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Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. Nenelle Nachrichten ( Gießener Tageblatt) Anabhängige Tageszeitung ( Gießener Zeifung) für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen. China und die Friedensverbandlungen. Die Bevollmächtigten des Kaisers von Japan und des Zaren von Rußland sind auf dem Wege nach Newyork, wo fie über die Bedingungen des zu vereinbarenden Friedens mit einander beraten und verhandeln wollen. Sind sie zu einer Verständigung gelangt, so gehen sie nach Washington, um dort den Friedensvertrag zu vollziehen. Man erinnert sich, daß seinerzeit als Bedingung für den Beginn von Friedensverhandlungen festgestellt wurde: die beauftragten Unterhändler sollten mit unzweifelhafter Vollmacht versehen sein, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, und es sollte kein dritter zu den Verhandlungen zugezogen werden. Japan war es, das diese Forderungen stellte, die von der anderen Seite auch zugestanden wurden. Die Gründe, die Japan zu solchem Verlangen bestimmten, sind leicht zu durchschauen. Was die Fernhaltung dritter von den Friedensverhandlungen betrifft, so hatte Japan Erfahrungen gemacht, deren Erneuerung es nicht wünschen konnte. Bei den Friedensverhandlungen von Schyimonosafi war Japan um die Früchte seiner Siege über China gebracht worden. Die Intervention der Mächte bewirkte dort, daß Japan die Halbinsel Liaotong, auf der es sich schon häuslich eingerichtet hatte, wieder verlassen und an China zurückgeben mußte. Gewissermaßen als Pflaster auf diese Wunde wurde die Bestimmung getroffen, daß es keiner Macht gestattet sein sollte, chinesisches Land in Besitz zu nehmen. Die Bestimmung blieb freilich nicht lange in tatsächlicher Geltung. Das Deutsche Reich, korrekt wie immer, nahm Kiautschau nur in Pacht auf 99 Jahre, aber England ließ sich in Weiheiwai nieder, die Russen nahmen Port Arthur und schließlich, mitten im Frieden, die ganze Mandschurei. In dem jetzigen Kriege haben die Japaner Port Arthur erobert, einen chinesischen Hafen; sie haben ferner die Russen aus der Mandschurei vertrieben, wiederum aus chinesischem Gebiet; sie haben vorher Korea eingenommen, das nicht chinesisch, aber auch nicht russisch ist. Der Krieg der beiden Mächte ist bis auf die jüngsten Tage ausschließlich auf Gebieten geführt worden, die keiner dieser Mächte gehören - eine völkerrechtliche Seltsamkeit, die beinahe ohne Vorgang ist. Um das zu ermöglichen, mußte bei Beginn des Kampfes eine Kriegszone genau festgesezt werden, wobei das Wunderliche geschah, daß China strenge Neutralität auferlegt wurde gegenüber seinen eigenen Provinzen, die den Kriegsschauplatz bildeten. afen 1. Alaffe nenbäder. tsquelle Machen die Erinnerungen an den Frieden von Schimonosaki begreiflich, daß Japan den Frieden mit seinem Gegner ganz allein schließen will, so sind die letterwähnten Tatsachen wohl dazu angetan, China mit einiger Besorgnis zu erfüllen und ihm den Wunsch nahezulegen, daß es von den Friedensbedingungen nicht zu spät, sondern zu einem Zeitpunkt erfahre, der ihm die Möglichkeit eines Einspruchs oder wenigstens einer Vorstellung gewährt. Die Furcht, der Kriegsschauplab möchte der Siegespreis werden, läßt sich gar nicht von der Hand weisen. Zwar die Mandschurei werden die Japaner nicht beanspruchen und nicht den Russen lassen, sondern an China zurückgeben, so daß eine Art von Gewinn für China herausschaut. Auch wird China nicht hindern fönnen, daß das Protektorat über Korea an Japan übergeht. Das entspricht dem Interesse Chinas am Ende immer noch besser, als wenn das Protektorat an Rußland gekommen wäre. Das ist also für China gleichfalls eine Art Gewinn. Damit aber sind die guten Chancen Chinas erschöpft. Japan wird Port Arthur mit Dalny verlangen- ein Pfahl im Fleische Chinas. Japan wird noch andere Forderungen hinsichtlich der Beaufsichtigung der mandschurischen Bahn ftellen, und Rußland wird sie bewilligen. Das ist die Festtellung einer wenigstens teilweisen Vormundschaft Japans über China. selbst nicht hat Krieg führen können, ist des Rechtes verIustig, sich nach einem Kriege, den andere geführt haben, geltend zu machen. Und Japan hat seinen großen Krieg gewiß nicht für China, es hat ihn für sich geführt. Die Bedeutung der Marokko- Konferenz. Unser Berliner CB.- Berichterstatter hat Gelegenheit gehabt, mit einem hervorragenden Staatsmann über die Bedeutung des deutsch- französischen Abkommens hinsichtlich der Marokko- Konferenz sich zu unterhalten. Er schreibt uns über den Inhalt der Unterredung: darf annehmen, daß sie die Hauptorte Merandrowst und Port Dui bald in Händen haben werden. Damit würden die Japaner Herren von Sachalin fein. Die nur zwei Bataillone betragenden russischen Streit fräfte können schwerlich ernsthaften Widerstand leisten. Der japanische Vizeadmiral Kataoka meldet, daß zwei Kreuzer und vier Torpedoboote mit Truppen an Bord Korsakowst berließen und nachdem sie die Niederlassung am Kap Notoro beschossen hatten, die Truppen ausschifften und den Ort in Besitz nahmen. Die Gebäude und der Leuchtturm waren unbeschädigt; es wurden 4 Gefangene gemacht. Sachalin hat zum Teil bereits früher zu Japan gehört, wurde aber 1875 gegen die Kurilen- Inseln" vollständig an Rußland abgetreten, das diese Insel zu einem großen Verbannungs ort machte. Steinkohlen, Eisenerze, Naphtha und Gold sollen in bedeutender Menge vorhanden sein, aber unter der russischen Verwaltung nicht ausgebeutet werden können. Den größten Reichtum der Insel bildet aber die Fischerei, die für Japan deshalb von großer Wichtigkeit ist, weil sie den aus Fischen, namentlich Heringen, gewonnenen Dünger für ihre Reisfelder gebrauchen. Die jährliche Ausfuhr derartigen Düngers von Sachalin nach Japan repräsentiert einen Wert von 7 Millionen Rubel. Man kann daher begreifen, daß Japan sich noch vor Beginn der Friedensverhandlungen in den Besitz der Insel setzt. So tritt mit großer Bestimmtheit das Gerücht auf, der Friedensschluß sei jetzt so gut wie gesichert, da Rußland dem Vorschlag Englands, es solle Japans Kriegsanleihen übernehmen, zustimme. Die Newyorker Regierung gibt das Programm zu den Friedensverhandlungen bekannt. Die Delegierten werden in Portsmouth ( New- Hampshire) tagen, doch soll das Protokoll in Washington unterzeichnet werden. Die Japaner werden am 23. d. Mts. in Newyork erwartet, wo auch die Russen Anfang August eintreffen werden. Von dort sollen an demselben Tage auf den Marinejachten Mayflower" und" Delphin" beide Delegationen nach Oysterbay befördert und dem Präsidenten vorgestellt werden. In Portsmouth werden die Verhandlungen im Verwaltungsgebäude der Marinewerft stattfinden, die auf einer Insel gelegen ist, die mit dem Festlande murch eine nach Kittery in Maine führende Brücke verbunden ist. ,, Ein Diplomat ist es gewesen, der die Bemerkung gemacht hat, die Sprache sei dazu da, die Gedanken zu verbergen. Das wigige Wort hat für die Sprache der Diplomatie volle Geltung. Nicht immer freilich. Denn zuweilen hat auch die Diplomatie den Wunsch, sofort und allgemein verstanden zu werden. Ist das der Fall, so weiß sie sich ganz deutlich auszudrücken. Doch unter Umständen legt sie Wert darauf, eine unangenehme Wahrheit zwar nicht zu verhehlen, aber mit einem wohltätigen Schleier zu umhüllen, so daß man Mühe hat, ihre Züge im einzelnen zu erkennen, und durch die Dauer der hierauf gerichteten Anstrengungen Zeit gewinnt, sich zu beruhigen. Der Ton ist es, der die Musik macht. Man nehme an, die zwischen Herrn Rouvier und dem Fürsten Bülow hinsichtlich der Maroffo- Konferenz getroffene Vereinbarung lautete schlicht und unzweideutig also: " Frankreich erkennt an, daß es in dem Marokko- Abkommen mit England sich Rechie angemaßt hat und von England hat übertragen lassen, über die eine Verfügung weder Frankreich noch England zusteht, und tritt von dieser Anmaßung zurück. indem es sich bereit erklärt, Marokkos Unabhängigkeit und die Unverleglichkeit seines Gebiets zu versichern, in Marokko wirtschaftliche Freiheit ohne Ungleichheit gelten zu lassen, und an einer von dem Sultan von Maroffo berufenen Konferenz teilzunehmen, auf der alle Mächte gemeinschaftlich die Ordnung der marokkanischen Angelegenheiten beraten solIen." Eine solche Fassung wäre für Frankreich kränkend, beleidigend, herabsetzend. Nur ein besiegtes Frankreich brauchte sich eine solche Sprache gefallen zu lassen, und selbst das besiegte würde es bloß zähneknirschend tun, mit dem stillen Gelöbnis einstiger Vergeltung. Es wäre überaus töricht, eine Macht, mit der man in freundnachbarlichem Verbältnis sein und bleiben möchte, unter ein solches kaudinisches Joch zu zwingen. Das wäre keine Verständigung, sondern die Herbeiführung eines dauernden Kriegszustandes.- Allerdings hat Herr Delcassé Deutschland gegenüber sich maßlos überheblich gezeigt. Aber Herr Delcassé ist das gewesen, nicht Frankreich, wie schon daraus hervorgeht, daß Frankreich Herrn Delcassé davongejagt hat, der überdies von England sich gröblich hat dupieren lassen. Sollten wir Delcassés übles Beispiel etwa nachahmen? Das lag in unserem Wunsch so wenig wie in unserem Interesse, und deshalb haben wir uns aufrichtig bemüht, zu einer Formulierung der französischen Erklärung zu gelangen, die Frankreichs Würde nirgend zu nahe tritt, seine Empfindlichkeit in keinem Punkte verlegt, und doch alle tatsächlichen Zugeständnisse enthält, auf denen wir bestehen mußten. Die von Frankreich abgegebene Erklärung wirft das französisch- engTische Marokko- Abkommen vollständig um, trotz des Vorbehalts, daß die bevorstehende Konferenz nichts bezwecken dürfe, was zu den Rechten Frankreichs aus früheren Ver= trägen oder Verabredungen in Widerspruch steht. Denn dieser Vorbehalt ist an den weiteren Vorbehalt geknüpft, daß die früheren Verträge und Verabredungen im Einklang sind mit der Unabhängigkeit und Unverleglichkeit Marokkos und mit der wirtschaftlichen Freiheit ohne jede Ungleichheit (..offene Tür") im marokkanischen Gebiet. Gerade diesen Einklang aber hatte das englisch- französische Marokko- Abkommen verletzt und hiergegen ist von Deutschland in der bekannten Weise energisch Einspruch erhoben worden. In dem Abkommen mit England hatte Frankreich sich das Recht zugeschrieben, in Marokko mit Ausnahme eines bestimmten Gebiets Befestigungen anzulegen. Das war schon nicht mehr ein Protektoratsanspruch, das war ein Herrschaftsanspruch Frankreichs über Marokko. Selbst die Handelsfreiheit wurde nur für einen Zeitraum von 30 Jahren gewährleistet. Auf alles dies hat Frankreich verzichtet, und darauf allein konnte es uns ankommen. Die Form des Verzichts dürfte die mildeste, freundlichste sein. Wäre es möglich gewesen, eine noch verbindlichere ausfindig zu machen, so hätten wir ihr den Verzug gegeben. Unser Gewinn ist dabei ein doppelter: Wir haben nicht bloß erreicht, was wir erstreben mußten, um nicht in Marokko und anderwärts ins Hintertreffen zu geraten, sondern haben uns zugleich durch unsere Buvorkommenheit Frankreich verpflichtet. Die französische Regierung hat Gelegenheit gehabt, zu sehen, daß mit uns im Bösen sehr schlecht, im Guten sehr gut auszukommen ist, und daraus wird sie zu ihrem wie zu unserem Vorteil Lehren ziehen." Kein Wunder, daß unter solchen Umständen die chinefische Regierung in Petersburg und Tokio den dringenden Bunsch ausgesprochen hat, über die Friedensverhandlungen fcheit auf dem laufenden erhalten zu werden, als dabei Chinas Rechte und Chinas Interessen in Frage kommen, bezüglich deren ohne vorherige Zustimmung Chinas ändernde oder eingreifende Vereinbarungen nicht getroffen werden dürften. China beansprucht nicht, zu den Friedensverhandhungen hinzugezogen zu werden, fündigt aber an, daß es jeder Abmachung, die in seine Rechtssphäre und Souveräniit eingreife, die Anerkennung versagen werde. Dieses Verhalten Chinas ist verständlich, es wird aber den Fortgang der Dinge nicht aufhalten und nicht beeinTussen. China hat dulden müssen, daß Rußland mitten im Frieden ihm die Mandschurei abnahm; China kann nicht erwarten, daß Japan einen opferreichen Krieg geführt haben soll, um ihm die Mandschurei zurückzugewinnen. Chinas Interessen und Rechte, für die selbst einzutreten China nicht die Kraft gehabt und nicht einmal den ernsten Willen geBeigt hat, sprechen wirklich nur so weit mit, als sich starke Fürsprecher finden; und daß das geschehen wird, ist überans fraglich. Solche Interessen aber, hinter denen eine wirkliche Macht steht, wird Japan zu verlegen oder auch nur von ferne Bedrohen sich nicht beikommen lassen. Dazu ist die japanie Mugheit zu groß. Auch hat Japan feine Veranlassung, für Chinas Integrität sich zu erhiken. China, das für sich - Der Krieg in Oftafien. Die Vorbereitungen der Japaner für die Besißnahme der Snfel Sachalin scheinen wohlüberlegte gewesen zu sein. Man Politifche Rundfchau. Deutsches Reich. * Aus den deutschen Kolonien in Ostafrika wird berichtet, daß aus mehreren kleineren Sisalhanf- und KautschukPflanzungen größere Gesellschafts- Unternehmungen gebildet worden sind. Englisches Kapital soll in hervorragender Weise beteiligt sein. * Einen großen Erfolg haben die bayerischen Landtagswahlen für das Zentrum gebracht. Der Liberalismus iſt durch das Kartell des Zentrums mit den Sozialdemokraten gänzlich in den Hintergrund gedrängt worden. Das Zentrum wird von den 159 Mandaten zu den bisherigen 84 mindestens 15 mehr erhalten. Die Sozialdemokraten bekommen statt 11 nun 13 Size. Die Liberalen verlieren 15, die Bauernbündler einen Siz. * Der preußische Eisenbahnminister von Budde hat einen Erlaß betr. die Bekämpfung der Tuberkulose an die Eisenbahndirektionen gerichtet. Eine systematische Tuberkulosefürsorge soll für die Eisenbahnbeamten stattfinden. Besonderes Gewicht wird auf frühzeitige Ermittelung, Wohnungsdesinfektion und Verbesserung der Wohnungsverhältnisse gelegt. England. ** Premierminister Balfour kündigte die Einbringung eines neuen Wahlgesetzes im Unterhause an. Das borgeschlagene würde England siebenzehn Parlamentsmitglieder mehr geben, von denen auf London fünf, auf seine Vorstädte sechs entfallen würden. Schottland würde vier Size, Wales einen Siz gewinnen, während Irland 22 Size verlieren würde. ** Eine große Friedenskundgebung will die unabhängige Arbeiterpartei Britanniens veranstalten. Außer anderen Rednern sind Bebel und Jaurès vorgesehen, von denen der letztere schon zugesagt hat. Skandinavien. ** Für eine friedliche Lösung der Unionsfrage tritt ein Aufruf ein, der von 174 Gelehrten, Schriftstellern, KünstTern, Lehrern und Aerzten veröffentlicht wird. In dem Aufruf wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der außerordentliche Reichstag sich für eine solche Abwickelung des Unionsverhältnisses zwischen Schweden und Norwegen entscheiden werde, daß die Ruhe und die Freundschaft auf der skandinavischen Halbinsel gewahrt bleiben könne. Russland. ** Die revolutionäre Bewegung zeitigt immer weilere Schreckenstaten. Die neueste ist die Ermordung des Stadthauptmanns von Moskau. Dieser empfing eine Reihe von Bittstellern. Plötzlich zog einer der Supplikanten einen Rebolber und schoß dreimal auf den Stadthauptmann, der tot niedersank. Der Mörder wurde verhaftet. Sehr schlimme Nachrichten kommen fortgesetzt von den Küstengelände des Schwarzen Meeres. In der Stadt Tiflis sind Bombenattentate verübt. Ueber den ganzen Kreis Tiflis hat der Kriegszustand verhängt werden müssen. In Batum stockt jede Tätigkeit. Das Panzerschiff Knäs Potemkin" liegt noch immer vor Constanza. Die Bemannung des in Sewastopol angekommenen Torpedobootes 267 ist wegen der Meuterei verhaftet. Balkan- Staaten. ** In Serbien bereitet man eine allgemeine Amnestie vor, die aus Anlaß der Volljährigkeitserklärung des Kronprin zen Georg proklamiert werden soll. Unter sonstigen Verur. teilten sollen alle Journalisten begnadigt werden, die unter dem Ministerium Paschitsch bestraft worden sind. Hof und Gefellschaft. Der Kaiser ist an Bord der„ Hohenzollern" von Saynig nach Wisby abgedampft. In den nächsten Tagen wird der Kaiser mit dem König Oskar von Schweden und bessen ältesten Sohne, dem Kronprinzen, zusammentreffen. Die Begegntung soll im Gefle- Fjöro stattfinden. Die Gräfin Karoline zur Lippe- Biesterfeld ist getorben. Gräfin Karoline ist die Mutter des Graf- Regenten Leopold von Lippe. Sie ist am 6. April 1844 als Tochter des Grafen von Wartensleben in Mannheim geboren und war jeit dem 16. September 1869 mit dem Grafen Ernst zur LippeBiesterfeld vermählt, der im September v. J. ihr im Tode boraufgegangen ist. Feer und flotte. Sächsisches Automobilkorps. Das sächsische Kriegs ministerium will nun auch den Kraftwagen militärischen Zwecken dienstbar machen. Es plant die Einführung eines sächsischen Automobilkorps nach preußischem Muster. Soziales Leben. Weberaussperrung in Belgien. Anläßlich verschiedene Differenzpunkte fam es zu 3wistigkeiten in den Webereier zu Verviers zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Sei Montag haben 46 Webereien die Fabriken geschlossen, wo durch 2500 Arbeiter brotlos wurden. | Der Konflikt in Essen anläßlich der Bauarbeiter- AugSperrung. Oberbürgermeister Zweigert hatte seinen Antrag zur Unterstützung der Bauarbeiter mit 20 000 Mark auf Ersuchen der Finanzkommission zurückgezogen, um die versprochenen Vergleichsverhandlungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern nicht zu stören. Da diese Verhandlungen nicht eingeleitet worden sind, ist der Antrag aufs neue eingebracht und auf die Tagesordnung für die nächste Sigung gestellt worden. Nab und Fern. † Der Grubenbrand in Dortmund. Es ist keine Hoffnung vorhanden, daß den durch das Feuer auf Zeche Borussia ab. geschnittenen Bergleuten Rettung gebracht werden kann, ob wohl die Rettungsmannschaften unermüdlich arbeiten un mit Todesverachung vorgehen. Voraussichtlich werden die Bergleute, 39 an der Zahl, schon längst erstickt sein. Der Brand entstand dadurch, daß eine Petroleumlampe durch ein herabfallendes Stück Holz zerschlagen wurde. Der materielle Schaden, den der Brand verursacht, wird auf 1,5 Millioner Mark geschätzt. Auch in Recklinghausen ist vorgestern ein Unglück passiert. Durch den ausströmenden heißen Damp der Fördermaschine wurde ein Maschinenwärter_getötet und ein Steiger so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen ge zweifelt wird. † Siebzehn Häuser eingeäschert. In Bacharach am Rhein brach Feuer aus, das bei der zurzeit herrschenden Trockenheit so rapide um sich griff, daß in furzer Zeit alle in der Nähe befindlichen Gebäude in hellen Flammen standen. Siebzehn Häuser fielen dem verheerenden Elemente zum Opfer. † Großer Blitzschaden. Schweres Unglück richteten die heftigen Gewitter der letzten Zeit auf dem Pommerschen Gute Kothlow an. Es wurde durch Blitzschlag fast ganz zu Grunde gerichtet. Drei Personen kamen ums Leben, und außerdem fanden 300 Schafe, sowie 20 Zuchtpferde ihren Tod. † Ein rabiater Mensch. In Metz drang dieser Tage ein Arbeiter in die Wohnung seines Schwiegervaters, eines Schuhmachers, und schoß ihn nieder. Ein Schuhmann, der den Mörder verhaften wollte, wurde ebenfalls durch Schüsse verwundet und dann mit dem eigenen Säbel erschlagen. Nachdem der Wütende dann seine Frau und Schwieger. mutter schwer verletzt hatte, er choß er sich selber. † Raubmord auf der Landstraße. An der Frankfurter Landstraße in der Nähe von Hochheim wurde in einem Kornackar ein Handwerksbursche aus Sachsen in schwer ver wundetem Zustande gefunden. Der ganze Körper war mit Stich- und Schnittwunden bedeckt, allein an Kopf und Hale sind zwanzig gezählt. Nach Andeutungen des Schwerver. letzten handelt es sich um einen Raubanfail, den ein Wander. genosse an dem Unglücklichen begangen hat. † Revolverheld aus Eifersucht. In Wien lauerte ein junger Kaufmann an einem der letzten Abende cinem Mäd chen, das er mit Heiratsanträgen verfolgte, das sich aber mit einem anderen verlobt hatte, auf und brachte der Unglück lichen drei Schüsse aus einem Revolver bei. Ein weiterer Schuß traf den Portier des Hauses, der auf das Schießen herausgeeilt war. Beide Getroffenen sind schwer verwundet. Der Täter entfloh. † Hungersnot in Spanien. In der Provinz Andalusien herrscht gegenwärtig eine furchtbare Hungersnot. Entsetzlich: Szenen werden aus den von der Kalamität befallenen Gegenden berichtet. Das Minifterium hat zur Abstellung der schlimmsten Not einen Kredit von 12 Millionen Pesetas bewilligt. † Ein braver Sohn. Mit eigener Lebensgefahr rettete fürzlich in Nieder- Aigen im Oesterreichischen der Sohn eince Bauern seine beiden hochbetagten Eltern aus den Flammen. Der Hof war in Brand geraten, und das Feuer griff mit rasender Geschwindigkeit um sich. Der wackere Sohn stürzte sich zweimal in das brennende Gebäude und trug seine El. tern heraus. Er zog sich dabei selber schwere Brandwunden zu, so daß aus der nahebevorstehenden Hochzeit des Retters zunächst nichts werden kann. † Eine vornehme Diebin. In Philadelphia wurde vor kurzem eine reiche Dame, Frau Potts, verhaftet. Sie verfehrte in den ersten Familien und benutzte ihre Konncrio nen dazu, auf Bällen und Soireen Schmuckgegenstände sich anzueignen. Es waren dort in letzter Zeit auffällig vicle wertvolle Gegenstände abhanden gekommen. Nach Beobachtungen der Detektivs lenkte sich der Verdacht auf Frau Potts, und eine bei ihr vorgenommene Haussuchung förderte Hunderte von Ringen, Broschen, Kolliers und andere Schmucksachen, zum Teil von großem Werte, zu Tage, die von der bornehmen Diebin nach und nach in den Häusern, in Snea sie verfehrte, entwendet waren. Hus dem Gerichtofaal. § Der Prozeß Hüger. Vor der ersten Straffammer des Landgerichts zu Dortmund begann der Militärbeleidigungs. prozeß gegen den Obersten a. D. Hüger. Er war früher Kommandeur des württembergischen Feldartillerieregiment Nr. 13 in Ulm und ist der Beleidigung einer ganzen Anzahl Generäle und anderer höherer Offiziere durch eine Broschüre angeklagt. Hüger schildert in der Broschüre den Kampf, den er gegen die vorgesetzten Stellen lange Zeit geführt hat und der mit seiner Verabschiedung endete, die nach seiner Meinung zu Unrecht erfolgt ist. § Die Ruhstrat- Affäre. In Bückeburg begann die Verhandlung wegen Meineids gegen den Kellner Meyer aus Bremen. Meyer wurde in dem großen„ Residenzboten": Prozeß als Zeuge vernommen und hatte dabei gegen den Justizminister und andere höhere Justizbeamte Angaben gemacht, die nach den eidlichen Bekundungen dieser Zeugen auf unwahrheit beruhen sollen und die dem Gericht Veran lassung gaben, Meyer von der Zeugenbank weg wegen drin genden Verdachts des Meineids in Untersuchungshaft zu nehmen. Es sind über 50 Zeugen geladen, darunter aud Minister Rubstrat. Der Angeklagte blieb bei der Verneh. mung dabei, daß Minister, damals Oberstaatsanwalt Ruhstrat noch bis in das Jahr 1900 Lustige Sieben" gespielt hat und zwar hauptsächlich mit den Herren Buchhändler Schmidt und Zahnarzt Dr. Schleppegrell. Die drei Herrer haben unter ihrem Eide ausgesagt, daß dies nicht der- gewesen sei. Kunft und Wiffenfchaft. MP Gin wertvolles Gemälde gestohlen. In der Gemäldegalerie im Haag wurde ein Bild des großen niederländischen Malers Franz Hals geraubt. Das Bild führt die Bezeichnung„ Ein Kavalier", ist auf Holz gemalt und wird als besonderes Meisterstück geschäßt. Das Bild ist 24,5: 19,5 Zentimeter groß. Sofort nach Entdeckung des Diebstahls wurde die Galerie geschlossen und alle Anwesenden einer Untersuchung unterzogen, die ergebnislos verlief. Auf die Wiedererlangung des Bildes ist eine hohe Belohnung ausgesetzt worden. Der Dieb hat es aus dem Rahmen herausgedrückt und anscheinend unter den Kleidungsstücken verborgen weggetragen. Das Goldland Mazedonien. Türkische Regierungsweisheit. Vergangene Zeiten. Bauern als Goldfinder. Eine fachmännische Untersuchung. · Erfreuliche Resultate. Ueber ein halbes Jahrtausend ist Mazedonien unter türfischer Herrschaft gewesen, und jetzt erst, da von drei Seiten der Versuch gemacht wird, das Vaterland Alexanders des Großen aus der türkischen Umklammerung loszulösen, beginnt der Padischah, die Bodenschäße der bisher für arm gehaltenen Provinz erforschen zu lassen. Der Gedanke ist ihm oder seiner Umgebung nicht etwa von selbst gekommen. Das widerspräche der osmanischen Tradition. Auch ist die Anregung nicht darauf zurückzuführen, daß man sich durch die Lektüre von Geschichtswerken erinnert hätte, in welchem Maße im Altertum der Boden Mazedoniens Gold, Silber, Blei und Kupfer hergegeben hätte. Das wäre gleichfalls dem Herkommen zuwider, das unbedingt verbietet, die Vorstellung erwecken zu lassen, als wäre irgendwann einmal ein anderer als der Türke Herr im Lande gewesen. Das darf nicht sein, aus Gründen der„ Staatsraison". Die nämliche Staatsraison", nicht eigentliche Bildungsfeindlichkeit oder Mangel an historischem Sinn, hat auch dahin geführt, daß selbst die persönlich aufgeklärtesten Paschas sich den Ausgrabungen von Altertümern widersetzten und beispielsweise Inschriftensteine, die denkwürdige Ausschlüsse über die Zeite.. der Vergangenheit geben konnten, pietätlos als Material für Nuzbauten verwendeten. Nein, der Zufall oder stumme Ortsüberlieferung haben den mazedonischen Bauer daraus gebracht, dem in der Erzeugung von Feldfrucht fargen Boden Edelmetalle abzugewinnen. Natürlich geschah das in der rohesten Weise, ganz oberflächlich und unter Vermeidung maschineller Hilfsmittel, für deren Erwerbung es den mazedonischen Bauern an Kapital gefehlt hätte und zudem die hindernde Aufmerksamkeit der Paschas auf sich gezogen haben würde. Die südmazedonischen Flüsse Gallifo und Aleria mit ihren Nebengewässern führen Gold, und das angeschwemmte Land ist mit Gold gesättigt. Um es herauszuholen, stellen die Bauern ein mit Querleisten benageltes langes Brett an jenen Flüssen auf, schütten Geröll- und Schwemmmasse auf den oberen Teil und gießen mittels eines Schöpfers Wasser darüber, bis die Masse sich löst und abrollt. Das Gold sinkt vermöge seiner Schwere nach unten und bleibt in den von den Querleisten gebildeten Winkeln hängen. Ein einzelner Mann kann in einer Tagesarbeit 5 bis 6 Tonnen Sandes auswaschen, wobei der durchschnittliche Ertrag etwa 3 Gramm Gold ist, die einen Wert von 7,40 Mark darstellen. Das ist weit mehr als der Bauer durch sonstige Arbeit an einem Tage zu gewinnen vermag. Selbstverständlich konnte das nicht geheim bleiben, besonders da die mazedonischen Bauern für die Verwertung des Goldes auf die Vermittelung der griechischen Wechsler angewiesen waren. Die Folge davon war, daß der Badischah dem Geologen Großkopf, seinem Privatingenieur für Bergwesen, den Auftrag gab, eine Durchforschung Mazedoniens in geologischer Hinsicht vorzunehmen und den Metallreichtum des Bodens festzustellen. Der Auftrag ist ausgeführt worden. Man fand, daß Mazedonien, heute noch so reich an Edelmetallen ist, wie im Altertum. Die obigen Angaben über das Erträgnis der Goldwäscherei sind nur annähernde. Es kommt vor, daß sich in einer Tonne Sandes 3 Gramm Gold finden, und es ist sicher daß eine rationellere Methode weit reichere Ausbeute liefer.. würde, daß namentlich die Ermittelung der alten Flußbetten einen bedeutenden Ertrag liefen müßten. Das Gebiet des Schvemmgoldes am Gallifosluk wird als 60 Kilometer Tang und 40 Kilometer breit angegeben, doch sind auch außer halb dieses Gebietes Goldfelder vorhanden, beispielsweise östlich und westlich von Saloniki. Der Gesamtwert wird auf hunderte von Millionen geschäßt. Dabei ist das Gold nicht mitgerechnet, das im Quarz eingeschlossen ist. Im Norden von Saloniki hat man aus einem einzigen Quarzgang binnen 2 Monaten für 80 000 Mark Gold geholt. Auch auf Silber- und Bleilager ist man bei den Untersuchungen gestoßen, ebenso auf andere sehr wertvolle Metalle. Der Sultan nimmt an den Ermittelungen den größten Anteil wahrscheinlich wird er das in jedem Sinne tun. Wien, 11. Juli Die Kaiferin der Sabara. ( Eig. Bericht.) Der ungekrönte und zu seinem Schmerze von den euro päischen Mächten noch nicht anerkannte Beherrscher der Sahara, Herr Jacques Lebaudy, hatte für seinen Hofstaat auch bereits die Dame gewählt, die den erhabenen Thronsit als holdes Gemahl mit ihm teilen solite. Die Glückselige heißt im bürgerlichen oder vielmehr im Artistenleben Madame de Dion und bemühte sich vor ihrer Erhebung zur Wüstensürstin auf den Brettern der Spezialitätenbühnen um die Gunst des Publikums. Sie war also Chansonettensängerin. Nachdem sie in Zwistigkeiten mit ihrem cäsarische Pläne im Hirn wälzenden Herrn und Gebieter geraten war, hat sie sich jetzt wieder ihrem früheren und eigentlichen Berufe zugewandt. Sie weilt vorläufig in Wien, um sich von den Aufregungen ihrer Kaiserin- Herrlichkeit zu erholen und will später in einem für sie verfertigten Ausstattungsstück„ Die Kaiserin der Sahara" auftreten. Diesen Erfolg also hat der geniale -Lebaudy errungen, er wird seinen Kaisertraum auf dem Variété verwirklicht sehen. nunmehr bekannt g bon der Wandlung erften Jahre weift bon 36 500 Stiffen im zweiten Jahre britten bleibt es f nody zwei Stiffe radtfuß. In der einzelten Stuffen aeiten! = Branbilden Red Band im Staat Opernband nieder frite allo zu einer Belier gibt feinem Bofton Ideal Open hat ihre ganze den von 40 000 = Die Gemlen d des Deutider Raifer quemen Meidling in Chal be Sodgebirge für Rail Lagen die Senb inwendig taler, verjähriger berladen worden = Das improvifi Die Boorhühnerjagd in den Städten mehr batten fich ein einfa nadh Herzensluft auf der weit verftrenten Kirchlein. Als der B zur Jagd zu erwart Sprechend, am Sonn arrangierte er fchnell Stets eine Rollefte Madame de Dion erzählt merkwürdige Einzelheiten von ihrem großen Freunde. Bis auf die letzten Ereignisse zwischen uns," so sagte sie, fann ich mich über Lebaudy nicht beklagen. Er benahm sich gegen mich ganz verständig und liebevoll, und für verrückt halte ich ihn nicht. Nur die fire Idee hat er, das Kaiserreich der Sahara zu gründen. Er ist überzeugt davon, daß er sein Ziel einmal erreichen trird. Sehr oft versuchte ich ihn von dieser Dummheit abzubringen und ihn von der Unmöglichkeit seiner Pläne zu überzeugen, aber das war vergeblich. Schau," sagte ich zu ihm,„ du wirfst dein Geld zum Fenster hinaus. Vielen armen Leuten würde es gutkommen." Aber er wollte davon nichts hören und hatte nur seine Freude, wenn ihn die Leute Majestät ansprachen und in tief grüßten. Nach Triest fam er mit zwei Arabern, sechs Kamelen und drei Rennpferden. Eines Tages wollte er mit der Karawane nach Wien ziehen. Er und ich sollten auf Kamelen die Reise machen. Ich weigerte mich. Ich machte ihm den Vorschlag, nur auf Pferden zu reiten, und bestieg eines der Rennpferde. Dabei stürzte ich zu Boden und verletzte mich am linken Arm. Nun weigerte ich mich endgültig, mit der Karawane zu ziehen. Er wurde ganz wild darüber, drohte mir mit dem Revolver, sperrte mich in mein Zimmer ein und verließ das Hotel. Ich suchte bei der Polizei Hilfe. Mit zwei Geheimpolizisten fuhr ich durch Triest, um Lebaudy zu suchen. Als wir ihm begegneten und er bemerkte, um was es sich handle, wollte er sich mit der Reitpeitsche auf mich stürzen. Man führte ihn jedoch auf die Polizei. Dort angekommen, warf er eine Menge Banknoten auf den Tisch. Ich solle mir davon meine Abfertigung nehmen. Natürlich tat ich das nicht, sondern ließ einen Advokaten mit ihm verhandeln, der mir eine Abfertigung von 25.000 Franken verschaffte." Die Dame, die sich so leichtherzig von der Aussicht auf einen Thron trennte, belustigt sich sehr über Lebaudys Aeußeres. Augenblicklich trägt Lebaudy, nachdem er ja eine Weile auf österreichischem Boden geweilt hat, einen Kaiserbart. Sein Schädel ist immer kahl geschoren. Lebaudy selbst weilt augenblicklich in Padua. Was will man ihm tun? Er besitzt 120 Millionen, und eine solche Summe gibi ihm immerhin die Möglichkeit, die Welt noch eine Zeitlang nach seiner Manier zu belustigen. Vermischtes. = Die findige Post und der selbstbewuste Gastwirt. Ein Tourist, der es in der gegenwärtigen Reisezeit in einem Hotel recht schlecht getroffen hatte, machte seinem Aerger durch eine Postkarte an einen Freund Luft, die folgendermaßen lautete:" Bei einer Flasche Grüneberger Schattenseite, Himmelssegen, aber wirklich sauer, einer Sorte Zwiebeltalent, das Tränen entlockt, nach einem Stück ledernen Rindfleisch, das schändlicherweise für Kalbsschnitzel ausgegeben wird, des falten Kaffees gar nicht zu gedenken, sende ich dir melancholischen Gruß!" In seiner Getränktheit vergaß der Kartenschreiber die Adresse aufzuschreiben. Am nächsten Morgen brachte mit freundlichem Lächeln der Wirt seinem Gaste die Karte, die von der Post richtig an das Hotel zurückgegeben war, mit den Worten:„ Die Karte haben Sie wohl geschrieben; sie ist ohne Adresse, aber unsere Post läßt sich keinen Wind vormachen. Sie hat aus Ihren Worten gleich ersehen, aus welchem Gasthaus sie stammen muß. Das kann nur das meinige sein!" = Antomaten für warme Milch. In Schweden sind durch die Bemühungen einer Dame, namens Valborg Ulrich, Automaten in Benugung, die auf den Einwurf eines GeldStückes einen Becher warmer Milch geben. Sie haben sich derartig eingeführt, daß ihre Zahl immer größer wird. Nach einer vor kurzem aufgestellten Rechnung sind aus zwei dieser Automaten in der Zeit von 45 Tagen 18 000 Becher warmer Milch entnommen. Ueber die Einrichtung wird folgendes mitgeteilt: Der Automat ist ein Holzfasten, etwa drei Juß breit und tief und sechs Fuß hoch. An der vorderen Seita befinden sich außer dem Schlitz zur Aufnahme des Geldstücks zwei Knöpfe, die mit zwei Röhren in Verbindung stehen, und zwei angefettete Becher. Hinter einem kleinen Glasfenster zeigen Zahlen, wieviel Becher Milch der Apparat roch enthält. Im Inneren befindet sich ein großer Wasserfasten, in den der Milchkasten gestellt wird. Das Wasser wird durch eine regul rte Gasflamme auf ungefähr 75 Grad Celsius erhitzt. Nach Hineinwerfen der Münze kommt zuerst heißes Wasser zum Reinigen des Bechers und dann die warme Milch. Die Ausgaben werden durch die Einnahmen ungefähr gedeckt, nur die Anschaffung der Automaten, deren jeder etwa 1300 Mark kostet, muß zur Verfügung gestellt werden. - Die Statistik der Küsse. Ein Ehemann hat über die Süsse sorgfältig Buch geführt, die er mit seiner Gattin ausgetauscht hat. Nach seinem Ableben ist diese Aufmachung Boldfüchse, ein e Münzen. Der Pf night getäuscht = Das Ende des Beigern des frango nationalen Gordon men, sondern ein eig Gordon Bennett- Pol prächtige Schauftüd Das Groß Gut Hemmelmart Heinrich eingetroffen ** Der Groß Bogel zu Walle Ober- Lais, Defanat -tw. Feuerwe borbereitungen naben hat, fann nur in der werden. Die beiden weldes Entgegenfon Birgerschaft finden Summ des Feftes etwas fe teiligung an den Ehrenfade den beid m fannt werden. halle Probe der G auch werden die Samstag Abend ift woran fich alle Be gehende Bapfent traße, Brandplag, e Areuzplay, Mausbur früh 6 Uhr bew Eugen: Feftplay Marburgerstraße, Labaigtage, Alice Seftyag nomittage Lindenplas, Martipla frage, Stephanfrage frage, Lomengaffe, Straße, Celtere meg, rage and Neuftabt. Sonntag Mittag 1 lie offizielle Reden bigrist werden. Da BM. Zum F gegen den jest ut in Unterjuang haft Dr. Chelius ift num Seiten if man mun Daß Chelius fid ber guldig gemacht bo Time Besbodtung Ueberzeugung gelo zudem er fi au beschäftigt. B weiteren Beoba GH. Schu felten geftattet einer Runft zu frabit, bas gef Siegener Musitire tief empfunden un Die Tone von den bas Quartett hing wird es lebendig, rühren fid berwa Daleinsluft und D die Brüden in ba alles Rationalifi manden bie Rünft find auch außer en, beispielsweise amtwert wird auf it das Gold nicht ist. Im Norden gen Quarzgang geholt. Auch auf terfuchungen ge etalle. Der Sul ößten Anteil m. ara. ien, 11. Juli e bon den euro Jerricher der Sa en Hofitaat auch en Thronjit als Glückselige heißt eben Madame de ur Wüstenfürstin um die Gunit nfängerin. Nad Pläne im Hirn hat sie sich jetzt Cufe zugewandt. en Aufregungen will später in Die Kaijerin hat der geniale traum auf dem Einzelheiten von ten Ereignisse über Rebaudy Janz verständig nicht. Nur die a zu gründen. nmal erreichen Dummheit abeiner Pläne zu u," sagte ich zit inaus. Vielen rer wollte dae, wenn ihn die grüßten. Nad nelen und drei der Karawane melen die Reise den Vorschlag, nes der Renn rlegte mich am ig, mit der Ka ber, drohte mir immer ein und zei Hilfe. Mit im Lebaudy zu fte, um was es uf mich stürzen. t angekommen Cisch. Ich sol atürlich tat it hm verhandeln, en verschaffte." er Aussicht auf ber Lebaudn dem er ja eine einen ren. Lebaudy will man ihm e Summe gibi eine Zeitlang Bastwirt. Gin Beit in einem einem Aerger Die folgender ger Schatten Sorte Zwie Stück ledernen nigel ausge denken, sende Getränktheit reiben. Am In der Wirt n das Hotel e haben Sie re Poſt läßt ren Worten n muß. Das n find durd org Ulrich, eines Geld haben sich wird. Nach zwei diefe edher warme rd folgendes twa drei Fuj orderen Geita ne des Geld Verbindung einem fleinen der Apparat roßer Waffer Das Wasser ungefähr 75 Münze tommt rs und dann urdy die Ein ng der Autonuß zur Ver hat über die r Gattin aus Aufmachung nunmehr bekannt geworden. Sie gibt ein bezeichnendes Bild von der Wandlung in der Zärtlichkeit der Eheleute. m ersten Jahre weist die Schmaß- Statistik die respektable Zahl von 36 500 Küssen auf, also pro Tag rund 100 Stück. Schon im zweiten Jahre sind es nur noch 50 für den Tag, im dritten bleibt es schon bei 10, und nach fünf Jahren gibt es noch zwei Küsse, den obligaten Gutenmorgen- und Gute rachtkuß. In der Folgezeit hat es gar bei gelegentlichen ver. einzelten Küssen sein Bewenden. So wandeln sich die Ehe = zeiten! Brandschaden bei einem amerikanischen Theater. In Red Bank im Staate New- Jersay brannte dieser Tage das Opernhaus nieder. Das Feuer entstand in der Morgenfrühe, also zu einer Zeit, da niemand im Theater war. Der Befizer gibt seinen Schaden auf 140 000 Mark an. Die Boston Ideal Opera- Compagnie, die dort Vorstellungen gab, hat ihre ganze Garderobe eingebüßt, sie erleidet einen Schaden von 40 000 Ma Die Gemsen des Kaisers. Das Oberjägermeisteramt des Deutschen Kaisers hat den Wildparkbesizer Täuber in Meidling im Thal beauftragt, Gemswild aus dem steierischen Hochgebirge für Kaiser Wilhelm zu beschaffen. Vor ein paar Tagen ist die Sendung nach Berlin abgegangen. In bequemen, inwendig ausgepolsterten Kisten sind ein kapitaler, vierjähriger Gemsbock und vier dreijährige Gaisen berladen worden. == Das improvisierte Erntedankfest. Wenn in England die Moorhühnerjagd aufgeht, ist für die Nimrode kein Halten in den Städten mehr, es geht hinaus ins Freie. Ihrer Acht hatten sich ein einsames Moor in Lancashire gesichert, um nach Herzenslust auf das Flügelwild zu pirschen. Inmitten der weit verstreuten und recht armen Gemeinde steht ein Kirchlein. Als der Pfarrer hörte, daß acht reiche Stadtherren zur Jagd zu erwarten seien und sicher, dem Brauche entsprechend, am Sonntag den Gottesdienst besuchen würden, arrangierte er schnell ein Erntedankfest, bei dem in England stets eine Kollekte gehalten wird. Das Ergebnis war acht Goldfüchse, ein Schilling und drei Penny in kleineren Münzen. Der Pfarrer hatte sich also in den Jagdgästen nicht getäuscht. - Das Ende des Gordon Bennett- Rennen. Durch das Weigern des französischen Automobilklubs, an dem internationalen Gordon- Bennett- Rennen nicht mehr teilzunehmen, sondern ein eigenes Rennen zu veranstalten, kann der Gordon Bennett- Pokal nicht mehr ausgefahren werden. Das prächtige Schaustück ist jetzt seinem Stifter zurückgegeben. Lokales. 12. Jult 1905. ** Das Großherzogspaar ist Montag Mittag auf Gut Hemmelsmart bei Eckernförde zum Besuche des Prinzen Heinrich eingetroffen. *** Der Großherzog hat dem Pfarrvikar Wilhelm Vogel zu Wallenrod die evangelische Pfarrstelle zu Ober- Lais, Dekanat Nidda, übertragen. -tw. Feuerwehrjubiläum in Gießen. Die Festvorbereitungen naben ihrem Ende, was noch zu geschehen hat, kann nur in den letzten Tagen vor dem Feste erledigt werden. Die beiden Feuerwehren leben nun in Spannung, welches Entgegenkommen ihr Jubiläumsfestes bet der Bürgerschaft finden wird. Der allseitige Häuserschmuck und die Feststimmung ist bei den Gießnern mit dem Beginn des Festes etwas selbstverständliches, aber auch die Beteiligung an den Festveranstaltungen selbst sollte als Ehrensache den beiden Wehren gegenüber ols Pflicht, erfannt werden. Am Freitag Abend findet in der Festhalle Probe der Gesangvereine und Probebeleuchtung statt, auch werden die Feuerwehrleute Festaufstellung nehmen. Samstag Abend ist Eröffnung des Festes, der Fest fommers, woran sich alle Vereine beteiligen werden. Der vorausgehende Bapfen streich passiert Lindenplatz, Marktlaubenstraße, Brandplatz, Sonnenstraße, Neuen Bäue, Neuenweg, Kreuzplaß, Mäusburg, Marktstraße und Neustadt. Sonntag früh 6 Uhr bewegt sich der Weckruf durch folgende Straßen: Feftplay, Nordanlage, Afterweg, Steinstraße, Marburgerstraße, Ostanlage, Südanlage, Bleichstraße, Ludwigstraße, Alicestraße, Bahnhofstraße, Neustadt. Der Festzug nachmittags geht vom Walltor aus nach dem Lindenplatz, Martiplaß, Schulstraße, Neuen Bäue, Gartenstraße, Stephanstraße, Bismarckstraße, Ludwigstraße, GoetheStraße, Löwengasse, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurterstraße, Seltersweg, Kreuzplaß, Mäusburg, Martt, MarktStraße und Neustadt. Gelegentlich des Festessens am Sonntag Mittag 1 Uhr( Gedeck 150 Mt.) werden sämtliche offizielle Reden gehalten auch die fremden Feuerwehren begrüßt werden. Das weitere besagt das Programm. RM. Zum Fall Chelins. Die Voruntersuchung gegen den seit Mute Mai wegen Vergehens gegen§ 175 in Untersuchungshaft befindlichen Beh. Oberbergrat Professor Dr. Chelius ist nunmehr abgeschlossen. Von verschiedenen Seiten ist man nun bestrebt, die Behauptung aufzustellen, daß Chelius sich der Vergehen im Zustande geistiger Störung fchuldig gemacht habe. Der Gefängnisarzt soll jedoch durch seine Beobachtungen während der Untersuchungshaft zu der Ueberzeugung gelangt sein, daß Chelius geiftig normal ift, zudem er sich auch fortgesezt mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt. Voraussichtlich wird Chelius nunmehr zur weiteren Beobachtung einer Jrrenanstalt überwiesen werden. GH. Schuhsches Künkler- Quartett. Selten, sehr selten gestattet uns ein gütiges Geschick in den Bannkreis einer Kunst zu treten, wie ihn das Schuhsche Quartett ausstrahlt, das gestern Abend im„ Neuen Saalbau" sich den Gießener Musitfreunden vorstellte. Alles ist wahr und echt, tief empfunden und verklärt. Mit mächtigen Impulsen brechen die Töne von den Lippen, herzenswarm und seelenvoll singt das Quartett hinaus, und dann lauscht es. Und ringsum wird es lebendig, überall lebt und webt es, in allen Tiefen rühren sich verwandte Klänge, bis die Seele aufglüht in Daseinsluft und Daseinsschmerz und sie mit tausend Wonnen die Brücken in das Al, nicht das Unendliche, findet, denn alles Rationalistische ist der Kunst feind. Leise, ganz facht wanden die Künstler die Gestaltungskraft des Lauschenden aus den Fesseln und hoben sie empor, bis sie erstarkte und frei in beseligendem Schöpfertrieb sich selbst die Welt baute. Selten nahen dem Menschen die Augenblicke, von denen der Dichtermu b singt, daß er in solchen dem Welteng iste näher ist als sonst. Das Schubsche Quartett brachte uns sie. Seine Gesangsfunft war ganz, vollendet. Wir lehnten uns zurück, schlossen die Augen und fannten nichts Fremdes, Außenstehendes mehr. Wir bewachten die Kunst eifrig wie die tönigliche Blume, damit der scharfe Stahl falten kritischen Interesses nicht zu früh durch sie hinschnitte. Der Tenor des Herrn Schuh durchlief mühelos die Passagen bis zu den höchsten Höhen hinauf und größte Anerkennung ver dienen auch die Lässe, die tiefer und tiefer herabstiegen, immer in Wechselbeziehungen und immer im Ausgleich mit den Tenören ein wohliger Zusammenklang, eine feltene Harmonie! Ohne an Kraft einzubüßen oder an Wirkung zu verlieren, wurden sämtliche Biecen gegeben, ja, der Beifall war so intensiv und das Publikum begehrte so stürmisch da capo, daß es sich nur durch Wiederholungen und Extra- Einlagen beschwichtigen ließ. Auch die humoristischen Beigaben wir schreiben ausdrücklich Beigaben, denn der Humor erregt stets bedenkliches Kopfschütteln bei dem Kunsttenner wurden dankbar als die süß- saure Frucht entgegengenommen, die uns eine gütige Fee bricht, bevor sie uns aus den geweihten Räumen zur Alltäglichkeit entläßt, damit der Uebergang ein nicht allzu schroffer sei. Das Schuhsche Quartett hat es verstanden, mit einem Schlage das Gießener Bubitum zu gewinnen, das sonst gerade in musikalischen Dingen sehr reserviert ist. * - - ** Rentabilitätsberechnungen landwirtschaft licher Betriebe. Im Preisbewerbeplan der landwirts schaftlichen Landes und Jubiläums- Ausstellung zu Mainz ist in der„ Wissenschaftlichen Abteilung" in Klasse 13 ein Preisbewerb für Aufstellung von Rentabilitätsberechnungen landwirtschaftlicher Betriebe vorgesehen. Diejenigen Landwirte, welche gesonnen sind, an demselben teilzunehmen, sind gebeten, sich die vom Landwirtschaftsrat hierfür festgesetzten Formulare schicken zu lassen und ihre Anmeldung zur Teilnahme am Breisbewerb unter Einsendung der ausgefüllten Formulare bis spätestens 15. Auguft einzureichen. Es fönnen nur solche Landwirte zu diesem Preisbewerb zugelassen werden, die ihre Angaben und Berechnungen auf eine mehrere Jahre geführte geordnete Buchführung ftüßen fönnen. Der Landwirtschaftsrat behält sich vor, durch beauftragte Sachverständige die Fragebeantwortung an Hand der Büchführung nachprüfen zu lassen. Es sind: erste Es sind: erste Preise zu 50 Mt., zweite Preise zu 20 Mt. vorgesehen, eventuell Staatsmedaillen, Ehrenpreise. Anfragen sind straße 78, zu richten. an den Hessischen Landwirtschaftsrat, Darmstadt, Bismarck- ( Jagdschlößchen Dutenhofen) wurden heute mehrere große w. Reicher Fischzug. Auf der Weberschen Fischerei Hechte, darunter einer von 173/4 und mehrere von 7-9 Pfund, gefangen. Die Fische sind im Gießener Fischhaus in der Sonnenstraße 30 zu sehen. Kriegsfuß mit der Orthographie scheint ein Herr H. zu leben, *** Die böse Orthographie. Auf bitterbösem der einer Gießener Firma in folgender Weise sein Anliegen borträgt:" Ich Bütte also Freundlich mir Umkehendt durch den ich wiell Jine durch eine Post Anweisung einen Betrag eine Post Kartte genau Fren Wonordt zurief zu schreiben, zu senden Umkehendt. Vülle Grüße an die Vermilge. H." -tv Grünberg, 11. Juli. Unser Turnverein veranstaltet am 13. Auguft ein Schau- und Wetturnen. + Laubach, 11. Juli. Ferien- Kolonie. Gestern sind hier 28 Frankfurter Knaben unter Aufsicht ihrers Lehrers zum vierwöchigen Aufenthalte eingetroffen. + Laubach, 11. Juli. Der Sparkafferrechner ßwalo dahier ist gestern einem längerem Leiben erlegen. ** Osthofen. Der Schreibgehilfe Ferdinand Schüß aus Buzbach ist zum Steuerkommissariatsgehilfen bei dem Steuerkommissariat Osthofen ernannt worden. ?? Butzbach, 11. Juli. Der Maurerausstand ist durch eine Lohnerhöhung beendet worden. Nieder- Florstadt, 11. Juli. Ländung. Die Nidda ländete den 68jährigen Bäcker Walter aus Nidda, der unglücklicher Familienverhältnisse halber ins Wasser gegangen war. § Eberstadt, 11. Juli. Postalische Umteilung. Seit einiger Zeit. läuft hier das Gerücht um, daß unser Drt, der seit 2 Jahren zum Poftamt Münzenberg gehört, demnächst in den Bezirk des Postamts Lich einbezogen werden soll. Den Wünschen der Bewohnerschaft entspricht diese Umteilung wegen der weiten Entfernung des Licher Poftamts aber wenig. Am zweckentsprechendsten wäre es, für Eberstadt, Torf- und Hof- Güll eine Post- Agentur zu errichten. ? Marburg, 11. Juli. Selbstmord eines Lehrers. In dem benachbarten Orte Wetter hat sich der 26jährige aus Rothenburg a. d. Fulda gebürtige Lehrer Gans erschossen. Gründe unbekannt. A Ilbeshausen, 11. Juli. Im Vogelsberg projeftiert man in der Nähe des Kurortes Hochwaldhausen die Anlage eines künstlichen Gebirgssees. Die Großh. Regierung steht dem Blane sehr sympathisch gegenüber. Der See sol die Abmessungen von 1000: 300 m erhalten. * Reinhardsquelle bei Wildungen, 11. Juli. Frequenz. Hier herrscht jezt ein lebhafter Verkehr. Die in Villa Görner sowohl wie auch in den anderen Villen 2c. zum Vermieten an Kurgäste und Sommerfrischler eingerichteten Räume sind fast sämtlich bescht Außerdem aber wird die Reinharde quelle infolge ihrer unmittelbaren Lage bei Wildu: gen von sehr vielen Wildunger Kurgästen besucht. Die herrlichen von Herrn Görner geschaffenen Anlagen des Kurparks lohnen aber auch tatsächlich einen Besuch der idyllisch gelegenen Reinharde quelle. Ebenfalls erfreut sich das neugebaute Badehaus einer zunehmenden Frequenz und werden die Mineralbäder der Reinharde quelle als ganz vorzüglich bezeichnet. Der Wasserversandt der Reinharde quelle ist in diesem Jahre ein sehr guter, denn bis Anfang Jult waren bereits über 100 000 Flaschen versandt. Aus dem Gerichtssaal. Straffammer. Bei Ausbruch des - Gießen, den 11. Juli 1905. Binßer von Schliß wurde wegen farhlässigen Bankerotts Der zu Staßfurt wohnhafte Kaufmann Richard Konkurses über sein Vermögen stellte es sich heraus, daß zu 20 Mt. Geldstrafe verurteilt. Zwei Schüler zu Gießen haben mittels Einsteigen einem er die Biehung der Eröffnungsbilanz unterlassen hatte.- Weißbinder einen Topf Farbe und einen Bewohner der Schüßenstraße einen Stallhasen entwendet. Der eine erhielt 2 Tage und der andere ein Tag Gefängnis.— Der praktische Arzt Dr. Julius Braun zu Herbst ein war wegen fahrlässiger Körperverlegung angeflagt. Patienten, der sich einen Finger zerhackt hatte, mit Starbol behandelt, sodaß eine Verbrennung eintrat. Das Gericht Er hatte einen fährliche Wirkung des Karbols nicht vollständig gekannt hat. fam zur Freisprechung, da der Angeklagte wohl die ge Die Ehefrau eines Zugführers zu Gießen hatte inbeSprachlehrer Henri Houeix de la Brousse daselbst die zug auf die immer fest verschlossene Wohnung der Eheleute Aeußerung getan: Man metne, es wäre eine Flaschmünzerbande, da immer alles so fest verschlossen ist. Es wurde Klage wegen Beleidigung erhoben und das Gießener, Schöffen gleichsweise angewendet worden sei, eine beleidigende Absicht gericht fam zur Freisprechung, da die Aeußerung nur ver habe gefehlt. Das Berufungsgericht hob das Urteil auf, indem es in der fraglichen Aeußerung doch eine Gering schäßung der Kläger erblickte und erkannte auf 10 Mark Geldstrafe. - Literarisches. Meyers Großes Konversations- Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens, sechste gänzlich neubearbeitete und vermehrt Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Juustrationstafeln( darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbelagen) fowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mart.( Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Von Meyers großem KonversationsLex fon ist der neunte Band erschienen, der eine große Fülle des Interessanten birgt. Zwar enthält dieser Band, wie dies die Natur einer alphabetischen Anordnung ergibt, feinen Abfassung stets besonderes Interesse erweckt, doch werden größeren monographisch behandelten Staatenartikel, deren wir durch den Reichtum an fleinern Darlegungen reichlich entschädigt, zumal sie einige besonders aktuelle Fragen berühren. So werden allen die beiden Artikel Herero" und unsere Feinde in Südwestafrika genauer zu orientieren. Die " ottentotten" sehr willkommen sein, um sich über Kriegsgeschichte dieser Kolonie ist bis in die jüngste Beit flargelegt, und ein: ausgezeichnete Karte Südwestefritas, mit Büge unserer Truppenführer, über die Wasserstellen und die Kartons von Windhuk und Swakopmund, gibt uns nicht nur über die Lage der Kampfpläge, sondern auch über die Hauptlager der Herero und Hottentotten, die Missionsstationen 2c. ein genaueres Bild. Auch die Karte von " Hinderindien ist für die Kriegslage im Osten von großem Interesse, desgleichen der Artikel, Himalaja" für die Kenntnis der Situation an der indischen Nordgrenze, die bei der tibetanischen Frage eine Rolle spielt. Größere geogra phische Artikel geben die Stichwörter Hessen"," Holstein", teilweise durch Karten veranschaulicht. Ueber die Entw delung des Heerwesens belehren die Artikel„ Heer" und " Infanterte", die Genealogie unsers Kaiserhauses lernen wir aus einer sehr übersichtlichen Beilage bis in die äußersten weige kennen. Sehr interessant für die Kenntnis der innern Entwickelung unsers Landes sind die Artikel ,, Innere Kolonisation"( speziell für die Ostmarkenfrage)," Innere Mission"," Invaliditätsversicherung"," Innungen"," Hilfstaffen"," Heimat“,„ Sypothet". Wer sich über Hofwefen und Etikettenfragen belehren will, erhält in den Artikeln " Hof“ und„ Hofrangordnung" einen übersichtlichen Bescheid. Eine große Anzahl von Biographten aus Literatur, Kunst und Wissenschaft bietet auch dieser Band. Meisterhaft ist die bildliche Darstellung der Hunde, aus der Hand des hervorragenden Tiermalers Sperling und Hühner, Tafeln, wie wir sie so vortrefflich und anschaulich nie zuvor gesehen haben.- Der neunte Band mit seinen 48 Tafeln und 5 Karten ist eine ganz vortreffliche Fortsetzung der schönen Reihe, durch die das Werk immer mehr zu einem Kapitalwerk deutschen Fleißes geftempelt wird. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Bitterung in Hessen für Donnerstag, den 12. Juli. 8eitweise wollig, stellenweise Gewitter, besonders in Oberhessen. Anhaltend warm. ( Näheres durch die Gießener Wetterfkarte. Verantwortlich: sür die Politik und den Inseratentell: Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide in Bieben Gegründet 1883. Jean Dern& Co. Giessen Telephon No. 21. Inh.: Oskar Gutmann. Westanlage 31. 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Juli 1905 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 filb. Zylinderuhr, 2 Spazierstöcke, Geld 1,35 Mt., 1 weißes Taschentuch( Inhalt 20,53 Mark), 1 Spannkette und 1 Bandmaß; verloren: 1 schwarzer Ueberzieher, 1 goldene Damenuhr mit filb. Kette, daran ein goldn. Herschen, 1 Portemonnaie mit ca. 60 Mt. Inhalt, 1 10Markstück, 1 Brieftasche mit Studentenfarte und Briefsachen, 1 neues Torschloß mit 2 Schlüsseln, 1 schwarzer, seidener Regenschirm mit grauec Krücke, 1 Briefs tasche mit Monogramm L. E. Jnhalt eine Legitimationsfarte und Briefsachen, 1 Anhängsel mit filb. Herzchen und neues 50 Bfennigstück. 8ugelaufen ist: 1 schottiger Schäferhund gelb und weiß. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 8. Juli 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Arbeitsversteigerung. Samstag, den 15. Juli, nachm. 7 Uhr, sollen auf dem Rathause zu Leihgestern nachstehende Arbeiten an den Wenigstnehmenden versteigert werden. 1. Gossenpflasterung 2. Herstellung eines Fußpfades r. 162. Sertionspreis: en, bie Kreise We Reflamen Adattion u. Saupte Ber für Ober Das Geftändn Herr Delcaffé ist vo als er die Politik Fra und der Verstand it ib dankung nicht wiederg mert:, daß er im Beg derbliche Abenteurerb Bernichtung der deut liche Schädigung d ren Muin ronfreid r. 160 Oberb Voranschlag 860 Mr. 110 Mt. Reed Bering be Leihgestern, den 10. Juli 1905. Großh. Bürgermeisterei Leihgestern. He B. Vergebung von Bauarbeiten. Nachverzeichnete Rohbauarbeiten und Lieferungen für das neu zu errichtende Markuspfarrhaus an der Kirchstraße sollen vergeben werden: 1. Erd- und Maurerarbeiten. 2. Trägerlieferung. 3. Lieferung von Sandsteinarbeiten. 4. Zimmerarbeiten und Dachgesimse( getrennt). 5. Dachdeckerarbeiten. 6. Spenglerarbeiten. 7. Schmiedearbeiten. 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