten Distriktskommissare gesagt werden. Die angenommene Politik ist streng disziplinarisch, aber in Wirklichkeit nicht unfreundlich. Die Hüttensteuer ist niemals übertrieben und wird ganz und gar erlassen, menn eine Hungersnot eintreten sollte. Ist die Ernte schlecht, so wird sie den Verhältnissen des Distrikts entsprechend vermindert. Leute, die von der Regierung beschäftigt werden, werden von dieser besser bezahlt, als von den Händlern... Wo es früher für einen Europäer ohne bewaffnete Begleitung und eine reichliche Ladung von Kaliko und anderen Waren zum Zwecke des Loskaufs von UeberDer junge Weishaupt reichte ihm seine Hand und sprach: Was Euch mein Vater gelobet hat, gelobe ich Euch auch". ,, Recht so, mein Junge, ich habe mich also in Dir nicht getäuscht. Nun höre, was ich sage. Vielleicht Doch das tut siehst Du mich jetzt zum letzten Mal. nichts, für Dich und andere sorge ich erst. Du sollst derjenige sein, welcher meine Anweisung ausführt, es sind lauter ehrliche Handlungen. Ich will Dir es jetzt sagen. Der arme Eselsmüller ist ein grundreicher Mann. Nicht durch Falschmünzeret, wie jetzt die Kunde geht, nein, durch rastlosen Handel. Die Falschmünzeret hat nur den anderen, meinen Kreaturen nüßen sollen. War aber an allen, soweit ich jetzt es übersehen fann, vergebliche Mühe. Allerdings habe ich die Falschmünzer begünstigt, wo ich nur konnte. Habe viele Scheine und Brabanter in den Verkehr gebracht. Doch davon ist mein Reichtum nicht. Bei deines Vaters Kohl wurde vieles gemacht, wovon Dein ehrlicher Vater feine Ahnung hatte. Alle Fäden der ganzen Falschmünzergesellschaft hatte ich in Händen. Dadurch brachte mir der Viehhandel, Stahl- und Leinwandvertrieb, sowie der Handel Nordhäuser viel Geld ein. Meine Helfershelfer sind fast alle, bis auf wenige, verschwunden oder zu Grunde gegangen. Mein Reichtum an guten, französischen und englischen Goldstücken ist nicht so gering. Wir reiten jetzt, ehe ich zur Du sollst es verteilen. Mühle gehe, zu meiner Schazkammer. Du wirst Dich wundern, wo dieselbe ist". i Stockwerte elsmüller, dies ist doch der Weg nicht zu Deiner schweigsam dahingeritten. Der junge Weishaupt störte sagen. Was er soeben hörte, war ihm alles zu wunderreppe fönn üble? Es scheint, als währest Du vom rechten Wege dieses Schweigen nicht. Endlich hielt er an und sprachlich. ungen von ör hergeri Dofmannfir. abgekommen, warest in Fr...? " Halt'n Mund, Förster, bin vom rechten Wege abgekommen, es ist wahr, geht Dich aber nichts an. Suche Du nur für die Zukunft drauf zu bleiben..." ,, Eselsmüller, Du fängst an zu predigen. Heute erfuhr ich, daß Dein bester Freund, der Pfarrer von ... hausen fort sei." Weishaupt hatte still zugehört, was sollte er auch Beide ritten um die Mühle herum, trotzdem die zu dem jungen Manne: ,, Hier, Junge, hat Dein Vater Ttere nat dem Stalle drängten. Etwa tausend Schritt von der Mühle entfernt, stieg der Müller ab und band seinen ersten Kohl gebrannt. Damals lernten wir uns Dann winkte er kennen und gelobten uns gegenseitig unverbrüchliche die Esel an einen Haselnußstrauch. Treue. Wir haben sie gehalten. Nun höre, Junge: schweigend dem jungen Manne zu, ihm zu folgen. Ste Willt Du an Stelle Deines kindisch gewordenen Vaters schritten eine kleine Strecke zur Langenhalle, so hieß der treten, dann gib mir die Hand, denn dieser Platz ist Wald auf Fürstl. W'schen Gebiete, hinein. ( Fortseßung folgt.) mir heilig." fällen zu reisen unmöglich war, kann er heute mit seinem Spazierstock und mit Rupien auskommen. Die Eingeborenen werden zur Arbeit und zur Verbesserung ihrer Lage ermuntert. Fast jede Station hat einen Arzt, der sie ohne Zahlung behandelt. Streitigkeiten werden vor den Distriktskommissar gebracht, und ebendorthin flüchtet sich der unterdrückte Sklave, um seinen Freiheitsschein zu erhalten. Kindesmord, Straßenraub und Morde überhaupt, verschwinden und machen Frieden, Wohlhaben heit und Ueberfluß Plab. Die Eingeborenen sind in der Regel von heiterem Gemüt, und da man ihnen erlaubt, ihr einheimisches Bier zu trinken und bis zu einer gewissen Stunde ihre Tänze abzuhalten, so scheinen sie in der Tat nicht viel mehr zu wünschen. Sie können augenblicklich noch nicht ganz verstehen, weshalb man ihnen nicht den Gebrauch der Feuerwaffen und die Jagd auf Antilopen, Elefanten, Zebras u. f. w. nach Belieben erlaubt. Andererseits sehen sie nicht ein, weshalb die Regierung so freundlich ist, ihnen eine gute Anzahl von Rupien für das Erlegen von Löwen oder Leoparden zu zahlen und ihnen dabei auch noch die Selle abzukaufen. Sie verstehen auch nicht, weshalb sie nicht nach Belieben im Herbst das Gras abbrennen oder, wie früher, die Gummibäume verstümmeln dürfen. Wenn auch mitunter Strenge angewandt werden muß, so kann doch von einem grausamen Regiment nicht die Rede sein. Wir müssen es uns zweimal überlegen, ehe wir die deutsche Regierung in Deutsch- Ostafrika verurteilen. Vor allen Dingen soll ten wir großherzig genug sein, ihre guten Seiten, wo wir sie sehen, anzuerkennen. Ob die deutschenfeindlichen Landsleute des so vernünftig denkenden Engländers sich diese Worte zu Herzen nehmen werden? Politische Rundschau. Deutsches Reich. arbeitstag. Ueber die Maifeier referierte Abg. Fischer. Abg. Singer hatte den Ausfall der Essener Reichstagswahl zu einer begeiſterien Rede benutzt. Es ist eine Resolution eingegangen, die die Nevolution in Rußland sympathisch begrüßt. Neue Erklärungen zur Marokkofrage gab der in Paris weilende deutsche Gesandte Dr. Rosen in einem Interview. Nach Dr. Rosen handelt es sich darum, die zukünftigen Verhältnisse zu regeln, ohne daß irgend eine Zweideutigkeit eder ein Mißverständnis möglich ist. Unter solchen Umstärden kann man die zutreffende Entscheidung nicht genug überlegen, und es ist besser, das Einvernehmen um einige Stunden zu verzögern, als ein hinkendes Abkontmen zu improvisieren, welches eine Quelle für künftige Zwistigfeiten sein würde, anstatt eine endgültige Bürgschaft des Friedens zu sein. Deutschland suche ein billiges, für beide Länder ehrenvolles Abkommen zu erreichen, welches ihre natürlichen gegenseitigen Interessen respektieren und ihre gerechtfertigte Eigenliebe nicht verlegen soll; ein dauerhaftes, feine Hintergedanken zulassendes Abkommen. Man überhaste feine Lösung, wenn es sich um so ernste Fragen im Leben zweier großen Völker handelt. Die Gerüchte über beabsichtigte Hafenerwerbungen Deutschlands von Marckko werden in Paris dementiert. * * In Rußland wurde vor kurzem der Anarchist Kasprzak hingerichtet Er war preußischer Untertan und die Reichstagsabgeordneten Auer, Gerisch, Molkenbuhr, Pfannkuch und Singer hatten die Intervention der deutschen Regierung zugunsten des Kasprzak erbeten, an dem aber mittlerweile der Urteilsspruch vollzogen wurde. Darauf hat jetzt Staatssekretär Freiherr von Richthofen geantwortet, daß die Rechtslage nicht geflärt und der deutsaje Botschafter in Petersburg angewiesen sei, Ermittelungen anzustellen. Oefterreich- Ungarn ** Vor dem Budapester Untersuchungsrichter in der Zeyssig- Angelegenheit erschien unerwartet Baron Banffy und verlangte eine Abschrift seines Briefes, der sich bei den Aften befindet. Der Brief lautet folgendermaßen:„ Geehrter Herr Zigany! Ich erachte es für unstatthaft, daß die in deutscher Sprache erschienene Broschüre in ungarischer Sprache veröffentlicht wird. Ueberhaupt erachte ich nicht den Inhalt derselben den ungarischen nationalen Gesichtspunkten entsprechend. Es genügt, wenn das ungarische Bublifum den Inhalt derselben aus den Auszügen der Blätter erfährt. Den 16. August. Banffy."-- Wenn der Brief so lautet, wird Banffy schwerlich noch länger seine Meitschuld on den mit der Broschüre bezweckten Machinationen ableugnen können. Als Folge der Fleischteuerung ist in Baden eine Bewegung zugunsten der Bildung von Milchverkaufsgenossenschaften entstanden. Die Milch war im Preise um 3 Pfg. pro Liter von Produzenten und Händlern erhöht worden. Bei den Konsumenten zeigte sich eine Gegenbewegung, die namentlich von dem Stadtrat zu Karlsruhe unterstützt wurde. Die Stadt Karlsruhe zieht die Einrichtung von stätdischen Verkaufsstellen für Milch in Betracht, um erträgliche Preise möglich zu machen. Diesen Gedanken hat der Verband badischer landwirtschaftlicher Konsumvereine aufgegriffen, und er will die Stadtverwaltung darin unterstüßen. Inzwischen hat der Stadtrat einen weiteren bedeutungsvollen Beschluß gefaßt, er tritt in eine Prüfung der Frage ein, ob es sich nicht empfiehlt, die für städtische Zwecke nötige Milch, also die Milch für das Krankenhaus, das Armenpfründnerhaus, die Armen und den Stadtgarten, in eigener Regie der Stadt zu produzieren. In der Fleischnotfrage beschlossen die Stadtkollegien zu Osnabrück, sich dem Vorgehen der anderen Städte gegenüber dem Bundescat anzuschließen.- Der Vorsitzende des deutschen Landwirtschaftsrats richtete ein Schreiben an den Reichskanzler, in dem dieser ersucht wird, keineswegs den Wünschen auf Leffnung der Grenzen für die Vieheinfuhr nachzugeben. ** frankreich. Zwischen Frankreich und Venezuela scheint es nun ebenfalls zum Konflikt zu kommen. Der französische Gesandte hat gegen die Schließung der französischen Telegraphenstation und die Ausweisung des Direktors aus Venezuela Protest erhoben. * In dem heiß umstrittenen Reichstagswahlkreis Essen hat die Ersagwahl das Resultat gehabt, daß eine Stichwahl zwischen dem Zentrumskandidaten Giesberts und dem Sozialdemokraten Gewehr notwendig wird. Die sozialdemotratischen Stimmen haben seit der lezten Wahl stark zugenommen. Bisher war der Wahlkreis in Händen des Zentrums. Russland. ** In Riga wurden zwei politische Verbrecher aus dem Gefängnisse befreit. Bei Nacht drangen mehrere Personen in das Zentralgefängnis ein, töteten zwei Wächter und einen Schußmann, verwundeten mehrere andere Beamte und befreiten mit Gewalt die Gefangenen. Zwei an der Tat beteiligte Personen sind verhaftet worden. In Baku dauern die Mordtaten und die Räubereien an. Die Tataren be= nuten bei ihren Ueberfällen Hieb- und Stichwaffen, um nicht durch das Schießen das Militär herbeizulocken. Alle Verkehrsstraßen sind wegen der Räubereien unsicher. Eine Vande von Tataren wurde von Kosaken bis in ein armenisches Kloster in der Provinz Eriwan verfolgt und dort zerniert. Das Militär war jedoch machtlos, denn Mohammedaner eilten zum Entsaz herbei und befreiten die Eingeschlossenen. In Odessa wurde eine ganze Division Infanterie und dreizehn Schnellfeuergeschüße zu Schiffe nach Batum verladen, um die Unruhen im Kaukasus zu unterdrücken. Aficn. Nach aus dem rheinisch- westfälischen Industriegebiet fommenden Meldungen sollen in der Angelegenheit des Grubenfelder- Ankaufs in dieser Woche noch Besprechungen gwischen preußischen Regierungsvertretern und den Hauptbeteiligten an dem Erwerb von der Internationalen Bohrgesellschaft stattfinden. Es soll eine Beteiligung des Fisfus an der zur Kohlenausbeutung gebildeten Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Frage stehen. den Berichterstattern freisteht, mündliche Erklärungen hinzuzufügen. Die einleitende Ansprache hielt Präsident Dr. Boe. dicker. Er dankt zunächst den Herren Fuster und Bellom dafür, daß sie sich in den Ländern mit französischer Sprache als Apostel der deutschen Arbeiterversicherung erwiesen haben. Sie haben namentlich die deutschen Geseze und deren Kommentare ins Französische übersetzt und die Kenntnis der Materie verbreitet. Auch sonst ist für die Verbreitung der Arbeiterversicherungsidee mancherlei geschehen. Man hat sich mit der von Deutschland zuerst eingeführten Zwangsbersicherung, die allein eine allgemeine Versicherung berbürgt, mehr und mehr befreundet. Das geht auch aus den neueren Entwürfen für Arbeiterversicherung hervor. Es wird oft gesagt, die deutsche Arbeiterversicherung sei eine ,, staatliche". Dies ist aber unrichtig. Der Staat hat das Versicherungswesen nur durch Gesetz geordnet. Die Durchführung der Arbeiterversicherungsgesetze ist durchaus auf privater Grundlage geordnet. Zum Beispiel hat man von Staats wegen bei der Einführung des Unfallversicherungsgesetzes nichts anderes getan, als die Modalitäten festgelegt, mit Hilfe deren die Unternehmer die Unfallversicherung der Arbeiter organisieren konnten und zwar auf den Boden der Selbstverwaltung. An der Selbstverwaltung darf nicht gerüttelt werden. ** Nach den Acußerungen des chinesischen Gesandten in Newyork will China mit dem Bau von Eisenbahnen vorgehen. Der Bau einer Stammeisenbahnlinie unter chinesischer Leitung sei geplant, die die drei Zentralprovinzen Chinas von Stanton nach Beting durchschneiden solle. Die Eisenbahn Santon- Hankau deren Konzession kürzlich von den Amerikanern an China zurückgegeben worden sei, solle den südlichen Teil dieser Eisenbahnlinie bilden. * Auf dem in Sena tagenden sozialdemokratischen Garteiing sind nach dem Bericht der Wandatprüfungs- Kommission 308 Personen anvejend, davon 251 Delegierte mit 258 Mandaten, ferner 40 Reichstagsabgeordnete, 17 Vorstandsmitglieder, Parteibeamte u. f. w. Professoren, Studenten und andere Personer aus bürgerlichen Kreisen machen häufig von dem Rechte Gebrauch, gegen eine Eintrittsgebühr von 50 Pfennig fich Zutritt zum Saale zu verschaffen. In der Debatte über den Geschäftsbericht des Parteivorstandes nimmt der Streit über die in Hessen vorgekommenen Kompromisse mit anderen Parteien einen breiten Raum ein. Schließlich wird dem Vorstande Decharge erteilt und die Resolutionen gegen die Fleischnot, für den Frieden und gegen die Redeverbote angenommen. Den Bericht über die parlamentarische Tätigkeit erstattet Abg. Förster. In der Debatte spricht sich Abg. Bernstein entschieden gegen die Bc. handlung aus, die der Neichstag erfahre, und bezeichnet den Bräsidenten Grafen Ballestrem als den gefährlichsten Reichstagspräsidenten für die Rechte des Reichstages; besonders moniert er es, daß Ballestrem die Mitteilung der Zwischenrufe im Bericht nicht mehr zulasse. Andere Redner ferdern daraufhin, die Fraktion solle im Reichstage, ruppiger" auftreten. Schließlich werden Resolutioner angenommen, betr. die Trennung von Staat und Kirche, die Reform der Militär- Justiz, den zehnstündigen MarimalAfrika. ** Kaiser Menelik hat die Thronfolgefrage in Abessynien geregelt. Er ernannte seinen Neffen Ligg Manu zum Regus von Caffa und zum Thronerben des äthiopischen Kaisertums. Amerika. ** In Mittelamerika sollen politische Unruhen ausgebrochen sein, wie aus Panama gemeldet wird. Präsident Reyes soll sich in Bogota zum Diftator erklärt und die Mitglieder des Obersten Gerichtshofes gefangen gesetzt haben. Der Pöbel griff seinen Palast an, die Truppen gaben Feuer, und viele Leute wurden getötet und verwundet. In Antioquia und Santander brachen nach allerdings ebenfalls unbestätigten Nachrichten Empörungen aus. Hof und Gesellschaft. † Achtzehn F in Graubündte Achtzehn ichind † Der Tod Häuptiinge au storben. Er jeiner Leitung amerikanischen Leben verlor fich später mit Ku PF Gine Gh erhielt der ber lichen Schaufp mit dem Ran felger wurde chef in Würzb NR Der Gh lienifche Schrif Cattin, der Pr fcheiden lajfen Deshalb hat fich laffen, um die Die Vorberichte geben manche interessante Tatsachen. Sir John A. Cockburn, Generalagent für Südaustralien, berichtet über die gemeindliche Fürsorge, die man in einzelnen Bezirken Südauſtraliens in auskömmlicher Weise für Altersinvaliden getroffen hat. Graf Skarzynski teilt mit, daß für Rußland die Ausdehnung der Arbeiterversicherung, insbesondere der Unfallversicherung, bevorstehe. Oberdirektor John May aus Stockholm schildert die neueren schwedischen Bestrebungen, und königlicher Rat Gelléri die ungarischen. Professor Henderson aus Chicago gab aber der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich auch in Amerika die obligatorische Arbeiterversicherung Bahn brechen werde. Heute hielt Regierungsrat Koegler einen Vortrag über Arbeitenversicherung und Rechtsbewußtsein, an den sich eine lebhafte Debatte schloß. Dann begann die Beratung über die Vereinfachung der Arbeiterversicherung. Geheimrat Dr. Boedicker als Referent trat für Aufrechterhaltung der Krankenversicherung ein, dagegen für grundjäßliche Vereinigung der Unfalls-, der Invaliditäts- und der Alter sversicherung in Verwaltung und Justiz. *** Der Kaiser nahm gestern an dem Manöver in der Nähe von Belzig teil. Ein markierter Feind hatte eine Stellung bei Bergholz besezt, wo auch der Kaiser Aufstellung nahm. Das 3. Korps machte einen Angriff, eröffnete ihn mit einem längeren Artilleriekampf und ging schließlich zum Sturm über. Um 12 Uhr hielt der Kaiser Kritik ab, begrüßte hierauf die Truppen, indem er die zum Vorbeimarsch formierten Kolonnen abritt, nahm den Parademarsch ab und ritt darauf nach der Stadt zurück, von wo er sich nach der Wildparkstation begab. Das Publikum bereitete dem Kaiser lebhafte Ovationen. Morgen trifft der Kaiser in Rominten ein, wo auch die Kaiserin mit der Prinzessin Victoria Luise erwartet wird. Die deutsche Kronprinzessin Cäcilie verlebte ihren Geburtstag in Homburg v. d. H., wo ihr seitens der Stadt ein großes Blumen- Arrangement überreicht wurde. Der Aufenthalt der Kronprinzessin in Homburg ist bis zum 5. Oftober verlängert. Die erste Gattin des Sultans ist von einem Brinzen entbunden worden. Heer und flotte. Dab und Fern. † Selbstmord des Mörders. Der Kutscher Nichter, der Mörder der in der Hafenhaide tot aufgefundenen Arbeiterin Bioch, ist jetzt entdeckt, indessen nur als Leiche. Er wurde in einem Stalle des Gestüts Wendemarck bei Bärenklau, wo sein Schwiegervater in Stellung ist, erhängt aufgefunden. † Das Auto als Kindesmörder. Zwischen Boppard und Koblenz überfuhr ein Automobil zwei auf der Landstraße gehende Kinder. Eins wurde getötet, das andere ist tödlich berlegt. Nener Chef des bayerischen Generalstabes. GeneralTeutnant Ritter von Endres, der ehemalige bayerische Bevollmächtigte beim Bundesrat, wurde zum Chef des Generalstabes der bayerischen Armee und zum Inspekteur der Militärbildungsanstalten ernannt. Arbeiterverficherungs- Kongrefs. ( Eig. Bericht.) Wien, 20. September. † Mit der Sense enthauptet. In Kranach in Steiermark sah sich ein mit seinem Knechte auf der Wiese mähender Bauer veranlaßt, den Knecht wegen seiner Arbeit zu tadeln. Darob geriet dieser derartig in Wut, daß er gegen seinen Herrn mit der Sense vorging. Mit einem einzigen Hiebe trennte er ihm das Haupt vom Leibe. Der Mörder wurde sofort verhaftet. † Hilflos anf See. Der Lloyddampfer Bremen" erlitt auf der Fahrt von Newyork nach Bremen einen Bruch der Schraubenwelle, wie man annimmt, infolge Zusammenstoßes mit einem unter Wasser befindlichen Wrack. Der Dcmpfer wurde von den Wellen hilflos umhergetrieben, bis endlich der Dampfer Lucigen" die Signale der„ Bremen" bemerkte, sie ins Schlepptau nahm und nach Halifax bugsierte. Die Entwickelung der Arbeiterverhältnisse in den verschiedenen Ländern" gab dem gestrigen Tage das Progranun. Aus jedem Lande liegen Vorberichte von Sachkundigen über den Stand der Dinge seit der Gründung des internationalen Kongresses für Arbeiterversicherung vor. Im ganzen eristieren 21 solcher Berichte, die gedruckt sind und für die es † Räuberischer Ueberfall im Bahnhof. Auf dem Hauptbahnhof in Zürich betrat zu einer Zeit, da der größte Berfehr herrschte, ein junger Italiener einen dicht neben dem Telegraphenbureau belegenen Uhrenladen und stach der Verkäuferin sein Messer tief in den Kopf. Sie vermochte noch in die Halle zu stürzen und um Hilfe zu rufen. Der Räuber wurde ergriffen und von dem Publikum fast gelyncht. † Ueberfall auf einen Studenten. Ein Student der Medizin wurde in Wien beim Nachhausewege von vier Burschen überfallen. Er erhielt erhebliche Verlegungen, und es 6. Sigung Gießen für 2. Gefe Gutscheinst mehreren Berba Truftabwehr- Au Entwurf einer des sogn. Guts Handelskammer Ausschusses zu 3. Betä Das Gefeß zu gewährte bisher des Ausverkaufs zugehen. Da a Reichstage, bief fchärfung bes Wettbewerbs od gefeges angeregt die Handelslamm welche Weise de entgegengetreten wurde ihm seine Geldbörse mit 25 Kronen geraubt. Zweider an dem Ueberfall beteiligten Burschen wurden ergriffen, es find Kellner aus dem Gasthause, in dem der Student den Abend verbracht hatte. † Feuer im Schiff. Auf dem englischen Dampfer ,, Cainryan" brach auf hoher See in der aus Phosphat und EspartoGras bestehenden Ladung Feuer aus. As man die Luken öffnete, um dem Brand zu Leibe zu gehen, wurden die Flam men durch den Luftzug erst recht entfacht. Man mußte daHer jeden Luftzutritt verhindern und die Boote für den Notfall flar halten. Se gelang es, den Hafen von Dundee zu erreichen, wo sofort die ganze Ladung überflutet wurde. † Von der Cholera. Auch in Stettin ist ein verdächtiger Fall vorgekommen; es handelt sich um einen in Bredow wohnenden Fleischergesellen. In Breslau ist an der Tochter eines Bootsmannes ein zweiter Fall von Cholera festgestellt. Auch im infizierten Gebiete sind einzelne Fälle vorgekommen. † Die Vulkane in Süditalien. Der Vesuv ist wieder in erhöhter Tätigkeit begriffen. Auch der Vulkan Stromboli ist in mächtiger Erregung. † 300 000 Mark unterschlagen. In Hamburg unterschlug der besonders in Schauspielerkreisen bekannte Kommissionär Julius Elfan bei einem Juwelier Brillanten im Werte von 300 000 Mart und wurde dann flüchtig. † Tod durch eine Hornisse. Auf merkwürdige Weise kam ein Bauunternehmer in Luxemburg ums Leben. Er verschluckte beim Trinken von Bier eine Hornisse. Das Insekt stach ihn in die Luftröhre. Nach einer halben Stunde stavb der Unglückliche an den Folgen des Stiches. † Kirchhofsschändung. In Chorzow bei Königshütte wurde bei Nacht der Kirchhof in entfeßlicher Weise verwüstet. Dreißig der schönsten Grabdenkmäler wurden völlig zerstört, viele andere Kreuze wurden umgerissen. Von den Tätern fehlt jede Spur. fannte an, daß berkäufe und die großen Echädigu Die Mehrzahl b laß eines Gewer bas Geschäftsleb als nötig in fei erklärte fich die aus den Herre Anzeigepflicht u Einstimmigkeit f Nachschubs bei 4. Ausga Frühjahr wurde ber die Reichsban 20 St. ermächtig nach Erlaß diefes 20 R. einzuzieh 5 Mt. in dem f Handelstammer ihrem Bezirk ein teiner Bapierwer aber mit den 2 flanden. 5. Rrant Werbetreibe Sießen war bie detaillirten Fra wendigkeit und verficherung& p worden. Die Rüdficht auf des Kammerb Krantenversich gesprochen, we führbar fein nicht erwünsch der Hausweber 6 Som fahrplan 1906 einigen fonftige gebender Wager Gießen- Raffelwährend der Ta wird sie den Anf Sießen ab 845 Coln- Gießen( Anhalten eines o in Nieder- Dhmen 7. Eingäng tammer mitge Drtsfernspreche a) Das Raiferlid Die bas bla ärungen bin Dr. Boe. und Bellom idher Sprache ang erwiesen ebe und deren die Kenntnis Verbreitung hehen. Man rten Zwangs cherung ber uch aus den herbor. E ung jei Staat hat Die Durb durchaus auj hat man bon versicherungs ten festgelegt, ficherung der en Boden der Sarf nicht ge e Latiachen. üdaustralien, man in einzeler Weise für fi teilt mit, bersicherung, † Achtzehn Häuser abgebrannt. In dem Dorfe Tamirs in Graubündten kam ein Feuer während der Nacht aus. Achtzehn schindelgedeckte Häuser wurden zerstört. † Der Tod des Häuptlings. Einer der letzten IndianerHäuptiinge aus der großen Zeit der roten Männer ist gestorben. Er führte den Namen Rain- in- the- Jair. Unter seiner Leitung verübten die Indianer den Ueberfall auf die amerikanischen Truppen, wobei auch General Custer das Leben verlor. Einst ein vic! verfolgter Pferdedieb, hatte er sich später mit der amerikanischen Regierung ausgeföhnt. Kunft und Wissenschaft. PF Eine Ehrung Pessarts. Aus Anlaß seines Rücktritts erhielt der berühmte Schauspieler und Intendant des königlichen Schauspiels in München den Titel Generalintendant mit dem Range eines Geheimen Rats. Zu seinem Nach felger wurde Freiherr v. Speidel, Oberst und Generalstabs. chef in Würzburg, ernannt. NR Der Cheprozeß eines Dichters. Der berühmte italienische Schriftsteller Gabriel' Annunzio lebt mit seiner Gaitin, der Prinzessin Gallese, in Unfrieden und will sich scheiden lassen. In Italien gibt es aber keine Ehescheidung. Deshalb hat sich d'Annunzio in der Schweiz naturalisieren lassen, um die Trennung iner Ehe zu meclion. 6. Sigung der Großh. Handelskammer Oberdiret. Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und eueren schwe éri die unga ab aber der rifa die obli werde. nen Vortrag ein, an den ann die Be rversicherung ür Aufred für grund täts- und d Midhter, der Arbeiterin Er wurde rentlau, too aufgefunden. Boppard und Er Landstraße ere ist tödlic Steiermari e mähender eit zu tadeln. gegen seinen nzigen Siebe Zörder wurde cemen" erlitt en Bruch der Zufammen Brad. Det getrieben, bis Er Bremen ach Halifa dem Haupt größte Ver t neben dem stach der Sie vermochte rufen. Der tum faft ge ent der Me er Burschen und es bt. Zwer ergriffen, Student den mpfer„ Cain und Esparto an die Luten Den die Flam Can mußte da für den Not bon Dunder flutet wurde. n verdächtiger n in Bredow in der Todit era feitgeftel borgekomm ist wieder an Sholi Furg unter annte Kom cillanten im tig. Weise tam n. Er ber Das Injekt Stunde starb Königshütte er Weije ver wurden böllig en. Von den Lauterbach. Gießen, 13. September 1905. ( Protokoll Auszug.) ( Schluß.) 2. Gesezliche Unterdrückung des sog. Gutschein systems im Warenhandel. Der von mehreren Verbänden des deutschen Tabatgewerbes eingesetzte Truftabwehr- Ausschuß hat den Verbündeten Regierungen den Entwurf einer gesetzlichen Bestimmung zur Unterdrückung des sogn. Gutscheinsystems im Warenhandel vorgelegt. Die Handelskammer beschloß, den Antrag des TrustabwehrsAusschusses zu unterstützen. 3. Bekämpfung des Ausverkaufswesens. Das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs gewährte bisher nicht die Möglichkeit, gegen die Auswüchse des Ausverkaufswesens mit dem gewünschten Erfolge vors zugehen. Da auch im hessischen Landtage, sowie im deutschen Reichstage, diese Frage erörtert worden ist und eine Verschärfung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs oder Erlaß eines gewerbepolizeilichen Sonder. gefeges angeregt worden ist, so hat das Großh. Ministerium Sie Handelskammer um ein Gutachten darüber ersucht, auf welche Weise den vorhandenen Mißständen mit Erfolg entgegengetreten werden könne. Die Handelstammer ertomas at, bak die außerordentliche Zunahme der Ausverkäufe und die hierbei zu Tage getretenen Auswüchse zu großen Schädigungen für das Geschäftsleben geführt haben. Die Mehrzahl der Mitglieder konnte jedoch nicht dem Er daß eines Gewerbepolizeilichen Sondergesezes zustimmen, da das Geschäftsleben schon jezt durch Gesetzesvorschriften mehr als nötig in seiner Bewegungsfreiheit gehemmt ist. Dagegen erklärte sich die Minderheit der Kammermitglieder, bestehend aus den Herren Röhr und Ihring, für eine polizeiliche Anzeigepflicht und Genehmigung der Ausverkäufe. Mit Einstimmigkeit sprach sich die Rammer für das Verbot des Nachschubs bei Ausverfäufen jeder Art aus. 4. Ausgabe fleiner Reichsbantnoten. Ja Frühjahr wurde dem Reichstage ein Gesezentwurf vorgelegt, der die Reichsbank zur Ausgabe von Banknoten zu 50 und 20 Mt. ermächtigte. Außerdem war in Aussicht genommen nach Erlaß dieses Gesezes die Reichstassenscheine zu 50 und 20 Mt. einzuziehen und nur Reichskassenscheine zu 10 und 5 Mt. in dem seitherigen Gesamtbetrage auszugeben. Der Handelskammer ist zwar nicht bekannt geworden, daß in ihrem Bezirk ein besonderes Bedürfnis nach der Vermehrung fleiner Papierwertzeichen hervorgetreten sei, sie erflärte sich aber mit den Bestimmungen des Gefeßentwurfs einverflanden. 5. Rrantenversicherung: der Hausge werbetreibenden. Von der Großh. Bürgermeisterei Gießen war die Handelskammer unter Zugrundelegung eines detaillirten Fragebogens um eine Auskunft über die Notwendigkeit und Durchführung der Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf die Hausgewerbetreibenden ersucht worden. Die Handelskammer hat sich bereits früher mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse der Hausindustrie des Kammerbezirks gegen eine allgemeine Ausdehnung der Krantenversicherung auf alle Hausgewerbetreibende ausgesprochen, weil sie ohne große Härten technisch kaum durch führbar sein würde und im Falle der Durchführung eine nicht erwünschtes Burückgehen der Hausindustrie, namentlich der Hausweberei, zur Folge haben würde. 6 Sommerfahrplan 1906. Für den Sommerfahrplan 1906 beschloß die Handelskammer, abgesehen von einigen sonstigen Blenderungen, die Einstellung durch gehender Wagen im Personenverkehr Frankfurt a. M.Gießen- Kassel- Bremen und in umgegehrter Richtung während der Tagesverbindungen zu befürworten. Ferner wird sie den Anschluß des Zuges 514 Gießen- Gelnhausen ( Gießen ab 845 Uhr abends) an den Schnellzug 82 Cöln- Gießen( Gießen an 9.5 Uhr abends) und das Anhalten eines oder mehrerer beschleunigter Personenzüge in Nieder- Dhmen beantragen. 7. Eingänge. a) Das Kaiserliche Poftamt Gießen hat der Handelsfammer mitgeteilt, daß gegenwärtig in der hiesigen Ortsfernsprecheinrichtung Vorrichtungen getroffen werden, die das Abläuten durch die Teilnehmer am Schlusse des Gespräches unnötig machen. Mit der Vornahme der Aenderungen ist begonnen worden. die b) Der Handelskammer sind Mitteilungen zugegangen über eine für 1906 geplante internationale Ausstellung in Marseille, die Mehlausfuhr nach Finland, Erschwerung des deutschen Weinhandels in Rußland, Versicherungsagenturen in Tripolitanien, Absatz deutscher Buzbaumwollen in Transvaal, die Förderung der deutschen Ausfuhr nach Lima, den Bau einer elektr. Straßenbahn und den Ersatz von Holzbrücken in Shanghai, die Einfuhr von Biskuits in bunten Blech dosen nach China, Absatzverhältnisse und Produktion des Staates Queensland und ihre Bedeutung für Deutschlands Ein- und Ausfuhr, Handel, Industrie und Verkehr in Brasilien, insbesondere in Rio de Janrieo, Erzmienen im Staate Maranhan, Absatz von Wasser messern, Textilwaren, Metallen, Hüttenindustrieartikeln in Chile, den Eisenbahnbau im Berzirke Tepic in Merito, die Erschließung der Waldungen des Staates Michoacan( Merito), ferner über zweifelhafte Firmen in Lille, Bukarest, Rustschuk, Varna, Konstantinopel, Kairo und Bombay. Die Eingänge fönnen während der üblichen Geschäftszeit im Büreau der Handelskammer eingesehen werden. Lokales. 20. September 1905. ** Der Großherzog empfing den Major von von Busch, aggregiert dem Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm ( 2. Großh. Hess.) Nr. 116, den Oberbaurat Helmer von Wien und den Baurat Paul. ** Erledigt ist die mit einem evangelischen Lehrer zu besezende I. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Münzenberg. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. ? Der Erbgraf von Erbach- Erbach. Man schreibt der Kleinen Presse" aus Darmstadt: Der 1883 in Erbach i. D. geborene Erbgraf Franz Erasmus, Sohn des regierenden Grafen von Erbach Erbach unterhielt Beziehungen zu der Tochter einer Waschfrau, die die gräfliche Wäsche besorgte. Als seine Eltern ihm wegen der Angelegenheit ernste Vorstellungen machten, entfloh der junge Graf mit der Geliebten und ließ sich in London mit ihr trauen. Als die Geldmittel zu Ende gingen, fehrte das junge Paar zurück und hat sich jetzt in der Bismarckstraße in Darmstadt eingemietet. Gestern fand in der Angelegenheit ein Familienrat aller zum Hause Erbach gehörenden Grafen statt, man will versuchen, den Standal aus der Welt zu schaffen. * Prämiierung auf der Jubiläumsausstellung in Mainz. Außer den gestern aufgeführten erhielten u. a. noch folgende Aussteller erste Preise und Ehrenpreise: In der Abteilung Rinder, Simmentaler: Gemeinde Oberder Gruppe Biegen: Gemeinde Windhausen, Ziegenzucht Hörgern, Burggutsverwaltung Schliz, A. Lepper- Bell. In verein Lauterbach und Alsfeld. * Kelterobft. Der Mangel an Relterobst macht sich jeßt, wo die Ernte in vollem Gange ist, start bemerkbar, Wetterau, Spessart und Taunus, sowie auch die nächste Umgebung Frankfurts, haben nur einen ganz geringen Ertrag aufzuweisen. Die Folge davon ist, daß hohe Preise gezahlt werden, 15 bis 16 Mt. das Malter. a. Klein- Linden. Mit dem Neubau eines Kinderschulgebändes wurde diese Woche begonnen. Das Spätjahr im Rohbau fertig werden. Gebäude, das gemeindeseitig aufgeführt wird, soll noch dieses a. Klein- Linden, 20. September. Stiftungsfest. Verflossenen Sonntag feierte der im Jahre 1889 gegründete, berzeit gegen hundert Mitglieder zählende Turnverein sein 15jähriges Stiftungsfeft. Nachmittags 2 Uhr fanden unter ziemlich starker Beteiligung der Ortsbevölkerung auf dem bisherigen Turnplage die beim Abturnen üblichen Vorführungen statt, denen eine Reihe Preisübungen folgte. Es errangen 10 Böglinge, nur 6 Mitglieder, Diplome. Das Resultat wurde am Abend bekannt gegeben. Um 5 Uhr begaben sich sämtliche Turner zum„ Bernhardtshäuserhof", in dessen geräumigen Saal ein Tanzvergnügen bis zum frühen Morgen folgte. § Abendstern, 20. September. Allgemeiner Güterverkehr. Unsere an der Bahnstrecke Lollar- Weglar gelegene Station, welche bisher nur dem Personenverkehr Gießen- Bieber, sowie den Anschlußwerken und Lagerplägen und dem Wagenladungsverkehr nach und von der Kleinbahn biente, wird vom 1. Oftober ab auch für den allgemeinen Güterverkehr, Eilstückgut, Frachtstückgut, Wagenladungen und Tierverkehr eröffnet. = Allendorf a. d. L. Wäschediebstahl. In der vorigen Woche wurden mehrere Stück Wäsche, die auf der Bleiche lagen, entwendet. Untersuchung ist eingeleitet. **** Lollar, 20. September. Die Bürgermeisterwahl findet nächsten Donnerstag, den 28. September statt. B.fremden erregt die Nachricht, so wird uns geschrieben, daß Polizeidiener Schmitt beabsichtigt, sein Amt nieder, zulegen, indem er in diesem Jahre um eine Gehaltserhöhung nachsuchte und dieselbe vom Gemeinderat bewilligt wurde. = Lauter. Die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie nach der Bich- Zuchtſtation Bingmühle ( Bimmer) wird demnächst in Angriff genommen. §§ Weitertshain, 20. Sept. In unserer Gemeinde wird gegenwärtig ein Schulhaus erbaut nach den Plänen des Baurats zu Gießen. Bereits erheben sich die Grundmauern, und man hofft den Neubau noch in diesem Herbste unter Dach zu bringen. Das neue Schulhaus ist für eine eintlasfige Schule mit einer Schülerzahl von ungefähr 70 Kindern bestimmt. Wie schon jetzt ersichtlich, wird der Reubau unserer Gemeinde zur Bierde gereichen. ? Wallenrod, 20. September. Unglück. Ein Tageföhner stürzte mit einer derartigen Wucht vom Scheunenboden auf die Tenne, daß er tot liegen blieb. Er hinterläßt eine Witwe mit 5 unmündigen Kindern. §§ Aus dem Ohrtal, 20. Sept. Die Kartoffelernte hat ihren Anfang genommen. Nicht nur die Quantität der diesjährigen Kartoffeln ist eine außergewöhnliche, auch ihre Qualität ist vorzüglich. Hoffentlich ermöglicht günftiges Herbstwetter ein gutes Einbringen. §§ Nieder- Ohmen, 20. Sept. Eine hiesige Frau zog sich eine anscheinend unbedeutende Verwundung am Fuße zu durch einen rostigen Nagel. Der Fuß schwoll an, es trat Blutvergiftung ein, und ist ist die Frau dieser Verwundung erlegen. Romrod, 20. September. Gestern Nachmittag wurde der Dachstuhl des Lädermeister Bornschen Hauses durch Feuer zerstört. §§ Ermenrod, 20. Sept. Die Wirkungen der neugeschaffenen Denkmalepflege machen sich bei der Renovierung der Kirchen bemerkbar. An den Kirchen hat man seither vielfach die Holzfachwände mit einem Speis überzug oder einer Bretterwand überdeckt. Diese Ueberzüge werden nun entfernt, die Ballen angestrichen und die Fachwände sichtbar gemacht. In dieser Weise ist unsere Kirche jetzt renoviert worden. Das Gleiche geschieht zur Beit mit der Kirche zu Ruppertenrod. Durch die neue, stilgerechte Herstellung der Kirchen unterscheiden sich diese im äußeren Aussehen weniger wie früher von den Bauernhäusern. -- Marburg, 20. September. Der Zodeswurf. Ein Reservist, der bei Neustadt eine Flasche aus dem Eisenbahnwagen schleuderte, traf einen Bahnwärter so unglücklich damit, daß dieser sofort tot zu Boden stürzte. * Marburg, 20. September. Nachdem anfangs April die Teilstrecke der Marburger Kreisbahn bis nach Ebsdorf dem Betrieb übergeben werden konnte, fand gestern die Betriebsübergabe der ganzen Siredke bis zu ihrem vorläufigen Endziel Dreihausen statt. Vormittags um 9 Uhr befuhr zunächst ein Revisionszug mit höheren Berwaltungsbeamten die ganze Strecke und in Ebsdorf wurde dann das Protokoll der landespolizeilichen Abnahme genehmigt. Um 1 Uhr mittags brachte ein Extrazug zahlreiche Festgäfte nach Dreihausen. Auf allen Stationen fanden Festakte statt und in Dreihausen schloß sich ein Festmahl an. Nach welcher Richtung die Bahn einmal Anschluß an die oberhessische Bahn sucht, ist noch nicht bestimmt. O Sanau, 19. September. Berhaftung eines Redakteurs wegen Zeugnisverweigerung. Das Schöffengericht verhandelte heute gegen den Stadtverordneten Hoch, der seiner 8eit 11 Stadtverordnete beleidigte, indem er die Behauptung aufstellte, die betreffenden Stadtrerordneten hätten zu einer Vorlage der Stadtverordnetenversammlung wider besseres Wissen abgestimmt. Zur selben Zeit brachte Beschuldigungen" erhoben, deren Autorschaft der Angeklagte die Frankfurter Boltsstimme" mehrere Artikel, die dieselben als Beugen. In der heutigen Berhandlung weigerte Bielowsti Hoch jedoch ablehnte. Das Gericht lub infolgedessen den verantwortlichen Redakteur der Bolte stimme", Bielowski, - sich aber, den Urheber der in Frage stehenden Artikel zu nennen, da die Bekanntgabe des Namens seiner Ehre als Redakteur widerspreche. Auf Grund dieser Zeugnisverweigerung wurde er zu 200 Mt. Geldstrafe, eventuell 20 Tagen Haft und zu einer sofort zu vollstreckenden Zeugnis zwangshaft verurteilt. Er wurde sofort in Haft abgeführt. Die Verhandlung wurde hierauf auf unbestimmte Zeit vers tagt. Das ist wider eine der Härten, wie sie die Prozesse, in die die Presse verwickelt wurde, schon so oft gezeigt haben. Der Beamte tann aus dienstlichen Rücksichten seine Zeugnis aussagen verweigern, der Redakteur muß sie machen. Der Bruch des Redaktionsgeheimnisses ist aber für den Redakteur eine unehrenhafte Handlung, zu der man ihn vor Gericht nicht nötigen soll. Die Ehre des Redakteurs ist ebenso viel wert, wie die eines anderen Staatsbürgers. > Mainz, 19. September. Zur Oberbürgermeisterwahl. Die demokratischen Stadtverordneten sprachen sich in der Dienstag abgehaltenen Stadtverordneten- Bersammlung einhellig für die Wahl des Ministerialrats Braun zum Oberbürgermeister aus. Gießener landwirtschaftlicher Wetterbienkt. Boraussichtliche Witterung in Seffen für Freitag, den 22. September. Beitweise heiter, fühl, allmählich aufheiternd. ( Näheres durch die Gießener Wetterkarte.) Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentell: Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beibe in Steken. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es fönnen eingestellt werden: 3 landw. Knechte, 2 Fuhrknechte, 9 Schlosser, 4 Spengler, 2 Schmiede, 1 Maschinist, 1 Sattler und Tapezier( für dauernde Arbeit), 7 Schreiner, Schneider, 2 Friseure, 2 Schuhmacher, Installateure, 20 Erdarbeiter, 1 Weißbinder, 2 Zimmerleute, 3 jüngere Hausburschen, Lauffrauen, Laufmädchen, Dienstmädchen, Hausmädchen. Lehrlinge: 2 Schlosser, 1 Schmied( gegen Vergütung), 3 Schreiner( auch gegen Vergütung), 2 Schuhmacher, 1 Friseur, 2 für Installation und Schlosserei, 1 Schreiber. Es suchen Arbeit: 2 Spengler, 1 Maschinist, 1 Strickerin, 1 Bäcker, 1 Weißbinder, Maurer oder Taglöhner, 1 Fahrbursche, 1 Rutscher, 1 Taglöhner für leichtere Arbeit, 1 Verkäufer.n, Lauffrauen und Laufmädchen, 1 Kindermädchen, Auslaufer, Haus oder Bureaudiener, Bureaugehilfen und Raffiere. Hausfrauen- Verein = Stellen- Vermittlung Giessen, Seltersweg 56, 1 ( nächst dem Volksbad) Unentgeltlicher Nachweis für Dienst, Haus- und Zimmermädchen Köchinnen, wärterinnen, Lauf: Puz- und Waschfrauen. Im Anschluß an den Kaufmännischen Verein: Verkäufer: innen, Buchhalterinnen, Kassierer= innen; an den HausbeamtinnenVerein Stützen, Kinderfräulein, Haushälterinnen, Gesellschafterinnen gegen vorschriftsmäßige Ge bühren. Eine Dame sagt es der anderen: Favorit der beste Schnitt. Mit einer bisher nicht gekannten Leichtigkeit und Sicherheit kann jede Dame, jede Schneiderin mit Hilfe der Favoritschnitte Kleidung von vorzüglichem Sitz und höchster Eleganz herstellen. Ein Versuch führt zu dauerndem Gebrauch. 1000e glänz. Anerkennungen, vielfach prämiirt. Jede Dame verlange das FavoritModen- Album( nur 60 Pf. franko) und das Jugend- Moden- Album( nur 50 Pf franko) v. d. Intern. Schnitt manufaktur, Dresden- N. 8. Feine Tafelbirnen zu verkaufen. Gießen, Frankfurterftr. 29. Ein wahrer Schatz für alle durch jugendliche Verirrungen Erkrankte ist das berühmte Werk: Dr. Retau's Selbstbewahrung 82. Aufl. Mit 27 Abbild. Preis 3 Mark. Lese es Jeder, der an den Folgen solcher Laster leidet. 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Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 16. Aug. 1905 ist der Frau Gertrude Weißenbach dahier die Erlaub nis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindevermieterin erteilt worden. Den Gebührentarif derselben bringen wir nachstehend zur öffentlichen Kenntnis: Mr. 223. Jafertionepre beffen, bie Kreife Rekl Redaktion u. a) für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen 5 Mt. b) für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts 7 Mt. für wovon der Dienstbote jeweils 2 Mt. zu entrichten hat. Gießen, den 18. September 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V. Roth. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Bismarckstraße zwischen Ludwig- und Stephanstraße bon heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 19. September 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth. Obstversteigerung. Samstag, den 23. 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