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Bez a hle deine Schulden ist unter allen Umständen eine beherzigenswerte Mahnung, selbst wenn man in der Tiefe des Gemüts an die Notwendigkeit wiederholten Pumpes als an eine ausreichende Begründung nicht denkt. Kluge und vorschauende Wirtschafter gehen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie die Forderung aufstellen, man solle der Verpflichtung zur Schuldenbezahlung und der damit verbundenen Last durch vorbeugen, daß man erst gar keine Schulden macht. ,, Kein Borger sei und kein Verleiher nicht!" läßt Shakespeare den Polonius seinem Sohn Laërtis dringend empfehlen; und wiederum Heinrich Heine ist es, der sich gegen die Borgund Kreditwirtschaft allerdings auf einem anderen Gebiet mit dem Ausspruch wendet:„ Wahre Prinzen aus Genicland zahlen bar, was sie verzehrt." daMit den Poeten würde man am Ende noch unschwer fertig werden. Man brauchte ihnen, in deren Welt die Gedanken leicht beieinander wohnen, bloß die Autorität zu bestreiten, da mitzureden, wo sich im Raume hart die Sachen stoßen. Aber die prosaischsten und nüchternsten Wirtschaftslehrer halten es in diesem Fall ganz und gar mit den unpraktischen Dichtern und predigen immer und immer wieder als ihrer Weisheit letzten Schluß:„ Du sollst nicht leihen, und du sollst nicht borgen!" Freilich verkennen die Männer der Praris nicht, daß der Kredit ein unentbehrliches kaufmännisches Hilfsmittel ist, und sie geben zu, daß heutzutage auch das Handwerk kaufmännisch betrieben sein will. Was hilft es aber, daß sie mit unwidersprechlicher Beredsamkeit auf den außerordentlichen Nußen hinweisen, den der Grundsatz der Bar= zahlung bei Einkauf und Verkauf bringt, wie beispielsweise die großen Warenhäuser bei kleinem Getsinnaufschlag sich die stärksten Erträge sichern, indem sie ihr Kapital im Jahreslaufe vielemal umsetzen! Um es diesen Vorbildern nachtun zu können, muß man nicht bloß selbst Kapital besitzen, sondern auch mit einer Kundschaft zu tun haben, die zur Barzahlung so fähig wie willig und nicht gewöhnt ist, in der Forderung der Barzahlung beinahe eine Beleidigung zu sehen. Der Großfaufmann ist zuweilen in der Lage, sich seine Kundschaft zu erziehen, sie durch die besonderen Vorteile, die er wirklich oder vermeintlich bietet, nach seinen in diesem Fall ganz berechtigten Wünschen zu gewöhnen. Der kleine Handwerker aber, daß Gott erbarm! muß sich auch nach den unberechtigten Wünschen seiner Kundschaft fügsem richten, denn mit jedem einzelnen Kunden, der sich von ihm lossagt, sieht er einen Teil seines notwendigen Lebensunterholts schwinden. Der Rat, den man dem Handwerker und Kleinkaufmann gegeben hat, sich zu Einkaufs- und Kreditgenossenschaften zusammenzutun, ist gewiß sehr gut und hat, wo man ihn richtig zu befolgen verstand, auch vortreffliche Früchte getragen. Doch damit allein ist der Bedrängnis nicht abgeholfen. Soll der Kredit, den der kleine Mann bean= sprucht, die gesunde Unterlage nicht verlieren, so muß er zeitlich ziemlich eng umgrenzt bleiben, darf er sich nicht auf unübersehliche Fristen ausdehnen. Der solide kleine Mann wünscht solche Ausdehnung auch gar nicht. Für ihn und seine Anschauungen sind langdauernde Verpflichtungen eine beängstigende Last. Er fürchtet jeden Fälligkeitstermin und sieht ihm mit Sorge entgegen, weil es meist gar nicht in seiner Macht liegt, die Eingänge nach seinem Bedarf zu regeln. Er wird gemahnt, zuweilen sogar recht dringlich und in kostspieliger Weise; er selbst aber darf nicht mahnen, aus Furcht, den Kunden vor den Kopf zu stoßen und ihn sich abwendig zu machen. Dadurch kommt er nicht selten um die Frucht seines Fleißes, und seine Verhältnisse, die eine Erschütterung nicht vertragen können, gehen zurück. Hiergegen aus eigener Kraft anzufämpfen, ist er gar nicht in der Lage. Die Hilfe muß ihm von außen kommen, nicht vom Staat und nicht von der Kommune, sondern vom Kunden. Freilich ist der Kunde selbst nicht immer auf Mosen ge bettet. Die Mehrzahl der Kunden des Kleinkaufmanns und des Handwerkers besteht wieder aus kleinen Leuten, deren wirtschaftliche Decke manchmal zu kurz geraten ist. Immerhin tut die Gewohnheit viel. Die Aelteren unter uns entsinnen sich noch der Zeit, in der es für unschicklich galt, früher als vor Jahresablauf eine Rechnung zu schicken. Hierin ist schon ein starker Wandel zum besseren eingetreten. Aber noch lange nicht genug. Die Selbsterziehung des Publi. fums könnte und müßte viel weiter gehen, aus Rücksicht auf den lieben Nächsten wie aus Rücksicht auf das wohl verstan. dene eigene nteresse. Der soziale Sinn, der in unseren Tagen so lebhaft entwickelt ist, sollte sich darin betätigen, daß jeder bei der eigenen Bekümmernis zugleich an die des andern denkt, der unter den nämlichen Mißständen leidet. Haben wir oben die Dichter zitiert, so möchten wir jetzt die ethische Spruchweisheit des Volkes anführen, die sagt:„ Was du nicht willst, daß dir geschieht, das tu auch keinem andern nicht." Wollte man allgemein nach besten Kräften dieser Vorschrift gemäß handeln, so wäre das die beste und wirksamste Selbsthilfe. Die Huflösung Ungarns. Wenn die Kräfte, deren friedliches und verständnisvolles Zusammenwirken die Voraussetzung der Staatsleitung ist, grundsäglich die Verständigung vermeiden und einander die Zumutung stellen, sich zu unterwerfen oder abzudanken, so ist die Staatsordnung aufgehoben, so befindet sich der Staat im Zustand der Revolution. In Ungarn treffen alle Bedingungen zu. Ohne jede zwingende oder auch nur dringende Veranlassung hat die aus den jüngsten Wahlen her borgegangene Mehrheit des Abgeordnetenhauses, die in übrigen feineswegs durch einheitliche Gesinnung, sondern einzig in dem Gedanken der Opposition zusammengehalten ist, den Satz aufgestellt, daß es in Ungarn feine Regierung geben dürfe, die nicht von ihr gebildet wäre, und daß es dieser Regierung, also ihr selbst, zustehe, die Heeresorganisation zu ändern und durch Einführung der ungarischen Kommandosprache die Auflösung der gemeinsamen öster reichisch- ungarischen Armee vorzubereiten. Gegen diesen Willen der Opposition, der natürlich für den Willen der Nation ausgegeben wird, habe die Krone fein Einspruchsrecht. Die Krone müsse sich eben unterwerfen, oder der Kronenträger müsse abdanken. Auf der anderen Seite wird die Bestimmung über Armee und Armeesprache als unantestbares Kronrecht bezeichnet, von dessen Beeinträchtigung nicht die Rede sein dürfe. Daß derartige Meinungsverschiedenheiten vorkommen, ist begreiflich. Es ist ebenso am letzten Ende verständlich, daß die Vertreter einer Auffassung alle irgend verfügbaren Mittel, selbst die der Gewalt und des Rechtsbruchs, aufwenden, um ihrer Meinung Geltung und Anerkennung zu erzwingen. Denn auch das Recht das wirkliche oder vermeintliche will durchgekämpft und durchgesezt sein, und solcher Kampf hat wiedernm sein eigenes Recht. Es ist im Grurde nur logisch und folgerecht, wenn man angesichts einer unüberbrücklichen Kluft der Ansprüche die Erwartung einer doch zu erzielenden Verständigung aufgibt und von der Fiktion Abstand nimmt, als sei die eigene Partei, die nur ein Teil des Staatsganzen ist, die legitime Erbin und Vertreterin des ganzen Staates. Ist man einmal in der Revolution, so wendet man die Mittel der Revolution an und macht im Falle des Sieges seinen Willen zum Gesez, womöglich mit rückwirkender Kraft. So verfährt die ungarische Opposition. Sie hat im Abgeordnetenhaus, das bereits geschlossen war, das Ministerium Fejervary für verfassungswidiig erklärt; sie hat einen leberwachungsausschuß eingesezt, der eine förmliche Gegenregierung darstellt; sie hat die Kommunen aufgefordert, der königlichen Regierung die borgeschriebene Hilfe bei Steuererhebungen zu versagen; sie hat ihnen jetzt direkt verboten, bei der Einberufung von Reservisten die notwendige Mitarbeit zu leisten. Kurz, die Opposition tut alles, was in ihren Kräften ist, der königlichen Regierung die Fortführung der im Staatsinteresse rotwendigen Geschäfte, die auch gar keine Unterbrechung vertragen, unmöglich zu machen. Zur planmäßigen Ausübung dieser Regierungshinderung ist von der Opposition ein engerer Ausschuß gewählt worden, der aus den Grafen Andrassy, Apponyi und Polanyi besteht. Wenn das keine Revolution ist, so gibi es feine. Demgegenüber glaubt das Ministerium Fejervary an der Vorstellung festhalten zu können, daß es aus der Sackgasse, in der es sich befindet, einen ordnungsmäßigen Ausweg gebe, daß es möglich sei, die Regierungsgeschäfte nach den Vorschriften der von der anderen Seite tatsächlich gebrochenen und aufgehobenen Verfassung weiterzuführen. Das ist ein verhängnisvoller Irrtum, dessen Folgen um so schwerwiegender werden, je länger der unhaltbare Zustand andauert. Denn auf der anderen Seite wird eine rege Tätigkeit entwickelt, die unter allen Umständen merbende Kraft hat, während diesseits das Bestreben, sorglich jede aufgezwungene Regelwidrigkeit zu vermeiden, zum mindesten den Anschein der Schwächlichkeit erweckt. Wenn immer nur herüber- und nicht hinübergeschossen wird, so kann der Ausgang nicht lange fraglich sein. Untätigkeit mag zuweilen das Ergebnis eines heroischen Entschlusses sein, imposant ist sie niemals, und eine Regierung, die nicht zu imponieren weiß, wird bald in Gefahr geraten, alle ihre Stüßen zu verlieren. Man hat den Magyaren oft nachgesagt, daß der politische Sinn bei ihnen ungewöhnlich stark entwickelt sei. In der Tat haben sie ihren politischen Willen nicht selten durchzusetzen verstanden. Das ist eine rühmliche Eigenschaft, aber nur dann, wenn der von Zähigkeit getragene politische Wille vernünftig und staatsmännisch ist. Das scheint er im vorliegenden Fall nicht zu sein. Die Herrschaft der Magyaren im eigenen Lande, die eine Minoritätsherrschaft ist- denn die Magyaren sind in Ungarn gegenüber der Deutschen, Sloift wenen, Kroaten, Rumänen, Serben eine Minderheit wesentlich durch die österreichisch- ungarische Staatsgemeinschaft gehalten und auf die Dauer möglich. Steht Ungarn für sich allein, so gewinnen die centrifugalen, die auseinandertreibenden Kräfte die Oberhand. naturgewaltig, unwiderstehlich. Die ungarische Freiheit", auf die der Magyar so stolz ist, hat ein ganz eigenartiges Gepräge, das die lachende Seite nur der herrschenden Minderheit zeigt, während die der nichtmagyarischen Mehrheit zugewendete Seite der Medaille minder erfreuliche Gefühle zu wecken angetan ist. Die magyarische Freiheit besteht der Hauptsache nach in der Unfreiheit und Rechtlosigkeit des Nichtmagyaren. Die Naivetät, mit der der Stockmagyar diese Dinge wohlgefällig betrachtet, kennzeichnet sich in der selbstbewußten Ruhmredigkeit, mit der ein Herr der Bußta einem fremdbürtigen Gast einst gesagt haben soll:„ Der Magyar ist ein freier Mann. Wenn ich dich hier binden und durchprügeln lassen will, so hat mir feiner etwas zu verbieten." Das Geschichtchen ist vielleicht erfunden, aber es ist gut erfunden. Die tätige Prügelfreiheit mag ihre Süßigkeiten haben, die leidende wird sich doch nur ganz ausnahnisieise Freunde gewinnen. Die Schwärmer für die Freiheit, die der Magyar meint, kennen sie nicht. Der Krieg in Oftalien. In der Mandschurei ruhen die Kriegsoperationen vollständig. Selbst die Vorpostengefechte sind eingeschlafen und die beiderseitigen Armeen stehen sich abwartend in starken Positionen gegenüber. Zum Teil wird die überaus ungünftige Witterung für den Stillstand verantwortlich gemacht. Nach einer Proklamation des Kommandanten von Wladimostok scheint allerdings die Abschließung der Festung von dem russischen Feldheer nahezu Tatsache zu sein. Auf der Insel Sachalin haben die Japaner bei Korsakowsk vollständiges Material für cine 125 Meilen lange Feldbahn somie 3000 Kulis gelandet. Die Gesamtstärke der japanischen Streitkräfte in Sachalin beträgt 14 000 Mann aller Waffengattuen. Die russischen Streitkräfte sind geringer und werden faum der Okkupation irgend welchen ernsthaften Widerstand entgegensetzen fönnen. In den letzten Tagen haben die Japaner nach einem Bericht des Generals Linewitsch den Ort Naibutschi an der Südostküste Sachalins beschossen. Die Friedensverhandlungen femmen langsam in Fluß. Der russische Unterhändler Witte berläßt heute Petersburg und reist über Cherbourg nach Portsmouth ab. In diplomatischen Kreisen legt man viel Wert auf die Person Wittes als Friedensunterhändler, weil mian sich erinnert, daß dieser Staatsmann von Anfang an ein Gegner der russischen Eroberungspolitik in Ostasien gewesen ist. Von den japanischen Forderungen dürften nach englischen Quellen nur zwei wirkliche Schwierigkeiten hervorrufen. In Japan wünscht man eine Zusage, daß Rußland das zweite Gleis der sibirischen Bahn nicht ausbaue und im Stillen Ozean keine Kriegsflotte unterhalten werde. Beide Forderungen sind augenscheinlich darauf zugeschnitten, Rußland die Möglichkeit zu nehmen, in einigen Jahren den Verfuch zu unternehmen, seine verlorene Stellung in Ostasien miederzugewinnen. Witte hält man für den geeigneten Mann, der Schwierigkeiten am leichtesten Herr zu werden. * Die Bedeutung der Infel Sachalin. ( Von unserem Mitarbeiter.) Die Besitzergreifung der Insel Sachalin durch die Ja paner bildet eine neue Phase in dem für Rußland so unglücklichen ostasiatischen Kriege. Da durch einen neuerlichen Sieg der Truppen des Mikado der ganze Süden der Insel den Russen bereits verloren ist, dürfte die in kurzer Zeit beborstehende vollständige Offupation Sachalins einen wesentlichen Faktor bei den Friedensverhandlungen bilden. Sachalin ist eine lange schmale Insel, gegenüber der sibirischen Küste. Das Klima der Insel mit seinem furzen heißen Sommer und seinen hohen Kältegraden im Winter eignet sich kaum noch zum Getreidebau. Es wird behauptet, daß bei einer vernünftigen Bewirtschaftung des Bodens doch sehr gut Körnerbau getrieben werden kann. Infolgedessen bildet etwas Kartoffelbau und der Fischreichtum der Flüsse und der Küstengewässer Sachalins die Quelle des Lebensunterhaltes der Bewohner. Die Zahl der Einwohner betrug 1890 rund 20 000 Röpfe, 1897 aber bereits 30 000; dieser Zuwachs kommt ausschließlich auf Rechnung der nach Sachalin deportierten russischen Sträflinge. Die ganze russische Bewölkerung besteht außer den Beamten lediglich aus deportierten Verbrechern. Entlaufene Sträflinge bilden eine furchtbare Gefahr für die nur durch geringe Militär- oder Polizeikommandos aufrechterhaltene Ordnung und Sicherheit, daß es unmöglich ist, auf Sachalin zu reisen. Raub und Mord waren unter russischer Verwaltung an der Tagesordnung. Durch die furchtbaren Zustände, welche die Deportation geschaffen hat, sind die Eingeborenen, die Giljaken, Orotschonen und Ainos dem Aussterben entgegengeführt worden. Für diese Naturvölker kann die Verdrängung der Russenherrschaft nur Vorteile bringen. Die entfebliche Sittenverderbnis ist direkt auf das Konto der russischen Invasion zurückzuführen. Die ganze Atmosphäre der Insel ist verbrecherisch geworden, die Beamten behandeln Sträflinge und Eingeborene wie wilde Tiere und geben selbst das denkbar schlechteste Beispiel. Sachalin ist übrigens der erste Anstoß zu der seit mehreren Jahrhunderten andauernden Berührung zwischen Russen und Japanern gewesen. Im Jahre 1780 landete eine japanische Dschunke an der Mündung des Amur, wo die Russen seit einiger Zeit Fuß gefaßt batten. Das japanische von Sachalin nach dem Amur verschlagen Fahrzeug war worden. Die Insassen wurden von den Russen gefangen ge= setzt und gezwungen, über ihr Land Auskunft zu geben. Im Jahre darauf landelen die Russen auf Sachalin, das von Japanern und den Ureinwohnern Japans, den Ainos, bewohnt war. Die Insel hieß damals Karafuto. Seit jener Zeit ließen die Russen nicht nach, das Land in ihre Gewalt zu bekommen. 1806 fam wieder eine russische Expedition nach Sachalin, griffen die wichtigste japanische Ansiedlung an und zerstörten sie nebst einigen kleineren Orten, mit der Drohung, es später mit allen anderen Dörfern ebenso zu machen. Die Japaner sollten dadurch gezwungen werden, einen Handelsvertrag mit den Moskoviten abzuschließen. Im Jahre 1811 wurde die Mannschaft der russischen Fregatte„ Diana", die in der Gegend kreuzte, von den Japanern gefangen, zwei Jahre darauf aber wieder freigelassen. Von Rußland wurden in der Folge zahlreiche Einwanderer nach Sachalin geschickt, so daß allmählich der Norden der Insel unter russischen Einfluß geriet. Fortwährende Reibungen entstanden, 1855 kam ein Handelsvertrag zustande und 1859 offupierte Rußland förmlich den nördlichen Teil Sachalins. Mehrere japanische Gesandtschaften in Petersburg zur Abgrenzung der Machtverhältnisse hatten keinen Erfolg. bis im Sahre 1875 Sapan gezwungen wurde, die ganze Insel an Rußland zu überlassen. Die politische und strategische Bedeutung der jetzigen Befibergreifung Sachalins durch die japanischen Truppen ist viel größer, ale wie vielfach angenommen wird. Abgesehen von dem Gefühlsmoment. das in der Annektierung eine gerechte Wiedereroberung geraubten japanischen Landes sieht, ist auch der materielle und friegerische Wert nicht zu unterschätzen. Durch die Iniel Sachalin erhält das japanische Inselreich eine mächtige Borlängerung und überflügelt gleichsam die Kiste Ostsibiriens. Japan wird vollständig Herr des japanischen Meeres und ist in der Lage, jeden fremden unliebſamen Einfluß fern zu halten. Sachalin beherrscht die Mündung des Amurs, der die natürliche Straße in die nördliche und mittlere Mandschurei sowie in die Amurprovinz bildet. Die Gefahr einer russischen Seeherrschaft in Ostasien wird beseitigt. Wladiwostok hat keinen Wert, wenn alle Zugänge zu diesem Hafen in den Händen der Japaner find. Rußland ist vollkommen von dem Stillen Ozean abgeschlossen, denn an der Küste von Kamschatka läßt sich faum ein zweites Wiadiwostok gründen, auf keinen Fall aber ein zweites Port Arthur. Dadurch aber, daß Japan die Entwickelung und Erstarkuna Rußlands an den Küsten des Stillen Ozeans nach Möglichkeit hemmt, aewinnt es selbst die Aussicht zum weiteren Aufschwung. Wenn es dem Mifado gelingt, auch noch den letzten Stützpunkt in Wladimostok zu zerstören und beim Friedensschluß seine Eroberungen festzuhalten, ist das Rarenreich für lange Zeit, wenn nicht für immer, in jenen Breiten lahmgelegt. Und das hat man mohl erkannt, der Einmarsch in Sachalin bedeutet deshalb eine wichtige Phase in dem ungeheueren Ringen der beide:: Völker. Politifche Rundschau. Deutsches Reich. * Troß der Zersprengung der größeren Banden führen die Unruhen in Südwestafrika immer noch zu unliebsamen Vortommnissen. Namentlich mehren sich in letzter Zeit die Viehdiebstähle selbst in der Nähe größerer Ansiedlungen. Am 2. Juni wurden von etwa 40 Herero von der Farm Haris sämtliche Pferde, alles Rindvieh mit Ausnahme der Kälber und etwa 50 Stück Kleinvieh fortgetrieben. Bei der Verfolgung gelang es, den Räubern das Kleinvieh, 20 Pferde und 70 Rinder wieder abzunehmen, während sie mit dem Rest entkamen. Nachdem vor furzem der Katholischen Mission nach Pokiesdraai hin, etwa 1 Kilometer von Windhuk, 16 Ochsen bon Hereros fortgetrieben sind, wurden ihr am 11. v. Mts. auf Farm Tebra 30 Stälber gestohlen. Dem einen die Kälber hütenden Hereroweib war von den Räubern der Hals abgeschritten, während ein anderes verschwunden ist. Auf Farm Lichtenstein wurden die erst kürzlich von Deutschland eingeführten Toggenburger Ziegen geraubt. Das gleiche Schicksal erlitten 102 dem Frachtfahrer Bolle gehörende Ochsen bei Aukeikas am 21. v. Mts. In Brafwater hießen Herero neun Kühe mit sich gehen. * lleber die Verhältnisse in Samoa wird gemeldet, daß die neuesten über Auckland kommenden Nachrichten zu Besorgnissen nicht Anlaß geben. Auch in amtlichen Kreisen hat man keinerlei Grund, für die politische Entwickelung der Dinge in Samoa Befürchtungen zu hegen. Vor kurzem gingen beängstigende Gerüchte über bevorstehende Unruhen auf Samoa durch die Presse. * Die Staaten Belgien und Holland haben jetzt ebenfalls die Einladung zur Marokkokonferenz angenommen. Sie knüpfen an die Annahme die Bedingung, daß alle beteiligten Großmächte sich beteiligen. * Die internationale Vereinbarung gegen den Mädchenhandel ist von den Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Rußlands, Spaniens, Dänemarts, Skandinaviens und der Schweiz unterzeichnet worden. * Der Gouverneur von Kamerun hat die Einfuhr von Handelspulver und Vorderladern nach Kamerun verboten. Zugleich wind bestimmt, daß diese Gegenstände auch aus den amtlichen und privaten Lagerhäusern vorläufig nicht herausgegeben werden dürfen. Nach diesen Anordnungen scheint man doch nicht ohne Besorgnis wegen etwaiger Aufstandsgelüfte gewesen zu sein. * Entgegen anderweitigen Gerüchten verlautet aus Oldenburg, Minister Ruhstrat denke nicht daran, zurückzutreten. Voraussichtlich wird auch die Staatsanwaltschaft keine Rebision gegen das freisprechende Urteil im Bückeburger Prozeß gegen den Kellner Meyer einlegen. England. ** Die britischen Gesetzgebungsfaktoren befassen sich seit längerer Zeit mit der Fremdenbill, deren Zweck es sein soll, unerwünschte Einwanderer fern zu halten. Bei der augenblicklichen Beratung brachte nun die Regierung im Unterbause cinen Antrag ein, nach welchem der Mangel an Mitfein zum Lebensunterhalt fein Grund sein soll, einen Fremden auszuschließen, der nach England nur einwandern will, um zu vermeiden, daß er aus religiösen oder poli. tischen Gründen oder wegen politischer Vergehen verfolgt oder bestraft wird, oder um einer Verfolgung wegen religiöser Ueberzeugungen zu entgehen. Der Antrag wurde angenommen, nachdem alle Redner dafür eingetreten waren, daß für Flüchtlinge, die aus politischen oder religiösen Gründen in England eine Zufluch suchen, das Asylrecht erhalten werden müsse. Russland. ** Die Gegensätze im Kaukasus zeitigen immer bedenk lichere Blüten. In Tiflis sind 20 Arbeiter der Eisenbahnmerkstätten an vergiftetem Tee erfranft. Sie wollten von der revolutionären Propaganda nichts wissen. Im Teekessel wurde Arsenik gefunden. Zehn der Vergifteten sind tot. Auch in den Ostseeprovinzen zeigen sich Spuren der revolutionären Bewegung. In Sessau in Kurland wurde der Kirchenvorsteher Baron Bistram erschossen. Baron HahnPlaton wurde durch den Müller Wifone gerettet, der selbst einen Schuß in den Unterleib erhielt. Dem demnächst in Mostan zusammentretenden Semstwo- Kongreß wird mit greta Erwartungen entgegengesehen. Die Polizei macht Miene, die Versammlung zu verbieten, der Gouverneur hat indessen verheißen, sich in Petersburg dafür zu verwenden, daß die Abhaltung des Kongresses gestattet werde. In Finland wird die Einberufung eines Kongresses von Vertretern der Berufsstände vorbereitet, um gegen Bulygins Wan einer Volksvertretung, als nicht weit genug gehend, Stellung zu nehmen. Hof und Gesellschaft. *** Anläßlich des Regierungsjubiläums erhielt Fürst Karl Günther von Schwarzburg- Sondershausen vom Kaiser und einer Reihe anderer deutscher Fürsten herzliche Glückwunschschreiben. Der Kaiser verlieh dem Staatsminister Vetersen den Kronenorden erster Klasse. Der Fürst Stiftete eine Jubiläumsmedaille und machte noch eine Stiftung zum Besten von Vereinen, Beamten und Veteranen. Ferner erließ er eine Amnestie, durch die alle wegen Uebertretungen verhängten Haft- und Geldstrafen bis zu einem Monat beziehungsweise 100 Mark erlassen werden. *** 2u Ehren des scheidenden Regenten von Sachsen- Koburg und Gotha, des Erb prinzen zu HohenloheLangenburg fand in Gotha ein Festkommers statt. Der Regent hielt eine Ansprache, dankte allen seinen Mitarbeitern und reichte unter brausendem Beifall der Anwesenden dem Staatsminister Hentig die Hand. Deer und flotte. Nene Abzeichen für Minensoldaten. Nach einer Bestim= mung des Kaisers werden die Vinenvorleute und Minenschlosser der am 1. Avril d. J. neugebildeten Minenkompagnie in Kurhaven Abzeichen in Form einer aufrechtſteherden Mine tragen. Die Abzeichen werden in roter oder gelber Stickerei ausgeführt und auf dem linken Arm unter dem Dienstgradabzeichen auf ovaler Stoffunterlage angebradjt. Soziales Leben. Ausstand von Färbereiarbeitern. Die Arbeiter der Färberei Bornemann u. Batky in Meerane, zusammen 700, haben die Arbeit niedergelegt, weil ihre Forderungen auf Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit nicht bewilligt wurden. Auch in Glauchau haben die Färbereiarbeiter beschlossen, in den Ausstand zu treten. Nab und Fern. + Unwetter und ihre Folgen. Schwere Wetter sind auch in den letzten Tagen wieder an verschiedenen Stellen Deutschlands niedergegangen und haben vielen Schaden angerichtet. Sehr schlimm hat das Wetter am Rhein gehaust. Seit Menschengedenken hat man so etwas an Sturm und Wolkenbrüchen nicht erlebt. Große Scheunen wurden umgeweht, und hunderte starke Bäume sind entwurzelt. Die Weinberge zeigen metertiefe Furchen; manche Berge sind des Bodens, sowie der Weinstöcke völlig beraubt. Vielfach konnten sich die Menschen nur durch schleunige Flucht vor den Wasserfluten und vor den einstürzenden Gebäuden retten. Nicht minder bös ging es im oberschlesischen Industriebezirk zu. In Gleiwiz, Zabrze und Umgegend sind viele Häuser abgedeckt. Der Hagelschlag hat verwüstend gewirkt, stellenweise lag der Hagel handhoch in den Gärten. In Lipine riß der Sturm eine Halle der Zinkhütte Silesia ein, in der etwa 60 Arbeiter tätig waren. Eine große Anzahl von ihnen wurde unter den Trümmern begraben, zwei wurden getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. Durch die Feuer der Defen entstand ein Brand, der am Abend noch andauerte. † Ein neuer Brief- Prozeß in Sicht. In Herne in Westfalen steht eine Gerichtsverhandlung bevor, die als Gegenstück zu dem bekannten Lemgoer Brief- Prozeß zu betrachten ist. Im Mittelpunkt der Affäre steht die Gattin eines höheren Beamten. Sie wird beschuldigt, die Verfasserin zahlreicher anonymer Briefe zu sein, durch die eine größere Anzahl Persönlichkeiten, die der besten Gesellschaft angehören, in letzter Zeit fortgesezt beleidigt wurden. † Unter dem Verdacht des Gattenmordes. Der praktische Arzt Dr. Karl Roth in Talmässing in Bayern wurde vor furzem verhaftet unter der Beschuldigung, daß er versucht habe, seine Frau, mit der er seit einem Jahre verheiratet war, ums Leben zu bringen. Nach einer Version sell er der Frau Gift beigebracht, nach einer anderen, sie aus der Equipage gestürzt haben. † Eine Familientragödie. In Fraulautern in der Rheinprovinz machte dieser Tage ein Bauer, der dem Trunke stark ergeben und dadurch mit seiner Familie völlig zerfallen ist, den Versuch, seine Frau während der Messe zu ermorden. Er wurde dabei von dem einundzwanzigjährigen Sohn, der seiner Mutter zu Hilfe kam, erschossen. † Ehescheidung der Prinzessin Luise von Koburg. Nachdem die Prinzessin Luise von Koburg von den Pariser Aerzten für geistig gesund erklärt und daraufhin vom Wiener OberHofmarschallamt die über die Prinzessin verhängte Kuratel aufgehoben ist, hat nunmehr ihr Gemahl, Prinz Philipp, die Ehescheidungsklage bei dem Landgericht zu Gotha eingeleitet. Die Verhandlung wird im Herbst stattfinden. † Schreckliche Folgen einer Explosion. In Gablonz in Böhmen explodierte vorgestern im Keller cines Hauses cin Quantum Benzin. Die Frau des Hausbesitzers und ihr Dienstmädchen, die sich im Keller befanden, wurden lebensgefährlich verletzt. Während die Feuerwehr mit den Ablöschungsarbeiten beschäftigt war, erfolgte eine zweite Explosion, infolge deren achtundzwanzig Feuerwehrleute furchtbare, teils tödliche Brandwunden erlitten. † Ohne Hilfe gestorben. In Neuhausen bei Asch in Böhmen ist vor einigen Tagen eine Köchin auf schyreckliche Art ums Leben gekommen. Sie war des Lebens überdrüssig und hatte eine Dosis Gift genommen. Als es zu wirfen begann, und die Unglückliche furchtbare Schmerzen litt, bat sie nacheinander acht Personen, man möge doch aus Asch einen Arzt herbeiholen. Allein niemand erfüllte ihre Bitte. Da legte sie sich um 9 Uhr vormittags unter einen Baum auf die Wiese und bis gegen Mittag lag sie dort jammerud und klagend, bis der Tod das bedauernswerte Mädchen erlöste. † Wolkenkratzer in Paris. Mit den amerikanischen Sitten wird auch die amerikanische Baumeise nach der französischen Hauptstadt verpflanzt. In der Rue Franklin ist soeben ein Haus vollendet, das nicht weniger als zehn Stockmerke enthält. Das Dach des Hauses befindet sich genau in der gleichen Höhe mit der ersten Etage des Eiffelturmes, etwa 140 Meter hoch. † Von der russischen Grenze. Ein Hofbesitzer in Margen, Kreis Memel, hatte vor kurzem in Rußland zwei Ferkel und Fleisch gekauft und war damit über die Grenze nach Deutschland zurückgekommen. Trotzdem sah er sich von zwei russischen Grenzsoldaten verfolgt, die ihm die Ferkel und das Fleisch entreißen wollten. Als sich der deutsche Bauer zur Wehr setzte, gab der eine Grenzsoldat Feuer und brachte dem Deutschen eine schwere Verwundung am Untc. leib bei, der er am anderen Tage erlag. Er hinterläßt eine Witwe und drei unmündige Kinder. † Die Rache des verstoßenen Sohnes. Im Vororte Steinbruch bei Budapest wurde vorgestern der Fuhrwerksbesitzer Rac von dem sechzehnjährigen Schlosserlehrling Stefan Drahos erschossen. Rac war bei der Mutter des Drahos als Kutscher beschäftigt gewesen und hatte es verstanden, die Gunst der Witwe zu erlangen und sich zum Herrn des großen Geschäftes aufzuschwingen. Der Sohn Stefan wurde zu einem Schlosser in die Lehre gegeben, obwohl er Lust hatte zu studieren und die Mittel dazu seiner Mutter reichlich zur Verfügung standen. Vorgestern stellte er nun den Nac darob zur Rede, daß er die Kinder aus dem elterlichen Hause jage. Als Rac den Knaben darob züchtigen wollte, schoß dieser seinem Widersacher mit einem Revolver ins Herz. Im polizeilichen Verbör sagte Drahos: Ich habe den Geliebten meiner Mutter getötet, weil er mich zugrunde gerichtet hat." Er gestand, die Tat nach reiflicher Ueberlegung verübt zu haben, weil er es nicht mitansehen konnte, daß ein fremder Mensch sein und seiner Schwester Vermögen an sich riß. Wenn er, Drahos, schon zugrunde gehen müsse, so solle doch die Zukunft seiner Schwester sichergestellt werden. Kunft und Wissenschaft. KL Das Krebsscrum. Dr. Doyen in Paris wollte bekanntlich ein heilkräftiges Serum gegen die fürchterliche Kresbkrankheit gefunden haben. In der Pariser Chirurgischen Gesellschaft wurde nun in einem Vortrage Professors Delbet das Doyensche Krebsserum als absolut wertlos charafterisiert. In dem Berichte wird nachgewiesen, daß von 26 beobachteten Fällen bei 20 eine Verschlimmerung durch das Serum Doyens, bei zweien keine Veränderung und nur bei einem eine gewisse Wirkung ohne Rückfall nach 4½ Jahren festgestellt wurden, während die drei anderen Fälle wegen unvollständiger Prüfung nicht für wissenschaftliche Beweisführungen her angezogen werden könnten. Bei drei anderen Fällen der Benutzung des Serums in Hospitälern seien nur borübergehende Besserungen, nicht aber Heilungen erzielt worden. Man müsse also schließen, daß das Serum des Dr. Doyen keine Wirkung auf den Krebs ausübe. Andererseits wird allerdings geltend gemacht, daß die Fälle schon vor der Anwendung des Serums in ähnlicher Weise diagnostiziert waren und daß ferner die mikrobiologische Prüfung noch nicht erledigt sei. Der Landwirt. dg Die Rinderzucht in Deutschland. Der bayrische Landesinspektor für Tierzucht, Herr Dr. Attinger, gibt in einer längeren Abhandlung ein Urteil über das auf der Deutschen Landwirtschaftsausstellung in München ausgestellte Rindvieh, um daraus folgende Nuzanwendung zu ziehen:„ Die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft hat den Beweis geliefert, daß auf dem Gebiete der Rinderzucht zwar bedeutende Fortschritte zu verzeichnen sind, daß aber die der deutschen Viehzucht zukommende Aufgabe, den inländischen Markt mit Vieh bester Qualität möglichst allein zu versorgennoch ihrer Erledigung harrt." Für unsere tierzüchtenden Landwirte ist die Auslassung des Landesinspektors ein neuer Ansporn in dem Bestreben, bei den Arbeiten für die Hebung der deutschen Tierzucht nicht zu erlahmen. Die Unleferlichkeit der Rezepte, Die lage über die wenig deutliche Handschrift der Aerzte auf ihren für die Apotheke bestimmten Verordnungen ist uralt. Cs mag sein, daß in manchen Fällen das unentzifferbare Rezept als notwendig gehalten wird, um dem Laien nicht Anlaß zu Experimenten und Eingriffen in die Tätigkeit des Arztes zu geben. Aber dieser Grund ist unwesentlich gegenüber der großen Gefahr, die darin liegt, auch bei dem berufenen Apotheker Verwirrung und Unsicherheit hervorzurufen und eine irrige Anfertigung der Präparate zu ermöglichen. Auch ein nur geringes Versehen kann schwere Folgen mit sich bringen. Das großherzoglich Hessische Ministerium, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, ist die erste Behörde, die hier Wandel schaffen will. Sie hat an die Kreisgesundheitsämter, die Kreisveterinärämter und die Apothekenbesitzer des Großherzogtums die folgende Verfügung erlassen:„ Da wir noch immer die Erfahrung machen müssen, daß Rezepte mit faum leserlicher Schrift zur Anfertigung in die Apotheken gebracht werden, weisen wir die Apotheker an, sich für die Folge solchen Rezepten gegenüber in keinem Falle auf mehr oder minder mühevolle zuverlässige Enträtselung einzulassen, vielmehr stets von dem ordinierenden Arzt eine deutliche Inhaltsangabe zu verlangen." Für alle beteiligten reise, nicht am wenigstens für den Arzt selber, ist deutliche, leserliche Schrift auf den Rezepten von Vorteil. Das Beispiel des hessischen Ministeriums verdient deshalb Nachahmung. Gin Bei In feinem Tei Geftalt be triffen wir in Eine für die nende Erfchei religiofer B farten neu Propheten in Europa fperren wird gewinnen in geffen faft ni polliter Myft Tasche zu Gegenstat, aufaffen. ernsthaft m fich also: Herr B Teine Gatti das ganze Berjammla es traf i bo Tander: de bie Bataftung Ben die Polize eingepeirt hat Standals die jamin aber win Das war im pheten brachten zügellofen Sitt bedentliche pol Der Prophet jimmten Tage miten am Beije ibre A Gines Tages welche einer de fende Neigung fonnte den Mo dech drei Viertel Staaten bliben brauchte man d Aufmerfiamfeit einen genialen feiner Mitbürge Gines Abends Sintflut antün An diesem Noab jei, und b bei Benton Har ein und begann Rachahmer Roc und Lichterze ratung gab einen Gasm Durch Stahltra pereinfachte da der als Schiff Ropfzerbrechen bau fchreitet m noch viel Se macht, it di bolle Stimm diefe Schwi jonders gro horn, der Lege. 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Eine für die Psychologie der Menschheit besonders bezeichnende Erscheinung ist es dabei, daß gerade auf dem Gebiete religiöser Beeinflussung unglaubliche Dinge in der aufgeflärten neuen Welt vor sich gehen können. Abenteuernde Propheten und schwindelhafte Wahrheitsentdecker, die man in Europa ins Sanatorium oder richtiger ins Gefängnis sperren würde, können dort ungehindert ihr Wesen treiben, gewinnen in der Regel bald erflecklichen Anhang und ver gessen fast nie über der Beschäftigung mit den geheimnisvollster: Mysterien die Yankeetugend, reichlich für die eigene Tasche zu sorgen, ihr Reformationswerf nicht nur als Segenstat, sondern au chals einträgliches" business" auf. zufassen. Jetzt hat sich ein zweiter Noah aufgetan und ist ernsthaft mit dem Archenbau beschäftigt. Und das begah sich also: Herr Benjamin, ein wandernder Evangelist, und Mary, seine Gattin, beide aus Kentucky gebürtig, durchwanderten das ganze amerikanische Festland, bald hier, bald dort in Versammlungen über eine neue Offenbarung predigend. Und es traf sich, daß sie eine kleine Herde bedrängter Seelen fanden: die" Holy Rollers". Diese Heiligen weinten über die Verkaftung ihres größten Heiligen, des Fürsten Michael, den die Polizei von Detroit aus sehr delikaten Gründen eingesperrt hatte. Die„ Holy Rollers" hatten wegen dieses Standals die Stadt verlassen müssen. Der Evangelist Ben jamin aber wurde bald der gute Hirte der verlassenen Herde. Das war im Jahre 1903. Strenge Befehle des neuen Propheten brachten bald etwas Ordnung und Würde in die zügellosen Sitten der„ Heiligen", die sich bis dahin durch bedenkliche polygamische Neigungen ausgezeichnet hatten. Der Prophet Benjamin handelte als Reformator. An bestimmten Tagen mußten die Heiligen das, was ihnen am meisten am Herzen lag", ins Feuer werfen, um auf diese Weise ihre Abkehr von den irdischen Dingen kundzutun. Eines Tages sollte eine der jüngsten Konvertitinnen, für welche einer der Patriarchen der Kongregation eine wachsende Neigung empfand, geopfert werden. Die Polizei konnte den Mord aber noch rechtzeitig verhindern. Da jedech drei Viertel der zahllosen Sekten, die in den Vereinigten Staaten blühen und gedeihen, derartige Abenteuer erleben, brauchte man der Sekte der Holy Rollers" feine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, wenn der Prophet nicht durch einen genialen Gedanken die Bewunderung und die Achtung seiner Mitbürger und der ganzen Welt verdient hätte. Eines Abends hatte er eine Erscheinung, die ihm eine neue Sintflut ankündigte und zwar für das Jahr 1916. An diesem Tage wußte Benjamin, daß er der zweite Noah sei, und begann sich danach zu richten. In einem Tal bei Benton Harbor, Michigan, richtete er eine Schiffswerft ein und begann die neue Arche zu bauen. Zuerst wollte der Nachahmer Noahs auf Deck eine Windmühle als Kraft. und Lichterzeuger aufstellen; nach gründlicher Beratung gab er diesen Plan jedoch auf und kaufte einen Gasmotor. Tanne und Eiche mußten das durch Stahlträger geſtüßte Gerüst der Arche liefern. Das vereinfachte das Schiffsbauproblem, das dem ersten Noah, der als Schiffbauer teine technische Erfahrung besaß, viel Kopfzerbrechen verursacht haber muß. Benjamins Archenbau schreitet nur langsam vorwärts; bis 1916 hat man aber noch viel Zeit. Was dem Propheten die größte Sorge macht, ist die Einrichtung der Menagerie. Die geheimnisbolle Stimme aber, die zu dem Gasmotor riet, löste auch diese Schwierigkeit. Sie ließ wissen, daß sie auf einige besonders große Bestien, als da sind: der Elefant, das Nashorn, der Eisbär u. s. w., feinen besonderen Wert mehr lege. Hatte Noah nicht auch das Mammut und die Dinofaurier draußen gelassen? Für die Familie der Schlangen wird in Benjamins Arche auch kein Platz mehr sein, denn sie hat ihre Rolle auf Erden ausgespielt; auf besonderen Wunsch von Mistreß Mary sollen noch ferngehalten werden: die Ratten, die Mäuse, die Wanzen die Zäuse und andere unangenehme Tierchen. Abgesehen von diesen Ausnahmen muß alles, was auf Erden herumwirtschaftet, in die Arche hinein, um die große Flut von 1916 abzuwarten. Und wenn durch einen unglücklichen Zufall die angekündigte Sintflut sich nicht einstellen sollte, würde dem Propheten Benjamin noch das Mittel bleiben, seine Menagerie und seine letzten Jünger, wie Barnum der Große, durch die Welt spazieren zu führen. Lokales. 19. Jult 1905. ** Der Wunsch des Großherzogs. Das von dem Großherzog den Gießener Wehren zum Jubiläumsfeste gesandte Telegramm, dessen wir gestern schon Erwähnung taten, lautet: Edernförde, 17. Juli 1905. Herrn Oberbürgermeister Mecum Gießen. Herzlichen Dank für treue Grüße. Mögen die schönen, segensreichen Einrichtungen für die gesamte Menschheit weiter blühen und gedeihen. Ernst Ludwig. ** In Hoffreisen verlautet, daß man im Großherzoglichen Hause gegen Ende des Jahres einem freudigen Familienereignis entgegensieht. ** Das Großherzogliche Paar trifft morgen Bor. mittag von seinem Besuche bes Binzen Heinrich auf Schloß Hemmelsmarck zurückkehrend in Wolfsgarten ein. *** Am Donnerstag, den 20. Juli 1905, nachmittags 4 Uhr, findet eine Sigung der Stadtverordneten- Verfammlung mit folgender Tagesordnung ftatt: 1. Mitteilungen. 2. Baugesuch des W. Valentin für An der Hardt 12; hier: Diepens. 3. Baugesuch des Konrad Rübsamen für den Wismarerweg( Feldscheuer); hier: Dispens.- 4 Bau- bon - - - - - - gesuch des Philipp Horn für die Große Mühlgasse; hier: Dispens. 5. Baugesuch des A. Geiße für Ecke Seltersweg und Kaplansgasse; hier: Durchführung der Fluchtlinie für die Kaplanegasse. 6. Baugesuch der L. Rhotenberger Witwe für den Neuenweg; hier: Dispens.- 7. Errichtung einer Einfriedigung bei der neuen katholischen Kirche.- 8. Baugesuch des K. Nikolaus für die Roonstraße; hier: Eingabe von Noll und von Wagner. 9. Gesuch der Firma Georg Philipp Gail dahier um Erlaubnis zur Aufstellung von Telephonstangen am Wismarerweg. 10. Anlage eines weiteren Fußwegs vom Oswaldsgarten nach der Nordanlage. 11. Anlage einer Straße vom Seltersweg nach der Südanlage. 12. Genehmigung von Rechnungen. 13. Unterhaltung des Forsthauses Hochwart; hier: Arbeitsvergebung. 14. Errichtung einer Telephonverbindung der Kläranlage nach dem Elektrizitätswerk. 15. Kaufvertrag mit Julius Bach. 16. Berkauf von Gelände aus dem ehemaligen Klingelbach von der Stephanstraße bis zur Löberstraße. 17. Verkauf eines GrundStücks zwischen Roonstraße und Wieseck an Fabrikant Ed. Noll. 18. Verkauf von Gelände an der Ciednerstraße an Herrn Dömling. 19. Abgabe von Waldparzellen zur Vergrößerung des Ererzierplazes. RM. Ein zurückgekehrter Fahnenflüchtiger. Der Musketier Hermann Hansult von der 3. Kompagnie des Inf. Reg. Nr. 168, geb. in Wiesed, war im Jahre 1898 Laufbursche bei dem Dr. Weißbrod in Wiesbaden. Dieser hatte einen Wechsel in Höhe von 1000 Mt. von der inzwischen fallierten Firma Wurm in Wiesbaden in Zahlung erhalten, der auf Dr. Amelung in Königsstein gezogen war, und beauftragte den Hansult, diesen Wechsel einzufassieren. Hansult erhob das Geld und ging nach Amerika durch. Nach 5 Jahren fam er wieder zurück und stellte sich der Militärbehörde, um seiner Dienstpflicht zu genügen. In zwischen stellte sich seine Unterschlagung heraus, weshalb er jezt vor das Kriegsgericht tam. Der Angeklagte ist geständig und wird zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt. Eine wegen Körperverlegung ihm fürzlich auferlegte Gefängnisstrafe von drei Tagen wurde in zwei Tage umgewandelt. - ** Dem Verdienste seine Krone! Stadrat Helm, der Vorsitzende des Gesamt Festausschusses und umsichtige Leiter der Gießener Feuerwehr Jubiläumsfeierlichkeiten, ist von den Gießener Wehren zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt worden. ** Blitzschlag. Am Sonntag fuhr ein Blitzstrahl in die Gießener Aftien- Brauerei glücklicherweise ohne zu zünden. ** Beim Baden ertrast am Montag im Gießener Freibad der 49 jährige Arbeiter Schaumburg aus Roth. Man nimmt an, daß er vom Schlaganfall gerührt wurde. *** Freie Turnerschaft. Am 15., 16. und 17. Jult wurde in Darmstadt das Kreisturnfest des 9. ArbeiterTurner- Bundes abgehalten. An den Stabübungen nahmen 180 Turner teil. P. Ruhe ist die erfte Bürgerspflicht. Ein auswärtiger Former verübte in Gießen einen derartigen Standal, daß er, um die Ruhe wieder herzustellen, verhaftet werden mußte. P. Dhumächtiger Feuerwehrmann. Montag Nachmittag wurde ein Gießener Feuerwehrmann auf dem Festplate ohnmächtig, sodaß er von der Sanitätswache aus mittels Bahre nach Haus getragen werden mußte. P. Marsch, ins Arrest! Ein Gießener Geschäfts. gehülfe, welcher des Guten zuviel getan hatte und auf dem Festplate ohne Ursache mit anderen Leuten anzubändeln suchte, mußte, da Verwarnungen erfolglos blieben, in das Haftlokal verbracht werden. *** Zengen der Vergangenheit. Bei Erdaus. hebungen in der Nähe der Stadtkirche zu Gießen ist man auf altes Mauerwerk gestoßen, in dem man das Fundament der ältesten Burg gefunden zu haben glaubt. = Circus Lorsch in Konkurs. Der auch in Gießen mehrmals mit großem Erfolg aufgetretene Circus Lorsch ist am Mittwoch in Zittau( Sachsen) in Konkurs geraten. Der Begründer desselben ist ein Hesse aus Eschollbrücken bet Darmstadt. *** Landwirtschaftliches Rennen. Mit der landw. Landes- und Jubiläums- Ausstellung zu Mainz ist ein Rennen mit selbstgezüchteten oder durch den Pferdezuchtverein eingeführten Pferden verbunden. Die Anmeldungen haben bis zum 1. September bei dem hessischen Landwirtschaftsrat zu erfolgen. Kinzenbach, 17. Juli. Der Weg des Blitzschlags. Unter den bereits gemeldeten Verheerungen, welche das Unwetter, wie es die ältesten Leute nicht erlebt haben, am Sonntag Nachmittag in hiesiger Gegend angerichtet, ist wohl diejenige auf unserer Dampfziegelei als die größte anzusehen. Gegen 4 Uhr zogen schwere Wetterwolfen aus der Wetterauer Gegend über das Lahntal und sogleich entlud sich ein Gewitter, Bliz auf Blitz folgte, begleitet von heftigen Donnerschlägen. Ein Blizstrahl traf den höchsten der vier Schornsteine des Werkes( 45 m) und dieser wurde von oben, etwa auf einer Strecke von 30 m, derart beschädigt, daß am Mauerwerk ein feilförmiges Stück von 1/2 m Breite und 8 m Länge herausgeriffen wurde. Außer einigen ca. 2 Zentner schweren Stücken, welche das Dach durchschlugen und den großen Ringofen im Innern arg beschädigten, wurde das Mauerwerk in fauſtgroßen Der daStücken bis zu 100 m im Umkreis zerstreut. durch an den Gebäuden entstandene Schaden dürfte sich bei oberflächlicher Berechnung auf mindestens 15000 Mt. belaufen. Größere Verluste dürften aber die Störungen im Betriebe dem Werke verursachen, zumal dasselbe 3. 34. mit Aufträgen überhäuft ift. Es muß aber noch nicht an einem Werktage herniederfuhr, sonst wären als ein Glück bezeichnet werden, daß der Blizstrahl Verlegungen der Arbeiter, ja sogar Todesfälle unausbleiblich gewesen. H. Diehl ist einstimmig zum Beigeordneten wiedergewählt Laubach, 18. Juli. Der bisherige Beigeordnete worden. Nachmittag erfolgte in feierlicher Weise die Inbetriebsetzung ** Hungen, 18. Juli. Wasserleitung. Samstag unserer Wasserleitung. ? Ettingshausen, 18. Juli. Sonntag wurde hier das Bezirkskriegerfest des Licher Bezirks abgehalten. hier ein Fuhrmann, dessen Gefährt mit einem anderen § Oberbessingen, 18 Juli. Neberfahren wurde Wagen zusammenftieß. Er stürzte zu Boden und die Räder gingen ihm über beide Oberschenkel. Lich, 18. Juli. Das Unwetter dm Sonntag hat den Obstbäumen und Hackfrüchten beträchtlichen Schaden zugefügt. In Lich stürzte ein Schornstein herunter und verlegte eine Frau und ihr Kind schwer. bindung mit dem sog. Kirschenmarkt von dem Bezirks? Alsfeld. Der am 12. Juli in Alsfeld in Verzuchtverein Alsfeld abgehaltene Zuchtviehmarkt von Bullen, Kühen und Rindern der Simmentaler Rasse war, begünstigt von dem besten Wetter, gut befahren. Aufgetrieben waren 40 Bullen und 30 weibliche Tiere. Gegen den vorjährigen Markt also erheblich mehr. Sämtliche vorgeführten Tiere, von Herdbuchtieren abstammend, fonnten durchschnittlich als zur Zucht geeignetes Material angesprochen werden, infolge dessen das Geschäft auch flott ging. Besonders groß war die Nachfrage nach Bullen von Seiten von Gemeindevertretern, die ihren Bedarf an Gemeindefaseln deckten, so daß der größte Teil der Bullen verkauft worden ist. Bezahlt wurden für Bullen von 1 bis 1/2 Jahren 300 bis 560 M., für Kinder 450 bis 550 Mt. Auf dem Markte waren auch die für die am 14. bis 18. September in Mainz stattfindende Ausstellung vorgesehenen Tiere zur definitiven Auswahl vorgeführt. Es wurden ausgewählt 2 Bullen, 6 Kühe und 6 Rinder. § Alsfeld, 18. Juli. Der Gewittersturm am Sonntag Nachmittag hat auch unsere Stadt nicht verschont. An zahlreichen Dächern richtete er starte Verwüstungen an. In viele Gebäude fuhr der Blizstrahl, u. a. auch in das Hotel Deutsches Haus und in das alte Rathaus. Die elektrische Leitung wurde durchschlagen und das Licht erlosch in den Straßen und Häusern. A Luftkurort Hochwaldhausen, 18. Juli. Nachdem bereits beim hiesigen Luftfurort die Anlage eines Erholungsheims für Aerzte gesichert ist, hat auch der allgemeine deutsche Mufikerverband beschlossen, hier ein Erholungsheim für Musiker ins Leben zu rufen. Ein ca. 1500 qm großes Baugelände wurde dem Musikerverband zur Verfügung gestelt. K Frankfurt, M. a.( Heu- und Strohmarkt.) an notierte: Heu 2.80-3.10 mt., Stroh 2.30-3.00. Alles per 50 kilo. Aus dem Gerichts[ aal. Straffammer. Gießen, den 18. Juli 1905. Wegen Verleitung zum Meineid war der Steinbrecher Peter Dörr von Ober- Dfleiden angeflagt. Er soll einen Dienstknecht zu günstigen Aussagen in einem gegen ihn anhängigen Alimentationsprozeß haben verleiten wollen. Die Sache wurde zwecks weiterer Beweiserhebungen auf nächsten Donnerstag vertagt. Wegen eines an einem 5jährigen Kinde zu Grünberg verübten Sittlichkeitsverbrechens wurde der Knecht Adam Heidinger von Brückenar Der Tags zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus verurteilt. löhner Weißel 2. von Bergheim wurde durch das Schöffengericht wegen Mißhandlung seiner Ehefrau zu 2 Monate Gefängnis verurteilt. Seiner Berufung wurde stattgegeben und die Strafe auf 1 Monat herabgesezt. Der Arbeiter Heinrich Friele aus Herzenhain hat von einem Kameraden zu Annerod, bei dem er genächtigt hatte, einen Regenschirm mitgenommen. Da er rückfällig ist, war die Mindeftstrafe 3 Monate Gefängnis, auf die erkannt wurde. Wegen Oftroihinterziehung wurde der Schneider Wilhelm Hamel in Gießen mit einem Strafbescheid des Kreisamts in Höhe von 17 Mart bedacht. Er trug gerichtliche Entscheidung an, die am Schöffengericht zu seinen Ungunsten ausfiel, indem er zur genannten Strafe verurteilt wurde. Die von ihm eingelegte Berufung wurde als unbegründet verworfen. Höchste Schlachtbiehpreise in Frank urt a. M. - Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch und Brotpreise am 17. Juli 1905. Fleischpreise in Gieken 50 kg Schlachtgewicht 74-76 m. 1/2 kg 70-80 Pf. 82-87 Pf. do. 70-74 1/2" do. 70-71 70-80" Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 kg 52 Bf. Schwarzbr. do. 48 Ochsen Kälber Schweine do. " Getreidepreise in Mannheim 18.65 M. 16.30" Weizen 100 kg Roggen do. " OF " Berantwortlich: für die Politik und den Inseratentel!: Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belbe in Bicken. Gegründet 1883. Jean Dern& Co. Gießen Inh: Oscar Gutmann Weftanlage 31. Triephen Dr. 21 Ton- und Mosaik- Fußbodenplatten, glaßerte Wandplatten. Blleinverkauf der echten Mettlacher Platten. Belichtig. unl. Ausstellungsräume a. Qußterküche gern gestattet. Graht. Lager am Plane in Baumaterialien f. Hoch- u. Tiefbau. Bekanntmachung. Bilanz der Gewerbebank Lollar, Akt.- Ges, für das sechste Geschäftsjahr Unter Bezugnahme auf unsere früheren Bekanntmachungen, die Bedienung der Rückstauveranschlüsse betreffend, machen wir diejenigen Hausbefizer, welche ihre Grundstücke an die Neukanalisation bereits ange= schlossen haben, darauf aufmerksam, daß von Donnerstag, den 20. Juli ds. Je. bis einschließlich An Samstag, den 22. Juli ds. Js. wiederum eine Spülung sämtlicher städtischer Straßenkanäle vorgenommen wird. Gießen, den 13. Juli 1905. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Mäusburg zwischen Marktplatz und Wettergasse von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperit. Gießen, den 15. Juli 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die unterm 22. Juni 1905 angeordnete Sperre der Weftaulage zwischen Bahnhofstraße und der Einmündung der Straße Hinter der Westanlage" wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 14. Juli 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Arbeitsvergebung. Die zur baulichen Unterhaltung der Gebäude des Realgymnasiums und der Realschule nötigen Schreiner, Weißbinder- und Tapezierarbeiten, sowie die Erneuerung hölzerner Treppenstufen In der Stadtknabenschule sollen Donnerstag, den 20. Juli d. Js., vorm. 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einficht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen.- Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 14. Juli 1905. Städtisches Hochbauamt. J V.: Altvater. " " Aktiva Guthaben in laufender Rechnung, gedeckt durch: a) Wertpapiere u. Kautionshypotheken b) Bürgschaften c) andere Sicherheiten Cedierte Forderungen Darlehen gegen Schuldscheine mit Bürgschaft. Banfier- Guthaben Kassebestand Wechselbestand " " Mobilien " Abschreibung Soll An gezahlten Zinsen " Handlungskosten Steuern " " " " Veröffentlichungen, Druc sachen und sonstige Unkosten Abschreibungen auf Mobilien Reingewinn im Jahre 1904/5 Vortrag vom Jahre 1903/04 vom 1. April 1904 bis 31. März 1905. M. 139 223 17 M. Per Attien- Kapital. 12N130 Passiva M. M. " Spareinlagen 60 000 272 463 20 " Schulden in laufender Rechnung 52 618 28 58 596 01 " 6052 47 203 871 65 2 738 76 115 942 06 " " Besondere Rücklage 7 000 10 500 6 502 22 38 010 36 " 579 41 16 090 25 " 7447 87 7081 63 500 500 1 722 75 122 75 1 600 R. 168 Julertion Dan, bir re Met Rebaftionu unerhobene und überhobene Zinsen Reservefond Reingewinn in 1904/05. Vortrag vom Jahre 1903/04 • 29 439 68 Verwendung desselben: Dem Reservesond Besondere Rücklage Vertragliche Tantieme dem Vorstande 412 401 87 6% Dividende den Aktionären Spende der Kleinkinderschule. Spende dem Ortsgewerbeverein für die Handwerier- Zeichenschule Vortrag auf neue Rechnung Gewinn- und Verlust- Konto. M. 18 275 74 Per Vortrag vom Jahre 1903/04 1463 62 3 600 80 579 41 27 894 35 5 525 13 gezeichnet dur ern ähnten Aa M. 6 502 22 579 41 Haben 7 466 45 " 638 36 Zinsen Provisionen 413 96 122 75 7 081 63 33 998 89 121 30 908 01 7 081 63 412 401 87 Mo. Kinde -3um Aus Die joziale Master für Schwachen" worden durch will die sozia in Veranstalt 33 998 89 Nr.166 Praktiziere jetzt im Neubau Plockstrasse 7 Nähe Seltersweg Schwalm, Zahnarzt. Nieren- und BlasenLeiden heilt und stärkt die Reinhardsquelles bei Wildungen. Mineralwasserversandt Füllung I. Klasse. Trinffur, Mineral- und Sonnenbäder. Hunderte Herzte trinken Reinhardtsquelle. Anerkannt sehr leistungsfähig ist die Stahlwaren- Fabrik u. Versandhaus I. Ranges Gebrüder Rauh Grafrath Abbildung ca. 1%, natürl. Grösse. bei Solingen Schönstes Geschenk für Damen. mit den Symbolen Schere Glaube, Liebe, Hoffnung. 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