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Wafferabnehme bem Hausbefi Jube fern gehalt in allen Beteilig terungen, Repa Derben am to tionsgefchäften 1.3. ausgefü gren empfindli et Gießen Nr. 17. Zaferttondpreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Oberteffen, die Kreise Weglar unb Marburg 10 Bfg. sonft 15 Pfg. Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 Bfg. Redaktion u. Haupterposition: Gießen, Geltersweg 83. Fernsprechenschluk Nr. 362. Freitag, den 20. Januar 1905. Gießener 14 Jahrgang. Abonnementspreis: abgeholt monatlich 30 Big.,' e Sous gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblafen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Ziffer c/ a. Menfch. Eine Lehre aus dem Bergarbeiterstreik. Wenn der Handelsminister Möller im preußischen Abgeordnetenhause erklärt hat, daß der Grubenarbeiterausstand im Ruhrgebiet in förmlich explosiver Form eingetreten sei, So entspricht dies vollständig den Tatsachen. Aber wo Rauch ist, da ist auch Feuer, und wo es knallt, da muß Pulver gelegen haben. Die elementare Wucht dieser Ausstandsbewegung wäre nicht erklärlich, wenn nicht jahrzehntelang der Zündstoff angesammelt worden wäre. Zugestandenermaßen find die Löhne und die Arbeitsbedingungen weit weniger schuld an diesem unerfreulichen Ereignis, als die Beschwerden über die Behandlung der Arbeiter durch die mittelbaren und unmittelbaren Vorgesetzten. Vielleicht spielt aber hierbei der Ton des Verkehrs eine geringere Rolle, als die Empfindung der Bergknappen, daß sie innerlich mit den Unternehmungen, den sie mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichfeit und unter Umständen auch ihres Lebens dienen, nicht berwachsen sind. Die Behandlung durch die Vorgesetzten läßt mit Deutlichkeit erkennen, daß sie für den Betriebsunternehmer nur Werkzeuge und Ziffern sind, daß aber das unfichtbare ideale Band eines menschlichen Mitempfindens zwischen Unternehmer und Arbeitern vollständig fehlt. Von niemand wird dieser Eindruck so scharf geschildert als von dem Mitarbeiter eines Berliner Blattes, der seine langjäh= rige Erfahrungen in Amerika als scharfen Hintergrund für dieses sozialpolitische Kulturbild aus dem Ruhrgebiet seinen Refern vorführt. In Amerika zeigen die Unternehmer auch an dem einzelnen Arbeiter ein menschliches Interesse und selbst der Präsident Roosevelt unterläßt es niemals, sich auf seinen Reisen mit einem Händedruck von den Bahnangestellten zu verabschieden. Solch ein Händedruck, meinte er mit Recht, fühlen Millionen mit, denn es ist die sichtbare Anerkennung der Gleichwertigkeit aller Volksklassen. Darin liegt eine beherzigenswerte Mahnung für alle Unternehmer, die entschieden, wenn sie den Geist unserer Zeit und unserer Gefeßgebung auf den in der berühmten Botschaft Kaiser Wilhelms I. gewiesenen Spuren folgen wollen, die Arbeiter auch mit ihrer Seele und ihrem Herzen an das gemeinsame Werk fesseln müssen. Nichts erzieht so so sehr den Klasseninstinkt und den dumpfbrütenden Haß ber unteren Schichten gegen die oberen Klassen des Volkes, als das Zerschneiden des gemeinsamen menschlichen Bandes zwischen beiden Kategorien. Die Gefahr einer solchen Entwickelung wird um so größer, je mehr die Persönlichkeit der eigentlichen Betriebsunternehmer zurücktritt, wie dies durch die gesellschaftliche Form der Aktienbetriebe und die Zusammenschweißung der Einzelunternehmungen in Syndifate bewirkt wird. Hier wird die ganze Strategie der industriellen Tätigkeit vom grünen Tisch aus geleitet, und die Einzelpersönlichkeiten der Angestellten marschieren hierbei als tote Ziffern auf. Sie sind es aber doch nur für den Kalkulator, während sie als Faktoren des Betriebs mit der Einsetzung der ganzen Persönlichkeit in den Dienst des Unternehmers doch auch auf die Wahrung ihrer Individualität und auf die Berücksichtigung der menschlichen Interessen rechnen. Es gibt keine größere soziale Gefahr, als die Vernachlässigung dieses kritischen Moments in den Verhältnissen zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer. Mögen fich die Unternehmer davor hüten, in den Arbeitern die Empfindung emporwachsen zu lassen, als seien sie, wie auf dem Rechnungsbogen des Kalkulators, nur Ziffern und micht Menschen. Der Ausstand im Ruhrgebiet schreibt über Dieses Thema ein sehr beherzigenswertes Kapitel. Der Herero- Hufftand im Erlöschen. Die neuen Nachrichten aus Deutsch- Südwestafrika lassen erkennen, daß der Widerstand der Herero vollständig ge brochen ist. Die deutsche Heeresführung hat es nicht mehr mit festen Massen von Kriegern, sondern nur noch mit versprengten Banden zu tun, an deren Zusammenschluß zu einer mehr planmäßigen Kriegführung nicht wieder zu denken ist. Die überlebenden Häuptlinge befinden sich mit den wenigen Getreuen, die ihnen haben folgen können, in unhaltbarer Lage, so daß sie sich zum Teil schon auf Gnade und Ungnade den deutschen Truppen haben übergeben müssen. Von unserem-Mitarbeiter erhalten wir das folgende Situationsbild: Eine dem Reichstage zugegangene, vom Großen Generalstab ausgearbeitete Denkschrift über den Verlauf des Aufstandes gewährt ein deutliches Bild von der Folge der Ereignisse, in deren Mittelpunkt der Zusammenstoß bei Waterberg steht. Es ist durchaus berechtigt, von einem Bedeutsamen Erfolge zu sprechen, den die deutsche Heeresleitung durch die heißen Stunden der Kämpfe am Waterberg errungen hat. Daß eine völlige Einschließung des Volkes Der Herero und demgemäß eine Vernichtung resp. ein AbFangen mit einem Schlage möglich sein könnte, war eine Erwartung, die man in eingeweihten militärischen Preisen micht teilte. Dazu waren die zu bewältigenden Entfernungen zu große und die zur Verfügung stehenden Truppen zu geringe. Es fonnte daher nur darauf ankommen, die Widerstandskraft des Feindes zu brechen und dem Volk der Herero die Einsicht beizubringen, daß eine weitere Kriegführung vergeblich sei. Das ist in vollem Umfange geschehen, und die Folgen beginnen sich zu zeigen. Von allen anderen Nückzugslinien durch unsere geschickt geführten Truppen abgedrängt, blieb den auseinander gesprengten Herero nichts übrig, als sich nach Südosten hin zu retten. Dort aber breitet sich in furchtbarer Dede und unerforschter Ausdehnung das gefürchtete Durstgebiet der Omoheke aus. Hier im Sandfeld hat die Häuptlinge einen nach dem andern der Untergang erreicht, so daß den letzten, die übrig geblieben sind, die Hoffnung zu schwinden beginnt und sie die Unterwerfung anbieten. Das Vieh, der zum Leben nötige Besik der Herero, war auf der Flucht verloren oder im Sandfelde verhungert und verdurstet. Die Krieger zerstreuten sich und versuchten in bewohnbare Gegenden zurückzugelangen. Einigen wenigen gelang es, auf englisches Gebiet überzutreten. Wer von den Häuptlingen nicht, wie neuerdings auch der einflußreiche Salatiel umgekommen ist, zieht sich auf die Stellen hin, wo es wieder Wasser gibt. Dort aber treffen sie auf die Wacht der deutschen Streiter. So mußte fich Zacharias Zeraua unterwerfen. So hat nun auch Wilhelm Maharero, der letzte, der noch eine Schar gut bewaffneter Okahandyokrieger zusammengehalten hatte, feine Unterwerfung angezeigt und ist auf dem Marsche ins deutsche Lager. Nur Samuel Maharero ist nach Nordosten zu entflohen, aber sein Anhang ist immer kleiner geworden und nur wenige Berittene sind noch bei ihm. Auch ihm wird keine andere Möglichkeit bleiben, als die Unterwerfung, wenn er sein Leben retten will. Damit kann der eigentliche Aufstand des Volke: der Herero als niedergeschlagen betrachtet werden. Freilich bleibt unseren Truppen noch eine schwere Aufgabe, nämlich der Kleinkrieg gegen die Banden, denen es gelungen ist, sich durch die Absperrung aus dem Sandfeld zurückzuschleichen und die nun räubernd und marodierend im Lande auftauchen. Der Krieg in Oftafie... Die Verichte über den letzten Kosakenritt des Generals Mischtschenkow werden immer verwickelter. Von russischer Seite war behauptet worden, daß die Chinesen den Japanern bei dieser Gelegenheit Vorschub geleistet haben sollten, die Chinesen beklagten sich über angebliche Verlegungen ihrer Neutralität durch die russischen Reiterschwärme, die die Grenze nicht respektiert hätten, und jetzt kommen zuguterletzt die Japaner und behaupten, daß die Russen von chinesischen Truppen unterstützt worden seien. Aus Tokio wird nämlich über die letzten Treffen in der Mandschurei gemeldet: Die Russen wurden von vielen chinesischen regulären Truppen unterstützt. Die Verluste der Russen bei Sanchiaho westlich von Niutschwang am 14. Januar betrugen 300 Mann. Mischtschenkos Abteilung war 5-6000 Mann stark mit zehn Geschützen. Nachdem sie bei Niutschwang zurückgeschlagen war, zog sie sich nach Norden zurück. Japanische Kavallerie hat eine Anzahl erschöpfter Russen am 14. Januar bei Laohoshe gefangen genommen. Aus der Stellung, die Chinas Regierung zwischen den beiden kriegführenden Mächten zurzeit einnimmt, iſt allmählich wirklich nicht mehr flug zu werden. Die Sympathien des chinesischen Volkes sind im allgemeinen wohl unbestritten auf seiten der Japaner. Doch ist es möglich, daß der Hof den kleinen gelben Vettern nicht traut, trotzdem sie sich stets als Freunde und Befreier bezeichnen. Die herrschende Tynastie fürchtet nicht mit Unrecht, daß der nächste Schritt der Japaner, wenn man sie ins Land hineinließe, darin bestehen würde, sie vom Throne zu stoßen. Eine jetzt aufgetauchte starke revolutionäre Bewegung gegen das chinesische Kaiserhans wird in Pefing mit gutem Grunde japanischen Einflüssen zugeschrieben. Die Bewegung ist gut organisiert und wohl mit Waffen versehen. Viele hervorragende und reiche Chinesen nehmen an ihr teil. Die Hauptbeschwerde, die die Führer und Teilnehmer an der Bewegung gegen die jetzige Dynastie erheben, sind die erzwungenen Beitreibungen für Heeresreform und Unterhaltung des Hofes; auch empfindet man die Steuer lästig, die der letzte Krieg notwendig gemacht hat. Eine große Anzahl von Priestern, namentlich aus der Provinz Chili sind in die Reihen der Aufständischen getrieben worden, nachdem in vielen Ortschaften das Tempeleigentum beschlagnahmt worden ist. Die Bewegung steht in enger Verbindung mit den Kolaohui, den Häuptern des gegenwärtigen Aufruhrs in Kuangsi. Diese Kolaohui- Gesellschaft wurde ursprünglich durch alte kaiserliche Soldaten nach der Taipinger Rebellion als eine patriotische Vereinigung begründet. Jetzt steht sie an der Spitze der antidynastischen Bewegung und sie umfaßt unter ihren Mitgliedern den größeren Teil der Soldaten, die in Südchina geboren sind. Im Revier des Bergarbeiterftreiks. Der Verlauf der gewaltigen Arbeiterbewegung im westfälischen Kohlenrevier wird mit fieberhafter Aufmerksamkeit im In- und Auslande verfolgt. Die nächsten Tage müssen die endgültige Entscheidung über das Wohl und Wehe von etwa einer Viertelmillion von Arbeitern und einer ganzen Anzahl von industriellen Werken bringen, in denen viele Millionen Kapital stecken. Sie ziehen ihre Lebenskraft von den schwarzen Diamanten, die unter der ,, roten Erde" Westfalens in dichten Adern lagern. Die fleißige Hand, die sie mit Art und Schaufel an3 Tageslicht förderte, feiert jetzt in freiwilliger Muße. Wird diese lange währen? Werden dem deutschen Nationalwohlstand Wunden geschlagen werden, die erst in Jahren wieder verharschen können? Das ist die bange Frage, die alle Gemüter bewegt. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren, daß es schließlich doch in letzter Stunde zu einem Vergleich kommt. Troß der Erbitterung, die unter den Arbeitern herrscht, ist bisher von den Streifenden im allgemeinen strenge Selbstzucht geübt worden. Von größeren Ausschreitungen, die die Verwendung von Gendarmerie und Militär notwendig gemacht hätten, ist infolgedessen nicht die Rede gewesen. Ob aber diese Zucht unter den Massen auf die Dauer standhalten wird? Wer will das voraussagen? Vorläufig scheint die Organisation straff genug, das beweisen die nachfolgenden Stimmungsbilder aus dem Streikgebiet. Effen, 19. Januar. In Stadt und Umgegend hat sich bisher die Physiognomie des täglichen Lebens durch den Streif kaum geändert. Allerdings trifft man in den Straßen ab und zu Gruppen feiernder Bergarbeiter, doch halten diese eine musterhafte Ordnung und gehen ruhig ihres Weges. Vor einzelnen Lokalen, so namentlich in der Rottstraße vor dem Restaurant Borussia, bemerkt man durch Rosetten kenntlich gemachte Ordner, die dafür sorgen, daß der Verkehr nicht gestört wird. In allen Restaurants in den Geschäften der Hauptverkehrsstraßen gingen Saen für die Streifenden umher. Da die Bürgerschaft zum großen Teil mit diesen sympathisiert, sollen ganz erfleckliche Summen zusammengekommen sein. Trotzdem hält man es für ausgeschlossen, daß, falls der Streik für permanent erklärt wird, die nötigen Mittel zur Unterhaltung der 180 000 Streifenden und ihrer Familien aufgebracht werden können. Das mindeste, was an Streifmitteln aufgebracht werden müßte, sind wöchentlich 2 000 000 Mart. Kenner der Verhältnisse behaupten, daß jetzt in diesen falten Wintertanen, in denen die Bauhandwerfer feiern, die Sozialdemokratie trotz aller Anstrengungen inklusive der Gewerkschaften noch nicht 40 000 Mark wöchentlich aufzubringen imstande sei. In den Versammlungen der Bergleute hier trat aber bisher so til ruhige, zu den äußersten Opfern bereite Entschlossenheit zutage, daß an ein Nachgeben wegen finanzieller Not nicht zu denken ist. Die Verwaltung der Hanielschen Zeche Rheinpreußen" hat die Forderungen der Bergleute angenommen. Die Belegschaft hat infolgedessen beschlossen, weiterzuarbeiten. Bochum, 19. Januar. Die Lage wird stündlich bedrohlicher. Wie hier verlautet, sollen zurzeit nicht 180 000 Mann, wie offiziell angegeben wurde, sondern schon über 200 000 feiern. Die Arbeiter ziehen in Trupps durch die Straßen, bisher still und ruhig, man sieht den verbissenen Gesichtern aber die Erbitterung an. Daß der Großgewerke Stinnes es abgelehnt hat, vor dem Wittener Berggewerbegericht als Einigungsamt zu erscheinen, hat die Stimmung ungemein berschärft. Von der Bürgerschaft werden die Arbeiter tatkräftig unterstützt. Die Polizei hat bisher keinen Grund zum Einschreiten gehabt, doch ist, um allen Eventualitäten zu begegnen, die Polizeistunde in den Wirtschaften der Stadt auf 11 Uhr, in den Außenbezirken auf 10 Uhr festgesetzt worden. Es wird behauptet, daß der Kaiser den Kommerzienrat Lueg zu sich befohlen habe, um sich über den Streik Bericht erstatten zu lassen. Die Arbeiterfrauen beteiligen sich lebhaft an der Agitation. Eine Frauenversammlung, in der die bekannte Frau Blume auftreten wollte, wurde verboten. Es werden überall Streifbureaus errichtet, so hat das Christliche Gewerkschaftskartell auch hier ein solches gebildet. Am Freitagvormittag wird hier eine große Bergarbeiterversammlung stattfinden, in der über den Streik referiert werden wird. Herne, 19. Januar. Wer sich an den Bergarbeiterputsch von 1898 erinnert und ähnliche Zustände wie damals, wo in der Bahnhofstraße auf das einrückende Militär geschossen wurde, auch jetzt befürchtet, sieht sich angenehm enttäuscht durch die gesetzte Haltung der Streifenden. Sie machen ihrem Herzen in den Versammlungen Luft, manchmal recht derbe, aber auf der Straße benehmen sie sich still und gesittet. Auf der Straße von Herne nach Bruch begegnet man allenthalben Gruppen feiernder Bergleute, die zu den Versammlungen nach Herne gehen. Viele unter ihnen sind Polen, die in diesem Strich des Reviers in der überwiegenden Zahl sind. Hier im richtigen Kohlenwinkel ist stets Arbeit für sie vorhanden. Von allen Seiten grüßen die hochragenden Kamine, die Seilstühle, die Anlagen über Tage von vielen Zechen. Ueberall sieht man die mächtigen Steinholden, die unkundige, mit Kodak bewaffnete Spezialberichterstatter abfonterfeiten und irrtümlich als„ Kohlenvorräte" der Zechen in ihren Blättern berewigten. Ueberall sieht man die Wirkungen des Streifs: ,, Alle Räder stehen still". An bestimmten Straßenpunkten halten Gendarmen und berittene Polizisten; sie haben nichts Besonderes zu tun, keinen Grund zum Einschreiten; die Barole der Führer, vorerst Ruhe und Ordnung zu halten, wird von allen, Organisierten und Nichtorganisierten, befolgt. Es ist alles viel ruhiger und äußerlich gesitteter, als es sonst in diesen Industriegegenden zu regelmäßigen Zeiten an Sonnund Feiertagen und an Zahltagen der Fall ist. Herten, 19. Januar. Balkan- Staaten. Aus ganz eigenartigen Ursachen scheint sich eine Ministerkrisis in Serbien entwickeln zu wollen. Die serbische Regierung beabsichtigt, eine Anleihe aufzunehmen und ihren Ertrag vorzugsweise zu Anschaffungen für das Heer, insbesondere zu Schnellfeuergeschüßen zu verwenden. Um die Frage, wem die Lieferung der Geschütze übertragen werden soll, hat sich ein Streit entsponnen. Es werden schwere Beschuldigungen gegen eine Anzahl Minister und anderer hoher Staatsbeamter erhoben, als wenn es bei der Vergebung der Lieferungen nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Vielfach wird vor Abschluß der Ankaufsverträge die Vornahme von Geschützproben gefordert. Der König Peter soll dahingehende Zusicherungen seinen Offizieren gegeben haben, während die Behauptung auftaucht, es seien schon Bestellungen erfolgt. Wenn nicht alles trägt, stehen neue innere Wirren in Serbien bevor. In unserem Ort geht es lebhaft zu. Trotzdem die Arbeiter sich bisher ruhig verhielten, wurde infolge aufregender Gerüchte auf Zeche Pluto sollte ein Arbeitswilliger erschossen sein das Polizeiaufgebot verstärkt. Man sieht berittene Polizisten, Gendarmen, den Karabiner im Leder. futteral. Ueberall zeigen sich die Ordner der Ausständigen, die freiwillige Polizeidienste leisten. Die Bergleute sind durchweg gut gekleidet und befleißigen sich einer musterhaften Haltung. Das wird ihnen auch von ihren Gegnern zugestanden. Gelsenkirchen, 19. Januar. Im hiesigen Revier ist der Streit allgemein. In den Versammlungen, die hier abgehalten wurden, herrschte große Begeisterung und Einigkeit. Ueberall wurde vom Alkohol abgemahnt. Die Straßen der Stadt bieten ein Bild wimmelnden Lebens. Tausende von Bergleute füllen sie. Es herrscht völlige Ruhe. Nirgends sah man Betrunkene. Polizeimannschaften, den lederbeschirmten Revolver am Gurt, zogen in geschlossenen Abteilungen und einzeln zu den Zechen- und Werkplätzen und den Straßenkreuzungen. Ihnen bietet sich aber fein Anlaß zum Einschreiten. Zwei von Berlin gekommene angebliche Anarchisten wurden wieder entlassen Dortmund, 19. Januar. Amerika. Nab und Fern. Ein Unfall des Kronprinzen. Als der Kronprinz von seiner Wohnung im Kabinettshause zu Potsdam nach der Eisbahn begeben wollte und mit seinem Dogcart, das er selber lenkte, die Charlottenstraße am Bassinplatz passierte, strauchelte das Pferd über eine Eisenplatte und kam zu Fall. Durch den Ruck stürzten der Kronprinz und der Kutscher nach vorn aus dem Wagen heraus. Glücklicherweise ging der Fall ohne jeglichen Schaden ab. Der Kronprinz erhob sich sofort wieder, das Geschirr wurde instand gesetzt, und heiter setzte der Kronprinz die Fahrt fort. Immer wieder taucht die venezolanische Frage auf und droht, zu neuen Verwickelungen zu führen. Neuerdings waren die Beziehungen zwischen Venezuela und den Vereinigten Staaten von Nordamerika sehr gespannte geworden, und Präsident Castro war sogar gewillt, dem amerikanischen Gesandten seine Pässe zu schicken. Es bedurfte eines sehr energischen Auftretens, um Castro gefügig zu machen. Besonders sträubte er sich, dem amerikanischen Vorschlage, der auf Einsetzung eines Schiedsgerichts zur Austragung der noch schwebenden Streitigkeiten ging, zuzustimmen. Schließlich zog Castro es aber doch vor, in die amerikanischen Forderungen zu willigen. Hof und Gesellschaft. *** Prinz Heinrich von Preußen stattete von Berlin aus dem Füsilier- Regiment Nr. 35 in Brandenburg a. H., dessen Chef er ist, einen Besuch ab. Der Mülheimer Bergwerks- Verein verlangte für seine Beamten Waffenscheine. Viefach finden Versammlungen der Frauen statt, in denen die Männer zum tapferen Aushalten im Kampfe aufgefordert werden. In Niedermassen forderten verschiedene Rednerinnen die anwesenden Frauen auf, dafür zu sorgen, daß kein Bergmann das Haus verläßt. In Dorstfeld sind 58 Personen als Schußmannschaf ten der Polizei bereidigt worden. Sie tragen schwarz- weiße Binde, Polizeikokarde, Revolver und Seitengewehr. Zahlreiche Bergleute erklärten, gern arbeiten zu wollen, sie fürchteten sich jedoch vor den Streifenden. Bei verschiedenen Zechen wurden deshalb Sammelpläge für Arbeitswillige eingerichtet, von wo aus sie durch Gendarmerie, die fortgesetzt Verstärkungen erfährt, nach den Zechen begleitet werden. Wie es heißt, soll auf Gendarmen geschossen und ein Bergmann verwundet sein. Doch wird sich das Gerücht, wie so viele andere, wohl als Sensationsmache herausstellen. * * ** ** Am 2 Uhr beginnend, Ausschusses Lages Ordnung Genehmigung Guthmann zu bandes Dübel haufen wegen Schildger bon ftelle von Ra -h- Cin des Kreis A Ein grauenhafter Mord wird aus Bayern berichtet. Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Kempten und Wullenstetten bersah die Frau des Bahnwärters Hirnigel den Dienst in Vertretung. Als Frau Hirnigel auf der Strecke sich befand, wurde sie von einem 34jährigen Menschen namens Richard Heinz aus Wullenstetten überfallen, vergewaltigt und dann auf gräßliche Weise ermordet. Der entmenschte Mörder schlug den Kopf der Frau solange mit aller Wucht an eine Telegraphenstange. bis er zu einer blutigen Masse zermalmt war. Der Schreckenstat war ein harter Kampf vorangegangen; die kräftige Frau muß sich mit aller Macht zur Wehr gesetzt haben, darauf deuten die Hände der Frau hin, die furchtbar zerfetzt sind. Als der Mörder festgenommen wer den sollte, schnitt er sich mit einem Rasiermesser den Hals ab und war auf der Stelle tot. Die Beiseßung des Fürsten Alerander von Lippe, des letzten aus dem Stamme Detmold, hat im Mausoleum zu Detmold stattgefunden. An der Trauerfeierlichkeit nahmen neben vielen anderen Fürstlichkeiten und Abordnungen fremder Höfe der Graf- Regent mit seinem Hause teil. Weiter wird noch gemeldet: In der Konferenz vor dem Oberbergrat v. Velsen waren nur die Arbeitervertreter, nicht aber der Bergbauliche Verein vertreten. Irgendwelche auf den Verlauf der Bewegung Einfluß übende Beschlüsse konnten daher nicht gefaßt werden. Es sollen nun die Ausschüsse ihre Wünsche und Beschwerden im einzelnen vorbringen, und die Vertreter der Regierung werden dann die Mißstände prüfen und Abhilfe zu schaffen suchen. Deutfcher Reichstag. ( 122. Sigung.) 23. Januar, zu Gießen Bunfte: 1. fchriftliche B ber Sterbefo lofe Custur Formularien Bemeinden u Bolizei und und Forfftraf 8. Erhebung ein treter Wahl zu 10. Algeme ** Am D Geiftlichen, der Gießen verfd Hattenrod. *** Hudd Lag, bon Mo O Der Arbeiteransstand im Naphtagebiet von Baku ist durch das Entgegenkommen der Arbeitgeber beigelegt. Die wesentlichen Zugeständnisse sind Abmachungen über die Arbeitszeit, und Festsetzung eines Minimallohnes. Eine furchtbare Eisenbahnkatastrophe ereignete sich bei Darfield in der englischen Grafschaft York. Ein Expreßzug von Schottland fuhr von hinten auf einen von London kom. menden Postzug. Das Unglück wurde dadurch noch ver größert, daß der Expreßzug von der Londoner Station St Pancras nach Schottland in die Trümmer der erstgenannter beiden Züge hineinfuhr, daß die Trümmerstücke Feuer fingen und dichter Nebel herrschte. Soweit bisher feststeht, wurden 6 Personen getötet und 20 verletzt. Mit Mann und Maus untergegangen ist aller Wahrscheinlichkeit nach der deutsche Dampfer Christine Sell" aus Flensburg. Das Schiff, das sich auf der Fahrt von Neustadt in Holstein nach Grangemouth befand, ist seit 8 Tagen überfällig. Es hat Stagen nicht passiert, und es wird an genommen, daß es im letzten Sturm mit Mann und Mau untergegangen ist. Hus dem Gerichtsfaal. Die richter Wehne daß er an de Sein Verhal ihn aber do abgemagert Heute am Bilbeler Be nommen. § Ist Untersuchungshaft Hinderungsgrund für den Strafantritt? Diese Frage wird von dem zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilten Mörder Theodor Berger zur Entscheidung gebracht werden. Neben der Zuchthausstrafe, die er für die Ermordung der kleinen Lucie Berger erhalten hat, ist Berger wegen Kuppelei noch zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen die Zuchthausstrafe hat er Revision eingelegt. Gefängnisstrafe möchte er während der bis zur Durchführung der Revision vor der höheren Instanz bestehenden Untersuchungshaft sofort abbüßen, und er hat einen dahingehen. den Antrag gestellt. Diesen hat die Staatsanwaltschaft abgelehnt. Berger hat gegen den Entscheid durch seinen Verteidiger Beschwerde erheben lassen. Es wird also die Frage grundsätzlich zum Austrag kommen, ob ein Angeklagter, der sich zum Antritt einer über ihn verhängten Strafe meldet, mit Rücksicht auf eine schwebende Untersuchungshaft von der Verbüßung der Strafe zurückgehalten werden kann. CB Berlin, 19. Januar. Die zweite Beratung des Po ste tats begann mit einer in der Hauptsache sozialpolitischen Debatte, in der das Zentrum an der Spize marschierte. Die ausschlaggebende Partei hatte zwei Resolutionen eingebracht, in denen vier Wünsche enthalten sind. In der ersten wird empfohlen, den gemeinnügigen Arbeitsnachweisen in bestimmten( Morgen-) Stunden die Benutzung der Fernsprecheinrichtungen gegen ermäßigte Vergütung zu ermöglichen. In der zweiten wird zunächst beantragt, daß die Sonntagsruhe für die Post- und Telegraphenbeamten durch Einstellung der Geld- Nachnahme, des Drucksachen- und Paketverkehrs an Sonn- und Festtagen, sowie durch Verkürzung der Schalterstunden für den Paketverkehr an den Vorabenden dieser Tage in erhöhtem Maße durchgeführt werde. Sodann wird eine weitere Beschränkung der wöchentlichen Maximalarbeitszeit gefordert und schließlich das Verlangen nach einer der Statistik der Verhältnisse der Beamten und sonstigen Angestellten der Post- und Telegraphenverwaltung in den Kolonieen ausgesprochen. Begründet wurden die Anträge vom Abg. Trimborn in einer anderthalbstündigen Rede, die er selbst als sehr lang und an anderer Stelle als langweilig bezeichnete. Er führte einen ganzen Berg von Zahlen an, um seine Behauptungen zu beweisen, aber mit dem ihm eigenen rheinischen Humor verstand er es mehr als einmal, Leben in die Gruppen der toten Ziffern zu bringen, und mit dem Interesse zugleich die Heiterkeit des Hauses zu wecken. Was er sagte, klang plausibel, aber teilweise nur so lange, bis der Staatssekretär des Reichspostamts seine Stimme dagegen hob. Da zeigte sich's wieder, daß jedes Ding seine Seiten hat. Herr Krätke ist mit der Tendenz der Zentrumsanträge, Besserstellung der Beamten, durchaus einverstanden, fann ihnen aber im einzelnen nur teilweis zustimmen. Die einschlägigen Verhältnisse sind so schwierig, daß man mit einer gewissen Vorsicht vorgehen muß. Den Verkehrsbeschränkungen zeigte sich der Staatssekretär wenig geneigt. Er versicherte, daß er für seine Untergebenen so viel wie möglich herauszuschlagen suche, und knüpfte daran die Bemerkung, daß er auch schon mehr getan habe, als selbst der Abg. Trimborn trop seines eifrigen Studiums entdeckt habe. Dessen Statistik sei bereits erheblich überholt, es seien, seit die von ihm verlesenen Ziffern niedergeschrieben wurden, bereits 1,5 Millionen Marf mehr für die Besserstellung der Beamten aufgewendet worden. Der sozialdemokratische Abg. Singer betonte insbesondere die Notwendigkeit, die Lage der unteren Beamten aufzubessern, und zwar nicht nur materiell. Die Vorgesetzten sollten sich nur darum fümmern, was die Beamten im Dienste tun, nicht aber um ihr außer dienstliches Verhalten. Die Maßregelungen aus politischen Gründen müßten aufhören. Inzwischen beginnt sich bereits Kohlenmangel geltend zu machen. Dabei kommen neben dem Ausstande in Westfalen auch noch die in England und Schottland abgehaltenen Feiertage in Betracht. In Hamburg ist der Preis für 40 bis 60 Pfennig für den Doppel- Hektoliter in die Höhe gegangen. Aus Belgien werden große Versendungen von Kohle nach Deutschlad vorbereitet. Die Politik. In der Budgetkommission des Reichstags standen die südwestafrikanischen Bahnbauten zur Beratung. Die im Nachtragsetat enthaltene Forderung von 200 000 Mark für Vorarbeiten zum Bahnbau von Windhuk nach Rehoboth wurde abgelehnt, obwohl die Regierung sich zur Ausgabe dieser Summe bereits vertragsmäßig verpflichtet hat. Außer dem wird in einem dem Reichstage jetzt bekanntgegebenen Telegramm des Generals v. Trotha der beschleunigte Ausbau der Otavi- Bahn bis Omaruru verlangt. Dafür sind nach der entsprechenden Position des Nachtragsetats vertrag. lich festgesetzt: drei Raten in Höhe von 1 400 000 Mark( bis 1. Dezember 1904) und der Rest von 350 000 Mart sofort nach Fertigstellung der Bahn. Frankreich. Präsident Loubet verhandelt mit den maßgebenden Politifern über die Lösung der Ministerkrisis. Die Gegensätze stehen sich ziemlich schroff gegenüber. Die Radikalen verlangen ein Ministerium, das in Combes' Spuren wandeln, die Dissidenten unter des Kammerpräsidenten Doumer Führung berlangen stürmisch Anteil an der Leitung, da nur so eine Versöhnung der Republikaner möglich sei. Russland. A Entgegen den Kundgebungen, die eine Reform des Regierungssystems fordern, treten jetzt auch die Anhänger des autokratischen Regimes in die Deffentlichkeit. So hat sich ein Russischer Klub gebildet und durch eine Abordnung dem Kaiser eine Ergebenheitsadresse überreichen lassen, in der jeder Gedanke an eine Abänderung der Selbstherrschaft, welche neben der Orthodorie und dem Nationalbewußtsein die Grundlage des Vaterlandes sei, zurückgewiesen wird. Daß Kaiser Nikolaus wieder ganz für diese Anschauungen gewonnen ist, bewies die Antwort, die er der Abordnung des Russischen Klubs erteilte. Er sprach ihr seinen Dank aus mit dem Bemerken, dem ehrlichen russischen Gedanken der Adresse könne man weder etwas hinzufügen, noch von demselben etwas hinwegstreichen. In Kiew ist bereits eine Sitzung des Kriminalistenkongresses von der Polizei geschlossen. Als das Publikum den Saal verließ, wurden revolutioire Schriften verteilt. Ein Student rief:„ Nieder mit der Autofratie!" Preussifcher Landtag. Haus der Abgeordneten. ** Morg fe Bither Turnhalle fein Programm wir Außer Gesamtd Mandolinendor eine Theater A Mandolivenchor fann ihm für Bestimmtheit in § Gegen den Masseur Köhler lautet das vom Schwurgericht zu Berlin gefällte Urteil auf 5 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und 6 Wochen Haft. Die Mitangeflagten wurden zu Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis binaub zu 2 Monaten verurteilt. Köhler erklärte, die Strafe annehmen zu wollen. Heiz wird auch A Pelz § Unschuldig im Zuchthause. Vom Schwurgericht zu Lüneburg waren vor drei Jahren der Vichhändler Kirschstein und der Schlächter Scheuer wegen Meineids zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und trop fortgesetzter Beteuerung ihrer Schuldlosigkeit dorthin abgeführt worden. Nachdem sie den größten Teil der Strafzeit abgesessen haben, stellt sich nunmehr heraus, daß sie tatsächlich unschuldig sind. Der Hauptbelastungszeuge hatte, von Haß und Rachsucht getrieben, beide Männer durch seine Aussagen belastet. Kirschstein und Scheuer wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. = Vermischtes. geffern geleg reicher Bestell unjeres Land Beidhent gem welchem mit Monogramm Fürftliche die Fürstin herzog war erfreut, so de eine weitere feine Braut Дад am Seltersm fein. Nach de Buidh, ging Kauf an Herr [ Graf Pückler mundtot!] Die Hoffnung der Anhänger des Grafen Pückler, daß ihm von der Berliner Polizei wiedz erlaubt werden würde, in öffentlichen Versammlungen zu reden, nachdem er vom Gerichtshof für geistig gesund erklärt war, hat sich nicht erfüllt. In der ersten Tonhallenversammlung, die Graf Bückler nach der Entlassung aus der Haft veranstaltete, erklärte der überwachende Polizeioffizier, dis Versammlung werde aufgelöst, sobald Pückler als Redner auftrete. So konnte er nur als schweigender Gast der Ver sammlung beiwohnen. Seine Anhänger bereiteten ihm lebhafte Ovationen. ( 121. Sizung.) RK Berlin, 19. Januar. Die ganze heutige Sigung wurde mit einer Debatte über die Kosten des Seuchengesetzes ausgefüllt. Während im Hause eine ganz ungewöhnlich starke Unruhe herrschte, die oft für längere Zeit es unmöglich machte, die Redner zu verstehen, wechselten diese in bunter Reihenfolge. In borderster Linie fämpften immer wieder die Abgg. Gamp, Frhr. v. Zedliz, v. Ditfurth für die Entlastung der kleineren Gemeinden und die stärkere Inanspruchnahme des Staates, während der Abg. Wellstein vom Zentrum zu vermitteln suchte. Von den Ministern sprach Dr. Studt nur selten und kurz, desto öfter und eifriger aber der Finanzminister Frhr. b. Rheinbaben, der mit Nachdruck hervorhob, daß der Staat schon den überwiegend größten Teil der Kosten übernehme, und der im besonderen den konservativen Antrag v. Heydebrand für unannehmbar erklärte. Von diesem Antrag wurde daraufhin ein Teil angenommen, der andere abgelehnt. Ob bis zur dritten Lesung noch eine Einigung zwischen Regierung und Mehrheit erzielt werden wird, wie der Minister es hofft, steht dahin. Uebermorgen steht die Hiberniavorlage auf der Tagesordnung. Der Präsident teilte zum Schluß auf eine Anfrage hin mit, daß am nächsten Montag die Etatsberatung, am folgenden Montag oder Dienstag die zweite Beratung der Kanalvorlage beginnen soll. = läßt nun ge mehrere mod aufrichten zu Unter wirtschaft Bollswirtscha Dr. Eugen S Landwirtschaftl halt neuerbing But Sontral Laut mirtihaftli Abhandlungen [ Die sprechende Postkarte.] Die Postkartenmanie hat einen guten Erwerbszweig geliefert, und es muß schon eine ganz besondere Abwechselung geboten werden, wenn diese festen Fuß fassen soll. Die photographische Ansichtspostkarte scheint vorläufig die Oberherrschaft zu behalten, obgleich win bon Händlern vernehmen, daß sie auch Vorrat von Postkarten in zahlreichen anderen Druckverfahren haben. Der neueste Rivale ist ein Benny- Automat, und zwar nicht für Ansichtsoder Porträtkarten, sondern für ein phonographisches Dokument in des Absenders eigener Sprache. Die Erfindung tommt aus Wien. Die betreffende Person erhält durch den Automaten ihre Rede auf einer dünnen Grammophonplatte, die auf einer Postkarte firiert wird und dann wie eine gewöhnliche Postkarte versandt werden kann. Die Platte foll aus einem neu erfundenen Material bestehen, das so hart ist, daß eine Beschädigung bei dem Postversand nicht eintritt. Natürlich besteht nun für den Empfänger eine Schwierigkeit in der Reproduktion der Rede des Absenders, aber hier soll durch einen neuen billigen Phonographen abgeholfen werden. Sollte diese Erfindung Erfolg haben, so ist kein Zweifel, daß diese Phonographenpostkarte der illustrierten Postkarte sie ernste Konkurrenz hereiten mird beitete Rater einer eingeb Kommiffion univerfitat Rag'ichen Entschieder Statit unte Dr. Raz Profeffors führungen 101. GB waren, al dem Sozia fie berufen Der band, D in feinem mit dem beborftebe Broich un borzüglich mannsge gab seine dazu not gültig zu zuführen, früber zu gegen für a onpring sdam nach cart, das er paffierbe, d kam zu nd der Kut dlicherweise Kronpring and gesetzt, 1 berichtet. ullenitetten Dienst in fich befand, ens Richard tund dann te Mörder icht an eine je zermalmt vorangegant zur Wehr au hin, die mmen wer den Hals n Baku if elegt. De ber die Ar nete fich by Expreßzu Condon fom noch ber Station SA ritgenannten Feuer fingen teht, wurden aller Wahr ne Sell" aus rt von Neufeit 8 Lagen es wird an und Mau ir den Straf Fahren Zucht Entscheidung Die er für die at, ist Berger 8 berurteil gelegt. ur Durchfüh tehenden Un n dahingehen valtschaft d seinen Ver Iso die Frage geklagter, der Strafe meldet, Shaft von der Fann. Dom Schur e Zuchthaus Die Mitange Monaten b erflärte, burgericht Sindler Kj neids зи etter Beteue bies worden. Nad efeffen haben nfchuldig find und Nachfudh agen belastet en Fuß gefett Anhänge lizei wied lungen und erfla lenberjamm aus der seioffizier als Gaft der S iteten ihm artenmanie bat muß on eine en, wenn die Anfichtspoftfar ten, obgleid at bon Bottart n. Der neu cht für Anfi raphisches Deb Die Erfind erhält burg ammophonple ann wie eine Die Platte en, das so rjand nicht ger eine G phen abgehol Abfenders, d aben, fo ift f der illuftrierte iro Lokales. 20. Januar 1905. *** Am Mittwoch, den 25. d. M. vormittags 129 Uhr beginnend, findet eine Sigung des Provinzial Ausschusses der Provinz Oberhess n mit folgender Tages Ordnung ftatt: 1. Antrag auf Entziehung der Genehmigung zum Gewerbebetrieb gegen die Hebamme Guthmann zu Jibenstadt. 2. Klage des Ortsarmenverbandes Düdelsheim gegen den Ortsarmenverband Eckartshausen wegen Ersatz von Kosten der Unterstützung des Christ an Schildger von Eckartshäusen. 3. Die Verlegung der Haltestelle von Ranstadt; hier die Enteignung von Gelände. -h- Eine Kreistonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen findet fommenden Montag, den 23. Januar, mittags 12 Uhr im Lenz'schen Felsenkeller" zu Gießen statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Bunfte: 1. Reform des Ortsgerichts- Gebührenwesens; hier schriftliche Zusammenstellung der Vorschläge. 2. Bezahlung der Sterbefalls- Berichte. 3. Das Ortsgericht als foftenJose Auskunftei für die Notare.- 4. Bezahlung aller Formularien der Bürgermeisterei und der Ortsgerichte durch Gemeinden und Staat. 5. Vergütung für staatliche 6. Das neue FeldPolizei und Staatsanwalts- Mithülfe. und Forststrafgesetz. 7. Das neue Forstverwaltungsgesetz. 8. Erhebung eines einmaligen Jahresbeitrags. 9. Vertreter Wahl zu der Frankfurter Bürgermeister- Versammlung. 10. Algemeine Aussprache. - - - - ** Am Mittwoch ist der Senior der hessischen evang. Geistlichen, der Pfarrer emer. Gustav Hammann in Gießen verschieden. Die Beiseßung erfolgt morgen zu Hattenrod. *** Hudde ist gestern Donnerstag den ganzen Tag, von Morgens bis Abends, durch Untersuchungs. richter Wehner bernommen worden. Er bleibt dabei, daß er an dem Heldenberger Mord nicht beteiligt ist. Sein Verhalten ist ein ruhiges; die Gefängnisluft hat ihn aber doch schon mitgenommen; er ist bereits etwas abgemagert und das Geficht zeigt eine starke Blässe. Heute am Freitag, wurden an Ort und Stelle im Vilbeler Bezirk, mehrere Zeugenbernehmungen vorge= nommen. ** Morgen Samstag Abend feiert der Gernhardtsche Zither- und Mandolinenchor Gießen in der Turnhalle sein Stiftungsfest. Nach dem uns vorliegenden Programm wird das Fest sich in großen Zügen bewegen. Außer Gesamtchören sind auch Vorträge für Frauen- und Mandolinenchor, sowie ein Streichquartett vorgesehen. Auch eine Theater- Aufführung fehlt nicht. Da der Zither- und Mandolinenchor über einen großen Freundeskreis verfügt, fann ihm für morgen ein zahlreicher Besuch mit der größten Bestimmtheit in Aussicht gestellt werden. Einen besonderen Neiz wird auch der Ball ausüben. A Pelzhändler Kretschmar zu Gießen hat gestern gelegentlich der Ablieferung zweier umfangreicher Bestellungen an die Fürstin zu Lich der Braut unseres Landesherrn eine recht nette Arbeit zum Geschenk gemacht. Es ist das ein Fußbänfchen, auf welchem mit verschiedenartigen Belzeinlagen neben dem Monogramm E. u. 2. das Großherzogliche und das Fürstliche Wappen sich befinden Prinzessin Eleonore, die Fürstin wie auch der später herbeigerufene Großherzog waren über das selbstverfertigte Geschenk sehr erfreut, so daß Herr Kretzschmar als Anerkennung sofort eine weitere Bestellung von unserem Landesherrn für feine Braut gleich mitbekam. Das ehemalige Restaurant Kaisergarten am Seltersweg zu Gießen wird bald verschwunden sein. Nach dem Tode des Eigentümers, des Studenten Busch, ging das ganze Anwesen bekanntlich durch Kauf an Herrn Bauunternehmer Winn über. Derselbe läßt nun gegenwärtig das Haus niederreißen, um mehrere moderne Geschäftshäuser an derselben Stelle aufrichten zu lassen. Reichstagsabgeordneter Bassermann habe neben dem D. H. V. fich große Verdienste darum erworben, denn dieser Herr beschäftigte sich schon seit 1897 sehr eingehend mit den Gerichten und ſeten wir ihm zu großem Danke verpflichtet. Der Redner ging alsdann zu dem zweiten Teile seines Programms, zu den bevorstehenden Wahlen über. Er berichtete über die hiesige Wahlverhältnisse und gab bekannt, daß die hiesigen Kaufmännischen Vereinigungen in einer Versammlung des Kaufmännischen Vereins eine Wählerliste aufgestellt hätten. Außer dieser Liste set nun noch eine solche aufgetaucht, der u. A. auch d n Namen des Herrn Vorsitzenden des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen enthalte. Merkwürdig und befremdend an der Sache set, daß der Herr Vorsitzende der Leipziger erst als Vertreter seines Verbandes für die Liste der Kaufmännischen Vereinigungen eintrat, sich aber trotzdem kurz darauf von anderer Seite selbst als Candidat aufstellen läßt. Der Vortrag schloß gegen 11 Uhr und erntete der Redener derdienten Beifall r Grünberg, 19. Januar. Die heutige Holz- Versteigerung zeigte noch nichts von dem baldigen Kohlen. mangel oder Aufschlag. Scheitholz erster Klasse 4 Meter 40 bis 50 mt., zweiter Klasse 24 Mt. Ebenso die anderen Sorten. Auch in Großherzoglichen Forsten und den Frhl. Rabenauschen fann von wirklich hohen Preisen teine Rede sein. r Grünberg, 19. Januar Heute tamen Wagen mit gutem, reinem, dem in unserer 3 it so unentbehrlichen Eis hier an. Der Zentner wurde mit 15 Pfg. bezahlt. Der Bierhändler St. der Büdinger Brauerei allein braucht 2500 8 ntner. f Lüzellinden. Hier wurden unserer Kinderschwester, durch einen Einbruch 10 Mt. entwendet, die ihr aber von dem Dieb reuig wieder zugestellt worden sind. Londorf. Morgen Sonnabend feiern die Eisenbahner der Stricke Grünberg- Londorf- Lollar Kaisers Geburtstag hier im Gasthof 8ur Stadt Gießen". Die Geburtstag hier im Gasthof 8ur Stadt Gießen". Die Eisenbahn- Inspektion Gießen hat in recht liebenswürdiger Weise für sämtliches Personal Ablösung verfügt. Nach uns gewordenen Mitteilungen ist ein reichhaltiges Programm, dessen Abschluß ein Ball bildet, vorgesehen. A Londorf. Am Dienstag fiel ein Gießener Herr hier so unglücklich auf der glatten Straße, daß er sich schwer verlegte. r Von der Ohm. Kommt vor kurzem eine Zigeunerbande mit 8 Pferden an und verlangt dafür Unterkunft. Natürlich wird diese verweigeret. Darob großer Zorn bei den braunen Gesellen. Der Bürgermeister allarmiert die Feuerwehr und jetzt gibt es eine Panit, zumal die Holzhauer ihre Arte schwingend mit Hurrah aus dem Walde den abziehenden Bigeunern entgegeneilen. Selten ist wohl eine Bande so ausgerissen wie diese. Am Abend wurde selbstverständlich die siegreiche Schlacht der Dorfbewohner ohne Sprize feuchtfröhlich gefeiert. - s Restrich. Am vergangenen Dienstag verunglückte im Walde beim Holzmachen Karl Scheich von hier. Er mußte nach Hause getragen und dort seine am Kopfe erhaltenen schweren Verlegungen durch einen Arzt vernäht werden. K Vom Westerwald, 18. Jan. Im Hinblick auf die baldige Fertigstellung der Querbahn siad jetzt die seither brach gelegenen prachtvollen Basaltsteinbrüche in der Marienberger und Sinheimer" y" in Angriff genommen worden. Der Verein zur Beschäftigung Arbeits= loser für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen- Nassau hielt gestern Donnerstag in Frankfurt a. M. im Magift. ratssaal im Römer seine Mitgliederversammlung ab. Den ratssaal im Römer seine Mitgliederversammlung ab. Den Vorsitz führte Provinzial- Direktor Dr. Greidert- Gießen und erstattete den Jahresbericht. Aus demselben ging hervor, daß der Verein 38 343,68 t. vereinnahmie und die gleiche Summe verausgabte. Das Kapitalvermögen beträgt 4382,50 Mt. Ueber die Arbeiter- Kolonie Neu- Ulricheiner gelbahn zu veranstalten. Die Statuten gemäß ausscheidenden 16 Herrn wurden wiedergewählt. Betreff der Wahl des Verbandsdelegierten beschloß die Verſammlung mit dem Verband für Verpflegungsstationen gemeinsam denselben Delegierten zu wählen. LandesHauptmann v. Rie de sel- Kassel regte an, daß die desel- Kassel Kolonie die Fürsorge für Jugendliche treffen solle. Dr. Breidert bittet um Vorschläge. v. Gagern weist auf die Schwierigkeit hin, die Fürsorgepfleglinge, die meistens aus den Städten kämen, in einer ländlichen Kolonie unterzubringen. Er hält deshalb die Kolonie Neu- Ulrichstein für diesen Zweck für ungeeignet. Inspektor Ritte ist gegen das Zusammenbringen von jugendlichen Fürsorgezöglingen mit älteren Arbeitern. Die Jugendlichen würden dadurch nicht gebessert. Der Verwaltungsausschluß wurde beauftragt der Frage der Unterbringung der Fürsorgezöglinge näher zu treten. Literarisches. K. ,, Wundergeschichte aus Paris" ist der Titel einer Aufklärung über Suggestion, bekanntlich das einfachste Mittel, ein förperliches Wohlbefinden zu erlangen, Geschäfte leicht abzuschließen und persönliche Erfolge zu erzielen. Die Geheimnisse der Suggestion werden in 8 Unterrichtsbriefen gelehrt, die soeben in zweiter verbesserter Auflage vom Reformverlag in Hamburg herausgegeben sind. Die Suggestion ist durchaus keine sogenannte Hegeret, sondern nur die Kunst, andere Menschen für sich einzunehmen. Aus dem reichen Inhalt der Lehrbriefe set nur folgendes angeführt: Die Kunst, persönliche Erfolge zu eringen. Die Kunst des Herrschens über Andere. Ein System sich Erfolge zu erzwingen. Wie man Mißerfolge bermeidet. Wie man unangenehme Arbeiten spielend leicht verrichten kann. Das Geheimnis der geistlichen Orden, Gedankenübertragung. Wie man unfehlbar hypnotifieren kann. Anleitung zum Gedankenlesen. Eine leichte Art, Geld zu verdienen. Hypnose per Draht, per Telephon. Eine bedeutende Stärkung eigener Straft. Ueberwindung von Widersachern usw. Aufklärung wird jedem kostenfret gegeben, der seine Adresse dem Refoimverlag in Hamburg, Rabenstraße 8 mitteilt. Kirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde. 3. Sonntag, nach Epiphanias, den 22. Januar. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schwabe. Bormittags 11 Uhr: Kinderfirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 5 Uhr: Siche Johanneskirche. Donnerstag, den 26. Januar, abends 8 Uhr im Markussaal Suchstraße 9: Bibelstunde. 1 Korinther, Cap. 12. Pfarrer Schwabe. Freitag, den 27. Januar, vormittags 10 Uhr: Bereinigter Bibil- und Militärgottesdienst zur Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers. Pfarrer Schwabe. Nächstfünftigen Sonntag, den 29. Januar, wird im Vormittagsgottesdienst Beichte und heiliges Abendmahl für die Matthäus- und Maifusgemeinde gemeinsam gefeiert werden. Anmeldung dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Johannesfirche. Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler Abends 5 Uhr: Professor D. Eck. Sonntag, abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Ston fi mandensaat der Johanneskirche. Montag, den 23. Januar, abends 8 Uhr, Bibelstunde Konfirmandensaal der Lutasgemeinde. Text. Offenb. Joh. 3, 14-22. Pfarrer Euler. im Batholische Gemeinde. Samstag, den 21. Januar. Nachmittags um 5 Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit " zur hl. Beichte. Sonntag, den 22. Januar. Fest der heil. Familie. f. festgelegt, die gleiche Summe für Ausgaben. Aufgenommen wurden vom Juli 1903 bis Juni 1904 im Ganzen 424 Mann, gegen 472 im Vorjahre. Entlassen wurden 379 gegen 415 im Vorjahre. Entlassungsgrund war in 271 Fällen der eigene Wunsch, in 16 Fäden war der Entlassungsgrund„ nicht tadelfreies Betragen", in 29 Fällen Uebertritt in eine durch die Kolonie vermittelte Stelle. Im Ganzen waren 401 Deutsche in der Kolonie, 2 aus Frankreich, 12 aus Desterreich, Vorm. von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte. 7 aus der Schweiz, 1 Russe und 1 Italiener. Was das Gewerbe betrifft, so fanden Unterkünfte u. a.: 185 Arbeiter, 13 Kaufleute, 27 Schlosser, 11 Bäcker zc, es waren alle Gewerbe vertreten. Nach der Religion waren es 293 Evangelische und 130 Statholiken, lebig waren 360, verheiratet 20, 32 verwitwet. Die Kolonie verpflegte an 28 351 Tagen, gearbeitet wurde an 23 414 Tagen. Abgewiesen mußten 78 Personen werden, wegen Ueberfüllung 7, weil nicht aus dem Bezirk 24, wegen Krankheit 12, weil rüdgetreten 18. in der schwarzen Liste 13, wegen Arbeitsunfähigkeit 4, zu| ** Unter dem Titel:„ Landarbeiter und Land- stein wurde im Voranschlag die Einnahme mit 55 001,95 wirtschaft in Oberhessen" ist in den Münchener " Voltswirtschaftlichen Studien", fürzlich eine Arbeit von Dr. Eugen Kazz erschienen, die speziell die oberhessischen landwirtschaftlichen Verhältnisse behandelt, und deren Inhalt neuerdings von ihrem Verfasser auch nochzu weiteren Abhandlungen( z. B. in der„ Nation" in einem Artikel Bur Kontrattbruch-Vorlage") verwendet wird. Der landwirtschaftliche Provinzialverein für die Provinz OberHessen hat nun durch eine Kommission das von Kazz bearbeitete Material und die daraus gezogenen Schlußfolgerungen einer eingehenden Prüfung unterworfen. Im Auftrage dieser Kommission hat Dr. Gisevius, Professor an der Landesuniversität Gießen, eine Dentschrift verfaßt, welche die Faß'schen Angriffe auf die oberhessische Landwirtschaft mit Entschiedenheit zurückweist, die Arbeit einer vernichtenden Scutit unterzieht und nachweist, daß die Untersuchungen des Dr. Kaß durchaus oberflächlich sind. Die Denkschrift des Professors Dr. Sisevius beweist, wie berechtigt die Ausführungen des Reichstagsabgeordneten Dr. Wallau in der 101. Sigung des Reichstages vom 29. November 1904 waren, als er die Darstellungen der Kaz'schen Broschüre dem Sozialdemokraten Scheidemann gegenüber, der sich auf sie berufen hatte, als durchaus unzutreffend bezeichnete. Der Deutschnationale Handlungsgehilfen- Berband, Ortsgruppe Gießen hielt Mittwoch Abend in seinem Vereinslokal einen öffentlichen Vortrag ab mit dem Thema: Der Kaufmannsgerichte und die bevorstehenden Beisigerwahlen. Redner war Herr Grosch und entledigte sich derselbe seiner Aufgabe in borzüglicher Weise. Er sprach zuerst über die Kaufmannsgerichte im allgemeinen und deren Wichtigkeit, gab seinem Bedauern Ausdruck, daß faßt 10 Jahre dazu nötig gewesen wären, diese Angelegenheit endgültig zu erledigen. Letzteres sei jedoch darauf zurückzuführen, daß sich die alten Kaufmännischen Verbände früher zu wenig mit der Sache befaßt hätten, ja eher gegen für als die Gerichte eingetreten seienn. Ecst Herr Ueber einen geplanten Anbau entspann sich eine Diskussion. Provinzialdirektor v. Gagern- Mainz möchte aufhalten. Ministerialrat Braun Darmstadt erwähnt, daß nicht, daß die Kolonisten sich allzulange auf der Kolonie sich die Zuschüsse zur Kolonie im hessischen Landtage Gegenstand einer Kritik gewesen seien. Er beanstandet die beabsichtigte Errichtung einer Kegelbahn. Inspektor Ritte hat die Errichtung der Kegelbahn vorgeschlagen, um die Leute an die Kolonie zu fesseln, weil sie sich sonst Sonntags dem Trunke ergeben; v. Gagern möchte die für die Kegelbahn bestimmten 1000 Rt. für einen anderen Zweck verwendet wissen. Ministerialrat Braun befürchtet die Kritik im Landtag, die bei Errichtung der Kegelbahn von nicht sozialdemokratischer Seite fommen würde. Pfarrer Kegelbahn. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, bei Wiedmann- Darmstadt spricht für die Errichtung der anderen Kolonien Erhebungen über die Zweckmäßigkeit um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und to M derselben Austeilung der heilig. Kommunion. 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Vorm. von 9.30 Uhr an: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5.30 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht mit Segen. Freitag, den 27. Januar, am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers ist vormittags um 9.30 Uhr Militärgottesdienst. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbathfeter am 21. Januar 1905. Freitag Abend: 4.30 Uhr. Samstag vormittags: 8.30 Uhr. Predigt. Sabbathausgang 5.50 Uhr. Samstag Nachmittag: 3.30 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7. Uhr. abends 4.30 Uhr. findet Katholischer Gottesdienst in Grünberg ftatt: Sonntag, den 22. Januar, vormittags 9½ Uhr. Siegener landwirtschaftlicher Wetterdienst. 21. Januar. Voraussichtliche Wuterung in Hessen für Samstag, Tagestemperatur wenig verändert. Beitweise wolkig, bei fälterer Nacht. den ( Näheres durch die Gießener Wetterfarte.) Berantwortlich: für die Politik und den Inseratente Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide zu Gießen. Kriegerverein Giessen.+ Samstag, den 21. Januar, abends 8 Uhr im Giessener Festsaal( Café Leib) Feier des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers* verbunden mit dem 31. Stiftungsfefte des Vereins. Konzert, Theateraufführungen und Tanz. Nur Mitglieder mit ihren nächsten Familienangehörigen und vom Vorstand eingeladene Gäste haben Zutritt. Vereinsabzeichen, Orden- und Ehrenzeichen sind anzulegen. Biergrosshandlung Emil Schmall Tel. 83. Gießen, Frankfurterstraße 7 empfiehlt ächt Culmbacher Bier Holz- Versteigerung im Bekanntmachung. Etwa zwei Drittel der Inhaber von Kleider-, SchuhGießener Stadtwald. Schirm, Buz-, Weiß- und Kurzwaren-, Belzwaren und Montag, 23. Januar 1905, vormittags 9½ Uhr beginnend, Möbelgeschäften haben bei Großherzoglichem Kreisamt sollen im Bießener Stadtwald die Einführung des 8.Nhr Ladenschlaffes für ihren in den Diftriften Grubenkopf Geschäftszweig beantragt mit Ausnahme Brunstacker, Faulerboden, Ober1. aller Samstage, försterswiefe und Tiefenbach bersteigert werden: 364 Fichtenstangen mit 14,56 fm 4895 " " 31,54 " 2 Rmtr. Eichen Nußscheitholz, Eichen- Knüppelholz, 2. der Tage im Monat Dezember, 3. der durch Bekanntmachung Großherzoglichen Polizeiamts jeweils bestimmten Tage, an denen die Verkaufsstellen bis 10 Uhr offen gehalten werden können. Zur Feststellung der Zahl der beteiligten GeschäftsHainbuchen- Knüppelh. inhaber ist gemäß§ 2 der Bekanntmachung, betr. das Verfahren bei Anträgen auf Verlängerung der Ladenschlußzeit, vom 25. Januar 1902, eine Liste der beteiligten Geschäftsinhaber aufgestellt worden. 17 Buchen- Scheitholz, п 4 " Hainbuchen Scheitholz 53 " Eichen Scheitholz, 18 " Buchen- Knüppelholz, 10 " 93 " 3 17 4 H " 8 " " 41 17 13 " Aspen Knüppelholz, Fichten- Knüppelbolz, Erlen- Knüppelholz Erlen- Knüppelholz, Buchen- Stockholz, Eichen- Stockholz, Fichten- Stockholz, 2100 Wellen Buchen- Reisig, 2680 " 1820 " 790 Tel. 83. " " Münchener Bürgerbräu- Bier| Dortmunder Union Pilsener"" Löwenbräu"" sowie Frankfurter und hiesiges Bier in Flaschen, Gebinden, Selbstschänker( Syphon à 5 Liter). Reelle Preise. Aecht Pilsener Urquell nur in Syphons à 5 Liter. Beinlichfte Reinlichkeit der Abfüllung. Für alle Lieferungen Garantie der Originalität. Gesellenprüfung. Die diesjährigen Gesellenprüfungen finden in den Monaten März und April statt. An derselben können alle jungen Handwerfer aus Heuchelheim, Wieseck, Altenbuseck, Beuern, Großenbused, Burkhardsfelden, Hausen, Wazenborn- Steinberg, Leihgeftern, Langgöns, Großen- Linden, Klein- Linden, Garbentetch, Annerod, Rödgen, Trohe teilnehmen, deren Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet ist. Anmeldungen zur Prüfung sind unter Benußung des vorgeschriebenen Formulars( bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 20. Februar an den unterzeichneten Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mt. und ist mit der Anmeldung an den Unterzeichneten einzusenden. Vorzüglichste Lederputz- Crême Kavalier Das Beste vom Besten Kein alltägliches Schuhputzen mehr nötig. Oberall vorrätig! Fabrik: Union Augsburg. Cafelkubbutter Wir machen insbesondere darauf aufmerksam, daß die Ablegung der Gesellenprüfung u. A. als Vorbedingtägt. fr. Ia. 10 Bid. Colli 7.75 M. ung für die Anleitung von Lehrlingen und die Führung I. Landbutter 650M. Bienenhonig 5.75 fette Gans fr. geschl. 4.75M. 600 210 " Eichen- Reifig, Fichten- Reisig, Aspen Reisig, Erlen- Reisig, Lärchen- Reisia, größtenteils Durchforstungswellen. Die Zusammenkunft ist auf der Licher Straße am Forsthaus. Gießen, den 16. Januar 1905. Gr. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Ich suche eine erfahrene tüchtige ältere Köchin zum 1. oder 15. Februar bei hoh. Lohn. Frau Direktor Pascoe. Gießen, Frankfurterstraße 49. Ein Dienstmädchen sofort gesucht. Angenklinit, Gießen. Ein Küchenmädchen fofort gesucht Alte Klinik, Giessen. an wirklich ReellDarlehne denkende in jeder Höhe Schneeweiß, Berlin, Invalidenftraße 38. Rückporto. Makulatur hat abzugeben Beteiligt im Sinne dieser Betanntmachung find alle diejenigen Inhaber offener Verkaufsstellen, welche Waren der obenbezeichneten Art feil halten, auch dann, wenn diese Waren nur nebenbei geführt werden. Ich bringe dies mit dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis, daß diese Liste in der Zeit vom 18. bis 31. ds. Mits. während der üblichen Geschäftsstunden auf dem Bürgermeistereibureau, Zimmer Nr. 15, zur öffentlichen Einsicht aufliegt. Einsprüche gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste fönn n von den beteiligten Geschäftsinhabern bis zum Ablauf der Offenlegungsfrist schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Nach Ablauf der Frist vorgebrachte Einsprüche bleiben unberücksichtigt. des Meistertitels erforderlich ist, ihre Versäumnis daher 4.50 Mt., ½½ Butter u. 1½ Honig Expedition d. Blattes. später empfindliche Nachteile im Gefolge hat. Gießen, den 18. Januar 1905. H. Spiker, Brobuzna 8 via Bresl. Gießen, den 16. Januar 1905. Der von Gr. Kreisamt bestellte Kommissar Curschmann, Beigeordneter. Bekanntmachung. Betr.: Stiftung des Gemeinderatsmitglieds Friedrich Lony sen. Die diesjährigen Zinsen aus der Lony- Stiftung sollen an 8 Arme der Stadt Gießen mit je 20 Mr. vergeben werden. Bewerbungen um dieselben sind bis zum 1. Februar d. Js. schriftlich oder mündlich bei dem Armenamt, Neuen- Bäue 25, Zimmer Nc. 2 einzureichen. Gießen, den 16. Januar 1905. Großh. Bürgermeisterei Sießen. J. V.: Curschmann. Bekanntmachung Betr.: Stiftung der Frau Hofgerichtsrat v. Krug und ihres Sohnes des Hofgerichtsrats Dr. Karl von Krug. Die diesjährigen Zinsen aus der Krug- Stiftung, follen an 12 Arme der Stadt Gießen mit je 20 Mt. bergeben werden. Bewe bungen um dieselben sind bis zum 1. Februar schriftlich oder mündlich bei dem ArmenDer Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevereins Gießen. Holzversteigerung in der fürstl. amt, Neuen- Bäue 25, Zimmer Nc. 2 vorzubringen. Traber, Vorsitzender. Sonntagsverein für Mädchen. Gute unterhaltende Bücher und Spiele find in großer Zahl vorhanden. Für den Vorstand: Oberförsterei Lich. Montag, den 23. Januar, von vorm. 9% Uhr an, = Gießen, den 16. Januar 1905. Großherzogliche Bürgermei erei Gießen. J. V.: Curschmann. Bekanntmachung. Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 17. Dedie Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindeberinieterin erteilt worden. Den Gebührentarif derselben bringen wir nach stehend zur öffentlichen Kenntnis: Nr. 17. Ob a) für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen Mt. 5.Die Vereinigung der Mädchen findet statt an jedem im Distrikt Meileach: Scheitholz: 585 Rm. Buchen; Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr nachmittags im Knüppel: 165 Nm. Buchen, 27 m. Eichen, 3 Rm. ElzSaale der Kleinkinderschule; die Mädchen können zu beer, 10 Rm. Birken; Stöde: 177 Rm. Buchen, 12 Rm. jeder Zeit kommen und gehen; von 4 Uhr bis 5 Uhr Eichen, 2 Rm. Nadelholz; Wellen: 6240 Buchen( da- zember 1904 ist der Friedrich Schäfer Ehefrau, dahier findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, runter 1600 Forstwellen, 280 Eichen, 60 Nadelholz- 2 Eichen- Schnittholz Ansprache, Vorträgen. 2,01 Fitm., 4 Buchenssnitt3,86 Fitm., 8lzbeer- Werkholz= 2,00 Fitm. bols= 3,86 Fftm., 8lzbeer- Werkholz= 2,00 Fitm. Die Zusammenkunft ist am Kreuzpunkt der Wege Lich- Hattenrod und Burkhardsfelden- Nieder- Beffingen. Dienstag, den 24. Januar, von vorm. 9½ Ühr an, im Distrikt Konzebühl: Scheitholz: 214 Nm Buchen, 12 Rm. Eichen; Knüppel: 74 Rm. Buchen, 27 Rm. Eichen, 4 Rm. Linden; Stöcke: 116 Rm. Buchen, 108 Rm. Eichen, 2 Rm. Linden; Wellen: 2540 Buchen, 710 Eichen, 100 Weichholz, 2 Nm. Buchens, 4' Ra. Eichens, 2 Rm. Linden- Wertholz. 6 Rm. Bachen, 14 Nm. Eichen Sch iterocken; 11 Eichenschnittholz= 14,69 Fftm., 7 Eichen- Grubenholz( Wagnerholz, Pfostenholz 1,83 Fftm., 9 Buchenschnittholz 10,21 u. s. m.) Fftm. 1 Eschen- Werkholz 0,08 Fftm. 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