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Jufertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz Oberben, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg. Reklamen bie Betitzeile 30 refp. 40 Bfg. Redaktion u. Haupterpebttion: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanfchluk Nr. 862. Dienstag, den 18. Juli 1905. Gießener 14. Jahrgang Abonnementspreis: abgeholt monatlich 30 Vfa., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen bierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle omtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberbessen. Die fommenden Landtagswahlen im Großherzogtum Hessen. Man schreibt uns Folgendes: Die Ergänzungswahlen zum nächsten 33. Landtag werden voraussichtlich noch einmal nach dem alten System der Wahlmännerwahlen vorgenommen, nachdem durch die Initiativanträge der Ersten Kammer das mit vieler Mühe zuftande gekommene Wahlgefeß jeßt als gescheitert betrachtet werden darf. Der Wahlkampf wird in den meisten Bezirken fein allzugroßer werden, selbst da nicht, wo der Abgeordnete den politischen Verhältnissen nach der richtige Vertreter des Bezirks nicht ist. Denn er ist nach dem alten Shstem gewählt und dagegen agitatorisch anzufämpfen ist schwer, weil die Kandidaten erst an zweiter Stelle, an erster Stelle aber die Wahlmänner der Gemeinde stehen. In Oberhessen wird sich nur in den Kreisen Gießen Land( seitheriger Vertreter Abg. Leun) und Vilbel( seitheriger Vertreter Abg. Ullmann) eine starke Wahlbewegung geltend machen. Im erftgenannten Kreis geben sich die Sozialdemokraten sehr viele Mühe. Im ersten Wahlkreis( Vilbel) werden die Sozialdemokraten auch auftreten, doch haben die Nationalliberalen dort größere Aussichten auf Erfolg. In Startenburg wird sich zunächst um den Wahlfreis Darmstadt- 8wingenberg- Gernsheim ein heftiger Kampf zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten entbrennen ( feitheriger Abg. Präsident Haas), in welchem, wie heute schon feststeht, Haas sicher unterliegen wird. Um Haas aber doch wieder einen Siz in der Kammer zu sichern, trägt man sich schon mit dem Gedanken ihn in einen anderen Wahlfreis, wo die Verhältnisse günstiger liegen, aufzustellen. Hierbei fämen Beerfelden Hirschhorn( Abg. Breuner) un Fürth- Reinheim( Abg. Ripper) in Betracht. Die genannten zwei Abgeordneten sind amtsmüde. Breuer wird wohl bei ernstlichen Vorstellungen sein Mandat wieder über. nehmen, auch Lang nicht unerbitterlich sein, da man für Haas im südlichen Odenwald tein allzugroßes Interesse hat, fönnte es sich nur noch um das Mandat Rippers handeln, das die Bauernbündler sicher nicht ohne weiteres aufgeben werden. Man sieht hieraus, daß die Aussichten des Bräsidenten bei der Wahl ziemlich schlecht sind. Hat man fich doch in parlamentarischen Kreisen schon mit der Möglichkeit einer neuen Präsidentenwahl beschäftigt. Auch in Lampertheim fann sich ein Wahlkampf zwischen Nationalliberalen und Sozialisten entwickeln, auch das Zentrum hat dort ein gewrichtiges Wort mitzusprechen. In DarmstadtLand wird wohl der Abg. Noack( wild), wenn er sich wieder aufstellen läßt, sicher gewählt. In Langen Offenbach wollen die Sozialdemokraten für den zurücktretenden Abg. Kramer den Rechsanwalt Fulda- Darmstadt aufstellen, der aber gegenüber dem von nationalliberaler Seite aufzustellenden Abg. Dr. Beder Sprenglingen zum mindesten einen sehr schweren Stand haben dürfte. In Rheinhessen wird es voraussichtlich in vier Kreisen einen nennenswerten Wahlkampf geben. Zunächſt in Nierstein- Nieberolm, wo der seitherige Abg. Molthan nur durch das Verhalten seines Vorgängers Wernher- Nierstein in der Weinsteuerfrage in den Landtag kam. In diesem Kreise sind Nationalliberale und Zentrum gleich start, erstere anscheinend etwas überlegen. Die Nationalliberalen tonnten seiner Zeit nur fiegen, weil einige Wahlmänner aus Zentrumsorten bei der Hauptwahl nationalliberal wählten. Den Ausschlag gibt die Gemeinde Nierstein. Im Kreise Wöllstein wurde der nationalliberale Abg. Pitthan zum Teil von freifinnigen Wahlmännern gewählt( 1899). Seit der Reichstagswahl von 1903 ist das Berhältnis etwas gespannter. Auch ist die Stimmung in der mit wöllstein rivalisierenden Gemeinde Sprendlingen nicht sehr stark für Bitthan. Daher dürfte hier ein Wahltampf stattfinden, bessen Ausgang sehr zweifelhaft erscheint. Am lebhaftesten dürfte es im Kreise Wörrstadt zugehen( seitheriger Vertreter Abg. Wolf). Wenn auch der Abg. Wolf sich nicht als doch zugestanden werden, daß er der einzige Abgeordnete ift, der feine Sigung versäumt hat. Er gehört teiner politischen Partei an, obwohl er in bäuerlichen Dingen mit den Bauernbündlern Hand in Hand geht. In Rheinhessen ift er bei der Masse der Bevölkerung beliebt und der Umstand, daß sein freisinniger jugendlicher Gegner nicht nur ihn, sondern auch Nationalliberale und Zentrum bekämpft, sichert dem Abg. Wolf den Kreis, wenn er sich einigermaßen bemüht. Der Wahlkreis Gaualgesheim sendet wieder den Abg. v. Brentano, der diesmal zu erftenmal eine Anzahl evangelischer Stimmen erhalten dürfte. In MainzLand ist die Wiederwahl von Dr. Schmitt sehr gefährdet, zuwachs erhalten haben. da die Sozialdemokraten dort ganz bedeutenden StimmenDie anderen Kreise, die der nationallib. Partei gehören, werden ihre Abgeordneten ohne Kampf wieder senden. So wird die nächste Ergänzung der kammer keine großen Parteiverschiebungen bringen. Die Eisenbahnen Deutschlands. sonentarifreform hat dem Eisenbahnwesen neuerDie in der Schwebe befindliche Eisenbahn- Perdings gesteigerte Aufmerksamkeit zugewendet. Das recht. fertigt wohl einige nähere Angaben über Umfang und Wert der Eisenbahnen Deutschlands. Ihre Gesamtlänge betrug Ende des vorigen Jahres 51 539 Kilometer, ihr Anlage. fapital 13 212 Millionen Mark oder 256 350 Mark durchschnittlich für den Kilometer. Auf Preußen allein entfallen 33 952 Kilometer Bahn mit einem Anlagekapital von 8380 Millionen, so daß sich hier das Kilometer im Durchschnitt auf 246 820 Mark stellt. Die 6168 Kilometer Eisenbahn Bayerns haben ein Anlagekapital von 1455 Millionen oder 235 895 Mark für den Kilometer erfordert. Nicht unwesentlich teurer waren die Bahnanlagen in Sachsen, wo 1000 kilometer ein Kapital von 3162,5 Millionen Mark oder 316 205 Mark für den Kilometer beanspruchten. Noch etwas teurer hat Württemberg gebaut, dessen 1925 Kilometer Eisenbahn 615 Millionen Mark oder 319 480 Mart für den Kilometer beanspruchten. Eine weitere Steigerung der Kostspieligkeit zeigt sich in Baden, wo 1621 Kilometer Eisenbahn eine Kapitalanlage von 624 Millionen Mark oder 384 948 Mark für den Kilometer notwendig machten. Das Großherzogtum Hessen wiederum hat billiger gebaut, es hat mit 298 Mill. Mark Anlagekapital 1122 Kilometer Eisenbahn hergestellt, den Kilometer also mit 265 597 Mark. Mecklenburg- Schwerin hat 1122 Kilometer Eisenbahn mit einem Aufwand von 127 Millionen gebaut, für den Kilometer somit nur 113 190 Mark ausgegeben. Die größere Billigkeit erklärt sich daraus, daß die mecklenburg- schwerinschen Bahnen zumeist keine Hauptbahnen sind. Die reichsländischen Eisenbahnen, die dem Reich gehören, haben eine Länge von 1674,5 Kilometer, die mit einem Aufwand von 638 Millionen hergestellt sind, so daß der Kilometer Bahn im Durchschnitt eine Anlage von 381 010 Mark erfordert, um ein Geringes weniger als im Königreich Sachsen. Hinter dem Reichsdurchschnitt an AnTagekosten für den Kilometer bleiben Preußen, Bayern und Mecklenburg- Schwerin zurück, Sachsen, Elsaß- Lothringen. Württemberg, Baden, Hessen überbieten ihn. Von den übrigen Einzelstaaten haben nur Oldenburg, Sachsen- Weimar, Sachsen- Meiningen, Hamburg und Bremen eigenen Eisenbahnbesitz von insgesamt 792 Kilometer Länge, meist Bahnen niederer Ordnung, die eine Anlage von 75 Millionen Mart oder 94 696 Mark für den Kilometer erfordert haben. Es ist nicht leicht, sich eine zutreffende Vorstellung von einer Milliarde zu machen. Man muß Hilfsmittel gebrauchen, um zu verstehen, was tausend Millionen bedeuten. Schon die Million ist schwer zu fassen, wenn auch die Naivetät ausgestorben sein mag, die einen leidlich vermöglichen Mann einen Millionär nannte, einen„ Millionär von mindestens 10 000 Gulden". Die amerikanischen Milliarden- Vermögen sind meist nur in den übertreibenden Phantasien vorhanden. Auch hat man sich allmählich gewöhnt, statt von Milliardären bon Multi- Millionären zu sprechen. d. i. von vielfachen Millinären, deren wir in Europa auch haben und die in Amerika so wenig wie in der Alten Welt sehr dicht gefät sind. Will man ungefähr begreifen, was eine Milliarde ist, so denke man daran, daß das gesamte Kapitalvermögen der Bevölkerung des Königreichs Preußen sich auf ungefähr 70 Milliarden beläuft, wobei allerdings die Vermögen unter 6000 Mr. nicht mitgerechnet sind. Der Besitzer einer Milliarde Mark würde danach so viel Vermögen sein eigen nennen, als die Bvohner zweier Regierungsbezirke zusammengenommen, die dort ansässigen Millionäre und Multimillionäre eingerechnet. Beträgt das in Preußen angesammelte Kapitalvermögen 70 Milliarden, so darf das in Deutschland vorhandene Kapitalvermögen auf 112 Milliarden Mark geschätzt werden. Die in den deutschen Eisenbahnen steckende Kapitalanlage bon 13,2 Milliarden macht somit 11,8 Prozent des gesamten deutschen Kapitalvermögens aus, die preußischen Eisenbahnen mit ihren 8,38 Milliarden Kapitalanlage bilden 11,97 Prozent des gesamten in Preußen vorhandenen Kabitulvermögens. Der deutsche Eisenbahnbesitz ist nicht bloß an sich überaus stattlich, er ist es auch im Vergleich zu dem Eisenbahnbesitz anderer Reiche. Die Vereinigten Staaten von Amerika baben die größte Eisenbahn- Kilometerzahl, über 320 000 Kilometer, mehr denn sechsmal so viel als Deutschland. Die Amerikaner verfehlen auch nicht, darauf aufmerksam zu machen, daß bei ihnen 41,1 Kilometer Eisenbahn auf 10 000 Einwohner kommen, bei uns nur 9,4 Kilometer. Das klingt cie amerikanische Ueberlegenheit, schreibt sich aber einzig aus dem falschen Vergleichsmaßstab her, der nicht aus der Bevölkerungszahl, sondern aus der Ausdehnung des Landes 31 entnehmen ist. Sonst würde eine Eisenbahn, durch die Wüste Sahara gelegt, die Sahara zum eisenbahnreichsten Lande der Welt machen, weil in der Wüste nur ganz vereinzelt Menschen zu finden sind. Legt man den richtigen Maßstab an, so entfallen auf 100 Quadratkilometer Landes in Amerika 4,1, in Deutschland 9,7 Kilometer Eisenbahn. Hiernach erscheint Deutschland mehr denn doppelt so eisen. bahnreich als Amerika. Politifche Rundschau. Deutsches Reich. Nach Spanien hat sich auch England entschlossen, an der Marokkokonferenz teilzunehmen. Von beiden Ländern wird vorausgesetzt, daß ihnen das Programm der Konferenz vor. her mitgeteilt werde. * Eine ganze Anzahl gesetzgeberischer Arbeiten harren des Bundesrates, wenn er im Herbst wieder zusammentritt. Zunächst wird er die Entwürfe über den privaten Versicherungs. bertrag und über den Schutz von Werken der bildenden Künste und der Photographie zu erledigen haben. Als ziemlich sicher kann man es ferner betrachten, daß der Bundesrat sich im Herbst mit dem Entwurf über Versicherung der Forderungen der Bauhandwerker beschäftigen wird, ebenso mit den Entwürfen über die Ausgabe kleiner Banknoten und über die Maß- und Gewichtsordnung. Dann schließen sich die Beratungen über bis dahin noch abge schlossenen neuen Handelsverträge an. Für die Zulassung der Realgymnasial- Abiturienten zum juristischen Studium stimmte die Lübecker Bürgerschaft in Gemäßheit eines Senatsantrages. * Die gestern stattgefundenen Landtags- Stichwahlen in Bayern haben keine wesentlichen Verschiebungen gegenüber dem nach den Urwahlen vermuteten Resultat gezeitigt. Der Zuwachs der Zentrumspartei auf Kosten der Liberalen bleibt beſtehen. * Die Reichstags- Ersakwahl im Wahlkreise Oberbarnim ergab das Resultat, daß eine Stichwahl zwischen dem Kandidaten der Sozialdemokraten Bruns und demjenigen der deutschen Reichspartei Professor Pauli stattzufinden hat. Vermehrte Zulassung der Angehörigen des Arbeiterstandes und der verwandten Klassen zum Schöffen- und Geschworenenamt fordert eine Eingabe des nationalsozialen Vereins in Dresden an den sächsischen Justizminister. Mit der Zulassung müsse die gleichmäßige Gewährung von Tagegeldern an Schöffen und Geschworene verbunden sein. Als Zweck wird die Beseitigung der vom Justizminister selbst zugegebenen Entfremdung zwischen Volk und Justiz ange: geben. Infolge der einseitigen Zusammensetzung des Richtertums aus den Kreisen des gesicherten Besites oder höherer sozialer Stellung werde den Interessen der aufstrebenden Volksschichten nicht genügend Rechnung getragen. Spanien. Der bedeutende Dramatiker José Echegaray ist zum Finanzminister an Stelle des zurückgetretenen bisherigen Jubabers des Amtes ernannt worden. Von den Werken des Dichterministers ist„ Galeoto" in Deutschland besonders be fannt geworden. In den siebziger Jahren war Echergaran bereits einmal Handels- und Unterrichtsminister. Rufsland, ** Die Nachrichten über Mentereien im Heer nehmen kein Ende. In Ledz wurde die Mannschaft eines InfanterieRegiments gegen die eigenen Offiziere aufsässig und konnte erst nach einem blutigen Zusammenstoß überwältigt werden. In Fecdosia am Schwarzen Meer schoß ein Trommelschläger bei einer Revue auf den Regimentskommandeur, erschos Aus einen Unteroffizier und verwundete einen Leutnant. dringliche Forderung der Beamten der Warschau- Wiener Eisenbahn hat deren Verwaltungsrat angeordnet, daß die polnische und die russische Sprache nebeneinander Dienstsprache werden. Türkei. ** Die Unruhen in Kreta haben die Vertreter der europäischen Mächte abermals zu einer diplomatischen Aktion beranlaßt. Die Konsuln der Schußmächte hatten in der Nähe von Kanea eine Zusammenkunft mit den Führern der Aufständischen und teilten ihnen eine Proklamation mit, in der die Mächte einstimmig erklären, daß es unmöglich sei, den politischen Status der Insel zu ändern. Die Mächte innere Reformen erklären sich aber wiederholt bereit, einzuführen. In der Proklamation wird den Aufständischen dann eine Frist von 15 Tagen festgesetzt zur Nieder legung der Waffen. Allen, welche innerhalb dieser Frist sich unterwerfen, wird Amnestie zugesagt, ausgenommen Wenn Verbrechern und Deserteuren der Gendarmerie. die Aufständischen sich nicht unterwerfen, soll, wo es nötig ist, der Belagerungszustand verhängt werden. Aus Konstantinopel kommen Nachrichten über zunehmende Kränklichkeit des Sultans. Es verlautet mit großer Bestimmtheit, der Sultan sei zunehmend leidend und werde häufig von tiefen Ohnmachten heimgesucht. Gerüchte über die Krankheit des Thronfolgers Rechad Effendi, des Bruders des Sultans, sollen dagegen erfunden sein. Es scheint, daß einflußreiche Kreise beim Hofe eine große Intrige gegen den Thronfolger ins Werk zu setzen suchen, sodaß man in ein geweihten Kreisen sogar für sein Leben fürchtet. Der russische Zusammenbruch äußert seine Wirkungen In türkischen Regierungskreisen. Es verlautet, daß ein Frade die Neuanschaffung von 2 Panzerschiffen, 4 Kreuzern, 6 Torpedobootskreuzern und 12 pochieetorpedobooten anordnet, damit die türkische Flotte der russischen Schwarzmeer- Flotte gewachsen sei. Afien. ** Ein bemerkenswerter Gundenerlaß des Mikado in der Spionage Affäre wird veröffentlicht. Der Kaiser hat den früheren französischen Marine Instrukteur Bougouin, der wegen Verrats militärischer Operationen zu langjähriger schwerer Freiheitsstrafe verurteilt worden war, begnadigt und in Freiheit setzen lassen; ebenso ist der Sekretär Bougouins, Mati, begnadigt worden. Wahrscheinlich wird Bougouin Japan ohne weiteres verlassen. ** Zwei chinesische kaiserliche Prinzen nebst ihrem Hof staat sollen demnächst zum Studium fremder Staatseinrich tungen ins Ausland gesandt werden Hof und Gefellschaft. *** Die Jacht„ Hohenzollern" mit dem Raiser an Bord ist in Hernösand cingetroffen. * Der deutsche Kronprinz traf mit seiner e- mahlin auf der Kaiserjacht Meteor" in Aarhus ein. Das fronprinzliche Baar machte dem Prinzen und der Prinzes fin Christian, einer Schwester der deutschen Kronprinzessin, einen Besuch. Die Fortsetzung der Seereise findet auf der Jacht der Knilerin der Iduna", statt, da der Meteor" sidh an Segel- Wettfahrten beteiligen soll. *** Fürst Kar! Günther von Schwarzburg- Son. dershausen feierte gestern sein fünfundzwanzigjähriges Regierungs- Jubiläum. Den Mittelpunkt der Festlichkeiten bildete die Enthüllung des dem Fürsten vom ganzen Lande dargebrachten Brunren- Denkmals, das, vom Professor Eberlein geschaffen, auf dem Marktplaße der Hauptstadt er. richiet ist. Daran schloß sich die Huldigung des Landes vor dem Fürstenpaar. Der Fürst stiftete 50 000 Mark zum Bau einer höheren Töchterschule in Sondershausen. Zum jüngsten Rubftrat- Prozefs, ( Eig. Bericht.) Bückeburg, 16. Juli. Der vielgenannte Kellner Meyer ist von der Anklage des Meineids durch die Geschworenen freigesprochen worden. Die Bevölkerung von Bückeburg hat das Verdikt mit ungeteilter Freude aufgenommen, und sicher wird es überall im Reich die gleiche Zustimmung finden nicht zuletzt bei Herrn Minister Ruhstrat, der ganz gewiß nicht den Wunsch hatte, den unglücklichen Kellner verurteilt zu sehen. Von der Aufregung, die unsere sonst so ruhige Stadt in der letzten Woche ergriffen hatte, kann man sich anderwärts kaum eine Vorstellung machen. Der Kellner Meyer war die populärste Person. Man litt mit ihm. Jede Bekundung zu seinen Gunsten wurde mit förmlichem Jubel aufgenommen. Das war rein menschlich und schön, gerade, weil man nicht etwa Partei gegen den Minister Ruhstrat ergriffen hatte, sondern weil man einfach mit dem armen Kellner sympathisierte, dem allgemein ein so gutes Leumundszeugnis ausgestellt war, der ein vortrefflicher Sohn immer gewesen. Man hielt ihn eines Verbrechens durchaus nicht fähig, und da der Meineid eines der schwersten Verbrechen ist, so traute man ihm eben einen Meineid nicht zu. Die Geschworenen, die für ihr Verdikt keine Gründe anzugeben brauchen, sie nicht einmal angeben dürfen, sind wahrscheinlich derselben Ansicht gewesen, und sie haben Recht gehabt. Damit ist jedoch keineswegs gesagt, daß die Bekundungen des Kellners Meyer in den Vorprozessen durchaus richtig gewesen, daß tatsächlich geschehen ist, was er gesehen zu haben beschworen hat. Meyer hat sich ganz unzweifelhaft gerrrt, als er beispielsweise dem Oldenburger Herrn Scheppegrell nachsagte, dieser habe sich an der Lustigen Sieben" beteiligt. Scheppegrell, der in jedem Betracht ein einwandfreier Mann ist, hat beschworen, daß er in seinem Leben noch nicht Lustige Sieben" gespielt hat. Hätte er gesagt, daß er sich an einem bestimmten Abend, zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort jenes Spiels enthalten habe, so konnte man an die Möglichkeit eines Irrtums auf seiner Seite denken. Ein erwachsener und dem Spiel nicht unbedingt abgeneigter Mann kann aber darin nicht irren, ob er ein ihm genau bekanntes Glücksspiel überhaupt je gespielt habe. Hier hat also der Kellner Meyer unfraglich unter Eid Jrriges befundet. Und doch hatte er keinen Meineid geleistet, denn er hat nach bestem Wissen" ausgesagt, und mehr kann ein Mensch nicht tun. Wir sind alle dem Irrtum unterworfen, auch bei Wahrnehmungen, die wir für untrüglich zu halten gewohnt sind, ganz besonders bei zufälligen Wahrnehmungen, bezüglich deren wir uns nicht eigens geschult haben. Der befannte Kriminalist Professor von Lißt von der Berliner Universität hat ein in dieser Hinsicht sehr lehrreiches Erperiment gemacht. Er veranlaßte zwei seiner Hörer im juristischen Seminar, einen Streit zu fingieren, in dessen schnellem Verlauf der eine auf den anderen schoß. Die Anwesenden wurden aufgefordert, sofort niederzuschreiben, was sie als Zeugen über den Vorgang aussagen würden. Es zeigte sich das merkwürdigste Ergebnis. Die Augenzeugen, akade misch gebildete Leute, nicht Kellner, juristisch geschult, waren über nichts einig, weder über den Ort, wo die angeblick Streitenden gestanden, noch über ihre Haltung, nicht über den Beginn, noch über den Verlauf des Streits, nicht darüber, was die Streitenden in Händen gehabt, noch endlich darüber, wer den Schuß abgegeben hatte. Noch lehrreicher war ein anderes Erperiment desselben Professors. Er zeigte seinen Hörern ein Bild, das sie sich genau betrach ten und einprägen sollten, um es dann zu beschreiben. Das Bild stellte einen bespannten Wagen mit Fuhrmann und Hund und einige wenige Personen vor einer Haustür vor. Unmittelbar nach der Besichtigung waren die Befragten in Icbhafter Meinungsverschiedenheit, ob dem Wagen ein Pferd oder zwei vorgespannt gewesen, ob das Bild Rappen, Schimmel oder Füchse dargestellt habe, ob der Fuhrmann die Peitsche in der rechten oder linken Hand gehalten, ob er eine Pfeife im Munde gehabt, ob der begleitende Hund ein Spitz oder anderer Rasse gewesen, ob zwei oder drei Personen an der Tür gestanden, ob das Haus rechts oder links vom Beschauer gewesen, ob die Frauengestalt eine Schürze getragen und von welcher Farbe die Schürze gewesen, ob der Wagen mehr einem Plan- oder einem Leiterwagen geähnell habe. Wenn ein einwandfreier Mann etwas beschwört, so hal man arzunehmen. daß er für wahr hält, was er be schworen hat. Mehr als das kann er gar nicht beschwören. Darum ist wohl angängig, daß ein ebenso einwandfreier Mann mit der gleichen Aufrichtigkeit das Gegenteil beschwört. Man nimmt für gewöhnlich an, daß von zwei einander entgegensteher: den Eiden notwendig einer ein Meineid gewesen sein müsse. Das ist nicht wahr. Denn der Eid befundet nicht objektive, sondern subjektive Wahrheit, und nur die objektive Wahrheit ist einzig und immer dieselbe, während die subjektive Wahrheit vielgestaltig und wechselnd ist. Freilich ist der Richter darauf angewiesen- namentlich im Zivilstreitverfahren, das von einer Partei Beschwerene als objektive Wahrheit anzusehen. Doch das ist nur ein Notbehelf, weil wir bessere Beweismittel oder Hilfsmittel zur Findung der Wahrheit nicht haben. Auch in dem Fall des Kellners Meyer ist eine irrige Befundung mit subjektiver Aufrichtigkeit eidlich abgegeben werden. Mit dieser Möglichkeit, die so nahe lag, hätte man bon vornherein rechnen, man hätte nicht mit der schweren Anklage des Meineids gegen Meyer vorgehen, sondern gleich annehmen sollen, was jetzt die Geschworenen festgestellt haben, daß der Kellner Meyer bei seiner Aussage guten Glaubens gewesen ist. Andererseits würde man viel zu weit gehen, wollte man aus dem Kellner Meyer einen Märtyrer machen. Er hat tatsächlich Urrichtiges ausgesagt. Vielleicht hat seine Bildung nicht ausgereicht, ihn unterscheiden zu lassen zwischen dem, was seine Augen wirklich gesehen, und dem, was er auf Grund des wirilich Gesehenen sich bloß vorgestellt hat. Das macht ihn straffrei aber vorwurfsfrei macht es ihn nicht. Vorwurfsfrei sind allerdings auch die nicht, die an die naheliegende Möglichkeit subjektiven Irrtums nicht gedacht haben. Da der Prozeß gegen den Kellner Meyer mit dem oldenburgischen Minister Ruhstrat zusammenhängt, so ist wohl bei diesem Anlaß auch ein Wort über die ganze Affäre Ruhstrat gestattet: Ein Skandalblatt hatte den Minister Rubstrat pöbelhaft angegriffen und verleumdet und wurde dafür verurteilt. Die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen hatte der Minister eidlich zurückgewiesen. Jetzt wurde behauptet, er habe falsch geschworen, und diese Behauptung sollte namentlich durch den Eid des Kellners Meyer erhärtet werden. Wer in aller Welt hat Anlaß, den Eid des Kellners Meyer höher zu bewerten, als den des Justizministers Rubstrat, besonders nachdem außer Zweifel ist, daß Meyer auch objektiv Falsches eidlich bekundet hat? Minister Ruhstrat hat bis vor zehn Jahren, bis zu seiner Ernennung zum Oberstaatsanwalt Glücksspiele gespielt. Das war unrecht. Wer sich ohne Sünde fühlt, werfe den ernsten Stein auf ihn." Die unrichtige Handlungsweise eines hohen Staats- und Justizbeamten darf man ruhig zugeben, ohne der aus niedrigsten Motiven handelnden Revolverpresse auch nur einen Schein der Berechtigung zuzuerkennen. Nah und Fern. † Dampfer- Zusammenstoß. Auf der Weichsel kollidierte der von Hela kommende vollbesetzte Dampfer Vineta" am Sonntag in dichtem Nebel mit dem leer nach Westerplatte fahrenden Dampfer„ Schwan". Zum Glück ging der Zusammenstoß ab, ohne daß Menschen dabei zu Schaden kamer. † Der Heuwagen vor dem Schnellzuge. Zwischen Mehlthauer und Hof fuhr Ende voriger Woche ein voll be. ladener Heuwagen über das Bahngeleise, dessen Barriere nicht geschlossen war. In demselben Augenblicke kam der Schnellzug München- Berlin daher. Die Lokomotive fegte den Wagen zur Seite, blieb aber im Gleis und setzte nach einer Viertelstunde die Fahrt fort. Ein Knabe wurde schwer berlegt. † Unglück beim Bootsfahren. Auf dem Flusse Nidda in Hessen schlug ein Boot um, in dem sechs Personen am Sonn tag Nachmittag eine Partie unternommen hatten. Zwei Maurer und ein Schlosser fanden den Tod durch Ertrinken. † Vergiftung durch Speise- Eis. In Birmingham erfrank. ten dieser Tage eine große Anzahl Kinder, die von italieni. schen Straßenhändlern Eiscreme gekauft hatten, unter Vergiftungserscheinungen. Mit Mühe konnte die wütende Volksmenge davon abgehalten werden, sich an den Händlern zu vergreifen. † Das Unglücksfahrzeug. In der Nähe von Turin war dieser Tage nieder ein schweres Automobil- Unglück zu ver zeichnen. Das Fahrzeug, das einem Turiner Fabrikanten gehört, stieß gegen einen Prellstein und stürzte um. Zwei der fünf Insassen waren sofort tot. Der Besitzer wurde tödlich verletzt. † Ermordung eines Abgeordneten. In Trient wurde vor einigen Tagen der Landtagsabgeordnete Dr. Giuseppe Donati von seinem eigenen Bruder Silvio ermordet. Der Täter wurde verhaftet. † Ein aufgefahrenes Kriegsschiff. Bei der Insel Meleda an der dalmatinischen Küste fuhr dieser Tage das zur österreichischen Marine gehörige Schlachtschiff„ Wien", als es dem Schlachtschiff„ Budapest" ausweichen wollte, auf einen Felsen und erlitt schwere Havarie. Das Steuer wurde zertrümmert, und der Propeller ist gebrochen. Die„ Wien" wurde vom Schlachtschiff„ Monarch" nach Pola geschleppt. † Die Bombe des Anarchisten. In Mailand war ein Anarchist Bernardoni dieser Tage mit der Fabrikation von Bomben beschäftigt, als eine explodierte. Der Anarchist erhielt schwere Verlegungen. † Das Ende eines Panama- Mannes. Der durch seine Teilnahme an dem Panama- Schwindel berüchtigt gewordene Arton hat sich in Paris gestern vergiftet. † Das gesunkene Unterseebot. Von dem wieder an das Tageslicht gehobenen französischen Unterseeboot Farfadet" sind sämtliche Leichen geborgen. Wegen der Gase, die sich infolge der Verwesung im Schiffsraum gebildet hatten, mußten die Arbeiten eine Zeitlang unterbrochen werden. † Unwetter auf der Rennbahn. Während der am Sonntag in Maisons- Lafitte bei Paris abgehaltenen Pferderennen brach ein fürchterliches Unwetter los. Eine ganze Anzahl Personen haben dabei Verletzungen sich zugezogen. Diden, foir r Der Polizeaz Bellen zo fred Feiticibi feit bat den l'infor Leibesumfang ausgehadifene er, ben feiner Rulidbod gef untergeholt m früheren 3cb in den letten Fettlebigkeit rung aufnahm mäfig ftarfen mäßig. Nun nis entzogen. Neues einen Landst bar gewefen † Kampf zwischen Weißen und Negern in Newyork. Fortgesetzt macht sich der Haß zwischen Weißen und Negern in Newyork in blutigen Zusammenstößen Luft. So gab es vor ein paar Tagen dort iene richtige Rassen- Schlacht, in der 300 Negern 800 Weiße gegenüberstanden. Es wurde mit Revolvern geschossen, und von den Dächern herab wurde mit Ziegeln getrorfen. In der Nähe des Schlachtfeldes mußte ein richtiger Verbandsplatz eingerichtet werden. Einem nach Hunderten zählenden Polizei- Aufgebot gelang es erst nach stundenlangem Bemühen, die Kämpfenden auseinander zu bringen. † Tie Best in Asien. Nach soeben eingetroffenen Meldungen ist auf einigen Inseln im Persischen Golfe die indische Best aufgetreten. Der Dampferverkehr zwischen Buschir und Bahrein ist zeitweilig eingestellt und eine Quarantäne angeordnet worden. † Verwegener Ueberfall durch Briganten. In seiner Villa bei Portici wurde der italienische Admiral Mirabello von sechs Individuen, die auf Leitern durch das Fenster geflettert waren, überfallen. Die mit Stöcken und Messern bewaffneten Räuber stürzten sich auf den Admiral, dem sie den Revolver, den er zu seinem Schutz ergriffen hatte, entwanden. Der Bursche des Admirals kam hinzu und gab fünf Revolverschüsse auf die Räuber ab, worauf diese entflohen. Die Polizei machte sich an die Verfolgung, und es gelang ihr, in einem Gehölz fünf der Räuber festzunehmen, einer wurde durch einen Revolverschuß in die Brust schwer bermundet. Angeblich sollen es deutsche(?) Handwerks. burschen gewesen sein. + Unglücksfall während des Gottesdienstes. In den Kavelle eines Hospizes in Fermo in Italien stürzte am Sonntag während der Messe der Fußboden ein. Infolge des Unglücksfalles famen 16 Personen ums Leben, und 32 erlitten Verlegungen. Der Landwirt. mg. Der Getreide- Ertrag in Deutschland. Das kaiserliche statistische Amt hat eine Berechnung über den Ertrag an Getreide in den Jahren 1903/04 und 1904/05 aufgestellt. Danach hob sich die Ernte an Weizen von 3 555 064 auf 3 804 828 Tonnen und an Roggen von 9 904 493 au 10 060 762 Tonnen von einem Jahr auf das andere. Die entsprechenden Summen von Gerste und Hafer zeigen da gegen einen Rückgang. Die Berliner Handelskammer be merkt zu diesem Ergebnis, die Zahlen zeigten eine außer ordentliche Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft. Insbesondere trete diese bei Roggen in die Erscheinung. Der Ernteertrag dieser für die Ernährung des Volkes wich tigsten Frucht sei in den letzten drei Jahren so außerordentlich gestiegen, daß das Erfordernis eines Zuschusses vom Ausland allmählich zu verschwinden scheine, und tatsächlich habe die Einfuhr nahezu aufgehört. Kunft und Wissenschaft. L. Der teuerste Shakespeare- Druck. Der höchste Preis, den eine Shakespeare- Ausgabe bislang erzielt hat, ist vorige Woche bei der Versteigerung einer jüngst aufgefundenen Quartausgabe von des großen Briten„ Richard III." in London erzielt. Man rechnete höchstens auf einen Preis vor 15 000 Mark. 3wei Liebhaber des Buches, dessen 46 Seiten stark beschmutzt und vielfach beschädigt und an den Ecken auch noch verbrannt sind, trieben den Preis so hinauf, dağ schließlich einer von ihnen mit 35 000 Warf am Hödytgebot blieb. RM Nordpolfahrt. Leutnant Peary hat von Newyork aus am Sonntag seine neue Reise zur Entdeckung des Nordvols angetreten. Hus dem Gerichtsfaal. § Der Prozeß Hüger vertagt. Der vor der ersten Strafkammer des Landgerichts zu Dortmund zur Verhandlung stehende Militär- Beleidigungsprozeß gegen den Oberst a. D. Hüger ist vorgestern auf unbestimmte Zeit vertagt worden, da der Beklagte durch ärztliche Atteste nachwies, daß er sich zurzeit in einem so angegriffenen Zustande befinde, daß er außer stande ist, den Anstrengungen der Verhandlungen sich auszusetzen. Da inzwischen die Gerichtsferien begonnen haben, so ist die Fortsetzung des Prozesses erst nach den Manövern, also nicht vor Oktober zu erwarten. Vermischtes. = Der heurige Markgräfler. Die Anhänger des Markgräfler Weines tönnen sich freuen. Das Gewächs bietet Herrliche Aussichten. Die Hitze dieses Sommers hat einen Wein gezeitigt, wie er nach dem Urteil von Kennern seit hundert Jahren nicht besser gediehen ist. Wenn die nächsten Wochen auch nur einigermaßen günstiges Wetter bringen, dann gibt es im Herbst im badischen Markgräfler Lande einen reichen Segen. - = Der abgelehnte Orden. Ein Schornsteinfegermeister in Bielefeld hatte vor einiger Zeit sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr feiern Fönnen, und aus diesem Anlaß war ihm das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Nachdem er die Auszeichnung einige Morate getragen hatte, schickte er sie an das Geh. Zivilfabinett nach Berlin zurück mit der Erklärung, daß ihm, als Offizier der Wehr, doch wohl ein höherer Orden zukomme. As die Wehr von diesem Schritte Kenntnis erhielt, schloß sie den Schornsteinfegermeister aus, da die Zurüchweisung der Ordensauszeichnung, durch die zugleich die ganze Wehr geehrt sei, eine Beleidigung für lettere bilde. Nun but der Meister gegen seinen Ausschluß Klage angestrengt, und der interessante Prozeß wird nach Beendigung der Gerichtsferien zum Austrag kommen. - = zu dick für das Gefängnis. In Wien gibt es einen infer Rutscher nantens Schmiedhuber, der als der dickste Mann der Kaiserstadt bekannt ist. Wegen eines geringen Bergchens wider die Sahrordnung sollte er kürzlich eine polizliche Strafe zahlen, und als er sich weigerte, einige Tage abmachen. Schniedbuber war bereit, die Strafe an = das der Teil italienijden des Abjatel dort to qu Bu made mu bolfen werden Frealfiditint. Die Se Apenninenal duft durch die Jeiten. Auf die Gemeinden mit die Bedingungen crichloffen wer der ben auf 136 Min 1921 vollendet furzem bereits Verräteri Rochester in G flirte, er woll nicht angeben. Fingerabdride Nord, wo die M bruch abgefaßter wurde bald erm ton jei, der fo bestraft war. G zu zehn Monate Ein Banket Achlerbergwerfe große Anzahl G iteunten dieje, al wurden, in das Edhadite 550 M bedt. Der jonit Art zu einem b den Bankettreu bon erlejenfter hödhi animiert Bloed, den fie Die Teilnehmer Büdt bon der bas Bergwerk = Ein mode Stärte eines M das beweist die Maurice Barne schäftigen wird. die Zuhöreridhe ders an ihm i blonden Loden Impresario ge fleine Maurice ihm seinen Sad gen follte, benu dens zu gefchäft um den Herrn läftigen Kopfich neswürde stolzer Magdelein anjel mprefario, als Rodentopfes ein feine ihwärmeri rice wiedererken noch etwas von Werte von 24 00 dem kleinen Ma aber dauert min bot der Wunder under ali bor Geri uch fe Lagen Europa dustrieller getroffen: 1 Million bon 4000 34 leijten fait 1000 funt Ber 5 Dingen geffort a Εφαγίετο einem S Feftug brochen er nicht erwartet Unter bo bas Ron Th bildet hatten, n werden. er am Sonn nen Pferde Eine ganze ch zugezogen. cwyork. Fort d Negern in So gab es hlacht, in der wurde mit b wurde mit Feldes mußte Einem nad es erst nach Feinander zu men Meldun e die indische ichen Buschir Quarantäne seiner Villa irabello von nster geflet Messern beal, dem sie hatte, entu und gab Diese entng, und es itzunehmen, Brust schwer Handwerks. 8. In den en stürzte am Infolge des , und 32 er. Das faiserliche En Ertrag an 5 aufgestellt. 555 064 au 904 493 au andere. Die r zeigen da Skammer be eine außer ndwirtschaft. Erscheinung. Boltes wich außerordent chusses vom d tatsächlich öchste Preis, at, ist vorige ufgefundenen ard III." in en Preis von en 46 Seiten n den Ecken hinauf, daj Hödytgebot Tewyork aus es Nordbol ften Straf erhandlung Oberst a. D. gt worden, daß er sich de, daß er Jungen fich begonnen nach den Des Mart ichs bietet hat einen nern feit e nächsten bringen, er Lande meister in zigjähriges Dehr feiern 5 allgemeine Juszeichnung am das Geh. lärung, daß Sherer Orden Kenntnis er. , da die Zu zugleich die lettere bilde. Klage ange Beendigung gibt es einen als der didit lich eine boli e, einige Tage ines geringen die Strafe an zetzten, ahr es ging nicht. Es gab keine Zelle für den waren Festhalle und Feſtzeſte überfüllt, ſodaß die wirte Diden, feir Arrestlokal war geeignet, ihn aufzunehmen, und der Polizeizt legte sein Veto ein, den Mann in eine der Rellen zu stecken. Schmiedhuber ist aber auch von einer Feitieibt keit, die geradezu enorm ist. Sein Oberschenkel hat den l'infang des Rumpfes eines Kindes, und um seinen Leibesumfang zu umspannen, reichen die Arme eines wohlausgewachsenen Mannes nicht aus. Früh Morgens wurde er, von seiner Frau und von Kameraden unterſtüßt, auf den Rutschbock gesetzt, und auf diesem blieb er sitzen, bis er heruntergeholt wurde. Er hat stets mäßig gelebt und hatte in früheren Jahren kaum den Ansatz eines Embonpoints. Erst in den letzten Jahren wurde er so umfangreich, und seine Fettleibigkeit nimmt immer mehr zu, obwohl seine Nahrungsaufnahme durchaus nicht größer ist, als die eines mäßig starken Essers. Auch beim Trinken ist er nicht übermäßig. Nun hat ihm aber die Polizei doch die Fahrerlaubnis entzogen. = Neues Land in Italien. Im südlichen Italien gibt es einen Landstrich, der in alten Zeiten außerordentlich fruchtbar gewesen sein soll, zurzeit aber völlig öde liegt. Es ist das der Teil der Provinz Apulien, der von dem Sporn des italienischen Stiefels" am Monte Gargano bis zur Spike des Absatzes am Kap San Maria de Leyca reicht. Es fehlt dor: so gut wie ganz an Wasser. Um das Land ertragreich zu machen, muß diesem Mangel auf künstlichem Wege abgeholfen werden. Von der italienischen Regierung wird jetzt beabsichtigt, die Quellen des Flusses Sele auf der Südseite des Apenninenabhanges abzufangen und durch einen Aquäduft durch die Apenninen hindurch nach Apulien hinzuleiten. Auf diese Weise sollen 280 Städten und anderen Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von fast 2 Millionen die Bedingungen zu einer besseren Ausnüßung des Landes erschlossen werden. Die Kosten des gewaltigen Planes werden auf 136 Millionen Lire geschätzt. Er soll bis zum Jahre 1921 vollendet sein. Die Vergebung der Arbeiten ist vor furzem bereits geschehen. - = Verräterische Fingerabdrücke. Vor dem Gericht in Rochester in England stand jüngst ein Einbrecher. Er erflärte, er wolle seinen richtigen Namen aus dem Grunde nicht angeben, um den Wert der polizeilich genommenen Fingerabdrücke einmal selber festzustellen. In Scotland Yord, wo die Messungen und Fingerabdrücke aller beim Einbruch abgefaßten englischen Verbrecher aufbewahrt werden, wurde bald ermittelt, daß der Mann ein gewisser Frank Cotton sei, der schon mehrere Male wegen Einbruchsdiebstahl bestraft war. Er legte sofort ein Geständnis ab und wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. = Ein Bankett tief unter der Erde. Die Direktion eines Kohlerbei gwerfes in Neu- Seeland hatte jüngsthin eine große Anzahl Gäste zu einem Gastmahl geladen. Wie ersteunten diese, als sie nach ihrer Ankunft alsbald eingeladen wurden, in das Bergwerf einzufahren. Dort war in einem Schadte 550 Meter unter der Erde eine reiche Tafel gedeckt. Der sonst so finstere Raum mar auf ganz raffinierte Art zu einem prächtigen und in hellstem Lichte erstrahlenden Bankettrcum umgestaltet. Speisen und Weine waren bon erlesenster Art, und die Stimmung wurde bald eine Höchii animierte. Die Direktion aber erreichte vollauf den Bwed, den sie mit ihrer excentrischen Idee verfolgt hatte: Die Teilnehmer an dem unterirdischen Mahl waren so entBüdt von der Veranstaltung, daß sie in Masse Aktien auf das Bergwerk zeichneten. = Ein moderner Simson. Daß auch heute noch die Stärke eines Menschenfindes in der Länge der Haare liegt, das beweist die Geschichte des amerikanischen Wunderkindes Maurice Warner, die demnächst die dortigen Gerichte beschäftigen wird. Der kleine Maurice ist Violinvirtuose. Was die Zuhörerschaft, und besonders die weibliche, aber besonders an ihm in Ekstase versetzt, das sind seine langen goldblonden Locken. Sie werden von seiner Mutter und seinem Impresario genau auf 8 Zoll Länge erhalten. Als der fleine Maurice jüngst bei einem Haarfünstler weilte, der ihm seinen Haarschmuck in die vorschriftsmäßige Form bringen sollte, benußte der Impresario die Zeit des Haarschneidens zu geschäftlichen Gängen. Das benußte Maurice dazu, um den Herrn Friseur anzuflehen, er solle ihn von dem lästigen Kopfschmuck befreien, der ihn, den auf seine Manneswürde stolzen Wunderknaben, gar oft für ein verkapptes Mägdelein ansehen ließ. Wer beschreibt das Entsetzen des Impresario, als er bei seiner Rückkehr statt des blonden Lockenkopfes ein fahlgeschorenes Lürschchen fand, in dem feine schwärmerische Amerikanerin den Wunderknaben Maurice wiedererkennen würde. Kein Konzertdirektor wollte noch etwas von dem Kahlkopf wissen, alle Kontrakte im Werte von 24 000 Dollars wurden rückgängig gemacht, bis dem kleinen Maurice die Locken wieder gewachsen sind. Das aber dauert mindestens ein Jahr, und in einer solchen Zeit hat der Wunderknabe an Marktwert bedeutend gelitten. Kein Wunder also, wenn Mutter und Impresario den Haarfünstler vor Gericht ziehen, der diesem winzigen Simson mit den Locken auch seiner Wunderkraft beraubt hat! L = Die größte Versicherung. In Wien ist in den letzten Tagen die größte Versicherung abgeschlossen, die bislang in Europa zu verzeichnen steht. Ein reicher österreichischer Induſtrieller hat zugunsten seiner Frau folgende Versicherung getroffen: Nach dem Ableben des Versicherten erhält die Frau 1 Million Kronen bar, und eine lebenslängliche Leibrente von 400 000 Stronen. Die Einzahlungen, die der Industrielle zu leisten hat, betragen jährlich 336 000 kronen, also täglich faſt 1000 kronen. An dieser Versicherungstransaktion find fünf Versicherungsgesellschaften beteiliat. Das Jubiläumsfest der Gießener Freiwilligen Feuerwehren. Montag, 17. Juli. - noch außerhalb weitere Siggelegenheiten schaffen mußten. In harmonischer Weise flogen die Stunden dahin. Eine sehr erwünschte Abwechslung bot auch der Gailsche Garten mit seinen schattigen Baumgängen. Wer sich ein wenig sammeln wollte, zog sich dahin zurück, um sich dort eine Beit lang in Ruhe zu ergehen. Das Entgegenkommen des Kommerzienrate Gail verdient die größte Anerkennung. Abends verlas Ober- Bürgermeister Mecum ein vom Großherzog eingelaufenes Telegramm, das mit einem dreifachen Hoch auf den Großherzog, den hohen Protektor der hessischen Freiw. Feuerwehren, aufgenommen wurde. bor. 9 Weiter und weiter schritt die Dunkelheit vor, auf dem Festplatz flammten die Bogenlampen auf und um die große Ehrenpforte an der Neustadt, durch die ganze Scharen hereinzogen, schlangen sich bunte Lichtschnüre und schufen einen malerischen Anblick. Ununterbrochen flingen die Weisen der Festkapellen in das Gewühl hinein, das von Minute zu Minute anwuchs. Um 10 Uhr, furz vor dem Beginn der Aufführungen der Gießener Turnerschaft, war die Fefthalle bis auf den legten Plaz gefüllt. Unter den Klängen eines flotten Marsches rückten die Turner im strammen Aufmarsch auf die Tribüne und führten exakte Stabwindeübungen Den Glanzpunkt aber bildeten die Pyramiden, die wohl von 50 bis 60 Turnern gestellt wurden. Siebenmal veränderte sich das Bild und ebensoviele Male durchbrauste der Beifallssturm die Halle, in dem jedes andere Geräusch unterging. Draußen hatte sich unterdessen ein festgeschlossener Ring um den Feuerwerks Platz gebildet. Bald nach Beendigung der turnerischen Aufführung zischte die erste Rakete in die Höhe, der sofort mehrere rote, blaue, gelbe und grüne folgten und in bunte Leuchttugeln zerplazen, während unten die Feuerräder mit ihren blendenden Schweifen herumsausen. Ein Knall und eine riesenhafte Fontäne steigt in den Himmel und fällt als Goldregen zurück, der durch zartgrünen Lichtstaub rieselt. Immer schneller sausen die Raketen in die Höhe und die ganze Luft scheint von Gefnatter und Praffeln erfüllt. Da glüht auch der Feuerwehrmann auf und schickt einen feurigen Strahl von sich, während das Getöse in der Luft wie Schnellfeuer fnattert und im Hintergrunde die Kapelle spielt. Langsam verschwand das Bild, das Bublifum zerstreute sich wieder und gab sich den letzten Feststunden mit ganzer Kraft hin. Namentlich wurde auch der Juxplaß vielfach aufgesucht. Erst am angebrochenen Morgen erloschen die bunten Lichter und schwiegen die Kapellen. G. H. . - GewitterHeute, Dienstag, lenkt der Strom allgemach wieder in die Alltäglichkeit ein und nur einige herausgesteckte Fahnen und der Festplatz gemahnen daran, daß Momente lang andere Triebfedern das Leben durch die Stadt pulften. Ziehen wir das Facit, so ergibt sich, daß das Feuerwehr- Jubiläumsfest zufriedenstellend verlaufen ist, bis auf den regen, der am Sonntag Nachmittag in wahren Sturzbächen herniederging. Doch ist das ein Faltor, der außer mensch licher Macht liegt. Der ganze große Feft- Apparat arbeitete auf das präziseste und zeigte in jedem Programmpunkte die flare, wohldurchdachte Tätigkeit der Fest- Ansschüsse, denen auch hier die Anerkennung nicht vorenthalten werden soll. Besonders verdienen aber die Arbeiten des Stadtrats Helm hervorgehoben zu werden, der an der Spike der Ausschüsse stand und das Ganze dirigierte. Lokales. 18. Juli 1905. mäßig begründetes Gesamtbild von dem derzeitigen Gießener Wohnungswesen zu gewinnen. Es wäre zu begrüßen, wenn sich zu den Helfern aus der Studentenschaft und der Arbeiterschaft, die bereits mit Eifer in der Arbeit stehen, noch Herren aus anderen Kreisen der Bürgerschaft mit gleich freudiger Hingabe hinzufänden. Weitere Meldungen, die möglichst bald zu erfolgen hätten, nimmt Dr. Roch, Schiffenbergerweg 66, entgegen. o A Das Unwetter am Sonntag hat in der UmHausen zündete ein Blitzschlag eine Scheuer und äscherte gegend allerlei Unheil angerichtet. In Münchholzsie ein, in Reiskirchen standen die Straßen voll Wasser. In Großen Bused traf ein falter Schlag eine Scheune und zerspitterte mehrere Balken. In Waldgirmes wurde eine Scheune nebst Stallung eingeäschert, das Vieh konnte man retten. An der Lahn wurde eine hohe Pappel getroffen. In der Gegend von Bersrod, GroßenBuseck und Beuern ging auch ein Hagelwetter nieder, das an der Sommerfrucht einigen Schaden anrichtete. In Lang- Göns ging ein wolfenbruchartiger Regen nieber. Sämtliche Bäche der Umgegend und auch die Lahn sind sehr angeschwollen. Bei dem Kriegerfest in Ettingshausen und beim Kirchweihfest in Rainhardshain wurden die Festhallen vom Sturm umgeworfen. In Saasen schlug der Blig ins neue Schulhaus. In Harbach ging ein Wolkenbruch nieder, das Wasser drang in Ställe, Keller und Scheuern, viele Obstbäume wurden vom Sturm abgebrochen. Auf den Aeckern die Kartoffeln, Didwurz 2c. herausgewühlt, das Getreide hat schwer gelitten. In Geilshausen schlug der Bliz mehrmals falt ein. *** Wohnungsuntersuchung. Mit einer von etwa 70 Personen, meist Studenten und Arbeitern, besuchten Helferversammlung wurde am Freitag Abend im„ Posikeller" die allgemeine Gießener Wohnungsuntersuchung eröffnet. Besonders start war die Beteiligung der Studierenden; einzelne Koporationen hatten eine stattliche Zahl ihrer Mit glieder zur Verfügung gestellt. Eingeleitet durch einen furzen Bericht über die Vorgeschichte der Erhebung gipfelte der erste Teil des Abends in dem Vortrage des Privatdozenten Dr. med. ißtolt über die Bedeutung der Wohnungsuntersuchung und der Fragen des der Arbeit zugrunde gelegten Fragebogens. Es folgte eine lebhafte Erörterung ber bei der Erhebung zu befolgende Grundsäße, wobei besonders Wohnungsinspektor Grode und Medizinalrat Dr. Haberforn aus ihrer Erfahrung wertvolle Anweisungen gaben. Der Schluß des Abends galt der äußeren Organisation des Unternehmens. Im Anschluß an die sechs Armenbezirke wurde die Stadt in zwölf Erhebungsbezirke geteilt, deren jeder von einer geschlossenen Helfergruppe unter Leitung eines Obmanns in Angriff genommen wird. Je zwei Erhebungsbezirke, die zusammen einen städtischen Armenbezirk bilden, unterstehen wieder der Oberleitung älterer Herren, die als städtische Armenpfleger oder alte Ortsangesessene mit den Verhältnissen der Gegend vertraut sind. Durch die gesamten Verhandlungen des Abends zog sich ein frischen, arbeits- und opferwilliger Geift, der an dem Gelingen des Wertes nicht zweifeln läßt. Die Bürgerschaft wird dem gemeinnüßigen Unternehmen gewiß verständnisvolle Förderung zu teil werden lassen durch willige Aufnahme und Beantwortung der Fragebogen sowie durch gelegentliche Aufklärung weiterer Kreise über die Bedeutung der Wohnungserhebung. Sie ist ein von allen Behörden unabhängiges, rein privates Unternehmen mit dem Zweck, für die Beurteilung der Gießener damit der fünftigen städtischen Wohnungspolitik eine wissenschaftHeute herrscht Festwetter, nicht zu heiß und vor allen Wohnungsverhältnisse das statistische Material zu zusammeln und Dingen trocken! Das Programm tann sich deshalb ungestört abwickeln. Am Morgen unternahmen die Kameraden lich gegründete Unterlage zu schaffen. Die Erhebung erstreckt Spaziergänge in die reizende Umgebung Gießen, die mit sich auf alle Wohnungen, große und kleine, und schenkt dabei einem Frühschoppen auf dem Fefiplat endeten. Da der besondere Beachtung den hygienischen Verhältnissen der Feftzug gestern infolge des Gewitterregens fo jählings abge Kleinwohnungen. Privatintereffen der einzelnen Hausbefizer brochen werden mußte, sa fand er heute noch einmal statt. Dbwohl oder Mieter werden dabei in feiner Weise berührt, was er nicht im Programm stand, hatte ihn das Publitum dennoch sich schon darin ausdrückt, daß die Fragebogen nur den erwartet und begrüßte ihn durch zahlreiches Erscheinen. Berus, nicht aber den der Statistik gleichgiltigen Namen der wo sogleich Bewohner aufnehmen sollen. Jede einzelne Frage, jede das Konzert und das Volksfest begannen. Im Augenblic einzelne Messung soll nur dem Hauptzwecke dienen, ein zahlenP Ruheftörung, Sachbeschädigung und Berhaftung. Nachdem Sonntag früh um 3 Uhr die Beleuchtung auf dem Festplatz gelöscht worden war, saßen ungefähr noch 6 junge Leute in einer Wirtschaftshalle. Einer von diesen zerschlug einige Gläser, worauf die Halle polizeilich geräumt und die betr. Personen von dem Feſtplage entfernt wurden. In der rohesten und grobsten Weise skandalierten die„ Helden" bis zum Seltersweg fort, bis schließlich die beiden Rädelsführer, um die Ruhe wieder herzustellen, verhaftet wurden. Anzeige ist erhoben. *** Das eingebläute siebente Gebot. Das ein so schönes Fest wie das unserer Feuerwehren auch seine Nachtseiten hat ist nur zu begreiflich. Eine der unangenehmsten aber bilden die Taschendiebe, die auch in Gießen an den Festtagen wiederholt in Tätigkeit getreten sind. Einer Frau wurde das Portemonnaie abgenommen und ein anderer Taschendieb auf frischer Tat abgefaßt. Acht fräftige Feuerwehrmannsläufte verabreichten Sem Gauner eine wohlverdiente Tracht Prügel und übergaben ihn alsdann der Polizei, die ihn in Numero Sicher abführte. w Großen- Linden, 18. Juli. Ertrunken. Ein Biegeleibefizer hatte vorige Woche zur Gewinnung von Ziegelerde in seinem in nächster Nähe des Dorfes gelegenen Acker ein Loch gegraben. Durch das Regenwetter am Sonntag Abend füllte sich dasselbe bis zu 1/2 Meter mit Wasser. Hierin ist gestern das 2jährige Kind eines hiesigen Einwohners ertrunken. = Renovierung der hiesigen Kirche wird ein Teil des Schiffes erweitert. Der umgebende Raum war früher Begräbnisstätte und darum findet man auch bei den jezt vorgenommenen Ausgrabungen eine Menge noch erhaltener Stelette. Dutenhofen, 17. Juli. Stelettfunde. Bei = Lauter, 17. Juli. Kirschenerate. Die von dem früheren Bürgermeister Feldmann angelegten Kirschenpflanzungen haben dieses Jahr wieder einer reichen Ertrag geliefert. = Quedborn, 17. Juli. Jugendlicher Sünder. Ein 15jähriger Junge, der schon mehrmals Diebereien be= gan gen hatte, wurde wegen wiederholten Diebstahl und Baumfrevel zur Anzeige gebracht. Martiberigte. Sickes, 18. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt lofteten Buttes per fb. 110-1.20 M., Hühnereier per Stüd 6-7 Pfs, Enteneter St. 6-7 Pfa., Käse per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Bfg. Erbsen per Liter 21$ fg., Linsen per Liter 32 fg., Tauben per Paar 1. 0.80-1.00, Hühner per Stid Mt. 1.00-1.60, Sahnen, per Stüd 0.80-1.80, Enten per Stüd 1.80-2.20, Gänse per Pfd 00-00 Pfg., Ochsenfleisch per fo. 70-80 f., Rindfletsch per fb. 70-72 Pig. per Pfd. Schweinefleisch 70-80 Big. Schweine fleisch gesalzen per Pfund 0.84 Big., Ralbfleisch per Pfb. 70-80 Pfg. Hammelfleisch per Pfb. 50-76 Pfg., Kartoffeln pro 100 kilo 7.50 b 800 Mr., Zwiebeln per 3t. Mr. 8.00-10.00, Weiskraut 10-15 Bf. pe Stud, Zentner 3-4 Mt. Aepfel per Zentner 6-10 Mr. Swetschen per Sentner 0,00.- 0.00, Kirschen per Pfd. 20-25 Pfg. Milch per Liter 20 Pfg. Dauer der Marttzen von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Markizeit überhaupt nicht, und während der erfter drei Stunden der Marktzeit im Umberziehen feilaeboten werden. Siepener landwirtschaftlicher Wetterotemp. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 19. Juli. Bunächst Trübung und Gewitterregen, besonders Oberhessen, später aufheiternd fühler. ( Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentell: Ibin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beib in Bieten. A C Wenn Sie ZÜRICH oder LUZERN besuchen, vergessen Sie nicht die Seidenmagazine der Seidenstoff- Fabrik- Union ADOLF GRIEDER& CE, zu besichtigen. Beste Bezugsquelle. Muster umgehend. G N An die Einwohnerschaft Giessens! Bekanntmachung. Bis zum 31. d. Mis. sind folgende Gelder bei Ber meidung der Beitreibung zur Stadttasse zu entrichten: 1. Gemeindefteuer 2. Biel 1905, 2. Bachtgelder von Triebvierteln und anderen städtischen Grundstücken. 3. Mädchenschulgelder fürs 1. Vierteljahr } 1905/06. 4. Realschulgelder Zahltage täglich vorm, ausgenommen der Gießen, den 14. Juli 1905. Für alle Beweise des Wohlwollens und Entgegenkommens vor wie während des Festes, insbesondere für die Mitwirkung am guten Gelingen 26. und 31. d. Mts. desselben und nicht minder für die prachtvolle Schmückung der Häuser sagen allerbesten Dank Der Fest- Ausschuss: J. A.: Friedr. Helm. An die Mitglieder sämtlicher Festausschüsse! Morgen Mittwoch, vormittags 11 Uhr, belieben Sie auf Oswalds Garten zur photographischen Aufnahme zu erscheinen. Der Geschäftsführende Ausschuß. Fr. Helm. Feuerwehr- Jubiläumsfest! Alle auf das Fest bezüglichen Forderungen sind binnen 3 Tagen an die Auftraggeber( Vorsitzende der Einzelausschüsse) einzureichen. Der Geschäftsführende Ausschuß: Fr. Helm. Fahrzeugwerke ,, Wilhelmshöhe" bei Cassel empfehlen ihre vorzüglichen, unübertroffenen Erzeugnisse in Fahrrädern mit neu pat. Doppelglockeniager, Motorrädern, sowie Fahrradteilen u. Zubehör zu fonfuccenzl. bill. Fabrikpreisen und weitgehendster Garantie. Katal. gratis u. franco. Mustermaschine Tiefenweg 10 z. besicht. Keine Trunksucht mehr. Eine Probe von dem wunderbaren Cozapulver wird gratis geschickt. Kann in Kaffee, Thee, Essen oder Spirituosen gegeben werden, ohne dass der Trinker es zu wissen braucht. COZAPULVER ist mehr wert wie alle Reden der Welt über Enthaltsamkeit, denn es erzielt die wunderbare Wirkung, dass die Spirituosen dem Trinker widrig vorkommen. COZA wirkt so still und sicher, dass Frau, Schwester oder Tochter ihm dasselbe ohne sein Mitwissen geben kann und ohne dass er zu wissen braucht, was seine Besserung verursacht hat. 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Der Stadtrechuer: Doepfer. Bekanntmachung. In der Zeit vom 8 bis 15. Juli 1905 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Heugabel, 1 Vorstecknadel, 1 schwarzer Damen- Gummi: sammetgürtel, 1 goldener Zwicker und 1 silberne Damenuhr. verloren: 1 Schülerfahrkarte, gültig vom 2./3. bis 31./7. 1905, 1 Medaillon, enthaltend 2 Photographien, 1 Zylindernickeluhr, 1 Damengürtel( schwarzer Sammet mit Gold und blaue n Steinchen), 1 Portemonnaie mit ca. 2,40 mt., 5 10- Pfg. Postmarken und 2 Quittungen des Gießener Anzeigers Inhalt und 1 Portemonnaie mit 2 Mt. und 1 kleiner Schlüssel Inhalt. Entflogen ist: 1 gelber Kanarienbogel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben thre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 15. Juli 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Die unterm 22. Juni 1905 angeordnete Sperre der Weftanlage Starkasten und grossem zwischen Bahnhofstraße und der Einmündung der Straße Hinter der Thermometer: kommt der Mann mit dem Regenschirm aus dem Haus, so giebt es schlechtes Wetter; kommt die Frau beraus so giebt es gutes Wetter; halten sich Mann u. Frau im Hause auf, so ist das Westanlage" wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 14. Juli 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der EichWetter sehr un- weg von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 13. Juli 1905. gewiss. Dieses Jahr sehr billig: Obstbäume, Blumenzwiebeln, Rosen, Beerenobststräucher. Zu jedem nur annehmbaren Preise ausgeboten werden mehrere Tausend Auracarien, Zimmerschmuck- Tannen, stattliche, gesunde Exemplare. Man verlange umsonst den gesamten Katalog von den Gärtnereien Peterseim, Hoflieferanten, Erfurt. 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Mts. unterbrochen: Vormittags von 6-12 Uhr, offene Füsse Schulstraße, Marktstraße, Mäusburg, Kirchstraße, Auf der Bach, Lindenplay bis zur Dammstraße, Bahnhofstraße, von der Marktstraße bis zur Weftanlage, Neustadt und Tiefenweg. Nachmittags 1-7 Uhr, Beinschäden, Beingeschwüre, Aderbeine, böse Finger, alte Wunden sind oft hartnäckig; wer bisher vergeblich hoffte geheilt zu werden, mache noch einen Versuch mit der bestens bewährten RINO- SALBE frei von Gift u. Säure, Dose Mk. 1.-. Dankschreiben gehen täglich ein. Wachs, Naphtalan je 15, Walrat 20, Benzoefett. Venet. Terp., Kampferpflaster, Perubalsam je 5, Eigelb 30, Chrysarobin 0,5 Zu haben in den Apotheken. bes. in d. Hirsch- Apotheke und in der Universitäts- Apotheke. Joh. Seibel Giessen, Ludwigspl. empfiehlt prima Rheinand Mosel- Weine. p. Fl. v. 50 Pfg. an bis zu den feinsten Marken. 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