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Hauptexpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362. Donnerstag, den 15. Juni 1905. Gießener 14. Jahrgang. Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an ellen Werktagen nachmittags. Neuelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeitung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle omtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. Der Krieg in Oltafien. Snimer zahlreicher werden die Stimmen in Rußland, die sich gegen den Friedensschluß aussprechen. Ein angeblicher Protest Lenewitschs gegen den Frieden ift gar zweifellos apokryph, aber er spiegelt trefflich wieder, was man in leitenden russischen Armeekreisen über die Frage der Fortführung des Krieges denkt. Es heißt darin: u. a.: Der augenblickliche Moment nach den Schlachten von Mukden und Tsushima ist nicht geeignet zu Friedensverhandlungen. Der Feind wird zweifellos, trunken durch die Erfolge, Bedingungen stellen, die die Ehre unseres Landes schädigen. Es ist jedoch kein Grund vorhanden, diese Bedingungen anzunehmen; denn wir sind noch nicht in einer derartigen Notlage. Ich hoffe, im Verlaufe d. Mts. in der Lage zu sein, die Offensive zu ergreifen, durch die die ganze Sachlage geändert werden wird. Lenewitsch wird, wie gesagt, kaum der Verfasser dieses Dokuments sein, der das Datum des 10. Juni trägt, wo Roosevelts Vorschlag eben erst in Petersburg bekannt wurde. Der Wirkung seiner Beweisgründe tut das aber keinen Abbruch. Daß der Standpunkt der rnssischen Regierung in der Friedensfrage, wie schon mehrfach betont worden ist. fühl abwartend ist, geht aus der Fassung des offiziellen Antmorttelegramms an Präsident Roosevelt deutlich hervor. Darin steht: Was die eventuelle Zusammenkunft von russifchen und japanischen Bevollmächtigten betrifft, die die Aufgabe hätten, zu prüfen, bis zu welchem Punkte es den beiden Mächten möglich wäre, Friedensbedingungen auszuarbeiten, so hätte die kaiserliche Regierung im Prinzip nichts gegen einen derartigen Versuch einzuwenden, wenn Japan den Wunsch danach ausdrückte. Es ist kaum anzunehmen, dak die russischen Bevollmächtigten es für möglich finden werden, auf den von Japan gewünschten Bedingungen einen Friedensvertrag aufzubauen. - Die Infel Sachalin. Im äußersten Osten liegt die Insel Sachalin, der Mün. dung des Amurflusses gegenüber und sie beherrschend, unwirtlich durch das Klima, unwirtlicher noch durch ihre Bewohner. Eine Verbrecherbevölkerung hat sich dort niedergelassen nicht freiwillig, wie man sich denken kann--, und Einschränkung der Freiheit im Verein mit aussichtsloser wirtschaftlicher Einengung hat ihre Sitten nicht eben gemildert. Von der Insel gibt es feine Flucht, und auf der Insel bestünde die Freiheit, d. h. die Entziehung von der Aufsicht, nur in der gesicherten Anwartschaft auf den Tod durch Verhungern oder Erfrieren. Und doch ist die Insel Eachalin ein Gegenstand des Streites. Nicht zum erstenmal. In früheren Zeiten hatten die Chinesen die Oberhoheit über den nördlichen, die Jabaner über den südlichen Teil. Dann nahm Rußland die Insel in Besit. Vielleicht nur, damit keine fremde Macht in der Lage sei, die Amurmüning in den wenigen eisfreien Sommermonaten zu sperren. Die russische Herrschaft hat Die schwersten Verbrecher nach Sachalin gebracht, an der Beirtschaftung der Insel aber nichts geändert. Eine Gesellschaft organisierte dort den Kohlenbergbau. Die Sträflinge waren die Arbeiter, die sich mit dem färglichsten Lohn begnügen mußten und deren Leistungen sich in den entsprechenden Grenzen hielten. Ihren Gewinn zog die Gesellschaft in der Hauptsache aus der entlohnten Gefälligkeit der Gouverneure, die durch einen seltsamen Vertrag in der Lage waren. durch Entziehung von Arbeitern den Unternehmern Entschädigungen aus der Staatskasse zuzuführen. Konnte der Gouberneur eine gewisse Zahl von Sträflingsarbeitern nicht stellen, so mußte der Staat an die Gesellschaft ein Bestimmtes zahlen. Gesellschaft und Gouverneur haben nie Klage geführt. Der Kohlenbergbau blieb freilich nach Art und Umfang recht fümmerlich. Die Japaner wollen jeßt, wie es heißt, die Insel Sachalin als Siegespreis in Anspruch nehmen. Da die Insel be= gehrt wird, steigt sie plößlich in der Schäßung. Nicht blok Kohlen, auch Edelmetalle und Diamanten berge sie in ihrem Schoß. So wird behauptet, und niemand ist in der Lage, die Richtigkeit dieser Angaben in Abrede zu stellen. Man fennt eben die Bodenbeschaffenheit der Insel heute so wenin wie früher. Die Russen haben nichts getan, fie aufzuschließen, und die Vorbesitzer haben es auch nicht getan. Möglich, daß es anders wird, wenn jetzt die Japaner wieder die Herrschaft übernehmen. Denn die Japaner selbst sind mittlerweile andere geworden: gewerbefleißig und gewerbefundig, in jeder Technik aeübt und erfahren. Sie werden jedenfalls ehrlichere Mirtschafter sein, selbst wenn sie entschließen, die russischen Deportierten als freie Kolonisten zu behalten. Die Politik. Die Auswanderung über deutsche Häfen war in den ersten fünf Monaten dieses Jahres besonders stark. Insge= lamt wanderten über Hamburg 66 815 Personen( 6241 Deutsche), über Bremen 106 295( 6408 Deutsche) aus. Für Hamburg wird diese Ziffer in den letzten fünf Jahren nur vom Jahre 1903 übertroffen, wo 73 635 Personen in den ersten fünf Monaten auswanderten; dagegen läßt die Bre mer Auswanderungsziffer dieses fünfmonatigen Zeitraums alle übrigen Jahresziffern mit 52 433( 1904), 83 448 ( 1903), 72 259( 1902) und 55 566( 1901) weit hinter sich. Weitaus die meisten Auswanderer gingen nach den Vereinigten Staaten. A Die diesjährige Hauptversammlung der deutschen Ko. lonial- Gesellschaft, die in Essen unter dem Vorsitz des Her. zogs Johann Albrecht zu Mecklenburg- Schwerin zusammen. trat, stand fast ganz im Zeichen Süd in e sta fritas. Wie in Koloniaaltreisen verlautet, soll der Vizepräsident des Reichstags, Dr. Paasche, die Absicht haben, demnächst zum Studium der einschlägigen Verhältnisse nach Ostafrika zu reisen. frankreich. Die günstige Wendung, die die offiziellen Beziehungen zu Deutschland genommen haben, spricht sich in einer Maßregel aus, die der französische Marineminister getroffen hat. Er gab dem Marineattachee der deutschen Botschaft in Paris. Konteradmiral Siegel, die Erlaubnis, den Kriegshafen und die Marineetablissements in Brest eingehend zu besichtigen. Das ist eine überaus zuvorkommende Haltung, die bisher nicht geübt wurde und nicht nur nach Courtoisie, sondern nach einem gewissen Vertrauen schmeckt. Die Pariser Presse hebt denn auch das Verfahren des Marineministers als eine ganz besondere Freundlichkeit gegen Deutschland hervor. Niederlande. Die Kämpfe in den Kolonien wollen kein Ende nehmen. Auf der Insel Celebes wurde die Festung Barah- Bareh von Aufständischen angegriffen, die allerdings mit Hinterlassung bon 500 Toten zurückgewiesen wurden, während die hollän dische Garnison nur zwei Verwundete hatte. Daß die rebellischen Eingeborenen aber wirklich bezwungen werden daran ist vor der Hand nicht zu denken. Skandinavien. Wie zu erwarten war, ist ein Protest König Oskare gegen die Neuordnung der Dinge in Norwegen jezt auch in ausführlicher Form erfolgt, nachdem der König gleich zu Anfang in einem kurzen Telegramm seine Absetzung für ungiltig erklärt hatte. In einem längeren Schreiben an das Storthing führt er jetzt aus, daß er dem Konsulatsgesetz nicht seine Zustimmung hätte erteilen dürfen, da es gegen die Verfassung verstoßen hätte. Den Beschluß des Storthing, die Union zu lösen, beze- hnet er als unverbindlich für ihr und für Schweden. Erfi der schwedische Reichsrat würde entscheiden, ob dieser Beschluß zur Aufhebung der Union führen solle oder nicht. In Christiania hat man die königliche Kundgebung höflich aber mit kühl ablehnender Ruhe entgegengenommen. Die provisorische Regierung ist fest entschlossen, auf dem einmal beschrittenen Weg weiter zu gehen, und wird darin durch ungezählte Sympathiekundgebungen aus dem Lande bestärkt. In ihnen allen wird versichert, daß die Bevölkerung bereit wäre, jedes Opfer zu bringen, das zur Durchführung der vom Storthing und der Regierung getroffenen Maßnahmen gefordert würde. Russland. Der Ausschluß der Juden aus der künftigen Volks. vertretung soll nach zuverlässiger Quelle unabänderlich beschlossen sein. Der Entwurf Bulygins erklärt, daß es ein unlösbarer Widerspruch sein würde, die Israeliten bei dem Bestehen ihre Rechte beschränkender Geseze zur Ausübung des Wahlrechts oder gar zur Mitarbeit in der Volks. bertretung zuzulassen. Griechenland. O Der Ministerpräsident Th. P. Delyannis ist ermordet worden. Ein 80jähriger Greis, dessen große Berdienste um sein Vaterland nicht geleugnet werden können, trotzdem die von ihm inaugurierte großzügige Politik in der Kretafrage in dem unglücklichen Kriege mit der Tärkei einen schweren Stoß erlitt, ist dem Messer eines Rowdys erlegen. Der Mörder Delyannis' handelte nicht aus politischen Motiven, wie man in der ersten Bestürzung annahm. Charakaris, so heißt er, ist ein berufsmäßiger Spieler und wollte sich an dem alten Herrn, rächen", weil dieser vor einiger Zeit die Schließung der Spielhäuser herbeigeführt hatte. Deshalb lauerte er ihm am Eingang zur Deputiertenkammer auf. Er sprach sein Opfer, als es aus dem Wagen stieg, erst an, grüßte, füßte ihm die Hand und stieß ihm dann plötzlich das Messer in den Unterleib. Der Mörder war übrigens s. Rt. wegen Tötung seiner eigenen Frau zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Afrika. Daß Deutschlands Eintreten für die Aufrechterhaltung des status que in Marokko beim Sultan dankbare Gesinnungen erweckt hat, hat seinen äußeren Ausdruck in der Tatsache gefunden, daß die Konzession zum Ausbau des Hafens von Tanger einer deutschen Firma verliehen worden ist. Die Zahlung für die Arbeiten soll ohne Zinszuschlag auf einen Zeitraum von zehn Jahren verteilt werden. A Aus Sansibar kommt die Nachricht, daß Tippo Tipp ge storben ist. Tippo Tipp war ehemals Sklavenhändler und hat in Aequatorialafrika bis zu seinem Tode große Macht und Ansehen genossen. Er unterstüßte Stanley und Wissmann bei ihren Forschungsreisen. Von Stanley wurde 1887 mit ihm im Namen des belgischen Königs Leopold ein Vertrag behufs Aufrechterhaltung der Souveränetät des Kongostaates am oberen Kongo geschlossen. Tippo Tipp wurde darin zum Gouverneur der Station Stanleyfalls ernannt. Seine eigentliche Residenz" war im Kasongoreich am Lualaba. Eigentlich hieß Tippo Tipp Hamed ben Mohammed und war arabischer Abkunft. Als die Kongoregierung energisch auf Aufgabe des Sklavenhandels drängte, verließ Zippo Tipp seine Station und siedelte sich in Sansibar an. Deer und flotte. Der deutsche Kriegerbund hat soeben seinen 30. Geschäftsbericht, der die Jahre 1903 und 1904 umfaßt, herausgegeben. Dem Bericht entnehmen wir die Daten, daß der Bund am 1. April 1905 16 967 Vereine mit 1 458 923 Mitgliedern, darunter 271 826 Veteranen, gezählt hat. 358 062 Mark hat der Bund in den beiden Berichtsjahren für Kameraden oder ihre Witwen gezahlt, außerdem wurden für die vier Kriegswaisenhäuser weitere 401 788 Mart aufgewendet, so daß der Bund 759 850 Mark in zwei Jahren für seine Wohlfahrtspflege ausgegeben hat. ** Hof und Gesellschaft. Der Kaiser hat dem Chef der französischen Spezialmission, die zu den Hochzeitsfeierlichkeiten des deutschen Kronprinzen in Berlin anwesend war, eine besondere Ueberraschung zugewendet. General Lacroix erhielt vor der Abreise die Photographie des Kaisers ins Hotel gesandt mit der Unterschrift: Döberißer Lager, den 10. Juni 1905."- Die Gräfin Stefanie Lonyay, die frühere Kronprinzessin von Desterreich, die zum Kurgebrauch in Wiesbaden eingetroffen ist, erhielt vom Kaiser ein Begrüßungstelegramm. ** Bei seinem Aufenthalt in Hannover gedenkt der Kaiser eine Fahrt durch die Lüneburger Heide zu unternehmen. Sie soll im Automobil gemacht werden und 4 bis 5 Stunden dauern. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser auch einige industrielle Etablissements in der Heide besichtigen wird. Das Ziel der Fahrt ist Hamburg, wo das Eintreffen des Kaisers am Abend des 17. Juni erwartet wird. Der Einzug des deutschen Kronprinzen mit seiner Gemahlin, der Kronprinzessin Cecilie, in Potsdam soll schon am 20. Juni erfolgen. Das Kronprinzenpaar begibt sich von Schloß Hubertusstock mittelst Bahn nach Berlin und vom Stettiner Bahnhof daselbst per Wagen nach dem Potsdamer Bahnhof. In Potsdam bilden vom Bahnhof bis zum Fortuna- Portal des Stadtschlosses die Gewerke und Schulen Spalier, von dort bis zum Marmorpalais nimmt die Garnison Aufstellung. Dem Publikum soll auch bei der Einholung in Potsdam der weiteste Spielraum gegönnt und ihm namentlich überall der Bürgersteig freigegeben werden. Inzwischen hat das Kronprinzenpaar auch schon einmal einen furzen Abstecher von Hubertusstock nach Wildpark gemacht und war von dort nach dem Potsdamer Bahnhof in Berlin gefahren, um den Großfürsten Michael von Rußland, den Großvater der Kronprinzessin Cecilie, auf der Durchreise von Baden- Baden nach Petersburg zu begrüßen. Der Schah von Persien ist auf seiner diesjährigen Europa- Reise in Lemberg angelangt, von wo er sich Ende dieser Woche nach Wien begiebt. Er nimmt dort in der Hofburg Wohnung. ** ** - Soziales Leben. [] Gemeindesteuern in Preußen. Die„ Statist. Korr." beschäftigt sich mit den Gemeindesteuern der preußischen Städte von mehr als 10 000 Einwohnern und stellt fest, daß von den 245 in Betracht kommenden Städten im Jahre 1903 nur 16 als Gemeinde- und Kreissteuern einen Betrag von 100 und weniger v. H. des staatlich veranlagten Sollaufkommens der Einkommensteuer erhoben haben, dagegen 86 einen Betrag von 101 bis 150 v. H., 104 einen solchen von 151 bis 200 v. H., 33 einen solchen von 201 bis 250 v. S. und 6 sogar einen solchen von mehr als 250 v. H. Nicht weniger als 58 v. H. aller Städte von mehr als 10 000 Einwohnern erheben also mehr als 150 v. H. Kommunalsteuer. [] Aus dem Geschäftsbericht des in Lübeck abgehaltenen 19. Berufsgenossenschaftstages gewinnt man eine interessante Uebersicht über den Umfang der beruflichen Unfallversicherung. Während der jetzt zwanzigjährigen Tätigkeit der Berufsgenossenschaften betragen die gezahlten Unfallentschädigungen mehr als eine Milliarde Mark, der Reservefonds stellt sich auf 170 Millionen Mark, die Zahl der Versicherten hat sich verdreifacht und beträgt jetzt 7,5 Millionen. [] Der evangelisch- soziale Kongreß, der unter Vorsitz des Professors Harnack in Hannover tagte, proklamierte eifrioes Weiterstreben für den Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung. In den einzelnen Reden wurde die große soziale Kraft und Arbeitsfähigkeit des Christentums, die alle natürlich not. wendigen menschlichen Gesellschaftsgruppen durchdringe und auf eine große Verbrüderung der Menschheit abziele, her. vorgehoben. Das Recht der frau. Der Bund der deutschen Frauenvercine hat in seiner gegenwärtigen Danziger Tagung eine Reihe von Leitsäßen aufgestellt, die die Zukunftsforderungen der Frauenrechtle tinnen auf politischem Gebiet enthalten. Es wird von In teresse sein, sich diese Leitsätze, 6 an der Zahl, etwas näher anzuschen. Der erste verlangt die völlige gesetzliche Gleichstellung der Frau mit dem Manne im Ehe- und Familienrecht. In der Erfüllung dieser Forderung erblicken die Frauenrechtlerin nen die Voraussetzung für die Entwickelung der Frau zur Staatsbürgerin". Kretschmar auf der Jagd. Durch Unvorsichtigkeit ging das Gewehr des Dörnhöfer los, und die ganze Schrotladung fuhr dem Jagdgenossen in das Bein. Kretschmar wurde sofort in das Krankenhaus verbracht, war aber nicht mehr zu retten. Er starb an der erlittenen Verlegung. Lustmord an einer Schülerin. Zwischen Bärwalde und Bellin bei Küstrin fand man an der Chaussee die achtjährige Frieda Lück aus Zellin ermordet. Das Kind war auf bestialische Weise mißhandelt und dann getötet worden. Der Mörder wurde noch am selben Tage verhaftet. Es ist der als Bettler umherziehende 26jährige ehemalige Fabrikarbeiter Paul Tauber aus Crimmitschau in Sachsen. Er hat bereits ein rückhaltloses Geständnis abgelegt. Hier wird man positive und genau formulierte Vor schläge abwarten müssen, ehe man zu beurteilen vermag, au was der Leitsatz eigentlich abzielt. Mann und Frau, die miteinander eine Ehe eingegangen sind, werden vom Staat als in ihrem Willen einheitlich gerichtet angesehen, welcher Wille natürlich nur von einer Berson in verbindlicher Weise zum Ausdruck gebracht werden kann. Sind Mann und Frau verschiedener Meinung, so müssen sie nach Verständigung streben, die ihnen unmöglich schwer fallen kann, wofern e ihrer Ehe nicht an der notwendigen sittlichen Unterlage ge bricht. Die Meinungsübereinstimmung ist die natürlich Voraussetzung; denn sie haben einander doch nicht geheiratet neil ihre Neigungen und Wünsche auseinandergehen, son dern weil sie zum mindesten verwandt, wo nicht völlig gleich förmig sind. Trifft aber die Voraussetzung nicht zu, so is fein Grund erfindlich, daß der Wille der Frau vor dem des Mannes Geltung haben sollte. In der Regel ist der Mann älter und demgemäß erfahrener, in der Regel liegt auf ihm die Last der Familienerhaltung- es ist nicht abzusehen, weshalb ihm das herkömanliche Vorrecht der Bestimmung ab. genommen und der Frau übertragen werden soll. Einen solchen Tausch werden auch die Frauenrechtlerinnen gar nich beanspruchen, denn sie setzten sich damit ins offenbare Un recht. Sie würden in ihren eigenen Reihen keine Gläubi gen finden, die ein Frauenvorrecht da für angezeigt halten, wo sie ein Männervorrecht bekämpfen. So bliebe die Einsetzung einer besonderen Berufungsinstanz, an die sich Eheleute zu wenden hätten, wenn sie über eine Frage von Be lang, etwa Kindererziehung, Berufswahl für die Kinder usw.. sich nicht einigen könnten. Es ist einstweilen wohl noch nicht nötig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie ein solcher Berufungsgerichtshof für Ehestreitigkeiten aussehen sollte. und wie eine Ehe nach Anrufung dieses Gerichtshofes aus: schen würde. Was aber die Gleichberechtigung der Frau in sonstiger privatrechtlicher, namentlich in besizrechtlicher Beziehung anlangt, so steht nichts im Wege, dies durch den Ehevertrag festzustellen. Je häufiger dies geschieht, je land: läufiger die berufsgewerbliche Tätigkeit der Frau wird, deste schneller wird die privatrechtliche Gesetzgebung diesen geänderten Verhältnissen folgen. Daß die Reihenfolge die umgefehrte sei, ist eine unbillige Forderung, die aller Rechtsentwickelung zuwider wäre. Der zweite Leilsat verlangt, daß die Frauen von dem Rang subalterner Gehilfinnen des Mannes zu dem Rang gleichgestellter und verantwortlicher Mitarbeiterinnen auf dem Gebiet des Gemeindebürgerrechts erhoben werden. Wieder ein Automobilunglück. Auf einer Vergnügungsfahrt, die Baron von der Leyen aus Düsseldorf mit dem Ehepaar Engels und dem in Bonn studierenden Studenten Walter Engels aus Barmen unternahm, platte ein Reifen des Automobils, infolgedessen sämtliche Insassen aus dem Gefährt geschleudert wurden. Hierbei erlitt der Student Engels einen mehrfachen Schädelbruch, was seinen Tod zur Folge hatte. Die übrigen Teilnehmer sowie der Chauffeur kamen mit geringen Verletzungen davon. Im Schlamm erstickt. Bei einer Uebung des Stroh burger Trainbataillons auf dem Wallgraben in der Nähe des Kehler Tors ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der Soldat Keune sank in einen mit Rehricht überdeckten Morast etwa zwei Meter tief ein und erstickte. Ein Kame rad, der ihn retten wollte, sank ebenfalls in den Sumpf und wurde nur mit Mühe gerettet. Auch hier fehlt die verdeutlichende Darlegung der allgemeinen Forderung; man müßte sie denn in dem dritten Leitsatz finden, der die Frauen einladet, in den Kommunen an der Schulverwaltung, der Wohnungsinspektion und der ehrenamtlichen Aufsicht über alle städtischen Anstalten teilzunehmen, in denen Frauen und Kinder untergebracht sind. Darüber wird sich reden lassen. Der Anfang ist längst und in recht weitem Umfang gemacht. In der Kranken- und Armenpflege sind Frauen hervorragend tätig, auch in selbstän diger, maßgebender Stellung. Niemand will sie daraus verdrängen, niemand ihnen den Weg versperren, wenn sie ihre schätzbaren Dienste in noch höherem Maße der Gemeinwohlfahrt widmen wollen. Erdbeben auf dem Balkan. In Gettinje wurden abermals fünf Erdstöße gespürt. In Skutari stürzten neuerdings fünf Läden ein. Auch sonst wurde viel Schaden angerichtet. Der Yildizkiosk in Konstantinopel wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, mehrere machehaltende Gendarmen famen um. In ganzen sollen über hundert Menschen der Katastrophe zum Opfer gefallen sein. Die Erdbewegungen dauern noch fort. Recht dunkel lautet der vierte Leitsatz, der die Frau auffordert, bei den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten, bei den Schöffen- und Geschworenengerichten, im Richter- und Anwaltsberuf ihren Einfluß geltend zu machen". Soll das eine schamhafte Umschreibung des Verlangens der Zulassung zu den eben genannten Aemtern und Berufen sein, so wollen wir lieber die Schamhaftigkeit respektieren, als vordringlich erraten, was man uns verschweigen will. Eine ganze Familie ermordet. In Neckargartach bei Heilbronn fand man die ganze Familie des Bäckermeisters Bullinger ermordet. Der Tat dringend verdächtig ist der Bäckergeselle Ernst Mogler, der seitdem verschwunden ist. Man glaubt, daß der Mord ein Racheakt ist. Im fünften Leitsaz freilich wird die vorsichtige Reserve aufgegeben, wird ohne Umschweife das Frauen- Stimmrecht in Gemeinde, Kirche, Staat und Reich verlangt. Dazu wird im letzten Leitsab ausgeführt, daß erfahrungsgemäß die Frauen ihren Einfluß zugunsten des sozialen Friedens geltend zu machen und den allgemeinen Kulturinteressen mehr als den wirtschaftlichen Interessen zu dienen suchen. Tages- Chronik. Die 6. Jahresversammlung des Allgemeinen deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege ist in Stuttgart zusammengetreten. Der Bund der deutschen Frauenvereine stimmt den Leitsätzen natürlich zu. Zwischen heute und morgen aber braucht man sich auf die praktische Durchführung noch nicht vorzubereiten. Der Weg der Entwickelung auf diesem Gebiet will langsam, sehr langsam und bedächtig beschritten werden. Ru große und zu heilige Interessen stehen auf dem Spiel, als daß man Experimente wagen dürfte. Was man im größe ren versucht, das muß schon vorher erprobt sein und sichere Gelingen versprechen. Nab und Fern. - Bei einer Kahnfahrt ertranken in der Wernow bei dem mecklenburgischen Städtchen Schwaan ein Ziegelei- Arbeiter und zwei Mädchen. In Rudisleben bei Erfurt wurden durch ein Feuer, da ein mit Streichhölzern spielendes Kind verursacht hatte, vier große Anwesen zerstört. Ein frauenmörder. Der Herr Edulinipel griffsftubig.sa, Gauptmann. Schide Sie fie meden, ich be rerin, der Dorfälteft der und jagen sie in beginnen, und bei 2 falafenen Kinder h Nebenjache. Die S borschriftsmäßig m Sei vollzogen. [ Seirat per ben Fernsprechiapp mlbanien, statt. aanderen Orte bein wärtigen Schwurgerichtsverhandlung der Oldenburger Justiz auszuleihen. Immid ist vor einigen Tagen bereits unter der Aufsicht mehrerer holländischer Polizeibeamten an das Oldenburger Gerichtsgefängnis ausgeliefert worden. Immick war vor etwa 20 Jahren Geschäftsführer einer Menagerie. Er gab im Jahre 1887 seine Stellung auf und machte sich auf die Wanderschaft, durchstreifte Ost- Friesland, Westfalen, Hannover, Braunschweig und den Harz und hat auf diesen Reisen eine Unzahl schwerer Einbrüche in Oldenburg, Aurich Leer, Emden, Osnabrück, Hannover. Braunschweig und Thale begangen, Einbrüche, die Ende 1888 zu seiner Verhaftung in Bremerhaven führten, und zwar gerade in dem Augenblick, als er einen zur Abfahrt nach Amerika bereit liegenden Dampfer besteigen wollte, um die in mehreren Koffern, Kisten und Kasten verpackten geraubten Gold- und Silbersachen sowie bares Geld in Sicherheit zu bringen. Damals wurde Immick, der wegen Diebstahls schon wieder. holt vorbestraft war, vom Schwurgericht in Aurich zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, welche Strafe er 1903 berbüßt hatte. Sofort nach seiner Entlassung aus dem Ruchthause betrat Immick wieder die Verbrecherlaufbahn, die ihn jetzt unter der schweren Anklage des Doppelraubmordes vor das Schwurgericht geführt hat. Da er die ihm zur Last gelegte Tat bestreitet, wird die Oldenburger Staatsanwaltschaft einen umfangreichen Indizienbeweis gegen ihn zu führen haben. ( Von unserem Gerichtsberichterstatter.) Oldenburg, 17. Juni. ( Nachdr. verb.) Ein morgen vor dem hiesigen Schmurgericht beginnender Wordprozeß gewinnt durch die begleitenden grausigen Umstände ein besonderes Interesse, das durch verschiedene Umstände noch verstärkt wird. Der Angeklagte mußte nämlich von der holländischen Regierung gleichsamt ausgeliefert werden, um die Verhandlung zu ermöglichen. Aus dem Gerichtsfaal. Fridfehren konnte, telephonisch bei ei Trauung fand na fftatt, die Fragen gestellt und gegel Tungsamte als 3 [ Die Ehr Kaiser Wilhelm Führer der nach fchaft, Dr. Rojen ften Orden von Gold und Brille dortigen Kunstge Charakter der 2 Da fieht man ei einen Gattel mit Negus ein goldge Mirchenkreuze aus ifen bronzenen S Scheide und vier Berlin eintreffen § Die abgebissene Nase. Von dem Gerichte zu Capri wurde der bekannte Schriftsteller Hanns Heinz Ewers zu 13 Monaten und 7 Tagen Gefängnis und 1000 Lire Geldstrafe verurteilt. Er war in einem Restaurant in Capri mit einem ungarischen Architekten in Streit geraten, der in Tät lichkeiten ausartete. Dabei hatte Ewers seinem Gegner einen Teil der Nase abgebissen. § Der Huddeprozeß vor dem Reichsgericht. Der wegen Ermordung des Pfarrers Thöbes zum Tode verurteilte Schlächtergeselle Hudde hat Revision beim Reichsgericht eingelegt, ebenso sein wegen Einbruchdiebstahls zu sieben Jahren verurteilter Komplize Walter. § Ist„ Pokern" ein Glücksspiel oder nicht? Auch in Ol denburg hat ein Gericht das Pokern zum Glücksspiel geflempelt. Der Gastwirt Böschen in Delmenhorst hatte sich vor der Strafkammer in Oldenburg zu verantworten, weil er am 17. Februar d. J. als Inhaber einer Wirtschaft das Glücksspiel Pokern" gestattet habe. Der Angeklagte gab zu, daß die Gäste in seiner Wirtschaft pokerten, wobei die Sätze der Spieler 50 Pfg., vereinzelt auch 1 Mark und 1,50 Mf. betragen hätten. Nach dem Ergebnis der Verhandlung und der Beweisaufnahme erkannte das Gericht auf zehn Mark Geldstrafe. Der Landwirt. gi. Fortschritte im Kartoffelbau. Aus Amerika kommt die Kunde von der Entdeckung oder vielmehr der Züchtung einer neuen Kartoffelart. Wenn die Angaben sich bestäti gen sollten, hätte man es allerdings mit einem wesentlichen Fortschritt zu tun. Das Zuchtprodukt wurde von einem Landwirt in Montane erzielt. Die neue Kartoffelsorte soll sich durch die kolossale Größe der Knollen und durch das Fehlen von Blättern und Ranken von der gewöhnlichen Kartoffel unterscheiden. Man erwartet in landwirtschaftlichen Kreisen einen Umschwung in der ganzen Kartoffelkultur von der neuen Richtung. [ Die Ehe bor einigen Mo einem Rabalier gleich, es sei be tragende Berm zu tun gewefer Finanzmann f der alternde bingung ein, 4 Laffen. Num e nachdem er di nicht daran, au Die Gräfin ger Galan meinter Brede, die Fi tigen. Es tou geboten, aber dg Die Zucht von Perlhühnern. Für die gedeihliche Entwickelung der Perlhühner ist ein großer Hof mit weitem Auslauf notwendig. Die Perlhühner schweifen am liebsten in Held und Wiese umher und kommen nur zum Füttern und nachts zum Stall. Die Henne legt kleine Eier von seinem Geschmack, sucht aber das Ne im Freien zu verstecken. Man darf nur einen Teil der Eier ausnehmen, sonst legt das Huhn wo anders hin. Merkt man, daß es brüten will, so legt man, wenn das Tier gerade frißt, so viel Eier ins Nest dazu, wie man zu haben wünscht, ungefähr 15-20 Stück. Für die jungen Rücken streut man Grüße, geweichtes Brot, gehacktes Ei und nach einigen Tagen kleinen Weizen. Die Jungen wachsen sehr schnell heran. Man muß sie möglichst an den Hühnerstall gewöhnen. Perlhühnerbraten schmeckt sehr gut und ist leicht zu guten Preisen verkäuflich. Am 12. Januar 1904 in früher Morgenstunde bemerkte man in dem Hause des Stellmachers Pickei auf der RosenStraße in Oldenburg Feuer, das schnell um sich griff. Der Brand hatte seinen Herd in der im Erdgeschoß befindlichen Gastwirtschaft der Witwe Meller, die mit ihrer 19jährigen Tochter Marie seit dem Tode ihres Gatten die Wirtschaft führte. Als die Heuerwehriente bis in die brennenden Wohnräume der beiden Frauen vorgedrungen waren, bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. In einem Bette lag Frau Meller erstickt und verbrannt und über ihr die Tochter, ein blühendes Mädchen, ebenfalls tot. Man nahm zuerst an, das Fener sei durch Explosion einer Lampe entstanden. Es wurde die Meinung laut, die Kleider des Mädchens seien in Brand geraten und dieses hätte sich dann in Verzweiflung über die Mutter geworfen und deren Bett dadurch gleichfalls in Flammen gesetzt. Da die Frau jedoch an beiden Händen gelähmt war, so wären schließlich alle beide erstickt und verbrannt. Bei der Sektion der beiden Leichen fiel es den Aerzten auf, daß Frau Meller an der einen Schläfe eine sehr schwere Wunde aufwies, aus der frisches Blut gequollen war. Die Wunde konnte nicht durch Feuer entstanden sein. Ebenso waren die Schädel der beiden Frauen zertrümmert. In der Kammer wurde ein Beil aufgefunden, das nicht den Mellers gehörte und an dessen Breitſeite sich Blutspuren befanden. Nach alledem war es zweifellos, daß hier kein llnglücksfall, sondern ein Raubmord vorlag. Auch zeigte sich später, daß verschiedene Behälter beraubt worden waren. Der Mörder hatte wahrscheinlich nur einen Einbruch beabsichtigt, war dann aber von den erwachenden Frauen gestört worden und tötete diese durch Beilhiebe, worauf er, um die Spuren seiner Tat zu verwischen, das Haus in Brand setzte. Wäre das Feuer nicht rechtzeitig entdeckt worden, so wäre sicher die grausige Tat nicht ans Licht gekommen. Die angestellten Ermittelungen blieben zunächst erfolglos. Erst Ende Februar vorigen Jahres lief bei der Oldenburgischen Staatsanwaltschaft eine Mitteilung der holländischen Behörden ein, die den jetzt auf der Anklagebank sitzenden erwerbslosen Philipp Immick aus Eickel schwer belastete. Immick war fast unmittelbar nach dem Doppelraubmord in Oldenburg im Hotel Eldering" in Hengelo in Holland eingebrochen, wo er 200 GID. erbeutete. Bei seiner Festnahme fand die holländische Polizei eine Postkarte bei ihm vor, die Immick am Vormittag des 12. Januar, also am Tage nach der Mordnacht, von Bremen aus an seinen Hauswirt in Holland abgeschickt hatte. Er war also zur Zeit des Mordes ganz in der Nähe Oldenburgs gewesen. Ferner hatte man unter seinen Sachen, neben mehreren geladenen Revolvern auch eine Uhr mit Sette gefunden, die als Eigentum der Familie Meller refognosziert wurde. Wenige Tage nach dieser Entdeckung wurde Immick vom Königlichen Gericht in Almelo in Holland zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und in Haft genommen, so daß er vorläufig für die Oldenburgischen Behörden unerreichbar blieb. Die lange Strafzeit hätte möglicherweise ein Verwischen des Tatbestandes zur Folge gehabt und auf Grund einer Vereinbarung der deutschen Reichsregierung mit der holländischen wurde daher beschlossen. Immick für die Dauer der gegen= Maffenvergiftungen. In der vergangenen Woche fand in Blomberg in Lippe- Detmold die lippische landwirtschaftliche Ausstellung statt, die von vielen Personen besucht wurde und deren Eröffnung Graf- Regent Leopold beiwohnte. Nach Schluß der Ausstellung erkrankten ungefähr zweihundert Personen, die in der Ausstellung Speisen zu sich genommen hatten, unter Vergiftungserscheinungen. Ein Mann ist ge storben, während eine Reihe anderer Personen schwer erkrankt darniederliegt. Fünf Berglente getötet. Bei Harpfe in Hannover wurden auf der Braunkohlengrube Kleines Feld" fünf Bergleute durch niedergehendes Gestein verschüttet. Als man nach mehrstündiger Tätigkeit zu der Unglücksstelle vordrang, fand man alle fünf als Leichen. Auf der Jagd erschossen. Der bayerische Landtagsabgeordnete Dörnhöfer von Zeckenmühle war mit dem Privatier Vermischtes. =[ Billiger Wein.] Am Bahnhof in Hagen, Westfalen, war eine Weinsendung angekommen, von der ein Fuder auf dem Transport beschädigt worden war. 1000 Liter Uerziger ergossen sich auf die Straße, und von allen Seiten liefen Erwachsene und Kinder herbei, um den guten Tropfen in Eimern, Kesseln und Tassen, selbst in Hüten aufzufangen. Viele Jungen lagen platt auf der Erde, um den Trank zu schlürfen. [ Zeitgemäßer Fortschritt im Schmugglerwesen.] An der belgischen Grenze bemerkte ein französischer Grenzaufseher einen Kraftwagen, der unter Umgehung des Zollamtes über die Deulebrücke bei Warneton auf französisches Gebiet zu gelangen suchte. Der Beamte suchte dem vorzubeugen, indem er eine Holzbank quer über die Brücke legte, allein das Gefährt überwand das Hindernis und eilte Deulemont zu. Durch Signalschüsse benachrichtigt, sperrten die dortigen Zollwächter nunmehr den Weg durch einen großen Futtertrog, gegen den der Wagen anrannte. Er wurde beschädigt, fuhr aber noch 500 Meter weiter. Als die beiden Insassen sich gefangen sahen, sprangen sie ab und ließen das Automobil im Stich. Es enthielt für 9000 Franken eingeschwärzten belgischen Tabak. =[ Die Bevölkerungszahl Schwedens.] Die Einwohnerzahl des Königreichs betrug nach einem anläßlich der Wahlen zur Zweiten Kammer eingereichten Bericht des Statistischen Zentralbureaus Ende 1904 5 260 811 Personen, davon 2 693 877 weiblichen und 2 566 934 männlichen Geschlechts. Gegen das Vorjahr vermehrte sich die Bevölkerung um 39 520 Personen. ==[ Russische Beamtensitten.] Eine niedliche Geschichte wird russischen Blättern aus dem Kirchdorfe Tschernia bei Tschernigow berichtet. Es ist Mitternacht. Die Lehrerin schläft. Der Priester, der zugleich Schulinspektor ist, schläft auch. Da fährt plöblich mit vier Pferden der Landhauptmann ins Dorf und klopft bei dent Priester an:„ Kann jetzt die Schulprüfung stattfinden?"" Schulprüfung? Jezt?" wies jeden V bringen, zurüd Grafen, den i bungswege bo Durchführung tatursfanzlei haben; denn einbarung an K LM Graft theater, ist n zurüdgetreter Präfiden Einige zur b stände werden schüssen übern gelangen. A gierungsvorlag nahmen und für die Finan des Fonds Großherzoglich fummarischen Staatsschulder 1899/1900, Text der Benfionierun faffe der Bo Vorlage, den Leitung von entsteht eine Geheimrat David, Sirschel Aimmungen Annahme. nahme, den an den tech haben müffe dürfen. Sier 9 Uhr ein. ** Der G walter der neu Gießen Rarl fennung feiner Birtung vom 1. ihm aus diefem burger Jui bereits unte nten an da rden. Immi Menagerie 8 madhte fi Bland, Wei und hat auf n Oldenburg Braunschwei zu feiner Be erade in den merifa bere in mehrere en Gold- un zu bringen schon wieder urich zu fün rafe er 190 ng aus de rlaufbahn,& elraubmorde ihm zur La Staatsantall gegen ihn 1. hte zu Capri inz Ewers 00 Lire in Capri mil , der in Lat nem Gegner Der wegen De verurteilte Fichsgericht ein fieben Jahren Auch in C Blüdsspiel Sorst hatte fi ntworten, weil Wirtschaft das Ingeklagte ten, wobe Mark um 1,50 Verhandlung richt auf seh merika fommt der Züchtung en fich bestäti m wesentlichen de von einem rtoffeljorte j und durch gewöhnlic landwirtsch zen Kartoff gedeihliche En it weitem Aus am liebsten i m Füttern un Fier bon feiner erstecken. Ma legt das Hub ill, so legt man Nest dazu, wi Stüd. Für di Brot, gehadte Die Jungen möglichst an den chmeckt sehr gut gen, Weftfalen ein Fuder auf Liter Herziger Seiten liefen r ten Tropfe i ten aufzufa n den Trant Jerwesen.] An cher Grenzauf des Zollamtes zösisches Gebiet vorzubeugen, in legte, allein das e Deulemont zu. die dortigen Zoll coßen Futtertrog e befchädigt, fuhr den Infassen sich in das Automobil eingefchwärzten Die Einwohneräßlich der Wahlen des Statistischen Perfonen, davon lichen Geschlechts erung um 39 520 edliche Geschichte fe Tichernia bei Die Lehrerin ipettor ist, fchläft der Landhaupt ran: ,, ann jest priifung? Sept?" Der Herr Schulinspektor ist noch verschlafen und daher etwas Begriffsstubig. a, auf der Stelle!" fommandiert der Landhauptmann.„ Schicken Sie schnell nach der Lehrerin. Lassen Sie sie wecken, ich befehle es!" Der Priester weckt die LehTerin, der Dorfälteste und der Nachtwächter wecken die Kinder und jagen sie in die Schule. Um 1 Uhr kann das Examen beginnen, und bei Morgengrauen ist es zu Ende. Die verschlafenen Kinder haben nicht allzuviel gewußt, aber das ist Nebensache. Die Hauptsache bleibt, daß der Landhauptmann borschriftsmäßig melden kann, die vorgeschriebene Prüfung sei vollzogen. = [ Heirat per Telephon.] Eine firchliche Trauung durch den Fernsprechapparat fand firzlich in Williamsport, Pennsylvanien, statt. Der Geistliche, der einer Synode an einem anderen Orte beiwohnte, und von dort nicht rechtzeitig zunickehren konnte, traute John Carothers und Mary Ludicken telephonisch bei einer Entfernung von 80 Kilometern. Die Trauung fand nach dem Zeremoniell der lutherischen Kirche statt, die Fragen und Antworten wurden durch das Telephon gestellt und gegeben, wobei der Beamte auf dem Vermitte hungsamte als Zeuge diente. [ Die Ehrengeschenke des Negus von Abessinien an Kaiser Wilhelm] sind zum größten Teil bereits durch den Führer der nach Berlin zurückgekehrten deutschen Gesandtschaft, Dr. Rosen, übergeben worden. Sie bestehen im höch Sten Orden von Abessinien, dem Stern von Aethiopien, in Gold und Brillanten, und in zahlreichen Erzeugnissen des dortigen Kunstgewerbes. Die meisten von diesen sind, dem Charakter der Abessinier entsprechend, kriegerischer Natur. Da sieht man einen goldverzierten runden Schild, Speere, einen Sattel mit goldenem Zaumzeug. Weiter schenkt der Negus ein goldgesticktes Ehrenkleid, zwei antike äthiopische Kirchenkreuze aus dem fünften Jahrhundert und einen antifen bronzenen Kelch. Ein Schwert mit goldplattierter Scheide und vier mächtige Elefantenzähne sollen noch in Berlin eintreffen. - [ Die Ehe auf Kündigung.] In Wien verheiratete sich, bor einigen Monaten eine junge hübsche Schauspielerin mit einem Kavalier aus gräflichem Geschlecht. Man munkelte gleich, es sei dem Grafen mehr um das 200 000 kronen betragende Vermögen der Schauspielerin, als um ihre Hand u tun gewesen. Die Mitgift soll nun von einem bekannten Finanzmann stammen. Wie jezt herausgekommen ist, ging Der alternde und kreditlose gräfliche Bräutigam die Bedingung ein, 48 Stunden nach der Trauung Wien zu verlassen. Nun erklärte der Graf nach Ablauf der 48 Stunden, nachdem er die Mitgift sicher plaziert hatte, er denke gar nicht daran, auf seine Rechte als Ehemann Verzicht zu leisten. Die Gräfin gewordene Schauspielerin und ihr finanzkräftiger Galan meinten anfangs, das ganze Manöver diene dem Zwecke, die Finanzen des Grafen noch ausgiebiger zu kräftigen. Es wurde ihm auch ein weiterer namhafter Betrag geboten, aber er tat entrüstet über solch ein Ansinnen und wies jeden Versuch, ihn von seinem: Standpunkte abzubringen, zurück. Die junge, schöne Gräfin versucht nun, den Grafen, den sie rief, aber nicht loswerden kann, im Scheidungswege von ihrer Seite zu entfernen, und hat sich zur Durchführung des Prozesses an eine bekannte Wiener Advotaturskanzlei gewendet. Viel Glück wird sie dabei wohl nicht haben; denn kein Gericht dürfte wohl die sonderbare Vereinbarung anerkennen. Kunft und Wissenschaft. LM Ernst von Possart, der Intendant der Münchener Hof. theater, ist nach einer Meldung von dort von seinem Amte zurückgetreten. Hessischer Landtag. Darmstadt, 14. Juni. Präsident Haas eröffnet die Sigung um 10% Uhr. Einige zur vorläufigen Beratung im Blenum stehende Gegenstände werden, nach der„ Darmst. 8tg.", teils den Ausschüssen überwiesen, teils sofort im Plenum zur Erledigung gelangen. Annahme finden nach den Ausschüssen die Regierungsvorlagen, betreffend Nachweisungen über die Einnahmen und Ausgaben an Domanial- und Staatsvermögen für die Finanzperiode 1900/01 und die aus den Rechnungen des Fonds zur Ergänzung des Familieneigentums des Großherzoglichen Hauses für 1900/01, betreffend die summarischen Uebersichten der Einnahmen und Ausgaben der Staatsschuldenverwaltung in den Jahren 1897/98, 1898/99, 1899/1900, 1900/01, betreffend Gesezentwurf über den Tert der Geseße, die Gehalte der Beltsschullehrer, bie Bensionierung der Volksschullehrer, die Witwen- und Waisen tasse der Volksschullehrer betreffend. Bei der Regierungsvorlage, den Entwurf eines Gesezes, die Errichtung und Leitung von technischen Privatunterrichte anstalten betreffend, entsteht eine längere Debatte an der sich Abg. Köhler, Geheimrat Braun, die Abgg. Wolf, Damm, Dr. David, Pennrich, Müller, v. Brentano, Hirschel und Ulrich beteiligen. Die einzelnen Beftimmungen der Vorlage finden nach den Ausschußanträgen Annahme. Bei Artikel 7 findet ein Antrag Damm An. nahme, den auch der Ausschuß empfiehlt, wonach Fachlehrer an den technischen Privatanstalten volle Hochschulbildung haben müssen und die Klassen nur 45 Schüler haben dürfen. Hierauf tritt Bertagung anf Donnerstag Vormittag 9 Uhr ein. Lokales. 15. Jnut 1905. ** Der Großherzog hat am 10. Juni den Verwalter der neuen Kliniken an der Landesuniversität zu. Gießen Karl Keller auf sein Nachsuchen unter Anerfennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1905 in den Ruhestand versezt und ihm aus diesem Anlaß den Charakter als„ Ranzleirat" verliehen. ** Der Großherzog hat den Umtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg Eugen Funk zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, den Staatsanwalt am Landgericht der Probing Startenburg Dr. Karl Wolff zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Buzba, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ulrichstein Dr. Moriz Hansult zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Dieburg und den Gerichtsassessor Ernst Hofmeyer aus Nidda zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Altenstadt ernannt. *** Kaiserparade. Die Verkaufsstelle der Karten für die offizielle Tribüne teilt uns mit, daß die 3 MarfRarten bereits ausverkauft sind( vergl. heutigen Anzeigenteil). ** Gegen die Raupen auf den Apfelbäumen empfiehlt ein Gartenfreund im Praktischen Ratgeber das Abschütteln und Abschlagen, nachdem zuvor Decken unter die Bäume gelegt worden sind. Gleichzeitig sollen Baumringe angelegt werden, damit die Raupen nicht wieder am Stamm in die Höhe friechen, was überraschend schnell geschieht, wenn Die Nummer, welche man sie nicht sofort vernichtet. diese Mitteilung enthält, wird auf Verlangen fostenfrei an jeden Gartenfreund geschickt durch das Geschäftsamt des praktischen Ratgebers in Frankfurt a. Oder. - + Helpershain, 14. Juni. Am 18. und 19. wird. hier das Bezirkskriegerfest abgehalten. - Lehnheim. Gewalttätigkeit. In der Nacht nach dem dritten Feiertag entstand in der Familie des Laudwirts H. Streit. Nach vorausgegangenem Wortwechsel schlug der ledige H. der im Hause wohnenden Schwiegermutter seines verheirateten Bruders derart ins Gesicht, daß die Frau schwerverleßt darniederliegt. § Appenrod, 15. Juni. Heute ist mit der Anlegung des Grundbuchs für unsere Gemarkung begonnen worden. ? Rülfenrod. August Decher ist als Wiegemeister und Johs. Kurz, beide dahier, als dessen Stellvertreter eidlich verpflichtet worden. ?? Alsfeld, 15. Juni. Die Generalversammlung zur definitiven Gründung der ersten oberhessischen Pferde zuchtgenossenschaft findet fommenden Samstag in Alsfeld im Deutschen Hause" statt. " Der Wiesbaden, 13. Juni. „ Rheinische Kurier" in Wiesbaden ist von einem Konsortium mit dem Reichstags und Landtagsabgeordneten Kommerzienrat Bartling an der Spize erworben worden. A Mainz, 14. Juni. Die heutige Hauptversammlung des hessischen Landeslehrervereins gestaltete sich zu einer erhebenden Badesfeier" zu Ehren des langjährigen Obmanns des Vereins, Oberlehrer Backes- Darmstadt, der im Laufe dieses Monats sein 50jähriges Dienstjubiläum begeht. Um dem beliebten Obmann für sein verdienstvolles Wirten Dant und Anerkennung darzubringen, waren die Lehrer aus ganz Hessen sehr zahlreich erschienen, man zählte ca. 750, sodaß der Festsaal Liedertafel dicht gefüllt war. Backer hat in seiner 50jährigen Tätigkeit als Lehrer in Rödgen und Annerod, dann 21 Jahre in Ober- Eschbach bei Friedberg, Groß- Gerau und seit 1883 in DarmMit ein Verdienst des Obmanns ist auch ftadt gewirkt. die zeitgemäße Negulierung der Gehaltsfrage. Am 26. Juni wird Backes in Darmstadt sein 50jähriges Jubiläum feiern. Mit einem Drgel- Konzert nahm der Hessische Lehrertag heute sein Ende. Der Erfurt, 14. Juni. Brautmyrte. Kronprinz richtete an die Blumengärtnereien Beterseim ein Schreiben, in dem er seine Anerkennung und seinen Dank ausspricht über die gesandte Myrte. - Nordhausen, 14. Juni. Winter im Sommer. Im Harz und auf den Thüringischen Höhen sant das Thermometer gestern und heute auf 4 Grad unter Null. Es herrscht stellenweise Schneetreiben und Sturm. Marktberichte. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 14. Juni 1905. Ochsen Kälber Schweine Höchste Schlachtbichpreise in Frank urt a. M. Fleischpreise 18 in Gießen 50 kg Schlachtgewicht 71-73 m. 1/3 w " 87-90 Pf. 69-70 Н H / kg 70-80 f. bo. 70-74 do. 66-76 Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 kg 52 Pf. Schwarzbr. do. 48 W " do. Getreidepreise in Mannheim Weizen 100 kg Roggen do. 18.70 M. 16.35 Frankfurt a. M., 14. Juni. Fruchtmarkt. Es notierten nach Qualität: An Weizen, hiesiger und Wetterauer mr. 18.65-18.85, furhessischer Mr. 18.65-18.85 Roggen, hiesiger mr. 15 90-16.15, russischer Mr. 15.90-16.00 Gerste, hiesige Mr. 17.80 bis 18 00, Pfälzer Mr. 18.25 bis 18.50, fränkischer Mt. 17 80-18.25, Riedgerste Mt. 18.25 bis 18.50 Hafer, hiesiger und Wetterauer Mr. 15.00-15.50, tuchessischer Mr. 00.00-00 00, bayerischer Mr. 15.00-15.50, Mais, Mixed Mr. 11.90-12.25. Alles pro 100 kilo ab hier. Mehl wesentlich höher. Es notierten nach Qualität: Weizenmehl hies. O, mr. 26.75-27.75, feinere Marken Art. 29.00-29.25, hiesiges Nr. 1, Mr. 24.75 bis 25.25, feinere Marten Mr. 26.00-26.50, hiesiges Nr. 2, Mr. 23.75-24.25, feinere Marken Mr. 24.75-25.25, hiesiges Nr. 4, Mr. 19.00-19.50 feinere Marken 20.00-20.50, Roggenmehl, hiesiges, 0, Mr. 22.- 23.25 Weizenschalen 5.35 b. 1 20.25-20.75, do. 2 Mr. 16-17 00. bis 5 50, Weizenkleie 5.35-5.50, Roggenkleie mt. 5.80-6.00 Weizenfuttermehl 6.75-7.50. K Frankfurt, a. M.( Heu- und Strohmarkt.) Man notierte: Heu 3.70-0.00 Mt. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 16. Juni. Beitweise etwas aufheiternd, ziemlich warm. ( Näheres durch die Gießener Wetterkarte.) Verantwortlich: für die Politik und den Inseratenteil: Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide in Gießen. TUP wordie Strömungen und Bestrebungen unseres modernen Kunst- u. 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