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Mittwoch, den 21. Juni 1905. Gießener 14. Jahrgang. Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Neueste Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Reform oder Revolution r ( Eigener Bericht.) Petersburg, 20. Junt Reformversprechungen und revolutionäre Schritte wechseln in Rußland einander ab. Manchmal treffen sie auch zu sammen, und dann hat es den Anschein, als ob die Vertreter der verschiedenen Richtungen nicht mehr dieselbe Sprache sprächen, als ob der Nachbar den Nachbar nicht mehr der stände. Schlimmer noch als alles Andere ist das freiwillige Mißverstehen, das die Absicht gegenseitiger Täuschung zui Voraussetzung hat. Der Moskauer Semstwo- Kongreß hat, wie man weiß, eine Adresse an den Zaren gerichtet. Diese Adresse spricht sich mit leidenschaftlichen Worten gegen die verrotteten Beamten und Ratgeber des Zaren, gegen den Despotismus und gegen das selbstherrscherliche Regiment aus. Sie ver langt mit aller Entschiedenheit und beinahe drohenden Tones die Berufung einer Nationalversammlung, die von allen Staatsangehörigen ohne Unterschied und mit gleichem Recht gewählt werden müsse, um über Krieg und Frieden zu ent scheiden und dem Land eine neue Organisation zu geben. Die Adresse schließt mit den Worten: Zögern Sie nicht, Majestät, denn groß ist in dieser Stunde furchtbarer nationaler Prüfung Ihre Verantwortung vor Gott und vor Rußland. Dem Semstwo- Kongreß wurde bedeutet, daß der Zar seine Vertreter nicht empfangen wolle, daß er seine Adresse, die inzwischen veröffentlicht worden war, auch nicht einreichen solle. Der russische Tchin", die Beamtenschaft, durch die Minister vertreten, und die reaktionäre Großfürstenpartei, gleichfalls durch die Minister vertreten, erachteten es als in ihrem Interesse liegend, den Zaren wissen zu lassen, was der Semstwokongreß, eine Versammlung sehr ruhiger und gemäßigter, zum Teil dem höchsten Adel angehöriger Männer, dachte und wünschte. Doch die gesellschaftlichen Beziehungen und der persönliche Anhang dieser Männer waren zu stark. Zwar nicht die Minister, aber die Hofleute des Zaren er wirkten der Vertretung des Semstwofongresses und der Stadt Petersburg eine Audienz. Die Minister wohnten ihr nicht bei. Doch ihr Geist war anwesend und sprach sich in den Worten aus, die sie dem Zaren als Erwiderung gus die Zunge gelegt hatten und die ein Muster inneren Wider spruchs darstellen. Der Zar konnte nicht umhin, den patriotischen Sinn der bor ihm erschienenen Vertreter des Semstwokongresses anzu. erkennen, mit ihnen das Kriegsunglück und die Wirrnisse im Inneren zu beklagen. Im übrigen aber lehnte er die Forderungen der Adresse und die Konsequenzen der ihm ge machten Vorstellungen unbedingt ab- nicht mit ausdrück lichen Worten, sondern bloß unter der Betonung der Sou beränität seines entgegengesezten Willens, der unerschütterlich sei. Die Wünsche der Kongreßvertreter tat er mit den einfachen Worten ab: Berstreuen Sie Ihre Bedenken!" Eine Standesvertretung will er berufen, nicht weil das Volk es berlangt, nicht weil die Intelligenz es befiehlt, sondern weil sein eigener ,, unerschütterlicher souveräner Wille" es vorschreibt. Von allgemeiner und gleicher Wahl, von einem gleichen Wahlrecht aller Untertanen des Zaren ist dabei keine Rede. Was die Vertreter des Semstivokongresses in. dieser Beziehung vorzutragen haben, wird gar keiner Erwähnung für würdig erachtet. Die Zulassung der Erwählten zu den Arbeiten des Staates wird ordnungsgemäß durch. geführt werden", heißt es in der Antwort des Zaren. Wem das noch nicht deutlich genug ist, dem muß die Be merkung die Augen öffnen, daß nach dem Zaren die neue Ordnung der Dinge in einer der ursprünglichen russischen Grundsätzen" entsprechenden Weise eingerichtet werden soll. Damit ist klargestellt, daß der Zar zurzeit mit seinen Ministern und der Großfürstenpartei vollkommen übereinstimmt, daß er nicht daran denkt, den Forderungen der Intelligenz in irgend einem Punkt nachzugeben. Die Volks. bertretung, die er berufen will, soll keinerlei Macht, nur eine beratende, keine beschließende Stimme haben. Was hier erzählt worden, hat sich am letzten Montag zugetragen. Die russische Regierung sorgte für rascheste Merkwürdigerweise war sie weit weniger Verbreitung. schnell bereit, die Oeffentlichkeit mit einem Vorgang bekannt zu machen, der nicht minder wichtig und beachtenswert war und sich vier Tage früher abgespielt hatte. In Barskoje Sselo haben einige hundert Offiziere eine gemeinsame Beratung politischer Art abgehalten, in der sie durch das Erscheinen des Generals Rehbinder gestört wurden, der Gehilfe des Großfürsten Wladimir, des Cheftommandanten des Petersburger Militärbezirks ist. Dieser bezeichnete die Versammlung ungesetzlich und verlangte ihre fofortige Auflösung. Die Versammelten aber verweigerten die Auflösung und erklärten ihrem Vorgesezten, daß sie nicht Polizeioffiziere und Henker sein wollten. General Rehbinder beharrte auf seine Forderung, daß die Offiziere auseinander gingen, und versprach für nahe Zukunft die Berufung einer gesetzmäßigen Versammlung. Das ist offenbare Revolution, ganz abgesehen von der Gehorsamsverweigerung. Wenn das Militär versagt, wenn die Offiziere selbst mit denen gemeinsame Sache machen, die sich gegen das selbstherrscherliche Regiment wenden auf wen soll sich denn der Zar stützen, um seinen ,, unerschütterlichen souveränen Willen" durchzusetzen? Wie will er die Reformen verweigern, die allseitig verlangt werden, und die mit dem ,, russischen Gedanken" nicht vereinbar sind, wie der Zar ihn versteht? Der Krieg in Oftafien. Die japanischen Diplomaten zeigen keine besondere Nei gung, die Verhandlungen über den Friedensschluß zu überstürzen. Wie der japanische Gesandte Takahira dem Präsidenten Roosevelt mitgeteilt hat, könnten die japanischen Bevollmächtigten bis zum 1. August in Washington eintreffen. Falls es für Rußland annehmbar sei, könne die Konferenz um diese Zeit zusammentreten. Bis zum 1. August vergehen noch sechs ganze Wochen. Bei der erneuten japanischen Offensive gegen das russische Feldheer unter General Linewitsch ist es nicht ausgeschlossen, daß bis dahin die Lage sich noch mehr zu ungunsten der Russen verschoben hat. Eine Zertrümmerung der Macht des an die Stelle Kuropatkins getretenen Generals würde den russischen Bevollmächtigten auch die letzten Trümpfe aus der Hand nehmen. Die Lage der russischen Feldarmee scheint in Wirklichkeit nichts weniger wie rosig zu sein. Die Gefechte der letzten Tage sind für sie unglücklich gewesen, die Japaner haben wichtige Positionen erobert und Linewitsch war gezwungen, zurückzugehen. Bereits ist Chengchiatun, das große russische Vorratsdepot jenseits der mongolischen Grenze bedroht und die japanischen Heersäulen drängen mächtig vorwärts. Ob die Russen eingeschlossen sind, wie vielfach behauptet wird, kann einstweilen nicht festgestellt werden; jedenfalls darf man von Marschall Oyama nach dem bisherigen Verlauf der Dinge erwarten, daß er seine Operationen mit großer Vorsicht trifft und nach einem genau vorgezeichneten Plane handelt. General Nogi führt wahrscheinlich eine Umgehungsbewegung wie bei Mukden aus und kann jeden Augenblick im Rücken der Russen auftauchen. Auf dem östlichen Flügel hält Kawamura die Russen im Schach und eine weitere Heeresabteilung der Japaner ist bestrebt, die Verbindung zwischen Wladiwostok und Charbin abzuschneiden. Bei dieser Sachlage fann man den Russen wirklich kein günstiges Prognostikon stellen und wenn nicht noch im letzten Augenblick eine faum zu erwartende Aenderung eintritt, muß das Zarenreich bei den Friedensverhandlungen eben flein beigeben. Es erhält sich übrigens das Gerücht, daß außer Nelidow auch Kuropatkin zum Bevoll= mächtigten bei den Verhandlungen mit Japan ernannt sei. Sicherlich aber merden die Sympathien für die russische Sache nicht gestärkt durch die Greueltaten von Kosaken, wie sie eben durch englische Kriegsberichterstatter befannt werden. Der Vorfall soll das Schlimmste gewesen sein, was bisher im Kriege vorgekommen ist. Die Abteilung Kosaken, die ganz unvermutet aufgetaucht war, feuerte zuerst auf kurze Entfernung mehrere Salven auf ein japanisches Lazarett ab und ritt dann mit gezogenem Säbel zum Angriff vor, obwohl die Aerzte und das Lazarettpersonal etwa 300 Mann durch ihre Abzeichen leicht als Zugehörige des Roten Kreuzes kenntlich waren und sich als solche kenntlich zu machen suchten und um Schonung baten. Die Kosaken schlugen wie wild auf das Sanitätspersonal ein und verwundeten viele Personen. Manche der russischen Reiter stiegen sogar ab und wüteten mit dem Bajonett gegen die Wehrlosen, die schreckliche Wunden erhielten. Schließlich wurden die Tragbahren, die Ambulanz- und die Vorratswagen mit den Arzneimitteln und Instrumenten in Brand gesteckt und die Schlafräume geplündert. Beim Rückzug schleppten die Kosaken 20 Aerzte als Gefangene mit sich. Es bleibt abzuwarten, was man in Rußland dazu sagen wird. Wenn auch die Nervosität der fortwährend geschlagenen Truppen verständlich erscheint, so darf das doch nicht soweit ausarten, daß zu der kriegerischeu Niederlage auch der vollständige moralische Zusammenbruch gefügt wird. Die Politik. Die Frage der deutschen Eisenbahn- Betriebsmittelgemeinschaft wurde in der württembergischen ersten Kammer angeschnitten. Der Minister des Aeußeren Freiherr von Soden erklärte, daß die Verhandlungen über die Betriebsmittelgemeinschaft in erfreulichem Fortschreiten begriffen seien und über kurz oder lang eine Verständigung erzielt werden dürfte. Vielleicht werde die Betriebsmittelgemeinschaft bereits im Oktober 1906 in Kraft treten können. Zu der Idee der Lotteriegemeinschaft zwischen Hessen und Preußen wird berichtet, daß eine Konferenz der hessischen, thüringischen und preußischen Minister und FinanzDezernenten stattgefunden hat. In dem wichtigsten Punkte soll ein Einvernehmen erzielt worden sein. * Mit der Verwendung vorbestrafter Lente im Justizdienst beschäftigt sich ein Erlaß des preußischen Justizministers. Der Minister führt aus, es liege keine Veranlassung vor, bestrafte Personen, selbst solche, die eine Freiheitsstrafe erlitten haben, von einer Beschäftigung oder Anstellung im Justizressort grundsäßlich auszuschließen. Es sei vielmehr in jedem Einzelfalle zu prüfen, ob nach der Straftat und der zutage getretenen Gesinnung anzunehmen sei, daß der Bestrafte eine solche Einbuße erlitten habe, daß seine amtliche Wirksamkeit beeinträchtigt oder das berechtigte Ehrgefühl der Mitarbeiter verlegt werde. * Einen bemerkenswerten Beschluß zur OstmarkenFrage hat der Hauptverein des Evangelischen Bundes in Bosen gefaßt. Danach beabsichtigt der Verein, mit den deutsch- nationalen Korporationen, auch denen der deutschen Katholiken, unter Wahrung seines protestantischen Charakters zusammenzugehen. Die Bekämpfung des Herero- Aufstandes macht weitere Fortschritte. Im Hereroland wurden von den auf die wichtigsten Orte verteilten Stationsbesatzungen in den letzten Wochen zahlreiche Streifzüge unternommen, namentlich in der Gegend von Waterberg, Owikokorero, Otjihangwe, Epufiro und in der weiteren Umgebung Windhuks. Hierbei sind insgesamt 120 Sereros im Gefecht gefallen, 572 gefangen acrommen, 60 Gewehre und einiges Vieh erbeutet worden. Das Kaukau- Veldt hatte Hauptmann v. Derben bereits im Mai vom Feinde frei gefunden. Im Nama- Land griff Hauptmann v. Ercfert den 6. Juni am Gamtoap- Revier eine Werft von Hottentotten der Bande Morengas an. Der Feind ließ 4 Tote und 4 Verwundete liegen, diesseits keine Ver= lufte. Die Nachricht, daß Hendrik Witboi auf englischent Gebiet bei Lehutitu size, wird erneut bestätigt. * Die vielfachen Gerüchte, die über Unruhen im Kamerungebiete fursierten, scheinen übertrieben gewesen zu sein. Der als gründlicher Kenner des Kamerungebietes bekannte Hauptmann Dominik, der aus Kamerun in Berlin eingetroffen ist, äußerte seine Ansicht dahin, daß die Verhältnisse in Kamerun nicht anders liegen, als sie überhaunt in den legten zwölf Jahren gewesen sind, * A In der Marokko- Angelegenheit scheint England einlenfer: zu wollen, da das offensichtliche Bestreben, Deutschland zu isolieren, feinen Erfolg gezeitigt hat. Von London aus wird bestätigt, daß der französische Botschafter in London, Cambon, nachdem er mit Lansdowne eine Besprechung der marokkanischen Angelegenheit gepflogen, dem Ministerpräsidenten Rouvier die Versicherung ausgesprochen habe, daß die von dem britischen Vertreter in Fes erklärte Ablehnung der Teilnahme Englands an der vorgeschlagenen Konferenz nicht den amtlichen und bestimmten Charakter hatte, den man ihr zuschrieb, und daß England sich der Haltuna, die Frankreich in der Konferenzfrage einnimmt, anschließen werde. Das heißt mit anderen Worten, der diplomatische Schachzua, der die Entzmeiung Frankreichs und Deutschlands herbeiführen sollte, ist mißglückt. Anscheinend sind Erhebungen über Verbesserungen im Gefängniswesen im Gange. Wie ein Berliner Blatt mitzuteilen weiß, sind an die Gefängnisärzte Rirkulare ergangen, in denen sie befragt werden. welche Verbesserungen sie für Lazarett und sonstige ärztliche Verhältnisse für erwünscht halten. Oefterreich- Ungarn Die Errichtung einer neuen deutschen Universität in Mähren beabsichtigt die Wiener Regierung. Bei der Beratung des Staatsvoranschlags soll diese Absicht, sowie eine Erweiterung der beiden Universitäten in Prag angekündigt werden. Ein genauer Reitpunkt für die Ausführung der Projekte ist noch nicht bestimmt. Italien. Eine ungemein wichtige Encyklika des Papstes über die staatlichen Aufgaben der italienischen Katholiken wird veröffentlicht. Sie betrifft die Tätigkeit der christlich- demokratischen Katholiken und der Geistlichkeit. Der Papst ermuntert darin zur Begründung von Volksvereinigungen, um die sich alle anderen katholischen Verbände volkswirtschaftlichen Charakters scharen müßten, und fordert die Katholiken auf, sich an dem öffentlichen politischen Leben zu beteiligen und zwar in einer der christlichen Zivilisation und dem materiellen Wohl des Volkes dienenden Weise. Der Papst fährt fort, die Kirche werde immer zeigen, daß sie die Fähigkeit habe, sich den der Zeit entsprechenden Bedürfnissen der bürgerlichen Gesellschaft anzupassen. Die Katholiken, die wirtschaftlichen Vereinigungen angehörten und an öffentlichen Verwaltungen teilnähmen, müßten immer von der Oberhoheit der Kirche abhängig sein, sollten hingegen, soweit rein weltliche Interessen in Frage fämen, weiteste Freiheit genießen. Der Bapst tadelt sodann diejenigen, die diesen Grundsätzen nicht folgten, und ermahnt die Geistlichkeit, sich von den Parteifämpfen fernzuhalten. Die bürgerliche Betätigung der italienischen Katholiken war bisher eingeschränkt durch die bekannte Bulle.Non expedit". die Babft Pius IX. nach der Aufhebung des Kirchenstaats erließ. So beteiligten sich die Katholiken zum größten Teil nicht an den öffentlichen Wahlen. Russland. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens macht sich die innere Gärung bemerkbar. Neuerdings verlautet, der Minister des Innern Bulygin werde sofort nach Durchberatung seines Projektes im Ministerrate seinen Bosten bar. lassen. Der Sturz des Großfürsten Aleris hat auch die Bosition seiner Geliebten, der Schauspielerin Baletta, er. schüttert. Der Dame sollen die unterschlagenen Gelder zugeflossen sein, die zur Vermehrung der Flotte bestimmt roaren. Sie ist verabschiedet worden und geht nach Paris, In wohin der Großfürst ihr wahrscheinlich folgen wird. Lodz forderte eine Volksmenge einen Gendarmen auf, vor einer roten Fahne die Müße abzunehmen. Als der Beamte dies verweigerte, tötete ihn die Menge durch Steinwürfe. Aus Brest- Litowsk wird berichtet, daß bei den dortigen Ausschreitungen der Reservisten gegen die Juden 28 Juder getötet, 34 hoffnungslos und 150 bedeutend verlegt worden feier -- Bei dem Empfang der Semstwo- Deputation durch den Baren gab es eine erregte Szene. Der Führer der Deputation, der Fürst Trubetkoi, Professor an der Moskauer Universität, hielt eine lebhafte Ansprache an den Zaren, der einen schüchternen Eindruck machte. Als Trubezfoi ausrief: Wissen Euere Majestät, daß das Volk Ihre Generäle als Berräter betrachtet?" zeigte der Zar eine starke Bewegung. Die Antwort des Zaren wird dahin gedeutet, daß die absolute Zarengewalt, wie sie früher zu Zeiten des ersten Semsfi Sabor bestand, aufrecht gehalten werden soll. Nach dem Empfang wurde die Deputation zu einem Frühstück geladen, bei dem der Zar aber nicht erschien. frankreich. Im Ministerrat legte der französische Ministerpräsident Rouvier den Stand der Verhandlungen mit Deutschland über Marokko dar. Eine günstige Einigung ist allem Anschein nach zu erhoffen. Skandinavien. An den König Oskar ist eine Adresse des norwegischen Storthings abgegangen, die als Antwort auf das Protestschreiben des Königs an den Präsidenten der norwegischen Voltsvertretung aufzufassen ist und darauf abzielt, die friedliche Durchführung der Auflösung der Union anzubahnen. Die Adresse Lehnt es in höflicher Form ab, auf die staatsrechtlichen Ausführungen des Königs einzugehen und widerspricht der Auffassung, als wenn die Form der Auflösung der Union für Schweden hätte kränkend sein sollen. Es wird dann eine kurze historische Darstellung der entscheidenden Momente vom norwegischen Standpunkte aus gegeben und mit Nachdruck die freundschaftliche Gesinnung betont, die in Norwegen für das schwedische Volk beständen. Das Storthing wolle jeden billiger Wunsch erfüllen, der dazu führen könne, um der Sicherheit beider Reiche Vorschub zu leisten und ein gutes vertrauenvolles Verhältnis zum Schutz gemeinsamer Interessen zu entwickeln. Die Adresse schließt: Im Interesse des Nordens richtet das Storthing diefen Appell an das Volk, das sich durch Hochsinn und Ritterlichkeit einen so hervorragen den Plaz in der Reihe der Nationen erworben hat und mit dem das norwegische Volk bon ganzem Herzen ein gutes Verhältnis aufrecht zu halten wünscht." Hof und Gesellschaft. Der Kaiser nahm an der Segelwettfahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Unterelbe an Bord der Jacht ,, Meteor" teil. König Friedrich August von Sachsen befich tigte in Straßburg das sächsische Infanterie- Regiment Nr. 105 und besuchte die Hohkönigsburg. *** Der Schah von Persien hat Wien nach herzlicher Verabschiedung vom Kaiser Franz Josef von Dester. reich verlassen und sich nach Contrexéville zum Kurgebrauch begeben. Soziales Leben. [] Arbeiterbewegung im rheinisch- westfälischen Industriebezirk. Außer bei den Bauarbeitern und Brauern gärt es jezt auch bei den Metallarbeitern. Neuerdings drohen die Arbeiter der Kruppschen Fabrik mit einem Ausstande. Die Eisenbahnwerkstättenarbeiter der Firma hielten eine VerSammlung ab, worin es wegen Lohndifferenzen zu erregten Debatten fam. Es wurde eine Kommission gewählt, die bei der Direktion vorstellig werden soll. [] Versorgung städtischer Arbeiter. In Halle a. S. be. schlossen die Stadtverordneten, den städtischen Arbeitern Ruhegehalt, Waisenversorgung und Sommerurlaub zu gewähren. Dienerschaft, von der ein Stubenmädchen gestorben ist. Wie es scheint, ist verdorbenes Fleisch die Ursache der Erkrankung. Auch in Elberfeld sind zwei Kinder, die Töchter eines dortigen Kaufmannes, an Vergiftung gestorben. Sie hatten in einem fupfernen Kinderspielzeug Reis gefocht und diesen gegessen, ohne zu sehen, daß sich in dem kleinen Kessil Grün span angesetzt hatte. Schwere Ruhestörungen in Köln. Aus kleinen Ursachen entstanden am Chlodwigsplatz in Köln blutige Ausschreitun gen, die die ganze Nacht hindurch dauerten. Ein aus: ziehender Mieter geriet mit dem Vermieter in Streit. Eine nach Tausenden zählende Menge nahm gegen die Polizei, die Ruhe schaffen wollte, Stellung und griff die Beamten tätlich an. Aus den Häusern wurde mit Steinen auf die Polizei geworfen. Diese zog blank und verletzte eine Anzahl Personen. [] Wohlfahrtseinrichtungen für Eisenbahnbeamte. Nack einer Anordnung des preußischen Eisenbahnministers wird ein besonderer Ausschuß zur Fortbildung der Wohlfahrts. einrichtungen für Eisenbahnbedienstete eingesetzt. Major von Sydow verabschiedet. Vor längerer Zeit wurde in Braunschweig Major von Sydow wegen Mißhandlung seines Töchterchens zu vier Monaten Gefängnis verur teilt, diese Strafe aber in der Berufungsinstanz auf 300 Mark Geldstrafe herabgesetzt. Jezt ist dem Major der Ab schied mit der gesetzlichen Pension bewilligt worden. Frau von Sydow, die zu vier Monaten Gefängnis verurteilt war hat davon den größten Teil verbüßt, der Rest ist ihr wegen ihres leidenden Zustandes im Gnadenwege erlassen. Beim Fensterln" erschossen wurde von seinem eigenen zufünftigen Schwiegervater ein Bauernbursche in dem nie derbayerischen Dorfe Priesting. Der Bursche schlich sich zum Kammerfenster seiner Braut. Der Bauer sah die herannahende Gestalt und rief sie wiederholt an. Als keine Antwort erfolgte, gab der Bauer Feuer und schoß den Burschen über den Haufen. A Eine Wettfahrt über den Ozean haben zwei englische und ein deutsches Schiff von Melbourne bis Queenstown gemacht. Es waren alle drei Segelbarken. Das Hamburger Schiff„ Este" fam als erste an. Die im Wettkampf durchsegelte Strecke betrug 14 000 englische Meilen. Der Vorwärts" und die russische Zensur. Der„ Vorwärts" ist jetzt in Rußland„ absolut" verboten. Selbst die Beamten der fünf ersten Rangklassen, die das Vorrecht haben, die illegalsten Zeitungen zu halten, dürfen den„ Vormärts" nicht mehr lesen. [] Der 32. deutsche Gastwirtstag wird zurzeit in Lübed abgehalten. Es gelangten wichtige Angelegenheiten zur Er. örterung, so die Stellung der Gastwirte zur Abstinenzbe wegung, die Standesvertretung in Kommunen und Parla menten, die Abwehr von Syndikats- und Boykottbestrebun gen, das Konzessionswesen, die Ruhezeiten der Angestellten die Biersteuer und die Frage eines gemeinsamen Vorgehen mit den Mäßigkeitsvereinen in Sachen der Bekämpfung des Winkelausschanks und des Branntweinverkaufs. Turnerisches aus Amerika. In Indianopolis fand das Bundesturnfest des nordamerikanischen Turnerbundes statt. Es waren 3000 Turner anwesend, die 2000 Turnvereine vertraten. Die deutsche Turnerriege wurde mit großem Jubel empfangen. Im Wein ertrunken sind in dem Orte Pirri auf Sardinien eine Anzahl Personen. Dort hat ein Weinhändler eine große Zisterne voller Wein. Ein Arbeiter, der daraus schöpfen sollte, wurde von den aufsteigenden Gasen betäubt und fiel in die Zisterne. Zwei Kameraden, die zur Hilfe herbeieilten, ging es nicht besser. Der Sohn des Besizers, dem es gelang, einen der Verunglückten aus der unheimlichen Zisterne herauszuziehen, fiel dabei selber betäubt hinein und ertrank, ebenso wie die übrigen Leute. A Ein rabiater Junge. In Zizkow in Böhmen gebärdete sich ein achtjähriger Schuljunge beim Mittagessen so ungezogen, daß ihm zur Strafe von den Eltern die Teilnahme am Mittagstisch entzogen werden sollte. Darob geriet der Knirps so in Wut, daß er sich durch das offenstehende Fenster schwang und sich vier Stock hoch auf das Pflaster stürzte, wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. [] Der 9. deutsche Handlungsgehilfentag wurde unter zahlreicher Beteiligung in Hamburg abgehalten. Die Ver handlungen betrafen wichtige kaufmännische und sozialpoliti sche Fragen, darunter den Ladenschluß, die Arbeitszeit ir Kontoren und die Sonntagsruhe, die Kaufmannsgerichte, di Handlungsgehilfen- Kammern, das Fortbildungsschulweser und die Frauenarbeit im Handlungsgewerbe. Nab und fern. Die Einzugsfeier in Potsdam. ( Eigener Bericht). Potsdam, 20 Juni Heute hat die zweite Residenz des Hohenzollern- Hauses ihren Ehrentag. Kronprinz Wilhelm hält mit seiner jungen Gemahlin den feierlichen Einzug. Was der Beginn des Rosen- Monats in Berlin gebracht, das wiederholt sich nun in Potsdam; nur ein intimeres Gepräge hat hier der festliche Akt, entsprechend dem lokalen Charakter. Was die Millionenstadt geboten, vermag im räumlichen Umfange bie märkische Landstadt, die Potsdam bleiben will, äußerlich nicht nachzuahmen. Aber eines ist dasselbe hier, wie dort: das herzliche Gefühl, die Zuneigung, der Jubel, mit dem man den Kaisersohn in seinem jungen Minneglück empfangen hat. Ist doch ,, unser Kronprinz" von früh auf mit Potsdam und seinen Bewohnern auf das Engste verwachsen gewesen. A Kaiserliche Spenden. Für den Bau der Erlöserkirche in Homburg hat der Kaiser weitere 40 000 Mark bewilligt. Dem evangelischen Kirchenvorstand in Homburg wurde von dieser Spende durch den Oberhofmeister Freiherrn v. Mirbach Mitteilung gemacht. Unter schweren Vergiftungs- Erscheinungen erkrankten muf dem Rittergute Schönfeld in Ober- Schlesien der Ritter. gutsbefizer von Wazdorf mit Familie und fast der ganzen Im Marmorpalais, dem idyllisch im Neuen Garten am Heiligensee belegenen HohenzollernSize, nimmt das kronprinzliche Paar seine Wohnung. Dorthin zieht sich die Feststraße. Herrlich haben die Bewohner sie geschmückt. Gleich der Platz vor dem Bahnhofe ist durch venetianische Masten und Blumen- Gewinde in eine Art Festhalle verwandelt, zu der eine vom Maler Thiele geschaffene riesige bildnerische Hudigung, ein von einem Genius gebotenes Willkommen, den wirkungsvollen Abschluß bildet. Von dort geht es weiter immer durch Ehrenpforten, unter Kränzen, Blumenschmuck, Fahnen und Rosenguirlanden hindurch zum Rathause, wo der Festakt seinen Höhepunkt erreicht. Einen besonderen Einschlag in den Festesschmuck bol der Huldigungsgruß der Wasserbewohner. Auf beiden Armen der Havel lag dicht bei dicht eine schier endlose Flotille von Fahrzeugen, alle reich geschmückt und bewimpelt. An der Brücke beim Lustgarten aber präsentierte sich stolz das Wi fingerschiff, das beim Korso der Wassersport- Fahrzeuge die Führung übernehmen soll, und die Bemannung in alter Nordmannsleute- Tracht brachte, in Wehr und Waffen da stehend, dem Kronprinzenpaar eine eingenartige Huldigung dar. So naht der Zug dem Rathause, und hier macht der Sechsspänner Halt. Ein Baldachin schmückt den Eingang des altehrwürdigen Gebäudes. Auf der einen Seite stehen die Ehrenjungfrauen, auf der anderen die Väter der Stadt. Unter Führung des Oberbürgermeisters Jaehne treten sie heran, den Kronprinzen und seine Gemahlin in Potsdam und seiner Bewohner Namen zu begrüßen. Freundlich dankt der Kronprinz dem Oberbürgermeister für seine Ansprache, nicht minder freundlich nimmt die Kronprinzessin aus den Händen einer Ehrenjungfrau eine duftige Blumenspende ent gegen, während die jauchzenden Klänge des vom Männergesangverein unter Leitung des Professors Gebhard vorge. tragenen Liedes ,, Grüß Gott!" durch die Lüfte schallen. Pünktlich um 5 Uhr 46 Minuten lief der Zug in die Bahnhofshalle ein, empfangen von den Klängen der Musit der Leibkompagnie des ersten Garderegiments, die Prinz Eitel Friedrich dem Bruder die militärischen Ehren erweisen ließ. Nach kurzer Begrüßung durch die Spitzen der Militärund Zivil- Behörden schritt das kronprinzliche Paar Und wiederum ertönte der Donner der Geschütze. Er kommt von der Strandbatterie und zeigt an, daß das kron prinzliche Paar sein Heim erreicht hat, und am Marmorpalais abgestiegen ist. Der festliche Aft ist zu Ende. Die Menge zerstreut sich. Aber noch immer herrscht reges Leben und Treiben in den Straßen, durch die das gefeierte Paar seinen Einzug gehalten hat, und überall macht sich der Wunsch hörbar, daß ihm in seinem Hause Glück und Segen in reicher Fülle er. wachsen möge! zu dem sechsspännigen Galawagen, sofort bei seinem Erscheinen mit lautem Jubel begrüßt von dem zu Tausenden bersammelten Publikum, zu dem die zur Einzugsfeier herübergekommenen Berliner ein bedeutendes Kontingent gestellt hatten. An die Spitze des Zuges setzte sich die Schlächter. Innung, die es auch hier sich nicht hatte nehmen lassen, hoch zu Roß den Festzug zu eröffnen, während eine Eskadron der Garde du corps das Ehrengeleite bildete. Und nun begann unter dem Geläute der Glocken und dem Douner der Geschütze der Salutbatterie des 2. Garde- Feld- ArtillerieRegiments, die vom Lustgarten her ihren ehernen Mund erschallen ließ, der Zug durch die Feststraße. Aus dem Gerichtsfaal. bar zu, leiden, un einen weit in die mandiert wurde, wanderte dann u allerlei Gefahren rotto und fam ein englisches S er fich nach Ham freiwillig der P Reformen berfchiedene Ne Bei der Annahm § Ungebühr vor Gericht. Vor dem Dortmunder Schöffengericht weigerte sich ein Polizeibeamter, dem Verteidiger, der verschiedene Fragen an ihn als Zeuge richtete, zu antworten und erklärte, er brauche nur dem Vorsitzenden zu antworten. Das Gericht faßte diese Weigerung als eine Ungebühr vor Gericht auf und verurteilte den Beamten zu einer Geldstrafe von 3 Mark. 1 Vermischtes. [ Des Kronprinzenpaares Zukunftspläne.] Wie der Kronprinz sich sein und seiner Gemahlin zukünftiges Leben denkt, darüber hat er sich, wie erzählt wird, kürzlich wie folgt ausgesprochen: Ich hoffe, daß mir der liebe Gott meinen Vater noch recht lange erhält. Meine Frau und ich haben uns als Ziel gesteckt, uns auf dem weiten Gebiete der Volkswohltätigkeit, der Krankenpflege, der Religion und des Unterrichts und der schönen Wissenschaft und Kunst zu betätigen. Wir wollen lernen und unsern Wissensfreis weiten, damit wir später einmal befähigt sind, zu urteilen und Anregungen zu geben. Wir sind jedem dankbar, der uns hilft, das Ziel zu erreichen. Durch ihre ganze Länge bildeten die Korporationen und das Militär Spalier. Dicht am Bahnhof stand die Schützengilde, daran schlossen sich die Innungen, die sonstigen Vereine, die Schulen, den ganzen übrigen Teil säumte die Garnison Potsdams ein. War das ein Jubel, der überall dem jungen Paare entgegentönte; und nicht müde wurden beide zu danken und zu grüßen. Das Glück strahlte ihnen aus den Augen, als hier der jungen Chewonne das schöne Bewußtsein sich einte, eine Fülle von Liebe in der Bevölkerung ihr eigen nennen zu Tönnen. = [ Eine gute Karriere] hat der als Direktor des Bremer Stadttheaters in Kunstkreisen weit bekannte Herr Friedrich Erdmann- Jeßnizer gemacht. Vor ungefähr dreißig Jahren war er Lehrling in einem Drogengeschäft im damals noch recht engen Thomasgäßchen in Leipzig. Jetzt ist er vom Großherzog von Sachsen- Weimar zum Hofrat ernannt worden. - [ Ein eigenartiges Nahrungsmittel] hatte sich ein fünfzehnjähriges Mädchen in Flensburg ausersehen. Es hatte eine förmliche Sucht, eiserne Nägel zu verschlucken. Natürlich konnte der Magen auf die Dauer diese schwere Kost nicht bertragen, und das Mädchen ging daran zugrunde. Nach dem Tode wurde die Leiche seziert, und da fanden sich nicht weniger als 58 Nägel, die von dem Mädchen nach und nach verschluckt waren. - ** die den deutsche gefügten Unter eigentümlich fin Unterfcheidungs zeichen nicht gib Taffen. Boft, to mit Chiffread Apostroph zu geht's statt Der auf 50 liches Telegra auch für teleg gramme zur mungsanstalt Aufgabeanstal britannien un Offen zu bef oder den an [ Der Säugling als Einbrecher.] In Paris waren ein Mann und eine Frau durch ein ellerfenster in ein Haus eingestiegen und hatten dort die verschiedensten Waren zusammengepackt. Als sie cuf dem gleichen Wege wieder abziehen wollten, überkam die Frau ihre schwere Stunde, und fie genas am Ort ihrer Raubtat eines gesunden Knäbleins, das nun mit der sauberen Mutter ins Gefängnis wandern mußte. - [ Spanien ist Trumpf!] Daß der junge König Alfons von Spanien in London gewesen und sich die Herzen der Engländerinnen erobert hat, machten sich die dortigen ModeKünstler alsbald zunuze. Sie brachten das National- Kleidungsstück der dunkeläugigen Sennoritas in Aufnahme, und seit einiger Zeit sieht man in allen Modewaren- Schaufenstern nur Puppen, die mit der Mantilla drapiert sind. Die tonangebende Damenwelt Londons hat mit Begeisterung die neue Mode akzeptiert, und so wird man sich auch wohl anderswo auf das Auftauchen der Mantilla gefaßt machen müssen. = Perfonen ause - [ Chemali fchafter der Be Law Reid, war Reporter für der„ Tribune fcheidene Stel Say arbeitete zende Korrie geworden eigenen Refi eines Bizepro fchafter in S wards Krön Friedensparl Botschafterpo [ Die Hungerkünstlerin in Nahrungssorgen.] Daß Hun gern für Geld im Grunde eine brotlose Kunst ist, hat sich an Frau Schenk gezeigt, die in vielen Städten vor einiger Zeit als Hungerkünstlerin auftrat. Sie konnte kein Engagement finden und machte schließlich aus Sorge um das tägliche Brot ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. = [ Die Frau mit dem höchsten Gehalt.] Alle weiblicheu Angestellten werden Miß Anna Amandt beneiden, die Sekretärin des Präsidenten einer New- Yorker Lebensver sicherungsgesellschaft. Sie bekommt für ihre Mühewaltung das hübsche Jahresgehalt von 12 000 Dollars, also 48000 Mt. Sie muß aber auch eine ganz besonders für ihren Beruf geeignete Dame sein, genießt sie doch das Vertrauen ihres Chefs in hohem Maße. Denn niemand hat bei dem Generalgewaltigen des Unternehmens Zutritt, ehe er nicht mit Miß Amandt Rücksprache genommen und ihr sein Anliegen auseinandergesetzt hat. Dabei hat die Miß eine Routine sich erworben, die ihr ermöglicht, dem Chef biel unnötige Arbeit zu ersparen. Denn von zehn Leuten, die da kommen, wird höchstens einer vorgelassen; alle übrigen fertigt die Dame ab. K CL Profef föniglichen p nice, der im werf geriet, als bedeutend heiten; so gal ichaften einen Lehrbuch der heraus. NM Gin 1 mont will in Bau befindlic dem neuen Apparaten u Ballon häng einem Balto nimmt. Die nötigenfalls Tage in der Schuß gegen müssen also Wärme fich in Fichtenholz, Ganze wird Ballonseide b ichlagen. Sa zeugt. Bräfident Gigung um 1 Landeslehrerver auf Benfionser nad fjährige hilfen an Ber geftellt wurbe Erledigung, da licher Betann die Ausübung ziehung in Antrag des Betterbienftes gierungsvorlag Ausstellungen Mainz und 60 aus ftellung in Folge wurde Ober- Dhmen, wird die Gen die Gemein spricht sich unte für die Regier Richtabzug von wendet sich in Vor einem Jahrzehnt begann der Abgg. Hir sie ihre Laufbahn in dem Bureau der Gesellschaft als Stenographistin und erhielt ganze 15 Dollars per Woche. minifter Gnau wegen der Ueber [ Anch ein Weltbummler.] Vor etwa 1½ Jahren hatte dahin, daß dies t ein aus Düsseldorf gebürtiger Knecht seinem Prinzipal in Saarbrücken 160 Mart unterschlagen und war damit entflohen. Er wandte sich nach Frankreich, um sich hier der Militärpflicht zu entziehen und ließ sich dort für die Fremdenlegion anwerben. Nach Algier geschickt, hatte er unter der schlechten Behandlung und unter den Strapazen furchtes eine der wid fein, zu prüfen, in Provinziallaften e freten fönne. Sier Bormittag. Festesschmud bol Auf beiden Armen dlofe Flotille bon wimpelt. An der sich stolz das Mi port- Fahrzeuge die nannung in alter und Waffen da tige Huldigung dar nd hier macht de idt den Eingang einen Seite stehen Väter der Stadt Jaehne treten fir ahlin in Potsdam Freundlich dank seine Ansprache prinzessin aus den Blumenspende ent des vom Männer Gebhard borge Lüfte fchallen. der Geschütze. E an, daß das fron und am Marmor enge zerstreut si d Treiben in den feinen Einzug ge insch hörbar, daß reicher Fülle er aal. nunder Schöffen ter, dem Ver Is Beuge ridhtete dem Vorsitzenden Beigerung als eins den Beamten z plane.] Wie der zukünftiges Leben wird, kürzlich wie mir der liebe Go eine Frau und ih m weiten Gebiete der Religion und aft und Stunft zu ern Wissenstreis find, zu urteilen em dankbar, der rektor des Bremer nte Herr Friedrich hr dreißig Jahren t im damals noch Jezt ist er bom Hofrat ernannt hatte sich ein fünf rsehen. Es hatte chlucken. Natürlich schwere Kost nicht zugrunde. Nach fanden sich nicht en nach und nach Paris waren ein nster in ein Haus Densten Waren zu Wege wieder ab were Stunde, und efunden Knäbleins Befängnis wandern unge König Alfons ich die Herzen der die dortigen Mode das National- Klei in Aufnahme, und dewaren- Sdaufen Drapiert fin Die t Begeisterung die fich auch wohl an lla gefaßt machen orgen.] Daß Hun Stunft ist, hat sich Städten vor einiger te fein Engagement e um das tägliche nde. t.] Alle weiblicheu ndt beneiden, die Yorker Lebensver ihre Mühewaltung lars, alfo 48000 ers für ihren Beruj Das Vertrauen ihres mand hat bei dem ens Zutritt, ehe ommen und ihr fein abei hat die Mi rmöglicht, dem Chef in von zehn Leuten gelaffen; alle übrigen Jahrzehnt begann Sefellschaft als Steno per Bodje. 1½ Jahren hatte inem Prinzipal in nd war damit ent um sich hier der dort für die Frem dt, hatte er unter Strapazen furdit bar zu, leiden, und er beschloß zu desertieren. Als er auf einen weit in die Wüste Sahara vorgeschobenen Posten kommandiert wurde, führte er seinen Plan aus. Er durchwanderte dann unter unsäglichen Entbehrungen und unter allerlei Gefahren weite Strecken der Wüste, zog durch Maroffo und kam endlich nach Tanger. Von hier nahm ihn ein englisches Schiff mit nach Liverpool und von dort schiffte er sich nach Hamburg ein, wo er jetzt eingetroffen ist und sich freiwillig der Polizei gestellt hat. ** Reformen im Telegrammverkehr. Am 1. Juli treten verschiedene Neuerungen im Telegraphenverkehr in Kraft. Bei der Annahme von Telegrammen in fremder Sprache sind die den deutschen oder lateinischen Schriftzeichen etwa hinzugefügten Unterscheidungszeichen, die gewissen Sprachen eigentümlich sind, nicht zu beanstanden. Jedoch sind die Unterscheidungszeichen, für die es Morse- oder Hugheszeichen nicht gibt, bei der telegraphischen Beförderung wegzuTassen. Bost-, telegraphen- und bahnhoflagernde Telegramme mit Chiffreadresse sind zulässig. Doppelwörter, die ohne Apostroph zu einem Wort zusammengezogen sind, z. B. ..geht's statt geht es", werden als zwei Tarwörter gezählt. Der auf 50 Pfg. festgesezte Mindestbetrag für ein gewöhnliches Telegramm kommt im Verkehr mit dem Auslande stets auch für telegraphische Empfangsanzeigen und für Telegramme zur Erhebung, durch welche die bei der Bestim mungsanstalt entstandenen Weiterbeförderungskosten der Aufgabeanstalt mitgeteilt werden; im Verkehr mit Großbritannien und Irland werden mindestens 80 Pfg. erhoben. Offen zu bestellende Telegramme müssen dem Empfänger oder den an seiner Statt zur Empfangnahme berechtigten Personen auseinandergefaltet übergeben werden. [ Ehemalige Reporter als Minister.] Der neue Bot schafter der Vereinigten Staaten in England, Mr. White. Tam Reid, war in jungen Jahren Journalist und lange als Reporter für fleine amerikanische Provinzblätter tätig. Bei der„ Tribune" in Newyork bekam er schließlich eine be scheidene Stellung, wo als sein Kollege der Journalist John Han arbeitete. Die beiden Zeitungsschreiber machten glän zende Karriere. John Hay ist Staatssekretär der Union geworden. Reid übernahm später die„ Tribune" in eigenen Besitz. Reid war bereits Kandidat für die Würd eines Vizepräsidenten der Union, er war amerikanischer Bot schafter in Paris, ferner Spezialgesandter bei König Ed wards Krönung und im spanisch- amerikanischen Kriege Friedensparlamentär seiner Heimat; jetzt erreichte er der Botschafterposten in London. Kunft und Wiffenfchaft.- CL Professor Wernicke gestorben. Der Vorsteher der föniglichen psychiatrischen und Nervenklinik Professor Wernicke, der im Geratal auf einer Radtour unter ein Holzfuhr. merf geriet, ist seinen Verlegungen erlegen. Wernicke galt als bedeutende Kapazität auf dem Gebiete der Geisteskrankheiten; so gab er mit Unterstützung der Akademie der Wissenschaften einen Atlas des Gehirns und später ein dreibändiges Lehrbuch der Gehirnkrankheiten für Aerzte und Studierende heraus. NM Ein neues Luftschiff. Der Brasilianer Santos Dumont will in furzem seine erste Reise mit der in Paris im Bau befindlichen Luftjacht" antreten. Er selbst sagt von dem neuen Luftsegler, daß er sich von allen bisher bekannten Apparaten unterscheiden werde. Unter einem eiförmigen Ballon hängt anstelle des Korbes eine Art kleines Haus mit einem Balfonfenster, das die halbe Länge jeder Seite einnimmt. Dieses Fenster zeigt die Lage der Kajüte an, die nötigenfalls geheizt werden kann. Da das Haus mehrere Tage in der Luft bleiben muß, ist selbst in mäßiger Höhe ein Schuß gegen Kälte sehr wichtig. Die Seiten der Kajüte müssen also völlig undurchlässig gebaut sein, so daß die Wärme sich im Innern hält. Sie werden ein Fachwerk aus Fichtenholz, Aluminium und Klaviersaiten erhalten; das Ganze wird dann mit mehreren Schichten verschiedener Ballonseide bedeckt. Zwei Feldbetten werden darin aufge. schlagen. Santos- Dumont ist fest von seinem Erfolge über. zeugt. Hessischer Landtag. Darmstadt, 20. Juni. Präsident Haas eröffnet, nach der„ Darmst. 8tg.", die Sigung um 10 Uhr. Die Vorstellungen des hessischen Landeslehrervereins und verschiedener pensionierter Beamten auf Pensionserhöhung finden durch Annahme des Antrags Erledigung, daß die Regierung ersucht werden soll, in das nächstjährige Budget einen Betrag zur Gewährung von Beihilfen an Pensionäre im Bedürfnisfall einzustellen. Zurückgestellt wurde der Antrag Ulrich und Gen., Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen betr., sowie die Regierungsvorlage, die Ausübung der Jagd betr., lettere, weil ihre Zurückziehung in Aussicht steht. Für erledigt erklärt wird der Antrag des Abg. Köhler, die Einrichtung eines ständigen Wetterdienstes bei der Landesuniversität betr. Die Regierungsvorlage, betr. Bewilligung von Staatsmitteln für Ausstellungen( 16 000 Mt. für die landw. Ausstellung in Mainz und 60 000 Mt., für die Kunst- und Kunstgewerbeausstellung in Darmstadt 1907) findet Genehmigung. Keine Folge wurde gegeben der Beschwerde des Hch. Araz 10. zu Ober- Ohmen, Hundesteuer und Meldepflicht betr. Sodann wird die Generaldebatte über die Regierungsvorlag, betr. die Gemeindenmlagen, fortgefeßt. Abg. Hirschel spricht sich unter Anführung einer Reihe von Spezialwünschen für die Regierungsvorlage aus, insbesondere auch für den Nichtabzug von Schulden. Ministerialrat Dr. Becker Ministerialrat Dr. Becker wendet sich in ausführlicher Weise gegen die Ausstellungen der Abgg. Hirschel, Schönberger und Ulrich. Finanzminister na uth beantwortet eine Frage des Abg. Hirschel wegen der Uebernahme von Gemeindelasten durch den Staat dahin, daß dies vorerst nicht geschehen könne, dagegen werde es eine der wichtigsten Aufgaben der Großh. Regierung sein, zu prüfen, in welcher Weise bezüglich der Kreis- und Provinziallaften eine Erleichterung der Gemeinden eintreten fönne. Hierauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch Vormittag. Lokales. 21. Juni 1905. ** Der am 7. Juni unter Vorsitz des Provinzialdirektors Geh. Rat Dr. Breidert abgehaltene Kreistag des Kreises Gießen nahm u. a. auch die Wahl der Mitglieder der Körkommission vor und zwar wurden für den Körbezirk Gießen gewählt als Mitglieder: Bürgermeister Volk zu Allendorf a. d. Lahn, Johannes Weber 5. zu Lang- Göns; als Stellvertreter: Bürgermeister Holler zu Ober- Hörgern, Karl Gerlach zu Lollar; für den Körbezirk Hungen Lich als Mitglieder: Bürgermeister Heller zu Lich, Alt- Bügermeister Gerlach zu Eberstadt; als Stellvertreter: Bürgermeister Kuhl zu Dorf Gill, Pächter Klein zu Hof- Albach; für den Körbezirk Grünberg als Mitglieder: Bürgermeister Zimmer zu Grünberg, Bürgermeister Stein zu Kesselbach; als Stellvertreter: Bürgermeister Bast zu Beltershain, Bürgermeister Schmidt zu Queckborn. Des weiteren fand der Antrag auf Errichtung einer landwirtschaftlichen Winterschule uach der Antrage des Kreisausschusses, das Anerbieten des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen anzunehmen und die geplante Winterschule als Kreisanstalt zu er richten einstimmige Annahme. Ebenso genehmigte der Kreistag nach dem Antrage des Kreisauschusses die Errichtung der geplanten Wander- Koch- und Haushaltungsschule und weiter die Einstellung von 3950 Mt. in Einnahme und 4350 Mt. in Ausgabe für beide Schulen. * - ** Das neue Gesetz über die Forstverwaltung vom 15. April d. I. tritt mit dem 1. Juli in Kraft. ** Bei der letzten juristischen Staatsprüfung haben von 18 Examinanden 15 die Prüfung bestanden. ** Feuerwehr- Jubiläum. Die Erbauung einer geräumigen Festhalle für ca. 2000 Personen Raum bietend, mit Mufit- und Sängerbühre hat begonnen. Zimmer meister chubbecker- Gießen hat eine für Festlichkeiten notwendige und nur für diese Zwecke bestimmte Festhalle erbaut, welche abgetragen, zusammengelegt und auch nach auswärts versandt werden kann. Zum bevorstehenden Gießener Feuerwehrfest wird dieselbe zum ersten Mal ihrer Bestimmung übergeben werden. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß 8.mmermeister Schuhbecker dem Festausschuß mit sehr annehmbaren Bedingungen an die Hand gegangen ist und ein musterhaftes Festzelt hergestellt hat, was allen Anforderungen nach gemachten Erfahrungen entsprechen dürfte. Ringsum werden Schußvorhänge angebracht, Tische und Bänke erhalten Leinenbezug und die grünen, jungen Baume des Oswaldsgartens werden der Festhalle ein schönes, anmutiges Bild und den Festgästen ein anziehendes Heim bieten. ** Der Breußisch hessische Lotterievertrag. Die Wormser 8tg." ist in der Lage, Einzelheiten über den von der Großh. Regierung der Zweiten Rammer im Entwurf vorgelegten Lotterievertrag mit Breußen mitzuteilen. Danach werden die heff.- thür. Staaten den Beirieb der Lotterie mit dem Ablauf der 7. Lotterie im Frühjahr 1906 einstellen. Ste räumen für die Dauer dieses Vertrages der preußischen Regierung das Recht ein, innerhalb ihrer Staatsgebiete Lose der preußischen Klassenlotterie zu vertreiben. Als Gegenleistung für die von den Regierungen der hessisch- thüringischen Staaten übernommenen Verpflichtungen zahlt die preußische Regierung an die großherzoglich hessische Hauptstaatstaffe für die ersten 5 Jahre eine Rente von jährlich 1 630 000 Mt. und für die weiteren Jahre einen rechnungsmäßigen Anteil am Ueberschuß der Lotterieverwaltung, der sich wie 163: 1113 verhätt, jedoch nicht mehr als 1630 000 Mt. betragen darf. Die preußische Regierung wird bis auf weiteres in Darmstadt eine Geschäftsstelle der preuß. Generallotteriebireftion errichten. Sie wird die Beamten der hess.- thür. Staatslotterie in ihren Dienst nehmen, soweit sie dazu geeignet sind und sich zur Deckung des durch die Ausführung dieses Vertrages bedingten Mehrbedarfs an Beamten der preuß. Lotterieverwaltung innerhalb der ersten zwei Jahre nach Inkrafttreten dieses Vertrages eine Möglichkeit zu ihrer Verwendung ergibt. Der gegenwärtige Vertrag wird auf die Dauer von zehn Jahren abgeschlossen. * * Grünberg, 20. Juni. Der Gemeinderat beschloß in seiner gestrigen Sitzung u. A. die Anschaffung eines anderen Faselebers. *-* Grünberg, 19. Juni. Wegen Sittlichkeitsverbrechen wurde der 40jährige Knecht Bayer von der Neumühle verhaftet. > Ettingshausen, 19. Juni. Fortgeschleift von einer Ruh wurde Frau Schomber, als sie ihrem Manne babei behilflich war, auf einem Kartoffelacker das Tier vom Wagen abzuspannen. Sie hing die Bugtetten aus, als die Stuh plößlich scheute und die Zugkette sich um das rechte Bein der Frau schlang. Diese wurde zu Boden gerissen, fortgeschleift und erlitt dabei einen doppelten Knöchelbruch. § Aunerod, 20. Juni. Der Bläschen- Ausschlag dahier ist erloschen. ? Elbenrod, 20. Juni. Die auf dem Gehöfte des Landwirts F. Schröder- Elbenrod ausgebrochene Schweinesenche ist erloschen. ?? Kinzenbach, 19. Juni. Kaninchen- Ausstellung. Die in den Pfingsttagen dahier abgehaltene erste KreisAusstellung des Kaninchenzuchtvereins hat einen recht zu. friedenstellenden Verlauf genommen. Es erhielten Ehrenpreise: Heinrich Pfeiff, Wieseck; Karl Pfaff, Gg. Con. Schmidt und Th. Viehmann, Rinzenbach; Ferd. Pfeiffer, Launsbach; Lehrer Fischer, Garbenheim und Bäckermeister Deuter, Rodheim. 1. Preise: Ludwig Ufer, Garbenheim; Heinrich Gabriel, Gießen und Th. Viehmann, Kinzenbach. Das Verbands- Diplom für beste Gesamtleistung erhielt Th. Viehmann, Kinzenbach. - -- A Lich, 20. Juni. Die Einweihung des Fürstendenkmals ist mit Rücksicht auf die Heuernte jetzt endgiltig auf Sonntag, den 2. Juli festgefeßt. Das Großherzogspaar wird schon am 1. Juli im Schlosse eintreffen. Der Kriegervereins- Bezirk Lich wählte am Sonntag in Hattenrod Lehrer Jakob Alt- Lich zum Vorsitzenden und beschloß, an obiger Denkmalsenthüllung teilzunehmen. - A Münster bei Lich, 19. Juni. Gestern hielt das Eisenbahnkomitee für die projeftierte Strecke LichGrünberg eine Versammlung ab. Mit großem Bedauern wurde die Mitteilung des Vorsitzenden entgegengenommen, daß die Firma Lenz& Co, Berlin den Bau der Bahn abgelehnt hat. > Braunfels, 20. Juni. Wie bereits gemeldet, weilten hier gestern der Großherzog und die Großherzogin. In ihrer Begleitung befanden sich das Fürstlich Lichsche Baar, sowie Prinz Reinhard und Prinzessin Dorothea von Lich. Die Herrschaften, die im Automobil von Hohensolms aus über Blasbach, Hermannstein, Wezlar und Burg- Solms hier eingetroffen waren, besichtigten sehr eingehend das Schloß. Namentlich verweilten sie lange bei den alten kostbaren Geoändern verschiedener Fürstinnen und anderer Denkwürdigteiten vergangener Zeiten, an denen gerade dieses Schloß so reich ist, u. a. bewahrt es auch den Ring der heiligen Elisabeth. Der Besuch nahm etwa zwei Stunden in Anspruch. Unser Drt hatte Flaggenschmuck angelegt. ** Aus dem Lahn- und Dilltal daß die Heuernte bereits begonnen hat. * wird berichtet, + Hungen, 20. Juni. Reuer Postverwalter. Oberpoftassistent Schäfer Bensheim, ein geborener Grünberger, ift als hiefiger Postverwalter bestellt worden. (!) Friedberg, 20. Juni. Der evangelische Kirchengesangverein für Hessen hält nächsten Sonntag sein 26. Kirchengesangsfest in Friedberg ab. § Marburg, 20. Juni. Samstag und Sonntag hielt die Allgemeine Dentsche Burschenschaft hier ihr 90. Stiftungsfest ab. Die Burschenschaft ist am 15. Juni 1815 in Jena gegründet worden. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Gießen, den 20. Juni 1905. Arbeiter Adolf Mühling aus Schlitz bat aus dem Eßfaal der Kolonie Neu- Ulrichstein einen Korb Eier und sonstige Nahrungsmittelt entwendet. Da der Angeklagte in glaubhafter Weise angab, nur in der Absicht Obdach zu befommen eingestiegen zu sein, wurde von einer Strafe wegen Einbruchsdiebstahls abgesehen, sondern nur wegen Hausfriedensbruch auf 4 Wochen Gefängnis und wegen Mundraubs auf 4 Wochen Haft erkannt. Der Gastwirt Karl Horst aus Sellnrod hat gelegentlich der Musterung aus einer Wirtschaft zu Schotten einen Teppich mitgenommen. Als er merkte, daß darnach gefahndet wurde, schickte er denselben durch die Bost zurück, gab aber einen falschen Namen als Absender an. Die Staatsanwaltschaft stellte ihn wegen Diebstahls und Urkundenfälschung unter Anklage. Die Straffammer tam zur Freisprechung von der Anklage des Diebstahls und verurteilte ihn wegen Urfundenfälschung zu 5 Tagen Gefängnis. - Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Es können eingestellt werden: 1 landw. Knecht, 1 Spengler, 2 Wagner, Schreiner ( auswärts), Lackierer( auswärts), 1 Möbelschreiner, 2 Schuhmacher, 2 Glaser, 1 Installateur, mehrere jüngere Fabrikarbeiter, 1 Verkäuferin, 1 Hausbursche, 2 Lauffrauen oder Mädchen, 5 Dienstmädchen, 1 Schreiber. Lehrlinge: 2 Spengler, 2 Schlosser, 1 Mechaniker, 1 Wagenlackierer, 1 Wagner, 1 Buchbinder, 1 Schreiner, 1 Lackierer, 1 Schneider, 2 Schuhmacher, 1 Friseur, 1 Buchhändler, 1 Kellner. Es suchen Arbeit: 1 landw. Arbeiter, 1 Eisendreher, 1 Wäscherin, 1 Fabrikarbeiterin, 1 Stickerin( Privatarbeit), Arbeiter für leichtere Arbeit, 1 Haus- oder Bureaudiener, 2 Lauffrauen. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienft. Boraussichtliche Bitterung in Hessen für Donnerstag, den 21. Juni. Anhaltend heiter, trocken und sehr warm. ( Näheres durch die Gießener Wetterfarte.) Berantwortlich: für die Politik und den Inseratentell: Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beid: in Gießen. Gegründet 1888. Jean Dern& Co. Giessen Telephon No. 21. Inh. Oskar Gutmann. Westanlage 31. Kanalisations- Artikel für Haus-, Hof- und Strassen- Entwässerung. la. Portland- Cement. 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J. angeordnete Sperre der Ludwigstraße zwischen Bleich- und Bismarckstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 15. Juni 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg Vergebung von Erdarbeiten. Die Erdarbeiten für den Ausbau der Straße entlang der neuen Veterinäranstalt zwischen Frankfurterstraße und dem Bahnhof sollen Montag, den 26. Juni d. Js., vorm. 11 Uhr werden. mir, meiner werten Stubichaft Hausfrauen- Vereinbeitsbereibung un Drahtgeflechte f. Einfriedigungen größte Borteile im Einkaufe von in allen Längen, Breiten und Mustern. Uebernahme ganzer Einfriedigungen in Möbel Eisen- und Holz- Konstruktionen. Ferner empfehle: Siebe und Durchwürfe für Betten Landwirtſchaft und Industrie ze. Polsterwaren Alle anderen Drahtarbeiten sauber und billigft. Neu! Achtung! Neu! zu bieten und jeder Konkurrenz die Spize zu bieten. Günstigste und billigste Gelegenheit für Fahrrad- Versand- Geschäft| Brautleute. Joh. Fr. Schaaf, Wetzsteinstr. 44 GIESSEN Wetzsteinstr. 44. Compl. 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